30.03.2004, 10:08
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Lieutenant
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Hinter den feindlichen Linien III
Hinter den feindlichen Linien – Teil III
(Anmerkung: Diese Geschichten wurden im alten Forum von mehreren Autoren verfaßt. Ich habe sie nur ins neue Forum übertragen. Beteiligt an diesen Geschichten waren neben mir Cunningham, Cattaneo, Ace Kaiser, Darkness und Hammer).
Nach Jahrzehnten des kalten Krieges, des Belauerns und des Spionierens kam es zu jenem Ereignis, welches man schlicht Krieg nennt.
Ein Schlachtfest, welches Millionen von Menschen und Akarii verzehrte. Allein die erste Schlacht kostet die Terran Space Navy vier Flottenträger und über 40.000 Männer und Frauen das Leben.
Darauf hin führte die TSN eine Art Guerillakrieg, stieß mit ihren leichten Trägern bis weit hinter die feindlichen Linien vor und jagte alles was vor die Geschütze kam.
Diese Aktion brachte ebenfalls über 20.000 Opfer allein auf Seiten der TSN.
Es ist erstaunlich, wie viel das zerbrechliche Wesen Mensch bereit ist auf sich zu nehmen. Wie lange es durchhalten kann und wie verzweifelt er mit allen ihm zur Verfügung stehender Mittel zuschlägt und weiterkämpft und weiter und weiter und weiter.
Epilog aus Lords of Space
Das Callahans war ein kleiner Saloon am hinteren Ende der Amüsiermeile auf Perseus-Station.
Lucas nippte genüsslich an seinem Scotch Bannahabhain. Zwei Fingerbreit mit zwei Eiswürfeln. Ihm gegenüber saß Darkness, das Gleiche vor sich stehend.
"Ich möchte Davis eine eigene Rotte geben", begann Lucas.
Darkness sah ihn etwas erstaunt an, doch ehe er antworten konnte fuhr Lucas fort: "Ich möchte, dass Du ihn noch mal ordentlich ins Gebet nimmst, ihm seine zukünftige Verantwortung klar machst."
"Hm, ja klar, werd ich machen." Justin wirkte auf Lucas, als sei er nicht ganz bei der Sache.
Lucas sah seinen Freund lang fragend an, bis dieser schließlich anfing zu reden: "Er ist wirklich gut."
"Wer? Davis?"
"Nun, der auch, aber den meine ich nicht."
"Die rote Echse?" Fragte Lucas, woraufhin Darkness nickte: "Ja und er ist verdammt gut. Wir hatten wirklich Glück."
Lucas nickte und nippte erneut an seinem Drink: "War es derselbe, der mich in Mantikor aus meiner Nighthawk geschossen hat?"
Nach kurzem überlegen antwortete Darkness: "Ja, sehr wahrscheinlich, Flugmuster, Aktionsverhalten und Präzision waren gleich. Dieser Kerl wird langsam zu einer Legende."
"Bloß was tun wir dagegen?"
"Wir müssen ihn erledigen, sollten wir das nächste mal auf ihn stoßen, hat das oberste Priorität, bevor er
sich selbst unsterblich macht."
Lucas nickte: "Ja, ja du hast recht ...", plötzlich fiel im Mel Auson auf, die ihn aus weiter Entfernung
anblickte. Sie ließ ein Lächeln aufblitzen, winkte ihm kurz und verschwand hinter der nächsten Biegung, " ... du äh, Jus, könntest du bitte bezahlen, ich hab noch was zu erledigen."
Etwas irritiert blickte Darkness seinem schnell davoneilenden Freund nach. Was hat den denn gebissen?
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30.03.2004, 10:09
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Lieutenant
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Man sollte eigentlich meinen, jemand, der mit der absoluten Leere des Alls aufgewachsen ist, würde die beklemmende Enge von Wasser meiden.
Dieses Gefühl, überall eingequetscht zu werden, keine Luft zu haben, umhüllt, GEFANGEN zu sein.
Aber man irrte. Denn der Aufenthalt im Wasser kam einem wichtigen Umstand am nächsten, den jeder Raumgeborene kannte und schätzte: Schwerelosigkeit.
Wenngleich die Luft in den Lungen für einen gewissen Auftrieb sorgte, wenngleich es ein festes Oben, ein festes Unten gab, durch Wasser zu gleiten war beinahe wie bei null Gravitation durch das kalte, glitzernde All zu schweben.
Okay, ich war ein lausiger, ein richtig lausiger Schwimmer.
Für die fünfzig Meter, die das Becken maß, brauchte ich fast anderthalb Minuten.
Aber tauchen, das konnte ich super. Fünfunddreißig, vierzig Meter am Stück, kein Problem.
Auf dem Kachelboden sitzen und die Luft anhalten, gut zwei Minuten.
Um es auf den Punkt zu bringen, ich war in meinem ureigensten Element.
Ich krümmte mich in der Schwerelosigkeit des Wassers zu einer Kugel zusammen und rotierte um die eigene Achse. Tausend Gedanken schossen mir durch den Kopf, während ich mich dem Boden des
Schwimmbades näherte. PERSEUS Station war schon klasse. Dieses Bad war nur eines von neun, und bei weitem eines der schlichteren. Daher war es schlecht besucht. Was mir die Ruhe und die Besinnung gab, die ich so dringend benötigte.
Ruhe, um meinen Weg zu finden.
An Bord der CARNEGY, dem Frachter meiner Eltern, einem alten Pott der Whale-Klasse, hatte ich oft genug die Gelegenheit gehabt, einfach einen Raumanzug anzuziehen und mich einige Zeit auf der Außenhülle rumzutreiben. Mich treiben zu lassen.
Das Schwimmbecken war nur ein rudimentärer Ersatz dafür, aber besser als gar nichts.
Kräftig stemmte ich die Füße auf den Boden, stieß mich ab. Wie ein Pfeil schoss ich durch das Wasser, kam nach oben, durchbrach die Wasseroberfläche.
Es war viel geschehen, zu viel.
Zehn feindliche Piloten hatten im Kampf gegen mich versagt. Okay, neun und ein Shuttle.
Ich war der Wingman des stellvertretenden Geschwaderkommandanten, hatte ihm ebenso oft wie er mir das Leben gerettet. Wir waren beide dem Roten Baron entgegen getreten und hatten es überlebt – wobei er mir übler mitgespielt hatte als meinem Freund McQueen.
Soviel auf der Haben-Seite.
Ich hatte Kali verprellt. Ich hatte eine missglückte Freundschaft zu ihrem neuen Schwarm, dem jungen Piloten Ohka aufgebaut, was die Sache noch komplizierter machte.
Und ich hatte mich mehr als einmal sowohl mit dem Geheimdienst als auch Lilja angelegt, der unterkühlten russischen Pilotin. Wobei ich mir immer noch nicht sicher war, wer gefährlicher war.
Meine Hände griffen zu, fassten nach dem Beckenrand. Ich verlagerte mein Gewicht nach vorne und stieß mich regelrecht aus dem Wasser. In einer Fontäne sprang ich auf den Rand.
Die Gerüchte, ich könnte der Saboteur sein, den es angeblich auf der RED gab, waren erloschen, als keine Zwischenfälle mehr stattfanden. Nun ja, fast.
Das war die Soll-Seite, denn erloschen hieß nicht vergessen. Nur zurück gestellt.
„Danke“, knurrte eine bissige Frauenstimme neben mir.
Ich warf einen schnellen Blick in diese Richtung und erhaschte den Eindruck von hellblondem Haar.
Lilja? Imp? Nein, die hatten beide nicht diesen extrem kurzen Raspelschnitt.
„Wofür?“ fragte ich und begann mich mit meinem Handtuch trocken zu reiben.
„Na, dafür“, sagte die Frauenstimme wieder.
Ich sah herüber und entdeckte, worauf die Dame anspielte. Bei meinem Ausstieg hatte ich nicht nur einen Schwall Wasser mitgenommen, ich hatte einiges davon auch auf sie verteilt. Um nicht zu sagen, ich hatte sie geradezu getränkt.
Ich grinste verlegen. „Sorry. Aber da unten sieht man nicht, was hier oben passiert.“
Sie war hellblond, nein, weißblond. Ein Haaransatz verriet mir aber, dass der Ton gefärbt war. Dazu kam, dass sie recht groß war, ich schätzte sie auf gut eins achtzig.
Sie wirkte trainiert auf mich, hatte nicht viel mehr Speck am Körper als ich oder jeder andere Pilot der RED auch.
`Was denkst du denn da, Ace´, rief ich mich zur Ordnung. `Sieh dir nur diese Beine an. Diesen braunen, gut geformten Bauch. Diese…´
„Wenn du fertig bist, kannst du mich auch wieder anziehen“, sagte sie schnippisch.
Verdutzt starrte ich sie an. Ihre grauen Augen funkelten belustigt. Sie schien mir die kleine Visite nicht übel zu nehmen.
„Sorry. Aber es gibt da nichts, wofür du dich schämen müsstest.“
„Als wenn mich das trösten würde.“
Ich grinste und reichte ihr mein zweites Handtuch. „Hier. Wenn du willst, übernehme ich das auch gerne für dich.“
Sie ergriff das Handtuch und warf mir einen spöttischen Blick zu. „In deinen Träumen.“
Sie trug einen knappen, sehr knappen Bikini. Einfarbig, dunkelblau. Ein Abzeichen war darauf eingenäht. Ich konnte es nicht genau erkennen, weil ich ihr nicht auch noch auf das Oberteil starren wollte. Außerdem irritierten mich ihre Bewegungen genug, während sie sich langsam und sorgfältig abtrocknete.
„Warst ziemlich lange da unten“, sagte sie im Plauderton. „Ich dachte jede Sekunde springt die Rettungsautomatik an und leert das Becken. Du kannst ziemlich lange die Luft anhalten.“
Ich zuckte die Achseln. „Ich kann nicht schwimmen. Irgendwie muss man ja überleben, oder?“
Wieder dieser spöttische Blick. „Ich habe deine vierhundert Meter Kraul gesehen.“
„Sag ich doch“, bekräftigte ich. „Ich kann nicht schwimmen.“
Sie lachte. Es war ein helles, melodisches Lachen. „Dein Punkt.“
Sie warf mir das Handtuch wieder zu. „Du bist Cliff Davis von der RED, richtig?“
„Wie hast du das nur erraten?“ erwiderte ich spöttisch.
„Nun, man hat mir gesagt, suche nach einem Kerl, dessen Ego das halbe Schwimmbad ausfüllt. Ach ja, und er sollte blaue Haare haben.“
Na toll. Das fing ja gut an. Sehr gut sogar. „Protest“, brummte ich. „Mein Ego füllt das ganze Bad aus.“
Wieder lachte sie. Es klang herrlich. Labsal für meine bei der letzten Feindfahrt geschundene Seele.
„Keine Einwände“, murmelte sie.
„Und, was kann ich für dich tun?“
„Du kannst mir sagen, wie du die Begegnung mit dem Roten Baron überlebt hast.“
„Pilotin, eh?“ argwöhnte ich und zog die Brauen hoch. „Dann lass dir mal was gesagt sein: Die Rote Echse ist der wahrscheinlich beste Pilot, den die Schuppenhäute haben. Sollte er dir über den Weg laufen, greif ihn im Wing an. Oder jag den Nachbrenner rein und verschwinde.“
„Nein, das meinte ich nicht. Ich will Details wissen. Wie fliegt er? Was sind seine Manöver? Wie integriert er seinen Flügelmann? Ist er eher auf die Waffen oder eher auf die Raketen fixiert?“
Das letzte Mosaik war an seinem Platz.
„Du hast mir aufgelauert, was, Mädchen?“
Sie zog die Stirn kraus. „Och, aufgelauert kann man das nicht nennen. Verfolgt trifft es schon eher.“
Ich seufzte. „Lady, du bist hübsch. Du bist schlau, wie mir scheint. Und wer weiß schon, wie gut du als Pilot bist. Aber vergiss den Roten Baron. Überlass solche Typen Lone Wolf, Martell oder Darkness. Oder meinetwegen mir. Ich traue es mir wenigstens zu, den Sack mit in den Tod zu nehmen.“
Wenn ich geglaubt hatte, mein kalter Blick würde sie auf Distanz treiben, hatte ich mich geirrt. „Ach, komm schon. Ace. Überlebende eines Dogfights mit dem Baron sind selten. Und wer von PERSEUS los fliegt kann auf ihn treffen. Also, erzähl es mir. Nur damit ich vorbereitet bin.“
„Und damit sie dir den Goldenen Löwen mit Diamanten in die Urne packen? Vergiss es.“
„Komm, Ace. Unter Piloten. Ich würde dich auch einladen.“
Ich dachte nach. „Okay, Lady. Meinetwegen. Aber es ist dein Risiko. Nicht meines.“
„Nein, Ace, es ist auch deins. Es ist das Risiko jedes Piloten, der PERSEUS verlässt.“
„Wir treffen uns vor den Umkleidekabinen, ja?“ Ich ergriff meine Sachen und ging vor.
Drei Stunden später schreckte ich hoch. Automatisch flammte das Licht in der Kabine an. Neben mir im Bett lag Huntress. Zumindest ihr Callsign hatte ich herausfinden können, bevor sie mit ihrer besitzergreifenden, resoluten Art jeden Versuch meines kläglichen Widerstandes fort gewischt hatte.
Und hier waren wir gelandet. Ich setzte mich auf. Idiot.
Aber… War ich das wirklich? Kali wollte mich nicht mehr, das hatte sie mir deutlich gemacht. Lilja…
Sich auf sie Hoffnungen zu machen hieß, sowohl Pinpoint zu verletzen als auch Selbstmord zu begehen. Wenn ich das überhaupt wollte.
Nein, ich war kein Idiot. Bestenfalls, weil ich mit Huntress gleich beim ersten Date ins Bett gestiegen war. Aber ich musste zugeben, ich hatte es ihr nicht gerade schwer gemacht.
Mein Blick ging wie zufällig zur Uhr. So spät schon?
DARKNESS! Hastig sprang ich aus dem Bett, griff nach meinen Sachen.
Huntress öffnete die Augen, blinzelte. „Und, Ace, wohin nach deinem Abschuss?“
“So einer bin ich nicht. Aber mein Wing Leader wartet. Ich bin schon spät dran. Sorry, Huntress.“
Ich knöpfte mein Hemd zu, beugte mich vor und küsste ihre weiche Schulter. „Ruf mich an.“
Im Laufschritt verließ ich die Kabine. „Ach, auf welchem Kahn kann ich dich erreichen?“
Sie lächelte. „Auf der MARYLAND, Ace.“
„MARYLAND, gut.“ Ich stürmte auf den Gang, während ich meine Uniformjacke schloss…
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30.03.2004, 10:10
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#3
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Lieutenant
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Das Renoire war sehr gut besucht an diesem Abend. Justin beobachtete die Gäste, in der Mehrzahl Piloten der Redemption und der Maryland. Eine vollbusige Bedienung fragte nun schon zum achten Mal ob er noch was trinken wollte und zum siebten Mal verneinte er.
Wo blieb Cliff, langsam ging ihm diese Tusnelda auf den Zeiger.
Wie auf Stichwort betrat Clifford Davis das Etablissement. Er sah sich kurz um und steuerte dann zielstrebig Justins Tisch an.
"N´Abend Boss. Sorry ich wurde aufgehalten." Ace sah etwas zerzaust aus aber das war in letzter Zeit normal.
"Na endlich. Wenn ich noch zehn Minuten hätte warten müssen hätte ich wahrscheinlich wild um mich geschossen." Darkness sah viel sagend zu der Bedienung die bereits wieder Kurs auf sie genommen hatte.
Ace gluckste. "Scheint so als wärst du ihr sympathisch, alter Mann. Was gibt’s eigentlich so wichtiges, daß du mich hierher bestellst?"
"Klugscheißer wie dich sollte man an die nächste Rahe knüpfen..."
"An was?" Ace sah etwas verdutzt drein kicherte aber in einem fort.
"Vergiss es, Kleiner, ich hab keinen Bock auf Geschichtsunterricht. Zur Sache.."
"Möchten Sie jetzt was trinken?"
"Himmelherrgottnochmahl bringen Sie mir irgendwas aber gehen Sie mir nicht mehr auf den Geist... Rotorenjule." Darkness Faust traf krachend den Tisch und ließ die Bedienung leicht zusammenzucken.
Sie wandte sich ruckartig um und stampfte davon.
Jetzt musste Ace wirklich lachen. Er lag mit verschränkten Armen auf dem Tisch und versteckte sein Gesicht. Ein leichter Schlag mit der flachen Hand auf den Hinterkopf lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf den älteren Piloten.
"Noch mal von Vorn. Der CAG hat mich angewiesen dir eine Rotte zuzuteilen. Meinen Glückwunsch Wingcommander."
Ace war das Lachen vergangen. Er saß mit offenem Mund da und wusste nicht so recht ob er lachen oder weinen sollte. "Machst du Witze?" fragte er etwas ungläubig.
"Nicht im geringsten Kleiner. Du bist einer der erfahrensten Piloten im Geschwader und als solcher bist du weit genug um eine Rotte zu befehligen. Und weit genug um die Verantwortung für deinen Flügelmann zu übernehmen." Darkness nahm einen Schluck aus seinem Glas Bourbon, das Zeug hielt keinem Vergleich mit seinem Whiskey stand schmeckte aber ganz passabel.
"Du willst mich wirklich verarschen, Justin." Ace schüttelte den Kopf.
"Wenn ich dich verarschen will dann setze ich an die Außenschleuse ein WC-Schild. Du wirst eine Rotte befehligen. Basta. Lass dir eins gesagt sein, es ist ein Haufen Verantwortung. Dir wird zwar der Hintern gedeckt aber du bist für alles verantwortlich. Dasselbe wie gehabt nur das du jetzt das Sagen hast. Denk aber bitte dran das ich nicht da bin um dir den Hintern zu decken, also verlass dich nicht auf jemanden der nicht da ist. Ich erwarte dass du deinen neuen Flügelmann einarbeitest und mit ihm trainierst. Wöchentliche Berichte an mich und den CAG."
Justin wusste nicht so Recht was er seinem Freund noch sagen sollte. Er hoffte Ace verstand was er ihm sagen wollte, nämlich daß er es sich nicht weiter leisten konnte feindlichen Jägern hinterher zujagen und den Blick von der Gesamtsituation abzuwenden.
"In Ordnung, danke Boss. Ich hoffe trotzdem dass wir öfter zusammen fliegen. Ich werd dich nicht enttäuschen." Ace war das Lachen vergangen, er blickte sehr ernst.
"Ich glaube auch nicht dass du uns enttäuscht, sonst wärst du nämlich immer noch an der Leine und nicht Rottenführer. Du kriegst das schon hin. Und jetzt lass uns deinen neuen Posten feiern, aber nicht hier sonst krieg ich ´nen Schreikrampf."
Darkness und Ace verließen das Renoire in Richtung Redemption. Eine Flasche uralter schottischer Brandkunst wartete auf die beiden.
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30.03.2004, 10:11
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#4
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Lieutenant
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Als Murphy das „Upside Down“ betrat, war die Party bereits im vollen Gange. Murphy war erstaunt über die Anzahl der Gäste, bis ihm klar wurde, dass auch Leute von anderen Staffeln, ja von anderen Trägern dabei waren. Als man seine Ankunft bemerkte – und das war erst kurz bevor er die Ecke erreichte, wo die Partygesellschaft sich aufhielt – wurde er von einem Chor von „Hallo Skipper“ Rufen begrüßt. Murphy grinste, nickte und hielt die davoneilende Bedienung fest, um noch ein Bier zu ordern. Dann setzte er sich an den Tisch und sah in die Gesichter der Männer und Frauen, mit denen er geflogen war. Alle schienen höchst vergnügt und entspannt zu sein, einige auch schon leicht angetrunken. Thunder schien ebenfalls die Party zu genießen.
Insgeheim wusste sie, dass sie recht früh mit Murphy das Lokal wechseln würde, denn irgendwann musste man die Junioroffiziere unter sich lassen. Denn auch hier würden sie solange gehemmt sein, bis der „Alte“ weg war. Das war schon immer so in der Navy und würde immer so bleiben, quasi ein anderer Nachteil des Kommandos.
Aber für den Moment würden sie zusammenfeiern und genießen. Murphy konnte beobachten, wie Brawler zum wiederholten Male vor versammelter Mannschaft wegen seiner fehlenden Schießkünste
bloßgestellt wurde, was dieser seinem Flügelmann auf humorige Weise zurückgab, indem er entgegnete, er habe nie ein Shuttle zum Rückflug zum Träger benötigt.
Tank musste mehrmals seine Stärke im Armdrücken beweisen, wo er sehr zur Überraschung aller selbst Thunder schlug, die lange den Ruf der Unbesiegbarkeit innehatte.
Murphy unterhielt sich derweil mit Lord, einem derjenigen, die die Redemption verlassen würde.
„Na, haben Sie schon eine Zuteilung?“
„Ja, ich komme wieder zu einer Gripen Staffel, der 193.Staffel. Angeblich soll ich sogar Wing Commander werden.“
„Das klingt ja gut. Ich bin sicher, dass Sie das packen werden.“
„Danke Sir...mit Verlaub, ich war ja zwischendurch ein wenig skeptisch, aber ich muss sagen, dass ich froh war, unter Ihnen zu dienen.“
„Danke, Lord, das bedeutet mir viel. Wie geht es Ihrem Vater?“ Lords Vater war vor der letzten Feindfahrt schwer erkrankt und Murphy wusste, dass dies dem Lieutenant Sorgen bereitet hatte.
„Es geht ihm wieder besser. Die Ärzte sagen, es sei in 4 Monaten wieder ganz der alte.“
„Das ist ja eine gute Nachricht.“
„Sir, darf ich Sie noch mal was fragen?“
„Lord, vergessen Sie mal das Sir heute.....und ja, natürlich, ich fresse Sie schon nicht auf.“ Martell grinste.
„Ähm, ja, danke. Wie machen Sie das, ich meine Sie sind schon länger beim Militär als ich und die anderen hier. Mit ihrer Verwandtschaft oder ihren Beziehungen?“
„Da bin ich wirklich die falsche Adresse. Sagen wir es mal so, meine Eltern wollen nichts mehr von mir wissen, seit ich in die Navy eingetreten bin...zu meinem Onkel hab ich noch Kontakt, aber das
lässt sich gut über die regulären Kanäle erledigen. Und ansonsten hab ich keinen, der zu Hause auf mich wartet.“
Lord nickte und dachte nach.
„Ich weiß, ich bin fürchterlich indiskret...aber schieben Sie es auf die fortgeschrittene Stunde und meinen Alkohol...“
Martell ahnte, wie der Hase lief. „...Sie wollen wissen, wieso das so ist?“ Lord nickte.
„Sie wissen, wie es beim Militär ist. Nur haben Zivilisten in Friedenszeiten noch weniger Verständnis als jetzt, wenn man wieder versetzt wird, wieder erst in 8 Monaten zu Hause ist und kaum Kontakt halten kann, weil man Piraten jagt. Als Alternative bleiben dann nur Militärangehörige, aber da ich mir fest vorgenommen habe, Navy und Privates zu trennen, fällt das auch flach.“
„Wieso, vielleicht findet sich ja eine Lady bei den Marines?“ Lord grinste.
„Bei den Jarheads?“ Beide lachten angesichts dieser alten Bezeichnung für die Marines.
„Es wäre jedenfalls eine Abwechslung.“ Gluckste Lord.
„Das wäre es...was macht denn Ihre Freundin?“
„Die hat mir heute den ‚Dear John‘ Brief geschickt...“
„Sie hat es nicht mehr länger ausgehalten?“
„Schlimmer, sie hat nen Neuen, einen Freund von der Uni....das Schlimme an der Sache ist, dass ich
ihn auch noch kenne und weiß, dass er ein Schwein ist.“
Martell orderte noch zwei Bier und zwei Scotch bei der vorbeilaufenden Bedienung und wandte sich dann wieder Lord zu.
„Ok, lassen Sie es mich mal so formulieren. Ich habe vielleicht selber wenig Erfahrung in solchen Dingen, aber ich habe es dutzenden Male bei anderen Leuten mitbekommen. Haken Sie es ab. Sie wissen nicht, ob Sie sie je wiedersehen werden. Viele Zivilisten können früher oder später nicht mehr mit dem Korsett, dass das Leben beim Militär für uns scheinbar darstellt, leben. Dass es kein Korsett, sondern eine Berufung ist, ist eine andere Sache. Aber Sie sollten sich klar sein, dass selbst wenn Sie sie wiedersehen werden, werden Sie und Ihre Freundin sich sehr verändert haben. Schauen Sie sich selbst an, Sie sind ernster und verantwortungsbewußter geworden, Sie haben dem Tod mehrfach ins
Auge gesehen und Freunde verloren. Diese Erfahrung wird ein Zivilist nie machen, wenn er nicht wirklich Pech hat.“
Lord nickte. „Danke....da haben Sie mir was zum Nachdenken gegeben...aber erstmal muss ich Brawler jetzt mal zeigen, wie man vernünftig Dart spielt, so wie der die Pfeile hält, ist das ne Krankheit.“ Murphy lachte und gab seinem Piloten einen Klapps ab die Schulter.
„Machen Sie das.“
Eine Stunde später verließen Shukova und Murphy die Party und gingen ins „Havanna“, wo sie sich mit Midori Yamashita und einem gewissen Commander Gonzalez verabredet hatten.
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30.03.2004, 10:12
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#5
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Lieutenant
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Nachdem er Darkness verlassen hatte schloss Lucas schnell zu Melissa Auson auf.
Gemeinsam und doch jeder für sich schlenderten sie die so genannte Main-Steet auf Perseus-Station entlang.
Sie kamen an Restaurants, Bordellen, Billardkneipen, Zeitungskiosken und normalen Supermärkten vorbei und steuerten auf das exklusivste Hotel auf Perseus zu.
Es war ein Hollyday-In. Lucas Mutter hätte schon beim Anblick Migräne bekommen. Er selbst hätte vor 4 Jahren die Nase gerümpft, doch nun erschien es im wie das Paradies.
Er schlenderte in der Lobby während Melissa an die Rezeption ging und ein Zimmer bestellte.
Wie zufällig betraten sie den gleichen Lift und schwiegen einander, wie auch die anderen Fahrgäste an.
Im sechsten Stock als letzte Passagiere angekommen stiegen sie aus, immer noch beharrlich schweigend.
Jetzt gingen sie aber erkennbar gemeinsam auf ein Zimmer zu.
Er warete geduldig, wärend sie aufsperrte und trat dann nach ihr ein.
Kaum war die Tür ins Schluss gefallen, da ergriff er sie und drückte sie fest an sich. Seine Lippen suchte gierig nach den ihrigen.
Sie begann hektisch an seinen Hemdknöpfen rumzufummeln und bekam die ersten beiden nur mit Mühe und Not auf.
Nichts würde sie stören: Keine übereifriegen Unteroffiziere würden an die Tür klopfen, kein noch so dämliches Problem würde ein Besatzungsmitglied an ihre Tür führen, keine noch so unsinnige Pflicht
und vor allem, kein Alarm würde sie auseinanderreißen. Schließlich packte er sie an den Handgelenken und drückte sie an die Wand: "Wir, ... wir brauchen uns gar nicht so zu beeilen, wir haben alle Zeit der Welt."
Ihre Augen funkelten und ihr Atem ging schnell: "Aber was, wenn ich es eilig habe?"
"Nun, .... dann .... wird .... sich ..... die Frau .... Commander .... in Geduld ... üben müssen." Hauchte er zwischen den Küssen.
Er ließ ihre Handgelenke los und begann sie sanft und liebkosend auszuziehen.
Den frühen Abend und die Nacht über liebten sie sich, bis beide befriedigt und ausgepumpt nebeneinander einschliefen.
Mark Seinfeld wurde durch das Öffnen der Kabinentür geweckt.
Das Licht wurde in gedämpfter Stufe eingeschaltet. Er drehte sich herum und sah seinen Mitbewohner Samuel Brendstone.
"Ahhhhhh, Bird, kannst Du nicht das Licht ausmachen oder zu normaler Zeit ins Bett gehen?"
"Sorry", entsuchuldigte sich Brendstone und dämpfte das Licht noch mehr.
Mark drehte sich wieder um und rollte sich in seine Decke zusammen.
Allerdings konnte er nicht einschlafen, da Brendstone in seinem Spind rumwurschtelte.
Dann wurde es zum Glück wieder still.
Er nickte gerade ein, als ein kurzes ihm entfernt bekannt vorkommendes Summen ihn erneut hochriss.
Wieder drehte er sich zu Brendstone um, um zu erfahren, was der Mist sollte.
Was er erblickte, ließ ihn geschockt inne halten: Brendstone saß auf einem der beiden Stühle und hielt sich eine bedrohlich aussehende H&K Pistole unter das Kinn.
Ehe er etwas sagen konnte, wurde das wenige Quadratmeter große Quartier kurz hell erleuchtet.
Noch viele Jahre würde das elektrische Knistern der H&K Mark Seinfeld aus dem Schlaf reißen.
Hallo Mom, hallo Dad,
wenn Ihr diese Zeilen lest, bin ich nicht mehr am Leben. Doch wurde es mir nicht von Feindeshand genommen. Ich entschied mich selbst zu diesem Schritt.
Um Eure Frage nach dem warum zu beantworten: Es sind nicht die getöteten Akarri, die mich zu diesem Schritt bewegten.
Ich habe wärend eines Einsatze weit im Feindgebiet einen terranischen Frachter abgeschossen. Mit wahrscheinlich über 30 Männern und Frauen an Bord. Diese ausgelöschten Leben lasten schwer auf mir.
Eine Zeit lang ermittelte die Militärjustiz gegen mich. Warum das Verfahren eingestellt wurde? Ich weiß es nicht.
Doch habe ich von Andrej erfahren, worum es ging: Meine vorgesezten Offiziere hatten offenbar meinen Abschuss zu vertuschen versucht.
Auf mein Nachfragen hin, versicherte mir mein Geschwaderchef, dass ich einen Akariifrachter abgeschossen hätte.
Nach dem Militärstrafgesetzbuch bin ich nicht schuldig, da ich mich beim Abschuss dieses Frachters an die mir und meinen Kammeraden erteilten Befehle gehalten habe, doch ich fühle mich so elend, so hilflos, so schmutzig.
Mom, Dad, ich habe euch furchtbar lieb.
Verzeiht mir
Sam
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30.03.2004, 10:12
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Lieutenant
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Ankunft
Die energische Stimme schnitt wie ein Messer durch die gedämpften Hintergrundgeräusche auf der Brücke des Schweren Kreuzers: „Captain Mithel? Die Perseusstation hat uns aufgefordert, uns zu identifizieren!“ Mithel ignorierte die Worte und wandte sich an den Offizier, der neben ihm die primären Bildschirme überwachte: „Überprüfen Sie, ob wir angefunkt werden. Machen Sie Meldung, sobald jemand etwas von uns will.“ Der Mann warf seinem Vorgesetzten einen fragenden Blick zu: „Sir...?“
Mithels Stimme klang ruhig und emotionslos: „Ich habe es gehört, Lieutenant. Sie haben Ihre Befehle.“ Der Brückenoffizier nickte gehorsam: „Jawohl, Sir!“
Die Stimme erklang wieder, näher kommend: „Captain Mithel?“. Der Captain wartete, bis er die Schritte des Sprechers hinter sich hörte. Dann, mit all der Autorität und Würde, die man in gut drei Jahrzehnten Dienst in der Flotte erwerben konnte, drehte er sich um. Der junge Offizier stoppte abrupt, als er den Gesichtsausdruck seines Vorgesetzten registrierte. Er erbleichte: „Uh, Sir...“
Für einen Augenblick schwieg der Captain. Wartete, bis die Stille auch die umstehenden Brückenoffiziere aufmerksam gemacht hatte. Seine Stimme war von schneidender Kälte: „Wir sind hier auf der Brücke eines Kriegsschiffes der Republik und nicht auf dem Markt von Alpha Zentauri,
Lieutenant Fuchida. Routinemäßige Meldungen werden hier nicht, ich wiederhole NICHT, einfach in Richtung des Adressaten gebrüllt. Ist das klar?“ Der junge Lieutenant mußte schlucken, dann nickte er
ruckartig: „Jawohl, SIR!“
Mithel fixierte ihn noch einige Sekunden, dann nickte er leicht: „Geben Sie unsere Identifizierung und die Codes durch. Und sorgen Sie dafür, daß ein Shuttle startbereit gemacht wird, falls man eine persönliche Besprechung wünscht.“ Der Brückenoffizier salutierte zackig: „Zu Befehl SIR!“ Dann drehte er sich herum und machte sich daran, die Anordnungen auszuführen.
Mithel blickte ihm einen Augenblick nach. Der JUNGE Lieutenant...
Was, wie ihm sehr wohl klar war, der eigentliche Grund des Problems war. An Bord dieses Schiffes – SEINES Schiffes – waren fast drei Viertel der Besatzung frisch ausgebildete Akademieabgänger.
Früher wäre das kaum denkbar gewesen – heute hingegen...
Für einen Augenblick hatte er die Bilder vom Beginn des Krieges vor Augen. Sah, wie die Akarii die Flottenverbände der Menschen zusammenschlugen. Neben den großen Trägern – Stars der öffentlichen Wahrnehmung – waren auch zahlreiche kleinere Schiffe, von Korvetten bis hin zu Kreuzern, zerstört oder schwer beschädigt worden. Er selber hatte das Kommando über die „Hydra“ übernommen, einen leichten Kreuzer, nachdem der Kapitän des Schiffes gefallen war. Es war ihm gelungen sein Schiff zu retten, doch natürlich hatte er das Blatt nicht wenden können. Sie waren zurückgeworfen worden, und die Verluste waren hoch gewesen, sehr hoch. Vielleicht ZU HOCH, um
sich davon in absehbarer Zeit zu erholen. Die TSN würde Jahre brauchen, um die Schiffe zu ersetzen, und bis sie den Verlust an erfahrenen Offizieren, Mannschaften und Piloten ausglich...
Und deshalb waren sie hier. An Bord eines neuen Schiffes, das eine Besatzung hatte, die zwar gut ausgebildet, aber größtenteils noch völlig unerfahren war. Im Abwehrkampf im eigenen Gebiet, und eine Kriegswende anscheinend in weiter Ferne. Er verzog seine Lippen zu einem grimmigen Lächeln. Angeschlagen – aber noch nicht besiegt. Wie die Akarii bald erfahren würden, wenn er ein Wörtchen mitzureden hatte.
Er öffnete einen Interkom-Kanal zu zweiten Brücke. Seine Stellvertreterin hätte an der Szene eben ihre Freude gehabt, da war er sich sicher. Aber es war Mithels Grundprinzip, daß die Ersatzbrücke immer
besetzt war, für den Fall eines Ausfalls der primären Kommandozentrale. Auch wenn sich das Schiff auf einem Transit im eigenen Gebiet befand. Sollte er ausfallen, würde sie das Kommando binnen weniger Sekunden übernehmen und den Kampf fortsetzen oder Maßnahmen zur Rettung des Schiffes einleiten.
Die Frau auf dem Bildschirm nahm sofort Haltung an: „Sir!“ „Commander Raffarin, die Brücke gehört Ihnen! Ich bin in meinem Quartier. Verständigen Sie mich, sobald man nach mir verlangt. Ich schätze, die werden bald nach mir fragen. Es gilt weiterhin Alarmbereitschaft, keine
Mannschaftstransfers.“ Sie salutierte: „Jawohl Sir!“ Raffarin würde die Reservebrücke an jemand anderen übergeben und selber die Primärbrücke übernehmen. Das Schiff würde – auch in unmittelbarer Nähe zur Perseusstation – voll einsatzbereit bleiben. Und bei ihr in guten Händen sein. Mithel vertraute nur wenigen Menschen, aber seine Erste Offizierin gehörte zu dieser Kategorie.
Mithel winkte dem Leiter der Waffenabteilung: „Kommen Sie mit!“ Beide machten sich auf den Weg zum Quartier des Captains, wo auch sein Arbeitszimmer lag. Der Lieutenant-Commander begleitete seinen Vorgesetzten schweigend. Mithel blickte ihn fragend an: „Haben Sie die Trainingsplanung abgeschlossen?“ Lieutenant-Commander Rogulski, er war Pole, nickte: „Einsatzbereit. Sobald Sie wollen, geht es los. Ich habe mich mit Commander Raffarin abgesprochen, was die anderen Abteilungen angeht.“ Er gestattete sich nicht den Luxus eines Lächelns, das andere sicher kaum hätten verkneifen können. Das Übungsprogramm würde ein Trainingsmarathon für die Besatzung werden, der sie erwischen würde wie eine kalte Dusche.
Mithel lächelte dünn: „Ausgezeichnet. Mal sehen, was man den Kindern beigebracht hat. Sobald wir näheres darüber wissen, wie lange wir hierbleiben, werden wir uns die Grünschnäbel mal vorknöpfen.“
Im Gegensatz zu der bei niederen Diensträngen nicht eben selten geäußerten Ansicht war Mithel kein Sadist, jedenfalls nicht mehr, als für einen Capitain nötig war. Aber er kannte wenig Nachsicht, und das kam am Ende fast auf das selbe heraus. Andererseits – Schweiß sparte Blut, zumindest hoffte man das. Und wenn dies zutraf, dann würde der „Relentless“, dem Schweren Kreuzer der Ticonderoga- Klasse, kaum etwas zustoßen, sollte Mithel dazu kommen, sein Programm durchzuziehen.
„Sie begleiten mich, wenn es notwendig seien sollte, Lieutenant-Commander.“ Rogulski nickte schweigend. Er war seinem Captain gegenüber loyal, und deshalb legte dieser – wenn sie unter vier
Augen waren – nicht den üblichen Wert auf exakte Befolgung der Dienstvorschrift. Viele hielten die militärische Zackigkeit und den Drill, den Mithel anscheinend bevorzugte, für eine Marotte des Captains. Aber er sah darin in erster Linie das Funktionieren der Menschen als Teil der Maschinerie, die aus einem Schiff – totem Stahl – und einer Besatzung – eine Ansammlung Männer und Frauen verschiedensten Charakters und Herkunft – erst eine tödliche Waffe machte. Er wußte nicht, mit welcher Mission sie hierher beordert worden waren. Alles war möglich. Allerdings gab es Gerüchte, es hätte mal wieder einige Verluste gegeben. Vermutlich sollte er mit seinem Kreuzer irgendeine Lücke füllen. Die Herren im Flottenstab schienen zu meinen, die Kreuzer seien so etwas wie entbehrliche Schutzschilde für ihre kostbaren Träger – eine Haltung, die Mithel immer erbitterte.
Kindermädchen für einen Träger spielen war NATÜRLICH wichtig, aber es ging oft an den Möglichkeiten eines Kampfschiffes wie der Relentless vorbei. Dafür brauchte man spezielle Flakzerstörer, keine Kampfkreuzer. Die waren geeignet für den Kampf gegen feindliche Großschiffe, für den Kreuzerkrieg, für Vernichtungsangriffe im feindlichen Rücken. Aber die Trägerfraktion war stark – seit den Tagen von Beins hatte sie das Geschick der Flotte bestimmt.
Vielleicht war es auch ein Sonderauftrag. Er hoffte bloß, die Herren im Flottenstab mochten nicht wieder eine ihrer berüchtigten „genialen Einfälle“ haben, denn dafür war sein Schiff kaum geschaffen – bedachte man die mittelmäßige Zusammenarbeit der Besatzung. Andererseits, das Potential war vorhanden, soviel stand fest. Mit ein bißchen Übung konnte man aus den Männern und Frauen gute Soldaten machen. Aber das brauchte Zeit. Wenn er die nicht bekam...
Wenn alles glattging, dann würde ihm das Training genug verraten. Diejenigen, die während des Trainings Schwäche zeigten, würde man austauschen oder dorthin versetzen, wo sie kein Risiko bedeuteten. Mithel war klar, daß er mit seinen Methoden Karrieren vernichtete, aber das war ihm ziemlich gleichgültig. Wer den Anforderungen nicht genügte – und sei es auch nur geringfügig – der hatte an Bord SEINES Kreuzers nichts verloren. Die Offiziere würden sich ein Bild von ihren Leuten machen können, würden erfahren, wo die Bruchpunkte ihrer Untergebenen lagen. Und Mithel wiederum würde den Abteilungsleitern auf die Finger schauen, und jeden Fehler registrieren. Oder besser, dies zumindest versuchen. Er konnte seinen Augen nicht überall haben, und aus diesem Grund umgab er sich mit einem Stab Offiziere, die ihm treu ergeben waren, und auf die er sich verlassen konnte.
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30.03.2004, 10:13
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#7
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Lieutenant
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Vier Stunden später
Seine beiden Vertrauten blickten ihn fragend an. Man hatte ihn zu einer ersten Vorbesprechung – unter vier Augen – gebeten. Natürlich erwarteten sie, daß dabei wichtiges erörtert worden war, etwa, wo es
demnächst hingehen sollte. Mithel erwiderte die Blicke und verzog seine Lippen zu einem verächtlichen Grinsen: „Nichts als die übliche ,Sie werden gebraucht, machen Sie Ihren Kreuzer einsatzbereit‘-Rede. Fehlanzeige, was genauere Angaben angeht. Offenbar wollen die Hühner erst gackern, wenn das Ei schon gelegt, oder besser, halb ausgebrütet ist!“
Raffarin schien das nicht zu gefallen: „Wenn wir nicht wissen, was auf uns zukommt, wird es uns schwer fallen, unsere Leute optimal vorzubereiten. Wir können sie nicht für ALLES ausbilden, nicht in ein paar Wochen. Und ich bezweifle, daß sie uns ein Vierteljahr geben, soviel bräuchten wir nämlich, um das auch nur zu versuchen.“ Mithel nickte grimmig: „Exakt. Aber die Herren vom Oberkommando wollen eben eine bombastische Großbesprechung – vielleicht haben sie auch Hemmungen, vor Leuten zu reden und wollen die Sache lieber nur einmal machen. Oder der Geheimdienst macht mal wieder alle verrückt.“
Rogulski, der sich nichts anmerken ließ, war in Gedanken schon weiter: „Was haben sie denn noch gesagt?“ „Nur, daß wir vorerst der Gallileo zugeteilt sind. Also wieder mal Kindermädchen. Da die zu ‚Husar‘ gehört, könnte ich mir vorstellen, wir werden an ein paar Geleitzugoperationen teilnehmen, oder an Angriffen auf leichter gesicherte feindliche Stützpunkte. Aber das ist nur eine Vermutung.“
Raffarin grinste leicht: „Wenigstens haben Sie uns nicht der Redemption zugeteilt. Das Schiff ist ein Vampir.“ Mithel – sonst nicht eben dafür bekannt, ausschweifende Gedankengänge zu billigen, war diesmal so perplex, daß er seine Stellvertreterin nur sprachlos anstarrte. Ihr Lächeln vertiefte sich: „Das heißt, es ist nicht umzubringen – aber es verlängert sein Leben auf Kosten anderer. Seine Geleitschiffe sind beide Male übel dezimiert worden. Es saugt ihr Blut, um selbst zu überleben – so was nennt man Vampir.“ Der Captain starrte sie einen Augenblick an, dann überraschte er beide mit einem bellenden Lachen: „Sehr treffend! Und ich bin sogar geneigt, Ihnen recht zu geben.“ Allerdings - Captain Ward von der Gallileo hatte auch nicht den besten Ruf. Hin und wieder hatten andere Offiziere ihn als "vorsichtig" bezeichnet. Und so etwas kam in Flottenkreisen dem Vorwurf der Feigheit ziemlich nahe. Andererseits würde sich Mithel da lieber selbst ein Bild machen.
Nur hier, im quasi vertraulichen Kreise, duldete der Captain Kritik an der Flotte, an hohen Offizieren oder am Oberkommando. Es war bekannt, daß er als Anhänger der Flottenfraktion der Trägerfraktion kritisch gegenüberstand, aber er ließ sich das selten anmerken. Mithel hatt enormen Respekt vor militärischer Etikette - nicht unbedingt vor ihren Objekten. Aber ein Captain, der öffentlich Befehle kritisierte oder respektlos über das Oberkammdo sprach, war fehl am Platz. Außerdem hatte derartiges schon manche Karriere ruiniert - wie Mithel sehr wohl wußte und auch ausgenutzt hatte. Gelegentlich.
Übergangslos wurde er ernst: „Nun, auch die anderen Flotten wurden gerupft. Ich finde unsere Aufgabe auch nicht sonderlich befriedigend. Die Flotte sollte lieber ein paar Flakzerstörer ausrüsten und denen den Geleitschutz überlassen, anstatt daß wir diese Rolle behelfsmäßig ausführen. Ein Schwerer Kreuzer ist ein Schiff mit großen Potential gegen kapitale Feindeinheiten - um Jagdangriffe abzufangen taugt er weniger. Wenn ich daran denke, was ein halbes Dutzend unserer Kreuzer im Rücken des Feindes alles anrichten könnten mit ihren Raketen - aber das Oberkommando will davon nichts wissen. Wenn sie ,Krieg' sagen, meinen sie in erster Linie die Jäger, seit den Tagen von Beins. Aber egal – wir müssen sehen, daß wir mit dem klarkommen, was wir haben. Aber ich hoffe, wenn alles glatt geht, kommen wir auch zum Schuß. Nicht, daß ich so versessen auf eine Schlacht bin, aber wo wir schon einen schweren Kreuzer haben, wäre es auch gut, ihn einzusetzen. Wenn nicht alles glattgeht, und das halte ich für nicht eben unwahrscheinlich, werden wir so und so genug zu tun haben, um unsere Schützlinge und uns herauszuhauen. Das heißt wir müssen uns vorbereiten. Rogulski – Ihre Meinung?“
Der Pole wiegte nachdenklich den Kopf: „Waffenabteilung zu 70 Prozent einsatzbereit, würde ich sagen. Sie brauchen immer noch zu lange, ein Ziel auszuwählen, Schäden zu beheben – und die Trefferquote ist nicht eben überragend. Und wir sind noch nicht mal im Gefecht, wo die Aufregung dazukommt.“ „Gehen Sie auf 100! Und wenn Ihre Leute abends mit blutenden Fingerkuppen in die Quartiere kriechen! Ich BRAUCHE die Waffenabteilung voll einsatzbereit! Sorgen Sie dafür, daß vor allem die Kanoniere endlich ihren Job beherrschen – sie sind unsere beste Waffe gegen feindliche Bomber! Mit Lasern richtet man gegen Schilde nicht so viel aus, vor allem muß man verdammt nahe
heran, aber Feindbomber kann man so knacken.“ „Ich werde außerdem anordnen, daß unsere Raketenwerfer gestaffeltes Schießen auf Mehrfachziele üben – falls wir uns mit Meuten feindlicher Kampfschiffe oder Hilfskreuzern befassen müssen. Kann ja mal sein, daß die Jäger beschäftigt sind oder Hilfe brauchen.“
„Gut, tun Sie das. Raffarin, Sie kümmern sich vor allem um unsere Schadenskontrolle und den Schildgenerator!“ „Zu Befehl, Sir!“
Mithel schüttelte den Kopf: „So gesehen sind ALLE Abteilungen wichtig. Aber wir müssen Prioritäten setzen. Nun, ich werde sehen, was uns die ‚Husar‘-Veteranen an Informationen über die Akarii geben können. Vielleicht sind ja Sachen dabei, die wir noch nicht wissen. Wenn wir Leute auswechseln müssen, werde ich mal schauen, ob ich nicht jemanden ‚pressen‘ kann. Und all das wegen der verdammten Eile! Und weil die Herren sich von den Akarii haben mit runtergelassenen
Hosen erwischen lassen!“ Er winkte angewidert ab: „Egal, das bringt uns auch nichts. Wir müssen eben sehen, wie wir klarkommen mit dem, was wir haben.“
„Achtung! Achtung! Dies ist eine Durchsage des Captains!
An alle Stationen! Wir haben die Reise zur Perseus-Station gut überstanden. Ihr habt bewiesen, daß ihr ein Schiff bedienen könnt. Das war bisher gute Arbeit – aber für unsere kommenden Aufgaben wird es mehr als das brauchen! Ihr werdet lernen müssen, wie man ein Schiff ins Gefecht bringt, an den Feind und wieder zurück! Das werdet ihr in den nächsten Wochen trainieren! Ich will es noch einmal betonen: Versagen in der Übung ist das selbe wie Versagen im Gefecht! Wer nicht bereit ist, eine Überprüfung seines Könnens ernst zu nehmen oder sie erfolgreich zu absolvieren, der wird auch im Ernstfall versagen! Ich erwarte deshalb Einsatz bis zum äußersten, von den Offizieren bis zum niedrigsten Mannschaftsdienstgrad! Entschuldigungen und Ausreden werde ich nicht akzeptieren! Die kommenden Wochen werden hart für Sie werden, aber ich erwarte, daß Sie sie durchstehen! Denn dies ist der Prüfstein, der Sie für die ultimative Herausforderung vorbereiten soll – für den Kampf auf Leben um Tod! Um diesen Kampf zu führen sind Sie zu den Streitkräften gekommen. Ich erwarte nicht, daß Sie der Schlacht entgegenfiebern, aber ich verlange Pflichterfüllung und Gehorsam! Getreu dem Eid, den wir alle geschworen haben! Vergessen Sie das nie! Hier, in der Übung, können Sie zeigen, ob Sie das Zeug haben, auch im echten Gefecht Ihren Mann zu stehen! Bis auf weiteres befindet sich das Schiff in Bereitschaft! Landgang erhält, wessen Abteilung als einsatzbereit angesehen wird! Es liegt also allein bei Ihnen! Ich verlasse mich auf Sie – mehr noch, die Republik verläßt sich auf Sie!
Captain Mithel Ende!“
Der Kommandeur drehte sich zu seinen Offizieren um. Diesmal hatte er alle – Neulinge und Veteranen – um sich versammelt, viele hörten erst jetzt von dem „Fahrplan“ der nächsten Wochen.
Sicher war auch bei ihnen die Begeisterung nicht groß. Perseus lockte...
Mithels Gesicht zeigte keine Emotionen, als er sie musterte: „Meine Damen und Herren – an die Arbeit!“
„JAWOHL SIR!“
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30.03.2004, 10:13
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#8
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Lieutenant
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Midori Yamashita wachte auf und war für den ersten Moment etwas verwirrt. Neben ihr lag ein Mann im Bett. Dann erinnerte sie sich und verfluchte ihren Kater. Der letzte Abend war sehr feucht fröhlich gewesen und die beiden Flieger von den Jaguars waren für Einrique und sie eine sehr angenehme Gesellschaft gewesen, die nach zwei Minuten gewußt hatten, woher der Wind wehte. Der normaleweise eher dröge Murphy hatte nach einigen Bieren einige Stories aus seiner Zeit als Ausbilder zum Besten gegeben und Thunder war, wenn sie in Fahrt war, eh immer für einen Lacher gut. Was im nachhinein nicht so lustig gewesen war, war der Alkoholkonsum und Midori hatte die Ahnung, dass sie von allen Beteiligten das Teufelszeugs am wenigsten vertragen konnte. Soweit sie sich erinnern konnte, hatte Shukova auch nach dem 10. Wodka noch ausgesehen, als wenn sie dienstfähig war und auch Murphy hatte sich gut gehalten. Einrique, nunja, Tripple E hatte nachher auch einen guten Schwipps gehabt und bevor es zu wild geworden war, sie in ihr Hotelzimmer gebracht. Dass er die Einladung auf einen Kaffee und mehr angenommen hatte, war für alle Beteiligten eh klar gewesen. Trotz des Alkoholpegels hatten beide noch eine bemerkenswerte Ausdauer bewiesen.
Es tat gut, wieder einen Mann zu haben, dachte sich Midori. Das Leben bei der Navy war zu gefahrvoll, um sich ewig in Trauer zu hüllen und sie erinnerte sich noch gut daran, wie sie mit ihrem Mann darüber gesprochen hatte, was passieren würde, wenn einer der Partner frühzeitig sterben würde. Beide waren insgeheim eher davon ausgegangen, dass Midori die gefährdete Person war, aber das Schicksal hatte diese Überlegungen über den Haufen geworfen. Nein, ein schlechtes Gewissen mußte sie nicht haben. Sie war überzeugt, dass Triple E ihrem Gatten gut gefallen hätte, beide hatten dasselbe Lächeln und dieselbe Art von Humor.
Dann fiel ihr Blick auf das Gerät, das sie geweckt hatte. Ihr Pieper leuchtete auf. Die kurze Mitteilung war von ihrem Stab auf der Redemption. Verärgert stand sie auf und ging zum Comterminal, wo sie
zunächst auf Audioonlymodus schaltete. Dann rief sie ihr Büro auf der Redemption an.
Lieutenant Shriver meldete sich.
„Lieutenant, ich will hoffen, dass es dringend ist....“
„Jawohl, das ist es. Erinnern Sie sich an Lieutenant Brentstone?“
„Den Piloten, der unseren eigenen Frachter abgeschossen hat? Wo uns die Typen vom NIC die Beweise geklaut haben?“
„Der Mann hat sich gestern erschossen und, halten Sie sich fest, einen Abschiedsbrief hinterlassen, den wir sichergestellt haben. Wir können auch sicher belegen, dass er von Brentstone stammt.“
„Ok, sichern Sie alle Zeugenaussagen, ich bin in 90 Minuten da!....und Lieutenant...“
„Ja Madam?“
„Gute Arbeit, es war richtig, dass Sie mich angepiept haben.“
„Danke Madam.“
„Gut, bis nachher.“ Midori legte auf und überlegte gerade, ob sie erst Kaffe aufsetzen sollte, bevor sie unter die Dusche sprang. Da spürte sie die Hand von Gonzalez auf ihrer Schulter.
„Schatz, ich mach schon Kaffee, dusch mal lieber.“ Dann küßte er ihren Nacken und entließ sie aus seinem sanften Griff. Sie lachte und drückte ihm einen Kuss auf die Wange, bevor sie im Bad verschwand. Gonzalez grinste breit und machte sich an die Arbeit.
Zwei Stunden später war Yamashita in ihrem Büro und überprüfte alle Details der Ermittlung. Ihre Untergebenen hatten im Prinzip die ganze Arbeit bereits gemacht, der Fall war diesmal so klar wie eine Kristallkugel. Schnell tippte sie ihre eigene Stellungnahme und wollte gerade einen Mann der MP rufen, als ihr Bedenken kamen. Was war, wenn Cunningham wieder seine Kontakte spielen lies.
Einmal hatte schon geklappt und ein zweites Mal wollte sie sich den Fall nicht durch die Lappen gehen lassen. Kurzentschlossen wählte sie an ihrem Comterminal die Nummer des ranghöchsten JAG Offiziers der Station.
Commander Rune Brandstedt war gerade nicht da, wie ihr sein Sekretär mitteilte, aber er würde Zeit für ein Gespräch in drei Stunden haben. Yamashita nickte zufrieden und lies sich diesen Termin geben. Dann sammelte sie ihre Unterlagen und rief Gonzalez an, um sich für ein kurzes Mittagessen zu verabreden.
Am Nachmittag wurde sie dann bei Brandstedt vorstellig. Der Commander, ein Mann mit Ambitionen und politischem Einfluss, hörte sich den Bericht an. Als die Sprache auf die Vertuschungsaktion kam, nickte er verständnisvoll, auch ihm war klar, dass Yamashita da keine Chance gehabt hatte. Umso mehr entstand auch bei ihm der Drang, zu zeigen, dass seine Behörde nicht der Papiertiger war, für den ihn viele Navyoffiziere gerne hielten. Einen CAG für eine solche Aktion zu belangen, konnte hier ein guter Anfang sein. Ein kurzer Anruf bei seinem Adjutanten ergab überdies, dass Captain Halstead an Bord der Station war. Halstead war einer der angesehensten Marinerichter, und aufgrund seines Ranges auch in der Lage, ein Verfahren gegen Cunningham zu leiten. Es wäre höchst nachteilhaft gewesen, denn Brandstedt wollte gerne selber die Anklage übernehmen und ohne den Captain wäre er der einzige gewesen, der den Commander hätte verurteilen können. Er lies sich seinerseits einen Termin bei Halstead geben und dankte dann Yamashita für ihren Einsatz. Als sie das Büro verlassen hatte, schwelgte Rune Brandstedt schon in Gedanken an die Möglichkeit eines vierten Streifens und einer Versetzung ins Hauptquartier von JAG, da wo die wirklichen wichtigen Spiele abliefen. Diesem elendigen Vertuscher Cunningham und denen, die ihn unterstützt hatten, würde es nun an den Kragen gehen. Entschlossen hieb er auf die Tischplatte seines Schreibtisches und begann im Kopfe bereits eine Strategie zurechtzulegen. Dann fiel ihm ein, dass er noch einen Verteidiger brauchte. Nach kurzer Überlegung fiel seine Wahl auf Lieutenant Commander Fred Austin, der sich bisher nicht als sonderlich gerissen, sondern eher grundsolide aber unspektakulär herausgestellt hatte. Was sollte man sich auch unnötig Steine in den Weg legen, wenn man doch die Möglichkeit hatte, alles so zu inszenieren, wie man es wollte. Dann rief er einen Kollegen an, der gute Kontakt zum Geheimdienst hatte, vielleicht ließ sich ja noch das Beweismaterial aus dem ersten Versuch, diese Leute anzuklagen, auftreiben. Der NIC dürfte mittlerweile jedenfalls das Interesse an der Problematik verloren haben, da ihre Mission beendet war.
Midori Yamashita hingegen wußte nicht, ob sie lachen oder weinen sollte. Einerseits wußte sie, dass dieser karrieregeile Commander sich auf Cunningham stürzen würde wie ein Barracuda auf ein Kleinkind im Wasser, anderseits gefiel es ihr nicht, dass er im Prinzip nur erntete, wo andere das Feld bestellt hatte. Bei einem Kaffee kam sie dann zu dem Schluss, dass die Gerechtigkeit manchmal ihren Preis hatte. Sie zuckte mit den Schultern und war froh, wieder außer Dienst zu sein. Mal schauen, was Enrique heute abend so einfiel....
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30.03.2004, 10:14
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#9
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Lieutenant
Registriert seit: 25.03.2004
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"Schon wieder Neue Piloten. Langsam wird das zur Gewohnheit." Darkness brummte leise vor sich hin. Natürlich bekam die Red neue Leute, bei ihren Verlusten während der letzten Operation nicht verwunderlich, aber er machte sich mit seinen Trainingstagen langsam Feinde.
Bisher war es immer eine gute Idee gewesen die neuen Piloten mit den "alten Hasen" trainieren zu lassen. Nun er würde sich mit Cunningham deswegen unterhalten müssen.
Die Namensliste der Neuen war schon auf seinem Schreibtisch. Einige würden bei Staffel Rot aufschlagen, auch der Ersatzmann für Ace. Darkness war es nicht gerade Recht einen neuen Flügelmann einzuarbeiten aber wenigstens schien Jaws kein Neuling zu sein...
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30.03.2004, 10:15
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#10
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Lieutenant
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Beiträge: 1.459
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Der Geschwaderchef der Maryland war nicht in bester Laune. Nicht nur, daß sein Schiff nur knapp der
Vernichtung entgangen war und jetzt wie ein harpunierter Wal zum Abspecken im Dock lag - die
Eierköpfe im Oberkommando hatten sich offenbar auch noch in den Kopf gesetzt, die waidwunde
Maryland zu kastrieren.
Eine große Anzahl seiner Piloten sollte auf die Redemption überwechseln, die Verluste der letzten
Schlachten ausgleichen - und ER wußte, was sein Schiff als Ersatz bekommen würde: Jungspunde,
frisch von der Akademie - "Eintagsfliegen" oder "Sternschnuppen", so von manchen Veteranen ob der
oft kurzen Überlebensdauer genannt. Oder natürlich, man würde die Heimatreserve, die
Ausbildungskader - und die Militärgefängnisse noch mal durchkämmen... Dieses Vorgehen hatten
geschichtsbewußte Soldaten bereits "Aktion Heldenklau" getauft.
Und das Schlimmste war, daß man ihm nur minimalen Spielraum gegeben hatte bei der Frage, WEN
er denn nun abgeben sollte. Nun, die Taktik mißliebige oder zweitklassige Piloten abzuschieben hatte
sich inzwischen auch "Oben" herumgesprochen. Er verlor eine ganze Anzahl verflucht guter Leute...
"Sir! Melde mich von Bord!" Der Captain blickte auf und sah den Mann vor sich an. Für einen Piloten
recht großgewachsen und kräftig, war 1st Lt. George "Blackhawk" Lincoln ein ziemlicher Blickfang,
vor allem auch durch seine fast nachtschwarze Haut. Seine Haltung war vorschriftsmäßig, aber nicht
zackig zu nennen - 15 Jahre Dienst für die Navy hatten übertriebenen Schneid abgeschliffen. Wenn
ihn der bevorstehende Wechsel beunruhigte, dann merkte man es ihm jedenfalls nicht an.
"Sie wissen, das ich Sie nicht freiwillig gehen lasse. Sie sind ein wertvolles Mitglied des Geschwaders.
Immerhin haben Sie mir geholfen, die Macken auszubügeln, die unsere Kücken noch von der
Akademie mitbrachten."
"Danke Sir. Aber die Navy hat offensichtlich vor, die Redemption bald wieder in die Feuerlinie zu
schicken." Das kam ruhig, nicht begeistert, aber auch in keiner Weise ängstlich oder nervös - aber
"Blackhawk" ließ sich nur selten aus der Ruhe bringen. Selbst im Gefecht klangen seine Funksprüche
fast immer wie auf einem Routineflug.
"Nun ja, Sie sind nicht der einzige, den wir abgeben müssen. In dem Zusammenhang - passen Sie mir
etwas auf diesen Perkele auf! Daß der uns mit seinen ständigen Insubordinationen keine Schande
macht! Immerhin gehört er zu unserer Truppe!"
Blackhawk hätte beinahe gegrinst. Seine Zeit auf der Navy-Akademie als Fluglehrer, sein
verhältnismäßig hohes Alter und lange Dienstzeit hatten ihm, zusammen mit seiner ruhigen, aber
bestimmten Art, zu einer Sonderstellung im Geschwader verholfen, ein Ausgleich fast, zwischen
Offizieren und Piloten - und ein "Kühlkörper" bei den diversen Rangeleien, die in jedem Geschwader
gang und gebe waren. Die Tatsache, daß ihn die meist jungen Piloten am Boden "Papa Lincoln" oder
"Onkel Tom" nannten, hatte dies reflektiert.
"Ich werde sehen was ich tun kann."
"Nun - viel Glück und Erfolg. Und ich hoffe, daß Sie die anderen beim Poker genauso rupfen wie uns -
DAS werde ich bestimmt nicht an Ihnen vermissen!"
Jetzt lächelte der Schwarze offen: "Ich werde mich bemühen, Ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen. Viel
Glück - und fette Beute!"
Ein fester Händedruck war der Abschluß. Blackhawk salutierte noch einmal, wendete und ging.
Ein paar Stunden später
Parker studierte den Bildschirm und warf ab und zu einen gewollt düster-prüfenden Blick auf den
Mann, der vor ihr Aufstellung genommen hatte. Normalerweise hielt sie von solchen Spielchen nichts,
aber bei Neuen war es manchmal nötig, ihnen auf den Zahn zu fühlen. Vor allem, wenn der "Neue"
gar nicht so neu, sondern bereits erfahren war. Und dazu noch ein Aß, ausgezeichnet und mehrfach
lobend erwähnt. Manche Leute bildeten sich aufgrund solcher Verdienste eine Vorzugsbehandlung
ein.
Falls der 1st Lieutenant nervös war, dann zeigte er es nicht. Parker erinnerte sich selbst daran, daß der
Mann langjährige Diensterfahrung - und davon drei Jahre als Ausbilder auf der Akademie - hinter sich
hatte. Vermutlich kannte er alle Tricks, hatte sie selber oft genug angewendet.
"Also Lt. Lincoln. Sie haben eine beachtliche Erfahrung. 8 Abschüsse, Belobigungen, Ihr Dienst an
der Akademie... ."
"Danke. Aber ich habe nur versucht, meine Pflicht zu tun."
'So kann man ihn nicht auf's Glatteis führen. Ach zum Teufel, ich glaube einfach mal der Akte, auch
wenn die fast zu perfekt ist.'
"Sie waren Fluglehrer?"
"Jawohl, drei Jahre."
"Und Sie haben - steht hier - 'besondere Erfahrung und Kenntnisse in der taktisch-technischen
Einordnung der Akarii-Raumeinheiten'. Was genau bedeutet das?"
"Ich war an etlichen Lehrgängen und Komissionen beteiligt, die sich mit diesem Thema beschäftigten.
Im Auftrag des Navy-Stabes bin ich an der Erarbeitung einer allgemeinen Analyse und Neubewertung
der Kleinschiffeinheiten der Akarii beteiligt gewesen." All dies kam ruhig und ohne übermäßigen
Stolz - der Mann schilderte einfach seine Arbeit.
"Ich kann mich nicht erinnern, eine solche 'Neubewertung' zu Gesicht bekommen zu haben."
"Ihre Freigabe war noch nicht durch, als der Krieg begann."
"Nun gut. Sie werden eine meiner Pilotinnen als Flügelfrau übernehmen: Ina ‚Imp‘ Richter. Sie hat
schon zwei Feindfahrten hinter sich, allerdings hat sie dabei auch zwei Rottenführer verloren." Aber
auch das schien nicht die Ruhe des Lt. zu stören. 'Abergläubisch ist er also nicht.'
"Hier steht, das Sie vor allem auch für die Ausbildung und das Training empfohlen werden - aufgrund
'langjähriger Erfahrung und herrvorragender Arbeit an der Akademie und an Bord' - ich werde darauf
zurückkommen."
"Danke, Lt. Commander. Ich werde mein Bestes geben."
"Nichts anderes erwarte ich von Ihnen. Und passen Sie etwas auf Imp auf." Dann erhob sich Parker
und streckte die Hand aus: "Willkommen an Bord!" Der Händedruck Blackhawks war fest und sicher.
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