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Alt 09.06.2005, 21:27   #1
Cunningham
CO 5th Syrtis Fusiliers
 
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Krieg bedeutet Entwicklung. Zu keiner Zeit der Geschichte der Menschheit entwickelt sich die Technik so schnell wie in Zeiten des Krieges. Wo die Dringlichkeit es einfach erfordert. Sei es Computertechnik, Fertigungsmethoden oder Medizin. Ethik und Moral müssen einen Schritt zurückweichen.
Krieg ist Wahnsinn. Menschlichkeit, Würde, Freiheit, all jene Dinge, die wir für Verteidigungswert erachten, für die wir bereit sind zu töten und zu sterben, treten in den Hintergrund, wenn die Waffen sprechen.
Es ist einfach unvorstellbar, so widersinnig, es gibt kein erhabenderen oder schöneren Anblick, als wenn zwei Raumflotten im Nahkampf aufeiander schießen, diese skurile Bild von Energiestrahlen, die durch das All rasen und Metall und Fleisch verdampfen.
Es ist abscheulich, wie einem so etwas Spass machen kann. Ich habe sehr viel getötet, als Jagdpilot und als ich über Karrashin abgeschossen wurde und mich durch den Dschungel von Karrashin schlug, habe ich auch zwei Akarii aus nächster Nähe erschossen, sah ihnen in die Augen, sah wie der Funke des Lebens aus ihren Augen wich.
Ich hätte mich beinahe zu den Marines versetzen lassen. Robert E. Lee sagte einst: "Es ist gut, dass der Krieg so schrecklich ist, sonst würden wir noch gefallen an ihm finden." Dies war mein einzigster wirklicher Krieg und so sehr es schockiert, ich habe ihn genossen.


Harvey "Skunk" Jones, Lt.-Cdr. a.D.
Aus Lords of Space, Kapitel 16 - 127th Fighter Wing "The Angry Angles"


27. November 2634: Die Schlacht von Corsfield endet.

Lucas Cunningham wird auf die TRS Dolphin versetzt.
Darkness wird zum Commander befördert und erhält das Komando über die Angry Angles. Lightning wird Geschwader-XO.
Monty und Skunk werden zu Lieutenant Commandern befördert

Kurz vor seinem Dienstantritt auf der Dolphin heiratet Lone Wolf Melissa Auson in einer kleinen Zeremonie.

Chris Mithel und Tripple E Gonzales werden mit dem Silverstar ausgezeichnet.


4. Dezember 2634:

Die Bodentruppen der Bundesrepublik Terra landen auf Wron. Einer der längsten Bodenkämpfe des ganzen terranisch-akariischen Krieg beginnt.


Januar 2635:
Lai Rian wird in den Ruhestand versetzt. So entledigt sich Jor seiner größten Kritikerin. Der Großadmiral beginnt mit großangelegten Umstrukturierungen in der Führungsebene der Flotte.


Melissa Alexander erklärt sich bei Ihrer Anhörung gem. § 31 MilitärStrafGesetz in allen Anklagepunkten für verantwortlich/schuldig.
Noch Ende Januar tritt ein Kriegsgericht zusammen.


Vijadh Singh wird als Lehrer auf die TRS Dolphin versetzt. Sein Hauptfach ist einfache Kommandoführung und Verbandsmanöver.
Sein ehemaliger erster Offizier Lieutenant Igor Maleetschev wird als Kursteilnehmer auf die Dolphin versetzt. Er landet in einer Kabine mit Cunningham


Februar 2635: Dr. Willhelm von Braun erstellt eine These, wie weit die Erdstreitkräfte in den Akarii-Raum vordringen können. Das führte zur fiktiven Ziehung der Von-Braun-Linie.


März 2635:
Melissa Auson-Cunningham wird zum Captain befördert und erhält das Kommando über den Zerstörer der Norfolk-Class Drake.


Die Forschungsabteilung der Navy stellt die Arbeiten am Trackball-Projetk ein, da die Software dieses Steuerungsinstrument immer schwerwiegendere Inkompatiblitäten mit der Software modernerer Jagdfliger wie der Nighthawk und Falcon aufweißt.


Die Relentless wie auch die Dauntless werden aus den Werften wieder zum Dienst freigegeben. Chris Mithel wird zum Commodore befördert und erhält den Befehl über das Kreuzergeschwader 2.3


Das Kriegsgericht befindet Viceadmiral Melissa Alexander in allen Anklagepunkten für schuldig, nachdem sie für das Manticore-Desaster die volle Verantwortung übernommen hat. Melissa Alexander wird unehrenhaft aus dem Dienst entlassen und verliehrt alle Pensions- und Leistungsansprüche gegenüber der Navy.


April 2635: Sämtliche Piloten, die gem. § 67a des Navy Kriegsrechts ihren Dienst versehen werden vollständig - auf Sondererlass Patricia Birminghams - rehabilitiert. Donovan Cartmell wird zum Lieutenant Second Class befördert.
Ebenso wird ihm nachträglich das Flying Cross in Bronce verliehen

Justin "Darkness" McQueen schießt auf einer Routinepatroulie seinen fünfzigsten und einundfünfzigsten Gegner ab. Er erhält das Flying Cross in Silber.



Mai 2635:
Lucas Cunningham schließt als Lehrgangsletzter den Perisher dennoch erfolgreich ab. Er wird zurück auf die Columbia kommandiert, wo er Justin McQueen als CO der Angry Angles ablößt. Lucas ist über seine neue Geschwader XO mehr als "erfreut".

Justin McQueen wird auf die TRS Dolphin zum Kommandantenlehrgang versetzt.


August 2635:
Clifford Davis besteht den körperlichen und psychologischen Fittnestest für den Flugdienst.
Er wird in den Aufbau- und Fortbildungskurs von Markham Fields gesteckt um wieder Fronttauglich gemacht zu werden.

September 2635:
Die Moskau wird wieder an die Front geschickt. Ein großteil der Impirial Starlancers wurden zum Bordgeschwader der Moskau versetzt.

Norr Wilko wird von der Nakobi abgezogen und erhällt den Posten des obersen Fluglehrers an der Imperialen Raumfahrtakademie auf Akarr. Sein Nachfolger als Geschwaderkommandant ist Duv Ren.

Justin McQueen erhält den Befehl auf Miramar ein neues Geschwader aufzubauen. Der 141. Fighter Wing unter dem Namen Thunderbirds soll auf der TRS Corsfield stationiert werden.
Die Impirial Starlancers werden aufgelöst und der Rest des Geschwaders wird zu den Thunderbirds versetzt.


Oktober 2635:
Die Erdflotten überschreitet die "Von-Braun-Linie" mit den Trägergruppen Columbia, Saratoga, Gettysburgh, Melbourne und Charles de Gaulle.
Dieser Verband stellt im Carbash-System einen Kampfverband der Akarii und vernichten einen Flottenträger. Ein weiterer wird schwer beschädigt.
Im Zuge der Kampfhandlungen werden noch acht schwere Kreuzer der Akarii vernichtet, sowie 13 weitere Dickschiffe.


November 2635:
Die TRS Corsfield ein Flottenträger der Pegasus-Class wird in Dienst gestellt.
Sein Bordgeschwader die Thunderbirds setzt sich zu einem Drittel aus Milizionären, zu einem Drittel aus überresten der Starlancers, zu einem Sechstel aus Akademieabgängern und zu einem Sechstel aus Piloten zusammen, die von Graxon befreit wurden.

Valina Shukowa wird auf die Corsfield versetzt um Justin McQueen als Geschwader-XO zu dienen.
Santiago De LaCruz wir dauf die Columbia versetzt und erhält das Kommando über die Griphen Staffel.


Dezember 2635:
Cliff Davis wird als Fronttauglich eingestuft und als Ersatzpilot auf die Columbia versetzt.

Admiral zweiten Ranges Kjani Rau erhält das Kommando über ein Geschwader bestehend aus zwei Träger/Kreuzer, fünf Kreuzer und acht Zerstörer.
Dieser Verband wird hinter die feindlichen Linien geschickt, um die Versorgungslinien der Erdtruppen in Unordnung zu bringen.


Januar 2636:
Die Columbia-Trägergruppe dringt ins Groshen-System ein und stellt einen riesigen aber kaum bewachten Nachschubkonvoi der Akarii.
Das Groshen-Tontaubenschießen beginnt.
Nur einigen Truppentransportern in Begleitung schwerer Kreuzer gelingt der Ausbruch, während die restlichen Akarii-Versorger kapitulieren müssen.
Einzig Lieutenant Martin Durfee gelingt es durch die schweren Kreuzer zu brechen und einen Akarii-Truppentransporter mit zwei Mavericks abzuschießen.
Er erhält als erster Pilot des Krieges das Flying Cross in Gold, für überragende pilotische Leistungen. Durfee hingegen stürzt darüber nochmal über 15.000 Akarii getötet zu haben in Depression und muss beurlaubt werden.
Der Leichenschauer von Gorshen. Die fünfzehntausend Akarii-Soldaten werden von der Anziehungskraft von Gorshen VII eingefangen und verglühen in der Atmosphäre. Der gesammte Leichenschauer wird von einer Bordkamera der Dauntless aufgezeichnet.
Zum ersten Mal in diesem Krieg wird auf Schiffen der Erdstreitkräfte eine Gedenktrauerfeier für gegnerische Truppen abgehalten.

Der eigentliche Begleitschutz für den Konvoi wird von den Trägergruppen Saratoga und Peking abgefangen. Zum ersten mal in der Geschichte hat ein Flottenträger der Lexington Class einen Gefechtseinsatz.
Den Erdstreitkräften gelingt es den Akarii-Flottenträger und einen großteil der Geleitschiffe zu vernichten, jedoch nicht ohne selbst Federn zu lassen.
Den Akarii gelingt es in einem strategischen Fächerangriff die Saratoga zu stellen und zu vernichten.
Viceadmiral Long wird zum Admiral und Kommdanten der 3. Flotte befördert.

Cliff Davis trifft auf der Columbia ein.
Ebenso wie 16 brandneue F-108 B Falcon, die an die grüne Schwadron gehen.

An dieser Stelle sei bemerkt, dass sich Lone Wolf und Lightning noch keinen Deut besser verstehen, obwohl sie Enger als zuvor zusammenarbeiten müssen.

Zwei Akarii-Kreuzer aus dem Geschwader von Admiral Kjani Rau's verstecken sich im Strahlungsbereich des Collis Wurmlochsprungpunktes und fangen die Clemenceau Trägergruppe beim Massentransit ab. Die beiden Kreuzer eröffnen aus dem Hinterhalt das Feuer auf die Clemenceau. Der Träger wird vernichtet, ohne das ein Schuss durch die Erdstreitkräfte fällt. Die beiden Akarii-Kreuzer können entkommen.
Der geplante Angriff auf das Sektorenhauptquartier der Akarii an der Conföderationsfront fällt wegen dem Mangel an Kampfkraft aus.


Februar 2636:
Die Navy beginnt im großen Stiel die alten Typhoone durch Falcons zu ersetzen.
Ebenso werden die letzten Phantome an der Front durch Nighthawks ersetzt.


Der letzte Pegasus-Class Träger wird fertig gestellt. Doch statt ihn in Dienst zu stellen wird er an die Colonial Conföderation gegeben. Da man sich dafür entschied den sich kurz vor der Fertigstellung befindlichen Lexington-Class auszurüsten.
Die Colonial Navy stellt ihren ersten Pegasus-Class Träger unter dem Namen CNS Judgement in Dienst.


März 2636:
Die Erdstreitkräfte schicken weitere 60.000 Mann nach Wron, wo der Bodenkampf noch immer kein Ende gefunden hat und die Akarii sich in ihrer Felsenfestung noch immer tapfer gegen die starke überzahl und die Luftüberlegenheit der Terraner wehren.

Lucas Cunningham schießt seinen fünfzigsten Gegner ab und erhält das Flying Cross in Silber.

Die herkömmliche Exocet wird durch die Exocet MK II. ersetzt. Sie besitzt einen um 5 Prozent effektiveren Sprengkopf und eine um 30 Prozent verbesserte Reichweite.

Die Navy beginnt damit die alten Harpoonwerfer gegen Exocetwerfer auszutauschen.

Desweiteren wird der Lexington-Class Träger TRS Alexander von Humbold in Dienst.
Der 142. Fighter Wing - Red Corsairs besteht aus vielen Piloten, die von Graxon befreit wurden, sowie angehörigen mehrer planetarer Raummilizen.
Die Alexander von Humbold wird der dritten Flotte zugeteilt, um den Verlust der Saratoga auszugleichen.

Mai 2636:
Die 2. Flotte derzeit Speerspitze der Offensivtruppen der Republik erobern in einem Großangriff der die Trägergruppen Columbia, Corsfield, Moskau und Melburne umfasst das strategisch wichtige Velorha-System.
Spezialeinheiten des Marine-Corps können die Selbstsprengung der Velorha-Raumwerft verhindern.
In der Werft liegen neben einem Trägerkreuzer der Golf-Class noch zwei leichte Kreuzer der Akarii neuester Generation und der von den Akarii bei Manticore erbeutete Pegasus-Class Träger Deutschland.


Zum ersten mal wird Prinz Jor von einem anderen Admiral der Akarii öffentlich der Unfähigkeit bezichtigt.
Im akariischen Oberkommando entbrennt ein Machtkampf, wie er seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen wurde.
Jor geht durch die Schützende Hand seines Vaters als Sieger hervor.
Viele Posten müssen neu besetzt werden. Die Moral der Akarii-Flotte sinkt ins Bodenlose.


Juni 2636:
Nahil Koo, ehemaliger Großadmiral und Oberkommandierender der Akarii-Flotte stirbt eines natürlichen Todes.


Die TSN stellt einen weiteren Flottenträger der Lexington-Class in Dienst, die TRS Yamato.
Um das Geschwader, den 143. Fighter Wing - Space Dragons, zu bilden werden drei Schwadronen von Frontträgern abgezogen, welche durch aufgelöste Schwadronen vom Hilfsträgern der 6. Flotte ersetzt werden.
Der 143. Fighter Wing wird ebenfalls mit Piloten aus aufgelösten Schwadronen der 6. Flotte und Milizpiloten aufgefüllt.
Die Yamato wird zur 4. Flotte verlegt, um den Verlust der Clemenceau auszugleichen.


August 2636:
Lt. Martin Durfee wird wieder in den Aktiven Dienst versetzt.
Die blaue Schwadron erhält nun auch endlich die neuen Falcon Jäger.

Die Akarii versuchen sich zum ersten Mal seit über einem Jahr mit einer Gegenoffensive. Ihr Ziel die Rückeroberung von Velorha.
Da von Velorha jedoch die nächste Offensive der TSN starten soll fliegen die Akarii direkt vor die Raktenwerfern und Geschützrohre der "Großen Armada" wie sie Renaults Flotte mitlerweile nennen.
Nur durch das beherzte Eingreifen Admiral zweiten Ranges Hahdas Gren wird ein Desaster auf Seiten der Akarii vermieden und statt aufgerieben zu werden können sich ein Großteil der Akarii-Flotte retten.
Dennoch erreicht der Kampfeswille der Akarii-Flotte ein nie geahntes Tief. Die Offiziere sehen sich auf einmal einem Problem gegenüber, welches den Streitkräften der Akarii bisher fremd waren. Es rumohrt auf vielen Schiffen, die Männer und Frauen sind unwillig und schlampig.

Bei den Kampfhandlungen fällt der "Professor". Durfee wird zum Lieutenant Commander befördert und erhält das Kommando über die slberne Schwadron.

Dahingegen kämpfen die Bodentruppen der Akarii verbissen um jeden Zentimeter Boden.
Auf Alis Minor, Groshen VII. und Kalanis IV. leisten die weit unterlegenen Akarii-Truppen der Terran Republik Army und dem Marine Corps verbitterten Widerstand und bringen den Erdtruppen empfindliche Verluste bei.


September 2636:
Der Akarii-Geheimdienst entschlüsselt das nächste Ziel der Großen Armada. Es ist das derzeitige Fronthauptquartier Beta Borialis.
Jor selbst leitet den Aufbau der Verteidigungsstellungen des eigentlich unwirtlichen Systems.
Er zieht eine mächtige Flotte zusammen, um die Raumstation und die umliegenden Verteidigungsforts.
Der Kern dieser Flotte besteht zum ersten Mal aus Trägern der Homefleet der Akarii.
Doch auch dieses vermag die Kampfmoral nicht zu heben. In vielen Köpfen hat sich festgesetzt dass, wenn die Große Armada den Sprungpunkt passiert Beta Borialis fallen wird, egal, was man ihnen in den Weg wirft.
Die Offiziere und Mannschaften die schon zuvor gegen die Menschen gekämpft haben, sind nicht willins als weiteres Kanonenfutter zu enden.


Der Bodenkrieg auf Wron hat sich schon seit langen in eine Mischung aus Verdun und dem Vietnam-Krieg verwandelt. Beide Seiten reiben sich in immer heftigeren Gefechten auf. Schon seit langen hat sich das Interesse der Militärführung von Wron wegverlagert. Nachschub und Verstärkungen bleiben aus, Reporter werden mit reißerischen Storries zu anderen Kriegsschauplätzen gelockt. Wron wird langsam unter den Tisch fallen gelassen, während der Planet in Blut ertrinkt.


Im Bantan System stellt ein Teil von Admiral Rau's Geschwader einen Militärkonvoi der Erdstreitkräfte. Nachdem die Escorte ausgeschaltet wurde begannen die Akarii die Frachter zu zerstören.
Der Captain der TRS Knoxville jedoch funkte die Akarii an und erklärte Admiral Rau, dass er ein Larzarett-Schiff befeligte und sich ergebe.
Admiral Rau hingegen ließ die Knoxville ziehen, mit ihr fast fünfhundert verwundete Soldaten und gab dem Schiff einen Zerstörer Begleitschutz zum nächsten Sprungpunkt.


Dezember 2636:
Die Staffel Gold der Angry Angles wird mit den neuen F/A 109 B Thunderbold Jagdbombern ausgerüstet.


Die TSN stellt einen weiteren Träger der Lexington-Class in Dienst. Die TRS Foch. Um den 84. Figther Wing - Marauders aufzubauen wird das Bordgeschwader des leichten Trägers Maryland aufgelöst.
Die Maryland wird an die Colonial Conföderation verkauft.


Januar 2637:
Die Zweite Flotte greift Beta Borialis an.
Es sind die Trägergruppen Moskau, Melburne, Gettysburgh, Columbia, Corsfiel und Deutschland, die in das Borialis System eindringen.
Die erste Verteidigungslinie bricht unter dem brutalen Frontalangriff der Erdflotte innerhalb weniger Stunden zusammen. Erste Einheiten Flüchten aus dem System.
Die innere Verteidigung ist weit aus beherzter.
Und doch trotz der heftigen Gegenwer der Homefleeteinheiten und der Vernichtung der Moskau und der Deutschland müssen die Akarii das System aufgeben. Die Akarii-Flotte wird zersprengt und muss durch verschiedene Sprungpunkte fliehen.
Die Hauptstation von Borealis sowie zwei Verteidigungsforts werden ohne Gegenwehr übergeben.
Die Erdflotte hatt einen breiten Keil des Krieges in das Sternenimperium der Akarii getrieben.
Das Fronthauptquartier Beta Borialis ist weiter als Akar selbst von der Grenze der Republik entfernt.


29. Februar 2637:
Hier geht es weiter mit uns.
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Col. Lucas Cunningham
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Alt 20.06.2005, 22:35   #2
Cunningham
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Was war nur geschehen? Wie hatte das Imperium nur in diese Schwierigkeiten kommen können? Und wie im Namen aller Heiligen hatte sich aus der einst mächtigen Flotte, die Schild und Schwert des Reiches gewesen war, ein verwarloster Haufen Feiglinge entwickelt? Relath Gor - Kanzler seiner Gnaden Eliak IX. Imperator des Sternenreiches der Akarii, Erz-Herzog von Gnym, Führer der expansionistischen Partei der Ratskammer des Imperiums, Admiral a.D. der Flotte - war ratlos.
Am liebsten hätte er geweint, wie seine Urenkelin, wenn sie sich das Knie aufschlug, doch das wäre seiner unwürdig gewesen.
Gegen den Seufzer, der seiner Kehle entstieg, schaffte er es nicht anzukämpfen.
"Mylord Kanzler?" Ein Diener im Lievree seines Hauses war in das Büro getraten.
"Ja?"
"Die neuesten Berichte sind da, und Eure Gäste sind eingetroffen."
"Gut, ich komme." Gar nicht gut.
Relath schlurfte mühevoll aus seinem Büro, schwer auf seinen Stockdegen gestützt. Es war einer der Tage, wo er ihn dringender brauchte.
Im Roten Saal saßen seine fünf Gäste. Keiner erhob sich, wie es Respekt und gute Sitten forderten, doch Respekt hatte er seit Kriegsbeginn sehr viel eingebüßt.
"Guten Abend liebe ... ah ... Freunde, guten Abend." Sein Gruß verhallte unerwiedert. Er fragte sich, weswegen sie ihm böse waren. Der Gefahr für ihre Posten und Reichtümer wegen oder der Gefahr in der das Reich schwebte.
Er entschied, dass es sich in etwa die Wage hielt.
Endlich am Kopfende angekommen ließ er sich seufzend in den großen Sessel plumsen.
"Nun, Kern, berichten Sie uns, was sich an der Front genau zugetragen hat, was von unseren Verteidigern in Beta Borealis übrig geblieben ist."
"Verteidiger", Teera Moth, neben Kern Raman die einzigste in imperialer Marineuniform spuckte das Wort förmlich aus, "zu beginn sprachen wir von unserer Speerspitze und jetzt ...."
Kern wartete ob noch etwas folgen würde, begann dann jedoch mit seinem Bericht: "Der Kampf um Beta Borealis war ein völliges Desaster, auch wenn teile unserer Flotte großes Geleistet haben, gibt es keine andere Bezeichnung dafür. Hehdas Gren konnte sich mit einer großen Anzahl schwerer Kreuzer und den beiden Trägern Nakobi und Pash ma Rah nach Axion absetzen. Er leitet dort die Vorbereitungen zur Verteidigung."
"Wird ... wird er Axion halten können?" Majl Klyy, Minister für Politische Bildung, wirkte fast ängstlich. Niemand auf ganz Akarr hätte ihn jetzt für den berüchtigten Rethoriker gehalten, den er in Gegenwart des Imperators und in der Ratskammer miemte.
"Laut sienem Komonique an den Imperator sieht Gren keine Chance Axion mit seinen jetzigen Kräften zu halten. Er hat den Imperator gebeten ... dieser niedriggebohrene Kerl hat vom Imperator verlangt, die gesammte Homefleet in Bewegung zu setzen und alles, was von den anderen Fronten verlegbar ist."
"Was ist mit Jor?" Admiral Moth wirkte als hätte sie auf etwas bitteres gebissen. "Ist er gefallen?"
"Wir dachten es zuerst", antwortete Kern, "wobei es wohl in seinem Stab genug Leute gibt, die dem hochverehrten Großadmiral nicht nur den Tod wünschen, sondern auch bereit wären nachzuhelfen."
Anklagende Blicke richteten sich auf Relath, er beachtete sie nicht: "Er ist nicht tot, also warum befehligt er nicht mehr seine Flotten?"
Kern Raman räußperte sich, sichtbar unwohl: "Sein Flaggschiff die Korax ma Rah sowie eine kleine Anzahl von Begleitschiffen ist durch Sprungpunkt Nummer vier aus dem System geflohen. Er befindet sich auf der anderen Seite vom menschlichen Angriffskorridor, vom Rest des Imperiums isoliert."
Raleth Gor legte die linke Krallenhand vor die Augen: "Ist er .... er ist doch nicht feige davongelaufen?"
"Nein, Mylord, ihm blieb keine Wahl, die Niederlage war nicht mehr abzuwenden und er war von den anderen Sprungpunkten abgeschnitten."
"Was interssiert uns jetzt noch dieser Versager", Lev Zuuni, schlug mit der geballten Kralle auf den Tisch. Die jüngste der anwesenden war leitende Direktorin für Flottenbau und entstammte einer sehr alten Familie, deren Linie sich mehr als einmal mit der imperialen gekreuzt hatte, "wie sorgen wir dafür, das Admiral Gren Axion hält?"
"Mylady", Raleth's Stimme war - wie immer im größten Zorn - nur noch ein zischendes Flüstern, "Ihr Redet hier von unserem zukünftigen Imperator. Sein Verbleib ist durchaus von höchster Wichtigkeit."
"Ach, was glauben Sie wird geschehen, wenn die Menschen erst Axion eingenommen haben, der nächste Sprung führt sie dann nach Akarr. Und dann sind VIERTAUSEND Jahre akarrische Geschichte, unser heiliges Imperium, hinweggefegt. Viertausend Jahre haben wir in Einigkeit gelebt, die Sterne bereist, und all das ist jetzt in Gefahr durch eine Rasse, die erst vor fünfühundert? Jahren ihr eigens Sonnensystem verlassen hat. Wir haben wirklich wichtigeres zu tun, als uns um unseren Totengräber zu kümmern."
Raleth Gor wollte irgendwas erwiedern, der Frau irgendwas an den Kopf werfen und wenn es nur sein Stift gewesen wäre, doch er beherrschte sich.
Es zählte nur das Reich. Es stand über allem. Über seinen Wünschen und seinen Träumen, seiner Eitelkeit, seinem politischem Überleben und dem Fortbestand seines - DES Hauses Gor.
Darüber gab es in seinem inneren keinerlei Diskusionen.
"Sie ...." Der alte Kanzler des einst mächtigsten Staatsgebilde des erforschten Weltraums schluckte trocken. "Sie haben recht, wir müssen uns dem Imperium zuwenden, auf das ... es zumindest überlebe."
Axion, das einzig logische Ziel der Menschen, sollte da wirklich dieser Krieg, dieses Massacker entschieden werden? Würde dort das Totenfeuer für seine Nation entfacht werden? Axion, die ältiste Kolonie des Imperiums, eine schöne alte Welt, besiedelt in der großen Blüte der ersten - noch - friedlichen Expansion.
Raleth Gor hatte Angst. Nicht um sein Leben, er war alt und schwach, viel weniger Dekaden vor als hinter sich. Was habe ich Dir angetan meine Heimat? Was?



Beta Borialis,
Fronthauptquartier 2. Flotte Terran Space Navy
T.R.S. Columbia


"So, ich glaube, Du brauchst die Tabletten nur noch drei Tage nehmen und kannst sie dann absetzen." Lieutenant Commander Peter Langescheid, Chefarzt der Columbia, legte den Scanner beiseite. "Das Magengeschwür ist verschwunden, aber Du solltest das Rauchen einstellen und regelmäßigere Mahlzeiten wären auch von vorteil."
Commander Lucas "Lone Wolf" Cunningham, Kommandeur des Bordgeschwaders der Columbia, war dem Arzt einen abschätzigen Blick zu und verkniff sich einen ätzenden Kommentar.
"Ich meine das ernst Lucas, wenn Du nicht bald anfängst einige Gewohnheiten umzukrämpeln, dann hast Du in einem halben Jahr wieder ein Magengeschwür."
Lone Wolf schnitt eine Grimasse, er konnte sich nicht erinnern, wann Langenscheid mit dem 'Du' angefangen hatte und auch wenn er sich nicht dagegen gewehrt hatte so störte es ihn gerade in diesen Momenten. Es ist halt einfacher Sie Arschloch als Du Arschloch zu sagen. "Dann nehme ich halt wieder diese blöden Tabletten. Als ob ich derzeit über meinen Lebensgewohnheiten entscheiden könnte."
Langenscheid seufste: "Komm mit, da wäre noch etwas zu erledigen."
Cunningham ließ sich vom Bett fließen und folgte dem Bordarzt der Columbia in ein Zimmer auf der Intensivstation des Schiffes.
Wenn Krankenstationen eine unheimliche Atmosphäre verbreiten, dann ist die Intensivstation die Hölle. Noch stirieler, nur geflüsterte Unterhaltungen, das gleichmäßige Fiepen von Lebenserhaltungseinheiten, grauenvoll.
Das kleine Zimmer enthielt zwei Betten, nur eines war besetzt. Ein junger Mann, bleiches, eingefallenes Gesicht, rötliche Haare. Aus Mund und Nase ragten Schläuche, monotones Arbeiten einer Sauerstoffpumpe, ein Biomonitor piepte im Takt der Herzfrequenz..
Neben dem Bett stand Samatha Burr, Callsign Raven, die Kommandantin eines der beiden Jagdbomberschwadronen der Angry Angels.
"Der Lieutenant ist jetzt seit fünf Tagen im schweren Koma. Die letzten Untersuchungen ergeben eine sehr starke Hinrschädigung. Nach dem Ausstieg erlitt er einen Schlaganfall und war einige Stunden ohne medizinische Versorgung. Wir gehen davon aus, dass der Lieutenant sich nie wieder erholen wird, die positivsten Chancen stehen bei 5 - 7 %. Ich bin der Ansicht, dass wir die Lebenserhaltenen Maßnahmen einstellen sollten." Langenscheid verstummte kurz, als Ravon sichtlich zusammenzuckte. "Da uns keine Verfügung für diesen Fall vorliegt, brauche ich die Genehmigung des direkten Kommandeurs oder des Geschwaderkommandanten."
Lucas nahm dem Arzt das Klemmbrett ab, zückte seinen Kugelschreiber und kritzelte auf das mit einem Kreuz markierte Feld seine Unterschrift. Beim durchblättern der Unterlagen musste er noch zwei weitere Unterschriften leisten.
"Das wars jetzt? Drei Unterschriften, Fall abgeschlossen?" Ravens Stimme klang gequält. "Wissen Sie überhaupt seinen Namen Lone Wolf?"
Nein, und ich will ihn auch gar nicht wissen. "Sie haben den Doc gehört Raven, keine Chance mehr."
"Ich fragte, ob Sie den Namen des Lieutenants kennen?"
"Nein Raven, kenne seinen Namen nicht, irgendein Ersatzmann vermute ich." Ich will all ihre Namen nicht wissen, verflucht noch mal, sie sind tot! Tot! Unwiederbringlich!
"Und ich soll jetzt den Brief an die Eltern von Jamie Tobin verfassen? Wir waren der Ansicht, dass es besser währe ihn sterben zu lassen."
"Warum schreiben Sie nicht den üblichen Mist vom Heldentod, kommt bei den Verwandten der Soldaten immer gut an." Wie hält die Frau das nur aus? Sich die Namen all dieser jungen Versager einzutrichtern ohne Wahnsinnig vor Schmerz zu werden? Das muss einen doch um den Verstand bringen!
"Wie können Sie nur so distanziert sein CAG?" In Ravens Auge stand eine Anklage.
Ansonsten würde ich jedesmal schreien, wenn ich den Mund aufmache. Lucas reichte dem Doktor das Klembrett zurück und wandte sich wortlos ab.
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Col. Lucas Cunningham
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Alt 22.06.2005, 09:44   #3
Tyr Svenson
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Das Startkatapult der Columbia schleuderte die zwei Jäger in das Vakuum des Weltalls. Lautlos zündeten die Triebwerke und dirigierten die Maschinen auf einen Kurs, der sie von dem riesigen Träger wegführte. Binnen weniger Sekunden hatten die Jäger das etwas früher gestartete Shuttle eingeholt und glichen ihre Geschwindigkeit an.
First Lieutenant Kano „Ohka“ Nakakura lehnte sich zurück. Er wußte, daß ein mehrstündiger, wahrscheinlich ereignisloser Flug vor ihm lag. Dennoch blieb er wachsam und behielt die Anzeigen der Bordinstrumente im Auge. Die Ortung potentiell feindlicher Objekte war schwierig, denn der Radarschirm war mit Signalen förmlich überflutet: Schiffe und kleinere Einheiten der TSN und zahllose Wracks und Trümmerstücke - die Überreste der Schlacht.
Unwillkürlich stieg in Ohka eine alte Erinnerung hoch – das Schlachtfeld von Corsfield. Seitdem war viel geschehen...

Zweimal war er seit damals verwundet und einmal aus seiner Maschine geschossen worden. Andere hatten weniger Glück gehabt. Von der „alten Garde“, den Piloten die bei der Aufstellung der Schwarzen Staffel dabeigewesen waren, befanden sich nur noch vier an Bord der Columbia: Monty, La Reine, Crusader und Ohka. Der Rest war gefallen, schwer verwundet repatriiert oder versetzt worden. Darkness hatte ein eigenes Geschwader erhalten und an seine Stelle war Lone Wolf getreten, was das Ego der „Butcher Bears“ natürlich gehoben hatte.
Die Schwarze Staffel hatte sich unter Darkness und Cunningham auch als „Schlachtflieger“ bei Bodenangriffen und der Vernichtung von Frachtschiffen hervorgetan: mehr als ein Dutzend Transporter gingen auf ihr Konto. Auch nach Corsfield hatte es blutige und harte Kämpfe gegeben, viele neue Piloten waren binnen weniger Feindfahrten ausgefallen, tot, oder verwundet . Die TSN war zwar im Vormarsch begriffen, aber die Akarii verkauften sich teuer.
Und die „Angry Angels“, also auch die Schwarze Staffel, waren immer dabei gewesen. Aus den traurigen Überresten der „Blue Angels“ und anderer Staffeln, aus Neulingen, Piloten zweitrangiger Einheiten und sogar ehemaligen Sträflingen war eines der Elitegeschwader der TSN geworden. Das bedeutete eine ungewöhnlich hohe Konzentration an Assen und Dekorationen – aber auch ungewöhnlich hohe Verluste.
Ohka hatte alle Schlachten und Scharmützel überlebt, auch wenn es öfters ziemlich knapp für ihn gewesen war. Mit inzwischen neunundzwanzig bestätigten Abschüssen gehörte er zu den Spitzenassen des Geschwaders und zu den wenigen, die fast von Anfang an dabeigewesen waren, die noch die alte „Redemption“ erlebt hatten. Nun kommandierte er eine Sektion seiner Staffel und wurde von Miguel „Monty“ Terrano, dem XO der „Butcher Bears“ mehr in die Verwaltung eingespannt, als ihm lieb war – aber Monty verlangte von Untergebenen, und erst recht von Sektionsführern, grundsätzlich hundertfünfzigprozentige Leistung. Vor allem, wenn sich der betreffende Sektionschef mit der Hoffnung trug, irgendwann mal zum Lieutenant Commander aufzusteigen und in ferner Zukunft vielleicht auch einmal eine Staffel zu führen...

Nach einem kurzen Blick auf die Instrumente korrigierte Ohka seinen Flugvektor etwas. Dabei kam die zweite Nighthawk in Sicht. Die Maschine hing etwas zurück. Marcus „Crazy“ Roberts, Kanos neuer Flügelmann hatte zwar trotz seines Callsign ganz gute Anlagen und auch schon einige Erfahrungen bei der Piratenjagd, es mangelte ihm aber noch an Fronterfahrung. Crusader, der früher mit Ohka geflogen war, hatte jetzt seine eigene Rotte – und kurierte momentan zwei Rippen- und einen Armbruch, die Folgen der letzten Schlacht. Piloten mit solcher Flugerfahrung ließ die TSN selten als Flügelmann „versauern“. Also mußte jetzt Kano einen neuen Piloten „anlernen“. Monty hatte es hingegen geschafft, La Reine als Flügelfrau zu behalten. Auch wenn sich die beiden menschlich nicht ausstehen konnten, arbeiteten sie gut zusammen. Die alte Rivalität zwischen La Reine und Crusader hingegen war im Laufe der Zeit freundschaftlicher geworden. Die Pilotin hatte sogar die Patenschaft für Crusaders Sohn übernommen.
Kano warf dem Shuttle, das sie eskortieren sollten, einen kurzen Blick zu. Zu Anfang des Krieges war es sehr selten vorgekommen, daß feindliche Schiffe aufgebracht oder feindliche Wracks untersucht werden konnten. Die TSN war in der Defensive gewesen oder hatte sich auf einen gefährlichen Guerillakrieg einlassen müssen. Aber das hatte sich inzwischen geändert – und die „forensische“ Abteilung des NIC war zu einem wichtigen Bestandteil der nachrichtendienstlichen Aufklärung geworden. Man nannte sie wenig wohlwollend „Boddy Snatchers“, Leichenfledderer, aber sie lieferten Ergebnisse. Es war zur Standardprozedur geworden, nach einem Gefecht die Überreste der feindlichen Streitkräfte zu untersuchen. Dadurch konnten nicht selten wichtige Informationen über Befehle, Einsatzdoktrinen, Geheimdienstinformationen, Waffen und Ausrüstung des Gegners gewonnen werden. Manchmal fand man auch noch Überlebende – deshalb waren die Untersuchungsteams auch bewaffnet und wurden von Jagdmaschinen eskortiert, die jeden Widerstand im Keim ersticken sollten. Der heutige Flug galt den Überresten eines leichten Kreuzers - die letzte Schlacht hatte dem NIC mehr als genug Material geliefert und die Untersuchungsteams waren ununterbrochen im Einsatz. Sie hatten nur Zeit, bis die Flotte zum Abmarsch bereit war...

Über Funk hörte Ohka die Kommandos des Spürkommandos, ohne ihnen aber besondere Aufmerksamkeit zu schenken:
„Wir docken an...“
„Keine Restatmosphäre, keine Energie mehr.“
„Da vorne... kalter Akarii – Mannschaftsdienstgrad.“
„Unwichtig.“
Währenddessen trieben die Nighthawks neben dem langsam driftenden Wracktrümmern durch das All. Selbst wenn die „Boddy Snatcher“ sich beeilten, dauerte jeder Einsatz Stunden. Zum Schluß würde man das Wrack sprengen. Was nicht mehr eingeschleppt werden konnte, mußte wenn möglich vernichtet werden – diese Richtlinie war ausgegeben worden, nachdem bekannt geworden war, daß Piraten und Schmuggler angefangen hatten, alte Schlachtfelder zu plündern. Selbst beschädigte Akarii-Tech war für diesen Abschaum äußerst wertvoll und außerdem machten sich manche ein Geschäft daraus, „Andenken“, sogar Leichenteile, zu verkaufen.

Es wurde langsam auch Zeit, daß die „Große Armada“, wie die Akarii die TSN-Flotte angeblich nannten, wieder aktiv wurde. Die Akariis waren harte Gegner und obwohl ihre Moral angeblich in der letzten Zeit deutlich angeschlagen worden war, sie kämpften immer noch verbissen, nicht selten bis zur Selbstaufopferung – und gerade Kano glaubte zu wissen, wie gefährlich ein solcher Gegner war.
Man mußte die Akariis unter ständigem Druck halten, durfte ihnen keine Ruhe gönnen...

„Spürteam Eins an Eskorte – Einsatz beendet, Ei gelegt. Zeit, nach Hause zu fliegen.“
„Und, habt ihr was gefunden in der Akarii-Unterwäsche?“ Das war Crazy. Der Neuling hatte ein ziemlich loses Mundwerk. Kano hatte ihm ein paar mal die Leviten gelesen, dann aber weitestgehend resigniert. Solange Crazy im Einsatz Befehle befolgte, ließ Kano ihm seine Narrenfreiheit.
„Nur die hiesige Variante des Colonial-Playboy. Du stehst doch auf Schuppenhäute...“ stichelte einer der „Boddy Snatcher“ zurück. Und so ging das noch etwas weiter, bis sich Kano doch noch genervt einschaltete: „Das reicht jetzt langsam! Funkdisziplin.“
Wieder „eingerahmt“ von den beiden Nighthawks dockte das Shuttle von dem Wrack ab und beschleunigte in Richtung der Flotte. Wenige Sekunden später löste ein Funksignal den Nuklearsprengkopf aus, den die „Body Snatchers“ plaziert hatten. Eine Druckwelle rüttelte die drei TSN-Schiffe durch. Von dem zusammengeschossenen Akarii-Kreuzer blieb nur noch eine Wolke expandierender, unidentifizierbarer Trümmerstücke. Eine halbe Stunde später landeten die Maschinen auf der Columbia.

Ohka kam nicht weit, dann ließ ihn eine scharfe Stimme stoppen: „First Lieutenant Nakakura!“ Der japanische Pilot drehte sich um und salutierte: „Sir!“
Der kleingewachsene, blasse Lt. Com. quittierte den Gruß mit einem knappen Nicken: „Da sind Sie ja endlich. Wurde auch Zeit, daß diese Leichenräuber fertig werden. Hören Sie, eine der Perimetersonden hat merkwürdige Signale abgestrahlt – es könnte ein Sensorshuttle oder sogar ein Spähschiff im Tarnmodus sein – und da draußen ist keines unserer Schiffe. Wir schicken je eine Sektion Thunderbolt und Crusader, sowie zwei Sektionen Nighthawk und eine Sektion Falcon raus. Und IHRE Sektion ist dabei. Ich übernehme die andere. Der Commander ist gerade nicht verfügbar.“
Kano hätte fast das Gesicht verzogen, aber das reichte Monty schon – ihm entging fast nie etwas, es sei denn er wollte es einfach ignorieren.
„Haben Sie ein Problem, Lieutenant? Ihr kleiner Ausflug mit den ‚Boddy Snatchers‘ zählt schließlich nicht. Es wird sowieso nur wieder eine Sensorstörung sein. Verdammte Technik...“
„Ja, Sir. Zu Befehl, Sir.“ Monty hatte sich bereits umgedreht und marschierte ab. Also blieb Kano nichts anderes übrig, als zu seiner Maschine zurückzueilen. Von dem Eskortflug war sie immer noch mit vier Phoenix, vier Amram und zwei Sparrows bestückt. Und gerade jetzt wurde die wuchtige Maschine mit dem in Form eines schwarzen Bärenkopfes bemalten Bug wieder betankt. Es war nicht gerade so, daß Kano einen Druckposten vorgezogen hätte, aber manchmal hatte er doch den Eindruck, daß ihn Monty ihn überdurchschnittlich häufig `rausjagte. Außerdem traute auch er den neuen Perimetersonden nicht. Und eigentlich hatte er gehofft...
Crazys Antwort auf die neue Einsatzorder war nicht druckfähig, aber natürlich gehorchte er letztlich. Binnen zehn Minuten waren die sechzehn Maschinen gestartet und beschleunigten. Wie sich herausstellen sollte, war es wirklich nur ein weiterer falscher Alarm. Der vierte in acht Tagen.



First Lieutenant Helen „Kali“ Mitra war nicht besonders überrascht, daß Kano sie „versetzt“ hatte. In Gedanken bedachte sie ihn, vor allem aber Lt. Com. Miguel „Monty“ Terrano mit ein paar unflätigen Ausdrücken. Aber was hätte sie erwarten sollen? Kano war nun mal, genauso wie Helen, Pilot und auch wenn sie auf dem selben Träger Dienst hatten, konnten sie von Glück reden, wenigstens gelegentlich ein paar Stunden füreinander zu finden. Vor allem, da sie beide inzwischen Sektionschef waren und Monty mindestens so ein Ekel war, wie Helens Staffelchef Skunk. Die Rote Staffel hatte nach Cunninghams Weggang etwas von ihrer Führungsrolle im Geschwader verloren – der Staffelchef war zwar kompetent, aber noch unbeliebter als früher Darkness und als Monty, die beiden schlimmsten Schleifer die die „Angry Angels“ je gehabt hatten.
Und was sie und Kano betraf... Eine Beziehung innerhalb der Streitkräfte war immer eine heikle Angelegenheit. Auch wenn die meisten Vorgesetzten in der Hinsicht ein Auge zudrückten, der ständige Streß und die Gefahren des Krieges ließen wenig Zeit füreinander. Eigentlich ein Wunder, daß es noch keinen von ihnen im Einsatz erwischt hatte.
Aber sie hatten beide überlebt und (was vielleicht ebenso ungewöhnlich war) sie waren zusammen geblieben. Inzwischen war sogar der „Latrinenklatsch“ verstummt, immerhin gehörten sie beide zu den Veteranen des Geschwader, während die meisten heutigen Mitglieder des Geschwaders erst nach Corsfield dazugestoßen waren. Sogar Monty beschwerte sich nicht mehr, obwohl er sonst JEDE Vorschrift wie ein heiliges Gebot ansah (zumindest für seine Untergebenen).
Natürlich gab es Einschränkungen. Keiner von ihnen beiden erwähnte zum Beispiel das Thema „Heirat“, trotzdem sie seit mehr als zwei Jahren zusammen waren. Verheiratete Soldaten wurden, das war eine eherne Regel, sofort verschiedenen Kommandos zugeordnet.
Aber andererseits – Heirat, eine „normale Ehe“, vielleicht sogar Kinder – das klang sowieso reichlich irreal für Helen. Wie lange dauerte der Krieg jetzt schon für sie – wie viele Jahre? Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor und ein „normales Leben“ konnte sie sich nicht einmal mehr richtig vorstellen, genauso wie ein Leben außerhalb der Streitkräfte. Es wäre auch zu grotesk in dieser Umgebung, wo jeden Tag, in jedem Augenblick der Alarm losgehen konnte und der Tod ein allgegenwärtiger Begleiter war.
Helen sah auf die Uhr und seufzte lautlos. In zwei Stunden hatte Skunk eine Staffelübung angesetzt – mit Besprechung würde das sicherlich vier Stunden dauern. Ihr blieb kaum Zeit... Sie ließ den Blick abwesend ringsum schweifen, stockte und fluchte: „WAS ZUM TEUFEL MACHEN SIE?!“ Der so angeblaffte Techniker nahm unwillkürlich Haltung an: „Wir sollten den Zielradar austauschen. Es gab Probleme...“
„Na toll. Aber wenn Sie das schon machen, dann geben Sie gefälligst Bescheid! Die Maschine gehörte zur Alarmstartgruppe. Also müssen wir eine Ersatzmaschine bestücken und bereitstellen. Wenn es Zunder gibt, sollen wir dann mit leeren Tanks und ohne Waffen starten, oder vielleicht lieber doch ohne Zielsuchradar?!“
„Tut mir leid...“ Der Techniker war noch verdammt jung, vermutlich frisch gemustert. Angesichts des Donnerwetters, das über ihn hereinbrach wirkte er fast einer Panik nahe. Kali bekam regelrecht Gewissensbisse: „Nun fangen Sie nicht gleich an zu heulen. Geben Sie lieber her...“ Sie nahm dem Techniker den Schraubenschlüssel aus der Hand und beugte sich über die Maschine. Manchmal vermißte sie ihre alte Phantome, auch wenn die Nighthawk in eigentlich allen Paramtern überlegen war.
„Nun packen Sie schon mit an – ALLES werde ich Ihnen nicht abnehmen...“
Tyr Svenson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.06.2005, 19:23   #4
Cattaneo
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Im Orbit um Beta Borialis

Die beiden Offiziere standen auf dem Aussichtsdeck der Columbia. Die Trümmer der Schlacht – zahllose Metallkörper von aufgeschlitzten Schiffsrümpfen bis hin zu Mikroteilchen explodierter Jäger, ein Erbe des Gefechtes, daß auch jetzt, über eine Woche nach Ende der Kämpfe noch allgegenwärtig war – entzog sich dem bloßen Auge. Die patrouillierenden Jäger und die hin und wieder aufflammenden Manöverdüsen der Dickschiffe boten allerdings einen beeindruckenden Anblick, vor allem für einen Betrachter, der das Vernichtungspotential der Schiffe kannte.
Und dazu kam der ,Regen des Todes‘. Tausende, ja Millionen Trümmerteile, die bereits von der Schwerkraft des Planeten angezogen wurden und als feuriger Schauer herabstürzten. Für einige Tage noch würden sie ein Mahnmal für die gefallenen Soldaten und Matrosen bieten, oder ein Zeichen für den Sieg der Menschen. Hin und wieder erblühte eine Detonation auf dem Planeten selber, wenn ein besonders großes Trümmerstück aufschlug.
Lieutenant Commander Diane Parker hatte die Hände auf die Lehne eines der Stühle gestützt, die in müßigen Zeiten von Mannschaftsangehörigen benutzt wurden, um einmal den Ausblick auf das Weltall zu genießen. Daß die Navy überhaupt so etwas wie diese Aussichtsgalerie eingebaut hatte, lag daran, daß einige Menschen gelegentlich einen anderen Ausblick brauchten als Wände, die sie gleichsam umzingelten. Außerdem ließen sich hier gut Zeremonien abhalten.
„Und, wie sieht es inzwischen aus?“ fragte sie.
Ihre Untergebene – rangmäßig ihr allerdings gleichgestellt – nahm reflexartig Haltung an: „Die fünf verlorenen Jäger können wir natürlich nicht alle ersetzen. Allerdings – für die dienstfähigen Piloten reicht es aus. Die Maschinen sind bereits einsatzbereit, die Staffel hat also wieder 10 Jäger. Unsere Leichtverletzten sind wieder einsatzbereit.“ Zu früheren Zeiten hätten einige der Piloten wohl längere Zeit als fluguntauglich gegolten, doch der Krieg hatte dazu geführt, daß leichtere Blessuren oft ignoriert wurden, sobald sie halbwegs ausgeheilt waren.
Lightning nickte. So gut wie der Krieg – verhältnismäßig betrachtet – in den letzten Monaten und Jahren auch gelaufen war, Fehlbestände gehörten auch weiterhin zum Alltag. Die Akarii mochten langsam Nerven zeigen, nicht selten aber kämpften sie verbissen bis zum Ende. Und besonders jene, die sich gegen die sinkende Kampfmoral stemmten, von der Gefangene und abgefangene Funksprüche berichteten, waren genauso gefährlich wie ehedem.
So gesehen hatte ihre Staffel noch Glück gehabt. Ein Toter, eine Schwerverwundete – es hätte auch viel schlimmer kommen können. Sie fand jetzt oft nicht mehr so viel Zeit wie früher, um sich um ihre alte Staffel zu kümmern, seitdem sie als XO des Geschwaders arbeitete. Nun, dafür hatte sich ihre Stellvertreterin in den letzten zwei Jahren zu einer guten Offizierin gemausert, auch wenn sie wohl nie das werden würden, was man einen Kumpel nannte.
„Wie geht es Second Lieutenant Walser?“ erkundigte sich die Staffelführerin. Daß sie sich oft mit dem ganzen Geschwader zu befassen hatte – in Anwandlungen ihrer alten Aversionen gegen den Geschwaderkommandeur nannte sie das gelegentlich „Aufkehren hinter dem Elefanten im Porzellanladen.“ – hieß nicht, daß sie ihre direkten Untergebenen völlig aus den Augen verlor.
Lilja legte den Kopf leicht schief: „Da sind die Ärzte nicht so deutlich, wie mir lieb wäre, obwohl sie es eigentlich langsam wissen sollten. Sie wird wohl längere Zeit dienstuntauglich bleiben.“ In ihrer Stimme klang kaum Bedauern mit. Der Tod war für sie, wie für ihre Kommandeurin, längst zum Alltag geworden, so daß sie bei einer schweren Verwundung, wenn diese nicht gerade dauerhafte Folgen hatte, eher von einem Glücksfall sprach. Außerdem war Walser frisch von der Akademie gekommen und gehörte damit nicht zu den ,alten Hasen‘. Nicht, daß man sich nicht um die Neulinge bemühte, aber ihr Ausfall war einfach mathematisch gesehen wesentlich wahrscheinlicher als der von Veteranen. Er wurde mehr oder weniger als etwas fast natürliches angesehen, obwohl man das nie offen zugegeben hätte. Erst bei den folgenden Worten huschte ein Schatten über die Züge der Russin:
„Was den Tod von Darius angeht... Ich habe den Brief an die Woznaks bereits geschrieben.“

Darius Woznak war über ein Jahr bei der Truppe gewesen. Er hatte sich vom Neuling zum Veteranen hochgearbeitet und fünf Jäger der Akarii sowie ein Shuttle abgeschossen. Doch in diesem Gefecht war ein Flugabwehrschütze auf einem der Dickschiffe der Echsen besser gewesen. Darius’ Jäger war verglüht, als Staffel Grün die Bomber ins Herz der Akariiformation eskortiert hatte. Wie so oft würde es auch hier keinen Körper geben, den man bestatten konnte. Es war um so bitterer, als der Pole beim letzten Einsatz erst eine leichtere Blessur davongetragen hatte. Jetzt würde man den Eltern den silbernen und den goldenen Löwen zugleich schicken.
Aber dann konzentrierte sich die Russin wieder auf das hier und jetzt: „Die anderen Piloten sind voll einsatzbereit.“ Lightning nickte zufrieden: „Gut. Ich glaube nicht, daß es sofort wieder losgeht, aber wir werden sehen...“ Lilja knurrte etwas: „Ich werde es langsam leid, daß wir Prinz Jor immer weiter jagen müssen. Wann hat die verdammte Echse endlich den Anstand und läßt sich abschießen?“ Daß der Prinz eine der treibenden Kräfte hinter dem Ausbruch des Krieges gewesen war, war inzwischen auch den Menschen bekannt geworden. Es waren genug höhere Offiziere der Akarii gefangengenommen worden, und auch erbeutete private Aufzeichnungen einiger höherer Kommandeure der Echsen waren den Erdstreitkräften in die Hände gefallen. Die Propaganda der Erde stellte Jor zwar zum Gutteil als machtgierigen aber inkompetenten Karrieristen hin, doch in der Flotte sah man das keineswegs überall so. Nicht wenige sahen in ihm auch einen Grund, warum der Krieg immer noch andauerte – und den Überfall auf Mantikor würde man ihm natürlich nie verzeihen.
Lightning grinste nur: „Sieh es mal so, dann bleibt dir immer noch die Hoffnung, daß er dir eines Tages vor die Rohre fliegt. Wer ihn erledigt, der hat den Vertrag für die Hauptrolle im nächsten Sternenepos so gut wie in der Tasche. Obwohl ich bezweifle, daß er sich noch immer persönlich an den Kämpfen beteiligt. Die Freude daran dürfte ihm vergangen sein.“ Die Russin lachte: „Also dafür eigne ich mich wirklich weniger gut. Da müßte ich schon dick Schminke auftragen, damit aus mir eine Filmheldin wird.“
Ihre Kommandantin spann den Faden weiter: „Nun, dann bist du eben die eiskalte Veteranin. Die romantische Rolle würden natürlich jemand anderem zukommen, damit auch das junge Publikum eine Identifikationsfigur hat. Irgend eine rührende Story...“
„Und ich mach dann den Kapitän Ahab, was?“ knurrte die Russin. Das war nur zur Hälfte als Scherz gemeint.

Mit einem Achselzucken tat Lightning den Gedankengang ab: „Na, darüber können wir nachdenken, wenn es soweit ist – würde mich aber nicht wundern, wenn Prinz Jor eher an einem Dolch oder den Zähnen eines Konkurrenten stirbt. Nach DER Schlappe hier wird er es wirklich schwer haben, sich noch zu halten. Außer er findet einen Sündenbock. Aber auch die reichen irgendwann nicht mehr aus. Ein Wunder, daß sie ihn bis jetzt noch nicht gefeuert haben. Na ja, der Papi wird’s schon richten...“
Lilja lächelte süffisant: „Das von einer Frau, deren Volk bis heute ebenfalls an der Monarchie festhält...“ Lightning konterte gutgelaunt: „Kritik von jemanden, dessen Volk seine Herrscher umbringt? Na, das überrascht gar nicht...“ Dann wurde sie ernst:
„Wie machen sich die Neuen eigentlich?“
Die Russin verzog die Mundwinkel: „Na ja... Second Lieutenant Walser wurde ja bei ihrem ersten richtigen Einsatz abgeschossen. Ich will ihr ja nicht extra noch etwas schlechtes ins Stammbuch schreiben, aber eigentlich hätte sie es besser können müssen.“ Übertriebene Rücksicht war noch nie eine ,Schwäche‘ Liljas gewesen. Sie hatte sich ihr schlechtes Abschneiden in ihrem eigenen ersten Kampf lange nicht verziehen. Angst vor dem Feind konnte sie durchaus nachvollziehen und verzeihen – aber mit dem was sie Inkompetenz nannte, sah es anders aus.
„Sie hat Potential, aber sie hat zu eindimensional gedacht.“ Fuhr die Russin kühl fort: „Es ist hier eben NICHT so, daß du vor Flakfeuer sicher bist – erst recht nicht vor Raketen – wenn du zugleich mit einer Echse kurbelst. Es ist mir klar, daß so etwas nicht leicht zu vermitteln ist. Sie hat Glück gehabt, daß sie vielleicht noch daraus lernen kann.
Dragon und Vasco haben sich ganz gut gehalten. Jeder einen Abschuß – allerdings mit Hilfe. Ihre Teamfähigkeit ist akzeptabel.“
Solche Worte bedeuteten, daß die beiden wirklich etwas von ihrem Handwerk verstanden, denn Lilja geizte normalerweise mit Anerkennung. Besonders ihr Flügelmann wurde keineswegs beneidet, denn die Russin erwartete von ihm Bestleistungen.
„Allerdings... Ich weiß nicht so Recht, ob ich den Arrest von Vasco kassieren soll.“ Der junge Pilot, der im übrigen nicht von der Erde sondern von einer Kolonialwelt stammte, hatte offenbar gewisse Schwierigkeiten, eine weibliche Vorgesetzte zu akzeptieren – geschweige denn drei, wenn man seine Flightleaderin, die XO und die Kommandeurin der Staffel zusammenzählte. Lilja hatte ihn einmal verwarnt – dann hatte sie ihm eine Standpauke gehalten und zu vier Tagen Arrest verdonnert. Andere Offiziere hätten es vielleicht noch einmal mit einem Gespräch versucht, aber Lilja feuerte nach dem Warnschuß stets sofort scharf. Disziplinlosigkeiten gehörten gewiß nicht zu den Dingen, die sie tolerierte.

Lightning musterte die Russin: „Nun, das mußt du entscheiden. Gnade ist manchmal nützlich, wenn du glaubst, dir dabei nichts zu vergeben.“ Sie hatte auch in Hinsicht auf diesen Bereich der Menschenführung ihrer Untergebenen einen Gutteil der Arbeit aufgebürdet. Immerhin hatte sie die Verantwortung für ein ganzes Geschwader mitzutragen, und außerdem war Lilja ihrer Meinung nach inzwischen so weit, daß sie auch über Disziplinarstrafen entscheiden konnte, ohne daß sie zu lasch oder – weitaus wahrscheinlicher angesichts ihres Naturells – zu rücksichtslos vorging.
Lilja schien mit sich zu ringen, kam aber schließlich zu einem Entschluß: „Ich denke, ich erlasse ihm die drei verbleibenden Tage – mit der Ankündigung, beim nächsten Mal darf er die Arrestzelle nur noch für den Flugdienst und Nahkampfübungen mit Tyr verlassen...“ Die Kommandeurin lachte auf: „Also DAS sollte wirken!“
„Was Spitfire angeht...“ ,der Pilot gehörte zum Milizaufgebot, war ehemaliger Angehöriger der Nationalgarde und erst seit relativ kurzer Zeit voll von der Flotte übernommen worden, „so muß ich sagen, auch er hat noch an sich zu arbeiten. Der Ausfall von Kraut hat ihn beinahe erledigt – er ist noch nicht so weit, sich zur Not auch alleine gegen zwei Akarii zu halten.“ In den kritischen Tönen von Liljas Einschätzung schwang ein gewissen Maß an Nachsicht mit – im Grunde gab es auch unter den Veteranen etliche, die ihre Probleme gehabt hätten, mit zwei Akarii fertig zu werden.
„Wenn Tyr und Marine ihm nicht zu Hilfe gekommen wären... Ich denke, ich werde ihn mal etwas ins Gebet nehmen. Obwohl er seine Lektion begriffen haben dürfte – auch, daß die Akarii eben doch noch nicht ganz am Ende sind. Außerdem denke ich, wir sollten ihn mit Katana zusammenlegen. Damit hätte deine Sektion wieder vier Maschinen, ich und Dragon arbeiten dann mit Flight 3 und 4 zusammen.“ Es schien Lilja wenig auszumachen, daß der britischstämmige ehemalige Nationalgardist diese Maßnahme leicht als Zurücksetzung empfinden mochte, wurde er doch vom Flightführer zum Flügelmann „degradiert“. Allerdings zählte für Lilja vor allem die Effizienz, und da war es besser die „verwaisten“ Piloten zusammenzulegen, anstatt eingespielte Teams auseinanderzureißen.

„Jetzt haben wir langsam genug Piloten und auch gute Maschinen – aber manchmal glaube ich, die Schnellausbildung hat einen etwas hohen Preis.“ Aber Lilja wußte auch, daß es anders einfach nicht ging. Die Liste der gefallenen, auf Dauer dienstuntauglichen oder für längere Zeit ausgefallenen Piloten war lang. Dazu kamen diejenigen, die dem Druck des Einsatzes psychisch nicht gewachsen waren, oder nach ihrem Abschuß gefangengenommen wurden.
Sie blickte Lightning kurz von der Seite an und ließ ihre Stimme betont gleichmütig klingen: „Und dein Flügelmann?“
Die Kommandeurin winkte ab: „Also eigentlich kannst du dir die Frage sparen. Erstens weiß ich, daß du ihn ohnehin mit Argusaugen beobachtest – vermutlich damit er dir keine Schande macht. Zweitens sitzt du...“ und dabei grinste sie: „doch sowieso an der Quelle um wirklich alle interessanten Einzelheiten über ihn zu erfahren. Sei mal bloß froh, daß ich beide Augen zu mache und so eine tolerante Person bin.“
Lilja errötete leicht: „Immerhin sind Sie die Kommandeurin, und mein Eindruck kann subjektiv sein.“ In diesem Augenblick verfiel sie wieder in die alte Förmlichkeit. Lightning lächelte nur.
„Na gut, dann eben noch mal offiziell: Er macht sich gut. Nicht, daß ich in Ihm unseren kommenden Roten Baron – oder sollte ich sagen Iwan Koschedub? – sehe. Aber er hat Potential. Immerhin hat er jetzt acht Abschüsse. Fünf davon seit seiner Reaktivierung. Ich kann jedenfalls nicht klagen.“ Sie sprach es nicht aus, aber insgeheim fragte sie sich, wie lange ihre Zusammenarbeit mit dem Russen dauern würde. Ihr erster Flügelmann hatte mehr als ein Jahr Krieg mit ihr durchgemacht, dann war er gefallen. Seine drei Nachfolger waren durch Tod und Verwundung ausgeschieden. Erst mit „Sokol“ war eine gewisse „Stabilisierung“ eingetreten.
Lilja schien aufrichtig erleichtert über das Urteil ihrer Kommandeurin. Immerhin hatte sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beigetragen, daß ihr Kamerad aus den ersten Tagen des Krieges einen Platz in Staffel Grün bekam. Ein Versagen seinerseits wäre auch auf sie zurückgefallen, vor allem weil sie sich selber dafür verantwortlich gefühlt hätte.
„Und er paßt sich gut ein und kommt mit den meisten Piloten zurecht. Aber das weißt du ja selber.“
Liljas Nicken wirkte verdächtig eilfertig. Sie wußte sehr wohl – ebenso wie ihre Kommandeurin – daß Sokol und Vasco sich nicht eben blendend verstanden. Das war kein Wunder, wenn man bedachte, mit wem der Russe liiert war – während Vasco mit seinen unmittelbaren Vorgesetzten so seine Probleme hatte.

„Nun“ meinte Lightning: „Ich denke, ich werde mich dann mal darum kümmern, das Geschwader wieder auf Vordermann zu bringen.“ Im engsten Kreis frotzelte sie auch heute noch, daß sie einen Großteil der WIRKLICHEN Arbeit machen würde, im Gegensatz zum Geschwaderchef. Aber ihr Verhältnis zu Lone Wolf war inzwischen weitaus weniger von bissiger Feindseligkeit geprägt. So gut wie mit seinem alten Freund Darkness kam der Geschwaderchef mit seiner neuen XO freilich nicht klar, obwohl sie inzwischen schon seit über einem Jahr zusammenarbeiteten. Ihre Charakter und Auffassungen waren einfach zu verschieden, und vermutlich hielt Commander Cunningham auch heute noch seine Stellvertreterin für aufsässig und zu nachsichtig, während sie in ihm einen Karrieristen sah. Aber im Grunde arbeiteten sie recht effektiv zusammen und bügelten sich gegenseitig die Fehler aus, die einer von ihnen vielleicht begehen mochte. Auf einen deutlichen Hinweis auf besagte Unterlassung konnten und wollten sie freilich – beide – in solchen Fällen selten verzichten. Aber sie behinderten sich nicht. Böse Zungen behaupteten, im Grunde ähnelte ihre Zusammenarbeit mit allen Kompromissen, Streitigkeiten und dem alltäglichen Nebeneinander dem Leben eines verheirateten Paares manchmal mehr als die Ehe, die Lone Wolf mit Melissa Auson-Cunningham führte. Vor allem, da der Commander seine Frau nur recht selten sah.
Lilja nahm Haltung an und salutierte. Wiewohl sie inzwischen ihre Vorgesetzte gewohnheitsgemäß duzte – so lange keine höheren Offiziere in der Nähe waren – konnte sie sich von gewissen Formalitäten nicht freimachen. Lightning nahm den Gruß mit einem Grinsen entgegen: „Und nun hau dich in die Koje und schlaf etwas – in sechs Stunden bist du sowieso wieder für eine Patrouille eingeteilt.“
Die Geschwader-XO schaute der Russin kurz nach, dann machte sie sich auf zu ihrem Büro. Es galt, die Dienstpläne des Geschwaders den Verlusten anzupassen – was auch eine Verständigung mit anderen Geschwadern erforderte. Viel Arbeit also...
Cattaneo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.06.2005, 19:24   #5
Cattaneo
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Lilja hatte sich in den vergangenen Jahren stets bemüht, eine gute Soldatin zu sein – eine Rolle die ihr in mancher Hinsicht auf den Leib geschneidert war. Sie hatte es sogar verstanden, eine ganz passable Offizierin zu werden – wozu sie etwas weniger gute Voraussetzungen hatte. Aber dennoch war sie gerade im Begriff, eine ,Insubordination‘ zu begehen.
Inzwischen war die Russin in ihrer Kabine angelangt. Als Lieutenant Commander hatte sie Anrecht auf „ihre eigenen vier Wände“ – allerdings war das Quartier recht klein. Immerhin war sie nur XO einer Staffel, was bedeutete, daß sie mit weit weniger auskommen mußte als viele Offizierskollegen. Nun, ihr reichte es aus. Sie vermißte etwas ihre alte Zimmergenossin, auch wenn sie jetzt das Bad nicht mehr nur im Schichtbetrieb nutzen konnte.
Lilja hatte jedenfalls nicht vor, „befehlsgemäß“ schlafen zu gehen. Jedenfalls noch nicht. Sie zog nur die Schuhe aus und legte sich hin. Ihre Augen starrten zur Decke, ohne daß sie diese richtig wahrnahm. In Gedanken ließ sie noch einmal die letzte Schlacht Revue passieren. Dann begannen ihre Gedanken zu wandern...

Die letzten Feindfahrten hatten viel Veränderung gebracht. Seit Corsfield und Graxon hatte sich der Krieg gewandelt, aber es war nicht nur das. Auch für sie selbst hatte sich viel geändert, auch hier überwiegend zum Guten. Der Preis war allerdings nicht immer gering gewesen, vor allem wenn es um den Preis der militärischen Erfolge ging.
Lilja streckte die Hand aus, ohne genau hinzusehen. Wie von selbst fand sie, was sie suchte. Sie betrachtete das Foto. Es zeigte den einzigen Überlebenden ihrer alten Staffel, Alexander Gulajew. Der Pilot lächelte zurückhaltend, fast etwas ungläubig. Er war in Liljas Alter, doch trotzdem er mindestens soviel durchgemacht hatte wie sie, wirkte er in ihren Augen etwas jünger. Einerseits wohl, weil er für das Foto auf seinen eigenen Beinen hatte stehen können. Als die Aufnahme gemacht hatte, war er zwar seit einigen Monaten schon wieder in der Lage sich zu bewegen, aber so ganz konnte er sein Glück offenbar noch immer nicht fassen. Es war jedoch nicht nur das.
Die Frau neben ihm, der er den Arm um die Hüfte gelegt hatte – ihr Arm ruhte auf seiner Schulter – grinste breit und zwinkerte in das Objektiv.
Lilja lächelte schief – tja, wer hätte gedacht, daß es so kommen würde?
Nachdem sie aus der Doppelschlacht von Graxon und Corsfield nach Hause gekommen waren, hatte sie die Botschaft, daß es für ihren Kameraden offenbar doch Heilung geben konnte, mit ungläubiger Freude aufgenommen. Sie hatte sich fest vorgenommen, ihm zur Seite zu stehen, so gut es ihr Dienstplan eben erlaubte. Zugleich hatte sie diesmal auch Imp zu sich nach Hause eingeladen – die Deutsche war ihr inzwischen eine echte Freundin geworden, und außerdem hatte sie, selbstsüchtig wie sie war, auch daran gedacht, daß sie so jemanden haben würde, der ihre Interessen teilte. Mit vielen anderen Altersgenossen ihres Heimatortes konnte sie nicht soviel anfangen. So hatten sich Imp und Sokol kennengelernt. Sie hatten sich recht gut verstanden – vermutlich auch, weil es Imp eigentlich nie schwer fiel, Kontakte zu knüpfen.

Nun, im Laufe der Zeit war aus der Freundschaft eben mehr als „nur“ das geworden. Das war Lilja natürlich nicht verborgen geblieben. Sie hatte versucht, sich über ihre eigenen Gefühle klarzuwerden. Hatte sie Neid oder gar Eifersucht empfunden? Nein, vermutlich nicht. Sie und Sokol waren einander nahe gewesen, vor allem nachdem sie beide die letzten Überlebenden gewesen waren, und ihr Kamerad sich mit dem Gedanken abfinden mußte, für den Rest seines Lebens ein Krüppel zu sein, doch nie war es Nähe in diesem Sinne gewesen. Vielleicht auch, weil sie nie wirklich einen Gedanken daran verschwendet hatte. Aber es war ihr auch weiterhin schwergefallen, selbst Sokol gegenüber offen zu sein. Selbst ihm hatte sie nicht alles erzählt. Und vermutlich brauchte es für Liebe Offenheit – in dem Fall war sie wirklich keine Traumpartnerin, von ihrem Äußeren mal ganz abgesehen.
Vielleicht war sie ein wenig neidisch auf Imp gewesen, aber sie hatte dieses Gefühl schnell verdrängt.
Inzwischen betrachtete sie die Beziehung zwischen Imp und ihrem Landsmann als einen Glücksfall für beide, vielleicht auch aus dem verdrängten Eingeständnis heraus , daß sie zu einer stabilen Beziehung vielleicht gar nicht in der Lage gewesen wäre. Wenn sie sich etwas Mühe gegeben hätte, auch in dem Augenblick, wo es ihm besser ging, und er das erste Mal seit langem wieder Mut gefaßt hatte... Ihr Aussehen hätte ihn vermutlich nicht gestört, ihren Charakter kannte er, und er hätte sicherlich verstanden, warum sie so geworden war, wie sie nun einmal war. Hatte sie eine Chance verpaßt? Sie wußte es nicht, aber sie war auch nicht bereit, darüber gründlich nachzudenken.
Aber vermutlich war es besser so. Immerhin war sie Dienstfanatikerin und dazu eigentlich niemanden gegenüber ganz ehrlich. Es gab Dinge, die sie keinem erzählte.
Nicht, daß Lilja diese Dinge jemals bewußt so gesehen hätte. So wie sie Manches vor anderen geheim hielt, gab es auch Dinge, über die sie sich nicht einmal selber Rechenschaft ablegen wollte oder konnte.

Aber an all das dachte sie im Augenblick sowieso nicht. Sie betrachtete das Bild mit ihren beiden Freunden mit einem leichten Lächeln, daß ihre Miene weicher, fast freundlich aussehen ließ. Eine Seltenheit.
Dann legte sie das Foto wieder beiseite. Es gehörte zu der Sammlung, die sie den ganzen Krieg über begleitet hatte. Da waren die üblichen Familienbilder und Schnappschüsse von Freunden und Kameraden – letzteres rein zahlenmäßig bei Lilja ein sehr unbedeutender Posten. Dazu kamen noch etliche Datenspeicher, die freilich alles andere als Heimatfilme zeigten. Es waren Aufnahmen von ihren Abschüssen, Bilder zusammengeschossener Akarii-Großraumer, die sie oder andere Piloten aufgenommen hatten. Auch Aufnahmen von der Bombardierung Troffens, die Rangabzeichen eines Akarii-Piloten und ähnliches gehörten zu Liljas Sammlung. Imp hatte für Liljas Andenken in ihrer üblichen burschikos-leichtfertigen Art den Begriff „Chamber of Horror“ geprägt und konstatiert, es fehle nur noch eine Vodoo-Puppe von Prinz Jor mit Nadeln im Herz. Eine Woche später hatte ihr Lilja nachts eine aufs Kopfkissen gepackt – leider hatte Imp am Morgen weniger laut als erhofft aufgeschrien, als sie das verunstaltete Miniatur-Echsenwesen erblickte.
Einen Ehrenplatz nahm das Modell eines Typhoon-Jägers der Erdstreitkräfte ein, ein Geschenk an Lilja. Fast gleichauf rangierten zwei Aufzeichnungen von Fernsehbeiträgen. Beide hielten Liljas kurze Ausflüge in die Welt der Medien fest. Einmal das erste Interview ihres Lebens – es schien eine Ewigkeit her zu sein. Die zweite Aufnahme war gemacht worden, nachdem die Russin ihren dreißigsten Abschuß erzielt hatte. Mit solchen Erfolgen stand sie zwar noch lange nicht an der Spitze – es gab Piloten die auf das Doppelte kamen – doch unter den russischen Piloten der Streitkräfte hatten sie ihre Erfolge ziemlich weit nach vorne gebracht. Manchmal konnte sie es selbst kaum fassen, daß sie es so weit geschafft hatte. Unzählige – vermutlich ihr ebenbürtige oder gar überlegene Piloten – hatte der Krieg verschlungen. Krieg, Verwundung, Gefangenschaft oder Dienstuntauglichkeit aus anderen Gründen, der Möglichkeiten waren viele. Was Lilja so weit gebracht hatte, so vermutete sie zumindest, war neben einer gehörigen Portion Glück ihre halsstarrige Beharrlichkeit. Sie hatte einfach lange genug überlebt. Und die Abschüsse waren das Ergebnis dieser Beharrlichkeit. Mancher hatte in vergleichsweise kurzer Zeit sechs oder zehn oder gar mehr Abschüsse erzielt – doch dann war er wie eine Sternschnuppe erloschen, und bald verging auch die Erinnerung an ihn.
Sie grinste bei der Erinnerung an ihren „großen Tag“. Zwar war Eitelkeit eine Untugend, aber die Russin gestattet sich ,wohlverdienten Stolz‘. Zumindest sah sie es so.
Der Reporter hatte ihr zunächst die üblichen naiv-dämlichen Fragen gestellt, die dafür dienten, den Zuschauern klarzumachen, was für eine schneidige Draufgängerin sie doch war. Aber bei dem Gedanken, daß für einen Augenblick die Blicke von Hunderttausenden, wenn nicht gar Millionen, auf ihr geruht hatten, lief Lilja auch heute noch ein angenehmer Schauer den Rücken herunter. Sie ließ die Szenerie noch einmal vor ihrem inneren Auge ablaufen.

„Und was haben Sie den jungen Piloten zu sagen, die Ihnen sicher nacheifern wollen? Wie, denken Sie, können die es Ihnen gleichtun?“
Lilja blickte ernst drein: „Nun, ich glaube nicht, daß ich mit überragenden Fähigkeiten gesegnet bin, die es mir erst ermöglichten, so viele Echsen zu erledigen. Ich meine, ein gutes Auge, eine sichere Hand und schnelle Reflexe sind natürlich nützlich. Aber um ein guter Pilot zu sein, braucht es weit mehr als das!“
„Nämlich? Ich denke doch, Sie sollten Ihr Geheimnis nicht für sich behalten.“
Die Russin ging nicht auf den lockeren Ton ein. Allerdings ließ sie sich auch nicht anmerken, daß sie das ,muntere‘ Verhalten des Reporters nervte.
„Weitaus wichtiger sind zwei Dinge: Zum einen das Training. Damit meine ich nicht nur gute Abschlußnoten in der Schule und später bei der Ausbildung, obwohl das natürlich auch viel hilft. Aber auch wenn man erst mal im Einsatz ist, muß man ständig trainieren. So viel wie es geht, und am besten noch mehr als im Rahmen der normalen Bereitschaft angesetzt ist. Das soll nicht heißen, daß ich die Vorschriften unseres Militärs für nachsichtig halte. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, daß es nur nützlich seien kann, wenn man auch einen Teil der Freizeit im Simulator verbringt. Unsere Gegner sind nicht zu unterschätzen, und sie lernen. Wir müssen ihnen immer einen Schritt voraus sein.“
„Nun, das haben Sie ja offenbar geschafft.“
Lilja verzog das Gesicht: „Knapp. Ich bin insgesamt dreimal abgeschossen worden. Zweimal habe ich meinen Jäger nach Hause gebracht, war aber ernsthaft verletzt. Im Schnitt macht das einen solchen Vorfall auf sechs Abschüsse auf meinen Konto. Wenn ich nicht so hart trainiert hätte, hätte ich es vielleicht nicht geschafft.“
Der Mann unterdrückte offenbar eine Grimasse. Ihm lag vermutlich eher an den lockeren Sprüchen von Filmhelden-Piloten, denn die kamen an der Heimatfront besonders gut an. Schließlich kannten die Leute sie ja auch aus Kino und Fernsehen. Lilja eignete sich nur bedingt zur Heldin – nur für einen ganz bestimmten Typ.
,Kalt wie Weltraumeis‘ war eine der Bezeichnungen gewesen, die ein Mitarbeiter einer russischen Zeitung geprägt hatte. Es war keine Neuerfindung – ein derartiges Prädikat war schon einigen anderen Piloten verliehen worden.
„Und was gehört noch zu einem guten Piloten?“
Erst jetzt lächelte Lilja: „Nun, auf jeden Fall die Kameraden. Vorgesetzte, Untergebene, vor allem der Staffelchef und der Flügelmann. Ohne gute Mitstreiter kommt man im Krieg nicht weit, und ich habe das besondere Glück, in der Grünen Staffel zu dienen. Ob auf der Redemption oder jetzt auf der Columbia. Deshalb möchte ich an der Stelle besonders meiner Staffelchefin Diane Parker alias Lightning danken, meiner Zimmergenossin Ina Richter und natürlich all denen, die mit mir in einem Flight geflogen sind. Ohne sie würde ich heute wohl kaum so viele Abschüsse aufweisen können.“
Der Reporter erwiderte das Lächeln. Das war weit mehr nach seinem Geschmack...


Für einen Augenblick gönnte sich Lilja den Luxus, bei dieser angenehmen Erinnerung zu verweilen. Doch bald kamen ungebeten unangenehme Gedanken. War sie eine Heldin? Einige Leute schienen das zu glauben, sie selbst war sich da nie so sicher.
Vor allem aber – ihr Status, ihre Worte hatten auch Folgen. Sie erinnerte sich noch daran, wie sie vor drei Jahren vor den Schülern einer Kasaner Klasse gestanden hatte. Die Lehrerin hatte sie damals unter vier Augen darauf angesprochen, daß die Schüler den Krieg zu sehr als Abenteuer sahen, als etwas, bei dem man dabeisein sollte. Lilja hatte die Frau nicht verstanden, sah sie den Kampf doch als notwendig an.
Jetzt hatte sie erfahren, daß drei Jungen und zwei Mädchen der Klasse am Tag ihres Schulabschlusses um die Aufnahme in die Streitkräfte nachgesucht hatten. Als Piloten für Kampfflieger. Wenn sie die Ausbildung erfolgreich bestanden – was allerdings nicht garantiert war – dann würden auch sie eines Tages in den Kampf gehen. Dorthin, wo man so leicht getötet werden konnte...
Lilja machte sich gewiß keine Vorwürfe, daß die jungen Menschen zum Töten ausgebildet werden würden. Sie war unverändert der Meinung, daß der Krieg richtig und gerecht war – eine Einstellung, die sie kaum revidieren würde, bevor die Erdstreitkräfte über Akar auftauchten. Aber der Gedanke daran, daß ihre Landsleute vielleicht sterben würden, die Jungen und Mädchen, die bewundernd zu ihr aufgeblickt hatten, weil sie versuchten, es ihr gleichzutun – das machte ihr Angst.
Denn was sollte sie in dem Fall sagen, wenn eines Tages eine Mutter oder ein Vater sie fragen würde, warum ihr Kind sterben mußte? Was sie sich dabei gedacht hatte, die Kinder in den Krieg zu rufen – mit der Botschaft, man müsse nur hart genug üben, dann sei ein Akarii kein unüberwindlicher Gegner?
Sie wußte auf diese Frage keine Antwort. Sie verstand bis zu einem gewissen Maße die Gefühle, die jene quälen mußten, die Angehörige im Krieg verloren. Sie hatte schließlich auch einige gute Freunde verloren. Aber sie konnte außer dem, was sie sich selber einredete – daß es notwendig und richtig – nichts entgegnen. Denn daran glaubte sie – wie sonst hätte sie weiter kämpfen können? Es konnte, es durfte nichts weniger seien als das.
Lilja konnte sich nur vor sich selbst rechtfertigen, daß es der freie Entschluß der jungen Männer und Frauen gewesen war, diesen Weg zu beschreiten, und daß es der richtige Weg war. Sie würden der rodina dienen, wie so viele vor ihnen. Und die Mutter Heimat hatte Anrecht auf ihren Schutz, sie brauchte ihn.
Langsam schwand ihr das Bewußtsein, als sie in einen unruhigen Schlaf hinüber dämmerte. Der harte Zug um ihre Mundwinkel paßte zu ihrem Ruf, und dem Bild, daß sie auch selber geben wollte. Kalt wie Weltraumeis...
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Alt 24.06.2005, 20:51   #6
Cunningham
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Als Lucas den Besprechungsraum betrat federte Monty aus dem Stuhl hoch. Lightning und Senior Chief Tremmler ließen sich beim Stramm-Stehen weit aus mehr Zeit.
"Rühren, okay, was haben Sie für mich." Er warf sich in einen Stuhl und Zündete sich eine Lucky Strike an. Mit dem Rauchen aufhören, lächerlich.
"Der Großeinsatz vorhin war ein blinder Alarm." Monty's Stimme deutete ein wieder mal an.
"Klasse, wir sind unterbesetzt und dann scheuchen wir unsere übermüdeten und ausgepowerten Piloten Pantome jagen." Wütend warf Cunningham sein Feuerzeug auf den Tisch.
"Zumindest die Unterbesetzung wird bald geregelt sein. Wir bekommen überlebende von der Deutschland." Lightning rümpfte beim Zigarettengestank die Nase.
"Gutes Personal?"
Lucas Stellvertreterin schnaufte: "Das was uns die Gettysburg übrig gelassen hat."
"Immerhin kommen wieder auf Sollstärke", warf Monty ein und wandte sich an den Chief, "und wie sieht es beim Material aus?"
Der Chief, für seinen Rang recht jung, Kriege hatten es an sich, die jungen und starken, die fähigen nach forn zu bringen, Klassischer Militärdarvinismus, kratzte sich am Ohr: "Tja, wir sollten eigentlich jeden Moment Kontakt zu einem Versorgungstender herstellen, die René Margeritt ist seit einer halben Stunde überfällig, Munition und Treibstoff, soviel wie wir können und wollen. Was Ersatzmaschinen angeht, was uns die Jungs von der G-Burg übrig gelassen haben."
Der allgemeine Schiffslautsprecher erwachte zum Leben: "1 MC, hier spricht der erste Offizier: Gelber Alarm für Flugdeck und Hangar! Gesammter Flugverkehr wird Eingestellt! Andocken an Versorgungstender in fünf Minuten! Bodencrews bereit machen für die Aufnahme von Treibstoff, Munition und Ersatzteilen!"
"Tja, das war mein Stichwort." Senior Chief Tremmel erhob sich und deutete einen Salut an. "Ma'am, Sirs."
Lucas inhalierte nochmal tief und blickte dann Lightning an: "Und, was lässt uns die G-Burg an Personal über? Ist was brauchbares dabei?"
"Wie dass nunmal so ist in der militärischen Hackordnung, hauptsächlich bleibt und sie Auswahl aus alten Knochen und jungem Gemüse."
"Ich denke, wir sollten eine gesunden Mischung aus beidem nehmen, wenn es geht", warf Monty ein.
"Gut, dann machen Sie beide es so." Lucas erhob sich.
"Auch und was machen Sie?" Lightning lehnte sich zurück und musterte ihren Kommandanten kritisch.
"Tja, zur Feier, dass mein Magengeschwür weg ist kipp ich mir einen doppelten Espresso rein und fange mit der Post an."
Die beiden Lieutenant Commanders zuckten bei der Betonung zusammen. Briefe an die Hinterblibenen, keiner der beiden beneidete Cunningham um die Aufgabe.



"1 MC, hier spricht der erste Offizier: Gelber Alarm für Flugdeck und Hangar! Gesammter Flugverkehr wird Eingestellt! Andocken an Versorgungstender in fünf Minuten! Bodencrews bereit machen für die Aufnahme von Treibstoff, Munition und Ersatzteilen!"
Lieutenant Junior Grade Jan "Fisch" Fischer schmiss die fünf Karten auf den Tisch: "HA! sehet und staunend: Asse und Achten!"
Donovan fluchte und warf seine eigenen Karten auf den Tisch.
"Das ist doch schwul!" Protestierte Petra "Sugar" Martens.
"Ja genau", bestätigte Donnovan Cartmell Fichers Wingleader und immer noch schwarzes Schaf der Angry Angels. "Niemand gewinnt mich Assen und Achten, Du hättest aussteigen sollen."
"Ach und warum hätte ich das tun sollen?" Fischer kratzte die Reals zusammen, die im Pot lagen.
Jack "Too-Tall" Grayson nippte an seinem Bier. Es war mittlerweile erlaubt, sogar in Alarmbereitschaft kleine Mengen Alkohol zu konsumieren, solange man genügend Klarmacher vorweisen konnte. Gleine grüne Pillen, die die Wirkung von Alkohol binnen Sekunden neutralisierten. Die Navy hatte nach langem hadern erkannt, dass die Truppen bei Dauereinsatz mehr Zerstreuung brauchten.
"Tja, weil der letzte, der mit so einem Blatt gewonnen hat, ich glaube es war 2629 genauso wie alle seine Vorgängern durch einen Schuss in den Rücken gestorben ist." Too-Tall grinste über den Glasrand hinweg Fischer an. Jack war mit seinen 2 Metern und 18 Zentimetern der nicht nur der größte Pilot auf der Columbia, selbst unter den Marines suchte er seines gleichen vergebens.
"So ein Quatsch ..." Versetzte Fischer, als er das entsichern einer Laserpistole hinter sich hörte. Er wollte herumwirbeln, aber noch bevor er sich in Bewegung setzen konnte wurde er von einem harten Wasserstrahl getroffen und von Kopf bis Fuß durchnässt.
Skunk grinste den jüngeren Piloten von oben herab an und legte die grellbunte Wasserpistole mit dem Soundchip an die Schulter: "Und ich dachte immer Fische können schwimmen."
Im ganzen Kasino wurden Gelächter laut.
Fischer fuhr hoch: "Wenn Du nicht Lieutenant Commander wärst, würd ich Dir die Schnauze polieren!"
"Tja, zumindest wärst Du dumm genug es zu versuchen Grünschnabel." Skunk stieß den jüngeren Piloten hart in Richtung Stuhl und ging hinter die Bar zurück.
"Dieses Arschloch, warum habt Ihr nichts gesagt?" Fischer blickte in die Runde.
Sugar zuckte die Schultern.
"Er ist immerhin Lieutenant Commander", antwortete Too-Tall, "nach dazu mein direkter Vorgesezter."
Donovan schüttelte den Kopf und grinste: "Du wärst echt blöd genug, es zu versuche was Fisch?"
"Yeah, ..." Sinnierte Fischer.
__________________
Col. Lucas Cunningham
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"You Gotta Be Shittin' Me"
Jack Donovan - USAF

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Alt 30.06.2005, 20:15   #7
Tyr Svenson
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„Kaum läßt man dich von der Leine, wirst du aus der Maschine geschossen!“
Der so gerügte Crusader grinste schwach – er wußte, das war einer von Ohkas seltenen Scherzen. Beide Piloten waren länger als ein Jahr zusammen geflogen und Freunde geworden.
„Ging ja noch halbwegs glimpflich aus, die paar Brüche... Aber pass‘ mal besser ein bißchen auf Submarine auf, bis ich wieder auf dem Damm bin.“ Anna ‚Submarine‘ Gore war Crusaders neue Flügelfrau. Nachdem ihr Vorgesetzter abgeschossen worden war, wäre sie ihm beinahe nachgefolgt, wenn sich nicht Commander Cunningham eingeschaltet und die Bloodhawk weggeputzt hätte, die sich an Submarine gehängt hatte. Das und der Beinahe-Tod ihres Vorgesetzten hatte die junge Pilotin begreiflicherweise ziemlich geschockt.
„Ich glaube nicht, daß wir in der nächsten Tagen Feindkontakt haben werden. Jedenfalls kaum, wenn wir ihn nicht mit Gewalt suchen. Die Akarii dürften so schnell nicht zum Gegenstoß bereit sein.“
„Werd‘ mal nur nicht zu selbstsicher – das paßt nicht zu dir, Samurai.“
Kano machte eine wegwerfende Handbewegung und klopfte seinem Kameraden auf die Schulter – diejenige, die nicht in einem Gipsverband steckte: „Und du werd‘ bloß schnell wieder gesund. Wir brauchen dich Draußen und nicht auf dem Krankenrevier. Auch wenn wir momentan Ruhe haben – ich habe das Gefühl, daß die Flottenleitung noch etwas vorhat. Bis Bald.“

Sobald Kano die Krankenstation verließ, hatte sein Gesicht wieder den üblichen, emotionslosen Ausdruck, den er sich angewöhnt hatte. Nur wenige Menschen sahen durch diese Maske oder erlebten mal, dass er sie ablegte. Er sah auf die Uhr und beschleunigte seine Schritte. Da Commander Cunningham zur Zeit keinen vollen Dienst leisten konnte, blieb viel Arbeit bei Monty hängen – und der ließ Kano großzügig daran teilhaben.
Kano war sich nicht ganz sicher, ob ihn Monty damit von seinen Ambitionen auf den Rang eines Lieutenant Commanders abschrecken wollte, oder ob er Kano prüfen wollte. Wenn Monty wollte, dann konnte er ebenso undurchschaubar sein, wie Kano für die meisten seiner Kameraden.

„Da sind Sie ja, Lieutenant.“
„Sir.“
„Wir bekommen Ersatz. Der Neue wird natürlich in Ihrer Sektion fliegen – hier ist die Akte. Sehen Sie sich das gründlich an, Sie sind mir für den Mann verantwortlich. Ich will nicht, daß er irgendwelchen Mist baut. Lieutenant Jogiches dürfte allerdings der geeignete sein, um ihn zurechtzustutzen.“ Monty hätte wohl beinahe gegrinst. First Lieutenant Ariel „Goliath“ Jogiches hatte früher bei den Schlachtfliegern des Marinekorps gedient, bevor er auf Raumjäger umsattelte. Und seinen Staffelnamen hatte der hühnenhafte Pilot aus Tel Aviv mit gutem Grund erhalten – es hieß, er sei einer der wenigen im Geschwader, die Skunk im Zweikampf vermutlich das Schandmaul stopfen konnten. Meistens beherrscht, konnte Goliath im Kampf allerdings auch Risiken eingehen, die unverhältnismäßig schienen. Aber er war ein guter Soldat.
Kano wunderte sich kurz, warum Monty sich so ausgiebig über den Neuen äußerte. Auch wenn kaum jemand den hohen Anforderungen des XO genügte, normalerweise stauchte er den Entsprechenden lieber persönlich zusammen. Kano überflog die Akte des Neuen:
Second Lieutenant Pretcher „Renegade“ Hands war noch ziemlich frisch im Krieg. Er hatte bisher erst einen Einsatz gegen die Akariis absolviert – ohne Erfolge. Seine Leistungen schienen eher durchschnittlich, aber ausreichend. Er war nicht zu draufgängerisch, das war gut – vielleicht hielt er so Goliath etwas zurück.
Dafür schien der Mann Probleme mit Vorgesetzten zu haben. Kano preßte kurz die Lippen zusammen. Hands würde sich diese Macke besser schnell abgewöhnen. Goliath war nicht sehr duldsam mit seinem Wingman und Kano würde auch nicht gewillt sein, die Eskapaden des Neuen zu tolerieren. Monty war ein noch größerer Drillmeister als Darkness – und Commander Cunningham war nicht gerade für seine Duldsamkeit bekannt.
„Nun ja, Sir – damit haben wir neben Crazy und Marat noch jemanden, der mit der Disziplin gewisse Probleme hat. Aber ich sehe nicht...“
„Dann schauen Sie genauer hin.“ Monty wurde sichtlich ungeduldig. Kano widmete sich wieder der Akte – und dann begriff er und hätte beinahe geflucht: „Sir, halten Sie es für passend, den Mann ausgerechnet mit Goliath zusammenzulegen?“
„Ich werde wegen einem mittelmäßigen Neuling nicht die gesamte Zusammensetzung der Staffel durcheinander werfen. Der Mann ist schließlich Soldat! Für irgendwelche Empfindlichkeiten ist hier kein Platz – wenn er sich etwas anderes einbildet, dann sollte er schnellstens eines Besseren belehrt werden. Auf Sonderwünsche hat er keinen Anspruch.“ Montys Stimme war kalt und entschlossen – er würde in dieser Sache nicht nachgeben, das war Kano klar. Kano konnte die Ansicht Monty's ja sogar nachvollziehen. Dennoch...
„Ich - verstehe, Sir.“
„Ich sehe, daß Sie das tun. Gut. Behalten Sie ihn im Auge und wenn er Ärger macht – dann greifen Sie durch. Immerhin sind wir die Staffel des Commanders und das Geschwader gehört zur Elite der TSN. Wenn der Mann nicht unseren Anforderungen genügt...
Und lassen Sie die Maschinen auftanken und für einen Übungsflug ausrüsten. In zwei Stunden ist Start. Die Neuen müßten jetzt übrigens an Bord kommen. Renegade sollte sich in dreißig Minuten bei mir melden. Wenn er nicht pünktlich ist, dann ist der Teufel los.“
„Sir.“ Kano salutierte knapp, drehte sich um und ging. Auf dem Gang beschleunigte sich sein Schritt unwillkürlich. Der Neue würde schließlich in Kanos Sektion fliegen. Kein Grund, ihn gleich mit einem verhagelten Einstand bei Monty beginnen zu lassen, weil er zu spät kam. Es gab auch so genug Konfliktpotential...

Während Kano versuchte, den beschäftigten Flugdeckoffizier davon zu überzeugen, daß die Maschinen der Butcher Bears bevorzugt aufgetankt werden mußten, sah er sich unauffällig um – und entdeckte den neuen Piloten. Kano hatte offenbar die richtige Vermutung gehabt. Second Lieutenant Pretcher „Renegade“ Hands stand bei einer der Maschinen der Schwarzen Staffel. Die Nighthawks boten einen beeindruckenden, fast furchteinflößenden Anblick, der den ‚Butcher Bears‘ sogar schon ein paar Bilder für ein Navy-Magazin eingebracht hatte. Zusätzlich zum Standart-Navygrau waren die Bugspitzen so bemalt, daß sie wie der Kopf eines Bären wirkten, mit blutrotem, aufgerissenem Maul, langen Fängen und roten Augen. Rechts und links waren kurz dahinter auch noch Bärentatzen mit langen, gebogenen Krallen aufgemalt. Außerdem hatte jeder Pilot das Recht, seinen Jäger an der Seite mit einem kleinen Wappen oder Wahlspruch zu versehen.

Der neue Pilot war von durchschnittlicher Größe und schwarzhaarig. Seine Haut war dunkler, als die der meisten Menschen – fast so wie bei Kali.
Kano dankte dem genervten Chief, der schließlich versprochen hatte, daß die Nighthawk rechtzeitig flugbereit sein würden, und näherte sich Hands. Der Pilot bemerkte ihn nicht.
„Lieutenant Hands.“
Renegade fuhr herum und starrte Kano überrascht und reserviert an. Seine ganze Körperhaltung drückte Mißtrauen aus. Er sah, daß vor ihm nur ein First Lieutenant stand und beschränkte sich bewußt auf ein: „Hi.“
‚Das fängt ja gut an.‘ Üblicherweise galt der Unterschied zwischen First und Second Lieutenant als geringfügig. Aber wenn man, wie Renegade, bei einer neuen Staffel anfing und selber keine Meriten aufzuweisen hatte, dann erforderte es eigentlich die Tradition, etwas weniger schnodderig zu sein. Wenn Hands so weitermachte, etwa bei Monty...
„Ich bin Kano ‚Ohka‘ Nakakura – Sie werden in meiner Sektion fliegen.“
„Soso. Na Toll. Sollen Sie mich zum Staffelchef schleppen?“ Die Stimme klang jetzt eindeutig provozierend, während in Kanos folgenden Worten pures Eis lag: „Zum XO. Das ist so üblich. Sie werden außerdem Ihren Flugführer kennenlernen. Und an Ihrer Stelle würde ich mir einen anderen Ton angewöhnen. Sie sind nicht mehr an Bord der ‚Deutschland‘ und was auch immer dort üblich war, hier werden Sie nach unseren Regeln leben. Und wir sollten uns besser beeilen. Lieutenant Commander Terrano verlangt von ALLEN Piloten prompte und pünktliche Pflichterfüllung. Ein GUTER Rat für Sie – halten Sie sich an diese Regel. Der Lieutenant Commander versteht da keinen Spaß. Also kommen Sie.“
Renegade schien kurz mit sich zu kämpfen, dann hatte er sich im Griff und bedeutete Kano mit einer ironischen Handbewegung, voranzugehen. Während er den Neuen durchs Schiff führte, wandte sich Kano halb zu ihm um: „Sie hatten ja bereits Kampferfahrung, auch auf der Nighthawk, richtig?“
„Ja.“
„Unsere Staffel hat sich neben den klassischen Aufgaben auch auf Schlachtfliegereinsätze spezialisiert – Angriffe auf Frachter und Bodenziele, Unterstützung von Bomber- und Jagdbomberattacken.“
„Ich werde schon klarkommen.“
Schließlich gab Kano es auf – Renegade war offenbar nicht an einem Gespräch interessiert und war selbst für Kanos Verhältnisse bis zur Unverschämtheit einsilbig. Der erste Eindruck war wohl der richtige gewesen: Renegade bedeutete Probleme. Im Geist legte sich Kano die Strategie für die nächsten Tage und Wochen fest. Er würde den Neuen im Auge behalten müssen. Das würde der zwar wahrscheinlich als Schikane auslegen, aber das war Kano momentan egal. Der Mann mußte begreifen, daß er im Rahmen der Sektion zu funktionieren hatte. Sonst würde er nicht nur sich selbst, sondern auch andere in Gefahr bringen. Außerdem würde Kano noch ein paar Worte mit Goliath wechseln...

Bei Monty war inzwischen First Lieutenant Ariel „Goliath“ Jogiches eingetroffen. Der breitschultrige, muskulöse Ex-Marinekorpsflieger überragte den XO der Staffel deutlich. Sein Gesicht war ausruckslos, er musterte Renegade reserviert, aber nicht unbedingt unfreundlich. Kano schloß daraus, daß Monty die Bombe noch nicht hatte platzen lassen. Der junge Pilot fragte sich, was der XO für ein Spiel spielte.
Monty quittierte den etwas laxen Gruß von Renegade mit einem kurzen Hochziehen der Augenbrauen und einem wesentlich sorgfältigeren Salut: „Lieutenant Hands, Willkommen in der Schwarzen Staffel und an Bord der ‚Columbia‘. Ich bin der XO Ihrer Staffel, Lieutenant Commander Miguell 'Monty' Terrano. Ihren Sektionschef haben Sie ja bereits kennengelernt und dies ist Ihr Flightführer. Commander Cunningham ist zur Zeit beschäftigt – aber Sie werden ihm schon noch früh genug begegnen. Sie werden mit Lieutenant Kranz Ihr Quartier teilen. Haben Sie irgendwelche Fragen?“
Der Neue schien überrascht, er hatte wohl irgend etwas anderes erwartet: „Nein, Sir. Danke.“ Er wollte sich bereits umdrehen und gehen, als Monty’s Stimme ihn innehalten ließ: „Einen Moment noch.“
Renegade drehte sich wieder um, wirkte auf einmal wieder wachsam, mißtrauisch: „Sir?“
„Ihre Leistungen auf der ‚Deutschland‘ – sind ausbaufähig. Sie sind ein vollwertiger Pilot, gewiß. Aber die ‚Angry Angels‘ sind ein Elitegeschwader. Und das bedeutet, daß wir mehr verlangen, als Standardleistungen. Verstehen Sie?“
„Natürlich, Sir.“ Die Stimme von Renegade sagte aber etwas anderes aus – und Monty bemerkte das natürlich.
„Lassen Sie den Unsinn. Ich will ehrlich sein – ich verlange von Ihnen, daß Sie sich MEINEN Standards anpassen, ich werde keineswegs für Sie die Anforderungen senken. Wenn Sie damit nicht klarkommen, dann ist hier kein Platz für Sie. Haben Sie JETZT verstanden?!“
„Ja, das habe ich ‚Sir‘!“ Renegades Stimme klang wütend, er war nicht mehr zu bremsen: „Lassen Sie doch den Scheiß! Ich weiß doch genau, was Sie wollen! Ich bin für Sie nur ein Haufen Dreck – ein halber Verräter! Und das alles weil ich von Pandora komme! Es kotzt mich an, 'Sir'! Meine Familie hat immer nur der Republik gedient! Aber ihnen ist das scheißegal! Sie...“
„HALTEN SIE DEN MUND!!“ Monty erhob selten die Stimme – deshalb zuckten auch Goliath und Ohka zusammen. Renegade verstummte tatsächlich, allerdings ließ ihm Monty auch keine Gelegenheit, noch einmal etwas zu sagen: „Halten Sie den Mund und hören Sie zu! Es ist mir egal, woher Sie kommen, es ist mir egal, wer Ihre Eltern waren! Aber es ist mir nicht egal, wenn Sie in MEINER Staffel ihren Egotripp durchziehen. Wir sind im Krieg! Wir können uns Ihre idiotischen Allüren nicht leisten. Und ich werde es nicht zulassen, daß Sie mir mit Ihren persönlichen Befindlichkeiten die Zeit stehlen!
Sie haben nur ZWEI Möglichkeiten: Entweder, Sie passen sich ein und bringen Leistung – und das beinhaltet auch, daß Sie das Reglement und die Dienstorder einhalten – ODER, Sie machen weiter mit Ihren Mätzchen. Dann aber garantiere ich Ihnen, Sie werden nicht mal in die NÄHE eines Fliegers kommen. Ich fliege lieber mit weniger Leuten, als mit einem Kindergarten!
Haben Sie mich verstanden? HABEN SIE MICH JETZT VERSTANDEN?!“
Lieutenant Hands schien von diesem Ausbruch sichtlich eingeschüchtert – aber das wäre sogar Goliath so gegangen. Hands mochte disziplinarische Probleme haben, aber er war kein Idiot. Er sah offenbar, daß Monty es ernst meinte. Verdammt ernst.
Also salutierte er, diesmal zackiger, und würgte ein „Ja, Sir.“ hervor. Ein paar Sekunden hielt Monty seinen Blick noch fest, dann nickte der XO langsam: „Gut. Sie können jetzt gehen. In ihrem Quartier finden Sie ihren Dienstplan. In anderthalb Stunden habe ich ein Staffelmanöver angesetzt. Bis dahin.“ Mit zusammengebissenen Zähnen ging Renegade ab und ließ Monty, Ohka und Goliath zurück.
Der XO setzte sich wieder, als sei nichts geschehen. Seine Stimme war jetzt wieder kühl und sorgfältig akzentuiert: „Sie haben eine Frage, Lieutenant Nakakura?“
„Haben Sie es darauf angelegt, Sir?“
„Gewissermaßen. Ja, ich wollte sehen, wie er reagiert, wenn ich ihn unter Druck setze. Aber Sie haben es ja gesehen, es war kaum Druck nötig, damit er die Beherrschung verliert. Ein normaler Pilot hätte unter diesen Umständen wohl kaum so reagiert. Jetzt weiß ich also, wo seine Schwachstellen liegen – und wo bisher Fehler gemacht wurden. Wir werden uns danach richten – auf MEINE Art. Nakakura, Sie werden ihn in der nächsten Zeit hart rannehmen. Seihen Sie streng, aber gerecht. Die Leistungen Renegades müssen besser werden – und er darf sich keine Extratouren rausnehmen. Aber wenn er Leistung bringt, dann sagen Sie ihm das auch. Verstanden?“
„Ja, Sir.“ Kano knallte die Hacken zusammen und ging. Damit blieb nur noch Goliath, auf den sich jetzt Montys Aufmerksamkeit konzentrierte: „Haben SIE ein Problem mit dem Neuen?“
„Nein, Sir!“ Goliath verfiel unwillkürlich in den Tonfall des Marinekorps. Aber seine Antwort war Monty offenbar zu glatt: „Für Sie gilt das selbe, wie für Nakakura. Ich glaube ja nicht, daß sich Hands gerade bei mir beschweren wird. Aber wenn ich den Eindruck bekomme, daß Sie ihm etwas durchgehen lassen – oder aber ihn schikanieren – dann haben Sie Ärger. Sie sind ein Veteran, deshalb erwarte ich, daß Sie sich entsprechend benehmen. Hands kann ich diesen Ausrutscher hier durchgehen lassen – Ihnen nicht.“
„Ja, Sir.“ Auch Goliath ging. Er hatte nur zu gut verstanden.

Vor der Tür hatte Kano gewartet. Die beiden Piloten waren nicht regelrecht Freunde, aber sie respektierten sich.
„Wirst du damit klarkommen?“
Goliath lachte zynisch auf: „Gute Frage. Das mir der Alte ausgerechnet `nen Pandoraner geben muß – Verdammt!“ Pandora war eine ziemlich abgelegene Kolonialwelt nahe der Grenze zur Conföderation. Bekannt war der Planet primär für den seit Jahrzehnten tobenden Bürger- und Guerillakrieg verschiedener separatistischer Gruppen gegen die Republik. Einheimische „loyale“ Verbände, Soldaten der Armee und des Marinekorps kämpften in den Bergen, den Städten und den giftigen Dschungeln Pandoras unter hohen Verlusten und mit oft fragwürdigen Methoden. Auch die Fremdenlegion war auf Pandora im Einsatz und im Begriff, ein weiteres blutiges, schmutziges und zugleich glohrreiches Blatt ihrer Einsatzchronik hinzuzufügen.
Goliath hatte während seiner Zeit bei den Schlachtfliegern des Marinekorps zwei Jahre auf Pandora gedient. Einmal war sein Vulture abgeschossen worden. Verwundet hatte sich Goliath zu den eigenen Linien durchgeschlagen und wurde, dem Tode nah, krank und voller Parasiten, von einer Legionärspatrouille gefunden.
„Aber immerhin, er ist doch Loyalist. Sonst hätten Sie ihn niemals auf die Akademie gelassen.“
Goliath lachte wieder zynisch: „Kennst du den? Wieviele Loyalisten-Offiziere braucht man für eine typische Pandora-Operation?
Einen, der die Unterstützungsstruppen bewilligt.
Einen, der im Fernsehen als Statist fungiert.
Und zwei, die den Plan an die Guerilla verkaufen...“
„Egal. Du hast Monty gehört. Also machen wir es so.“
Goliath schnaubte abfällig: „Na der paßt ja gut zu Crazy. Wir kriegen wirklich die Creme de la Creme als Flügelmänner.“
„Crazy hat nur eine miese Ausdrucksweise. Ansonsten ist er in Ordnung. Manchmal glaube ich, er hat die Hälfte seines Ärgers nur wegen seines Callsign. Renegade hingegen hat ein richtiges psychologisches Problem. Aber das Jammern hilft auch nicht.“
„Na ja. Mal sehen – wir sehen uns dann bei der Übung.“
Kano grinste kurz: „Natürlich – oder dachtest du, ich mache blau?“
Als er in Richtung seines Quartiers ging, arbeitete es hinter seiner ausdruckslosen Miene. Die nächste Zeit würde schwierig werden – jeder Fehler Renegades würde letztlich auf ihn zurückfallen. Aber vermutlich mußte er da durch, wenn er sich irgendwann für den Posten des XO qualifizieren wollte. Am Besten, er richtete sich schon mal darauf ein, mit der Hälfte des normalen Schlafpensums auszukommen. Er würde genug zu tun haben...



„Und so was ist an Bord MEINES Schiffes?“ Lieutenant Commander Ross starrte Lieutenant Gandhi entgeistert an und klopfte wütend mit seiner Faust auf den Computerausdruck.
Gandhi zuckte mit den Schultern. Er wußte, Ross war auf Pandora im Einsatz gewesen und sein NIC-Kommando hatte den Spitznamen „Dirty Tricks“ nicht dafür bekommen, daß die Mitglieder beim Poker betrogen. Gandhi war genauso wenig begeistert wie sein Vorgesetzter, auch wenn er sich bemühte, sich das nicht anmerken zu lassen: „Er wurde durchleuchtet, mehrfach. Es liegt nichts gegen ihn vor. Seine Disziplinlosigkeiten reichten nicht aus, ihn rauszuschmeißen. Erstens brauchen wir Piloten und Zweitens spielt da wohl auch die Politik mit rein. Sie wissen schon, irgendein Idiot wollte wohl nicht, daß es heißt, jeder Pandoraner stehe unter Generalverdacht.“
„Für mich steht JEDER unter Generalverdacht.“ Das war nur halb als Scherz gemeint.
„Soll ich die Überwachung einleiten?“
„Ach Verdammt. Das ist ja noch schlimmer als mit Davis. Oder mit diesem Cartmell. Ling hatte es noch gut. Warum bekommen wir bloß immer solche kranken Typen? Durchleuchtung hin oder her, das stinkt gewaltig. Natürlich leiten Sie die Überwachung ein. Ich will nicht noch ein ‚Phantom‘ an Bord – das hat uns damals ein paar gute Leute und viel Geld gekostet. Und diese Separatisten sind mindestens ebenso fanatisch, wie die Spinner, die uns damals Schwierigkeiten machten. Ich werde kein Risiko eingehen. Also Überwachung Stufe II. Das heißt...“
„Wir verwanzen sein Quartier und seinen Jäger. Seine Bewegungen werden routinemäßig vom Sicherheitssystem aufgezeichnet. Natürlich Kontrolle seine Post.“
„Aber er darf nichts mitbekommen.“
„Natürlich, Sir.“ Gandhi salutierte, und ging. Sein Vorgesetzter war also mal wieder auf Blut aus. Wenn bei diesem ‚Renegade‘ irgend etwas faul war – sie würden es herausbekommen. Und dann würde es Ross vermutlich ein persönliches Vergnügen sein, den Typen auseinanderzunehmen und vor ein Erschießungspeloton zu zerren.
Tyr Svenson ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.07.2005, 22:17   #8
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Berlin Terra
6. März 2639


"Guten Morgen", Patricia Birmingham betrat gut gelaunt den Blauen Saal, welcher ihr als Besprechungsraum für die Lage des Krieges diente. "Wie ich seit Tagen aus der Presse höre hat sich die zweite Flotte wieder einmal mit Bravour geschlagen. Ich denke, jetzt werden diese Sturköpfe im Draned Sektor wohl endlich Vernunft annehmen und die größeren Parteien dürften wohl auch für einen Seperatfrieden zu haben sein."
Der Draned Sektor war der Teil des Akarii-Imperiums, der durch den Vorstoß der Menschen vom Rest des Reiches abgeschnitten war. Ein halbes Dutzend unterjochter Völker probte, angeheizt und unterstüzt durch die Terraner, den Aufstand.
Teilweise bekämpften sich die Akarii gegenseitig. Gegen die Erdflotte gab es seit über einem Jahr keine Operationen mehr. Dennoch konnte man diesen Teil der Grenze nicht sich selbst überlassen und musste mit ausreichend Schiffsraum vor Ort present sein.
Die Bedrohung durch den Draned Sektor war sehr real, zumal dort noch zwei Flottenträger, mit einer adequaten Begleitflotte, der Akarii stationiert waren, auch wenn diese vom Hauptnachschub abgeschnitten waren und seit gut zwei Jahren keine Kämpfe mehr gegen die Menschen gesehen hatten.
"Madam", begann Clarissa Steward, "gerade in dem Sektor stehen wir vor einem Problem."
Birmingham verzog den Mund, als habe sie in etwas saures gebissen.
"Bei der Sichtung des Materials aus Beta Borialis hat sich herausgestellt, dass Jor mit seinem Flaggschiff durch einen Sprungpunkt in Richtung Kabahl im Draned Sektor gesprungen ist." Steward ließ die GunCam-Aufzeichnungen ablaufen.
"Die Korax ma Rah wurde bei den Gefechten zwar beschädigt, wir müssen jedoch von ihrer Einsatzfähigkeit ausgehen."
"Und ferner glauben Sie, dass Jor dort einen stabilisierenden Einfluss haben wird und es möglicherweise Schafft eine zweite Front aufzubauen und unsere Truppen in die Zange zu nehmen?" Die Presidentin der Bundesrepublik tippte sich gedankenverloren mit dem linken Zeigefinger gegen das Kinn.
"Richtig, darin besteht die große Gefahr", bestätigte Nathan Frost, Cief of Naval Operations der Terran Space Navy, "doch gleichzeitig bietet und dieser Umstand eine große Chance."
Kenneth DeMarko, Bundesminister für Verteidigung, sah den Oberkommandierenden der Raumstreitkräfte an und hob fragend die Augenbraue.
"Wie im Bericht von Captain Grisham vom NIS zu lesen war, wird Jor von unseren Experten als Kopf des letzten Widerstandes gegen uns benannt. Ohne Jor als charismatischen und entschlossenen Anführer wäre laut den Geheimdienstberechnungen schon vor acht Monaten der gesammte Akarii-Widerstand zusammengebrochen. Wenn wir ihn jetzt nach dieser Schlappe der Akarii ausschalten können, dürfte sich der absolute Zusammenbruch abzeichnen."
"Das ist Ihre Meinung?" Wollte DeMarko wissen. Auch wenn er Frost für den Posten des CNO vorgeschlagen hatte, gab es zuviel, was zwischen dem Admiral und der amtierenden Regierung stand, als dass man sich persönlich leiden mochte.
"Das ist die Meinung der Experten", war Admiral Steward ein, die Frost Stellvertreterin war. Sein von der Regierung eingesetzter Kettenhund.
Die Zusammenarbeit von Steward und Frost lief Tadellos. Die Navy war doch ein einziger Molloch voller Geschwisterliebe. Nur Admiral a.D. Kenneth DeMarko erfasste diese Liebe nicht.
"Wie wollen Sie vorgehen?" Birmingham blickte immer noch angestrengt auf die Sternenkarte.
"Nun, im Grundsatz ganz einfach: Wir werden Renault befehlen eine seinter Trägergruppen auf die Jagd nach der Korax ma Rah zu schicken. Der Träger ist zu vernichten. Prinz Jor zu töten oder gefangen zu nehmen. Es wäre von elementarer Bedeutung, den Tod des Prinzen zu bestätigen, sollte er nicht gefangen genommen werden können."
Birmingham blickte auf und nickte. "In der Tat, Sie haben recht, dass Jors Verschwinden aus der Befehlskette für uns nur förderlich sein kann. Wobei, ist es möglich seinen Tod zu garantieren?"
"Das hängt ganz von den Umständen ab, unter denen Jors Verband gestellt wird." Frost scrolte durch sein Datapad. "Eine Akarii-Rettungskapsel hält für ca. zwölf Tage Sauerstoff und Vorräte für etwa zehn Akarii. Sprich wenn Jor alleine eine Kapsel für sich hat, haben wir in etwa für hundertzwanzig Tage Nahrung und Sauerstoff.
Ergo müssen wir nach der Vernichtung seins Verbandes entweder a) alle Rettungskapseln auflesen oder b) alle Rettungskapsel vernichten, sofern Jor nicht im Jäger fällt, bzw. einzelnt aufgefischt wird."
"Ich muss Sie nicht extra auf die Genfer Konvention hinweisen oder?" DeMarko verschränkte die Hände auf dem Rücken.
"Nein Mr. Verteidigungsminister, mir ist die Genfer Konvention durchaus bekannt. Aber Sie als ehemaliger Flottenoffizier sollten auch hier ganz klar die Erfordernisse der Mission sehen."
Schweigen breitete sich aus.


Palast der Einigkeit,
Die ewige Stadt von Pan'chra, Akar

Hahdas Gren betrachtet sich in dem vier Meter Hohen Spiegel und zupft an seiner blauen Ausgehuniform herum. Sie scheint nie richtig zu sitzen, dennoch ist sie allem unnützen Pomp zum Trotz mehr als bequem.
Gren ist für einen männlichen Akarii außergewöhnlich klein und von zarter Statur. Auch wenn er den Kamm stolz aufstellt macht er keine besondere Figur.
Dazu kommt eine innere Energie, die ihn Zappelig macht und nervös aussehen lässt.
Er blickt sich unsicher um. Er kennt den Palast von Kindesbeinen an, in der Zeit wo er mit Jor durch die Gärten tobte und die Schlachten von Kellen dem Großen nachgespielt hat.
Auch weiß er, dass er trotz all seinem Können, seinem Wissen und seiner militärischen Fähigkeiten seinen Rang ganz allein seinem gesellschaftlichen Stand und seiner Freundschaft zu Jor verdankt.
Und jetzt würde er seinen Freund verraten, während dieser in der Galaxis verschollen war, doch es ging nicht anders, doch was sollte er dem Imperator sagen, wie sollte er es dem alten Mann klar machen ... er war am Ende seiner Weisheiten.
"Admiral Gren?" Die heisere Altstimme riss ihn aus seinen verzweifelten Gedanken. Seinem Rang unwürdig wirbelte er hastig herum.
Der zeite Mann im Staate stand vor ihm, der Lordkanzler Relath Gor, auf einen Stock gestüzt. Alt, dieses Gemäuer ist von Alter durchsetzt.
"Mylord Kanzler." Hahdas verbäugte sich.
"Bitte, bitte Admiral, kommen Sie, seine Majestät erwartet Sie bereits."
Gor führt ihn durch einen langen Korridor. Der alte Kanzler gab die Geschwindigkeit vor. So trotteten sie die Ahnengallerie der akarrischen Imperatoren und Kaiser entlang. Schweigend. Das auftippen von Gors Stock als einzig auffälliges Geräusch.
Bis schließlich doch der Kanzler das Wort ergriff: "Wie wollen Sie Axion verteidigen Admiral? Und hat es in Prinz Jor's Richtung schon neue Nachricht gegeben?"
"Das Mylord möchte ich doch lieber seiner Majestät vortragen."
Der Kanzler blieb stehen und funkelte Hahdas wütend an, versuchte ihn niederzustarren.
Doch zuviele Jahre in der Gegenwart erlauchter Herren ließen Hahdas gegen derartige Blicke imun werden.
Schließlich gingen sie weiter. Der Korridor führte sie in einen prächtigen Innenhof, mit ausgibiger Grünbepflanzung und gepflasterten Wegen.
An einem überdachten Teich, mit einer Sitzecke aus Marmorbänken saß er Eliak IX stark gebeugt von Krankheit und der Last des Krieges.
Seine Tochter kniete neben ihm im Grass und sprach leise zu dem alten Mann.
Selbst hier draußen Roch es nach Alter und Verfall.
Hahdas rief sich zur Ordnung, der alte Mann konnte nichts für sein Alter, das Alter war der Lauf der Dinge.
"Eure Majestät, Admiral Hahdas Gren!" Meldete ihn der Kanzler.
Hahdas machte einen angemessenen Kniefall vor dem Imperator: "Mein Gebieter."
Eliak Telam hustete: "Lass den Unsinn Hahdas, erheb Dich, als kleiner Junge hast Du schon hier zu meinen Füßen gespielt."
"Ja, Sire, lange ist es her." Hahdas nahm auf einer der anderen Bänke platz und sah den Imperator genau an.
Dieser musste lange Atem holen, ehe er zu sprechen anfing: "Bitte Hahdas, berichte mir ..." Und schon war der Atem wieder erschöpft.
"Nun, Sire, es tut mir aufrichtig leid, doch ... Euer Sohn ist noch immer auf der anderen Seite des Reiches, von den Truppen abgeschnitten, wir haben ja nicht mal Kontakt zur Korax ma Rahl, wir wissen gar nichts."
"In Eurem Schreiben habt Ihr sehr ... ungewöhnlich ... um die Verlegung der Homefleet ... hm ... gebeten, Admiral." Die Prinzessin übernahm das Sprechen für ihren Vater.
"Majestät, Sire, Ihr müsst etwas unternehmen ..."
Der Imperator antwortete, bevor seine Tocher es konnte: "Was ... was kann ... ein alter Mann wie ich schon tun?"
"Ihr müsst einen neuen Flottenkommandanten ernennen!" Konterte Hahdas
"Admiral, während Jors Abwesenheit befehligt Ihr doch die Flotte", es war Relath Gor, der Sprach, sein Gesicht war gleichgültig oder neutral, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache.
"Bei allem nötigen Respekt Euch gegenüber Exellenzen und dem Großadmiral, weder Großadmiral Thelam noch ich sind in der Lage die drohende Niederlage abzuwenden, geschweige denn den Menschen angemssen Paroli zu bieten."
Entsetztes Schweigen herrschte und Eliak Thelam kämpfte sich auf die Beine. Langsam schwer auf seinen Krückstock gestüzt humpelte er zu Hahdas hinüber und griff ihn mit seiner Krallenhand fest an den rechten Oberarm.
"Du ... Du denkst tatsächlich ... dass dieser ... dass dieser Krieg verlohren ist?"
"Nicht endgültig und nicht vollständig, doch weder Jor noch ich sind in der Lage die Truppen zu inspirieren, in zuviele Niederlagen haben wir sie geführt, es ist kein Vertrauen mehr da. Wir brauchen einen neuen und zugleich alten Geist! Wir brauchen jemanden, der fähig ist, den Truppen den Siegeswillen wieder zu geben, jemanden, dessen Name immer noch in Ehrfuhrcht ausgesprochen wird. Ein Name, der Kraft, Mut und Tatendrang verheißt."
"Ja ... ja, Du hast recht, Nahil Koo muss wieder seinen ... seinen Posten übernehmen ... er, er wird verehrt ..."
"Vater", die Stimme der Prinzessin zitterte, "Dein alter Freund, er starb vor über einem Jahr."
Eliak IX starrte seine Tochter erschrocken an, dann seinen Kanzler, dieser nickte.
"Wus ... wustest Du das ... Hahdas?"
"Ja mein Gebieter." Hahdas hätte auf der Stelle losweinen können, den Herrscher der Akarii, der seit über 100 Zyklen die Geschicke des prächtigen Sternenreiches steckte, so zerbrechlich, so alt, so hilflos.
"Von wem ... wem hast ... Du eben ... eben gesprochen?"
Hahdas blickte kurz zum Kanzler. Raleth Gors dunkle augen Borten sich in seinen Körper, beinahe vernichtender als jede Lasersalve.
"Lay Rian, Admiral Lay Rian vor über zwei Jahren aus dem Dienst entlassen, als Reaktion auf das Debakel bei Corsfield. Sire, was immer Ihr auch von dieser Frau hört, die Männer und Frauen der Flotte beten sie an, den Boden unter ihren Füßen beten sie an."
Der Imperator humpelte zu seinem Sitzplatz zurück und ließ sich schwer darauf niederfallen. Seine Tochter reichte ihm gleich was zu trinken. Ihr Gesicht war von Sorge verzerrt.
"Ich ... ich bin ... müde." Entschied Eliak.
Gor und Hahdas verbeugten sind und wandten sich zum gehen. Hahdas ließ verzweifelt die Schultern hängen, würde er also die Menschenlinge in Axion erwarten und wenn nicht ein Wunder ...
"Aber ... ruft mir ... mir diese ... Frau her!" Kurz darauf war der Imperator eingeschlafen.
__________________
Col. Lucas Cunningham
5th Syrtis Fusiliers

"You Gotta Be Shittin' Me"
Jack Donovan - USAF

Inoffizielles Motto der Wild Weasel Crews
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Alt 08.07.2005, 08:24   #9
Cattaneo
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Die Stimme Liljas war, wie fast immer, ohne Freundlichkeit – vielmehr lag ein schneidender Unterton in ihren Worten. Auch wenn sie nicht von Angesicht zu Angesicht mit den Adressaten der Standpauke redete, die Schärfe blieb ungemindert: „Das war keine sehr beeindruckende Leistung, Lieutenants. Spitfire, ich habe Ihnen oft genug gesagt, Sie dürfen im Gefecht nicht die Übersicht verlieren. Nur der Hase achtet allein auf den Fuchs auf seiner Fährte und wird dann zur Beute des Habicht. Sind Sie ein Hase?“
Über Funk kam eine ganze Weile nur Schweigen, dann ein: „Nein, Ma’am.“
Aber natürlich ließ ihn Lilja nicht so leicht davonkommen: „Schön, dann denken Sie auch nicht wie ein Hase! Sie haben sich von mir so festnageln lassen, daß Dragon Sie ohne Probleme abknallen konnte! Wenn meine Akarii-Gegner so fliegen würden wie Sie, dann hätte ich mindestens das Flying Cross in Silber. Ich hätte doppelt so viele Echsen erledigt und wäre nur halb so oft abgeschossen worden!“
Die Russin brauchte nicht viel Phantasie oder Einfühlungsvermögen, um sich vorzustellen, wie es in dem Piloten aussah. Er war zwar wieder zum Flightführer aufgerückt, seitdem Entsatz auf der Columbia eingetroffen war, aber die Russin schleifte ihn erbarmungslos. Dabei scheute sie auch nicht davor zurück, den Umstand zu erwähnen, daß seine bisherige Flügelfrau schwer verwundet worden war...
Sie erwartete gar keine Antwort – auf solche Standpauken schwieg man beim Militär traditionell.
Erst jetzt mäßigte sie ihre Stimme etwas: „Es ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, daß man unter Beschuß auf den Verfolger konzentriert ist. Aber auch die Akarii beherrschen das Spiel Treiber-Schütze. Es kann leicht passieren das ein Feind sie unter Druck setzt, damit Ihnen sein Partner den Fangschuß geben kann. Sie müssen lernen, ihre Aufmerksamkeit weniger stark zu fokussieren. Denken Sie daran, es ist Blödsinn, was einige behaupten, daß man ganz im Kampf aufgehen muß. Jeder Pilot hat seinen eigenen Stil. Sie sind ganz gut, wenn Sie mit Überlegung kämpfen. Aber das ist kein Tennisturnier, bei dem Sie nur EINEN Gegner haben. Wenn Sie das lernen, sind Sie schneller ein Aß als Sie vielleicht meinen.“
Da Lilja aber nun einmal Lilja war, konnte sie es sich nach diesem aufmunternden Appell nicht versagen, noch hinzuzufügen: „Wenn nicht, dann wird es Ihr Ende sein.“

Dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit dem Flügelmann von Spirfire zu, der sich wohl schon gefragt hatte, wann er an die Reihe kommen würde: „Was Sie angeht, so muß ich sagen, Ihr Einsatzgeist läßt zu wünschen übrig. In unserer Staffel brauchen wir bestimmt keine Selbstmordkandidaten, aber Luftkampf wird nicht durch Zaudern gewonnen. Daß Dragon ihren Flightleader so problemlos abschießen konnte lag nicht nur daran, daß Spitfire zuwenig aufgepaßt hat. Sie haben ihm überhaupt erst den Atem dazu gegeben. Ich hoffe doch, Ihnen ist klar was Ihre Aufgabe ist? Ihrem Vorgesetzten den Rücken freihalten, besonders wenn er gejagt wird. Sie müssen dazu den Verfolger nicht gerade rammen – aber wenn man sich wie Sie so weit verjagen läßt, daß man dann nicht mehr zu Hilfe kommen kann...“
„Ja Ma’am. Zu Befehl Ma’am.“ Kam die zerknischte Entgegnung. Hellcat empfand wohl weniger Wut als – vermutlich – Spitfire. Er war neu in der Staffel und darauf angewiesen sich zu beweisen. Und mit seinen sechs Abschüssen war er eigentlich erfahrener als sein Vorgesetzter – es hätte ihm einfach nicht passieren dürfen. Vermutlich fragte er sich, was eigentlich in ihn gefahren war.
„Einsicht ist gut – aber wertlos wenn Sie nicht danach handeln. Denken Sie immer daran – es ist ein Verbrechen sich sinnlos zu opfern. Es ist unverzeihlich, jemandem nicht zu helfen, den man hätte retten können. Das ist schwer abzuschätzen, ich weiß. Aber schlußendlich entscheidet das über Leben und Tod – Ihres und das Ihrer Kameraden. Vorsicht kann nie schaden, aber wer sich davon lähmen läßt, ist schlimmer als ein Feigling – denn den regiert die blinde Angst, nicht egoistische Überlegung.“ Sie milderte den Hieb etwas ab – auch das hatte sie erst lernen müssen um eine akzeptable Offizierin zu sein: „Dragon hat Ihnen hart zugesetzt. Aber Sie müssen an Ihrem Vorgesetzten dranbleiben – ohne Sie kann er zu leicht in die Zange genommen werden. Wenn Sie selber Flightleader werden wollen, müssen Sie erst der perfekte Flügelmann werden.“

Glücklicherweise war es nur ein Spiel, allerdings kein faires. Lilja hatte eine Vorfeldpatrouille zu einem kleinen Manöver umfunktioniert. Die beiden Flights jagten sich abwechselnd gegenseitig und schossen mit computersimulierten Waffen aufeinander. Die Russin behielt natürlich ständig die Anzeigen der „Sensorenbombe“, wie der Zusatzbehälter voller „Augen“ und „Ohren“ genannt wurde, im Blick. Sie war der Meinung, daß es einfach nicht genug Zeit zum üben gab – also nutzte sie jede Möglichkeit.
Nicht fair gespielt hatte sie in so weit, daß sie die Schwachpunkte ihrer Kameraden sehr genau kannte. Spirfire verlor sich leicht im Kampf, und Hellcat war nicht ganz der Draufgänger, als den man den üblichen Piloten betrachtete. Wer wie sie Bescheid wußte, fand leicht einen Punkt an dem er ansetzen konnte. So hatte sie zusammen mit Dragon – der eigentlich kein besserer Pilot als die anderen beiden Männer war, aber ihre Art zu fliegen inzwischen kannte – das andere Paar aufgesplittert, Spitfire so lange gehetzt bis er nur noch an sie dachte und Dragon den anderen Jäger verjagen lassen. Es hatte funktioniert.
Lilja verzog leicht frustriert das Gesicht. Die Gewißheit Recht zu haben befriedigte nur wenig. Wenn in einem echten Kampf dergleichen passierte, konnte es leicht fatale Folgen haben.
Das Pilotenmaterial war ja nicht eigentlich schlecht. Aber „eigentlich ganz gut“ war eben oft nicht ausreichend. Die Lazarette und Friedhöfe – im günstigsten Fall – waren voller „eigentlich ganz guter“ Männer und Frauen.

Seitdem der Entsatz eingetroffen war, hatte sich die Russin daran gemacht die neuen „einzuarbeiten“. Sie hatte kurzerhand verordnet, daß sie nicht nur Dienst und Übungen mit ihren Flightkameraden zu verbringen hatten – auch beim Essen sollten sie sich Gesellschaft leisten und sich ihre Hobbys vorstellen, also auch zumindest einen Teil der Freizeit miteinander verbringen. Auf jeden Fall die körperlichen Übungen in den Sporthalle des Trägers.
Das alles diente keineswegs dem Zweck, aus den Neulingen und ihrer Kameraden eine harmonische Gemeinschaft zu machen. Aber sie sollten – und zwar möglichst schnell – ein „Gefühl“ füreinander entwickeln. Sie mußten lernen, so die Worte der Jagdfliegerprophetin Lilja, wie der andere dachte. Das Bewußtsein bestimmte das Sein, und in diesem Fall das Verhalten im Kampf. Erst wenn sie halbwegs verläßlich vorausahnen konnten, wie ihr Vorgesetzter oder Untergebener sich verhalten würde, hatten sie eine gute Chance den nächsten Kampfeinsatz zu überstehen.
Lilja wußte, sie konnte sich längere Ausführungen eigentlich sparen. So ziemlich jeder der Piloten hatte Kameraden verloren oder war selber schon abgeschossen worden. Aber zwischen wissen und tun war oft ein Unterschied, und Lilja war gerade dabei das zu korrigieren.
Sie lächelte knapp, während sie ihren Falcon beschleunigte: „Nun zeigt uns mal, ob ihr lernen könnt. Jetzt seid ihr die Jäger.“

Zwei Stunden später setzten die vier Kampfflieger wieder auf dem Flugdeck der Columbia auf. Wie zu erwarten gewesen, hatte sich während der Patrouille nichts wirklich wichtiges ereignet. Die Akarii schienen wirklich im Augenblick genug zu haben. Außerdem war es unwahrscheinlich, daß sie auf die Schnelle genug Schiffe zusammenziehen konnten um gegen die „Große Flotte“ einen Angriff zu starten. Weitaus wahrscheinlicher verminten sie die Wurmlöcher in den nächsten Systemen und bereiteten sich auf den unausweichlichen Fortgang der menschlichen Offensive vor.
Die Laune Liljas hatte sich nur unwesentlich gebessert. Spitfire und Hellcat hatten sich zwar besser geschlagen, aber besser war eben noch nicht gut genug. Hier konnten sie aus Fehlern klug werden – im nächsten echten Raumkampf mochte das ganz anders ausgehen. Aber immerhin, die Zusatzausbildung schien doch etwas zu bringen. Sie konnte nur hoffen, das es reichte...
Die Russin musterte ihre Untergebenen, dann meinte sie nur knapp: „Erst mal Freizeit. In sechs Stunden möchte ich euch bei den Simulatoren sehen. Seht zu daß ihr einen Happen eßt und eine Mütze Schlaf kriegt. Ab mit euch.“ Eigentlich war man ja dazu übergegangen den Piloten mehr und mehr Freiräume zu gewähren, aber findige Kommandeure konnten die Freizeit durchaus einschränken, wenn sie es für nötig hielten. Und so hatten Piloten, mit deren Leistungen Lilja nicht zufrieden war, wenig ungenutzte Zeit.

Lilja brauchte nicht lange, um sich einen Überblick über das Treiben auf dem Flugdeck des Trägers zu machen. Augenblicklich war nicht viel los – also stand entweder nichts an, oder es war kürzlich wieder ein Verband zu einem dieser Sicherungseinsätze gestartet. Nun, von solchen Aufgaben Marke „Händchen halten“ blieben die Falcon glücklicherweise zumeist verschont. Die agilen Abfangjäger wurden eher als Verteidigungsbereitschaft und für Patrouillemissionen eingeteilt. Lilja war es Recht. Auf diesen Masseneinsätzen ereignete sich sowieso nichts, und man konnte nicht mal eine halbe Stunde für Übungen stehlen. Bestenfalls konnte man Zielschießen auf Wrackteile veranstalten, was zwar recht befriedigend war, aber keine Herausforderung.
Allerdings, da hinten wurden vier Falcons ihrer Staffel bereit gemacht. Natürlich – Imp war zusammen mit drei anderen Piloten ebenfalls für eine Patrouille eingeteilt worden. Lilja schlenderte über das Flugdeck. Eigentlich sollte sie ja besser tun, was sie ihren Untergebenen geraten hatte, aber sie hatte auch so nicht oft Gelegenheit, ihre Freundin zu sehen.
Die Deutsche war offenbar damit beschäftigt, Fidai, Vasco und Katana zu briefen. Auch sie würde – darüber hatte sich Lilja mit ihr verständigt – die Patrouille für ein paar Übungsdurchgänge nutzen. Allerdings war bei ihr die Situation etwas anders. Katana war wirklich kein Neuling mehr, Imps Flügelmann Vasco hingegen schon eher. Lilja hatte mit dem Gedanken gespielt Katanas und Imps Untergebene gegeneinander auszutauschen, doch wenn sie etwas haßte, dann den Launen eines Untergebenen nachzugeben. Nein, Vasco würde sich daran gewöhnen müssen, der Deutschen zu gehorchen. Sie fing den Blick des jungen Piloten und starrte ihn so lange an, bis er den Kopf senkte. Natürlich – Lilja hatte ihm erst vor kurzem einen Teil seiner Arreststrafe erlassen. Nun, hoffentlich brachte es was.
Sie wartete bis Imp mit der Einsatzbesprechung fertig war, dann setzte sie sich neben ihre Kameradin. Sie vermißte es ehrlich, nicht mehr so wie früher mit ihr im gemeinsamen Quartier plaudern zu können...
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Alt 09.07.2005, 11:43   #10
Tyr Svenson
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"Und, wie macht sich euer Renegat?"
Kano hätte beinahe die Augen verdreht: "Frag lieber nicht. Wenn ihr damals den gleichen Ärger mit Cartmell hattet... Von den Leistungen her könnte er besser sein - aber er verkrampft sich einfach viel zu schnell. Und er hat echte Probleme mit Befehlen. Ein Wunder, daß sie ihn überhaupt auf der ‚Deutschland' geduldet haben."
"Tja, nicht jeder hat unsere hohen Standards...", Kali's Stimme troff vor Sarkasmus, "...außerdem, wie wir andauernd zu hören bekommen, wir haben Krieg - und das schon das fünfte Jahr. Gute Piloten sind selten. Also müssen es auch die nicht so guten tun." "Jedenfalls habe ich ihn jetzt am Hals. Den Mann nach Monty's Vorstellungen zu bearbeiten, ist ein Vollzeitjob."
"Hm... Ich hab' immer gedacht, wenn ich mal auf jemanden eifersüchtig sein soll, dann auf ein junges, japanisches Piloten-Häschen. Das es ein verkappter Separatist mit Autoritätsproblemen sein wird, der deinen Herz und Verstand so ablenkt..."
"Du wirst aber auch immer komischer." Kano grinste bei seinen Worten schwach, dann richtete er sich aber instinktiv auf, als Monty's scharf akzentuierte Stimme durch den Raum schallte: "Wenn ich um ihre Aufmerksamkeit bitten dürfte, Ladys und Gentleman?!" Die drei Dutzend Piloten richteten ihre Blicke auf den schmächtigen Lieutenant Commander, der vor sie getreten war.
"Die Parameter des Einsatzes sind klar, aber nicht unkompliziert. Vier Sektionen Nighthawk - zwei der Staffel Rot unter Lieutenant Davis und Lieutenant Mitra und zwei Sektionen der Schwarzen Staffel unter meinem Kommando und unter Lieutenant Nakakura - bilden die Jägereskorte. Die Bewaffnung ist auf massive Zerstörungskraft ausgelegt: Phoenix, Hydras und Sidewinder.
Je eine Sektion Thunderbolt und Crusader bilden die Angriffsformation, ausgerüstet mit Atomraketen, HARM's und Hydras. Natürlich werden wir nur aktiv werden, wenn es Probleme gibt. Ziel unseres Einsatzes ist es primär, jede Gewaltanwendung seitens der Akarii schon durch unsere Präsenz zu unterbinden - und wenn es dennoch zu Auseinandersetzungen kommt mit aller gebotenen Härte und Rücksichtslosigkeit zuzuschlagen. Deshalb hat die Einsatzgruppe auch diese Größe - aber schließlich sichern wir auch zwei getrennt operierende Spürtrupps der Marines und des NIC in einer Stärke von jeweils mehr als zwei platoons. Die Flottenführung will die Aufräum- und Sicherungsaktionen so bald wie möglich beendet haben. Aber das bedeutet nicht, daß die Sorgfalt unserer Arbeit darunter leiden darf. Ich erwarte wie immer äußerste Wachsamkeit und Pflichterfüllung. Das ist alles - Weggetreten!" Die Piloten erhoben sich und verließen den Besprechungsraum. Trotz Monty's Worten waren solche Einsätze inzwischen für die meisten nur noch Routine.
"Was meinst du, warum unser alter Eisenfresser immer die selbe Rede hält? Und warum die da oben unbedingt schnell fertig werden wollen?" Kali hatte sich locker Kanos Tempo angepaßt. Der japanische Pilot zuckte kurz mit den Schultern: "Ich glaube, ihm passen solche Einsätze nicht besonders. Er mag es nicht, Schutzengel für die Marines zu spielen, vor allem da wir nicht viel tun können, wenn es INNERHALB der Station Ärger gibt. Und ich glaube, das Flottenkommando macht aus dem gleichen Grund Druck, aus dem sie unbedingt Ersatzteile, Reservemaschinen und Jägertreibstoff anfordern. Sie haben etwas vor..."
"Na ja, ich kann es kaum erwarten." Damit waren sie im Hangar, die Piloten zerstreuten sich und steuerten ihre Maschinen an. Kano schaute noch einmal zu Kali, lächelte: "Bis nachher, Helen." Sie grinste, boxte ihm spielerisch gegen den Oberarm und rannte zu ihrem Jäger.
Ein paar Sekunden später kletterte er die Leiter seiner Nighthawk hinauf. Crazy, dessen Jäger neben Kanos Maschine stand und die kurze Szene zischen ihm und Kali mitbekommen hatte, konnte sich nicht verkneifen, seinen Senf dazuzugeben: "Na, das Glück noch frisch?"
"Kümmere dich um deinen eigenen Dreck." Sehr viel mehr bekam Crazy nie zu hören, solange er gewisse Grenzen beachtete. Wenn er aber die überschritt, dann war mit dem Japaner wirklich nicht gut Kirschen zu essen. Crazy hatte das relativ schnell gemerkt und die beiden Piloten hatten einen halbwegs stabilen Modus Vivendi gefunden.
Fast automatisch ließ Kano die Startprozedur ablaufen - ein paar Sekunden später wurde der Jäger in das All geschleudert. Vierundzwanzig Maschinen der TSN, mit genug Feuerkraft, um einen Kreuzer zu vernichten, beschleunigten in Richtung der Akarii-Raumstationen, die zwar kapituliert hatten, aber immer noch voller Akarii waren und noch längst nicht vollständig durchsucht oder gesichert waren.

Doch als es Ärger gab, begann er nicht an Bord der Stationen.
Inzwischen waren fast anderthalb Stunden vergangen, während denen die Piloten nichts anderes zu tun hatten, als fast reglos im All zu schweben und zu der riesigen Akarii-Station zu starren, die von den Aufklärungsteams durchsucht wurde. Gleichzeit, das wußten die Flieger, gaben sie auch den laufenden Transferbewegungen Rückendeckung, mit denen die Akarii schubweise auf die POW-Transporter geschleust wurden. Das zog sich hin – einerseits wegen der schieren Menge der Gefangenen, andererseits wegen den parallel erfolgenden „Filtrierungsaktionen“, mit denen der NIC versuchte, potentiell für den Nachrichtendienst interessante Gefangene auszusieben.
Da Monty die Operation leitete, herrschte strikte Funkstille – der Lieutenant Commander hielt nichts von unnötigem Geschwätz im Gefechtsfunk. Die Piloten konnten also wenig anderes tun, als sich zu langweilen. Die Veteranen bezeichneten diese Einsätze deshalb auch als „Trockenübung für Langstreckenflüge“.
Um so überraschender war es für Kano , als plötzlich eine unbekannte Stimme durch die Stille im Cockpit schnitt: „ACHTUNG! STÖRFALL! AN ALLE EINHEITEN! STÖRFALL IN 24-30-12!
ACHTUNG! STÖRFALL!...“
Kano brauchte ein paar Sekunden, um den Funkspruch zu verstehen. 24-30-12 bedeutete, was auch immer los war, es geschah praktisch zwischen einer kompletten Zerstörerflotille der TSN, die in der Nähe einer der Akarii-Stationen ‚vor Anker‘ gegangen waren. Wer hatte den Funkspruch abgesetzt? Und was bedeutete eigentlich ‚Störfall‘? Einen Angriff? Einen Unfall?! Während seine Gedanken sich noch überschlugen, lenkte er automatisch seine Maschine in die entsprechende Richtung, griff nach dem Schubhebel – und zögerte.
Jetzt meldete sich Monty: „Lieutenant Mitra – Ihre Sektion und Sektion Bronze halten die Stellung. Die Spürteams werden sich zurückziehen, sie werden nur aktiv, wenn die Bodentruppen Feuer bekommen. Der Rest – FOLGEN!“ Dann schaltete er offenbar auf Breitbandfunk: „Hier Fliegerstreitkräfte der Columbia! Was zur Hölle ist los? Machen Sie gefälligst anständige Meldung!“
Doch es dauerte, bis er klare Informationen erhielt. Als hätte man einen Stein in ein Wespennest geschleudert, meldeten sich jetzt die verschiedenen Funkstellen und vergrößerten die Unklarheiten eher noch. Zerstörer und Fregatten nahmen Fahrt auf und machten ihre Waffen scharf, während sie nach der Ursache des Notrufs suchten.

Als die Maschinen den angewiesenen Sektor erreichten, sahen sie sich in der Gesellschaft von zwei Kreuzern, drei Korvetten und die Zerstörer Hoche, Davout, Ney und Caulaincourt. Wie ein bizarrer Scherz driftete dazu noch ein Frachter der Alatair-Klasse durch das All, der gleichzeitig schwerfällig und verwundbar wirkte, in dieser Ansammlung konzentrierter Vernichtungskraft. Doch dieser Frachter war der Grund für den Flottenalarm

„WIE BITTE, Sir?!“ Monty’s Stimme troff förmlich vor Unglauben und Verachtung. Aber Captain Jeanpierre, Kommandant der Davout, Befehlshaber der Zerstörerflotille und momentan so etwas wie der Einsatzkoordinator, hatte offenbar Wichtigeres zu bedenken, als den unpassenden Ton eines Untergebenen: „Sie haben ganz richtig gehört! Die ‚Devil Island‘ hatte einhundert Akarii übernommen, als es an einer der Filtrierungspunkte des NIC zu Komplikationen kam. Offenbar hatten ein paar ‚interessante Gefangene‘ einige Waffen verbergen können. Der Aufstand griff binnen kürzester Zeit auf bereits verschiffte und noch zu filtrierende POW über. Die Wachtruppen wurden überwältigt – und dann haben die Akarii das Schiff geentert. Gerade noch, daß die Brücke einen halben Notruf absetzen konnte. Die haben wohl nicht mal richtig kapiert WAS ihnen passiert ist.
Vor vier Minuten haben die Akarii offenbar die Maschinen des Transporters unter ihre Kontrolle gebracht. Ach ja – nach unseren Informationen haben sie ein Dutzend NIC-Offiziere, dazu Marinesoldaten und TSN-Mitglieder in noch unbestimmter Zahl in ihrer Hand. Wir schätzen zwischen fünfzig bis einhundert.“
„Schweinerei! Können diese Idioten einen POW-Transporter nicht anständig bauen?!“
„Die ‚Devil Island‘ wurde erst vor einem halben Jahr für die TSN aktiviert. Vorher diente sie als Personentransporter für das Kolonisierungskorps.“
„Verdammt“
„Hören Sie, wenn wir die einfach weiter fliegen lassen, dann sind sie in ein paar Stunden am Sprungpunkt. Dann sehen wir sie wieder. DAS DARF NICHT PASSIEREN.“
„Natürlich darf das nicht passieren. Aber was ist, wenn wir sie nicht daran hindern können?!“ Mit diesen sarkastischen Worten überschritt Monty allerdings offenbar eine Grenze, die Stimme des Captains wurde eisig: „Lassen Sie den Quatsch. SIE werden dafür sorgen, daß das Schiff gestoppt wird. Wir stellen bereits Einsatzteams zusammen, die an Bord gehen werden. Diese verdammten Echsen haben einen tödlichen Fehler begangen!“
„Und ihre Geiseln?“
„Wenn wir zögern, dann ist das Schiff weg. Wir haben nicht die Zeit zu palavern – und die TSN läßt sich nicht unter Druck setzen. Sie müssen das Schiff stoppen, damit die Akarii nicht davonkommen. Die Akarii werden das sicherlich nicht freundlich aufnehmen, und das Risiko ist zu groß, daß sie sich dann gegen ihre Gefangenen wenden, wenn wir nicht sofort danach zuschlagen. Deshalb werden sofort, nachdem Sie den Antrieb und die Waffensysteme des Transporters lahmgelegt haben, die Enterfähren andocken – und das Schiff wird gestürmt. Noch Fragen?“ Der Captain stand hörbar unter Druck, er war schließlich auch nur das Sprachrohr der Flottenleitung. Die ganze Sache mochte Jeanpierre genauso stinken wie Monty, aber Befehl war Befehl. Das wußte natürlich auch Monty: „Wie ist die ‚Devil Island‘ bewaffnet?“
Jeanpierre’s Stimme klang jetzt fast gequält: „Die Schilde sind verbessert. Vier Lasergeschütztürme und zwei 6er Sparrow-Werfer, das Schiff wurde auch aufgerüstet. Allerdings haben wir die genaue Positionierung der Geschütze nicht verzeichnet. Aber wir wissen natürlich auch nicht, ob die Akarii überhaupt die Waffen übernommen haben – bisher haben sie nicht gefeuert.“
‚Weil sie nicht dumm sind. Na wunderbar...‘ dachte Monty angewidert. Die Situation war verfahren. Einerseits mußten die Waffen des Transporters unbedingt ausgeschaltet werden, damit die Enterfähren ungefährdet andocken konnten. Andererseits mußten die Schäden an der Hülle der „Devil Island“ so gering wie möglich sein, denn an Bord waren nicht nur die Akarii, sondern eben auch Menschen. Deshalb mußten die Schläge gegen die Waffensysteme, die Radargeräte und den Antrieb von geradezu chirurgischer Präzision sein. Aus diesem Grund sollten ja auch die Raumjäger den Job übernehmen – die Geschütze der Kriegsschiffe waren viel zu ungenau und durchschlagskräftig. Mit einem fatalistischen Gefühl der Ausweglosigkeit und sogar einem kurzen Anflug von Selbstekel traf Monty seine Entscheidung und schaltete auf Staffelfunk.
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