PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dantons Chevaliers - Zweite Season - Nebenthread (vorübergehend)


Ironheart
25.03.2004, 17:52
Hi Leute,

bis der Nebenthread von mir restauriert worden ist, bitte ich euch neue KG-Beiträge zu den Chevaliers hier zu posten, o.k.?

Ich mache den Anfang mit dem Absturz der SKULLCRUSHER über Leipzig. Alles was zeitlich danach passiert bitte hier posten.

Danke
Ironheart

Ironheart
25.03.2004, 17:53
Absturz

An Bord der SKULLCRUSHER, Im Anflug auf Bryant
Bryant, Chaos-Marken
16. April 3065

Zdenek Dukic sass in der üblichen Mechkriegermontur an Bord seines Firestarter-Omni´s und lauschte gebannt dem Brückenfunk. Unwillkürlich umklammerte er die Kontrollen seiner Kampfmaschine, die festgezurrt im Hangar der SKULLCRUSHER stand, als ein paar Erschütterungen das Landungsschiff erfassten. Er wusste, dass sie jetzt die äußersten Schichten der Bryanter Atmosphäre erreicht hatten und die Schutzpanzerung des Maultiers mit Sicherheit bereits zu glühen begonnen hatten. Bald würde Kapitän Van der Merves den Befehl zur Durchführung der ersten Phase ihres Auftrages geben: Dem vorgetäuschten Absturz eines Landungsschiffes auf einen Planeten.
Er war ein wenig nervös gewesen, ganz im Gegensatz zu Kapitän Van der Merves und seinem Brückenteam, die äußerlich die Ruhe selbst zu seien schienen. Beeindruckt von ihrer Präzision hatte sich Denny auf den Weg zu seinem Cockpit gemacht und konnte jetzt nichts weiter tun, als den geschulten und erfahrenen Raumfahrern zu vertrauen. Darauf zu hoffen, dass diese in ruhiger, professioneller Art das vorbereiteten, was jeder von Ihnen in Ihrem bisherigen Leben schon mehr als hundert Mal durchgeführt hatte: Die Landung eines Landungsschiffes auf einem Planeten.
Doch Denny wußte, das es diesmal anders war. Dieses mal würde es keine Standardlandung werden, im Gegenteil. Sie würden einen Absturz auf einem fremden Planeten in einem Ihnen unbekannten Landstrich durchführen und dabei so tun, als wäre ihr Lander quasi manövrier- und kommunikationsunfähig.
Denny wußte das als einer der wenigen an Bord. Ausser ihm war nur die Brückencrew und 1st Lieutenant Dolittle eingeweiht. Alle anderen Chevaliers an Bord gingen weiterhin davon aus, dass sie bald ohne Komplikationen in Brein landen würden.
Doch kurz vor dem Eintritt in die Bryanter Atmosphäre würden die Chevaliers an Bord der SKULLCRUSHER zunächst ohne Angabe von Gründen in Alarmbereitschaft versetzt werden. Diese Vorsichtsmaßnahme hatten die Offiziere - allen voran Major Danton – seit den Geschehnissen auf Outreach und auf New Home als notwendig erachtet. Falls es den Bryantern tatsächlich gelungen sein sollte einen Spion an Bord der SKULLCRUSHER zu bringen, so würde dieser auf diese Weise nicht in Versuchung geraten können, ihre Pläne frühzeitig zu verraten. Das letzte was die Einsatzgruppe Leipzig gebrauchen konnte, war ein paar der Bryanter Falken als Eskorte. Diese hätte es Ihnen unmöglich gemacht, so unauffällig wie möglich nach Leipzig zu kommen. Wenn man bei einem Landungsschiffabsturz denn überhaupt von unauffällig sprechen konnte.
Zdenek blieb nichts anderes übrig als es sich in seinem Pilotensessel so gemütlich wie möglich zu machen. Jetzt konnte er eh nichts anderes mehr tun als warten.

******************************************

„Zwei Minuten noch bis zum Blind Spot“ meldete der Rudergänger der SKULLCRUSHER an seinen Kapitän, der weiterhin hochkonzentriert die vor ihm blinkenden Instrumente begutachtete.
Kapitän Francis Van der Merves straffte sich unwillkürlich. Es ging los, gleich würden Sie ein wenig schauspielern müssen.
„Gut. Meyers, schalten Sie die Triebwerke Zwei und Vier aus, so dass wir unsere Abbremsgeschwindigkeit auf 50% reduzieren“
„Aye, Skipper! Reduktion Abbremsgeschwindigkeit auf 50%.“
In dem selben Moment in dem der Kapitän den stetig steigenden Anpressdruck verspürte, erkannte er auf der dreidimensionalen Hologrammanzeige vor dem Kapitänssessel wie die Icons der beiden übrigen Landungsschiffe sich mit einem Mal rapide von der SKULLCRUSHER zu entfernen schienen. Doch er wußte, dass das ein Trugbild war.
In Wahrheit waren sie es, die die ROSEMARIE und die BOREAS, die immer noch mit 100% Abbremsgeschwindigkeit auf Bryant zufielen, schnell hinter sich liessen, da sie jetzt fast mit der doppelten Geschwindigkeit auf Bryant zufielen.
„Sehr gut!“ Van der Merves drehte sich hinüber zu seiner Funkerin „Isabell, setzen Sie unseren Notruf ab, bitte.“
„Aye, Sir“ bestätigte die Funkerin und wollte gerade mit der Übertragung beginnen, als sie von Van der Merves noch einmal kurz unterbrochen wurde. „Ach ja, Isabell. Zeigen Sie uns doch bitte einmal ihr Schauspielerisches Talent, ja?“
Isabell drehte sich kurz um und lächelte. „Aber mit Vergnügen, Sir.“ Dann wandte sie sich wieder ihrem Pult zu, schloss einen Augenblick lang die Augen, holte tief Luft und begann mit einer gespielten leicht panischen Stimme.
“Mayday, Mayday. Hier spricht die SKULLCRUSHER im Anflug auf das Freie Kollektiv Bryant. Wir haben ein Feuer an Bord und verzeichnen einen massiven Triebwerksausfall. Wir stürzen ab, ich wiederhole: Wir stürzen ab!“ Dann pausierte sie einen Augenblick und begann dann von neuem. Als sie die vierte Ansage sprach, wurde sie mitten drin durch ein starkes statisches Rauschen unterbrochen. Gleichzeitig schien das Landungsschiff noch stärker zu vibrieren, was den erfahrenen Raumfahrern zu verstehen gab, dass sie in die äußere Atmosphäre eingedrungen waren und der Funkverkehr für mindestens zwei Minuten unterbrochen sein würde.

„Sir, sowohl Bryant als auch unsere Schwesterschiffe haben unseren Funkspruch aufgefangen. Aber wir sind vor einer möglichen Antwort in den Blind Spot eingetreten. Wir werden erst in knapp zwei Minuten da wieder raus sein.“
„Danke, Isabell. Gut gemacht.“
Dann wandte sich der Kapitän wieder an seinen Rudergänger “Meyers, korrigieren Sie unseren Kurs direkt nach dem Austritt aus dem Blind Spot um 22 Grad tief und 65 Grad West.“ Damit würden sie gehörig von ihrem derzeitigen Anflugvektor auf Bryant abweichen und sich grob in die Richtung bewegen, in die sie letztendlich wollten. Natürlich würden sie jetzt nicht direkt Kurs auf Leipzig nehmen, sondern ihr eigentliches Ziel so gut es ging verschleiern. „Versetzen sie die SKULLCRUSHER anschliessend in Rotation und wechseln sie unseren Kurs nach eigenem Ermessen alle zwei Minuten um höchstens 5 Grad vertikal und horizontal.“ Das würde zum einen den Einschein erwecken, dass das Landungsschiff nur noch schwer zu manövrieren war. Zum zweiten würde es die Bemühungen der Bryanter ihren Kurs zu verfolgen zusätzlich erschweren.

Jetzt da alle Befehle gegeben waren, aktivierte Van der Merves eine direkte Verbindung zu 1st Lieutenant Patrik Dolittle, der die Einsatzgruppe Leipzig am Boden leiten würde. „So, jetzt gibt es kein Zurück mehr, Mr. Dolittle! Alles läuft soweit nach Plan. Ich schlage vor Sie informieren jetzt ihre Leute.“
„Danke Skipper!“ kam dessen prompte Antwort.
„Danken Sie mir erst, wenn ich Sie heil runtergebracht. Noch sind wir nicht da.“ Ohne auf Dolittle´s Antwort zu warten, kappte er die Verbindung und wandte sich wieder hochkonzentriert den Anzeigeschirmen zu. Van der Merves konnte nicht genau sagen, was ihm Kopfschmerzen bereitete. Aber irgendein Gefühl sagte ihm, dass diese Mission kein Spaziergang werden würde.

Ironheart
25.03.2004, 17:54
Absturz - Teil 2

An Bord der SKULLCRUSHER, Im Anflug auf Bryant
Bryant, Chaos-Marken
16. April 3065

1st Lieutenant Patrik Dolittle rückte sein Komm-Set zurecht und ging in Gedanken seine nächsten Worte durch. Er würde gleich seine Ansprache über Funk halten müssen auch wenn er den Soldaten an Bord die nächsten Befehle lieber von Angesicht zu Angesicht überbracht hätte. Aber aus den verschiedensten Gründen war dies nicht möglich gewesen.
Jetzt befanden sie sich im Sturzflug auf Bryant und unter diesen Umständen war es unmöglich sich irgendwo zu versammeln. Im Gegenteil, Dolitte war froh, dass alle Mechs, Panzer, APC´s und schweren Gerätschaften der Pioniere fest vertaut worden waren. Die SKULLCRUSHER war kein kleines Landungsschiff und dennoch wurde es von den Gewalten, die an so einem Landungsschiff beim Eintritt in die Atmosphäre zerrten, förmlich hin- und hergerissen.
Natürlich war so ein Landungsschiff so konzipiert, dass es diese Prozedur hunderte Male unbeschadet überstehen konnte. Und somit konnte es die Erschütterungen mit Leichtigkeit wegstecken. Doch die Chevaliers wären von den Beinen gehoben und durch die Hangars geschleudert worden, wenn sie sich jetzt in einem gesammelt hätten.
Somit blieb Dolittle nichts anderes übrig als seinen Leuten die neuen Befehle über Funk mitzuteilen. Er wußte, das die Höllenhunde fest angeschnallt an den Kontrollen ihrer Panzer sassen. Mit den Mechkriegern verhielt es sich mit Sicherheit an Bord ihrer Mechs genauso. Der Pioniertrupp um Sergeant Ragnar Sagrudson hatte sich auf mehrere MTW´s verteilt, genauso wie die Handvolll Kommandoinfanteristen unter der Leitung der Truppführerin Sergeant Greta Caprese, die die Einsatzgruppe ebenfalls begleiteten.

„An alle Gruppenführer von Dolittle: Bericht!“ gab der erfahrene Panzerfahrer schliesslich durch sein Kom-Set an die anderen Teileinheitenführer durch und wartete.
„Scouts bereit“ meldete sich Dukic als erster ohne die geringste Verunsicherung in seiner Stimme. `Kein Wunder` dachte Dolittle. Dukic war als einer der wenigen eingeweiht gewesen.
„Scullcrusher bereit und beschäftigt“ kam es etwas süffisant von Kaptän Van der Merves, was ihm Dolittle auch sofort abnahm.
„Kommando´s bereit!“
„Pio´s bereit!“
Die beiden Sergeanten antworteten etwas später aber dafür fast zeitgleich, was Dolittle ein Lächeln entlockte. Sie mussten sich sicherlich schon fragen, was denn überhaupt los war.
„Sehr schön. Dann schaltet mich mal auf die allgemeinen Frequenzen, klar?“
Dolittle wartete ein paar Sekunden ehe er fortfuhr. „An alle Chevaliers von Doc. Wie ihr sicher schon bemerkt habt, haben wir gerade Bryant´s Stratosphäre in Angriff genommen. Was ihr vielleicht auch schon bemerkt habt, ist die Tatsache, dass der Anpressdruck stetig zunimmt und wir unseren Kurs häufiger ändern, als bei üblichen Landungen.“
Wie um seine Worte zu bestätigen, schien das große Landungsschiff einen Satz zu machen und veränderte leicht den Neigungswinkel und begann eine schwach wahrnehmbare Rotationsbewegung.
„Ich kann euch beruhigen, das alles ist geplant und unser kontrollierter Absturz wird von der Brückencrew der SKULLCRUSHER exakt beobachtet.“
Die bis jetzt nicht eingeweihten Chevaliers an Bord waren diszipliniert genug um nicht laut durch den Funk zu schnattern, aber ein gewisses Raunen war auch so wahrzunehmen. Gleichzeitig ruckten auch die Köpfe von Tom, Viviane und Akila zu ihm herum, die mit ihm gemeinsam in der Enge des Manticore-Panzers hockten und die er genau so wenig eingeweiht hatte. Ungerührt fuhr er fort. „Wir haben unseren ursprünglich vorgesehenen Kurs verlassen und befinden uns im Anflug auf eine verlassene Sternenbundstadt namens Leipzig auf dem Kontinent Tomainisia. Unsere Aufgabe wird es sein LosTech aus der Zeit des Sternenbundes aufzuspüren und zu bergen.“ Wieder schwoll das Raunen im Funk ein bisschen an, so dass Dolittle eine kurze Pause machte, damit das gesagte sich bei den Leuten sacken lassen konnte.
„Nach allem, was wir bisher über den derzeitigen Herrscher von Bryant erfahren haben, können wir nicht davon ausgehen, dass er uns das so ohne weiteres gestatten würde. Geschweige denn uns so ohne weiteres mit dem LosTech ziehen lassen würde, daher also dieses Spielchen. Unsere Einsatzparameter haben sich also auf direkten Befehl von Major Danton geändert. Captain Van der Merves, Lieutenant Dukic, Sergeant Caprese und Sergeant Sagrudson, öffnen Sie bitte die versiegelten Umschläge, die Sie vor Beginn dieser Mission erhalten haben. Der Autorisationscode ist: Alpha Gamma Sieben Fünnef Omega.“

Nicht das Dolittle glaubte, das ihm jemand an Bord des Maultier nicht glaubte. Dukic und Van der Merves waren ja sogar bereits im Anflug auf Bryant unterrichtet worden, von deren Seite war kein Einwand zu erwarten. Aber speziell in Sagrudson´s und Caprese´s Fall durfte man nicht automatisch davon ausgehen. Sie hatten vor ihrem Abflug direkte und umissverständliche Befehle von Ihren Vorgesetzten erhalten, an die Sie sich halten würden solange diese Befehle nicht direkt durch die Vorgesetzen oder durch den Major widerrufen werden würden, schliesslich konnte Ihnen Dolittle ja sonstwas erzählen.
Da aber seit dem Eintreten in den Blind Spot und auch danach kein Funkkontakt mehr zu dem Rest der Chevaliers bestehen würde, mussten die neuen Befehle auf anderem Wege übermittelt werden. Das letzte, was Dolittle bei dieser ohnehin schon schwierigen Mission gebrauchen konnte, waren Teileinheitsführer, die die geänderten Befehle anzweifeln und im schlimmsten Fall verweigern würden.
Daher hatte man den jeweiligen Teileinheitenführern Missionskuverts ausgehändigt, die mit einem elektronischen Siegel geschützt waren und die den Inhalt bei gewaltsamer Öffnung zerstören würden. In diesen Missionskuverts hatte 1st Lieutenant Harris die von Major Danton unterzeichneten allgemeinen und spezifischen Einsatzbefehle aufgeführt, so dass es erst gar nicht erst zu Irritationen kommen konnte.
„Sergeant Sagrudson: Ihnen und ihrem Trupp stehen – wie sie sehen können – ein paar harte Tage bevor. Kurz nach unserer Landung und wird ihr Trupp die Landungsstelle so präperieren, dass es zumindest aus der Ferne betrachtet ein wenig nach einer harten Landung aussehen wird. Das nötige schwere Werkzeug haben wir an Bord. Anschliessend werden Sie sich zusammen mit Sergeant Caprese´s Trupp auf die Suche nach dem LosTech machen. Alles klar soweit?“
„Wir freun uns schon drauf, Sir“ war Sagrudson´s knappe Antwort.
„Sergeant Caprese, ihr Team wird nach der Landung die nähere Landungsschiffumgebung sichern und sich dann Sergeant Sagrudson´s Bergungsteam anschliessen. Sie werden die Pioniere bei den Ausgrabungen schützen, klar?“
„Aye, Sir.“
„Lieutenant Dukic, ihre Scouts und meine Höllenhunde haben die Aufgabe sowohl das Landungsschiff als auch das Bergungsteam zu beschützen. Wir hoffen, dass Dvensky uns nicht schnell genug finden wird, so dass wir im besten Falle schon wieder weg sein werden, bevor er überhaupt jemanden schicken kann. Aber wir müssen auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. Es soll auch andere geben, die sich für die LosTech-Schätze der verlassenen Sternenbundstädte interessieren. Wir wollen doch nicht, das uns jemand die Butter vom Brot nimmt, nicht wahr?“
„Nein, das wollen wir nicht, Doc.“
„Kapitän Van der Merves, ihre Aufgabe ist ja wohl klar: Bringen Sie uns bitte heil runter und auch heil wieder hinauf.“
„Schon in Arbeit, Doc.“
Dolittle grinste. „Na klasse, dann wäre wohl alles klar. Dann warten wir drauf, das wir unten ankommen und machen uns dann an die Arbeit. Die nächste detaillierte Einsatzbesprechung halten wir dann in Leipzig ab. Doc over and out.“
Nachdem Dolittle den Kanal gechlossen hatte, lächelte er kurz Aki an – die sein Lächeln erwiderte - lehnte sich in seiner Kommandantenliege zurück und schloss die Augen. Jetzt konnten Sie nichts weiter tun als warten.

************************************************** ****

Isabelle, die Funkerin, hatte die Funkverbindung nach Brein auf Befehl von Kapitän Van der Merves gekappt. Die Bryanter hatten eh nichts anderes getan als sie darauf hinzuweisen, den Anflugkorridor nicht zu verlassen. Jetzt morste sie nur noch ein simples SOS und somit blieb ihnen allen das nervtötende „Korrigieren Sie auf der Stelle ihren Kurs“ erspart.
Was Van der Merves stärker überrascht hatte, war die Tatsache, dass die Bryanter nach Aussage des Breiner Towers ihre Luftabwehr bereits wenige Minuten nach Verlassen des Kurses auf den Weg geschickt hatten. Und der Käpten der SCULLCRUSHER schenkte dieser Aussage seinen Glauben. Mehr noch, er vermutete, dass die Chefin der Luftwaffe sich bereits schwarz ärgerte, dass sie ihre Maschinen nicht bereits früher hochgebracht hatte.
Doch wer wüßte, ob sie das nicht wirklich schon vorher getan hatten. Falls nicht, würden die Jäger Sie niemals vor der Landung erreichen. Falls doch, konnte es sein, dass Sie sie schon bald eingeholt hatten. Und dann würde die gesamte Fassade der Mission zusammenbrechen, noch bevor Sie wirklich begonnen hatte. Denn Van der Merves war sich sicher, dass Ihnen die Bryanter Jäger in dem Fall nicht von der Seite weichen würden.
Also mussten noch weitere Vorsichtsmassnahmen getroffen werden, um ihr letztendliches Ziel zu verschleiern. Zum Glück bot Bryant´s Äquatorialzone dazu mehr als häufig eine gute Gelegenheit.
„Meyers, bitte Kurskorrektur drei Grad tief und zehn Grad Steuerbord.“
„Skipper, das wird uns direkt in eine Sturmfront treiben…“
Francis Van der Merves grinste den Rudergänger wissend an, als dieser sich irritiert umdrehte. „Aye, Sir! Kurskorrektur drei Grad tief und zehn Grad Steuerbord“ bestätigte er dann, als ihm klar wurde, das es der Kapitän ernst gemeint hatte.
Van der Merves aktivierte den Bordfunk. „An alle Chevaliers, hier spricht der Kapitän. Haltet euch fest, wir rasen gleich frontal und fast ungebremst in eine Sturmfront hinein. Es könnte also etwas ruppig werden.“

Kurz darauf wurde das Landungsschiff tatsächlich stark durchgeschütellt und Van der Merves wusste, dass Sie jetzt in die oberen Wolkenschichten eingedrungen waren. Selbst wenn Ihnen ein paar Jäger unbemerkt gefolgt sein sollten – was Ihnen durch Ihr eigenens Radar sicher nicht entgangen wäre – dann würden Sie sie jetzt nicht mehr sehen können. Und bald würden sie auch von keinem Radarsystem dieser Welt zu erfassen sein, so dass er jetzt endlich den Befehl zur Sicherung der Landung geben konnte.
„Meyers, fahren sie die Treibwerke Zwei und Vier wieder hoch, erhöhen den Gegenschub auf 110% und verflachen sie unseren Flugwinkel. Ich will eine sanfte Landung sehen, klar?“
„Aye Skipper“ kam prompt die Antwort. Doch nichts geschah.
„Meyers…?“ drängte der Käpten mit auffordernder Stimme.
„Sir,… Ich… Die Triebwerke, Sir…“ stammelte Meyers konsterniert, doch es passierte immer noch nichts.
„Meyers, wir haben keine Zeit für Ihr Gefasel, bringen Sie endlich Schub auf“
„Das würde ich ja gerne, Skipper“ war die zittrige Antwort des Rudergängers „Aber dir Triebwerke reagieren nicht…“ Und als sich sein verwirrter Pilot zu ihm umdrehte, erkannte Van der Merves von seiner Position aus, dass Meyers tatsächlich die angeforderten Schubleistung eingegeben hatte.
Fassungslos starrte der Skipper auf die Anzeige und schnappte sich dann hektisch das Bordfunk.
„Chief Branson, was ist mit der Zwei und Vier.“
„Die Triebwerke sind ausgefallen, Sir.“
„WAAAAS“ Van der Merves brüllte durch das Mikro. „Chief, das ist jetzt nicht der Zeitpunkt für schlechte Witze.“
„Skipper, Triebwerke Zwei und Vier sind definitiv ausgefallen. Wir sehen zu, dass wir sie sobald wie möglich wieder flott kriegen.“
Fassungslos hängte Van der Merves das Funkgerät wieder über seinen angestammten Platz über seinem Sessel. Augenblicklich spürte er, wie sein Herz wild zu pochen begann und sich sein Mund innerhalb von Sekundenbruchteilen scheinbar ausgetrocknet zu haben schien.
Sein Blick heftete sich auf die Sekundenzeiger, der digitalen Uhr, die er in seiner Hand hielt. In weniger als zwei Minuten mußten die Triebwerke reagieren, sonst…
Er wußte nicht was schlimmer war. Sich Gedanken über die Ironie dieses Augenblicks zu machen, oder sich Gedanken darüber zu machen, wie die Notfallprozeduren für diesen Fall aussahen.
Er hatte schon immer gewußt, dass die SKULL eines Tages sein Grab werden würde. Das dieser Tag aber schon so bald gekommen war, daran hatte er nicht gedacht.

Ironheart
07.04.2004, 20:36
Absturz II

An Bord der SKULLCRUSHER, Im Anflug auf Bryant
Bryant, Chaos-Marken
16. April 3065

Hank Borer hatte im Laufe seines Lebens schon so einiges erlebt. Und er wußte, wie es sich anfühlte, wenn ein zig Tonnen schweres Landungsschiff langsam abgebremst wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte man für so etwas ein gewisses Gespür.
Und hier war definitiv etwas nicht in Ordnung.
„Hey 3D,“ öffnete er den Kanal zu seinem Lanzenführer und Freund „sach ma, gehört dat zum Plan, dat Rumgeschüttele hier? Ich mein, wir wer´n ja schlimmer geshaket als `ne Marik-PPK in deim Schuppen auf Outreach, ne?“
Die Antwort seines deutlich jüngeren Vorgesetzten liess einen Augenblick auf sich warten, wahrscheinlich hatte ihn Hank gerade in seinen eigenen Gedankengängen gestört. „Ich denke mal, der Skipper weiss, was er tut, Hank“ war dessen etwas schroffe Antwort.
„Schon, aber ich dacht, wir sin´ schon inner Sturmfront. Warum hat´n dann der Gegenschub nich´ wieder zugelegt? Ich mein, den Bryanter´n müssen wir ja hier nix mehr vorgauk´ln, ne?“
„Hank, ich weiss es nicht! Wir werden wohl einfach warten müssen, oder?“ Denny klang hörbar gereizt. Irgendetwas schien ihn ebenfalls zu beunruhigen. Und da war auch noh ein wenig Ratlosigkeit in seiner Stimme zu hören. Und Hank konnte das mehr als gut verstehen. Auch wenn sich die meisten MechKrieger wie die Könige auf dem Schlachtfeld fühlten und entsprechend benahmen, so waren es genau solche Augenblicke wie diese, die Ihnen vor Augen führten, das auch sie mitunter hilflos den Fähigkeiten anderer ausgeliefert waren.
Unwillkürlich fiel Hank´s Blick auf das Holobild seiner kleinen Tochter und ein törichter Gedanke formte sich in seinem Kopf: `Sie wird mich nie wirklich als Vater kennen lernen!`
Er wußte das, er konnte es förmlich spüren. Und zwar nicht, weil er befürchtete getötet zu werden. Nein, diese Gefahr bestand immer. Es war vielmehr die Gewißheit, dass er – selbst wenn er dieses Abenteuer unbeschadet überleben und heimkehren würde – er genau wußte, dass es ihn nicht lange zu Hause halten würde. Er hatte sich gewünscht ein guter Vater werden zu können. Er hatte es sich die erste Zeit auch eingeredet es zu schaffen. Aber sein Drang nach Abenteuern hatte gesiegt. Es versetzte ihm immer wieder einen Stich an sein Versagen als Vater denken zu müssen, doch zumindest tröstete ihn der Gedanke, dass es der Kleinen gut gehen würde, solange sich seine Frau Eli um Sie kümmerte.
Mit einem Lächeln in seinem dunklen Gesicht strich er über das Holobild und verdrängte seine trübsinnigen Gedanken. Jetzt galt es unbeschadet in Leipzig an- und wieder wegzukommen. Und auch wenn er im Moment zur Handlungsunfähigkeit verdammt war, so wußte er genau, dass sich das sehr schnell ändern konnte.

********************************************

Auch wenn es Denny nicht direkt zugeben wollte, machte er sich doch genauso große Sorgen wie Hank. Irgendetwas schien nicht nach Plan zu verlaufen, doch die Brücke der SKULLCRUSHER hatte Ihnen bisher noch keine Hinweise darauf gegeben, was denn genau im Argen lag.
Denny wünschte nur, er hätte mehr geschlafen. Seit dem Vorfall in der Nacht, in der Sie auf New Home von einer unbekannten Einheit attackiert worden waren, hatte er er kein Rekog mehr benutzt. Allerdings hatte das nun die Konsequenz, das er nur schwer einschlafen konnte und wenn überhaupt dann nach viel zu kurzem Schlaf von Albträumen geplagt wieder aufschreckte. Er war übernächtigt, gereizt und aggressiv. Ihm war klar, dass sein Verhalten Wasser auf die Mühlen derjenigen war, die ihn ohnehin für ein Arschloch hielten. Und das waren nicht wenige, dass wusste er. Aber auf die konnte und wollte er im Moment keine Rücksicht nehmen. Er hatte genug eigene Sorgen. Und seine erste Sorge lag darin, diesen Auftrag unbeschadet zu überstehen.
Was ihn zu Hanks durchaus berechtigter Frage brachte: Warum zum Henker, hatte der normale Gegenschub noch nicht eingesetzt?
Und gerade als er den Funk zur Brüke betätigen wollte, nahm der Gegenschub endlich spürbar wieder zu. Er hätte zwar liebend gerne nachgefragt worin die Probleme gelegen haben könnten. Doch so neugierig er auch war, er unterdrückte den Gedanken jetzt danach zu fragen. Der Skipper würde sich schon melden, wenn es ernsthafte Probleme geben würde. Und früher oder später würde Denny ohnehin erfahren was vorgefallen war. Doch jetzt hiess es sich auf die Landung vorzubereiten.
Seine Scouts hatten mal wieder die Aufgabe ihre Rübe als erste hinzuhalten. Und auch wenn Denny nicht wirklich mit einem Hinterhalt rechnete, hiess es vorsichtig zu sein. Wer wußte schon, welche Informationen die Angreifer der letzten Zeit erbeutet hatten. Und wer konnte mit Gewißheit sagen, dass es nicht doch einen Maulwurf in den Reihen der Chevaliers gab, der eventuell der die Einsatzparameter und das Ziel dieser Operation an die Bryanter weitergegeben hatte. Und schliesslich konnte man sich auch bei ComStar nie wirklich sicher sein, was der Orden wirklich bezweckte. Vielleicht wurden Sie als Köder benutzt, vielleicht waren Sie nur ein Ablenkungsmanöver für eine ganz andere Operation?
Fragen über Fragen auf die es im Moment definitiv keine Antwort geben würde. Sie würden wohl abwarten und die Augen offen halten müssen.

Es verging eine geraume Weile in der Denny so gut es ging seine trüben Gedanken vertrieb, indem er zum wiederholten Mal den Status seines Mechs, den Status der Lanze und die Missionsparameter durchging. Mittlerweile konnte er die Daten fast shon auswendig herunterbeten, sooft hatte er das wiederholt. Aber irgendwie beruhigte ihn das ungemein und gab ihm ein Gefühl der Sicherheit. Einer trügerischen Sicherheit, das war ihm durchaus bewußt. Aber solange es half das Nervenkostüm intakt zu halten, solange war es gut. Vor jedem geplanten Einsatz und auch vor jedem Arenakampf hatte Denny dieses Ritual durchgeführt. Und auch wenn er nicht jeden dieser Kämpfe hatte gewinnen können, so hatte es doch zumindest dazu beigetragen, dass er nicht in Panik geraten war. Und das war das letzte, was ein Mechkrieger gebrauchen konnte.
Genau in diesem Augenblick krachte Kapitän Van der Merves Stimme durch den Funk: „Festhalten, Chevaliers! Zwei Minuten bis zum Aufschlag!“
Es dauerte ein paar Sekundenbruchteile, ehe Denny die Bedeutung der Worte des Kapitäns wirklich begriff. Und in dem Moment spürte er förmlich die bisher so erfolgreich verdrängte Panik in Windeseile in sich aufsteigen, irgendwo aus der Magengegend scheinbar Besitz zu ergreifen von seinem Herzen und dieses für mindestens drei Schläge – solange kam es ihm zumindest vor – aussetzen zu lassen. Dann wanderte die Panik in Bruchteilen einer Sekunde seine sofort austrocknenden Kehle hinauf Richtung Gehirn, schien sich dort in mindestens zwei Millionen Nuancen von Panik zu vermehren und durchflutete anschliessend jede einzelne Synapse seines verwirrten Geistes.
Wieder ein paar Millisekunden später – die Denny aber fast wie eine Ewigkeit vorkamen – entschied Denny, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er durfte sich von der aufkeimenden Furcht vor einem Aufschlag und all seinen schlimmen Konsequenzen wie Tod und dergleichen nicht lähmen lassen. Vielleicht hatte er sich ja nur verhört, vielleicht hatte sich Van der Merves ja auch nur versprochen. Er beschloss ruhig und besonnen nachzufragen, einfach den Kanal zu aktivieren und das kleine Missverständnis aus der Welt zu schaffen. Doch die Synapsen seines Hirns, mittlerweile voll bis obenhin mit Adrenalin, übernahmen das Kommando und somit wurde aus dem freundlich-flapsigen Nachfragen dann doch ein panisch-verwirrter Schrei.
Anscheinend war er nicht der einzige, der ein paar Momente gebraucht hatte um die volle Implikation des Wortes „Aufschlag“ mit der Tatsache zusammen zu bringen, dass Sie sich an Bord eines Landungsschiffes mit direktem Kurs auf die Planetenoberfläche von Bryant befanden. Also beteiligte sich Denny im Grunde nur an einem vielstimmigen „WAAAAASSS?“ in dem seine panikerfüllte Stimme glatt unterging.
„Wir haben nur eine der zwei ausgefallenen Triebwerke wieder in Gang gekriegt…“ übertönte der Kapitän gerade noch so hörbar das Wirrwarr an Stimmen, die damit abrupt abbrachen, so dass er etwas ruhiger fortfahren konnte. „Die drei anderen laufen mit 125%, womit wir den Ausfall kompensieren können. Darum habe ich nicht evakuieren lassen.“ Van der Merves machte eine kleine Pause und schien sich zusammenreissen müssen, um so gefasst wie möglich fortzufahren.“ Aber es wird trotzdem verdammt eng. Den anvisierten Landeplatz werden wir wohl nicht schaffen, wahrscheinlich um ein paar Klicks verfehlen. Aber ich bin sicher wir werden Sie alle wohlbehalten herunterbringen. Skipper over and out.“

Vor Denny´s geistigem Auge bildete sich das Bild einer auf dem Boden aufschlagenden reifen Wassermelone, die in sich zerplatzend über dem Boden verteilte.
Dann wurde das Landungsschiff von einer heftigen Erschütterung erfasst, die Denny ähnlich hart in die Gurte seines Battlemechs trieb wie eine komplette 40er LSR-Breitseite aus einer Vulture.
`Das ist nun wirklich nicht die Art der Landung, die ich mir gewünscht habe` dachte Denny kurz bevor die Lichter im Hangar endgültig erloschen.

Ironheart
29.04.2004, 18:54
Leipzig

Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
17. April 3065

Müdigkeit. Unendliche Müdigkeit.
Das war es was Denny in diesem Augenblick in jeder Faser seines Körpers spürte.
Kurz zuckten seine Gedanken zu seinem Rekog, dass er im Cockpit dabei hatte und das es ihm sicher einfacher machen würde zumindest ein paar Stunden durchzuschlafen. Aber bisher hatte er sich erfolgreich gegen sein Verlangen danach stemmen können. Nur wie lange er das noch würde durchhalten können, dass war ihm selbst nicht klar.
Er blinzelte ein paar Mal in der Hoffnung, das dies die Müdigkeit aus seinen Augen vertreiben würde, aber natürlich half es nicht wirklich. Er fühlte sich schlapp und ausgelaugt und er wußte, dass es auf absehbare Zeit nicht besser werden würde. Im Gegenteil: Er hatte noch einige Stunden an Bord seines Firestarter II vor sich und so bald würde er keine Gelegenheit bekommen wieder zu schlafen.
Nach ihrem ursprünglich vorgetäuschten Absturz – aus dem dann doch noch fast ein tatsächlicher Absturz geworden war – hatte die gesamte Einsatzgruppe Leipzig alle Hände voll zu tun gehabt. Der ursprüngliche Plan hatte vorgesehen, dass sie knapp fünf Kilometer südöstlich von ihrer jetzigen Position auf dem Raumhafen von Leipzig landen sollten. Doch aufgrund der Umstände bei der gestrigen Landung konnten Sie von Glück sagen, dass sie nicht vollkommen havariert waren. Der zeitweise Ausfall der Triebwerke, Probleme an den Steuerdüsen und der heftige Sturm hatten eine vollkommen kontrollierte Landung unmöglich gemacht. Das sie trotzdem relativ unbeschadet hatten landen können, lag vor allem an zwei Dingen: Den Fähigkeiten von Kaptän Van der Merves und seiner Crew.
Und einer ungemein großen Portion Glück.
Sie hatten den Raumhafen Leipzig verpasst und waren am südlichen Ende des Financial District runter gekommen. Eine der Landebeine der SKULLCRUSHER hatte sich dabei verbogen, mehrere Panzerplatten hatten Schäden abbekommen und das gesamte Landungsschiff hatte ein paar Grad Schlagseite, weil sie teilweise auf einem Geröllhaufen gelandet waren und einen kleinen Wohnkomplex unter sich begraben hatten.
Wieviel Glück sie wirklich gehabt hatten, hatte sich am nächsten Morgen gezeigt, als sich der Stum wieder gelegt hatte. Wären Sie 100 Meter weiter nördlich oder westlich gelandet, hätten sie auf ehemaligen Hochäusern aufgesetzt. Und die Schäden an ihrem Lander wären sicher immens in die Höhe geschnellt. Ganz abgesehen davon, dass die SKULL vielleicht komplett gekippt wäre. Und 100 Meter weiter östlich oder südlich und sie wären auf einer Hügelkuppe aufgekommen. Das anschliessende Abrollen ins Tal wollte sich Denny gar nicht erst ausmalen.
So hielten sich die Schäden einigermaßen in Grenzen. Sie waren – nach Aussage des Skippers – sogar selbst in der Lage die dringendsten Schäden selbst zu reparieren. Die Anwesenheit der Pioniere und ihres schweren Geräts half dabei auch.
Das wichtigste war, dass die Skull würde wieder starten und landen können. Wenn sie hier festsitzen würden, dann wäre die Mission jetzt schon zum Scheitern verurteilt gewesen.

Mit diesem Gedanken im Kopf erreichte Denny´s Firestarter die Hügelkuppe, die er und sein Flügelmann anvisiert hatten. Und Hank war es auch, der als erster auf den eindrucksvollen Ausblick reagierte.
„Manno, Three-Dee, warum hatt´n keiner gesacht wat fürne Riesenstadt dat mal gewesn is, ne?“
Denny antworterte nicht, doch er sah was Hank meinte. Leipzig erstreckte sich über ein Gebiet von mehreren Quadratkilometern, was auch nicht verwunderlich war, wenn man bedachte das die ehemalige Sternenbundmetropole knapp 1,5 Millionen Menschen gelebt hatten. Damals war das Klima als mild zu beschreiben gewesen und aufgrund der vom Sternenbund eingesetzten Sturminhibitoren hatte es auch keine Stürme gegeben.
Das hatte sich grundlegend geändert. Immer wieder fegten gewaltige Stürme über das Stadtgebiet. Doch trotzdem stand ein Großteil der Gebäude innerhalb des Stadtgebiets noch. Und von ihrer jetzigen Position aus erkannte Denny auch den Grund dafür.
Leipzigs Stadtgebiet war unregelmäßig von schützenden Hügelketten durchzogen, die allesamt um die 120 bis 150 Meter hoch waren. Von ihrem momentanen Standort aus hatten Sie daher auch fast den Eindruck auf einer von überdimensional großen Furchen durchzogenen Ebene zu stehen. Aber das war natürlich eine Illusion. Die Hügeltäler waren an einigen Stellen mehrere Kilometer breit und es flossen in Ihnen einige Flüsse entlang, die die Täler vor Millionen von Jahren zu formen begonnen haben mussten. Somit konnte man von einer Ebene nicht wirklich sprechen.
Denny´s Blick glitt entlang des nächsten westlich von ihrem improvisierten Landeplatzes gelegenen Tals – dem City District – und er erkannte, dass die Hügelketten dafür gesorgt hatten, dass die in den Tälern gelegenen Wohn- und Bürogebiete größtenteils erhalten geblieben waren. Die Gebäude waren zwar ausnahmslos verfallen, fensterlos und oftmals teilweise oder ganz eingestürzt. Doch mehr Häuser als Denny erwartet hatte, waren stehen geblieben, auch wenn viele Straßen von Schutt und Geröll überzogen und an einigen Stellen aufgrund von eingestürzten Großbauten unpassierbar waren
An anderen Stellen schien das Stadtbild hingegen noch komplett intakt zu sein, wenn man einmal von der heimischen Flora absah, die sich die Abstinenz der Menschen zu Nutze gemacht hatte und zu großen Teilen Straßen, Bürgersteige und teilweise Gebäude bis zum dritten Stockwerk mit dornigen Gebüschen überwuchert hatte.
Auf den Hügelkuppen selbst sah es hingegen anders aus. Einige der Kuppen waren wie leergefegt und es standen nur die Ruinen der ehemals hier stehenden Wohnhauskomplexe. Auf anderen Kuppen hatten sich sehr große, dickstämmige Gebilde ausgebreitet, die entfernt an bläuliche Bäume erinnerten. Allerdings schienen diese „Bäume“ mehr aus dicken, gummiartigen und sehr dicht zusammenstehenden Ästen zu bestehen. Manche dieser „Bäume“ waren locker doppelt so groß wie ihre Mechs und sie standen so dicht beisammen, dass Denny sich sicher war, dass sie fast jedem Sturm würden standhalten können.

„Denny, biste noch da?“
Hank riss Denny erneut aus seinen Gedanken was dieser diesmal mit einem bissigen Kommentar beantwortete. „Der Begriff Funkstille ist dir wohl nicht sonderlich geläufig, oder Hank?“ Sie befanden sich auf Erkundung der näheren Umgebung, nachdem sie gestern so gut wie abgestürzt waren.
Denny hörte ein kurzes Schnauben ehe Hank antwortete. „Wer soll´n uns hier abhör´n? Ich mein´ is doch völlig verlass´n die Stadt, ne?“
„Hier gibt es sicher immer noch eine Menge Los-Tech, für das es sich lohnen würde herzukommen. Was meinst Du warum Dvensky den gesamten Kontinent so unter Verschluß hält?“
„Na, wo soll´n hier dat Zeuch sein? Ist doch alles verfall´n? Und wenn´s hier wat tolles gibt, warum holt er sich´s nich?“
„Zum einen muss man schon wissen, wo genau etwas lohnendes ist, bevor man es holen kommt. Sonst muss man die ganze Stadt umpflügen. Und das geht wegen der Stürme nicht. Es sei denn, es macht einem nichts aus, wenn wertvolle Ressourcen – bei dem Versuch die Nadel im Heuhaufen zu finden – verloren gehen.“ Denny beobachtete seine Sensoren während sich sich langsam die Hügelkette entlang gen Norden bewegte. Dann fuhr er fort. „Außerdem gibt es hier noch einige unzählige Kilometer an unterirdischen Tunnel- und Forschungsanlagen und dort sind die Sachen sicher nicht zerstört. Im Gegenteil: Da liegen sie vor sich hin und warten darauf, von uns abgeholt zu werden.“
„Und warum sind die noch da? Wennse denn im Keller liegen, ne?“
„Ich weiss es nicht genau, Hank. Aber ich schätze mal, dass im Laufe der letzten chaotischen Jahrhunderte die Stadtpläne und Lageorte von so einigen Dingen verloren gegangen sind. ComStar wird den Lageort der Forschungsanlage, die wir finden sollen, wohl selbst erst kürzlich wiederentdeckt haben. Und dann gilt auch hier wieder, wenn Du nicht genau weißt, was Du suchst und wo Du es suchen musst, dann wirst Du es wahrscheinlich auch nicht finden.“
Denny bremste seinen Mech ab, da Sie ihren nächsten Waypoint erreicht hatten, und drehte sich einmal um seine eigene Achse. Auf den Sensoren war nichts ungewöhnliches zu entdecken, die Stadt war definitiv ausgestorben. Interessant war, dass Denny von seiner Position auch die Skull nicht mehr sehen konnte. Auch wenn dem gesamten Absturz nicht sonderlich viel positives abzugewinnen war, so hatte es doch zumindest zu zwei positiven Nebenaspekten geführt. Zum einen hatten sie nun einen sehr schwer zu entdeckenden Landeplatz. Und selbst wenn sie entdeckt werden würden, mußten Sie die Umgebung nicht mehr so präparieren, dass es wie ein Absturz aussah. Das tat es nämlich schon.

Nachdem Denny die Sensorwerte abgelesen hatte, forderte er Bericht von seinem zweiten Wind ein.
„Sakura von Three-D, Bericht.“
„Sektor 3A ist in einer Minute gecheckt. Weiter keine Anzeichen von Leben hier, Sir. Nehmen uns 3 B vor“ brach Sakura´s Stimme über den Lanzenfunk herein.
„Roger, Sakura“ antwortete Denny und aktivierte den Kanal zu Doc Dolittle. „Doc von Three-D. Sektoren 1 bis 4 A gesichert. Wir machen uns jetzt an die B Sektoren.“
„Roger, Three-D. Hier im Financial District scheint auch alles ruhig zu sein. Wir kartographieren weiter die unmittelbare Umgebung. Doc over and out.“
Denny nickte in Gedanken. Die alten Sternenbundkarten waren noch aus der Zeit, als die Gebäude, Straßen und Brücken noch vollkommen intakt gewesen waren. Doch auf diese Karten konnte sich die Einsatzgruppe Leipzig nun nicht mehr verlassen. Überall waren Straßen durch Schuttberge für die Panzer und Finns Kabuto unpassierbar geworden und Brücken über die insgesamt vier Flüsse, die Leipzig durchzogen, waren zerstört. Für die Chevaliers war jetzt neben der Sicherung der Landezone wichtig sich so schnell wie möglich mit der Umgebung vertraut zu machen damit Sie bei einem möglichen Überfall zumindest einen kleinen Vorteil hatten.
Doch eigentlich hoffte Denny, das es gar nicht soweit kommen würde. In den nächsten Tagen würden die Pioniere sich auf den Weg zu ihrem eigentlichen Ziel machen. Und wenn sie schnell finden würden, wonach sie suchten, dann wären Sie auch bald wieder hier verschwunden.
Denny konnte es kaum erwarten.

Andai Pryde
30.04.2004, 10:26
„Rotte Hellboy geht tief rein und Rotte Kiki bleibt oben, viel Glück Fallen Angels.“
Sandy Gurrow blickte aus der Kanzel ihres Stingray und musterte die Wolken, die sich an den nach vorn gerichteten Tragflächen zerfaserten.
Über ihrer backbord Tragfläche fiel der Schatten des Korsar Jean „Hellboy“ Dantés, ihrem Wing Leader.
„OK Hotshot, du hast den Chef gehört, gehen wir uns New Home mal etwas genauer angucken!“
„Aye.“
Sandy drückte den Steuerknüppel sanft nach vorne und beobachtete, wie die Nase ihres Jägers sich durch die Wolkendecke schob.
Dann wanderte ihr Blick zum Radar, das jedoch nichts weiter aufzeichnete.
„Ok, wir gehen bis auf 200 Klicks runter und schalten dann mal auf MAD, mal schauen, wer uns da unten so alles erwartet. Hellboy Aus.“
Sandy nickte stumm, auch wenn das unter dem Neurohelm nicht zu sehen war.
Als der Höhenmesser die richtige Höhe anzeigte legte sie den Kippschalter für die Sensoren um und schaltete auf MAD, Magnet Anomalie Detektor.
„Hmm, Hellboy ich hab hier was im südwestlichen Quadranten, sieht aus wie eine mittelschwere Lanze. Ob die Blauröcke uns Schwierigkeiten machen?“
„Ich hoffe nicht, Hotshot, aber man weiß ja nie, halte die Augen offen!“
„Aye, Hellboy.“
Plötzlich begann der Steuerknüppel in ihrer Hand unruhig zu zittern.
Turbulenzen, zumindest leichte, scheint aber nichts ernstes zu sein.
Ihr Blick wanderte über die Armaturen -Höhenmesser, Schubkontrolle, Treibstoffanzeige und Leitruder waren alle im grünen bereich.
Der Nachbrenner war voll und bereit, der Reaktor lief im normalen Spektrum und die Waffensysteme waren mit Energie versorgt.
Sandy runzelte die Stirn und tippte gegen die Anzeige der Clan- ER PPK. Das Gelb wechselte auf grün und meldete, wie alle anderen Waffen die Bereitschaft.
„Hellboy meine Pep spinnt schon wieder, hab hier wechselnde Spannungen und das Feuerleitsystem will sie mal wieder nicht in die Konfiguration aufnehmen.“
„Komisch, liegt wohl an der Tech, wenn wir hier fertig sind soll Meistertech Nagy sich das mal anschauen.“
„Jupp, hoffen wir, dass ich sie heute nicht brauche.“
„Du scheinst da sogar Glück zu haben.“
„Oder auch nicht, Rotte Hellboy hier Icecream, verzeichne vier, wiederhole vier Echos auf sieben Uhr. Provoziert nichts, solange ihr nicht provoziert werdet!“
„Aye Icecream.“
„Aye.“
Sandy blickte auf den MAD und beobachtete die Anzeige.
„Sieht nach Luzifer aus.“
Plötzlich knackte es im Komm Kanal.
„Fluglanze der Chevaliers, hier Bird Lance, der 30. Lyranischen Garde. Weichen sie auf keinem Fall von ihrem jetzigen Kurs ab und Steuer sie ihre LZ direkt an.“
Mit einem Knacken wurde die Verbindung wieder beendet.
„Wow, richtig höflich die Lyraner.“
„Na ja, wir sind ja auch nicht zum Handeln hier.“
Sandy grinste breit.
„Ok, ich denke wir haben genug gesehen, sehen wir zu, dass wir den Chef runterbringen, sonst heißt es noch Überstunden schieben.“
„Aye, Hellboy.“
„Home Base, hier Rotte Hellboy. LZ gesichert. Bleiben auf tief. Kommt rein, heute Abend soll die sonne scheinen. Die Vögel fliegen zumindest hoch.“
Sandy musterte die vier Luzifer, die wieder abdrehten um sie aus einer sicheren Entfernung beobachten zu können, ohne provokant zu wirken.

Ironheart
03.05.2004, 21:12
So, hier eine Passage von mir und Angelfist, leider wieder nicht in der richtigen Zeit, aber das wird später mal korrigiert!

UNMÖGLICHES ERLEDIGEN WIR SOFORT, WUNDER DAUERN ETWAS LÄNGER

An Bord der Boreas, Im Anflug an den Nadir-Sprungpunkt
New Home, Chaosmarken
02. April 3065

„Die Werte ihres Trupps sehen ganz ordentlich aus, Sergeant. Sie haben sich eigentlich ganz gut gemacht für die kurze Zeit, die Sie erst dabei sind.“ Captain Cliff Peterson lehnte sich zurück und schaute sich Markus Van Roose etwas genauer an.
„Danke, Sir“ antwortete dieser etwas steif, aber vollkommen korrekt.
„… wenn da nicht diese verflixte Geschichte mit den Elementaren gewesen wäre.“
Van Roose versteifte sich augenblicklich und wollte etwas erwidern, liess sich dann aber doch Zeit mit seiner Aussage. „Sir, das war unverzeihlich und wird nicht wieder vorkommen.“
`Impulsiv, aber nicht unüberlegt…´ schoss es Peterson durch den Kopf. Der Junge hatte Potential.
Peterson nickte knapp. „Ich weiss. Aber ihr Verhalten hat der Moral der Truppe nachhaltig geschadet. Statt als Vorgesetzter schlichtend dazwischen zu gehen, haben sie sich an der Schlägerei sogar beteiligt. Dadurch ist zwischen den beiden Teileinheiten der Sprunginf und den Ellis ein Riss entstanden, der durch den kurzen gemeinsamen Dienst auf New Home nicht zu kitten war.“
Peterson´s Stimme war ruhig und besonnen. Sein Ärger über diesen Zwischenfall war im Grunde schon längst verflogen. Doch genau wie dem Major war auch ihm aufgefallen, dass dieser Riss immer noch da war und sie etwas tun mußten, damit aus dem Riss kein Spalt wurde.
„Ich verstehe, Sir. Eine kleine Einheit wie die Chevaliers kann es sich nicht leisten, dass die einzelnen Teileinheiten im Clinch liegen.“
Wieder musterte Peterson den blonden Soldaten vor ihm. Hatte der Major doch recht gehabt, als er diesen relativ jungen Burschen direkt als Sergeant geholt hatte? Nicht das Peterson etwas gegen Van Roose hatte. Da dieser aber deutlich jünger war als z.B. Charles Decaroux und dieser trotz seiner Erfahrung immer noch NUR Sergeant war, hatte er Spannungen befürchtet. Aber wie es schien, verstand dieser sein Handwerk und hatte nicht nur seinen Trupp im Griff. Und ihm waren auch keinerlei Beschwerden der anderen Sergeanten und Lance Corporals zu Ohren gekommen.
„Richtig, Sergeant. Darum werden wir die Zeit bis zum Transit nach Bryant auch nutzen und etwas dafür tun, damit diese Spannungen wieder abnehmen…“ `oder nur noch schlimmer werden` dachte Peterson den Satz zu Ende, ohne es laut auszusprechen. Der Befehl kam direkt vom Major, auch wenn der Befehlshaber der Infanterie von der Wirksamkeit noch nicht ganz überzeugt war.
„Sie und Ihr Trupp wurden ausgewählt, damit sie zusammen mit den Elementaren trainieren. Sie haben eine Woche Zeit, in der ihre Männer und Frauen ihre Fitness und Geschicklichkeit werden beweisen müssen. Nur diejenigen, die die Tests bestehen, werden die Gelegenheit erhalten in die Elementarrüstungen zu schlüpfen.“

Es vergingen ein paar kurze Augenblicke, in denen der Sergeant offensichtlich über die Implikationen des Gesagten nachdachte. Und bis auf ein kaum merkliches Zucken der Augenbrauen konnte man Sergeant Van Roose keinerlei innerliche Regung anmerken.
Doch als er schliesslich wieder sprach, konnte Peterson seiner Stimme eine gewisse Aufregung entnehmen. „Sir, sie meinen, wir werden die Elli-Rüstungen benutzen dürfen?“
Peterson konnte sich vorstellen, wie Van Roose zumute war. Seitdem die Clans in der inneren Sphäre aufgetaucht hatten, hatte sich einiges verändert im Weltbild der Infanterie. Die riesigen gepanzerten Elementare erfüllten die meisten Soldaten mit Ehrfurcht. Selbst Panzerfahrer und sogar MechKrieger machten in der Regel nur einmal den Fehler einen Strahl Elementare zu unterschätzen. Und nicht wenige Infanteristen der IS hofften insgeheim auf die Chance einmal in so eine Rüstung schlüpfen zu dürfen. An dem Glitzern in Van Roose Augen erkannte Peterson, dass auch dieser zu dieser Sorte gehörte.
„Machen wir uns nichts vor, Sergeant. Die Mehrheit ihres Trupps wird nicht den Fitnesstest bestehen, um so ein Ding überhaupt tragen zu dürfen. Und selbst dann heisst das noch lange nicht, dass diese dann in der Lage sein werden, die Rüstung ordentlich zu bedienen, geschweige denn sich flüssig darin zu bewegen.“
„Sir, meine Leute sind topfit, sie werden…“
Peterson unterbrach seinen Untergebenen. „Sergeant, es geht hier nicht darum ihren Trupp bloß zu stellen. Wir wollen auf beiden Seiten Respekt erzeugen. Die Sprunginfanterie soll erkennen, dass man es sich verdammt hart erkämpfen muss, um so ein Ding überhaupt erst tragen zu dürfen. Und die Elementare sollen sehen, dass es durchaus Sphärer gibt, die die Grundvoraussetzungen erfüllen können.“
„Und was ist, wenn keiner von meiner Leute durchkommt?“
Peterson fletschte die Zähne. „Nun, es ist ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, DASS es wenigstens einer von Ihnen schafft.“

************************************************** ***

An Bord der Boreas, Im Anflug an den Nadir-Sprungpunkt
New Home, Chaosmarken
02. April 3065

Markus schaute seinen Trupp an, der in einem der Hangars der Boreas ordnungsgemäß Aufstellung genommen hatte.
„Rühren, Leute. Also, wir haben eine neue Aufgabe bekommen. Wir werden einen besonderen Schnupper Kurs machen, vorausgesetzt das wir den Fitnesstest bestehen.“
Er merkte das der Trupp unruhig wurde. Bei den Worten Schnupperkurs und Fitnesstest schwante seinen Leuten anscheinend nichts gutes.
„Bleibt mal alle ganz ruhig es ist nichts was wir nicht schaffen können.“
„Das sagen sie Sarge. Und dann machen Sie uns wieder zur Schnecke, wi bei der Sache mit den Geiseln“ Zero grinste von einem Ohr zum anderen.
„Hab ich mich was das angeht etwa in euch getäuscht? Ihr habt sehr gute Fortschritte gemacht und viel gelernt dabei. Und glaubt mir, das wird auch dieses Mal so sein.“
`Mehr als euch lieb sein wird` schoss es ihm durch den Kopf.
„Wenn also jemand schon jetzt weiß das er das nicht kann, soll er gleich gehen. Ich habe keine Lust mir nachher das Gemaule und Geheule anzuhören.“
Zero setzte schon wieder zu einem flappsigen Spruch an, doch er stoppte als er den strengen Blick seines Sergeant aufschnappte. Es kam langsam Ruhe in den Trupp.
„Pünktlich in zwei Stunden treffen wir uns im Sportraum. Wie gesagt, wir werden in der nächsten Woche einen Fitnesskurs absolvieren…“ Gestöhne machte sich wieder im Trupp breit.
„RUHE, ICH BIN NOCH NICHT FERTIG!“
Schlagartig war es ruhig geworden. „Na also, es geht doch. Wenn wir den Test bestehen, kommen wir in den Genuß auf den Elementarrüstungen ausgebildet zu werden.“

Nun war es Totenstill. Markus beobachtete den Gesichtsausdruck seiner Leute. Einige wirkten schockiert, voller Ehrfurcht. Anderen – wie zum Beispiel Maareike – blitzte es förmlich in den Augen.
„Habt ihr noch Fragen?“
„Ja, Sarge.“ Einer der Soldaten hob zögerlich die Hand.
„Was ist denn Tim?“
„Ähm, nun, dauert so eine Ausbildung eigentlich nicht deutlich länger?“
„Ja, um genau zu sein: Eigentlich ein ganzes Leben. Es soll hier aber auch nur ein Test sein, ob wir überhaupt in der Lage wären sie zu bedienen. Und an uns hängt es, ob wir vielleicht jemals welche bekommen.“ Markus wusste, dass die Chancen sich neue Krötenpanzer, egal welcher Baureihe leisten zu können, äußerst gering waren. Aber irgendwie musste er seine Leute ja ködern.
„Damit das klar ist, ich erwarte, dass jeder von Euch sein Bestes gibt! Lasst uns den Ellis zeigen, was in uns steckt.“
Alle schienen von der Idee angesteckt zu sein und nickten zustimmend.
„Ich habe nicht gehört, was ihr gesagt habt.“
„Ja, Sir.“ riefen alle wie aus einem Mund.

************************************************** ***

An Bord der Boreas, Im Anflug an den Nadir-Sprungpunkt
New Home, Chaosmarken
05. April 3065

Der Morgen des dritten Tages. Markus war stolz auf seinen Trupp. Die ersten Fitnesshürden hatten Sie alle nehmen können, keiner war bisher ausgefallen. Auch wenn Norton Geisterbär nicht müde wurde, Ihnen zu sagen und zu zeigen, dass ihre Leistungen im Vergleich zu den Elementaren unterdurschnittlich waren, hatten Sie es doch geschafft die Mindestvoraussetzungen zu erfüllen.
Bislang.
Markus spürte, dass das nicht mehr lange so weiter gehen würde. Die ersten seines Trupps begannen hinterher zu hinken und schlapp zu machen. Die Elementare nahmen keine Rücksicht auf die körperlichen Unterschiede. Schafften die Infanteristen nicht zumindest 75% der Elementarleistung, flogen Sie raus.
Und das war bei einigen von Ihnen bald der Fall, da war sich Markus sicher.
Doch es gab auch positive Überraschungen. Zero, der bislang eher durch sein loses Mundwerk und seine frechen Sprüche aufgefallen war, hatte den Trupp immer wieder motiviert und angespornt. Er hatte sogar ein neues Motto in Umlauf gebracht, das bei seinen Leuten sehr gut ankam: Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger.

Doch so voller Zuversicht er noch am Morgen gewesen war, so niedergeschlagen war er am Abend. Tim hatte es als Erster von Ihnen nicht geschafft.. Er war den Tränen nahe, als die Elementare – allen voran der hämisch grinsende Norton – ihn wegen seiner miserablen 60% Quote aus dem Training nahm. Niemand gab gerne zu gescheitert zu sein.
Entsprechend mies war die Stimmung innerhalb des Trupps an diesem Abend. Markus spürte, dass die Moral seiner Leute dabei war sich aufzulösen. Das Tim gescheitert war, hatte einen Damm gebrochen. Und Markus wusste, dass noch mehr von Ihnen den nächsten Tag des Tests nicht schaffen würden, wenn er nichts unternahm. Doch was konnte er noch an Motivation aufbringen? War es vielleicht nicht klüger jetzt aufzuhören, bevor sie sich komplett verausgabten. Bevor jeder einzelne von Ihnen versagte? Das erste Mal seit langer Zeit zweifelte Markus an sich und an seinen Fähigkeiten. Und er machte sich Sorgen um seinen Trupp. Er war für Sie verantwortlich, er mußte Sie schützen.
„Wir werden das nicht mehr lange durchhalten. Vielleicht sollten wir aufgeben?“ Ruhig und gelassen hatte er gesprochen und die leisen Gespräche auf der Stube waren verstummt. „Es hat keinen Sinn, das wir uns mit der Ausbildung so extrem verausgaben, vor allem da wir nicht wissen was uns auf Bryant erwartet. Ich werde morgen mit dem Captain reden, damit wir das Ganze abbrechen.“

Alles schaute ihn an. Sie wußten das er Recht hatte, denn sie waren erschöpft und wären froh über etwas Ruhe. Zu verlockend war die Aussicht auf Erholung. Nicht mal Maareike protestierte, obwohl er Ihr deutlich ansah, dass sie mit sich zu kämpfen hatte.
Was wog mehr? Ihre eigenen Interessen, oder das Wohl ihres Trupps? Markus war so vertieft darin, Maareike zu beobachten, dass ihm zunächst nicht auffiel, dass Zero aufgestanden war.
„Mit Verlaub, Sarge. UNMÖGLICHES ERLEDIGEN WIR SOFORT, WUNDER DAUERN ETWAS LÄNGER und ICH werde nicht aufgeben. MICH bekommen die Elementare nicht klein.“ Zero schaute sie alle an. „Ich werde nicht aufhören zu kämpfen, verdammt noch mal, und sei es nur um damit diesem verfluchten stravag Norton sein gehässiges Maul zu stopfen.“
Einer nach dem anderen standen Sie auf und stimmten Zero zu.
Markus konnte nicht anders als Grinsen. Und ihm fehlten seit langer Zeit mal wieder die Worte. Doch er brauchte nichts zu sagen. Sie alle wußten, was Sie zu tun hatten.

Ironheart
03.05.2004, 21:13
An Bord der Boreas, In der Nähe des Nadir-Sprungpunktes im Anflug an Bryant
Bryant, Chaosmarken
10. April 3065

Eine mörderische Woche lag jetzt hinter seinem Trupp und selbst Markus spürte jeden Muskel seines Körpers. Der Test hatte Sie alle bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit getrieben. Und einige sogar darüber hinaus. Von den ursprünglich 12 Mitgliedern waren zwar nur noch vier auf den Beinen. Bedachte man aber die ersten Befürchtungen von Captain Peterson, das es vielleicht keiner von Ihnen schaffen würde, so war das trotzdem ein tolles Ergebnis. Ein Ergebnis auf das sein Trupp jetzt schon stolz sein durfte.
Doch noch war nicht aller Tage Abend, der letzte Test noch nicht bestanden. Sie hatten nach dem vierten Tag begonnen, in die Anzüge steigen zu dürfen, um sich mit der komplizierten Handhabung vertraut zu machen. Ein paar weitere des Trupps hatten dafür nicht genug Talent entwickelt und hatten die Zeitvorgaben einzelner Tests nicht erfüllen können. Und so waren wie bei den 10 kleinen Negerlein einer nach dem anderen von Ihnen ausgeschieden. Bis auf die letzten vier.
Zum Glück hatten seine eigene Erfahrung und Fitness ausgereicht, um einer dieser vier zu sein. Es wäre sicher keine Schande gewesen, wäre er gescheitert, aber so war es ihm doch deutlich lieber.
Das Maareike es am Ende schaffen würde, hatte er geahnt. Sie schien wie besessen zu sein von dem Gedanken in diese Elementarrüstung zu kommen und hatte mit eisernem Willen allen Anforderungen standgehalten. Doch gleichzeitig ähnelte sie im Moment mehr einer wandelnden Leiche als einem Menschen. Er würde sie weiter im Auge behalten müssen, damit sie sich nicht noch tot schuftete.
Mit Bob hatte er ebenfalls gerechnet und war sich sicher, dass der schweigsame Hüne seines Trupps am ehesten dafür geeignet gewesen wäre so etwas wie einen Sphären-Elementar abzugeben.
Doch mit dem letzten der vier hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Dass ausgerechnet Zero alle Tests bestehen würde, war vor der Blitzausbildung undenkbar gewesen. Aber auch er hatte sich als deutlich zäher erwiesen, als das man das auf den ersten Blick durch seine flapsige freche Art vermutete.
Und jetzt standen sie alle vier in Habachtstellung vor den Elementaren und warteten auf den letzten, ultimativen Test. Markus war etwas nervös, da sie nicht wußten, was die Elementare mit Ihnen vor hatten. Und um das ganze noch zu steigern, war die Ausbildung der Sprunginfanterie anscheinend zu einem Ereignis auf der Boreas geworden. Wer dienstfrei hatte, schloss sich der Ausbildungstruppe als Beobachter an und es schien sogar die komplette Offiziersriege inklusive dem Major zur BOREAS übergesetzt zu haben, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Das trug nicht unbedingt zu Markus` Beruhigung bei.

Mit einem raubtierhaften Grinsen stellte sich schliesslich Sergeant Rowan Geisterbär vor den vier übrig gebliebenen Soldaten auf.
„Ihr habt euch tapfer geschlagen. Eines Chevaliers wahrhaft würdig. Aber nun wird es Zeit, die Spreu vom Weizen zu trennen, frapos?“
„Pos“ antworteten die vier, die sich in der letzten Woche nicht nur an den Drill der Claninfanteristen sondern auch an deren Spracheigenheiten angepasst hatten.
„Ihr haltet euch für fähig, einen Elementarpanzer zu tragen, frapos?
„Pos“ erschall es erneut.
„Dann wollen wir euch mal eines Besseren belehren.“ Er machte eine kurze Pause, in der er jeden einzelnen der vier Infanteristen eingehend musterte, dann erst fuhr er fort. „Die Rüstungen sind an euch angepasst worden, sie werden euch wie eine zweite Haut sitzen. Daher werdet Ihr jetzt mit mir in die Rüstungen steigen und zeigen, was ihr in der letzten Woche gelernt habt.“

************************************************** ********

Als Philipp Geisterbär – der Maareike in den Gefechtspanzer geholfen hatte – das Visier des Rüstung schloss, richteten sich Ihr sämtliche Nackenhaare auf.
Sie war zuhause. Endlich dort angekommen, wo Sie hingehörte. Die sie seit Monaten quälenden Träume schienen endlich einen Sinn zu ergeben. Die Ritter in schimmernden Rüstungen aus ihren Träumen, die gegen Bestien kämpften. Sie spürte, dass das ihre Bestimmung war. Sie musste es nur noch beweisen.
Als alle fünf ihre Gefechtspanzer einsatzbereit hatten, knackte es in der Leitung und Rowan Geisterbär´s Stimme war zu hören. „Striker Strahl von Striker. Status.“
„Striker 2 bereit. Alle Systeme laufen einwandfrei.“ gab Sergeant Van Roose durch.
„Striker 3 bereit. Alle Systeme grün.“ kam jetzt von Bob.
„Yo, von mir aus kanns losgehen.“ Zero machte wieder mal einen auf betont witzig, wobei Maareike sich sicher war, dass er es absichtlich machte, um die Elementare damit zur Weissglut zu treiben.
„Striker 5 bereit. Alle Systeme o.k.“ gab sie selbst durch.
„Gut. Jetzt wird es ernst, folgt mir.“ In einer unglaublich flüssigen Bewegungen drehte sich der Clanelementar um seine eigene Achse und stapfte voran Richtung äußeren Rand des Hangars. Die übrigen vier Rüstungen wankten und wackelten ihm deutlich langsamer hinterher. Eine solche Rüstung zu bewegen war eine Sache, dies flüssig und elegant zu tun eine andere.
Maareike war viel zu sehr damit beschäftigt, sich fortzubewegen und nicht mit ihren Kameraden zusammenzustossen, dass Sie sich erst fragte, was Sie hier am Rand des Hangars sollten, als Sie schon vor dem Aussenschott standen.
Zwei Techniker öffneten die innere Schleusentür und Rowan ging vor.
Jetzt dämmerte es Maareike so langsam, wohin sie auf dem Weg waren, und ihr Herz fing noch wilder an zu pochen, als es dass eh schon tat.
„Ähm, wohin des Weges, Sarge Rowan?“ fragte Zero wieder mal rotzfrech und Maareike war sich sicher, dass er – wenn er so weiter machte – irgendwann im Kreis der Gleichen landen würde. Aber ohne Rüstung.
Doch Rowan´s Stimme blieb hart aber neutral, als er sich in der Schleuse umdreht und antwortete. „Um zu zeigen, dass Ihr gelernt habt, mit den Rüstungen umzugehen, müssen wir einen Ort aufsuchen, der etwas mehr Platz bietet als die engen, überfüllten Hangars der BOREAS. Und welcher Ort würde sich dafür besser eignen als das All?“
Fast konnte sich Maareike das teuflische Grinsen des Geisterbären hinter der spiegelverglasten Scheibe seines Visiers ausmalen. Und es hätte sich sicher noch verbreitert, wenn er die schockierten Gesichtsausdrücke der anderen vier Infanteristen hätte sehen können.
Er liess ein paar Augenblicke verstreichen, in denen die beiden Techniker begannen, die Rüstungen der vier Elementarrekruten mit einem dicken Stahlseil zu sichern.
Währenddessen begann Rowan mit der Einsatzbesprechung. „Wir werden auf die Aussenhülle der BOREAS gehen und ihr werdet dort endlich die Möglichkeiten dieser Gefechtspanzer ausreizen. Wie ihr bereits gemerkt haben dürftet, sind alle Waffen demontiert worden, das bedeutet kein KSR-Pack, kein Laser und kein MG. Eure Sprungdüsen habt ihr noch, aber wählt Ihren Einsatz nur mit bedacht. Am besten wäre gar nicht. Aktiviert die Magnetsohlen.“ Als er fertig war, waren alle vier Chevaliers „verdrahtet“ und die Techs verliessen die Schleuse. Als das innere Schot zu war, wechselte das helle Licht der Schleuse in tiefes rot und die äußere Schottwand verschwand langsam in der Wand.
Rowan ging langsam vor, obwohl sich Maareike sicher war, das er hätte mit Leichtigkeit rausspringen können und sich dann mit den Sprungdüsen auf die Aussenhaut der BOREAS manövrieren können. Doch der Elementar hielt sich aus Rücksicht zu seinen vier Schützlingen zurück, damit keiner von Ihnen auch nur auf die Idee kam, es ihm nachzumachen. Präzise im Weltall umherzufliegen bedurfte schon jahrelanger Übung.
Die vier weiteren Chevaliers folgten ihm langsam und schweigend. Maareike hatte zittrige Knie, als sie sich dem Rand der Schleuse näherten und es verschlug ihr schier die Sprache, als sie schliesslich in die pechschwarze Unendlichkeit des Weltalls blickte.
Als sie dann über die Schleusenöffnung kletterte und die Magnetschuhe auf der Aussenhaut der BOREAS halt fanden, änderte sich ihre Perspektive schlagartig. Die Welt, wie sie sie kannte, war nun komplett auf den Kopf gestellt.
Nein, auf den Kopf gestellt war nicht die Bezeichnung, um ihre Situation zu beschreiben. Vielmehr fühlte es sich an, als würde man die Wände hinauflaufen. Vorsichtig blickte sie zum „Horizont“, den ihr das kugelförmige Landungsschiff aber nicht wirklich bieten konnte. Sie schaute sich langsam um und spürte ihren rasenden Herzschlag, das Wummern ihres Herzens und sie mußte sich zusammenreissen um nicht laut aufzukeuchen.
Das gelang Bob und Zero nicht. Ersterer brachte nur ein lautes Keuchen hervor, der Zweite ein laut gemurmeltes „Ach du heilige Scheisse…“
Maareike wußte, wie ihm zumute sein mußte. Der Anblick der unendlichen Leere war erdrückend und beängstigend. Und faszinierend zugleich. Es erinnerte Maareike entfernt an einen Tauchausflug, den sie vor Urzeiten an den riesigen Korallenriffen ihres Heimatplaneten gemacht hatte. Auch der Anblick in die Tiefe vom Rande des Riffs aus hatte eine ähnlich berauschenden Eindruck hinterlassen. Doch das hier war noch besser. Langsam, ganz langsam traute sich Maareike schliesslich nach „oben“ zu blicken, wenn es etwas wie ein oben im All denn überhaupt gab. Rechts von ihrer jetzigen Position erkannte sie die ROSEMARIE, die ein wenig vor Ihnen zu sein schien und mit der Nasenspitze voran auf Bryant zufiel. Sie konnte sehr gut die Auslassöffnungen der rieseigen Triebwerke erkennen, die sehr helle, bläulich strahlende Triebwerkszungen produzierten. Etwas weiter links und ein Stück zurück erkannte sie die SKULLCRUSHER, ebenfalls auf dem Weg nach Bryant, das aus Ihrer jetzigen Position nicht zu erkennen war. Und selbst wenn, waren Sie noch so weit davon entfernt, dass Maareike es sicher nicht von all den anderen funkelnden Nadelkopfgroßen Sternen des Weltraums hätte unterscheiden können. Doch wo war die Sonne des Bryant-Systems? Maareike drehte sich ganz vorsichtig um und dort sah sie auch schon die hell strahlende Scheibe. Auch wenn Sie Millionenen Kilometer von ihr enfernt waren, strahlte sie gleissend hell und badete diese Seite des Landungsschiffes in helles Licht. Maareike nahm an, dass das der Grund war, warum Sie auf dieser Seite der BOREAS herausgekommen waren. Die andere Seite musste in pechschwarze Finsternis gehüllt sein.
„Gewöhnt euch erst einmal an den Anblick und macht ein paar Schritte. Ihr werdet sehen, das ihr dadurch sicherer werdet.“ Kam es von Sergeant Van Roose. Maareike runzelte die Stirn. Markus klang so, als ob er sowas schon früher einmal gemacht hatte. Und falls nicht, war er erstaunlich anpassungsfähig.
„Hey, das macht sogar richtig Spass“ kam es von Zero, als sie sich zögerlich über den Boden bewegten. Und tatsächlich, nach einer Weile wurden sie alle etwas sicherer. Selbst Bob, der zwischenzeitlich sogar noch ruhiger als sonst geworden war und sehr heftig geatmet hatte, schien seine Panik unter Kontrolle zu kriegen.
Als die erste halbe Stunde herum war, machten Sie sich auf den Weg zu der sonnenabgewandten Seite. Das Eintauchen in den schwarzen Bereich war für Maareike wieder eine berauschende Erfahrung. Instinkti – und noch bevor der Befehl von Rowan selbst kam – anderte sie die Sicht des Visiers von Optik auf MAD, um in der Finsternis auch weiterhin die Konturen des Landungsschiffes sehen zu können. Doch mittendrin erinnerte Sie das Rucken des Stahlseils, dass sie noch immer mit dem Schiff verbunden waren.
„Gut, alle halten.“ Rowan blieb stehen und drehte sich zu Ihnen um. „Du…“ rief er Maareike zu, indem er die krallenbewehrten Arm auf sie richtete „…hast doch sicher Lust auf einen kleinen Ausflug, frapos?“
„Pos“ antwortete Maareike mit einem kleinen Kloss im Hals. Was verstand der Clanner unter einem Ausflug?
„Sergeant Markus, du wirst dich mit den anderen wieder zurück zum Schott begeben, wir werden dort wieder zu euch stossen.“
„Pos, Sergeant Rowan.“ Antwortete dieser und machte sich ohne weitere Fragen mit den beiden anderen im Schlepptau unterwegs. Maareike schnappte noch auf wie sich die Umrisse von Zero´s nach ihr umdrehte. „Turtelt nicht zulange herum, ihr Täubchen, pünktlich um acht ist Abendessen“ flachste er. Doch bevor Maareike ihm einen unflätige Antwort geben konnte, dröhnte auch schon Rowans Stimme durch den Funk. „Striker 5! Dein Name ist Maareike, frapos?“
„Pos Sergeant“
„Gut, du aktivierst deine Sprungdüsen auf mein Kommando und deaktivierst sie, wenn ich es sage. Wir werden üben uns ein Stück vom Landungsschiff zu entfernen und wieder zurück zu kommen, verstanden?“
„Ja“ antwortete Maareike. Mehr brachte sie nicht hervor, da die Nervosität ihr die Kehle zuzuschnüren schien.
„Jetzt“ rief Rowan und Maareike tat wie befohlen, indem sie mit ihren Augen den entsprechenden Menüpunkt geöffnet und die Sprungdüsen gezündet hatte. Sie wußte, das es auch eine spezifische Fingerbewegung gab um den Befehl auszuführen. Und letztlich hätte sie den Befehl auch laut ausrufen können, die Stimmerkennung des Anzugs hätte den Befehl auch ausgeführt. Doch im Moment war sie zu überwältigt von den vielen verschiedenen Eindrücken um einen klaren Kopf zu haben und den einfachsten Weg zu wählen.
So beobachtete sie fast schon ungläubig, wie sie beide Seite an Seite in einem 90 Grad Winkel vom Landungsschiff wegschossen und es dauerte nicht mal 3 Sekunden da rief Rowan schon wieder Stopp, was sie diesmal auch tat. Und trotz dieser kurzen Beschleunigungsphase bewegten sie sich rasend schnell von der BOREAS fort. Zumindest kam es Maareike so vor. Es brauchte ein paar Augenblicke bis sie begriff, dass das Landungsschiff sich ja auch bewegte. Und zwar von Ihnen weg. Panik stieg in ihr hoch und Ihr Herz pochte schon wieder so wild, das sie fast nicht auf den Befehl „Wende 180 Grad“ reagiert hätte.
Sie rief dann den Befehl schliesslich doch und der Anzug führte eine 180 Grad Drehung aus, sodass sie sich zwar immer noch von der Boreas wegbewegten, aber diese jetzt „über“ Ihnen war und nicht mehr „unter“ Ihnen. „Schub“ brüllte Rowan erneut und diesmal beschleunigten sie deutlich länger um die BOREAS wieder zu erreichen. Maareike versuchte die vielen Anzeigen auf dem Sichtschirm zu interpretieren, um von sich aus zu begreifen, wann sie genug Schub gegeben hatten. Dann würden sie nämlich wieder eine 180 Grad Wende durchführen müssen, um nicht mit dem Schädel voran gegen das Landungsschiff zu hämmern. Doch die Zeit war viel zu kurz und noch während sie rechnete und überlegte, rief der Clanner an ihrer Seite schon einen Befehl, sie vollführten das entsprechende Manöver und landeten zwar nicht butterweich, dafür aber sich auf der Aussenhülle der Boreas.
Maareike brauchte ein paar Sekunden um diesen Ritt zu verdauen und nicht in den Knien einzusacken. Ganz langsam beruhigte sich wieder ihr wild pochendes Herz und erst dann bemerkte Sie, dass sie wieder ganz in der Nähe der Luftschleuse waren, die sie ursprünglich benutzt hatten. Außerdem bemerkte sie, dass ihre übrigen drei Kameraden langsam aber sicher über dieselbe Hülle auf Sie zu marchierten.
„So, wer von Euch ist der nächste?“ fragte Rowan und es dauerte ein paar Momente ehe sich der Arm von Sergeant Van Roose erhob. „Gut, der Rest bleibt hier und wartet.“ rief der Elementar und eiin, zwei Instruktionen später waren die beiden auch schon davon gezischt.
„Hui Maareike“ kam es nach ein paar schweigsamen Augenblicken von Zero „das sah aber nach einem Höllenritt aus, oder?“
„Kann man wohl sagen“ antwortete Maareike immer noch mit zittrigen Knien. „Aber andererseits ist es auch ein unglaubliches Gefühl, wenn Du so durch den luftleeren Raum fegst und das Landungsschiff erst ganz schnell unter dir wegsaust und dann nach der Wende auf einmal über dir schwebt. Und wenn Du dann wieder darauf zubraust und du denkst `Gleich werden wir das Scheissding rammen.` und dann …“ Maareike war so hibbelig und aufgedreht von Ihrem kurzen Ausflug ins All, dass die Worte nur so aus ihr rausflossen. Sie war so euphorisch, dass es Zero war, dem das laute Atmen und Keuchen auffiel, dass Bob nach dieser Schilderung begann von sich zu geben.
„Bob? Alles o.k. mit dir?“
„Hiiiihhhh, Hiiiiiihhhh“ schnappte der Hüne in seinem Anzug nach Luft und klang gar nicht gut. Dann mußte er sogar einen Seitschritt machen, um nicht den Halt zu verlieren. „Hiiiiiihhhhh… Mir …. Hiiiiiiih…. Ist… Hiiiiihhhh… übel…..“ kam es zögerlich und gequält.
„Mach kein Scheiss, Mann! Wenn Du Grace´ Anzug vollkotzt, reisst Sie dir den Kopf ab“ flachste Zero, um seinen Kameraden aufzubauen, scheinbar unbekümmert, doch man hörte deutlich seine Besorgnis heraus.

Was als nächstes geschah, wird wohl nie ganz geklärt werden können. Ob Bob in seiner Panik per Augenkontakt einen falschen Befehl aktivierte oder seine Fingerstellung dafür verantwortlich gewesen war, wußten sie nicht. Doch mit einem mal schoss er Vollschub gebend davon. „Bob, NEEEEEIIIIIIN!“ schrie Maareike, während die beiden ihrem davon rasendem Kameraden fassungslos hinterherschauten. Dann ging alles furchtbar schnell. Maareike erkannte mit einem Blick, das Bob sich nicht nur sehr schnell von der BOREAS entfernte. Sondern auch, dass er sich auf direktem Konfrontationskurs mit der SKULLCRUSHER befand. Die beiden Sarge´s waren zu weit weg um noch einzugreifen. Selbst Sie würde Schwierigkeiten haben. Aber sie wußte, sie mußte es versuchen. Sie federte sich in den Knien ab und brüllte ein lauten „Schub“ in ihren Anzug und schon jagte sie ihrem Kameraden hinterher.
„Na klasse“ kam es sarkastisch vom zurückbleibenden Zero „Und wo willst DU jetzt HIN?“
Er erhielt keine Antwort von Maareike, die konzentriert versuchte Bob zu folgen und in möglichst zu erwischen bevor er zu weit davon trieb und mit der– für Raumfahrerverhältnisse – viel zu nahen SKULL kollidierte.
Dann erfasste sie ein kurzer Ruck und eine Art Pling für durch die Rüstung, ohne die geschwindkeit des Anzugs nennenswert zu bremsen. `Der Sicherheitshaken` schoss es Maareike durch den Kopf. Leider war das Ding nicht darauf ausgelegt einen mit Vollschub fliegenden Kampfanzug zu stoppen. Und somit raste Bob ebenfalls weiter.
„Hey Sarge Rowan…“ hörte sie jetzt Zero rufen „Bob und Maareike haben wohl entschieden, dass es hier zu langweilig ist.“
„WAAAS…“ kam gleichzeitig von den Sergeanten, die gerade wieder auf dem Rückweg zur BOREAS waren. „Bob, Maareike, was soll das?“
„Bob ist ausser Kontrolle, Sarge. Ich hole Ihn, bevor er mit der SKULL zusammenprallt.“
„Maareike, du bleibst wo du bist, ich hole Ihn, frapos?“
„Neg, Sergeant. Sie sind zu weit weg und ausserdem bin ich schon los.“
„Zero, du rührst dich nicht von der Stelle, klar?“ kam es dann noch schnell von Van Roose, der offensichtlich keinen Bedarf für noch jemanden hatte, der hier den Helden zu spielen versuchte.
„„Na super“ kam es von Zero, der immer noch an der BOREAS-Aussenhülle klebte „lasst mich hier ruhig alle alleine… Aber sie können Gift darauf nehmen, Sarge. Ich beweg mich hier keinen Millimeter. Bin doch nicht bescheuert, ich meine wer…“
„Schnauze, Zero“ brüllte sein erboster Sergeant und dann schien der Funk förmlich zu explodieren. Maareike hörte den Major, den Captain, die drei Landungsschifskipper und die beiden Sergeanten sich über Funk streiten, wie die beiden am besten zu retten waren.
„Striker von Hellboy und Hotshot! Wir sind raus und holen Euch“ kam es von den beiden LRJ´s, die anscheinend genau für so einen Notfall in Bereitschaft gestanden hatten, denn es dauerte ganze 15 Sekunden, da schossen die beiden schon aus der vorausfliegenden Rosemarie. Maareike, die die beiden schnellen schemenhaften Silhouetten am Rande Ihres Sichtschirms erkannte, sah allerdings selbst mit Ihrem ungeschulten Auge, dass die beiden Raumjäger nicht schnell genug bei Ihnen sein würden um den Aufprall zu verhindern.
„SKULL beidrehen, beidrehen“ rief Van Roose über den Funk, sein Icon war, wie das von Rowan jetzt hinter Ihnen und auch auf dem Weg Richtung SKULLCRUSHER.

Die SKULL begann langsam und schwerfällig unter den beiden hindurch zu tauchen, aber es würde nicht reichen. Das Landungsschiff würde Bob jetzt vielleicht verfehlen, aber so würde er in den Plasmaschub der SKULL rasen, was sich ähnlich ungesund auf menschliche Organismen auswirken würde.
Maareike verzweifelte fast. Solange Bob nicht auf die Rufe seiner Kameraden reagierte, würde sie ihn nicht rechtzeitig abfangen können. Die SKULL in ihrem Sichtschirm war jetzt schon riesig und die Plasmazungen aus iher Position schon genau auszumachen. Noch zehn Sekunden und sie würden geröstet werden. Sie spielte mit dem Gedanken beizudrehen und sich selbst zu retten, doch sie durfte ihren Kameraden nicht im Stich lassen.
Und in dem Augenblick, in dem Sie fast schon keine Hoffnung mehr hatte, hörte Bob´s Anzug auf zu beschleunigen. Doch dafür kam er ins Trudeln, so sehr dass Gefühl hatte auf einen Kreisel zuzuschiessen. Blitzschnell schoss sie an ihn heran und rammte ihn mittig. Das hatte aber den Vorteil, dass sie ihn mit Ihren Armen packen konnte und damit seinen Trudelkurs beendete. Sterne flackerten vor Ihrem Auge auf doch zu Ihrer beider Glück bleib sie bei Bewutsein und sie schrie instiktiv ein „Wende 90 Grad“ ohne groß nachzudenken und hatte nochmal Glück, das sie dieser Kurs von der SKULL wegbewegte.
Sie konnte ihr Glück nicht fassen, als spontaner Jubel durch den Funk brandete. Oder war es gar keines gewesen, hatte sie doch genau gewußt was sie da getan hatte?
Jedenfalls würde Sie ihren Ausflug in den Elementarrüstungen so bald nicht vergessen. Und das Knurren der beiden Sergeanten im Komm gaben Ihr die böse Vorahnung, dass sie auch so bald keine Gelegenheit dazu erhalten würde.

Ironheart
03.05.2004, 21:19
Dieser Text stammt von AS-Angelfist

*************************************

Als die 2 Wochen um waren, waren alle froh das es nun erst mal vorbei war. Auch wenn der Zwischenfall mit Bob einen kleinen Schatten über die Leistung ihres Zuges gelegt hatte, so hatten Sie zumindest nicht aufgegeben und sich auch nicht klein kriegen lassen durch die Elementare. Selbst die Elementare waren wohl etwas überrascht das sie solch einen Willen hatten.
Doch am meisten war wohl der Trupp selber stolz auf die Leistung die sie erbracht hatten.

Am Morgen des letzten Tages hatte der Trupp noch eine kleine Überraschung für Markus organisiert.
Sie hatten klammheimlich ein Abzeichen entworfen, welches ihren Status darstellen sollte. Immerhin hatte er sie motiviert über sich selber hinaus zu wachsen und an sich Selbst zu glauben.

Als Abzeichen hatten sie einen Engel gewählt der ein Schwert hielt und sich im Sturzflug befand.
Umrahmt wurde das Bild von dem Spruch des Trupps: Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger. Über dem Bild stand "1st Air Borne Ranger" der Danton Chevaliers. Wo der Trupp die Abzeichen her hatte, sagten sie nicht aber sie trugen es am Ärmel und solange keiner was sagte nahmen sie es auch nicht ab.
Das Abzeichen war in Schwarz gehalten mit der Kontrastfarbe weiß. Sie hatten es sogar geschafft ihre Uniformen dem Abzeichen anzupassen. Markus fand die Idee richtig gut. Selbst als sie sagten das sogar schon der APC in den Farben angemalt worden war, mußte er schmunzeln. Wollte ihn aber mal sehen. Also gingen sie hin.
Als sie im Fahrzeug Hangar ankamen war aber nicht nur der APC umgemalt worden. Sondern auch der Ripper war nun in Trupp Farben Schwarz/Weiß.
„Habt ihr eigentlich Kitty gefragt ob das klar geht?“
Ein Freches Grinsen von Zero war die Antwort. Es schien das sie davon noch nichts wußte. Markus schüttelte den Kopf. Er hoffte nur, dass er nicht der erste war, der ihr über den Weg lief, nachdem sie das hier sah.

Thorsten Kerensky
15.05.2004, 02:30
Jara räkelte sich auf dem schmalen Bett zurecht und gähnte. Die letzten Tage waren anstrengend gewesen, der Anflug, die Landung, der Einzug in das HPG auf Bryant. Nebenbei zerrte ihre Trennung von Frederic, der Absturz der Totenkopf und das mangelnde Training mit Dawn an ihren Nerven. Jetzt, wo die Mechs im Hangar standen, konnte sie nicht viel tun, es war alles Sache des Majors.
Die junge Mechpilotin hasste es, nichts tun zu können. Sie hasste Passivität. Sie hasste Inaktivität.
Leise murmelnd stand sie auf, Schlaf war in dieser Nacht so oder so nicht zu finden. Dawn war bei Markus, Finn war verschollen und sonst hatte sie in dieser Einheit zwar viele Freunde und Bekannte, aber keine Ansprechpartner. Von einer inneren Unruhe geplagt, stand Jara auf und schlüpfte in ihren langen Uniformmantel, den sie aus ihres Vaters Einheit mitgebracht hatte. Der Mantel reichte bis fast auf den Boden und wenn sie den Kragen hochschlug und in die Stiefel schlüpfte, was es egal, wenn das T-Shirt und die Shorts, die sie darunter trug, zerknittert und ausgewaschen waren.
Müde verließ sie ihre Quartier und mummelte sich etwas enger in den wärmenden Mantel, während sie leise den Flur hinunterging. Jetzt, mitten in der Nacht, war die Kaserne ruhig, nur gelegentliches Schnarchen hinter ein oder zwei Türen kündete vom Leben, dass hier schlummerte.
Ohne genau zu wissen, wieso, fand die junge Mechkriegerin sich schließlich im Mechhangar wieder, wo ein paar Techs der Nachtschicht dabei waren, einen Feuerfalken zu warten. Jara nickte ihnen knapp zu und kletterte dann am Wartungsgerüst ihres Pumas hinauf, um sich ins Cockpit zu schwingen.
Sie sank in die kalte Umarmung der Pilotenliege, die einen wohlvertrauten Geruch nach altem Schweiß und Adrenalin verströmte. Sie dachte an das letzte Mal zurück, wo sie nachts in ihren Mech gestiegen war. Das war vor der verhängnisvollen Wache auf New Home gewesen, während der sie drei Zivilisten getötet hatte, die sich in die Todeszone gewagt hatten, ohne auf die Mechpilotin zu hören.
Es war an der Zeit, damit fertig zu werden, dachte Jara und aktivierte den Reaktor des Pumas. Der XL-Reaktor erwachte mit einem tiefen Brummen, dass seine Vibrationen durch den Mech und Jaras Körper schickte. Ein beruhigendes Gefühl. „Sparrow an Nachtwache!“
„Sniper hört.“, antwortete die müde Stimme von Damien Mulgrew.
Die Mechpilotin aktivierte Waffen und Sensoren. „Ich übernehme den Rest deiner Wache, geh pennen. Aber sag vorher der Einsatzleitung Bescheid.“
„Wie du meinst. Danke, nacht.“
Jara lachte leise. „Nacht, schlaf besser als ich.“
Dann brach der Funkkontakt ab und sie brachte die Steuerknüppel des Pumas langsam, ganz sachte, nach vorne und ließ den Kampfkoloss aus seiner Wartungsbucht schreiten.

Ironheart
17.05.2004, 13:32
Lagebesprechung

Offiziersmesse der SKULLRUSHER, Financial District, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
20. April 3065

Draussen tobte ein Sturm. Schnee und Hagel prasselten auf die Aussenhaut der SKULL ein, aber tief im Inneren des gewaltigen Landungsschiffes bekam das Kapitän Van der Merves, 2nd Lieutenant Dukic und die Sergeants Sagrudson und Caprese nicht mit. In der Offiziersmesse der SKULLCRUSHER war es im Gegenteil sehr ruhig, wenn man einmal vom stetigen Summen der schon altgedienten Klimaanlage und des noch älteren Holotisches absah. Die vier Teileinheitenführer hatten sich über die Karte gebeugt und diskutierten über einige der Darstellungen.
Und sie warteten. Und zwar auf den Leiter der Operationsgruppe Leipzig. 1st Lieutenant Dolittle und seine schwere Kettenpanzerlanze waren vom Sturm überrascht worden und hatten entsprechend lange gebraucht, um sich durch den Stum bis zum Landungsschiff zurück zu kämpfen.
Als sich Denny zurücklehnte und sein müdes schlaffes Gesicht massierte, konnte er ein herzhaftes Gähnen nicht unterdrücken. Fast zwölf Stunden hatte er heute mit Unterbrechungen im Cockpit gesessen und das machte sich so langsam bemerkbar. Das und die Tatsache, dass sein durchschnittlicher Schlafpegel bei knapp 3-4 Stunden lag.
Er wußte, dass er grauenhaft aussah, Hank hatte es ihm schon mehrfach gesagt. Und er konnte es in den Augen der anderen Offiziere sehen. Sie machten sich Sorgen um ihn, vielleicht sogar berechtigte. Aber Denny hatte nicht vor klein beizugeben. Er hatte hier eine Aufgabe zu erfüllen, und wenn diese erledigt war, dann konnte er sich immer noch Gedanken um sich selbst machen.
Denny war nur heilfroh gewesen, dass sie bisher viel zu viel zu tun gehabt hatten. Er wußte nicht, ob er es sonst geschafft hätte der Versuchung Rekog zu widerstehen.

In diesem Augenblick trat Dolittle ein mit einem lauten „Brrrrr, was für ein Sauwetter“ ein, warf dem Kapitän der SKULLCRUSHER – der am Holotisch stand – eine kleine Datendisk zu und schnappte sich erstmal die Kanne Kaffee und goß sich eine Tasse voll. Während Van der Merves die Disc wortlos in einen kleinen Schlitz des Holotisches steckte, schlenderte Dolittle zu diesem hinüber und setzte sich unter lautem Ächzen.
Über der dreidimensionalen Darstellung von Leipzig, die momentan gezeigt wurde, blinkte das Wort `Update` ein paar Mal rot auf und man konnte gut erkennen, wie sich ein Sektor der Karte langsam veränderte. Ehedem makellose Darstellungen von Hochhäuser wurden ersetzt durch halb zerfallen Betonruinen. Freie Strassen verwandelten sich in unpassierbare Schutthalden und ganze Wohnblöcke verschwanden und machten Wäldern von heimischen Pflanzen Platz.
Als der Transformationsprozess geendet hatte, entsprach ein weiterer Teil ihrer Karte der rauhen Wirklichkeit des Leipzigs von 3065.
„So“ legte Dolittle los, nachdem er ein paar Mal an seinem Kaffee genippt hatte „der südliche University District ist damit auch neu kartographiert. Die Evansbrücke über den Moreno-Fluss ist tatsächlich noch intakt und benutzbar, aber sie scheint die einzige der großen Brücken zu sein, die die Stürme hat überleben können.“
Denny nickte knapp, ehe er bestätigte. „Ja, einige der Brücken stehen zumindest noch rudimentär, und wären zumindest für unsere sprungfähigen Mechs nutzbar, aber der Rest ist für Fahrzeuge nicht passierbar.“
„Ähm, Doc?“ Sergeant Sagrudson unterbrach die beiden ranghöchsten Truppenkommandeure fröhlich grinsend als befänden sie sich auf einem Picknickausflug und als würden sie gerade besprechen, was es zum Nachtisch gäbe. „Willst Du uns vielleicht mal endlich sagen, wo wir eigentlich hin müssen?“
Der alte Panzerfuchs grinste zurück und zauberte eine zweite Datendisk aus seiner Jackentasche. „Kannst es wohl nicht erwarten, was Sagrud?“ Dieser zog unschuldig lächelnd seine Schultern hoch, während Van der Merves auch diese Datei in den Holotisch einlegte und der eingebaute Prozesser auch sogleich anfing die Daten einzulesen.
„Wenn sie noch ein paar dieser Dinger haben, dann rücken sie sie jetzt raus, o.k.? Ich hab keine Lust, das das ganze hier länger dauert als nötig.“ Der Skipper war seit ihrer wenig rühmlichen Landung äußerst gereizt und barsch gewesen und jeder hier konnte das gut verstehen. Noch waren nicht alle Reperaturarbeiten abgeschlossen und zu allem Überfluss hatten Sie auch die Ursache für den überraschenden Triebwerksausfall nicht eindeutig identifizieren können. Also machten alle so gut es ging einen Bogen um den momentan etwas mürrischen Kapitän der SKULLCRUSHER.
„Sorry, Skipper. Das war die letzte für heute.“ Und während er den Kapitän beschwichtigte, tauchte weit im Osten ihrer jetzigen Position ein rot pulsierender Punkt mitten in den Bloomingdale Heights auf.
Denny beugte sich ein Stück vor und schaute sich die Position der geheimen Sternenbundforschungsanlage etwas genauer an. Das diese sich unterirdisch befand, hatte er gewußt und daher war er nicht sonderlich überrascht den roten Punkt mitten in der Darstellung der kleinen Erhebung im Osten zu entdecken.
Das schien aber nicht für alle gegolten zu haben. „Die ist ja unter der Erde?“ fragte Sagrudson skeptisch nach und Doc nickte, während er den Ausschnitt näher heranzoomte.
„Ja, um genau zu sein knapp fünf Stockwerke unter der Erde!“
„FÜNF Stockwerke?“ keuchte der Pioniersergeant.
„Wo liegt das Problem?“
„Wo das Problem liegt? Naja, es heißt wir sollen den Satelliten bergen, wenn wir ihn finden. Aber wie sollen wir ihn fünf Stockwerke hochbekommen?“
„Tja“ Doc zuckte grinsend mit den Schultern „wir sollen ihn bergen, wenn möglich. Ich denke, ihr werdet euch dann etwas einfallen lassen müssen, wie ihr das Ding hochbekommt und wenn nicht, sammelt ihr die Pläne ein und vernichtet die Anlage und den Prototypen.“
Ein kalter Schauer lief Denny über den Rücken, als ihm klar wurde, dass Sie über die eventuelle Vernichtung von LosTech redeten. Seit dem Zerfall des Sternenbundes vor einigen Jahrhunderten war die Innere Sphäre alles in allem genommen immer tiefer ins Chaos gedriftet und es gab nicht wenige technologische und medizinische Erfindungen, die durch den jahrhundertelang anhaltenden Zerfall unwiederbringlich oder zumindest für lange Zeit verloren waren. Das sich die Chevaliers an so einem Frevel wie der Vernichtung eines dieser unschätzbar wertvollen Wundern der Technik beteiligen würden behagte Denny überhaupt nicht.
Sagrudson schien auch nicht sonderlich begeistert zu sein, wenn auch aus ganz anderen Gründen. „Also ich frage mich immer noch, wie wir das hinkriegen sollen? Ich meine ich habe gerade mal fünf Trupps zur Verfügung und keiner von uns weiss, was uns da draussen noch alles erwartet.“ Denny konnte Sagrudson Bedenken sehr gut nachvoll ziehen. Die Mission war an sovielen externen Faktoren geknüpft, dass es schwer werden würde, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Doch erst mussten sie das Ding überhaupt finden, dann konnten sie sich immer noch Gedanken darüber machen, was Sie damit anstellen würden.
Und Doc schlug in dieselbe Kerbe. „Ich bin mir sicher, dass dir schon was passendes einfallen wird, Sagrud.“ Doc grinste breit und Sagrud liess sich davon auch anstecken und nickte zur Bestätigung.
„Also“ fuhr Doc fort „jetzt müssen wir nur noch klären, wie wir da rüber kommen. Die Brücken über den Liquorice River sind allesamt zerstört. Wie siehts mit den Tunneln aus?“
Denny zögerte, bevor er antwortete. Sein Verhältnis zu Mechtunneln war seit seiner Zeit auf Solaris etwas gestört. Und auch wenn die damaligen Geschehnisse fast fünf Jahre zurücklagen, so baute sich automatisch der Anblick von brennenden Kampfmaschinen auf engstem Raum vor seinem geistigen Auge auf.
Daher war es Sergeant Caprese von den Kommandos, die stattdessen zuerst das Wort ergriff. „Wir haben den südlich von unserer jetzigen Position gelegenen Eingang gecheckt. Hier scheint es sich um ein Dead-end zu handeln. In beiden Richtungen ist der Tunnel eingestürzt und dort kommen wir nicht weiter, Sir.“
„Dafür kommt aber auch keiner aus dieser Richtung so fix an uns ran, oder? Und Greta, nennen sie mich endlich Doc, o.k.?“
Die stellvertretende Sergeantin der Kommandotruppen – die überdies für ihre übergenaue Art bekannt war – verdrehte nur die Augen statt zu antworten. Dukic ergriff die Gelegenheit beim Schopfe und nahm das Wort wieder an sich. „Wenn sich jemand von dort anschleichen will, kann er das immer noch tun, da er durch die ganzen Hügel und gedeckt von all dem Metallschrott fast unbemerkt an uns heran kommen könnte.“
„Nun, dazu müßte er aber wissen, wo wir sind, Three-D.“ Er trank noch einen Schluck und zeigte auf den Tunneleingänge im Norden. „Was ist mit diesen?“
Diesmal antwortete Denny ohne zu zögern. „Die drei sind alle o.k. Hank und ich sind sie durchgegangen bis hinüber zu den Bloomingdale Heights. Auf die Art und Weise kommen wir hinüber.“
Denny verschwieg allerdings, dass ihm die ganze Zeit über recht mulmig zumute gewesen war. Mehrfach hatte er das unbestimmte Gefühl gehabt, beobachtet zu werden ohne ein Anzeichen auf Leben dort unten zu entdecken. Und ein paar Mal hatte er gedacht, Mechsignaturen entdeckt zu haben. Aber jedesmal, wenn er diesen `Geistern` gefolgt war, waren die Signale verschwunden. Er hatte diese Umstände auf seine allgemeine Müdigkeit, die schwierigen Bedingungen für die Sensoren und seine Phobie gegen Tunnel geschoben. Und daher hatte er auch nicht vor seinen Kameraden von den Gespenstern zu erzählen, die er zu sehen geglaubt hatte. Wenn er etwas jetzt nicht gebrauchen konnte, dann war es von seinen Kollegen noch schiefer beobachtet zu werden als er es wahrscheinich eh schon wurde. „Die Tunnel sind intakt und passierbar, allerdings würde ich empfehlen wir wechseln erst im University District in die Tunnel, da die Abschnitte vorher für Fahrzeuge schwer passierbar sind.“
„Gut.“ Doc nickte und wandte sich dann so vorsichtig und sensibel wie möglich an den Kapitän. „Skipper, wie gehen die Reperaturen an der SKULL voran?“
Van der Merves blickte hinüber zu Sagrudson, der an seiner statt antwortete. „Wir haben mit Hilfe der Crew die meisten Probleme behelfsmäßig behoben und könnten uns gleich morgen auf den Weg machen.“
Jetzt führte der Skipper weiter „Die SKULLCRUSHER ist startbereit, auch wenn wir die Fehler der Triebwerke 2 und 4 noch nicht gefunden haben. Die Pioniere haben uns dankenswerter Weise bei der Reperatur der äußeren Schäden unterstützt. Ich und meine Crew werden uns nun bis zu unserem Abflug darauf konzentrieren, die Fehler zu finden und zu beheben.“
„In Ordnung“ Doc stand auf und bewegte seine Hände in die holographische Darstellung von Leipzig. „Sobald dieser Sturm abflaut – und das dürfte bei den hiesigen Verhältnissen irgendwann morgen der Fall sein – macht sich die Bergungsgruppe auf den Weg. Sagrud, einer deiner Trupps sollte trotzdem hier bleiben und die Reperaturarbeiten weiterführen. Der Rest macht sich mitsamt eurem umgebauten Bergelaster und eurem schweren Räumgerät auf den Weg. Greta, dein Kommondotrupp wird die Pios begleiten und notfalls für Infanterieunterstützung sorgen. Three-D, ihre Scoutmechs werden die Pios und die Kommandos bis vor die Tore der Forschungsanlage begleiten. Meine Panzer begleiten euch bis zu eurem Einstieg in das Tunnelsystem, dann werden wir aber wieder zurück zum Landungsschiff, um unsere Leute hier zu schützen. Noch Fragen?“
Doc blickte von einem seiner Teileinheitsführer zum nächsten. Keiner von Ihnen machte Anstalten eine Frage zu stellen, also klatschte er in die Hände und entliess seine Leute mit den Worten: „Also an die Arbeit, informiert eure Leute und lasst uns morgen loslegen.“
Denny nickte matt ohne die geringste Freude in seinem Gesicht. Auch wenn sich Doc die größte Mühe gab seine Leute zu motivieren und Zuversicht auszustrahlen, so zeigte es bei Denny trotzdem keine Wirkung. Irgendwie wurde er ein dumpfes Gefühl der Vorahnung nicht los, dass dieser Auftrag nicht positiv enden würde.
Er konnte nicht sagen woran das lag. Alles was er tun konnte, war zu hoffen, dass er sich irrte.

AS-Angelfist
21.06.2004, 23:06
Der Aufbruch

Bryant Chaos March
Kaserne der Chevaliers

Drei Tage nach dem Befehl vom Chef ließ Markus seinen Trupp in der Sporthalle antreten.
``Es wurde Zeit´´, dachte er.``Dies ist der Augenblick, wo wir meine gehorteten Ausrüstung Gegenstände brauchen werden.´´
Keiner aus seinem Trupp wußte worum es ging.
„So da die Zeit des Abfluges näher rückt werde ich nun Spezialausrüstung für den Auftrag ausgeben.“
Alle schienen etwas verwirrt zu sein. Wo sollte er neue Ausrüstung her bekommen haben? Aber keiner sagte ein Wort.
„Als erstes werden Mareike und Josh nicht mitkommen.“
Der Trupp nickte. Sie hatten sich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen und mußten deshalb unter ärztlicher Aufsicht bleiben.
„Keine Sprüche, Zero klar?“„Och Sergeant, warum werde ich immer bei so was angesprochen, ich bin nicht viel schlimmer als alle anderen auch.“
Alles fing an zu Lachen.
„Zero ... „
„Jawohl Sir, keine Sprüche“, lässig und mit einem Grinsen salutierte Zero.
Markus seufzte.

„Ok nun aber der Grund warum wir hier sind.“
„Draußen schneit es und wir frieren?“, fragte Zero
„Zero, halt die Klappe.“
„Jawohl, Sir.“ Wieder grinste Zero. Er wuste das ab und an ein Spruch die angespannte Stimmung heben konnte.
„So also jetzt aber.“ Markus grinste und zog seine Kiste nach vorne. Die Kiste kannten alle, aber noch nie jemand hatte den Inhalt gesehen oder auch nur danach gefragt.

„So für den Auftrag lege ich folgende Aufgaben Bereiche fest.
Bob, du wirst deine kleine Susi einpacken.
Mike, du nimmst das kleine MG mit.
Ralf und Zero, ihr nehmt zusätzlich zu euren Sturmgewehren noch jeweils einen KSR Werfer mit.
Antonio, du bekommst das Sniper.
Tim, du nimmst den Aufsatz für das Sturmgewehr, ich möchte jemand mit einem Granatwerfer haben.
Haben alle ihre Aufgabe verstanden?
„Jawohl, Sir!“, riefen alle Gleichzeitig.

„So nun kommen wir zu der Ausrüstung die ich hier habe.“
Alle schauten gespannt zu wie Markus die Kiste öffnete. Leider konnten sie nichts sehen, da der Deckel zu ihnen zeigte und den Inhalt noch vor ihnen verbarg.
„Antonio. Hier, nimm das Gewehr. Dazu noch dreissig Schuß. Zwanzig Schuß APDS und Zehn Schuß HEAP. Wenn du die durch hast, kannst du das Gewehr wegwerfen. Weil zum einen, werden wir nie an die Munition kommen und zum Zweiten hat die Waffe eh eine begrenzte Lebensdauer.“
Alle schauten etwas verwirrt.
„Sir, was für Munition?“
Markus war überrascht. Er hätte nicht gedacht, das sie diese Munition nicht kannten.
„Also, ich erkläre mal kurz was APDS ist. Das ist eine Abkürzung für Armor-Piercing Discarding Sabot bedeutet Panzerbrechende, mantelabwerfende Munition. HEAP bedeutet, High-Explosive-Armor-Piercing. Hochexplosive Panzerbrechende Munition. Im Grunde ähneln sich beide Munitions Arten. Nur das die HEAP Munition eine Weiterentwicklung ist.“
Antonio nahm mit staunenden Augen das Gewehr mit der Munition entgegen und reihte sich wieder ein.
„Für den Rest, habe ich hier nur ein paar Pakete mit APDS Munition.
Tim, sorge dafür das alle Magazine aufgefüllt werden, ebenso an das LMG denken, das nutzt die selbe Munition.
Für dich, Bob, habe ich auch was. Da wir ja wissen das du nicht unbedingt zu denen gehörst die sparsam mit der Munition umgehen können, bekommst noch einen Shredder, falls dir mal die Munition ausgehen sollte. Nicht das du noch auf die Idee kommst mit deiner Semi Portable nach dem Gegner zu werfen.“
Alles mußte lachen.
Für sich selber nahm er ein Impuls-Lasergewehr und seinen Sternenbund Infanterie-Kampfhelm aus der Kiste. Als Seitenwaffe wählte er die Laserpistole.
Markus machte die Kiste wieder zu. Ließ sie aber stehen, da sie nun leer war.
Der Trupp bekam große Augen als sie den Helm und das Gewehr sahen, aber niemand sagte etwas.

„Tim, um 2000 machen wir noch mal ein letztes Antreten. Sorgen Sie dafür das alle anwesend sein werden.“
„Jawohl, Sir.“
Darauf hin verließ Markus die Sporthalle und ging zurück zu den Unterkunftsblöcken.
Es schneite wieder und sein Atem kondensierte und bildete kleine Wölkchen. Auf dem Weg zurück kam er an Kittys Ripper vorbei, den die Techniker gerade aufrüsteten.

Niemand konnte sagen, was sie finden würden. Doch viel Hoffnung hatte keiner. Selbst wenn die Skull nicht beim Aufprall zerschellt war, war wohl kaum noch genug von ihr über, um damit den Frachtraum der wesentlich kleineren Boreas zu füllen.
Nur Kitty sah er nicht. Sie wollte sich das Elend bestimmt nicht anschauen. Er erinnerte sich wie sie getobt hatte, bei der Besprechung, aber sie mußte sich dem Befehl vom Boß beugen. Auch wenn sie viele Gründe aufgeführt hatte, das der Ripper nicht dafür geeignet war.


Markus wuste nicht wie lange er dort stand, aber als er weiter ging war er, von einer leichten Schnee Schicht überzogen. Er klopfte sie ab und ging erst mal ins Unteroffieziersheim, um sich bei einem Heißen Kakao mit Sahne aufzuwärmen.

Um 2000 war er pünktlich wieder in der Sporthalle um ein letztes mal seinen Trupp einzuweisen.
„So, Herrschaften. Das ist das letzte Mal, das wir für die nächste Zeit in einem Bett schlafen werden. Ich ordne hiermit Bettruhe ab 2100 an. Ich habe den UVD angewiesen, alle die er von euch erwischt die nach 2100 auf dem Gelände sind, mir morgen früh zu melden. Ich hoffe für euch das ich keine Meldung bekomme.
So, Tim wieviel Munition ist insgesamt vorhanden?“
„Sir, für jeden sind fünf Magazine voll geworden, sowie 3 Gurte für das LMG.“
„Danke. Laßt euch noch jeweils fünf volle Standard Magazine geben. Das muß dann reichen.
Bob, dir rate ich zu 6 Kisten. Nicht das du nachher doch nichts hast.
Noch letzte Fragen?
Keine? Gut. Morgen früh pünktlich um 0700 stehen alle mit voller Kampfmontur beim Ripper.
Und denkt daran, morgen früh zu frühstücken. Wir halten für keinen an einer Frittenbude.“
Schallendes Gelächter antwortet ihm.
„So das war’s, Weggetreten.“

Alle verließen die Halle. Und gingen danach in verschiedene Richtungen davon.
Markus genoß noch einmal die Ruhe, bis er angesprochen wurde.
„Sir, ich habe mal eine Frage.“ Markus drehte sich um und sah Zero neben sich stehen.
„Schieß los.“
„Sir, ich weiß das die Frage eigentlich überflüssig ist, aber woher haben Sie die Waffen und die Munition? Ich konnte einen Blick auf das Sniper Gewehr von Antonio werfen. Und es hatte keine Seriennummer. Selbst die Munition verfügte über keinerlei Herstellerkennzeichen.“
„Eine lange Geschichte. Wenn ich Zeit habe werde ich sie mal erzählen.“
Markus drehte sich um und wollte gehen.
„Kann es sein das die Bemerkung in ihrer Akte und das irgendwie zusammen hängen?“
Markus Bewegung erstarb und er drehte sich langsam zu Zero um.
„Ich weiß auch, das die Skye Jäger keine Airborn Ranger haben. Also bleibt nicht mehr viel übrig.“
Markus sah Zero an „Ich war bei den Skye Jäger. Es gibt auch Einheiten die nicht auf einem Stück Papier stehen. Und um die Frage gleich vorweg zu nehmen, da du ja anscheinend meine Akte kennst. Ich wurde entlassen, weil ich einen Befehl nicht befolgt habe, aber statt dessen den Offizier erschoß, der mir den Befehl gab. Ich hoffe die nicht gestellte Frage wurde geklärt.“ Markus schaute Zero eiskalt an.
Zero hatte mit dieser Wendung nicht gerechnet. Aber das bewies auch, das der Sargent mit seinem alten Leben abgeschlossen hatte. „Immerhin gut zu wissen das Sie nicht bei Loki waren, Sir.“ Zero salutierte und verschwand im fallenden Schnee. Markus war sich nicht sicher ob das grade klug war, was er getan hatte, aber es war passiert. Er konnte nun nichts mehr daran ändern.
Er ging zurück zur Baracke und beschloß zu duschen und dann auszuschlafen. Vielleicht das letzte Mal, das er das konnte.

Markus wachte mitten in der Nacht auf. Nicht durch ein Geräusch oder ähnliches. Es war ein Gefühl was ihn wach machte. Ein Gefühl, Dawn nie wieder zu sehen . Seit dem Befehl vom Boß ging sie ihm aus dem Weg. Er wußte warum, konnte aber nichts dagegen machen.
Er schwang sich aus dem Bett, zog sich an und ging hinaus in den Schnee. Vielleicht würde er hier in der Kälte eine Antwort finden, die ihm bisher verwehrt wurde.
So stand er auf der Wachmauer und sah hinüber zur Stadt. Langsam wurde sie von dem Schnee zugedeckt. Nur auf den wichtigen Straßen sah man Menschen die bemüht waren sie frei zu halten. Das Wort frei bekam bei dem Anblick eine neue Bedeutung. Er fröstelte und beschloß wieder ins Bett zugehen. Vielleicht konnte er nun besser schlafen.

Am nächsten Morgen.

Der gesamte Trupp stand mit vollem Gepäck bereit.
Nach Anweisung von Dominik luden sie ihre Ausrüstung in den Ripper. Sie waren nach kurzer Zeit fertig. Nun warteten sie auf Markus.
„Ich glaub, der will nicht mit Kitty fliegen“, sagte Zero.
Er erntete nicht nur von Kitty einen mehr als bösen Blick, sondern auch schallendes Gelächter, als er kurz darauf einen Schneeball abbekam. Da aber keiner so schnell beigab, endete es in einer kleinen Schneeballschlacht.
Die erst beendet wurde, als Markus zusammen mit einem Bryanter Soldaten auftauchte. Auf den ersten Blick wirkte er unscheinbar, trotz seiner stattlichen Größe von ein bestimmt 190cm. Dunkle Haare umrahmten ein Bärtiges Gesicht. So wie er aussah, war er bestimmt kein Schreibtisch Soldat.

Der Trupp einschließlich Kitty und Dominik war voller Schnee. „Kann man euch nicht mal Fünf Minuten alleine lassen“, schimpfte Markus, „Ihr benehmt euch wie kleine Kinder.“
Keiner sagte was, allen war klar das es Markus peinlich war, wie sie sich eben verhalten hatten. Kitty und Dominik verzogen sich in den Ripper und ließen den Trupp im wörtlichen Regen stehen.

„So, das hier ist Leutnant Dubrovnik. Er ist dafür zuständig, das alles seine Ordnung hat. Außerdem dient er uns als Vermittler. Ich verlange, das der Leutnant mit dem ihm gebührenden Respekt behandelt wird. Haben wir uns verstanden?“
„Jawohl, Sir“, erklang es gleichzeitig.
„Dominik, übernehmen Sie das Gepäck von dem Leutnant. Verstauen Sie es ordentlich.“
Dominik kam aus dem Ripper und murmelte irgend etwas vor sich hin, was aber zum Glück keiner verstand. Aber als Antwort bekam er einen strafenden Blick von Markus.
„Ich werde meine Tasche selber in den Hubschrauber bringen, wenn sie gestatten“, sprach der Leutnant.
„Sicher, natürlich“, antwortet Markus.

„Aufsitzen“, befahl Markus und alles bestieg den Ripper. „Herr Leutnant, wenn sie einsteigen würden.“
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, stieg der Leutnant ein. Es dauerte noch zehn Minuten bis Dominik die Tasche des Leutnants verstaut hatte. Weil er sie auf keinen Fall aus den Augen verlieren wollte.
Aber endlich ging es los.
Sie konnten hören wie Kitty das Triebwerk startete und der Rotor immer schneller wurde, bis nur noch ein leises Singen zu hören war.

Ironheart
28.06.2004, 18:46
Leipziger Tunnel

In den Mechtunneln unterhalb des University District, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
26. April 3065

Missmutig kletterte Denny aus seinem Cockpit und kletterte langsam an der Hängeteiler seines Firestarter II hinunter. Als er so gut wie unten angekommen war, sprang er mit einem Satz auf den feuchten, matschigen Untergrund und wäre dort beinahe ausgerutscht, konnte sich aber gerade noch halten. Er zog den Reissverschluss seines Chillsuit – einer wärmeisolierenden Montur in Form eines dünnen Trainingsanzugs – bis zu seinem Kinn hoch. Hier in den Tunneln von Leipzig war es zwar nicht ganz so kühl wie im steifen Wind an der Oberfläche, und zum Glück erst recht nicht so kalt wie in Brein oder noch schlimmer Tscheljabinsk, doch in seiner normalen Mechkrieger-Ausrüstung hätte er trotzdem nach kurzer Zeit jämmerlich gefroren. Von subtropischen Temperaturen konnte zumindest im Moment nicht die Rede sein, zumal im Augenblick die Jahreszeit mit den heftigsten Stürmen gekommen war.
Mürrisch steckte er die kalten Finger in die Taschen seines Chillsuit und machte sich auf den Weg zu einer kleinen Menschentraube, die nur 30 Meter entfernt an dem Ufer eines kleinen Sees mitten im Tunnel stand.
Nachdem sie einige Tage durch die anhaltenden Stürme, die in Form von Orkanböen und heftigen Regenfällen einherzugehen schienen, aufgehalten worden waren, hatte sich der Bergungstrupp vor drei Tagen endlich auf den Weg machen können. Doch dann waren Sie von einem neuerlichen Sturm, der wie aus dem Nichts gekommen zu sein schien, gezwungen worden in einem unpassierbaren Tunnelgang Unterschlupf zu suchen.
Erst gestern im Verlaufe des Abends war der Sturm abgeflaut und Sie hatten sich wieder auf den Weg machen können. Die Panzer um Doc Dolittle hatten ihren Rückweg zur Skullcrusher angetreten und Denny hoffte, dass Sie gut durchkommen würden. An sich waren die Panzer – sogar noch mehr als die Mechs – nicht so leicht durch die Stürme zu beeindrucken. Selbst Wingeschwindigkeiten von 100 km/h oder mehr konnten den Panzern nicht viel anhaben. Aber die Stürme hier auf Bryant konnten auch gut und gerne mal Orkanböen von 150 km/h oder mehr hervorbringen, was zu einstürzenden Betonmassen verlassener Häuser führen konnte. Außerdem bargen die Wassermassen, die die Hurrikans so mit sich führten, speziell für die Panzer die Gefahr die ohnehin schon in schlechtem Zustand befindlichen Strassen Bryants in eine einzige Geröll- und Schlammlandschaft zu verwandeln. Und einen zig-Tonnen schweren Panzer wieder zu bergen, der erst einmal im Geröll versunken war, war beileibe kein einfaches Unterfangen.
Somit hatte die Bergungsgruppe gerade einmal knapp die Hälfte der 20 Kilometer zu ihrem Ziel in den letzten drei Tagen hinter sich gebracht und Denny war wütend darüber, dass Sie so lange brauchten. Und damit war seine Laune ausgesprochen gereizt, als er sich zu Sergeants Sagrud, Caprese und Tsuno gesellte. Der Mechtunnel war in Dunkelheit gehüllt, nur erhellt durch die Scheinwerfer der Mechs, der Lastwagen der Pioniere und des APC´s der Kommando´s. Denny erkannte, als er sich umsah, dass die alten Mechtunnel sich im Grunde besser gehalten hatten, als man das für möglich halten konnte. Immerhin waren die Tunnel schon lange nicht mehr in Betrieb und die mandelnde Wartung hinterliess ihre Spuren. Doch im Großen und Ganzen – bis auf ein paar wenige Ausnahmen durch eingestürzte Decken - waren die Tunnel begehbar.
Zumindest für Battlemechs.
„Warum haben wir schon wieder gehalten?“ fragte er griesgrämig in die Runde.
„Wir kommen hier nicht weiter!“ antwortete Sagrud und zeigte hinüber zu dem kleinen See, der sich anscheinend an der tiefsten Stelle des Tunnels unterhalb des Liqourice-River gebildet hatte.
„Ist der Tunnel undicht?“ fragte Denny besorgt, denn das Wasser an dieser Stelle war bei ihrem ersten Durchgang vor ein paar Tagen nicht annähernd so tief gewesen. Nichts wäre jetzt ein größerer Horror als das der Tunnel über ihnen zusammenbrechen würde und die Wassermassen des Flußes sie mit Sicherheit begraben würden. Für den Großteil seiner Leute würde das das Todesurteil bedeuten.
„Nein,“ beruhigte Sagrud „ich denke, dass der heftige Regenfall des letzten Sturmes das Wasser hier reingespült hat. Und da die Kanalisation bzw. die Abwasserpumpen hier sicher nicht mehr funktionieren, wird es wohl eine Weile dauern, bis das Wasser absickert. Ich denke wir sollten hier erst einmal kampieren.“
„HIER KAMPIEREN?“ Denny riss langsam die Hutschnur und er brüllte den Sergeant unvermittelt an, woraufhin dieser ihn wütend anfunkelte. Doch Denny war auf hundertachtzig. Sie kamen dermaßen langsam voran, dass er sich mittlerweile Sorgen machte überhaupt anzukommen. „Wie viele Pausen wollen Sie denn noch einlegen, Mann? Wenn wir so weiternachen sind wir ja nächstes Jahr noch hier.“
„Haben Sie es eilig, Lieutenant? Sind sie verabredet?“ fragte Sagrud frech, mittlerweile ebenfalls verärgert.
„Ja, ich will diesen Scheiss Satelliten finden und dann nichts wie weg von hier. Also haben wir keine Zeit alle 5 Kilometer ein Picknick zu machen, verflucht nochmal.“
„Was sollen wir denn sonst machen?“ knirschte Sagrud zurück „Wir kommen nicht auf die andere Seite des Flusses. Die Brücken sind zerstört und abgesehen davon, dass wir keine Ponton-Brücke dabei haben, wäre die eh nicht lang genug um über den Liqourice-River zu kommen.“
Zerknirscht schüttelte Denny den Kopf. „Dann müssen wir wieder zur Skull zurück und mit ihr auf die andere Seite rübersetzen.“
„Wo sollen wir denn drüben landen? Die einzige Möglichkeit ist südlich der Westbanks, was noch weiter vom Ziel weg läge als hier. Und da gäbe es keine ordentliche Deckung für uns auf dem Weg zur Forschungsanlage noch für die Skullcrusher selbst.“
„Wenn wir nicht so elend rumtrödeln würden, dann…“
„Wir trödeln nicht, Sir!“ fiel ihm Sadrud ins Wort, und dabei klang das „Sir“ mehr als respektlos.
Denny reichte es jetzt. Er holte tief Luft und war kurz davor zu explodieren. Doch ein zartes ruhiges Räuspern an seiner Seite liess ihn zögern. „Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte, Dukic-San?“ Denny blickte seine stellvertretende Lanzenchefin einen Augenblick an, dann nickte er nur wortlos.
Miko Tsuno nickte zurück und begann mit leiser, aber fester Stimme. „Sergeant Caprese, dieser Wartungstunnel dort drüben“ sie zeigte mit dem Arm in eine hintere schwach ausgeleuchtete Tunnelöffnung an der Seite „wäre der eventuell breit genug für die Lastfahrzeuge?“
Die Kommandosoldatin nickte kurz. „Sieht so aus. Vielleicht sollten meine Leute das mal untersuchen? Eventuell könnten wir den See hier dadurch umgehen.“
„Also gut, Sergeant. Nehmen Sie ein paar der Pio´s und ihre Kommandos mit und untersuchen sie den Nebentunnel. Vielleicht ist er ja wirklich nutzbar,“ befahl Denny, der sich inzwischen wieder beruhigt hatte. Sein Zorn hatte sich – genau wie der von Sagrud – inzwischen etwas gelegt. Doch irgendwie hatte er den Eindruck, dass er sich mit seinem Verhalten wieder einmal nicht gerade Freunde gemacht hatte.
Aber solange Sie den Einsatz erfolgreich zu Ende brachten, war ihm das egal.

************************************************** ***********

Ein paar Stunden später sassen die Soldaten des Bergungstrupps um ein paar improvisierte Lagerfeuer herum am Ufer des unterirdischen Sees. Sergeant Caprese und ihre Leute waren gerade erst wieder zurückgekehrt und erstatteten den anderen Teileinheitsführer Bericht. Dabei stocherte Caprese mit einem langen Stück Treibgut im dunklen Schlamm vor Ihren Füßen herum während die Lagerfeuer und Lichter der Fahrzeuge ein Sammelsurium an Schatten an die Wände der Mechtunnel warfen.
„… in diesem Abschnitt ist zwar auch Wasser eingedrungen, aber wir sind die Strecke abgegangen und für die Fahrzeuge herrscht keine Gefahr. Das Wasser ist an diesen Stellen nirgends tiefer als 20-30 cm.“
„Gut,“ nickte Denny „das klingt sehr gut, machen wir uns also wieder auf den Weg.“ Er wollte schon wieder aufstehen, als ihn die Kommandosoldatin mit einer verzerrten Miene innehalten liess. Irgendwas war da noch.
„Sir, eins noch. Wir haben Spuren dort unten gefunden…“ Sie machte eine kurze Pause, um die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden zu erhalten, die teilweise in leise Gespräche vertieft gewesen waren. Ein paar in der Nähe stehende Soldaten kamen herüber und stellten sich ebenfalls um Sergeant Caprese herum.
„Was für Spuren?“
„Fußspuren, vielleicht 5-6 verschiedene. Könnte leichte Infanterie sein, wahrscheinlich Scouts. Vielleicht aber auch nur Zivilisten.“
„Wo?“ fragte Denny und Caprese zeigte auf einen Punkt in etwa auf halbem Wege zwischen zwei Einfahrten für Wartungsfahrzeuge. Die Konstrukteure der Tunnel hatten neben dem eigentlichen Mechtunnel einen parallel verlaufenden Tunnel für Fahrzeuge gebaut, damit sich Mechs und Fahrzeuge nicht ins Gehege kommen konnten. Zwischen dem Mechtunnel und dem Fahrzeugtunnel gab es alle 200 Meter eine Durchfahrt und auch weitere Notausgangstunnel und weitverzweigte Belüftungsschächte, die immerhin Mannshoch waren. Sollte sich da draußen tatsächlich jemand befinden, würden Sie ihn niemals finden können. Es sei denn, das Sie gefunden werden wollten.
„Wer will sich hier schon freiwillig aufhalten?“ fragte Sagrud mit besorgter Miene und verschränkten Armen vor der Brust.
„Flüchtlinge, Rebellen, Plünderer? Es könnten alle möglichen Leute sein. Und wer sagt schon, dass Sie freiwillig hier sind. Ich denke besser hier unten als an der Oberfläche, oder?“
„Was ist mit Bryant´s Truppen?“ fragte Miko.
„Eher unwahrscheinlich“ schüttelte Denny den Kopf „aber komplett ausschliessen können wir es sicher nicht. Aber wenn Sie uns auf den Fersen sein sollten, müssen wir auf der Hut sein.“ Denny massierte sich das Gesicht. Das Ganze gefiel ihm ganz und gar nicht. Falls Ihnen irgendjemand im Nebentunnel eine Falle stellen wollte, würden die Mechs Ihnen nicht mal zur Hilfe kommen können. Aber hier kamen Sie auch nicht weiter. Es war an der Zeit eine Entscheidung zu fällen und Denny war sich der Blicke der anderen durchaus bewußt. Doch er liess sich Zeit bei der Entscheidung. Sollten Sie zurück und einen vermeintlich sichereren Weg wählen. Oder sollte er die Pio´s und Kommando´s durch die Tunnel schicken und damit vielleicht in den Tod?
„Na, 3-D, wat is´ nu?” mischte sich jetzt Hank ein. „Wir woll´n ja hier nich´ Wurz´ln schlag´n, ne?“
Denny nahm langsam die Hand von den Augen und schaute sich langsam um. „Gut Sergeant Caprese, bringen Sie die Pio´s heil durch. Aber beim geringsten Anzeichen von Ärger kommen Sie wieder zurück. Ich will keine Heldentaten, ist das klar?“
„In Ordnung, Sir! Wir werden das Kind schon schaukeln“ grinste Caprese und trommelte gleich im Anschluss ihre Leute zusammen.
Denny schaute der burschikosen Soldatin hinterher und hoffte, das er die Leute nicht geradewegs in den Untergang geschickt hatte.

************************************************** ******

Sergeant Greta Caprese beobachtete die Ihnen vorangehenden Soldaten durch die Infrarotanzeige ihres Nachtsichtgerätes. Trotz der Schweinwerfer der Fahrzeuge der Bergungsgruppe war der Paralleltunnel stockduster. Alles was mehr als 30 Meter vor Ihnen lag, war nur schemenhaft erkennbar. Was die rechts und links abgehenden Wartungsschächte und Notausgänge anging, war es noch schlimmer. Dort wo man in die Gänge hineinsehen konnte, erkannte man Einzelheiten bis zu drei Meter voraus. Alles weitere lag in tiefster Dunkelheit.
Nachdem Sie die Fahrzeuge mühsam durch die engen Gänge manövriert hatten, waren Sie nun im Schritttempo unterwegs zum nächsten Verbindungsgang zwischen Mechtunnel und dem Paralleltunnel, indem Sie sich im Moment befanden. Knappe 75 Meter hatten Sie jetzt zurückgelegt, abld würden Sie die Hälfte der Entfernung geschafft haben. Caprese schaute sich langsam um, ihr Sturmgewehr im Anschlag, bis Ihr Blick zurück zu den hinter Ihr her schleichenden Lastkraftwagen fiel.
Das APC der Kommando´s war das erste der Fahrzeuge, das den Infanteristen folgte, dahinter der momentan leere Transportlaster der Pio´s, welcher später den Satelliten würde transportieren müssen. Danach kam der zweite Lastwagen, der die Bergefahrzeuge und die schweren Räumgeräte der Pio´s mit sich führte. Und letztlich komplettierte ein weiteres APC für die restlichen Pioniere, die nicht in den Lastwagen mitfuhren, den kleinen Konvoi.
21 Pioniere und gerade mal 12 Kommondosoldaten. Sechs sicherten vorne, einer am Steuer des APC, einer am aufmontierten MG, vier als Sicherung dahinter. Bei den Pios waren sechs der Männer und Frauen damit beschäftigt die LKW´s und den APC zu lenken, die restlischen 15 hatten sich teilweise rechts und links von den Fahrzeugen postiert, teilweise sassen sie auf Ladeflächen und sicherten so ihre Fahrzeuge.
„Keine allzu beachtliche Streitmacht“ schoss es ihr durch den Kopf. Schon ein gut eingegrabenes kleineres Infanteriekontingent konnte Sie in der Enge dieser Gänge in erhebliche Schwierigkeiten bringen. An gepanzarte Wagen oder gar Kampfpanzer mochte Sie gar nicht erst denken.
Dementsprechend fix war ihr Puls auf 180 als der Vorposten mit einem leisen „Kontakt“ in Knie ging, die rechte Faust zu einer Faust erhoben. Private Aaron Kowalski machte eine kurze Handbewegung in die Richtung in der er etwas entdeckt hatte und nahm die Waffe in Anschlag.
Sofort gingen alle Kommandos in Verteidigungsstellung und die Fahrzeuge blieben stehen. Das Knirschen auf Schlamm und Geröll erstarb und nur noch das eher leise Knattern der Motoren war zu hören.
Atemlos wartete Caprese einen Augenblick, doch als Kowalski keine Anstalten machte Entwarnung zu geben, sprintete sie leise und mit rasendem Herzen zu Ihm hinüber. Neben Ihm angekommen ging Sie ebenfalls auf ein Knie hinunter und spähte den Seitengang, den der Private im Visier hielt, hinunter.
„Bericht“ flüsterte Sie.
„IR-Kontakt, kurz“ war seine einzige Reaktion. Mehr mußte nicht gesagt werden.
„Sagrud, Rückzug vorbereiten. Aaron, Sibill, Johnny in den Gang, ich folge. Erik, Sandy ihr sichert“ gab sie die Befehle durch. Was auch immer dort vor Ihnen im Gang gewesen sein mochte, Sie mußten ihm auf den Grund gehen. Sie konnten es sich nicht leisten, daran vorbei zu laufen und dann von der Seite oder von hinten angegriffen zu werden.
Langsam gingen die vier Kommandos den Gang hinunter, sich gegenseitig Deckung gebend. Greta hatte ihre drei Kameraden vor sich und machte sich bereit, sich jeden Augenblick auf den Boden zu werfen, falls Sie unter Feuer genommen werden sollten.
Die Zeit schien sich unendlich zu dehnen, während sich sich langsam und vorsichtig den pechschwarzen Gang hinunter bewegten. Nichts war zu sehen, nichts war zu erkennen. Hatte sich Kowalski geirrt? Vielleicht war hier doch nichts gewesen.

Wie aus dem Nichts schoss urplötzlich etwas von schräg vorne auf Sie zu. Sie schreckte zusammen, riss ihr Gewehr empor und zielte auf die schnell näherkommende merkwürdig anmutende Silhuoette. Ein lautes Brüllen verwirrte Greta zusätzlich, doch bevor Sie sich weitere Gedanken machen konnte, übernahmen ihre in den letzten Monaten antrainierten Reflexe die Oberhand, wischten die Nerrvosität mit einem Schlag beiseite und ihre gesammte Anspannung schien sich gleichsam mit der gut gezielten Slave aus ihrem Sturmgewehr zu entladen. Ihre Kameraden taten es Ihr gleich und der ohrenbetäubende Lärm von vier Sturmgewehren füllte den Gang und ihre Ohren. Der wuchtige Körper vor Ihnen machte noch zwei, drei Schritte vorwärts doch dann verwandelte sich das laute Brüllen in ein wimmerndes Jaulen, ehe es ganz erstarb als der Körper rückwärts fiel und aufschlug.
„FEUER EINSTELLEN, FEUER EINSTELLEN“ schrie Greta und kaum waren Ihre Gewehre verstummt, krachte es auch schon im Funk.
„Jesus, Maria und Josef! Was WAR das…?“
„WAS zur Hölle ist los bei Euch…“
„Sergeant Caprese, BERICHT…“
Greta fuhr energisch dazwischen „RUHE IN DER LEITUNG“ dazwischen. Einen Haufen Schnatterhühner hatte Sie da bei sich. Die vier Kommandos warteten einen Augenblick auf weitere Angriffe, wechselten die Magazine falls nötig und schwenkten die Gewehre hin und her.
Erst als es ruhig blieb, insbesondere vom regungslosen Körper vor Ihnen, antwortete Caprese. „Angriff im Tunnel abgeschlagen, Situation unter Kontrolle, Caprese Over.“ Dann wandte sie sich an Kowalski, der am weitesten vorne war, aktivierte aber den Breitbandkanal, damit nicht gleich wieder der gesamte Funkverkehr losschnatterte. „Aaron, langsam vorwärts. Feuer auf eigenes Ermessen.“ Dann machten sich die vier Soldaten auf den Weg zu dem knapp 10 Meter entfernt liegenden massiven Körper. Als Greta näherkam und die riesigen Ausmasse ihres Gegners ausmachen konnte, mußte Sie unwillkürlich an einen Elementar denken. Aber das konnte nicht sein, oder doch?
Als Aaron Kowalski direkt neben dem Körper angekommen war und erkannte, dass der Typ vor ihm noch atmetete, hob er ruckartig die Waffe empor und rief „Keine Bewegung, ruhig liegen bleiben oder wir schiessen.“ Doch er erhielt nur ein schwaches Grummeln als Antwort. Der Soldat ging zögernd etwas näher. Vielleicht würden Sie dem Angreifer helfen müssen, schliesslich war dieser verwundet. Wieder war ein grunzendes Jaulen zu vernehmen, das irgendwie vertraut in Greta´s Ohren, aber nicht so richtig. Irgendetwas stimmte hier nicht.
Sie wechselte ihre Sicht von IR auf Normal und die schwachen Scheinwerferkegel der unter den Gewehrläufen montierten kleinen Lampen tauchte den blutüberströmten Leib des Gegners in ein fahles Licht. Sie kniff die Augen zusammen um genau zu erkennen, wer da vor Ihnen lag. Konnte es sein, dass ein Elementar so behaart und nackt war?
Und dann traf Sie die Erkenntnis wie ein Schlag. Genau wie auch Private Kowalski von der laut aufbrüllenden und sich noch ein letztes Mal aufbäumenden Kreatur getroffen wurde. Greta Caprese reagierte instinktiv und durch ihre Vorahnung bereits gewarnt und eröffnete laut „DECKUNG“ rufend das Feuer. Sie sah wie der sich überraschend behende aufrichtende Körper von mehreren Ihrer Kugel getroffen wurde, doch den Hieb, der Kowalski von den Beinen hob und gegen die nahe Tunnelwand schleuderte konnte Sie nicht aufhalten.
Die anderen eröffneten jetzt ebenfalls wieder das Feuer und diesmal wurde der sich vor Ihnen laut brüllende Körper förmlich von Kugeln aus nächster Nähe auf ihn eintrommelnden Kugeln förmlich zerfetzt. Zuckend wurde der Rumpf des Kolossos vor Ihnen nach Hinten geschleudert und sackte nun endgültig in sich zusammen. Greta wechselte ihr Magazin, trat an den am Boden liegenden Körper heran und feuerte noch einmal zur Sicherheit ein paar Fangschüsse auf den Schädel des Monstrums ab und hielt erst dann inne, als Sie sicher war, das das Biest nun endgültig tot war.
Als sie sich umdrehte, waren Ihre Leute schon dabei Kowalski zu versorgen.
„Wie geht’s?“
Kowalski biss die Zähne zusammen, seine Kampfmontur bis auf die Schutzweste darunter von vier tiefen Schlitzen zerfetzt, und antwortete gequält lächelnd. „Geht schon Sarge! Was zur Hölle war das?“
Caprese brauchte sich nicht noch einmal umdrehen um zu wissen, was Sie da hinten gerade erlegt hatten. „Du hast Glück gehabt Aaron“ antwortete sie und aktivierte dann den Gruppenkanal um es gleich an alle durchzugeben „Wir haben einen Bären erlegt.“
Das Keuchen in der Leitung, deutete sie zum Teil als Überraschung und zum Teil als Erleichterung. Es war gut, dass das hier keine Falle gewesen war. Auch wenn Sie sich immer noch sicher war, dass die Spuren, die sie vorher gefunden hatten, eindeutig Menschenspuren gewesen waren und nicht von Bären. Aber wenigstens hier und jetzt würde s keine Falle geben, auch wenn Sie weiterhin auf der Hut bleiben mussten.
Sie schaute zurück auf den Kadaver unweit von Ihnen und konnte nur hoffen, dass es in diesen Gängen nicht noch mehr von dieser Sorte gab. Und das der eigentliche Bär dieses Planeten, der Schatun, in seiner Höhle bleiben würde.

Ironheart
28.06.2004, 18:47
Mavericks Beitrag?

Ironheart
16.07.2004, 20:14
Bloomindale Heights

Bloomingdale Heights, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
28. April 3065

Helligkeit! Endlich wieder Tageslicht.
Denny seufzte vor Erleichterung als Sie nach endlos scheinenden Tagen endlich wieder aus den Tunneln Leipzigs an die Oberfläche kamen. Nicht dass die Oberfläche einen wahnsinnig einladenden Eindruck machte, denn es regnete erneut in Strömen. Aber zumindest waren Sie erstmal die bedrückende Enge der Tunnel los. Die Tunnel waren Denny dermaßen auf die Nerven gegangen, dass er versucht gewesen war, sich mit seinem Mech ein wenig von den anderen abzusetzen und sich eine Prise Rekog zu gönnen. Doch er hatte dem Verlangen widerstehen können, zumindest bis jetzt. Auch wenn es ihm schwer fiel und er über starke Kopfschmerzen litt. Aber noch war sein Pflichtbewusstsein stärker als sein Wunsch nach der süssen Droge.
Denny verdrängte den Gedanken und starrte gen Himmel. Es war deutlich wärmer geworden in den letzten Tagen und der Temperatursturz der letzten Woche, der auch Hagel und Schneeregen mit sich gebracht hatte, war nun vorüber. Dafür war die Landschaft mittlerweile nur noch eine einzige Schlammwüste. Zum Glück besassen die Lastwagen der Pio´s über Kettenantriebe und trotzdem mussten Sie sich weiterhin im Schritttempo durch die Strassen quälen. Denny rannte mit seinem Mech einen nahen Hügel hoch, einen der Hügel die endgültig die Stadtgrenzen Leipzig´s im Osten markierten. Von hier aus liess er seinen Blick schweifen.
Denny´s Blick glitt weiter hinunter Richtung Liqourice-River, wo er die Silhouette von Miko´s Kampffalke ausmachte, die die rechte Flanke schützte. Wenigstens waren Sie jetzt auf der richtigen Seite des großen Flusses, dessen namensgebenden pechschwarzen Wogen momentan unter schwerem Regen lagen. In der Ferne konnte er eine der zerstörten Brücken über den Liqourice erkennen, die ehemaligen Wolkenkratzer am anderen Ufer. Schnell blickte er Richtung Norden, wo Hanks Dervish IIC Ihnen den Rücken deckte und seinerseits auf einen Schutthügel geklettert war und Ausschau hielt. Da die Mechs die langsamen Infanterie-Fahrzeuge relativ schnell einholen konnten, wenn es sein musste, konnten Sie sehr viel mehr Zeit damit verwenden die Umgebung abzusuchen.
Nur Trent hielt sich im Moment nicht daran. Sein Kabuto, der die Vorhut in Richtung Süden spielte, preschte immer wieder voran und wieder zurück. So ruhig der MechKrieger in seiner Art war, so lebhaft war er, wenn er an Bord seines überaus flinken Mechs war. Denny konnte ihn im Moment weder sehen noch orten, doch er war sich sicher, dass Trent sich beim geringsten Anzeichen von Problemen melden würde.
Somit liess er seinen Blick wieder in Richtung der drei Fahrzeuge der Infanterie gleiten, die ein paar Strassun unterhalb von ihm langsam vorwärts krochen, gesichert durch die Kommandos von Sergeant Caprese. Auch wenn die restliche Reise durch die merkwürdig verzweigten Tunnelsysteme Leipzigs ohne weitere Zwischenfälle vonstatten gegangen war, so war Sie doch zunehmend nervöser geworden.
Und Denny musste zugeben, er auch.
Sie hatten noch weitere Spuren gefunden, sowohl von Bären als auch menschliche Fussspuren. Doch noch beunruhigender als das war, dass Sie sogar ein paar Battlemech Spuren entdeckt hatten. Es waren nicht viele gewesen, höchstens zwei oder drei verschiedene. Aber die Tatsache, dass dort unten Battlemechs vor nicht allzu langer Zeit entlang gelaufen waren, hatte die Chevaliers in Leipzig in allerhöchste Alarmbereitschaft versetzt. Eine Alarmbereitschaft, die noch zusätzlich davon angeheizt worden war, dass die SKULL mit ihren Passivsensoren den Überflug eines Atmosphärenaufklärers und den anschliessendes Überflug von Luftraumjägern geortet hatte.
Ob Sie entdeckt worden waren, wusste Denny im Moment nicht. Eigentlich schien das unmöglich, denn die SKULL war viel zu gut zwischen den Schluchten versteckt gewesen um sofort entdeckt werden zu können. Bei all den Stürmen war es unmöglich, dass die Flieger den Lander zwischen den Ruinen entdeckt haben konnten. Und die Flugmuster des Aufklärers und des Jägers sprachen ebenfalls dafür, dass man Sie nicht gesehen hatte. Und da mittlerweile fast zwei Tage vergangen waren und sich inzwischen weder ein Trupp der Byranter noch weitere Flieger gezeigt hatten, ging er davon aus, dass die Suche sich jetzt auf andere Sektoren konzentriert.
Trotzdem hiess es vorsichtig zu sein und die Augen aufzuhalten.

Ein Blitzen in der Ferne liess Denny aufblicken und aus seinen Gedanken aufschrecken. Im Westen sah er dicke, rötlich schimmernde Gewitterwolken auf Sie zukommen, die noch mehr Regen und einen neuerlichen Sturm versprachen.
„An alle Einheiten von Three-D, von Westen nähert sich wieder ein Sturm, wenn möglich sollten wir einen Zahn zulegen! Trent, hast Du die Anlage schon entdeckt?“
Das tiefe Grummeln des Donners, dass jetzt erst dem Blitz folgte und damit zeigte, dass der Sturm zum Glück noch ein wenig entfernt war, begleitete Trents knappe Antwort. „Ja, ich habe die Anlage entdeckt. Ihr seid noch knapp 2 Klicks davon entfernt, Richtung Süd-Südost.“
„Und? Ist die Anlage intakt?“ schaltete sich Sergeant Sagrud in den Funkverkehr ein, was Denny verärgerte. Zwischen ihm und dem Sergeant der Pioniere war eine mehr als frostige Stimmung entstanden und beide nutzten jede sich bietende Gelegenheit um das einander zu zeigen.
„Wo bei diesem unscheinbaren und verfallenen Bürokasten der Eingang sein soll, kann ich nicht erkennen, aber das muß ja eure Sorge sein“ antwortete ihm Trent zu allem Überfluß auch noch.
„Ja, wir haben gute Grundrisskarten von der Anlage, mit der wir…“
„RUHE in der Leitung““ Jetzt reichte es Denny und er fiel Sagrud brüsk ins Wort „wollt Ihr vielleicht auch noch die Koordinaten für alle eventuellen Mithörer durchgeben, häh?“
Eisige Stille herrschte im Funk. Zumindest für ein paar Momente.
„Hey, Jungchens, ich hoff` ma´ ihr seid fertig mit´m spiel´n, ne?“ kam es von Hank, so als würde er ein paar Erstklässler ermahnen ruhig zu sein „Ich hab´ hier ma´ ´ne interessante Ortung, ne?“
Als Denny´s Blick auf seinen Radarschirm fiel, verfluchte er sich für diesen Augenblick der Unkonzentriertheit. Doch Sekunden später war dieser Gedanke davongewischt als sein Körper Adrenalin in rauen Mengen ausstiess und ihn eine Welle der Erregung erfasste, die ihn blitzschnell handeln liess. Innerhalb kürzester Zeit hatte er seine Waffen aktiviert, ein paar schnelle Befehle an die Pio´s, Kommando´s und an seine Lanzenmitglieder gebrüllt, die SKULL informiert und seinen Mech auf Vollschub gebracht.
Ein Teil von ihm brüllte auf vor Wut, weil Sie so kurz vor dem Ziel entdeckt worden waren.
Ein anderer Teil kontrollierte diese Wut und wandelte sie um in die Entschlossenheit die ein Krieger benötigte, um sich einem Feind zu stellen.
Egal wer da draussen auf Sie zukam, wenn es mit feindlichen Absichten kommen sollte, würden die Chevaliers Sie gebührend willkommen heissen.

Andai Pryde
21.07.2004, 17:30
Noch auf New Home:

„Verdammt, die Elektronik will noch immer nicht!“
Fluchend warf Sandy den empfindlichen Diagnosestick in eine Ecke und hörte, das gefährliche Ping , als er aufschlug.
Meistertech Nagy würde sie dafür zwar umbringen, aber wen kümmerte es, wenigstens etwas Action, besser als hier im Hangar eingesperrt zu sein, so ging es schon die ganze Zeit, seit die Chevaliers auf New Home waren.
Frustriert warf sie einen Blick zur offenen Frachtluke und musterte die Umgebung.
Einzelne Infanteristen standen herum und hielten Wache, der Großteil der Chevaliers waren bei der HPG Anlage und warteten auf die Ablösung, durch die Blakes Wort Truppen.
Krampfhaft versuchte Sandy einen Blick auf den Himmel zu erhaschen, aber es war ihr unmöglich.
Frustriert verzog sie den Mundwinkel und wandte sich wieder der offenen Schaltkonsole vor sich zu.
Mehrere Kabel hingen wirr heraus und waren über Kreuz verdrahtet.
Wer hätte gedacht, dass es solche Probleme dabei geben konnte, eine Clan PPK in einen Innere Sphäre Jäger einzusetzen.
Und dann waren da noch ihre miesen Simeinsätze.
Kiki ließ sie in letzter Zeit oft Geleitschutz fliegen, während sie mit ihrer Stuka zusammen mit Icecream runterging und bombardierte.
Während einer Simulation waren sie von einer Staffel Korsaren angegriffen worden, als Sandy sich auf einen der Korsaren gestürzt und sich ein heißes Duell mit ihm geliefert hatte, hatten seine fünf Kameraden, Jean, Kiki und Icecream abgeschossen.
Ihr Blick fiel auf den Steuerknüppel des 65 Tonnen schweren Jägers vom Typ Stingray und den roten Auslöseknopf für die primär FLK, Feuerleitkontrolle.
Dann wanderte er zu der Pistole im Halfter, an ihrer linken Hüfte.
Komisch ich treffe mit der Pistole wie ein Ass, aber mit den Waffen meiner Stingray nichts.
Nur zu gut erinnerte sie sich an die anschließende Standpauke Kikis.
Seufzend blickte Sandy zu der Backbord Tragfläche und einen einzelnen silbernen Streifen, der sich über die blau-schwarze Lackierung zog.
Sie hat ja recht, ich darf meine Kameraden nicht einfach im stich lassen, nur um persönlicher ehre nachzujagen.
Grummelnd warf sie die Kabel wieder hinter die Abdeckung zurück, schwang sich aus der Kanzel und kam auf der Tragfläche zum stehen.
Bald ging es nach Bryant.. vielleicht konnte sie ihr Baby dort etwas ausfliegen und musste nicht die unterdrückte Wildheit in dem kühlen Metall unter sich spüren...bald...

Andai Pryde
21.07.2004, 17:30
„Auf allen Schiffen bereit machen für Touchdown auf Stratopause. An alle Schiffe, an alle Luft/Raumjäger. Viel Glück und möge Gott uns schützen.“
Stille kehrte kurz darauf im einsamen Cockpits ihrer Stuka ein und Kristine „Kiki“ Sleijpnirsdottir lauschte dem leisen Brummen des Triebwerks, dass ihrer 100 Tonnen schweren Jagdmaschine die Fähigkeit verlieh sich durch die Stratopause zu schieben.
Ein unmerkliches Zittern ihrer rechten Hand lenkte ihre Aufmerksamkeit dorthin.
Sie löste die Hand vom Steuerknüppel und übernahm mit der linken.
Etwas irritiert ballte sie die Hand zu einer Faust und lockerte dann langsam wieder.
Sie konnte spüren, wie die Muskeln sich langsam entspannten, während sie dies mehrmals wiederholte.
„Chris du wirst alt, scheinst zumindest nervös zu sein.“
Die Worte ihrer Stimme hallten noch kurz im Cockpit, oder war es nur in ihrer Einbildung, nach.
Alles verlief nach Plan.
Die beiden Luft-Raumrotten der Chevaliers flogen Eskorte in einer lockeren Formation um die drei Landungsschiffe der Söldnereinheit.
Einem geübten Auge würde vielleicht auffallen, dass die SKULLCRUSHER, das Maultier-Klasse Landungsschiff, am Rand der Formation flog, aber nur, wenn dieses geübte Auge wusste, was geplant war.
Sie hatte sich lange mit ihrer Kameradin Sarah Slibowitz damit beschäftigt und entschieden, dass Sandy Gurrow den Auftrag hatte die SKULLCRUSHER zu begleiten, zusammen mit ihrem Flügelmann Danté, sollte es notwendig sein und sollten die Bryanter es mitmachen.
Die Zeit zog sich hin, der Blind Spot machte jegliche Kommunikation unmöglich, auch das Radar funktionierte nur dürftig und passiv, so verließen sich die Piloten der Chevaliers rein auf ihr Können, das Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen und Blickkontakt.
Vor sich sah Christine die nachtblaue Stuka Sarah Slibowitz behutsam dahin gleiten, während sie die ROSEMARIE, dem Lander der Union Klasse, der im Vergleich zu den beiden Jägern riesig schien, eskortierten.
Mit einem scharfen Knacken in der Leitung meldete sich der Funk wieder, nur um gleich in das scharfe Piepen und die hektische Nachricht eines SOS zu wechseln.
Christine schmunzelte, teils amüsiert, teils bitter, als die Aufforderung, die abstürzende SKULLCRUSHER begleiten zu dürfen von den Bryantern brutal abgeschmettert wurde.
Sie warf einen Blick auf die Sensoranzeige und blickte danach zu Sandrina Gurrows Stingray, der förmlich zu bocken schien, als seine Pilotin krampfhaft zwischen der Sicherheit der Truppe und ihren abstürzenden Kameraden rang.
Doch letztendlich schien der Gehorsam zu siegen und die Maschine drehte bei und schloss sich der restlichen Einsatztruppe an, während die SKULLCRUSHER langsam drehend dem nächstbesten Kontinent entgegen stürzte.

Andai Pryde
21.07.2004, 17:31
Tage waren vergangen, seitdem die Chevaliers auf Bryant waren. Tage in denen die beiden Fluglanzen hart trainiert hatten und noch immer in den Landungsschiffen der Chevaliers festsaßen.
Sandrina Gurrow kletterte schwitzend aus dem Simulatorcockpit und sprang federnd die letzten paar Stufen auf das Landungsschiffdeck der ROSEMARIE.
Jean Danté lächelte ihr aufmunternd zu, während er seine Kühlweste öffnete und seinen muskulösen Körper frei gab.
Sandy verzichtete ihrerseits darauf, es war nicht gerade die damenhafte Art in BH und String durch ein Landungsschiff Deck voller Mechaniker zu laufen.
Die heutige Übung war relativ leicht gelaufen. Danté und sie hatten eine kleine Extraschicht eingelegt, um sich mit ihren Maschinen während rauer Flugbedingungen und Stürme vertraut zu machen.
Mit erstaunlicher Häufigkeit war es ihnen gelungen abzustürzen und sofort zu sterben, doch hatte Sandy irgendwann einen kleinen Trick herausgefunden, wie sie mit den Gezeiten förmlich spielen konnte.
„Und Sandy, was läuft heute noch?“
Jean trocknete sich gerade den schweißnassen Oberkörper mit einem kleinen Tuch.
„Wohl nichts, ich werde wieder etwas lesen und mich langweilen wie sonst die letzten Tage.“
Jean trat näher und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Die Berührung war durch die dicke Kühlweste kam zu spüren.
„Nun ich weiß, wie du dich fühlst, das untätige trainieren strengt mich auch an, ich will auch fliegen und unsere Jungs und Mädels dort draußen retten, aber es geht leider nicht. Wir müssen das beste draus machen.“
Er drückte ihre Schulter sanft und wandte sich dann zum gehen.
Kurz bevor er das nächstbeste Schott erreichte drehte er sich um und grinste breit:
„Zur Not wüsste ich noch eine andere Art der Beschäftigung, so zwischen Mann und Frau.“
Bevor sie irgendetwas erwidern konnte, war er bereits verschwunden.
Sandy schüttelte den Kopf und blickte sich nachdenklich um.
Es war sehr lange her, dass sie eine Beziehung, selbst wenn es nur sexueller Art gewesen war, mit einem Mann geführt hatte. Sie war zwar nie ein Kind von Traurigkeit gewesen, aber das Fliegen war ihr ein und alles, und damit kamen wenig Männer klar.
Sie schwang sich wieder auf die Leiter und kletterte zurück ins Cockpit.
Mit wenigen geübten Handgriffen starte sie ein Programm, dass sie durch die Sturmgepeitschte Umwelt Bryants fliegen ließ. Sie wurde besser und bald konnte sie es wagen, bald, sie musste nur noch ihren Stingray loseisen und in die Kluft bekommen, ohne abgeschossen zu werden.
Nach beinahe fünf stunden Übung, kletterte sie grinsend aus der Simkapsel und ging zu den Duschen.
Sandy hatte gute Laune, sehr gute Laune, als sie frisch geduscht und in aufreizender Kleidung vor der Kabine Jean Dantes stand und den Summer betätigte.

Thorsten Kerensky
25.07.2004, 00:42
Jara räkelte sich in einem der Sessel, im Aufenthaltsraum der Chevaliers. Angeblich waren die Sitzgelegenheiten in der Offiziersmesser bequemer, aber ihr reichten die Möbel hier komplett. Es war Samstag Abend, beste Zeit, um wegzugehen, aber Dawn war schwanger und der Rest irgendwie nicht wirklich die Art von Leuten, die ihr Wochenende in Discotheken verbrachte. Wieder ein großer Unterschied zu ihrer alten Einheit, wo sie fast jeden möglichen Abend weg waren.
Die junge Mechpilotin seufzte und wandte ihre Aufmerksamkeit zwei jungen Infanteristen zu, die nicht weit von ihr entfernt standen. Anscheinend hatten sie ein ähnliches Problem wie sie. Sie wollte raus, aber Ausgang war nur in Gruppen von mindestens drei Personen gestattet und ihre dritter Mann hatte überraschend eine Wache aufgebrummt bekommen. Jara räusperte sich leise und drehte den Kopf in Richtung der beiden anderen jungen Leute. "Wenn ihr nichts dagegen habt, dann komm ich mit."
Einer der beiden - ein junger Private von vielleicht zwanzig Jahren - nickte. "Warum nicht?" Seine Begleiterin, weder im Rang noch im Alter über ihm, stimmte zu. "Mir solls recht sein. Bevor ich hier drinnen verfaule ... wir wollen in die einzige größere Disco vor Ort. Wahrscheinlich nichts los und nur Musik, die der Staat durchlässt, aber besser als nichts."
Jara stand auf und sah auf ihre Uniform. "Ich geh mich nur eben umziehen, dann können wir von mir aus los."
Die andere Frau nickte. "Super. Achja, nur zur Info, ich bin Alina und das ist Marco."
"Ich bin Jara." Die Mechkriegerin hob entschuldigend die Arme. "Aber die meisten Chevaliers wissen das sowieso."

Eine halbe Stunde später verließen die drei das Kasernengelände. Es war dunkel geworden und recht kühl, so dass sie alle in Jacken oder Mäntel gehüllt waren. Davon ausgehend, dass auf Bryant alles etwas konservativer war, trugen sie darunter keine allzu aufreizende Kleidung, wie sonst in vielen Discos üblich, sondern recht schlichte Sachen. Jara bedauerte etwas, dass sie sich nicht betrinken durfte, aber das war das geringere Übel.
Schon vom Tor der Kaserne aus bemerkten die drei eine Gestalt, die ihnen wie durch Zufall folgte, der Geheimdienst war an diesem Abend nicht so sehr geheim, aber das war ihnen egal. Sie planten kein Verbrechen, sondern einen Abendausflug. Ihr Ziel lag nicht weit von der Kaserne entfernt, so verzichteten sie auf ein Taxi und schlenderten plaudernd durch die wenig belebten Straßen. Die ganze Stadt schien ausgestorben zu sein, mit Ausnahme eines Arbeiterzugs, der von seinen Aufsehern zu ihren Unterkünften getrieben wurde. Zwangsarbeit war auf vielen Planeten üblich, aber Bryant gab sich keine Mühe, das zu verbergen. Aber das waren Angelegenheiten, die Jara nichts angingen. Sie war hier, um Befehle zu befolgen und eine HPG-Anlage zu verteidigen. Nicht mehr und nicht weniger.
Sie erreichten die Disco und ließen sich vom Türsteher auf Waffen durchsuchen. Der Mann war Profi und im Gegensatz zu einige anderen Orten, an denen Jara gewesen war, beschränkte er sich auch bei den beiden Frauen auf die nötigen Handgriffe. Als er ihre Ausweise kontrollierte und er merkte, dass es sich bei den drei Leuten vor ihm um Söldner handelte, wurde seine Miene ein wenig finsterer und er warnte sie davor, Streit anzufangen, dann ließ er sie passieren.
Als sie durch die Tür traten, fiel ihnen auf, wie anders diese Welt war. Statt einer lauten Musik-Anlage und einem DJ, stammte die Musik von einer Live-Band, die typische Party-Musik durch ihre Verstärker schmetterte. Die drei Chevaliers drängten sich durch die Menge der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zur Theke durch und schafften es auf Englisch drei Bier zu bestellen. Die Preise waren lächerlich niedrig und entgegen ihren Erwartungen schmeckte das Bier auch nach Bier.
Jara lehnte sich an den Tresen und beobachtete die Breiner Jungend. Die jüngsten hier waren etwa sechzehn, die ältesten Mitte zwanzig, so passten die drei Söldner ganz gut ins Altersbild. Die Band spielte anscheinend nur lokale Lieder, denn Jara erkannte nicht eine einzige der Melodien wieder, aber auf eine bestimmte Art mochte sie den Gesang. Sie bemerkte, dass der Sänger zwischendrin die Sprachen wechselte und neben dem Russischen auch Englisch und Schwedanisch auftauchten.
Ein junger Mann trat neben sie, vom Aussehen her gebürtig aus dem Steinerraum und ein wenig Älter als sie. Er prostete ihr zu und begrüßte sie auf Standard-Englisch. Hi! Du bist neu hier, oder?"
Jara nickte. "Ja. Und ich hatte nicht vor, allzu lange zu bleiben."
"Oh, du gehörst zu den Söldnern?" Er schien schnell zu denken, auch wenn die Chevaliers sicher eines der Top-Themen im Moment waren.
Jara nickte erneut. "Gut erkannt. Ich bin Jara. Netter Schuppen hier." In der Tat gefiel es ihr hier ganz gut.
"Ich weiß. Ich bin Thomas. Ich lebe seit vierzehn Jahren hier."
Die Band auf der Bühne begann nun ein Lied, dass die Diktatur des Schatun lobte und die Anwesenden zu Sympathie-Rufen anstachelte. Jara war ein wenig überrascht, als die Leute begeistert einstimmten. Nach den Beschreibungen ihrer Vorgesetzten, hatte sie mit einem unterdrückten Volk gerechnet, dass seine Regierung hasst.
Sie wandte sich an Thomas. "Ihr scheint mit euren Politikern zufrieden zu sein."
"Ja, warum denn nicht?" Er sah sie ein wenig unsicher an.
"Na ja, immerhin ist das eine Diktatur." Sie zuckte mit den Schultern. "Uns wird immer gesagt, dass eine Diktatur nicht vom Volk geliebt wird."
Thomas grinste. "Sie schaffen Arbeit und Sicherheit und im Gegensatz zu den Welten um uns herum sorgen sie für ein gewisses Maß an Wohlstand. Sicher, die Strafen bei Verbrechen sind hart, aber sie sind gerecht. Meine Eltern erzählen manchmal von früher, als wir noch nicht hier lebten. Es war zwar alles viel freier, aber dafür auch schlechter. Die Leute waren arbeitslos, es gab hohe Kriminalitätsraten und nach und nach verfiel alles, weil sich keiner mehr kümmerte."
Die Mechpilotin dachte kurz nach. "Klingt einleuchtend." Sie seufzte. "Mein Leben besteht aus reiner Unsicherheit. Ich könnte jeden Tag sterben, das ist irgendwie schon scheiße. Aber geregelt ist bei uns auch alles."
Thomas legte ihr einen Arm um die Schulter. "Komm mal mit, ich stell dir ein paar Leute vor."
Die blonde Frau grinste und lehnte sich bei ihm an. "Ich bestell mir nur noch eben ein Bier. Und du musst mir gleich mal erklären, was die Band eigentlich singt. Ich kann kein russisch."
Sie hatte zwar nicht vor, eine Anhängerin des Bryanter Systems zu werden, aber sie wollte sich an diesem Abend amüsieren. Alles andere war nebensächlich. Vielleicht war sie morgen schon tot ...

Andai Pryde
26.07.2004, 01:58
Der Sturm säuselte sein aggressives Lied, während er gegen die Außenhaut der ROSEMARIE krachte und ein schabendes Geräusch erzeugte.
Sandrina Gurrow zog ihren Lichtstift über das dazu gehörige Schreibbrett und machte sich Notizen zu den Dingen die „Kiki“ Sleijpnirsdottir und Sarah Slibowitz erzählten.
Taktische Besprechung nannte man das hier auch gemeinhin, dennoch kam Sandy nicht umhin, so sehr sie das Thema auch interessierte, zu gähnen.
Es war die x-te Stunde und das x-te Mal, dass sie das gleiche Thema durchnahmen.
Natürlich war es nicht uninteressant, wenn man über Dinge wie Geleitschutz, Bombardements, auch STUKA, Sturzkampfbombardement genannt, oder Manöver in widriger Umgebung sprach. Aber dennoch war es auf Dauer etwas anstrengend, gerade, wenn man wie Sandrina Gurrow lieber am Steuerknüppel einer Maschine saß und sich hoch in die Lüfte erhob.
Nur zu gerne würde sie dort draußen in den Sturm toben, wie auf eisigen wellen dahinreiten, sich treiben lassen, dahin gleiten.
Sandy hielt kurz inne. Das war es.
Du bist ein Genie Sandrina Gurrow.
Ein plan nahm in ihren kopf Gestalt an und einzelne Puzzleteile fügten sich zusammen, aber das hatte noch Zeit.
„Kiki, wie steht e eigentlich mit Flügen während des Sturmes?“
Sleijpnirsdottir drehte sich leicht zu Sandrina und unterbrach ihre Zeichnungen an der kleinen Tafel in der Mitte der hinteren Wand des Raumes. Ein sowohl verwirrter, als auch neugieriger Blick lagen auf ihrem Gesicht, als sie antwortete.
„Nun ich würde sagen, sehr schlecht, es wäre tödlich.“
„Warum?“
Kiki zuckte mit den schultern:
„Ich habe es noch nicht probiert, aber gehen wir mal davon aus, dass die Winde nicht die Maschine zerreißen, sind sie stark genug jedes Manöver im Keim zu ersticken. Man würde die Kontrolle über das Schiff verlieren und unweigerlich abstürzen. Aber das steht hier nicht zur Debatte, ebenso wenig wie wir bei solchen Wetter fliegen, werden es Dvenskys Leute machen.“
Sandy nickte, wenn auch nicht zufrieden gestellt.
„Verstehe!“
Kiki musterte sie noch kurz, fuhr dann aber fort in ihrem Vortrag.
„Kommen wir zum Thema Flug unter Flakfeuer! Es könnte durchaus sein, dass wir unter solchen Bedingungen starten müssen. Hoffen wir, dass wir es noch am Boden können, da sind wir wenigstens außerhalb der Schusslinie.“
„Ma´am...Kiki. Ist es nicht etwas riskant, ich meine, klar wir sind aus der Schusslinie der Flaks, aber mitten in den Gebäuden und mit dem Speed in dem wir aus den Hangars jagen dürften wir gleich das nächstbeste Haus küssen. Wie kann da von der besseren Option die Rede sein.“
Jean Danté`s Stimme tönte leise vom Platz neben Sandy und sie erinnerte sich mit einem zufriedenen Lächeln an die letzte Nacht.
Sicher sie liebte Jean nicht, es war nichts weiter als die Befriedigung eines Bedürfnisses gewesen, aber nichts desto trotz war es angenehm gewesen.
Und irgendwie auch gut.
Die Antwort von Sleijpnirsdottir holte sie schnell wieder in die Gegenwart zurück.
„Sagen wir es mal so, wir müssten uns dann mit dem geringsten Übel auseinander setzen. Wenn Major Danton uns oben sehen will, werden wir oben sein. Also werden wir gleich mal fleißig üben, also los, wir haben noch den ganzen Tag vor uns, warum verschwenden.“
Endlich!
Tönte es durch Sandys Kopf. Und breit grinsend sprang sie auf und lief jauchzend in den SimRaum.
Die drei anderen Fallen Angels blickten ihr etwas verwirrt hinterher, folgten dann jedoch ebenfalls breit grinsend. Es war vielleicht kein richtiges Fliegen, aber es war ein recht guter Ersatz dafür.

Andai Pryde
30.07.2004, 17:46
Das Donnern der Flaks war laut, lauter sogar als die Zwillingstriebwerke der Stuka, in der Christine „Kiki“ Sleijpnirsdottir an den Kontrollen saß.
Explosionen erfüllten den trüben grauen Himmel vor ihrer schweren Jagdmaschine und sie riss eher intuitiv den Steuerknüppel nach Backbord.
Nicht weit von ihrer letzten Position knallte eine Explosion orangerot durch die Luft.
Fliegen unter Flakfeuer war der pure Horror.
Man hatte nur zwei Möglichkeiten, so hoch wie Möglich außerhalb der Reichweite der bodengebundenen Flaks fliegen oder so tief wie möglich.
Die Fallen Angels waren tief gestartet und durch die simulierte Stadt geflogen. Die Flaks waren kurz darauf angesprungen, als die vier Chevaliers Maschinen aufgestiegen waren.
Mit einem letzten Knall endete auch das Flakfeuer.
„Ok Mädels. Jetzt kommen die bösen Buben, als Augen auf!“
„Hab´ sie! Auf fünf Uhr.“
Kiki brauchte nicht in die angegebene Richtung schauen, um Sarahs Aussage zu bestätigen.
Sie ließ den Steuerknüppel hin und her wandern und flog mit ihren Flügelfrau komplizierte Scherenmanöver.
Laserstrahlen peitschten durch die Luft und über die Tragflächen der 100 Tonnen Maschine.
Die Zielerfassung jaulte laut und zeigte ihr an, dass ein feindlicher Jäger sie erfasst hatte.
Eine volle Breitseite aus zwei Schweren und zwei mittelschweren Lasern schälte die Panzerung vom Heck ihrer Maschine.
Kiki grinste raubtiergleich, als sie in kurzer Reihenfolge die beiden Hecklaser betätigte.
Der Korsar drehte ab und brachte sich aus der Schusslinie.
Kiki grinste zufrieden und bearbeitet die Schubpedale abwechselnd.
Die Zeit die der Korsar brauchte um sich in eine bessere Schussposition zu bringen gestatteten ihr die Stuka in einem anstrengenden Manöver um 180 Grad zu wenden.
Der feindliche 50 Tonnen Jäger versuchte hektisch auszubrechen, als Kiki eine volle Breitseite ihrerseits auslöste.
Die rubinroten Strahlend er vier schweren Laser krachten durch die Luft unterstützt von einem nahen Donnern, während beinahe vierzig Raketen hinter her schlichen.
Es war nicht sonderlich effektiv während des Sturmes Raketen zu nutzen, das stellte Kiki jetzt fest, als gut die hälfte der Raketen durch den nahen Wind vom kurz ab gebracht wurden.
Dennoch trafen die vier schweren Laser.
In Sturzbächen rann die Panzerung vom Korsar und zwang ihn abzudrehen.
In Gedanken machte sie eine Notiz mit Major Danton über die Bewaffnung der Maschinen zu reden.
„Ok, zwei Boogies down, bleiben noch vier. Eins zu eins Situation Kiki.“
Christine nickte.
„Verstanden Icecream. Fallen Angels gehen hoch und schnell rein und dann einmal hart drauf.“
Etwa vierhundert Klicks entfernt bestätigte Sandrina Gurrow den Befehl und zog ihren Stingray in eine enge Kurve, dem Korsar Jean Dantés hinterher.
Sie genoss den wilden ritt, der Steuerknüppel tanzte zwischen ihren Händen und die Maschine tanzte und bockte. Sie wollte in jede Richtung gleichzeitig.
Dann brach das Flakfeuer wieder aus und der wilde Ritt wurde zu einem feurigen Tango in den stürmischen Wolken Bryants.
Feurig und wild, wie Sandy es liebte. Jauchzend ließ sie die Maschine hin und her wandern und preschte durch dichte graue Wolken.
„Ok Fallen Angels lösen und Feuer. Angel One schnappt sich unsere Blutige Dame.“
Was das Zeichen für die vier Chevaliers war, das Flügelmann Manöver aufzugeben und es den Bryanter Jägern nach zu machen und einzeln zu fliegen. Was es den Flakgeschützen deutlich erschwerte eine Maschine vom Himmel zu holen.
Danté drehte mit seinem Korsar ab und verfolgte den nächstbesten Jäger in einem hektischen Jagd.
Eine Stuka, den goldenen Flügelspitzen nach zu urteilen die von Sarah Slibowitz zog etwa auf zwei Uhr von Sandy durch den Himmel, verfolgt von einem anderen Korsar. Die beiden Hecklaser blitzten in kurzen Abständen auf, jeder Schuss saß beinahe perfekt.
Ein heftiger Ruck ging durch den Stingray und Sandy besann sich auf ihren Gegner.
Der Korsar hing hinter ihr und gab sporadisch wechselnd Feuer mit den beiden schweren und mittelschweren Lasern.
Sandy gab Vollschub und steuerte den Jäger auf eine nahe Wolkenbank zu.
Dann riss sie den Steuerknüppel zu sich heran und lenkte den Stingray in einen steilen Sturzflug.
Mit einem sanften Druck nach vorn, brachte sie die Maschine in eine halbwegs horizontale Lage und schaltete das Triebwerk auf niedrige Leistung.
Einschläge schüttelten den Jäger durch, als der Korsar ihr Manöver nachmachte.
Fluchend ließ Sandy ihre Maschine tanzen und nutzte die Flakeinschläge als Deckung.
Mit einem lauten Kreischen schlug eines der Falkgeschosse direkt in den Bauch des 60 Tonnen Jägers ein und zerriss die Maschine.
Der Bildschirm in der Simulatorkapsel wurde sofort dunkel.
Sandy zog sich den Neurohelm vom Kopf und kletterte aus der Kapsel.
Auf einem nahen Datenschirm wertete ein Techniker die Ergebnisse und herein kommenden Flugdaten aus.
Er nickte Sandy freundlich zu und machte sich dann wieder an die Arbeit.
Sandy blickte auf ihren Chronometer und stelle fest, dass es spät genug war.
Zeit für eine warme Dusche.
Genervt begab sie sich zum Ausgang und warf einen Blick auf die tristen grauen Stahlwände des Landungsschiffes.
Es war ein kurzer weg zu den Duschen und sie begegnete keinem.
Schnell flog der Fliegeroverall in eine Ecke und sie stand nackt unter dem warmen Strahl der Dusche.
Die Reinheit des Wasser vertrieb für eine kurze Zeit den Frust und die aufkommende Frustration.
Stimmen werklangen aus dem Duschvorraum und sie warf einen Blick auf die Tür. Mit einem leisen Geräusch glitt die Tür auf, und Christine und Sarah traten ein.
Beide Frauen waren nackt und verstummten kurz, als sie Sandy sahen. Dann grinste Christine und trat auf sie zu.
Sandy musterte kurz die Körper ihren beiden Mitfliegerinnen. Sie waren definitiv nicht unattraktiv gebaut. Christine eher schlank und groß gebaut und stark proportioniert, während Sarah an ein, zwei stellen eine kleine Speckschicht aufwies und eher klein gebaut war.
„Du bist heute gut geflogen, Sandy. Aber was sollte das letzte Manöver?“
Sie zuckte mit den Schultern, während die beiden anderen Frauen unter die Dusche traten.
„Es war ein versucht, ich hatte irgendwie gehofft, den Sturm zwischen mich und den Gegner zu bringen. Hat wohl nicht geklappt.“
Sarah blickte sie ruhig und durchdringend an.
„Ja hat es nicht, aber wie wäre es, wenn du das nächste Mal am Leben bleibst. Kleine, wir alle brauchen dich, du bist eine erstklassige Pilotin.“
Sie ließ sich den Duschstrahl durch die Haare fahren und strich sie glatt.
Sandy blickte zu ihr und lächelte scheu. Es klang zwar vorwurfsvoll, aber die Sanftheit in der Stimme Sarahs nahm ihren Worten die Schärfe.
Dann nickte Sandy und trocknete sich ab.
Nachdenklich ging sie in die Umkleidekabine und zog sich an.
Heute Abend galt es noch einiges zu erledigen.

Ironheart
14.08.2004, 15:05
HPG-Kaserne Bryant, Brein
Bryant, Chaosmarken
27. April 3065

Es war kurz nach 0700 früh und Maareike wusste, das ihr Trupp sich bald auf den Weg machen würde, ohne Sie.
Maareike hatte sich gemeinsam mit Josh eine Lebensmittelvergiftung zugezogen und war zwar wieder auf dem Damm, aber noch nicht ganz fit. Daher würde sie in Brein bleiben müssen, was ihr aber überhaupt nicht behagte. Daher hatte sie sich entschieden, zuumindest zum Flugfeld zu gehen und den Rest ihres Trupps zu verabschieden. Als sie ankam, waren die Vorbereitungen zum Abslug schon fast beendet, Kitty Hawk saß schon im Cockpit ihrer Maschine und die Chevaliers waren gerade zusammen mit Dominik Frischknecht beim Beladen des Ripper. Etwas abseits stand ein grimmig dreinguckender Bryanter Offizier, der ebenfalls mitfliegen sollte, und unterhielt sich mit Markus. Dann stieg er ein und Markus wollte es ihm nachmachen, sah dann aber noch die winkende Maarreike und lief noch einmal schnell zu ihr hinüber.

„Na, Maareike“ grinste Markus „wie geht’s dem Magen?“ Damit spielte er auf die Lebensmittelvergiftung an, die sich einige in der Einheit, unter ihnen auch Maareike, gerade erst zugezogen hatte. „Danke, Sarge, geht schon wieder“ antwortete Sie mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck „ich wollte euch nicht aufhalten.“
„Geht schon“ antwortete er „wir müssen noch das Gepäck des Verbindungsleutnants verstauen, also haben wir noch zwei Minuten. Schön das Du wieder auf den Beinen bist.“ Maareike nickte und es ging ihr auch schon tatsächlich besser, aber über den Damm war Sie noch nicht, auch wenn Sie versuchte so zu wirken. Das vor allem Markus darauf nicht reinfallen würde, war Ihr klar und so versuchte Sie erst gar nicht ihm etwas vorzuspielen. Aber trotzdem musste Sie etwas sagen. „Sarge, ich sollte mit dabei sein…“
Markus hob abwehrend die Hand. „Unsinn Maareike, und das weißt Du auch. Erstens kann der Ripper uns nicht alle mitnehmen. D.h. du und die anderen vier müssen hier bleiben. Und zweitens…“ Markus machte eine Pause und tippte ihr mit dem rechten Arm gegen ihren linken Oberarm, wobei ein breites Grinsen in seinem Gesicht erschien.
Maareike blinzelte hinunter auf ihren Oberarm und musste sich unwillkürlich an die Rettung von Bob vor drei Wochen im Anflug an Bryant zurückdenken.

Kaum waren Sie nach der haarsträubenden Aktion mit den Elementarrüstungen wieder im Hangar gewesen, und hatten die Rüstungen ab- und ihre Felduniformen angelegt, waren Bob und sie von den Sergeants Rowan und Markus wegen des Fastunfalls zusammengestaucht worden. Dann war Sergeant Major McLachlan auf der Bildfläche erschienen und hatte die beiden Sergeants und wieder Maareike und Bob zur Minna gemacht.
Und wie es sich für eine ordentliche Einheit gehört, waren dann Master Sergeant Metellus, Captain Peterson und der Major erschienen und Metellus hatte dann seinerseits den Sergeant Major, die Sergeants und wieder Bob und Maareike angeraunzt. Als er dann geendet hatte, hatte sich Maareike schon innerlich darauf eingestellt, das Peterson nun das Spielchen weiter treiben würde und jetzt seinerseits die Pyramide hinunter seine Tirade ablassen würde und dann wohl auch noch der Major.
Doch nichts dergleichen war geschehen. Die beiden Offiziere hatten ein, zwei Minuten schweigend die versammelten Soldaten betrachtet und der Major hatte schließlich, nach einem kurzen Seitenblick, den er mit Peterson ausgetauscht hatte, sich zunächst bei Bob erkundigt, wie es ihm denn ginge. Sichtlich angeschlagen und mit zitternden Knien, hatte dieser sich stammelnd für seinen Blackout entschuldigt und rechnete wohl schon mit dem schlimmsten. Doch Major Danton hatte nur nur kurz genickt und ihn nach einem wohlwollenden Klapps auf die Schulter sicherheitshalber zur Krankenstation geschickt. Dann hatte er sich an die beiden Sergeants gewandt, die sich beide fast darin überschlagen hatten die Verantwortung für den Zwischenfall zu übernehmen. Rowan mit dem Hinweis darauf, dass es seine Übung gewesen und er seinen Aufsichtspflichten nicht genügend nachgekommen sei und Van Roose, weil es seine Leute gewesen waren, die die Fehler gemacht hätten. Aus den Augenwinkeln hatte Maareike ein flüchtiges Lächeln auf den Zügen des Majors entdeckt und er hatte auch die beiden kommentarlos mit einem wohlwollenden Nicken zum Sicherheitscheck geschickt. Maareike hatte schlucken müssen, war sie doch jetzt allein mit den ranghöchsten Infanterievorgesetzten und dem Major und auch Markus hatte ihr noch einen besorgten Blick zugeworfen, kurz bevor er den Hangar verliess.
„Dann kommen wir mal zu Ihnen, PFC Koopmans“ hatte der Major begonnen und alle Freundlichkeit war aus seinem Gesicht gewischt gewesen. Augenblicklich war Maareike nervös geworden und Danton war auch ohne Umschweife genau zum Punkt gekommen.
„Was haben Sie sich dabei gedacht, die direkten Befehle ihrer Vorgetzten zu ignorieren? Was glauben Sie, wo wir da hinkommen, wenn das jeder täte?“
Maareike hatten mit einem Mal die Knie gezittert. `Darauf lief es also hinaus!` war ihr durch den Kopf geschossen und gleichzeitig hatte sich Widerstand ihr geregt, denn Sie war der Meinung gewesen, nichts Falsches getan zu haben. „Sir, einer meiner Kameraden war in Gefahr und ich war die einzige, die helfen konnte…“
„Sie haben mit Ihrer waghalsigen Aktion nicht nur das Leben ihres Kameraden sondern auch ihr eigenes riskiert“ war der Einwand von Peterson gekommen.
Auch ihm hatte Maareike widersprochen, da es darauf ja nun auch mehr ankam. „Sir, ich habe instinktiv reagiert, weil ich der Meinung war, dass der Versuch einen Kameraden zu retten auf alle Fälle das Risiko wert war, das eigene Leben zu riskieren. Ich hoffe, Sie hätten in meiner Situation genau so entschieden, Sir.“
Maareike hatte das das Blut in den Ohren gerauscht, war ihr doch ihre provozierende Antwort doch durchaus bewusst gewesen. Was tat Sie da? Sie hatte dem Major UND dem Captain widersprochen? Sie war sich bewusst darüber gewesen, dass Sie einen knallroten Kopf gehabt hatte, doch sie blickte weiter starr geradeaus, dass Kinn angriffslustig nach vorne gestreckt. Wenn die Herren Offiziere einen Sündenbock brauchten, Bitte schön, aber sie hatte vorgenommen, es Ihnen nicht so einfach zu machen. Wenn Sie schon den Beinamen Jeanne D´Arc verpasst bekommen hatte, dann sollte sie dem auch gerecht werden.
„Cliff…“ die Schärfe in Dantons Stimme hatte Maareike schließlich das Herz in die Hose rutschen lassen. Und als der Major zwei Schritte zurück gemacht hatte, war der Captain zwei Schritte vor getreten.
„Linker Arm vor!“ hatte er herrisch befohlen und es hatte mindestens zwei Herzschläge gedauert bis Maareike klar wurde, dass Sie ihr den PFC-Balken nehmen würden.
Zackig und mit trotziger Miene hatte sie den linken Arm in die Höhe gerissen und den Major aus funkelnden Augen angeblitzt. Ein hauchfeines Lächeln um seine Lippen hatte Sie noch zusätzlich aufgeregt. `Es macht ihm sogar Spass´, war es es Ihr durch den Kopf geschossen. In ihren bitteren Gedanken versunken hatte sie gerade nicht bemerkt, was Peterson an ihrem Arm herumgenestelt hatte und war nun verwirrt gewesen, als er etwas an ihrer Uniform knapp oberhalb ihrer Brust befestigte.
„Corporal Maareike Koopmans! Im Namen der Dantons Chevaliers verleihe ich Ihnen den Chevaliers Degen in Bronze für die aufopferungsvolle Rettung eines Kameraden. Weggetreten!“
Dann hatte der Captain seinen Arm zum Salut an seine Stirn geführt und mit ihm die übrigen anwesenden Soldaten. Vollkommen verdattert hatte Maareike von einem zum anderen geblickt und war schließlich bei dem nun offensichtlich breit grinsenden Major hängen geblieben. Dann hatte dieser noch kurz geblinzelt und alle waren hinausgegangen. Maareike konnte sich gut erinnern, dass sie verwirrt auf ihre Brust gestarrt hatte und erst als ihr Blick von dem kleinen Orden in der Form eines Musketierdegens hinüber zu ihrem linken Arm gefallen war und sie den zusätzlichen Balken entdeckt hatte, machte die Anrede „Corporal“ auch einen Sinn. Dann erst hatten die wackeligen Knie eingesetzt und Markus, der inzwischen eingeweiht worden war, hatte ihr als erster gratuliert.

Und genau auf diese Begebenheit und an den zusätzlichen Streifen, den sie nun dort seit ein paar Wochen tragen durfte und sich an den sie sich immer noch nicht gewöhnt hatte, spielte Markus grinsend an als er seinen Satz zu Ende führte „… wer soll dann auf den Rest des Trupps Acht geben, Corporal?“
„Ich weiss nicht, ob ich das schaffe, Sarge.“
„Papperlapapp, Maareike, das wird schon. Sobald Du wieder vollkommen gesund bist, wirst du schon Acht geben auf die anderen, ich zähl auf dich.“ Maareike nickte etwas schwach. „Sei nur nicht ganz so riskant wie in letzter Zeit, falls es doch brenzlig werden sollte, o.k? Versprichst Du mir das…? Nicht nur deiner selbst willen, sondern auch wegen dem Rest des Trupps.“ Maareike wusste, dass Markus sich Sorgen um sie machte. Seiner Meinung nach tendierte sie allzu sehr zum Risiko, wie auch während der Rettungsaktion, die ihr den neuen Balken eingebracht hatte. Und obwohl sie sich sicher war, dass sie es ihm nicht wirklich versprechen konnte, nickte sie und fügte ein „Du aber auch“ hinzu.
„Klar, werde ich“ entgegnete Markus und nach einem freundschaftlichen Klaps auf den Arm, drehte er sich um und ging hinüber zu dem wartenden Ripper. Ein paar letzte Anweisungen, ein kurzer Blick zurück und er war eingestiegen. Dann hob der Ripper so rasant wie immer ab, wirbelte eine ordentliche Menge an Schnee auf und wurde schon kurz darauf von der sacht fallenden Schneewand geschluckt.
Maareike blieb noch ein wenig stehen und blickte dem entschwundenen Helikopter nach. Es war ihr aufgefallen, dass Sie die einzige war, die sich hier zuschneien ließ. Sie hätte Dawn erwartet, aber diese hatte anscheinend Dienst und Maareike war sich sicher, dass die beiden sich schon irgendwie voneinander verabschiedet haben dürften.
Dann machte sie sich auf den Rückweg zum Hauptgebäude des Kasernengeländes. Sie war für leichten Dienst eingeteilt worden und hatte daher Markus angeboten, ihm einen Teil des Schreibkrams abzunehmen, was dieser auch dankend angenommen hatte. Somit konnte Sie sich zumindest ein klein wenig nützlich machen.

Ironheart
31.08.2004, 16:38
Die Forschungsanlage

Nahe der geheimen Forschungsanlage, Bloomingdale Heights, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
28. April 3065

Rumpelnd jagten die drei schweren Transportfahrzeuge auf ihren Ketten über die alten Straßen von Leipzig. Sergeant Greta Caprese hielt sich, genau wie die anderen elf Mitglieder ihres Kommandotrupps auch, mit einer Hand an einer vorstehenden Strebe fest und sicherte mit dem Sturmgewehr in der anderen Hand die Umgebung ab.
Nicht, dass das irgendwas gegen die gerade erst georteten Battlemechs nutzen würde, da machte sie sich keinerlei Illusionen. Gegen diese hätte sie mit ihren Leuten nicht den Hauch einer Chance.
Sie konnten nur hoffen, dass es die Mechs nicht auf die Infanteristen abgesehen hatten und sie daher ignorieren würden. Wenn sie Glück hatten, würde Dukics Plan, die Mechs von Ihnen fort zu locken, zumindest solange gelingen, bis sie die Forschungsanlage erreicht und in ihrem inneren angelangt waren. Dann waren sie zunächst mal in Sicherheit und konnten sich, falls die Mechs das Gebäude angreifen würden, tiefer verschanzen. Und wenn die Angreifer keine Infanterie dabei hatten, würden sie sie dort nicht herausholen können.
Der Regen des nahenden Sturmes begann einzusetzen, noch etwas um das sich Caprese Sorgen machen musste, während das Transportfahrzeugs sich ächzend über einen kleinen Schutthügel quälte. Selbst wenn nicht die Mechs im Ansturm auf sie waren, sie mussten die geheime Forschungsanlage so schnell wie möglich erreichen, um sich vor den nahenden Naturgewalten in Sicherheit zu bringen. Sollte dieser sich zu einem der stärkeren Stürme entwickeln, wäre es äußerst gefährlich diesem schutzlos ausgeliefert zu sein.
Ein Wettlauf mit der Zeit, sowohl gegen menschliche als auch natürliche Gewalten.
`Zumindest wird es nicht langweilig` dachte sie sich und versuchte ihre Furcht durch ein grimmig entschlossenes Grinsen in Richtung der nahenden Feinde zu vertreiben.
Sie wusste, dass mehr als das nötig sein würde, um das hier heil zu überstehen.

*************************************************

Die Scoutmechs der Chevaliers hatten sich schnell gesammelt und geordnet. Und das ohne viele Worte seitens ihres Lanzenführers. Die Schleiferei und das harte Training machten sich letztlich bezahlt. Darum machte sich Denny um seine Leute keine großen Sorgen.
Viel mehr Sorgen machten ihm die anrückenden Mechs. Wer war das? Dvenskys Einheiten oder irgendwelche Plünderer, die rein zufällig auf Sie gestossen waren? Waren das die Urheber der Mechsspuren, die sie in den Tunneln gefunden hatten? Fragen über Fragen.
Mikos zarte, aber im Moment etwas im Angesicht der Gefahr aufgeregte Stimme unterbrach Denny in seinen Gedanken. „Dukic-San, die Mechs, die ich zeichne kommen wir bekannt vor…“
„Wie meinst Du das: Bekannt?“ fragte Denny zurück, während er auf seinen Anzeigen die zunehmend schrumpfende Entfernung zu den sich in Zweiergruppen auf sie zukommenden Mechs beobachtete.
„Naja, ein Loki, eskortiert von einem Jaegermech, dazu noch ein Wraith, ein Enforcer, ein Champion und ein Daimyo. Das ist exakt die Zusammensetzung der Mechs, die uns in New Home attackiert haben.“
Denny runzelte die Stirn. Er konnte sich noch gut an die Nacht des Angriffs erinnern, war er doch mitten aus einem Rekog-Traum gerissen worden und hatte sich dann selbst ausser Gefecht gesetzt. Schnell verdrängte er die Gedanken sowohl an den Abend als auch an das Rekog, das er nun schon seit ihrer Landung nicht mehr genommen hatte und einen zunehmenden Schmachter darauf verspürte. „Bist Du sicher, Sakura?“
„Hai, Dukic-San, absolut sicher.“
„Jau, Three-D. Sie hat Recht, ne“ mischte sich Hank in das Gespräch ein. „Kann mich auch an die Bastarde erinnern. Die hab´n Karel aus sei´m Mech geschoss´n, ne?“ Hank und der junge Mechpilot, der jetzt in Dantons Stab Dienst tat, hatten sich angefreundet und damit war klar, dass Hank ein extremes Zucken in seinen Fingern versprüren musste bei dem Anblick der feindlichen Mechs.
Dennys Gedanken überschlugen sich erneut, während sie sich in geschlossener Formation den Gegnern näherten. Was wollten diese mysteriösen Angreifer von Ihnen? Woher wussten Sie, dass sie hier gelandet waren? Hatten die Aufklärungsflugzeuge, die Leipzig neulich überflogen hatten, doch überraschenderweise ein Signal der Skullcrusher aufgefangen?
„Also gut, Scouts herhören“ wandte er sich an seine Leute und unterbrach seine Gedanken, da er jetzt eh keine Antworten erhalten würde. Jetzt war nicht die Zeit des Diskutierens sondern des Handelns gekommen. „Ich denke, wir können sicher sein, dass diese Mechs feindlich sind und daher wissen wir, was passieren wird. Das heisst sobald ihr Sie in Reichweite habt, Feuer frei!“
„Dukic-San, sollten wir nicht zumindest versuchen mit Ihnen zu reden, bevor wir das Feuer eröffnen?“
„Versuch das Sakura“ antwortete Denny und fügte mit einem Blick auf die Entfernungsanzeige hinzu „du hast eineinhalb Minuten. Solltest du aber keine Antwort erhalten, wovon ich mal ausgehe, werden Sie uns hier nicht wie auf New Home überrumpeln können, klar? Lasst euch nicht festnageln, nutzt eure Schnelligkeit und eure Sprungdüsen, bleibt immer in Bewegung und haltet sie auf Trab. Hauptziel ist es sie von den Pios abzulenken, solange bis diese die Anlage erreicht haben. Lasst euch noch Norden abdrängen und wenn die Pios an ihrem Ziel angekommen sind, dann ab in die Tunnel und zurück zur Skull. Alles klar?“
Alle drei Mechs bestätigten, jeder wusste, was er zu tun hatte: Zeit erkaufen, Zeit genug für die schwächeren Teile ihrer Einheit um die Sicherheit der Forschungsanlage zu erreichen. Das war im Moment ihre Hauptaufgabe.

************************************************** ******************

1st Lieutenant Patrick „Doc“ Dolittle rannte in voller Kampfmontur zu seinem im Hangar geparkten Kampfkoloss. Dukics Meldung von anrückenden Battlemechs hatte die gesamte Skullcrusher in Alarmbereitschaft versetzt, rote Alarmlampen blinkten im regelmäßigem Abstand durch den Hangar des Landungsschiffes, die Panzerleute bemannten ihre Gefährte und die Techs hechteten hier und da entlang und legten letzte Handgriffe an.
Als Doc an seinem Manticore angekommen war, zwängte er sich durch die Luke. Ein kurzer Blick und er sah, dass er der letzte woraufhin er die Luke verriegelte. Die anderen waren schon vollauf damit beschäftigt, den Panzer Gefechtsbereit zu machen. `Nicht mal drei Minuten nach Alarm und wir sind bereit zum Ausrücken` schoss ihm der Stolz auf seine Höllenhunde durch den Kopf.
Er platzierte sein Headset auf seinem Kopf und tauchte ein in den bereits wilden Funkverkehr.
„So, moin Jungs und Mädels. Aki, wie siehts aus?“
„Doc, Dukic meldet sechs gegnerische Mechs. So wie es aussieht, sind es die Einheiten, die uns bereits auf New Home attackiert haben.“
„Waaas? Verflucht noch eins. Irgendwelche Kontaktaufnahmen?“
„Nein, Sakuras Rufe haben sie ignoriert und mittlerweile sind sie acuh schon dabei sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.“
„Na war ja klar, diese Stelzenläufer kommen ja immer zu früh…“ Dolittle versuchte seine Besorgnis durch Witz zu überspielen, doch als er die Daten der angreifenden Mechs auf seinem Hauptbildschirm sah, nahmen seine Sorgen um die Scoutlanze noch weiter zu. Die Positionen der Chevaliers auf der anderen Seite des Liqourice-River und die der angreifenden Mechs lieferten durchaus Grund zur Besorgnis. Die Pios waren zwar in vollem Galopp unterwegs zu der Forschungsanlage und würden diese bald erreichen können, doch nicht, wenn sich die Angreifer nicht von Dukics Leuten binden liessen und sich auf sie stürzen würden. Die Infanteristen würden in wenigen Momenten durch den Wolf gedreht werden. Und um den Scouts effektiv helfen zu können, waren sie auch viel zu weit weg.
Und als ob das alles schon nicht schlimm genug wäre, rauschte von Westen auch noch eine weitere Gewitterfront auf sie zu. Eile war geboten, sollten die Höllenhunde den nächsten Tunneleingang erreichen um somit sich den streitenden Parteien zu nähern.
„Höllenhunde von Doc 1, Bericht!“ schnarrte er durch den Funk. `Waren die anderen auch schon bereit zum Abmarsch?`
„Hey Doc 3, seid ihr auch schon da?“ kam es etwas gelangweilt von James Battaglini aus seinem Bulldog. Wahrscheinlich hatte Battaglinis Team mal wieder an ihrem Panzer geschraubt, so dass sie natürlich am schnellsten an Bord waren. Doc ging nicht weiter auf die flapsige Art Meldung zu machen ein. Solange sie ihre Aufgaben so exzellent verrichteten, war der Rest nicht so wichtig.
„Doc 2, Bereit!“ meldete sich auch Björn von Wissmanns Fury.
„Doc 4, noch nicht bereit“ kam es von Peter Niedermayer an Bord des zweiten Manticore „Maus ist noch auf dem Weg. Müsste aber gleich hier sein.“
„Na gut, sobald er da ist, ausrücken, klar? Doc 2 und 3 ihr folgt uns, wir machen uns schon auf den Weg. Ziel ist der Tunneleingang im Nord-Financial District. Viviane Vollschub.“
„Alles klar, Doc.“
„Skull Control von Doc, Sesam öffne dich.“
„Hier Skull Control, die Tore werden geöffnet“ bestätigte die Brücke der Skullcrusher und die Tore begannen sich mit einem lauten vibrieren zu öffnen. In dem Augenblick zischte Manfred Maus, das noch fehlende Besatzungsmitglied von Doc 4, aus einem der Gänge und rannte in Richtung des auf ihn wartenden Manticore. Doc beobachtete wie nach dem Öffnen der Tore sofort ein peitschender Wind durch den Hangar fegte und Manfred sichtlich Schwierigkeiten machte sein Tempo aufrecht zu erhalten. Regen prasselten durch die stetig größer werdende Öffnung und kurz bevor der Panzerfahrer die Sicherheit seines Kampfkolosses erreichte, erfasste ihn ein kurze Böe und riss ihn zwei, drei Meter zurück auf den Hosenboden. Manfred rappelte sich wieder auf und kämpfte sich mir großer Mühe an Bord des zweiten Manticore, der sich dann auch sofort auf den Weg machte.
„Alles, o.k. mit Manfred?“ fragte Doc direkt. Bei so einem Sturz konnte man sich schon mal üble Prellungen zuziehen.
„Ja“ kam es von Niedermayer, während im Hintergrund ein paar deftige Flüche in Deutsch zu hören waren „er ist nur etwas sauer und durchnässt.“
„Wenn´s weiter nichts ist…“ Dann machten sich die Panzer ruckelnd auf den Weg hinaus in den stetig stärker werdenden Sturm. Die Höllenhunde mussten sich beeilen, den nächsten intakten Tunneleingang zu erreichen um den Scouts zu Hilfe zu eilen. Doc wünschte sich, die Lage mit Danton durch sprechen zu können und zum ersten Mal fiel ihm auf, wie sehr ihm der alte Haudegen fehlte.
Während er beobachtete, wie die Chevalierpanzer die Rampe hinunterjagten und immer schneller wurden, ging ihm durch den Kopf, dass es hoffentlich wenigstens in Brein die Dinge nach Plan laufen würden. Denn hier taten Sie es bei weitem nicht.
Dann öffnete er den Kanal zu Dukic. „Three-D von Doc, wir rücken aus Richtung University District. Kann aber etwas dauern, der Sturm hier legt schon ordentlich los. Wenn ihr euch bis dorthin durchschlagen könnt, können wir euch Deckung geben.“
Dukics Stimme kam zerhackt und schwach über den Funk, der von Westen her heranrauschende Sturm sorgte bereits für Schwierigkeiten.
„Alles klar, Doc, ssshhhh, wir werdsschhh sie hoffentlich solange in Schach halten könnssshhh…“ Ein heftiges Krachen, vielleicht ein Treffer, unterbrach die Verbindung für ein paar Augenblicke, dann war Dukic wieder zu hören „… ssshhhhh Tunnel und treffen euch auf ssshhhh anderen Seite. Gebt Acht auf ssshhhh Loki, der ist besondersssshhh gefährlich, Three-D over.“
„Durchhalten, Scouts! Die Höllenhunde sind unterwegs.“ Doc konnte nur hoffen, dass Dukic so gut war wie sein Ruf, sonst würden Sie nur noch die Überreste der Scouts nach Hause bringen können.

*******************************************

Der Regen war immer stärker geworden, die Scheibenwischanlage des Transporters arbeitete auf Hochtoren und trotzdem hatte Sergeant Ragnar „Sagrud“ Sagrudson Schwierigkeiten weiter als 50 Meter zu sehen. Der Karte nach zu urteilen, die er auf seinen Knieen ausgebreitet hatte, mussten sie jetzt gleich auf die geheime Forschungsanlage stoßen.
Entweder das, oder sie würden sich einen anderen Unterschlupf vor dem heranpeitschenden Sturm suchen müssen. Und das käme einer großen Katastrophe gleich. Die Mitglieder seiner Pioniere hatten bereits Unterschlupf in den Fahrerhäuschen und in Transportern gesucht, während die Kommandos sich weiterhin krampfhaft an die Fahrzeuge klammerten, um im Notfall in die naheliegenden Trümmer verschwinden und Deckungsfeuer geben zu können.
Allerdings bezweifelte er, dass sie Ihnen das was helfen konnte, sollten die feindlichen Mechs, die sich im Moment einen harten Kampf mit den Scoutmechs lieferten, sich dazu entschliessen, durchzubrechen und die langsamen wehrlosen Transporter zu attackieren. Aber glücklicherweise schienen die Angreifer kein Interesse an Ihnen zu haben. Oder sie wollten erst die Mechs ausschalten und sich dann auf die Transporter stürzen.
Sagrud hoffte, dass es dazu nicht kommen würde.
Schwerfällig bog der Transporter um die Ecke und damit laut Karte auf den Vorplatz der geheimen Anlage. Sagruds Herz begann zu pochen, als er einen recht unbeschadet wirkenden zweistöckigen Gebäudekomplex entdeckte, dem äußerlich nicht das Geringste anzusehen war. Nun, alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen.
So wenig imposant wie das Gebäude von aussen wirkte, hätte es sich ohne weiteres um eine kleine Konservenfabrik mit einem niedrigen Hauptgebäude und ein paar ebenso niedrige, fensterlose und direkt an dieses angebundene Lagerhallen handeln können. Natürlich waren die Scheiben des Gebäudes komplett zerstört und eine Ecke des Haptgebäudes war eingestürzt.
Doch das wichtigste stand noch: Ein knapp vier Meter hohes und sechs Meter breites Stahltor an der rechten Seite, genau wie in den von ComStar Rom übergebenen Unterlagen beschrieben.
Sagrud gab dem Fahrer ein Zeichen direkt bis an dieses Tor heran zu fahren. Als sie ankamen, schnappte sich Sagrud eine kleine scheckkartengroße Karte, die ihnen ebenfalls von ComStar mitgegeben worden war und sprang Sagrud hinaus.
Das war das klare Zeichen dafür, dass Sie angekommen waren und Sergeant Caprese ließ ihre Kommandos in der Umgebung ausschwärmen um gegebenenfalls Deckung zu geben.
Ohne ein Wort rannte Sagrud inziwschen zu einem kleinen Kasten an der Seite des Tores. Diese Seite des Gebäudes war zwar etwas wind- und wettergeschützt, doch der Regen prasselte trotzdem auf ihn, als er die Scheckkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz steckte, so dass die Ihnen die Tür geöffnet werden sollte.
Doch nichts geschah.

Doch das war für Sagrud nicht weiter verwunderlich. Wortlos drehte er sich zum Pio-LKW um und bereits ein Handzeichen später folgten ihm zwei seiner Männer. Einer trug einen schweren Werkzeugkoffer bei sich, der andere zog ein dickes Kabel vom Pio-LKW hinter sich her.
Zwei, drei Handgriffe und einer seiner Männer hatte ein Paneel unterhalb des in die Wand eingelassenen Kartenlesegeräts ausgehebelt. Ein paar Kabelstränge schauten nun empor und der zweite Pionier mit dem LKW-Kabel ging die einzelnen Drähte durch, verknotete hier und da welche und verband das ganze dann mit LKW-Kabel. Dann holte er ein trockenes Handtuch unter seiner Jacke hervor, wickelte das Ganze damit und trocknete die Verbundstellen so gut es ging.
„Hoffen wir, dass es keinen Kurzschluss gibt“ brüllte er gegen den immer stärker werdenden Wind zu Sagrud hinüber, dann hob er die Hand und gab dem LKW ein weiteres Handzeichen.
Ein paar Augenblicke starrten die drei Männer gebannt auf die Anzeige des Kartenlesers und Ihnen allen fiel ein Stein der Erleichterung vom Herzen, als die Anzeige schwach flackernd zum Leben erwachte.
Sofort aktivierte Sagrud den Code zum Öffnen der Tür. Wieder vergingen schier endlose Sekunden, ehe sich das Tor langsam rumpelnd öffnete. Sagrud ballte die Faust vor Freude und dirigierte dann die Transportwagen durch die immer breiter werdende Öffnung. Die Fahrzeuge zögerten auch nicht lange und bewegten sich, mit hell erleuchteten Scheinwerfen, langsam in das Gebäude hinein.
Auch die Kommandos folgten den Fahrzeugen, einzig Sergeant Caprese kam neben Sagrud zu stehen und nickte ihm anerkennend zu. Im Angesicht des nahenden Sturmes und unter der latenten Gefahr durch die feindlichen Mechs, war dieser Unterschlupf unter den gegebenen Umständen das mit Abstand Beste, was Sie kriegen konnten.
„Wenn wir Glück haben, können wir einfach so im Dunkeln verschwinden, ohne dass jemand merkt wohin“ rief Sagrud der Kommandosoldatin laut zu, während er ein breites Grinsen aufgesetzt hatte.
Doch Caprese schüttellte nur langsam den Kopf und zeigte wortlos auf die breite Spur, die die Kettenfahrzeuge im teilweise tiefen Schlamm und Geröll hinterlassen hatten.
Sagrud verstand und sein Grinsen verschwand genau so schnell, wie es gekommen war. Dieser weithin sichtbaren Spur würden die Battlemechs wahrscheinlich problemlos folgen können.
Sein Herz rutschte ihm in die Hose und er konnte nur hoffen, dass wer auch immer die Angreifer waren, sie auch weiterhin ihnen gegenüber kein Interesse entgegenbringen würden. Wenn doch, dann sassen sie in der Falle.
Ein lautes kreischendes Quietschen ließ ihn herumfahren und er brauchte einen Augenblick, um zu erkennen, dass das riesige Tor der Auslöser dieses brutalen Lärms war. So schnell wie möglich hechtete er hinüber zum Toröffner und betätigte die Stoptaste, doch es war bereits zu spät. Das Tor hatte sich anscheinend verkeilt und es ließ sich weder vor noch zurück fahren.
„Scheisse, verflucht, auch das noch…“
Jetzt hinterliessen Sie nicht nur eine breite Spur für etwaige Verfolger, sie mussten ihnen sogar noch die Tür offen halten. Frustiert hieb er mit der Faust gegen das Tor.
Jetzt konnte er wirklich nur noch hoffen, dass ihnen niemand folgen würde und dass Sie in diesem Gebäude weiter vorwärts kommen würden.
Wenn nicht, sassen Sie wie Mäuse in der Falle.

*******************************************
Ein paar wenige Kilometer weiter weg hatte sich ein tödliches Ballett gebildet, in dessen Verlauf sich riesige Kampfmaschinen umeinander herum tänzelten und dabei einige heftig Male aneinander rasselten waren.
Denny konnte von Glück sagen, dass das ganze noch ohne Ausfälle bei den Chevaliers, aber auch noch ohne nennenswerte Verluste auf Seiten der Gegner, abgelaufen war. Die intensiven Übungen der Schlag-zu-und-Hau-ab-Taktiken waren im Stadtkampf eine Segen, wenn es darum ging Zeit zu schinden. Und Denny machte sich nichts vor, es war ein reines Spiel auf Zeit, dass die Chevaliers sich mit ihren mysteriösen Angreifern, die Ihnen nicht nur in punkto Feuerkraft überlegen zu sein schienen, lieferten. Die Feindmechs waren nie ganz abzuschütteln, schienen immer auf die Gegenschläge der Scouts vorbereitet zu sein und waren Denny und seinen Leuten immer haarscharf auf den Fersen. Denny erachtete sich und seine Scouts schon als große Experten im Stadtkampf und wer auch immer ihre Gegner sein sollten, sie schienen darin nicht minder versiert zu sein. So versiert, dass sich Denny Sorgen machen musste, wie lange er und seine Leute dieses Katz-und-Mausspiel wohl noch überleben würden.
Aber in diesem Spiel hatten die Scoutmechs einen unerwarteten Verbündeten erhalten.
Der Sturm peitschte nun direkt um sie herum und Denny hatte mittlerweile schon fast Mühe die künstlichen Blitzschläge aus den PPKs noch von den wirklichen Blitzen unterscheiden zu können. Die Sichtweite war jetzt auf unter 100 Meter gefallen, teilweise weniger und sowohl Radar- als auch alle anderen Sensorortungen waren so gut wie unbrachbar. Das Ganze hatte jetzt eher das Ausmass eines Schattengefechts angenommen.

Und somit passte es voll ins Bild, dass Denny erst Notiz von dem Jaegermech nahm, als dieser schon fast auf 50 Meter an ihn heran gekommen war. Blitzschnell reagierte er, aktivierte seine Sprungdüsen gerade noch rechtzeitig umd einem wahren Bombardement an AK-Granaten relative unbeschadet zu überstehen. Überhastet erwiderte Denny das Feuer mit einer vollen Breitseite seiner mittleren Laser, doch von den fünf abgefeuerten Strahlbahnen traf nur eine einzige ihr Ziel und hinterliess nichts weiter als eine hässliche Brandnarbe im bis dahin unbeschädigten linken Torso der gegnerischen Maschine.
Doch Denny achtete schon gar nicht mehr darauf sonder konzentrierte sich stattdessen voll und ganz auf die Flugbahn seines Mechs, der sich fauchend auf plasmaheissen Feuersäulen erhob, eine niedrige Schutthalde überstieg und knapp hinter einer massiven einzelnen Wand zum Stehen kam. Er musste sein ganzes Können aufbieten, um nicht die Kontrolle über seinen Firestarter zu verlieren, da die Böen immer stärker wurden. Noch konnte er sich auf diese Art und Weise immer wieder den Angreifern entziehen, doch er fragte sich wie lange noch. Kaum war er unsanft auf den Beinen gelandet, gab er schon wieder Vollschub und jagte eine Häuserzeile entlang, nach allen Seiten hin nach seinen Verfolgern Ausschau haltend. Er versuchte so gut es ging Abstand von dem gegnerischen Loki zu halten. Wer auch immer sich am Steuer der Clanmaschine befand, er konnte verdammt gut mit seinen PPKs umgehen.
Zum Glück hatten die Pios sich inzwischen gemeldet und das vereinbarte Zeichen dafür gegeben, dass Sie die Anlage erreicht hatten. Daraufhin hatten sich die Scouts von Ihren Gegnern gelöst und hatten sich auf den Weg zu dem vereinbarten Treffpunkt mit den Höllenhunden gemacht.
Denny konnte nur hoffen, dass sie es unbeschadet zum vereinbarten Tunneleingang geschafft hatten und nicht direkt in eine der gefährlichen Feindmaschinen gerannt waren. Er zu seinem Teil, war durch den Kampf mit dem gegnerischen Jaegermech und dem Loki von Hank getrennt worden und war nun alleine auf weiter Flur. Die beiden Feindmaschinen schienen ihn trotz des Sturmes weiterhin vor sich herzutreiben und Denny fand einfach kein probates Mittel, um Sie zu umgehen.
„Chrrrrr“ meldete sich sein Funk und die sehr leise Stimme Hanks war gestört zu vernehmen „Three-D, komm´n chrrrrrr wo bis´n du? Chrrrrr Wir chrrrr vollzählich… chrrr Tunnel un´ chrrrr auffer anner´n Seite chrrr ich hoff´, du kommst nach, ne?“
„Hank, bringt euch in Sicherheit, ich komme auf einem anderen Weg.“
Er bekam als einzige Antwort ein stetiges Rauschen. Entweder ließ der Sturm keine weitere Kommunikation zu, oder die drei übrigen Mechs hatten sich dazu entschlossen sich in den Tunneleingang zu retten.
Etwas, dass Denny noch vor sich hatte. Doch wenigstens musste er sich jetzt keine Sorgen mehr um seine Leute machen. So schnell es die Beine seines Mechs zuliessen, machte er sich auf den Weg zu dem nördlichsten Tunneleingang von Lepizig.
Wenn die Gegner ihm dorthin noch würden folgen können, dann bestand für ihn keine Hoffnung mehr, dass wusste Denny.

Andai Pryde
16.09.2004, 00:02
Christine „Kiki“ Sleijpnirsdottir seufzte enttäuscht. Berichte wälzen, Simflüge, Theoriestunden und immer noch keine Nachricht von den Chevaliers der Gruppe Leipzig.
Langeweile und Anspannung pur. Inzwischen fing diese auch an, an ihren Nerven zu zehren. Gestern Abend war es zu einer kleinen Schlägerei zwischen einem Tech und einem Infanteristen gekommen, der die Chevaliers Landungsschiffe bewachen sollte.
Kiki und der Skipper der Rosemarie, der gute alte Arkab hatten sich des Streites als ranghöchste Angenommen.
Dennoch bereitete es Christine immer mehr Kopfzerbrechen, sie wollte nicht wissen, wie die Atmosphäre bei den Mechkriegern und Panzerfahren war, ganz zu schweigen von den Höllenhunden, die immer noch ihren Chef vermissten.
Aber was konnte man tun. Bei der absoluten Funkstille und dem Täuschungsmanöver blieb nicht viel, was man tun konnte, um die Tarnung nicht zu zerstören und die ganze Operation zum scheitern zu verurteilen.
Das Zischen der Tür, die langsam aufglitt, ließ Kiki aus ihren Gedanken taumeln und sich langsam auf die eintretende Sarah Slibowitz konzentrieren.
„Hey Sarah.“
Christine lächelte und wollte sich gerade wieder in ihre Arbeit vertiefen, als ihr der ernste Blick auf den Gesicht ihrer Freundin und Flügelfrau auffiel.
„Was ist los?“
Sarah zuckte mit den Schultern, während sie es sich auf der Koje an der Wand bequem machte.
Sie holte ein paar Datenchips hervor und warf sie Christine zu.
Sie fing sie geschickt auf und blickte verwirrt darauf.
„Was ist das?“
„Daten über die letzten Simzeiten.“
„Ja und?“
„Guck sie dir an!“
Christine schob den ersten Datenträger ins Lesegerät und überflog die Daten.
„Ich kann nichts entdecken. Sind doch alles nur unsere Simzeiten.“
Der nächste folgte, das gleiche Ergebnis.
Das Gleiche kam bei den nächsten paar Chips.
Kiki zuckte mit den Schultern:
„Und?“
Sarah seufzte und lehnte sich dann vor. Sie schob den ersten Datenchip wieder ins Gerät und deutete auf einen Zeitindex.
„Gestern Abend 2000. Ein zusätzlicher Eintrag, außerhalb der Standardübungszeiten.“
Hinter dem Eintrag stand eine kurze Log Datei, die Sarah aufrief. An erster stelle stand der Name Sandrina Gurrow, second Lieutenant Fallen Angels.
Kiki runzelte die Stirn.
„Ich kann nach wie vor nichts verwerfliches entdecken?!“
Die Zeiteinträge sind beinahe täglich und immer zu bestimmten Zeiten. In den näheren Missionsbeschreibungen kann man klar erkennen, dass sie bevorzugt bei Sturm flog. In einigen der Dateien steht sogar etwas von einem Flug nach Leipzig.“
Kiki lächelte.
„Na ja, immerhin hat sich die gute Sandy sinnvoll beschäftigt und ich denke...“
Eine gellende Sirene jaulte durch die ROSEMARIE.
„Fallen Angels auf Position, bereit machen für Katapultstart!“
Kiki und Sarah warfen sich einen Blick zu .
Sarah nickte stumm, warf Kiki ihre Fliegerkombi zu, die über der Bettlehne hing, während diese sich bereits auszog.
Sekunden später standen beide Frauen auf dem kalten Flur des Landungsschiffes und machte sich auf in Richtung Jägerhangar.
„Und was meinst du Sarah? Dvensky?“
„Nein, kann ich mir nicht vorstellen. Das wäre dumm, von ihm!“
„Aber wer dann?“
Kiki blickte auf den sich öffnenden Lift und stieg dann ein.
„Nun gehen wir mal davon aus, dass wir wache fliegen dürfen! Sofern uns Dvensky nicht vom Himmel blasen lässt.“
„Ja ist eine schwierige Situation. Also wenn wir wache fliegen, wie fliegen wir? Denk dran wir haben nur zwei Katapulte.“
Sleijpnirsdottir schmunzelte.
„Eine Kleinigkeit, die ich zur Zeit immer vergesse, wir sind ja jetzt zu viert. Ich denke wir gehen jeweils abwechselnd raus. Du schnappst dir Gurrow und passt etwas auf sie auf, ich denke deine Ruhe wird gut auf sie abfärben. Ich nehme mir Dante zur Brust!“
Der Lift kam an seinem Zielort an und die Türen glitten zischend auf.
Die beiden Chevalierspilotinnen traten in knappen Shorts und angelegten Kühlwesten in einen hektischen Hangarbetrieb.
Christine blickte sich zufrieden um, wie die beiden Stukas betriebsbereit gemacht wurden. Sie griff sich einen nahen Techniker.
„Sorgen sie dafür, dass Lieutenant Slibovitz Stuka und Lieutenant Gurrows Stingray als erstes auf die Katapulte kommen!“
Der Tech nickt stumm und eilte dann weiter.
Christine nickte Sarah zu und ging dann zu ihrer wartenden Stuka.
Sandrina Gurrow und Jean Dante stießen kurz darauf zu den beiden „alt“ Chevaliers.
Christine lehnte sich gerade in eine Auslausöffnung ihrer Schubdüsen, als die Meldung der beiden „jung“ Chevs ertönte.
„Die Lieutenants Dante und Gurrow melden sich zum Dienst Ma´am.“
„Sehr gut.“
Christine kletterte wieder aus dem Triebwerk und musterte die beiden.
Dante trug einen schlichten grauen Fliegeroverall mit der Chevaliersmaus auf der rechten Brust.
Gurrow in einer beinahe identischen Fliegerkombi, der Neurohelm klemmte unter ihrem Arm.
Kiki wusste, dass es sich dabei um einen alten Sternenbund-Helm handelte, ein wahres Schmuckstück, aber das stand hier nicht zur Debatte.
„Also Ladies.“ Wir gehen raus und fliegen Eskorte und Patrouille.
Mehr folgt, wenn der Major uns neue befehle erteilt. So wir es aussieht haben wir einen festen Korridor um das HPG, mehr nicht. Ein Stück zu weit und Dvensky holt uns vom Himmel. Denkt außerdem an den Sturm. Das wird nicht leicht da draußen.
Hotshot und Icecream gehen als erstes raus. Hellboy und ich folgen kurz darauf, sobald die maschinen und Katapulte bereit sind.
Wir haben nicht viel Spielraum. Der Startkorridor, den Dvensky uns zu gewiesen hat ist verdammt eng und ein Fehler und ihr dürft den Asphalt küssen. Nebenbei bemerkt. Die Bryant Staffel ist draußen, also werden wir sie mal ein bisschen beobachten. Nicht zu sehr, aber es spräche bestimmt nichts dagegen, wenn wir mal ein oder zwei Blicke landen, und uns über die genauen Qualitäten und die Quantität der Jungs und Mädels schlau machen.“

Ironheart
17.09.2004, 17:43
Alarm

HPG-Kaserne Bryant, Besprechungsraum der Infanterie
Brein, Bryant, Chaosmarken
28. April 3065

Corporal Maareike Koopmans saß nervös auf ihrem Sitz und wartete auf Sergeant Major McLachlan, der sie und die übrigen Kameraden ihres Trupps, die genau wie sie in der Kaserne zurückgeblieben waren, statt Sergeant Van Roose zu begleiten. Sie wusste nicht, worum es sich handelte und musste die Fragen ihrer Kameraden unbeantwortet lassen. Sie war sich keines Fehlers bewusst, gleichzeitig aber doch irgendwie nervös. Seit ihrer Beförderung zum Corporal und der damit einhergehenden zusätzlichen Bürde als stellvertretende Truppführerin fühlte sie sich noch stärker unter Druck als früher. Sie war sich nicht sicher, ob sie die Verantwortung für die vier anderen Mitglieder des Trupps überhaupt haben wollte. Zumal sie unter ihren Kameraden nicht gerade die beliebteste war. Die Veränderung, die sie seit der verhängnisvollen Silvesternacht durchgemacht hatte, war ihren Kameraden natürlich aufgefallen. Dass sie immer noch häufig aus Albträumen aufschreckte trug ebenfalls nicht dazu bei, dass das Vertrauen ihr gegenüber stieg. Maareike war sich sicher, das viele ihrer Kollegen sie skeptisch beäugten.
Zum Glück sah es bei ihren Vorgesetzten besser aus. Markus scheute sich nicht, ihre guten Leistungen mit entsprechend positiven Bemerkungen in den Leistungsbeurteilungen zu erwähnen. Und seit ihrer Beförderung und dem Orden waren damit auch die „Jeanne D´Arc“-Sticheleien ihrer Kollegen zurückgegangen.

Als die Tür zum Besprechungsraum sich öffnete, wurde Maareike aus ihren Gedanken gerissen und stand sofort auf um Haltung anzunehmen, als sie Captain Peterson den Raum betreten sah. Ihm folgte Sergeant Major McLachlan sowie im Schlepptau die vier Big Bad Boys Brauer, El-Hawari, Elovson und Tohunga. Vor allem in dessen düster tätowiertem Gesicht entdeckte sie ein feines Lächeln, das sie kurz erwiderte. Irgendwie hatte sich bei den beiden seit dem Elementartraining eine Art Freundschaft gebildet, auch wenn Tipenes Interesse in allererster Linie ihren Erfahrungen mit Kampfrüstungen galt.
Die vier Soldaten reihten sich zu Maareike und den den anderen dreien ihres Resttrupps ein während Peterson und McLachlan sich an der Tafel platzierten.
„Rührt euch und nehmt Platz“ befahl der Sergeant Major und die acht Soldaten setzten sich erwartungsvoll.
„Gut“ begann der Captain „Corporal Koopmans, sind sie und ihre Leute wieder auf dem Damm?“
„Ja, Sir. Alle voll einsatzfähig.“
„Sehr schön, Corporal. Trotzdem haben wir ein Problem. Sie sind mit nur vier Soldaten ein wenig unterbesetzt für einen Trupp, nicht wahr?“
Maareike nickte nur kurz.
„Gleichzeitig ist der erste Trupp des ersten Zuges mit 16 statt 12 überbesetzt. Daher sollten wir sie alle“ er zeigte mit einer ausholenden Geste auf alle acht anwesenden Soldaten „zumindest bis zur Rückkehr von Sergeant van Roose zusammenlegen.“
Maareike´s Gedanken überschlugen sich. Das ging ihr alles ein wenig zu schnell. Gustav Brauer und seine Leute waren fast alle deutlich erfahrener als Sie, wie sollte sie als Truppführerin gegen sie bestehen?
Captain Peterson schien ihre Gedanken gelesen zu haben. „Corporal Brauer, sie werden den Trupp in der Zwischenzeit führen.“ Gustav Brauer nickte nur kurz zur Bestätigung, dann wandte sich Peterson an Maareike. „Corporal Koopmans, sie werden weiterhin als stellvertretende Truppführerin fungieren. Ist das ein Problem für sie?“
„Nein, Sir“ antwortete sie deutlich erleichtert. Peterson wusste gar nicht, was für einen Gefallen er ihr gerade getan hatte.
„Sehr gut. Ach ja, zwei Dinge noch, da wir gerade alle so schön beieinander sitzen. Erstens: Finger weg von den Elementaren, klar?“ Er grinste breit bei diesem kleinen Witz, in den alle anwesenden kichernd einfielen. Seit dem die Big Bad Boys sich zusammen mit Markus und Maareike mit den riesigen Clannern angelegt hatten, war dieser Spruch zu einem Running Gag bei der Infanterie geworden. „Und Zweitens: Rekrut Tohunga, ihre Leistungen bislang sind tadellos, daher werden sie ab sofort als Private geführt.“
Tipene, der beim Aufrufen seines Namens wie von der Tarantel gestochen aufgestanden war, grinste nun von einem Ohr zum anderen. „Danke, Sir, vielen Dank.“
„Nicht der Rede wert. Bringen sie weiter diese Leistung und sie werden es zu was bringen bei den Chevaliers.“ Jetzt standen alle anderen auf und gratulierten ihm einzeln, während Peterson fortfuhr.
„Schön, dann machen sie sich untereinander bekannt und trainieren ein bisschen zusammen, damit…“ Weiter kam er nicht, da ihn sein Pieper unterbrach. Sofort erstarben alle Glückwünsche und alle Blicke wandten sich zum Captain, der die Nachricht gerade begutachtete. „Tja, scheint so, als ob sie auch ohne Training werden auskommen müssen“ rief er den verdutzten Soldaten zu und warf seinen Pieper McLachlan zu und bewegte sich augenblicklich in Richtung Tür. In dem Augenblick, in dem dieser einen kurzen Blick riskierte, begannen die Sirenen auf der HPG-Basis an eindringlich zu heulen.
„Alle Mann auf die Posten, das ist keine Übung“ rief McLachlan und schon war er los um zu Peterson aufzuschliessen.

„Na danke“ brabbelte Jon „Fully“ Elovson los „ein bisschen Zeit hätten uns die Bryanter ja wohl lassen können.“
„Nicht lang schwätzen, Fully“ herrschte ihn Gustav Brauer sofort an, sichtlich in seinem Element. „Ich will euch alle in 5 Minuten in voller Gefechtsrüstung auf Abwehrturm 3 stehen sehen. Los, Los, Los.“
Und damit machten sie sich alle auf den Weg. Maareike war dabei natürlich mulmig zumute. Falls es zu einem Kampf kommen sollte, konnte sie nur hoffen, dass die Tatsache, dass sich der Trupp kaum kannte, nicht nachteilig auswirken würde.

**************************************************

Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
28. April 3065

Der Anblick der Lagerhalle, der sich den Pionieren und den Kommandos im Inneren bot, war erschreckend. Überall lagen umgestürzte Maschinen, demolierte Möbel und die Überreste von zerborstenen Scheiben und Bildschirmen herum. Auch wenn die Lichter der Lastwagen und das Licht, dass durch die knapp vier Meter weit geöffnete Lagerhallentür fiel, nicht die gesamte Halle bis in die Ecken ausleuchtete, so war sich Sagrud sicher, dass es dort auch nicht besser aussah.
„Verfluchte Scheisse“ entfuhr es der nebem ihm stehenden Greta Caprese beim Anblick des Chaos „da war wohl jemand schneller als wir, oder?“
„Das muss nichts heissen“ gab Sagrud zurück. „Wer auch immer hier geplündert hat, er hat es planlos getan. Und der Staubschicht nach zu urteilen, hat er es vor langer Zeit getan.“ Und wie um seine Worte zu unterstreichen, fegte Sagrud mit seiner behandschuhten Hand über eine demolierte Arbeitsplatte, woraufhin sich eine große Stuabwolke bildete und durch den Raum schwebte. „Ich schätze, kurz vor dem Kollaps Bryants haben sich ein paar Vandalen hier umgesehen, aber nichts von Wert finden können.“
„Und warum glauben wir, dass wir es finden werden?“
„Weil wir wissen, wo wir suchen müssen“ grinste der Sergeant der Pioniere und fingerte einen in Plastikfolie eingehüllten Plan aus seiner Seitentasche. „Also, wir müssen da lang.“ Er zeigte grob in eine hintere Ecke.
„Gut, ich geb´ dir vier meiner Leute mit. Ich werde mit den anderen den Eingang so gut es geht sichern, zwei von uns sind auf Beobachtung draussen…“
Sagrud schaute sich schüttelnd zum windumstosten Eingang zurück, durch den der prasselnde Regen des Sturmes in Form von heftigen Böen fegte. „Die sind da draussen? Na, die sind ja nicht zu beneiden, oder?“
„Falls wir verfolgt werden sollten, brauchen wir diese Frühwarnung unbedingt.“
Sagrud nickte und sah der Kommandosoldatin hinterher, die sich in Richtung des Ausgangs bewegte. ´Falls wir verfolgt werden sollten, brauchen wir mehr als Frühwarnung` schoss es ihm durch den Kopf. Dann sammelte er sein Team und sie machten sich mit Taschenlampen auf den Weg nach hinten.

Das Licht in diesem Bereich der langgestreckten Halle wurde immer dunkler und diffuser. Die Pioniere bahnten sich eine Bresche durch die Trümmer und hatten letztlich den hinteren Teil der Halle erreicht. Sagrud wusste anhand der Pläne, dass die Rückwand der Halle in die Bloomingdale Heights hinein reichte. Und das hatte auch seinen Grund.
Als sie einen bestimmten Abschnitt erreicht hatten, fanden sie, wonach sie suchten: Ein kleines Paneel eingelassen in der Wand, ähnlich dem Öffnungsmechanismus des Haupttores. Wieder steckte Sagrud eine von Comstar Rom zur Verfügung gestellte Scheckkarte in den Schlitz und wieder mussten die Aggregate des vordersten LKW´s als Stromquelle dienen.
Und als dieses Mal die hintere Wand sich problemlos öffnete, wurden sie von einer undurchdringlichen Schwärze begrüßt. Langsam näherte sich Sagrud dem Fahrstuhlschacht, einem Lastenaufzug, der knappe 4 Meter breit und fast 20 lang war. Zum Glück hatten die Sternenbundingenieure in dieser Anlage nicht nur Personenaufzüge sondern auch Lastenaufzüge für Transportfahrzeuge gebaut. Andernfalls wären die Chevaliers mit ihrem schweren Gerät gar nicht bis nach unten gekommen.
Nun leuchtete Sagrud mit seiner Taschenlampe nach unten. Er wusste, dass es von hier aus 5 Stockwerke tief ging, knappe 20 Meter oder mehr.
„Und? Wie kommen wir da runter, Sarge?“ fragte ihn einer seiner Leute. „Wir werden uns doch wohl nicht da runter seilen müssen, oder?“
Sagrud musste grinsen. „Doch, Greg, das werden wir wohl müssen.“
Greg war sichtlich schockiert und die Panik in seinem Gesicht war unverkennbar. „Sarge, was sollen wir da unten ohne unser schweres Gerät?“
„Das Licht anknipsen“ antwortete ihm Sagrud trocken.

Andai Pryde
05.10.2004, 09:52
Ein Tech kam an und überreichte Kiki ein Datapad.
Sie studierte es eingehend und nickte dann grimmig.
„Nun gut, wir haben Starterlaubnis für zwei Maschinen. Also weiterhin wie gehabt. Sarah und Sandrina gehen als erste raus, der Rest bleibt wie bereits besprochen. Patrouille um das HPG nicht mehr und nicht weniger, sofern Major Danton nichts anderes anordnet!“
Sleijpnirsdottir hielt kurz inne und musterte die drei übrigen Mitglieder der Chevaliers Fluglanze.
Erwartung, Vorfreude, Ruhe, Nervosität und einfach nur pure Zufriedenheit spiegelten sich auf ihren Gesichtern.
„Jean und ich bleiben noch hier, halten uns aber bereit. Ich habe keine Ahnung, was euch da draußen erwartet, aber laut dem Major dürfte es keine Schwierigkeiten geben. Passt aber dennoch bitte auf die Flaks und Bryanter auf. Die sind schon nervös genug, es reicht schon, wenn sie sich erschrecken und auf euch schießen.“
Sarah Slibowitz und Sandrina Gurrow nickten bestätigend.
„ Ok, dann los an die Knüppel und hoffen wir, dass wir heute nicht kämpfen müssen.“
Die vier Fallen Angels drehten sich um und bestiegen ihre Maschinen.
Christine beobachtete, wie sie die Leitern erklimmten, die Neurohelme aufsetzten, die Kontaktpflaster befestigten und die Fliegerkombis an das Wärmeaustauschsystem der Jäger anschlossen.
Dann saß sie selber im Cockpit ihrer Stuka und setzte sich den Neurohelm auf.
Die Pilotenvariante des Helmes war glücklicherweise leichter, als die der Mechkrieger. Dennoch tat es gut, das vertraute Gewicht, sanft gepolstert auf den Schultern zu spüren.
Stille hüllte sie ein, als der Helm saß, dann öffnete sie eine Funkverbindung.
„ Flugkontrolloffizier von Fallen Angel One!“
„Hier FKO! Sprechen Kiki!“
„ Überprüfe Gefechtsbereitschaft Fallen Angels! Bitte warten!“
„ Roger!“
Mit dem Anspannen der Kiefermuskeln aktivierte sie eine neue Verbindung.
„ Fallen Angels von Kiki. Gefechtsbereitschaft!“
„ Hier Angel two, Icecream, check und grün!“
„ Angel three, Hellboy, check und Daumen hoch!“
„ Angel four, Hotshot, check, Elektronik gelb, Moment jetzt grün. Hotshot melde nach wie vor Störungen durch PPK in FLK.“
„ Verstanden Hotshot, hoffen wir, dass du sie nicht brauchst.“
„Flugkontrolloffizier von Angel One. Melde Fallen Angels grün!“
„ Verstanden Angel One! Übernehme Startkontrolle. Vorbereiten auf Katapultstart!“
eine kurze Pause, dann ertönte die Stimme mit dem typischen Knacken wieder in der Leitung und auch gleichzeitig auf dem Deck.
„Start der Fluglanze auf 5! Techs in Sicherheitsbereich. Tankstutzen entfernen!“
Techs entfernten sich, während die Treibstoffschläuche eingerollt wurden.
„ Katapultstart für Fallen Angels two und four! Icecream, Hotshot bestätigen!“
„ Icecream. Bestätige Katapultstart auf fünnef für Angels two und four.“
„ Hotshot. Bestätige!“
„ Countdown in ... 5!“
Die Hangartüren schwangen auf. Metall schabte und quietschte leise aufeinander.
Ein sanfter Wind rauschte am Schott vorbei und die Sicht offenbarte in einiger Entfernung die Stadt Brein.
„ 4!“
Kiki warf einen Blick auf die Techs und dann auf die beiden schwarzen Chevaliers Maschinen. Die Bauchseiten beider Maschinen waren in einem dunklen grau gehalten, während die Oberseite, das inzwischen charakteristische schwarz-blau-silber aufzeigte.
Der herabgestürzte Engel prangte auf beiden Maschinen, ebenso wie die Degenschwingende Maus der Chevaliers.
„ 3!“
Jean Danté zupfte nervös an seinem Kragen und beobachtete teils traurig, teils zufrieden die Vorgänge. Das graue Stahlschott war inzwischen vollends in die Verkleidung verschwunden und ein harter Windstoß peitschte durch den Hangar.
Zwar nicht so stark, wie eine Sturmböe, aber immerhin reichte es, einen zu locker befestigten Tankschlauch loszureißen. Treibstoffreste spritzten glücklicherweise nicht umher.
„ 2!“
Sandrina Gurrow schob ihre Visierplatte zurecht und wischte sich, ihre vom Schweiß, feucht gewordenen Hände an der Kühlweste ab.
Sie blickte auf ihre Kontrollen und sah zufrieden das bunte Lichtspiel der Anzeigen. Der Höhenmesser war in Ordnung, Treibstoff voll und im grünen Bereich. Unruhig tippelte sie leicht mit den Zehenspitzen auf den Schubpedalen und lockerte ihre Finger, um sie dann an den Steuerknüppel zu legen.
Endlich.
Der Gedanke zuckte stumm durch ihren Körper und ließ sie vor Vorfreude erbeben, Leicht kräuselten sich ihre Haare, erst im Nacken, dann wellenartig die Arme hinab bis zu den Beinen, auch wenn sie da zurzeit wenig hatte.
„1!“
Sarah Slibowitz überprüfte noch ein letztes Mal ihre Anzeigen und stellte die Funkfrequenzen ein.
Dann begann sie die Waffensysteme zu checken und auf die FLK´s, Feuerleitkontrollen, umzusortieren.
Die beiden LSR-20 auf die Sekundär FLK, während die vier schweren Laser die Haupt FLK stellten. Die KSR-6 ließ sie auf der dritten FLK, während sie die beiden Heck Laser nicht weiter zuordnete.
Dann wärmte sie die Schubdüsen an, als das Katapult sie auch schon aus dem Hangar schleuderte.
Mit unglaublicher Geschwindigkeit schoss die Stuka aus dem Hangar der ROSEMARIE und Sarah zündete die Schubdüsen und ritt die restliche Strecke sanft weiter.
Der Stingray Sandys schloss sich ihr an und flog dann an ihr vorbei.
Das taktische Manöver während des Fluges sah vor, dass beide Maschinen sich abwechselten in der Führung und Deckung. Mal flog Sandy vor, mal Sarah. Wobei allerdings lediglich Sandy ihre Geschwindigkeiten veränderte.
Ihr Stingray hat die größeren Treibstoffvorräte und erlaubte ihr somit, mehr Manöver als Sarah.
Bisher war von den Elementen der Lyraner nichts zu sehen. Lediglich Bryanter Soldaten waren hie und da durch die Gebäude zu sehen, als die beiden Chevaliers Maschinen drüber hinweg flogen.
„Ganz ruhig Sandy, wir wollen doch keine nervösen Einheimischen provozieren!“
„Aye.“
Sarah warf einen kurzen Blick zu ihrer Wingfrau und musterte ihr Flugverhalten. Der Stingray lag ruhig in der Luft, getragen von seinem mächtigen Fusionsreaktor im inneren. Die nach vorn gespitzten Flügel wirkten angriffslustig und schnittig.
Dann fiel Sarahs Blick auf das Foto an ihren Höhenmesser.
Decius Metelus war darauf abgelichtet, wie er gewinnend lächelte.
Es war ein Glücksbringer und noch mehr als das, eine Erinnerung an die guten und ruhigen Zeiten in ihrem Leben, fernab jeglicher Gewalt, Verletzungen oder brutalen Krieges. Das letzte Mal gegen den Ronin, waren sie und Kiki auch nicht gerade glimpflich davon gekommen, aber sie hatten überlebt, das zählte.
Überlebt, um weiter zu kämpfen und weiterhin Geld zu verdienen, als Söldner in einer zerrütten Welt.
Das HPG kam in Sicht und die riesige Parabol Satelliten Antenne kündigte das überdeutlich an.
Mehrere Maschinen in den Farben der Chevaliers hatten Position bezogen, einige andere kamen gerade aus dem Hangar und schritten über das Logo Comstars, das auf dem asphaltierten Boden gemalt war.
Panzer rollten in Stellung, bereit jedem Feind eine breite Wand an Raketen, Granaten und Laserstrahlen entgegen zu schleudern.
Unweit hinter Sarah und Sandrina, waren die ersten donnernden Schüsse und Explosionen zu hören.
Die Schlacht hatte begonnen.
Doch wie würde sie ausgehen?
Vor allem, würden die Chevaliers überleben?
Sarah schaltete den Funk ein und suchte die Frequenz des Majors.
„Fallen Angels Patrouille in Position, wir drehen dann mal unsere Runden.“
Die kurze Bestätigung des Majors folgte, auch wenn ein beschäftigter, leicht nervöser Unterton mitschwang. Wahrscheinlich rückte ihm der Shatun wieder mal auf die pelle und schaute ihm auf die Finger.
Sarah schmunzelte, denn sie wusste, dass Germaine Danton schon schlimmeres überstanden hatte, auch wenn es nie leicht war.
Blitze über ihr lenkten ihre Blicke nach oben und sie sah zwei Korsaren der Bryanter vorbeirauschen und sich dann trennen, während zwei Trush hinterher flogen.
Doch dies betraf weder sie, noch Sandy, auch als der eine Korsar schwer beschädigt wurde, registrierte Sarah es nur.
„Hui, da nimmt uns jemand die Arbeit ab.“
„Ruhig Hotshot, denk daran, wir sind nicht hier um jemanden zu bekämpfen, noch sind die Bryanter unsere Feinde. Wir passen lediglich auf unser Rudel auf.“
„Ja.“
Resignation, ob der Rüge schwang in Sandys Stimme mit, aber sie musste es lernen, lernen ihre Unruhe im Zaum zu halten. Sie war eine der besten Pilotinnen, die Sarah kannte, allerdings brachte das ihr wenig, wenn sie ständig unnötig ihr Leben riskierte oder ob ihres jugendlichen Gemüts ihre Fähigkeiten nicht hundertprozentig ausnutzte.
Die Stuka und der Stingray kreisten bequem über dem Gelände der beeindruckenden Hyperpulsstation.

Ironheart
08.10.2004, 18:49
Licht am Ende des Tunnels

Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights,
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
29. April 3065

Sergeant Sagrud untersuchte die Ausrüstung eines seiner Kollegen. Als er damit fertig war, klatschte er ihm auf die Schultern als Zeichen, dass dieser einsatzbereit war. Ohne ein weiteres Wort abzuwarten, ging der Soldat zu dem LKW der Pioniere und ließ sich verkabeln.
Dann wandte sich Sagrud zu Sergeant Caprese um, die nun Ihrerseits seine Ausrüstung untersuchte. „Und Sergeant? Sind ihre Leute soweit?“ fragte sie währenddessen.
Sagrud nickte kurz. „Ja, so weit es geht schon. Die drei, die mich begleiten werden, sind bereit. Der Rest meiner Pioniere hat ein provisorisches Lager dort drüben eingerichtet, damit sich unsere Leute in Schichten ausruhen können. Wie weit sind ihre Leute?“
„Fast fertig“ antwortete Caprese während sie zusammen mit Sagrud nun ebenfalls zum vordersten LKW ging, nachdem sie ihm wiederum signalisiert hatte, dass er Einsatzbereit war. „Das Eingangstor ist gesichert, Infanterie kommt da nicht so einfach rein. Zumindest nicht ohne Verluste…“ Sie grinste schief. „Falls aber die Mechs vorrücken sollten, werden meine Leute sich in die Halle zurückziehen und das Tor so lange wie irgendmöglich von Innen halten.“
„Gegen Mechs?“
„Naja, wenn uns die Mechs angreifen haben sie nur zwei Möglichkeiten: Entweder legen sie das Gebäude und die Halle hier in Schutt und Asche, woraufhin wir uns mit dem Rest der Pios nach unten evakuieren werden und uns dann wieder herausgraben müssen, wenn es sein muss.“
„Herausgraben? Aus fünf Stockwerken Tiefe?“ Sagrud war mehr als skeptisch.
„Entweder das, oder der Rest der Chevs holt uns irgendwann da raus.“
"Was ist die zweite Möglichkeit?“
"Naja, die Mechs könnten natürlich auch erst das Tor bombardieren, um den Weg für ihre Infanterie frei zu machen, aber selbst dann werden wir sie hier gebührend empfangen und ihnen eine blutige Nase verpassen, während wir wieder nach unten evakuieren müssen.“
„Hmmm, klingt beides nicht danach, als ob wir die besten Karten haben, oder?“
Caprese zuckte mit den Schultern. „Tja, wir werden versuchen das Beste daraus zu machen. Sehen sie erst mal zu, dass sie ihre Dinge unten auf die Reihe kriegen, o.k.?“
Sagrud grinste, während er begann in ein Geschirr zu steigen, wie es Kletterer benutzten. „Wir kommen schon zurecht, Sergeant“. Dann verkabelte ihn einer seiner Männer, in dem er ein stabiles Drahtseil mit einem Karabinerverschluss versehen an Sagruds Geschirr befestigte.
„Viel Glück“ hauchte Caprese, dann war sie in der Dunkelheit der Lagerhalle verschwunden.

Sagrud zog das Nachtsichtgerät über seinen und signalisierte mit hochgerecktem Daumen, dass er fertig war. Seine drei Begleiter taten es ihm nach und dann machten sie sich auf den Weg den tiefschwarzen Schacht hinunter. Die Winde des LKWs ließ langsam aber stetig das Drahtseil nach und nach relativ kurzer Zeit erreichten die Pio´s das Dach des Fahrstuhls. Als sie unten angekommen waren, knickte jeder von Ihnen ein paar Glühstäbe durch, welche sofort fluoreszierend zu leuchten begannen und den Fahrstuhlschacht in ein gespenstisches Licht badeten. Durch den Restlichtverstärker des Nachtsichtgerätes war das für Sagrud allerdings so, also ob jemand das Licht angeknipst hatte. Es dauerte nicht lange und sie hatten die Dachluke, die ins Innere des Lastenaufzugs führte gefunden.
Ein paar Minuten später war die Luke aufgeschweisst – im Laufe der Jahrhunderte schien sie eingerostet zu sein – und sie konnten hinabsteigen, zumindest zwei von Ihnen.

„So, Sarge, wie geht’s jetzt weiter?“ fragte Greg, der ihn hinunter begleitet hatte.
„Wir beide machen jetzt das Fahrstuhltor auf, Anders und Alexej holen den versiegelten Fusionscontainer hinunter und dann suchen wir das interne Kraftwerk der Forschungsanlage um den Fusionscontainer einspeisen zu können. Dann haben wir genug Energie um endlich für Licht hier unten zu sorgen und den Lastenaufzug für unser schweres Gerät zu benutzen. Und dann finden wir die Labors, bergen den Satelliten und machen uns schwuppdiwupp wieder auf den Rückweg.“ Sagrud hatte bewusst den Plan noch einmal in seiner Gänze und in einem etwas gehässigen Tonfall heruntergeleiert, da er es Greg schon bestimmt zum zehnten Mal erläutert hatte.
„Und wenn die Anlage nicht mehr funktioniert? Oder verschüttet ist? Oder wir sie nicht finden?“ Greg schien etwas angespannt zu sein, aber Sagrud ging darauf nicht sonderlich ein. Greg war bekannt für seinen Pessimismus. Und für seine lange Leitung.
„Tja, dann wird das die kürzeste Bergungsaktion aller Zeiten“ seufzte Sagrud und setzte das Stemmeisen an „und jetzt halt endlich den Mund und hilf mir.“

**************************************************

Tunnelsystem unterhalb von Leipzig, Tunneleingang am östlichen Ufer des Liquorice-Rivers
University-District, Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
29. April 3065

1st Lieutenant Doc Dolittle saß gebannt in seinem Kommandantensessel und lauschte konzentriert den Worten des Mannes auf der anderen Seite der Leitung zu.
„Und daran gibt es wirklich keinen Zweifel?“ fragte Doc, von dem gehörten vollkommen überrascht. Er hatte mit vielem während dieses Einsatzes gerechnet, aber nicht hiermit.
„Nein Doc, tut mir leid“ antwortete ihm Kapitän van der Merves. „Die Anzeigen waren eindeutig.“
Doc nickte nur kurz und überlegte. „Na gut, danke für die Information. Ich halte sie auf dem Laufenden“ gab er dann zurück und beendete das Gespräch.
Er blickte einen Augenblick starr vor sich hin und versuchte die Implikationen des Ganzen noch einmal durch seinen Kopf gehen zu lassen. Aber hier an Bord seines Panzers konnte er keinen klaren Gedanken fassen. Er rieb sich die Müdigkeit aus den Augen und beschloss dann aufzustehen und auszusteigen, um etwas frische Luft zu holen. Aki schaute sich kurz mit besorgtem Blick nach ihr um, hatte sie doch Wortfetzen der Unterhaltung mitgehört. Doch er formte ein lautloses „Später“ mit seinem Mund und gab ihr ein Zeichen, dass er bald wieder zurück sein würde. Es gab noch keinen Grund sie einzuweihen, damit sie sich auch noch Sorgen machte. Er würde es ihr in einer freien Minute anvertrauen. Aki lächelte kurz zurück, drehte sich um und studierte dann wieder die Anzeigen des Panzers.
Dolittle und seine Leute hatten im Moment Wachdienst, während sich die anderen von den Strapazen des gestrigen Tages zu erholen versuchten. Die Mechkrieger, weil sie überfallen worden waren und nur schieres Glück gehabt hatten, dass Ihnen das Bryanter Wetter zu Hilfe geeilt war. Und die Panzerfahrer, die den Mechkrieger eigentlich zu Hilfe eilen wollten und fast in eben jenem Wetter stecken geblieben waren. Mit Müh und Not hatten sich beide Seiten in den Tunnel retten können. Die einen vor den mysteriösen Angreifern, die anderen vor dem immer noch wild tobenden Sturm.
Und das einzige, was sie jetzt hatten tun können, war ein provisorisches Lager in den Tunneln zu errichten. Ein einsames Lagerfeuer prasselte in der Mitte eines Kreises gebildet aus ein paar Zelten. Drumherum standen die drei angeschlagenen Mechs der Chevaliers und um diese herum waren wiederum die vier schweren Panzer gruppiert.
Einige seiner Leute hatten sich zum Schlafen hingelegt, ein paar andere sassen um das Lagerfeuer herum und versuchten sich in den etwas kühlen und zugigen Katakomben der Tunnelanlagen aufzuwärmen. Sollten sie überraschend angegriffen werden, würden sie in Minutenschnelle bereit sein, um ihre Maschinen zu bemannen.
Doch Doc hoffte, dass es dazu erst gar nicht kommen würde. Nach allem, was ihm Miko über die Angreifer gesagt hatte, waren das Profis. Und in ihrer jetzigen Verfassung wollte Dolittle lieber nicht noch einmal mit Ihnen zusammenstossen.
Doch den Gefallen würden sie ihm und seinen Leuten wohl nicht machen. Doc musste davon ausgehen, dass es sich hier um dieselben Angreifer handelte, die sie vor ein paar Wochen auf New Home attackiert hatten.
Und seitdem sie wieder aufgetaucht und die Scouts angegriffen hatten, hatte sich Doc immer und immer wieder dieselben Fragen gestellt: Wer waren ihre namen- und gesichtslosen Feinde? Warum attackierten sie die Chevaliers nun schon zum zweiten Mal? Und was noch wichtiger war: Woher wussten sie, wo die Chevaliers gelandet waren?
Jetzt kannte er die Wahrheit und war schockiert.

„Hallo Dolittle-San, alles in Ordnung?“ erklang Mikos Stimme neben ihm und er wirbelte förmlich herum, da er sie nicht hatte kommen hören. Sie erschrak wegen seiner abrupten Bewegung und fragte vorsichtig weiter: „Du siehst aus, als hättest Du ein Gespenst gesehen?!“
Doc blinzelte einen Moment. Dann hatte er sich wieder gefangen. „Nein, alles in Ordnung, Miko.“
Er wusste er klang nicht sonderlich überzeugend und somit war es kein Wunder, dass Miko die Arme vor der Brust verschränkte und den Kopf leicht zur Seite neigte. „Sicher?“
Doc zögerte. Konnte er es ihr sagen? Würde sie vielleicht am Ende auch in diese Sache verwickelt sein? Doch dann schüttelte er den Kopf. Nein, Miko war mit Sicherheit eine der vertrauenswürdigsten Mitglieder der Chevaliers. Sie war seit Anbeginn dabei, hatte Seite an Seite mit Ihnen ihr Leben riskiert, war mit Scharnhorst liiert und Germaine war mehr als nur ihr Vorgesetzer. Sie würde die Chevaliers niemals verraten, also begann er zu erzählen.
„Also gut, Miko“ flüsterte er leise und schaute sich um „aber du musst darüber Stillschweigen bewahren, o.k.?“ Miko nickte nur kurz und rückte ein wenig näher an Doc heran.
„Wie du weißt, sind wir neulich von einem Aufklärungsflugzeug überflogen worden. Wir wussten aber, dass es die SKULL nicht geortet haben konnte. Und wir haben mitgekriegt, dass es in dem vorletzten Sturm abgestürzt ist. Nachdem die Pios ihre Reperatur- und Aufräumarbeiten an der SKULLCRUSHER erledigt hatten, haben sie einen kleinen Suchtrupp nach dem Flieger losgeschickt. Und sie haben tatsächlich den verletzten Piloten bergen können. Naja, jedenfalls war er wohl so dankbar über seine Rettung, dass er ohne Druck preisgegeben hat, das er nach einem bestimmten Signal gesucht hat. Man hat ihm nicht gesagt, um was für ein Signal es sich handelte, aber er wusste noch die Frequenz. Van der Merves hat diese dann überprüft und es handelte sich um einen Peilsender.“
Mikos Augenbrauen zogen sich ein klein wenig nach Oben, das einzige Anzeichen für ihre Neugier. „Wer?“ fragte sie und kam damit direkt zur Sache.
„Dukic!!

Miko schien mehr als verblüfft zu sein. „Dukic? Er hat die Angreifer hierher gelockt?“
Doc nickte. „Anscheinend.“
„Aber er hat genau so gegen sie gekämpft wie wir alle.“
„Aber nicht auf New Home. Als wir dort angegriffen worden sind, war er nicht bei seiner Maschine. Und hier ist er als einziger von der Einheit getrennt worden. Und er hat einen direkten Kampf mit einem Loki und einem Jagermech überlebt. Fast unbeschadet.“ Je mehr Doc darüber nachdachte, desto mehr setzte sich ein Puzzle in seinem Kopf zusammen.
Miko schien noch nicht überzeugt zu sein.„Er ist gut und hat einen schnellen Mech…“
„Und er ist auf Outreach neu zu uns gestossen, seine frühere Einheit ist zerstört worden und er ist nebenbei Mitbesitzer einer zwielichtigen Bar auf Outreach. Erinnere ich mich falsch, oder haben wir nicht alle Silvester in dieser Bar gefeiert, während unsere Basis angegriffen worden ist? Das alles und die Tatsache, dass er zweifellos einen Peilsender auf einer geheimen Mission bei sich trägt, spricht nicht gerade für seine Loyalität und Vertrauenswürdigkeit, oder?“
Mikos innerer Widerstand gegen den Gedanken, dass Dukic ein Verräter sein könnte, brach zunehmends auseinander, dass konnte Doc förmlich ihrem Gesicht ablesen. Dazu kam noch, dass Dukic von Anfang an ein ausgesprochener Kotzbrocken gewesen war, sich mit Metellus angelegt und sich mit keinem einzigen Chevalier angefreundet hatte. Mit keinem bis auf Einen.
„Was ist mit Hank?“ fragte Miko, blickte zum Ausgang des Tunnels, wo sie den grossgewachsenen Mechpiloten zum letzten Mal gesehen hatte und zeigte damit, dass sie denselben Gedankengang gehabt hatte wie Doc.
„Scheisse, stimmt ja. Hank Borer ist sein bester Freund.“ Wenn Dukic ein Verräter war und Hank sein bester Freund, dann war die Wahrscheinlichkeit, dass dieser mit ihm unter einer Decke steckte sehr groß. Und das würde nicht nur bedeuten, dass sie nicht mehr auf Dukic und seinen Firestarter zählen konnten. Im Ernstfall würden sich auch noch Hank und sein Dervish IIC gegen sie stellen.
Doc packte eisige Wut in seiner Eingeweide. Wenn sie von Dukic und Borer tatsächlich verraten worden waren, dann hatten sie keine Chance mehr. Mit nur zwei leichten Mechs, vier schweren Panzern und einer Handvoll Infanteristen gegen dann zwei komplette Mechlanzen anzutreten war schierer Selbstmord. Zumal sie ja auch noch erst einmal ihren womöglich eingekreisten Kameraden in der geheimen Forschungsanlage zu Hilfe kommen müssten.

„Und, Doc-sama, was machen wir jetzt mit Hank?“
„Ich sag es nicht gerne, Miko, aber wir sind in einer verteufelten Lage. Wenn Hank mit Dukic unter einer Decke stecken sollte, dürfen wir ihn unter keinen Umständen an Bord seines Mechs lassen, oder wir sind verloren. Wenn wir ihn aber verhaften und er aber nichts von Dukics Verrat gewusst hat, dann schwächen wir uns selbst.“ Miko nickte während Doc auf seiner Unterlippe kaute. Eine wahrhaft vertrackte Situation war das.
„Und wenn wir ihn fragen?“ Mikos Vorschlag klang einerseits naiv, andererseits vernünftig. Doch dann schüttelte Doc den Kopf. „Nein, so leid es mit tut, aber wir können ihm nicht vertrauen, selbst wenn er seine Unschuld beteuern würde. Und die Gefahr, dass er vorgewarnt wäre und bei nächster Gelegenheit gegen uns losschlagen würde, ist viel zu hoch.“
„Dann lass uns aber wenigstens kurz mit ihm reden“ sagte die zierliche Mechkriegerin, die sich einen Chillsuit übergezogen hatte, um nicht im kühlen Wind frieren zu müssen und zeigte auf eine einsame Silhouette, die einsam am Tunneleingang stand und in die Dunkelheit blickte.
„Na gut, wenn Du meinst.“ Doc zuckte kurz mit den Schultern, als sie sich auf den Weg zu dem Ex-Solaris-Jockey machten.

„Hallo, Hank!“
Hank drehte sich langsam um, die Arme verschränkt vor der Kühlweste, die seine muskulöse Brust bedeckte.
„Hi Miko, hallo Doc“ antwortete Hank kurz angebunden und drehte sich wieder dem Tunnelausgang zu.
„Alles in Ordnung mit dir, Hank?“ fragte Miko während Doc seinerseits den hünenhaften Mechkrieger aufmerksam beobachtete.
„Ja“ seufzte er einmal und drehte sich mit einem etwas gequälten Lächeln zu den beiden um, „is´ nur, das ich gern wüsste, wo er is`, ne?“
„Meinst Du wir müssen uns wegen irgendetwas Sorgen machen?“ fragte Miko ein wenig doppeldeutig.
„Ach neee“ grinste der Hüne nun „Denny is´ nen großer Junge, ne? Er kann schon auf sich aufpass´n…“ flachste er jetzt, doch sein Gesichtsausdruck strafte seinen laxen Worten Lügen. „Und die Angreifer, Hank? Weißt du wer es da auf sich abgesehen hat?“
Hanks Reaktion kam prompt, ohne den Hauch eines Zögerns. „Keine Ahnung. Aber ich schwör´ euch, sollt´n die Denny auch nur´n Haar gekrümmt hab´n, hau ich die zu Klump.“ Und dabei ballte er die Fäuste und Doc hatte fast den Eindruck, we wolle schnurstracks in den Sturm hinaus marschieren um seinen Freund zu suchen.
Doc legte ihm kurz auf die Hand auf die Schultern. „Hau dich aufs Ohr, Hank. Müde und erschöpft nützt du uns allen nichts…“
Hank nickte, blickte noch einmal hinaus in den Sturm und seufzte tief. „Du weiss´ wie das is, Doc, wemma Freunde im Stich lass´n muss, ne?“
Doc schüttelte energisch den Kopf. „Ja, ich weiss sehr wohl wie dieses Gefühl ist, Hank. Aber Du HAST Denny nicht im Stich gelassen. Du konntest nicht an seiner Seite bleiben, weil dich der Sturm gehindert hat.“ Er musste sich verkneifen um nicht zu sagen, dass es ausserdem noch gar nicht raus war, wer hier wen im Stich gelassen hatte.
„Ja, aba ich hätt´ an seiner Seite bleib´n müss´n, ne? So isser ganz allein, um ihn rum nur Feinde…“
„Hank, es gibt nichts, was du im Augenblick daran ändern könntest. Leg dich ein wenig hin und ruh´ dich aus. Sobald das Wetter wieder besser wird, gehen wir wieder auf die Suche nach ihm! Versprochen!“
Hank seufzte wieder, doch diesmal nickte er endgültig und wandte sich zum Gehen. „Wirst schon Recht hab´n, Doc, morg´n is´auch noch´n Tag. Danke!“
Doc lächelte dem großen Mechkrieger nur freundlich hinterher. Doch als dieser ausser Sichtweite war, änderte sich Doc´s Gesichtsausdruck schlagartig und er drehte sich zu Miko um, die die ganze Zeit nur stumm zugesehen hatte. „Ich werde aus ihm nicht schlau, muss ich sagen. Er klingt nicht danach, als würde er für die andere Seite arbeiten. Und wenn doch, dann ist der Junge ein dermaßen guter Schauspieler, dass ich sagen würde, er hat den Beruf verfehlt. Ich würde fast sagen, dass Hank nichts weiss. Trotzdem, weih´ Finn in diese Sache ein, wir werden ihn zu dritt im Auge behalten. Sollte er auch nur eine Bewegung machen, werden wir ihn festsetzen, und zwar noch bevor er an Bord seines Mechs ist. Aber irgendein Gefühl sagt mir, dass das nicht nötig sein wird.“
Miko nickte. „Ja, Dolittle-San, aber…“ Sie zögerte und schlug die Augen nieder.
„Aber was?“ fragte Doc nach.
Miko seufzte tief, bevor sie antwortete „Aber bei Dukic bin ich mir überhaupt nicht sicher.“ Man sah ihr an, dass sie das nicht gerne sagte, schließlich war Dukic ihr direkter Vorgesetzter. „Und was, wenn beide Verräter sein sollten?“
Dolittles Gesicht war eine harte Maske, als er ihr antwortete. „Dann werden wir unsere Haut teuer verkaufen. Er wird für seinen Verrat büssen, das schwöre ich.“

**************************************************

Tunnelsystem unterhalb von Leipzig, Tunneleingang nördlich der Bloomingdale Height,
Harbour-District, Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
29. April 3065

„Scullcrusher bitte kommen, Scullcrusher bitte kommen…“ Seit fast einer ganzen Stunde schon versuchte Denny nun schon wieder den Kontakt zum Landungsschiff der Chevaliers herzustellen. Aber ohne Erfolg.
Seine Scoutlanze konnte er ebenfalls nicht erreichen, genau so wenig wie Doc oder irgendjemanden sonst. Nichts als rauschende Stille.
Frustiert hieb Denny auf sein Funkgerät, wütend darüber das sich alle vor dem draussen tobenden Sturm verkrochen hatten. Der Sturm indessen fegte immer noch mit unverminderter Wucht über seinem Kopf hinwegund er konnte nur hoffen, dass sich alle rechtzeitig vor ihm hatten in Sicherheit bringen können. Denny hatte es gerade noch so geschafft, wobei er das eine oder andere Mal das Gefühl gehabt hatte die Kontrolle über den Mech zu verlieren, so gewaltig tosten die Winde.
Als er den nördlichen Tunneleingang erreicht hatte, war er noch voller Sorge ob er den auch seine hartnäckigen Verfolger hatte abschütteln können. Vorsorglich war er sehr tief in das Tunnelsystem eingedrungen in der Hoffung sie würden endlich seine Peilung und seine Spuren verlieren.
Er schien es geschafft zu haben. Nachdem er lange gespäht und nach Verfolgern Ausschau gehalten hatte, fühlte er sich nun einigermaßen sicher. Nun, so sicher man sich eben fühlen konnte, wenn man erst gerade noch so einem überraschenden Überfall schwerer Battlemechs entkommen war und sich dann in letzter Minuten einem heftigen Sturm hatte entziehen können.
Das erste Gefühl der Aufgewühltheit, entstanden durch die Tonnen an Adrenalin, die durch seine Adern zu pumpen schienen, war schnell verschwunden und hatte einem Gefühl der Sorge und Niedergeschlagenheit Platz gemacht.
Er machte sich Sorgen um seine Leute, allen voran natürlich Hank, aber um seine Lanze und um Doc und seine Mechs. Und er machte sich nicht weniger Sorgen um die fast schutzlosen Kommandos und Pioniere. Waren sie davon gekommen? Hatten sie sich in Sicherheit bringen können? Er hoffte es sehr, sonst war ihre Mission bereits gescheitert.
Ein heftiger Kopfschmerz durchzuckte ihn und ließ ihn die Zähne zusammen beissen. Er musste sich zusammen reissen, um nicht sinnlos vor sich hin zu fluchen.
Nachdem er sicher gewesen war, dass ihm niemand gefolgt war, hatte er versucht ein wenig zu schlafen. Mal wieder ohne Erfolg. Seine Schlafstörung hatte es verhindert und er war immer wieder aus dem Schlaf geschreckt. Somit hatte er, wenn es hochkam, zwei oder drei Stunden Schlaf gehabt in den letzten 60 Stunden. Er kroch förmlich auf dem Zahnfleisch und sein Kopf revanchierte sich mit Migräneartigen Schmerzen.

Seine Gedanken wanderten zu dem kleinen Kasten in seinem Cockpitfach.
Rekog.
Wie lange hatte er es nicht mehr genutzt? Seit ihrer Landung auf Bryant vor fast zwei Wochen. Zwei Wochen, die ihm wie eine Qual vorgekommen waren. An einen geregelten Schlaf war nicht zu denken gewesen und doch hatte er standgehalten. Auch wenn er sich innerlich mehr als einmal dafür verflucht hatte. Aber seinen Vorsatz im Einsatz kein Rekog zu benutzen, hatte er eingehalten.
Bis jetzt.
Mit zitternden Händen ging seine Hand an das Cockpitfach, öffnete es und er brachte die Utensilien zu Tage. Er hob den Inhalator hoch und betrachte die schmale Apparatur, die es ihm ermöglichen konnte, endlich wieder etwas Schlaf zu finden. `Was konnte denn davon schon für eine Gefahr ausgehen? Im Moment brauchte er sich ja gar keine Sorgen zu machen.` redete er sich ein, während er den Rekoginhalator zusammenschraubte. Die Feinde waren ihm nicht gefolgt und der unvermindert heftige Sturm schützte ihn jetzt sogar. Er brauchte einfach endlich seinen Schlaf und Rekog war die einzige Möglichkeit für ihn vielleicht mal wieder mehr als 2 Stunden am Stück zu schlafen.
Ihn durchzuckte zwar ein schlechtes Gewissen, als er es sich auf seiner Pilotenliege so bequem wie möglich machte. Doch als er die süssliche Droge langsam und genüsslich einsog und es seine Wirkung entfaltete, verdrängte er die Schuldgefühle und konzentrierte sich auf die Freude, die schon begann langsam aber sicher Besitz von ihm zu nehmen.
Kurz darauf war er mit einem seligen Lächeln auf den Lippen tief und fest eingeschlafen und träumte einen schönen Traum.

Andai Pryde
11.10.2004, 11:56
Nadirsprungpunkt New Home System

Das leicht zerbeulte Ladungsschiff der Overlord Klasse glitt durch den Raum.
Seine Eiförmige Struktur machte es unverkennbar.
Nigel L. Martyn stand auf der Brücke seines Landungsschiffes und musterte mit grimmiger Miene das Kriegsschiff vor ihnen.
Es war lang gezogen und trug das obligatorische Schwert auf der Seite, das für Blakes Wort stand.
In letzter Zeit sah man häufiger Blakes Wort Schiffe in den Chaos Marken. Letzten Monat auf Keid waren sie während des Ausschiffens mitten in eine Blakes Wort Patrouille geraten. Die Robenträger hatten sie zwar höflich behandelt, aber dennoch, war die stark erhöhte Wortpräsenz eigenartig.
„ Was meinst du Junêe?“
Seine Stellvertreterin und erster Offizier zuckte nur mit den Schultern, während das ausgebreitete Sonnensegel des Kriegsschiffes in Sicht kam.
Auch hierauf prangte das Logo von Blakes Wort, beeindruckend, wie auch beängstigend zugleich.
„Sie sichern ihre Bereiche. Aber ob man dafür eine Korvette der Zechetinu Klasse braucht?“
Sie wandte den Kopf zu Nigel, wobei die etwa Ohr langen blonden Haare mitschwangen und sich dann um ihr Gesicht legten.
Ein durchaus hübscher Anblick, aber dafür kannte Nigel sie zu gut, als dass er sich solchen Illusionen hingeben könnte.
„Könnte sein, soweit ich weiß, haben sie erst vor kurzem das HPG hier von Comstar übernommen. Soll wohl einigen Ärger gegeben haben.“
„Ärger? Meinst du mit den Söldnern, die Comstar angeheuert hatte, diesen Chevaliers?“
Sie schüttelte sich.
„Also ich halte von Franzosen nicht viel.“
Nigel schmunzelte.
„Kannst du dich noch an die Kleine mit ihrem Stingray erinnern, die uns geholfen hat damals?“
Junêe nickte:
„Nun sie tut Dienst bei den Chevaliers, soll wohl eine recht solide Truppe sein, nichts extrem ungewöhnliches, aber zuverlässig und auch kampfstark.“
Sein erster Offizier schnaufte, während sie sich zur Zechetinu Corvette umdrehte.
„Bald werden sie eher ihre Wunden lecken dürfen, als sonderlich kampfstark zu sein.
Die Zechetinu hat ihr Segel erst ausgebreitet und lädt sich frisch auf und auf dem Planeten sollen nur minimale Blake Guards vertreten sein.“
„Wie meinst du das?“
„Nun die Lyranische Garde soll zusammen mit den New Home Regulars einen Angriff auf das Nachbarsystem Bryant gestartet haben.“
„Ja und.“
Nigel kam nicht mit.
„Die Chevaliers sind dort angeblich stationiert, wenn man zumindest den Berichten und dem ganzen Kran glauben darf, der so ausgestrahlt wird oder auf Outreach rumgeht.“
„Hast du mal wieder deine Finger in Sachen gesteckt, die dich nichts angehen?“
„Ich?!!“
Empörung machte sich auf ihrem Gesicht breit, dann lachte sie lauthals, was die Aufmerksamkeit einiger Crewmitglieder erregte.
Die beiden beachteten sie nicht weiter, sondern fuhren fort.
„Ja! Du. Hast bestimmt wieder mal deine Öhrchen aufgehalten, als dein Freund auf Outreach was erzählt hat.“
„Erstens ist das nur mein Neffe, zweitens ist der nicht immer auf Outreach, zur Zeit ist er mit seinem Regiment unterwegs.“
Nigel schüttelte den Kopf:
„Du und deine Dragonerkontakte. Also weiter!“
„Nun ja, gestern empfingen wir eine Sendung von New Home, in der mitgeteilt wurde, dass Teile der Regulars und der Lyranischen Garde das System verlassen haben und das Bryant System angreifen.“
„Und?“
„Die Regulars sind aber noch komplett auf dem Planeten vertreten.“
„woher zum Henker willst du das jetzt schon wieder wissen? Halt nein sag’s nicht…Dragonerkontakte.“
Junêe blickte ihn finster an.
„Nein, aber ich habe mir die Truppen mal angeschaut und nun, sagen wir, manchmal sind auch Milizkommandeure sehr redselig.“
„Ah ha. Dennoch sehe ich nicht, warum das uns betreffen sollte.“
„Tut es ja nicht, es war nur gut zu wissen. Und wenn ich diese frisch am aufladen befindliche Corvette da draußen sehe.“
Nigel blickte wieder zum Hauptschirm und kratzte sich am Kinn.
„Tja, wir müssen eh noch auf unsere Mitnahme warten, also warum nicht ein bisschen Kriegsschiffe beobachten, an sich ein sehr schönes Schiff.“
„Und dann?“
Nigel zuckte mit den Schultern:
„Keine Ahnung, vielleicht führt unser Weg zufällig nach Bryant. Mal schauen, ich habe sowieso nicht sonderlich viel Lust so weiterzumachen. Das Geschäft läuft zur Zeit nicht sonderlich, trotz des Bürgerkrieges und ehrlich gesagt habe ich keine Lust, dass mein Schiff beschlagnahmt wird, wenn es zufällig mal gebraucht wird.“
„Heiß das du willst Söldner werden.“
„Wer weiß, wo ist da der Unterschied, einen Händler bezahlt man, damit er Waren verschifft und auslädt, einen Söldner, damit er andere Leute verschifft oder auslädt.“
„Sehr komisch. Na du hast heute mal wieder einen Metaphernreichtum Nigel.“
Nigel zuckte mit den Schultern und blickte dann zu Jonas Engelbrecht, ihrem Piloten.
„Na dann Jonas, weiter nach Kurs, aber versuch mal, ob du uns näher an die Blakies bringen kannst ohne zu sehr aufzufallen!“
„Na aber sicher doch, Aye Skip.“


„Wow, verdammt, was war das.“
„Ruhig Hotshot, was ist los?“
„Irgendetwas ist in meine Heckpartie eingeschlagen.“
„So? Ich schau mal nach, warte.“
Sarah Slibowitz lies ihre Stuka etwas zurückfallen, in dem sie sanft den Schub drosselte und betrachtete das Heck von Sandrina Gurrows Stingray.
„Sieht nach einer Panzerplatte aus, muss wohl abgerissen worden sein.“
„Von mir?“
„Nein irgendwas in der Nähe, so weit ist das Kampfgeschehen ja auch nicht mehr weg.“
Gurrow murmelte noch irgendetwas, aber Sarah war schon wieder aufmerksam auf die nähere Umgebung fixiert, bisher waren nur wenig Lyraner oder New Homer in Sicht, die meisten waren an der Verteidigung Breins gescheitert.
„Angel two, Icecream von Angel one, Kiki. Wie steht’s bei euch Ladies?“
Sarah lauschte kurz der leicht angespannten Stimme Christines, dann antwortete sie.
„Alles bestens. Sandy hat wohl eine kleine Panzerplatte aus Souvenir mitgenommen, aber das war auch alles besondere.“
„Und die Schlacht.“
„Nicht ohne, aber die Bryanter halten gut mit. Ich möchte ungern gegen solch entschlossene Leute kämpfen müssen.“
„Kann ich mir vorstellen. Nun hoffen wir, dass ihr nicht zu lange da draußen alleine seid. Kiki Over and out.“


Mit dem üblichen Kiefer anspannen, beendete Christine Sleijpnirsdottir das kurze Gespräch und starrte wieder auf die leuchtenden Dioden in ihrem Cockpit, die in einem sanften grün leuchteten.
Dann schaute sie auf Jean Dante, der unruhig mit dem Kopf wackelte und auf das offene Hangarschott starrte.
„Flugkontrolloffizier an Angels. Wir machen erstmal die Luken dicht, sorry, ist ein bissel zu heiß da draußen.“
„Schon ok, FKO.“
Kiki lies etwas resigniert den Kopf hängen, dann fiel ihr was aus dem Augenwinkel, auf ihrem Display auf.
Da war doch was, oder spinn ich?
Sie blickte auf die Treibstoffanzeige, grün, Waffen, grün, Reaktor, grün, Treibstoff, voll und grün.
Eigenartig, da war doch was in der Steuerungsanzeige, oder dreh ich durch. Ach wahrscheinlich seh ich nur Gespenster, muss der Stress sein.

Ironheart
22.10.2004, 19:04
Aufgeflogen

Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights,
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Pechschwarze Finsternis, wohin man auch blickte. Selbst die relativ leistungsstarken Lampen, die die Pioniere um Sergeant Sagrud mit sich führten, waren nicht wirklich in der Lage, die gespenstische Dunkelheit komplett zu durchdringen.
Sagrud studierte immer und immer wieder die Pläne, die Ihnen der ComStar-Geheimdienst mitgegeben hatte. Irgendwie hatte er den Eindruck, dass diese nicht stimmen konnten. Nach dem Lastenaufzug war eigentlich ein Eingangstor in 40 Meter Entfernung eingetragen, welches zu einer kleinen unterirdischen Halle führen sollte, in der sie die Prototypen des Satelliten und die Computeranlagen mit den Bauplänen vermuteten. Laut Plan hätten sie vorher knapp 20 Meter entfernt vom Lastenaufzug rechter Hand auf ein kleines Kraftwerk stoßen müssen, welches die Forschungsanlage mit Energie versorgte. Eine Art überdimensionales Notstromaggregat, in das sie den ebenfalls von ComStar bereitgestellten Fusionscontainer, der selbst schon als LosTech bezeichnet werden konnte, in das Kraftwerk einspeisen sollten. Der circa 50 cm tiefe, zylinderförmige Gegenstand mit einem Durchmesser von knapp 30 cm wurde gerade von zweien seiner Leute vorsichtigen hinter ihm und Greg hinterher getragen. Damit würden sie dann genügend Energie erhalten, um die Beleuchtung, die Tore und die Lastenaufzüge benutzen zu können.
Doch schließlich keuchte Alexeij auf und verlangte nach einer Pause. „Sarge, ich will ja nichts sagen“ keuchte der Pionier etwas atemlos „aber das waren jetzt doch schon deutlich mehr als 20 Meter, oder?“
„Hmmm“ Sagrud gab es nicht gerne zu, aber Alexeij schien Recht zu haben. Mit seiner Taschenlampe leuchtete er erst auf seinen Plan und dann in den breiten Gang hinein. Es war kein Ende in Sicht. Leichte Panik ergriff ihn, denn das bedeutete entweder, dass ComStar´s Pläne falsch waren, oder sie am falschen Ort waren.
Sagrud atmete tief durch „Na ich denke, dass jemand der blöden Kuttenträger einfach die Kartenmaßstäbe verhauen hat. Darum sind die 20 Meter falsch.“ Sagrud versuchte übertrieben flapsig zu klingen und sich seine aufkeimende Sorge nicht anmerken zu lassen.
„Na hoffentlich sind´s dann nicht 20 Kilometer“ antwortete Alexeij als er den Zylinder wieder anhob. „Finden wir es raus.“
„Ganz Recht, Alexeij finden wir es raus“ antwortete Sagrud so ruhig wie möglich. Doch er konnte nicht verhindern, dass er in erhöhtem Masse unruhig wurde. Wenn der Plan nicht stimmen sollte, was erwartete sie dann stattdessen?

*************************************************

Tunneleingang am östlichen Ufer des Liquorice-Rivers
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Kaum war der Sturm abgeflaut, da schossen auch schon die Panzer und Mechs der Chevaliers aus dem Tunneleingang am Liquorice-River. Die Waffen nach allen Seiten drehend und sich gegenseitig Schutz gebend jagten die drei Mechs vorneweg und wurden von den vier Panzern durch die Ruinen der Stadt verfolgt. Auch wenn der Sturm sich mehr oder weniger gelegt hatte, regnete es immer noch wie in Strömen. Die Strassen waren matschig und rutschig und die Sicht durch den Regen immer noch beeinträchtigt. Doch sie Chevaliers hatten entschieden zur Forschungsanlage auszurücken um ihren Kameraden dort Deckung zu geben, bevor der Gegner auf die Idee kam sich das Ganze aus der Nähe anzuschauen.
Doc betrachtete die Anzeigen seines Mantikor mit höchster Konzentration. Aus eigener Erfahrung wusste er, dass der Feind im Stadtkampf buchstäblich hinter jeder Ecke lauern konnte. Sie wussten, dass ihre Widersacher immer noch irgendwo dort draussen waren und es auf sie abgesehen hatten. Was die Chevaliers jetzt unter allen Umständen vermeiden mussten, war es direkt in die Arme der mindestens sechs Feindmechs zu laufen. Doc dachte erneut an das derzeitige Stärkenverhältnis. Auf seiner Seite waren da zwei Mantikor, eine Bulldog und eine Fury. Dazu noch Mikos Kampffalke und Trents Kabuto. Ob er Hanks Dervish IIC auch zu Ihnen zählen konnte, wusste er immer noch nicht ganz genau. Doch da sich Hank in keinster Weise verdächtig verhalten hatte, hatten sie ihn nicht davon abgehalten seinen Mech zu besteigen. Doc hoffte, dass sich das nicht doch noch rächen würde.
Auf der anderen Seite hatte er es mit mindestens einem Loki, einem Jagermech, Champion und einem Wraith sowie einem Enforcer III und einem Daimyo zu rechnen. Alles in allem waren sie zwar nicht chancenlos, aber sie würden eine enorme Portion Glück brauchen um da siegreich hervor zu gehen.
Alles würde davon abhängen, ob Dukic tatsächlich ein Verräter war oder nicht. Sollte seiner und vielleicht sogar Hanks Mech auf Seiten der Gegner stehen, hätten sie sicher nicht die geringste Chance.
„Aki, konntest Dukic erreichen?“ fragte Dolittle seine Geliebte und Funkerin.
„Negativ, Doc“ antwortete sie freundlich aber auch mit einer gewissen Spur Anspannung in der Stimme. „Er reagiert nicht auf meine Rufe und ich habe ihn auch nicht auf den Sensoren.“
Doc konnte ihre Unruhe verstehen. Seine Leute waren nicht dumm und konnten Eins und Eins genau so gut zusammen zählen wie er. Während sich einige unter Ihnen vielleicht wirklich Sorgen um den Lanzenführer der Scouts machten, wusste Akila neben Miko und Finn als einzige von dem Peilsender. Daher war ihre Sorge nicht nur in Dukics mysteriösem Fernbleiben von der Truppe begründet sondern auch in den möglichen Folgen seines Fehlens.

Ein paar Minuten preschten sie weiter durch die verlassenen Strassen der ehemaligen Sternenbundstadt ehe Dolittle Mikos sonst so zarte Stimme mit einem Mal fast schon panisch durch den Funk rufen hörte.
„KONTAKT, Sakura hier, Sie sind direkt um mich…“ noch bevor sie ihren Satz zu Ende gesprochen hatte, schoss sie auf ihren Feuerdüsen davon und entging damit gerade noch einer überhastet abgeschossenen Salve von Langstreckenraketen, die den Fleck auf dem sie eben noch gestanden hatte in Schlacke verwandelte. Die Feindmaschinen hatten offensichtlich gewusst, wohin die Chevaliers unterwegs waren und auch wenn diese damit gerechnet hatten, waren sie jetzt doch überrascht worden.
Noch bevor Doc reagieren konnte, fegte auch schon Trent in seinem Kabuto an der – wie aus dem Nichts aufgetauchten – Feindmaschine vorbei und setzte seine beiden einzigen Waffen ein. Eine Doppelsalve Blitz-KSR fegte aus seinen Rohren und deckte den gegnerischen Champion ein. Und bevor der reagieren konnte, war Trent schon wieder weg.
Hätte Doc nicht alle Hände voll zu tun, die neue Situation zu erfassen, er hätte er Trents überaus schnelle Reaktion sicher honoriert. So rief er nur schnell ein paar hastige Befehle durch den Funk und blickte mit einem besorgten Auge auf die Anzeige des Dervish IIC.
„Verflucht, an alle Einheiten von Doc. Feindlicher Beschuss durch Mechs nordwestlich der Anlage. Greta bring deine Leute rein! Alle Mann durchbrechen auf die Anlage und nehmt die Positionen ein, die wir vereinbart haben.“ Er riskierte einen Seitenblick auf seinen Monitor und sah, dass Hank eine volle Breitseite auf einen Enforcer abfeuerte und einige Treffer landen konnte. Wie es schien war wenigstens Hank weiter auf ihrer Seite. Doc konnte gar nicht sagen, wie groß der Stein war, der ihm von der Seele fiel. Dann runzelte er die Stirn, da ihm etwas anderes auffiel.
„Scouts, wo ist der Loki?“
„Doc von Sakura. Ich zeichne nur fünf Gegner. Der Loki fehlt“ presste die junge Japanerin hervor, deutlich hörbar sich der Angriffe ihrer Gegner erwehrend.
„Verflucht, an alle Einheiten von Doc. Haltet Ausschau nach dem gegnerischen Loki. Ansonsten Feuer frei nach eigenem Ermessen. Und achtet auf eure Ärsche.“
Der Mantikor fegte durch die verlassenen Strassen von Leipzig so schnell es ging. Eine Salve AK-Granaten pulverisierte eine nahegelegene Hauswand doch Docs Panzer konnte sich rechtzeitig aus der Schussbahn bringen. Lange würden sie sich nicht halten können, das war Doc klar. Denn wenn ihre Feinde wussten, wohin sie unterwegs waren, dann war auch davon auszugehen, dass sie früher oder später die Anlage angreifen würden. Und spätestens dann sässen die Chevs in der Falle. Noch konnten sie einigermaßen Katz- und Maus mit ihren Gegnern spielen, aber wenn sie sich eingraben mussten, dann wäre ihr leicht vorhandener Agilitätsbonus, der eh nicht sonderlich berauschend war, erst recht den Bach runter. Doc wollte es sich nicht selbst zugeben, aber die Handlungsmöglichkeiten der Chevaliers waren nicht gerade das, was man vielfältig bezeichnen konnte.
„Aki, reagieren diese Hundesöhne wieder nicht?“
„Negativ, Doc. Keine Reaktion auf unsere Rufe.“
„Na gut, dann müssen wir uns eingraben und das Beste hoffen.“ Vielleicht würden sie sich zurückziehen wenn sie erstmal sahen, dass die Chevs auch ordentlich austeilen würden. Doch selbst dran glauben konnte er nicht.
Während sie weiterhin auf die Anlage und die dortigen Chevaliers Infanterie zupreschten, die sie schützen sollten, versuchte Doc den Gedanken zu verdrängen, dass er vielleicht nicht alle von seinen Leuten Heil wieder sehen würde. Doch er schüttelte kurz den Kopf und war wieder voll bei der Sache. Irgendwie hatten sie es bisher noch immer geschafft.
Warum also nicht auch diesmal?

***********************************


Tunnelsystem unterhalb von Leipzig, Tunneleingang nördlich der Bloomingdale Heights
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Die warme Sonne kitzelte auf Dennys Haut und er hörte dem feinen weiblichen Lachen gerne zu, das irgendwo aus der Nähe kam. Glockenklar konnte er ihre Stimme vernehmen und das zwitschern der Vögel und das plätschern des nahen Baches verstärkten diesen idyllischen Augenblick. Er lag auf einer blumengesprenkelten Wiese und genoss den Duft der wilden Blüten, die in seine Nase strömten. Die Szenerie war die eines klaren, wunderschönen Sommertages an einem Berghang in freier Natur.
Als Denny sich nach der Urheberin des Lachens umdrehte, erkannte er, dass sie nicht alleine war. Die schlanke, blonde Frau, die in ein seidig schimmerndes weisses Gewand gekleidet war, rannte zwei kleinen Kindern hinterher, die kichernd und tollend mit ihr spielten. Ein warmes Gefühl der Freude durchflutete sein Herz bei diesem Anblick und er musste einfach Lächeln, als er es sah.
Die Kinder – knapp fünf und drei Jahre alt – quiekten vor Freude und rannten barfuß durch das hohe Gras. Eines der Kinder blieb stehen, drehte sich um und winkte zu ihm hinüber. Sein Anblick trieb Denny die Tränen in die Augen. Tränen der Freude, da ihm der Junge wie aus dem Gesicht geschnitten schien. Ein kleines spitzbübisches Lächeln auf seinen jungenhaften Zügen erinnerten Denny an seine eigene Jugend.

Doch dann spürte er ein sanftes Vibrieren des Bodens. Eine rythmische Erschütterung, die Denny äußerst bekannt vorkam und die augenblicklich alle seine Alarmsirenen zum Heulen brachten. Langsam stand er auf und blickte in die Richtung, aus der die schweren Schritte zu kommen schienen. Genau hinter der spielenden Frau und der Kinder schien der Lärm von einem dunklen Wald aus zu kommen. Denny kniff die Augen zu um etwas sehen zu können, aber es war fast so, als ob der Wald alles Licht schluckte. Er konnte nichts erkennen, ausser zwei kleinen Lichtpunkten, die hin und her wackelten.
Dann brach das Ungetüm auf donnernden Beinen durch den Waldrand und rannte ohne Halt zu machen weiter auf sie zu. Entsetzt begann Denny zu schreien, da das riesige Monster direkt auf die Frau mit den Kindern zu rannte. Doch sie schienen ihn nicht zu hören. Sie standen weiterhin dort und winkten ihm fröhlich, ja lächelnd zu. Dann senkte sich einer der Metallfüsse auf die drei Menschen und Denny hatte das Gefühl in Ohnmacht zu fallen, so sehr schrie er sich die Wut aus der Seele. Er nahm das markerschütternde Kreischen der Aktivatoren wahr und blickte nun in das grelle Licht zweier Scheinwerfer.

Es dauerte ein paar Herzschläge ehe er wahrnahm, dass er tatsächlich in zwei Scheinwerfer starrte, aber mitnichten auf einer Blumenwiese in einem idyllischen Paradies, sondern an Bord seines Mechs in den Tunnelanlagen Leipzigs. Die Millisekunde der Erleichterung, die sein Gehirn dazu verbrauchte, sich darüber zu freuen, das nicht gerade eine bildhübsche Frau mit ihren beiden Kindern zerquetscht worden war, wich sofort im Anschluss daran der Panik, die sich in seinem Geiste einstellte, als er erkannte, dass es sich bei dem auf ihn zustürmenden Mech leider nicht um einen Traum gehandelt hatte. Fluchend hieb er so schnell er konnte auf den auf Standby stehenden Powerknopf in seinem Cockpit, das daraufhin sofort zu farbenfrohem Leben auferstand. Sein Hirn fühlte sich noch sehr matschig an und auch wenn er sich zumindest etwas ausgeschlafen fühlte, so war er noch ein wenig groggy durch die Nachwirkungen der Droge, die er am Vorabend zu sich genommen hatte. Seine Reaktionen waren eher langsam und träge und er hatte den Eindruck, die Welt war noch etwas in Watte gepackt.

Als der gegnerische Mech nur noch wenige Meter enfernt war, wollte Denny gerade seine Waffen zum Kampf heben, als er eine markige Stimme durch den Äther rauschen hörte.
„Ich muss sagen, Mr. Dukic, ich hatte mir von unserem nächsten Duell mehr erhofft…“ Und ein hohles bösartiges Lachen schien durch den dunklen Gang zu hallen, als Denny wie versteinert dabei zusah, wie sein Gegenüber eine seiner beiden PPK´s seines Loki direkt auf sein Cockpit abfeuerte.
Der Rest war grelles Licht.

Ironheart
29.11.2004, 19:15
Risiko

Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights,
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

´Endlich´ schoss es Sagrud durch den Kopf als sie das Tunnelende erreicht hatten, das Sie grob gerechnet schon vor 200 Metern hätten erreichen sollen. Sie mussten jetzt bereits unter den Hügeln sein, die man die Bloomingdale Heights nannte. Noch immer war alles in pechschwarze Finsternis gehüllt, doch aufgrund der Restlichtverstärker konnte Sagrud zumindest die kleine Tür rechts von dem Rolltor erkennen, welches das Ende des Tunnels darstellte. Hinter dieser Tür ging es zu einem Kontrollraum, der gleichzeitig den Zugang zur internen Fusionsanlage der Geheimen Forschungsanlage darstellte.
Sagrud war mittlerweile skeptisch, was die Pläne anging, und so atmete er hörbar auf als sie den Raum betraten und dieser tatsächlich einem Kontrollraum glich. Ungefähr 6 Meter Breit und mindestens doppelt so tief ragte der Raum hinein. In der Tür stehend blickte sich Sagrud in dem Raum um, während Greg, Alexeij und Anders in den Raum gingen, um den Fusionscontainer abzustellen.
Sagruds Blick ging nach links – also in dieselbe Richtung in die auch das Rolltor am Tunnelende zeigte – wo eine große Glasscheibe zu sehen war, die die gesamte Seite der Wand einzunehmen schien. Allerdings konnte man aufgrund der Finsternis nicht durch die Scheibe hindurch blicken und auch nicht das Geringste erkennen. Selbst wenn sie die mitgebrachten Hochleistungstaschenlampen benutzen würden, würde die Reflektion der Glasscheibe Ihnen einen Blick auf die andere Seite verwehren. Somit würden sie warten müssen, bis sie das Licht angeschaltet hätten, damit sie einen Blick auf die andere Seite werfen konnten.
In der Mitte des Raumes waren einige große Kontrollpulte und –paneele angebracht, die Oberflächen durch den Staub der Jahrhunderte bedeckt. Greg wischte vorsichtig den Staub herunter, doch Sagrud war sich sicher, dass er in dieser Dunkelheit die Schrift nicht entziffern konnte.
Anders Jakobsson, der schweigsamste seiner Pioniere, sah sich inzwischen die Kontrollpaneele auf der rechten Seite des Raumes an und wischte auch hier den Staub von den einzelnen Anzeigen. Die in der Wand eingelassenen Bildschirme, Kontrolllampen und –anzeigen schienen allesamt intakt zu sein, aber waren im Moment erloschen und trotzdem ging Anders sie penibel durch, so als würde er verstehen können, was diese Anzeichen alle zu bedeuten hatten.

„Sarge“ meldete sich Alexeij, der andere der Träger des Fusionscontainers „ich glaub ich hab hier den richtigen Platz für unser Baby gefunden.“ Er hockte nicht unweit von Anders an der Wand und hatte eine staubbedeckte kleine Glasscheibe in ziemlich genau der Größe ihres Fusionscontainers geöffnet. Wie es aussah, hatte sich Alexeij mit den Beschreibungen ComStars gut vertraut gemacht, denn nach nur wenigen Handgriffen hatte er den alten Container entfernt und den neuen eingesetzt. Noch ein paar Handgriffe später, und der Fusionsbehälter arretierte in der notwendigen Position.
Ein feines Summen ertönte und Alexeij blickte hoch zu Sagrud. Auch wenn dessen Gesicht hinter dem Restlichtverstärker nicht zu erkennen war, wusste Sagrud doch, dass sein Untergebener nervös war. „Soll ich Sarge?“ fragte Alexeij, die Hand leicht zitternd über einem pulsierenden grünen Knopf haltend.
Sagrud nickte nur kurz und Alexeij drückte den Knopf. Sofort steigerte sich das Summen zu einem lauten Brummen und als das Licht der Anlage flackernd anging, jubelten alle vier Pioniere spontan. Gleichzeitig nahm die Luftumwälzung der Anlage mir einem ersten Quietschen und Kreischen ihre Arbeit wieder auf und schnurrte nach einer gewissen Zeit wieder wie ein Kätzchen.
Fasziniert beobachtete Sagrud, wie ein Kontrolllämpchen nach dem anderen anging und die eine Seite des Raumes in immer mehr Helligkeit badete. Geblendet von der einflutenden Helligkeit nahm er sein Nachtsichtgerät ab und blickte hinüber zu Alexeij, welcher sich mittlerweile dem intakt gebliebenen Panoramafenster zugedreht hatte. Sein Mund war sperrangelweit offen und sein fassungsloser Gesichtsausdruck veranlasste Sagrud, sich abrupt um zu sehen.
„Ach Du Scheisse…“ war der einzige Kommentar, der ihm bei dem überwältigenden Anblick entfuhr, kurz bevor seine Kinnlade seinen Brustkorb berührte. Es dauerte einen Augenblick, bis Sagrud sich wieder einigermaßen von dem Anblick erholt hatte.

Was er sah, war riesig.
Er hatte aufgrund der ComStar-Pläne mit einer kleinen Lagerhalle gerechnet, doch die Kaverne die sie jetzt sahen war gigantisch. Die Lichter an der Decke der Kaverne erwachten flackernd zum Leben und Sagrud konnte die letzten dieser Lichter kaum erkennen. Noch mehr schockierte es ihn aber, dass die Decke zwar knapp 10 Meter über Ihnen lag, der Boden der Kaverne aber mindestens noch weitere 40 Meter nach unten ging. Wenn man dann noch die gesamte Breite der unterirdischen Kaverne von ca. 100 Metern beachtete, dann hatte man es hier mit einem ganzen Stadtviertel zu tun.
Sagrud ging ein paar Schritte näher heran an die Glasscheibe und sein Herz schien vor Aufregung zu flackern. Das Ende des Tunnels wandelte sich auf der anderen Seite des Rolltores zu einem weiteren noch größeren, offenen Fahrstuhl. Links und rechts von der Kaverne erkannte Sagrud weitere Emporen und Vertiefungen, und sogar noch ein paar weitere Zu- und Abgänge die anscheinend noch tiefer in die Anlage führten. Vieles schien noch intakt zu sein, einiges war aber wohl doch von den fliehenden Sternenbundeinheiten vor fast 300 Jahren abgebaut und abtransportiert worden. Trotzdem war die imposante Größe der Anlage, auch wenn viel Wertvolles sicher mitgenommen worden war, immer noch höchst eindrucksvoll.
So eindrucksvoll, dass Sagrud einen Augenblick brauchte, bis er realisierte, dass sein Kommunikator piepte.
„Sagrud hier…“ Auf der anderen Seite war erst nur ein Rauschen, dann ein lautes Krachen und schließlich atemloses Keuchen zu hören. „Greta, bist du das?“
„Sagrud! Hier Greta, gut dass ich dich erreiche. Ich störe eure Party da unten ja nur ungern, aber seid ihr bald fertig?“ fragte die Kommandosoldatin an der anderen Seite der Leitung unter einem relativ starken Rauschen.
„Schwer zu sagen“ schluckte Sagrud und ging einen weiteren Schritt an das Fenster heran. „Ich denke wir werden mehr Zeit brauchen.“
„Gerade DAS“ antwortete die Kommandosoldatin gepresst und Sagrud war sich fast sicher eine Detonation im Hintergrund gehört zu haben „ist das letzte was ihr noch habt. Du solltest das Scheißding lieber so bald wie möglich bergen, hörst Du? Wir werden angegriffen...“
„Wir werden ANGEGRIFFEN? Schon wieder…?“ fragte Sagrud ungläubig.
„Ja, leider. Egal wie weid ihr seid, wir kommen jetzt runter zu euch, verstanden?“
„Aye“ erwiderte Sagrud und wusste nicht, was ihn stärker beunruhigte. Ihre offensichtliche Panik in der Stimme oder der Anblick, der sich ihm aus diesem Fenster in das Innere der Anlage bot.

Noch bervor er sich klar darüber werden konnte, wie es weitergehen sollte, wurde er durch Anders Jacobsson abgelenkt, der sich ohne ein Wort zu sagen auf eines der Kontrollpulte setzte und den Staub davonwischte. Noch ein paar Mal gepustet und die Tastatur war frei.
Und noch bevor irgendjemand der drei übrigen Pioniere ein Wort sagen konnte, klapperte er schon etwas in die Tastatur der Kontrolleinheit.
„Ähm, Anders, darf ich fragen, was Du da machst?“ Der typisch blonde und blauäugige Schwede, der aber ansonsten eher unscheinbar, gedrungen und plump wirkte, grinste zurück.
„Ich denke, wenn wir angegriffen werden, haben wir keine weitere Zeit mehr zu verlieren Sarge, oder?“ Bei diesen Worten tat sich was in der Kaverne und ein riesiger Kran an der Decke der Anlage setzte sich mit einem rumplenden Quietschen in Gang.
Sagrud runzelte die Stirn. „Das ist sicher richtig Private, aber woher…?“
Das Grinsen auf Anders Jacobsons Gesicht wurde noch ein kleines Stück breiter. „Darf ich mich vorstellen: Adept Ole Ivarson, ComStar-ROM!“ Mit einem breiten Grinsen verbeugte Anders bzw. Ole seinen Oberkörper zum Grusse leicht nach vorne und drückte auf ein paar weitere Tasten.
Der Kran fuhr herunter, griff nach etwas und zog einen rotfarbenenen Container in die Höhe. „Ich hoffe, sie nehmen es mir nicht übel, Sarge, das ich Ihnen etwas vormachen musste. Aber ich hoffe sie nehmen das hier als als kleine Entschädigung an…da ist unser Satellit.“
Fassungslos blickte Sagrud zu dem unscheinbaren Container, in dem sich der Satellit befinden sollte und von dort wieder zurück zu dem ComStar-Spion. Sollte er sich nun darüber freuen, dass sie den Satelliten gefunden hatten, oder darüber ärgern, dass man ihm einen Agenten untergejubelt hatte.
Er schien vollkommen verdattert zu sein, so dass der Agent den kommenden Hieb nicht mal im Ansatz erkennen konnte und rücklings aus dem Sitz flog, als ihn Sagrud in der linken Gesichtshälfte traf.
Sagrud hatte sich dazu entschieden, sich erst einmal zu ärgern.

**************************************************

Tunnelsystem unterhalb von Leipzig, Tunneleingang nördlich der Bloomingdale Heights
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Denny musste zweimal blinzeln ehe er begriff, dass er noch am Leben war.
Und dafür gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder hatte er unglaubliches Glück gehabt oder sein Gegenüber hatte absichtlich vorbei geschossen.
Doch als er sah mit welch präzisen Bewegungen sein gesichtsloser Gegner die zweite bislang noch nicht abgefeuerte PPK direkt auf sein Cockpit ausrichtete, wusste er, dass Glück nichts damit zu tun hatte, dass er noch am Leben war.
„Schalten sie ihren Mech wieder herunter, Mr. Dukic! Sofort…!!“ Der Loki-Pilot unterstrich seine Drohung dadurch, das er seine zweite PPK ein kurzes Stück vor rucken lies, so dass Dukic schon befürchtete, dass er damit sein Cockpit zertrümmern wollte.
Denny versuchte einen klaren Gedanken zu fassen. Mittlerweile wusste er wieder wo er war und warum er hier war. Und auch die Erkenntnis, dass er sich hatte übertölpeln lassen und nun quasi mit heruntergelassenen Hosen vor dem Anführer der Einheit stand, die sie nun schon zum dritten Mal angriff, traf ihn ebenfalls wie ein Vorschlaghammer.
So schnell es sein zermartertes Hirn zulies ging er in Gedanken seine Optionen durch.
Zurückzuschlagen war wohl keine Möglichkeit. Denny hielt sich selbst für schnell, aber bis er in dieser Situation seine Waffen ausgerichtet hätte, wäre er schon längst Toast. Selbst wenn er unerhörtes Glück haben sollte und sich vielleicht wegducken konnte, in einem direkten Zweikampf Mech gegen Mech würde er nicht lange standhalten. Nicht nur, dass der gegnerische Mech besser gepanzert und zudem noch schlagkräftiger war. Zu allem Überfluss konnte Denny hier in den Tunnelanlagen noch nicht einmal springen, ohne sich dabei automatisch den Schädel einzudrücken. Und damit wären seine taktischen Optionen auf das Weglaufen limitiert.
Und selbst das wäre schwierig. Auch wenn er es mit einer Riesenportion Glück schaffen sollte mit Hilfe seines MASC dem weitaus langsameren Loki zu entkommen: Wohin sollte er laufen? Der Clanmech versperrte ihm den Weg nach draußen und in allen anderen Richtungen waren es hier Sackgassen, das hatte Denny bereits überprüft.
Weit würde er also nicht kommen.
Blieb also nur die Gefangenschaft. Doch was würde das ihm bringen? Sie würden ihm wohl mindestens den Mech wegnehmen, ihn vielleicht mitnehmen und Lösegeld von den Chevaliers fordern, in einem Bryanter Arbeitslager langsam zu Tode schuften lassen, ihn hier zurücklassen in der Einöde oder ihn vielleicht sofort töten.
Alle diese Möglichkeiten versprachen nicht gerade rosige Aussichten.

„Mr. Dukic, das ist meine letzte Aufforderung. Ich schiesse nur ungern auf Wehrlose, aber sie sollten sich lieber nicht darauf verlassen…“ kam die ungeduldige Stimme seines Gegenübers durch den Äther. Anscheinend hatte dieser in bislang nur deswegen verschont, weil er so regungslos gewesen und mit heruntergefahrenem Mech herum gestanden hatte. Ihn in dieser Position über den Haufen zu schiessen wäre kaltblütiger Mord gewesen. Nun, zumindest schien sein Gegenüber nicht ein gewissenloser Killer zu sein.
`Also besteht Hoffnung` dachte Denny während er seinen Mech herunterfuhr. „O.k., O.k.! Sie haben gewonnen. Aber wer zum Henker sind Sie?“
Sein Gegenüber reagierte nicht sofort, wahrscheinlich um die Anzeigen genau zu überprüfen. Während der gesamten Zeit schwebte immer noch die feindliche PPK ganz in der Nähe von Dukics Cockpit. Wie es schien, gehörte sein Gegenüber zu der professionellen Sorte, die sich nicht sonderlich viel aus Gesten und Worten zu machen schien. Dann meldete sich die dunkle, bedrohliche Stimme wieder. „Nun Mr Dukic, vielleicht haben sie mit dem Henker gar nicht mal so Unrecht. Aber nennen sie mich in der Zwischenzeit Carter, Chef der Carters Crusaders.“
Sein Gegenüber betonte den Namen so, als ob ihm das etwas sagen sollte. Aber bei dem Namen klingelte es überhaupt nicht in Dennys Kopf.
Doch noch bevor er weiter fragen konnte, stellte ihm Carter schon eine Frage. „Aber nun zu Ihnen: Was machen Sie hier, Mr. Dukic?“
„Nach Ihrem letzten Angriff, habe ich hier auf das Ende des Sturmes gewartet…“
„Nein, Mr. Dukic. Ich meine was machen sie in Leipzig?“
„Wir waren auf dem Weg nach Brein, als unser Lander abgestürzt und zerschellt ist…“ Denny log bewusst, denn es gab noch eine Chance, dass die Bryanter die SKULL noch nicht entdeckt hatten und solange wollte er es ihnen auch nicht gerade auf die Nase binden. „… und wir sind auf dem Weg wieder zurück in die Zivilisation.“
„Für wie blöd halten sie mich eigentlich, Mr. Dukic? Wenn ihr Landungsschiff zerschellt wäre, wie erklären sie sich, das sie immer noch über ihre komplette Kampfstärke verfügen?“
„Wir haben eben Glück gehabt…“
„Lügen sie mich nicht an. Ihr Landungsschiff ist irgendwo da draußen und ich verwette meinen Mech darauf, dass ihm nicht das Geringste fehlt. Genausowenig wie der Lanze Panzer und Mechs und dem verstärkten Zug Infanterie, den sie unter Tage geschickt haben.“
Denny runzelte die Stirn. Wie konnte es sein, dass dieser Carter so viel über die Chevaliers wusste? Eigentlich gab es dafür nur eine Erklärung. Er musste hinter dem Angriff in der Silvesternacht stecken und war der Drahtzieher des Angriffs auf New Home.
Aber diese Einheit gehörte nicht zu Count Dvenskys Truppen, zumindest nicht offiziell, die Aufzeichnungen die sie im Vorfeld der Mission erhalten hatten, zeigten keinen entsprechenden Truppenteil auf. Und ausserdem hatten die Crusaders sie bereits auf New Home angegriffen wo Bryanter Truppen eh nicht sonderlich gern gesehen waren. Aber worauf war er aus, wenn er nicht zu Dvensky gehörte? Warum dieser ganze Aufwand?
Carter fuhr mit seiner Tirade fort und Denny machte sich langsam Sorgen darüber, ob ihn dieser Carter nicht doch noch rösten würde. „Nicht nur dass ihr verfluchten Chevaliers gemeinsame Sache mit den Clans gemacht habt…“
„Hey, ich war damals noch gar nicht dabei. Und die Chevaliers haben für das Draconis Kombinat gearbeitet, nicht für die Geisterb…“
„Ach hören sie auf mit diesem Märchen“ unterbrach ihn Carter brüsk. „Sie haben Ronin gejagt und zerstört, die GEGEN die Geisterbären gekämpft haben. Also haben Sie indirekt FÜR die Clans gearbeitet. Ausserdem habt ihr sogar Clannerabschaum zwischen euch und jetzt seid ihr im Auftrag der Clans sogar auf der Suche nach weiterem LosTech…“
„NEIN, dass ist nicht wahr, wir…“ Denny zögerte. Er durfte nichts von ihrem wahren Auftrag sagen, er wusste ja nicht wirklich, wer da draußen vor ihm stand.
„NATÜRLICH IST DAS WAHR!!!“ brüllte Carter. „Und dabei besudelt ihr auch noch das Banner ComStars…“ Carters Stimme klang bedrohlich, fast nach einem Knurren. „Dafür lasse ich euch alle braten, alle die ihr hier in Leipzig den Namen ComStars im Namen der Clans schändet. Dafür habe ich nicht Tukayyid überlebt um mir das tatenlos mit ansehen zu müssen…“
„Sie waren auf Tukayyid? Als ComCuardist??“ Schlagartig wurde Denny einiges klar. Carter musste irgendwie in Erfahrung gebracht haben, dass die Chevaliers auf dem Weg waren, in Leipzig LosTech zu bergen. Aber anscheinend zog er die falschen Schlüsse – oder jemand hatte ihnen bewusst die falschen Informationen zugespielt. Indem man Carter hatte glauben lassen, das die Chevaliers für die Clans arbeiteten, hatte man Ihnen einen äußerst hartnäckigen Gegner auf den Hals gehetzt. Doch wie konnte er Carter vom Gegenteil überzeugen, ohne den wahren Hintergrund ihres Auftrags preis zu geben? Konnte er diesem Mann denn überhaupt trauen? Vielleicht spielte Carter Ihm ja auch nur etwas vor?
Während Denny fieberhaft darüber brütete, was er sagen konnte, um seine Haut zu retten, fuhr Carter mit unverminderter Härte in der Stimme fort. „Ja, ich war auf Tukayyid. Und dort habe ich selbst miterlebt mit welcher unmenschlichen, barbarischen Härte diese Clannerhurensöhne über die Innere Sphäre hergefallen sind…“
„Das erklärt einiges“ entfuhr es Denny, was wiederum Carter neugierig machte.
„Das erklärt was?“
„Das… Das kann ich Ihnen nicht sagen…“
„Sie können es mir nicht SAGEN…?“ Carter schien verdattert zu sein. „Ich muss sagen, Mr. Dukic, ihre Abgebrütheit im Angesicht einer Clan-PPK vor dem Gesicht ist bemerkenswert. Aber meine Geduld ist auch nicht unerschöpflich. Während sie hier mit mir ein lockeres Pläuschchen halten, nehmen meine Leute den kümmerlichen Rest ihrer Chevaliers hier in Leipzig auseinander und sie sollten mir schon etwas mehr bieten als ein „Das kann ich Ihnen nicht sagen“ damit ich Ihnen nicht ebenfalls den Kopf von den Schultern puste…“
Die anderen Mechs!!! Wie hatte Denny die nur vergessen können? Verfluchtes Rekog! „Was… Was geschieht mit Ihnen?“ stotterte er und schaltete sein Funkgerät ein, doch erhielt nichts weiter als ein tiefes Rauschen.
„Sie erhalten ihre gerechte Strafe…“
„Das können Sie nicht machen, Carter.“
„Und warum nicht, Mr. Dukic? Nennen Sie mir nur einen guten Grund, warum ich sie und den Rest ihres jämmerlichen Haufens verschonen sollte.“
Denny holte tief Luft, was er jetzt vor hatte war ein ganz großes Risiko. Aber manchmal musste man eben auch was war das Leben wie ein Pokerspiel, das wusste er spätestens seit seiner Zeit als Mitbesitzer des Hell & Heaven auf Outreach. Vielleicht war es jetzt an der Zeit zu pokern. „Sie arbeiten damit für Blakes Wort…“
Er wusste nicht, ob Carter damit ein Problem hatte, aebr er konnte es nur hoffen.

„Ich tue WAS???“ polterte Carter und Denny atmete tief aus. Anscheinend hatte er doch ins Schwarze getroffen.
„Carter, wir arbeiten für ComStar und zwar in jeglicher Hinsicht. Dvensky hat einen Vertrag mit Blakes Wort abgeschlossen, d.h. die Blakisten werden schon bald auf diesem Planeten sein. Und wenn sie uns daran hindern unseren Auftrag zu erfüllen, dann schaden Sie nicht nur ihrem Orden, sondern arbeiten indirekt für Blakes Wort, indem sie diesen Fanatikern in die Hände spielen. Ich darf ihnen nicht sagen, was genau wir hier machen, aber sollten die Blakisten das in die Hände kriegen, weswegen wir hierher gekommen sind, dann könnten die Auswirkungen verheerend sein …“ Denny versuchte so überzeugend wie möglich zu klingen, doch gleichzeitig trieb ihm die Sorgen um seine Leute den Schweiss auf die Stirn.
„Ich glaub Ihnen kein Wort“ presste Carter hervor, doch Denny spürte, dass er ihn fast so weit hatte. Dann nach einer kurzen Weile, Carter schien überlegt zu haben, hakte der Loki-Pilot nach. „Was ist das für ein Auftrag von dem sie da reden?“
„Carter, ich habe nicht viel Zeit, sie von der Wahrheit meiner Worte zu überzeugen und hier über Funk werde ich es Ihnen sicher nicht sagen.“ Denny überlegte kurz und entschied dann den Einsatz noch ein klein wenig weiter zu erhöhen.
„Ich werde jetzt unbewaffnet aus meinem Mech steigen. Wenn Ihnen wirklich etwas am Wohlergehen ihres Ordens liegt, dann treffen sie mich unten und wir reden von Angesicht zu Angesicht.“
Denny wartete ein paar Herzschläge, doch er erhielt keine Antwort. „Carter? Carter…?“ Immer noch keine Antwort.
Denny musste schlucken, doch dann schnallte er sich los. Im rannte die Zeit davon, er hatte sein Blatt selbst bestimmt, also musste er die Karten jetzt auch auspielen.
Einen kurzen Augenblick dachte er darüber nach, seine Handfeuerwaffen die er im Cockpitstaufach hatte, mit zu nehmen. Doch dann entschied er sich doch dagegen, mehr noch, er entfernte das Wurfmesser, dass in dem Rückenteil seiner Kühlweste eingearbeitet war. Er hatte unbewaffnet gesagt, also musste er sich auch daran halten. Wie sollte Carter ihm glauben, wenn er sich jetzt nicht an die Abmachungen hielt. Dann entriegelte er die Cockpitluke und machte sich auf den Weg nach unten.
Auf seinem gesamten Weg nach unten begleitete ihn die Mündung der gewaltigen PPK. Ansonsten war keinerlei Regung an dem Loki zu erkennen.
Der Zweifel nagte an Dennys Nerven, er wusste nicht, ob seine Worte den Anführer der Crusaders überzeugt hatten. Wenn nicht, bedeutete das mit Sicherheit nicht nur seinen eigenen Untergang, sondern höchstwahrscheinlich die Vernichtung aller Kampfeinheiten der Chevaliers in Leipzig.
Er konnte nicht weiter tun als wehrlos in die offene Mündung einer Clan-PPK zu starren und auf die Gnade und Einsicht eines feindlichen Kommandeurs zu hoffen.
Die Sekunden zogen sich wie Kaugummi in denen Denny am liebsten aufgebrüllt hätte. Während Carter vor sich hin grübelte, kämpften seine Kameraden da draussen um ihr Leben.
Oder waren sie vielleicht schon alle tot?

Ironheart
24.12.2004, 14:36
Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights,
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

„Was zur Hölle sollte das denn?“ Der ComStar-Adept rieb sich das Kinn und starrte auf die Pistole die Sagrudson in der Hand hielt. Dieser hatte sich locker auf einen der Kontollsessel gesezt, während der Agent mit dem Rücken an der Wand gelehnt auf dem Boden vor ihm saß. Greg und Alexeij hatten sich mit verschränkten Armen vor der Brust rechts und links vor den Agenten gestellt, bereit ihn sofort anzugreifen, falls das notwendig sein sollte.
Sagrudson schien wütend zu sein, als er schnaubend loslegte. „Während sie ihre Scheiss Agentenspielchen gespielt haben, mussten wir uns hier mühsam durch die Anlage schleichen. Gott verflucht, wir hätten das Scheissteil“ Sagrudson fuchtelte mit seiner Waffe hinüber zu dem Satelliten, der immer noch am Haken hing „schon längst bergen können, wenn sie sich früher zu erkennen gegeben hätten.“
„Ich hatte meine Befehle, Sergeant. Ich bin nicht eingeschleust worden um ihren Auftrag zu verhindern, im Gegenteil. Ich bin hier um Ihnen zu helfen falls das notwendig werden sollte. Solange keine primäre Gefahr bestand und sie nicht in die falsche Richtung unterwegs waren, konnte und sollte ich mich bedeckt halten. Ich sollte erst einschreiten, sobald Gefahr im Verzug war, und ich denke, der Fall ist jetzt ja wohl eingetreten. Das waren meine Befehle um diesen wertwollen Satelliten zu bergen.“
„Wenn das Ding so scheiss wertvoll ist, warum haben sie es sich nicht gleich selbst geholt, als sie ihre Garnison noch hier hatten?“
Adept Ivarson schüttelte den Kopf. „Als wir die Pläne zu dieser Anlage endlich gefunden hatten, war es bereits zu spät. Dvensky hatte da schon seinen Vertrag mit ComStar gekündigt und Blakes Wort mit der Betreuung der HPG-Anlage beauftragt. Was glauben sie, wie unnauffällig hätten wir unsere Garnisonstruppen hierher schicken können, ohne dass Dvenksy oder Blakes Wort uns hierher gefolgt wären? Wir mussten also auf anderem Wege den Satelliten bergen.“
„Und warum dann die Chevaliers? Wir sind doch mindestens genauso auffällig, wie man jetzt an der Tatsache sieht, dass unsere Leute da oben um ihr Leben kämpfen müssen. Warum haben sie keine eigenen Leute geschickt?“
„Wer sagt Ihnen, dass wir das nicht getan haben?“ Ivarsons Grinsen ließ Sagrudsons Herz erfrieren als er erkannte, was die Chevaliers in den Augen ComStars wirklich waren.
„Wir sind nur das Ablenkungsmanöver…“ hauchte er aus und er war dermaßen geschockt, dass er Ivarson nicht daran hinderte aufzustehen und zur Konsole zu gehen um den Kran zu bedienen.
„Nicht ganz, Sarge“ erläuterte der ComStar-Spion während er den Container über die Armaturen des Kontrollpultes sich langsam zum Boden gleiten ließ „sie sind nicht `nur` ein Ablenkungsmanöver, wir brauchen schon auch ihre Präsenz in Brein und die Feuerkraft hier in Leipzig…“ Jetzt konzentrierte er sich wieder um den Container punktgenau und butterweich auf einem LKW landen zu lassen, der vor ein paar Minuten noch nicht dort gestanden hatte. Ein paar pechschwarz gekleidete schwarze Gestalten wuselten um den Container herum und befestigten ihn. An ihrer Ausrüstung und an der Art ihrer geschmeidigen Bewegungen konnte Sagrudson erkennen, dass es sich da unten nicht um gewöhnliche Lagerarbeiter handelte.

Ivarson folgte dem Blick von Sagrudson und fuhr dann fort. „Sie haben doch wohl nicht wirklich geglaubt, dass ComStar seine einzigen Hoffnungen nur auf einen Haufen Söldner setzen würde, oder?“ Ivarson klang nicht wirklich gehässig, auch wenn seine Worte Sagrudson einen Stich versetzten. „Aber ich muss sagen, sie haben bislang ganz gute Arbeit geleistet. Während der spektakuläre Absturz der SKULLCRUSHER die komplette Aufmerksamkeit der Bryanter Truppen auf sich gezogen hat, ist ein Squad Elitetruppen von ComStar-ROM unbemerkt hier gelandet und übernimmt gerade den Satelliten, wie sie sehen können. Während wir uns dem oberen Zugang genähert haben, sind meine Leute durch den unteren Zugang gekommen. Wäre eines der Teams ausgeschaltet worden oder einer der Wege versperrt gewesen, hätten wir immer noch eine zweite Chance gehabt.“
„Unterer Eingang?“ fragte Sagrudson ungläubig. Etwas Derartiges war auf den Plänen nicht eingezeichnet.
„Sie haben von uns nur die Daten erhalten, die sie gebraucht haben, nicht mehr und nicht weniger. Sie glauben doch wohl nicht, dass einer dermaßen große Forschungsanlage nur einen kleinen mickrigen Zugang durch einen so schmalen Tunnel hat, oder? Natürlich gibt es noch einen zweiten Zugang, der genauso versteckt war wie der obere, warum die Anlage bisher auch nicht entdeckt worden ist.“
Sagrudson blickte den ComStar-Agenten etwas unschlüssig an, doch blieb schweigsam.
„Holen sie ihre Leute hier runter, wir werden durch diesen zweiten Ausgang verschwinden." fuhr der Adept daraufhin fort. "Aber noch sind wir nicht durch. Wir müssen erst noch die Baupläne finden und alle Spuren auf den Satelliten vernichten, dann müssen wir hier raus, dann durch die Tunnelanlagen zu unserem Landungsschiff und dann auch noch runter von Bryant. Wenn sie so wollen, dann haben wir gerade mal die Hälfte geschafft.“

Sagrudson schaute aus dem großen Panoramafenster der Kommandozentrale den anderen ComStar-Agenten am Boden der Kaverne schweigend und fast schon traurig beim festzurren des Containers zu und blickte dann Iverson an.
„Warum?“ fragte er tonlos und der Agent verstand sofort den Hintergrund der Frage.
„Das Prinzip der Redundanz, Sergeant.“ antwortete ihm der ComStar-Spion mit einem mitleidigen Ausdruck im Gesicht. „Der Satellit ist viel zu wertvolles LosTech. Es DARF einfach weder Dvensky noch Blakes Wort in die Hände fallen. Auch wenn sie es nicht gewusst haben, wir sind gemeinsam hier herunter gekommen um den Satelliten und die dazugehörigen Baupläne zu bergen und wir werden ihn auch gemeinsam hier heraus bringen, in Ordnung?“
Der Agent streckte dem Pionier die Hand hin und nach einem kleinen Zögern schlug Sagrudson zu. Ivarson hatte Recht, sie mussten zusammen arbeiten, um hier heil heraus zu kommen. Das galt jetzt mehr denn je.
Und wenn sie dafür noch einen weiteren Trupp ComStar-Kommandos zur Verfügung hatten, dann war das umso besser.

**************************************************

Nahe der geheimen Forschungsanlage, Bloomingdale Heights, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Finnegan „Finn“ Trent hatte unterdessen an der Oberfläche Leipzigs alle Hände voll zu tun. Die unbekannten Gegner trieben die Chevaliers immer mehr in die Enge und auch wenn die führerlose Scoutlanze ihr Hit & Run Spiel so gut es ging aufrechterhielt, konnten sie diesem Bombardement nicht lange standhalten.
Die Panzer von Docs Kampflanze kämpften so gut es ging, aber hatten auch schon ordentlich einstecken müssen. Alle hatten erhebliche Teile ihrer Panzerung eingebüßt und einer der Panzer hatte seine Kette verloren und ein zweiter einen blockierten Turm. Daraufhin hatte Doc eine provisorische Verteigungsstellung mit den Panzern gebildet.
Für sich alleine genommen wäre das ein Todesurteil für die Panzer gewesen, aber zum Glück gab es ja noch die drei Scouts der Chevaliers. Noch besser wäre es gewesen, wenn sie noch den Mech von Dukic zur Verfügung hätten. Doch leider wussten sie immer noch nicht wo er abgeblieben war und ob er überhaupt noch lebte. Aber auch ohne ihn hatten die Feinde zwei Mal versucht, die fast bewegungslosen Panzer in Grund und Boden zu schiessen, doch beide Male waren Ihnen die flinken Chevalierscouts, allen voran Finn selber, in den Rücken marschiert und hatten wiederum ihren Gegnern gehörig eingeheizt.
Jetzt hatten die Mechs wohl genug von dieser Patt-Situation und hatten sich fünf gegen drei auf die Scouts gestürzt, woraufhin diese sich wieder zu den Panzern gesellt hatten, um adäquat auf die Angriffe zu antworten.
Alles in allem also eine Patt-Situation mit leichten Vorteilen für ihre Gegner, die aber noch nicht wirklich Kapital daraus geschlagen hatten. Ein Indiz dafür, dass beide Seiten keine Anfänger waren.

Ein weiterer Raketenalarm schrillte in Finns Cockpit und er beschleunigte, schlug einen Haken und verschwand hinter einer Häuserfassade, so dass wieder eine Raketensalve seiner Gegner ins Leere ging. Doch Finn hatte keine Gelegenheit sich darüber zu freuen, im Gegenteil. Wie aus dem Nichts tauchte der gegnerische Jaegermech vor ihm auf und feuerte eine volle Breitseite auf den kleinen Kabuto.
Finn erkannte die Gefahr und versuchte auszuweichen, doch zu spät. Sein kleiner Mech wurde förmlich vom Boden abgehoben und krachte zusätzlich zu allem Überfluss in eine freistehende Backsteinwand, die krachend über ihm zusammenbrach.
„FINN“ hörte er die deutlich sorgenvoll klingende Stimme von Miko in seinem Funkgerät und wollte antworten, aber erstmal musste er sich befreien. Mit zunehmend aufsteigender Panik drehte er sich zu Seite und versuchte sich aufzurichten. Der Jaegermech kam näher und stellte sich vor den kleinen Scoutmech und richtete alle seine Waffen auf ihn aus.
Als er in die Mündungsrohre seines Gegners blickte, wusste er dass es vorbei war. Hier und jetzt, auf diesem elenden Planeten, in dieser toten Stadt, würde er sterben.
`Geschieht dir Recht` schoss es ihm durch den Kopf und er erwartete den finalen Todesstoss.

Doch dieser blieb aus. Bange Sekunden schaute er hoch, und runzelte dann die Stirn. Irgendwas schien passiert zu sein, etwas das Finn entgangen sein musste.
Und da, er erkannte den wahrscheinlichen Grund für das Zögern seines Gegenübers. Am Rande seiner Radarschirme erkannte er das Signal des Mechs, das bislang gefehlt hatte.
Und Finn konnte ihn sogar zufällig von seiner schwierigen Position aus erkennen. Der Loki stand an einer erhöhten Position im Gelände und hob drohend seine Waffen auf das Szenario unter Ihnen.
Jetzt waren sie vollkommen verloren. Das bisherige Patt wurde dadurch natürlich aufgehoben, der Loki änderte die Kräfteverhältnisse auf dramatische Weise. Vor allem mit seinen beiden wuchtigen Clan-PPK´s würde der Pilot in der Lage sein, erheblich auszuteilen. Und da die Chevaliers allesamt bereits angeschlagen waren, hatten sie dem nicht sonderlich viel entgegenzusetzen.
Doch der Angriff der fünf anderen Mechs stockte weiterhin. Warum warteten sie auf den finalen Todesstoss? Seitdem der Loki auf der Bildfläche aufgetaucht war, war der Angriff statt zuzunehmen eher im Gegenteil sogar verlangsamt worden.
Dann begann der Jaegermech sich zurück zu ziehen. Die Waffen weiterhin auf den immer noch am Boden liegenden Kabuto gerichtet zog sich die feindliche Maschine zurück.
Finn runzelte die Stirn. Was ging hier vor sich? Eine bessere Chance ihn auszuschalten hätte der gegnerische Pilot nie wieder bekommen. Warum also formierten sie sich neu?
Finn kontrollierte seine Anzeigen. Hatte er etwas anderes übersehen? War vielleicht Entsatz auf dem Weg?
Doch er konnte nichts verzeichnen, keinerlei Signal.
„Finn von Sakura, alles in Ordnung bei dir?“ In Mikos Stimme klang ehrliche Besorgnis um den Zustand ihres Wingman mit.
„Bei mir ist alles in Ordnung.“ meldete er zurück, während er sich langsam aus seiner misslichen Lage erhob. Ein kurzer Blick auf seine Schadensanzeigen zeigte auf, dass ein Großteil seiner Panzerung Geschichte und sein Beinaktivator beschädigt war. „Aber was zur Hölle ist hier eigentlich los?“
„Ich weiss es auch nicht. Scheint als hätten sie ihren Angriff abgebrochen.“
Noch bevor Finn weitere Fragen stellen konnte, erklang Docs Stimme durch den Funk. „An alle Chevaliers von Doc. Sammeln an meiner Position. Ich habe keine Ahnung, warum die ihren Angriff unterbrochen haben, aber…“ dann pausierte er, als von Norden ein weiteres Signal erschien.

Dukics modifizierter Brandstifter erschien auf den Schirmen und kam schnell näher. Er schien nur leicht angeschlagen zu sein und marschierte nur einen halben Klick entfernt an den gegnerischen Mechs vorbei auf ihre Position zu, ohne dass diese ihn überhaupt beachteten.
Finns Verwirrung war schließlich komplett, als die sechs feindlichen Mechs sich schließlich komplett zurückzogen, ohne auch nur ein weiteres Wort von sich gegeben zu haben.
Schließlich erreichte Dukic die Position von Doc und beide begannen offensichtlich über die momentane Situation zu beraten. Was Doc und Dukic dabei miteinander besprachen, konnte er nicht hören, aber schließlich meldete sich der First Lieutenant wieder zu Wort. „Gut, Chevaliers. Laut Lieutenant Dukic ist der Angriff unserer Feinde vorüber und sie haben von deren Seite nichts mehr zu befürchten…“ Ein wildes Stimmengemurmel ließ Doc nicht weiterreden, so dass erst ein lautes „Ruhe im Kanal!“ notwendig war, bevor Doc weiter reden konnte. „Das ist im Moment alles, was sich dazu sagen kann und will. Also spart Euch eure Fragen für später auf. Noch traue ich diesem Frieden nicht, daher müssen wir weiterhin die Augen offen halten, ist das klar?“
Ein mehrstimmiger Chor an Bestätigungen war durch den Funk zu vernehmen.
„Gut, Scouts, ich will einen sauberen Status von jedem von Euch.Three-D, sie machen den Anfang.“
„Three-D meldet volle Einsatzbereitschaft, alle Waffensysteme einsatzbereit und nur leichte Panzerungsschäden.“
„Gut, Sol?“
„Jou, hab´n paar Dinger eingefang´n, ne? Aba nix Ernstes, alle System grün, bissch´n wenig Panzerung hier un´da un´nen paar neue Raket´n wär´n auch ma´ nich´ schlecht, ne? Aba sonst all´s Roger.“ kauderwelschte Sergeant Hank Borer drauf los.
Ohne gesonderte Aufforderung berichtete Miko Tsuno ihren Status. „Sakura meldet mittelschwere Panzerungsschäden, aber alle Waffensysteme sind voll einsatzbereit.“
„Finn, hier“ erstattete auch er selbst nun Bericht „schwere Panzerungsschäden und ein blockierter Beinaktivator, beide Blitz-KSR noch einsatzfähig aber ich habe kaum noch Munition.“
„Also gut“ fuhr Doc fort „meine Höllenhunde haben schon ihren Status abgeliefert „Doc 4 hat seine Kette verloren, Doc 2 hat einen blockierten Turm und ausserdem hat Arnold eine Platzwunde am Kopf. Wir haben also noch mal Schwein gehabt. Hätte der Kampf ein paar Minuten länger gedauert, dann…“ Doc sprach nicht weiter, aber jeder wusste, was er sagen wollte.
„Darum machen wir jetzt folgendes, Doc 1 und Doc 4 werden mit Three-D und Finn zu Skull zurückkehren um die jeweiligen Schäden reparieren zu lassen. Sakura und Sol bleiben mit Doc 3 bei Doc 2, ich habe die SKULL bereits angefunkt, ein Reperaturteam für Doc 2 ist schon auf dem Weg.“
„Wäre es nicht ratsam, wenn ich auch hier bleiben und ihr statt meiner Sol mitnehmen…?“ fragte Dukic nach, doch Doc ließ ihn mit einem „Keine Widerrede Lieutenant!“ kaum ausreden. Die Schärfe in Docs Stimme überraschte Finn und er runzelte die Stirn. Was ging hier vor? Niemand stellte Fragen, weder nach den Gründen für Dukics Fernbleiben von der Truppe, noch nach dem merkwürdigen Zufall, dass die Angriffe in dem Augenblick stoppten, als Dukic wieder auftauchte.
Finn hatte den Eindruck, dass ihnen allen irgendetwas verheimlicht wurde, doch er war viel zu sehr Soldat um groß nachzufragen. Doc hatte gesagt sie sollten sich ihre Fragen für später aufheben, also würde er das auch tun.
Was auch immer zwischen Doc und Dukic nicht in Ordnung war, es war im Moment wahrscheinlich unwichtig. Wie schwierig es war, mit Dukic zu Recht zu kommen, wusste nicht nur er selbst aus eigener Erfahrung.
Jetzt und hier war er nur froh überlebt zu haben und ein kurzer kalter Schauer rieselte seinen Rücken hinab, als ihm klar wurde, wie knapp es gewesen war. Finn hatte das Gefühl, dass Dukic noch einen gut hatte bei ihm.
Und so wie der Einsatz bisher gelaufen war, konnte er das Gefühl nicht loswerden, das er schon bald die Chance kriegen würde, sich bei seinem Lanzenführer zu revanchieren.

Ironheart
29.12.2004, 18:09
Angeklagt

An Bord der SKULLCRUSHER, Financial District, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
1.Mai 3065

Zdenek Dukic atmete erleichtert auf und schloß einen Augenblick die Augen, als sie den Hangar der SKULL erreicht hatten und er seinen Mech herunterfahren ließ. Er konnte gar nicht sagen wie groß der Stein gewesen war, der ihm von den Schultern gefallen war, als er es buchstäblich im letzten Augenblick geschafft hatte den Angriff der Carters Crusaders abgewendet zu haben. Wie durch ein Wunder hatten sie keine Verluste zu beklagen gehabt, auch wenn es unter den Panzerfahrern ein paar Leichtverletzte gegeben hatte.
Alles in allem hatten sich die harten Trainingsvorbereitungen für diesen Einsatz bezahlt gemacht und Denny war besonders Stolz darauf, da er wusste, dass es auch neben den Mitgliedern seiner Lanze genügend Chevaliers gegeben hatte, die seinen Drill und seine Menschenführung mehr als einmal angezweifelt hatten.
Jetzt hatte sich gezeigt, wie wichtig es gewesen war hart zu trainieren, denn nun konnten sie die relativ leichten Schäden schnell reparieren und den Einsatz erfolgreich zu Ende bringen. Hätten sie weniger stark trainiert, wären sie von den Crusarders wahrscheinlich sehr viel schneller auseinander genommen worden.
Aber jetzt galt es schnell wieder einsatzbereit zu sein und dann wieder auszurücken um die Pioniere und ihre hoffentlich bald geborgene wertvolle Fracht sicher zum Landungsschiff zurück zu begleiten. Daher sah er auch schon die ersten Techs zu seinem Mech hasten und die Systeme checken und die beschädigte Panzerung des Firestarter zu erneuern, kaum das er seinen Mech geparkt hatte.

Denny beobachtete die Techs einen Augenblick und machte sich dann bereit um selbst auszusteigen. Routinemässig griff er in sein Staufach und begann sein übliches Arsenal an Schusswaffen anzulegen, das er wegen seiner notorischen Zweikampfschwäche immer mit sich führte und vor seinem Gespräch mit Carter in seinem Mech hinterlegt hatte.
Erst versteckte er eine kleine Minipistole in seinem rechten Stiefel, in den linken Stiefel steckte er einen kleinen Dolch. Dann platzierte er ein Wurfmesser in eine extra eingearbeitete Vorrichtung im Nacken seiner Kühlweste. Besonders sinnvoll, wenn man mal die Arme hinter dem Nacken verschränken muss, aber nicht vor hat sich zu ergeben.
Dann wollte er sein Achselhöhlen-Holster und die altertümliche Beretta 93 R, ein aus dem 26. Jahrhundert stammender Nachbau einer legendären Schusswaffe des 20. Jahrhunderts anlegen, doch dann hielt er inne.
Wahrscheinlich würde er bald wieder ausrücken müssen und an Bord der SKULL war er ohnehin in Sicherheit. Also legte er die antike Waffe genau wie seine schwere Mydron Autopistole wieder in das Fach zurück und zog stattdessen seinen Chill-Suit an. Denny gehörte nicht zu den Mechkriegern, die halbnackt durch die Gänge liefen, vor allem nicht wenn er im Feld gewesen war. Dann packte er als letztes scheckkartengroßen Rekog-Inhalator und packte ihn in seine Hosentasche. Für einen Augenblick hielt er inne, als er daran dachte, dass ihn das verdammte Zeug fast ins Verderben gestürzt hätte. Er wusste, er sollte das Zeug am liebsten in ein tiefes Loch werfen, aber gleichzeitig spürte er, dass er das nicht konnte. Ihn durchzuckte ein schlechtes Gewissen bei dieser Erkenntnis, aber entschied, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt gekommen war um seine Schlafprobleme zu lösen. Er nahm sich vor, dass zu klären, sobald dieser Einsatz vorüber war.

Er öffnete die Luke seines Mechs und stieg hinab Richtung Hangarboden. Techs wuselten hin und her und sowohl innen im Hangar als auch außen an der Außenhülle wurde fieberhaft gearbeitet. Die Haupthangartore waren weit geöffnet und auf dem Wege ins Landungsschiff hatte Denny gesehen, dass die Pioniere und Schiffbesatzungen immer noch damit beschäftigt waren die Schäden der Fast-Havarie ihres vorgetäuschten Absturzes zu beheben.
Als er fast unten angekommen war, erkannte er Doc Dolittle und Kapitän Van der Merves begleitet von zwei Infanteristen der Pioniere, die auf dem Weg zu seinem Mech zu sein schienen. Gerade als er den Boden des Hangars berührte, kamen sie bei seinem Mech an und Denny drehte sich grinsend zu Ihnen um, doch sein Lächeln wurde nicht erwidert.
Im Gegenteil: Die beiden Offiziere musterten ihn mit kühlem Blick, während die beiden Infanteristen hinter Ihnen nervös zu sein schienen.
`Irgendetwas stimmt hier nicht` schoss es Denny durch den Kopf, doch Doc Dolittle war der Erste der das Wort ergriff.
„Second Lieutenant Dukic, bitte folgen Sie uns!“
Die Schärfe in der Stimme des Panzerfahrers irittierte Denny. „Was ist denn los, Sir?“
„Nicht hier Lieutenant“ antwortete ihm Doc Doolittle mit versteinerter Miene „folgen Sie uns bitte in die Offiziersmesse, dort werden wir reden.“
Denny runzelte die Stirn und sein Blick schaute in die ebenfalls harten Augen des Skipper. Die beiden bewaffneten Pioniere, die sich rechts und links hinter ihm platziert hatten, machten einen ebenfalls verwirrten Eindruck. An ihrem Gesichtsausdruck konnte Denny erkennen, dass sie nicht eingeweiht waren.
Irgendwas ging hier vor sich, doch Denny wusste nicht was. Statt wie ein Retter empfangen zu werden, schienen sie ihn zu inhaftieren?
Als sie auf dem Weg zur Offiziersmesse waren, erfasste ihn ein glühend heisser Adrenalin-Schub. Wussten Sie etwa von seinem Aussetzer in dem Tunnel? Hatte sich Carter mit Dolittle in Verbindung gesetzt? Wenn ja, dann blühte ihm sicherlich deutlich mehr als nur ein bloßer Rüffel.
In diesem Augenblick wünschte er sich, er hätte den Rekog-Inhalator nicht mit sich genommen. Wenn sie seiner Rekog-Leidenschaft auf die Schliche kamen, dann würde er sicher mit enormen disziplinarischen Maßnahmen zu rechnen haben.

Als sie die Offiziersmesse erreicht hatten, bedeutete Dolittle den beiden Pios vor der Eingangstür zu warten. Drinnen wurden sie empfangen von zwei Mitgliedern der Crew von Kapitän Van der Merves. Ihre Mienen waren ebenso verschlossen, wie die ihres Captains.
„Lieutenant, nehmen sie Platz und erzählen sie uns, was in den Tagen nach dem Angriff unserer Gegner vorgefallen ist!“
Und Dukic erzählte. Von dem ersten Angriff, von dem Unterschlupf im Tunnelsystem. Davon das er eingeschlafen war und von Carter überrascht worden war. Dabei ließ er natürlich die Tatsache unerwähnt, dass er zu dem Zeitpunkt unter Rekog-Einfluß lag. Dann erzählte er weiter davon, dass er Carter überzeugen konnte, den Angriff auf die Chevaliers abzublasen und sich wieder zurück zu ziehen.
„Und das alles sollen wir Ihnen glauben…?“ fragte Dolittle, nachdem Denny mit seiner Version geendet hatte und ein paar Sekunden so vertrauensselig wie möglich drein geschaut hatte. Vielleicht hatten sie ja noch nichts gegen ihn in der Hand.
Seine Hoffnungen zerschellten, als Dolittle hinüber zu Van der Merves blickte, der wiederum einem seiner Crewmitglieder ein Zeichen gab. Dieser aktivierte den alten und flackernden Holoprojekter und eine dreidimensionale Darstellung der SKULL und ihrer unmittelbaren Umgebung baute sich auf. Dann nach ein paar hastig eingetippten Befehlen erschien ein pulsierendes, regelmäßig aufleuchtendes Signal, das direkt aus dem Inneren des Landungsschiffes zu kommen schien.
„Lieutenant, ich will nicht lange drum reden“ führte der Skipper aus „mein Schiff hat alle aktiven Signale, die eine externe Ortung ausmachen würden ausgeschaltet. Vergrößern…“
Wieder tickerten ein paar Tasten und in mehreren Zoomstufen war das pulsierende Signal nun ganz groß in der Darstellung. Im Zoomauschnitt hing eine kleine, sich langsam um sich selbst drehende Beschreibung des Raumes, aus dem dieses Signal hervorging.
Denny runzelte die Stirn, als er die Schrift als `Offiziersmesse` erkannte. Unwillkürlich drehte er sich um und suchte nach dem Sender.
„Ich kann Ihnen versichern, Lieutenant, dieser Raum war bis zu ihrem Eintreffen sauber.“

Denny brauchte ein paar Augenblicke, um das Gesagte zu verdauen. „Sie meinen… ich trage einen Sender mit mir herum?“ Und jetzt hallte der Schock über diese Erkenntnis erst recht in seinen Ohren.
„Sollen wir suchen, oder wollen sie es selbst herausrücken?“
„Ich… Ich trage keinen Sender…“ versuchte Denny sich verzweifelt zu rechtfertigen. Doch der andere der beiden Crewmitglieder stand auf, mit einem kleinen faustgroßen Gerät in der Hand und bat ihn aufzustehen.
Verdattert stand Denny auf und war noch verwirrter, als das deutlich zu empfangende Signal aus seiner linken Hosentasche kam.
Dort wo sein Rekog-Inhalator sich befand.
„Lieutenant?“
Alle Augen waren auf Denny gerichtet, der mittlerweile Schweißausbrüche hatte. Doch dann rückte er schließlich den Inhalator heraus.
Das Spiel war aus.
Doc betrachtete die kleine Apparatur und fragte stirnrunzelnd. „Was ist das?“
Denny antwortete ihm nicht. Der Schock aufgeflogen zu sein, schnürte ihm den Hals zu und schien seine Wahrnehmung zu vernebeln. Seine Gedanken überschlugen sich.
Ex-LNC Agent Evander Povlsen!
Der Agentenangriff auf die Chevalierskaserne in Outreach in der Silvesternacht!
Der Erkundungsangriff derCrusaders auf New Home!
Die schnelle Entdeckung ihrer Einsatzgruppe in Leipzig und die wiederholten Angriffe der Crusaders!
Die Tatsache, dass Carter ihn in den Tunneln so einfach hatte finden können!
Mit einem Mal setzte sich ein Puzzle in Dennys Kopf zusammen. Und das Bild, dass sich ihm bot, sah nicht sehr vorteilhaft für ihn aus.
Doch was sollte er jetzt tun?

„Lieutenant Dukic? Ich habe gefragt was das ist!?“
"Ich weiß es nicht, Sir“ log Denny und im selben Augenblick wusste er, wie blöd er klingen musste. Doch in diesem Augenblick konnte er soundso nichts erklären, er brauchte Zeit.
„Lieutenant DUKIC“ Doc Dolittle wurde so laut, wie ihn Dukic noch nie erlebt hatte „ich habe langsam die Faxen Dicke. WAS für ein SPIEL spielen sie hier?“
„Sir? Was meinen sie mit Spiel?“
„Sie sind im Besitz eines Gerätes, das einen Peilsender trägt. Damit waren sie für unsere Feinde jederzeit ortbar und haben sie direkt in unsere Arme geführt. Die Fakten deuten auf einen Verrat hin, ihre Verhaltensweise ist höchst suspekt und sie tragen im Augenblick nicht gerade dazu bei, die Situation aufzuklären…“
„Ich… Ich wusste nicht…“ Denny brach ab und schüttelte seinen Kopf. Alles was er jetzt unüberlegt sagen würde, würden sie eventuell gegen ihn verwenden. Also entschied er lieber im Augenblick zu schweigen.

Doc erkannte was los war und nickte mit eiserner Miene. „Nun gut, Lieutenant Dukic, es ist ihre Entscheidung. Ob sie diesen Verrat vorsätzlich oder nicht ausgeführt haben, wird sich noch zeigen.“ Doc seufzte und seine Miene verriet bereits, was er zu galuben schien. „Aber hiermit lasse ich sie offiziell unter Arrest nehmen und entbinde sie von jeglichen Pflichten. Sie werden sich in den Gewahrsam begeben und wir werden ihren Fall prüfen, sobald diese Mission abgeschlossen ist. Haben wir uns verstanden?“
Dennys Schultern sackten herab und Doc rief die beiden Infanteriepioniere von draußen hinzu, und befahl ihnen ihn in seine Kabine zu begleiten und davor Wachposten einzunehmen.

Als sie den Lieutenant abgeführt hatten, drehte Doc den kleinen Behälter nachdenklich in seinen Händen.
„Was mag das für eine Apparatur sein?“ fragte Kapitän Van der Merves.
„Ich habe keine Ahnung. Wozu auch immer es dient, es hat diese Crusader zu uns geführt…“ fuhr Doc fort.
„Aber warum?“
Doc runzelte die Stirn. „Ja, das macht mir auch Kopfschmerzen. Ich erinnere mich dunkel an eine Nacht in Harlech, als ich mit einem Teil meiner Höllenhunde und Charly und Al unterwegs gewesen sind. Wir sind in irgendso einer Bar mit diesen Crusaders zusammengerasselt und haben sie ordentlich vermöbelt. Aber irgendwie macht das keinen Sinn. Wer um Himmels Willen betreibt schon all diesen Aufwand, den Einbruch an Silvester, die Verfolgung auf zwei verschiedenen Planeten, nur um sich für eine verlorene Schlägerei zu rächen?“
„Das müssten dann schon ordentliche Psychopathen sein. Und dann würde es nicht ins Bild passen, dass sie sich einfach so zurückziehen.“
„Ja“ antworte Doc sorgenvoll „und das glaube ich ehrlich gesagt auch nicht. Da steckt noch was anderes dahinter, ich weiss aber nicht wer oder was. Selbst wenn die Crusaders sich tatsächlich zurückgezogen haben sollten, wer weiss schon, wer da draußen noch alles von uns weiss.“
Doc spielte darauf an, dass Sagrud ihn davon informiert hatte, dass ComStar-ROM sich zu erkennen gegeben hatte. Und wenn sie auch deren Infiltration nicht entdeckt hatten, wer sagte Ihnen dass nicht auch Dvensky und Blakes Wort mittlerweile von Ihnen wussten.
„Gut, ich werde meine Leute über Dukic informieren, machen sie bitte dasselbe mit ihren Leuten. Aber bitte diskret, ich möchte nicht, dass eine unnötige Panik ausbricht. Es ist schlimm genug, dass wir in dieser Situation einen unserer Mechpiloten und dazu noch den Lanzenführer der Scouts verloren haben. Und solange Sagruds Team die Bauzeichnungen des Satelliten noch nicht gefunden haben, liegen wir hier auf dem Präsentierteller.“
Als sich alle auf den Weg machten, konnte Doc nur hoffen, das niemand auf die Idee kam, sich die Präsente dann auch holen zu kommen.

*******************

Denny konnte es nicht fassen, diese beiden Grünschnäbeligen Pioniere brachten ihn in seine bereits leergeräumte Kabine, wo er in Haft bleiben würde, bis der Major über ihn richten würde.
Während sie auf dem Weg zu seiner Unterkunft waren überlegte er fieberhaft, was er machen sollte.
Evander Povlsen war hier, hier auf Bryant, dass wusste Denny jetzt. Dieser Hurensohn eines Agenten hatte ihn reingelegt, hatte ihm den Peilsender in Form des Inhalators untergeschmuggelt. Also war er definitiv auf diesem Planeten, wenn nicht sogar in Leipzig.
Denny wusste, dass er in einer fast aussichtslosen Situation stand. Die Chevaliers würden ihn des mindestens des Verrates anklagen, das war klar. Seine Lage würde sich zusätzlich sicherlich nicht gerade bessern, wenn sie herausbekommen würden, wozu der Inhalator eigentlich diente.
Nur wie konnte er seine Unschuld beweisen?
Es würde nur eine Möglichkeit geben und er würde jetzt handeln müssen, bevor sie ihn filzen und einsperren würden.

Als sie an der Tür zu seiner Kabine waren und einer der beiden Pioniere sich daran machte die Tür zu öffnen, stand dieser vor Denny, während der andere noch hinter ihm stand. Denny hob in einer Geste der Verzweiflung beide seiner Hände an den Kopf und rubbelte mit erhobenen Armen durch seine kurzen, struppigen Haare.
Die beiden Hände wanderten in seinen Nacken und für den Bewacher hinter ihm, der seine Waffe auch nur an seiner Seite herunterbaumeln ließ, musste diese Körperhaltung so aussehen, als ob Denny sich in sein Schicksal ergeben hatte.
Doch das dem nicht so war, mussten seine beiden unerfahrenen und für so einen Fall nicht ausgebildeten auf die harte Tour erfahren.
Als der vordere der beiden Pios die Tür geöffnet hatte, zog Denny blitzschnell das kleine, versteckte Wurfmesser aus der im Nacken seiner Kühlweste eingearbeiteten Verankerung, hielt das dem Pio an den Hals und ließ ihn herumwirbeln und schirmte sich damit vor dem zweiten Pionier ab.
Der zweite Pionier riss voller Überraschung seine Waffe hoch, doch bis er diese im Anschlag auf Denny hatte, hatte dieser bereits die Kontrolle über dessen Partner erlangt, in dem er ihn das kalte Stahl direkt am Hals spüren ließ.
„Keine Bewegung, oder dein Kumpel hier röchelt gleich aus einem zweiten Mund, ist das klar?“ zischte er die beiden an, die offenbar völlig überrumpelt waren.
„S-Sir?... Was soll d-das?“ stammelte der Pio mit dem Messer am Hals, während sein Kamerad mit offensichtlicher Panik in den Augen nicht wusste, was er tun sollte.
Denny hingegen wusste genau, was er tat. Während er mit dem Messer in seiner Linken den einen seiner Wächer kontrollierte, hob er blitzschnell sein rechtes Bein und zog die kleine Minipistole heraus, die er jetzt auf den zweiten der Pios richtete. „Runter mit der Waffe… Sofort!“ befahl er
Der zweite Pio zögerte.
„Runter mit der Waffe und es wird euch nichts geschehen, das verspreche ich. Sonst…“ Denny drückte mit dem Messer ein klein wenig weiter bei dem ersten Pio auf den Hals, der daraufhin erschocken aufkeuchte.
Die Augen des zweiten Pio zuckten hinüber zu seinem Kameraden. Dann entschied er sich, aufzugeben. Er legte, genau wie auch der erste Pionier die Waffen auf den Gang und Denny dirigierte die beiden in seine Kabine, die jetzt statt sein Arrest zu werden, der Arrest der beiden Pioniere wurde.
Als er die Tür der beiden schloss, flüsterte er den beiden „Es tut mir leid“ zu und sammelte dann die beiden Schnellfeuerpistolen ein, die sie dabei gehabt hatten. Beide Waffen verstaute er rechts und links in seinem Chillsuit, aber so das er im Notfall noch ran kommen konnte.
Er würde sich beeilen müssen, denn irgendwann würde es auffallen, das er nicht mehr in seiner Kabine war und stattdessen seine vermeintlichen Wächter.
Er hoffte, dass ihm auf dem Weg zu seinem Mech niemand über den Weg laufen würde.

Nach der nächsten Kurve zerschlug sich diese Hoffnung und er rannte direkt in die Arme von Finnegan Trent.
Dennys Hand wanderte automatisch an seinen Bauch. Würde er die Waffe ziehen müssen? Doch nichts in Finnegans Augen deuteten darauf hin, dass er von der Situation wusste.
„Hallo, Sir. Ich war gerade auf dem Weg zu Ihnen.“
`Auch das noch` schoss es Denny durch den Kopf. „Ich muss noch zu meinem Mech“ stammelte Denny und versuchte den verwirrt schauenden Finn einfach so stehen zu lassen.
„Gut, dann komme ich mit“ sagte dieser und Denny spielte für einen Augenblick mit dem Gedanken ihn ebenfalls in seiner Kabine einzusperren. Aber erstens konnte er ja nicht das gesamte Schiff einsperren und zweitens würde er auf diese Weise viel zu viel Zeit verlieren. Und vielleicht würde er zusammen mit Finn sogar eher weniger auffallen.
„Gut, dann los.“
Während sie auf dem Weg waren begann Finn mit einem Statusreport zu den Mechs. „Der Kabuto wird bald wieder einsatzfähig sein, der Beinaktivator wird bereits erneuert. Aber spätestens in Zwölf Stunden wird er wieder voll funktionsfähig sein.“
„Gut“ murmelte Denny während er nervös nach links und rechts Ausschau hielt. Jeden Augenblick konnte ihm jemnd über den Weg laufen, der eingeweiht war.
„Ihr Firestarter hat deutlich weniger Schäden und ihre Waffen sind alle einsatzfähig. Mit ihrer Panzerung sieht es nicht ganz so gut aus, ein paar der Platten könnten ausgetauscht werden. Das wird aber gemacht, wenn mein Mech fertig ist. Ist das in Ordnung, Sir?“
Das war nicht optimal, aber natürlich nicht zu ändern. Und jetzt hatte er eh keine Zeit um darauf zu warten „Das ist schon O.k., Finn.“

Den Rest des Weges schwiegen die beiden Mechkrieger und Denny war auch froh darüber. Ihm schwirrte der Kopf und die Gedanken überschlugen sich. Er musste es zu seinem Mech schaffen und dann am besten mit diesem fliehen.
Er hatte zwar nicht die geringste Ahnung wo er hin sollte und wie er Evander Povlsen finden konnte, um seine Unschuld zu beweisen. Aber erstmal musste er von hier weg, alles Weitere würde sich schon finden. Wenn Sie ihn erst einmal arrestiert hätten, hätte er keine Möglichkeit mehr gehabt etwas tun zu können.
Als sie den Hangar und seinen Mech erreicht hatten und Denny sich nach allen Seiten umsah, um sicher zu gehen nicht entdecken zu werden, war er so in Gedanken, dass er Finn an seiner Seite vollkommen vergessen hatte.
„Sir, wo wollen sie hin?“
„Ähmm“ erwiderte Denny etwas verwirrt „ich habe noch etwas im Cockpit vergessen…“ stammelte er und wollte schon zu seinem Cockpit, als ihn Finn aufhalten wollte.
„Sir, ich wollte noch…“ begann er, doch Denny unterbrach ihn gehetzt und mit zischender Stimme.
„WAS IST DENN NOCH… ???“
Finn runzelte verwirrt die Stirn. „Nichts weiter, Sir. Ich wollte mich nur bedanken. Wären sie heute nicht rechtzeitig gekommen, dann…“
„Nicht der Rede wert Finn. Ich denke sie hätten für mich dasselbe getan, oder?“ Dann machte sich Denny auf den Weg zu seinem Cockpit, hielt dann aber doch kurz noch inne und drehte sich zu Finn um.
„Ach ja, sie können mir jetzt schon zwei kleine Gefallen tun. Gehen Sie bitte zu meiner Kabine und sagen sie Doc, dass ich alles aufklären werde, O.k.?“

„Sir… ?“ fragte Finn verwirrt „was werden sie aufklären?“ Doch er erhielt keine Antwort mehr.
Er blieb stehen und sah seinem Lanzenführer nach, der wie von einer Tarantel gestochen nach oben und in sein Cockpit stieg. Kurz darauf wurde seine Verwirrtheit zusätzlich dadurch gesteigert, dass Dukic seinen Mech zur Überraschung Aller startete und Anstalten machte die Reperaturbay zu verlassen.
Finn brachte sich wie einige andere Techs auch in Sicherheit und musste dann mit ansehen, wie der Firestarter II in flüssigen schnellen Bewegungen aus dem Hangar marschierte.
Da die Hangartore der SKULLCRUSHER wegen den Reperaturarbeiten noch offen standen, konnte ihn niemand daran hindern.
Als Dukic sich mit schnellen Schritten außer Sichtweite gebracht hatte, dämmerte Finn, dass hier irgendetwas nicht mit Rechten Dingen zuging. Als kurz darauf jemand von SKULL Control Alarm gab und sich die Hangartore viel zu spät zu schliessen begannen, wusste er es.
Dann drehte er sich um und machte sich auf die Suche nach Doc Dolittle.
Vielleicht konnte ihm ja der Anführer der Höllenhunde erklären, was hier vor sich ging.

Ironheart
17.01.2005, 12:22
An Bord der SKULLCRUSHER, Financial District, Leipzig,
Bryant, Chaos-Marken
2. Mai 3065

Müde rieb sich 1st Lieutenant Patrick „Doc“ Dolittle die Augen. „Irgendwelche Zeichen von Dukic oder seinem Mech?“
Die zierliche Miko Tsuno schüttelte den Kopf. „Nein, Doc-Sama. Sobald Finns Mech wieder einsetzbar war, hat er sich auf die Suche nach ihm gemacht. Aber seine Spur verlor sich schon bald auf dem Asphalt dieser riesigen Stadt. Er muss wieder irgendwo in dem weitverzweigten Tunnelsystem verschwunden sein. Sollen wir ihn weitersuchen.“
„Nein. Er könnte überall sein, nicht wahr? Vielleicht ist er zu den Crusadern gerannt, nachdem wir ihn enttarnt haben?“
„Dat glaub´ ich nich´… Dat glaub´ ich einfach nich´…“ begann Hank Borer, der hochaufgeschossene Dervish IIC-Pilot und gleichzeitig Dukic´s Freund. „Denny hat vielleicht Scheisse am Steck´n, ne? Aba er is´ nie un´nimmer ein Verräter.“
„Hank, deine Freundschaft zu 2nd Lt. Dukic in Ehren, aber wir haben in inflagranti erwischt.“ Doc schnappte sich den auf dem Tisch liegenden Apparat und hielt ihn hoch. „Dieses Ding hier hat einen Sender und dieser hat diese Crusaders direkt zu uns geführt. Und wir wissen inzwischen, dass das ein Rekog-Inhalator ist!“
„Ein Rekog-Inhalator?“ fragte Miko, die offensichtlich keine Ahnung hatte, was das war.
„Rekog“ sagte Hank „is´ auch auf Solaris VII so´ne Modedroge gewes´n, ne? Hätt´ nich´ gedacht, dat Denny…“ Er schüttelte den Kopf, fuhr dann aber fort. „Naja, ´s gab da so ein zwei Sach´n, da weiss ich jetz´, wat ich hätt´ viel früher merk´n könn`…“ Hank schien ehrlich tief betroffen über die Abhängigkeit seines Freundes zu sein.
Doc sagte hierzu noch nichts. Wenn sie Dukic entweder für seinen Verrat oder für seine Drogenabhängigkeit belangen wollten, mussten sie ihn überhaupt erst einmal finden. „Wie auch immer Hank, haltet die Augen offen, vielleicht könnt ihr ihn ja irgendwo entdecken.“

Bei Docs letzten Worten trat Kapitän Van der Merves in die Offiziersmesse. „Wo ihr gerade vom Entdecken redet. Wir haben auch zwei Entdeckungen gemacht.“ Van der Merves ging hinüber zum Holotisch und begann eine Datei aus dem Schiffsinternen Datensystem aufzurufen.
Doc runzelte die Stirn und schaute hinüber zu Miko. „Was ist denn jetzt schon wieder?“
„Das Wetter ist im Moment nicht gerade sehr schön, aber wenigstens kein Sturm und kein Gewitter. Der Regen ist immer noch dicht, aber er lässt ein wenig nach. Daher haben wir folgende visuellen Aufnahmen machen können.“ Auf dem Holoschirm entstand die dreidimensionale Darstellung der Umgebung der SKULLCRUSHER. Im Zentrum war die hochaufragende Kuppel der SKULL zu erkennen, nördlich und westlich umringt von mehreren, teilweise eingestürzten Hochhäusern, die zwar allesamt niedriger waren, aber von oben gesehen fast genauso Aussahen. Viele von Ihnen waren sehr hoch und einige der Trümmerhaufen waren kuppelförmig aufgetürmt und damit von oben nur schwer als solche zu erkennen.
Südlich und östlich wurde die SKULL eingerahmt von den hohen Hügeln, die gigantischen, ehemalige Sternenbundstadt Leipzig an vielen Stellen durchzogen und die bis jetzt dazu geführt hatten, dass Sie noch nicht entdeckt worden waren.
Van der Merves stellte die Ansicht so ein, dass die drei Chevaliers den Eindruck hatten, auf der höchsten Spitze der SKULL zu stehen, knapp 200 Meter über Ihnen die dicke, tiefhängende und geschlossene Wolkendecke über Leipzig.
„Heute morgen haben wir von unserer Bugkamera folgende Aufnahmen machen können“ begann er und zeigte mit dem Arm Richtung Osten. In diesem Augenblick zeigte die Aufnahme einen weit entfernten Schweif am Horizont, der nur für ein paar Augenblicke sichtbar war und dann in der Wolkendecke zu verschwinden schien. Diese erstrahlte in der ferne noch für ein paar Augenblicke, und dann war das Schauspiel schon wieder vorbei.
„Ein Gewitter?“ fragte Doc.
Van der Merves schüttelte den Kopf, ließ die Aufzeichnung zurückspringen, vergrößerte den Ausschnitt und nun sah man das abhebende Landungsschiff deutlich, wenn auch etwas grobkörnig. „Nein, ich würde eher sagen, das Landungsschiff der Crusaders.“
„Sie haben sich also tatsächlich komplett zurückgezogen?“
„Sieht ganz so aus.“
Doc massierte sich nachdenklich das Kinn. „Gut. Das gibt uns wieder etwas Sicherheit, aber sicherheitshalber sollten wir weiterhin den momentanen Alarmzustand beibehalten.“
„Das sollten wir auf jeden Fall“ begann Van der Merves und ließ eine zweite Datei starten. „Das hier haben wir vor einer halben Stunde aufgenommen.“
Als die Aufzeichnung startete, hatte Doc erst den Eindruck, dass es ein und dieselbe Aufnahme war. Und wieder zeigte der Skipper in Richtung Osten, dort wo hinter dem Hügel - der ihnen im Moment die Sicht raubte - die Bloomingdale Heights lagen und ihre Pioniere gerade versuchten die Blaupausen des bereits geborgenen Satelliten zu finden. Und Doc´s Eindruck, das dieselbe Aufnahme wie vorhin abgespielt wurde, verstärkte sich zusätzlich, als dieses Mal erst die Wolkendecke blitzte und blinkte und dann ein Landungsschiff auf glühendem Plasmastrahlen auftauchte. Es war nur ein paar Augenblicke sichtbar, dann verschwand es hinter dem Hügel aus dem Sichtfeld.“
„Spielen sie die Aufzeichung jetzt rückwärts?“
Van der Merves schaute Doc ein wenig böse an, doch der hob nur entschuldigend die Hände. „Nein“ begann der Skipper schließlich „wenn sie genau darauf achten, landet dieses Schiff knapp 10 Kilometer südlich von dem anderen. Und das hier ist eine Confederate Class, das andere Schiff war eine Union.“
Doc massierte sich die Schläfen. „Bryants Truppen?“
Er erhielt statt einer Antwort nur ratloses Schweigen.
„Haben sie uns entdeckt?“
„Unwahrscheinlich“ erwiderte Van der Merves. „Dafür war der Kontakt viel zu kurz. Und die dicke Wolkendecke hat sicherlich dazu beigetragen, dass sie uns noch nicht entdeckt haben.“
„Wie auch immer, uns bleibt dennoch nicht mehr viel Zeit. Wer auch immer da gelandet sein mag, irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das wir uns nicht gerade darüber freuen sollten. Wir müssen Vorkehrungen treffen. Kapitän, ich hoffe ihr Schiff ist abmarschbereit?“
„Ja, Doc. Wir führen nur noch kosmetische Reparaturen durch. Ich habe aber meine Leute angewiesen, ein paar Sonderübungen an den Schiffsgeschützen durchzuführen. Ich hoffe zwar nicht, das es nötig werden wird, aber wer weiß…?“
„Sehr gut, Skipper.“ Dann wandte sich Doc den beiden anwesenden Mechpiloten zu. „Miko, Du und Hank macht euch auf den Weg zu der Forschungsanlage, ihr müsst Finn dort verstärken und Sagrudson davon informieren, dass sie sich noch etwas beeilen müssen.“
„Und was hast Du selbst noch vor, Doc-Sama?“
„Ich hab da noch was anderes zu erledigen grinste Doc ein wenig diabolisch und ließ seine Kollegen darüber im Unklaren, was er meinte.

*********************************************

An Bord der TREUER GLAUBEN, Südöstlich der Bloomingdale Heights
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
2. Mai 3065

Als Adept VIII Eugenio Burgiglio mit seinem Lancelot die Rampe des Landungsschiffes heruntertrat, überkam ihn ein leichtes Frösten beim Anblick der trostlosen Steppe, der undurchdringlichen Wolkendecke und dem dichten Regen.
Bevor er und seine Sektion II vor knapp drei Monaten insgeheim hier auf Bryant stationiert worden waren, hatten sie in Capetown, Südafrika auf Terra Dienst getan. Die letzten drei Jahre hatte er in dieser wunderschönen Gegend auf Terra gelebt und dann waren sie auf diesen kalten, stürmischen und abweisenden Planeten verbannt worden. Eugenio hasste diesen Planeten, er hasste ihn so abgrundtief, dass er hoffte, dass jeder Schritt mit seinem 60 Tonnen schwerem Kampfkoloss dem Boden auf dem er ging wehtun würde.
Bei dem Gedanken, er könnte nach der Übernahme der HPG-Station von diesen schwachsinnigen Söldnern noch für deutlich länger hier festsetzen, jagte ihm gleich einen weiteren kalten Schauer den Rücken hinunter.
Andererseits hatte er sich vor drei Monaten doch endlich gefreut Terra zu verlassen. Auch wenn er an der Erstürmung Terras vor acht Jahren teilgenommen hatte und damit der einzige seiner Sektion II mit Kampferfahrung war, und auch die letzten Jahre auf Terra mehr als genossen hatte, so hatte sich sein Orden in den letzten Jahren seiner Meinung nacg viel zu sehr nur auf Terra beschränkt.
Dabei lag noch soviel vor ihrer Haustür. Soviele Planeten, die vom Joch der Tyrannei, vom dunklen Tal der Unwissenheit und den Fesseln der verlogenen Politik der inneren Sphäre befreit werden mussten.
Und zu seinem Glück hatte die Erste Division „Wahre Hingabe IV-Beta“ diese glohrreiche Aufgabe für die Chaosmarken erhalten. Sicher, sie würden nicht von heute auf morgen diesen Sektor von ihren überlegenen Konzepten überzeugen können. Aber es war nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Welten hinter das wehende Banner und den Schützenden Mantel von Blakes Wort scharen würden.

Auf seiner 360-Grad-Rundumsicht erkannte Eugenio jetzt, wie Akoluth VI Carl Bremmers Crab die Rampe verließ und sich schräg hinter ihm postierte. Dann schritt Adept II Kristof Van Rhuyten mit seinem Buccaneer die Rampe hinunter, neben ihm Akoluth III Kevin Raynes in seiner Wyvern.
Den Schluss bildeten die Adeptin III Diane Tanaka in ihrem Raijin und die blutjunge Akoluthin I Sylvie Moosabin in ihrem Initiate.
Als die sechs Mechs Stellung bezogen hatten, setzten sich noch ein paar Jeeps und zwei große LKW´s in Bewegung. In einem der Geländefahrzeuge erkannte Eugenio den namenlosen ROM-Agenten, dessen Sektion I Infanteriezug seine Sektion II Truppe an Mechs begleiten sollte. Eugenio hatte keine Ahnung, was diese mysteriöse Geheimdiensttruppe hier wollte, aber wenn es eins gab, was er über ROM in den letzten Jahren gelernt hatte, dann war es die Tatsache, dass man keine Fragen stellte.
Erst recht nicht, wenn der Agent aussah, als hätte er eine direkte Begegnung mit einer PPK überlebt.
Wenn es nur nach Eugenio gegangen wäre, dann wären sie in diese alte Sternenbundstadt einmarschiert, hätten den Söldnern den Arsch versohlt und wären wieder zu ihrem geheimen, provisorischen Quartier geflogen.
Genauso, wie sie es kurz nach ihrer Ankunft bereits einmal gemacht hatten. Sie hatten den Auftrag erhalten, sich in dieser gigantischen ehemaligen Sternenbundstadt einmal umzusehen. Auch wenn er damals den Eindruck gehabt hatte, dass sie gar keine Ahnung gehabt hatten, warum oder was sie überhaupt suchten. Schließlich war es mehr als unwahrscheinlich, dass LosTech, wenn es denn hier noch welches geben sollte, einfach so auf den Straßen herumlag. Und letztlich war die Stadt einfach zu groß um etwas aufs Geratewohl zu finden.
Was nicht hieß, das man nicht auf etwas treffen konnte.
Wie aus heiterem Himmel, waren sie auf eine Lanze Mechs gestossen, die augenblicklich das Feuer eröffneten. Jemand auf der anderen Seite musste die Nerven verloren haben. Seine Erleichterung war sehr groß gewesen, als er festgestellt hatte, dass die Gegner nicht zu Bryants Truppen gehört hatten. Das hätte zu großen Unstimmigkeiten zwischen seinem Orden und dem Herrscher Bryants geführt.
Doch es schienen irgendwelche Piraten oder Plünderer gewesen zu sein, die anscheinend etwas zu verbergen hatten. Es hatte nicht lange gedauert, da hatten sie ohne eigene Verlusten einen der gegnerischen Mechs samt Piloten und auch die leicht gepanzerten Begleitfahrzeuge vernichtet
Eugenio war durchaus Stolz auf seine Leute gewesen, die allesamt damit ihre Feuertaufe überstanden hatten.
Nur die Tatsache, dass sie nicht herausgefunden hatten, wer diese kleine Einheit gewesen war, hatte ihn etwas geärgert. Aber letztlich war das egal, denn schließlich hatten sie es einer Bande von Frevlern gezeigt, die sich an ehemaligem Sternenbundeigentum bereichern wollten. Und so würde es allen gehen, die dachten sie könnten den legitimen Anspruch seines Ordens an den Errungenschaften des glorreichen Sternenbundes streitig machen.
Sie würden jeden in Grund und Boden stampfen, der das versuchen würde. Und mit diesen Gedanken setzte Adept Burgiglio seinen Mech in Bewegung. Schon bald würden sie Leizig erreichen und dann würden diese dreckigen Söldner die nächsten sein, die den Zorn von Blakes Wort spüren würden.

**********************************

*********************************************

In den Mechtunneln unterhalb von Leipzig
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
2. Mai 3065

Denny Dukic grübelte im Cockpit an Bord seines Firestarter II, den er an einer Wegkreuzung in den Tunnelanlagen abgestellt hatte.
Er hatte nicht geschlafen, seit fast 48 Stunden nicht mehr. Und was noch schlimmer war, er hatte kein Rekog mehr. Jetzt da man es ihm weggenommen hatte, kam es ihm sogar noch schlimmer vor als früher. Er hatte zwar auch vorher die eine oder andere Nacht ohne das Zeug schlafen können, aber natürlich hatten ihn da noch keine Sorgen geplagt.
Sorgen um seine Zukunft.
Und die sah im Moment für ihn alles andere als rosig aus. Wenn er zu den Chevaliers zurückkehrte, blühte ihm eine Anklage des Verrats, der Desertation und nicht zuletzt des Drogenbesitzes. Und er hatte im Augenblick nicht die geringste Idee, wie er da wieder herauskommen sollte.
Andererseits musste er sich die Frage stellen, was er denn jetzt in Leipzig tun konnte ohne die Chevaliers. Er hatte nur limitierte Vorräte, war abgeschnitten von jeglicher Zivilisation und konnte hier auch nicht wieder weg. Das einzige was er hatte, war eine vage Ahnung, dass sich der Verursacher seiner momentanen Misere hier irgendwo herumtreiben musste. Und selbst das konnte er nicht mit Sicherheit sagen.
Bei dem Gedanken an seine derzeitige Lage wurde ihm ganz übel und seine Eingeweide krampften sich zusammen. Dabei fiel ihm auf, dass er Durst hatte, aber nichts mehr zu trinken.
Also schnallte er sich ab, zog sich an, legte seine Waffen um und griff sich seinen Wasserkanister. Als er aus dem Cockpit heraus war, blickte er sich einen Augenblick um und lauschte er der Umgebung, doch alles war ruhig. Dann verriegelte er sein Cockpit und machte sich auf den Weg nach unten.
Ganz in der Nähe fand er wonach er suchte: Eine Pfütze mit brackigem Wasser. Er versuchte soviel wie möglich von dem Wasser von der Oberfläche zu schöpfen, das nicht ganz so schlammig war. Der eingebaute Filter in seinem Wasserkanister konnte das Gröbste herausfiltern, trinkbar wurde das Wasser aber erst, nachdem er ein paar Aufbereitungstabletten reingeworfen hatte. Zwei Minuten später war das Wasser relativ sauber und einigermaßen genießbar. Er nahm einen tiefen Schluck und es ging ihm gleich etwas besser.

Dann vernahm er aber ein Geräusch hinter ihm und er unterdrückte den ersten Impuls sich umzudrehen, obwohl das Adrenalin in rauen Mengen in seinen Körper schoss und sein Puls zu rasen begann.
Jetzt war er mit einem Mal wieder hellwach. Was hatte das Geräusch ausgelöst? Seine Gedanken wanderten an den Bären, den die Kommandos auf dem Weg zur verborgenen Forschungsstation erlegt hatten. Gab es davon noch mehr? Schlich sich gerade einer an ihn heran?
Mit klopfendem Herzen ging er langsam in die Knie und tat so, als ob er ahnungslos wieder Wasser schöpfen würde. Er horchte erneut und tatsächlich konnte er wieder ein feines Rascheln vernehmen. Durch seinen Körper abgedeckt öffnete er langsam den Reissverschluss seines Chillsuit und griff sich eines der Maschinenpistolen, die er erst kürzlich einem seiner Bewacher auf der SKULL abgenommen hatte. Mit der anderen Hand stellte er den Wasserkanister auf den Boden und griff sich dann die zweite Waffe.
Als er das Gefühl hatte, das sich das Wesen in seinem Rücken nahe genug an ihn heran gepirscht hatte, ging es blitzschnell. Er zog seine Waffen in einer flüssigen Bewegung und drehte sich in der Hocke.
Was er sah ließ ihn überrascht aufkeuchen und im letzten Moment inne halten, bevor er abdrückte.

Statt einem Bären richtete er je eine der Maschinenpistolen auf zwei Infanteristen aus, die ihrerseits ihre Waffen auf ihn in den Anschlag gebracht hatten.
„RUNTER MIT DEN WAFFEN…“ brüllte einer der beiden, doch Denny reagierte nicht. Stattdessen blinzelte er verduzt und betrachtete die beiden äußerst wild aussehenden Gestalten. Ein dichter Dreitagebart war im verhärmten Gesicht des Mannes, sein Gesicht war eingefallen und es schien ihm nicht sonderlich gut zu gehen. Die Frau neben ihm schien, dem Verlaf ihrer Waffe nach zu urteilen, noch schlechter zu gehen, da sie zu Zittern schien. Sie hatte verfilzte dreckige Haare und ebenfalls einen ungesunden Teint.
Die Uniform der beiden – die keine Rangabzeichen und auch keine Einheitsbezeichnungen aufzeigten – war teilweise verschlissen und verdreckt, ihre Bewegungen waren abgehackt und zittrig. Hätten die beiden nicht zwei Sturmgewehre auf ihn gerichtet, hätte Denny sich nicht die geringsten Sorgen gemacht, dass sie beiden ihm etwas würden anhaben können.
Wieder brüllte der Mann ihm etwas zu, diesmal auf Deutsch, was Denny anhand der Bewegungen verstand. Doch wieder weigerte er sich zu reagieren.
„Scheisse, der versteht uns nicht…“ raunte der Mann seiner Partnerin zu, die allerdings mehr Interesse am Wasserkanister als an dem Mechpiloten zu haben schien.
„Erst wenn ihr eure Waffen herunternehmt“ antwortete Denny und beendete damit diese Scharade.
Überrascht blinzelte der Mann. „Runter, oder wir schiessen dich über den Haufen.“
„Wenn ihr mich hättet töten wollen, hättet ihr das aus der Ferne schon längst tun können, oder?“
Der Infanterist schien nicht sonderlich helle zu sein und blinzelte erneut, während er angestrengt zu überlegen schien.
Dann nahm er langsam und kommentarlos eine Hand von seinem Gewehr, griff langsam in seine Uniformtasche und zog ein Funkgerät hervor. „Wir haben ihn“ sprach der Infanterist durch sein Funkgerät und grinste Denny böse funklend an, der die beiden wiederum stirnrunzelnd beobachtete.

Die Zeit schien sich wie Kaugummi zu dehnen, während zunächst mal gar nichts passierte. Dann nahm Denny erst ein leichtes Vibrieren und Donnern wahr, welches Ihm die Nackenhaare aufrichten ließ. Die Oberfläche der Pfützen um ihn herum begann sich zu kräuseln und er wusste, was gleich aus den Tiefen der Mechtunnels auf sie zu marschierte.
Um die Ecke kam ein Cestus, gefolgt von einem Clint und einem Attentäter. Alle drei Mechs schienen in einem bemitleidenswerten Zustand zu sein, die Panzerung schien an allen möglichen Stellen durchlöchert zu sein, der Clint humpelte auch mehr als er dass er lief.
Nichts desto trotz waren die drei Kampfmaschinen ein horrender Anblick für einen einzigen Mann mit nichts mehr in den Händen als zwei mickrigen Maschinenpistolen.
Als die drei Mechs auf knapp 20 Meter an sie heran gekommen waren, sprangen sechs weitere abgehärmte und elend aussehende Infanteristen von den Mechs, an denen sie sich krampfhaft festgehalten hatten. Einer der Infanteristen fiel wenig elegant sogar auf den Boden und richtete sich nur mit Hilfe eines seiner Kameraden wieder auf.
Die übrigen Infanteristen stellten sich nun ebenfalls in einem Halbkreis um ihn herum auf.
Der männliche Infanterist, der die Verstärkung per Funk angefordert hatte, grinste nun hämisch und bösartig. „Na, immer noch zu blöden Sprüchen aufgelegt?“

Nun war es an Denny zu blinzeln. Das Spiel war aus wie es schien.
„Hey, Jack“ kam es schließlich über die Lautsprecher des Cestus „Gute Arbeit. Aber ehrlich gesagt, kann ich gerade gar nicht sehen, wer hier wen hat.“ Ein kurzes Lachen später wandte sich der Mechpilot an Denny. „Und jetzt zu Ihnen: Seien sie bitte so freundlich und legen sie die Waffen nieder. Es würde mir keine Freude bereiten, sie in Stücke reißen zu müssen.“
Denny reagierte erneut nicht sofort. Hatte er vorhin gedacht, er sässe in der Tinte?
Nun, jetzt sah es so aus, als ob er der Tag noch schlechter für ihn ausgehen würde.

Ironheart
10.02.2005, 10:51
Abmarsch

In den Mechtunneln unterhalb von Leipzig
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
2. Mai 3065

Denny überlegte fieberhaft, was er tun sollte. Er hatte in seinem Leben schon in einigen scheinbar ausweglosen Situationen gesessen, aber kaum eine war so ausweglos wie diese. Fernab von jedweder Unterstützung, vollkommen auf sich allein gestellt, mit nichts weiter bewaffnet als zwei Maschinenpistolen und umringt von Feinden.
Das Vernünftigste wäre wohl gewesen sich zu ergeben und dem Schicksal seinen Lauf zu lassen. Doch gleichzeitig war Denny gerade in solchen Situationen mit einer ihm selbst nicht erklärbaren Eigenschaft ausgestattet, die auch dieses Mal wieder zum Greifen kam. Er blieb äußerlich ruhig und abgeklärt und ging blitzschnell in Gedanken seine Optionen durch. Manchmal kamen ihm solche Situationen – so albern das auch klingen mochte – vor wie eine Pokerpartie in der all sein Geld in der Mitte lag und er nur noch die Möglichkeit zum bluffen hatte.
Und auch diesmal versuchte er sein Blatt so gut es ging auszureizen. „Ich nehme erst meine Waffen runter, wenn ihr eure runternehmt!“
Ein lautes Lachen aus den Mechlautsprechern erscholl und die acht Infanteristen um ihn herum stimmten in das Gelächter mit ein. „Du hast wirklich Mumm, muß ich sagen. Aber Du solltest wissen, wann Du verloren hast, MechKrieger.“ Das Lachen erstarb und der Cestus-Pilot wurde wieder ernst „Warum sollten wir das tun? Wir könnten dich über den Haufen schiessen und uns deinen Mech krallen.“
„Das könntet ihr nicht.“
„Ach und wieso nicht?“ frage ihn sein Gesichtsloser Gegner.
„Glaubt ihr wirklich, ich würde das Cockpit meines Mechs verlassen, wenn ich es nicht vorher abgesichert hätte? Jeder, der versucht den Mech zu starten, ohne vorher die Sprengfallen im Cockpit zu entschärfen, kann seine Einzelteile im Anschluss von der Innenscheibe kratzen.“ Ein Bluff, nichts weiter, doch Denny hoffte sie würden harauf reinfallen.
„Unsinn. Ich wette, es gibt keinerlei Sprengfallen.“
„Willst Du wirklich dein Leben darauf verwetten? Oder eins deiner Leute?“ Denny hatte sein bestes Pokerface aufgesetzt. Jetzt würde sich zeigen, ob er in den verschiedensten Spielhöllen dieses Universums einschliesslich seiner eigenen auf Outreach etwas gelernt hatte.
Die Augenblicke der Ruhe im Anschluss seiner Worte verrieten ihm, dass sein Gegenüber sich tatsächlich nicht darüber sicher war und Denny nah dran war an seinem Ziel.
„Gut“ kam es nach einer Weile „nehmen wir mal an, wir verschonen wirklich dein Leben? Was kannst Du uns dafür bieten?“
Innerlich atmete Denny auf, äußerlich ließ er sich nichts anmerken „Wenn ich die gierigen Blicke deiner Leute auf meinen Wasserkanister richtig interpretiere, könnte ich euch mit Nachschub versorgen.“ Denny vermutete, dass es sich hier um Rebellen handeln musste. Das jegliche Fehlen von Einheitszeichen schien darauf hinzudeuten.
„Hah, du hast niemals genug, um uns alle zu versorgen.“
Zumindest schienen diese Leute wirklich ein Nachschubproblem zu haben, sonst würde ihr Anführer nicht darauf eingehen.
„Naja, dort wo das herkommt gibt es noch mehr als genug.“ Natürlich verschwieg Denny, dass er selber im Augenblick von eben diesem Nachschub abgeschnitten war. Aber im Augenblick zählte nur, dass er wieder unbeschadet an Bord seines Mechs kam. Alles Weitere würde sich im Nachhinein schon zeigen.
„Ich sehe schon, sie sind ein gewitzter Verhandlungsführer, Mister. Nehmt die Waffen runter…“
Denny konnte sehen, dass die Infanteristen ihre Waffen widerwillig senkten, und er tat es Ihnen langsam nach.
Der erste Schritt war getan. Jetzt musste er nur herausfinden, mit wem er es hier eigentlich zu tun hatte.

************************************************** ***

Geheime Sternenbund Forschungsanlage, Bloomingdale Heights,
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
3. Mai 3065, Früher Abend

1st Lieutenant Patrick „Doc“ Dolittle blickte aus dem Kontrollraum der riesigen unterirdischen Forschungsanlage und blickte hinab auf die mittlerweile vier LKW´s und mehreren MTW´s, die sich zum Abmarsch bereit machten.
Doch noch konnten sie nicht los. Der Panzerkommandeur der Chevaliers drehte sich zu Sergeant Sagrudson und dem ROM-Adepten Ivarson um, die an der Hauptkonsole saßen und immer noch dabei waren, die Informationen des Prototypen aus dem Netz der Forschungsanlage zu laden. Es hatte einige Probleme mit den Jahrhundertealten Anlagen gegeben, daher hatte das Ganze auch so lange gedauert. Und sie waren immer noch nicht fertig „Der Prototyp ist fest verzurrt. Wie lange brachen sie noch, Sergeant?“ Er bemühte sich einen möglichst neutralen Ton beizubehalten, aber seine Ungeduld war deutlich hörbar. Er spürte, dass Gefahr im Verzug war und er wollte lieber jetzt als gleich starten.
„Ein paar Stunden werden wir noch brauchen, Doc. Ich denke morgen früh können wir aufbrechen“ antworte statt Sagrudson der ROM-Agent, der sich erst in der Forschungsanlage zu erkennen gegeben hatte. Doc war darüber nicht sehr begeistert gewesen und er musste sich fragen, ob es Blakes Wort ebenfalls gelungen war, einen weiteren Agenten in Ihren Reihen unterzubringen oder ob sie diesen mit der Enttarnung von Dukic bereits entdeckt hatten. Doc hoffte zumindest, dass es nicht noch weitere unliebsame Überraschungen dieser Art gab.
Dann drehte er sich nun komplett um und schaute in die Runde der kompletten Führungsmannschaft, die sich erwartungsvoll im Raum aufhielt.
„Gut, wir werden uns im Morgengrauen auf den Weg machen. Miko, Sergeant Caprese, lassen sie ihre Leute noch einmal ausruhen. Der Weg morgen wird nicht einfach sein und wir müssen davon ausgehen, dass die Neuankömmlinge versuchen werden sich uns in den Weg zu stellen. Da sollten wir ausgeschlafen sein und im Notfalle sehen können, über welche Ausweichwege wir zum Landungsschiff kommen.“
„Sergeant Caprese schaute missmutig hinüber zum Kontrollpult. In ihren Augen konnte Doc sehen, dass sie ebenfalls bereits aufgebrochen wäre. Doch es nützte alles nichts. Ohne die Blaupausen des Satelliten hätten die ihre Mission nur zur Hälfte erfüllt. Also mussten sie sich noch weiter gedulden.
„Doc-Sama, heißt das wir müssen erneut mit Angriffen rechnen?“ fragte Miko Tsuno, die seit der Flucht von 2nd Lt. Dukic die Führung über die Scoutlanze übernommen hatte.
„Wir sollten uns lieber darauf einrichten.“
„Und wissen wir, wer das ist?“ fragte jetzt Seargeant Sagrudson
„Nein, keine Ahnung“ gab Doc zu. Er hatte zwar so seine Vermutung, aber er wollte jetzt keine offene Diskussion darüber beginnen. Das hätte die ohnehin schon angespannte Lage vielleicht noch schlimmer gemacht.
„Wie gehen wir morgen vor?“ fragte nun Sergeant Caprese.
„Die Höllenhunde werden Vor- und Nachhut für die LKW´s und MTW´s sein, die Scouts werden ihrem Namen gerecht werden und die Umgebung sondieren. Sollten wir auf Feindeinheiten stoßen, dann will ich das möglichst früh wissen und nicht erst in einen Hinterhalt rennen, wenn es bereits zu spät ist.“
Wieder nickte Miko nur und Doc wusste, er konnte sich auf sie verlassen. Dann wandte er sich an Seargeant Caprese. „Sie sollten ihre Kommandos auf unseren LKW´s verteilen, genauso wie Sergeant Sagrudson. Adept Ivarson wird dasselbe sicher mit seinen Leuten machen. Wer auch immer da draußen ist, er wird sich die Beute holen wollen. Also werden sie zunächst einmal nicht auf die LKW´s feuern. Die MTW´s werden nur mit den Fahren besetzt sein. Sollten wir angegriffen werden, halten die Scouts und die Höllenhunde die Gegner auf und ihr prescht auf direktem Wege zum Landungsschiff. Aber vielleicht haben wir ja auch etwas Glück und sie treffen gar nicht auf uns oder denken gar, wir wären bereits weg.“
„Warum sollten sie das glauben sollen, Doc-Sama?“ fragte Miko ungläubig, während sich ein breites Grinsen in Docs Gesicht schlich.
„Och, ich weiss nicht… Ist nur so ne Ahnung…“ lachte er und hoffte, dass seine kleine List Ihnen zumindest etwas Zeit verschaffte. Vielleicht sogar noch mehr als das. Und selbst wenn nicht, dann würden sie ihren Feinden schon zeigen, wozu sie im Stande sein konnten.

************************************************** *

Nahe des Leipziger Raumhafens im Süden von Leipzig
Bryant, Chaos-Marken
3. Mai 3065, Früher Abend

„Na, Ihr Informant scheint doch nicht besonders sicher gewesen zu sein, oder?“ Eugenio war die Enttäuschung in seiner Stimme deutlich anzuhören, als er neben dem großen Geheimdienstmann stand und in das Tal unter Ihnen starrte, in dem der gewaltige ehemalige Raumhafen der verlassenen Stadt lag.
Mehrere Stunden waren sie jetzt unterwegs gewesen, hatten den Liquorice-River mühsam durch einen der vielen Mechtunnel unterquert und hatten dann das Tal erreicht, von dem aus das Signal ausging, dass der Informant des Krächzers angeblich unter die Chevaliers geschmuggelt hatte. Doch weit und breit war nichts von einem Landungsschiff zu sehen, der Raumhafen stand einsam verlassen und leer unter Ihnen. Etwas weiter südlichwestlich von Ihnen war ein gigantischer Kuppelbau in sich zusammengesunken und auf den ersten Blick hatte Eugenio gedacht, dass sie es gefunden hatten. Doch jetzt fragte er sich, ob die Chevaliers vielleicht bereits schon weg waren? Doch nichts schien hier darauf hinzudeuten, dass jemand in der letzten Vergangenheit hier gewesen war.
Der Krächzer blieb zunächst stumm und starrte auf das stete Signal auf einem kleinen Kasten, den er auf die hintere Ladefläche des Jeeps ausgebreitet hatte.
Adept Eugenio Burgiglio ließ seinen Blick wieder über die gigantische Sternenbundstadt schweifen, die sich unter Ihnen erstreckte. Zu Ihrer Blütezeit hatten mehr als 15 Millionen Menschen hier gelebt und gearbeitet und nun waren nur noch Ruinen geblieben, die sich über einem gigantischen Areal erstreckten. Von Ihrer jetzigen Position konnten sie durch den stetigen Regen den breiten Liquorice-River östlich von Ihnen schon nicht mehr sehen. Und die übrigen Reste der Stadt waren durch die hohen Hügel, den tiefhängenden Wolken und dem steten Regen ebenfalls nicht einsehbar. Eugenio wusste, dass die Stadt sich noch weitere 50 Kilometer nach Westen und fast 80 Kilometer nach Norden erstreckte. Ein großes Areal, in dem sich ihr Zielobjekt verstecken konnte. Doch früher oder später würden sie es finden und dann Gnade Ihnen Blake.
Er nahm das Fernglas herunter und blickte hinüber zu dem ROM-Agenten, der wie er selbst in einem Regenponcho am Jeep stand und immer noch das Signal zu hypnotisieren schien. „Vielleicht kommen wir schon zu spät.“
„Sie sind noch irchrrgendwo hierchrr“ sagte der Agent und schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein, obwohl er offensichtlich vor Wut zu kochen schien.
„Woher wollen sie das wissen? Es ist nichts da unten.“
„Dann werchrrden sie da eben rchrrunterchrr gehen und nachsehen…“ sagte der mysteriöse Agent schroff.
„Und warum gehen wir dann nicht in den Bloomindale Heights suchen. Ihr Informant hatte doch die Heights erwähnt?“
„Damit würchrrden wir sie eventuell vorchrrwarchrrnen. Und da es hierchrr eine Menge Tunnelanlagen gibt, könnten sie sich dadurch an uns vorchrrbeischmuggeln. Das heisst, wirchrr sollten dorchrrthin, wohin sie frchrrüherchrr oder späterchrr zwangsläufig zurchrrückkehrchrren werchrrden.“
„Das Landungsschiff…“ sagte Eugenio und der Krächzer nickte. „Na gut, dann werden wir mal da runter gehen und uns systematisch umschauen“ gab Eugenio kühl zurück.

Eugenio ging zu seinem Lancelot und startete ihn bald darauf. Er und seine Lanze machten sich auf den Weg und als sie unten an der Quelle des Signals angekommen waren, war er sich sicher, dass hier nicht das Geringste war. Kurz darauf kamen die Geheimdienstleute und durchkämmten die nähere Umgebung.
„Gut Leute, Schwärmt aus und schaut euch hier etwas um. Wenn ihr etwas findet, dann meldet euch.“ gab Eugenio in der Zwischenzeit an seine Sektion durch und machte sich selbst mit seinem Flügelmann Richtung Westen. Van Rhuyten und Raynes machten sich auf den Weg zu dem Kuppelbau, der sich ein paar hundert Meter im Süden erhob. Tanaka und Moosabin bewegten sich Richtung Norden.
Dann hörte er Van Rhyutens und Raynes aufgeregte Stimmen über den Funk.
„Sir, ich hab da was auf der Ortung, von Süden schnell näher kommend…“ gab Raynes durch.
„Ein Ripper“ gab Van Rhuyten „Einheitsinsignien sind von Dantons Chevaliers.“
„Schnappt ihn euch…“ gab Eugenio durch und wendete seinen Mech in Richtung seiner beiden Sektionsmitglieder.
„Hab Ihn…“ gab Raynes durch „SCHEIßE, er ist raus.“ Eugenio hörte, wie Raynes vor Frust gegen eine Seitenwand schlug“.
„Abwarten, ich weiß wo wir ihn noch abfangen können.“
„Erzähl nicht soviel mach hinne, Mann. Den Penner holen wir uns.“
Eugenio verdrehte die Augen. Van Rhuyten und Raynes gehörten nicht gerade zu den Piloten, die eine gepflegte Ausdrucksweise an den Tag legten. Im Gegenteil, sie waren beide ungehobelt und pöbelhaft. Aber sie hatten im Moment als einzige eine Chance den schnellen Heli vom Himmel zu holen, also mischte er sich nicht ein.
Dann hatte Raynes eine Zielerfassung und jagte dem Helikopter zehn Langstreckenraketen hinterher „Und Tschüß du Arsch.“ Fauchend schossen die Raketen aus den Läufen.
Eugenio hoffte, das Raynes getroffen hatte, eine zweite Chance würden sie wahrscheinlich nicht kriegen.
„GETROFFEN, HA, PENNER, NA WAS SAGST DU JETZT?“ brüllte Raynes durch den Funk, die Stimme seinem unerfahrenen jugendlichen Temperament angemessen aufgedreht.
„Jo, geiler Schuss, ich glaub das gibt heute doch noch ein Feierabend Bier“ stimmte Van Rhuyten ein.
„Nicht nur eins, nicht nur eins…“ gab Raynes zurück und jetzt reichte es Eugenio endgültig.
„RUHE in der Leitung“ schnauzte er die beiden Übermütigen an, dann fuhr er etwas ruhiger fort. „Wo ist der Heli hin?“ fragte er, als er Van Rhuyten und Raynes endlich erreicht hatte.
„Sir, ich habe ihn voll erwischt. Volle Breitseite, der ist abgeschmiert wie…“
„Haben sie noch seine Ortung, Akoluth?“ unterbrach er seinen Untergeben unwirsch. Jugendlicher Übermut in allen Ehren, aber irgendwie hatte er den Eindruck, dass Raynes noch dachte, dass Ganze sei ein Sandhurst-Manöver.
„Ähm, Sir, wir haben seine Ortung verloren. Er ist irgendwo da im Süden runtergekommen.“
„Sehen sie“ kam die Stimme des Krächzers über den Funk „die Chevalierchrrs sind noch irchrrgendwo hierchrr in derchrr Nähe. Lassen sie ausschwärchrrmen, wirchrr müssen sie finden.“
Eugenio gab den Befehl an seine Leute, nach dem runtergekommenen Helikopter zu suchen. Vielleicht konnten sie noch einen der Überlebenden gefangen nehmen, der sie dann zu dem Landungsschiff bringen würde. Und dann würden sie diese Chevaliers zerquetschen, daran hatte er keine Zweifel.

**************************************************

In den Mechtunneln unterhalb von Leipzig
Leipzig, Bryant, Chaos-Marken
3. Mai 3065, Abends

Ein kleines Lagerfeuer prasselte am Boden des Mechtunnels ganz in der Nähe einer der Tunneleingänge. Draußen fiel unablässig der dichte Regen und Denny hatte den Eindruck, dass es auf diesem Planeten gar nichts anderes als Sturm und Regenfälle gab. Drei kleine Tiere, so wie es aussah wilde Kaninchen, die vor Hunderten von Jahren durch die Kolonisten eingeschleppt worden waren und sich seitdem rasend schnell verbreitet hatten, brutzelten über dem Feuer. Das mit Denny´s Aufbereitungstabletten gereinigte Wasser ging seine Runde zwischen den knapp ein Dutzend Gestalten, die sich um das kleine Feuer drängten. Denny hatte schweren Herzens seinen gesamten Notproviant aus dem Mech geholt und unter den Angehörigen dieser wilden Truppe geteilt.
Sie hatten es ihm förmlich aus der Hand gerissen und Denny hatte sich unwillkürlich gefragt, wie lange sie schon unter diesen Bedingungen gelebt hatten. Sein Blick fiel auf die abgehungerten Soldaten, die die Essensrationen nur so runterzuschlingen schienen.
„Wir sind seit fast drei Monaten hier, unsere Vorräte haben nicht mal zwei Wochen gereicht“ sagte James Lowcomb, der Cestuspilot, dem Dennys Blick aufgefallen sein mußte. Er hatte ein freundliches Gesicht und hätte mit seinen strahlend weissen Zähnen, dem makellosen Teint und seinen strubbeligen, leicht gelockten blonden Haaren auch einem Werbeplakat entsprungen sein können, wenn auch er nicht von den Umständen der letzten Zeit gezeichnet wäre.
„Aber kommen wir jetzt mal langsam zum Geschäftlichen, O.k.? Sie sagten, dort wo das herkommt, gibt es noch mehr, richtig?“
Denny nickte und schwieg weiter. Wie kam er hier bloß wieder raus?
„Und worauf warten wir dann noch. Dann lassen sie uns doch direkt zu Ihrem Maultier im Financial Distrikt gehen…“
Dennys Kopf ruckte zur Seite. „Sie wissen davon?“
Lowcomb lächelte nur dünn. „Mr. Dukic. Wie gesagt, wenn man sich seit drei Monaten hier herumschlägt, dann weiß man so einiges. Wie z.B. dass sie hier vor knapp einer Woche oder zehn Tagen hier angekommen sind. Dass sie einen Ausflug in die sogenannten Bloomigdale Heights gemacht haben, sich dort mit einer weiteren Söldnertruppe geprügelt haben, die sich aber kürzlich wieder davon gemacht haben.“
Denny blickte den blonden Mechkrieger abschätzend an, sagte aber nichts. Fehlte nur noch, dass er von seiner eigenen misslichen Lage auch noch wusste.
„Bevor ihr euch einfach so zu meinen Leuten führen kann“ sagte er dann schließlich, um etwas Zeit zum Nachdenken zu gewinnen „muß ich erstmal wissen, wer ihr überhaupt seid.“
Lowcomb wechselte wieder einen Blick mit seinen Leuten. Er schien zwar ihr Anführer zu sein, aber irgendwie wurde Denny den Eindruck nicht los, dass es sich hier nicht um eine militärische Einheit handelte.
„Na gut, ich denke, dass klingt vernünftig“ begann Lowcomb während er mit einem langen Stock im Lagerfeuer stocherte. „Tja, wie gesagt, wir sind vor drei Monaten hier gelandet…“
Denny runzelte die Strin „Hier gelandet? Ihr seid also keine Rebellen?“
Lowcomb wechselte einen Blick mit seinem Nachbarn, dem Piloten des Clint, einem grobschlächtigen Typen mit Namen Mardusa. „Wie kommen sie denn darauf?“
„Naja, keine regulären Uniformen, keine Einheits- oder Rangzeichen…“
„Nein, Rebellen sind wir nicht“ gab Lowcomb kopfschüttelnd zu, aber irgendwie wollte er anscheinend auch nicht mit der Wahrheit rausrücken.
„Also, Plünderer…“
„Tss, Tss, Tss, Mister Dukic, plündern ist so ein böses Wort. Sagen wir eher wir sind auf der Suche nach einigen persönlichen Dingen gewesen.“
„So viel Aufwand für ein paar persönliche Dinge?“ Denny war keineswegs überzeugt. Niemand wagte sich auf diesen Kontinent, wenn er nicht etwas Wertvolles suchte. Sollten diese Leute am Ende sogar auf dasselbe aus gewesen sein wie die Chevaliers?
„Warum haben sie sich keine Offizielle Lizenz von Dvensky geholt?“
„Nun, zum einen sind Dvenskys Gebühren… nun sagen wir einfach etwas saftig… und da es sich nun mal um persönliche Dinge handelte, habe ich auch gar nicht eingesehen, warum wir überhaupt…“ Dann brach er ab, so als ob er bereits auf dem Wege wäre, ein Geheimnis zu verraten. „Nun, weswegen war IHRE Einheit noch einmal hier?“ fragte Lowcomb und diesmal war Denny derjenige der schwieg.
„Na sehen sie“ fuhr Lowcomb fort. „Sie sagen mir nicht Ihrs, also sage ich Ihnen auch nichts Meins.“
„Also gut, was ist schief gelaufen?“
„Nun, alles lief gut, bis wir aus heiterem Himmel auf diese Mechs gestossen sind…“
„Bryants Truppen?“
„Nein“ antworte der Cestuspilot düster „Blakes Wort.“
Dennys Kopf ruckte zur Seite. „Blakes Wort? Seit ihr euch ganz sicher?“
„Definitiv. Die Zusammensetzung der Mechs deutet klar darauf hin. Und wir haben sogar ihre Abzeichen gesehen.“
Dennys Gedanken überschlugen sich. Blakes Wort war hier? Woher wussten sie…? Dann fügte er noch fehlende Puzzlesteine in seinem Kopf zusammen. Evander Povlsen!!! Er musste für Blakes Wort arbeiten, das war des Rätels Lösung. Irgendwie hatte Blakes Wort von ihrem Auftrag mitbekommen und sie hatten einen Agenten auf sie angesetzt. Dann mussten sie erst unter dem Deckmantel von Povlsen die Crusaders angeworben haben um die Drecksarbeit nicht selbst machen zu müssen. Doch nachdem er Carter mit viel Glück davon überzeugen konnte sich zurückzuziehen, würden sie den Job jetzt höchstwahrscheinlich selbst zu Ende bringen.
„Wie viele waren es?“
„Eine Sektion II, Mittelschwere Mechs.“
Sechs Mechs und dann auch noch Mittelschwere. Wenn die sich auf die drei Mechs und vier Panzer der Chevaliers stürzen würden, dann würde es mehr als eng werden. Denny wurde ganz schwindelig und er musste vor allem an Hank denken. Sein bester Freund war drauf und dran in einen Hinterhalt zu geraten und er wusste es womöglich noch nicht einmal.
Aber wie konnte er ihm helfen? Er konnte nicht zu den Chevs zurückkehren, denn dort erwartete ihn eine Anklage wegen Verrats, Desertation und Drogenbesitz. So beliebt, wie er bei den Chevaliers war, würde es ihn nicht wundern, wenn sie ihn standrechtlich erschiessen würden.
Doch andererseits…
Denny starrte in das prasselnde Feuer. Er konnte weder vor noch zurück und war in einer verzweifelten Lage.

Casper
16.02.2005, 18:10
Klasse B Com Star- Einrichtung, Brein
Bryant, Chaos-Marken
29.April 3065

Rebecca fluchte. Mit tropfnassen Haaren kam sie aus der Dusche.
„Dieser dreckige Stravag, was fällt ihm ein sich einfach irgendwo auf die Lauer zu legen und hilflose Menschen zu erschießen.“ Sie nahm sich ein Handtuch von der Ablage und versuchte ihre Haare einzuwickeln, doch ihre Hände zitterten vor Wut so sehr, dass sie es aufgab und das Handtuch wütend auf den nassen Kachelboden des Duschraums warf: „Er hätte rauskommen können und das Ganze in einem Kampf Mann gegen Mann austragen können. Aber nein, diese miesen Freigeburten haben nichts besseres im Sinn, als ein ehrloses Attentat.“ Sie hob das durchnässte Handtuch auf und begann sich notdürftig damit abzutrocknen. „Wenn ich den in die Finger bekommen hätte, ich hätte ihn spüren lassen was eine Wahrgeborene von solchen dezgra Taktiken hält.“ Sie spuckte verächtlich aus und hielt mit einem Mal inne:

Ja, sie hatte ihn schließlich spüren lassen, was sie von ihm hielt. Mit einem M-Laser ihres Warhammers, aber da war es bereits zu spät gewesen. Ihr Captain war lebensgefährlich verletzt, ein Tech für Wochen außer Dienst, an die weiteren Konsequenzen durch den Granatbeschuss mochte sie gar nicht denken.
Wie hatte das passieren können? Sie hatte Dienst! Sie hätte den Attentäter bemerken können! Zumindest hätte sie das Haus unter besserer Beobachtung halten müssen, schließlich war es das einzige mit Blick auf den Innenhof des HPGs. Missmutig suchte Rebecca sich ihre Kleider zusammen und begann sich anzuziehen, aber die Gedanken ließen sie nicht los.
Ihre Intuition hätte sie warnen müssen. Die Gefahr hätte spürbar sein sollen. Sie war schließlich nicht irgendein dahergelaufener Mechjockey. Sie war die Elite, eine wahrgeborene Clankriegerin, gezüchtet für den Kampf, ausselektiert auch solche Gefahrensituationen zu erspüren. Wo war ihr dieser sechste Sinn für Gefahr abhanden gekommen? Diese Intuition, die in einer Gefahrensituation nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Untergebenen in der Lanze schützen sollte?

In Rebecca keimte die Erkenntnis auf versagt zu haben. Denn es war viel schlimmer als sie sich bis jetzt bewusst gemacht hatte: Ihr Verlust an Antizipation hatte sie nicht das eigene Leben gekostet, sondern wenn es hart kam das Leben von Menschen für deren Sicherheit sie zu diesem Zeitpunkt verantwortlich war. Der Grund für ihr Versagen konnte nur in mangelnder Aufmerksamkeit gelegen haben.
Wütend über sich selbst drosch sie mit der Faust auf die Tür der Duschkabine ein, die mit einem höhnischen Quietschen einmal auf und dann langsam wieder zurückschwang.
Hatte sie etwa in Gedanken schon unter der warmen Dusche gestanden oder waren ihre Gedanken bei Finn und seinem ungewissen Schicksal gewesen?

Was redete sie da? Sie sollte aufhören an diese kleine Freigeburt zu denken und sich lieber an ihrem Vorgänger ein Beispiel nehmen. Sergeant Major Jan hatte die Intuition besessen, die ihr heute abgegangen war. Er war immer ganz bei der Sache gewesen. Wie hatte er noch zu ihr gesagt?
"Wenn du dich nicht mehr ganz auf den Kampf konzentrieren kannst, schieß dir besser direkt eine Kugel in den Kopf."
Bis jetzt hatte sie den Satz als dezgra abgetan. Sie verließ den Duschraum und die Tür fiel mit einem heftigen Knall ins Schloss. Rebecca war froh, dass niemand auf dem Gang unterwegs war. Gesellschaft brauchte sie jetzt am wenigsten. Sie hatte das dringende Bedürfnis nach frischer Luft und schlug deshalb den Weg zu ihrem Quartier ein, um ihren Mantel zu holen. Den Satz von Sergeant Major Jan, der ihr da eben durch den Kopf geschossen war, hatte sie bis heute noch nie verstanden.
Sie hatte gedacht, dass sie immer ganz auf den Kampf fokussiert war, so wie ihr Totem. Hatte der Geisterbär sich einmal für eine Sache entschieden, so brachte ihn nichts mehr davon ab. Aber nach dieser Sache heute da glaubte Rebecca zum ersten Mal einen Sinn in dem Satz zu erkennen:
War man im Kampf nicht konzentriert, dann hatte der Gegner leichtes Spiel. Man war nur noch die Kugel wert, die einen aus dem Leben hinausbeförderte. Natürlich war eine Wache nicht gleichbedeutend mit einem Kampf. Aber es konnte immer zu einem Kampf kommen und sie war im entscheidenden Augenblick eben nicht aufmerksam gewesen.
Hätte sie ihr Leben für ihre Kameraden eingesetzt, wäre Schlimmeres vermieden worden. Wenn sie rechtzeitig zwischen dem Captain und dem Attentäter gestanden hätte, wäre all das nicht passiert. Sergeant Major Jan war aufmerksam gewesen und hatte genau das getan, was sie versäumt hatte. Er hatte sich zwischen Rebecca und ihre Gegner gestellt und ihr so das Leben gerettet.
Rebecca schlug erneut mit der Faust zu. Diesmal gegen die Tür ihres Quartiers, der Schmerz, der ihren Handrücken durchzuckte brachte sie kurzzeitig zur Besinnung. Sie ging hinein und streifte ihren Mantel über. So schnell wie sie ihr Quartier betreten hatte verließ sie es auch wieder. Sie strebte der nächsten Ausgangstüre entgegen und ließ die Kaserne hinter sich.

Scharf sog sie Luft ein. Teils weil die Kälte hart in ihre Lungen schnitt, teils weil der Gedanke an Sergeant Major Jan sie schmerzte. Sie schuldete diesem alten Solahma ihr Leben. Als ob es nicht schlimm genug gewesen wäre jemandem das Leben zu Schulden. Nein, sie schuldete ihr Leben einem Menschen den sie durch Geburt und Alter bestenfalls als minderwertig angesehen hatte. Auch die Tatsache, dass sie sich nie bei Sergeant Major Jan würde revanchieren können, machte die Sache nicht leichter. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen musste sie sich eingestehen, dass sie sich nicht einmal dafür schämte von der Freigeburt Sergeant Major Jan gerettet worden zu sein. Sie fühlte sich sogar dadurch gewürdigt und sie würde ihn von nun an auch entsprechend würdigen. Sergeant Major Jan Dupree hatte sich seinen Zweitnamen wirklich verdient

Das Chaos ihrer Gefühle drohte sie zu überwältigen, als sie zügig in die Kälte ausschritt. Sie war diese Wirren nicht gewohnt. Sergeant Major Dupree, Mechkrieger Finn, Captain Scharnhorst, es gab über so viele Dinge und ungewisse Schicksale nachzudenken. An und für sich belastete sie der Tod eines Kriegers nicht, hatte er doch schließlich die Aufgabe seines Lebens gemeistert. Aber im Moment war alles anders. Sie sollte wie ihr Totem sein, ruhig und besonnen, auf ihr Ziel konzentriert. Statt dessen kam sie nicht einmal mit dem Offensichtlichen zurecht. Aber war sie nicht auch schon in ihrer Geschko für ihr hitzköpfiges und impulsives Verhalten gerügt worden.

Während sie das HPG umrundete fraß sich die Kälte in ihre Wangen und ein taubes Gefühl machte sich in ihren Händen breit. Im Moment drängte ihr Inneres danach die Verantwortlichen des Attentates aufzuspüren und ihnen in einem Kampf Mann gegen Mann die Köpfe einzuschlagen. War das nicht auch das Mittel zur Bewältigung von Sergeant Major Duprees Tod gewesen? Einfach den Hang hinaufstürmen und Kendas Truppe vernichten? Sergeant Major Dupree nachträglich beweisen, dass sich die Guten nur mit den Guten vergleichen lassen? Aber hatte es etwas gebracht?
Das Gefühl der Leere war trotzdem über sie hereingebrochen. Nur eben ein wenig später, als das Adrenalin abgebaut war. Dafür war es dann umso schlimmer. Es war ihr vorgekommen, als hätte sich der Boden vor ihr aufgetan und sie wäre in ein endloses Loch gestürzt.

Sie wischte den Gedanken beiseite, stopfte wutschnaubend ihre vor Kälte steifen Hände in die Taschen des Mantels und machte kehrt. Diese Freigeburten der inneren Sphäre verweichlichten sie. Jetzt fiel sie schon den gleichen Gefühlsduseleien anheim wie diese Unterprivilegierten. Kopfschüttelnd betrat sie wieder das HPG. Die Wärme färbte ihre Wangen rosig und Rebecca begann den dicken Wintermantel aufzuknöpfen. Unschlüssig ging sie weiter. Sie musste aufpassen, sonst endete sie wie ihre Geschkin Judith. Die schien sich bestens eingelebt zu haben und genoss das emotionale Durcheinander dieser Horde von Stravags in vollen Zügen. Judith drohte zu verweichlichen und sich von den Idealen der Clans zu entfernen. Eine Rückkehr in den Schoß des Clans wurde für sie mit jedem Tag schwerer werden. Rebecca schwor sich, dass ihr das nicht passieren würde, sie würde von nun an das Raubtier sein. Nur auf das Ziel, nur auf die Beute fokussiert.

Stehen bleiben und sich umschauen wohin die Füße sie getragen hatte, war das Eine. Realisieren wohin sie gegangen war, war etwas Anderes. Ihr Weg hatte sie tatsächlich bis auf wenige Schritte zu dem Quartier geführt, das Finn während der Zeit auf Brein bewohnen sollte. Rebecca stöhnte auf. Mechkrieger Finn, das war der nächste Nagel zu ihrem Sarg.
Es hätte alles so einfach sein können. Die Tür öffnen, hineingehen und sich mit Finn paaren. Aber das ging nicht, wenn der Stravag denn überhaupt noch lebte. Was fiel dieser Freigeburt überhaupt ein, erst wies er sie zurück und dann stürzte er auch noch einfach ab. Der Gedanke versetzte ihr einen Stich. Sie lehnte ihren Kopf an die Tür. Wenn sie jetzt nie die Gelegenheit haben würde sich mit ihm zu paaren, dann... .
Doch wenn sie ehrlich war, das war es nicht, was sie so sehr schmerzte. Sie musste sich eingestehen, es war wieder der Verlust und der ging ihr sogar noch näher als der von Sergeant Major Dupree.

„Beruhige dich Rebecca!“ ermahnte sie sich selbst und entfernte sich eilig von Finns Quartier. Bisher hatte noch niemand gesehen, dass sie verwirrt vor dem leeren Zimmer stand. „Du bist nicht verantwortlich für Finns Schicksal.“ Wie ein Mantra wiederholte sie diesen Satz während sie über die nur von der Notbeleuchtung erhellten Gänge zurück zu ihrem Quartier ging. Merkwürdigerweise brachte ihr dieser, doch durchaus logische Gedanke, keine Erleichterung. Sollte etwa... ?

Nein, das konnte nicht sein, das durfte auch gar nicht sein. Wieder schob sie einen Gedanken weg, während sie im Halbdunkel ihre Zimmertür öffnete. Erst als sie ihre Kleidung abgelegt hatte und sich in dem spartanisch eingerichteten Raum zur Ruhe gelegt hatte, wurde ihr bewusst, dass das Wegschieben vielleicht genau der Fehler war.
Vielleicht mussten die Gedanken zuende gedacht werden, doch sie wusste auch, dass sie das nicht alleine schaffen würde. Sie würde sich Rat holen. Zielsicher stand sie auf und zog sich wieder an. Die Unentschlossenheit der letzten Stunden war aus ihrem Gesicht gewichen. In den dunklen Augen war deutlich zu sehen, dass sie sich ein Ziel gesetzt hatte.

Andai Pryde
17.02.2005, 20:21
„Was zum Henker ist das dort? Juliane gehen sie auf Planquadrat 11-E und vergrößern sie es!“
Die Tech bestätigte und zoomte dann den geforderten Bereich heran.
Junée beugte sich vor und runzelte die Stirn.
„Sieht aus wie eine ehemalige Schwinge eines Adlers oder so.“
„Meinst du das könnte ein ehemaliges Ligazeichen sein?.“
Junée zuckte mit den Schultern.
„Schon möglich. Die Zechetinu wird ja in der Liga hergestellt und aufgrund der guten Kontakte zum Generalhauptmann werden oft Blakes Wort Offiziere auf solchen Schiffen stationiert, vielleicht haben sie es übernommen.“
„Selbst wenn, zu welchem Zweck? Die Titanwerften bei Terra dürften doch genug abwerfen, wenn ich mir anschaue, was Comstar so alles ins Feld geführt hat.“
„Äh Skip, das waren auch alles Bestände aus der Sternenbundzeit.“
Martyn blickte kurz zum Piloten, von dem der Einwand gekommen war, dann fiel seine Aufmerksamkeit wieder dem Display zu.
„Nun gut, sie haben es wohl noch nicht ganz übermalt.“
„Captain, ein gewisser Akoluth Grom in der Leitung.“
Martyn drehte sich zu Matt Wilkins, dem Kommoffizier um.
„Na dann her damit, was auch immer er will.“
Nigel drehte sich zu einem nahen Schirm um und musterte das kurz auftauchende Schwert Blakes Wort darauf und dann den Mann, der ins Bild kam.
Dieser Akoluth Grom war sehr jung, während er mit grünen Augen unter der Haube seiner Robe in die Kamera blickte.
Aber diese Augen verrieten den Mann. Er war alles andere als das, wonach er aussah, wie eigentlich immer. Wäre es nicht langweilig, einen ganz normalen Gesprächspartner zu haben, ist doch viel interessanter einen geheimnisvollen, schwer einzuschätzenden Gesprächspartner zu haben. Nigel seufzte während er zu einer Begrüßung ansetzte.
„Akoluth Grom, was kann ich für Sie tun?“
Der Akoluth lächelte, während er die Hände faltete und sich nach vorne beugte, wodurch seine Augen bedrohlich nahe zukommen schienen. Nigel kam sch unwillkürlich wie die Beute im Antlitz eines Raubtieres vor.
„Captain Martyn, wie ich vernommen habe.“
Die Augen blitzten kurz auf und die Kapuze der Blakeswortrobe bewegte sich kurz wellenartig, als er den Kopf leicht dazu neigte.
Arroganz war alles was Nigel für diese Pose und den Unterton in der Stimme des Blakisten an Eigenschaften aufbringen konnte.
Nigel riss sich zusammen und machte gute Miene zum bösen spiel:
„Ja, der dürfte ich dann wohl sein.“
„Captain, nun sie müssen verstehen, dass mir die überaus unangenehm ist, aber ich möchte sie darüber informieren, das wir ihr Schiff zu Transportzwecken benötigen.“
„Überaus unangenehm, pah so kann man so was auch nenne, ich nenne das entern.“
Mit einer Handbewegung, die nicht von der Kamera erfasst wurde brachte Nigel seine Stellvertreterin zum Schweigen.
„Akoluth, bei alle Respekt, wir sind ein freies Handelsschiff, dass im auftrage eines Privatmannes auf dem weg nach New Home ist.“
Der Akoluth lehnte sich zurück und faltete die Hände, wobei die Fingerspitzen sich leicht ineinander verschränkten.
„Nun Captain sagen wir es so, sie haben keine andere Wahl mehr, im Namen von Blakes Wort,“ ein kurzes metallisches Scheppern ertönte und hallte durch das Schiff, „werde ich ihr Schiff übernehmen, ihr Ladung löschen und sie in Vertrag nehmen, natürlich sollen ihre mühen vergolten werde und auch ihr Auftraggeber wurde genügend versorgt. Und Captain, eines noch, bitte leisten sie keinen Widerstand.“
Mit diesen Worten beendete er die Verbindung.
„Junêe hol mir Sofie und sag ihr, sie soll mit ihren Teams sämtliche Zugangsluken und Druckschotts überprüfen. Stell Patroullien auf und findet heraus was dieses Scheppern vorhin zu bedeuten hatte.“
„Skipper!“
„Was!“
Martyn wirbelte zu seinem Sensoroffizier herum und spießte ihn förmlich auf mit seinen Blicken.
„Die Korvette, sie nähert sich, ist bereits in Waffenreichweite.“
„Damit wäre weglaufen erst recht keine Option mehr.“
Junêe wandte sich bitter um und ging zum Brückenschott.
Nigel blickte ihr kurz hinterher.
Das Schott öffnete sich.
Irgendetwas erwischte Junêe und schleuderte den 1.Offzier der Crying Freedom zur Seite. Dann wabberte die Luft und ein recht menschlich aussehender Kampfanzug wurde sichtbar.
„Ein Purifier.“ ertönte es leise hinter Nigel.
Der rechte Arm des Battle Armors hob sich und deutete auf Nigel. Der Ruß geschwärzte Lauf verkündete Unheil und die blecherne, verstärkte Stimme, versprach kaum besseres.
„Captain Martyn, es tut mir leid sie unter diesen Umständen zu rekrutieren, aber sehen sie sich und ihre Crew als Blakes Wort Angestellte. Wenn sie bitte das Schiff auf das Andockmanöver vorbereiten würden.“
Zähneknirschend ergab sich Nigel Martyn den Befehlen des Mannes auch wenn es innerlich in ihm, gegen das schlimmste, das einem Schiffscaptain passieren konnte, rebellierte.

Andai Pryde
17.02.2005, 20:22
Passagierschiff Perlende Träne, Gan Singh Central Spaceport
Gan Singh, Chaos Marken

10. Mai 3065

Lydia Girelli warf noch einen letzten stolzen Blick auf ihre Jagdmaschine im Hangar der Perlende Träne, einem umgebauten Passagierschiff der Monarch Klasse.
Die Leinen waren festgemacht und die Maschine damit für den Flug zum Sprungsschiff und den darauf folgenden Sprung in Richtung Outreach über Zürich und Capolla gesichert.
Insgesamt also drei Sprünge und Lydia hoffte ihr Baby ab dort wieder fliegen zu können. Es fehlte ihr.
„Eine schöne Maschine!“
Tönte eine sanft klingende, männliche Stimme hinter ihr.
„Ja, das auf jeden Fall und mein ganzer Stolz.“
Sie lächelte noch einmal in Richtung des Fliegers und drehte sich dann um.
Vor ihr stand ein Mann, dem sie direkt in die klaren grünen Augen schauen konnte. Das schmale Gesicht wurden von längeren braunen Haaren umrahmt und ein Lächeln zierte die schmalen Lippen.
Erstaunlicherweise war er beinahe genauso groß wie Lydia, vielleicht sogar ein paar Zentimeter kleiner, als sie.
Lydia schmunzelte und streckte dem Mann die Hand hin.
Er sieht gut aus.
Schoß es ihr dabei noch durch den Kopf, als er ihre Hand ergriff und freundlich schüttelte.
„Lydia,“ versuchte sie es bezirzend.
„Tsui Wie,“ kam es höflich und wohlklingend zurück.
Der asiatische Name machte Lydia erst jetzt auf die Merkmale aufmerksam. Die geringe Größe und der leicht andersfarbige Teint.
Nur die Augen waren nicht so mandelförmig, wie sie bei einem Mann seiner Herkunft sein müssten.
Wahrscheinlich ein Capellaner
Ein verdammt süßer, hätte sie beinahe noch einmal hinzugefügt.
„Was kann ich sonst für sie tun Tsui.“
Er blickte kurz an ihr vorbei und lächelte sie dann aufrichtig und bezaubernd an.
„Ach, ich kam gerade zufällig vorbei und habe diese Maschine gesehen, hätte nicht mit gerechnet und wollte den eiskalten Krieger sehen, der solch ein Baby an sich bringen konnte.“
Lydia drehte sich und betrachtete die schlanke Maschine, die förmlich vor Waffen zu sprühen schien.
Direkt unter der spitz zulaufenden Bugnase, lag eine 20-rohrige LSR Lafette. Unter den Delta Tragflächen befanden sich zwei breite Waffenläufe, die jeweils eine ER-PPK und einen schweren Impulslaser beherbergten. Abgerundet wurde das Ganze durch einen weiteren schweren Impulslaser im Heck. Dazu kam eine Masse von 70 Tonnen und einer Geschwindigkeit, die es der Jagdmaschine ohne Probleme ermöglichte mit anderen Maschinen seiner Klasse mitzuhalten.
Lydia drehte sich wieder um und hob die Arme entschuldigend.
„Tja, hier ist nur eine eiskalte Kriegerin.“
Sie lächelte verschmitzt.
Tsui erwiderte ihr Lächeln, bezaubernd und zuckersüß.
Dann zuckte er mit den Schultern.
„Tja, dann will ich nicht weiter stören, bevor ich auch noch abgeschossen werde.“
Er machte Anstalten wieder zu gehen.
„Moment!“ platzte es aus Lydia heraus.
„Ja?“
„Nun wie wäre es, wenn ich ihnen die Story erzähle, bei einem Abendessen heute Abend in der Lounge?“
Tsui schien kurz nach zudenken, dann nickte er lächelnd.
„Sicher gerne, wie wäre es gegen 20 Uhr Schiffszeit?“
Lydia nickte erfreut.


Rushing Fields, Nahe Delafield,Kathil
Kathil PDZ, Mark Capella, Vereinigte Sonnen
10. Mai 3065

Lucius Bauer, seines Zeichens Hauptmann und Mechkrieger der 8. Donegal Guards, bewegte seinen 80 Tonnen schweren Salamander über die Rushing Fields.
Das Gras wehte leicht im Wind und die Sonne brannte heiß auf die geschundene Oberfläche des Planeten.
Es war erstaunlich, was Kathil in den letzten Jahren alles hatte überstehen müssen, in denen sich Loyalisten und alliierte Truppen gegenseitig über den kompletten Planeten gejagt hatten.
Noch erstaunlicher war, was die Donegal Guards alles hatte überstehen müssen.
Mittlerweise waren die 6. Syrtis Fusiliers, die 5. Davion Guards, die 1. FedSuns Armored Cavalry und die 1. Capella Dragoner auf Seiten der Alliierten vertreten, während die Loyalisten aus den 2. Chisholm Raiders und den Resten der 8. Donegal Guards bestanden.
Die über inzwischen beinahe 3 Jahre andauernde Schlacht hatte schon so einiges an Opfern gefordert, nicht zuletzt die 8 VerCom RKG oder die 5.Davion Guards. Reste beider Einheiten fanden sich auf beiden Seiten und nun sah es so aus, als würden die 8. Donegal Guards, das gleiche Schicksal erleiden, wie diese beiden.
Lucius schlug mit der Faust auf die Steuerkonsole und ignorierte den Schmerz, der einen kurzen Moment durch das Handgelenk zuckte.
Er würde das nicht zulassen.
„Donegal 2-2 von Donegal 2-1. Marian sieh zu, dass du deine Lanze mehr nach Osten bringst, das Gelände dort ist zwar rau und unwegsam, aber deine Jungs kennen sich da aus. Das dürfte die einzige Möglichkeit sein den Davies zu entgehen.“

Ein kurzes Jepp, bestätigte seinen Befehl und 1st Leutnant Marian Freed steuerte ihren Stiletto nach Osten gefolgt von einem Locust und einem humpelnden Jenner.
Den vierten Mech ihrer Lanze hatte es in den letzten Gefechten zerrissen. Die Spider war wie eine überreife Melone geplatzt, als zwei alliierte Mechs auf sie geschossen hatten und damit war auch Hugo Leoning gestorben, der Pilot des Mechs.
Immerhin konnte Lucius sich glücklich schätzen, dass die zweite Kompanie des zweiten Bataillons der Donegal Guards noch aus immerhin 10 Mechs bestand.
Neben den drei Scoutmechs waren dies nämlich sein eigener Salamander, zwei Cestus und ein Maelstrom in der Befehlslanze, sowie ein Archer, ein Longbow und ein Crusader in der Kampflanze.
Leutnant Wyoming hatte es in ihrem Rakshasa ebenfalls zerrissen und somit der Kampflanze einer guten Mechkriegerin beraubt.
Lucius blickte den Scouts noch einen Moment lang hinterher, als plötzlich etwas schwer in seinen Mech einschlug.
Er blickte erst auf die Schadensanzeige und sah seine komplett, rechte Torsoseite gelb aufleuchten, dann fiel sein Blick auf die Sensoren, die ihm vier Mechs an zeigten, in dem obligatorischen roten Dreieck Schema für feindliche Einheiten.
Bei der vordersten Maschine und somit auch der, die ihn getroffen hatte, handelte es sich um einen Nightstar, ein Abkömmling des ursprünglichen Marodeurs und 95 Tonnen schweren Kampfmonsters. Ein harter Gegner an und für sich, jedoch mit dem Penetrator, Falconer und Cestus zusammen, die daneben standen, versprach es ein harter Kampf zu werden, blieb nur zu hoffen, dass keine weiteren Davion Einheiten in der Nähe waren.

„Mudd Wrestlers aufgepasst, Tangos, konzentrieren und Feuer frei!“
Die Mudd Wrestlers, der Spitzname der 8. Guards, drehten einheitlich ein und schickten LSR Salven und Gauss Kugeln in Richtung der Feinde.
Einige Schüsse trafen, doch ein Großteil ging zu kurz.
Die vier Davions wiederum erwiderten das Feuer, während sie auseinander stoben, nur um sich dann springend über das Feld zu bewegen. Einzig der Nightstar lief mit eingedrehten Torso parallel zu Lucius´ Schlachtreihe.
„Zielt auf den Nightstar, der ist leichter zu treffen!“
Wie befohlen feuerten die 7 schweren und überschweren Mechs alles was sie an Langstrecken Waffen aufbieten konnten auf den einzelnen Nightstar, das sporadische Feuer der drei anderen Mechs ignorierend.
Schwer wurde der 95-Tonner durchgeschüttelt und einmal strauchelte die Maschine kurz und wäre beinahe gefallen, jedoch tat sie niemanden den Gefallen
Dann drehte der Nightstar sich und hob die beiden Waffenarme, mit den riesigen Gaussmanschetten darin.
Zwei silbrige Blitze zuckten einmal kurz und rauschten mit Überschall schneller Geschwindigkeit in den Maelstrom der Kampflanze.
Der Schuss war sauber gewesen und Fortuna hatte ihr übriges getan, als eine der Nickel-Eisen Kugeln, direkt in das nach vorne ausgerichtete Cockpit des gebeugten Mechs eingeschlagen war.
Lucius fluchte laut und richtete seine drei LSR Lafetten auf den überschweren Koloss aus.

„Na warte, du Sohn einer Davion Hure.“
Mit diesen Worten löste er die Raketen aus und sechzig Langstreckensprengköpfe überbrückten die knappen 600 Meter.
Allerdings kam nicht einmal die Hälfte an, denn ein Teil detonierte auf dem Rumpf des Penetrators, der plötzlich in den Weg gesprungen war und der Rest wurde von dem surrenden Raketenabwehr MG im Kopf des Mechs abgefangen.
Lucius fluchte und richtete die LSR neu aus, das grünliche Fadenkreuz bewegte sich über den Rumpf des Penetrator und flammte golden auf, als die Zielerfassung bestätigt wurde.
Zum wiederholten Male flogen sechzig Raketen auf Flammenstrahlen durch die Luft.
Ein paar zerpflückten die Landschaft und das grünlich schimmernde Gras, der Rest bahnte sich einen Weg durch das Sperrfeuer der Raketenabwehr und detonierte schwer auf dem 75 Tonnen schweren Kampfkoloss.
Lucius war zu erfahren um ein Jubeln zu zulassen, als die Maschine strauchelte und umfiel, und das war auch gut so, denn Just schlug der Nightstar zu und feuerte über seinen gefallenen Kollegen hinweg die beiden Gaussgeschütze ab.
Beide Kugeln trafen und sprengten Panzerplatten vom Rumpf des Salamanders und fraßen sich tief in die Eingeweide des Mechs.
Anzeigen flammten kurz rot auf, nur um sich dann wieder zu beruhigen.
Die Temperatur im Inneren der Maschine stieg und Lucius beschlich ein schlimmer Verdacht.
„Warnung, Reaktorhabschirmung instabil, empfehle Abschaltung!“
„Einen Scheiß tust du.“ knurrte Lucius, dessen Befürchtung wahr geworden war und schlug auf den Veto Schalter, um eine Notfallabschaltung des Fusionsreaktors im Inneren der Maschine zu vermeiden.
Hoffentlich löste die Hitze die eingelagerte Munition nicht aus, denn das würde den Mech höchst wahrscheinlich zerreißen.
Aber dagegen konnte man etwas tun.

Ohne die Hitzewarnungen weiter zu beachten, löste Lucius die LSR zum wiederholten Male aus und trieb die Innentemperatur enorm in die Höhe.
Ein weiterer Schlag auf den Veto-Schalter sorgte dafür, dass der Reaktor weiter seinen Dienst tat.
Wieder schlugen die Gaussgeschütze zu, aber diesmal traf nur eines in das rechte Bein des Salamanders. Die dort noch frische Panzerung fing die Wucht des Einschlages auf und ließ den Mech leicht wanken, doch Lucius behielt die Kontrolle.
Er warf eine kurzen Blick auf die Sensoranzeige und sah zufrieden, wie die Mudd Wrestlers den Cestus und den Falconer gut beschäftigten.
Der Penetrator lag auf dem Boden und so blieb nur noch der Nightstar übrig.
Aber auch die 95 Tonnen Maschine konnte das Ungleichgewicht von beinahe 2:1 nicht ausgleichen.
„Donegal 2-1 von Donegal 2-2, Hey Chef braucht ihr Hilfe.“
Die Scouts! Lucius hätte sie beinahe vergessen.
„Nein, Donegal 2-2, wir schaffen das schon, Marian sieh zu, ob du diese Jungs umgehen kannst und an den Morgan Forrest rankommst!“
„Aye Chef.“
Lucius schaute kurz zum Morgan Forrest, während er einem Gausschuss mit Mühe auswich und nur eine der LSR als Erwiderung auslöste.
Der kleine Wald lag jenseits der Rushing Fields, beinahe 2 Kilometer weit weg, aber die schnellen Scouts würden den Weg ohne Probleme innerhalb kürzester Zeit zurückgelegt haben.
Das laute Piepen der Raketenwarnung ließ Lucius zusammen zucken.
„Was zum...“
Dann wurde der Salamander schwer durchgeschüttelt und er rang mit den Kontrollen, als beinahe dreihundert Raketen auf ihre Stellung nieder gingen.
Wie kann das möglich sein, keine Mechs sind doch in Reichweite oder?
Hektisch warf Lucius einen Blick auf die Sensoranzeige und sah beinahe acht rote Dreiecke näher kommen. Allerdings befanden sie sich bei etwas über siebenhundert Metern, das war unmöglich über diese Distanz hinweg zu schießen und zu treffen.
Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen, als er eine Naginata unter den Maschinen identifizierte.
C3 Computer.

„Mudd Wrestlers, aufgepasst hier muss irgendwo ein C3 Spotter sitzen, die haben eine Nagi dort drüben! Ausschalten um jeden Preis.“
Lucius bewegte den Salamander weiter und versuchte den Nightstar auf Distanz zu halten, noch war er ihm mit seinen drei LSR Lafetten überlegen, aber sollte er jedoch zulassen, dass der 95 Tonner näher rankam, blieben Lucius nur noch die beiden Laser als Nahkampfverteidigung.
Immerhin war sein Salamander schneller als der Nightstar, sofern es sich um den 9J handelte, aber bei den beiden Gaussgeschützen als Hauptwaffen war dies der Fall, denn der 9FC, der beinahe 64 Km/h Spitze machte, führte nur zwei schwere LB-x Autokanonen.
Lucius graste die Sensoranzeige ab und überflog die Typenbezeichnungen. Von zwei Archer, der Naginata und einem Yeoman abgesehen, fanden sich noch einige mittelschwere und zwei überschwere unter den Gegnern, aber keine der Maschinen schien über C3 zu verfügen, zumindest nicht, sofern es sich nicht um modifizierte Mechs handelte.
„Jihaw!“ tönte es durch die Leitung, als der gegnerische Cestus, von seinen beiden Counterparts hart beschossen, fiel und rauchend liegen blieb.
„Einen für dich Boris.“
Boris und Christian, das ungleiche Cestus-Zwillingspaar drehte ein und steuerte auf den Falconer zu, der sich dem heftigen Beschuss der vier weiteren Donegals erwehrte. Lange würde er es nicht mehr machen.

Doch dann rasten die nächsten LSR heran und ließen den Archer und das Longbow rauchend und durchlöchert zurück.
Beinahe Synchron fingen beide Maschinen an zu zucken und brachen dann auseinander, als die Munition im Inneren der beiden Torsi explodierte und ihre Gewalt befreite.
Ein Schauspiel, dass Lucius nur mit Wehmut genießen konnte, so komisch es auch aussah, wie die beiden Maschinen synchron fielen, zu Resten ihres sonstigen Stolzes und Pracht zerblasen.
Knurrend bewegte Lucius den Salamander weiter und kümmerte sich wieder um den Nightstar.
Die beiden überschweren Kolosse tauschten Schuss um Schuss aus, wobei es schwierig war zu sagen, wer besser traf.
Ein weiterer harter Treffer einer Nickel-Eisen Kugel in das rechte Salamander Bein ließ Lucius´ Mech in die Knie gehen
Er nutze die Gelegenheit, während er den 80 Tonner wieder aufrichtete und verschaffte sich nochmals eine kurze Übersicht über den Schlachtverlauf.
Der Crusader machte sich gerade daran, zum Cabrio zu werden, als zwei Doppelpacks LSR Raketen sich ihren Weg durch den kugelförmigen Kopf des Mechs bahnten.
Das schien eine Eigenart des Mechs zu sein, ständig zum Cabrio zu werden.
Verdammt!
„Mudd Wrestlers, lösen und zurück nach Delafield, es sind zu viele!“
Die übrigen Mechs seiner Kompanie befolgten die Befehle sofort.
Die beiden Cestus lösten sich springend vom Falconer, nicht ohne vorher in blindem Verständnis jeweils ein Gaussgeschütz zielsicher in das linke Bein der Maschine zu setzen und es vollends abzureißen.
Der 75 Tonner schlug eine halbe Drehung, durch die Wucht der beiden Kugel und schlug dann schwer auf.
Der dritte und letzte Mech aus Lucius Kompanie, der Maelstrom wendete und humpelte auf seinen Kompaniechef zu.
Dann fiel Lucius auf, wie der Nightstar kurz verharrte, sich eindrehte und kurz darauf eine erneute Raketenpackung heranrauschte.
Es waren zwar nicht mehr so viele wie bei den vorhergegangenen Attacken, aber sie reichten, um der Maschine schwere Schäden zu zufügen. Die linke Seite brach auf und in einem grellen Feuerball entlud der Reaktor seine gesamte Kraft unkontrolliert.
Die beiden Cestus und der Salamander blieben verschont, nicht jedoch der Falconer, der nicht einmal dreißig Meter entfernt gelegen hatte.
Beide Maschinen blieben als verkohlte Reste auf den Schlachtfeld zurück und hinterließen wieder zwei Familien mehr ohne Väter, je nachdem, ob es sich bei dem feindlichen Piloten darum gehandelt hatte.
„Du Bastard.“ fluchend und blind vor Wut legte Lucius auf den Nightstar an und stürmte unter vollem Feuer los. Die Temperatur stieg wieder an, während ihm der Schweiß in Sturzbächen am Körper hinab lief.
Immer weiter voran stürmend feuerte Lucius abwechselnd mit den Lafetten, auch wenn die Hälfte der Raketen daneben ging, so trafen doch genug, um den Nightstar schwer zu beschädigen. Die linke Flake klaffte bereits auf, als der 95 Tonner sich ihm umwandte.
Zwei Gaussgeschütze und drei rubinrote Strahlen blitzten auf. Unterstützt von zwei grünlich flackernden Impulsen, schälten die Laser Panzerung in wahren Flutwellen vom Rumpf des Salamander.
Das Schadenspotential der Waffen war unglaublich, es musste sich um Clantech handeln.

Die beiden Gaussgeschütze allerdings gingen glücklicherweise zu hoch und verfehlten ihn.
Dann trat der Penetrator auf den Plan. Während Lucius den Mech eigentlich von seiner Planung gestrichen hatte, hatte der Pilot sich anscheinend wieder gefangen und setzte nun seine sämtlichen Impulslaser auf ihn an.
Drei gingen zu hoch, zwei zu weit nach rechts, aber der letzte bewies Lucius wieder, dass Fortuna ihn hasste.
Der grünlich flackernde Strahl traf genau auf die Cockpit Panzerung.
Das Karbon Fiber Gemisch mit Farbkontrolle polarisierte sich, um die Augen seines Piloten zu schützen, aber der Laser brannte sich seinen Weg weiter. Die Hitze stieg unerträglich.

Ein einzelnes Stück Panzerung löste sich an der Innenseite der Pilotenkanzel und sauste wie in Zeitlupe auf Lucius zu, mit einer eher reflexartigen Bewegung brachte er seinen Brustkorb aus der Bahn und das glühend heiße Metal drang statt dessen in die rechte Schulter des Steiner Hauptmannes ein.
Beißender Schmerz stieg in ihm auf, der Duft nach verbranntem Fleisch erfüllte das Cockpit und Lucius krachte schmerzverkrümmt in die Gurte seines Sitzes.
Der Mech strauchelte, lediglich von den Nervenimpulsen seines Piloten aufrecht gehalten, der versuchte sich den Schmerz zu verbeißen und die Kontrollen hart in den Händen behielt.

Bis zu dem Zeitpunkt, als eine Nickel-Eisen Kugel laut krachend in das ohnehin schon schwer beschädigte rechte Mechbein einschlug und es vollends abriss.

Der Salamander neigte sich zu Boden und schlug hart auf.
Das letzte was Lucius Gedanken beherrschte, war das grüne Gras, dass auf die geborstene Pilotenkanzel zu schoss.


Nadirsprunpunkt Bryant System

Grummelnd blickte Nigel Martyn sich auf der Brücke seines Schiffes um, oder sollte er ehemaligen Schiffes sagen?
Nein!
Vier Blakes Wort Agenten mit vorgehaltenen Sturmgewehre und sechs Mechkrieger waren keine Streitmacht um die vierzig Mann starke Crew der Freedom ausschalten zu können, und das Schiff zu fliegen.
Nigel blickte auf den Sensorschirm und verfolgte die Operation der Blakisten.
Die Zechetinu Korvette drehte sich leicht ein und richtete sich für das Auflademanöver ein.
Die Klappen der Heckladekammern öffneten sich und das Sonnensegel wurde ausgefaltet.
Misstrauisch beäugte Nigel das Blakes Wort Schwert auf dem Segel und blickte durch das Loch in der Mitte gen Sonne.
Doch hatte er zu wenig für das Spektakel übrig, das ihm der Gigant bot.
Eine Idee beschlich ihn.
Sein Blick glitt kurz zu Junee, die mit einem Verband um die Stirn an der Hilfskonsole stand und die hereinkommenden Daten überwachte.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, schaute sie auf und ihre Blicke trafen sich.
Kurz.
Dann wanderte Nigels Blick zu dem Blakistenakoluthen, der mit seinem Gewehr am Brückenschott stand und gähnend das Geschehen auf dem Hauptschirm verfolgte.
Junee schlug schnell zu. Sie wirbelte herum und ließ sich dann fallen, so dass Nigel sein Messer zücken konnte und es fliegen ließ.
Durch die Tatsache, dass die Korvette sich noch in Bewegung befunden hatte, reichte die restliche, verbliebene Schwerkraft auf dem Landungsschiff der Overlord Klasse mehr als genug aus, um die knapp zwanzig Zentimeter lange Klinge, geschmeidig und gezielt zu ihrem Ziel zu bringen.
Röchelnd ging der Mann zu Boden, die Hand am Heft des in seinem Hals steckenden Messers.

Junee schnappte sich das Gewehr und Akihiro der Navigationsoffizier griff sich den Leichnam und zog ihn vom Schott weg.
Nigel nickte stumm und wandte sich dann seiner Konsole zu.
Mit zwei kurzen Fingerbewegungen gab er den Code für den Notfall ein und mehrere Decks weiter unten würden diverse Lichter auf dem Schiff flackern und eine kurze Stromstörung simulieren.
Das Signal, dass ein Grossteil der Crew unmissverständlich verstehen würde.
„OK, Brücke abriegeln und bereit halten.“
„Aye, Skip.“
Junee trat an ihn heran, das Gewehr umgehängt und blickte ihn fragend an.
„Und was jetzt?“
Nigel deutet auf die Korvette.
„Erst einmal von dem Ding da loskommen.“
„Jonas wie steht’s, bereit für ein paar kleinere Kunststückchen?“
„Na aber immer doch Skip.“
Der ehemalige lyranische Jagd- und Schiffspilot nickte freudig und schnallte sich dann an.
Seine Hände verharrten abwartend an den Kontrollen des Schiffes.
„Nigel, wie stellst du dir das vor, selbst mit maximaler Beschleunigung können die uns über Kilometer hin wegpusten.“
„Keine Sorge, das werden sie schon nicht.“
Dann wandte er sich an seinen Waffenoffizier.
„Sofie, wie gut kennst du dich mit dem Bauplan einer Zechetinu aus?“
„Huh eher mäßig Skip, das Teil ist ziemlich neu, aber ich denke ausreichend, warum?“
„Nun ich möchte ein paar gezielte Schüsse auf Stellen, wo es so richtig wehtut.“
Sofie blickte ihn kurz zweifelnd, dann nachdenklich an.
„Ich glaub, ich wüsste da was.“
Sie wandte sich um und tippte auf ihrer Konsole herum.
Auf der Brücke herrschte mittlerweile nicht mehr die beklemmende Atmosphäre der vorherigen Minuten, sondern eine freudig, gespannte Arbeitsatmosphäre, wie Nigel sie von seiner Brückencrew gewöhnt war.
„Gut. Jonas sobald ich den Befehl gebe, legen sie ab und steuern auf das Sonnensegel zu. Sofie feuert dann auf die Teile, die ihr wichtig erscheinen und wir machen uns dort davon.“
Er deutet auf das Loch genau in der Mitte des Sonnensegels.
Genau dort, wo das Heft des Blakes Wort Schwertes auf den kleinen Stern des Logos traf.
Ein erstauntes Pfeifen kam vom Piloten.
„Hui. Das wird hart, aber OK, Skip.“
„Nigel, du bist verrückt.“
Junee grinste ihn an und schwang sich dann auf ihren Sitz und schnallte sich an.
Nigel lächelte nicht, grimmig entschlossen setzte er sich auf seinen Kapitänsstuhl und starrte auf den breiten, grau-weißen Rumpf des Kriegsschiffes.
„Jetzt. Jonas!“
Mit einem leisem.„Das wird wehtun.“ Gab der Pilot vollen Rückwärtsschub und riss das Landungsschiff förmlich von dem Dockkragen los.
Metallfragmente ergossen sich in die Leere des Alls und der Overlord entfernte sich, Teile des Kragens noch am Rumpf hängend, von der Korvette.
Beinahe zeitgleich blitzen die Geschütze des eiförmigen Schiffes kurz auf und trafen diverse Stellen an der Korvette.
„Hab ihn. Is nicht viel, Skip, aber ihre Backbord Sensoren sind so gut wie taub und ich dürfte eine der Energiekupplungen erwischt haben. Das macht es ihnen zumindest schwerer auf uns zu Schießen. „
„Sehr gut Sofie. Jonas.“
„Aye.“
Das Schiff beschleunigte und raste auf das Sonnensegel zu.
Gebannt blickte Nigel auf das Loch in der Mitte und die Sterne dahinter, es würde eng werden.
„Festhalten.“
Ein scharfes Knirschen und ein schabendes Geräusch zogen sich durch das Schiff, als das größere Schiff sich durch das kleinere Loch des Sonnensegels zwängte und einen guten Teil des leicht gepanzerten Segels mit sich riss.
„Und jetzt zum Planeten. Wir gehen steil rein und halten auf den nördlichsten Pol zu. Hoffen wir, dass uns das Bryanter Wetter wenigstes etwas hilft.“

Casper
18.02.2005, 14:09
Klasse B Com Star- Einrichtung, Brein
Bryant, Chaos-Marken
Nacht vom 29. auf den 30.April 3065

Nachdem Rebecca ihr Zimmer verlassen hatte eilte sie auf dem schnellstmöglichen Weg ihrem Ziel entgegen. Die Sohlen ihrer Sportschuhe erzeugten auf dem Linoleumboden bei jedem Schritt ein leises Quietschen auf dem ansonsten stillen Korridor. Bevor sie in den Gang einbog, der sie zu ihrem Ziel brachte, rief sie sich selbst zur Ordnung. Sie ging langsamer, um ihren Atem wieder unter Kontrolle zu bringen.

„Sergeant Rowan?", Rebecca klopfte an eine Tür. Im Inneren glaubte sie ein Geräusch gehört zu haben, aber die Tür öffnete sich nicht. Sie blickte kurz auf ihren Chronometer nur um festzustellen, was sie sowieso wusste: Kurz vor Mitternacht. Laut Wachplan hatte Rowan Freiwache, wahrscheinlich würde er schlafen. Sollte sie Morgen wiederkommen? Rebecca zögerte kurz, entschied sich dann jedoch erneut zu klopfen.
„Sergeant Rowan?"
Erneut vernahm Rebecca Geräusche aus dem Inneren des Raums, und diesmal wurde ihr geöffnet. Grelles Licht fiel aus dem Zimmer auf den nur spärlich beleuchteten Gang und blendete Rebecca kurzzeitig. Ihre Augen passten sich den veränderten Lichtverhältnissen jedoch schnell an, insbesondere da sich der Türrahmen mit einer kantigen Gestalt füllte. Rebecca erkannte den Elementar; vielmehr einen Elementar, wie sich selbst verbesserte. Es war Saya, die ihr reichlich unbekleidet gegenüber stand. Ein Bettlaken, das für einen Elementar viel zu klein ausfiel bedeckte lediglich ihren gestählten Oberkörper. Verärgert und herausfordernd blickte sie Rebecca an.

Wut stieg in Rebecca auf. Fast wäre ihr hitzköpfiges Temperament durchgebrochen. Was fiel dieser Elementarin ein sich hier mit Rowan zu paaren während sie mit ihm... . Mühsam kämpfte Rebecca die Emotion herunter und wandte sich beherrscht an Saya:
„Ich muss mit Sergeant Rowan sprechen Elementar Saya."
„Rowan ist nicht hier Sergeant Major Rebecca!", kam die kühle Antwort von Saya. Sie schien eine eigene Vermutung zu haben, was Rebecca mit Gespräch meinte. Betont gelassen stützte sie sich dabei mit einem Arm im Türrahmen ab. Dabei rutschte das Bettlaken ein wenig nach unten und enthüllte den Ansatz ihrer linken Brust.
Erneut eine bewusste Provokation und ein nicht eben subtiler Hinweis, dessen war sich Rebecca sicher:
„Elementar Saya, ich habe jetzt keine Zeit für irgendwelche Spiele. Ich muss Sergeant Rowan sprechen. Sofort!", knurrte Rebecca wütend. Was dachte diese Saya sich dabei? Glaubte sie wirklich, Rebecca wollte sich mit Rowan paaren. Ein absurder Gedanke, der Elementar war schließlich Solahma!

Auch Saya schien zu erkennen, dass es Rebecca nicht um eine Paarung mit Rowan ging; zumindest im Moment nicht. Irgendetwas schien dem Sergeant Major auf der Zunge zu brennen. Saya konnte Rebeccas Ungeduld nahezu greifbar spüren. Sie fragte sich insgeheim, was wohl der Grund war, aus dem Rebecca so dringend mit Rowan sprechen musste. Wenn sie das Feuer in Rebeccas Augen betrachtete und die Wut in ihrer Stimme richtig interpretierte, dann musste sie mächtig wütend auf Rowan sein. Auf die Idee, dass die Wut ihr selbst galt, kam Saya nicht.
Wahrscheinlich war Rebecca genauso wütend auf Rowan wie sie selbst. Die Tatsache, dass der Sergeant nicht den Befehl gegeben hatte diese Freigeburten in der Granatwerferstellung zu töten, war ihr nach wie vor unerklärlich. Schließlich hatten sie Philip schwer verletzt und sich dezgra verhalten. Sollte die hitzköpfige Rebecca Rowan doch ruhig ordentlich zusammenstauchen. Das geschah ihm ganz recht. Saya raffte das Laken wieder zusammen.

„Rowan ist nicht hier Sergeant Major Rebecca!", wiederholte Saya und versuchte ihre Stimme dabei möglichst neutral klingen zu lassen, um dem vorangegangenen Wortgefecht die Schärfe zu nehmen. „Soll ich dir sagen, wo du ihn finden kannst, Frapos?"
„Pos!", stieß Rebecca hervor, die sich immer noch maßlos über das, in ihren Augen, kindische Verhalten von Saya ärgerte.
„Du wirst ihn vermutlich auf dem kleinen Trainingsplatz hinter dem HPG finden Sergeant Major Rebecca.", Saya blickte ihrem Gegenüber fest in die Augen.
Rebecca warf Saya noch einen wütenden Blick zu, wandte sich dann grußlos ab und verschwand im Dunkel des Gangs.
Saya starrte noch eine Weile in den leeren Gang hinein. Kopfschüttelnd dachte sie über diese unwirkliche Begegnung nach. Wenn Rowan nachher auf sein Quartier kam, würde sie ihm ordentlich auf den Zahn fühlen. Sie wünschte Rebecca, dass Rowan dann topfit sein würde. Heute würde sich nur Eine mit Sergeant Rowan paaren. Saya Geisterbär. Mit einem Fluch auf den Lippen drehte sie sich ins Zimmer zurück, kurz konnte man im Halbdunkel ihren vernarbten Rücken und die frischen Wunden erkennen, dann fiel die Tür in das Schloss.

***

Genervt hastete Rebecca zurück zu ihrem Quartier, griff sich ihren Mantel, den sie sich auf dem Weg zum Ausgang überwarf. Der Nachtfrost auf Brein war im wahrsten Sinne des Wortes überwältigend. Wie immer raubte es Rebecca kurzfristig den Atem, dennoch hastete sie weiter. Als sie über einen verschneiten Fußweg zu dem kleinen Trainingsplatz gestolpert war, stockte ihr erneut der Atem. Diesmal nicht vor Kälte, sondern aufgrund des Anblicks, der sich ihr bot.
Der kleine Trainingsplatz war vom Schnee befreit worden und der graue Asphalt war im Dunkel schemenhaft zu erkennen. Die Schnüre der Fahnenmasten, die den Platz an einer Seite begrenzten, peitschten im eisigen Wind gegen das Aluminium und erzeugten ein singendes Geräusch. In der Mitte des Platzes, abgewandt von Rebecca, hatte sich Rowan Geisterbär niedergelassen. Er trug lediglich eine weite weiße Hose und Stiefel. Sein Oberkörper war unbekleidet, dennoch schien er nicht zu frieren. Silbriges Licht, des hoch am Himmel stehenden Trabanten von Brein, tauchte den klobigen Körper des Elementars in ein gespenstisches Licht. Rebecca konnte die einzelnen Muskelpartien von Rowans Rücken genau erkennen, die in diesem diffusen Spiel aus Licht und Schatten noch größer erschienen als sie ohnehin schon waren.
Langsam und lautlos näherte sich Rebecca dem Hünen. Eigentlich sollte sie ihn nicht stören, aber das Anliegen brannte wie Feuer in ihr.

„Komm ruhig näher Rebecca Geisterbär. Ist es nicht fast wie zu Hause, Frapos?", die tiefe Stimme des Elementars schreckte Rebecca auf.
Da war sie, diese Intuition, die ihr heute bei der Wache abgegangen war. Rowan hatte sie. Das war der Grund warum sie ihn ansprechen wollte.

Rebecca ließ sich neben dem Hünen nieder.
„Pos!", antwortete sie noch diszipliniert, doch dann brach es aus ihr hervor, wie superheißes Plasma aus einem geschmolzenen Reaktor.
„Ich weiß einfach nicht weiter Rowan Geisterbär. Das Leben hier in der Inneren Sphäre macht mir mehr zu schaffen, als ich mir bisher eingestanden habe. Du hast dich bewusst für ein Leben hier entschieden und ich habe gehofft, dass du mir einen Ratschlag geben kannst."

Als Reaktion auf Rebeccas Worte wandte Rowan seinen Kopf in ihre Richtung und zog verwundert eine Augenbraue nach oben. Bevor er jedoch antworten konnte, fuhr Rebecca fort. Sie schien ihre Probleme, nun da sie begonnen hatte zu Sprechen, alle auf einmal loswerden zu wollen.
„Da ist zum Einen die Sache heute. Rowan, ich bin Clan! Ich bin ein Geisterbär! Ich hätte doch spüren müssen, dass etwas falsch lief. Meine Instinkte können mich doch nicht so im Stich lassen. Ich hätte verhindern können, dass der Attentäter zuschlägt. Dann wäre auch der Granatbeschuss nicht geschehen.“ Sie legte eine Pause ein. „Außerdem ist da die Sache mit Sergeant Major Duprees Tod."

Wieder stutzte der Geisterbären-Elementar, hörte aber weiter wortlos zu.
„Er hat sein Leben für mich geopfert. Er hat auf seine Kameraden achtgegeben bis in den Tod. Rowan, es ist tatsächlich so weit, dass ich diese Solahma-Freigeburt schätze.", Rebecca hielt nur kurz inne, als ihr auffiel, dass Rowan ebenfalls ein Solahma war. Doch sie hatte noch nicht alles ausgesprochen, daher arbeitete sie sich hektisch zum letzten Punkt vor, in ständiger Furcht die eigene Courage könnte sie verlassen.
„Und dann ist da noch Mechkrieger Finn. Er hat es abgelehnt sich mit mir zu paaren.", als sie sah wie ein Lächeln über das Gesicht des Riesen huschte, fügte sie giftig hinzu: „Bei diesen Freigeburten spricht sich auch alles herum. Auf jeden Fall Rowan, ich war nicht wütend auf ihn. Es war sogar eine Erleichterung als er nicht kam und wir trotz dessen weiter miteinander zurechtkamen. Ich frage mich was aus ihm geworden ist.", der letzte Satz war ihr nur noch zaghaft und verhalten über die Lippen gekommen. Fast als hätte sie ihn nur für sich selbst gesagt.

Rowan blickte sie eine Weile an, er schien nachzudenken.
„Rebecca Geisterbär, ich zweifele hiermit deine Autorität und Objektivität an und fordere dich heraus!", es kam schnörkellos und geradeheraus.

Verstört blickte Rebecca auf, Wut kochte in ihr hoch.
„Du solltest dich darauf einstellen, dass so etwas passiert, wenn du wieder im Clan bist und du deine Gefühle und Selbstzweifel so offen mit dir herumträgst.", Rowan reichte ihr versöhnlich die Hand und half ihr auf die Beine: „Ich habe mich dem hiesigen Verständnis von Humor bereits gut angepasst, Frapos?
„Pos, Sergeant Rowan!", Rebecca atmete auf, die Wut verschwand so schnell wie sie gekommen war. Er hatte tatsächlich einen Scherz versucht.
„Übrigens könnte dir das auch passieren, wenn du bei Norton mit deinen Gefühlen hausieren gehst.", der Riese erhob sich jetzt ebenfalls und glitt geschmeidig in die weiße Lederjacke, die bislang neben ihm gelegen hatte. „Lass uns ein Stück gehen Rebecca Geisterbär."

Der Elementar schlug eine Richtung ein, die sie von den geräumten Wegen wegführte. Immer wieder blickte er nach oben in die eisige Nacht. Der Himmel war klar und die Sterne deutlich sichtbar, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen war, dass das Regime sparsam mit seinen Ressourcen umging. Nur an den neuralgischen Punkten brannte elektrisches Licht und raubte den Sternen ihre Leuchtkraft.
„Ich glaube deine Schwierigkeit liegt nicht darin, dass du Probleme mit dem Leben in der Inneren Sphäre hast. Es ist viel mehr so, dass in dir einige der ureigensten Faktoren und spezifischen Merkmale unseres Clans an die Oberfläche drängen. Du bist doch aus den Blutlinien der Tseng hervorgegangen Rebecca Geisterbär, Frapos?"
"Pos!", keuchte Rebecca atemlos. Sie hatte Mühe mit dem riesenhaften Mann Schritt zu halten, der die zum Teil fast meterhohen Schneewehen abseits der Wege problemlos durchpflügte. Ihr blieb nur wenig Luft um zu Sprechen.
"Dir sollte doch die Erinnerung besonders geläufig sein.", fuhr Rowan fort. "Die Geisterbären sind bekanntlich der einzige Clan, der von einem verheirateten Paar gegründet worden ist."

Natürlich kannte Rebecca die Geschichte ihres Clans, doch Rowan entwarf in dieser bitterkalten Winternacht ein Bild ihres Clans, wie sie es noch nie gesehen hatte. Dabei schilderte er lediglich jenen Teil der Erinnerung, der bis zur Gründung des Clans reichte. Die Zeit also, in der Hans Jorgensson und Sandra Tseng von Nicolas Kerensky in zwei unterschiedlichen Clans untergebracht werden sollten. Er erzählte von ihrer gemeinsamen Flucht in die Arktis von Strana Mechty, da sie lieber sterben wollten als getrennt zu leben. Der Teil der Erinnerung, als sie von einer Familie von Geisterbären vor dem sicheren Tod bewahrt wurden, fand ebenso Erwähnung wie die abschließende Rückkehr. Nicolas Kerensky, von der Solidarität und Liebe der Beiden so beeindruckt, ließ sie als Clangründer des Geisterbärenclans zusammen bleiben.

Stunden vergingen, in denen Rowan erzählte. Rebecca war so in den Bann der Geschichte gezogen, dass sie nicht merkte wie Schnee ihre dünnen Sportschuhe durchnässte. Ihr war nicht bewusst, dass sich die Kälte von ihren Füßen durch ihren ganzen Körper ausbreitete und ihre Glieder steif werden ließ. Immer weiter lief sie neben Rowan her und lauschte gespannt seiner Erinnerung.
"Du siehst Rebecca Geisterbär,", endete er schließlich. "die Geschichte unseres Clans setzt sich in dir fort. Du hast die Gene von Sandra Tseng in dir. Die Gene eines Menschen, der sich einen anderen zum Partner erwählt hatte und ihn bis zur Selbstaufopferung liebte. Du kannst und darfst diesen Teil deiner Selbst nicht verleugnen!", Rowan wandte sich ihr zu und sprach eindringlich weiter.
"Dieser Teil wünscht sich eine Partnerschaft und auch eine Familie."

Rebecca wollte aufbegehren gegen diese unmoralische Unterstellung, aber ein Teil von ihr erkannte auch einen Funken Wahrheit in den Worten des Elementars. Rowan entging diese Regung nicht, er ignorierte sie jedoch und fuhr fort.
"Du kannst es wegschieben, du kannst es verfluchen, es liegt trotzdem in deinen Genen. Wenn du dir das bewusst machst, kannst du damit zurechtkommen. Du kannst diesen Teil beherrschen, schließlich bist du Clan. Die Zeiten von Partnerschaft und Familie sind vorbei. Wir können uns auf das konzentrieren, was am meisten Spaß macht. Wir können fokussiert sein auf unsere Lebensaufgabe: Den Kampf!"

In Rebeccas Augen flackerte es bei der Erwähnung des Wortes Kampf und Rowan erkannte, dass er der jungen Kriegerin einigen Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben hatte. Sie war auf einem guten Weg und konnte es schaffen. Sie musste nur lernen ihre Emotionen besser zu beherrschen, andernfalls würden diese Emotionen sie in den Tod führen. Ein letztes Mal wandte er sich vertraulich an die junge Frau, die da durchnässt und verfroren vor ihm stand:
"Ich denke es ist Zeit zurückzugehen.", dann wurde er dienstlich. "Sergeant Major, ich schlage vor wir intensivieren das gemeinsame Training, damit wir besser und frühzeitiger auf Bedrohungen wie die Heutige reagieren können."
"Pos, Rowan Geisterbär, in jeder Hinsicht Pos!", antwortete Rebecca. Sie sahen sich an und beide mussten lachen. Ein ungewöhnlicher Anblick für zwei Geisterbärenkrieger.

Ironheart
20.02.2005, 15:39
Blakes Wort schlägt zu

20 Kilometer Nördlich des Leipziger Raumhafens, Nord-Financial-District
Bryant, Chaos-Marken
4. Mai 3065

Nervös betrachtete Patrick „Doc“ Dolittle die Anzeigen des Radars seines Mantikor-Panzers, während sich der Konvoi der Chevaliers langsam durch die verlassenen Strassen von Leipzig bewegte. Doc wünschte, dass sie schneller vorankamen, doch die langsamen LKW konnten an einigen Stellen sich nur schwerfällig durch die Ruinen bewegen.
Sie hatten sich entschlossen, den bereits bekannten Weg im Norden zu nutzen, da die LKW´s nur mühsam voran kamen und sie die südliche Route noch weniger gut kannten. Ausserdem hoffte Doc, dass seine Platzierung des Peilsenders im Süden ihre eventuellen Verfolger verwirrt hatte.
Die Spitze des Konvois wurde angeführt von Hank Borers Dervish IIC, Björn Wissmanns Fury und sein eigener Mantikor. Die Nachhut bildete Miko Tsunos Kampffalke, Battaglinis Bulldog und Peter Niedermayers Mantikor. Finnegan Trent in seinem Kabuto tat das, was er am besten konnte. Er nutzte seine Geschwindigkeit und drehte unablässig seine Runden um den Konvoi herum und spielte den einsamen Scout. In der Mitte des Konvois fuhren die vier schweren LKW´s, flankiert von den leeren MTW´s. Die vier LKW´s sahen alle fast identisch aus, was auch vollkommen beabsichtigt war. Sollten sie tatsächlich angegriffen werden, wollten sie es den Angreifern nicht zu einfach machen. Auf diese Weise würden sie nicht wissen, welcher der LKW´s die wertvolle Fracht trug.
Die Kommandos von Sergeant Caprese und von Adept Ivarson hatten sich auf den LKW´s verteilt, die Pioniere von Sergeant Sagrudson fuhren die LKW´s und die MTW´s.
Wenn sie jetzt noch etwas Glück hatten, dann würden sie in ein bis zwei Stunden an der Skullcrusher und damit in Sicherheit sein.
Im Moment waren sie äußerst verwundbar und Doc wusste das. Den Angriff dieser Crusader hatten sie vor kurzem mit Viel Glück relativ schadlos überstanden. Die Schäden waren moderat ausgefallen und das meißte hatten sie beheben können, aber einige seiner Mechs und Panzer hatten bis zu 20 % weniger Panzerung als normal. Und wenn Dukic die Crusader nicht gestoppt hätte, dann wäre es wohl noch schlimmer ausgefallen.
Dukic! Doc´s Gedanken wanderten erneut zu dem dersertierten Anführer der Scoutlanze. Der Junge war ihm wahrlich ein Rätsel. Bislang hatte Doc ein relativ neutrales Bild von dem Lanzenführer gehabt. Aber seitdem er von dem Peilsender wusste, fragte er sich zunehmends, ob Dukic ein falsches Spiel gespielt hatte. Er wusste es einfach nicht, auch wenn viele Faktoren dafür sprachen. Und vielleicht würden sie es auch nie erfahren, da sie diesen Planeten in den nächsten Stunden verlassen würden.

Doch gerade als sie sich wieder einmal um einen größeren Trümmerberg herum wälzten, geschah das, von dem Doc gehofft hatte, es würde nicht passieren.
Finnegan Trens trockene Stimme erscholl mit einem einfachen „Kontakt“ aus dem Funk und schon schoss er in seinem Kabuto in Richtung Süden, von wo er etwas geortet haben musste. „Sechs Mechs schnell näher kommend“ gab er durch bevor Doc fragen konnte. Dieser hätte am liebsten laut durch den Funk geflucht. Waren die Crusaders doch wieder zurückgekehrt? Aber wie konnte das sein und warum taten sie so etwas?
Doch noch bevor er sich noch weitere Gedanken in dieser Richtung machen konnte, vernahm er eine weitere Stimme durch den Funk.
„Hier spricht Adept Eugenio Burgiglio, Erste Division „Wahre Hingabe IV-Beta, Blakes Wort. Sie sind unbefugter Weise im Besitz von LosTech, welches wir hiermit im Namen des einzig heiligen Ordens requirieren. Legen sie die Waffen nieder und wir sichern Ihnen freies Geleit zu. Jede Zuwiderhandlung wird in ihrer Vernichtung enden.“
„Ha“ Doc lachte einmal kurz und trocken auf und er öffnete einen Kanal Finn, bevor er diesem arroganten Blakisten antwortete. „Finn, gibt es da draußen noch mehr von der Sorte?“
„Nicht dass ich sie orten könnte
Die Blakes-Wort-Mechs kamen immer näher und schon bald würden sie in Waffenreichweite sein. „Ja Ja, wir sind nicht taub“ gab Doc unbeeindruckt zurück. „Aber ich habe keine Ahnung, von was sie da reden. Wir sind vor knapp drei Wochen hier gestrandet und haben nur versprengte Ausrüstung zusammengesucht. Daher gibt es nichts, was ihr…“
„Lügnerchrr“ michte sich nun eine dritte Stimme ein, die nach trockener Kreide klang, die man über eine Schiefertafel quietschen ließ.
Das war alles, was Doc von den Blakisten hörte. Er wartete aber schon nicht auf weitere Kommentare sondern hatte seine Befehle schön längst weitergegeben. Die Vorhut hatte bereits gewendet und würde die Nachhut gleich erreichen, während die LKW´s und MTW´s sich unbeeindruckt weiter Richtung Südwesten fortbewegten. Die Mechs und Panzer nahmen Aufstellung an, um sie vor den anstürmenden Mechs zu schützen.

Sorgenvoll wanderte Docs Blick hinüber zu seiner Funkerin Akila Mandalen. Sie sollte nicht hier sitzen, schoss es ihm durch den Kopf. Er warf es sich in diesem Augenblick selber vor, dass er nicht härter zu ihr gewesen war. Er hatte es ihr verboten, doch sie wollte bei ihm bleiben, um jeden Preis. Sie hatte ihm sogar gedroht und obwohl Doc wusste, dass sie es nicht ernst meinte war er eingeknickt und jetzt, Augenblicke vor dem Kampf, bereute er es.
Leise flüsterte er ein „Aki“ durch den Funk, woraufhin sie den Kopf zu ihm drehte. Er formte ein lautloses „Ich liebe dich“ mit den Lippen und erntete ein herzerwärmendes Lächeln.
Dann wandte sich Doc an die Chevaliers. „Gut Jungs. Haltet die Blakies auf solange es geht. Wir müssen nur unsere LKW´s durchbringen. Viel Glück euch allen.“
Als er die Bestätigungen über den Funk empfing, hoffte er alle wohlbehalten an Bord der Skullcrusher wieder zu treffen.
Doch ein böses Gefühl in seinem Hinterkopf sagte ihm, dass er einige Stimmen nie wieder hören würde.

*******************************

Fauchend schossen die Raketen aus Hanks Borers nahem Dervish IIC und gebannt verfolgte Sergeant Greta Caprese die Flugbahn der Raketen. Borer zeigte eindrucksvoll was er in der Liga und auf Solaris gelernt hatte, denn sowohl die 20 Raketen seiner beiden LSR-Lafetten trafen ihr Ziel akkurat, als auch die beiden ER M-Laser. Mit ihrem blossen Auge konnte Caprese zwar nicht die Verwüstungen an dem Blake-Mech erkennen, aber sie sah dass der Wyvern von der Wucht des Angriffs umgeworfen wurde. Gleichzeitig gingen aber die Angriffe der Blakisten auf Borers Mech ein.
Doch Hank hielt stand.
Mehr noch, er stellte sich wie ein schützender Schild vor die LKW´s, die hinter der Reihe der Mechs und Panzer langsam an den beiden kämpfenden Fraktionen vorbeikrochen und eine Strasse nahmen, die im Moment nicht von den Blakisten einsehbar waren.
Greta hatte sich vorne an das Führerhaus des LKW´s gehängt, ihr schweres Sturmgewehr im Anschlag und einen einschussigen KSR-Werfer umgehängt.
Der LKW brauste mit knapp 60 Sachen über die von Trümmern und Pflanzen überzogenenen ehemaligen Straßen der Sternenbundstadt und sie musste sich bereits mehrfach bei ihrem Karabinerhaken bedanken, mit dem sie sich an das Führerhaus verankert hatte.
Sie fegten die Strasse hinab, weg von den zurückbleibenden Mechs und Panzern, ihr Funkgerät gab ihr aber einen Status der Kampfsituation wieder.
Miko und Hank versuchten mit schnellen Rochaden auszuteilen und gleichzeitig möglichst selten getroffen zu werden. Die vier schweren Panzer gaben Ihnen Rückendeckung und teilten auch ordentlich aus. Trent hielt sich eher bedeckt und gab wahrscheinlich die eine oder andere Salve mit seinen Blitz-KSR´s ab, aber sonderlich schlagkräftig war sein Mech ohnehin nicht.

Greta war so beschäftigt dem Feuergefecht zu folgen, dass sie die beiden KSR´s die auf einen der vier MTW´s des Konvois erst bemerkte, als es bereits zu spät war. Noch bevor sie oder irgendjemand eine Warnung rufen konnte, schlug die erste Rakete in das Führerhaus ein und tötete ohne Zweifel den Fahrer und Beifahrer. Dann krachte die zweite Rakete in das Gefährt, hob es zwei Meter in die Luft, woraufhin der Transporter sich zur Seite neigend aufschlug über den brüchigen Beton schlitterte und in ein leerstehendes Gebäude krachte.
„ACHTUNG, feindliche Infanterie, zehn UHR“ schrie einer ihrer Leute und erwiderte das Feuer. Maschinengewehrseiten fegten hin und her und Greta merkte, wie ihr Fahrer langsamer wurde.
„Gebt GAS, weiter, weiter, nicht halten…“ brüllte sie durch den Funk. Wenn sie jetzt hielten, dann würden sie hier nicht mehr wegkommen.
Sie zog den Kopf ein, als ein paar Geschosse in das Führerhaus einschlugen und sie erwiderte das Feuer so gut es ging.
Das Feuer der Gegenseite war intensiv und sie hörte den einen oder anderen Schmerzenschrei durch den Funk, der ihr anzeigte, dass sie Verluste hatten.
Dann waren sie an der gegnerischen Infanteriestellung vorbei und Greta atmete erleichtert auf, sie waren daran vorbei und konnten jetzt direkt zum Landungsschiff vorstossen.

Doch sie hatte sich wohl zu früh gefreut. Wie aus dem Nichts tauchte von links ein Mech hinter den Gebäuden hervor.
Der Mech schwang einen Arm und Greta erkannte, wie blitzendes Metall sich direkt in die Seite eines weiteren Mannschaftstranporters bohrte und den Wagen auf die Seite warf. Quitschend und schliddern kam der Wagen zum liegen.
„Hey Greta, da sin´ zwei Mechs, die komm´zu euch, ne?“ gab Hank eine zu späte Warnung durch.
„Scheisse Hank, schon zu spät“ rief sie wütend zurück. „Sie haben uns schon gefunden.“
„Ich komm ja schon, ich komm ja. Muß nur die vier annern abschütt´ln, ne?“
Der Buccaneer, der mit seinem großen Beil den zweiten MTW erledigt hatte, feuerte indes weiter
Sein Medium Pulse Laser feuerte akkurat in die Seite eines der LKW und zerfetzte mehrere Reifen. Der neben ihm stehende Wyvern, der sich von Hanks brutalen Angriffen einigermaßen erholt zu haben schien, feuerte zwei leichte Laser auf die Reifen eines zweiten LKW´s.
Ihre Strategie war also klar und leider auch von Erfolg gekrönt. Beide LKW´s mussten abrupt bremsen, um nicht außer Kontrolle zu geraten. Sie kamen auf einem Gelände zum Stehen, welches früher mal ein Platz gewesen sein musste und welches sich unweit von der der Seitenstrasse befand, an der die beiden Blake-Mechs heraugekommen waren.
„Bildet ein Quaree“ rief Greta durch den Funk und schnallte sich ab. Die LKW´s versuchten eine provisorische Verteidigungsstellung einzunehmen, während die beiden Mechs schnell näher kamen. Zusätzlich dazu konnte Greta die Blakes-Wort-Infanteristen sich nähern sehen, und zwar sowohl von Norden als auch von Süden. Wie es aussah hatten die Blakies weiter im Süden noch eine zweite Stellung aufgebaut in die sie gerannt wären, wenn sie nicht vorher schon von den beiden Mechs aufgehalten worden wären.
„Scheisse, grabt euch ein“ gab sie durch. „Doc, Scouts, wir brauchen hier Hilfe“ gab sie durch und beobachtete, wie der Buccaneer und der Wyvern an sie herantraten und mit einem gezielten Laserbeschuss die beiden übrig gebliebenen MTW´s zu Schlacke zerschmolzen. Zum Glück waren aber Sergeant Sagrudson und seine Männer nicht mehr an Bord gewesen, so dass sie wenigstens keine weiteren Verluste beklagen mussten.
Dann eröffneten auch noch die Blake-Infanteristen das Feuer und jetzt saßen sie endültig in der Patsche. Einer ihrer Männer wurde von einem schweren Maschinengewehr erfasst, einer der Kommandos von Adept Ivarson wurde vom Medium Pulse Laser des Bucanneer gegrillt. Wenigstens feuerten die beiden Mechs nicht direkt auf die LKW´s sonst wären sie alle bereits Geschichte.
Doch trotzdem, wenn Ihnen nicht bald jemand zu Hilfe kam, dann waren sie erledigt.

*********************************************

Voll konzentriert näherte sich Hank Borer in seinem Dervish IIC der Position der beiden Mechs, die die LKW´s der Chevaliers in die Enge getrieben hatten.
Als er sich aus östlicher Richtung kommend näherte, hielt er Ausschau nach den übrigen Mechs, doch niemand schien ihm gefolgt zu sein. Anscheinend dachten sie, dass der Bucanneer und der Wyvern schon alleine mit ihm fertig werden würden.
Er würde ihnen zeigen, dass das ein böser Fehler!
Hank war fast da, hatte seine Geschwindigkeit ein wenig abgebremst und näherte sich jetzt den beiden Mechs auf einer Route, mit der sie ihn wohl erst sehr spät entdecken würde. Seine Erfahrung in Stadtkämpfen ließ ihn instinktiv einen derartigen Weg wählen, der ihn im Ortungsschatten seiner Gegner ließ. Und da Greta ihm durchgegeben hatte, wo die LKW´s feststeckten, wusste er genau wo die Blakies waren. Sie aber sicher nicht, wo er war.
Als er sich auf unter hundert Meter genähert hatte, wollte er gerade seine Sprungdüsen aktivieren um den Kommandos zu Hilfe zu kommen, als er sah, wie der Wyvern sich wie von der Tarantel gestochen von dem Buccaneer trennte und in Richtung Süden preschte. Hank runzelte die Stirn, zögerte jetzt mit dem Angriff und holte sich über die Vergrößerung der Position nahe heran, die der Wyver-Pilot anvisierte.
Er sah einen einfachen Jeep auf eine Infanteriestellung zuschiessen, die die LKW´s der Chevaliers unter Feuer genommen hatten. Doch diese offensichtlich zu Blakes Wort gehörenden Infanteristen wurden nun von dem Jeep beschossen.
„Greta? Seid ihr das im Jeep?“ fragte er.
„Scheisse Hank, was für ein Jeep?“
Hank überlegte. Sollte er jetzt den Kommandos helfen, oder den Insassen im Jeep, die in diesem Augenblick von dem Wyvern getroffen wurden, sich aber hinter dem Jeep verschanzten? Oder sollte er sich lieber mit dem Buccaneer anlegen?
Er aktivierte seine Sprungdüsen und machte sich auf dem Weg zu dem Wyvern. Der Buccaneer würde schon von den LKW´s ablassen um seinem kleineren Kollegen zu helfen. Anders herum war sich Hank nicht so sicher.
Im Flug sah er, wie der Wyvern dem Jeep den Rest gab und Hank hoffte, dass die Jeep-Insassen sich hatten irgendwie retten können. Doch zumindest hatten sie den Wyvern-Piloten lange genug aufgehalten, so dass dieser die nahende Gefahr gar nicht kommen sah. Noch im Flug stellte Hank seine Zielerfassung ein, landete nur knapp 30 Meter hinter dem 45 Tonnen Mech und schickte all seine Waffen auf die Reise.
Als er sah, wie sich die beiden Medium-Laser in die relativ dünne und bereits durch einen Sturz geschwächte Rückenpartie bohrten und sich dann Bruchteile von Sekunden später auch 20 LSR und 4 KSR bis auf ein paar wenige Ausnahmen ins Ziel senkten, wusste er, dass der Mech keine Chance hatte. Seine Waffen bohrten sich einen Weg in die Eingeweide des Mechs und brachten die eingelagerte Raketenmunition zur Explosion. Die Sekundärexplosionen wiederum zerissen den Mech komplett und die Trümmer flogen in alle Himmelsrichtungen auseinander.
„Jiiiiihhaaaa“ brüllte Hank durch den Funk und bejubelte seinen Abschuss. „Doc, eina weniga auf der Liste, ne?“ gab er durch und drehte sich zu dem sich bereits nähernden Buccaneer um, der sich wie ein Racheengel auf ihn zupreschte.
„Gut Hank, aber mir wäre fast lieber du wärst hier. Die Blakies haben Björn von Wissmann erwischt und ich weiss nicht, wie lange wir noch durchhalten…“
„Kommt einfach zu mir rüber, wir nehm`se dann einfach hier durch die Mangel, ne?“
Doch statt einer Antwort knallten eine Reihe Exlosionen durch den Funk und erhielt er nur einen Strom von Verwünschungen. „Dieser Lancelot ist gut…“ hauchte Doc und inzwischen tauschte Hank einen Schusswechsel mit dem Buccaneer aus. „Nuja, der Buc hier is´ auch nich´ von schlechten
„Scheisse, Trent ist getroffen, sie haben Trent erwischt, er geht zu Boden…“ Hank lauschte angespannt. Irgendwie hatte er den Jungen ins Herz geschlossen und er hoffte, er würde wieder hochkommen. „Trent steh auf, Scheisse, die nehmen dich ins Visier…“ dann war Grabesstille.
„Wat is´ los? Is er…“
“Sie haben ihn erwischt” gab Doc durch und Hank krampfte seine Hände um seine Kontrollen.
„Is´ er tot?“
„Er ist ausgestiegen, ich hoffe er kann sich zum Landungsschiff durchlagen.“
Hank schloss für einen Augenblick die Augen, damit war wohl kaum zu rechnen. Er hoffte das Beste für seinen Staffelkameraden, aber wahrscheinlich würde er ihn nie weidersehen. Wahrscheinlich genauso wenig wie Denny.
Der Junge fehlte ihm. Wäre er hier gewesen, wäre der Verlauf des Kampfes sicher noch ein anderer gewesen. Zusammen hätten sie die Blakies auseinandergenommen. Aber so?
Auch wenn Hank am Anfang gedacht hatte, sie hätten gegen diese Blakies bestehen können, so hatte er sich vielleicht doch geirrt. Ihre Maschinen waren bereits angeschlagen, die der Blakies noch nicht. Und auch wenn sie vielleicht cleverer, erfahrener und treffsicherer waren als sie. Im Moment sah es alles andere als gut aus.
Und als ob er seine Gedanken unterstreichen wollte, versetzte ihm der Buccaneer eine Salve, die sich gewaschen hatte.
Und Hank machte sich wieder einmal daran, was er am besten in seinem Leben konnte.
Gegen einen feindlichen Mech eins zu eins bestehen.

Casper
21.02.2005, 19:23
Klasse B Com Star- Einrichtung, Brein
Bryant, Chaos-Marken
30.April 3065

Am nächsten Morgen musste Rebecca zunächst mit sich Kämpfen. Die ständigen Wach- und Trainingsschichten, die Ungewissheit über das Schicksal der Abgestützten, all das zehrte ohnehin an den Nerven der Einheit. Bei Rebecca taten der gestrige Tag und die durchwachte Nacht ein Übriges. Sie kam nur schwer aus dem Bett. Ihr Frühsportprogramm musste jedenfalls zum ersten Mal seit der Ankunft auf Brein entfallen. Entsprechend missmutig kam sie in die Kantine und zog sich mit einem spärlichen Mal in den hintersten Winkel zurück. Auf Geselligkeit legte sie ohnehin keinen gesteigerten Wert.

Dennoch beobachtete sie die Anwesenden genau. Das war ihre Natur, jeden Menschen auf Stärken und Schwächen abzuklopfen. Heute fiel ihr die allgemein gedrückte Stimmung der anwesenden Chevaliers auf. Die schweren Verletzungen von Captain Scharnhorst, Captain Cliff und Elementar Philip hatten sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Als die beiden zuletzt Genannten dann auch noch ihren Verletzungen erlegen waren, kannte die Erschütterung keine Grenzen.

Rebecca konnte diese Gefühle nur zum Teil verstehen. Sicher, sie waren nicht in einem ehrenvollen Gefecht gefallen, aber es waren Krieger gewesen, die den Tod eines Kriegers starben.
Diese Freigeburten und ihre völlig unverständlichen Vorstellungen von Krieg.
Sie glaubten tatsächlich in einen Kampf ziehen zu können und ihn unbeschadet zu überleben. Absurd!
Das Ganze wurde lediglich von ihrer Hoffnung übertroffen alt zu werden, um dann im Schlaf zu sterben. Welch entwürdigende Vorstellung.
Rebecca griff sich ihr Tablett und brachte es zur Geschirrrückgabe. Auf die Gespräche, die hier heute geführt wurden, konnte sie getrost verzichten, dachte sie, während sie sich auf den Weg zur Kompaniebesprechung machte. Dennoch spürte sie wieder den Stachel des Versagens. Sie hätte Captain Cliff und Elementar Philip das Leben retten können, damit sie im nächsten Kampf die Chance auf einen ehrenhaften Tod gehabt hätten.

Die Kompaniebesprechung fand im Taktikraum des HPGs statt. Der Raum bot Platz für drei Dutzend Soldaten. Entsprechend traurig war der Anblick, der sich Rebecca bot als sie als Vorletzte den Raum betrat. Die Chevaliers verfügten ohnehin nur über eine verstärkte Mechkompanie und auch die war stark zusammengeschrumpft. Die komplette Scoutlanze war aus Tomainisia abgestürzt. Dementsprechend fehlten Lieutenant Zdenek, die Sergeanten Miko und Hank, sowie Mechkrieger Finn. Captain Scharnhorst war ausgefallen, so dass lediglich Mechkrieger Frank und Master Sergeant Decius von der ohnehin reduzierten Befehlslanze anwesend waren. Der Master Sergeant belegte, wie üblich, den der Eingangstür nächsten Platz. Er hatte die Angewohnheit während der ganzen Besprechung zu stehen, mit dem Rücken an die Tür gelehnt. Lieutenant Wolfs Lanze war bis auf ihn selbst komplett. Rebeccas Lanze war dagegen nur durch Corporal Damien und sie selbst vertreten, da Corporal Eric und Private Marvin Wachschicht hatten. Das Häufchen der sieben Soldaten machte es sich auf den Besprechungsstühlen mit den kleinen Klapptischen bequem.

Rebecca setzte sich zu Corporal Damien, dem sie für seine Fähigkeiten nach wie vor nur wiederwillig Respekt zollte. Sicher, er war ein guter Krieger mit einem guten Gespür für die Leistungsoptimierung von Mechs, aber er blieb die arroganteste Freigeburt die Rebecca jemals untergekommen war. Wäre er Clan, Rebecca hätte mit ihm sicherlich schon in einem Positionstest gestanden. Sie bedauerte, dass sich diese Möglichkeit bislang nicht geboten hatte. Das hätte die Befehlshierarchie ein für alle Mal zu ihren Gunsten sichergestellt.

Aus den Augenwinkeln musterte sie Corporal Dawn und Sergeant Jara. Hatte Corporal Dawn vor allem zu Begin ihrer Zeit bei den Chevaliers immer merkwürdig traurig und verstört gewirkt, so schien sie in letzter Zeit viel gelöster zu sein. Rebecca hatte sogar mehrfach den irrationalen Eindruck die junge Frau würde von Innen heraus leuchten. Wahrscheinlich hatte sie sich endgültig auf das Leben eines Kriegers eingestellt. Je früher desto besser.
Wie Dawn sich zum Positiven hin gewandelt hatte, schien es bei Sergeant Jara in das Gegenteil umgeschlagen zu sein. Die lebenslustige Frau machte heute auf Rebecca einen deprimierten Eindruck. Zwar hatte ihr durchaus ansprechendes Äußeres bereits in den letzten Tagen unter dem anstrengenden Wachplan gelitten, aber traurig, ja sogar verheult hatte Rebecca sie noch nie gesehen. Der Tod der beiden Kameraden und die schwere Verletzung von Captain Scharnhorst sollten ihr doch eigentlich nicht so nahe gegangen sein.
Ob sie vielleicht eine Beziehung mit Captain Scharnhorst oder Captain Cliff hatte? Angewidert verwarf Rebecca diesen Gedanken, andererseits: In diesem Haufen von Freigeburten war alles möglich.

„Offizier betritt den Raum.“, die Ankündigung Master Sergeants Decius riss Rebecca aus ihren Gedanken.
Geschlossen erhoben sich die anwesenden Mechkrieger und salutierten.
„First Lieutenant, die verfügbaren MechKrieger sind anwesend. Die Krieger Stein und Mayhem fehlen, da sie Wachgang haben. Captain Scharnhorst ist außer Dienst.“, fuhr Decius in Habachtstellung fort.
„Rühren! Wir haben nicht viel Zeit heute.“, Wolf ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Die Mechkrieger ließen sich je nach Temperament mehr oder weniger schnell in ihre Stühle zurückfallen, wobei Decius seinen Platz an der Tür einnahm und sie so mit seinem breiten Rücken blockierte. Wolf nickte Decius kurz zu und fuhr mit harter Stimme fort; seine Augen musterten die Anwesenden.

„Der Anlass unseres Treffens ist, wie sie sich sicher vorstellen können, kein Erfreulicher. Gestern verloren wir durch die direkten und indirekten Ausfälle eines vorhersehbaren Vorfalls zwei vorbildliche Soldaten.“ Bei der Bemerkung „vorhersehbarer Vorfall“ blieb sein Blick kurz an Rebecca hängen. Der Blick und die Bemerkung führten dazu, dass sich der Stachel des Versagens erneut ein wenig tiefer in Rebecca bohrte. Unbeirrt fuhr Wolf fort, der Blick bewegte sich weiter, hinüber zu Corporal Damian.
„Die Folgen dieses Vorfalls haben auch unseren Einheitsteil nicht verschont. Sie haben uns sogar schwer getroffen. Captain Scharnhorst wird für unbestimmte Zeit ausfallen. Dies wird sicherlich für einige Veränderungen in der verstärken Kompanie sorgen. Ich werde ihnen diese Änderungen im Nachmittagsbriefing mitteilen, dann sind sie mit den Verantwortlichen abgesprochen. Major Danton, Master Sergeant Decius - in Vertretung von Captain Scharnhorst - und ich selbst werden uns heute vormittag noch besprechen. Über das Schicksal von Lieutenant Dukic ist nach wie vor nichts bekannt, so dass wir ihn nicht zu Rate ziehen können.

Rebeccas Kopf ruckte unwillkürlich nach oben. Was sollte das bedeuten? Alle Lanzenkommandeure sollten an der Besprechung teilnehmen, nur sie selbst nicht? Sogar Lieutenant Zdenek wurde erwähnt, obwohl jeder Anwesende wusste, dass er nicht an der Besprechung würde teilnehmen können. Sollte sie hier abgekanzelt werden? Als sie die Seitenblicke ihrer Untergebenen bemerkte, schoss ihr die Zornesröte ins Gesicht. Auch Lieutenant Wolf entging das nicht, hatte sich sein Blick doch erneut auf Rebecca geheftet. Seine Stimme war kalt wie zuvor.
„Das wäre alles für heute. Der Master Sergeant gibt die veränderten Dienstpläne nach dem Nachmittagsbriefing aus. Fragen?“
Rebeccas Arm schoss nach oben. Sie wollte Klarheit haben, doch Wolf ignorierte ihre Meldung. Sein Blick streifte die übrigen Soldaten. Als er feststellte, dass sich niemand sonst zu Wort meldete, beendete er die Besprechung.
„Das wäre alles. Wegtreten!“ Das verwunderte Gemurmel über die ignorierte Wortmeldung, brach Wolfs Stimme, die einen schneidenden Klang angenommen hatte: „Auf ein Wort Sergeant Major.“

Nach dem Schlusswort von Lieutenant Wolf sahen die meisten Anwesenden zu, dass sie schnellstmöglich den Raum verließen. Das sollten die beiden Claner unter sich ausmachen. Lediglich der Master Sergeant kehrte auf seinen Platz an der Tür zurück, nachdem sich der Raum geleert hatte.
„Danke Master Sergeant, ich brauche sie im Moment nicht mehr!“, die Stimme des Lieutenant hatte ein wenig an Schärfe eingebüsst. Die Anspannung war ihm jedoch nach wie vor anzumerken.
„Jawohl mein Zenturio.“, der Master Sergeant grüßte auf seine typische Art, indem er den rechten Arm im Ellbogen anhob. Die flache Hand zeigte nach Vorne. Auf das Nicken des Lieutenant hin machte er kehrt und verließ den Raum.

Wolf winkte Rebecca zu sich ans Rednerpult hinüber. Mit einem angriffslustigen Ausdruck auf dem Gesicht kam Rebecca der Aufforderung nach. Sie war noch ungefähr zwei Meter von Wolf entfernt, da gellte seine Stimme durch den Raum:
„Stillgestanden, Sergeant Major!“, die Schärfe in seiner Stimme war wieder da. Reflexartig kam Rebecca der Aufforderung nach
„Gerade von ihnen habe ich vorbildliches und über die bloße Pflichterfüllung weit hinausgehendes Verhalten erwartet, Sergeant Major Rebecca. Sie müssen ihrer Abkunft jederzeit gerecht werden und ihrer Einheit als positives Beispiel dienen. Es reicht nicht hier einfach mitzuschwimmen!“ Rebecca schossen wilde Gedanken durch den Kopf, die allesamt mit einem grausamen Tod von Wolf endeten. Was sollte das hier werden? Doch Wolf war noch nicht fertig, der Lieutenant redete sich jetzt in Rage.
„Ich kann und werde Verfehlungen wie die mangelnde Aufklärung am gestrigen Tag nicht dulden. Außerdem finden sie sich sonst schneller in einem Positionstest mit einem Untergebenen wieder, als ihnen lieb ist.“

Rebecca, die nach wie vor stramm vor dem Rednerpult, war wie vom Blitz erschlagen. Nicht dass sie einen Positionstest gefürchtet hätte, aber die offizielle Androhung von Strafe war eine harte Sache. Als ob sie nicht selbst gewusst hätte, dass sie versagt hatte. Das Gesicht nach wie vor auf die taktische Karte gerichtet, die hinter dem Rednerpult projiziert war, beobachtete sie Wolf aus den Augenwinkeln. Dem Lieutenant war deutlich anzumerken, dass das hier nicht seine Berufung war. Vermutlich hätte er die Sache lieber im Feld geklärt. Rastlos strich er hinter dem Pult auf und ab, das nach wie vor verhärmte Gesicht, eben noch gezeichnet von Wut, entzerrte sich langsam.
„Ich habe immer große Stücke auf sie und ihre Fähigkeiten gehalten, auch vor dem Major. Sie haben mich enttäuscht Rebecca Geisterbär und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich sie das auch spüren lassen. Im Moment brauche ich aber jeden einzelnen Soldaten. Das wäre alles Sergeant Major!“, Wolf erkannte das Aufbegehren in Rebeccas Blick, doch er war zu müde diese Sache mit ihr zu diskutieren. Er hatte seine Meinung zu dem Vorfall, das hatte sie zu schlucken. „Wegtreten, Sergeant Major!“

Rebecca kochte vor Wut, als sie den Besprechungsraum verließ. Es war eher ein verlassen müssen, hatte Wolf ihr doch keine Gelegenheit zur Rechtfertigung gegeben.
„Sie finden sich sonst schneller als ihnen lieb ist in einem Positionstest mit einem Untergebenen wieder.“, äffte sie den Lieutenant in Gedanken nach. Pah, sie fürchtete keinen ihrer Untergebenen. Die würde sie abfrühstücken, sollte es jemals so weit kommen. Vielleicht sollte sich diese Freigeburt Wolf lieber selbst auf einen Positionstest einstellen. Er hatte in seinem Leben sicher mehr Fehler gemacht, die das rechtfertigen würden. Er hatte sich sogar von diesem Ronin Kenda gefangen nehmen lassen, dachte sie, als sie sich auf den Weg zum Training mit Sergeant Rowan und seinen Elementaren machte.

Im gleichen Moment rief sie sich selbst zur Ordnung. So einfach war das auch nicht. Wenn sie ehrlich war, hatte sie keinen Grund Lieutenant Wolf zu einem Positionstest zu fordern. Er hatte weder einen anfechtbaren Befehl gegeben, noch ihre Ehre verletzt. Gut, sein Verhalten in der Besprechung hatte ihr Ansehen in der Einheit sicher nicht verbessert, aber war sie nicht selbst daran schuld? Wolf hatte recht, wenn er sie der Verfehlung bezichtigte, dass wusste sie selbst.

Ihr Groll auf den Vorgesetzten war damit zwar nicht aus der Welt, aber sie würde von nun an härter an sich arbeiten, um sich vor Wolf zu beweisen. Sie war schließlich eine Wahrgeborene Clankriegerin.

AS-Angelfist
22.02.2005, 02:56
Wo sind sie bloß

Als der Ripper abhob war es sehr ruhig. Keiner der Insassen sagte etwas. Nur das leise Singen der Rotorblätter war zu hören.
Es dauerte nicht lange und Markus nickte ein. Eigentlich war es Typisch für ihn, aber auch die anderen waren sehr ruhig und schienen zu Dösen.

Markus hatte die Nachricht des Corporal gehört und konnte es nicht fassen. Er rannte die Treppen des Anwesend hinauf und Stürmte in das Zimmer der Familie. Als er sah was sich dort abspielte drehte sich sein Magen um, vor Wut. Die beiden Privates wussten nicht was sie tun sollten und schienen mit der Situation überfordert zu sein.
Markus riss den Hauptmann beiseite und schleuderte ihn dann zu Boden.
„Wissen sie eigentlich was sie da machen?“
Der Hauptmann schaute Wut entbrannt auf. Sein Gesicht war gerötet und Speichel lief ihm aus dem Mund.
„Was glauben sie, wer sie sind Leutnant?“, der Hauptmann hatte sich nicht unter Kontrolle. „Ich versuche Informationen zu bekommen und da die Herrschaften nicht reden wollen, versuche ich sie halt zu überzeugen.“
Ein finsteres Gelächter kam über seine Lippen. Markus schaute sich um, „Sir, bei allem Respekt, aber wir sollen die Familie retten und nichts anderes. So lauten unsere Befehle und bei diesem Einsatz hat die Airborne die Befehls Gewalt und nicht der Nachrichten Dienst.“
Aber irgendwie schien der Hauptmann ihn nicht zuzuhören oder er wollte es nicht hören.
Er wendete sich wieder seinen gefesselten opfern zu und Riss der Tochter das Kleid vom Leib.
„Wenn ihnen meine Methoden nicht gefallen, gehen sie solange raus Leutnant.“
Markus überlegte nicht lange und zog seine Pistole.
„Herr Hauptmann, ich Befehle ihnen nun aufzustehen und sich umzudrehen. Ich nehme sie Hiermit im Namen des Archon Fest. Nehmen sie die Hände hoch“, Markus Worte hallten Eisig im Zimmer nach. Die gefesselten Frauen, schauten voller Hoffnung, mit Tränen verhangenen Gesichtern zu ihm auf.
Der Hauptmann lachte Laut auf.
„Was glauben sie was mit ihnen passiert wenn wir zurück sind Leutnant. Bei so einem Verhalten gibt es nur ein ganz kurzes Militär Gericht, das wissen sie doch oder etwa nicht?“ Der Hauptmann schien langsam wieder zu sich zu kommen und schätze seine Lage ein.
Markus entsicherte seine Pistole.
„Ich wiederhole mich nur ungern.“
Der Hauptmann wurde blass und Tastete nach seiner Waffe. Langsam fing er an sie aus seinem Hohlster zu ziehen, „Leutnant das kann ich nicht Dulden.“
Ein Knall Durchbrach jedes Geräusch im Zimmer, „Ich auch nicht Herr Hauptmann“
Kurze Zeit später waren sie im Vorhof des Anwesens und machten sich Abmarsch bereit.
„Sir, was sollen wir mit dem Hauptmann machen?“, fragte der Master Sargent.
„Wir nehmen ihn mit.“
„Sir, bei allem Respekt. Das wäre sehr unklug.“
„Wir nehmen ihn mit Master Sargent. Auch wenn er nicht dem Ideal gefolgt ist, lassen wir seine Überreste nicht in die Hände der Rebellen fallen.“
„Jawohl, Sir“ Nach ein paar kurzen Befehlen rannten zwei Soldaten los um die Leiche des Hauptmannes zu holen.
„Herr Leutnant“
„Ja Lady Erohold?“, Markus drehte sich zu der Dame des Hauses um und verneigte sich so wie es im Protokoll stand.
„Danke dass sie eingegriffen haben. Wenn ich irgendetwas für sie tun kann sagen sie es mir.“
„Das werde ich Mylady.“
„SIE KOMMEN“ hörte er nur noch als auch schon der Beschuss losging. Er griff sich die beiden Damen und rannte mit ihnen zur nächsten Deckung, um auf ihren Hubschrauber zu warten, der jede Sekunde auftauchen musste um sie auszufliegen.

Markus schreckte hoch. Er saß immer noch im Ripper, etwas verlegen schaute er sich um aber anscheinend hatte es niemand bemerkt oder sie waren mit anderen Dingen beschäftigt.
Dominik, Zero und Antonio Spielten Poker und es sah aus das Zero seinem Namen wieder alle ehre machen würde. „Och man könnt ihr mich nicht auch mal Gewinnen lassen?“, fragte Zero leicht gekränkt. „Könnten schon, aber ich habe Immoment etwas wenig Geld“, erwiderte Antonio erheitert als er die runde Gewann und das Geld einstrich.
„Wenn ihr so weiter macht müsst ihr euch bald eine neue Weihnachtsgans suchen die ihr rupfen könnt“, maulte Zero als er mit ansehen musste wie sein Sold den Besitzer wechselte.
Mike und Bob waren damit beschäftigt ihre Waffen zu entölen.
Ralf und Tim unterhielten sich leise und der Verbindungs- Offizier schaute interessiert Mike und Ralf zu.

„Sagen sie mal Sargent, wozu brauchen sie all die Waffen bei einer Bergungs- Mission?“ kam die Frage vom Verbindungsoffizier.
Markus schreckte aus seinen Gedanken hoch. Er brauchte etwas Zeit um sich seine Antwort zu Recht zu legen.
„Schwer zu sagen. Aber da Los-Tech auf dem Kontinent Allgemein Beute ist, immerhin muss man dafür zahlen dort zu sein, habe ich mir Gedacht es kann nicht schaden etwas mehr dabei zu haben, um eventuell Plünderer abzuschrecken. Das alles wäre natürlich nicht notwendig, wenn wir mehr hätten schicken können, um sie zu finden“ am ende des Satzes wurde die Stimme von Markus immer Kälter. Die anderen Soldaten des Trupps unterbrachen ihre Tätigkeit und schauten auf. Auch in ihren Gesichtern konnte man ein Missfallen sehen, über die Art und weise wie man mit ihren Kameraden und Freunden umging, die abgestürzt waren. Niemand hatte vergessen dass sie sie nicht begleiten durften beim Absturz, sondern gezwungen waren ihren alten Kurs beizubehalten.
Der Offizier war Klug genug zu wissen dass es der falsche Ort war um über solche Dinge zu reden. Es Dauerte eine Weile bevor sich alle wieder ihren Dingen zuwandten.

Nach fast zwölf Stunden Flug kamen sie an ihrem Verschiffungs-Punkt an. Hier sollte der Ripper auf ein Frachtschiff verladen werden um dann über den Ozean zu Fahren.
Als sie die Freigabe bekamen stiegen sie aus. Ihre Waffen ließen sie erst mal im Ripper.
„Tim, übernimm mal. Ich werde mich mal erkundigen wie es weiter gehen soll.“
„Geht klar, Sarge“, erwiderte Tim. „Ihr hab es gehört. Ausrüstung ausladen und Bereitschaft herstellen, Waffen werden aber nicht auf Munitioniert.“ Eine Antwort bekam er nicht da alle schon dabei waren ihre Ausrüstung zu entladen. Während dessen ging Markus zusammen mit dem Bryanter Offizier zu einem Gebäude, was aussah als wenn es die Hafenmeisterei sein musste.
Ohne anzuklopfen betrat Markus das Gebäude. Es sah Innen genauso schlimm aus wie von Außen.
Ein älterer Mann schaute auf und als er den Bryanter Offizier sah sprang er auf und kam sofort auf die beiden zu.
„Endlich sind sie hier. Der Capatin der Bulk wartet schon auf sie. Folgen sie mir bitte.“
Auf dem weg zur Tür nahm er einen schweren Wetter Mantel vom Kleiderhacken und streifte ihn sich über.
„Sie haben sich eine schlimme Zeit für die Überfahrt ausgesucht. An ihrer stelle würde ich noch drei Monate warten bis die Stürme etwas an Heftigkeit verlieren.“
Ohne auf die Personen zu achten öffnete er die Tür und Trat ins freie. Markus und der Offizier folgten ihm den Pier entlang. Sie kamen an Modernen Schiffen neuster Bauart vorbei und alten Fischdampfern. Doch der Hafenmeister brachte sie, im wahrsten Sinne des Wortes zu einem Seelen Verkäufer. Ein Schiff was seinen Zenit des Lebens schon lange überschritten hatte. Man konnte sehen das es öfters als einmal geflickt war und über keinen einheitlichen Anstrich verfügte sondern eher von rost überzogen wurde.
Markus musste bei dem Anblick schlucken.
„Das ist das Schiff mit dem wir Fahren sollen?“ Fragte er ungläubig.
„Ja, das ist es. Die Bulk. Ah, wie ich sehe kommt Captain Darwes da gerade.“
Markus schaute in die Richtung in der der Hafenmeister zeigte. Die Person die dort ankam war in dem gleichen erbärmlichen zustand wie das Schiff.
„Sie müssen die Gäste sein die ich Transportieren soll. Es freut mich ihre Bekanntschaft zu machen“, Lallte der Captain und trotz des Windes der hier wehte konnte man den Alkohol riechen.
Markus Nickte nur, auch der Offizier war nicht gerade angetan vom Auftreten des Captains des Schiffes mit denen sie fahren sollten.
„Captain, ich möchte gerne sofort mit der Verladung beginnen damit wir so schnell wie möglich Loskönnen.“
„Ablegen können“, korrigierte der Captain ihn.
„Von mir aus, auch das. Wo soll der Hubschrauber verladen werden?“
„Sie können ihn aufs mittel Deck stellen aber binden sie ihn gut fest sonnst wird er noch vom Dach gespült und das wäre ja wirklich schade.“
„Wäre es nicht möglich den Hubschrauber in den Frachtraum unterzubringen?“, Hackte Markus nach.
„Könnt ihr natürlich auch machen aber das ist eure Sache, das geht mich nichts an.“
Markus wurde bewusst dass wenn man bei dem Kerl nicht nachfragen würde es auch keine alternative gab.
„Gut ich werde es gleich veranlassen. Es wäre gut wenn sie uns unsere Kabinen zeigen würden damit wir hier schnell weg kommen. „
„Du hast es aber eilig in die Hölle zukommen Jungchen. Aber gut folgt mir.“
Der Captain torkelte los und die beiden folgten ihm. Während der Hafenmeister zurück zu seinem Büro ging.
Nach einigen schmalen Gängen und Treppen kamen sie an einem Quartier an.
„Hier können sie sich einrichten für die Fahrt.“
Markus rümpfte die Nase. Er hatte schon so manches verkommene Loch gesehen doch das hier schoss den Vogel ab.
„Gut, wo können wir etwas zu essen bekommen?“, fragte er gleich nach.
„Den Gang runter. Auf der linken Seite ist die Kombüse, gegenüber der Waschraum. Ich muss mich nun um meine Papiere kümmern. Wenn die Herren mich entschuldigen würden.“
Der Captain drehte sich um und Torkelte den Gang entlang.
„Ich werde das verladen veranlassen und dann werden wir hier wohl alles desinfizieren müssen“ Murmelte Markus mehr zu sich selbst als zu dem Offizier.

Es Dauerte geschlagene fünf Stunden bis sie den Ripper im Laderaum verzurrt hatten. Dafür stand an der Kai nun Gerümpel der vorher den Frachtraum verstopfte. Gleichzeitig Räumten Antonio und Tim den Schlafraum aus. Was nicht weniger Zeit in Anspruch nahm.
Doch endlich hatten sie alles verladen und verstaut. Doch sie mussten noch warten. Der Captain wollte mit der Flut auslaufen und die würde erst um Mitternacht auflaufen.
Sie hatten also noch etwas Zeit um in der Hiesigen Hafenbar einzukehren. Da Markus nicht bereit war Ausrüstung die entwendet werden konnte zurück zu lassen, wurden viele Dinge im Ripper eingeschlossen.
Kitty war dagegen den Ripper unbewacht zu lassen und wollte mit Domenik warten bis sie aus der Kneipe zurück waren. Domenik schien davon nicht begeistert zu sein aber er wusste auch dass er mit Kitty noch lange Fliegen würde. Also gab er Zähneknirschend nach.

Kurze Zeit später betraten die Jungs die Hafenbar. Es war verraucht und Schummrig und der Geruch von billigem Fusel hing in der Luft.
Markus setze sich an einen Freien Tisch und die Jungs taten es ihm nach. Es dauerte gar nicht lange und sie gaben der Bedienung ihre Bestellung auf. Aber bis auf einheimischen Fusel und Bier hatten sie hier nichts von dem was eigentlich bestellt worden war. Kurze Zeit später standen die Biergläser auf dem Tisch und die Jungs fingen an zu trinken ohne sich darum zu kümmern was um sie herum passierte.
„Sir, sie sollten nicht soviel nachdenken“, meinte Tim. „Entweder sie meldet sich oder sie sollten sie am besten vergessen. Es lohnt nicht sich über Frauen den Kopf sich zu zerbrechen.“
Markus schaute ihn an und man sah dass er versuchte den Worten von Tim Bedeutung zu schenken. Damit er sie mit den eigenen Gedanken in Einklang bringen konnte. „Vielleicht hast du recht, vielleicht hast du ja recht“, murmelte Markus.
Die Bar füllte sich langsam und viele waren nur gekommen um einen Blick auf die exotischen Gäste zu erhaschen. Dabei waren natürlich auch die Leichten Damen die in solchen Gegenden nun mal vorkamen.
Die sich wiederum etwas mehr um die Jungs kümmern wollten. Die hatten da natürlich nichts dagegen. So verstrich der Abend recht schnell. Bis Markus beschloss dass es nun Zeit ist zurück zum Schiff zu gehen. Wie nicht anders zu erwarten, wurde Gemault, aber sie wussten ja alle worum es ging. Allerdings mussten sie etwas Geld zusammenlegen weil Zero seinen Namen wieder gerecht wurde und zu wenig dabei hatte, als er mit einem der Mädchen auf ein Zimmer ging.

Am nächsten Morgen waren sie schon unterwegs und das Wetter war mehr als nur etwas Stürmisch. Markus hielt sich die Zeit über auf der Brücke des Schiffes auf und erhielt dort von Tim die Nachricht das die Rettungswesten und Boote im selben zustand waren wie das Schiff selber, vorausgesetzt es waren überhaupt welche da.
Markus hoffte nur dass die Reise Problemlos vonstatten ging. Drei Tage konnten sehr lang werden und Hilfe war nicht zu erwarten. Doch die Überfahrt verlief ohne Probleme. Doch dank des Sturmes brauchten sie nicht Drei Tage sondern Vier Tage.

Das ausladen des Rippers ging sehr schnell. Markus hatte das Gefühl das alle so schnell wie möglich von dem Schiff runter wollten. Selbst Kitty hatte es unheimlich eilig. Weil alle mit anfassten schafften sie es in Rekord Zeit den Ripper abzuladen und startbereit zu machen.
Eine halbe Stunde später war der Ripper in der Luft und bereit seinen Auftrag zu erfüllen.

Doch diesmal war im Inneren alles anders.
Die Jungs saßen in voller Kampfmontur auf ihren Plätzen. Selbst Dominik hatte einen Gefechtshelm auf und eine Weste an. Kitty war auch nervös. Man merkte es weil ihr Flugstiel im Gegensatz zu sonnst sehr Rabiat und
Hecktisch war. Dazu kam noch, dass das Wetter sehr Stürmisch war. Was dazu führte das die Insassen Häufig Durchgeschüttelt wurden. Der Bryanter Offizier schien nicht sehr erbaut davon zu sein. Aber er konnte nichts dagegen machen und so hoffte er, dass sich der Sturm endliche legen würde, damit sie Landen und er endlich wieder Boden unter den Füßen spüren konnte. Aber so wie er die Söldner einschätze war es denen relativ egal. Sie versuchten mit Witzen die Situation zu beschreiben. Dennoch wusste er, das das alles nur schau war. Söldner waren zwar bekannt dafür dass sie alles für Geld taten, aber es waren auch nur Menschen.

Es herrschte angespannte Ruhe im Frachtraum wo die Jungs saßen. Sie waren schon Tage unterwegs und hatten bisher noch nichts gefunden. Jedes Mal wenn Kitty sich meldete wurden sie leise und Lauschten dem was Domenik sagte. Aber bisher war es immer nur Fehlalarm. Nun waren sie dabei die Dritte Stadt zu durchsuchen. Doch diesmal war es anders.
„Kitty meint sie habe etwas gesehen was aussieht wie die Hälfte eines Kugel Landungsschiff was auf der Seite liegt.“
Mit der Aussage war die Ruhe und Angespanntheit verflogen.

AS-Angelfist
22.02.2005, 02:58
Ground Zero

Jetzt ging es also los. „Überprüft euer Ausrüstung“, Rief Markus im aufkommenden Lärm seinen Jungs zu.
Dies war der Moment wo viele Fehler passierten, er wusste es nur zu genau.
Kitty überflog eine Reihe von Eingestürzten Häusern um dann über der Straße zu Fliegen um sich nun vom Süden dem Objekt zu nähern.

„Ich sehe sie. OK, wir übernehmen.“

Kitty drehte nun bei und Flog über der Straße. Nur noch ein Stück und sie waren da. Sie nahm den Schub Runter weil sie nicht über das Ziel Fliegen wollte sondern es langsam umrunden.

„Nur noch ein Stück dann hab ich dich…...“

Als sie näher kam war es nicht ein umgestürztes Landungsschiff sondern die Reste eines Kuppel Baus, es musste damals ein beachtliches Bauwerk gewesen sein. „Fehlalarm“, gab sie an Dominik weiter „nur ein Kuppelbau.“
„Tja, Kitty sagt es sei nur ein Kuppelbau“ Dominik zuckte mit den Schultern. Jeder konnte die Enttäuschung in seinen Augen sehen. Vor Frust schmiss Sebastian seinen Helm auf den Boden. „ So ein Dreck“.

„Hab dich“

Bevor Markus Sebastian zu Ordnung aufrufen konnte, erklang ein Geräusch was jedem das Blut in den Adern gefrieren lies.
Kitty wusste, das sie nicht viel zeit hatte, ihr blieben weniger als Zwei Sekunden um aus der Zielerfassung herauszukommen. Wenn ihr das nicht gelingen sollte war es das. Sie ließ den Ripper ohne Vorwarnung abkippen und versuche so schnell wie möglich an Höhe zu verlieren, ohne dabei mit den Gebäuden zu Kollidieren.
Ohne viel zu Überlegen Schrie Markus „Auf Einschlag vorbereiten“. Alle schienen für Sekunden total Perplex zu sein. Selbst Dominik wusste nicht so recht was er machen sollte. Markus wiederholte sich noch einmal und Plötzlich kam Regung unter die Soldaten. Alle schnallten sich noch fester und überprüften ihre Ausrüstung.
Sebastian angelte vergeblich nach seinem Helm weil er unter die Sitzbank gerollt war als Kitty den Ripper abkippen lies.
Kitty schien es wie eine Ewigkeit und eigentlich wartete sie darauf das der Piep ton in ein langezogenen Ton umschlug. Doch stattdessen erstarb der Warn Ton. Sie schaute sich gehetzt um aber sie konnte nichts erkennen.
Hecktisch sah sie sich um und beschloss den Ripper im Tief Flug um den Wolkenkratzer herumzufliegen und dann weiter nach Norden. Vielleicht ergab sich ja auf der anderen Seite des Wolkenkratzers eine Möglichkeit sich zu verstecken.

„SCHEIßE, er ist raus.“, vor Frust schlug die Person gegen eine Seitenwand.
„Abwarten, ich weiß wo wir ihn noch abfangen können.“
„Erzähl nicht soviel mach hinne, Mann. Den Penner holen wir uns.“

Kitty drängte den Ripper in eine viel zu enge Kurve. Sie Merkte wie er sich erst weigerte, dann aber doch langsam nachgab. Die zu enge Kurve trug sie aber weiter hinaus als sie wollte. Kaum hatte sie den Wolkenkratzer umrundet lies sie ihn erneut abkippen so das sie nun knapp Zwei Meter über der Straße flog.
Die Kreuzung kam nun schnell Näher. Wenn sie über sie hinweg waren hatten sie es geschafft. Immer noch schaute Sie nach dem Schützen konnte aber nicht erkennen.

„Scheiße, was war das denn?“, entfuhr es Zero
„Zielerfassungs-Radar“ Sagte Markus völlig ohne Emotionen.
Nach den Worten wurden alle Blass.
„ Wer sollte uns den Abschießen, wir dürfen doch hier sein“, meinte Antonio. Stoppte dann aber und schaute zu dem Bryanter Offizier. „Die wissen doch das wir hier sein Dürfen oder?“

Kittys Augen weiteten sich …...
„Antonio, reiß dich zusammen“ Schrie Markus nun fast, er ahnte dass die Situation sehr Explosiv war.
Und wieder erklang das Geräusch doch diesmal nicht Piepend sondern gleich schreiend.

„Und Tschüß du Arsch.“
Fauchend schossen die Raketen aus den Läufen.

„Festhalten“, Schrie Kitty. Ihre Stimme überschlug sich fast dabei. Sie versuchte nun zu Retten was zu Retten war. Doch es schien nichts zu Passieren.
Sie Zerrte an den Kontrollen doch der Ripper rührte sich nicht. Als wenn er wüste das er sterben sollte, flog er im vollen Bewusstsein in sein Schicksal.
Kitty sah die Raketen vom Lindwurm aufsteigen und auf den Ripper zuschießen. Es waren einfach zu viele. Ihr war klar das selbst eine reichen würde um den Ripper vom Himmel zuholen.
Voller trotz schoss sie die Laser ab. Verfehlte aber.
„Auf Aufschlag vorbereiten“, schrie Markus als er hörte wie Kitty reagierte.

Sollte es so enden? Er wusste es nicht. Doch er hoffte es war nicht das Ende. So wollte er nicht sterben. Nach Jahrelangen Training nahm er seinen Kopf runter und legte in auf seine Knie. Er hoffte dass wenn es passieren sollte es sehr schnell ging.
Oder war nun seine Zeit gekommen? Er hatte schon einmal einen Absturz Überlebt. Doch das war damals ein Sturmlandungsboot gewesen und kein Hubschrauber. Aber dennoch war über die Hälfte der Jungs beim Aufschlag gestorben. Doch auch die, die den Aufschlag überlebten, konnten sich nicht Wirklich freuen.
Ein teil verbrannte eingeschlossen und die, die entkamen, konnten nichts tun, außer ihren Kameraden beim Sterben zuhören.

Kitty schaute den Raketen zu wie sie auf den Ripper zuschossen.
Für einen Augenblick schien es, als wenn die Welt den Atem anhalten würde.

„GETROFFEN, HA, PENNER, NA WAS SAGST DU JETZT?“
„Jo, geiler Schuss, ich glaub das gibt heute doch noch ein Feierabend Bier“
„Nicht nur eins, nicht nur eins.“

Dann traf den Ripper ein Riesenhammerschlag.
Die erste Rakete traf den Ripper über dem Cockpit. Panzerglas Splitterte.
Die Zweite Rakete traf das Rotor Gestänge und Riss es entzwei.
Die Dritte Rakete Durchschlug das Leitwerk, wodurch der Ripper sich nun anfing im Kreis zu drehen.
Die Vierte Rakete Riss die Seiten Wand auf, ein Schwall Feuer und Glühendes Metall Schoß ins Innere.
Die Fünfte Rakete Schlitze den Unterboden des Rippers auf, wodurch die Reaktor Abschirmung zusammenbrach.
Schließlich gab die Sechste und Letzte Rakete dem Ripper den Gnadenstoß. Sie Durchschlug die Front unterhalb des Cockpits. Und zerstörte die restliche Elektronik die noch Funktionierte.

Der Ripper viel wie ein Stein und schlug Hart auf der Straße auf.

Markus kam wieder zu sich. Er war benommen und sah alles verschwommen. Sterne tanzten vor seinen Augen und er hörte alles wie durch Watte. Feuer prasselte und irgendein Warnlicht flammte in regelmäßigen abständen auf. Doch was das alles zu bedeuten hatte wusste er nicht. Er versuchte die Benommenheit von sich abzuschütteln doch irgendwie gelang es ihm nicht so richtig. Erst als er abgeschnallt wurde kam er langsam zu sich und schaute auf.
„Sir, sind sie ok?“ Markus schaute erneut hin er konnte die Person immer noch nicht erkennen. Doch langsam lichtete sich der Nebel vor seinen Augen. „Ja, ich bin in Ordnung Tim.“
Markus schüttelte sich erneut und langsam kam das Leben zurück. Er stand auf zwar wackelig aber er stand. Wie es schien war er nicht mal verletzt.
Nun schaute er sich um. Tim war dabei Dominik aus seinem Sitz zu befreien er schien auch unverletzt zu sein.
Mikes Kopf war von einer Stahlstange Durchbohrt, die aus der Decke ragte.
Antonio hing bewusstlos in den Gurten. Sein kopf war Rußgeschwärzt. Selbst wenn er das Überleben sollte schien es auf den ersten Blick zweifelhaft das er keine Folgeschäden davon behielt.
Bob half Zero gerade aus seinem Sitz während der Bryanter Offizier Ralf half.
Markus schnappte sich seine Waffe und schnallte Antonio ab und zerrte ihn aus dem Ripper.
Dort wäre er beinahe mit Kitty zusammengeprallt. So schnell wie sie sich an ihm vorbei bewegte, rein in den Frachtraum des Helis, konnte er sie nur oberflächlich regestiereren.
Als er draußen war schaute er sich um. Alle waren nun draußen bis auf Mike.
Als Markus zurück zum Ripper wollte hielt Dominik ihn fest. „Sir, die Reaktor Abschirmung ist zusammengebrochen außerdem hat sich der Reaktor nicht abgeschaltet. Es könnte sein das er jeden Augenblick durchbrennen könnte.
"Mist" brummte er und sah wie Kitty aus den Frachtraum heraus rannte, irgendwas Längliches in der Hand hielt. Gemeinsam rannten die Überlebenden als ob der Teufel hinter ihnen her war, bloß weg von den Heli.
Sie hatten sich gerade hinter einer Häuserzeile begeben, als der Ripper tatsächlich explodierte. Zum Glück hielten die Häuser die Wucht der Explosion ab, nur ein paar Steine rieselten auf sie herab, aber bis auf ein paar Kratzer und Schürfwunden waren alle körperlich Gesund, mit Ausnahme von Antonio.

Überall um sie herum, schlugen Metall Splitter auf den Boden auf.
Doch sie hatten glück. Sie wurden nicht getroffen. Als keine Metall und Erdbrocken mehr niederprasselten, wurde Antonio erstversorgt Tim schaute hoch nachdem sie Antonio verbunden hatten.
„Wir müssen ihn so schnell wie möglich zu einem Arzt bringen, wenn er überleben soll und wir brauchen nochmehr Verbandszeug für Kittys Arm, den hat es auch schlimm erwischt."
Die anderen hatten bis auf Kratzer und schürfwunden keinerlei Verletzungen.

„Wir müssen hier weg.“ Sagte Markus. „Wie viel Ausrüstung konnten wir retten?“
„Bis auf unsere Waffen und einen erste Hilfe Kasten gar nichts.“ Antwortet Tim.
Markus nickte. Es war nicht viel aber es musste reichen.
„Wir müssen nun erstmal versuchen ein fahrbarer Untersatz zu finden damit wir hier wegkommen.“
Alle schauten Markus ziemlich verdutzt an.
„Dann sehen wir weiter.
Dominik du Hilfst Kitty, Ralf du nimmst Antonio.“
„Ich werde dir helfen“ Sagte der Bryanter Offizier. Ralf nickte dankend.
„Bob du nimmst die Spitze und Tim du deckst nach hinten.“
„Geht klar Boss“ Erwiderten alle gleichzeitig.
„Ok, los geht es. Achtet auf meine Zeichen. Abmarsch. Wir müssen hier weg bevor die nachschauen kommen ob wir wirklich tot sind.“

Sie kamen nur langsam vorwärts. Aber sie schafften es einen relativ sicheren Keller zu finden. Dort versteckten sie sich vor der Nacht.
Ein kleines Feuer Prasselte. Niemand sagte etwas. Alle aßen schweigend ihre Rationen.
„Wir werden morgen früh als erstes nach Fahrzeugspuren suchen. Dominik, Kitty Antonio ihr bleibt hier.“
Eigentlich erwartete er keine Antwort doch alle bestätigte sein Befehl.
„Jeder macht Heute Nacht Zwei stunden Wache, Ausgenommen Verletzte und Offiziere.“
„Ich möchte auch meinen teil beitragen“ Der Offizier schaute auf. „Nennen sie mich Mickael“
„Ok wie sie wollen. Tim, ich möchte dass du die letzte Wache machst. Bob du machst die erste. Ich selber werde die Hundswache übernehmen. So, alle anderen Hauen sich jetzt aufs Ohr. Der Morgige tag wird lang genug.

Markus fühlte sich wie gerädert als er morgens von Tim geweckt wurde.
„Hier Sir, Kaffe“
„Danke. Ist was vorgefallen?“, mit klammen Fingern griff er nach dem heißen Becher Kaffe.
„Nichts, Sir.“
Markus nickte.
Eine halbe stunde später waren alle abmarschbereit.
„Wenn etwas ist schießt eine Leuchtrakete ab. Wir werden so schnell wie möglich zurückkommen.“
Dominik nickte.
„Ok, Abmarsch und ich will keinen Laut hören.“
Die Reste des Trupps setzen sich in Bewegung.
Bis zum Mittag passierte nichts. Doch dann fanden sie Spuren eines Radfahrzeuges. Sie folgten ihnen und fanden schließlich den Verursacher. Einen Rad APC. Dieser stand bei einem Mech. Sie schienen hier eine pause zu machen. Sie Schlichen vorsichtig aus der Hörweite.
„Den schnappen wir uns. Es ist zwar gefährlich aber solange die Jungs mittags Pause machen und wir als ersten den Mech Piloten ausschalten sollten wir das schaffen können.“ Alle nickten. Kurz bevor sie zurück schleichen wollten kam ein Jeep angefahren. Der Trupp schlich sich zurück in Deckung.
Als der Jeep anhielt klang es nicht so als wenn die Besatzung etwas bemerkt hätte.

„Ach ja, wir haben niemanden bei den Trümmern gefunden. Sauberer Schuss. Leider ist der Heli Explodiert so das nicht mal was zum Bergen über geblieben ist. Er muss einen Reaktor gehabt haben. Das loch was er in die Straße gerissen hat ist riesig.“
„Was gibt es denn als Prämie für den Abschuss?“
„Nichts den es war unsere Verdammte Pflicht.“ Bekam er eine etwas Säuerliche antwort.
Etwas kleinlaut erwiderte einer der Panzerbesatzungsmitglieder „Man wird ja noch mal Fragen dürfen“
Der Mech Pilot stand auf und bewegte sich zu seinem Mech. Er kletterte ins Cockpit und entfernte sich mimt dem Mech von Lagerplatz.
„Boah, hat der wieder eine Laune.“ Maulte einer der Soldaten.

Markus gab Zeichen. Nun war das Ziel nicht mehr der APC sondern der Jeep.
Sie Robbten wieder etwas dichter rann und warteten darauf das die Jeep Besatzung sich auch was zu essen machte.
Dann gab Markus das Zeichen.
Und sie fingen an die Soldaten präzise aufs Korn zu nehmen.
So schnell wie das Feuergefecht begann so schnell war es vorbei. Nun lagen Sechs Tote Soldaten im Staub.
„Wir machen den APC unbrauchbar und Schnappen uns den Jeep. Bob Schau ihn dir an, wir werden den Panzer stilllegen“. Es dauerte nicht mal Fünf Minuten, dann waren sie fertig.
Kurz darauf stiegen sie auf den Jeep auf und Fuhren in die Nähe ihre Verstecks. Den Rest des Weges würden sie zu Fuß zurücklegen.
Sie aßen noch etwas und trugen dann Antonio zum Jeep.
„Ok, Bob ich werde Fahren du nimmst das dicke MG, Tim kommt zu mir nach Vorne, Zero geht nach hinten und nimm einen KSR Werfer mit. Ralf du gehst mit Mickael in die Zweite reihe, Dominik du nimmst Kitty und Antonio mit in die Dritte reihe. Noch Fragen ?“
Alle schüttelten mit dem Kopf.
„Ok losgeht´s. Aufsitzen.“
Markus schwang sich hinter das Lenkrad und wartete bis er ein Zeichen bekam das alle fertig waren.
Dann gab er Gas.
Er wusste dass ihr Basis Platz etwa 8 Flugstunden westlich von hier war. Also ein weiter weg.
Als er auf die Hauptstraße einbog konnten sie Kampflärm hören.
Es klang als wenn sich hier Mechs schlagen würden. Das konnte nur eins Bedeuten….
Er bremste Ruckartig und Wendete den Jeep. Nun Fuhr er mit allem was der Jeep hergab in Richtung Kampflärm.

Zwei Blocks weiter sahen sie Mechs, die sich bekämpften. Das konnte nur eins bedeuten.
Ohne zu überlegen schoss Markus auf eine Reihe Infanteristen zu die sich hinter Schuttwällen verbargen und einen KSR Werfer Luden.
Ohne einen Feuerbefehl erhalten zu haben, eröffnete Bob mit dem Fahrzeug MG das Feuer.
Die Infanteristen wurden Niedergemäht ohne auch nur einen Schuss abgegeben zu haben. Doch das Überraschungs-Moment was sie hatten, hielt nicht lange an.
Schon Prasselte Gewehr und leichtes MG Feuer an die Fahrzeugpanzerung. Doch Bob lies sich davon nicht beirren. Er war der Fleischgewordene Sensen Mann. Da wo der Lauf des MGs hinzeigte regnete es Tod und Verderben. Während dessen hatte Markus seine liebe mühe den Waagen auf der Straße zu halten.
Als langsam alle ihre Waffen einsetzten mussten, wusste er, dass sie viel zu dicht waren. Doch nun war es zu Spät.
Er hörte das fauchen von Zero seinem KSR Werfer. Als danach ein Jubeln zu hören war wusste er das Zero Getroffen hatte. Als er in den Spiegel sah, bemerkte er wie ein Jeep rauchend zu stehen kam.
Doch im Selben Augenblick traf etwas Riesengroßes den Jeep in der Seite. Markus lies aus Reflex das Lenkrad los.
Er wusste das es ihm sonnst die Handbrechen konnte. Der Jeep schleuderte umher und Bob wurde aus dem Drehkranz geworfen. Als der Jeep zum stehen kam hörten sie schon das Geräusch eines Mech MGs .
Reflexartig Trat Markus aufs Gas und tatsächlich schoss der Jeep nach vorne. Doch der am Boden liegende Bob hatte nicht so viel glück. Da wo er lag stieg nur eine Rote Wolke auf als das Mech MG die Straße Aufriss.
Alle wussten dass Bob Tot war. Wieder hörte Markus das Zischen eines KSR Werfers. Zero schoss seine letzte Rakete auf den Mech ab, verfehlte aber. Doch der Mechpilot gab so schnell nicht auf und setze dem Flüchtenden Jeep einen Laser hinterher. Aber er verfehlte den Jeep. Markus fuhr Zickzack um den Schüssen des Mechs auszuweichen. Doch die Straße ließ nicht allzu viel Spielraum. Ein Schuss der den Jeep verfehlt hatte Riss ein großes loch in die Straße. Markus konnte nicht mehr rechzeitig ausweichen. Der Jeep fuhr mit hoher Geschwindigkeit durch das loch. Dabei verlor er den Boden Kontackt, kam schräg am anderen ende des Kraters auf und fing an zu kippen.

Alle wurden heftig in die Gurte geworfen als der Jeep sich auf die Seite legte.
„Alle noch da?“, fragte Markus.
„Noch ja kam“, es ächzend zurück.
Sie halfen sich gegenseitig aus dem Wrack zu kommen. Nach einigen Anstrengungen gelang es ihnen.
Sie wussten dass sie weg mussten. Der Mech kam auf sie zu und sie konnten schon das Hämmern des MGs hören. Der Jeep hinter dem sie zuflucht gesucht haben wurde langsam aber sicher durch die Einschläge weggedrückt. Außerdem zeigten sich erste Risse im Bodenblech. Das hieß, dass die nächste Salve den Boden des Jeeps aufreißen würde.
Ralf hielt das ganze nicht mehr aus. Er rannte einfach los. Er wollte nur weg.
„Nein, bleib hier“, schrie Markus als Ralf aus der Deckung Rannte.
Doch es war schon zu Spät. Eine Wand aus geschossen raste auf Ralf zu, als dieser versuchte die Straße zu über queren, noch bevor er die nächste Deckung erreicht hatte verschwand er in wand aus Feuer und Rauch.
Wieder einer weniger dachte Markus. Er schaute zu dem Rest des Trupps, dieser Kauerte immer noch hinter dem Jeep. Jeder versuch die Straße zu überqueren war zum scheitern verurteilt und der Mech kam immer näher. Nicht mehr lange und er war da.
„Boss?“
Markus schaute in Richtung Tim. „Was los Tim ?“
„Wenn ich jetzt sage lauft ihr alle los. Ich werde ihm die Letzte Rakete die wir haben um die Ohren Hauen. Er wird gar nicht dazu kommen auf euch zu schieße.“
“Das wirst du schön bleiben lassen. Wenn du dein Kopf raus hältst wird er dich umlegen. Das weist du so gut wie ich.“
„Das ist die einzige Chance die ihr habt. Also tu was ein Alter Mann dir sagt. Es war schön unter dir zu Dienen.“
Tim Nickte Markus zu und hob sich den Werfer auf die Schulter.
„Haut jetzt ab“, mit diesen Worten drehte er sich in Richtung Mech. „Komm nur du Penner ich hab hier was zu Fressen für Dich.“
Markus wusste nicht was er tun sollte. Doch er musste etwas tun. „Los, los, los, rüber über die Straße und Zwar schnell.“
Kaum hatte Markus den Satz beendet schoss die Rakete aus dem Werfer.
Markus drehte sich nicht um und Rannte so schnell er konnte.
Er hörte hinter sich nur eine Explosion. Er wusste nicht ob es die Rakete von Tim war oder der Jeep, der nun Explodiert war.
Er ließ sich nach überqueren der Straße zu den anderen in ein Schutt Loch fallen.
Er Atmete schwer in seinem Helm.
„So auf mein Zeichen rennen wir zum Hauseingang da drüben. Kann den Eingang jeder sehen?“
„Ja, wir sehen ihn.“
„Ok, Fertigmachen. Und das mir Antonio ja nicht losgelassen wird.“

Plötzlich gab es eine schwere Erschütterung. Markus drehte sich um und Kroch zum Rand des Loches und Schaute vorsichtig raus. Der Mech der sie eben noch beschossen hatte, stand nun ohne Oberkörper, an seinem Platz. Nun schob sich ein anderer Mech in seinen Sichtbereich.
Er glaubte seinen Augen nicht zu Trauen. Der Mech trug die Abzeichen der Chevs.
Er ließ sich zurück gleiten nahm seinen Helm ab und sagte „Ich glaube wir haben sie gefunden“

AS-Angelfist
22.02.2005, 02:59
Outreach
Zeit unbekannt
Irgend wann im Januar

Es war nicht schwer heraus zu hören, für Markus, das die Einheit nicht über ein eigenes Sprungschiff verfügte. Wenn er ehrlich war hatte, er es auch nicht erwartet. Aber er wußte das ihn das Schiff, was ihn hergebracht hatte, nach der Werft etwas Luft hatte. Und wenn nicht, könnte man das arrangieren...

Er klopfte an der Tür des Majors.
„Sir, ich habe da ein Anliegen.“
„Kommen sie rein, Sergeant. Wo liegt das Problem?“
„Sir, ich habe gehört das die Einheit ein Sprungschiff braucht. Ich könnte es vielleicht arrangieren, das sich der Einheit eins anschließt. Für den normalen Tarif, ohne das auf die Einheit weitere Kosten zu kommen.“
„Klingt interessant... wenn das Angebot stimmt könnte man darüber Nachdenken.“
„Erhalte ich die Erlaubnis das Problem klären zu dürfen, Sir?“
„Ja versuchen sie ihr bestes."
„Jawohl, Sir.“
„Und Sergeant, egal was sie tun, das muß streng geheim bleiben, niemand außer uns beiden darf etwas davon mitbekommen. Ich möchte nicht, das irgendwelche Gerüchte zu schnell Hoch Kochen.“
„Jawohl, Sir.“

Markus verließ nach dem Gespräch das Büro
„Ich denke, wenn er nur die Hälfte schafft was er sagt, haben wir einen guten Fang gemacht“, dachte sich der Major. "Aber woher kenne ich ihn bloß? Irgendwann komme ich schon drauf..."

Markus arrangierte das Treffen
„Ah willkommen Herr van Rose.“
„Ich wünsche auch einen schönen Tag Captain Saenger.“
„Ich hoffe, es stört sie nicht, dass meine Tochter und ihr Verlobter ebenfalls dabei sind?“
„Nein, ich habe nichts dagegen. Es freut mich sie wieder zu sehen, Miß Sabrina“, er nickte in Richtung des Mannes, „Sebastian.“
Der junge Mann war gar nicht begeistert Markus zu sehen. Man sah es an seinem Gesichtsausdruck, während sich Miß Sabrina doch sehr zu freuen schien.

„Ich habe einen Vorschlag zu machen, was Ihre weitere Beschäftigung in unserer Firma betrifft.“
Der Captain schaute etwas verwirrt, während Sabrina Markus gespannt ansah und Sebastian ihn am liebsten an die Gurgel gegangen wäre.
„Nun ich höre.“ Man merkte, dass der Captain etwas verunsichert war.
„Also gut, es soll nicht zu Ihrem Schaden sein. Ich werde nun meinen Vorschlag erzählen und Sie können dann überlegen ob sie ihn annehmen.“

So fing Markus an, der Sprungschiff-Familie sein Angebot schmackhaft zu machen.
„Nachdem Sie Ihr Schiff in die Werft gebracht haben, haben sie meines Wissens nach keinen Folgeauftrag. Hiermit schlage ich Ihnen einen vor.
Die Firma wird den Vertrag den Sie mit uns haben aussetzten, was aber nicht bedeuten soll, dass Sie nicht mehr über die alten Privilegien verfügen. Die behalten Sie selbstverständlich solange der neue Vertrag läuft.
Hierbei geht es um Folgendes.
Sie werden eine Söldner-Einheit transportieren und den Standard-Transportkostenbeitrag kassieren. Da wir unseren Vertrag so lange ruhen lassen werden Sie 25% des Geldes der Söldner an die Firma weiterzahlen. Was dann immerhin einen Gewinn von 75% für Sie macht, im Hinblick darauf das Sie sämtliche Privilegien behalten, gutes Geld. Weiterhin sollten Sie überlegen, sich diese 25% durch sagen wir einen Gefahrenzuschlag zurück zu holen.
Aber beachten Sie, dass die Söldner nicht Unmengen von Geld haben. Nun, dies ist bestimmt harter Tobak, aber was halten sie von meinem Vorschlag?“

Der alte Mann sah ihn an und schien zu überlegen. Während dessen schaute Sabrina sehr verlegen abwechselnd zu Markus und Sebastian. Sebastian schien vor Wut gleich zu platzen und Markus schien gelassen abzuwarten.

„Nun ich denke damit können wir leben. Nur noch ein Detail möchte ich wissen.“
„Nun, ich höre.“
„Wie sieht das mit den Werftkosten aus, wird die Firma sie dennoch übernehmen?“ Der Captain schaute skeptisch.
Markus grinste. „Natürlich, denn der Vertrag beginnt ja erst nach der Werftzeit.“
„Dann werden wir den Vertrag annehmen.“
„NNNEEEIIIIINNNN! Das lasse ich nicht zu!“ Wütend war Sebastian aufgesprungen.
„SETZT DICH HIN UND HALT DIE KLAPPE!“, schrie plötzlich der Captain
Sebastian war immer noch wütend, dennoch setzte er sich wieder hin.
„Nur weil du Probleme mit ihm hast werde ich nicht zulassen das es unsere Familie ihren guten Ruf kostet. Außerdem war es ja wohl deine Schuld und nicht seine.“
Sebastian saß nun still da und funkelte Markus giftig an, während Sabrina errötete.
„Gut, Captain, ich werde es meinem Kommandeur unterbreiten. Ich werde dann den Vertrag aufsetzten und übermitteln, damit alles seine Richtigkeit hat.“
„Das klingt gut, Herr van Rose. Und ich hoffe, das der Ausbruch meines Schwiegersohns Sie nicht allzu sehr gekränkt hat.“
Markus lächelte den Captain an und reichte ihm die Hand.
„Nein. Aber es freut mich ganz besonders, dass Sie den Job machen wollen.“
Mit einem Lächeln gaben sich beide Männer die Hand und Markus verabschiedete sich von der Familie.

„Ich kann ihn nicht leiden, und du kriechst ihn ja auch noch in den Arsch“, schimpfte Sebastian.
„ACHTE AUF DEINE WORTE SEBASTIAN ÜBERLEGE GUT WAS DU UND VOR ALLEM WIE DU ES SAGST!“
Sebastian war plötzlich ganz leise. Er hatte Kapitän Saenger noch nie so wütend gesehen. War er Schuld, oder war es, weil Herr van Rose ihm dieses Angebot gemacht hatte?
„Ich will nichts mehr davon hören hast du mich verstanden? Es ist die Chance für uns Geld zu verdienen, was uns gehört. Ich denke, dass Herr van Rose ganz genau weiß, wie sehr wir das Geld brauchen. Also beherrsche dich nächstes Mal in seiner Gegenwart, hast du mich verstanden? Und es ist dein Problem, was da vorgefallen ist, nicht das unserer Familie.“
„Ja ich habe es verstanden, ABER FÜR MICH IST ES EINE FRAGE DER EHRE!“
„Da hättest du daran denken sollen, bevor es passiert ist. Und nun will ich nichts mehr davon hören!“

Leicht errötet folgte Sabrina Ihrem Vater und ihrem Verlobten. Ja, es war ihr peinlich, dass es herausgekommen ist, aber nicht das es passiert war. Nach langer Zeit wußte sie endlich wieder was es bedeutete, eine Frau zu sein.

Etwas später in einem Dunklen Büro
„Hier ist der vorläufige Vertrag, mit dem der Captain einverstanden war. Ich habe ihn Prüfen lassen durch unsere Rechtsabteilung damit es seine Richtigkeit hat. Der Einzige Unterschied zu einem Standart Vertrag besteht darin das der Captain eine Gefahrenzulage in Höhe von 25 Prozent haben will. Aber in Anbetracht der Tatsache das alles weitere somit kein Problem ist, habe ich es schon mal in den Vertrag eingebunden. Nun muß ich nur wissen was nicht in ihrem Sinne ist damit ich alles weitere mit ihm Abklären kann.“
„Puuh 25 Prozent ist eine Menge Geld. Könnte man das nicht etwas drücken, sagen wir auf 18 Prozent?“
„Ok, ich werde es ändern und mit den Captain abklären. Aber ich denke es wird gehen. Soll ich sonnst noch etwas Arrangieren?“
„Ja, wenn er akzeptiert muß er an diesen Koordinaten sein. Alles weitere befindet sich in dem Datenpad“, ein Datenpad wurde in dem Dunklem Raum über einen Tisch geschoben, der nur von dem Flimmern eines Monitors erhellt wurde. Eine andere Hand ergriff das Pad und ließ es ohne Verzögerung in eine Jackentasche verschwinden.
„Ich werde alles weitere Arrangieren. Und den Vertrag der Handelsgesellschaft zukommen lassen.“
„Machen sie das. Ich hoffe nur das es nicht zum schlimmsten kommen wird.“
„Vorsorge ist besser als Nachsorge. Wird schon alles schief gehen. Ich bin wieder weg.“
„Gut sagen sie mir Bescheid ob alles geklappt hat.“
„Werde ich.“

Es wurde eine Tür geöffnet und wieder geschlossen.

Etwas Später
„Es lief alles wie geplant. Er war mit 18% zufrieden. Wenn nichts Unvorhergesehenes Passiert, wird er da sein, soll ich ausrichten.“
Die andere Person nickte nur befriedigt
Jetzt mußte nur alles so laufen wie geplant...

Ironheart
23.02.2005, 17:47
Herbe Verluste

15 Kilometer Nördlich des Leipziger Raumhafens, Nord-Financial-District, Leipzig
Bryant, Chaos-Marken
4. Mai 3065

Mit Wut im Bauch schaute Doc zurück auf die beiden rauchenden Wracks des Fury von Sergeant Björn von Wissmann und des Kabuto von Finnegan Trent. Während Trent hatte aussteigen können, war Von Wissmann und seine Crew an Bord seines Panzers gestorben, dass wusste Doc. Mehrere direkte Treffer hatten die Seite des Panzers aufgerissen und bevor sich die Besatzung retten konnte, war der Fury explodiert und dichter Rauch quoll nun aus ihm hervor.
Er wusste nicht, was aus Trent werden würde, schließlich waren sie hier immer noch knapp 10 Klicks vom Landungsschiff entfernt, aber es gab im Moment nichts, was sie für ihn tun konnten.
Doc ließ die Chevaliers zurückziehen, sich gegenseitig so gut es ging Deckung gebend. Der zweite Mantikor, der Bulldog und sein eigener Mantikor feuerten abwechselnd auf die Blakisten und zogen sich zurück, während die vier Mechs Ihnen nachsetzten aber dabei primär versuchten Mikos Kampffalken zu erledigen.
`Arrogantes Mechpack` schoss es Doc durch den Kopf. Es war wieder einmal typisches Mechkriegerdenken das der wahre Feind eines Mechs immer nur ein anderer Mech sein konnte. Er nahm sich vor, sie eines besseren zu belehren.
„Doc 3 und 4 von Doc 1, nehmt euch den Lancelot vor. Ich gehe jede Wette ein, dass es ihr Sektionsführer ist. Wenn wir ihn ausschalten können, dann haben wir eine Chance.“
„Aye“ bestätigten beide Panzerführer und begannen mit ihrer Jagd.
Da ihm vor allem die Treffsicherheit des Lancelot Sorgen machte, war es eine logische Wahl. Die Crab, der Raijin und die Initiate waren bei weitem nicht so gefährlich gewesen, wie der Lancelot, der sowohl Von Wissmanns Panzer erledigt hatte, als auch den Kabuto mit einer Breitseite zum Fallen gebracht hatte, worauf hin sich die anderen den leichten Scoutmech hatten holen können.

Tom Obermaier, Dolittles Gunner an Bord des Mantikor, setzte einen azurblauen Schuss aus der PPK auf den Lancelot ab, verfehlte ihn aber. Etwas erfolgreicher waren die 10 LSR die er zeitgleich abgefeuert hatte. Immerhin sechs von Ihnen fraßen sich in das rechte Bein und raubten dem Mech wertvolle Panzerung. Die KSR und den mittleren Laser hielt Tom zurück, wahrscheinlich weil die Temperatur im Mantikor schon merklich gestiegen und die Trefferwahrscheinlichkeit zu gering war. Doc vertraute seinem Gunner blind, er wusste mit Sicherheit, was das richtige war.
Peter Niedermaiers Mantikor feuerte hingegen die PPK und die den mittleren Laser ab, aber der Lancelot hatte wieder Glück. Die PPK jagte an dem Mech vorbei direkt in ein dahinter liegendes vierstöckiges ehemaliges Wohn- und Gechäftshaus, welches durch die Wucht der Gausskugel wie ein Kartenhaus zusammenfiel. Einzig der mittlere Laser zerkochte Panzerung auf der linken Torsoseite.
James Battaglinis Bulldog war da etwas erfolgreicher, denn sein schwerer Laser jagte in den linken Arm des Mech und schälte dort förmlich die Panzerung ab.
Alles in allem waren das zwar nur moderate Schäden an dem Mech, doch trotzdem zeigten sie ihre Wirkung. Der Lancelot zog sich etwas zurück und die anderen drei Mechs deckten ihn, was wiederum Miko ein wenig Entlastung brachte.
„An alle Einheiten von Doc 1, zurückfallen lassen auf die Position der LKW´s. Wir müssen hier weg, oder die reiben uns auf. Hank,wie siehts bei dir aus?“
„Der Buc hier hält sich nich schlecht, ne? Wird´ne enge Sache…“
„Greta, wir kommen jetzt zu euch, könnt ihr euch abmarschbereit machen?“
„Werden wir wohl müssen…“ kam ihre trockene Antwort.

*************************************************

Evander Povlsen beobachtete das Geschehen unten im Tal von ihrer erhöhten Position aus durch ein Hochleistungsfernglas von einem der etwas kleineren Hügel aus. Neben ihm stand Kommandant Raducanu, Leutnant Gavripoulus und Jäger Olivier, alle mit ähnlichen Feldstechern bewaffnet und in dieselbe Richtung blickend.
Ungefähr einen Kilometer unter Ihnen konnten sie sehr schön beobachten, wie sich ein knappes Dutzend Mechs und Panzer gegenseitig beharkten, auch wenn die Sicht Ihnen ab und an von einigen Ruinen versperrt wurde. Zudem hatten sie mitverfolgen können, wie sich die LKW´s der Chevaliers mit zwei weiteren Mechs angelegt hatten und ein weiterer Mech der Chevaliers ihnen zu Hilfe geeilt war.
„Jäger Olivier? Wie viele LKW-Spuren haben sie noch einmal in die Anlage einfahren sehen?“ fragte Povlsen den Scout.
„Zwei“ antwortete der bärtige Fährtenleser und Evander wusste an der Art der Antwort, dass der erfahrenen Spurenleser sich nicht irrte.
„Hmm, ich zähle jetzt vier…“ murmelte Povlsen. Fragen über Fragen.
„Wenigstens wissen wir jetzt, wer die Angreifer sind“ gab er durch und holte sich einen der Mechs näher ran. Deutlich war das Abzeichen von Blakes Wort an einem Raijin zu erkennen.
„Und was haben diese dreckigen Söldner so wichtiges bei sich, dass die Blakies es sich holen wollen?“ hakte nun Leutnant Gavripoulus ein.
„Woher wissen sie, dass die Chevaliers etwas Wichtiges bei sich haben?“
Der Infanterieleutnant schnaubte kurz auf. „Naja, sie werden nicht den weiten Weg gekommen sein, nur um sich hier in dieser Einöde ein Gefecht zu liefern, wenn es nicht um etwas Wichtiges ginge, oder? Sollen wir eingreifen?“ fragte Leutnant Gavripoulus.
„Auf welcher Seite denn?“ fragte Kommandant Raducanu.
„Natürlich auf der Seite von Blakes Wort! Wir sind doch alle in der Anlage gewesen, in die diese dreckigen Söldner eingedrungen sind. Sie haben eine ehemalige Sternenbundbasis gefunden! Mein Gott, was auch immer sie da entwendet haben, es ist UNSER Eigentum. Count Dvensky wird nicht erfreut sein, wenn wir sie einfach so ziehen lassen.“
„Das mag stimmen aber wie lauten seine Befehle, Leutnant?“ fragte Raducanu scharf.
„Wir… wir können im Moment leider niemanden erreichen. Unser Sender ist zu schwach und da wir das Landungsschiff der Crusaders nicht mehr haben…“ Leutnant Gavripoulus schaute betrübt zu Boden.
Im Moment hatten sie wahrlich keine guten Karten. Sicher, irgendwann würde aus Brein oder Tscheljabinsk Entsatz kommen und sei es auch nur um zu sehen, was aus Ihnen geworden war. Aber derzeit konnten ihre Führungsoffiziere noch nicht einmal anfunken, um Ihnen von dem Verrat der Crusaders zu berichten, geschweige denn von der versteckten Anlage, die sie gefunden hatten.
„Und das heisst auch, solange wir keine weiteren Befehle erhalten, bleiben wir in der Nähe und schauen uns das Spektakel an.“
„Aber Kommandant…“
„Herrgott, Leutnant, was wollen sie denn tun? Wollen sie mit Knallfröschen werfen? Wir haben nicht mal Sicherheit darüber, ob Blakes Wort uns nicht auch angreifen würde. Ich frage mich nur, woher sie wussten, wo sie die Chevaliers finden konnten? Und warum sie bereits Mechs hier haben?“ fragte Raducanu mehr sich selbst als die anderen. Doch Povlsen fröstelte es bei der Frage, denn er wusste die Antwort, spielte jetzt aber natürlich den Ahnungslosen.
„Irgendwie müssen sie es in Erfahrung gebracht haben…“ Seine Gedanken wanderten zu seiner Begegnung mit dem Krächzer in Tscheljabinsk und langsam aber sicher wurde er den Eindruck nicht los, dass seine Optionen hier unbeschadet wieder rauszukommen, immer weiter sanken. Die Spinne verstand ihr Handwerk und selbst wenn sie das Gespräch zwischen ihm und dem Krächzer nicht hatte aufzeichnen können, so wusste sie doch, dass sie sich getroffen hatten. So oder so, sie würde sicher eins und eins zusammen zählen und ihn dafür verantwortlich machen. Und nachdem er und Raducanu bereits auf Outreach und durch die Anwerbung der Crusaders nicht die Ergebnisse gebracht hatten, die sie hätten bringen sollen, bestand zumindest die Gefahr, dass er im besten Fall sein Geld nicht bekommen würde. Den schlimmsten Fall wollte er sich gar nicht erst ausmalen.
Es gab für ihn eigentlich nur eine Möglichkeit, wie er seine Haut retten konnte. „Ich weiß nicht, Dorinel. Vielleicht werden wir uns die Sache doch noch mal näher anschauen müssen…“ sagte er und schaute in das fassungslose Gesicht seines Kollegen.

***********************************************

Greta Caprese hatte sich hinter einem der zerschossenen riesigen Reifen eines der LKW´s eingegraben und beobachtete die gegenüberliegende Häuserfront durch ihr Fernglas. Die Gegner feuerten ebenfalls nur noch sporadisch nachdem die Chevalier- und ROM-Kommandos ihre Treffsicherheit bewiesen und einige ihrer Gegner erledigt hatten.
Doch die momentane Stille trog, das wusste sie genau. Wahrscheinlich ordnete der gegnerische Kommandeur seine Männer neu und bereitete schon den nächsten Angriff vor.
Dann bemerkte die Adept Ivarson, der an ihre Seite kroch.
„Wie siehts aus, Adept? Sind ihre Männer bereit?“ fragte sie den ROM-Agenten.
„Bereit wenn sie es sind“ gab er kurz angebunden zurück. „Was machen unsere Freunde?“
„Sie lecken ihre Wunden, schätze ich. Haben wohl nicht mit soviel Gegenwehr gerechnet. Wie siehts mit ihren Verlusten aus?“
„Ich habe einen Mann verloren, einer ist verwundet. Und bei Ihnen?“
Greta schluckte kurz, bevor sie antwortete „Sechs der Pioniere sind tot, zwei verwundet. Meine Kommandos haben drei Mann verloren.“
„Dann haben wir immer noch 35 Leute, die wir auf die drei verbliebenen LKW verteilen müssen. Wird eng werden. Ausserdem fährt einer der LKW´s praktisch nur auf Felgen.“
„Wir haben keine andere Wahl“ gab die erfahrene Soldatin zurück „Wir müssen ihnen möglichst viele Ziele bieten. Ich hoffe nur, dass sie den LKW mit dem Satelliten nicht erwischen, sonst war alles umsonst.“ Sie wusste, dass es zwangsläufig höhere Verluste geben musste, wenn sie sich auf so knappem Platz drängen mussten. Aber hierzubleiben, war ebenfalls keine Alternative. Und in dem Augenblick krachte ein Schuss und ein weiterer der Pioniere sank von dem Sniper getroffen zusammen. Die Chevaliers antworteten aus vollen Rohren und belegten die knapp 50 Meter entfernte Häuserwand mit Feuer. Doch Caprese wusste, dass sie nichts treffen würden. „Verflucht, wir müssen hier weg. Sind ihre Sprengfallen platziert?“ fragte sie Ivarson. Bald würde Ihnen die Munition ausgehen und wenn die Sniper sich nicht einen nach dem anderen ihrer Leute holen würde, so würden die bereits näher rückenden Mechs Ihnen den Rest geben.
Ivarson nickte nur und Caprese öffnete eine Rundumleitung. „In Ordnung Leute, hier ist Caprese, macht euch abmarschbereit. In fünf Minuten machen wir uns mit den besprochenen LKW´s auf den Weg. Viel Glück euch allen!“
Nachdem eine Reihe von Bestätigungen durch die Leitung gekommen war, knackte diese erneut und eine weitere Stimme war zu hören. „Ähm, Sergeant Caprese, könnten sie uns eventuell mitnehmen?“
Greta Caprese runzelte die Stirn, die Stimme kam ihr bekannt vor, aber sie konnte sie im Augenblick nicht zuordnen. „Wer zur Hölle spricht da?“
„Hier spricht Sergeant Van Roose, wir sind in den Gebäuden östlich von Ihnen. Ich bin im Erdgeschoss des dritten Gebäudes und kann sie gerade sehen.“
Caprese ruckte mit dem Fernglas sofort an die angegebene Stelle und sah dort tatsächlich einen behelmten Soldaten, der zu ihr hinüberwinkte.
„Nehmen sie verdammt noch mal den Kopf runter, Mann. Die Blakies haben Scharfschützen aufgestellt.“
„Als ob ich das nicht wüsste“ gab Van Roose zurück. „Wir haben Ihnen ein paar im Süden vom Hals gehalten. Ich habe dabei ein paar meiner Männer verloren.“
„Wo ist der Rest ihrer Entsatztruppe?“
„Ich fürchte wir sind alles was kommen wird, Greta.“
„Scheisse!“ fluchte sie lauthals. Ein schöner Entsatz war das, auch wenn er ein paar der Infanteristen erledigt hatte, jetzt saßen sie genauso in der Patsche und mussten sogar auch noch befreit werden.
„Gut, Van Roose. Hören sie zu, wir müssen hier weg, Doc wird bald hier sein und in seinem Schlepptau ein paar wildgewordene Blake-Mechs. Schlagen sie sich sofort an das südöstliche Ende dieses Platzes durch, wir werden sie da aufsammeln, verstanden?“
„Wir haben einen Schwerverletzten bei uns…“
„Dann werden sie ihn tragen müssen.“
„Gut, wir werden gleich da sein.“
„In Ordnung“ gab Caprese zurück und hoffte, dass das auch für sie gelten würde.

Dann machten sie sich auf den Weg. Als die LKW´s Fahrt aufnahmen, feuerten die Blakies aus ihren Stellungen wieder aus allen Rohren. Caprese hoffte, dass es möglichst keinen Ihrer Leute erwischte, aber leider kamen mehrere Verlustmeldungen durch den den Funk durch. Sie hielten fast gar nicht an, als sie Sergeant Van Roose Truppe, eine Handvoll Soldaten nur, am Südost-Ende des Platzes einsammelten und machten sich dann mit Vollgas wieder auf den Weg.
Als Caprese sich zu den zurückgelassenen Blakies umblickte, erkannte sie mit Schrecken, dass das Spiel noch nicht vorbei war. Mehrere Jeeps und APC´s hielten jetzt vor den Gebäuden und sie konnte sehen, wie sich die Blakies aufsassen. Sie hatten ein paar hundert Meter Vorsprung, aber sie machte sich nichts vor. Selbst mit Vollgas würden sie nicht schnell genug sein und ihre Jäger würden sie bald eingeholt haben.
„Sagrudson, Van Roose, Ivarson, machen sie ihre Männer bereit. Wir werden bald wieder Gesellschaft kriegen, brüllte sie durch den Funk und begann auf das Dach des LKW´s zu klettern, indem sich der Satellit befand.
Sie legte sich bäuchlings, wie einige weitere Soldaten auch, auf das Dach des LKW und hakte sich mit ihrem Karabinerhaken an einer Verstrebung fest.
Dann schaute sie sich um. Ihr LKW, war der mittlere der drei und bildete gewissermaßen die Spitze eines Keils. Die anderen beiden LKW waren jeweils knapp 10 Meter hintereinander. Somit konnten sie fast die gesamte Breite der ehemaligen Sternenbundstraße ausfüllen und würden es ihren Verfolgern schwer machen, sie zu überholen und sich ihnen in den Weg zu stellen.
Mittlerweile hatte mal wieder Regen eingesetzt und sehr zu ihrem Schrecken waren die Straßen wieder seifig und rutschig geworden. Sie konnte nur hoffen, dass ihre Verfolger eben so sehr darunter leiden würden.
Minuten vergingen und Greta hatte fast schon die Hoffnung, dass sie die Blakies doch irgendwie abgeschüttelt hatten. Sie blickte nach vorne, der Rest ihres Konvois hatte nun den Financial District erreicht und war auf dem Weg Richtung Süden direkt auf die SKULLCRUSHER zu. Rechts und links von der breiten Schnellstraße ragten die ehemaligen Hochhäuser bzw. deren gespenstische Überreste in den Himmel. Einige von Ihnen waren zu riesigen Schutthalden in sich zusammengefallen, andere bestanden nur noch aus Skeletten. Durch diese beklemmende Schlucht aus Schutt und Beton rasten nun drei LKW´s um ihr Leben, einer davon kreischte und quitschte auf teilweise zerstörten Reifen und Funken der Felgen pflügten hinter dem Wagen her.
Greta glaubte in der verregneten Ferne die SKULL bereits ausmachen zu können, also mussten sie jetzt noch knapp fünf Klicks vom rettenden Landungsschiff entfernt sein und Hoffnung keimte in ihr auf. Sollten sie es vielleicht doch noch schaffen, ohne noch einmal kämpfen zu müssen?
Dann wurde diese Hoffnung jäh zerstört.
„Da kommen sie“ rief einer ihrer Männer aufgeregt und Greta blickte sich nach ihren Jägern um. Sie zählte sieben Jeeps, jeweils mit vier bis fünf Mann besetzt, dazu drei gepanzerte APC´s, die vielleicht noch knapp fünfhundert Meter entfernt waren, aber schnell näher kamen.
„Fahrer, gebt weiter Vollgas. Schützen, holt euch die Bastarde“ gab Caprese durch und der Kampf begann.

Als die Verfolger nahe genug waren, zuckten erneut Maschinengewehrsalven zu Ihnen herüber und Greta musste mit ansehen, wie einer ihrer Männer von einer Salve erfasst und zerfetzt wurde. Der Karabinerhaken hielt den Kommandosoldaten zwar am LKW, aber der Leichnam des Soldaten baumelte an der Seite herab. Zwei weitere ihrer Leute, ein ROM-Kommando und ein Pionier, hatten eben so wenig Glück. Ihre Körper landeten sogar auf dem Boden, wo sie sich überschlagend den Verfolger in den Weg waren. Ein Jeep wich in einer hektischen Ausweichbewegung aus, und die Salve des Maschinengewehrs hämmerte in den Himmel. Der zweite Leichnam wurde von einem der APC´s erfasst und wie eine Stoffpuppe durch die Luft gewirbelt.
„FEUER“ schrie Greta mit grimmigem Ausdruck im Gesicht, fest entschlossen ihre Leute zu rächen. Ungeachtet der Gefahr schnallte sie ihre umgehängte, tragbare KSR vom Rücken, kniete sich auf das Dach des LKW, zielte und schickte die KSR auf den Weg. Die Rakete zischte in einer Korkenzieherbahn durch die Luft und obwohl der Jeep, den sie aufs Korn genommen hatte, versuchte auszuweichen, wurde er voll getroffen. Explodierend und sich überschlagend blieb der Jeep zurück.
Greta warf sich gerade noch rechtzeitig wieder hin und spürte förmlich die Kugeln, die nur wenige Zentimeter an ihrem Ohr vorbei zusckten. Einer ihrer Kommandos hatte da weniger Glück. In einer Imitation ihrer Aktion kniete der Soldat sich hin und feuerte ebenfalls seine Rakete ab, Doch indem Augenblick, in dem er auf den Auslöser drückte, erwischte ihn eine volle Salve der Blakies und seine Rakete schoss zu kurz. Die Explosion riss einen Krater in den Boden, doch die Jeeps wichen gekonnt aus.
Doch als ein weiterer Jeep, getroffen von Ivarsons-ROM-Agenten in Flammen aufging, liessen sich die Verfolger ein wenig zurückfallen. Sie hielten sich zurück, das konnte Caprese förmlich spüren, denn sie hatten ihre KSR´s bislang noch nicht eingesetzt. Sie runzelte sie Stirn. Worauf warteten sie. In drei Klicks würden sie in Reichweite der SKULL-Geschütze sein und dann würden die Blakies sie nicht mehr aufhalten können.
Oder doch ?

Dann erkannte sie schlagartig, worauf ihr Gegner gewartet hatte. Rechts und links lag jetzt das letzte der großen Hochhäuser hinter Ihnen und sie schossen auf die freie Ebene vor der SKULLCRUSHER. Auch wenn immer noch zwei Kilometer entfernt ragte das Landungsschiff vor Ihnen in die Höhe, doch noch waren sie nicht in Reichweite ihrer schützenden Waffen. Und jetzt gaben die kleinen, flinken Jeeps der Blakisten erst richtig Gas. Alle fünf restlichen Jeeps überholten die rechts und links. Damit mussten die Chevs und ComStar-Soldaten nicht nur ihr Feuer aufteilen. Die Blakies pflückten noch ein paar ihrer Leute von den LKW´s. Dafür wurde zwar ein weiterer der Jeeps erledigt, aber die übrigen Jeeps rauschten an Ihnen vorbei.
„HALTET SIE AUF“ schrie Caprese, doch es war bereits zu spät. Einer der Jeeps setzte sich weit vor sie und drehte sich dann seitlich direkt in den Weg des Transporters
„Nicht anhalten“ schrie sie über Funk Sagrudson zu, der am Steuer des mittleren LKW´s saß. schrie Caprese, doch es kam noch schlimmer. Einer der Blakies auf dem Jeep zielte mit einer geschulterten KSR auf sie und noch bevor sie irgendetwas sagen konnte, war die Rakete bereits auf dem Weg zu Ihnen.
„Sagrudson, rauuu…“ schrie sie, doch die Explosion der Rakete direkt im Führerhaus hinderte sie daran, ihren Satz zu Ende zu bringen. Der jetzt führerlose LKW wurde abrupt langsamer und begann zu schliddern, worauf Greta vom Dach geworfen wurde. Der Karabinerhaken hielt sie aber in der Luft und sie wurde brutal gegen die Containerwand geworfen. Stöhnend stemmte sie sich gegen eine drohende Bewusstlosigkeit um ihm nächsten Augenblick wahrzunehmen, wie der LKW den deutlich kleineren Jeep rammte und wie ein Holzspielzeug durch die Luft wirbelte.
Das brachte den LKW nun endgültig zum stehen, zum Glück blieb er aber aufrecht und kippte nicht auch noch um.
„Bildet ein Dreieck“ rief sie den anderen beiden LKW´s über Funk zu, die jetzt auch abgebremst hatten und ihre Transporter nun auch in Stellung brachten. Schon zum zweiten Mal an diesem Tag, mussten sie sich einigeln, doch dieses Mal, war ihre Lage noch verzweifelter. Ohne Führerhaus des LKW´s der den Satelliten trug, waren sie verloren. Und dabei war das Ziel schon so nah.
Unter Schmerzen schnitt sich Greta von ihrem Halterungsseil los und kam schmerzhaft auf dem Boden auf. Ein glühendheisser Schmerz in ihrer Seite kündete von mindestens einer gebrochenen Rippe, doch sie biss die Zähne zusammen und wankte zum Führerhaus in der Hoffnung, Sagrudson hätte ihre Warnung rechtzeitig gehört und wäre ausgestiegen.
Doch die Hoffnung bewahrheitete sich nicht. Verzweifelt musste sie drei verkohlte Leichen in dem immer noch brennenden Führerhaus erkennen, eines davon, dass sich verzweifelt um das Lenkrad geklammert hatte, damit der LKW nicht kippte.
„Greta, verflucht, geh in Deckung“ hörte sie Sergeant Van Roose rufen, der zusammen mit Ivarson die Verteidigung organisierte. Erneut hatten sich die Chevaliers und ROM-Agenten in einer improvisierten Verteidigungsstellung verschanzt, während die Blakies mit den übrig gebliebenen Jeeps um sie herum flitzten und die Soldaten aus den APCs ausstiegen und sie zu umzingeln begannen. Während Caprese niedergeschlagen in Deckung ging, erinnerte die Szenerie sie ein wenig an einen altertümlichen Film, wo sich einige Siedler in einer Wagenburg verschanzt hatten, während einige merkwürdig bunt bemalte Krieger auf Pferden um sie herum ritten.
Am Ende war die Kavallerie gekommen und hatte die Siedler gerettet. Doch irgendwie bezweifelte Greta, dass es heute auch so sein würde.

**************************************************

3 Kilometer Nördlich der SKULLCRUSHER, Financial-District, Leipzig
Bryant, Chaos-Marken
4. Mai 3065

Irgendwie war der Rückzug nicht ganz so verlaufen, wie Doc es sich gewünscht hatte. Die Pioniere und Kommandos hatten es nicht bis zum Landungsschiff zurückgeschafft, sondern waren frustierenderweise erst kurz vor der SKULLCRUSHER durch Blakes-Wort-Infanterie aufgehalten worden.
Jetzt steckten sie zum zweiten Mal fest, doch dieses Mal war die Lage noch verzweifelter als zuvor. Caprese meldete nicht nur den Tod von fast einem Drittel ihrer Leute. Es hatte auch noch Sagrudson erwischt, ein schwerer Verlust für die Chevaliers.
Sie waren gerade so außerhalb der Reichweite der Schiffsgeschütze und waren von der Blakes-Wort-Infanterie eingekreist worden. Seine Mechs und Panzer konnten Ihnen nicht wirklich zu Hilfe kommen, auch wenn sie in diesem Augenblick auf den Vorplatz zur SKULLCRUSHER traten. Aber sie mussten sich im Augenblick selber erheblich zur Wehr setzen.
Sein eigener Mantikor war bereits schwer angeschlagen, Niedermayer und Battaglini ging es nicht sehr viel besser. Miko´s Kampffalke hatte einen ihrer Arme verloren und humpelte bereits. Und Hank, der in der Zwischenzeit von seinem Einzelduell mit dem Buccaneer wieder zu Ihnen gestossen war, musste im Moment das Hauptfeuer der Angreifer schlucken. Wäre er nicht ein so erfahrener Mechpilot, hätte er bestimmt schon längst das Zeitliche gesegnet.
Und es war vielleicht auch nur eine Frage der Zeit, bis das passieren würde.
Doc hatte keine Wahl, er musste den folgenden Befehl einfach geben.
„Greta von Doc 1, setz die Sprengladungen an, hörst Du? Der Prototyp darf den Blakies nicht in die Hände fallen. Am besten ihr jagt die Pläne auch gleich mit hoch, oder ihr versucht sie irgendwie zur SKULL zu bringen.“ Er wartete ihre Bestätigung ab, dann fuhr er fort. „Scouts und Höllenhunde von Doc 1, haltet noch fünf Minuten die Stellung, dann Rückzug zum Landungsschiff, verstanden? Gebt den Infanteristen Feuerschutz und dann nichts wie weg hier.“
Wütend hieb Doc gegen die Konsole, nachdem er den Befehl durchgegeben hatte. Er hätte den Prototyp gerne noch gerettet, aber sie hatten keine andere Wahl.
„Vorsicht“ gab Aki durch „Der Raijin nimmt uns wieder unter Feuer.“
„Ich hab´ ihn gesehen , ich hab´ ihn ges…“ gab die Viviane Hou, Fahrerin des Panzers, durch.
Dann kam der Einschlag. Sechs Blitz-KSR Raketen schlugen in die ohnehin schon stark beschägigte rechte Seite ein und zerfetzten die Restpanzerung, die geblieben war. Doch noch schlimmer war, dass eine der Raketen durchschlug. Viviane Hou hatte keine Chance, innerhalb von Sekundenbruchteilen wurde ihr Körper in kleine Schnipsel zerfetzt und explodierte förmlich im engen Innenleben des Mantikor.
„AAARRGGHHH“ schrie Tom Obermaier mit weit aufgerissenen Augen und über und über mit Vivianes Blut besudelt.
„Scheisse, Tom, reiss dich zusammen und erwider das Feuer“ schrie Doc, während er die Kontrolle des Mantikor übernahm um sich von dem Raijin abzusetzen. Doch es war zu spät. Der Mech setzte mit seinen 3 ER Medium Lasern und seinem schweren Laser nach und obwohl Doc versuchte, die weniger beschädigte linke Seite als Ziel anzubieten, trafen fast alle Laser die rechte Seite, zerkochten Panzerung und liessen die bereits beschädigte Kette abspringen.
Doc realisierte als erster das hässliche Kreischen von Metall auf dem Boden und er wusste, was jetzt passiert war.
„RAUS, LOS RAUUUS“ schrie er und hämmerte sich selbst auf den Fünfpunktgurt und machte sich auf den Weg ins Freie durch die hintere Luke. Nach oben auszusteigen wäre Wahnsinn gewesen, da der Raijin sicher bereits die nächste Salve scharf machte, um ihnen endgültig den Todesstoss zu versetzen. Er sah, wie Aki sich durch die Luke zwängte, gefolgt von Tom.
Dann schlugen die Raketen erneut ein. Zwei detonierten zu weit vorne und warfen nur kurz vor der jetzt auf dem Boden liegenden Panzerkette Erde auf. Drei weitere Raketen zerpflügten die eh schon arg beschädigte Panzerung auf der rechten Seite. Doch die letzte Rakete traf wieder exakt die Stelle, an der ursprünglich Viviane Hou gesessen hatte. Und dieses Mal explodierte die Rakete mitten im Panzer.
Die Gewalt der Explosion hob den Panzerturm zwei Meter in die Höhe, dann gewann die Schwerkraft wieder Oberhand und der Turm krachte auf die Aufbauten des Mantikor.
Doc, der in diesem Augenblick mitten in der Ausstiegsluke steckte, wurde von der Wucht der Explosion wie eine Kanonenkugel nach draußen geschleudert, wo er mehrmals auf dem Boden aufschlug, ehe er auf dem Boden liegen blieb.
Einen kleinen Augenblick lang verspürte er einen unsagbaren Schmerz, der seine Welt in eine grelle Helligkeit zu verwandeln schien. Doch dann spürte er gar nichts mehr. Nicht mal mehr den warmen Regen, der auf seinen blutenden, zerschundenen und sterbenden Körper fiel.

***************************************

„Nein, nein, vergesst es“ zischte Sergeant Van Roose zu Greta Caprese und Adept Ivarson. „Wir lassen euch nicht zurück.“
„Jetzt sei mal nicht so gottverflucht heroisch, O.k.?“ herrschte ihn Greta Caprese an. „Ich würde liebend gerne selber mit euch mit, aber…“ sie zeigte auf die tiefe Wunde in ihrem Bein und machte damit klar, dass sie damit nicht weit kommen würde. Der Kampf mit den Blakies war hart gewesen, aber letztlich hatten die eingekesselten Chevaliers und ROM-Agenten die Jeeps und APC´s der Angreifer außer Gefecht schiessen können, hatten dabei aber selbst teils erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Greta war von einer Granate getroffen worden, etliche Splitter hatten sie am Bein getroffen. Zum Glück hatten sie die Blutung stillen können, aber laufen konnte sie mit diesem Bein nicht.
Von Greta´s 11 Kameraden standen nur noch vier. Adept Ivarson hatte sechs seiner 12 ROM-Kommandos verloren. Von den ursprünglich 21 Pionieren lebten nur noch 11. Und von Sergeant Van Roose´s Leuten hatte es auch schon einen erwischt und zwar zu allem Übel auch noch den Bryanter Verbindungsoffizier.
„Greta hat Recht“ ging Ivarson dazwischen. „Einer von uns muss die Pläne rausbringen.“ Er drückte Van Roose einen silbernen Aluminium-Koffer in die Hand. „Schnell, ihr müsst den Ausbruch machen, bevor sie uns vollkommen eingekreist haben. Meine Kommandos halten euch die Hintertür auf, dann kommen wir euch hinterher.“
„Das ist doch Wahninn“ gab Van Roose zurück. „Das sind fast zwei Klicks, mehr oder weniger durch offenes Gelände.“ Er blickte die Strecke zum Landungsschiff an und sah, dass es nur wenige Möglichkeiten gab, um in Deckung zu gehen.
„Wir haben keine andere Wahl. Die Panzer und Mechs haben eigene Sorgen, Doc ist ausgefallen. Wir werden sie schon lange genung hinhalten. Ihr müsst nur die knapp fünfhundert Meter schaffen, bis ihr in Reichweite der Geschütze der SKULL seid. Van der Merves weiß bereits Bescheid, die Bordschützen werden euch Rückendeckung geben.“
„Und was ist mit deren Mechs? Die werden uns doch zum Frühstück verspeisen.“
„Unsere Mechs und Panzer halten sie solange es geht auf.“
„Na gut, aber ihr kommt gleich nach? Wie wollt ihr sie…?“
„Ich werde sie tragen“ gab Ivarson.
„Und der Prototyp des Satelliten?“
Greta hielt einen gesicherten Funkzünder hoch. „Die Blakies werden den Satelliten nicht in einem Stück bekommen“ grinste sie schwach.
Ivarson drückte jetzt auch Van Roose so einen Funkzünder in die Hand. „Das gilt auch für diesen Koffer, verstanden? Sollten sie es nicht schaffen, dann jagen sie die Pläne in die Luft. Ist das klar?“
Van Roose nickte nur und betrachtete den Zünder in seiner Hand. „Ist klar!“ Dann schritt er die Reihe seiner Leute ab.
Als sie soweit waren, gab er Ivarson ein Signal und die ROM-Kommandos eröffneten das Feuer. Wie die Verrückten preschten die übrig gebliebenen Pioniere und Chevaliers-Kommandos Richtung Süden, ebenfalls aus allen Rohren feuernd.
Greta konnte von ihrer Position aus nicht sehen, was passierte, aber sie konnte nur hoffen, dass der Ausbruchversuch von Sergeant Van Roose klappen würde und sie nicht allesamt niedergemäht wurden.
Sie bekam keine Gelegenheit um nachzuschauen, denn jetzt rief einer der Kommandos „SIE KOMMEN…“ und eröffnete das Feuer in Richtung Norden. Ein paar Salven konnte er abfeuern, dann wurde er selbst erwischt. Anscheinend waren die Blakies nun selbst im Vormarsch um sich die LKW´s zu holen. Ein weiterer Kommandosoldat ging getroffen zu Boden.
Greta entsicherte den Funkzünder und sah gerade noch, wie ein weiterer ROM-Agent auf der anderen Seite eine Granate warf und feuerte so gut es ging. Dann ruckte auch sein Kopf getroffen nach hinten.
„Ivarson, verschwinden sie“ zischte Caprese. Doch Ivarson schüttelte den Kopf. „Zu spät“ hauchte er zurück und machte sich seine Waffe nach allen Seiten sichernd bereit für die Angreifer und seine drei letzten Männer.
„Van Roose, wenn sie mich hören, rennen sie. Rennen sie was das Zeug hält. Wir halten sie Ihnen vom Leibe so lange es geht.“
Dann ging eine Granate mitten in ihrer Mitte hoch und Greta ließ den Zünder fallen. Rauch bedeckte ihr Sichtfeld, während die hustend und würgend nach dem Auslöser suchte, in dem sie über den Boden kroch. Warum hatte sie den Zünder nicht sofort betätigt. Jetzt war alles verloren, der Satellit würde ihren feinden in die Händer fallen. Schüsse zuckten durch den Rauch und ein weiterer der ROM-Kommandos fiel direkt vor ihr um. Sie hörte Ivarson hinter sich brüllen und dann verstummte auch er.
Als der Nebel sich langsam lichtete, versuchte sie verzweifelt mit tränenden Augen den Zünder zu entdecken.
Doch was sie sah, trieb ihr nur noch mehr Tränen in die Augen.
Vor ihr standen vier Blakes-Wort Soldaten und visierten sie mit ihren Waffen an. Der vorderste von Ihnen nahm seinen Helm ab und Greta erschauerte bei seinem Anblick.
„Sie haben etwas, das mirchhrr gehörchhrrt, nicht wahrchrr?“

Andai Pryde
24.02.2005, 19:57
Nadirsprunpunkt Bryant System

Grummelnd blickte Nigel Martyn sich auf der Brücke seines Schiffes um, oder sollte er ehemaligen Schiffes sagen?
Nein!
Vier Blakes Wort Agenten mit vorgehaltenen Sturmgewehre und sechs Mechkrieger waren keine Streitmacht um die vierzig Mann starke Crew der Freedom ausschalten zu können, und das Schiff zu fliegen.
Und genau das machte Nigel stutzig.
Warum waren es nur so wenige Blakisten? Für ein Schiff der Overlordgröße war das doch etwas wenig. Selbst bei bester Ausbildung. Hinzukam die relative Verteilung an Bord des Schiffes. Soweit Nigel bekannt war, befand sich einer auf der Brücke, die drei weiteren Agenten patoullierten durch das ganze Schiff, während die Mechkrieger sich größtenteils bei ihren maschinen aufhielten.
Glücklicherweise hatte Nigel jahrelang auf so einen Fall hingearbeitet, das du die Tatsache, dass der letzte Neuzugang innerhalb der Crew beinahe drei Jahre zurück lag, sorgte dafür, dass er sich auf seine Crew in solchen Fällen verlassen konnte.
Dennoch es würde Verluste geben, doch darüber würde er später nachdenken, jetzt gab es wichtigeres zu tun.

Nigel blickte auf den Sensorschirm und verfolgte die Operation der Blakisten.
Die Zechetinu Korvette drehte sich leicht ein und richtete sich für das Auflademanöver ein.
Die Klappen der Heckladekammern öffneten sich und das Sonnensegel wurde ausgefaltet.
Misstrauisch beäugte Nigel das Blakes Wort Schwert auf dem Segel und blickte durch das Loch in der Mitte gen Sonne.
Doch hatte er zu wenig für das Spektakel übrig, das ihm der Gigant bot.
Eine Idee beschlich ihn.
Sein Blick glitt kurz zu Junee, die mit einem Verband um die Stirn an der Hilfskonsole stand und die hereinkommenden Daten überwachte.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, schaute sie auf und ihre Blicke trafen sich.
Kurz.
Dann wanderte Nigels Blick zu dem Blakistenakoluthen, der mit seinem Gewehr am Brückenschott stand und gähnend das Geschehen auf dem Hauptschirm verfolgte.
Junee schlug schnell zu. Sie wirbelte herum und ließ sich dann fallen, so dass Nigel sein Messer zücken konnte und es fliegen ließ.
Durch die Tatsache, dass die Korvette sich noch in Bewegung befunden hatte, reichte die restliche, verbliebene Schwerkraft auf dem Landungsschiff der Overlord Klasse mehr als genug aus, um die knapp zwanzig Zentimeter lange Klinge, geschmeidig und gezielt zu ihrem Ziel zu bringen.
Röchelnd ging der Mann zu Boden, die Hand am Heft des in seinem Hals steckenden Messers.

Junee schnappte sich das Gewehr und Akihiro der Navigationsoffizier griff sich den Leichnam und zog ihn vom Schott weg.
Nigel nickte stumm und wandte sich dann seiner Konsole zu.
Mit zwei kurzen Fingerbewegungen gab er den Code für den Notfall ein und mehrere Decks weiter unten würden diverse Lichter auf dem Schiff flackern und eine kurze Stromstörung simulieren.
Das Signal, dass ein Grossteil der Crew unmissverständlich verstehen würde.
„OK, Brücke abriegeln und bereit halten.“
„Aye, Skip.“
Junee trat an ihn heran, das Gewehr umgehängt und blickte ihn fragend an.
„Und was jetzt?“
Nigel deutet auf die Korvette.
„Erst einmal von dem Ding da loskommen.“
„Jonas wie steht’s, bereit für ein paar kleinere Kunststückchen?“
„Na aber immer doch Skip.“
Der ehemalige lyranische Jagd- und Schiffspilot nickte freudig und schnallte sich dann an.
Seine Hände verharrten abwartend an den Kontrollen des Schiffes.
„Nigel, wie stellst du dir das vor, selbst mit maximaler Beschleunigung können die uns über Kilometer hin wegpusten.“
„Keine Sorge, das werden sie schon nicht.“
Dann wandte er sich an seinen Waffenoffizier.
„Sofie, wie gut kennst du dich mit dem Bauplan einer Zechetinu aus?“
„Huh eher mäßig Skip, das Teil ist ziemlich neu, aber ich denke ausreichend, warum?“
„Nun ich möchte ein paar gezielte Schüsse auf Stellen, wo es so richtig wehtut.“
Sofie blickte ihn kurz zweifelnd, dann nachdenklich an.
„Ich glaub, ich wüsste da was.“
Sie wandte sich um und tippte auf ihrer Konsole herum.
Auf der Brücke herrschte mittlerweile nicht mehr die beklemmende Atmosphäre der vorherigen Minuten, sondern eine freudig, gespannte Arbeitsatmosphäre, wie Nigel sie von seiner Brückencrew gewöhnt war.
„Gut. Jonas sobald ich den Befehl gebe, legen sie ab und steuern auf das Sonnensegel zu. Sofie feuert dann auf die Teile, die ihr wichtig erscheinen und wir machen uns dort davon.“
Er deutet auf das Loch genau in der Mitte des Sonnensegels.
Genau dort, wo das Heft des Blakes Wort Schwertes auf den kleinen Stern des Logos traf.
Ein erstauntes Pfeifen kam vom Piloten.
„Hui. Das wird hart, aber OK, Skip.“
„Nigel, du bist verrückt.“
Junee grinste ihn an und schwang sich dann auf ihren Sitz und schnallte sich an.
Nigel lächelte nicht, grimmig entschlossen setzte er sich auf seinen Kapitänsstuhl und starrte auf den breiten, grau-weißen Rumpf des Kriegsschiffes.
„Jetzt. Jonas!“
Mit einem leisem.„Das wird wehtun.“ Gab der Pilot vollen Rückwärtsschub und riss das Landungsschiff förmlich von dem Dockkragen los.
Metallfragmente ergossen sich in die Leere des Alls und der Overlord entfernte sich, Teile des Kragens noch am Rumpf hängend, von der Korvette.
Beinahe zeitgleich blitzen die Geschütze des eiförmigen Schiffes kurz auf und trafen diverse Stellen an der Korvette.
„Hab ihn. Is nicht viel, Skip, aber ihre Backbord Sensoren sind so gut wie taub und ich dürfte eine der Energiekupplungen erwischt haben. Das macht es ihnen zumindest schwerer auf uns zu Schießen. „
„Sehr gut Sofie. Jonas.“
„Aye.“
Das Schiff beschleunigte und raste auf das Sonnensegel zu.
Gebannt blickte Nigel auf das Loch in der Mitte und die Sterne dahinter, es würde eng werden.
„Festhalten.“
Ein scharfes Knirschen und ein schabendes Geräusch zogen sich durch das Schiff, als das größere Schiff sich durch das kleinere Loch des Sonnensegels zwängte und einen guten Teil des leicht gepanzerten Segels mit sich riss.
„Und jetzt zum Planeten. Wir gehen steil rein und halten auf den nördlichsten Pol zu. Hoffen wir, dass uns das Bryanter Wetter wenigstes etwas hilft.“

Andai Pryde
24.02.2005, 20:01
Passagierschiff Perlende Träne angedockt an Sprungschiff Diablo
Nadirsprungpunkt Zürich System, Chaos Mark

21. Mai 3065


Lächelnd kam Lydia aus ihrer Nasszelle und beobachtete, wie sich der nackte Brustkorb ihres Bettgefährten leicht senkte und wieder hob.
Die letzten Tage waren sehr angenehm gewesen und Tsui hatte sich als überaus angenehmer Begleiter und Gesprächspartner erwiesen.
Die Unterhaltungen mit ihm waren überaus erfrischend gewesen, von der Politik der Konföderation Capella, wie auch einigen höchst exotischen Plätzen und Planeten, sowie Sitten, die sie wohl nie verstehen würde.
Dafür konnte sie ihrerseits mit interessanten Geschichten über die Clans aufwarten, was Tsui mit überaus neugierigen zuhören bestaunt hatte. Dann hatte Lydia die Dreistigkeit besessen ihm von ihrem Jäger vorzuschwärmen und war mit ihm in den Simulator gestiegen, er war nicht sonderlich gut gewesen, aber seine Behauptung er könne fliegen, hatte zumindest gestimmt, zumindest auf den Punkt Schub geben und geradeaus fliegen...nun ja die ein oder andere Kursänderung wollte sie ihm dann zu gestehen.

Tja und jetzt lag er hier, in ihrem Bett, in ihrem Quartier und schlief den Schlaf der Gerechten, so wie die letzten Tage auch.
Manchmal war auch so etwas überaus erfrischend.
Leider würde es schon bald vorbei sein. Der Sprung nach Outreach war in etwa einer Stunde angesetzt. Dann folgte der Flug zum Planeten, der voraussichtlich eine Woche in Anspruch nehmen würde und dann wäre alles wieder vorbei.
Für Lydia war klar, dass sie getrennte Wege gehen würden. Sie hatte vor Söldner zu werden. Der Gedanke daran gefiel ihr nicht, aber als ehemalige lyranische Offizierin hatte sie wenig Interesse, in einem aussichts- und sinnlosen Kampf verpulvert zu werden.

Sie lächelte wieder i Richtung Tsuis und musterte noch einmal seinen Körper. Er war etwas bleicher, als die meisten Asiaten und hatte einen drahtig, athletischen Körper. Auf ihre Anfrage hin hatte er zugegeben, dass er Thai Chi praktizierte und darin recht gut war.
Allerdings hatte bei dem Angebot es ihr beizubringen Lydias Interesse aufgehört. Sie betäschelte kurz ihren kleinen Bauchansatz.
Nein, ich bin Pilotin und keine Kampfsportlerin, dafür bin ich nun wieder nicht fit genug.
Bei einem weiteren Blick zu dem Mann im Bett, fiel ihr wieder die Narbe auf, die sich quer über den Rücken, beinahe Parallel zur Wirbelsäule zog.
Sie ging zum bett, hielt das Handtuch fest, dass sie sich um den Körper geschlungen hatte und setzte sich vorsichtig, auf das weiche material des Bettes, um dann über die leicht rosafarbene Verletzung zu streiche.
Sie war rau und weich zugleich, hatte etwas entstellendes, aber auch faszinierendes, was Lydia verwunderte, prinzipiell ekelte sie sich vor solchen dingen, es war nicht nur ein Zeichen von Schwäche, sondern auch von Unfähigkeit, zwei Dinge die sie allerdings mit Tsui nicht in Verbindung bringen konnte. Bisher war er immer sehr selbstsicher aufgetreten, auch wenn man erkannte, dass er sich voraussichtlich nicht mit ihr messen würde können.

Tsui brabbelte irgendetwas und drehte sich leicht weg. Vorsichtig zog Lydia ihre Hand wieder weg und lächelte leicht.
Er konnte so süß sein, wie er dort lag, den kopf tief in das Kissen gedrückt und den Speichel, der leicht aus seinem Mundwinkel lief.
Noch immer lächelnd griff sie zu ihrer Wasserflasche und schraubte den Deckel auf.
Es war zwar verboten solche Flaschen auf Raumschiffen zu nutzen, wegen der Schwerelosigkeit und so weiter, aber Lydia interessierte das herzlich wenig, zur Zeit war Schwerkraft vorhanden und wenn es auch nur durch die leichte Bewegung der Diablo kam, die in Position glitt für den nächsten Sprung.
Sie hob die Flasche an und trank einen Schluck vom erfrischenden, kühlen Nass.
Dann setzte sie die Flasche wieder ab, verschloss sie und ließ sie los.
Eher schwebend als fallend glitt sie bei der geringen Schwerkraft zu Boden.
Lydia ergriff sie wieder und stellte sie zurück in die vorgesehene Halterung für Getränke.
Wer hatte schon Lust eine Plastikflasche gegen den kopf zu bekommen, bei einem härtere Manöver.
Noch ein blick zu Tsui, dann stand Lydia auf und begab sich wieder in die Nasszelle.
Dort angekommen, rubbelte sie sich die Haare trocken und streifte sich ein leichtes Nachtgewand über.

Dann schlich sie sich zurück in den Hauptraum und in die warme Koje.
Zwei kurze Momente später lag sie entspannt, erfrischt und angekuschelt an Tsui und lächelte die Decke an.
Ihr Blickfeld verschwamm leicht und mit einem Blinzeln glich sie es wieder aus.
Sie warf einen Blick auf die Uhr.
Kurz vor Mitternacht. Bald ging es nach Outreach. Wieder verschwamm ihr Blickfeld.
Irritiert stellte Lydia fest, dass es nicht verschwand, sondern sich nach und nach verstärkte.
Sie richtete sich auf und sank urplötzlich wieder zurück in die Kissen.
Sie öffnete den Mund, doch eines leisen Tsui, kam nur ein Krächzen hervor.
Ihr rechter Arm begann zu zittern. Kurz darauf gefolgt vom linken.
Dann spürte sie ein unnatürliches Kribbeln, dass sich ihre Gliedmaßen entlang zog.
Was geschah hier. Kraftlos blickte sie zu Tsui.
Hatte er etwa...nein, niemals.
Plötzlich schlug dieser die Augen auf.
Eine unnatürliche Kälte starrte sie an und dann verzogen sich seine Mundwinkeln zu einem trockenen, humorlosen Lächeln.
Schwärze umfing Lydia und sein Gesicht brannte sich für immer auf ihrer Netzhaut ein.

drustran
26.02.2005, 00:15
Jean saß auf der Tragfläche seines Jägers, welcher den passenden Namen Inferno trug. Die Techs betrachteten ihn etwas verwundert, da er in seinem vollen Flightsuit auf der Tragfläche saß und nichts machte. (Er hasste diesen Elefantenanzug, wie er wegen seinen klobigen Stiefel genannt wurde, aber es war seine Arbeitskleidung.) Doch sie ließen ihn in Ruhe, da sie wussten, das Piloten eigen waren.
Jean bekam davon nichts mit, er war wo anders....

„Hellboy an Staffelführer, ich schnapp mir diesen Bastard, solange er noch in der Luft ist, gebt mir Deckung.“
„Sugar an Hellboy, habe verstanden, schnapp ihn dir, aber nicht alleine, nimm Devil mit, wir sorgen dafür, das sich niemand an eure Ärsche hängt.“
Somit war Jean und sein damaliger Flügelmann Joshua von der Leine gelassen. Während um sie herum die Luzifer der Staffel sich mit den Stingrays der Marik-Miliz eine heiße Luftschlacht lieferten, stürzten die beiden Corsairs auf das Marik Landungsschiff „Adler“ zu, welches eine Kompanie der Marik-Miliz ins Ziel bringen sollte. „Devil, direkter Anflug, Angriff auf die Steuerdüsen, Feuer auf die, die ich beschießen werde, dann schaffen wir es vielleicht, den Vogel in einem Anflug vom Himmel zu holen und uns diesen scheiß Backstein zu holen.“ „Verstanden Hellboy, dann gib mal ein Ziel vor und entfessle die Hölle!“, schrie Devil im vollen Kampfesrausch zurück. Dante legte seine Maschine in eine harte Rechtskurve und ließ den Jäger absinken, um das Landungsschiff von unten zu beschießen. Er tauchte unter dem Landungsschiff auf und nahm eine der vier empfindlichen Steuerdüsen des Union unter Feuer. Er sah noch, das seine schweren und mittelschweren Laser einschlugen, dass die Düse schwer beschädigt war und erste Aussetzer hatte, bevor er nach links unten abtauchte. Er schaute kurz über die Schulter nach hinten und sah seinen Flügelmann die selbe Düse treffen, welche in dem Moment endgültig versagte und erlosch. Er schaute wieder nach vorne und fing seine Maschine ab, sah auf den Radarschirm seinen Flügelmann links hinter ihm einschwenken und das Landungsschiff außer Kontrolle abstürzen. „Das war eine ganze Kompanie Bodenratten...“ sagte Devil über Funk. „Ja, eine ganze Kompanie“, dachte sich Jean „die keine Chance hatte, auch nur einen Schuss abzugeben oder sich zu wehren.“ Doch er verdrängte diese Gedanken schnell wieder, der Feind hätte es nicht anders gemacht. Plötzlich erzitterte der 50 Tonnen Jäger. Jean schaute auf die Schadensanzeige und fluchte, Etwas hatte seine rechte Tragfläche getroffen und fast eine ganze Tonne Panzerung weggeschmolzen. Er schaute sich um und entdeckte zwei feindliche Stingrays die sich von Hoch Sechs auf die beiden Corsairs stürzten. „Devil, nach links abrollen, jetzt.“, schrie Jean ins Kommsystem und sah wie sein Flügelmann wort- und zeitgenau seinem Befehl folgte und zwei PPK - Strahlen dort durch die Luft zischten, wo eben noch Devils Jäger war. „Sugar, wolltet ihr uns nicht den Rücken freihalten?“, fragte Jean ins Staffelkommnetz. Rocket meldete sich: „Sugar hat es erwischt, der verdammte Backstein hat ihn mit einer vollen Salve das Cockpit weggepustet, Hotspot ist auch raus, ausgestiegen und sicher am runtergleiten. Du bist jetzt der Staffelführer, Hellboy.“ „Verstanden, Rocket, schließ dich mit Ice zu einem Flügel zusammen und kommt her. Sie sollen uns nicht einzeln erwischen und nach und nach wegputzen...“ „Verstanden, Hellboy, Ice hat sich mir schon angeschlossen, haltet ihr die beiden Banditen etwas beschäftigt, wir sind gleich da, der Backstein ist wieder hoch.“, gab Rocket Jean durch. Dieser war aber momentan damit beschäftigt, diesen beiden Marikpiloten auszuweichen, die jetzt ihm ans Leder wollten. „Hellboy, Code Hot auf Null, drei... zwei ... eins.... null!“ Als Jean null hörte zog er seinen Jäger steil nach oben in einen Looping und ließ dabei die Maschine um ihre eigene Achse rotieren. Zur selben Zeit schoss von vorne der Jäger von Devil auf seiner ursprünglichen Bahn entgegen und eröffnete das Feuer auf den vorderen Marik Stingray. Die Marikpiloten, die durch dieses Manöver überrascht wurden, zogen ihre Maschinen nach oben weg und gingen auf Steigflug. Sie schienen einen Rückruf erhalten zu haben. Jean war es recht, er hatte schon zwei gute Freunde heute verloren und hatte kein Interesse daran, noch mehr zu verlieren. Er wollte seinen Jägern gerade den Rücksturz zur Basis befehlen, als aus den dichten Wolken über ihnen feuernd der Leopard JT mit den verbliebenen vier Stingrays brach. Das konzentrierte Feuer vernichtet Jushua´s Corsair. Die restlichen Maschinen der Söldnerstaffel spritzten auseinander um weiteren Beschuss zu entgehen. „OK, dafür werden die Bastarde büßen, Rocket an meine linke Fläche, Ice an die Rechte. Wir holen uns diesen verdammten Backstein. Ignoriert die Jäger soweit es geht und konzentriert das Feuer auf das empfindliche Heck des Schweinehundes... ich will ihn stürzen sehen.“ Die beiden anderen Piloten bestätigten und kamen an seine Seite, um sich dann zu dritt von oben auf den JT zu stürzen, welcher seinen Sturzflug selber am beenden war. Die Marik Jäger, die mit diesen Manövern besser zurecht kamen, waren sogar dabei, wieder Höhe zu gewinnen, aber jedoch nicht in der Lage, ihr Mutterschiff zu decken. Der schwere und die beiden mittelschweren Laser des JT feuerten, trafen jedoch nicht. Aber die drei Söldnerjäger, angestachelt durch ihre Wut, trafen um so besser. Das Feuer mehrerer schwerer und mittelschweren Laser schlugen in dem Heck des Landungsschiffes ein und ramponierten es. Dann schlugen die beiden LSR Salven der Luzifers in dem Heck ein und vervollständigten die Zerstörungsorgie. Das vor dem Angriff schon angeschlagene Heck brach und stürzte wild taumelnd davon. Der Leopard, nun seiner Hauptstabilisierung beraubt, machte nun seinem Spitznamen alle Ehre und sackte wie ein Backstein Richtung Planetenoberfläche weg. Jean bekam nur wenige Sekunden später ein Funkspruch. Er kam von einem der Marik Jägerpiloten, welche sich nun ihnen bedingungslos ergaben. Jean verstand diese Aktion zunächst nicht, doch dann bemerkte er auf dem Langstreckenradar die Ankunft schwerer Jäger, weitere Söldnermaschinen, die Dantes Gruppe unterstützen sollte. Dante wies die Marikpiloten an, ihre Waffensysteme zu deaktivieren und gab ihnen Koordinaten für eine Landestelle. Des Weiteren bestätigte er dem Staffelführer, das seine Leute gemäß der Ares-Konventionen behandelt und repatriiert werden würden. Nachdem er die Marik der Staffel schweren Jägern überantwortet hatte, gab er seinen beiden Leuten den Rücksturzbefehl.
Eine halbe Stunde später stieg er, Frederic „Rocket“ Dikir und Karina „Ice“ Henker aus ihren stark mitgenommen Maschinen und dankten Gott, das sie noch lebten....

Jean lehnte sich zurück, er hatte später erfahren, das etwas mehr als die Hälfte der Leute die Landungsschiffabstürze überlebt hatten. Er zog einen kleinen Flachmann aus einem Staufach im Cockpit und öffnete sie... er dachte an seine ehemaligen Geschwaderkameraden, die Lebenden und die Toten, hob den Behälter und nahm einen Schluck. Laut den Bestimmungen machte er sich strafbar damit, mitten im Dienst Alkohol zu trinken, aber so etwas war Jean egal. Er dachte an seine alten Kameraden... „Auf Euch!“ sagte er in die Luft und nahm noch einen Schluck. Dann dachte er an seine neuen Staffelkameradinnen und hob erneut den Flachmann. „Auf euch drei Süßen!“ sagte er und nahm wieder ein Schluck. Dann verstaute er den Flachmann wieder im Staufach und war froh, das gerade keine der anderen Pilotinnen da gewesen war.

Casper
01.03.2005, 11:03
Klasse B Com Star- Einrichtung,
Brein, Bryant, Chaos-Marken
30. April 3065

Aus dem Taktikraum des HPGs in den Mechhangar, wo sich Rebecca mit Sergeant Rowan und seinen Elementaren zum Training verabredet hatte, war es nicht sonderlich weit. Dennoch benötigte sie mehr Zeit als sie einkalkuliert hatte. Als sie nämlich durch die Kälte auf dem Innenhof stürmte fielen ihr vor dem Tor etliche Gestalten auf und fesselten ihre Aufmerksamkeit. Das mussten diese sogenannten Demonstranten sein, von denen in der Kantine geredet worden war. Ein weiterer Brauch der Inneren Sphäre, der Rebecca völlig neu war. Verstohlen und zugleich neugierig beobachtete sie die dick vermummten Menschen vor dem Tor. Einige von ihnen hatten Plakate dabei und Rebecca versuchte aus der Entfernung die Schrift zu entziffern.

„Wehret den Anfängen“ stand da zu lesen. Eine extrem korpulente Frau, die in einen wärmenden Pelz gehüllt war hielt ein Plakat in die Höhe auf dem zu Lesen war: „Heute ein Laser in ein Wohnhaus, Morgen eine PPK in eine Schule, Übermorgen eine Atombombe auf Bryant“. Am Rand der Menschentraube, die sicherlich an die Einhundert Personen umfasste waren ein paar Jugendliche zusammengekommen. Sie trugen ein Plakat mit der Aufschrift "Wir brauchen keine Fremdbestimmung" bei sich. Rebecca fiel auf, dass sie von den anderen Demonstranten, so nannte man diese Menschen wohl, skeptisch beäugt wurden. Kopfschüttelnd darüber, dass diese Freigeburten es für produktiv hielten in der Kälte herumzustehen, machte Rebecca sich auf den Weg zum Hangar. Diese Menschen sollten lieber etwas für ihren Clan, beziehungsweise für diesen sogenannten Staat tun, als Plakate zu malen.

Völlig in diesen Gedanken versunken rauschte Rebecca in den Mechhangar. Das Gewusel der Techs, die ständig damit beschäftigt waren die Leistung der Kampfmaschinen zu optimieren, nahm sie überhaupt nicht wahr. Als sie schließlich zur Wartungsbucht ihres Warhammers gelangte, wäre sie fast mit Elementar Saya zusammengestoßen, die ihr einen finsteren Blick zuwarf. Die Gesiterbären-Solahma schien nicht gut auf Rebecca zu sprechen zu sein, nachdem sie in der vergangenen Nacht lange vergeblich auf Rowan gewartet hatte.

Bevor Rebecca auf diesen Blick reagieren konnte, ergriff Sergeant Rowan das Wort:
„Sergeant Major Rebecca, wie du sicher bereits gehört hast, können die Elementare der Schlaglanze nur noch zu viert arbeiten. Elementar Philip ist seinen Verletzungen erlegen.“, Rowan hielt kurz inne, fuhr dann jedoch ohne sonderliche Gefühlsregung fort.
„Wir waren so frei zwei Trainingsszenarien auszuarbeiten, die uns helfen sollten, die Abstimmung zu verbessern. Eines dieser Szenarien wurde von Elementar Saya entworfen, das andere von mir. Während wir zum Simulator gehen, den Komtech Willem freundlicherweise auch auf die Bedürfnisse von uns Elementaren konfiguriert hat, wird Saya uns die Rahmenbedingungen ihres Szenarios erläutern, frapos?“

Die Gruppe hatte sich bereits in Bewegung gesetzt, als Saya antwortete.
„Pos, Sergeant Rowan.“, Saya musste sich räuspern um gegen den Frosch in ihrem Hals anzukämpfen. Wie Rebecca mit merkwürdiger Befriedigung feststellte, war sie es anscheinend nervös. Sie schien nicht daran gewöhnt zu sein vor anderen Soldaten zu sprechen. Sie sprach viel zu schnell und mit einer ungewohnt hohen Stimme
„Entsprechend der Vorgaben habe ich ein Szenario entwickelt, in dem eine Person vor potentiellen Attentätern zu schützen ist. Genaugenommen handelt es sich um eine Überführungsmission, bei der die zu schützende Person in einem leichten gepanzerten Radfahrzeug von der Kaserne zum Raumhafen eskortiert werden muss. Attentatsabsichten sind bekannt. Der direkte Schutz wird von deinem Mech übernommen, Sergeant Major Rebecca.“, Saya blickte sich zu Rebecca um. Je länger sie sprach desto sicherer wurde sie, ihre Körperhaltung wirkte nicht mehr verkrampft, Sprechtempo und Stimmlage hatten sich normalisiert.
„Die Elementare übernehmen vornehmlich die Aufklärung vor und hinter dem Fahrzeug. Ziel der Mission ist es die zu schützende Person wohlbehalten zum Raumhafen zu geleiten und alle Attentatsversuche im Vorfeld zu vereiteln. Habt ihr Fragen?“, wandte sich Saya, im Simulatorraum angekommen, an die Anwesenden. Als sich niemand zu Wort meldete, wies sie auf den Kontrollraum.
„Komtech Willem wird die Simulation überwachen, ich selbst werde eure Gegner simulieren.“, ein gemeines Grinsen stahl sich auf ihr Gesicht, sie beobachtete Rebecca genau.
„Einloggen!“

Wie immer fühlte sich Rebecca extrem unwohl dabei, sich in einen Simulator einzuloggen. Dieser Computer war eben nur ein unzureichendes Hilfsmittel, um echte Szenarien darzustellen. Die Konsequenzen waren nicht unumstößlich. Zu viele Simulatorsitzungen konnten einem Krieger die Illusion der Unbesiegbarkeit geben, da er jede Aufgabe wiederholen konnte, bis sie geschafft war. Rebecca legte die Hand auf die Steuereinrichtungen als die Simulation zum Leben erwachte. Die Vielzahl der Waffen in einem Warhammer verlangte eine genaue Konzentration auf die Bedienung.

Rebecca verschaffte sich einen kurzen Überblick über die Situation. Sie befand sich auf dem Innenhof des HPGs in Brein, vor ihren Füßen stand ein Jeep. Die zu schützende Person kam gerade mit zwei weiteren Personen aus dem zentralen Gebäude. Auf ihrem Taktikbildschirm erkannte sie, dass sich die drei Elementare auf den umliegenden Dächern, beziehungsweise Mauern positioniert hatten. Rebecca ärgerte sich insgeheim über die Tatsache das es windstill war. Die wenigen Schneeflocken fielen senkrecht zu Boden. Sie wusste, das Wind es dem Attentäter erschwert hätte. Der Torso ihre Maschine schwenkte auf das Gebäude zu, das als einziges einen Blick in den Innenhof des HPGs gewährte. Dort hatte der Attentäter das letzte Mal gelauert.“ Ihr Sprechfunk erwachte zum Leben.

„Striker an alle. Metallanomalie im obersten...“,

Rebecca feuerte ohne Vorwarnung den mittelschweren Laser, der im Kopf des Warhammers montiert war, auf das Wohnhaus ab. Die Wohnung in der obersten Etage wurde blendend hell ausgeleuchtet, als der Laser sein Ziel traf. Zu spät wie sich herausstellte, die zu schützende Person lag regungslos am Boden, Blut begann den Schnee rot einzufärben. Der Attentäter in Gestalt von Saya Geisterbär hatte genug Zeit für einen Schuss gehabt, während die anderen noch die Missionsparameter analysierten. Als Rebecca den bewegungslosen Körper am Boden betrachtete glaubte sie Captain Scharnhorst zu erkennen. Die Simulation brach ab.

Mit einem Wutschrei sprang Rebecca aus dem Simulator. Vollkommen in ihrer eigenen Rage aufgegangen überbrückte sie den Weg zu der Simulatorkapsel, in der Saya saß. Mit einem Ruck riss sie die Versiegelung auf. Saya starrte sie diabolisch lachend an. Rebecca konnte nicht mehr an sich halten.
„Was fällt dir überhaupt ein hier diese dezgra Taktiken der inneren Sphäre anzuwenden?“, eigentlich war Rebecca wütend auf sich selbst, aber sie musste sich Luft machen. Die Tatsache, dass sie sich von Saya ständig völlig grundlos provoziert fühlte tat ein Übriges.

Saya genoss ihren Triumph hingegen in vollen Zügen. Sie hatte einmal mehr einem Mechkrieger die Grenzen aufgezeigt. Was noch viel besser war, sie hatte es Rebecca gezeigt. Vollkommen entspannt stieg sie aus ihrer Simulatorkapsel, um die sich nun auch die anderen Elementare scharten und stellte sich breitbeinig und mit verschränkten Armen vor Rebecca. Sie überragte die Mechkriegerin um fast einen Meter. Doch Rebecca war noch nicht fertig, der Größenunterschied schüchterte sie nicht ein, im Gegenteil.
„Bei den Strategien die du hier anwendest könnte man meinen du wärst nicht in einer Geschko großgeworden, sondern einen Freigeburt aus der inneren Sphäre“, ging sie Saya scharf an.
Nun war es auch mit Sayas Beherrschung vorbei. Sie, die Clanelite mit einer Freigeburt zu vergleichen war die schlimmste Beleidigung, die ihr jemals untergekommen war.
„Stravag, nimm das sofort zurück oder ich zeige dir wie deine Knochen brechen.“, zischte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, während sich Grace und Norton bereithielten sie zurückzuhalten. Doch Saya schien sich wieder in den Griff zu bekommen und sie fuhr wesentlich ruhiger fort.
„Immerhin hast du dieses Mal schon nach dem ersten Schuss reagiert. Du musst aber noch vieles lernen, Rebecca Geisterbär. Du beherrschst ja noch nicht einmal das Dupree-Manöver.“

Das Dupree-Manöver? Rebecca geriet ins Grübeln. Ein Manöver nach dem ehemaligen Sergeant-Major zu benennen, daraus sprach Ehrerbietung. Saya erkannte die Fähigkeiten dieses Mannes also ebenfalls an. Das sprach für sie. Außerdem, wenn sie ehrlich war, hatte Saya lediglich das gemacht, was ihr Auftrag war. Einen Attentatsversuch, einen ziemlich guten sogar.

„Was meinst du mit Dupree-Manöver?“, fragte sie Saya neugierig, nachdem sie das Blicksduell abgebrochen hatte und damit ihre Niederlage eingestanden hatte.
„Das Dupree-Manöver beschreibt die Taktik, sich selbst zwischen Ziel und Angreifer zu positionieren“, Saya schien nicht nachtragend zu sein und reichte Rebecca die Hand. Das indirekte Eingeständnis der Niederlage schien ihr als Entschuldigung zu genügen.

Rowan, der zu den Beiden hinzugetreten war, schmunzelte wohlwollend. Er war zufrieden, dass die Frauen eine gemeinsame Basis gefunden hatten. Er wandte sich an Rebecca.
„Du siehst Sergeant-Major Rebecca Geisterbär, wir Elementare haben uns bereits gut auf die Taktiken hier eingestellt. Dementsprechend haben wir Gegenmaßnahmen entworfen wie das Dupree-Manöver entworfen, um ihnen zu begegnen.
Wir sollten das Szenario nun wiederholen und Saya wird als dein persönlicher Aufklärer fungieren. Sie wird alle potentiellen Gefahrenpunkte markieren und du wirst sie mit dem Dupree-Manöver absichern. Grace und Norton werden, dann abklären, ob eine tatsächliche Gefahr vorliegt, die ihr dann beseitigen könnt.“
„Gut. Ich denke ich muss lernen nicht nur auf meine Instinkte zu vertrauen, sondern auch Unterstützung anzunehmen.“, Rebecca ging zufrieden lachend zu ihrer Kapsel zurück.
„Das ist die richtige Einstellung!“, meinte Grace und Norton nickte zustimmend. Rebecca fiel auf, dass sie ihn noch nie hatte sprechen hören.

***

Als Rebecca schließlich den Simulator verließ um sich vor ihrer Wache noch ein wenig in der Kantine zu stärken, ging sie in Gedanken die Simulationen nochmals durch. Es war besser gelaufen, als sie erwartet hatte. Die Zusammenarbeit mit Saya war ausgezeichnet gewesen und auch Grace und Norton hatten gute Arbeit geleistet. Lediglich einmal hatte sie das Missionsziel nicht erreicht.

Komtech Willem hatte in die Missionsparameter einen Urbanmech UM-R63 integriert, der Rebecca in den engen Straßenschluchten immer wieder provozierte. Mehrfach hatte er den Jeep mit seinem leichten Impulslaser anvisiert. Rebecca hatte auf die Bedrohung reagiert und war dazwischen gegangen. Das gab dem Urbanmech die Möglichkeit seine Autokanone auf sie abzufeuern um dann in Sicherheit zu springen. Nachdem sich dieses Spiel einige Male wiederholt hatte, riss Rebecca der Geduldsfaden und sie machte sich an die Verfolgung. Zwei Straßen weiter und genauso viele PPK Salven später, hatte sich das Problem Urbanmech erledigt. Leider auch der Jeep, den ein Attentäter in der Zwischenzeit mit einem tragbaren Raketenwerfer ausgeschaltet hatte. Auch das hatte Rebecca wieder gezeigt, dass eine Clan-Elite Kriegerin noch lange nicht perfekt war. Vor allem nicht im Angesicht solcher Taktiken.

Auf ihrem Weg über den Hof, striff ihr Blick erneut die Demonstranten. Ihre Zahl schien sich vergrößert zu haben, die Jugendlichen mit dem Schild "Wir brauchen keine Fremdbestimmung" sah sie jedoch nicht mehr. Dafür fielen ihr einige Personen etwas abseits der Demonstration auf, die alle in auffallend ähnliche Mäntel gehüllt waren. Auch sie schienen wie Rebecca die Demonstranten zu beobachten und sie glaubte zu erkennen, wie einer ein Sprechfunkgerät benutzte.

Andai Pryde
02.03.2005, 09:31
Im Anflug auf Bryant

Das dumpfe Rütteln ging durch das gesamte Schiff, gefolgt von einem lauten Klappern und einem scharfen Knallen.
„Tja sieht wohl so aus, als hätte sich da was verabschiedet, Skip!“
„Egal, solange das Teil weiterfliegt, können wir uns später darum kümmern. Irgendwas von der Korvette?“
„Negativ, Skipper, Die hängt nach wie vor bewegungslos im Raum und lädt ihr Sonnensegel auf.“
Nigel runzelte die Stirn und warf einen Blick auf die Sensoranzeige, auf der die Korvette regungslos im Raum hing.
„So schwer können wir die doch gar nicht getroffen haben, außerdem bräuchten die nur rollen und könnten uns mit ihren funktionierenden Geschützen selbst jetzt noch pulverisieren. Sofie, eine Ahnung woran das liegen könnte?“
„Na ja der Hauptaspekt wird wohl die Tatsache sein, dass die Zechetinu nicht über so viele Schiffskaliberwaffen verfügt, eher über Standardwaffen, wie wir auch, also eher gegen beweglichere Ziele wie Jäger.“
„Mag sein, aber dennoch dürften sie genug Kapazität haben, um uns in Stücke zu zerlegen, wenn es auch länger dauern würde als bei einem Kreuzer oder so.“
Sofie zuckte nur mit den Schulter, während sie weiter an der Waffenkonsole arbeitete.
„Sicher, ich denke mal, dass wir sie sehr überraschend getroffen haben und bedenken wir die Tatsache, dass sie das Schiff wohl aus Ligabeständen entwendet haben, vielleicht nicht genug Mann an Bord hatten, um alles besetzen zu können.“
Das klang für Nigel schon eher sinnvoll. Es würde zumindest die kleine Entertruppe hier auf der Freedom erklären.
Bei dem Gedanken, fiel ihm wieder die Entertruppe ein, es gab ja noch mehr als nur den Soldaten auf der Brücke.
„Matt checken sie die Verbindung zu allen Decks und holen sie mir die einzelnen Abteilungsleiter ans Mikro, sofern möglich, allen voran Jacqueline, ich will wissen, was unsere Cheftech zu unseren Manövern sagt.“
Die Antwort kam prompt, als Matt Wilkins, der Kommoffizier kurz zusammen zuckte und Nigel nur mit einem leisen „Für sie, Skip.“ auf die Kommstation hinwies.
Als der Kapitän den Schalter für das Schiffsinterkom aktivierte, wünschte er sich, er hätte es nicht getan.
Gefolgt von einem Schwall Schotttisch-gälischer und deutscher Flüche, herrschte ihn Jaqueline Vivianne Müller barsch an.
„Verdammt, Nigel was hast du dir eigentlich dabei gedacht. Erst muss ich hier zwei Blakies davon abhalten aus unserem antrieb nur Schlacke zu machen und dann hast du nichts besseres zu tun, als dich von einer verdammten Korvette mitsamt Dockkragen loszureißen, sag mal tickst du noch?“
Nigel schmunzelte leicht, während er antwortete.
„Tut mir ja leid, Jaquie, aber was wäre die lieber gewesen, für die Blakies zu arbeiten sicher nicht.“
Ein dumpfes pah ertönte, gefolgt von einem scharfen peng.
„Was war das?“
„Eine der Hauptkühlleitungen für Triebwerk Nummer drei, wir haben es allerdings schon weitestgehend isoliert, also keine Panik. Zu den Punkten, wenn wir schon mal dabei sind. Die beiden Blakies sind tot, ich habe mir die Freiheit genommen sie zu entsorgen.“
Die eiskalte Klarstellung ließ Nigel kurz zusammen zucken, als er daran dachte, wie die Lyranerin die beiden Blakisten wahrscheinlich eigenhändig getötet und dann aus der Frachtluke hatte werfen lassen.
Er hatte diese eiskalte Gelassenheit bereits mehrfach erlebt, das letzte Mal im bett und da hatte es ihm auch nicht geschmeckt.
„Die restliche Blakies dürften auch hin sein, denk ich mal, da ja hier keiner weiter aufgetaucht ist und wir auch keinem über den Weg gelaufen sind. Was das Schiff betrifft, es fliegt und wird es auch weiterhin tun, allerdings hast du uns einen guten Teil der Panzerung und auch Waffenaufbauten mit deiner Aktion gekostet, ganz zu schweigen von einem Kurzschluss im Backbord Kühlsystem, ich gebe dir also den Rat die Waffen dort nicht einzusetzen, da wir sonst arge Probleme bekommen könnten. Die strukturelle Integrität ist auch nicht mehr so belastbar, hör es dir doch an, ich kann förmlich die traurige Melodie hören.“
Wie zur Bestätigung ächzte das interne Skelett, auf dem das ganze Schiff aufgebaut war, leise.
„Verstehe.“ War alles was er rausbrachte.
„Pah, dass ihr Davies nie was richtig machen könnt, alles müsst ihr in einem Anflug von Heldentum und heroischer Affektiertheit kaputt machen.“
Das saß, zwar beherbergte die Crying Freedom Leute aus beinahe jedem Nachfolgestaat, aber die Brückencrew, allen voran Nigel stammt aus der Mark Capella des Vereinigten Sonnen Teiles, des ehemaligen Vereinigten Commonwealth.
Nigel vergaß immer wieder, warum Jaqueline die 10.Lyranische Garde verlassen hatte. Gewiss nicht, weil die Einheit schlecht war, sondern es hatte eher etwas mit einem, wie sie es immer liebevoll nannte, Kampfwichtel zu tun.
„Sieh bitte zu, was du machen kannst.“
„Sicher, wie immer, das wird dich aber einiges kosten.“
Nigel verzog leicht das Gesicht, wenn er daran dachte, was es ihn kosten würde.
Aus ihm unerfindlichen Gründen, hatte Jaqueline ein gesteigertes Interesse, größtenteils sexueller Natur an ihm, was einer anderen Person scheinbar nicht zu gefallen schien.
Er blickte vorsichtig zu Junee, die wort- und teilnahmslos an ihrer Station stand und ihre Arbeit tat.
Er tippt etwas auf der Kommkonsole ein und stellte eine neue Verbindung her.
„Hey Chef, wie sieht’s bei dir da unten aus.“
Es dauerte einen kurzen Moment, dann antworte Chef Pete, wie alle ihn nannten, ihr Lagermeister und Frachtoffizier.
„Huh, eigentlich recht schick. Hab hier vier Blakiemechkrieger, die sich auf dem kalten Metall ihre Ärsche wund scheuern. Hey Jungs ich rate euch nicht weiter irgendwelche Befreiungsaktionen zu unternehmen, Kabelbinder tun janz schön weh.“
Nigel schmunzelte kurz, wie immer war der alte Lagerchef nicht aus der Ruhe zu bringen, wahrscheinlich sah der ganze Mechhangar und Frachtbereich wieder mal wie ein Schlachtfeld aus, aber Pete würde dies natürlich nie zugeben.
„Pah, Blechhüpfer, man sollte meinen die besitzen mehr Intelligenz, wenn sie so ein Maschinchen steuern. Die vier hier haben sich recht leicht überwältigen lassen, bei den zwei anderen hatten wir leichte Probleme.“
Nigel horchte auf, leichte Probleme bedeuteten bei Pete selten gutes, da er mindestens ebenso selten von leichten Problemen sprach.
„Verluste?“
„Huh, das jeht sogar mal, nu einer der Mechs hat sich losgerissen und einen der Blakies unter sich begraben, hat ne kleine Delle im Deck gegeben, und das scheiß Ding hat sich bis zum Hangarschott bewegt und das auch leicht verbeult, aber nichts was wir nich wieder hinbiegen könn´.
Die anderen Maschinchen stehen sauber hier unten, der letzte Blakie hat Fred und Vincent erwischt, beide wohl hinüber. Maria ist auf der Krakenstation. Sieht aber fein aus, wie der Doc meinte. Ansonsten nichts ernstes.“
„Ok, dank dir Chef und halt die Stellung!“
„Na aber immer doch, Junge.“
Nigel runzelte die Stirn, damit wären neun Blakisten ausgeschaltet, wo war der letzte.
„Äh, Skipper wie nähern uns der heißen Phase.“
Abgelenkt durch die Anmerkung seines Piloten, verdrängte Nigel den Gedanken und widmete sich wieder dem Geschehen auf dem Hauptschirm.
Er studierte die verschiedenen Wirbel und topographischen Gegebenheiten des Planeten vor ihnen. Bryant machte seiner Geschichte wie immer Ehre, gut 70% des Planeten waren von dichten Sturmwolken verhüllt.
„Jonas, sie kennen die Flugroute, schnell rein über einer der Polregionen, die Stürme dürften uns eigentlich vor einer Entdeckung schützen.“
Jonas bestätigte und lenkte das Schiff in einer leichten Neigung näher in Richtung des Planeten. Bald würde der heiße Flug durch die Planetenatmosphäre begingen, gefolgt von einem wahrscheinlich harten Aufsetzen, aber es ging nicht anders, wenn sie möglichst unentdeckt runter wollten, mussten sie genau das tun, und es bestand trotzdem die Gefahr, von Einheimischen entdeckt zu werden.
„GEZ?“
„Schwer zu sagen, ich würde mal behaupten etwa eine halbe Stunde bei dem Tempo.“

Andai Pryde
02.03.2005, 09:32
Frederick Gustav Grom betrachtete mit zusammen gekniffenen Augen das sich entfernende Landungsschiff, das als kleiner Punkt auf der Sensoranzeige gerade mit dem größeren des Planeten Bryant verschmolz.
Ein leises Räuspern lies ihn herum fahren.
Vor ich stand in gebeugter Haltung ein Tech und streckte ihm einen Compblock entgegen.
Grom griff danach und riss es dem Tech beinahe aus den Händen.
„Akoluth Frederickson, erklären sie mir bitte, was genau passiert ist!“
Mit einer winkenden Handbewegung schickte er den Tech weg und wandte sich an den Schadenskontrolloffizier auf der Brücke.
Entgegen seinen Behauptungen handelte es sich bei Grom nicht um einen Akoluthen, sondern um einen Adepten, aber voraussichtlich würde er bald wieder Akoluth sein, dank diesen Stümpern hier.
„Natürlich Adept.“ Frederickson nickte bestätigend, auch wenn ihm der Unwille, de Zorn Blakes zu spüren zu bekommen ins Gesicht geschrieben stand.
„Das flüchtige Landungsschiff hat mit einer gezielten Salve aus seinen Bordgeschützen eine unserer Steuerbordenergierelais getroffen, was zu starken Fluktuationen in den Waffenkontrollen und Leitsystemen führte. Natürlich hätte man auch die Waffen manuell bedienen können, nur ging dies leider aus Personalmangel und auch der Tatsache, dass das Landungsschiff sich durch unser Sonnensegel bewegt ha nicht. Es war wohl Blakes Wille, dass sie entkommen sind.“
Ja das war es wohl, schoss es Grom durch den Kopf. Er hatte es dem Demi gesagt, dass 30 Mann zu wenig waren, um sowohl die Korvette zu besetzen, als auch das Landungsschiff zu kapern.
Natürlich hatte dieser nur abgewunken und ihm Blakes Segen und Willen gewünscht.
Grom blickte wider auf das Sensordisplay, dann nickte er seine Wut verrauchte leicht, immerhin war ihre Mission dadurch nicht gefährdet. Es hatte ihn zwar 10 Mann gekostet und auch eine Sektion II Mechs, sowie ein Trupp Purifier, das war sicherlich schmerzhaft, aber anscheinend Blakes Wille, und wenn Blake es so wollte.
„Gut Akoluth, nehmen sie Kontakt zum Planeten auf und teilen sie unseren Agenten dort die Lage mit, vielleicht können sie mehr ausrichten als wir. Dann bereiten sie das Schiff für den Sprung vor, wir müssen unsere Mission fortführen“
„So sei Blakes Wille, Adept.“
„So sei er,“ nickte Grom,“ aber sollten sie mich noch einmal enttäuschen, wird er es nicht mehr mit ihnen sein, haben wir uns da verstanden Akoluth?“
Frederickson nickte nur stumm, dann verschwand er und überließ Grom seinen Gedanken.

Andai Pryde
02.03.2005, 09:32
Landungsschiff Crying Freedom, Bryanter Nordpol
Bryant, Chaos Marken

„Verdammt Jonas, geht das nicht ruhiger?“
„Ich würde ja gerne, aber das Baby tanzt wie ein betrunkener Elch auf Kerenskys Abschlussfeier. Sagen sie das dem Sturm da draußen.
Mit einem scharfen Pfeifen und Ohrenbetäubenden Krachen entlud die Natur ihre sämtliche Gewalt an dem eiförmigen Rumpf des Overlord.
Die Fredon stimmt in ihrem typischen Ächzen und Knarren ein und Nigel hatte die Befürchtung, dass das schiff jeden Moment auseinander zu fallen drohte.
Knapp etwas über 20 Minuten ging das nun so, kurz nachdem sie in die Sturmfront eingetreten waren.
Der Sturm spielte mit dem Schiff förmlich Punching Ball und warf es scheinbar fröhlich unbeschwert hin und her.
„Warum mussten wir uns auch ausgerechnet den Sturm des Jahrhunderts dafür aussuchen.“ Murmelte Nigel vor sich hin, während er gebannt auf die graue Schottwand vor sich starrte und mühsam gegen den Brechreiz ankämpfte.
„Ich hab´s, alles festhalten.“
Dem kurzem Befehl Jonas´ folgend klammerte Nigel sich schweißklamm an den Lehnen seines Kapitänssessels fest und harrte der ding.
Mit einem scharfen Pfeifen und ohrenbetäubenden Knall ruckte das Landungsschiff einmal kurz, dann war Ruhe.
Nigel entspanne sich, war das etwa alles gewesen?
„Hui selten so einen ruhigen Absturz gehabt. Sauber gemacht Jonas.“
„Nichts zu danken , Skip, hoffen wir nur, das Baby hat es mitgemacht.“
Wie zur Antwort ertönte ein lautes Peng und das schiff neigte sich zur Seite und schlug wieder auf.
„Was zum...“
„Wir haben eine der Landekufen anscheinend verloren. Tja damit wäre das aussteigen nicht gerade leichter geworden. Wir sind irgendwo drauf geschlagen, das Schiff hat einen 60% Winkel zum Boden, also nicht ganz so schlimm.“
Mit grimmiger Miene bestätigte Nigel, dann wandte er sich an seinen 1. Offizier.
„Junee, lass dir den Status durchgeben, sag Erik bescheid, er soll herausfinden, was mit dem letzten Blakie ist und dann soll Jaqueline ein Schadensteam nach draußen schicken, sofern das Wetter das zulässt!“
„Schon erledigt Skip.“ ertönte die leise, beinahe flüsternde Stimme Erik Gutors hinter Nigel.
Er löste den Gurt und drehte sich dann zu seinem 2.Offizier um.
Erik stand im Schott, stützte sich mit einer Hand ab, in der anderen hielt er eine Sunbeam Laserpistole.
„Ich hoffe du hast keine Löcher in die Hülle geschossen, Erik.“
„Nein, sicher nicht,“ der skandinavische Offizier lächelte charmant, dann streckte er die Pistole wieder weg und deutete mit dem Kopf zur Seite.
„Hab den Typen dabei erwischt, wie er sich am Schott zu schaffen machte, der wollte doch tatsächlich eine Sprengladung anbringen. Eine erstaunliche Leistung bei diesem Tempo und Bedingungen, musste ihn leider erschießen. Ach übrigens solltest du mal mit dem Chef reden, der hat noch ein paar Kleinigkeiten für dich und nur so nebenbei. In dem Quartier von diesen Jungs,“ er deutete auf den auf dem Bauch liegenden Blakisten mit dem Loch im Kopf, „ dürften sich noch die Purifier befinden, vielleicht kriegen wir die zum laufen.“
Nigel lächelte leicht, ja da war eine gute Idee.
„Gut. Junee, ich gehen zum Chef, du versuchst dir eine Übersicht über die Schäden zu machen und dann reden wir mit der Crew über den Vorfall, ich brauche die vollste Unterstützung und Verständnis für mein Vorhaben.“
Dann folgte Nigel Erik zum Frachtraum1.
Der Gang durch das Schiff gestaltete sich schwierig.
Die Schieflage machte es ihnen nicht leicht voran zukommen, einige der Schotten waren verzogen, so dass man sie entweder aufschieben, sich hindurchquetschen oder ganz umgehen musste, was zum Glück seltener der Fall war.
Das Schiff hatte gelitten, aber glücklicherweise beschränkten die Schäden sich auf den inneren Bereich, bisher waren ihm keinerlei Lecks oder ähnliches aufgefallen, was ein sehr glücklicher Umstand war. Wenn die Triebwerke jetzt auch noch funktionierten, dann konnte die Crying Freedom wenigstens wieder fliegen.
Sie kamen am Schott zu Hangar 1 an und Nigel nickte zwei Technikern aufmunternd zu, die am verzogenen Schott arbeiteten.
„Ah, der Herr Kapitän, der ,der Meinung ist er würde ein Schlachtschiff kommandieren.“
„Hi Jaqueline, wie sieht’s aus?“
Die Cheftech blickte sich kurz um.
„Soweit ganz gut, zumindest besser, als es sein musste. Ich gehe jetzt wieder zum Maschinenraum und werde mir die Triebwerke noch mal genauer ansehen.“
Nigel nickte bestätigend.
„Tu das! Fliegen wir wieder?“
Ein Schulterzucken antwortete ihm.
„Wer weiß, Triebwerk zwo ist durchgebrannt, drei und vier haben sich abgeschaltet, lediglich die eins läuft mit nahezu 100%. Aber ich sehe was sich machen lässt. Die Hülle scheint glücklicherweise nichts abbekommen zu haben, auch wenn die Integrität gelitten hat. Ich würde empfehlen, das nächste mal im Sommer zu starten.“
Sie blickte sich kurz um und deutete mit dem Kopf in Richtung des Frachtraumes.
„Sprich mal mit dem Chef, unser größtes Problem dürfte das Hauptschott sein. Und lass dir einfallen, wie du diesen 75 Tonnen Schrotthaufen von meinem Schiff bekommst.“
Gespielte Empörung machte sich auf Nigels Gesicht breit.
„Das ist immer och mein Schiff, Lady und jetzt ab in deine kleine Brummkammer und sieh zu, das du die Triebwerke wieder zum laufen kriegst.“
Jaqueline schnaufte nur, aber der Ansatz eines Lächelns war auf ihrem Gesicht zu sehen, als sie sich zum gehen abwandte.
„Joa, da issa ja, der Herr Kapitän.“
Nigel wandte sich auch ab und musterte den neuankommenden Mann kurz.
Chef Pete, wie der Frachtchef und Mann für alles genannt wurde, war ei kleiner untersetzter Mann, mit borstigem Bartwuchs und strubbeligen kurzen Haaren. Seine braunen Augen blickten intelligent und amüsiert. Die Füße steckten in schweren Magnetstiefeln, die Beine in komfortablen breiten Hosen und der Oberkörper, muskulös oder fett, auf jeden fall breit, in einem verwaschenen rot-weißem Hemd.
Alles in allem erinnerte der Mann Nigel jedes Mal an eine dieser mythologischen Figuren, Zwerge genannt, aus alten Romanen. Nicht nur die Figur, auch der Charakter legte diesen Schluss nahe.
Pete legte Nigel einen Arm um die Schultern, was bei beinahe 40 Zentimetern unterschied gewiss komisch wirkte, aber Pete störte sich nicht daran,
er zog den Mann von New Syrtis in den Frachtraum, und zeigte auf das Hauptschott.
Erik folgte unauffällig und pfiff leicht bewundernd.
Als Nigel den Blick schweifen ließ fiel sein Augenmerk als erstes auf die beiden schmutzig-weißen Decken, die über zwei menschliche Körper geworfen waren. Ein paar Füße schaute noch hervor. Leicht säuerlich verzog Nigel die Miene, zwei Mann weniger und ob Maria es überleben würde, wusste er auch nicht.
Neben den bedeckten lag ein Mann in der typischen Kleidung Blakes Wort auf dem Bauch, das Gesicht lag auf dem kalten Metal auf und eine kleine Blutlache hatte sich darum gebildet.
Das sah Pete ähnlich, wahrscheinlich hatte er eh vorgehabt den Mann über Bord zu werfen.
Neben dem Blakisten ragten die restlichen fünf Mechs in ihren Kokons auf. Es waren beieindruckende Maschinen, neben dem humanoiden Buccaneer mit dem unverkennlichen Beil in der Hand, standen ein Pärchen Mercurys und daneben ein Gurkha und als letztes Einöd, in 85 Tonnen schwerer Crockett. Jetzt konnte Nigel Eriks Pfiff gut nachvollziehen.
Als Pete seine Aufmerksamkeit wieder auf das Hauptschott lenkte.
Ein Mech, der wie eine eigenartige Variante eines Battlemaster wirkte, lag dort auf dem bauch. Kabel hingen nach an ihm, eine einzelne Halteleine hing noch ebenfalls straff daran, der Rest war wie die Tentakel einer Krake in dem ganzen Hangarbereich verteilt.
Der Toyama, wie der Mech hieß, lag mit dem Kopf voran genau am Haupthangarschott, ansonsten sah die Maschine intakt aus, von dem roten Blutfleck darunter abgesehen.
„ Tja, wie der Her Kapitän sehen, ist das Haupthangartor ziemlich verbeult, kein Wunder bei dem Monster dort. Aufkriegen tun wir das ne Weile nicht mehr. Da eine von unseren Kranwinde im Arsch ist, haben wir den Mech noch nicht wieder aufrichten können, aber das wird noch, ansonsten sehen die ganzen Teilchen hier noch gut aus.“
Gut aussehen, war vielleicht leicht übertrieben, wenn man davon absah, dass die Halteleinen ziemlich hin und her gepeitscht waren und einen Großteil der Einrichtungen im Frachtraum beschädigt hatten. Ein Overlord Landungsschiff war riesig und dies hier war nur der Haupthangar, allerdings beherbergte dieser neben der Fähigkeit einen Teil der insgesamt 36 Mechs tragen zu können, auch Reparatureinrichtungen, um diese Mechs intakt zu halten. Zwar waren die der Freedom mittlerweile seit gut fünf Jahren nicht mehr genutzt worden, aber funktionieren dürften sie noch.
Nigel blickte sich weiter um und entdeckte vier einsame Gestalten in schwarzen Kühlanzügen mit dem Schwert Blakes Wort auf der rechten Brust.
„Tja, wat wir mit denen machen, weiß noch net. Kam noch nicht dazu sie über die Planke gehen zu lassen.“
Nigel schüttelte bestimmt den Kopf.
„Nein steckt sie in ein leeres Quartier und bewacht sie rund um die Uhr. Wir werden sie bei nächstbester Gelegenheit einer örtlichen Justiz übergeben.“
„Aye Skip, wird erledicht.“
„Gut. Erik sie zu dass du diese Mechs sicherst, ich will nicht noch so ein teil rumfliegen sehen und hebt mir dieses teil da auf. Falls noch etwas Zeit bleiben sollte, können wir uns ja unsere neuen maschinen angucken.“
„Beim Barte Blakes, sein Wille wird euch vernichten.“
Mit gehobener Augenbraue wandte sich Nigel zu einem der Blakisten, der das Wort vermeintlich erhoben hatte und lächelte ihn mitleidsvoll an.
„Ich bin auf New Syrtis geboren, das einzige wovor ich mich fürchte ist eine Syrtische Beutelspinne. Soll dein Blake ruhig kommen, ich habe genug schlagkräftige Argumente für ihn.“
„Pah Ungläubiger, du wirst geläutert werden.“
Nigel drehte sich um und winkte nur ab.
„Schafft diese Jungs weg, sollen sie da predigen was sie wollen. Oh und bevor ich es vergesse, Erik in einer halbe Stunde ist Besprechung.“

Nigel Marty legte die Fingerspitzen an einander und beobachtete abwartend und neugierig seien Abteilungsleiter.
Sofie, diskutierte gerade mit Erik und Jonas grinste breit über ihr Thema. Jaqueline skizzierte etwas auf einen Compblock und besprach etwas mit Pete.
James Woodson, der Flugkontrolloffizier schaute sich die technischen Daten über die Purifier Gefechtsrüstung an.
Dann hob er den Blick und schaute Nigel direkt an.
„Damit ich das richtig verstehe, wir sollen in diese Teile steigen, in einem kleinen Hover den Großteil der Strecke zurücklegen und uns dann getarnt zu diesen Söldners begeben und sie um Hilfe bitten?“
„Vom Prinzip her richtig, aber wir schlagen ihnen einen Deal vor. Wir bringen sie hier weg, sie bekommen die Mechs und wir unterschreiben dafür einen Kontrakt bei ihnen.“
„Huh, da hängt aber eine Menge von der Willkür dieses Söldnerkommandanten ab, wenn der nicht zustimmt, sitzen wir hier fest und bei allem Respekt für den planetaren Fürsten oder was auch immer, aber mit dem möchte ich mich ungern abgeben.“
„Nun wir haben immer noch einen Trumpf, Sofie. Sollten ihre Jäger in der Luft sein, funkt ihr einfach den Stingray an, die Pilotin hat uns vor nicht all zu langer Zeit einen Gefallen getan und ich denke, sie kann uns weiterhelfen.“
Erik beugte sich jetzt auch vor, so wie er hatten sich inzwischen alle wieder an der Diskussion beteiligt.
„Das hieße allerdings wir müssten unsere Tarnung aufgeben, ich meine dieser Purifier sind schweinegeil, aber was bringt das, wenn uns ein Feind so schnell orten kann. Außerdem, wer kann diese Teile schon steuern, von den vermutlichen Sperren mal abgesehen.“
Jaqueline ergriff das Wort:
„Nun die Sperren sind Geschichte, ich habe mit ein paar kleineren Tricks die Steuerungscomputer der Panzer rebootet, sie laufen jetzt wieder auf null und können leicht geeicht werden.“
Nigel nickte bestätigend.
„Und soweit ich das weiß haben zwei von uns Training in Gefechtsrüstungen. Sofie und Erik, damit ihr nicht alleine gehen müsst gebe ich euch noch zwei Jungs mit, die wenigstens so ein Teil schon mal gesehen haben.“
Erik schüttelte bestimmt den Kopf.
„Nein, erstens sollten wirklich nur Leute in diesen Teilen sitzen, die sich damit auskennen, zweitens wäre das ziemlich eng in dem Hover und wir wissen nicht, wie weit wir im Endeffekt fahren müssen. Ich möchte die Maschine nicht unnötig belasten.
Soweit ich weiß haben wir nur einen Hover dabei und der ist für maximal vier Personen ausgelegt, was bei zwei Purifiern schon eng werden dürfte, vorausgesetzt, wir nehmen nicht noch einen extra Fahrer mit.“
„Gut das ist ein Argument, also geht ihr zwei alleine. Pete und Jaqueline ich möchte, dass ihr die Anzüge noch mal überprüft, ich möchte keine unliebsamen Überraschungen. Gebt ihnen außerdem noch einen leistungsstarken Sender mit, falls Probleme auftauchen.“
„Schön und gut, aber was sagen wir dem Söldner?“
Nigel grinste sardonisch.
„ganz einfach: wir sind ein freies Händler Landungsschiff, dass einen Blakes Wort Kaperversuch gerade mal so überstanden hat und uns deswegen nach etwas Schutz und Sicherheit sehnen. Wir haben einiges zu bieten, neben den Mechs und den Purifier Rüstungen, immerhin ein voll bestücktes, wenn auch angeschlagenes Overlord Landungsschiff, ich denke nicht, dass der Mann dies ausschlagen kann und wird.“
Erik nickte zufrieden.
„Ok sonst noch etwas?“ fragte Nigel locker in die Runde.
Als keiner antwortete fuhr er fort:
„Sehr gut, dann sehen wir zu, dass wir das Schiff wieder flugtauglich machen und ihr zwei macht euch auf.“
Er deutete auf Erik und Sofie.
Seine Crew nickte und machte sich dann wieder an die Arbeit, während Nigel nachdenklich und alleine in der Kantine. Am langen Tisch sitzen blieb.
Es war viel passiert und er hatte die Entscheidung lange abgewogen, es gab nur diesen Weg, alles andere würde das Ende für sein Schiff und dessen Crew bedeuten.
Er hoffte nur, dass die Blakisten sie in Zukunft in Ruhe lassen würden.

Jarvis
14.03.2005, 11:02
Planet Schwartz, Nebelparder Besatzungszone, Ende 3059

Kyle Kotare wartete in seinem Mech, bis der Rest seines Trinärsterns angetreten war. Dann öffnete er den Befehlskanal: „Wir haben Meldungen erhalten das IS-Truppen im Quadranten Alpha-9 abgesprungen sind. Unsere Aufgabe wird es sein das Gebiet aufzuklären und alle feindlichen Kräfte zu neutralisieren.“
Kyle wendete seinen Mech in Richtung ausgang der Kaserne und setzte sich in Bewegung. Mit Genugtuung beobachtete er wie sich der gesamte Trinärstern in perfekter Formation hinter ihm her bewegte.
„Alpha-Stern geht weiter in nördlicher Richtung. Beta-Stern, rechte Flanke. Gamma-Stern, linke Flanke. Ausführung!“
Die Sterne trennten sich um einen größeren Bereich des Quadranten gleichzeitig durchsuchen zu können.
Kyle stellte die Sensoren seines Mad-Dog auf maximale Reichweite, so dass er die anderen Sterne am Rande seines Radars sehen konnte.
So durchsuchten sie den halben Sektor ohne etwas zu finden, als plötzlich:
„Beta-1 an Alpha-1, multiple MAD-Signale in nordwestlicher Richtung.“
„Alpha-1 an Gamma-Stern: Abschwenken in Richtung Nord-West. Stern Beta hat Ziele ausgemacht.“
„Alpha-Stern folgt mir.“ Kyle bewegte seinen Mech in die Richtung in der sich Stern Beta befand und beschleunigte auf Höchstgeschwindigkeit.
„Beta-1 an Alpha-1, weitere Kontakte bei zehn Uhr. Ich zähle mindestens 18.“, eine Entladung krachte in der Leitung. „Die Feindmechs eröffnen das Feuer! Ich wiederhole, wir stehen unter schwerem Feuer!“
Kyle sah nun auch die feindlichen Einheiten auf den Sensoren. Mittlerweile war die Anzahl der Feinde auf etwa 24 angestiegen. Der Beta-Stern wehrte sich hartnäckig, aber die mittelschweren Mechs konnten es nicht mit einer solchen Übermacht aufnehmen.
Sobald der erste der Feindmechs in Waffenreichweite war, führte Kyle sein Fadenkreuz über die Brust des Mechs und drückte ab. Er traf den Black-Knight mit der PPK auf der rechten Torsoseite und die Autokanone sprengte Panzerungsteile vom rechten Arm.
In diesem Moment eröffnete auch der Rest des Sterns das Feuer auf diese ehrlosen Freigeburten der Inneren Sphäre.
Kyle bremste seinen Mech auf Kampfgeschwindigkeit ab und lenkte ihn weiter auf den Black-Knight zu.
Der Black-Knight Pilot hatte gerade die Stormcrow von Sternencommander Yanni mit einem Volltreffer der Schweren Laser ausgeschaltet als die Energie der PPK seinen Mech traf. Langsam drehte er sich weiter um bis er dem Mad-Dog frontal gegenüber stand. Der Comstar-Pilot feuerte alle Waffen seines Mechs gleichzeitig auf den heranstürmenden Clan-Omni ab.
Die Treffer des Black-Knight ließen Statik durch das Cockpit von Kyle krachen und sämtliche Anzeigen flackerte kurz auf. Kyle schaltete auf seine KSR um und schickte dem IS-Mech eine volle Salve entgegen. Leider traf nur etwa die Hälfte der Raketen ihr Ziel doch die verbliebene Hälfte zog eine Reihe aus Einschlagkratern quer über die Brust des andern Mechs. Schnell setzte er noch seine AK hinterher, die den Gegner erneut am rechten Arm traf.
Der ComGuardist setzte erneut seine Schweren Laser ein und trieb seine Temperatur weiter in die Höhe.
Die Laser des Black-Knight fraßen sich ihren Weg durch die Panzerung des linken Arms und brachten Kyles AK zum verstummen. Im Gegenzug riss der nächste PPK-Treffer den rechten Arm des Comstar-Mechs vollständig ab.
Die nächste KSR-Salve des Mad-Dog hämmerte erbarmungslos auf den Black-Knight ein und einige der Raketen fanden ihren Weg durch eine Lücke in der Frontpanzerung wo sie das Gyroskop des Mechs zerfetzten.
Noch während der Black-Knight umfiel versuchte sich Kyle ein Bild der momentanen Situation zu machen.
Von dem mittelschweren Beta-Stern waren nur noch Trümmer übrig. Der Gamma-Stern der gerade eintraf war noch intakt, hatte aber auch zum größten Teil mittelschwere Mechs. Sein eigener Stern war bereits schwer beschädigt, hatte aber durch seinen grösseren Anteil an schweren Mechs eine etwas höhere Chance. Von den anfänglich 24 Angreifern standen noch mindestens 14, alles schwere und überschwere Mechs. Ausserdem zeigten die Sensoren das noch weitere 12 Maschinen im Anmarsch waren.
„Trinärstern Klaue an HQ, erbitten Verstärkung bei Quadrant Alpha-9. Wir stehen hier einer erheblichen Übermacht der Inneren Sphäre gegenüber.“
„HQ an Trinärstern Klaue, bitte um Verstärkung wurde abgelehnt. Die anderen Einheiten des Sternenhaufens melden ähnliche Situationen. Wir können keine weiteren Truppen abkommandieren. Halten sie die Feindeinheiten solange wie Möglich auf. HQ, ende.“
„Stravag! Alpha 1 an alle, wir erhalten keine Verstärkung. Der Rest der Einheit steht auch unter Feuer. Der Befehl lautet, Gebiet halten. Kampfhandlungen nach eigenem Ermessen weiterführen.“
In diesem Moment traf das Gaussprojektil eines Excaliburs das linke Bein seines Mechs. Warnlampen blinkten rot auf und Kyle wurde in die Gurte gerissen. Kyle stabilisierte seinen Mech mit einem Ausfallschritt nach rechts und wandte sich der feindlichen Maschine zu. Gleichzeitig hämmerten die LSR des Comstar-Mechs auf die linke Flanke des Mad-Dog ein.
Kaum hatte Kyle den Mech in die Richtung des Angreifers gedreht als die Laser eines Exterminators den linken Unterschenkelaktivator seines Mechs schmolzen.
Durch den Kommkanal der Einheit gellten weitere Todesschreie und Verwünschungen in Kyles Cockpit. Doch Kyle war jetzt vollkommen auf den Excalibur konzentriert. Durch eine Salve aus den KSR-Werfern kombiniert mit der PPK riss er den Feindmech mit mehreren Volltreffern im linken Torso auseinander indem er das Munitionslager und den XL-Reaktor zerstörte. Die Temperatur des Clan-Omnis kletterte mittlerweile in nie gekannte Höhen.
Nun war der Exterminator sein Ziel. Der jedoch hatte in der zwischenzeit nicht geschlafen und zwei von Kyles KSR-Lafetten unbrauchbar gemacht. Glücklicherweise war die Munition jedoch nicht explodiert. Jetzt war der Exterminator-Pilot auf dem Weg in den Nahkampf. Einer Disziplin die Kyle leider nicht so gut beherrschte.
Kyle versuchte jedoch erst gar nicht mit dem defekten Aktivator auf Entfernung zu kommen, sondern feuerte alles was er noch hatte auf den ComGuard-Mech ab.
Die verbliebenen KSR-Werfer spuckten die Raketen aus, die Entfernung war mittlerweile so gering, das alle Raketen trafen. Gerade als der Exterminator ausholte um einen Schlag gegen das Cockpit des Mad-Dog zu führen, schlugen die Raketen ein.
Der Exterminator kippte einfach nach hinten um als die Raketen den Torso und den Kopf zerfetzten.
Auf den Sensoren des Mad-Dog waren gerade noch drei der Mechs des Trinärsterns zu sehen, die vergeblich gegen eine Übermacht aus ComGuard-Mechs kämpfte.
Gerade wollte sich Kyle einem neuen Ziel zuwenden, als ein Schlag wie von der Faust Gottes den Mech traf. Jedenfalls kam es Kyle so vor als beide Gausskugeln einer Kingcrab den Rücken seines Mechs trafen. Er wurde in die Gurte geschleudert, schlug mit dem Kopf an eine Konsole. Dann wurde es schwarz um ihn.

Als Kyle wieder zu sich kam war das Schlachtfeld um ihn herum übersät von Trümmern und zerstörten Mechs. Keine Spur von den noch funktionstüchtigen ComStar-Mechs. Scheinbar hatten sich die Invasionstruppen nicht damit aufgehalten jeden Mechkrieger zu überprüfen. Sie mussten ihn für tot gehalten haben und waren weitergezogen.
Die Cockpitkontrollen des Mad-Dog waren ausgefallen und das Funkgerät war tot.
Wie lange war er Bewusstlos gewesen? Als er getroffen wurde war die Temperatur der Maschine im obersten Grenzbereich gewesen und nun war er bestenfalls noch warm. Es mussten mehrere Stunden vergangen sein.
Kyle packte sein Notpacket aus und nahm die Laserpistole aus dem Fach hinter dem Pilotensitz.
Vorsichtig öffnete Kyle die Ausstiegsluke des Mechs und kletterte an der nur noch warmen Aussenhülle hinab zum Boden.
Er versuchte von aussen die Schäden an seinem Mech zu identifizieren.
Die Autokanone war hinüber, der Unterarmaktivator des PPK-Arms war defekt, das linke Bein war im Kniegelenk steif und zwei seiner sechs KSR-Lafetten waren zerstört. Die Munition für die KSR und die AK waren beide nur noch zu einem Drittel vorhanden. Ausserdem schien einiges im Cockpit kaputt zu sein. Das Gyroskop und der Reaktor waren glücklicherweise noch intakt.
Wenn es ihm gelang die defekte Elektronik im Cockpit zu flicken, sollte er in der Lage sein nach Hause zu humpeln, falls es die Basis noch gab heißt das natürlich.
Kyle machte sich daran die nötigen Elektronikteile aus den Wracks der anderen Clanmaschinen zu bergen.
Er brauchte fast drei Tage um mit seinem, zugegebenermaßen sehr bescheidenen Techfertigkeiten die Cockpitelektronik soweit zu ersetzen das er den Mech in bewegung setzen konnte.

Kyle Kotare setzte den ramponierten Mad-Dog in Bewegung und steuerte ihn in Richtung der Kaserne wo die
7. Nebelparder-Kavallerie stationiert war.
Auf halbem Weg zurück zeigte der Sekundärmonitor des Mechs, der Primärschirm war immer noch defekt, das sich ungefähr 4 Mechs frontal auf ihn zubewegten.
Die Mechs waren ältere IS-Designs und trugen keine ComGuard-Farben. Die Mechs trugen ein grau-rotes Farbschema und einen Marodeur dessen Rumpf durch einen Totenschädel ersetzt worden war als Einheitsabzeichen.
Der grösste der Mechs, ein MAD-3D Marodeur stoppte in PPK-Reichweite und die anderen Mechs bildeten eine Reihe links und rechts neben ihm. Die Aussenlautsprecher des Marodeurs krachten und Kyle hörte eine rauhe Männerstimme:
„Wir sind Mercer's Mercenaries. Sie haben keine Chance, Clanner. Sie sind alleine und ihr Mech ist stark beschädigt. Ergeben sie sich oder sterben sie.“
Kyle wog seine Möglichkeiten ab. Dann öffnete er seine eigenen Aussenlautsprecher: „Ich bin Sternencaptain Kyle Kotare von den Nebelpardern. Ich ergebe mich hiermit den Mercer's Mercenaries.“ Er schaltete seine Waffen ab und fuhr den Mech herunter.
Er öffnete die Luke des Mad-Dog und ließ die Strickleiter hinab. Als er am Boden ankam sah er wie sich ein Bär von einem Mann von dem Grasshopper der Söldner-Lanze näherte.
„So, mein Junge, schön die Hände hoch nehmen.“, sagte der Riese und hielt einen gewaltigen Revolver auf Kyle gerichtet.
So kam es das Kyle Kotare, einstiger Krieger des Clan Nebelparder einer Söldnereinheit der Inneren Sphäre die treue schwor.
Die Mercer's standen Kyle zuerst äußerst misstrauisch gegenüber, erkannten jedoch bald das es für sie von Vorteil war den Clanner aufzunehmen.
So kämpfte er vier Jahre an der Seite der Mercer's Mercenaries, bis sie während eines Auftrages zerschlagen wurden. Nur drei der Mercer's überlebten. Darunter auch Kyle. Die Drei schleppten sich mit letzter Kraft zum Landungsschiff zurück und flogen so nach Outreach zurück. Die anderen beiden Krieger der Einheit waren zu schwer verwundet um weiterhin als Mechpiloten zu arbeiten und flogen nach Hause zurück.
Kyle jedoch nutzte das letzte ihm verbliebene Geld um seinen Mech wieder instand zu setzen. Leider reichte es nicht mehr um den rechten Hüftaktivator zu reparieren und Munition zu kaufen.
So hinkte sein Mad-Dog nun auf der rechten Seite und sowohl die reparierte AK als auch die nun wieder vollständig vorhandenen KSR-Lafetten waren ohne Munition.
Seitdem wartete Kyle auf die Rückkehr der einzigen Einheit bei der er sich beworben, und die noch nicht abgesagt hatte: Dantons Chevaliers.

Jarvis
14.03.2005, 11:18
Outreach, ein kleines abgewracktes Hotel in einem Randbezirk von Harlech, 6:00 Uhr Ortszeit

Nachdem er fast vier Jahre damit verbracht hatte, mit einer kleinen Söldnerkompanie durch die Inneren Sphäre zu reisen, war Kyle Kotare gerade auf Outreach eingetroffen.
Er hatte sich ein kleines Zimmer in einem billigen Hotel genommen. Dort lag er nun ausgestreckt auf dem alten Bett, das zusammen mit einem Nachttisch, einem Spind, einem Tisch und einem wackeligen Hocker das Mobiliar des Raumes bildete.
Was war nur aus ihm geworden? Noch vor vier Jahren war er ein aufsteigender Sternencaptain der Nebelparder gewesen der gerade seinen Blutnamen erkämpft hatte. Und jetzt? Er war ein Ausgestossener, ein einsamer Krieger ohne Clan und, seit seine “Heimat“ in der Inneren Sphäre zerschlagen wurde, ohne Aufgabe. Jeder dem er seit seiner Zeit auf Schwartz auf seiner scheinbar endlosen Reise begegnet war hatte abweisend reagiert wenn er mit seiner Nebelparder-Mechkriegeruniform aufgetaucht war. Mehr als einmal musste er sich für die Taten seines Clans verantworten. Doch er war Nebelparder und er war stolz darauf.
Leider war das einzige was ihm von seinem Clan geblieben war sein ramponierter und notdürftig reparierter Mad Dog. Mit jedem Kampf, mit jeder Herausforderung die er annahm um seinen Wert zu beweisen wurde es schwieriger ihn kampfbereit zu halten. Langsam kam er mit seinen Kenntnissen der Technik nicht mehr weiter. Ausserdem hatte er seit dem letzten Einsatz keine Munition mehr. Wenn er nicht bald eine Anstellung als Mechkrieger in einer neuen Einheit fand die imstande war den Clan-Omni zu warten würde er den Mech aufgeben müssen.
Nachdem er so eine ganze Zeit lang über seine Situation nachgedacht hatte, raffte er sich auf.
„Stravag! Ein Clankrieger verliert sich nicht in Selbstmitleid! Steh auf und such dir eine neue Heimat und liege hier nicht so faul herum!“, befahl er sich selbst.
Er stand auf, zog seine Parder-Uniform an, schnallte seinen Laser um, steckte sein Stiefelmesser ein und begab sich auf den Weg zur Wolf-Hall.

Outreach, Wolf-Hall, kurze Zeit später.

In der Wolf Hall angekommen bewegte sich Kyle zielstrebig auf eines der Söldner-Registrierungs-Terminals zu.
Er gab die geforderten Daten ein um sich als Söldner ohne Anstellung zu registrieren:

Name : Kyle Kotare
Alter : 27 Jahre
Herkunft : Clan Nebelparder
Heimatwelt : Huntress
Ausbildung : Mechkrieger
Rang : Sternencaptain
Freigabe : Schwere und Überschwere Mechs
- Clan-Omni-Mechs -
Mech : Mad Dog, Konfiguration A
Lebenslauf : siehe Anhang A - Kodax-Daten

Nachdem er sich also registriert hatte, durchsuchte er die Datenbank nach geeigneten Einheiten.
Die Suche stellte sich als recht kompliziert heraus, da er eine Einheit suchte die ihn als Clan-Krieger anerkennen würde. Eine Einheit die ihn nicht für die Taten seines Clans zur Rechenschaft zog, eine Einheit die ihn, seine Herkunft und sein Können akzeptierte. Er suchte nach einer Einheit die er Heimat nennen konnte. Auch wenn es schwer war. Für ihn und die Einheit.
Nach mehreren Stunden der Suche hatte er einige mögliche Einheiten markiert und ihnen seine Daten zugesendet.

Outreach, Wolf-Hall, einige Tage später.

Ein Novakatzen-Krieger hätte es Schicksal genannt. Unter den Einheiten die Clanner in ihren Reihen hatten, fand sich auch eine Einheit die als Dantons Chevaliers bekannt war. Alle anderen Einheiten hatten bereits abgesagt. Entweder konnten sie seinen Omni-Mech nicht halten oder sie waren schon voll besetzt. Nun blieb Kyle nur noch die letzte Hoffnung auf eine Anstellung bei den Chevaliers. Die Einheit war gerade auf einem Einsatz und Kyle hoffte darauf das die Einheit bei ihrer Rückkehr einige Planstellen neu zu besetzen hatte. Wenn diese Hoffnung falsch sein sollte war er einmal mehr gestrandet. In der Inneren Sphäre, auf Outreach, ohne Geld, ohne Ehre.

Ironheart
17.03.2005, 21:58
Das Ende in Leipzig

3 Kilometer Nördlich der SKULLCRUSHER, Financial-District, Leipzig
Bryant, Chaos-Marken
4. Mai 3065

„Doc hat´s erwischt. Scheisse, Doc hat´s erwischt“ kam es über Funk rein und jetzt erst bemerkte Hank Borer die Rauchsäule, die aus dem brennenden Mantikor emporschlug. Auf diese Entfernung konnte er nicht erkennen, ob es der alte Haudegen raus geschafft hatte, aber selbst wenn, er hatte im Moment keine Zeit das jetzt herauszufinden.
Die Lage war offensichtlich aussichtslos, die Mission verloren. Auch wenn sie den Blake-Mechs ebenfalls schon ordentlich zugesetzt hatten, der frühe Ausfall des Kabuto und der Fury, beides relativ glückliche Abschüsse für die Blakisten, rächte sich jetzt gewaltig. Der LKW mit dem Prototyp war gestoppt worden, Mikos Kampffalke humpelte langsam zurück und sein eigener Dervish IIC war auch schon stark angeschlagen, seine Panzerung war bereits an einigen Stellen hauchdünn. Von den Panzern waren nur noch Battalignis Bulldog und Niedermayers Mantikor einsatzbereit und stellten sich jetzt vor den Raijin und hielten diesen auf Abstand von Docs brenndendem Mantikor. Für einen Augenblick konnte Hank sehen, wie ein paar Chevaliers von noch intakten Panzern aufgenommen wurden. So wie es aussah, hatte die Besatzung von Docs Mantikor wohl doch überlebt, obwohl Hank nicht hatte erkennen können, wie viele von Ihnen. Doch wenn sie sich nicht bald zurückziehen würden, wäre auch das sicher nur von kurzer Dauer.
„Sakura von Sol, wir müss´n wech hier, aba schnell, ne?“ Miko hatte jetzt rein offiziell das Kommando, doch Hank war sich nicht sicher, ob sie schon so weit war.
„Ja, du hast Recht. Doc 3 und 4 zieht euch zurück. Wir geben euch Deckung.“
„Wat is mit´m Prototyp?“ fragte Hank, während er mit einer weiteren Breitseite den Lancelot auf Abstand hielt.
„Weder Caprese noch Sagrudson melden sich. Wir ziehen uns gemeinsam bis zur Position der LKW´s zurück. Sollte der Prototyp bis dahin noch nicht vernichtet sein, dann werden wir das tun.“
„Aye“ antwortete Hank knapp. Sie hatte Recht, sollten alle Stricke reißen, und danach sah es im Augenblick aus, dann würden sie selbst den Prototypen zermalmen. Hank lief bei dem Gedanken an solch einen Frevel der kalte Schauer über seinen verschwitzten Körper. Doch es musste wohl so sein.
Jetzt zogen sich die zwei übrig gebliebenen Panzer und Mechs zurück, wobei der Raijin sich immer noch mit den beiden Panzern balgte, während Miko mit dem Initiate und der Crab kämpfte und Hank sich abwechselnd den Lancelot und den Buccaneer vom Leibe hielt. Obwohl Hank all sein Können aufbot, konnte er die Treffer nicht verhindern, auch wenn er aus so gut es ging auswich. Er hatte nur noch vier Salven seiner Artemis-IV 10er-LSR übrig. Dann würde er nur noch über seine beiden mittleren ER-Laser und die beiden Artemis-IV 2er-KSR verfügen. Nicht gerade ein Arsenal, mit dem er seine beiden starken Gegner besiegen konnte. Doch im Augenblick ging es ohnehin nicht darum, die beiden Mechs auszuschalten. Sie mussten sie nur lange genug hinhalten, bis es die noch lebenden Infanteristen und die Mechs und Panzer bis in den Radius der rettenden Landungsschiffgeschütze schaffen würden.
Dann passierte das unumgängliche, wenn man bedachte, dass der Crab und Initiate zusammen Mikos Kampffalken um mehr als doppelt soviel Tonnage überlegen waren. Sie wurde von einer kombinierten Salve des Crab und des Initiate getroffen, der die in ihrem linken Arm gelagerte Munition der dort eingelagerten Blitz-KSR zur Explosion brachte und damit nicht nur der Arm in hohem Bogen davon wirbeln ließ, sondern auch den Mech wie eine Stoffpuppe herumriss.
Hank reagierte sofort und trat seine Sprungdüsenpedale durch, obwohl er gerade wieder eine volle Breitseite auf den Buccaneer abgefeuert hatte und die Cockpittemperatur im wahrsten Sinne des Wortes höllische Ausmaße annahm. Er sah, dass sein Bombardement dem gegnerischen Mech die gesamte Frontpanzerung zerfetzte und das verwundbare Innenleben des Blakes-Mech zum Vorschein kam. Ein einziger Schuss würde ihn vernichten, doch das Leben seiner Kameradin war wichtiger, als dieser Abschuss.
Als er vor dem Crab und dem Initiate landete und sich diesen damit in den Weg stellte, musste er auf den Vetoschalter hämmern, um eine Notabschaltung zu verhindern.
Er teilte sein Feuer auf die beiden Mechs auf und versuchte gleichzeitig den immer näher kommenden Lancelot und den Buccaneer im Auge zu behalten.
Langsam wurde die Lage äußerst brenzlig. Und erst recht, als das Gegenfeuer der vier gegnerischen Mechs sich auf seinen Dervish IIC konzentrierte. Auch wenn ein Gutteil der gegnerischen Raketen und Laser an ihm vorbeizischten, reichte der Beschuss noch, um seinen rechten Arm vollständig zu zertrümmern und am Schultergelenk abzureissen. Doch anders als Miko hatte er mehr Glück und schaffte es unter der größten Anstrengung seinen Mech aufrecht zu halten. Die Frage war nur, wie lange noch, nachdem er durch den letzten Beschuss mit einem Schlag fast die Hälfte seiner Bewaffung genommen hatte.

In dem Augenblick, in dem Sakura wieder hochkam, waren sie von den vier Blakies endgültig halbkreisförmig umstellt worden. Ein böses Gefühl bemannte sich Hanks Magengrube und sein Blick fiel auf das Holobild seiner Frau und seiner kleinen Tochter. Würde er sie je wiedersehen? Er verdrängte seine dunklen Vorahnungen und wandte seine Gedanken wieder dem Gegner zu, dessen nächste Salve auf sie zugeschossen kam. Laser drangen in Bauch und Torso seines Mechs ein und und vernichteten Wärmetauscher, eine PPK fraß sich in sein linkes Bein und schälte seine gesamte Panzerung davon.
Auch Miko wurde in ihrem Mech ordentlich durchgerüttelt und es war ein Wunder, dass sie nicht sofort wieder zu Boden ging.
„Zurück, Miko“ keuchte Hank und löste seine Sprungdüsen aus. Das letzte, was sie jetzt noch retten konnte war die Flucht. Zum Glück reagierte die Japanerin richtig und tat es ihm gleich, so dass sie sich wie zwei Heuschrecken vom Feind zu lösen versuchten.
Doch vergeblich.
Unerbittlich stiessen die Blakies hinter Ihnen her und erneut zischten die Geschosse und Laser um ihre Ohren. Hank achtete schon gar nicht mehr auf die Schadensanzeigen, sonst hätte er die steife Hüfte bemerkt, die sein Mech jetzt hatte. Doch das spielte so oder so keine Rolle mehr. Fast schon mechanisch drosch er auf den Veto-Schalter und konnte gerade noch so eine Abschaltung verhindern, dann feuerte er die spärlichen Überreste seiner Waffen ab und sprang wieder Rückwärts so schnell es ging. 500 Meter waren es jetzt nur noch bis zur Reichweite der Skullgeschütze, 3 bis 4 Sprünge noch, die die Rettung bedeuten würden. Doch er fragte sich, ob sie es durch dieses Dauerbombardement überhaupt schaffen würden. Ausserdem waren sie jetzt auf Höhe der gestrandeten LKW´s und müssten diese jetzt eigentlich vernichten. Doch stattdessen, wurden sie anscheinend sie selbst vernichtet werden. Raketen schlugen auf seinen Mech ein und Sterne tanzten vor seinen Augen, als ein Treffer an der Cockpitpanzerung seinen Kopf gegen die Rückenlehne donnern ließ. Er versuchte vergeblich das Gleichgewicht zu halten und als er sich hochrappelte, sah er, dass es Miko nicht besser ging.
„Miko, STEIG AUS…“ brüllte er, als er sah, wie gefährlich nahe die Crab und der Initiate ihrem Mech gekommen waren. Was jetzt kommen würde, hatte Hank schon so oft gesehen, dass er bereits die Laser vor seinem geistigen Auge sah, wie sie gleich aus den Geschützen der Blakes-Mechs jagen würden und seine wehrlos am Boden liegende Kameradin töten würden.
Und es gab nichts, was er dagegen tun konnte.

Doch dann krachte etwas Schnelles in die Rückenpartie des Crab und ließ den Mech wie eine Puppe herumwirbeln, statt dass dieser seine Waffen abfeuern konnte. Und die Initiate, die zwar gefeuert hatte, aber durch den unerwarteten Beschuß von hinten abgelenkt wurde, verfeuerte fast alle Laser und Raketen in den Boden um den kleinen Kampffalken herum. Der Angriff der übrigen Blakies geriet ins Stocken, da sie von den Neuankömmlingen genau so überrascht worden waren wie Hank selber. Er blinzelte einen Augenblick und versuchte die Typenkennungen der Neuankömmlinge zuzuordnen. Waren etwa die Chevaliers aus Brein zu Ihnen gestossen? Doch als er einen Cestus, einen Attentäter und einen Clint ausmachte, wusste er, dass das keine Chevaliers sein konnten.
Dann erkannte er den vierten der Mechs, der in rasender Geschwindigkeit auf ihre Position zukam. Und diese Typenkennung konnte er klar zuordnen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht, als er Dennys Mech erkannte.
„Hey, Three-D, ich wußt` dass Du uns nich im Stich…“
Doch er kam nicht dazu, diesen Satz zu beenden. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung war und noch während er seinen Mech herumdrehte, gellte Dennys Warnung durch den Funk. „Hank, pass auuuff…“
Doch er war zu spät. Hank riss seinen noch intakten linken Arm empor und drückte noch ab, ohne sehen zu können, ob er treffen würde. Er sah auch nicht mehr den bedrohlichen Schatten des Fallbeils, welches mit rasender Geschwindigkeit auf sein Cockpit zuraste.
Das letzte, was Hank in seinem Leben sah, war das Holobild seiner Frau und seiner Tochter. Einer Tochter, die ihren Vater niemals kennenlernen würde.
Dann war nur noch das Geräusch kreischenden Metalls, welches Hanks Schmerzensschrei vollkommen überlagerte.

*************************************************

Mit einem teuflischen Grinsen kam der Krächzer auf Greta zu und sie blickte wie gebannt auf die Mündung seiner Waffe. Jeden Augenblick würde er abdrücken und sie wäre verloren. In einer letzten Trotzreaktion verzog sie das Gesicht und spuckte zu Boden und in diesem Augenblick sah sie den Zünder, drei Meter vor ihr liegen, fast genau in der Mitte zwischen ihr und dem feindlichen Agenten. Ein kurzer Sprung und ein schneller Druck auf den Auslöser und der Prototyp würde zumindest nicht den Blakies in die Hände fallen. Aber würde sie schnell genug sein?
Bevor sie eine Entscheidung fällen konnte, wurde sowohl sie als auch die vier Blakes-Wort Kommandos von rechts überrascht.
„Sind Sie da nicht etwas voreilig?“ fragte ein Neuankömmling, den Greta nicht kannte. Dieser richtete wie auch sein Partner eine kurzläufige Maschinenpistole auf den Kopf des Krächzers, was durch einen roten Laserzielpunkt auf dessen Stirn eindeutig dokumentiert wurde. „Was auch immer sich in diesen LKW´s befindet, es ist Eigentum des freien Kollektivs Bryant und ich bin sicher, dass Count Dvensky wenig erfeut wäre, wenn sie ihm das vorenthalten wollen.“
Der Blakist schien offensichtlich überrascht zu sein und wandte sich den beiden Neuen zu, die Waffe aber immer noch im Anschlag auf Greta.
„Misterchrr Rchrraducanu, Misterchrr Povlsen, schön sie beide mal wiederchrr zu sehen“ antwortete der Geheimdienstmann, doch seine zu Schlitzen verengten Augen verrieten, dass er genau das Gegenteil empfand. Dieser Eindruck wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass die drei Blakies hinter dem Krächzer ihre Waffen nun auf die beiden Bryanter richteten, worauf hin Povlsen seine Maschinenpistole nun von einem zum anderen wandern ließ.
„Misterchrr Rchrraducanu, ich muß Ihnen leiderchrr widerchrrsprchrren. Mein Orchrrden wirchrrd dieses rchrrechtmäßig uns gehöhrchrrende LosTech an sich nehmen. Und sie sollten sich uns lieberchrr nicht in den Weg stellen.“
Gretas Herz raste und sie überdachte ihre Optionen. Rechts von ihr lag nur einen knappen Meter entfernt ihr Sturmgewehr. Und drei Meter vor ihr der Zünder. Doch um sie herum standen insgesamt sechs Kommandosoldaten. Sie würde durchsiebt werden, noch bevor sie eines von beiden erreichen würde. Andererseits, so wie die Lage aussah, hatte sie eh keine allzu große Chance zu überleben. Die Frage würde nur sein, wie sie sterben würde.
Doch wieder wurde sie von einer Entscheidung abgehalten, als sie hinter sich ein knappes Stöhnen hörte und aus den Augenwinkeln sah, wie sich Adept Ivarson wieder aufrichtete. Er schien verletzt zu sein, wohl aber noch in der Lage seine Waffe auf die Blakisten zu richten. „Nur über meine… Leiche…“ zischte er hörbar mühsam heraus.
Der Krächzer verdrehte die Augen, als er sich dem langsam aufstehenden ComStar-Agenten zuwandte. „Beim Blute Blakes, werchrr denn noch alles? Naja, ihrchrren Wunsch kann ich sicherchrr einrchrrichten.“ Dann seufzte er einmal tief durch und für einen Augenblick stellte sich eine gespenstische Ruhe ein, wie die kurzzeitige Stille im Auge eines Hurrikans. Außerhalb des Ringes an LKW´s tobte der Schlachtlärm und hier drinnen würde auch gleich die Hölle losbrechen, das konnte Greta am Gesichtsausdruck jedes einzelnen Agenten und Kommandosoldaten erkennen. Sie musste jetzt eine Entscheidung treffen, ob sie sich nach vorne werfen sollte um den Zünder zu erreichen oder ob sie sich nach rechts werfen sollte, um ihre Sturmgewehr zu erwischen.

Dann brach das Inferno los.
Der Krächzer bewegte sich behände wie eine Katze, sprang zur Seite und entging damit den Kugeln aus Raducanus MP, während seine eigene Waffe Feuer spuckend hinüber zu Ivarson ruckte. Dieser hatte mit dem Angriff gerechnet und bewegte sich trotz seiner blutenden Wunde seitlich weg und entging – wie Greta hoffte – zumindest genug Kugeln um den Krächzer selbst zu treffen. Dann fällte auch Greta ihre Entscheidung und hechtete nach vorne um den Zünder zu erreichen. Im Fallen sah sie, wie Povlsen sich ein Feuergefecht mit den drei übrigen Blakes-Wort Soldaten lieferte. Einer der drei wurde von einer Breitseite nach hinten geworfen, ein zweiter wurde durch Kugeln so zersiebt, dass er sich in einer Pirouette um die eigene Achse drehte. Doch die Blakies waren auch nicht unfähig. Als Greta den Zünder erreicht hatte und in die Hand nahm, sah sie aus dem linken Augenwinkel, wie Raducanus Brust zu explodieren schien und er gegen die Seitenwand des hinter ihm stehenden LKW´s geschleudert wurde. Dort sackte er getroffen zu Boden, einen blutigen roten Streifen hinter sich herziehend.
Aber Greta sah bereits nicht mehr hin, sondern drehte den Zünder so, dass sie den Knopf drücken konnte.
Und dann durchfuhr sie der Schmerz.
Wie in Trance bekam sie noch mit, wie glühendheisse Nadeln in ihren Rücken fuhren und sich direkt durch ihre Lungen bohrten. Sie wollte schreien, doch es gelang ihr nicht. Sie wollte den Auslöser drücken, doch auch das gelang ihr nicht. Im Gegenteil, die Wucht der Projektile, die in ihren Körper einschlugen, entriss ihr den Zünder noch bevor sie ihn betätigen konnte. Mit vor Schmerz geweiteten Augen und mit stummem Entsetzen versuchte sie sich mit letzter Kraft zu strecken und den Zünder doch noch einmal zu erreichen. Dieser lag nur zehn Zentimeter vor ihrer rechten Hand.
Sie scharrte im Boden und versuchte verzweifelt vorwärts zu kriechen. Doch sie konnte sich nicht mehr bewegen, ihr Körper wollte einfach nicht mehr auf ihre Befehle reagieren. Dann explodierte der Zünder in einem wahren Funkenregen als mehrere Projektile einschlugen.. Als kurz darauf ein Schatten über ihr Gesicht fiel, erkannte sie den geheimnisvollen Blakes-Wort-Agenten der sich grinsend vor ihr aufbaute. Aus mehreren Einschusslöchern seiner rechten Seite sickerte Blut, doch der Augenblick der Genugtuung verflog für Greta schnell, als ihr Blick auf die Mündung der Maschinenpistole fiel, welches direkt auf ihr Gesicht zeigte.
In diesem Augenblick wusste sie endgültig, dass sie versagt hatten. Blakes Wort würde sich des Satelliten bemächtigen und sie hatte es nicht verhindern können. Dann – von einem Augenblick auf den anderen – wurde es tiefste Nacht.
Eine Nacht, aus der Greta Caprese nicht wieder erwachen würde.

******************************************

„NEEEEEIIIIIINNN“ Denny schrie aus vollem Halse, als er sah, wie sich das Fallbeil des Buccaneer tief in den Schädel des Dervish IIC bohrte. Dieser feuerte noch einmal mit einem Laser und zwei KSR´s aus kürzester Distanz in die Eingeweide des Blakes-Mechs. Die Temperaturskala des Mechs schoss in die Höhe, als die Reaktorabschirmung getroffen wurde. Wenige Augenblicke später entfesselte sich die volle Wucht einer Reaktorexplosion. Beide Mechs gingen in einem gigantischen Blitz unter und ihre Einzelteile wurden in alle Richtungen davongeschleudert.
Noch ehe sich die Erkenntnis von Hanks Tod in Dennys Kopf festigen konnte, hatte er seinen Mech auf Maximalgeschwindigkeit beschleunigt. Die Lanze Blake-Mechs liess jetzt von Mikos humpelndem Kampffalke und den beiden übrig gebliebenen Panzern ab und wandte sich den Neuankömmlingen zu. Sie waren natürlich überrascht worden und schienen sich neu formieren zu wollen. Vielleicht wollten sie sich aber auch zurückziehen, denn immerhin hatten sich die Kräfteverhältnisse jetzt dramatisch geändert.
Denny nahm sich vor sie nicht davonkommen zu lassen.
Er nahm den ihm am nächsten stehenden Mech ins Visier, einen Initiate der es ihm wohl nachmachte. In Dennys Cockpit schrillten die Warnglocken einer Raketenerfassung und in diesem Augenblicke aktivierte er sein MASC und brach nach rechts aus, so dass alle Waffen des Initiate vorbeischossen. Nur eine einsame Rakete, die fast wirkungslos an seiner Armpanzerung verpuffte, traf. Dieser Fehlschuss hatte den gegnerischen Piloten anscheinend paralysiert. Fast regungslos blieb der Pilot stehen und steckte eine volle Breitseite aus Dennys Waffen eine. Die PPK traf die linke Schulter, die vier mittleren Laser gruben sich in den Torso ein und hinterliessen gewaltige Breschen in der Panzerung. Die Wucht des Angriffs hob den Mech förmlich von den Füßen und ließ ihn nach hinten wegkippen. Denny hielt sich nicht lange mit dem gefallenen Mech auf. Er aktivierte seine Sprungdüsen und ignorierte die Hitze, die jetzt durch sein Cockpit brandete. Seine Welt bestand in diesem Augenblick nur aus einem einzigen Gedanken: Rache!
Er bekam nicht einmal mit, wie der Cestus, der Attentäter und der Clint hinter ihm her hechelten und ihm zu helfen versuchten. Sie nahmen den Lancelot und den Raijin aufs Korn, die den Beschuss erwiderten und den Clint hart trafen, der getroffen zu Boden ging. Doch damit hatten sie das Feuer von ihm ablenken können, so dass er ungehindert seitlich hinter dem Raijin aufkam, die Landung sanft abfederte und dem Mech drei seiner vier mittleren Laser in die bereits beschädigte linke Seite jagte. Die dort eingelagerte KSR-Munition fing Feuer und fraß sich durch den Körper des 50-Tonnen schweren Mechs, der daraufhin stürzte, aber Anstalten machte gleich wieder aufzustehen. Ohne mit der Wimper zu zucken, rammte er seinen linken Fuß in das Cockpit des am Boden liegenden Mechs.
Dann sah er, wie sich der Crab und der Initiate aufrichteten, um sich wieder in den Kampf einzuschalten. Der Crab wurde wieder von einer Gausskugel aus Lowcombs Cestus getroffen, konnte sich aber dennoch aufrappeln und sich zurückziehen. Denny indessen jagte seine PPK in den Rücken des Initiate, was den anscheinend unerfahrenen Piloten gleich wieder auf den Boden schickte. Unerbittlich jagte Denny zu der auf dem Bauch liegenden Maschine zu und feuerte dann alle mittleren Laser in den Rücken des bereits schwer beschädigten Mechs.
Er fühlte keinerlei Mitleid, als er den Schleudersitz der liegenden Maschine aus dem Kopf schiessen sah, wahrscheinlich von dem in Panik geratenen Piloten gezündet. Der Pilot wurde wenige Meter über den Boden wie eine Kanonenkugel von der sterbenden Maschine weggeschossen. Doch dann prallte der Sitz auf dem Boden auf und zerschellte sich mehrfach überschlagend. Denny sah bereits nicht mehr, wie der ausgeweidete Mech vollkommen explodierte und nichts als einen tiefen Krater hinterließ. Er hatte sich bereits längst seinen nächsten Gegner ausgesucht und jagte auf den Lancelot zu, der in eben diesem Augenblick den Clint erledigt hatte. Denny hörte den markerschütternden Schrei des Piloten Mardusa, kurz bevor eine Flammensäule aus seinem Cockpit schoss.
Der Lancelot und der Crab zogen sich jetzt endgültig zurück, die Karten standen mit einem Mal mehr als schlecht für die Blakistent. Doch Denny hatte nicht vor sie gehen zu lassen, seine unbändige Wut war noch längst nicht verraucht. Er hatte gesehen, wie dieser Lancelot zusammen mit dem Buccaneer Hanks Dervish IIC zusammengeschossen hatten.
Und das würde er jetzt rächen, koste es was es wolle.

„Dukic-san, lass sie gehen, sie ziehen sich zurück…“ kam es von Miko Tsuno, der einzigen Pilotin der Scoutlanze, die außer ihm noch übrig war.
„Nein, Sakura! Zieh du dich mit den Panzern zum LKW zurück und schafft ihn zum Landungsschiff. Ich hab noch was zu erledigen…“ gab er bestimmt zurück und schloss den Kanal um jegliche Widerworte im Keim zu ersticken.
Dann machte er sich auf den Weg zu dem angeschlagenen Laneclot und dem Crab.
Auch Lowcomb und Jimmi Boum, der Pilot des Attentäter, hatten seit Wochen noch eine Rechnung mit den beiden Blakies offen, erst recht nachdem es nun auch mit Mardusa einen weiteren Ihrer Kameraden erwischt hatte.
Denny war insgeheim froh darüber, auch wenn er die beiden notfalls auch alleine angegangen wäre. Seine Wut und Trauer überlagerten in diesem Augenblick jeglichen Sinn für Vernunft und liessen seine Ur-Instinkte als Mechpilot hervorblitzen. Denny jagte mit seinerm MASC sehr schnell an die beiden heran, und umging sie links, was das Feuer der beiden Mechs zwangsläufig aufteilte. Der Crab feuerte aus allen Rohren auf den Attentäter, der auch prompt zu Boden ging. Dafür revanchierte sich Lowcomb mit seinem Cestus und die Gausskugel ließ den Blakisten wanken.
Dennys Beschuss auf den Lancelot gingen dieses Mal zur Mehrzahl daneben, nur ein mittlerer Laser hinterließ eine tiefe Brandnarbe auf dessen Panzerung. Der Lancelot-Pilot war offensichtlich aus anderem Holz geschnitzt als seine Sektionskameraden, denn seine Bewegungen waren deutlich sicherer und flüssiger und er schaffte es Denny einigermaßen auf Distanz zu halten. Zudem teilte er auch ordentlich aus. Die PPK des Lancelot bohrte sich in Denny´s rechte Torsoseite, einer der schweren Laser brannte ihm ein tiefes Loch ins linke Bein. Doch Denny blieb ihm in der nächsten Salve nichts schuldig, auch wenn er nur mit zwei mittleren Lasern und einer PPK antwortete, da er zumindest etwas Hitze abbauen musste. Hart getroffen wankte der Lancelot, doch fiel nicht.
Dessen nächste Salve malträtierte wieder Denny´s rechten Torso und einer seiner Laser verabschiedete sich. Der Firestarter geriet ins Straucheln, doch Denny feuerte wagemutig die Sprungdüsen durch und stabilisierte seinen Flug. Als er landete, bekam er mit, wie der Attentäter in die Luft flog, auch der Crab verstand sein Handwerk. Doch dieses Mal konnte sich der Pilot zumindest retten.
Denny hingegen hoffte, dass Lowcomb mit dem Crab fertig werden würde. Genauso wie er hoffte, nicht gegen den Lancelot zu verlieren. Er spielte mit dem MASC und seinen Sprungdüsen seine Schnelligkeit aus, während er die schwerere Blake-Maschine permanent umkreiste. Und dann war es soweit, er erwischte den Lancelot durch eine der tiefen Breschen und schickte den Blakisten zu Boden. Als er auftstehen wollte, jagte ihm Denny alles in den Körper was er hatte, auch wenn das seine Cockpittemperatur so sehr empor schiessen ließ, dass er befüchtete die Armaturen könnten schmelzen. Der Lancelot aber stand nicht wieder auf. Hasserfüllt näherte sich Denny der feindlichen Maschine und für einen Augenblick schoss es ihm durch den Kopf wieder zuzutreten, wie er es bereits bei dem Raijin gemacht hatte. Doch der Kampf zwischen dem Crab und dem Cestus forderte seine Aufmerksamkeit, als die Maschine von Lowcomb zu Boden ging und der Crab sich Dennys neuen Verbündeten näherte um ihn zu erledigen. Denny gab Vollgas und feuerte dabei wieder einen Teil seiner Waffen ab, was den Rücken der Crab endgültig aufschlitzte. Als Denny in dann aus voller Wucht von Hinten rammte, schlidderte der Mech kreischend über den felsigen Boden und explodierte dann vor seinen Augen.
Denny blinzelte in der Hitze und jetzt hatte sein MechComputer endgültig die Nase voll. Er ließ den Mech herunterfahren. „NEIN!!!“ Denny drosch auf den Veto-Schalter, doch es war zu spät. Sekunden vergingen, in denen er wehrlos mit ansehen musste, wie der Lancelot doch wieder aufstand und sich aufstellte. Mit geweiteten Augen erkannte er wie der Mech seine Waffen ausrichtete und auf seinen fast ungeschützten Rücken zielte.
Dann ruckte das Cockpit des Mech sclagartig nach hinten, als Panzerung und Knochensplitter nach allen Seiten davon geschleudert wurden.
Überrascht blickte Denny sich um und erkannte, dass Lowcomb ihm gerade das Leben gerettet hatte.
„Damit sind wir gleich wieder quitt, oder?“ gab Lowcomb zurück, indem er auf den Crab anspielte. Seine Stimme klang aufgedreht, was auch kein Wunder war, bedachte man, welch harten Kampf sie gerade überlebt hatten.
Bei diesem Gedanken zuckte ein rasender Schmerz durch Denny´s Kopf und er trottete langsam in Richtung der Überreste des Dervish IIC. Als er dort ankam, war sein Gesicht bereits gerötet von Tränen, die ihm heiss über die Wangen liefen.

*****************************


Mit grimmigem Blick drückte Evander Povlsen den Abzug seiner MP durch und traf den dritten Blakes-Wort-Agent in dem Moment, in dem dieser auf ihn schoss. Seine eigenen Kugeln zerfetzten das Gesichtvisier des Gegners und schleuderten ihn nach hinten, doch die seines Feindes bohrten sich in seine Seite, so dass er ebenfalls getroffen zu Boden sank. Die Welt um ihn herum verschwamm gefährlich und er hörte in der Ferne den Lärm von Raketen, das Zischen von Lasern und das Krachen einer PPK. Die Mechs kamen anscheinend näher.
Dann war er wieder klar, genau in dem Augenblick in dem der Krächzer die bereits verwundete Kommando-Soldatin der Chevaliers mit einem gezielten Schuss tötete.
Povlsen blieb regungslos liegen und erkannte mit einem schnellen Blick, dass nur noch er und der Krächzer am Leben waren. Alle anderen Agenten hatten sich gegenseitig umgelegt. Als sich der Blakist umschaute, schloss Evander blitzschnell die Augen und ließ die Atmung aussetzen, so wie er es einst gelernt hatte. Er konzentrierte sich auf die Geräusche in seiner unmittelbaren Umgebung und hörte das Scharren von näherkommenden Schritten. Der Krächzer war ein Profi, genauso wie Evander, und daher wusste er, dass er nur noch wenige Augenblicke zu Leben hatte, wenn er nicht sofort reagierte.
Trotz der Schmerzen in seiner Seite drehte er sich blitzschnell herum und setzte zu seinem Sicheltritt an, der den Krächzer zumindest etwas überraschte und zurück taumeln ließ. Damit ging dessen Salve aus der Maschinenpistole auch zu hoch und zerfurchte nur den Boden an der Stelle, an der Evander noch vor wenigen Augenblicken gelegen hatte. Dann riss der ehemalige LNC-Agent seine Waffe in die Höhe und drückte seinerseits ab. Die Kugeln bohrten sich in das linke Bein des Blake-Agenten, trafen auf den Unterleib und zogen eine Spur über dessen Oberkörper. Dann trafen seine Kugeln das schrecklich vernarbte Gesicht, in dem Evander den überraschten Ausdruck des Geheimagenten erkannte. Anscheinend hatte er es nicht für möglich gehalten, von Povlsen besiegt zu werden. Der tote Agent fiel rückwärts und schlug auf dem matschigen Boden auf. Evander stand mühsam auf und jagte sicherheitshalber jeweils eine weitere Kugel in die liegenden Körper der Blakisten-Agenten. Er wollte schließlich nicht auf denselben Trick hereinfallen.
Als er sicher war, dass die Blakies alle tot waren, ging er zu Dorinel Raducanu hinüber, und stellte keinen Puls mehr fest. Evander tendierte nicht zu Sentimentalitäten, als Ex-Agent konnte er sich einen solchen Luxus nicht leisten. Doch in diesem Falle war das etwas anders gewesen. Mit der Zeit war ihm sein Partner ans Herz gewachsen, doch nun war er tot. Povlsen bereute einen Augenblick seine Entscheidung sein und Dorinels Leben riskiert zu haben. Doch nach allem, was bislang vorgefallen war, musste er einfach herkommen um Count Dvensky und der Spinne zumindest etwas anbieten zu können. Jetzt konnte er zumindest das Geheimnis dieser Container lüften und damit vielleicht seine eigene Haut retten. Erschöpft richtete er sich auf und keuchte als sein Kopf die Schmerzen seiner linken Seite zu seinem Gehirn durchließ.
Dann hörte er ein weiteres Keuchen und drehte seine Waffe überrascht herum.
„Sie sind wohl auch nicht leicht zu töten, oder?“ fragte er den Soldaten, der sich erneut aufzurichten versuchte. Der Uniform nach handelte es sich um einen Pionier der Chevaliers.
„Das ist mein Job“ keuchte dieser zurück und sein Blick fiel auf die etwas weiter entfernt liegende Waffe.
„Versuchen sie es gar nicht“ sagte Evander, der den Blick des Soldaten aufgefangen hatte. Dieser nickte resignierend und ließ den Kopf nach hinten sinken.
„Dann geben… sie mir den Rest und lassen sie mich nicht unnötig warten.“
Povlsen schüttelte den Kopf, als er langsam näher kam. „Nein, ich bin nicht hier, um sie zu töten.“ Evander wusste, dass er log, kaum das er es ausgeprochen hatte. Sollten die Blakisten den Kampf gewinnen, würde er den Chevalier töten müssen, um sein eigenes Leben zu retten. Sollten aber die Chevaliers gewinnen, dann würde die Tatsache, dass er den Krächzer getötet hatte, ihm vielleicht das Leben retten. „Ich will nur wissen, was in diesen gottverfluchten Containern ist. Warum zur Hölle sind die Chevaliers hier? Warum habe ich mehrmals mein Leben riskiert und warum musste mein Partner und all die anderen sterben?“
Der verwundete Soldat blinzelte Evander verwirrt an, dann begann er keuchend zu lachen. „Sie… Sie wissen es nicht? Sie wissen es wirklich nicht?“ Das atemlose Lachen des Soldaten verwirrte und ärgerte Povlsen regelrecht.
Als Povlsen´s Augen sich zu Schlitzen verengten, entschied der Soldat, dass es wohl besser sei, kein Risiko einzugehen. „LosTech“ grinste er schwach.
Und mehr brauchte er auch nicht zu sagen, denn Povlsen nickte. „Ja, so etwas habe ich mir schon gedacht.“ Doch noch bevor er fragen konnte, um was genau es sich handelte, näherten sich die unverkennbaren wummernden Schritte eines Battlemechs. Als der arg lädierte Kampffalke in Sichtweite kam und über die provisorische Mauer der LKW´s schaute, wusste Evander, dass die Chevaliers gewonnen haben mussten. Die Blakisten verfügten nicht über einen Mech diesen Typs. Evander Povlsen zögerte nicht lange und warf seine Maschinenpistole auf den Boden und hob die Arme hinter den Kopf.
Sein Einsatz war gescheitert, auf der ganzen Linie. Und nun lag seine Zukunft und sein Leben in den Händen der Chevaliers.

Casper
31.03.2005, 09:45
Klasse B Com Star- Einrichtung,
Brein, Bryant, Chaos-Marken
01. Mai 3065

Am nächsten Morgen fand Rebecca nach ihrem Frühsport eine Nachricht auf ihrem Comblock vor, nach der sie sich um 1200 bei Lt. Wolf einzufinden hatte. Stöhnend legte sie den Comblock auf ihrem Bett ab, griff sich ein Handtuch und durchwühlte ihren Schrank nach passender Wäsche. Das war das einzige, das ihr jeden Morgen schwerfiel. Was die normale Kleidung anging, so war die Wahl einfach. Da blieb nur die Dienstuniform. Doch was sie darunter tragen sollte, war jeden Morgen Anlass zu einem kurzen emotionalen Chaos. Für wen tat sie das eigentlich? Schließlich hatte sie ihre Wahl getroffen, wickelte die Unterwäsche sorgfältig in das Handtuch ein, legte die Uniform sauber gefaltet darüber, klemmte sich das Wäschepaket unter den Arm und machte sich auf den Weg in Duschraum. Diese Besprechung mit Wolf hatte ihr gerade noch gefehlt, da konnte sie auch keine angenehme, heiße Dusche trösten. Sie befürchtete, dass der Lieutenant sie nochmals zur Ordnung rief. Aber es blieb ihr keine Wahl.

Nach dem vormittäglichen Taktiktraining machte sie sich auf den Weg zu Wolfs Büro. Sie war in Gedanken noch völlig in die Nachbetrachtung des Trainings versunken. Nach wie vor machte ihr das Zusammenspiel der einzelnen Lanzenmitgliedern Sorge. Sie waren eben keine eingespielte Einheit, die seit Jahren zusammenarbeitete. Insbesondere der Shugenja von Corporal Marvin bereitete ihr Kopfzerbrechen. Weniger der Pilot, als viel mehr die Maschine. Sie konnte den Mech nach wie vor nicht wirklich einordnen. Zu was war er in einem Kampfeinsatz in der Lage? Wie musste er richtig eingesetzt werden? Das Design war einfach zu neu und die Chevaliers nicht die richtige Einheit um Feldtests mit einer neuen Maschine durchzuführen. So etwas brauchte Zeit, dachte sie als sie um die Ecke in den Gang zu Lieutenant Wolfs Büro bog.

Beinahe wäre sie mit der riesenhaften Gestalt von Sergeant Rowan zusammengestoßen, der vor dem Büro an der Wand lehnte. Erneut fiel seine Bekleidung ein wenig aus dem Rahmen. Zu weißer Hose und weißen Stiefeln, trug er lediglich ein weit ausgeschnittenes ebenfalls weißes Shirt mit abgerissenen Armen. Eine merkwürdige Dienstuniform, wie Rebecca amüsiert zur Kenntnis nahm
„So oft wie sie mir über den Weg laufen Rowan, müsste man fast denke sie wollten sich mit mir paaren.“, versuchte sie einen Scherz.
„Wer war denn zuerst hier? Wer läuft denn hier immer wem über den Weg Rebecca.“, gab der Elementar gereizt zurück, die Aussicht auf eine Besprechung mit Wolf schien ihn auch nicht positiv zu stimmen.
Rebecca zuckte zusammen. Sie musste aufpassen, wenn sie nicht noch ein paar mehr Feinde hier haben wollte als Saya und Wolf. Von den Heerscharen der Bryanter Demonstranten vor dem HPG mal abgesehen. Die hätten sicher auch einen Heidenspaß sich mit Rebecca, der Schlächterin der Zivilisten, wie sie inzwischen vor dem Tor genannt wurde, auseinander zusetzen.

„Entschuldigung.“, meinte sie kleinlaut in Rowans Richtung.
„Geschenkt.“, entgegnete der. Er schien Rebeccas Reaktion bemerkt zu haben und wechselte übergangslos das Thema: „Hat der alte Wolf dich also auch einberufen.“ Er sagte es ohne Spott oder Verachtung in der Stimme.
Unwirsch nickte Rebecca.
„Na, Kopf hoch, er wird ihn dir schon nicht abreißen. Schließlich... .“, zu mehr kam Rowan nicht, da sich Wolfs Tür öffnete, der Lieutenant den Kopf herausstreckte und Rebecca knapp hereinwinkte, noch bevor diese zum Salut ansetzen konnte.

Diesen holte sie dafür im Büro bei geschlossener Türe mustergültig nach und wie am Vortag sah sich Wolf nicht veranlasst sie im Anschluss in ein Rührt euch fallen zu lassen. Schneidend wie nach der Dienstbesprechung war seine Stimme:
„Ihre Leistungen für diese Einheit sind ihnen ungenommen, Sergeant Major. Sie haben einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand dieser Einheit geleistet, da sind sich der Major und ich einig, aber ...“
Was hatte der Major hiermit zu tun, schoss es Rebecca durch den Kopf, doch bevor ihr Zeit zum Nachdenken blieb, fuhr Wolf fort:
„... daher muss von ihnen in jeder Beziehung exzellentes Verhalten zu erwarten sein. Sie müssen der Einheit als positives Beispiel dienen. Sie ... .“
Rebecca musste die Schimpfkanonade ein zweites Mal über sich ergehen lassen. Sie war konsterniert, mit keinem Wort hatte Wolf ihr Training zur Kenntnis genommen. Sie stand da, wie das kleine Mädchen, dem im Wald der Wolf aufgelauert hatte. Der Wolf, der ihr nun von Angesicht zu Angesicht gegenüber stand. Lächerlich.

Der Gedanke an dieses Wortspiel mit dem Namen des Lieutenant löste ihre Anspannung und beinahe hätte sie loslachen müssen. Den Rest seiner Belehrung ließ sie dementsprechend amüsiert über sich ergehen. Ihre Aufmerksamkeit sank und aus den Augenwinkeln betrachtete sie die wenigen Einrichtungsgegenstände des Büros. Ein einfacher Schreibtisch mit einem ebenso einfachen Stuhl und zwei Aktenschränke, alles aus billigem Furnier. Das war alles was sich in diesem Raum von den grau gestrichenen Wänden abhob. Wolf schien keinerlei Wert auf eine Verschönerung seiner Umgebung zu legen, wie man es von anderen Freigeburten kannte. Das er dahingehend seiner Clanzugehörigkeit treu blieb, nahm Rebecca billigend zur Kenntnis.

Mit einem Mal wurde sie jedoch wieder hellhörig. Wolf hatte das Thema gewechselt:
„Dementsprechend haben der Major und ich beschlossen sie vorübergehend zu meiner Stellvertreterin zu machen, was die Führung der Mechkompanie angeht.“
Rebecca behielt sich im Griff, obwohl sie laut jubeln wollte. Das war ihre Chance. Doch Wolf verstand es, sie wieder auf den Boden zu holen. Mit der kalten Dusche. Er betonte jedes einzelne Wort überdeutlich:
„Seien sie sich bewusst, dass diese Aufgabe eine Bewährungsprobe für sie darstellt, sie unter meiner besonderen Beobachtung stehen und dieses Kommando ihnen nur übergangsweise übertragen wurde. Wir treffen uns von nun an jeden Morgen um 0900 zu einer Besprechung. Schicken sie mir jetzt den Sergeanten herein, Rebecca Geisterbär. Das wäre alles: Wegtreten!“

Rebecca salutierte. Sie wandte den Blick auf ein Nicken von Wolf hin ab und verließ den Raum:
„Sergeant Rowan, der Lieutenant möchte sie sprechen.“
Sie hielt Rowan die Tür auf, der mit einem leichten Kopfnicken an Rebecca vorbeiging und den Raum betrat.
Die Anspannung fiel von ihr ab und sie begann zu realisieren was nun von ihr verlangt wurde. Über eines war sie sich jedoch im klaren. Sie wollte es besser machen als Wolf. Sie würde über das Training der Kompanie informiert sein. Ja natürlich, sie würde die Mitglieder ihrer Einheit auch bei Bedarf zusammenstauchen, aber nur einmal. Jeder sollte dann die Möglichkeit erhalten an seinen Fehlern zu arbeiten. Für sie sollte dann zunächst der Grundsatz Erledigt und Vergessen gelten. Die Konsequenzen bei erneutem Fehlverhalten mussten natürlich drastisch sein, da stimmte sie dem Lieutenant zu.

Ihr dämmerte, dass Wolfs Aufgabe wohl doch nicht so einfach war, wie sie immer vermutet hatte. Vielleicht hatte sie dem Lieutenant unrecht getan. Jetzt hatte er sogar die ganze Kompanie am Hals. Rebecca nahm sich vor ihm so viel unangenehme Arbeit abzunehmen wie möglich. Sie war schließlich Clan und damit Elite, sie wollte das Vorbild sein, das Wolf von ihr forderte.

Sie sah auf ihren Chronometer. Ihr blieben noch zwei Stunden Zeit bis zur Wachschicht mit Corporal Damien. Zeit, die sie zu nutzen gedachte. Eilig hastete sie über die Korridore zu ihrem Quartier. Dort angekommen hielt sie kurz inne. Einerseits wollte sie sich einfach auf ihr Bett werfen und mit ihrer selbst gestellten Aufgabe beginnen. Andererseits hatte sie nun mehr denn je Vorbildfunktion. Sie konnte es sich also nicht erlauben mit einer zerknitterten Dienstuniform zum Wachdienst zu erscheinen. Bis heute war sie einfach in Kühlweste, T-Shirt und Shorts aus dem Quartier zu ihrer Maschine gegangen, aber das ging ja nun wohl nicht mehr. Aber die Arbeit musste erledigt werden. Einen Schreibtisch hatte sie in ihrem Zimmer nicht und sie konnte wohl kaum Trainingspläne und Alternativaufstellungen für die Mechkompanie entwerfen, wenn ihr die Mitglieder der einzelnen Lanzen in der Kantine über die Schulter schauten.

Es blieb also nur die Möglichkeit auf dem Bett zu arbeiten und die einzige Möglichkeit das zu tun ohne die Uniform zu verknittern, war sie auszuziehen. Das entsprach natürlich auch nicht den Dienstvorschriften, hatte sie doch schließlich Dienst und bei einem Alarm würde sie einen interessanten Anblick bieten.
„Egal Rebecca!“, wies sie sich selbst zurecht. „In einem solchen Fall haben die Leute anderes zu tun, als sich um deinen Aufzug zu kümmern.
Daher legte sie die Uniform ab, faltete sie sorgfältig, legte sich dann lediglich mit Unterwäsche bekleidet auf das Bett und machte sich an die Arbeit. Eine Arbeit, die sie auch nach dem Ende ihres Wachdienstes die ganze Nacht hindurch fortsetzte.

***

Am nächsten Morgen fühlte sie sich erstaunlich ausgeruht und entspannt auf ihrer Frühsportrunde. Auch beim anschließenden Duschen und Frühstücken hatte Rebecca durchaus den Eindruck, dass es ein guter Tag werden könnte. Folglich machte sie sich auch frohen Mutes auf zu ihrer ersten täglichen Besprechung mit Wolf.

Vor Wolfs Büro angekommen glättete sie kurz ihre Uniform, ordnete dann ihre Unterlagen und klopfte an.
„Herein.“, Wolfs Stimme klang müde und abgespannt.
Schwungvoll öffnete Rebecca die Tür und salutierte mustergültig vor ihrem vorgesetzten Offizier.
„Stehen sie bequem, Sergeant Major.“, Wolf lag mehr auf seinem Schreibtischstuhl, als das man von Sitzen sprechen konnte. Seine Augen lagen tief in ihren Höhlen, die dunklen Ringe unter den Augen und die fahle Gesichtsfarbe tat ein übriges Rebecca zu erschrecken. Er sah ähnlich krank wie nach seiner Befreiung aus. Er schien nächtelang nicht geschlafen zu haben.

Wolf fragte sich unterdessen, ob es im Leben noch Gerechtigkeit geben konnte. Während er sich die Nacht um die Ohren geschlagen hatte um diese Einheit am Laufen zu halten, spazierte diese Göre hier kalt wie eine Hundeschnauze herein und sah aus wie das blühende Leben. Ja, eine Göre war sie, ausgebrütet um ihm auf der Nase herumzutanzen. Nicht, dass er ihre Fähigkeiten innerhalb und außerhalb eines Mechs nicht schätzen würde, doch wenn sie es in ihrem Clan zu etwas bringen wollte, dann musste sie noch lernen. Gerade auch von Älteren. Aber das würde sie wohl nie begreifen.

Dennoch fragte er:
„Was haben sie zu berichten?“
Rebecca war in eine etwas lockere Stellung gefallen, immer noch weit von einer Rührt euch Haltung entfernt. Sie wollte Wolf keinen Anlass zur Klage bieten.
„Wach- und Trainingsplan der Mechkompanie laufen im Moment weiter entsprechend der Vorgaben, Sir. Es gibt keine weiteren Ausfälle oder Unregelmäßigkeiten.“, beantwortete sie zackig die Frage des Lieutenant.
„Sehr gut, Sergeant Major. Sonst noch etwas?“, irgendetwas schien den Clankrieger zu bedrücken, es wirkte auf Rebecca fast als hätte man ihn aus der Kriegerkaste ausgeschlossen. Ob er etwa ihren Atem im Nacken spürte und befürchtete sie würde ihm seinen Rang streitig machen? Das war doch gar nicht ihre Absicht. Noch nicht! Sie wollte ihm nur zeigen, dass sie eine gute Stellvertreterin war und brachte daher ihre Ausarbeitung zur Sprache:
„Pos, Lieutenant. Ich habe mir die Freiheit erlaubt einige Vorschläge auszuarbeiten bezüglich der Aufstellung der Mechs und des Trainingsplans.“

Ein Ruck ging durch den übermüdeten Lieutenant und er setzte sich aufrecht. Rebecca verstand Wolfs Reaktion als Interesse und Aufforderung weiter zu sprechen, nicht ahnend dass das Gegenteil der Fall war. Pflichtbewusst und in der Vorfreude, dass ihre Vorschläge gehört wurden, fuhr sie fort:
„Insbesondere durch eine leichte Veränderung des Trainingsplans ließe sich eine Optimierung der Trainingszeiten erreichen. Die Regenerationsphasen könnten so erhöht werden. Außerdem lässt sich aus der Alternativaufstellung, die ich... .“

Wolf winkte Rebecca ab. Langsam erhob er sich von seinem Stuhl. Die Fingerknöchel auf den Schreibtisch gestützt näherte sich sein Gesicht dem von Rebecca. Seine Augen hatten wieder diesen kalten, bedrohlichen Schimmer. Im Flüsterton, der Rebecca einen Schauer über den Rücken jagte, antwortete er:
„Sergeant Major, mischen sie sich nie wieder in meine Angelegenheiten ein. Die Aufstellung der Mechkompanie ist alleine meine Sache und die Trainingspläne werden zu meiner vollsten Zufriedenheit von Master Sergeant Decius erstellt. Ich denke nicht, dass ich hierbei ihre Unterstützung brauche.“ Sein Gesicht entfernte sich wieder von dem Rebeccas und seine Augen wurden wieder stumpf. Trotz dessen, dass sie mit ihrer Enttäuschung zu kämpfen hatte, musste sie Rowan recht geben. Der Mann sah aus wie ein alter Wolf. Ein Wolf, der jetzt mit neutralerer Stimme hinzufügte:

„Ich nehme ihr Pflichtbewusstsein sehr wohl zur Kenntnis, doch würde ich es begrüßen, wenn sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren würden. Überwachen sie das Training der Einheiten und erstatten sie mir Bericht über die Fortschritte der einzelnen Krieger. Ich kann mich schließlich nicht um alles kümmern.“, Wolf zuckte resigniert mit den Schultern. „Gerade im Moment haben wir andere Sorgen. Sergeant Major, ich habe sie davon in Kenntnis zu setzen, dass sich Major Danton in Geiselhaft des hiesigen Regimes befindet. Unterrichten sie bitte die Einheit davon. Das wäre alles für heute. Wegtreten.“

Rebeccas Kinnlade war herabgefallen, während es in ihrem Kopf fieberhaft arbeitete.

„Ich sagte. Wegtreten!“, riss der Lieutenant sie aus ihren Gedanken.
Salutierend verließ sie den Raum.

Andai Pryde
31.03.2005, 20:29
„Und wie sieht’s aus?“ kam Sofies Stimme leise gedämpft über Funk. Ein leises Hintergrundrauschen begleitete es.
„Schwer zu sagen. Der Helikopter ist da vorne irgendwo runtergekommen.“
Erik Gutors deutete in eine Richtung und runzelte die Stirn unter dem Helm seines Purifier Gefechtspanzers.
Allerdings war das vor geraumer Zeit gewesen.
Er überprüfte kurz die Anzeigen im Purifier und stellte zufrieden fest, dass sämtliche Systeme auf Hochtouren liefen. Ein weiterer kurzer Blick auf die beiden vollmodulierten Hände der Rüstung zeigte ihm, dass seine beiden Gewehre ebenfalls funktionsfähig waren.
Eigentlich zählten ein tragbarer Narc Werfer oder ein TAG Ziellaser zur Standardausstattung des Panzers, aber diese Rüstungen waren aufgrund ihres ursprünglich geplanten Einsatzgebietes nicht damit ausgerüstet gewesen.
Erik war auch ganz froh darüber, den mit dem Werfer auf den Schultern, hätten sie die Sprungfähigkeit der Rüstung nicht nutzen können.
Zwar waren die mimetischen Funktionen des Purifier erstklassig, aber dennoch, verließ er sich ungern auf so etwas und wollte immer eine Möglichkeit für den Notfall parat haben.

Plötzlich krachte es laut und Donnergeräusche erfüllten die Luft, gefolgt von den obligatorischen Geräuschen eines nahen Gefechtes.
Erik blickte kurz zu Sofie, die gerade die Kommunikationsausrüstung schulterte und dann sprinteten die beiden in Richtung der Geräusche, wohl darauf bedacht, sich nicht zu schnell zu bewegen und jede Deckung auszunutzen.
Ein mimetischer Effekt ist an sich schön und gut, aber bei einem sich schnell bewegenden Objekt ziemlich sinnlos, da der häufige, aus der Anpassung herrührende, Farbwechsel doch schon recht auffällig war.
Dank der verstärkenden Wirkung der in die Rüstung integrierten Myomerfasern erreichten sie schnell das Schlachtfeld.

Zwischen einigen Trümmerbergen des ehemaligen Financial Distrikts lieferten sich zwei Einheiten eine erbitterte Schlacht.
Deutlich zu erkennen waren die sechs Blakes Wort Maschinen, die leicht verstreut die gemischte Truppe bestehend aus Panzern, Lkws und drei Mechs angriff.
Wobei beide Seiten eigentlich ausgeglichen sein dürften.
Die Schlacht verlief ziemlich schnell, Erik machte einen Wyvern und einen der neuen Buccaneer aus, die im Pärchen auf ein paar Lkws und den Söldner Dervish losgingen.
Der Wyvern feuerte gerade auf einen Jeep und warf ihn auf die Seite, als Erik seinen blick aus seiner Deckung schweifen ließ.
Sofie tippte ich leicht an und machte ihn dann auf den einzelnen Kabuto aufmerksam, der gerade schwer getroffen zu Boden ging. Mit einer kleinen Explosion lösten sich die Sprengvorrichtungen am Helm ähnlichen Kopf des leichten Mechs und der Pilot beförderte sich mit dem Schleudersitz raus.
Erik lächelte leicht unter seinem Helm.
„Sofie ich denke, wir können uns doch mal recht nützlich machen. Die Haupttruppe scheint zu beschäftigt zu sein, um ihrem Kameraden zu helfen. Wäre doch günstig bei den Söldnern einen Stein im Brett zu haben, nich wahr? Macht die Verhandlungen leichter.“
„Mag sei, aber denkst du nicht,“ sie hielt kurz inne,“ dass das etwas riskant ist?“
Zweifel klangen deutlich in Sofies Stimme mit.
„Nein definitiv nicht, ich kann zwar kaum Markierungen ausmachen, aber ich bezweifele, dass die Bryanter solche Tech führen.“
Er deutete kurz auf den Kabuto und den Dervish, der sich laut dem Gefechtscomputer des Purifier als IIC herausgestellt hatte.
Ohne eine Bestätigung ab zu warten, machte sich Erik, flink, aber vorsichtig auf zu dem gestürzten Kabuto, den Schleudersitz des Piloten möglichst im Auge behaltend, bis dieser aus der Sicht verschwand.
Vorsichtig pirschten die beiden Purifier vorwärts, möglichst darauf bedacht nicht gesehen zu werden.
Als einer der Blakes Wort Mech gefährlich nahe vorbeikam, wenn auch in Eile, verharrten die beiden nahe einer riesig anmutenden Panzerplatte, die sich in den Boden gerammt hatte.
Er hatte sie nicht bemerkt, auch wenn Erik sich darum weniger Sorgen machte, als um eine zufällige, hektische Begegnung mit den Chevaliers. Blakes Wort mochte sie für die ihren halten und in der zumindest kleinen Chance dadurch besser entkommen zu können, sah Erik seine Beruhigung, aber die Chevaliers!
Die würden erst einmal draufhalten, da sie gewiss keinen Purifier in ihre Reihen hatte. Darauf legte man es nur ungern an, auch wenn der Purifier einen glücklichen Schuss aus einem mittelschweren Laser verkraften mochte, so wollte man es ja nicht unbedingt provozieren.

Zu ihrem Glück hatten die Söldner andere Probleme und so erreichten die beiden einen nahen Trümmerhaufen und ein ehemaliges Gebäudefundament.
Leise Geräusche ertönten, verstärkt durch die Sensoren des Purifier an Eriks Gehör geliefert.
Dann sah man den Mechkrieger der Chevaliers, wie er sich mühevoll aus seinem Sitz befreite und die Elektrodenpflaster von seinem Körper riss.
Mit einem stummen Zeichen bedeutete Erik Sofie zu warten und schlich vorwärts.
Als er sich davon überzeugt hatte, dass keine Blakes Wort Einheiten in der Nähe waren und wohl auch keine Chevaliers, richtete er sich auf und ging bequemen Schrittes auf den Mechkrieger zu, der ihm noch den Rücken zu wendete.
Er war mittelgroß, Erik schätzte ihn auf knappe 1,80m, vielleicht etwas kleiner und sah recht fit aus, wie der Grossteil der Mechkrieger.
Die etwas breiteren Schultern ließen ihn ein klein wenig muskulöser erscheinen.
Die kurzen braunen Haare kamen gerade unter dem Neurohelm zum Vorschein, als der Krieger ihn abnahm.

Dann wirbelte er urplötzlich herum und schleuderte den Neurohelm nach Erik, während seine Waffe, eine Python hoch kam.
Der Wurf war ungezielt und Erik lief wenig Gefahr, getroffen u werden, aber dennoch versuchte er sich auf seine alten Reflexe zu bedienen und wich dem Helm mehr oder minder geschickt aus.
Die Imperator rutschte dabei vom linken Arm und Erik ließ sie fallen, anstatt zu zupacken.
Er mochte mal eine Ausbildung genossen haben, aber das war schon eine gute Weile her und er war eingerostet.
Zu ihrer beider Glück, blieb Sofie ruhig, auch wenn Erik wusste, dass die Waffenoffizierin den Krieger mit einem Schuss problemlos ausschalten konnte.
Der Mechkrieger richtete mit zusammen gekniffenen, grünen Augen die Waffe auf ihn und wartete ab.
Er hatte die Situation schnell und gut genug eingeschätzt und wie ein kurzes Abschweifen seiner Augen bewies, auch Sofie bemerkt, was eine Leistung an sich war mit dem Purifier.
Außerdem schien er sich der Tatsache bewusst zu sein, dass die Handfeuerwaffe dem Purifier nur wenig anhaben konnte.
Erik öffnete die Handflächen und ließ die zweite Waffe hinter die Schulter gleiten und hakte sie dort militärisch ein.
Ihm fiel ei schwarz-graues Tribaltattoo auf, dass sich unter der Kühlweste über die linke Schulter und den grossteil des Oberarmes schlängelte.
„Ich bin kein Blakist und möchte helfen.“
Erik hob in einer unmissverständlichen Geste die Arme.
Der Mechkrieger glaubte ihm natürlich kein Wort und die Waffe blieb auf ihn gerichtet, wobei er ihn mit zusammengekniffenen Augen musterte.
Erik blieb stehen und der Mechkrieger blinzelte kurz um den leicht flimmernden Gefechtspanzer im Blick behalten zu können.
„Sofie halt Ausschau nach eventuellen Feinden und warn uns.“ Gab er noch kurz den Befehl über Funk, während er innerlich den nicht ausschaltbaren mimetischen Effekt der Rüstung verfluchte, die Verschlüsse des Helmes löste und diesen langsam und vorsichtig abnahm.

Mit einem leichten Zischen entwich die Luft aus dem hermetisch versiegelten Anzug und Erik befreite seinen Kopf aus dem engen Helm.
Die Handfeuerwaffe wanderte in Aussicht auf ein gutes Ziel auf eine Stelle zwischen Eriks Augen.
„Mein Name ist Erik Gutors, ich bin zweiter Offizier auf der Crying Freedom, einem freien Händler-Landungsschiff der Overlord Klasse.“
Er pausierte kurz und wartete eine Reaktion ab,.
Nichts.
„Wir sind von Blakes Wort über New Home in Beschlag genommen worden und haben uns glücklicherweise ihrer entledigen können, als wir hier im System ankamen. Laut unserem Skipper haben sie eine Frau namens Sandrina Gurrow in ihrer Einheit.“
Wieder keine Reaktion. Dan runzelte der Krieger die Stirn und irgendetwas schien ihn zu beruhigen, zumindest senkte die Waffe sich leicht.
„Sagen sie ihrem Gefährten er soll herauskommen und wir gehen dann zu ihrem Landungsschiff, von dort aus werde ich die Chevaliers kontaktieren und dann sehen wir weiter.“
Man merkte an den hervorgepressten Worten, dass dieser Mensch anscheinend allgemein sehr ungern Worte wechselte und diese nur als notwendig empfunden hatte.
Erik fragte weder, warum er ihm vertraute, noch wo das Landungsschiff der Chevaliers stand. Prinzipiell war es ihm auch egal, als er den Helm wieder überstülpte und Kontakt zu Sofie aufnahm und ihr befahl, aus ihrer Deckung hervor zu kommen.
Dann fielen ich wieder die nahen Gefechtsgeräusche auf, die aber anscheinend schwächer wurden oder sich entfernten.
Der Krieger wühlte noch kurz in einem Paket an der Rückseite des Schleudersitzes, während er die beiden Gefechtsrüstungen im Auge behielt und dann kam er wieder mit einer kleinen Tasche zum Vorschein.
„Sie gehen vor.“
Erik nickte und machte sich daran seine Helm wieder aufzusetzen.
Dann hielt er ganz kurz inne und dreht de Kopf leicht.
„Wie soll ich sie nennen?“
„Finn“.
Mehr kam nicht.

Andai Pryde
31.03.2005, 20:29
Konnte man es Wut nennen oder eher Frustration?
Im Endeffekt war es Christine „Kiki“ Sleijpnirsdottir egal.
Mit einem Mischmasch aus Gefühlen aller Art schlug sie schwer auf den Sandsack ein und ließ ihre ganze kraft daran aus.
Gefährlich ächzte die Halterung am Oberdeck des kleinen Trainingsraumes an Bord der Rosemarie.
Wie immer hatten die Flieger nichts zu tun und wie immer fielen die Berichte, über das, was da draußen vor sich ging nur sehr spärlich aus.
Angeblich waren Aufstände im Gange und, was sie eher ärgerte, waren wohl Chevaliers durch einen Heckenschützen verletzt worden. Genaueres hatte es allerdings noch nicht gegeben.
Natürlich wollte man sie nicht beunruhigen, auch wenn Juliette Harris mehr als genug passable Ausreden parat gehabt hatte.
Christine verstand den Sinn dieser Aussage sehr wohl und auch den ihrer Taten. Die Flieger waren Germaines geheimes Ass im Ärmel und auch wen Dvensky wohl von ihnen wusste, so wusste er nicht wie gut sie waren und wie sie eingesetzt würden.
Trotzdem half es einem nicht, untätig herum zu sitzen und mit ansehen zu müssen, wie ihre Kameraden drauf gingen.
Sie schlug noch einmal hart in den Sandsack und seufzte dann erschöpft, während sie sich leicht gegen das Opfer ihrer Frustration lehnte.
Wo war Sarah, wenn man sie brauchte.
Kiki schüttelte sich kurz, als ein kleiner, unerklärlicher Schauer sie durchlief, dann machte sie sich auf zur Dusche.
Da dies ein militärisches Landungsschiff war, gab es nur Gemeinschaftsduschen, für etwas anderes wäre auch wohl kaum Platz gewesen.
Sicher als Offizier hatte sie die Option zu einer Kabine mit eigener Dusche und sie besaß auch eine, aber dennoch wollte sie sich nicht das Gefühl von Kameradschaft nehmen lassen, wen sie mit den anderen zusammen duschte oder überhaupt unter dem angenehm warmen Wasser stand.
Und manchmal war es einfach nur gut für das weibliche ego, wenn man mit anderen Frauen zusammen duschte, gerade wenn man Stolz auf etwas war, was andere nicht vor zu weisen hatten, auch wenn sie gelegentlich ein kleiner Hauch von neid durchschlich, sobald Sandrina mitduschte, aber sie war jung, da war das normal.
Sie schüttelte den Gedanken mit einem leichten grinsen ab und zog sich, in den Duschräumen angezogen aus.
Nicht lange darauf stand sie unter einem angenehm kribbelnde, aber etwas lauwarmen Wasserstrahl.
Mit gelegentlichen Aussetzern deutete das Gerät die Ermangelung von Wasser an und Kiki machte sich einen kleinen geistigen Vermerk den Arab darauf anzusprechen, schließlich war es immer noch seine Mühle.
Ihre Gedanken schweiften jedoch wieder ab und etwas missmutig dachte sie an heute morgen, als sie an ihrer Stuka gesessen hatte, die Elektronik förmlich bis auf die Platinen zerlegt und jeden Schaltkreis einzeln überprüfend.
Sie hatte keinen Fehler entdecken können und auch war die Fehlermeldung nie wieder aufgetaucht, das machte sie stutzig, handelte es sich etwa um sogenannte Gremlins dabei?
Wieder schmunzelte sie und schrubbte sich weiter ab.

Unweit von Christine und ihren Gedanken an diverse Dinge saß Sarah Slibowitz alleine in ihrer gemeinsamen Kabine und betrachtete leicht verloren ein Bild.
Es würde keiner je zu Gesicht bekommen, außer ihr und Christine, aber es war ihr wichtig, momentan wohl das wichtigste überhaupt.
Decius Metellus, der Master Sergeant der Einheit und ihr heimlicher Geliebter.
Sie vermisste ihn, auch wenn es noch nicht so lange her war dass sie sich gesehen hatten, so kostete es dennoch Kraft, die Fassade aufrecht zu erhalten und die Situationsberichte zu lesen, die man ihnen gab.
Juliette gab sich alle Mühe, aber es reichte nicht, wenn es einen förmlich quälte, ganz davon abgesehen, dass es de hier Stationierten Chevaliers noch gut gehen mochte, so sah es vielleicht bei Doc und seiner Truppe auf Leipzig ganz anders aus.
Sie legte das Foto weg und griff nach dem neuesten Stapel Berichte.
Manfred Scharenhorst hatte den Heckenschützenangriff überlebt, aber es ging ihm noch nicht gut genug, um aktiv ins Geschehen eingreifen zu können.
Er wurde immer noch intensiv behandelt.
Bei Philip, dem Elementar und Cliff Peterson sah es da anders aus. Sie waren beide tot.
Sarah schüttelte es kurz, während sie in der Kabine stand und den Ausblick aus einem Sichtbullauge anstrebte.
Verluste blieben im Krieg nie aus, aber solche wie diese hier waren nötig, sie waren keine Invasoren, sondern lediglich Hausmeister Comstars.
Die Aufstände herrschten immer och, das konnte sie sehen, als sie heraus schaute.
Eine Gruppe Passanten hatten sich vor dem abgezäunte Gebiet des Raumhafens aufgestellt und hielt protestierend Schilder hoch.
Sarah schüttelte ungläubig den Kopf und wandte sich dann wieder ab.
Die Chevaliers waren doch keine Besatzer. Aber als genau das wurden sie angeprangert.
Dann blickte sie auf die Uhr und stellte zufrieden fest, dass ihr noch zwei freie Stunden blieben, die ließen sich eventuell im Simulator vertrödeln.

Casper
04.04.2005, 09:41
Klasse B Com Star- Einrichtung,
Brein, Bryant, Chaos-Marken
02. Mai 3065

Von Wolf war also keine Hilfe zu erwarten. Was dachte sich diese Freigeburt eigentlich dabei einfach den befehlshabenden Kommandeur diesem dahergelaufenen Stravag von einem planetaren Herrscher zum Fraß vorzuwerfen. Spekulierte der Lieutenant vielleicht auf Major Dantons Posten? Wenn Rebecca es sich recht überlegte, war dieser Gedanke gar nicht so abwegig. Der Major in Geiselhaft, der Captain schwerverletzt, da lief doch einiges auf Wolf hinaus.

Aus einer Freigeburt wurde eben doch kein wahrgeborener Krieger. Wäre Wolf seiner Clanzugehörigkeit treu, dann würde er alles daransetzen den Major zu befreien. Wäre er dann noch von einer Unfähigkeit des Majors überzeugt, die Wolf Danton mit seinem Verhalten unterstellte, so könnte er ihn herausfordern.
Rebecca schnaubte verächtlich.
Sie würde Wolf einen Strich durch die Rechnung machen, das war sie ihrer Clanzugehörigkeit und auch dem Major schuldig. Schnellen Schrittes machte sie sich auf den Weg zu Lieutenant Harris.

Auf dem Weg zu deren Büro fiel Rebecca auf, dass sie noch nie im Büro der Offizierin gewesen war. Als die Geistrebärenkriegerin in den Gang zu Lieutenant Harris Büro bog, blieb sie verwundert stehen.
Die Bürotür stand offen. Das war nun mehr als ungewöhnlich.
Rebecca zögerte, da sie nicht wusste wie sie sich verhalten sollte. Auf so etwas hatte man sie nicht vorbereitet. Die Türen von Vorgesetzten hatten geschlossen zu sein. Man hatte anzuklopfen und abzuwarten, dass man hereingebeten wurde. Aber hier?

Während Rebecca noch zögerlich vor der Tür stand, streckte sich der zu Lieutenant Harris gehörende Kopf durch ebendiese Türe und fragte:
„Kann ich ihnen irgendwie helfen Rebecca?“
Reflexartig fiel Rebecca in eine vorbildliche Haltung und gab zurück:
„Ich müsste sie sprechen, Lieutenant Juliette. Es ist dringend, Ma´am.“
Das war wieder Rebeccas Welt. Das kannte sie. Strammstehen und grüßen empfand sie als nachdrücklich angenehmer als offene Türen. Lieutenant Harris grinste:
„Na dann kommen sie mal rein, Sergeant-Major.“

Rebecca verschlug es die Sprache, als sie das Büro betrat. So etwas hatte sie noch nie gesehen. Zum einen war es der Raum selbst.
Der große Eckraum war mindestens vier mal sieben Meter groß. Für die beengten Verhältnisse in einer Kaserne ein geradezu luxuriöses Maß. Der Raum hatte große Fenster auf zwei Seiten, eines auf der kurzen und zwei auf der langen Seite.
Zum anderen entsprach die Einrichtung so gar nicht dem, was Rebecca vom Büro eines Offiziers erwartete. Der Schreibtisch, der unter dem Fenster auf der Schmalseite stand, war von so Compblöcken, aber auch von Papier übersät, dass das Material des Tisches nicht mehr zu erkennen war. Das sah nach Arbeit auch aus und war damit akzeptabel. Aber Rebecca fragte sich, ob der Tisch aus solch kostbaren Hölzern gefertigt sein musste. Dass der Tisch aus wertvollen Hölzern hergestellt worden war, wusste Rebecca, obwohl sie das Material nicht sehen konnte. Die übrigen Einrichtungsgegenstände des Raumes vermittelten eine deutliche Sprache.

Der Raum verfügte wahrscheinlich als einziger im gesamten HPGs über einen Holzfußboden. Gegenüber dem Schreibtisch standen zwei Besucherstühle mit ungewöhnlich hoher Rückenlehne. Sie waren aus Holz und sahen einige hundert Jahre alt aus. Auf der anderen Seite des Raumes, unter einem der Fenster der Längsseite, stand ein Gegenstand, den Rebecca als eine Art Bett identifizierte. Dieser Gegenstand war mit dunkelrotem Leder verkleidet und sah recht bequem aus. Ein Sitzmöbel aus gleichem Material und ein niedriger Tisch vervollständigten die Gruppe aus Möbeln. An den Wänden hingen Bilder, die mit Sicherheit auch etliche hundert Jahre alt waren. Alles in allem empfand Rebecca dieses Büro für einen Krieger als unpassenden Aufenthaltsort.

Harris schien Rebeccas Blick bemerkt zu haben. Mit einem fast entschuldigenden Schulterzucken meinte sie:
„Ich habe dieses Büro vom Vertreters ComStars übernommen.“
Das beruhigte Rebecca ein wenig, aber das Gefühl hielt nicht lange an, denn die Offizierin fügte hinzu:
„Ich muss aber zugeben, ich könnte mich daran gewöhnen. Machen sie es sich doch bequem, Rebecca.“, dabei wies sie auf den bettähnlichen Gegenstand unter dem Fenster und nahm selbst auf dem Sitzmöbel an dem kleinen Tisch Platz.

Rebecca wurde es heiß und kalt zugleich. Wie nahm man auf diesem Bett nun richtig Platz. Von „bequem machen“ konnte ja wohl keine Rede sein. Sie entschied sich den Stier bei den Hörnern zu packen, streifte ihre Schuhe ab und legte sich seitlich auf dieses Bett, das Gesicht Lieutenant Harris zugewandt. In einer unschicklicheren Situation hatte sich Rebecca wohl noch nie befunden. Wenn das die Sitten in der Inneren Sphäre waren, so wunderte es Rebecca nicht, dass sie früher oder später absorbiert werden würde. Doch ihr blieb im Augenblick keine Wahl, als diese Situation durchzustehen.

Ein unterdrücktes Lachen riss sie aus ihren Gedanken:
„Entschuldigen sie, Rebecca Geisterbär, ich wollte sie nicht in Verlegenheit bringen. Der Gegenstand auf dem sie liegen, ist ein Sofa. Es ist eine Sitzgelegenheit für mehrere Personen. Man kann aber auch darauf liegen, insofern können sie auch gerne liegen bleiben.“
Schamesröte schoss Rebecca in ihr Gesicht, als sie sich schnellstmöglich aus der liegenden Position aufrappelte und sich mit durchgedrücktem Rücken auf dem sogenannten Sofa zurechtsetzte. Unauffällig versuchte sie sich ihre Schuhe überzustreifen. Es war jedoch ein aussichtsloses Unterfangen, so dass sie schließlich die Hände zur Hilfe nahm.

Lieutenant Harris wartete höflich, bis Rebecca sich wieder im Griff hatte:
„Nun Rebecca, was haben sie auf dem Herzen?“
„Zunächst entschuldigen sie bitte mein Fehlverhalten Lieutenant Juliette.“, Rebecca räusperte sich. „Ich bin selbstverständlich bereit alle Konsequenzen dieses Verhaltens zu tragen.“
Harris winkte ab.
„Schwamm drüber. Kommen sie zur Sache.“
Unbehaglich blickte Rebecca zu der immer noch geöffneten Tür, schließlich fasste sie sich ein Herz:
„Bitte um Erlaubnis frei sprechen zu dürfen.“
Die Stabsoffizierin erhob sich aus ihrem Sessel, schloss die Türe, und antwortete knapp:
„Erteilt.“

Rebecca räusperte sich erneut:
„Danke Ma´am. Es geht um die Tatsache, dass ich die Moral der Einheit nicht weiter herabziehen möchte. Unter normalen Umständen hätte ich Lieutenant Wolf für sein Verhalten und seine Untätigkeit im Fall von Major Dantons Geiselhaft zu einem Kreis der Gleichen gefordert. Doch wie auch der Lieutenant ganz richtig erkannt hat, benötigen wir im Augenblick jeden Krieger. Der Ausfall von Captain Scharnhorst trifft uns hart genug.
Dennoch muss ich darauf bestehen, dass die Geiselnahme des Majors beendet wird. Die Situation ist unerträglich und in keinster Wiese akzeptabel. Ich habe jedoch keinerlei Befehlsgewalt ohne einen Kreis der Gleichen zu fordern. Daher bitte ich sie geeignete Maßnahmen zur Befreiung des Majors zu ergreifen.

Lieutenant Harris hatte Rebecca aufmerksam zugehört. Sie sammelte sich kurz und begann im Zimmer auf und ab zu gehen:
„Rebecca, ich muss jetzt etwas weiter ausholen und ich bitte sie mir zuzuhören. Ich hoffe sie verstehen im Anschluss warum ich Lieutenant Wolfs Verhalten in dieser Situation gutheiße. Im Prinzip hat nämlich der Major exakt dieses Verhalten von uns verlangt.“ , die Stabsoffizieren blickte Rebecca appellierend an. „Rebecca, Dvensky und die Bryanter sind nicht unser Problem. Unser Problem ist Blakes Wort.“
Rebecca nickte knapp und Harris vor in einem dienstlichen Ton fort:
„Sergeant-Major, die Informationen, die sie jetzt von mir erhalten sind absolut vertraulich. Sie sind nur den Offizieren der Chevaliers sowie den Mitgliedern der Operation Leipzig bekannt.“

Durch Rebeccas Kopf zuckte kurz das Bild von Finnegan Trent. Wie mochte es ihm gehen, hatte er mit der Operation Leipzig zu tun? Bevor Rebecca genauer darüber nachdenken konnte, fuhr Harris fort:
„Sie dürfen diese Informationen mit niemandem teilen. Haben sie das verstanden?“
Rebeccas Antwort fiel denkbar knapp aus:
„Pos!“

Dann unterrichtete die Stabsoffizierin Rebecca über die Operation in Leipzig, die Geheimklauseln im ComStar-Vertrag und auch darüber, dass sich bereits Blakes Wort Einheiten auf dem Planeten befanden.

Rebecca war verstört und fasziniert zugleich. Verstört, da sie die sogenannten Geheimklauseln für ausgesprochen dezgra hielt. Andererseits hielt sie bei der Wahl zwischen Pest und Cholera, ComStar noch für die vertrauensweckendere Alternative. Es war schon richtig. Weder der Satellit noch dessen Baupläne durften in die Hände von Blakes Wort fallen. Da musste es auch erlaubt sein zu außergewöhnlichen Methoden zu greifen.

„Akzeptiert, Lieutenant Juliette, aber was hat das mit der Geiselnahme des Majors zu tun?“
Die Offizierin blickte der Untergebenen fest in die Augen:
„Rebecca, das war keine Geiselnahme. Der Major hat sich freiwillig in die Gesellschaft von Lord Dvensky begeben. Er hat Dvensky dafür die Zusage entlockt, sich in einem eventuellen Konflikt zwischen Blakes Wort und den Chevaliers neutral zu verhalten. Wenn man so will hat er damit den mächtigsten Verbündeten von Blakes Wort auf dieser Welt aus dem Spiel genommen. Rebecca, so haben wir eine realistische Chance, das Ganze hier zu überleben.“
Von dieser Seite hatte Rebecca die Sache noch nicht betrachtet:
„Gut gehandelt und akzeptiert.“, Rebecca erhob sich. „Lieutenant, sie haben mir sehr weitergeholfen. Bitte um Erlaubnis wegtreten zu dürfen.“
„Erlaubnis erteilt, Sergeant-Major.“

Das Gespräch hatte Rebecca wirklich weitergebracht. Es fiel ihr eben immer noch schwer die Handlungsweisen der Freigeburten nachzuvollziehen. Da benötigte sie manchmal einige erläuternde Worte. Das führte freilich nicht immer dazu, dass sie die Handlungen akzeptierte. Hier sah es jedoch anders aus. Danton hatte eine rationale Entscheidung getroffen, die seiner Einheit vielleicht einen Vorteil verschaffte. Das war akzeptabel, nicht jedoch Lieuetnant Wolfs Verhalten. Dieser Mann blieb ihr ein Rätsel und ein Ärgernis, aber er war schließlich ihr Vorgesetzter.



Klasse B Com Star- Einrichtung,
Brein, Bryant, Chaos-Marken
03. Mai 3065

Im Anschluss an das Treffen mit den Offizieren verlor Lieutenant Wolf keine Zeit mehr:
„Master Sergeant, die Mechkrieger haben sich in fünf Minuten im Taktikraum einzufinden. In vollere Ausrüstung. Ich werde sie instruieren und danach werden sie entsprechend der Planung keine Zeit mehr haben in die Quartiere zurückzugehen.“

Rebecca erinnerte sich mit Schrecken an die letzte Zusammenkunft der Kompanie in diesem Raum, hatte dort doch ihr immer noch andauernder Konflikt mit dem Lieutenant seinen Anfang gehabt. Natürlich war ihr Verhältnis auch vorher nicht als entspannt zu beschreiben gewesen, aber bis zu dem Tag hatten sie sich arrangieren können.

Als sie auf dem Weg in den Taktikraum war, kehrten ihre Gedanken zu der vorangegangenen Besprechung zurück. Sie musste wieder an Sergeant Jara denken und war nicht sicher, ob es eine sinnvolle Idee war, die junge Frau im Augenblick auf ihrem Platz zu belassen. Entsprechend Wolfs Vorgaben hatte sie die Mechkrieger beobachtet und das Verhalten von Jara bot Anlass zur Sorge. Sie aß nur unregelmäßig, war auf der einen Seite ständig gereizt zugleich aber auch wieder deprimiert. Alles keine guten Eigenschaften für eine Kriegerin. Je mehr sie darüber nachdachte, desto weniger teilte sie die Meinung ihres befehlshabenden Offiziers, der Jara für gewachsen hielt, angemessen auf den Angriff zu reagieren.

Hinter sich hörte Rebecca das charakteristische harte Klatschen, das die Stiefel der Mechkrieger auf dem Linoleumboden erzeugten. Jemand kam schnell näher.
„He Becca, was ist denn los, dass Decius uns alle antraben lässt.“
Wütend ruckte Rebecca herum, obwohl sie genau wusste wer da von hinten herangelaufen war. Die Hände in die Hüften gestemmt wandte sie sich vollends um und wartete bis Corporal Mulgrew aufgeschlossen hatte. Mit ihrer Stimme ließ sich Glas schneiden:
„Corporal Damien, sie wissen genau, dass ich es nicht dulde, wenn sie mich so nennen und im Allgemeinen einen solchen Ton anschlagen. Wenn es nicht um einen Einsatz gehen würde, dann hätte ich sie spätestens jetzt von ihrer Maschine abgezogen und sie ihnen in einem Kreis der Gleichen ihre Grenzen aufgezeigt. Sie dürfen sich glücklich schätzen, Corporal. Ich werde das nachholen. Haben sie das verstanden, Frapos?“
Der Corporal war bei diesen harten Worten in Habachtstellung verfallen:
„Pos, Sergeant-Major.“
„Und jetzt gehen sie weiter, Corporal. Sie wollen doch nicht zu spät kommen und auch noch vor dem Master-Sergeant oder dem Lieutenant unangenehm auffallen.“, immer noch aufgebracht schob Rebecca den jungen Mann weiter.

Die Besprechung entsprach Rebeccas Erwartungen. Sie war knapp und nüchtern. War die Einheit von dem bevorstehenden Angriff durch Blakes Wort überrascht, so zeigte sie es nicht. Das wochenlange Training hatte sich ausgezahlt. Als Wolf die Besprechung beendet hatte, öffnete der Master-Sergeant die Tür und die Mechkrieger machten sich auf den Weg zum Hangar. Rebecca blieb im Taktikraum zurück. Sie wandte sich an Lieutenant Wolf:
„Bitte um Erlaubnis sprechen zu dürfen.“
„Erteilt, Sergeant-Major.“
Der Master-Sergeant schloss die Tür wider und lehnte sich, wie es seine Art war, dagegen. Rebecca blickte Wolf an und begann:
„Lieutenant, ich möchte sie auf den bedenklichen Zustand von Sergeant Jara aufmerksam machen. Sie isst nur äußerst unregelmäßig, ist ausgesprochen gereizt und befindet sich ganz allgemein in einer desolaten psychischen Verfassung.“
Wolf unterbrach Rebecca:
„Kommen sie zum Punkt, Sergeant-Major.“
„Ich denke sie sollte von der Wachschicht abgezogen werden.“, Rebecca wusste in Gedanken schon wie Wolfs Reaktion ausfallen würde und der Lieutenant enttäuschte sie nicht. Er stöhnte genervt auf:
„In Ordnung, Sergeant-Major. Ich habe ihre Bedenken zur Kenntnis genommen. Der Master-Sergeant wir das bezeugen. Ich habe bereits mit Sergeant Jara gesprochen, sie sieht sich sehr wohl in der Lage ihre Aufgabe zu erfüllen. Ich sehe keine Veranlassung an ihren Worten zu zweifeln. An meiner Entscheidung ändert ihre Einschätzung daher nichts, Rebecca Geisterbär. Das wäre Alles. Wegtreten, Sergeant-Major.“

Kopfschüttelnd und mit vor Zorn geballten Fäusten verließ Rebecca den Raum. Dieser Ignorant von einer Freigeburt. Warum hatte er sie überhaupt zu Stellvertreterin? Er entschied in seiner Selbstherrlichkeit doch alles selbst. Wahrscheinlich hatte er gedacht, Rebecca würde ihm den Kaffee zubereiten.

Wütend machte sie sich auf den Weg zu ihrer Maschine. Den verordneten Schlaf konnte sie sich im Moment aber noch nicht vorstellen.

Andai Pryde
12.04.2005, 00:41
Wenn man sich noch vor ein paar Stunden über die Ruhe und Trostlosigkeit an Bord eines Landungsschiffes beschwert hatte, so blieb einem dazu nun nichts mehr zu sagen.
Sarah war aus dem Simulator gekommen und hatte erfahren, dass Christine zu einer Besprechung ins HPG aufgebrochen war und nun stand sie vor ihr und grinste breit, während sie die Einsatzbesprechung führte.
Danté und Gurrow saßen wie immer in der vordersten Reihe und verfolgten aufmerksam, wie Kiki an dem Holotisch mit einem Lichtstift die Manöver und die allgemeine Vorgehensweise beschrieb.
Sarah ihrerseits lehnte bequem an der Schottwand und hörte nur halb zu. Das Vorgehen hatte sie schon oft genug mit Kiki durchgesprochen, aber das war nicht Grund ihrer teilweisen Abwesenheit.
Sie wusste nicht so recht, was sie von der aktuellen Situation halten sollte.
Sicher freute sie sich, endlich wieder ins Gefecht zu kommen.
Ironischerweise.
Sie befühlte rasch die Narbe, die sie sich gegen den Ronin Kenda eingefangen hatte.
Unwillkürlich zuckte sie zusammen, als eine Erinnerung sie durchfuhr. Es war schon einige Zeit her, aber daran lag es nicht, es war vielmehr die Tatsache, dass diese Berührung sonst immer einen wohligen Schauer durch ihren Körper gejagt hatte und sich nunmehr ein Knoten in ihrer Brust breit machte, wenn sie an Decius dachte.

Es hing viel davon ab, wie gut sie ihren Job machen würde, wie effektiv die Flieger zuschlagen würden, denn es war offensichtlich, dass Blakes Wort keine Jagdmaschinen würde starten können, hatte zumindest Kiki versichert.
Aber wie konnte man einfach so ins Gefecht springen, mit dem Optimismus den Gurrow und Danté aufzeigten? Wie konnte man das, wenn es viel zu viele Erinnerungen gab, gute als auch schlechte, die einen Belasteten?
Es war nicht nur der Verlust der Fallen Angels damals, oder die harten Kämpfe gegen den Ronin, sondern auch die absehbaren Verluste der Chevaliers.

Verluste, die einen jetzt schwerer treffen würden, gerade, da sich gewisse Bindungen zwischen den einzelnen Personen entwickelt hatten.
Sie wusste nur zu gut, dass sie dasselbe Schicksal erleiden konnte, wie viele andere, unter anderem wie Dupree, auch wenn dieser ein Mechkrieger gewesen war, aber dennoch, sie hatte mehr Angst um Decius Metellus in seinem Thai Sho, als um sich selber und auch sorgte sie sich um Germaine, der immer ein guter Freund gewesen war.
Und sogar um Danté und Gurrow, die beide irgendwie ein Teil einer kleinen Familie waren.

Seufzend stieß sie sich vom Schott ab und verdrängte die Gedanken, es wurde Zeit, dass Icecream wieder bereit war, bereit ihre Pflicht zu tun.
Sleijpnirsdottir endete ihren Vortrag und die beiden Piloten nickten verstehend, als sie aufsprangen und zu ihren Maschinen eilten.
„Und was meinst du? Wie halten sie sich in einem richtigem, ernsten Gefecht?“
Kiki blickte kurz zu dem Holotisch, raffte die Unterlagen und schaute dann ihrer Freundin wieder in die Augen.
„Nun, Danté hat ja schon gute Erfahrung und ich denke er kommt damit sehr gut zurecht, bei Gurrow bin ich mir nicht ganz so sicher, ich denke sie wird die Nerven behalten, aber wie immer zu viele Risiken riskieren.“
„Und du?“
Sarahs Gegenüber runzelte für einen Augenblick die Stirn.
„Also ich denke, ich dürfte genug Kampferfahrung besitzen.“
„Das meinte ich nicht und das weißt du.“
Ernsthaftigkeit kehrte ein und irgend etwas schlich sich durch Christine Sleijpnirsdottirs Gesicht.
Ein Schatten? Ein Anflug von Angst? Sorge?

Dann drehte ihre Freundin sich leicht ein und schaute ein, zwei Sekunden auf ein nahes Holofoto an der Wand, das den Arab und seine Frau zeigte.
„Ich bin mir nicht sicher, ich habe irgendwie ein komisches Gefühl, kann es aber nicht genau definieren. Vielleicht liegt es an Blakes Wort oder daran dass Germaine festgehalten wird. Ich weiß es nicht.“
Sie schüttelte leicht den Kopf und blickte Sarah dann wieder an. Dann grinste sie unverhohlen.
„Aber das wird schon, also los raus mit dir und ab in dein Baby, wird Zeit, dass wir wieder ein paar Blechärsche treten.“
Trotz diesem Versuch die Situation aufzuheitern, wurde Sarah das Gefühl nicht los, das bei ihrer Freundin etwas nicht stimmte.
Sie schob es zur Seite und wandte sich dann um und ging ebenfalls den Weg, den die beiden Piloten zuvor verschwunden waren.

Und es ging endlich wieder los.
Es juckte in den Fingerspitzen, kribbelte am ganzen Körper und voller eifriger Zufriedenheit half Sandrina Gurrow den Techs dabei, die Stuka und den Korsar für den Katapultstart vorzubereiten.
Jean und Kiki saßen bereits in ihren Cockpits, sie würden zuerst raus gehen, gefolgt von ihr und Sarah.
Dann kam das laute Signal und sie zog sich von den Maschinen zurück.
Der Flugkontrolloffizier zählte wieder den Countdown, während die Hangarschotten sich öffneten.
Bei Null schossen die beiden Luft-Raumjäger aus dem Hangar hinaus in den noch jungen Tag.
Sofort machten sich die Techs, unterstützt von den beiden noch übriggeblieben Pilotinnen an die Arbeit, die beiden anderen Jäger auf die Katapulte zu schaffen und so saß Sandy kurz darauf wieder in ihrem Stingray.

Der Reaktor vibrierte fröhlich und beinahe so erwartungsvoll wie sie selber, vor sich hin und sämtliche Statusanzeigen leuchteten in einem ebenso zufriedenen grün.
Sie aktivierte den Funk und lauschte kurz den Meldungen.
„...Alpha ist ein Raijin, Typenkennung wahrscheinlich RJN101-C. Kontakt Beta ist ein Wyvern, Typenkennung wahrscheinlich WVE-10N.
Kontakt Charly ist ein Kintaro, Typenkennung wahrscheinlich KTO-21.
Kontakt Delta ist ein Lancelot, Typenkennung wahrscheinlich LNC25-01.“
Das gefechtsübliche Überlagern der Frequenzen machte sich sofort wieder breit. Auf der einen sendeten, kodiert, die Blakisten, auf den anderen die Chevaliers, auch wenn Sandy lediglich die der Chevaliers empfangen konnte, reichte es doch um zu wissen, dass sie dringend gebraucht wurden.
„Also meine Damen, wir sind soweit, Ready für Takeoff. Kiki und Hellboy erreichen die Gefechtszone in etwa zwei Minuten. Wird Zeit euch auch dort raus zu schaffen. Fertig?“
„Hier Hotshot, alles grün, Triebwerk warm, fertig.“
„Hier Icecream, Milchspeiseeis ist kühl gelagert, das Fruchteis ebenso, soll ich euch ein paar Blakieköpfe mitbringen?“
„Na das wäre fein, aber ich denke wir fahren ganz gut, wenn ihr die Jungs einfach wieder zurück nach Terra bombt. Also denkt an den Korridor der Bryanter, wir wollen keinen von euch vom Asphalt kratzen.“
Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort.
„Also Start in 5!“
“4!”
“3!”
“2!”
“1!”
“Start!!”

“Ladies und Gentleman, Hellboy und Kiki kommen tief und hart rein, also bewegt eure Ärsche da weg.“
„Ihr habt freie Bahn. Fallen Angels.“
„Aye. Hellboy wir nehmen den Black Knight aufs Korn! Der Raijin hat einen zu schlechten Winkel, aber pass auf den Wyvern auf, der steht günstig uns noch etwas reinzuwürgen, wenn wir wieder raus gehen. Wie gehen einfach schnell rein und dann wieder hoch.“
„Aye.“
Kam es von ihrem Wingmen und die beiden Maschinen stießen in die Schluchtartigen Straßen Breins nieder.
Die Entfernungsanzeige schrumpfte und Kiki legte den Daumen auf den Auslöser der Primär FLK, der zurzeit die LSR und die beiden schweren Laser zugeordnet waren.
Dann visierte sie den linken Arm des Black Knight an, an dem sich auch das Beil befand und löste die Waffen aus.

Mit einem lautem Röhren schossen die LSR Raketen aus den Röhren und deckten die linke Schulter mit Treffern ein. Ein kleines Paket ging vorbei, aber dafür traf ein Set die Seitenpanzerung des Cockpits.
Die beiden Laser trafen ihr Ziel akkurat und schnitten förmlich durch die Panzerung am Arm.
Kurz darauf folgten die Strahlenbahnen von Danté und die beiden Jäger schossen wieder vorbei, zu schnell um ernsthaft getroffen zu werden.
„Hier Hellboy, hab nen Laser ins Heck bekommen, aber nichts ernstes, dieser Wyvern stand verdammt gut.“
Kiki runzelt kurz die Stirn, dann blickte sie sich um und zählte die Blakes Wort Mechs.
Von dem Raijin und dem Wyvern, sowie dem Black Knight abgesehen, konnte sie noch den Highlander und die gedrungene Gestalt eines Crockett ausmachen.
Gerade als sie in eine leichte Schleife gehen wollte um auf den Highlander zu zuhalten sah sie aus dem Augenwinkel, wie zwei Mechs um eine nahe Häuserecke traten.
Der Gefechtscomputer identifizierte sie als Shootist und Guillotine, zwei harte, schwere Brocken.
Die beiden drehten ihnen allerdings den Rücken zu, anders als der Lancelot der kurz darauf folgte und die beiden Arme hob.
„Verdammt. Hellboy hart Steuerbord.“
Sie riss ihre Maschine herum und entging so der PPK, die mit einem azurblauen Knall an ihrer Backbord Seite vorbeischrammte, allerdings nicht den beiden Schweren Lasern, die mit voller Wucht in die Bauchseite des Stuka einschlugen und lange Spuren hinterließen.
„Kiki!“.
„Nichts ernstes, nur ein paar Platten.“
„Home Base, habe hier eine kurze Übersicht, sieht nach den genannten Brocken aus, inklusive eines Shootist und Guillotine, sowie Crockett beim Highlander. Nach der Trefferquote dieses Lancelot zu urteilen, haben die entweder saugute Schützen, oder sie verwenden K3 Computer.“
„Verstanden Kiki, wir achten darauf. Home Base Ende.“
“Home Base, Fallen Angels One und Three, Fallen Angels Two und Four schließen auf, GAZ eine Minute, verzeichnen Tangos in eure Richtung kommend, plus sechs, wiederhole, plus sechs Tangos, Typenbezeichnungen folgen. Icecream out.“
Kiki fluchte, das hieß dann zwei ganze Sektionen Blakistenmechs, plus voraussichtliche Infanterie und das in dieser Hölle von Stadt, wo jederzeit einer dieser Bryanter auf sie schießen konnte.
„ Roger, Kiki hat verstanden, Home Base, wir machen die Aufklärung und geben euch Deckung, ich empfehle, dass ihr euch die beiden Brocken schnappt, die sind recht isoliert, hier drüben sind die Deckungsfelder zu gut! Fallen Angels werden mal ein wenig aufräumen gehen.“
„Verstanden. Kiki!“

Andai Pryde
22.04.2005, 21:03
Mit einem zufriedenen Grinsen beobachtete Kiki das kurze Aufblitzen, als sich die beiden Shukow Panzer der Bryanter Garde, den Blakes Wort Mechs näherten.
Sie haben also die gleichen Probleme wie wir.
„Chevaliers Jagdmaschinen, ich erinnere sie nochmals, sich an den ihnen zugewiesenen Korridor zu halten!“
Kiki knurrte das Funkgerät an.
Der Bubi da unten hat wohl keine Ahnung, dass man einen Jäger nicht einfach mal so wenden kann.
Sie zog ihre Schleife zu Ende und beobachtete zufrieden wie die Stuka Sarahs sich zu ihr gesellte.
„Schön dich zu sehen Ice. - Fallen Angels, wie machen es wie besprochen, Hellboy, Hotshot, ihr gebt Deckung, Icecream und ich gehen runter und nehmen uns diesen Highlander da vor!“
Drei kurze, knappe Ayes, bestätigten und Kiki rümpfte erfreut die Nase, ein leicht verbrannter Geruch stieg in eben diese auf und verwirrte sie kurz, doch dann war er wieder weg.
Einbildung?
Sie schüttelte den Gedanken ab und stieß den Steuerknüppel nach vorn und lenkte den Jäger auf den Battlemech zu.
Der Highlander drehte sich und richtete den Torso auf ihre Maschine aus.
„Na komm schon kleiner!.... - Hab dich.“
Die Zielerfassung gellte eine Erfassung und Kiki schickte eine zwanziger Salve auf die Reise.

Ein knappes Drittel sauste zielgenau auf die oberen Partien des Mechs zu, während der Rest zu stark streute, um treffen zu können.
Den Einschlag sah sie nicht mehr, denn die gleiche Anzahl an feindlichen Raketen sauste auf sie zu.
„Fuck!“
Fluchend riss sie den Steuerknüppel herum, während beinahe ein Dutzend Raketen die Bauchseite ihres Jägers malträtierten.
Zu ihrem Glück waren die Gebäude hier nicht sonderlich hoch, so dass sie nicht Gefahr lief, ob dieses plötzlichen Ausbrechens, in eines zu krachen.
Sie atmete tief ein und kämpfte das aufkommende Adrenalin nieder, während sie sich einen neuerlichen Überblick verschaffte.
Was ihr nicht gefiel war die Flankenbewegung, die, die Blakisten gestartet hatten.

Eine Sektion II kämpfte sich auf der linken Flanke gegen die Kampflanze und die Panzer voran.
Allerdings würden es die Chevaliers nicht leicht haben gegen die gemischte Blakes Wort Truppe.
Der Highlander spornte gerade seine Truppe an und sprintete auf die Außenmauer des HPG´s zu, während die Chevaliers dort drinnen alle Hände voll zu tun hatten.

„Chevaliers - Jäger, sie verlassen den ihnen zu gewiesenen Korridor, fliegen sie sofort wieder zurück, oder wir eröffnen das Feuer!“
Die Typen gab es auch noch.
Kiki warf einen Blick auf ihre Sensoranzeige und verfolgte den Rahmen, der grün eingefärbt ihre Flugschneise darstellte.
Sie zog die Stuka in eine leichte Rechtskurve und schaute sich unter ihren Jägern um.
Sarah hing wieder auf ihrer Position auf acht Uhr, während Jean und Sandy leicht oberhalb ihrer Position, eine enge Wende abschlossen.
Die beiden flogen gut zusammen und der Stingray hing dem Korsar am Heck wie ein Fisch an der Angel.
Kiki schmunzelte. Das Können der Fallen Angels war ohne Zweifel erheblich gestiegen in den letzten Wochen, gerade die Zusammenarbeit schien endlich gut zu funktionieren, und das in einer Kampfsituation wie dieser.
Die vier Maschinen hielten auf das HPG zu.
Der Highlander setzte gerade zum Sprung an, während der Raijin wie eine ausgehöhlte Puppe auf der Mauer der Anlage lag.
Dann sah sie den Black Knight kurz in einer Gasse auftauchen. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit von dem 95 Tonen schweren Highlander ab, auch wenn dieser gerade in den Innenhof gesprungen war und auf Pilums Thai Sho zuhielt.
Der Black Knight war schwerer angeschlagen und anscheinend versuchte er die verteidigenden Chevaliers auszumanövrieren.


„Wir nehmen uns den Black Knight vor. Volle Kanone rein, STUKA Lauf für alle viere. Denkt an den Korridor, Angels!“
Mit einem etwas flauen Gefühl in der Magengruppe wandte Sarah den Blick von der Szenerie im Innenhof ab. Der Highlander hob gerade das Gaussgeschütz um auf den Thai Sho anzulegen.
Gefühle sind jetzt unangebracht, Sarah, konzentriere dich!
Sie richtete den Blick wieder geradeaus und zog die Stuka elegant hinter ihrer Wingleaderin hinterher.
Kiki setzte zu einem geraden, sauberen Überflug an, ein STUKA, oder auch Sturzkampfbombardement genannt, in dem ein Jäger seine komplette Bewaffnung in mehrmaliger Folge in einen angegeben Zielkorridor feuerte.

Das würde den Bryantern nicht gefallen, da einige der Schüsse wohl daneben gehen würde, aber so war der Krieg, und wenn man in einer Stadt kämpfte konnte es nun mal passiere, dass Kolateralschäden auftraten.
Nicht, das es ihr egal gewesen wäre, aber dieser Dvensky war selbst schuld, wenn er hoffte, dass die Chevaliers und Blakes Wort sich gegenseitig aufreiben würden und er sie in seiner Stadt kämpfen ließ.
Vielleicht würde es ihm nicht schmecken, aber das war Sarah Slibowitz egal, denn den Blakisten würde es noch weniger schmecken und das war das einzige was zählte.
Dann brach plötzlich die Hölle aus, als Laserstrahlen ihre Flugbahn kreuzten.
„Was zum....!“
„Abdrehen, abdrehen!“
Kikis Stuka schwenkte herum, aus den Laserstrahlen heraus, wobei einige Schüsse ihr Heck tranchierten.
Sarah wiederum reagierte etwas später und wurde voll erwischt, die Statusanzeigen blinkten kurz auf und meldeten einen Ausfall der LSR. Dann normalisierte sich wieder alles.
Das Manöver hatte sie beinahe zwei Tonnen Panzerung gekostet, mal von der LSR abgesehen.
„Verdammt, Hotshot, abdrehen hab ich gesagt, raus da.“
Sarah blickte sich, ob Kikis Warnung, um und sah den Stingray genau auf den Lancelot zu rasen, der ihnen dieses schicke Kreuzfeuer beschert hatte.
Der Black Knight war mittlerweile herum geschwenkt und stimmt mit ein und beharkte den heranrasenden Stingray.
Erstaunlicherweise trafen recht wenige seiner Schüsse, allerdings sah das beim Lancelot anders aus, der pendelte sich so langsam ein und wenn auch die PPK und ein schwerer Laser nur Löcher in die Luft stanzten, so zog doch der zweite Laser eine scharfe Brandspur über die Backbord Tragfläche des Jägers.

„Hotshot, raus da! Das ist ein Befehl!“
„Kann nicht!“
Kam es nur zurück.
Dann krachte es laut, als die komplette Bewaffnung des Stingray mehrmals feuerte.
Die Trefferquote war perfekt, wenn man auf die Gebäude und die Straße gezielt hatte, aber hundsmiserabel, wenn man auf den Lancelot gezielt hatte.
Aber es reichte aus.
Das wilde Feuer sorgte dafür, dass der Black Knight wieder hinter einer Häuserecke verschwand und der Lancelot das Feuer einstellte und ebenfalls versuchte aus der Schussbahn zu kommen.
Er schaffte es...beinahe.
Dann schlug die PPK in mehrmaliger Folge brutal in die breite Brustplatte des schweren Mechs ein.
Und ein letztes Mal in die linke Schulter, knapp neben dem Cockpit.
Der Lancelot stürzte.
Sandy drehte ab und zog den Stingray mit flammenden Nachbrennern aus der Zone.
„Hotshot darüber reden wir noch, aber, guter Schuss. Der Lancelot steht so schnell nicht wieder auf.“
„Ladies, der Black Knight kommt wieder rum.“
„Aye, Fallen Angels abdrehen und neu gruppieren. Sieht so aus, als würden die Blakisten sich zurückziehen.“

Andai Pryde
28.04.2005, 17:22
„Was soll das heißen, wir kriegen die Lafette nicht wieder hin?“
„Nun wie ich bereits anmerkte, fehlt uns einfach ein Ersatz dafür, nicht nur dass die komplette Elektronik ausgefallen und durchgeschmort ist, sondern die Lafette an sich hat noch einen Defekt an der Auslöse und Munitionsautomatik!“
Der Tech zuckte kurz entschuldigend mit den Schultern und wandte sich dann wieder zu den beiden Astechs und machte sich weiter an Sarahs Stuka zu schaffen.
Die Maschine hatte im letzten Schlagabtausch mit dem Black Knight und dem Lancelot ganz schön einstecken müssen, wobei die Treffer sich glücklicherweise unregelmäßig über die komplette Bauchseite der Maschine zogen.
Die Techs hatten bereits begonnen, neue Panzerplatten fest zuschweißen und Sarah versuchte sich ihre Frustration anderweitig zu entledigen.
Sie atmete tief ein und lauschte dann dem dumpfen Dröhnen, dass von einem vorüberziehenden Jäger der Chevaliers kündete.
Dann schoss als schwacher Schatten auf dem Boden die vertraute Silhouette des Stingrays über sie hinweg.
Sarah schaute nach oben und beobachtete, wie der Jäger eine kurze Wende flog und zur Landung ansetzte.
Dann röhrte es nicht weit von ihr einmal laut auf und mit einem lautem Knall zündeten die zweite Chevaliers Stuka ihr Triebwerk und schoss auf dem kurzen, improvisierten Rollfeld in die Höhe.
Kurz darauf rollte der Stingray spiegelverkehrt auf die asphaltierte, Asbest verstärkte Fläche.
Techs machten sich daran, den Tankschlauch auszurollen und den Jäger zu begutachten.
Sie würden wenig zu tun haben.
Blakes Wort hatte sich vorläufig zurückgezogen und so flogen die Fallen Angels nur leichte Luftaufklärung.
Auftrag war hierbei für einen einzelnen Flieger jeden Feindkontakt zu vermeiden, bis die anderen in der Luft waren, was aufgrund des improvisierten Lande- und Startfeldes sehr schnell ging, zumindest schneller, als der Katapultstart, da ja immer noch nur zwei verfügbar waren.
Sicherlich benötigte der Jäger so mehr Rollfläche, aber das war kein Problem, der Raumhafen bot zumindest dafür Platz.
So waren der Korsar und ihre eigene Stuka bereits ausgerichtet, jederzeit in Richtung HPG starten zu können, auch wenn Sarah hoffte, dass es nicht zu bald gefordert sein würde.

Der Tag graute bereits seit geraumer Zeit und der Gedanke daran, dass sie die ganze Zeit über in der Luft bleiben sollten, machte sie nicht sehr fröhlich.
Glücklicherweise hatte Kiki das genauso gesehen und deswegen, dieses gestaffelte Fliegen angeordnet.
Sarah lenkte ihre Aufmerksamkeit jetzt wieder in Richtung des Stingrays, wo Sandrina Gurrow gerade die herangerollte Leiter herabstieg und auf sie zu eilte, kaum dass sie den Boden berührt hatte.
Sie grüßte in einem eiligen Salut mir der flachen Hand an der Stirn und keuchte dann:
„Irgendwas tut sich da, die Blakies kamen einmal zu oft aus den engen Gassen und marschierten in zwei unterschiedliche Richtungen, sieht aus, als wollten sie uns den weg abschneiden.“
Sarah drehte sich leicht ein und musterte die flammende Sonne, die heute mal ausnahmsweise am Bryanter Himmel zu sehen war, anstatt wie üblich hinter Schwaden, grauer Wolken umherzuschleichen.
Das war unlogisch und untypisch für die Blakisten. Zumal sie auch anfangs einfach nur vorgeprescht waren und sie bezweifelte, dass die Blakies sich auf einen Kampf in der Stadt einlassen würden, alleine schon wegen Dvensky nicht. Der würde dies kaum zulassen, oder etwa doch.
War Germaine vielleicht geflohen?
Ein kleines Hochgefühl wollte sich in ihr breit mache, aber sie verdrängte es, dafür war im Kampf keine Zeit, sie hieß nicht umsonst Icecream.
Innerlich schmunzelnd über Dinge, die Decius immer zu ihr sagte im Bezug auf ihr Callsign und in einer anderen, wärmeren und kuscheligen Umgebung, wandte sie sich wieder zu Sandrina um, die geduldig wartete, auch wenn sie dabei von einem Bein auf das andere hüpfte.
Sie war noch immer hibbelig und nervös, aber schon deutlich ruhiger als noch vor wenigen Wochen, das war ein gutes Zeichen.
„Geh dich duschen und iss etwas. Wir müssen frisch sein, sollten die Blakies sich entscheiden ihre fanatischen Ärsche hervorzustrecken.“
Sandy nickte und verschwand dann in Richtung Landungsschiff.
Sarah blickte ihr nur kurz hinterher und wandte sich dann wieder ihrer Maschine zu und fluchte über die defekte Lafette.

Mit einem kurzem Knacken bestätigte das Kommlink in ihrem Ohr eine knappe Stunde später, dass Kiki wieder zum Landeflug ansetze.
Der Landeoffizier schwang seine beiden Leuchtstäbe und wies ihr einen Korridor zu.
Jean Dante kletterte derweil in seinen Korsar und Sarah konnte unter der schließenden Cockpithaube seinen grimmigen Gesichtsausdruck sehen, während er den Helm aufsetzte.
Dann plötzlich wurde es etwas unruhiger um sie herum und sie lenkte ihre Aufmerksamkeit darauf.
Die Techs deuten auf die herannahenden Stuka und wedelte mit den Armen. Der Landeoffizier wirkte nervös, behielt sich aber unter Kontrolle, als er die Stuka eindringlich darauf hinwies, dass sie ihren Landekorridor verließ.
Sarah aktivierte das Kommlink auf der aktuellen Frequenz und lauschte in die ruhige Stimme des Flugkontrolloffiziers.
„Kiki, kommst zu schnell rein. Schub drosseln und mehr nach Steuerbord einschwenken.“
Keine Antwort.
Sarah runzelte die Stirn und versuchte einen Blick auf die Pilotin zu erhaschen.
Was war da los. Die Stuka wirkte äußerlich intakt, soweit sie das von ihrer Position beurteilen konnte.
Sie ging zu einem der Techs und packte ihn am Kragen.
„Was ist da los!?“ Ihr Arm deutet wage auf die Maschine, während sie ihm in die Augen starrte.
Der Tech schwitzte vor nervösität und der Geruch von Angst machte sich breit, allerdings definitiv nicht wegen ihrer rauen Befragungsmethoden.
„Ich weiß es nicht genau Ma´am. Anscheinend hat Kiki Probleme mit der Elektronik. Sie hat vor dem Start davon gesprochen.“
Ach ja, aber nicht mit mir, schoss es Sarah durch den Kopf, Sabotage?
Sie hoffte es nicht, aber das war auch abwegig, wie denn auch, die Piloten hatten alle selbst an ihren Maschinen gearbeitet und nie einen anderen unbeaufsichtigt nahe genug oder lange genug heran gelassen.
Ein Treffer, der die Systeme vielleicht beschädigt hatte war da wahrscheinlicher, aber dennoch Humbug. Dafür waren Luft-Raumjäger zu gut konstruiert. Was brächte es, wenn ein 100 Tonnen Jagdbomber durch einen Treffer wie eine Tontaube vom Himmel fällt.
Die Stimme des FKO´s ertönte wieder, diesmal deutlich eindringlicher und nervöser in ihrem Ohr.
„Kiki, nach Steuerbord und Schub drosseln.“
Seine Stimme zitterte leiht und Sarah sah wie die Stuka immer größer wurde und genau auf den Korsar Dantes zuhielt.
„Verflucht.“
Sie ließ den Tech los und sprintete über den Asphalt auf den Korsar zu.
„Jean, verdammt raus da!“
„Negativ!“ kam es ruhig zurück, dann zündeten die Nachbrenner des mittelschweren Jägers kurz und er hüpfte geradezu nach vorne, wobei das Fahrwerk gefährlich knarrte und protestierend quietschte, aber es half.

Zumindest Jean Dante.
Christine „Kiki“ Sleijpnirsdottir rauschte in ihrer Stuka knapp über ihn hinweg, krachte hart auf den Asphalt und rutschte einige Meter, bis die Maschine durch eine Bodentunebenheit wieder in die Luft geworfen wurde und kurz in der Luft zu hängen schien, mit der Nase gen Himmel. Dann neigte eben diese sich zu Boden und rauschte außer sicht in eine Landebucht.
Ein dumpfes Krachen ertönte und dann bebte die Erde kurz.
Ein Schock fuhr durch Sarah und sie keuchte erschrocken auf, dann rannte sie los und schrie nach einem Sanitäter und den Techs, während sie an Dantes Korsar vorbeieilte, wo dieser sich gerade eilte aus dem Cockpit zu kommen.


Auf einem anderen Kontinent

„Also Mister Finn. Wir werden ihre Freunden jetzt mal den Arsch retten.“
Mit einem leichten Lächeln im Gesicht nickte Nigel Martyn seinem Piloten zu und das Landungsschiff der Overlord-Klasse erbebte leicht. Dann ruckelte es heftig, während die Maschinengeräusche zu einem dumpfen Grollen anschwollen.
Auf seinem Taktikdisplay konnte er verfolgen, wie das fast 10.000 Tonnen schwere Schiff sich nach und nach aus seiner provisorischen Landestelle erhob.
Dann neigte es sich und ging in eine horizontale Flugposition über.
Zufrieden nickte Nigel.
„Sehr gut. Sofie Waffenkontrollen bereit machen! Junee wie sieht bei dir aus?“
seine erste Offizierin stand an ihrer Kontrolle und wertete gerade die Sensordaten aus.
„Soweit so gut. Die Chevaliers Mechs scheinen gerade Unterstützung zu bekommen, ist nicht mehr so akut, aber die Infanterie ist stehen geblieben, anscheinend geht da irgendwas ab.“

Nigel warf einen kurzen Schulterblick zu dem Mechkrieger hinter ihm, der ruhig mit verschränkten Armen auf dem vibrierenden Deck stand.
„Nun am liebsten wäre es mir, wenn wir etwas abseits runtergehen könnten, um den Chevaliers die Aufnahme zu gestatten. Erik schnapp dir drei Jungs und bemann die Purifier, gib ihnen die Kurzanweisung. Dann sichert ihr den Bereich der Infanterie.“
Nigel drehte sich leicht ein und wandte sich wieder an seinen Waffeoffizierin.
„Sofie, bereite einen kurzen Intervallfeuerparameter vor. Kurze Feuerstöße, vorzugsweise aus den Lasern, die Munitionsschächte sind wohl nicht mehr ganz so sicher und ich habe keine Lust, dass die teile hochgehen. Dann räumen wir in einem kurzen Überflug ein paar Mechs zur Seite und landen etwas westlich dieses Kampffalken. Finn ich möchte, dass sie ihre Kameraden anfunken und sie auf uns hinweisen und sie zu uns schicken, ich will das ganze möglichst schnell durchgezogen haben, bevor die Blakies auf irgendwelche dummen Ideen kommen.“
Er deutet auf eine freie Kommstation und der Cheavlier-Mechkrieger ließ sich daran nieder, dann beobachtete Nigel Martyn seine Crew, während der Overlord sich auf die Gefechtszone zu bewegte.

Ironheart
05.05.2005, 18:59
Das Ende in Brein

Auf dem Weg zum Raumhafen in Brein
Bryant, Chaos-Marken
4. Mai 3065

Corporal Maareike Koopmans zitterte am ganzen Körper, doch es war nicht Angst, dass bei ihr dieses Gefühl verursachte, sondern eher eine unbeschreibliche Aufregung, die die Ereignisse der letzen 24 Stunden mit sich gebracht hatten.

Erst hatte sie den Auftrag erhalten, den Major aus dem Breiner Turm zu befreien, und zwar vollkommen alleine. Nur mit einem leichten Kommando-Gewehr, einer Pistole, ein paar Sprengladungen und Handgranaten bewaffnet war sie von der Spitze eines ihrer Landungsschiffe mit dem leichten Flugdrachen gestartet. Genauso wie sie es in einigen der vergangengen Nächten schon mehrfach getan hatte, um somit mehr über die Bryanter Truppen in Brein in Erfahrung zu bringen. Für diese Art der Aufklärungsflüge war der Flugdrache ideal geeignet und so war Maareike unbemerkt auf dem Breiner Turm gelandet und hatte sich bereits in Gedanken an Plan B gemacht. Plan A sah vor, dass Danton sich selbst seinen Weg zu dem vereinbarten Treffpunkt bahnen würde, während der zweite Plan vorsah, dass Mareike ihn da irgendwie rausholen würde. Doch Danton hatte sie wieder einmal überrascht, als er unversehrt zu ihrem Treffpunkt gekommen war und sie unbehelligt hatten abfliegen können. Der Major war doch immer wieder für eine Überraschung gut.
Dann, als sie wohlbehalten in der HPG-Basis angekommen waren, hatte der Major noch etwas von einem Sergeant-Rang gemurmelt, doch sie hatte gar nicht richtig hingehört. Sie war bereits Feuer und Flamme für den nächsten Einsatz, der auf sie gewartet hatte. Sergeant Rowan Geisterbär hatte wie ein Berg von einem Mann vor ihr gestanden.
„Corporal Maareike, du bist bereit für den Einsatz, frapos?“
„Pos“ antwortete Maareike mit Inbrunst, doch Rowans eiskalte Stimme hatte ihr sofort die Zuversicht genommen.
„Neg, das bist du nicht, Corporal Maareike. Du bist nicht annähernd bereit für den Einsatz in einem Clan-Elementar-Panzer. Selbst ein Geschko-Mitglied wäre bereiter als du es bist.“ Maareike hatte geschluckt und ihre Miene hatte Bände gesprochen, so dass Rowans Stimme eine kleine Stimme ruhiger geworden war.
„Du hast Talent, Corporal Maareike, aber du bist erst am Anfang eines langen, beschwerlichen Weges. Nichts ist für einen Krieger gefährlicher als Selbstüberschätzung. Im Augenblick ist diese Rüstung, mehr wert als du es bist. Der einzige Grund, dass du sie tragen kannst, obwohl du noch nicht bereit dafür bist, ist unsere verzweifelte Lage. Wir können es uns nicht leisten, Feuerkraft ungenutzt zu lassen. Aber gleichzeitig können wir es uns nicht leisten, dass Du dich überschätzt und dich und diese Rüstung vernichten lässt. Also wiederhole ich meine Frage, Corporal Maareike: Du bist bereit für den Einsatz, frapos?“
„Neg, Sergeant Rowan“ antwortete sie „ich bin nur so bereit, wie ich im Augenblick sein kann.“
„Schon besser“ hatte Rowan knapp geantwortet und dann ihre Befehle erläutert, während ihr Saya und Grace in den Kampfpanzer geholfen hatten. Als sie fertig gewesen war und nur noch der Helm aufzusetzen gewesen war, hatte auf einmal wie aus dem Nichts Tipene Tohunga vor ihr gestanden. Der grossgewachsene Infanterist und Mitglied der Big Bad Boys war ebenfalls in vollur Kampfmontur gewesen. Er hatte nichts weiter als „Pass auf dich auf…“ geflüstert und der merkwürdige Ausdruck in in seinen tiefdunklen Augen hatte Maareike aufgewühlt.
Oder war es doch die Erregung vor dem Kampf gewesen? Maareike war sich dessen nicht sicher und im Augenblick hatte sie auch ganz andere Dinge im Kopf als den tätowierten Infanteristen, der sich offensichtlich für sie interessiert. Aber Maareike liess diese Gedanken nicht zu und dachte statt dessen an das bekannte Kribbeln im Bauch, das sich immer mehr verstärkte, jetzt da sie auf dem Dach des mobilen HQ der Chevaliers mit ihrer Stahlklaue an einer Halterung festgekrallt hatte. Ihre beiden KSR´s, der leichte Laser und das MG würden helfen das HQ im Notfall zu beschützen, auch wenn sie keinen Mech aufhalten lange aufhalten würde. Doch jegliche Art von Infanterie würde es sich zwei Mal überlegen, ob die mobile Einsatzzentrale der Chevaliers einen Angriff wert war. Das der Elementarpanzer nur von einer Auszubildenden getragen würde, wusste ja zum Glück keiner.

Der Wagen rumpelte im Konvoi Richtung der Landungsschiffe als der Angriff der Blakes-Maschinen einsetzte. Hilflos musste Maareike mitansehen, wie ihre Kameraden kämpften und starben und sie musste den Impuls unterdrücken, sich vom HQ loszureissen und in den Kampf einzugreifen. Sie hob den Arm ihres Lasers und nahm die noch fernen Mechs der Blakisten ins Visier, was aber aufgrund der Entfernung und der geringen Durchschlagskraft ihrer Waffe eher eine Geste war als eine Drohung.
Die Angriffswellen der Chevaliers waren heran- und wieder davon gebrandet, ohne dass sie hatte eingreifen können. Das Stakkato von Explosionen und das Fauchen der Energiewaffen erfüllte die Luft und ein Zittern durchfuhr ihren Körper, als eine Blakes-Maschine gefährlich nahe kam. Jetzt zielte Maareike sorgfältig und der leichte Laser jagte an dem Mech vorbei. Dieser beachtete sie kaum, sondern versuchte eines der gepanzerten Fahrzeuge ins Visier zu nehmen. Als er noch ein Stück näher gekommen war, machte Maareike ihre beiden KSR´s scharf. Sie waren gekommen um ComStar einen gesicherten Abzug zu ermöglichen. Und Maareike würde alles dafür tun, dass diese Blakies keine wehrlosen Zivilisten angriff.
Sie zielte so sorgfältig wie möglich und ließ beide KSR´s kurz nacheinander los. Wenn der Mech reagieren würde, hätte sie eh keine Chance auf eine zweite Salve. Also warum nicht gleich alles auf eine Karte setzen. Beide Raketen schossen in einer Korkenzieherbahn auf den Mech zu, der noch auf dem Weg zu den Zivilistenfahrzeugen war. Während die erste Rakete direkt vor dem Cockpit des Kampfkolosses vorbeirauschte um 20 Meter entfernt eine Dreckfontäne in den Himmel zu reißen, krachte die zweite Rakete in den linken Arm des Mechs und ließ ihn leicht erzittern. Der Mech hielt Abrupt an und sah sich nach seinem Angreifer um, so als hätte er die Zivilistenfahrzeuge vergessen. Maareikes Jubelschrei blieb ihr in der Kehle stecken, als sie erkannte, dass ihr kleines Manöver tatsächlich von Erfolg gekrönt war und der Mech sich nun voll und ganz ihnen entgegendrehte.
Mit einem leichten Anflug von Panik setzte sie wieder mit dem leichten Laser auf ihn an und drückte ab. Der Strahl traf den Mech an der linken Brust und hinterließ nichts weiter als eine hässliche Brandblase. Nun schien der Zorn des Blakisten vollständig erwacht zu sein, denn dieser hob die Waffenarme in ihre Richtung. Wie gebannt starrte Maareike auf den Mech und vergaß in ihrem Schrecken sogar auf die Typenkennung zu achten. Einen Augenblick überlegte sie los zu lassen und in Sicherheit zu springen. Doch mit ihrem Feuer hatte sie ja die Aufmerksamkeit des Mechs auf das mobile HQ gezogen. Sie konnte jetzt nicht abspringen und sich feige verstecken, während der Mech die Mannschaft grillen würde. Stattdessen aktivierte sie die Sprungdüsen und fegte nach oben, allem Anschein nach dem angreifenden Blakisten entgegen.
Dieser reagierte genau so, wie sie es sich gedacht hatte. Er folgte instinktiv ihrem Sprung und verfolgte mit den Waffen ihren Sprungweg. Kein Mechpilot ignorierte einen auf sich zuspringenden Elementar. Doch Maareike hatte gar nicht vor ihn anzuspringen. So exakt konnte sie das gar nicht, geschweigen sich denn irgendwie an dem Mech krallen und bis zum Cockpit vorzudringen um den Mechpiloten zu töten.
Aber das wusste dieser ja nicht und feuerte daher auch ein paar Laser auf Maareike ab. Doch wie durch ein Wunder, verfehlten sie alle Schüsse und noch ehe sie den Boden berührt hatte, zündete sie den Sprungtornister erneut und sprang dieses Mal in eine vollkommen andere Richtung. Gleichzeitig feuerte sie wieder ihren leichten Laser, doch mehr aus Trotz als aus dem Willen zu treffen. So jagte der Schuss auch weit am Ziel vorbei.
Der Mech feuerte erneut und wieder gingen die Schüsse vorbei, wohl auch, weil Maareike erneut unkontrolliert durch die Luft getrudelt war. Ewig konnte sie dieses Spiel nicht mehr spielen, mal ganz abgesehen davon, dass die Fahrzeuge sich nun davon machten und sie zurückzulassen drohten.
Dann richtete der gegnerische Mech erneut die Waffen auf sie und feuerte diesmal eine volle Breitseite ab. Maareike musste schlucken, als sie erkannte welche schiere Waffengewalt auf sie losgelassen worden war. Doch verwirrt erkannte sie, dass alle Schüsse weit an ihr vorbei gezischt waren. Noch ehe sie den Grund erkannte, wurde der Blakes-Mech seinerseits von Treffern übersäht und konnte sich nur schwer auf den Beinen halten. Als sich Maareike nach ihren Rettern umblickte, erkannte sie die kantige Silluoette eines Thor.
Der Blakes-Pilot entschloss sich zum Rückzug und ohne dass auch nur ein Wort gefallen wäre, jagte ihm der Thor von 1st Lieutenant Wolf McHarrod hinterher, ein paar weitere Chevalier-Mechs im Schlepptau. Die Gefahr war gebannt, zumindest für den Augenblick und Maareike machte sich wieder auf den Weg zu dem sich langsam entfernenden Konvoi.
Jetzt da sie ihren ersten Kampf in dieser Rüstung überlebt hatte, war das letzte, was sie wollte in dieser Rüstung abgeholt werden zu müssen.


*************************************************

Ironheart
18.12.2005, 16:51
An Bord der SKULLCRUSHER im Abflug an den Nadir-Sprungpunkt
Bryant, Chaos-Marken
??. Mai 3065

Die Lagerhalle der SKULLCRUSHER lag in relativer Dunkelheit, vor allem in der hinteren Ecke, in der Denny auf einer kleinen Truhe saß und auf eine Reihe von Särgen starrte. Er wusste nicht, wie lange er hier schon saß, aber es kam ihm wie eine halbe Ewigkeit vor. Und seine Gedanken kreisten immer und immer wieder um dieselben Gedanken. Wie hatte er nur so versagen können? Welcher Teufel hatte ihn geritten, das Leben seiner Leute aufs Spiel zu setzen? Egal was Danton und die anderen sagten, er hatte viele Menschen auf dem Gewissen. Hätte er sich nicht den Peilsender unterjubeln lassen, wären sie vermutlich unbeschadet durch diese Mission gekommen und gute, fähige Männer und Frauen wie Sagrudson hätten nicht mit ihrem Leben für diesen Einsatz gezahlt, oder wären verkrüppelt oder schwer verletzt worden wie Doc Doolittle oder Sergeant Caprese. Und was noch schwerer wog, sein bester und einziger Freund wäre nicht gestorben. Gestorben für einen Klumpen Metall. Gestorben, weil er seiner Sucht nicht hatte widerstehen können. Wie sollte er es Hanks Frau sagen? Wie sollte er es seiner kleinen Tochter beibringen, die ihren Vater nicht wieder sehen würde, nie wieder?
Dennys Blick wanderte von Hanks Sarg zu seinen Füßen, dann zu seinen Händen. Wie in Trance griff er nun zu seiner Beretta, die in seinem Holster steckte. Dann zog er die Waffe und betrachtete das Familienerbstück mit dem im Griff eingearbeiteten Wappen und wog die Pistole in seinen Händen. Schliesslich entsicherte er die Waffe und hielt sie sich in den Mund. Ein paar Sekunden verharrte er und zog sie dann doch wieder raus, weil er würgen musste. Wut brandete in ihm hoch. Nicht mal das bekam er noch hin.
„Und was ist jetzt?“
Dennys Kopf flog zu dem Mann hinüber, der aus dem Schatten eines Containers trat. Decius Metellus hatte die Arme vor der Brust verschränkt und blickte ihn aus kalten Augen an. „Gibst du deinem jämmerlichen Leben endlich ein Ende oder nicht?“
Denny antwortete nicht, sondern starrte stattdessen wieder zurück zu den Särgen seiner gefallenen Kameraden. Zum Sarg seines Freundes, für dessen Tod er sich verantwortlich fühlte.
„Du würdest uns allen einen Gefallen tun, Dukic. Du bist arrogant, überheblich und bist eine Gefahr für jeden unter deinem Kommando. Mach ein Ende, dann werden wir es alle einfacher haben. Sonst kommst du vielleicht noch eines Tages wieder und der Major in seiner unermesslichen Güte wird dir eine zweite Chance geben, die du nicht verdient hättest. Beende es hier, mach Schluss, keiner wird dich vermissen!“
Denny blickte auf die Waffe in seinen Händen. Es war so leicht, Mund auf, Waffe rein und abdrücken und er wäre alle seine Probleme los. Sein schlechtes Gewissen, seine Versagensängste, seine Schuldgefühle - all das wäre ein für alle Mal vorbei.
Doch etwas hinderte ihn, ein simpler Gedanke ließ sich nicht abschütteln. `Willst du SO sterben?` fragte er sich selbst.

Und dann stand er abrupt auf, streckte den Rücken durch und die Beratte wieder in sein Schulterholster. Mit zwei schnellen Schritten war er ganz nah an dem Sergeant Major..
„Geh´ zur Hölle“ war das einzige, was er dem Marianer zuraunte. Dann ging er an ihm vorbei zu seinem Quartier. Er musste sich seinen Ängsten stellen, er musste Hanks sterbliche Überreste überführen lassen.
Und dann würde man sehen.
Als er sich mit schnellen Schritten von Decius Metellus entfernte, sah er nicht, wie dieser die Arme vor der Brust kreuzte und zufrieden lächelte.

************************************************** ****

Charles Decaroux und seine Kommando-Platoon trainierten im großen Hangar der ROSEMARIE um in Form zu bleiben. Er beobachtete die vierzig Männer und Frauen, die ihm nach Bryant geblieben waren, als sich der Kommandeur der Chevaliers an seine Seite stellte.
„Was kann ich für dich tun, Germaine?“
„Ich wollte mit dir über Evander Povlsen reden, Charly. Ich habe ihn meinem Stab zugewiesen und plane ihn für die Gegenspionage einzusetzen. Du hast bei der letzten Einheitsbesprechung nichts dazu gesagt und ich wollte deine Meinung dazu hören. Also, was hältst du davon?“ Auch wenn Charles Decaroux vom Range her nur ein First Sergeant war, und das auch erst seit kurzem, band ihn Danton in viele seiner Entscheidungen ein. Zumal er als Leiter der Kommandos gerade in dieser Sache mitreden sollte.
Doch Decaroux verschränkte nur die Arme vor der Brust und presste ein „Mach was du willst hervor.“
Danton runzelte die Stirn. „Er könnte sehr nützlich für uns werden, glaubst du nicht auch?“
„Er könnte uns bei der ersten Gelegenheit verlassen, auf Nimmerwiedersehen verschwinden und untertauchen.“
Germaine Danton schüttelte den Kopf. „Nein, wo sollte er sonst hin? Die Spinne war mit ihm dermaßen unzufrieden, dass sie eine offizielle Beschwerde bei der Söldnerkommission aufgegeben hat. Inklusive eines Tipps an die Dragoner, wer für den Ärger in der letzten Silvesternacht verantwortlich gewesen ist. Natürlich hat Evander ohne die Zustimmung der Bryanter gehandelt, wenn Du verstehst.“ Danton zuckte mit den Schultern als er fortfuhr. „Ich denke nicht, dass Povlsen je wieder einen Fuß auf Outreach setzen kann, geschweige denn dort einen neuen Kontrakt finden würde.“
„Ich traue ihm nicht, Germaine. Er ist ein Ex-LNC-Agent, wie du weißt und ich bin überzeugt davon, dass er nur eine Rolle spielt. Alleine schon sein Verhalten, als wir ihn in Leipzig aufgegriffen haben. Glaubst du wirklich ein so hartgesottener Agent verhält sich so?“
„Er hat eine harte Zeit durchgemacht, seinen Partner verloren…“
„Ach was, die Aufnahmeprüfungen als Agent sind schon härter, als das was er in Leipzig durchgemacht haben soll. Und Leute wie Povlsen haben keine Partner. Er wird uns bei der erstbesten Gelegenheit verraten und dann bliebe ihm immer noch Galatea oder er könnte doch wieder zurück in den Bürgerkrieg.“
„Beides nicht gerade die besten Aussichten, oder?“ Danton verzog sein Gesicht zu einem Grinsen, in der Hoffnung, dass sein Chef der Spec-Ops es ihm nachmachen würde. „Komm schon, Charly, natürlich weiß ich, dass dieser Povlsen nicht mit offenen Karten spielt. Aber wir können nach Bryant nicht mehr allzu wählerisch sein, oder? Ich lasse jemanden wie ihn lieber für mich arbeiten, als gegen mich. Und du mußt zugeben, dass sein Einsatz in der Kaserne und die anschließende Flucht ein ganz schöner Husarenritt gewesen ist.“
Decaroux blickte ihn aus wütenden Augen an. „Genau darum geht es, Germaine. In dieser Nacht sind Kameraden von uns gefallen und verletzt worden, falls du das vergessen haben solltest?“
Jetzt war es an Germaine wütend zu werden. Eiskalt erwiderte er: „Denke ja nicht daran, dass ich auch nur einen von Ihnen vergessen hätte: Sergeant Terry Koczarek und Private Malcolm Grady sind in Erfüllung ihrer Pflicht gefallen. Soll ich dir ihre Dienstnummern nennen, oder vielleicht die Namen der Hinterbliebenen?“ Dantons Stimme war sehr scharf geworden, schärfer als es bei Freunden sein musste.
„Und was ist mit Leipzig? Mit all den Männern und Frauen, die dort ihr Leben verloren haben? Wirst du auch bei deren Hinterbliebenen vor sie treten und Ihnen sagen: Oh, es tut mir leid, dass eure Angehörigen tot sind. Und ach übrigens, einer der Hauptverantwortlichen tut jetzt Dienst bei den Chevaliers.“
„Povlsens Peilsender hat uns dort die Carters Crusaders auf den Hals gehetzt, aber sowohl Dvensky als auch Blakes Wort hätten unseren Standort dort so oder so herausgefunden. Vergiß nicht den Aufklärer, der unsere Position ebenfalls verraten hat. Du kannst Povlsen nicht die Schuld für die Kampfhandlungen in Leipzig in die Schuhe schieben. Er hat nur einen Auftrag ausgeführt. Verflucht Charly, man möchte meinen, dass Du ein persönliches Problem damit hast.“
„Natürlich habe ich ein persönliches Problem damit, Germaine. Greta Caprese wird vielleicht nie mehr einen Einsatz haben, ich habe eine Menge gute Leute verloren…“
„Umso wichtiger, dass wir einen Ersatz kriegen, oder? Povlsen kann seine Schuld an den Chevaliers auf sinnvolle Art und Weise abarbeiten statt das sich einige Leute nur ihre Rachegelüste befriedigen können.“
„Ausgerechnet du mußt mir Rachegelüste vorwerfen? Hah…“ Decaroux lachte bitter auf und auch Danton erkannte seinen Fehler. Hatte ihn seine Rache nicht auch zu vielem getrieben? Doch Decaroux war mit seiner Standpauke noch nicht fertig. „Germaine, ein guter Kommandeur muß vor allem auch die Stimmung in der Truppe wahrnehmen. Bei den Chevaliers ist nicht nur alles Friede und alle sind Freunde. Frag dich doch mal, warum uns so viele freiwillig verlassen haben, häh? Doolittle, Dukic, Trent, Ferrow und noch einige mehr.“ Germaine setzte zu einer Antwort an, doch Charles Decaroux ließ ihn nicht ausreden. „Da wo ich herkomme, Germaine, kommt erst das Corps, dann der Rest. Ein guter Kommandeur muß auch mal harte Entscheidungen zum Wohle der Einheit treffen.“
Bei jedem anderen Menschen wäre Dantons Zorn hervorgebrochen, doch Decarouxs Worte machten ihn nachdenklich. „Du weißt, dass das verdammt unfair ist, oder?“
„Nun Germaine, darum bin ich nie Offizier geworden. Es ist dein Job, diese Sache zu entscheiden. Nimmst du ihn auf, ohne dass die Leute zu ihrer Genugtuung zu kommen, verlierst du vielleicht alte Freunde. Lieferst du ihn an diejenigen aus, die noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen haben, wie z.B. Dvensky oder die Wolfs Dragoner mußt du das mit deinem Großmut und deinem Gewissen vereinbaren.“ Decaroux zuckte mit den Schultern, jetzt nachdem er sich die Sache von der Seele geredet hatte anscheinend deutlich beruhigt. „Du bist nicht um diese Entscheidung zu beneiden, alter Freund.“
Mit diesen Worten ging der grossgewachsene Kommando-Soldat und ließ einen nachdenklichen und schweigsamen Major hinter sich, der noch eine Weile vor sich hinstarrte und an einer schweren Entscheidung zu knabbern hatte. Doch es dauerte nicht lange, als sich sein Gesicht aufhellte und er mit einem entschlossenen Gesicht davon stampfte.

************************************************** ************

Zwei Wochen später auf dem Weg in den Ark-Royal Defensivkordon

Evander Povlsen hatte den spärlichen Abschnitt des Frachtraums der ROSEMARIE, der als Turnraum umfunktioniert worden war, für sich alleine da er sich eine Zeit ausgesucht hatte, an der die meisten Chevaliers in Ihren Kojen lagen. Er mühte sich an einem der Fahrräder ab, um in Form zu bleiben und der Schweiss rann an seinem Körper herab. Er war vor nicht einmal einem Monat angeschossen worden, doch war jetzt schon fast wieder voll einsatzfähig. Ein jahrelanges hartes Training und eiserne Disziplin hatten dies möglich gemacht und es würde nicht mehr lange dauern, dann wären die Wunden von Byrant vollkommen verheilt.
Während er monoton in die Pedale trat, fingen seine Gedanken an abzuschweifen. Wie einfach es doch gewesen war, diesen Einfaltspinsel von Major dazu zu bringen, ihm die Story von dem seelischen Wrack zu verkaufen. Povlsen hatte gegreint, gejammert und gewinselt. Im Grunde eines Agenten unwürdig, aber was tat man nicht alles für´s Überleben. Er hatte in seiner Karriere schon gesehen, dass man Leute schon für deutlich weniger auf der Stelle erschossen hatte. Also hatte er lieber kein Risiko eingehen wollen und eine Show abgeliefert, von der er der Meinung gewesen war, dass sie eher sein Leben retten würde, als den arroganten Agenten zu spielen, der er eigentlich war und dafür dann eventuell erschossen zu werden.
Sicher, es gab auch Zweifler, wie diesen Decaroux oder auch den Master Sergeant Decius Metellus. Aber alles in allem ließen sie ihn in Ruhe und behandelten ihn wie einen besseren Gefangenen. Und was noch wichtiger war, sie brachten ihn von Bryant weg. Povlsen war sich sicher, dass sowohl Dvensky als auch die Spinne im Augenblick nicht sonderlich gut auf ihn zu sprechen waren. Und die Aussichten in einem Bryanter Kerker den Verhörspezialisten ausgeliefert zu sein, die ihn wegen des Verdachts auf Sabotage und Unterstützung eines feindlichen Nachrichtendienstes nach allen Regeln der Kunst ausquetschen würden, waren alles andere als erfreulich gewesen.
Von daher konnte er nur von Glück sagen, dass die Chevaliers ihn mitgenommen und nicht sauber verschnürt abgeliefert hatten. Er wusste, dass auch die Chevs kein Wohlfahrtsunternehmen waren. Früher oder später würden sie eine Gegenleistung von ihm erwarten. Und was konnte das schon anderes sein, als ein verdeckter Einsatz hinter den feindlichen Linien. Und das wäre dann genau der Augenblick in dem er Verschwinden würde, wenn es die äußeren Umstände zulassen würden. Und bis dahin musste er das Spiel des reumütigen und geläuterten Agenten spielen, der eine neue Heimat gefunden hatte.
Evander war so sehr in seine eigenen Gedanken versunken, dass er die Männer und Frauen in den schwarzen Trainingsanzügen und Masken erst bemerkte, als schon mehr als zehn von Ihnen ihn langsam und lautlos eingekreist hatten. Immer mehr von Ihnen drängten nach und bald schon war Evander umringt von fast 30 oder mehr Mitgliedern der Chevaliers, die sich alle vermummt hatten.
Evander liess sich seinen Schock nicht anmerken, sondern stieg ganz langsam vom Fahrrad, griff sich in aller Seelenruhe ein Handtuch und wischte sich den Schweiss von der Stirn und dem Nacken. Dann wandte er sich an den Kreis: „Seid ihr sicher, dass ihr genug seid? Vielleicht solltet ihr euch noch Verstärkung holen?“ rief er Ihnen verächtlich zu. Er wusste, dass er gegen diese Übermacht nicht die geringste Chance hatte. Mit seinen noch nicht vollständig verheilten Wunden konnte er von Glück sagen, wenn er auch nur einen von den Gegnern ausschalten konnte.
Doch er erhielt keine Antwort und stattdessen schloss sich der Kreis der vermummten Chevaliers noch ein wenig enger um Ihn herum. Instinktiv ging Evander in Verteidigungshaltung, als die mit schwarzen Mützen maskierten den Kreis geschlossen hatten. Einer der Chevaliers trat einen Schritt nach vorne, ein muskulöser Mann, dessen Bewegungen ihn als einen versierten Nahkämpfer verrieten. Evander glaubte in ihm den Chef der Spec Ops Dacaroux wieder zu erkennen, konnte sich aber wegen der Vermummung nicht sicher sein.
„Specialist Evander Povlsen!“ begann der Mann und fuhr ohne Pause fort, die Stimme hart und schneidend. „Normalerweise entscheidet der Major alleine, ob ein Chevalier unserer würdig ist. Und im Normalfall benötigen wir auch kein Ritual wie dieses. Aber es gibt einige unter uns, die nicht vergessen haben, was du auf Outreach getan hast. Zwei unserer Kameraden sind damals gefallen, ein paar andere verwundet worden, höchstwahrscheinlich durch deine Hand. Das kann und darf nicht ungestraft bleiben.“
„Weiss euer Major von eurer Racheaktion?“
Der Maskierte grinste. „Er hat es sogar angeordnet! Mach dich bereit.“ Der Maskierte trat einen Schritt zurück und ein Riese von Soldat betrat den Ring. Unzweifelhaft einer ihrer Elementare. Für einen kurzen Augenblick erfasste Furcht Evanders Brust, aber er verdrängte sie, so wie er es gelernt hatte. Wenn er also hier und jetzt sterben würde, dann sollte es eben sein. Aber er würde ihnen zeigen, aus welchem Holz er geschnitzt war.
Langsam umkreiste ihn der Riese und Evander tat es ihm nach, seine Sinne auf Äußerste geschärft. Dann brach der Koloß vor und versuchte ihn mit einem gewaltigen Schwinger zu erwischen. Doch Evander tänzelte zurück und wich auch dem direkt darauf folgenden Tritt gekonnt aus. Wieder begann das tänzeln und wieder ging der Elementar zum Angriff über. Evander konnte auch der zweiten Attacke ausweichen und sogar zum Gegenschlag ausholen. Wuchtig traf sein Schwinger die Schläfe seines Gegners, doch dieser steckte den Schlag weg, als ob er nicht gewesen wäre. Stattdessen schlug er zurück und Evander spürte einen Vorschlaghammer auf seinem Solarplexus explodieren. Er wurde zurückgeschleudert, schlug schmerzhaft auf dem Rücken auf doch rollte sich blitzschnell wieder hoch und kam keuchend und hustend zum Stehen. Trotz der stechenden Schmerzen in der Brust ging er instinktiv wieder in die Verteidigungsstellung und erwartete den nächsten Angriff des Hünen.
Doch dieser blieb aus. Verwirrt sah Evander zu, wie der Elementar sich kommentarlos wieder in den Kreis seiner Kameraden eingliederte.
An seine Stelle trat jetzt der Soldat, der als Erster gesprochen hatte. Auch dieser griff Evander an und trat zurück sobald er Evander einen ersten Schlag verpasst hatte, einen krachenden Beintritt gegen den Kopf. Evander sah, wie auch er danach zurücktrat um einem Kameraden Platz zu machen, einem kleinen bulligen Typen, den Evander gar nicht zuordnen konnte, vielleicht war es Decius Metellus? Und so ging es immer weiter, Evander wurde müder und müder, während immer wieder neue Chevaliers die vorherigen ablösten, sobald sie ihm einen ersten Schlag verpasst hatten. Evander, keuchte und hustete und blutete aus einer Platzwunde. Seine früheren Wunden schmerzten und sein Atem ging rasselnd als ein weiterer Krieger sich vor ihn stellte. Er musste seine Kräfte sparen, wenn die 30 Soldaten sich alle mit ihm prügeln wollten.
Der neue Soldat kam schnurgerade auf Evander. Dieser versuchte ihn mit einer Rechts-links-Kombination auf Abstand zu halten, aber er war bereits zu langsam. Ein Beinschwinger riss ihn zu Boden, dann spürte er wie der Soldat mit dem Knie voran in seine Seite sprang. Eine Rippe brach und Evander bäumte sich vor Schmerz auf. Er drehte sich seitlich weg und fegte den Angreifer mt einem verzweifelten Beinschwinger ebenfalls auf den Boden. Sein Gegner kam schmezhaft mit dem Gesicht voran mit der Stirn auf dem Boden auf, drehte sich aber ebenfalls weg und blieb ausserhalb von Evanders Reichweite wieder hoch. Kommentarlos trat auch er zurück und ging wieder in den Kreis zurück. Ächzend kam Evander hoch und erwartete den nächsten Angreifer. Doch keiner kam.
Stattdessen trat der erste Redner wieder hervor, zog ein gefaltetes Stück Papier aus seiner Jackentasche und reichte sie Evander. „Hier sind die Namen der Männer und Frauen, für deren Tod oder Verwundung du direkt oder indirekt verantwortlich bist. Präge dir ihre Namen gut ein. Denn vor allem Ihnen bist du etwas schuldig.“
Mit diesen Worten löste sich die Versammlung wie von Geisterhand auf und liess einen verwunderten Evander zurück. Dieser wusste nicht, was er von der ganzen Sache halten sollte und öffnete die Liste der Verluste auf Outreach und in Leipzig. Und die Liste war lang.
Er blickte erst wieder auf, als wieder jemand den Raum betrat. Es war Major Danton. Er blutete leicht aus einer Platzwunde an der Stirn, schien das aber nicht mal wahrzunehmen.
„Specialist Povlsen! Sie sehen ja fürchterlich aus. Sehen sie sich vor, diese Trainingsgeräte sind mörderisch. Sind sie gestürzt?“
Povlsen blickte den Major mit offenem Mund an und vergass dabei sogar seine Schmerzen. Er versuchte Wut und Zorn für diesen Mann zu empfinden, aber es gelang ihm nicht. „Ja, Sir. Ich denke ich bin unglücklich gefallen. Was ist mit ihnen?“ Dabei zeigte er auf Dantons Stirn.
„Oh, dass. Naja, ich denke ich bin wohl auch unglücklich gefallen.“ Er grinste schräg, dann zeigte er Povlsens verletzte Rippe. „Lassen sie das untersuchen und dann Schluss für heute. Morgen früh Punkt 0800 will ich sie zur Einsatzbesprechung der Spec Ops sehen, haben wir uns verstanden?
„Aye Sir“ gab Evander zurück und sah dem Major noch lange nach. Wie es schien hatte er den Mann unterschätzt. Genauso wie den Rest der Chevaliers. Ein Fehler, der ihm sicher nicht wieder unterlaufen würde. Dann machte er sich wortlos auf den Weg zur Krankenstation

Ironheart
12.02.2006, 14:54
Jetzt scheint diese Season komplett zu sein.

Ich hoffe es hat euch allen Gefallen

Weiter geht es mit der dritten Season der Chevaliers.

Bleibt uns treu.

Gruß
Ironheart