ThrawnWard
12.07.2004, 16:43
Prolog
Kurz nach dem Sieg über die Illyrischen Pfalz, ist Caesar Sean O’Reilly verstorben. Sein Sohn der Nachfolger hat eine 2 Tägige Staatstrauer angeordnet. Die Alphard Nachrichten Zentrale, gratuliert unserem neuen Caesar und wünscht ihm viel Erfolg für die Zukunft.
Alphard Nachrichten Zentrale (ANZ), Alphard,
Marianische Hegemonie, 09. August 3063
Maximillian, Marianische Hegemonie,
Peripherie
10. August 3063
Knarrend öffnete sich die Terrassentür, als Marcus Argentinus auf seine Veranda trat. Er streckte sich, um die Müdigkeit aus seinen Knochen zu vertreiben.
Zufrieden begann er seine Pfeife zu stopfen und machte es sich auf seinem alten Schaukelstuhl bequem. Die ersten Vögel hatten bereits ihren Morgengesang angestimmt und Marcus genoss diese harmonische Konzert sichtlich.
Kleine Rauchwolken stiegen von ihm auf , wurden von einem lauen Morgenwind erfasst und davon geweht.
Sein Blick blieb in einem nahen Birnenbaum hängen, in dem man die Früchte vor lauter Vögel kaum noch sehen konnte. Die mächtige Krone des Baumes wirkte schwarz, so zahlreich waren die Vögel.
Marcus Argentinus war glücklich. Nach seiner Dienstzeit in den Legionen des Caesars hatte er sich seinen Ruhestand redlich verdient. Und so war er vor 5 Jahren nach Maximillian gekommen, um hier seinen Lebensabend zu bestreiten.
Mit protestierendem Gekrächze und wildem Flügelschlagen erhoben sich die Vögel von ihrem Frühstück und stiegen auf in den Himmel, der aufgehenden Sonne entgegen.
Überrascht wurde Marcus Argentinus aus seinen Gedanken und Erinnerungen gerissen.
Was mochte die Tiere aufgescheucht haben?
Er lauschte in den Morgen. Er hielt sogar die Luft an, doch alles war er hörte war nur das erregte Pochen seines eigenen Herzens.
„Ich werde langsam alt,“ knurrte er vor sich hin und wühlte in den Taschen seines Morgenmantels nach Streichhölzern.
Er hatte vollkommen vergessen, dass seine Pfeife bereits brannte.
Es regnete nun bereits seit mehreren Stunden. Johnny „OneEye“ Johns wischte sich mit der rechten Hand das Wasser aus seinem verbliebenen Auge. Was für ein verdammtes Wetter, dachte er und spuckte aus.
Doch dann stahl sich ein böses Grinsen in sein Gesicht. Wenigstens waren sie nicht umsonst hier gelandet.
Seit dem sich die Truppenverbände der Marianischen Hegemonie hier auf Maximillian sammelten, boomte der Handel auf diesem Planeten.
Und auf die Handelswaren hatten es die Piraten abgesehen.
Johns bleckte die Zähne und sah die Angst in den Augen seiner Gefangenen. Seine Gefangenen. Hinter ihm überwachten eine Lanze Battlemechs das Szenario. Die leichten und mittelschweren Maschinen wirkten auf die verängstigten Händler vermutlich wesendlich bedrohlicher als die Maschinenpistole, die der Infanterist sich mit einem Gurt locker um den Hals gehängt hatte.
„OneEye, halt keine Maulaffen feil, sondern fass mit an!“
Die Stimme einer jungen Frau riss ihn aus seinen Gedanken.
Grunzend begann er wieder die Transporter mit ihrer Beute zu beladen.
Einer der Mechs bewegte sich. Der Kopf des riesigen Kampfkolosses drehte sich suchend.
„Rückzug! Alle Mann zurück zu den Schiffen!“
Die elektronisch verstärkte Stimme donnerte aus den Außenlautsprechern des Lineholders, der die Verschlussklappen seines Schulterraketenwerfers aufspringen ließ und sich von dem Handelsplatz zurückzog.
Fragend hob OneEye seinen Kopf und suchte in den Augen seiner Kameraden nach einer Antwort auf seine Frage.
Die Frage, was überhaupt los war.
Gerade als er den Mund öffnete, begann der Angriff.
Die Händler rannten schreiend weg, als der erste Piratenmech in einem brennenden Inferno explodierte.
Die Infanteristen der Piraten ließen ihre Beute fallen und rannten zu den wartenden Transportern. Da explodierte bereits der erste der Transporter, einige der Piraten wurden wie Stoffpuppen durch die Luft geschleudert oder einfach zerfetzt.
Um OneEye Johns herrschte Tod und Chaos.
Da sah er sie. In Formation rückten mehrer Lanzen der Marianischen Hegemonie an. Dort sah er einen Atlas, dessen Mediumlaser wie zu lange Finger auf einen Scorpionpanzer zeigten und ihn zur Explosion brachte.
Ein Black Knight stapfte auf den Firestarter der Bewacherlanze zu und zerschlug ihm einfach das Cockpit mit seiner Faust, ohne Gegenwehr starb der Piratenpilot.
Mehr und mehr Hegemoniemechs traten in das Sichtfeld von OneEye Johns. Sein Headset knackte.
„Zurück zu den Schiffen! Zurück zu den Schiffen!“
Ein Wolfshound rannte an ihm vorbei. Der Alligator mit dem aufgerissenen Maul war für OneEye deutlich zu erkennen. Dicht hinter dem Mech kam ein Beaglescoutschweber angeschossen. OneEye wedelte mit den Armen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sein Taxi ins Glück.
Der Schweber verlangsamte, damit der Infanterist aufspringen konnte.
Doch in dem Moment, in dem OneEye sprang, traf ihn eine MG Salve in den Rücken.
Das Landungsschiff eilte mit Höchstgeschwindigkeit durch die Weite des Alls.
„Und wie sieht es aus Käpt´n?“
Tizana „Tizi“ Sterling strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatte. Sören Rasmusson warf noch einmal einen flüchtigen Blick auf seine Instrumente.
„Keine Sorge Cheffin, sie kommen uns nicht hinterher.“
Mit sie meinte er die Luftraumjäger der Hegemonie, die das Schwesterschiff der Piraten noch am Boden zerstört hatten.
„Vermutlich lohnt sich der Aufwand nicht, uns zu jagen.“
„Tizi“ Sterling blies die widerspenstige Strähne wieder hoch.
Welcher Aufwand? Die Sterlings Marauders waren praktisch halbiert worden. Die Hälfte ihrer Mechs lagen zerschossen und ausgebrannt auf Maximillian, ebenso wie die Hälfte ihrer Männer. Die Erinnerung schweifte noch einmal ab zu den Kämpfen.
„Melina, hast Du was auf dem Radar?“
Tiziana „Tizi“ Sterling, Chefin der Piratenbande Sterlings Marauders aktivierte die Verbindung zu ihrem Scout.
Melina Chan drehte den Torso ihres Commandos zu ihr.
„Tut mir leid, nichts zu sehen.“
Sterling entspannte sich. Sie war sich sicher, dass Alfred Gator mit der Bewacherlanze die Händler in Schacht halten konnte. Sobald die Beute verladen worden war, würden sie wieder verschwinden. Keine Toten, kein Terror. Angst reichte ihr als Druckmittel vollkommen aus.
„Chefin ...“ die Stimme von Melina Chan klang plötzlich angespannt. „Hier stimmt was nicht ...“
Tizi Sterling überprüfte ihre Sensoren. Ihr fiel nichts besonderes auf. Eigentlich zeigten ihre Sensoren gar nichts.
„Störsender!“ stieß sie aus und trat einen Schritt näher an das Landungsschiff in ihrem Rücken. Die Bewaffnung des Leopards gab ihr die trügerische Hoffnung auf Schutz.
„Melina, versuche Crocodile zu erreichen, irgendwie!“
„Da! Feindliche Mechs! Feindliche Mechs!“
Ernest Brower riss seinen Lineholder herum. Instinktiv hatte er den rechten Arm ausgestreckt und auf die nahenden Battlemechs gedeutet. Die Verschlussklappe seines Raketenwerfers sprang auf.
„Spider, ab zu den anderen und hol sie PERSÖNLICH ab!“
Die Stimme von Tiziana Sterling bekam einen nervösen Klang. Spiders Mech beschleunigte und sprang über die Angreifer hinweg, Für die war der 30 Tonnen schwere Spidermech wohl keine Bedrohung, da sie ihn in Ruhe ließen.
Tiziana „Tizi“ Sterling verließ stumm die Brücke. Die Eindrücke von Maximillian waren noch nicht allzu lange her. Sie ging in die Messe, in die der Rest der Einheit versammelt war
Alfred Gator fluchte Gottes lästernd in der Enge seines Cockpits. Er riss mehr an den Kontrollen seines Wolfshounds, als das er fähig gewesen wäre, seinen Mech noch vernünftig zu steuern. Fast drei Lanzen machten Jagd auf ihn. Und an den Wappen auf ihren Mechs erkannte er, dass es keine Hegemoniemechs waren, sondern die verhassten Truppen der Wilson Husaren. Die ehemaligen Söldner bildeten bereits seit Jahren das Zentrum der Stärke des Hegemoniemilitärs. Und nun waren sie hier und wollten Sterlings Marauders vernichten.
„Crocodile, gib mir Deckung!“ Irritiert starrte Gator auf seine Ortung. Keiner seiner Mechs stand noch auf den Beinen.
„Und tritt nicht auf mich drauf ...“
Da erst bemerkte er den Beagle, der zwischen seinen Beinen wuselte. Und jetzt erst erkannte er auch die Stimme von Deidre.
Deidre Napier, Koordinatorin der Bodentruppen von Sterlings Marauders saß in dem Scoutschweber und suchte ebenso wie er sein Heil in der Flucht.
Hinter dem Schweber tauchte ein Raven auf.
„Verdammt, er hat mich markiert!“ fluchte Deidre über die Marauderfrequenz. Gator zögerte nicht lange.
Er dreht seinen Hound und feuerte aus der Bewegung auf den Vogelmech.
Alle vier seiner Mediumlaser brannten sich in die raubtiergleiche Schnauze des Mechs.
Wie vor den Kopf geschlagen blieb der Raven stehen, taumelte und stürzte.
„Danke, Crocodile,“ meldete sich Deidre wieder.
„Ab zu den Schiffen, vielleicht sind sie noch da!“
Dreide Napier sah einen Kameraden und bremste den Schweber ab. Doch als der Körper gegen die den Schweber prallte, war ihr klar, dass er es nicht geschafft hatte.
„Spider an Bande! Spider an Bande! Noch einer da??“
Plötzlich war der Störsender deaktiviert, und die Funksprüche von Spider erreichten die Piraten wieder.
„Spider, wir hören Dich!“
„Beeilt Euch, die Schiffe stehen unter Beschuss!“
Gator hob den Kopf, als Tizi die Messe betrat. Auch er hing mit seinen Gedanken noch bei der Schlacht, die sie nur mit Mühe überlebt hatten.
Er nickte seiner Vorgesetzten kurz zu.
„Wie sieht es aus?“ fragte Sterling in die Runde.
Jeremiah Edward Johnson, Cheftechniker und einziger Techniker der Piraten zog noch einmal an seiner dicken Zigarre, auf der er im Normalfall kaute.
„Tja, wie soll’s schon aussehen, Mädchen? Wirf einen Blick in das All. Und dann lass Dir sagen, dass es bei uns nicht ganz so düster aussieht.“
Säuerlich blickte Sterling ihren Techniker an.
Doch dieser lächelte nur sanft. Dann räusperte er sich.
„Um es etwas präziser zu sagen. Wir haben eine Lanze Mechs in den Ladebuchten. Ob die Babys jemals wieder diese Buchten verlassen, kann ich noch nicht sagen. Dann haben wir einige Transporter, die übrigens schon beladen waren, einen Beagle, zwei Scorpios und einen Sprint. Der letzte steht aber schon etwas länger, irgendein Fehler in der Elektrik.“
Johnson zuckte mit den Schultern.
Sterling massierte sich die Schläfen. Sie bekam Kopfschmerzen.
„Und wie sieht es mit unseren Leuten aus?“
Gator stand auf und breitete die Arme aus
„Sieh Dich um, Tizi, das ist alles, was wir noch haben ...“
Tizi Sterling traute ihren Augen nicht.
Außer den fünf erschöpften Piloten waren nur noch Deidre Napier, drei weitere Infanteristen sowie die Panzerbesatzung übrig. Alles in allem gerade einmal 12 Mann. Von 30.
Die Lautsprecheranlage des Landungsschiffs rettete sie vor einer Antwort.
„Miss Sterling. Wir docken gleich an unser Sprungschiff an. Käpt´n Burton fragt nach den Zieldaten.
Tizi ging zu einem Wandterminal und aktivierte es.
„Sagen Sie Rosa, wie springen zurück nach Blantleff. Dort bleiben wir erstmal.“
„Verstanden, Miss.“
Blantleff. Vor knapp 5 Wochen waren sie von St. Andrews zu ihrem Raubzug aufgebrochen. Ihr erster Zwischenstopp war Blantleff gewesen. Nun kehrten sie dahin zurück, nur noch ein Schatten ihrer Selbst.
Die Schiffsirene begann zu heulen, nach dem das Landungsschiff an dem Sprungschiff angedockt war.
Der Normalraum löste sich auf und die geschlagenen Piraten verschwanden aus dem System von Maximillian.
Kurz nach dem Sieg über die Illyrischen Pfalz, ist Caesar Sean O’Reilly verstorben. Sein Sohn der Nachfolger hat eine 2 Tägige Staatstrauer angeordnet. Die Alphard Nachrichten Zentrale, gratuliert unserem neuen Caesar und wünscht ihm viel Erfolg für die Zukunft.
Alphard Nachrichten Zentrale (ANZ), Alphard,
Marianische Hegemonie, 09. August 3063
Maximillian, Marianische Hegemonie,
Peripherie
10. August 3063
Knarrend öffnete sich die Terrassentür, als Marcus Argentinus auf seine Veranda trat. Er streckte sich, um die Müdigkeit aus seinen Knochen zu vertreiben.
Zufrieden begann er seine Pfeife zu stopfen und machte es sich auf seinem alten Schaukelstuhl bequem. Die ersten Vögel hatten bereits ihren Morgengesang angestimmt und Marcus genoss diese harmonische Konzert sichtlich.
Kleine Rauchwolken stiegen von ihm auf , wurden von einem lauen Morgenwind erfasst und davon geweht.
Sein Blick blieb in einem nahen Birnenbaum hängen, in dem man die Früchte vor lauter Vögel kaum noch sehen konnte. Die mächtige Krone des Baumes wirkte schwarz, so zahlreich waren die Vögel.
Marcus Argentinus war glücklich. Nach seiner Dienstzeit in den Legionen des Caesars hatte er sich seinen Ruhestand redlich verdient. Und so war er vor 5 Jahren nach Maximillian gekommen, um hier seinen Lebensabend zu bestreiten.
Mit protestierendem Gekrächze und wildem Flügelschlagen erhoben sich die Vögel von ihrem Frühstück und stiegen auf in den Himmel, der aufgehenden Sonne entgegen.
Überrascht wurde Marcus Argentinus aus seinen Gedanken und Erinnerungen gerissen.
Was mochte die Tiere aufgescheucht haben?
Er lauschte in den Morgen. Er hielt sogar die Luft an, doch alles war er hörte war nur das erregte Pochen seines eigenen Herzens.
„Ich werde langsam alt,“ knurrte er vor sich hin und wühlte in den Taschen seines Morgenmantels nach Streichhölzern.
Er hatte vollkommen vergessen, dass seine Pfeife bereits brannte.
Es regnete nun bereits seit mehreren Stunden. Johnny „OneEye“ Johns wischte sich mit der rechten Hand das Wasser aus seinem verbliebenen Auge. Was für ein verdammtes Wetter, dachte er und spuckte aus.
Doch dann stahl sich ein böses Grinsen in sein Gesicht. Wenigstens waren sie nicht umsonst hier gelandet.
Seit dem sich die Truppenverbände der Marianischen Hegemonie hier auf Maximillian sammelten, boomte der Handel auf diesem Planeten.
Und auf die Handelswaren hatten es die Piraten abgesehen.
Johns bleckte die Zähne und sah die Angst in den Augen seiner Gefangenen. Seine Gefangenen. Hinter ihm überwachten eine Lanze Battlemechs das Szenario. Die leichten und mittelschweren Maschinen wirkten auf die verängstigten Händler vermutlich wesendlich bedrohlicher als die Maschinenpistole, die der Infanterist sich mit einem Gurt locker um den Hals gehängt hatte.
„OneEye, halt keine Maulaffen feil, sondern fass mit an!“
Die Stimme einer jungen Frau riss ihn aus seinen Gedanken.
Grunzend begann er wieder die Transporter mit ihrer Beute zu beladen.
Einer der Mechs bewegte sich. Der Kopf des riesigen Kampfkolosses drehte sich suchend.
„Rückzug! Alle Mann zurück zu den Schiffen!“
Die elektronisch verstärkte Stimme donnerte aus den Außenlautsprechern des Lineholders, der die Verschlussklappen seines Schulterraketenwerfers aufspringen ließ und sich von dem Handelsplatz zurückzog.
Fragend hob OneEye seinen Kopf und suchte in den Augen seiner Kameraden nach einer Antwort auf seine Frage.
Die Frage, was überhaupt los war.
Gerade als er den Mund öffnete, begann der Angriff.
Die Händler rannten schreiend weg, als der erste Piratenmech in einem brennenden Inferno explodierte.
Die Infanteristen der Piraten ließen ihre Beute fallen und rannten zu den wartenden Transportern. Da explodierte bereits der erste der Transporter, einige der Piraten wurden wie Stoffpuppen durch die Luft geschleudert oder einfach zerfetzt.
Um OneEye Johns herrschte Tod und Chaos.
Da sah er sie. In Formation rückten mehrer Lanzen der Marianischen Hegemonie an. Dort sah er einen Atlas, dessen Mediumlaser wie zu lange Finger auf einen Scorpionpanzer zeigten und ihn zur Explosion brachte.
Ein Black Knight stapfte auf den Firestarter der Bewacherlanze zu und zerschlug ihm einfach das Cockpit mit seiner Faust, ohne Gegenwehr starb der Piratenpilot.
Mehr und mehr Hegemoniemechs traten in das Sichtfeld von OneEye Johns. Sein Headset knackte.
„Zurück zu den Schiffen! Zurück zu den Schiffen!“
Ein Wolfshound rannte an ihm vorbei. Der Alligator mit dem aufgerissenen Maul war für OneEye deutlich zu erkennen. Dicht hinter dem Mech kam ein Beaglescoutschweber angeschossen. OneEye wedelte mit den Armen, um auf sich aufmerksam zu machen. Sein Taxi ins Glück.
Der Schweber verlangsamte, damit der Infanterist aufspringen konnte.
Doch in dem Moment, in dem OneEye sprang, traf ihn eine MG Salve in den Rücken.
Das Landungsschiff eilte mit Höchstgeschwindigkeit durch die Weite des Alls.
„Und wie sieht es aus Käpt´n?“
Tizana „Tizi“ Sterling strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich aus ihrer Frisur gelöst hatte. Sören Rasmusson warf noch einmal einen flüchtigen Blick auf seine Instrumente.
„Keine Sorge Cheffin, sie kommen uns nicht hinterher.“
Mit sie meinte er die Luftraumjäger der Hegemonie, die das Schwesterschiff der Piraten noch am Boden zerstört hatten.
„Vermutlich lohnt sich der Aufwand nicht, uns zu jagen.“
„Tizi“ Sterling blies die widerspenstige Strähne wieder hoch.
Welcher Aufwand? Die Sterlings Marauders waren praktisch halbiert worden. Die Hälfte ihrer Mechs lagen zerschossen und ausgebrannt auf Maximillian, ebenso wie die Hälfte ihrer Männer. Die Erinnerung schweifte noch einmal ab zu den Kämpfen.
„Melina, hast Du was auf dem Radar?“
Tiziana „Tizi“ Sterling, Chefin der Piratenbande Sterlings Marauders aktivierte die Verbindung zu ihrem Scout.
Melina Chan drehte den Torso ihres Commandos zu ihr.
„Tut mir leid, nichts zu sehen.“
Sterling entspannte sich. Sie war sich sicher, dass Alfred Gator mit der Bewacherlanze die Händler in Schacht halten konnte. Sobald die Beute verladen worden war, würden sie wieder verschwinden. Keine Toten, kein Terror. Angst reichte ihr als Druckmittel vollkommen aus.
„Chefin ...“ die Stimme von Melina Chan klang plötzlich angespannt. „Hier stimmt was nicht ...“
Tizi Sterling überprüfte ihre Sensoren. Ihr fiel nichts besonderes auf. Eigentlich zeigten ihre Sensoren gar nichts.
„Störsender!“ stieß sie aus und trat einen Schritt näher an das Landungsschiff in ihrem Rücken. Die Bewaffnung des Leopards gab ihr die trügerische Hoffnung auf Schutz.
„Melina, versuche Crocodile zu erreichen, irgendwie!“
„Da! Feindliche Mechs! Feindliche Mechs!“
Ernest Brower riss seinen Lineholder herum. Instinktiv hatte er den rechten Arm ausgestreckt und auf die nahenden Battlemechs gedeutet. Die Verschlussklappe seines Raketenwerfers sprang auf.
„Spider, ab zu den anderen und hol sie PERSÖNLICH ab!“
Die Stimme von Tiziana Sterling bekam einen nervösen Klang. Spiders Mech beschleunigte und sprang über die Angreifer hinweg, Für die war der 30 Tonnen schwere Spidermech wohl keine Bedrohung, da sie ihn in Ruhe ließen.
Tiziana „Tizi“ Sterling verließ stumm die Brücke. Die Eindrücke von Maximillian waren noch nicht allzu lange her. Sie ging in die Messe, in die der Rest der Einheit versammelt war
Alfred Gator fluchte Gottes lästernd in der Enge seines Cockpits. Er riss mehr an den Kontrollen seines Wolfshounds, als das er fähig gewesen wäre, seinen Mech noch vernünftig zu steuern. Fast drei Lanzen machten Jagd auf ihn. Und an den Wappen auf ihren Mechs erkannte er, dass es keine Hegemoniemechs waren, sondern die verhassten Truppen der Wilson Husaren. Die ehemaligen Söldner bildeten bereits seit Jahren das Zentrum der Stärke des Hegemoniemilitärs. Und nun waren sie hier und wollten Sterlings Marauders vernichten.
„Crocodile, gib mir Deckung!“ Irritiert starrte Gator auf seine Ortung. Keiner seiner Mechs stand noch auf den Beinen.
„Und tritt nicht auf mich drauf ...“
Da erst bemerkte er den Beagle, der zwischen seinen Beinen wuselte. Und jetzt erst erkannte er auch die Stimme von Deidre.
Deidre Napier, Koordinatorin der Bodentruppen von Sterlings Marauders saß in dem Scoutschweber und suchte ebenso wie er sein Heil in der Flucht.
Hinter dem Schweber tauchte ein Raven auf.
„Verdammt, er hat mich markiert!“ fluchte Deidre über die Marauderfrequenz. Gator zögerte nicht lange.
Er dreht seinen Hound und feuerte aus der Bewegung auf den Vogelmech.
Alle vier seiner Mediumlaser brannten sich in die raubtiergleiche Schnauze des Mechs.
Wie vor den Kopf geschlagen blieb der Raven stehen, taumelte und stürzte.
„Danke, Crocodile,“ meldete sich Deidre wieder.
„Ab zu den Schiffen, vielleicht sind sie noch da!“
Dreide Napier sah einen Kameraden und bremste den Schweber ab. Doch als der Körper gegen die den Schweber prallte, war ihr klar, dass er es nicht geschafft hatte.
„Spider an Bande! Spider an Bande! Noch einer da??“
Plötzlich war der Störsender deaktiviert, und die Funksprüche von Spider erreichten die Piraten wieder.
„Spider, wir hören Dich!“
„Beeilt Euch, die Schiffe stehen unter Beschuss!“
Gator hob den Kopf, als Tizi die Messe betrat. Auch er hing mit seinen Gedanken noch bei der Schlacht, die sie nur mit Mühe überlebt hatten.
Er nickte seiner Vorgesetzten kurz zu.
„Wie sieht es aus?“ fragte Sterling in die Runde.
Jeremiah Edward Johnson, Cheftechniker und einziger Techniker der Piraten zog noch einmal an seiner dicken Zigarre, auf der er im Normalfall kaute.
„Tja, wie soll’s schon aussehen, Mädchen? Wirf einen Blick in das All. Und dann lass Dir sagen, dass es bei uns nicht ganz so düster aussieht.“
Säuerlich blickte Sterling ihren Techniker an.
Doch dieser lächelte nur sanft. Dann räusperte er sich.
„Um es etwas präziser zu sagen. Wir haben eine Lanze Mechs in den Ladebuchten. Ob die Babys jemals wieder diese Buchten verlassen, kann ich noch nicht sagen. Dann haben wir einige Transporter, die übrigens schon beladen waren, einen Beagle, zwei Scorpios und einen Sprint. Der letzte steht aber schon etwas länger, irgendein Fehler in der Elektrik.“
Johnson zuckte mit den Schultern.
Sterling massierte sich die Schläfen. Sie bekam Kopfschmerzen.
„Und wie sieht es mit unseren Leuten aus?“
Gator stand auf und breitete die Arme aus
„Sieh Dich um, Tizi, das ist alles, was wir noch haben ...“
Tizi Sterling traute ihren Augen nicht.
Außer den fünf erschöpften Piloten waren nur noch Deidre Napier, drei weitere Infanteristen sowie die Panzerbesatzung übrig. Alles in allem gerade einmal 12 Mann. Von 30.
Die Lautsprecheranlage des Landungsschiffs rettete sie vor einer Antwort.
„Miss Sterling. Wir docken gleich an unser Sprungschiff an. Käpt´n Burton fragt nach den Zieldaten.
Tizi ging zu einem Wandterminal und aktivierte es.
„Sagen Sie Rosa, wie springen zurück nach Blantleff. Dort bleiben wir erstmal.“
„Verstanden, Miss.“
Blantleff. Vor knapp 5 Wochen waren sie von St. Andrews zu ihrem Raubzug aufgebrochen. Ihr erster Zwischenstopp war Blantleff gewesen. Nun kehrten sie dahin zurück, nur noch ein Schatten ihrer Selbst.
Die Schiffsirene begann zu heulen, nach dem das Landungsschiff an dem Sprungschiff angedockt war.
Der Normalraum löste sich auf und die geschlagenen Piraten verschwanden aus dem System von Maximillian.