Nightrain
05.07.2004, 22:19
(Ich entschuldige mich im Voraus für alle Rechtschreib- und Gramatikfehler!
Meinungen sind willkommen und dürfen gerne unter dem Haupttext zum besten gegeben werden.)
Die Pappeln rauschten leise im schwachen Abendwind. Mit ihren oben grünen und unten weißen Blättern hoben sie sich surreal gegen die dunkelblauen Wolkenwand ab, deren Ränder von der Sonne in Gold getaucht wurden.
‚Wird mir fehlen.‘, dachte er knapp. Er war nie ein Freund vieler Worte gewesen, obwohl er oft dazu neigte und nachdem jetzt alles hier gesagt war und nichts mehr blieb, war es an der Zeit weiter zu ziehen.
Seinen Job beim einzigen Raumhafen des Planeten hatte er gekündigt, das Haus war verkauft. Er wartete nur noch darauf, daß Ralf mit dem Mech fertig wurde. ‚Ein, zwei Tage noch.‘, hatte der Mechaniker gesagt, dann wäre alles fertig. Er hoffte es.
Während die Blätter vor sich hin flüsterten, mußte er daran denken, wie es dazu hatten kommen können. Er hatte überreagiert – ganz eindeutig. Was hatte sie schon gemacht? Sie war mit dem Kerl aus gewesen. Zwei Mal. ‚Ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen soll ...‘ hatte sie gesagt. ‚aber da ist jemand, der macht mir ziemlich schöne Augen ...‘ Weiter war sie nicht gekommen, denn dann hatte er sie unterbrochen und angefangen sie mit Fragen zu bombardieren. ‚Wer ist er? Wie lange geht das schon? Und? Und, was ist nun, ist da was zwischen Euch?‘ So hatte er sich langsam immer höher geschaukelt. Sie hatte sich einfach nur abgewandt. Sie meinte, daß sie sich das nicht antun muß und es unter ihrem Niveau sei. Auf sein ‚Ach das bin ich für Dich? Schön zu wissen‘ hatte sie nicht geantwortet, sie war einfach nur gegangen. Weg aus seinem Haus. Weg von diesem Planeten. Weg aus seinem Leben.
Von Irena hatte er ihr nicht erzählt. Aber da war auch nichts wirklich gewesen. Oder doch?
Was hatte er versucht sich vor zu machen? Sie war eine interstellare Journalistin, er nur ein kleiner Beamter. Sein Glas war leer und so schenkte er nach. Dann war das Glas voll und die Flasche leer.
Sie hatten sich am Raumhafen kennengelernt. Es hatte Ärger mit ihrer Ausrüstung gegeben und sie wollte ihn dafür einen Kopf kürzer machen. Im Nachhinein war er selbst von sich überrascht gewesen, daß er sie gefragt hatte, ob sie mit ihm was trinken gehen würde. Noch mehr hatte ihn überrascht, daß sie zugesagt hatte.
Er mochte diesen lieblichen Rotwein. Wo kam er doch gleich her? Er hob die Flasche vor die Augen und drehte sie zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger, bis er das Etikett vor sich hatte. Dort stand ‚Baden‘, mußte irgend so ein weiterer unbedeutender Planet sein, den kaum einer kannte und der in der Masse von Welten der Liga unterging.
Wie selbstverständlich hatten sie dann auch die Nacht miteinander verbracht. Er schüttelte traurig den Kopf und schob sich einen Zigarillo zwischen die Lippen. Bei der Erinnerung an diesen ersten Abend und auch der ersten Nacht, mußte er lächeln. Es war kein fröhliches Lächeln, denn eigentlich war ihm furchtbar elend.
Ihm war klar, daß es dumm war sich zu betrinken, um die Sorgen zu ersäufen – Sorgen können schwimmen und seine waren wohl Weltmeister. Nicht das es ihn die gesamten letzten Monate abgehalten hatte. Wenigstens konnte er dann schlafen.
Die Sonne war kaum noch zu sehen und er griff unter den Tisch und fischte die dritte Flasche hervor. Die leichten, orangenen Wolken, die der dunkelblauen Fläche entgegenstand und die Sonne flankierten, versprachen eine schöne, wenn auch kühle Nacht.
Die graue Plane formte grob die Umrisse eines Menschen nach. In den Vertiefungen hatte sich Wasser gesammelt. Es war nicht viel, da es nur ein wenig im Morgengrauen geregnet hatte. ‚7:30‘ in tiefschwarzen Ziffern stand auf der zerkratzen Digitaluhr, die er, ähnlich einer Taschenuhr an einer Schlaufe, die am Gürtel befestigt war in der linken Oberschenkeltasche seiner Tarnfleckhose trug. Viel zu früh, aber er hatte wieder schlecht geschlafen. Wieder gähnte er. Mittlerweile hatte er aufgehört zu zählen, wie oft.
Es hätte ein Mensch sein können, aber es war eine 20t schwere – oder leichte, je nachdem, wie man es sah – Kampfmaschine. Als er sie gekauft hatte, war sie Schrott, aber dank Ralf war sie rein technisch wieder in gutem Zustand.
Er hatte die HRN-3S Hornisse, so war die volle Bezeichnung der Maschine, von der Miliz gekauft. Dort hatte sie als Trainingsmech herhalten müssen und war ziemlich vernachlässigt worden. Standardmäßig war dieser Mechtyp mit einem mittelschweren Laser in modularer Anschlußweise – einer riesigen Handfeuerwaffe gleich – für einen der beiden Handaktivatoren und zwei MGs in den Unterarmen ausgerüstet. Die Maschinengewehre waren vollkommen hin, die Läufe waren verzogen. Der Laser hatte einer Komplettüberholung bedurft. Desweiteren waren zwei der sechs Sprungdüsen Schrott, aber wo bekam man schon einen Battlemech für knapp 700.000 Credits?
Es hatte einiges an Zeit und vor allem Credits gekostet, um an die passenden Teile zu kommen und ohne den älteren Mechaniker, wäre es wohl aussichtslos gewesen. Leider war er schon immer ein „technisches Embryo“, wie Ralf es immer so schon ausdrückte, gewesen. Dafür wußte er, was er wollte. MGs waren es nicht.
Unter einigem Gefeilsche hatten sie ein zweites Hornissen-Lasergehäuse aufgetrieben. Einen handelsüblichen mittelschweren Laser dort hinein zu bekommen, war dann nicht mehr sonderlich schwer gewesen. Die Tonnage, die sonst von der Munition für die balistischen Waffen benötigt wurde, konnten sie jetzt für mehr Panzerung nutzen.
Einzig für die fehlenden Sprungdüsen hatten sie keinen Ersatz gefunden. Anfangs war er verärgert gewesen, aber dann kam dem Alten eine geniale Idee. Er kannte jemanden, der jemanden kannte, der einen Schrottplatz für alte Militärfahrzeuge hatte. Genau dieser jemand hatte ihnen dann einen antiquierten, aber voll einsatzfähigen Feuerleitcomputer verkauft.
Er konnte es kaum erwarten, aber heute war es soweit, er würde alle Systeme voll austesten.
Unter dem engen Cockpit summte und vibrierte der Reaktor leise vor sich hin. Trotz der langen Zeit, die sie es hatten lüften lassen, hing immer noch der Geruch von verschmorten Kabeln und alten Sportmatten.
„Geben Sie den Startcode ein!“, forderte eine entfernt männliche Stimme ihn blechernd auf.
„Freiheit bedeutet auch nur, daß man nichts mehr zu verlieren hat.“
Es dauerte eine Sekunde, dann wurde das summen des Reaktors lauter und auch die Vibration nahm zu. „Reaktor online – Systeme online – Waffen online – Dreizehn ist betriebsbereit!“
Unter seinem Neurohelm war das Grinsen kaum zu erkennen. Ein Kind am Weihnachtsabend konnte sich nicht mehr freuen, als er jetzt.
„Wie macht er sich?“, knackte Ralfs Stimme über Funk.
„Soweit ganz gut, ich bring ihn jetzt raus in die Ebene und dann sehen wir mal, was er kann.“. Er hatte Mühe nicht zu enthusiastisch zu klingen.
„Mach langsam, ich hab keine Lust, daß mich Birgit wegen zertrampelter Blumen oder Zäune zur Sau macht.“
„Ja, ich paß‘ auf ...“
Er schob den linken Steuerknüppel langsam nach vorn, während er die beiden äußeren Fußpedale durchtrat. Der Mech reagierte und setzte einen Fuß vor den Anderen, dabei stetig an Geschwindigkeit zunehmend. ‚55,8 km/h‘ zeigte das Display des Helms und zählte beständig höher. ’65 km/h‘, er hatte die Reisegeschwindigkeit erreicht. Seine Zunge befeuchtete die Lippen.
„Dann zeig mal, was Du drauf hast!“, murmelte er und schob den Knüppel bis zum Anschlag.
Dreizehn quittierte es mit einem Sprint. Die Anzeige zählte auf ‚90 km/h‘ und hob die nun konstante Zahl etwas dicker hervor.
‚Dann los!‘ Sein linker Daumen drückte den großen, roten Knopf, der die Sprungdüsen zündete. Donner hallte durch die gesamte Maschine, während zwanzig Tonnen Stahl, Keramik und Plastik vom Boden abhoben. Sorgsam behielt er den Balken der Sprunganzeige im Auge und als ein kurzes Klingeln ertönte und ihn informierte, daß er den Scheitelpunkt des Sprunges erreicht hatte, ließ er den Knopf kurz los. Sicherlich hätte er noch höher springen können, aber dann hätte die Düsen nicht mehr genügend Leistung gehabt, um ihn sicher wieder nach unten zu bringen. In Intervallen drückte er nun den Knopf, während ihm der Boden immer näher kam. Ein Ruck ging durch die Maschine und warf ihn in die Gurte, aber die Landung war geglückt.
„Wie war der Flug?“, kam es über Funk.
„Ganz ok so weit, ich werds noch ein paar mal testen und dann sollte es gut sein.“, gab er zurück.
Es wurde Zeit die Waffen und vor allem den Zielcomputer zu testen. Mit einem Druck auf den kleinen, grünen Knopf am unteren Teil des Wulstes, der den Kopf des rechten Kontrollknüppels bildete aktivierte er die Waffensysteme. Ein Fadenkreuz tauchte auf seinem schwarz Display auf. Noch immer im Laufschritt schwenkte er das Fadenkreuz und damit den Oberkörper und die Arme des Mechs auf einen Felsen von der Größe eines Autos. Dann drückte er mit dem Zeigefinger ab. Beide Laser entluden sich und trafen ihr Ziel. Allerdings etwas zu hoch, wie er fand. Sie mußten das nachher noch ein wenig kalibrieren. Dann brachte er den Mech zum stehen und drehte ihn auf der Stelle, in dem er nur leichten Schub gab und nur das linke Pedal durchtrat. Der Mech wendete sich nach Rechts. Mit dem rechten Kontrollhebel und dem äußersten rechten Knopf an dessen Ende zentrierte er den Torso wieder.
Ähnlich einem Cowboy aus einem Western stand der Battlemech nun völlig regungslos. Er drückte den mittleren Knopf auf dem Knüppel und aus dem Fadenkreuz blühte ein vergrößerter Ausschnitts des Zielgebietes auf. Mit jeder Bewegung änderte der Zielentfernungsmesser seine Zahl. Dann hatte er einen neuen Felsen gefunden, ungefähr fünfzig mal fünfzig Zentimeter Zielfläche. Mit dem unteren Glied des Daumens schaltete er die Feuermodi durch auf ‚Einzelfeuer‘. Nun würde nacheinander erst die eine, dann die andere Waffe schießen. Der drückte zweimal ab. Der linke Laser traf recht präzise, nur der Rechte hielt etwas zu hoch.
Er drehte so noch vier Runden – laufen, springen, schießen – mal in dieser Reihenfolge, mal anders oder zusammen. Es machte einfach nur Spaß und es ließ vergessen – zumindest für den Moment.
Meinungen sind willkommen und dürfen gerne unter dem Haupttext zum besten gegeben werden.)
Die Pappeln rauschten leise im schwachen Abendwind. Mit ihren oben grünen und unten weißen Blättern hoben sie sich surreal gegen die dunkelblauen Wolkenwand ab, deren Ränder von der Sonne in Gold getaucht wurden.
‚Wird mir fehlen.‘, dachte er knapp. Er war nie ein Freund vieler Worte gewesen, obwohl er oft dazu neigte und nachdem jetzt alles hier gesagt war und nichts mehr blieb, war es an der Zeit weiter zu ziehen.
Seinen Job beim einzigen Raumhafen des Planeten hatte er gekündigt, das Haus war verkauft. Er wartete nur noch darauf, daß Ralf mit dem Mech fertig wurde. ‚Ein, zwei Tage noch.‘, hatte der Mechaniker gesagt, dann wäre alles fertig. Er hoffte es.
Während die Blätter vor sich hin flüsterten, mußte er daran denken, wie es dazu hatten kommen können. Er hatte überreagiert – ganz eindeutig. Was hatte sie schon gemacht? Sie war mit dem Kerl aus gewesen. Zwei Mal. ‚Ich weiß nicht, wie ich es Dir sagen soll ...‘ hatte sie gesagt. ‚aber da ist jemand, der macht mir ziemlich schöne Augen ...‘ Weiter war sie nicht gekommen, denn dann hatte er sie unterbrochen und angefangen sie mit Fragen zu bombardieren. ‚Wer ist er? Wie lange geht das schon? Und? Und, was ist nun, ist da was zwischen Euch?‘ So hatte er sich langsam immer höher geschaukelt. Sie hatte sich einfach nur abgewandt. Sie meinte, daß sie sich das nicht antun muß und es unter ihrem Niveau sei. Auf sein ‚Ach das bin ich für Dich? Schön zu wissen‘ hatte sie nicht geantwortet, sie war einfach nur gegangen. Weg aus seinem Haus. Weg von diesem Planeten. Weg aus seinem Leben.
Von Irena hatte er ihr nicht erzählt. Aber da war auch nichts wirklich gewesen. Oder doch?
Was hatte er versucht sich vor zu machen? Sie war eine interstellare Journalistin, er nur ein kleiner Beamter. Sein Glas war leer und so schenkte er nach. Dann war das Glas voll und die Flasche leer.
Sie hatten sich am Raumhafen kennengelernt. Es hatte Ärger mit ihrer Ausrüstung gegeben und sie wollte ihn dafür einen Kopf kürzer machen. Im Nachhinein war er selbst von sich überrascht gewesen, daß er sie gefragt hatte, ob sie mit ihm was trinken gehen würde. Noch mehr hatte ihn überrascht, daß sie zugesagt hatte.
Er mochte diesen lieblichen Rotwein. Wo kam er doch gleich her? Er hob die Flasche vor die Augen und drehte sie zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger, bis er das Etikett vor sich hatte. Dort stand ‚Baden‘, mußte irgend so ein weiterer unbedeutender Planet sein, den kaum einer kannte und der in der Masse von Welten der Liga unterging.
Wie selbstverständlich hatten sie dann auch die Nacht miteinander verbracht. Er schüttelte traurig den Kopf und schob sich einen Zigarillo zwischen die Lippen. Bei der Erinnerung an diesen ersten Abend und auch der ersten Nacht, mußte er lächeln. Es war kein fröhliches Lächeln, denn eigentlich war ihm furchtbar elend.
Ihm war klar, daß es dumm war sich zu betrinken, um die Sorgen zu ersäufen – Sorgen können schwimmen und seine waren wohl Weltmeister. Nicht das es ihn die gesamten letzten Monate abgehalten hatte. Wenigstens konnte er dann schlafen.
Die Sonne war kaum noch zu sehen und er griff unter den Tisch und fischte die dritte Flasche hervor. Die leichten, orangenen Wolken, die der dunkelblauen Fläche entgegenstand und die Sonne flankierten, versprachen eine schöne, wenn auch kühle Nacht.
Die graue Plane formte grob die Umrisse eines Menschen nach. In den Vertiefungen hatte sich Wasser gesammelt. Es war nicht viel, da es nur ein wenig im Morgengrauen geregnet hatte. ‚7:30‘ in tiefschwarzen Ziffern stand auf der zerkratzen Digitaluhr, die er, ähnlich einer Taschenuhr an einer Schlaufe, die am Gürtel befestigt war in der linken Oberschenkeltasche seiner Tarnfleckhose trug. Viel zu früh, aber er hatte wieder schlecht geschlafen. Wieder gähnte er. Mittlerweile hatte er aufgehört zu zählen, wie oft.
Es hätte ein Mensch sein können, aber es war eine 20t schwere – oder leichte, je nachdem, wie man es sah – Kampfmaschine. Als er sie gekauft hatte, war sie Schrott, aber dank Ralf war sie rein technisch wieder in gutem Zustand.
Er hatte die HRN-3S Hornisse, so war die volle Bezeichnung der Maschine, von der Miliz gekauft. Dort hatte sie als Trainingsmech herhalten müssen und war ziemlich vernachlässigt worden. Standardmäßig war dieser Mechtyp mit einem mittelschweren Laser in modularer Anschlußweise – einer riesigen Handfeuerwaffe gleich – für einen der beiden Handaktivatoren und zwei MGs in den Unterarmen ausgerüstet. Die Maschinengewehre waren vollkommen hin, die Läufe waren verzogen. Der Laser hatte einer Komplettüberholung bedurft. Desweiteren waren zwei der sechs Sprungdüsen Schrott, aber wo bekam man schon einen Battlemech für knapp 700.000 Credits?
Es hatte einiges an Zeit und vor allem Credits gekostet, um an die passenden Teile zu kommen und ohne den älteren Mechaniker, wäre es wohl aussichtslos gewesen. Leider war er schon immer ein „technisches Embryo“, wie Ralf es immer so schon ausdrückte, gewesen. Dafür wußte er, was er wollte. MGs waren es nicht.
Unter einigem Gefeilsche hatten sie ein zweites Hornissen-Lasergehäuse aufgetrieben. Einen handelsüblichen mittelschweren Laser dort hinein zu bekommen, war dann nicht mehr sonderlich schwer gewesen. Die Tonnage, die sonst von der Munition für die balistischen Waffen benötigt wurde, konnten sie jetzt für mehr Panzerung nutzen.
Einzig für die fehlenden Sprungdüsen hatten sie keinen Ersatz gefunden. Anfangs war er verärgert gewesen, aber dann kam dem Alten eine geniale Idee. Er kannte jemanden, der jemanden kannte, der einen Schrottplatz für alte Militärfahrzeuge hatte. Genau dieser jemand hatte ihnen dann einen antiquierten, aber voll einsatzfähigen Feuerleitcomputer verkauft.
Er konnte es kaum erwarten, aber heute war es soweit, er würde alle Systeme voll austesten.
Unter dem engen Cockpit summte und vibrierte der Reaktor leise vor sich hin. Trotz der langen Zeit, die sie es hatten lüften lassen, hing immer noch der Geruch von verschmorten Kabeln und alten Sportmatten.
„Geben Sie den Startcode ein!“, forderte eine entfernt männliche Stimme ihn blechernd auf.
„Freiheit bedeutet auch nur, daß man nichts mehr zu verlieren hat.“
Es dauerte eine Sekunde, dann wurde das summen des Reaktors lauter und auch die Vibration nahm zu. „Reaktor online – Systeme online – Waffen online – Dreizehn ist betriebsbereit!“
Unter seinem Neurohelm war das Grinsen kaum zu erkennen. Ein Kind am Weihnachtsabend konnte sich nicht mehr freuen, als er jetzt.
„Wie macht er sich?“, knackte Ralfs Stimme über Funk.
„Soweit ganz gut, ich bring ihn jetzt raus in die Ebene und dann sehen wir mal, was er kann.“. Er hatte Mühe nicht zu enthusiastisch zu klingen.
„Mach langsam, ich hab keine Lust, daß mich Birgit wegen zertrampelter Blumen oder Zäune zur Sau macht.“
„Ja, ich paß‘ auf ...“
Er schob den linken Steuerknüppel langsam nach vorn, während er die beiden äußeren Fußpedale durchtrat. Der Mech reagierte und setzte einen Fuß vor den Anderen, dabei stetig an Geschwindigkeit zunehmend. ‚55,8 km/h‘ zeigte das Display des Helms und zählte beständig höher. ’65 km/h‘, er hatte die Reisegeschwindigkeit erreicht. Seine Zunge befeuchtete die Lippen.
„Dann zeig mal, was Du drauf hast!“, murmelte er und schob den Knüppel bis zum Anschlag.
Dreizehn quittierte es mit einem Sprint. Die Anzeige zählte auf ‚90 km/h‘ und hob die nun konstante Zahl etwas dicker hervor.
‚Dann los!‘ Sein linker Daumen drückte den großen, roten Knopf, der die Sprungdüsen zündete. Donner hallte durch die gesamte Maschine, während zwanzig Tonnen Stahl, Keramik und Plastik vom Boden abhoben. Sorgsam behielt er den Balken der Sprunganzeige im Auge und als ein kurzes Klingeln ertönte und ihn informierte, daß er den Scheitelpunkt des Sprunges erreicht hatte, ließ er den Knopf kurz los. Sicherlich hätte er noch höher springen können, aber dann hätte die Düsen nicht mehr genügend Leistung gehabt, um ihn sicher wieder nach unten zu bringen. In Intervallen drückte er nun den Knopf, während ihm der Boden immer näher kam. Ein Ruck ging durch die Maschine und warf ihn in die Gurte, aber die Landung war geglückt.
„Wie war der Flug?“, kam es über Funk.
„Ganz ok so weit, ich werds noch ein paar mal testen und dann sollte es gut sein.“, gab er zurück.
Es wurde Zeit die Waffen und vor allem den Zielcomputer zu testen. Mit einem Druck auf den kleinen, grünen Knopf am unteren Teil des Wulstes, der den Kopf des rechten Kontrollknüppels bildete aktivierte er die Waffensysteme. Ein Fadenkreuz tauchte auf seinem schwarz Display auf. Noch immer im Laufschritt schwenkte er das Fadenkreuz und damit den Oberkörper und die Arme des Mechs auf einen Felsen von der Größe eines Autos. Dann drückte er mit dem Zeigefinger ab. Beide Laser entluden sich und trafen ihr Ziel. Allerdings etwas zu hoch, wie er fand. Sie mußten das nachher noch ein wenig kalibrieren. Dann brachte er den Mech zum stehen und drehte ihn auf der Stelle, in dem er nur leichten Schub gab und nur das linke Pedal durchtrat. Der Mech wendete sich nach Rechts. Mit dem rechten Kontrollhebel und dem äußersten rechten Knopf an dessen Ende zentrierte er den Torso wieder.
Ähnlich einem Cowboy aus einem Western stand der Battlemech nun völlig regungslos. Er drückte den mittleren Knopf auf dem Knüppel und aus dem Fadenkreuz blühte ein vergrößerter Ausschnitts des Zielgebietes auf. Mit jeder Bewegung änderte der Zielentfernungsmesser seine Zahl. Dann hatte er einen neuen Felsen gefunden, ungefähr fünfzig mal fünfzig Zentimeter Zielfläche. Mit dem unteren Glied des Daumens schaltete er die Feuermodi durch auf ‚Einzelfeuer‘. Nun würde nacheinander erst die eine, dann die andere Waffe schießen. Der drückte zweimal ab. Der linke Laser traf recht präzise, nur der Rechte hielt etwas zu hoch.
Er drehte so noch vier Runden – laufen, springen, schießen – mal in dieser Reihenfolge, mal anders oder zusammen. Es machte einfach nur Spaß und es ließ vergessen – zumindest für den Moment.