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Azuko
09.06.2008, 18:12
Drachenjäger


Nachdem der Koordinator der Draconis-Kombinats sich zum Ersten Lord des Sternbundes erklärt hatte, war ein Krieg nicht mehr zu vermeiden. Die übrigen Hausfürsten beanspruchten diesen Posten ebenfalls für sich. Die Kampfhandlungen um das Amt des Ersten Lords gipfelten schließlich in dem was Experten mittlerweile den Nachfolgekrieg nennen.

30. Septemper 2786, Sky News


Palast des Drachen
New Samarkand
Militärdistrikt Galedon
Draconis-Kombinat

11. Oktober 2786

Ein Laster hielt am Haupttor des äußeren Mauerrings des Palastes. Tai-i Mohamed al-Jafar, Soldat der Palastgarde, trat in schwarz-roter Uniform und einem Lasergewehr über der Schulter an die Fahrerkabine heran.
„Name, Herkunft und Ziel?“ fragte er militärisch knapp den Fahrer des Lasters.
„Kajushu Sasaki von der Hamati Delikatessen GmbH. Ich liefere eine Ladung Lebensmittel an die Palastküche.“
Mohamed tippte mit dem Finger auf einem Notepad herum. „In Ordnung, ihre Fuhre ist angemeldet. Bitte hier einmal ihren Fingerabdruck hinterlassen.“
Der Fahrer reichte mit dem Arm aus dem Fenster und drückte seinen Daumen auf das Notepad.
„Ich lasse jetzt die Scanner durchlaufen.“ Mit diesen Worten ging Mohamed in das Wachhäuschen neben dem Tor, während seine beiden Kollegen den Fahrer und den Laster auf beiden Seiten im Auge behielten. Mohamed drückte auf einen Knopf neben einer Computeranlage und ein automatisches Abtastprogramm wurde gestartet. Hitzesensoren suchten nach Lebenszeichen im Inneren des Lasters. Im Boden unter dem Fahrzeug fuhr eine Kamera entlang und suchte die Unterseite ab.
Die Unterseite war in Ordnung, doch im Laster selbst zeigte sich eine Wärmequelle. Jemand musste sich im Inneren verstecken.
„Festhalten“, rief Mohamed nach draußen. Seine beiden Kollegen richteten augenblicklich ihre Waffen auf den Fahrer.
Kajushu Sasaki hob erschrocken die Hände. „Hey… was ist los?“ stammelte er.
„Jemand versteckt sich in ihrem Laster“, sagte Mohamed, als er wieder aus dem Wachhäuschen kam.
„Davon weiß ich nichts, das schwör ich.“
„Ruhe.“ Mit dem Gewehr im Anschlag klopfte Mohamed gegen die Ladetür. „Sie haben zwei Möglichkeiten, entweder Sie kommen mit erhobenen Händen raus oder wir kommen rein und das wird unangenehm für Sie.“
Mohamed wartete ein Weile, doch es kam keine Antwort. „Sajuro kommen Sie her.“ Der Soldat gesellte sich zu seinem Tai-i an der Rückseite des Lasters.
„Öffnen Sie die Ladetür“, rief Mohamed dem Fahrer zu.
„Aber da sind Saraki-Eier drin, die müssen warm gelagert werden. Wenn die Tür zu lange auf bleibt könnte das ihr Aroma zerstören.“
„Das riskieren wir.“
„Außerdem muss ich zum öffnen der Tür eine Hand runter nehmen.“
„Tun Sie das, aber machen Sie keine Mätzchen.“
Der Fahrer tat wie ihm geheißen und drückte auf einen Knopf unter seinem Lenkrad. Mit einem Klicken öffneten sich die Riegel der Ladetür. Während Sajuro mit seinem Gewehr im Anschlag hinter Mohamed stand, riss dieser die Tür auf. Ein Laderaum mit etlichen gesicherten Kisten lag vor ihnen, doch von einem Menschen keine Spur.
Mohamed hob sein Gewehr und warf einen Blick durch das Infrarotfernrohr. „Er ist in einem der Kisten.“ Der Tai-i kletterte in den Laderaum und bedeutete Sajuro ihm zu folgen.
„Diese Kiste. Sie öffnen sie, ich halte mich feuerbereit.“
Sajuro packte den Deckel der Kiste und wartete auf ein Zeichen. Mohamed spürte sein Herz schneller schlagen. Wenn der Typ in der Kiste Dummheiten machte, konnte das sein Leben kosten. Gedanken an seine Familie schwirrten kurz durch seinen Kopf, doch er verdrängte sie, um sich auf diesen Augenblick zu konzentrieren.
Mohamed nickte mit dem Kopf und Sajuro riss den Deckel von der Kiste. Der Tai-i hielt sein Gewehr auf die Öffnung gerichtet, bereit zu feuern.
Tschilp, Tschilp, ertönte es aus der Kiste.
Mohamed blinzelte verwirrt. In der Kiste lagen Eier, Saraki-Eier, wie der Fahrer gesagt hatte. Doch dazwischen hockte ein einsames Küken mit strubbeligem, flauschigem Federkleid. Aus großen Augen sah es die Soldaten an. Unter den ganzen unbefruchteten Eiern musste ein befruchtetes gewesen sein und die zum Erhalt des Aromas erforderliche Wärme hatte es ausgebrütet.
„Eindringling identifiziert“, rief Mohamed seinem Kameraden draußen zu. „Es ist ein… äh, Baby-Huhn.“


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11. Oktober 2786

Zwei riesige Schlachtschiffe kreuzten durch die Schwerelosigkeit des Alls. Auf einem prangte der Drachenkopf des Hauses Kurita, auf dem anderen die Steiner-Faust. Beide näherten sich einander bis auf Waffenreichweite, dann eröffneten sie das Feuer. Tödliche Energiespeere durchstachen den luftleeren Raum, Raketen sausten umher, Explosivgeschosse sprengten Krater in die Panzerung der Raumschiffe.
Auf der Brücke der Kamikaze, des drakonischen Schlachtschiffes, stand Sho-sa Sasuke Shihiro und beobachtete die Schlacht durch eine holografische Darstellung. Sein Schiff wurde von der Besatzung auch liebevoll Master of Desaster genannt. Diesen Spitznamen hatte das Schiff noch von seinen Anfangstagen, als es noch von unzähligen technischen Mängeln befallen gewesen war, die kleine Katastrophen ausgelöst hatten. Es hatte ganze fünf Jahre gedauert, bis alle Fehler behoben waren. Doch jetzt war die Master of Desaster ein zuverlässiges Kriegschiff mit einer erfahrenen Mannschaft, das der Seraphim, dem Steiner-Schlachtschiff, Paroli bieten konnte.
„Schicken Sie Geschwader Tao und Shogun aus“, sagte Shihiro, „sie sollen die Backbordgeschütze angreifen. Das primäre Ziel sind die Energiegeschütze.“
Der taktische Offizier nickte und öffnete einen Funkkanal. „Geschwader Tao und Shogun, Angriff auf die Backbordgeschütze der Seraphim, schaltet vor allem die Energiegeschütze aus.“
In der holografischen Projektion lösten sich ein paar kleine Punkte aus einem Raumjägerkampf und flogen auf die Seraphim zu.

Sergeant Kasaki öffnete einen Kanal zu seinem Tao-Geschwader. „Ihr habt’s gehört, Angriff auf mein Zeichen und versucht euch von den kleineren Abwehrgeschützen fernzuhalten.“ Die großen Bordgeschütze des Kriegsschiffes waren zwar vernichtend, aber nicht darauf ausgelegt kleine Luft/Raumjäger zu erfassen. Gegen kleinere Ziele kamen die Abwehrgeschütze zum Einsatz.
Das Geschwader tanzte wie ein Schwarm Vögel durch das Geschützfeuer auf der Backbordseite der Seraphim. Noch fünfhundert Meter trennten es von ihrem Ziel, einer riesigen Batterie von Lasergeschützen. Die Abwehrkanonen fingen an zu feuern.
Noch vierhundert Meter. Kingsley, ein Pilot des Tao-Geschwaders, geriet ins Kreuzfeuer der Geschütze. Sein Jäger explodierte in einer stummen Feuerwolke. „Wir haben Kingsley verloren“, sagte Kasaki mit erstaunlich ruhiger Stimme. „Weiter auf das Ziel zu.“
Noch dreihundert Meter. „Feuer.“
Die Geschwader Tao und Shogun eröffneten das Feuer auf die Geschützbatterie. Laserspeere verdampften die Panzerung, Raketen zerrissen das Metall. Es dauerte nur Sekunden, dann hatten die Geschwader die Geschütze überflogen und waren außer Reichweite.
„Okay, wir haben beträchtlichen Schaden angerichtet“, sagte Kasaki. „Doch die Geschütze arbeiten noch. Starten einen neuen Anflug.“
Plötzlich wurde Kasakis Jäger von etwas getroffen. Eine Explosion an der hinteren rechten Tragfläche warf sein Raumschiff aus der Flugbahn. Er rang mit dem Steuerknüppel, gab Schub auf die Backborddüsen und brachte seinen Jäger wieder unter Kontrolle. Ein Blick aufs Radar enthüllte ein feindliches Geschwader, das sich auf ihre Fährte geheftet hatte.
„Hier Tao an Shogun“, sagte Kasaki. „Startet den zweiten Anflug, wir halten das gegnerische Geschwader auf. Kommen nach, sobald wir fertig sind.“
„Verstanden“, drang die Stimme des anderen Geschwader-Führers aus dem Helmlautsprecher. „Viel Glück.“ Mit diesen Worten drehte das Shogun-Geschwader ab, in Richtung Seraphim. Das feindliche Geschwader setzte ihnen nach, versuchte sie mit Sperrfeuer in einem Kampf zu binden. Doch das konzentrierte Feuer des Tao-Geschwaders zwang sie die Verfolgung abzubrechen.
Kasaki hatte einen Verfolger am Hintern kleben. Er brach mit seinem Jäger nach rechts aus, zog ihn hoch und setzte sich hinter einen anderen Feind. Er brachte das Fadenkreuz über die Silhouette seines Gegners und ein Piepen bestätigte die Zielerfassung. Blitzschnell drückte er auf den Feuerknopf. Eine Autokanone ratterte los, ihre Vibrationen waren selbst im Cockpit noch zu spüren. Zwei Laser schlossen sich ihr an. Die Energielanzen schnitten in den linken Flügel des feindlichen Luft/Raumjägers, die Autokanonengeschosse, schlugen in ein Steuerungstriebwerk. Der gegnerische Jäger geriet ins Schleudern und brach aus. Kasaki setzte ihm nach.
Dann gellte ein Alarmton durch das Cockpit, Raketen hatten Kasaki erfasst. Er riss seinen Steuerknüppel nach links, beschleunigte und folgte seiner angeschlagenen Beute. Während ihn die Beschleunigung in den Sitz presste, warf er einen Täuschkörper ab. Die Zielattrappe explodierte in einer Wolke aus Wärme und Sprengkörpern. Einige der Raketen gingen ihr auf den Leim und explodierten, als sie mit den Sprengkapseln kollidierten. Doch die andere Hälfte ließ sich nicht beirren und hetzte weiter hinter ihrem Ziel her. Kasaki erkannte, dass er ihnen nicht entkommen konnte. Er stählte sich für den Aufprall.
Der kam auch schon einen Augenblick später. Explosionen schleuderten den Jäger umher, ließen ihn in einer Pirouette durchs All trudeln. Kasaki versuchte gegen zu steuern, musste jedoch feststellen, dass eines der kleineren Steuertriebwerke ausgefallen war. Als er den Jäger wieder in eine gerade Flugbahn brachte, bemerkte er, dass er leicht nach rechts zog.
„Suraja, halten Sie mir meinen Verfolger vom Leib“, sagte Kasaki in sein Funkgerät. „Ich verfolge weiter mein Ziel.“
„Roger“, kam die Bestätigung von Suraja.
Kasaki hatte durch den Raketentreffer seine Beute aus den Augen verloren. Ein Blick aufs Radar zeigte, dass dieser gewendet hatte und zum Angriff über ging. Beide Luft/Raumjäger, flogen frontal aufeinander zu. Die blauweißen Blitze einer Partikelprojektorkanone und die roten Strahlen dreier mittelschwerer Laser zuckten Kasaki entgegen. Der ließ seinen Jäger zur Seite schwenken, doch die Energielanzen streiften trotzdem seinen linken Flügel.
Kasaki eröffnete seinerseits das Feuer mit Autokanone und Lasern. Beide trafen den schon angeschlagenen linken Flügel des Gegners und rissen ihn vom Rumpf. Elektrische Blitze zuckten in der abgerissenen Verkabelung. Kasakis Beute driftetet unsicher durch die Schwerelosigkeit, die verbliebenen Steuerdüsen am anderen Flügel versuchten ihn in eine günstige Schussposition zu bringen.
Doch bevor er das schaffen konnte, löste Kasaki eine weitere Salve aus, pumpte Laserstrahlen und Autokanonengeschosse in die aufgerissene linke Seite. Die Laser schweißten ein Loch in die Panzerung, für die übrigen Geschosse. Sie drangen in den Rumpf des Jägers ein und brachten die Treibstofftanks zur Explosion. Das ganze Raumschiff verglühte in einem Feuerball.
Kasaki atmete erleichtert auf und warf einen Blick aufs Radar. Seine Geschwaderkameraden hatten es ihm gleich getan und die übrigen Angreifer eliminiert. Nur ein letzter Jäger versuchte verzweifelt zu entkommen.
„Ich hab ihn gleich“, rief Suraja und setzte dem Flüchtling nach.
„Negativ, Tao-Geschwader“, sagte Kasaki. „Lasst ihn laufen, wir müssen so schnell wie möglich die Geschützbatterie ausschalten. Folgt meinem Angriffsvektor.“
Kasaki steuerte auf die Seraphim zu, gefolgt von seinem Geschwader. Seine Zielkamera zeigte, dass die Shogun-Jäger ganze Arbeit geleistet hatte. Es fehlte nicht mehr viel und die Geschützbatterie war Geschichte. Während ihn ein paar Abwehrgeschütze trafen und Panzerung von seinem Luft/Raumjäger schälten, versuchte Kasaki den Rechtsdrall seiner Maschine auszugleichen.
Fünfhundert Meter.
Vierhundert Meter.
Dreihundert Meter. „Feuer.“
Ein Feuersturm legte sich über die Geschützbatterie, riss die Panzerung auf und drang in die darunter liegende Elektronik der Kanonen ein. Die Batterie wölbte sich kurz wie ein Ballon, dann explodierte sie. Trümmerstücke flogen durchs All. Ein scharfkantiges Metallstück traf Kasakis Jäger am Heck. Der Fluchte leise, war aber zufrieden über den Erfolg seiner Mission.
„Hier Tao-Geschwader an Kamikaze“, sagte Kasaki ins Mikro. „Haben Geschützbatterie an Backbordseite ausgeschaltet. Nehmen uns die nächste vor.“

Sho-sa Shihiro sah von der holografischen Projektion auf und blickte durch das Fenster, das die Schlacht im All zeigte. An der Backbordseite der Seraphim waren schwarze Löcher zu sehen, wo einst ihre Geschützbatterien waren.
„Gut, die Geschwader haben einen Teil der Geschütze ausgeschaltet“, sagte Shihiro. „Bringen sie uns auf die Backbordseite der Seraphim und feuern sie eine volle Breitseite auf meinen Befehl.“
„Ayay, Sho-sa“, antwortete der taktische Offizier. „Batterien laden zum abfeuern einer vollen Breitseite. Höhentreibwerke auf drei strich fünf. Backbordtriebwerke auf zwei, strich sieben.“
Die Master of Desaster schwenkte langsam nach rechts und nach oben. Zwei Minuten später schwebte sie parallel zur Seraphim. „Feuer.“ Auf Shihiros Befehl hin ging ein Zíttern durch das Schlachtschiff, als Dutzende von Geschützen feuerten. Raketen, Geschosse und Laserspeere, hackten auf das gegnerische Schiff ein und rissen tiefe Wunden.
„Die Seraphim dreht ab“, meldete der taktische Offizier. „Die Schäden sind zu schwer, um den Kampf weiter zu führen.“
„Wir müssen sie verfolgen.“
„Sie ist zu schnell. Sie hat zwar einige ihrer Waffen verloren, doch ihre Triebwerke arbeiten noch einwandfrei.“
„Feuern bis sie außer Reichweite ist.“
„Ayay.“
Die Master of Desaster feuerte weiter, in der Hoffnung der Seraphim den Rest zu geben. Doch das feindliche Schlachtschiff war zu zäh. Schwer angeschlagen, doch immer noch fahrtauglich, suchte sie das Weite.
„Bringen Sie uns in den Orbit“, sagte Shihiro schließlich. „Unterstützen Sie unsere Landungsschiffe mit Geschützfeuer.“

Azuko
09.06.2008, 18:17
Als das kugelförmige Landungsschiff Kawasaki in die Atmosphäre eintrat, wurde es hart durchgeschüttelt. Die Geschwader Tao und Shogun flankierten es. Feindliche Jäger kamen ihnen entgegen.
„Okay knüpfen wir uns die Jäger vor“, sagte Kasaki. „Suraja, wir nehmen mein Ziel ins Kreuzfeuer. Feuer frei.“
Kasaki drehte nach rechts ab, Suraja nach links. Von beiden Seiten nahmen sie den vordersten Jäger in die Zange. Als Kasaki auf dreihundert Meter heran war löste er seine Autokanone aus, gefolgt von den Kurzstreckenraketen auf zweihundert Meter. Die Autokanone verfehlte ihr Ziel und zwei der sechs Kurzstreckenraketen sausten vorbei. Doch der Rest schlug in den rechten Flügel ein, riss aber nur ein paar Panzerbrocken von der Tragfläche. Suraja hatte weniger Glück, seine Lasersalve ging komplett vorbei.
Kasaki riss seinen Jäger zu einem halben Looping nach oben und drehte sich hundertachtzig Grad um die eigene Achse, um nicht kopfüber in den Gurten zu hängen.
Plötzlich wurde Suraja von drei Lasersalven beharkt. „Jemand sitzt mir am Arsch“, schrie er in die Kommleitung. „Kann ihn nicht abschütteln…“ Seine Worte gingen in einer ohrenbetäubenden Explosion unter und die Überreste seiner Maschine verglühten in der Atmosphäre.
Kasaki fluchte still in sich hinein, setzte sich hinter seine Beute und drückte ab. Doch sein Gegner brach unvermittelt zur Seite aus und seine ganze Salve ging daneben. Der feindliche Jäger tanzte mit Pirouette durch die Luft, wendete in einer erstaunlich engen Kurve und hielt auf Kasaki zu. Raketen prasselten auf ihn nieder. Kasaki würde in die Gurte geworfen, als seine Maschine durchgeschüttelt wurde. Die Sprengköpfe rissen mit einem lauten Knall ein Loch in seine rechte Tragfläche. Einige schlugen in seinem Heck ein. Die Triebwerke verstummten plötzlich. Der Jäger geriet ins Trudeln und stürzte der Planetenoberfläche entgegen. Kasaki betätigte die Schubdüsen, doch nichts passierte. Stattdessen tönte ein heiseres Stottern durchs Cockpit.
Kasakis Herz setzte einen Moment aus. Wieder versuchte er die Schubdüsen zu betätigen, wieder passierte nichts. Er schickte ein stummes Gebet an seine Ahnen. Ein Summen dröhnte durch sein Cockpit, als ein feindlicher Laser in sein Heck schnitt.
Noch einmal versuchte er die Schubdüsen zu zünden und diesmal erwachten sie mit einem dumpfen Wummern zum Leben. Der Jäger machte einen Satz nach vorn, während Kasaki den Steuerknüppel zurück riss. Die Maschine zog nach oben, den Feinden entgegen.
Einen Moment später stürzte sich Kasaki auch schon wieder ins Kampfgeschehen. Ein feindlicher Jäger schoss an ihm vorbei und er hängte sich prompt an sein Heck. Er brachte das Fadenkreuz über seinen Gegner und feuerte beim Signalton. Seine Laser schnitten ins Hecktriebwerk, gefolgt von den Autokanonengeschossen. Eine Explosion zerriss das Heck des Jägers und der Rest stürzte der Planetenoberfläche entgegen.
Mit einem Schwenk brachte Kasaki seine Maschine frontal vor einen Feind. Ein Maschinengewehrhagel schlug ihm entgegen, gefolgt von Kurzstreckenraketen. Er wich zur Seite aus und riss seinen Luft/Raumjäger in einer engen Wende nach links. Kasaki feuerte Laser und Raketen ab, die ein großes Stück aus der linken Tragfläche des Gegners bissen. Die Salve eines Geschwaderkameraden von der Seite gab dem feindlichen Jäger den Rest. Sie riss die Tragfläche vollends vom Rumpf und der Jäger stürzte in die Tiefe. Das Cockpit wurde abgesprengt, ein Fallschirm öffnete sich. Langsam schwebte das Cockpit der Planetenoberfläche entgegen.
Kasaki warf einen Blick auf sein Radar und stellte zufrieden fest, dass das feindliche Geschwader Geschichte war. Doch die Ruhe hielt nicht lange an. Einen Moment später schlug ihm Geschützfeuer von der Planetenoberfläche entgegen.
„Geschwader Tao und Shogon, wir müssen die Flugabwehrstellung zerstören, damit unsere Landungsschiffe sicher runter kommen.“ Hinter Kasaki eröffneten nun auch die eigenen Landungsschiffe das Feuer auf die Bodenstellungen.

Die Geschwader Tao und Shogun, oder was davon noch übrig geblieben war, beschleunigten und rasten auf die Planetenoberfläche zu. Kurze Zeit später kam ein ummauerter Komplex auf einer Waldlichtung in sich Sicht. Mehrere große Geschütze zielten auf die ankommenden Landungsschiffe.
„Wir überfliegen das Gelände und nehmen die Geschütze unter Beschuss“, rief Kasaki in sein Mikro. „Wenn wir über den Stellungen sind, werfen wir die Bomben ab. Verstanden?“
Seine Geschwaderkameraden bestätigten mit einem vielstimmigen „Roger“.
Als sich die Kombinats-Jäger näherten, eröffneten die kleineren Abwehrgeschütze das Feuer. Kasaki lenkte seine Maschine in einen unberechenbaren, taumelnden Flug, um ein schwierigeres Ziel zu bieten. Er durchbrach die gegnerischen Salven und feuerte alle seine Waffen auf eine Geschützbatterie ab. Sein Geschwaderkamerad Kimoko kam nicht durch. Die Panzerung seines Jägers wurde von einer Lasersalve aufgepflügt und ein Schwarm Raketen gab ihm den Rest. Doch in einem letzten verzweifelten Manöver, lenkte er seine abstürzende Maschine in eine Geschützstellung, wo sie in einem gleißenden Feuerball explodierte.
Blitzschnell hatten die Geschwader Tao und Shogun ihre Waffen abgefeuert und waren über der Anlage. Das war der Zeitpunkt in dem die Bomben abgeworfen wurden. Die Jäger sausten über die Stellungen hinweg und hinterließen Explosionen, gefolgt von himmelhohen Rauchsäulen. In der Anlage rührte sich nichts mehr, keins der Geschütze feuerte.
Kasaki öffnete einen Kanal zum Landungsschiff. „Hier Tao-Geschwader an Landungsschiff Kawasaki, der Weg ist frei.“


Morningside
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12. Oktober 2786

Acht Mechs bewegten sich durch die felsige Landschaft von Wonder-Vally. Auf ihrer roten Lackierung prangte der schwarze Drachenkopf des Hauses Kurita. Wonder-Vally verdankte seinen Namen den wundersamen Steinformationen. Einige sahen aus wie Pilze, andere waren spitze Felsnadeln. Es gab Steinbögen und wulstige Formationen. Vor langer Zeit war Wonder-Valley ein Meer gewesen, einige der Steinbilder waren durch vulkanische Aktivitäten entstanden.
Yamamoto Jisaka öffnete im Inneren seines Dunkelfalken einen Sprechkanal zu seiner Begeleitlanze. „Hier Katana-Lanze an Sakura-Lanze, zeichnen eure Sensoren auch Feindkontakt?“
„Positiv“, bestätigte Vernström, der Kommandant der Sakura-Lanze.
Yamamoto warf einen Blick auf seine Umgebung. Vor ihnen, wo die feindlichen Einheiten angezeigt wurden, verengte sich das Tal auf vielleicht dreißig Meter. Hohe Felswände versperrten die Sicht in den dahinter liegenden Talabschnitt.
Yamamoto funkte einen Lanzenkameraden an. „Geraldi, springen Sie mit ihrem Greifen die Felswand hoch und identifizieren Sie die dahinter liegenden Einheiten.“
„Roger.“ Geraldi beschleunigte seinen Greifen und löste sich von den übrigen Mechs. Fünfzig Meter vor der Felswand startete er die Sprungdüsen und katapultierte seine Maschine in die Höhe. Mit einem lauten Rums landete er oben auf der Felswand. Schon auf den ersten Blick erkannte er die Feindeinheiten. Links und rechts des Durchgangs in der Felswand lauerten Schwebepanzer.
„Geraldi hier, ich kann zwei Lanzen leichte Schwebepanzer erkennen.“
„Okay, kommen Sie zurück“, sagte Yamamoto.
Geraldi wollte gerade umdrehen, als die Panzer das Feuer auf ihn eröffneten. Kurzstreckenraketen schossen auf ihn zu, zwei mittelschwere Laser schnitten Panzerung von seinem Rumpf. Geraldi startete seine Sprungdüsen und die Raketen gingen ins Leere. Im Sprung zielte er auf einen der Panzer und feuerte seine Partikelprojektorkanone ab. Doch der blauweiße Energieblitz ging daneben, um einen Felsblock zu zerschmelzen.
Geraldi schwebte langsam von der Felswand weg und ließ sich zu Boden gleiten. Er gesellte sich wieder zu seinen Lanzenkameraden.
„Wir sollten auf keinen Fall durch die schmale Öffnung gehen, darauf werden die Panzer nur warten“, sagte Yamamoto. „Wir müssen die Felswand hoch springen und sie von oben angreifen. Das Problem ist, dass nicht alle unsere Mechs sprungfähig sind. Also werden die Sprungfähigen hoch springen und die Panzer in ein Feuergefecht verwickeln. Die anderen kommen dann durch die Öffnung nach, wenn die Gegner abgelenkt sind. Geraldi und ich springen an der rechten Seite hoch, der Rest übernimmt die linke.“
Ein vielstimmiges „Roger“ antwortete dem Lanzenführer. Dann setzten sich die Mechs in Bewegung, nur ein Donnerkeil und zwei Heuschrecks blieben zurück. Sie sprangen die Felswand hoch. Kaum waren sie oben angekommen, eröffneten sie das Feuer auf die Schwebepanzer.
Yamamoto lief am oberen Rand der Felswand nach rechts, um einer Raketensalve auszuweichen. Er senkte das Fadenkreuz über einen der Panzer und löste alle Waffen aus, bis auf Langstreckenraketen, für die waren die Gegner zu nah. Der mittelschwere Laser schweißte einen Scharte in die Panzerung des feindlichen Fahrzeugs, die Autokanone überzog sie mit kleinen Kratern. Kurzstreckenraketen sprengten ein Loch in die Metallhaut.
Kaum hatte er seine Salve abgefeuert, sprang Yamamoto von der Felswand zwischen die Panzer, oben hatte er einfach zu wenig Bewegungsspielraum. Mit einem weiteren Sprung katapultierte er sich aus der Gruppe der Panzer heraus und eröffnete wieder das Feuer, während er zum Rand des Tals zurückwich, um Distanz zwischen sich und die Gegner zu bringen. Seine Kameraden folgten ihm und verließen ebenfalls die Felswand.
Yamamoto feuerte seine Autokanone ab, doch die Geschosse verfehlten den Panzer und pflügten den Boden auf. Die Wärme im Inneren seines Cockpits war durch das Abfeuern der Sprungdüsen und den Waffeneinsatz rapide gestiegen. Schweiß rann an seinem Körper herunter, die Kühlweste arbeitete auf Hochtouren. Yamamoto beschloss eine Pause einzulegen, ein paar lange Augenblicke feuerte er nicht, wich nur zurück, während er seinen Mech abkühlen ließ. Dann startete er ein weiteres mal seine Sprungdüsen, um schnell mehr Distanz zu gewinnen. Schließlich war er weit genug weg, um seine Langstreckenraketen einzusetzen.
Schwitzend senkte Yamamoto das Fadenkreuz seiner Zielerfassung über seine Beute. Als ein Piepton durchs Cockpit hallte, drückte er den Feuerknopf. Zwanzig Raketen schossen aus dem rechten Torso seines Mechs und rasten auf das Ziel zu. Vier Stück verfehlten das Ziel und sprengten die Boden auf. Doch der Rest traf. Explosionen überzogen den Schwebepanzer. Die Hubtriebwerke versagten und das Fahrzeug krachte zu Boden. Zurück blieb nur ein ausgebranntes Wrack.
Yamamoto ließ seinen Blick über das Schlachtfeld schweifen. Ingesamt hatten sie zwei Schweber ausgeschaltet. Doch einige seiner Kameraden hatten Schäden erlitten.
„Okay, das ist ein günstiger Zeitpunkt. Vernström, Hitsohiro, Logan, ihr könnt jetzt nachkommen.“ Kaum hatte Yamamoto den Befehl gegeben, kamen die beiden Heuschrecks und der Donnerkeil durch die Öffnung in der Felswand geprescht und eröffneten das Feuer. Die Feinde erkannten, dass sie keine Chance hatten. Sie traten den Rückzug an. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit entfernten sie sich von den Kombinats-Mechs, feuerten aber weiter so gut sie konnten.
„Verfolgung aufnehmen“, rief Yamamoto in sein Mikro. Die Mechs sprinteten hinter den fliehenden Schwebepanzern her und nahmen sie weiter unter Beschuss.
Einen halben Kilometer weiter verengte sich das Tal auf hundert Meter Breite. In dieser Richtung lag Aliceburg, eine kleine, befestigte Stadt, die vom Bergbau lebte. Die Schwebepanzer zogen sich in diesen schmalen Talabschnitt zurück.
„Wir müssen sie erwischen, bevor sie Aliceburg erreichen“, sagte Yamamoto. Er feuerte seine Langstreckenraketen und seine Autokanone ab, doch der Schweber war zu schnell, die Salve ging daneben. Eine neue Hitzewelle schlug über ihm zusammen und trieb ihm den Schweiß aus allen Poren.

Soldat Hansen von der lyranischen Armee lag im Schatten zwischen den Felsen am Rand von Wonder-Valley. Gespannt beobachtete er die zwei Lanzen Mechs, die den Schwebern hinterher jagten. Es dauerte nicht lange, dann hatten sie die richtige Position erreicht. Hansen drückte auf einen Knopf und machte damit die Minen scharf. Drei seiner Kollegen, die ebenfalls auf beiden Seiten des Tals auf der Lauer lagen, taten es ihm gleich.
Der Dunkelfalke, der die Lanzen anführte machte ein paar weite Schritte geradeaus, dann explodierte die Erde unter seinen riesigen Metallfüßen. Dreck regnete auf Hansen nieder. Als sich die Staubwolke legte, erkannte er, dass ein Großteil der Panzerung an den Beinen des Mechs weggesprengt worden war.
„Angriff“, ertönte ein Befehl aus Hansens Helmmikrofon. Der Soldat rappelte sich auf und griff nach einem tragbaren Raketenwerfer, der neben ihm hinter dem Felsen lag. Sorgfältig zielte er auf das versehrte linke Bein des Dunkelfalken und drückte ab.
Eine Rakete ritt auf einem Feuerschweif auf den Mech zu und fraß sich mit einer lauten Explosion in sein Bein. Von der anderen Seite des Tals folgte eine weitere Rakete und sprengte das Bein vom Unterleib der Kampfmaschine. Der Dunkelfalke streckte die Arme aus, als wolle er versuchen das Gleichgewicht zu halten, doch das war unmöglich. Mit einem lauten metallischen Knirschen viel er auf den felsigen Boden von Wonder-Valley.

Yamamoto wurde hart in die Gurte seiner Pilotenliege geworfen, als sein Mech auf dem Boden aufschlug. Einen Moment wurde ihm schwarz vor Augen, sein Schädel schmerzte höllisch.
Diese verdammten Lyraner hatten ihn in einen Hinterhalt gelockt. Das schmale Tal war vermint und in den Talhängen lauerten Infanteristen mit Mechabwehrwaffen. Doch noch war nichts verloren.
Yamamoto ließ seine Mechkiegerfähigkeiten an den Kontrollen spielen und schaffte es seinen Mech mit Hilfe eines Armes auf die Seite zu drehen. Dann zielte er mit dem mittelschweren Laser in diesem Arm auf einen der Schwebepanzer, die gerade umdrehten und zum Angriff übergingen. Da sie auf einem Luftkissen fuhren, bestand für sie keine Gefahr die Minen auszulösen. Sie verwickelten die Mechs in einen Nahkampf, zischten dank ihrer Geschwindigkeit immer wieder an ihnen vorbei und wichen ihren Schüssen aus.
Yamamoto feuerte und die Energielanze fraß sich in ein schon vorhandenes Loch in der Panzerung seines Gegners.

Vernström fluchte. Im nu waren die Schweber heran und zu nah für seine Langstreckenraketen. Also beschränkte er sich auf seinen schweren, drei mittelschwere Laser und zwei Maschinengewehre. Ratternd stanzten die MGs kleine Löcher in die Panzerung der Feinde.
Ein Raketenhagel senkte sich auf die beiden Mechlanzen. Vernström wollte sich mit ein paar Schritten zur Seite in Sicherheit bringen, konnte aber nicht, da er Gefahr lief, in eine Mine zu treten. Er hatte zwei Möglichkeiten. Entweder er blieb stehen und ließ sich als unbewegliches Ziel zusammenschießen oder er wich aus und wurde von einer Mine in die Luft gejagt. Erhängen oder erschießen.
Sein Lanzenkamerad Logan entschloss sich dazu mit seinem leichten Heuschreck auszuweichen. Prompt trat er in eine Mine, die seine beiden selzenartigen Beine wegsprengte. Der Rumpf des Mechs fiel scheppernd und nutzlos zu Boden.
Vernström drehte seinen Mech zur Seite und brachte sein Fadenkreuz über eine Stelle am Talhang, von der aus eine Rakete abgefeuert worden war. Von seinem Cockpit aus konnte er Bewegungen erkennen. Mit einem Druck auf den Feuerknopf löste er die beiden Maschinengewehre aus und bestrich die Stelle mit einer knatternden Salve. Zwei Gestalten vielen zu Boden, die Bewegungen erstarben. Querschläger katapultierten Steinsplitter und Staub durch die Gegend.
Doch der Treffer gegen die beiden feindlichen Soldaten war nur ein kleiner Teilsieg in einer großen Schlacht. Von allen Seiten wurden die beiden Mechlanzen beschossen. Laserstrahlen zerschmolzen die Panzerung am Torso von Vernströms Donnerkeil und eine weitere Salve von Raketen schwebte wie ein Damoklesschwert über ihm. Diesmal musste er versuchen auszuweichen, einen weiteren Treffer dieser Größenordnung konnte seine Maschine nicht wegstecken. Er riss seinen Mech zur Seite. Einen Augenblick später detonierte eine Mine. Die Explosion riss dem Donnerkeil die Beine in Fetzen und die Maschine stürzte. Als er auf dem Boden aufschlug wurde es dunkel um Vernström.

Azuko
09.06.2008, 18:19
Samuel Stahl, Hauptmann der lyarnischen Armee, stand vor einem Monitor, die Hände hinter dem Rücken. Der Bildschirm zeigte Wonder-Valley mit den zerstörten Kombinats-Mechs. Nach einem Schwenk über das Schlachtfeld erschien das Gesicht einer Frau.
„Wir haben die beiden Lanzen ausgeschaltet“, sagte die Frau. „Doch wir verzeichnen feindliche Einheiten auf unserem Radar. Sie nähern sich uns, wir werden keine Zeit mehr haben die Mechs zu bergen oder Gefangene zu machen.“
Samuel nickte. „Ziehen Sie sich zurück. Sollen die Draconier den Schrott behalten.“
„Verstanden.“ Der Monitor verdunkelte sich.
Samuel drehte sich zu seinen versammelten Offizieren um. „Wie sieht es um die Hochland-Raffinerie aus?“
„Immer noch hart umkämpft“, sagte ein Offizier.
„Wir müssen die Dritte Amphibische Sturmgarde in Candyville zur Unterstützung losschicken.“
„Dazu muss die Garde die mehrere Kilometer breite Meerenge überqueren.“
„Außerdem haben die Draconier Satelliten ausgesetzt, die unsere Truppenbewegungen ausspähen“, sagte ein weiterer Offizier. „Wahrscheinlich würden die Kombinatstruppen die Amphibische Sturmgarde abfangen, bevor sie die Hochland-Raffinerie erreicht.“
„Dann müssen wir dafür sorgen, dass sie nicht entdeck wird“, sagte Samuel. „Ist das Wetter dort immer noch so schlecht?“
„Ja, dichte Wolkendecken.“
„Und die Satelliten können nicht sehen, was unter diesen Wolkendecken ist.“
„Ja, das müsste stimmen.“
„Dann können wir die Sturmgarde gefahrlos losschicken. Die See dürfte rau sein, aber da man sie nicht entdecken kann, wird es ein Überraschungsangriff.“

Markus Waldenau lenkte den Hovercraft über die See. Über ihm brauten sich dunkle Wolken zusammen. Blitze zuckten und der Wind peitschte die See zu kleinen Wellen auf, die das Hovercraft durchschüttelten.
Es dauerte nicht lange, da hatte er den Strand erreicht. Gefolgt vom Rest der Amphibischen Sturmgarde in ihren Hovercrafts brauste er über den feinen Sand. Erleichtert darüber, endlich auf sicherem Boden zu sein, der sich nicht bewegte, schoss er über die Dünen, hinaus auf eine mit einzelnen Wäldchen durchsetzte Ebene. Die Hochland-Raffinerie, auf welche die Sturmgarde zusteuerte, war ein wichtiges militärisches Ziel. Sie stellte Treibstoff her, der unter anderem die Luft/Raumjäger einsatzbereit hielt. Wer also den Treibstoff kontrollierte, kontrollierte die Lüfte.
Einen Kilometer weiter kam die Raffinerieanlage in Sicht. Sie war von einer mit Wachtürmen gesicherten Mauer umgeben. Auf jedem Turm waren Geschütze installiert, welche die angreifenden Kombinatspanzer unter Beschuss nahmen. Als sich die Dritte Amphibische Sturmgarde näherte, lösten sich ein paar draconische Panzer und Infanteristen aus dem Kampf, um dem neuen Gegner gegenüberzutreten.
„Geschütze bereit?“ fragte Markus seinen Bordschützen, Ian McCullum.
„Bereit“, bestätigte Ian.
„Na dann auf ins Gefecht.“ Markus steuerte mit voller Geschwindigkeit auf die feindlichen Linien zu, um möglichste schnell in Waffenreichweite zu kommen. Hinter ihm hielten ein paar Hovercrafttransporter, öffneten ihre Ladeluken und ließen ganze Züge von Infanteristen raus.
Ian zielte mit Hilfe seines Geschützsteuerknüppels auf einen feindlichen Panzer. Als er das Fadenkreuz über die Silhouette des Ziels brachte, wechselte es die Farbe von Rot auf Gold. Ian drückte ab. Raketenwerfer schleuderten ihre Geschosse in die Luft und eine Autokanone heulte auf. Die Salve schlug ins Fahrgestell des Panzers ein und sprengte die Kette von den Rädern.
Markus brach mit dem Hovercraft nach rechts aus und entging so einer Meute Raketen. Ian feuerte ein weiteres Mal auf den Panzer, doch im selben Moment traf sie eine Autokanonensalve. Ein metallischen Kreischen hallt durch die Kabine, als Panzerplatten zerrissen wurden. Der Aufprall der Geschosse verriss Ians Steuerknüppel und seine Salve ging knapp am Ziel vorbei.
Plötzlich kam ein Zug draconischer Infanteristen in Sicht, die ihre Raketenwerfer nachluden. Ian schaltetet die Waffenkontrollen auf die Maschinengewehre um und bestrich die Soldaten mit einem Kugelhagel. Bestimmt ein halbes Dutzend Männer ging zu Boden.
Markus lenkte das Hovercraft nach links, um es wieder in die Nähe des angeschlagenen Panzers zu bringen. Ian stellte fest, dass seine Beute ins Kreuzfeuer seiner Kameraden geraten war. Er zielte und drückte ab. Seine Autokanonengeschosse rissen ein Loch in die Rumpfpanzerung des Gegners. Die Raketen drangen hinterher und zerrissen den Panzer in einer gleißenden Explosion.
Kaum war seine erste Beute erledigt, suchte sich Ian die nächste.


Palast des Drachen
New Samarkand
Militärdistrikt Galedon
Draconis-Kombinat

13. Oktober 20786

Ein Klopfen an seiner Bürotür ließ Mohamed al-Jafar von seinem Papierkram aufsehen. „Herein.“
Auf sein Wort hin öffnete sich die Tür und ein Mann trat ein. Er trug eine draconische Uniform, hatte europäische Gesichtszüge und kurze blonde Haare.
„David Valley“, sagte der Mann knapp. „Ich bin der Neue in der Palastgarde.“
„Ah, ja natürlich.“ Mohamed stand auf und reichte David die Hand. Der trat unsicher vor, hob seine Hand, um die seines Gegenübers zu schütteln und stieß dabei eine Tasse Kaffee um.
„Oh, das tut mir leid“, sagte David hastig. „Warten Sie ich trockne das an dem Heizlüfter.“ Er hob ein mit Kaffee durchtränktes Blatt Papier auf und hielt es an eine Maschine neben dem Schreibtisch.
„Das ist kein Heizlüfter“, sagte Mohamed. „Das ist ein…“ – ein elektronisches Summen hallte durchs Büro – „…ein Reißwolf.“
„Oh.“ David erhob sich und starrte auf das zerschredderte Dokument. „Ich hoffe es war nichts wichtiges.“
„Ich kann’s mir neu ausdrucken lassen.“ Einen Moment herrschte betretenes Schweigen. „Sie sind also der neue Anwärter.“
„Ja.“
„Dann wünsch ich Ihnen viel Glück bei Ihrer Probezeit.“

Yiatamo saß einen schmächtigen älteren Mann gegenüber, der trotz seiner unscheinbaren Erscheinung sehr mächtig war. Niemand kannte seinen richtigen Namen, alle nannten ihn nur Schattenstern.
„Die Gefechte laufen nicht gut“, sagte Yiatamo.
„Ich weiß“, sagte der alte Mann.
„Wir bräuchten Unterstützung.“
„Ich weiß.“
„Der Koordinator hat mich gebeten, Euch zu beauftragen.“
„Ich weiß.“
Yiatamo schwieg einen Moment und musterte sein Gegenüber. „Wir brauchen die Nekakami.“
Schattenstern war der Verbindungsmann zu den Nekakami, den Geisterkatzen, die dem Drakonis-Kombinat und seinem Koordinator treu ergeben waren. Er würde die geeigneten Agenten auswählen.
„Ihr müsst ein paar verdeckte Operationen durchführen“, sagte Yiatamo.
„Ich weiß.“


Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwealth

13. Oktober 2786

Yamamoto Jisaka kniete vor seinem Vorgesetzen, Hiyori Kakuya, den Kopf gesenkt.
„Sie haben sich mit Schande beladen“, wetterte Kakuya. „Sie sind in diesen Hinterhalt gerannt wie ein dummer Schuljunge.“
„Ich habe nur versucht die Feinde davon abzuhalten Aliceburg zu erreichen.“
„Das ist keine Entschuldigung. Sie sind als Kommandant untragbar, sie müssen Ihre Schande sühnen, um Ihre Ehre nicht vollends zu verlieren. Sie wissen, was das bedeutet.“
„Ja, Kommandant. Morgen werde ich Seppuko begehen.“

Vernström hatte mehr Glück gehabt als Yamamoto. Als Lanzenführer hatte er im Wonder-Valley nur Yamamotos Befehle ausgeführt. Nun erhielt er die Gelegenheit seine Ehre wiederherzustellen, indem er an einem Überfall auf ein Treibstofflager teilnahm. Zu diesem Zweck hatte man ihm einen Kreuzritter überlassen, dessen Pilot doch einen unglücklichen Cockpittreffer getötet worden war.
Vernström führte seine Lanze einen Hügel hinauf und das Lager mit den Treibstofftanks kam in Sicht. Er hielt an, um einen Kanal zur verbündeten Lanze zu öffnen, die sich von der gegenüberliegenden Seite näherte. „Hier Lanze Blau an Lanze Rot, wir sind in Position.“
„Hier Lanze Rot, wir sind ebenfalls in Position. Angriff.“
„Ihr habt’s gehört“, funkte Vernström an seine Lanzenkameraden. „Angriff.“
Vernström beschleunigte seinen Kreuzritter auf Maximalgeschwindigkeit und machte seine Langstreckenraketen feuerbereit. Obwohl das Lager nur von drei Lanzen Panzern bewacht wurde, sollten sich die Draconier nicht in ein Gefecht verwickeln lassen. Sie sollten einfach nur die Treibstofftanks zerstören und sich zurückziehen.
Vernström kam schnell in Waffenreichweite. Die ersten Schüsse wurden auf ihn abgefeuert. Er senkte das Fadenkreuz über die Tanks und betätigte den Feuerknopf. Dreißig Raketen rauschten auf ihr Ziel zu. Einen Augenblick später überzogen sie das Gelände mit einem Meer aus Explosionen. Als sich der Rauch lichtete waren die zerstörten Metallreste der Treibstofftanks zu sehen.
Doch irgendetwas stimmte hier nicht. Eigentlich hätte Vernström eine größere Explosion und ein großes Feuer durch den in Brand gesetzten Treibstoff erwartet. Dann traf ihn die Erkenntnis.
„Lanze Blau an Lanze Rot“, sprach er in sein Mikro. „Die Treibstofftanks sind leer.“
„Bestätige“, kam es von Lanze Rot. „Vielleicht wussten sie, dass wir kommen. Plan B.“
Plan B besagte, dass sich die beiden Lanzen an einem Wasserreservoir trafen. Wenn sie sich in das Wasser stellten, wurde die Wärme in ihren Mechs besser abgebaut, so dass sie ihre Waffen effektiver einsetzen konnten. So konnten sie eventuelle Verfolger mit geballter Feuerkraft zurückschlagen.
Vernström brach mit seinem Kreuzritter nach rechts aus, in Richtung Wasserreservoir. Dabei feuerte er seine Langstreckenraketen auf einen feindlichen Panzer ab, sprengte jedoch nur ein paar Stücke aus seiner Rumpfpanzerung. Nach einem Kilometer erreichten die beiden Lanzen das Reservoir, die Panzer waren ihnen gefolgt. Einer nach dem anderen stiegen die Mechs ins Wasser.
„Okay, jetzt können wir mit allem feuern was wir haben.“
Eine ganze Salve von Raketen regnete auf die beiden Mechlanzen nieder. Doch es gab keine Explosionen, als sie mit ihren Zielen kollidierten. Stattdessen überzogen sie die Mechs mit einer klebrigen Flüssigkeit.
„Das waren Infernoraketen, die sollen unsere Wärmeskala in die Höhe treiben“, sagte Vernström. „Doch das wird ihnen nichts nützen. Dank des kalten Wassers können wir genügend Wärme ableiten. Feuer frei.“
Vernström feuerte mit allem was er hatte und die Wärme in seinem Cockpit erreichte bald ein unerträgliches Maß. Plötzlich traf ein einzelner Laserstrahl eines Panzers das Wasser um die Mechs herum. Mit einem Tosen wurde das Wasser in Brand gesetzt. Rasend schnell breitete sich das Feuer über die ganze Wasserfläche aus und meterhohe Flammen schlugen an den Mechs empor.
„Was zum Teufel…“, fluchte Vernström in sein Mikro. „Was ist das?“ Er stellte das Waffenfeuer ein, doch die Wärme in seinem Cockpit stieg trotzdem dramatisch weiter. Seine Gedanken wirbelten durcheinander, sein Puls raste.
Plötzlich war ihm klar, was hier vor sich ging. „Die haben den Treibstoff von den Tanks in dieses Reservoir gefüllt.“ Doch diese Erkenntnis kam zu spät. Ein Alarmton kündigte die Notabschaltung des Reaktors an, die Luft im Cockpit brannte.
Vernström hatte keine Wahl, er riss an dem Hebel für den Schleudersitz. Die Cockpitluke wurde aufgesprengt und sein Sitz in die Höhe katapultiert. Kühle Luft schlug ihm entgegen.

Aliceburg war von einer dicken Mauer umgeben, die sogar schweres Waffenfeuer aushalten konnte. Auf dicken Wehrtürmen prangen Lasergeschütze und Raketenwerfer. Die Stadt war so gut befestigt, um sich gegen die Banditenstämme zu verteidigen, die noch vor fünfzig Jahren in den Bergen am Rande der Ebene gelebt hatten. Doch die Banditen waren in langen Feldzügen vertrieben worden und die Wehranlagen in Vergessenheit geraten, bis die Kombinatstruppen gelandet waren. Jetzt waren die Mauern und Türme wieder besetzt, die Waffen aktiviert.
Aliceburg war ein Kreuzungspunkt für zwei Eisenbahnstrecken, die nicht nur zum Transport des in den Bergwerken abgebauten Erzes dienten, sondern auch Teil der Verteidigungsmaßnahmen waren. In der Stadt befanden sich vier schwer bewaffnete und mitArtilleriekanonen bestückte Züge. Die könnten zu den vier Toren auf den Schienen hinaus fahren, um die umgebene Ebene unter Beschuss zu nehmen. Und heute war der Tag an dem diese Züge rausfuhren, um die anrückenden Kombinatstruppen aufzuhalten. Da sich die Draconier von Osten her näherten, fuhren alle vier Züge auf der östlichen Strecke aus der Stadt, hielten in äußerster Reichweite und starteten ihren Artilleriebeschuss.

Azuko
09.06.2008, 18:20
Vier Lanzen Kombinats-Mechs stürmten über die Ebene auf die Stadt Aliceburg zu. Da das Wetter über der Ebene chronisch schlecht war, war ein Bombardement durch Luft/Raumjäger ausgeschlossen. Außerdem wurden die Jäger benötigt, um die feindlichen Luftstreitkräfte zu binden.
Geraldi hatte ebenso wie Vernström und Jisaka den Hinterhalt in Wonder-Valley durch Glück überlebt. Er hatte den Quasimodo eines anderen Mechkriegers übernommen, der weniger Glück gehabt hatte. Jetzt hielt er mit Höchstgeschwindigkeit auf die befestigte Stadt zu. Er brannte darauf die vernichtende, überschwere Kali Yama Big Bore Autokanone einzusetzen. Sie saß in einem Buckel auf der Schulter des Mechs und gab ihm dadurch seinen Namen Quasimodo. Mit einem einzigen Schuss dieser tödlichen Waffe konnte er eine ganze Geschützkanzel auf den Wehrtürmen ausschalten, wenn er auf zweihundertsiebzig Meter Entfernung heran war.
Plötzlich rollten Donnerschläge über die Ebene. Einen Moment später explodierte der Erdboden zwischen den Mechs an acht Stellen. Zwei leichteren Mechs wurden die Beine weggerissen, auf die übrigen prasselten scharfe Schrapnelle. Dreck regnete vom Himmel. Kein Zweifel, das war schwerer Artilleriebeschuss.
„Verteilen, Verteilen“, kam der Befehl über die Funkverbindung. Schlagartig brachen die Mechs nach allen Seiten aus und verteilten sich über eine große Fläche, um einzelne Ziele zu bieten.
„Gibbs, identifizieren Sie die Angreifer. Weiter vorrücken.“
Die vier Lanzen rückten weiter vor, doch Geraldi hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Acht Treffer bedeutete acht Artilleriegeschütze. Dass konnten sie nicht lange durchstehen, auch wenn sie sich verteilt hatten.
Gibbs sprintete in seinem Exterminator weiter nach vorne. „Vier Eisenbahnzüge mit je zwei schweren Artilleriegeschützen und sonstigen Waffen“, berichtete er.
Eine weitere Salve erschütterte den Boden. Diesmal wurde einem Greifen der Unterschenkel abgerissen.
Der Kommandant seufzte in sein Mikrofon. „Das hat keinen Sinn, der Beschuss ist zu stark. Wir ziehen uns zurück.“
Geraldi atmete erleichtert auf. Auch wenn er darauf brannte den Lyranern die Schmach bei Wonder-Valley heimzuzahlen, so wollte er doch nicht sinnlos in einem Artilleriefeuer in Stücke geschossen werden. Die Kombinats-Mechs drehten um und flüchteten von der Ebene in die umliegenden Berge.

Ein Comm-Tech trat ins Besprechungszelt ein, knallte mit den Hacken und salutierte. „Hauptmann Stahl, wir haben Meldungen von der Hochland-Raffinerie, Aliceburg und dem Treibstoffdepot am Kamati-Posten.“
Hauptmann Samuel Stahl sah von ein paar Karten auf dem Tisch auf und wandte sich an den Tech. „Schießen Sie los.“
„Die Dritte Amphibische Sturmgarde konnte sich unbemerkt den Angreifern bei der Hochland-Raffinerie nähern und sie zurückschlagen. Bei Aliceburg wurden vier Lanzen Kombinats-Mechs durch schweren Artilleriebeschuss in die Flucht geschlagen. Der Kampf beim Treibstoffdepot am Kamati-Posten verlief so, wie Sie es befohlen hatten. Die Verteidiger füllten den Treibstoff ins Wasserreservoir um. Die Angreifer zogen sich später in das Reservoir zurück, um ihre Mechs zu kühlen, so wie Sie es erwartet hatten. Unsere Truppen setzten den Treibstoff in Brand, die feindlichen Mechs überhitzten und wurden alle ausgeschaltet. Danach konnte der Brand gelöscht werden.“
Samuel ließ sich keine Gefühlsregung anmerken, er gestattete sich nicht mal ein triumphierendes Lächeln. „In Ordnung. Was ist mit dem Königswald?“
„Die Infanterie hat sich versteckt und wartet auf die vorrückenden Mechs. Die Löcher für die Sprengladungen wurden gebohrt. Die Helikopter warten auf einer Lichtung.“
„Gut. Unsere Truppen sollen vorgehen wie geplant.“

Yamamoto spähte um die Ecke eines Zeltes und wartete darauf, das die Wache vorbei ging. Als der Kombinatssoldat hinter einem Zelt verschwand, schlich sich Yamamoto aus dem Feldlager.
Plötzlich ertönte das leise Splittern von Holz, als er auf einen Ast trat. Seine Gedanken überschlugen sich. Was sollte er tun? Lossprinten und das Beste hoffen? Oder stehen bleiben und sich eine Ausrede einfallen lassen? Fürs Erstere war es zu spät, denn der Wachsoldat erschien hinter dem Zelt und leuchtete Yamamoto an.
„Halt, wer ist da?“ rief der Soldat.
Yamamoto blinzelte gegen das Licht. Sein Herz pochte laut.
„Chu-i Jisaka. Was machen Sie hier?“
„Ich wollte aufs Klo, aber da ist besetzt“, sagte Yamamoto. Ich pinkle mal eben hinter einen Stein.“
Der Wachsoldat runzelte die Stirn und Yamamoto befürchtete, dass er die Ausrede nicht schluckte. „Na schön“, sagte der Draconier schließlich. „Aber lassen Sie sich nicht von den Lyranern fressen.“
„Keine Sorge.“ Der Wachsoldat machte mit seiner Runde weiter und Yamamoto verließ erleichtert das Lager. Er war sein ganzes Leben mit dem Weg des Samurai aufgewachsen. Sein ganzes Leben war er dem Ehrenkodex des Bushido gefolgt. Doch nun da er Seppuko begehen sollte, verließ ihn der Mut. Er wollte den Weg des Samurai nicht bis zum bitteren Ende gehen. Vielleicht nahmen ihn die Lyraner als Kriegsgefangenen, vielleicht erschossen sie ihn. Aber immerhin hatte er kleine Überlebenschance. Der Drang zu leben war stärker als die Angst vor der Gefangenschaft.


Palast des Drachen
New Samarkand
Militärdistrikt Galedon
Draconis-Kombinat

14. Oktober 2786

David Valley patrouillierte auf der Mauer, die den Palast des Drachen vor Eindringlingen schützte. Sie war vier Meter hoch und nicht mit Stacheldraht versehen, um die Architektur nicht zu verschandeln. Schließlich sollte die Mauer nicht nur schützen, sondern auch die Macht und Herrlichkeit des Koordinators repräsentieren. Statt Stacheldraht waren in Abständen von einem halben Meter, klauenartige Zinnen angebracht, die nach außen gebogen waren.
David dachte über seine erste Begegnung mit seinem Vorgesetzten Mohamed al-Jafar nach. Der Kommandant schien nett zu sein, aber dummerweise hatte sich David benommen wie ein Tollpatsch. Wie so oft. Wieso passierte ihm immer wieder so ein Scheiß?
Plötzlich hörte David ein leises Geräusch. Es klang wie ein Rauschen, nein wie ein Sprühen. Er sah über die Mauer nach unten. Im Licht der Scheinwerfer, welche die Außenseite der Mauer bestrahlten, stand eine Gestalt und machte sich am Fuße der Wehranlage zu schaffen.
David riss sein Gewehr herum, das er ständig schussbreit vor sich her trug. Doch er blieb mit dem Gurt an einer der Steinklauen hängen. Er fluchte in sich hinein. Schon wieder so ein Scheiß. Hastig zerrte er an dem Gurt und bekam ihn schließlich los. Dann richtete er das Gewehr auf die Gestalt.
„Halt, keine Bewegung“, reif er.
Die Gestalt zuckte zusammen und machte ein paar hastige Schritte von der Mauer weg.
„Stehen bleiben“, sagte David mit lauter Stimme.
Schritte näherten sich von links. Ein anderer Soldat von der Palastwache kam angelaufen. „Was ist hier los?“ fragte er.
„Der hat sich an der Mauer zu schaffen gemacht“, sagte David.
„Vielleicht hat er eine Bombe gelegt“, sagte der andere.
„Nein, da ist nichts.“ David musterte die Gestalt genauer. „Er ist noch ein Kind.“
„Trotzdem. Wir müssen ihn festnehmen.“ Der Palastgardist nahm ein Funkgerät von seinem Gürtel. „Hier Jade-Streife an Drachenhorst, haben verdächtige Person im Gamma-Sektor außerhalb der Mauer gestellt. Wir brauchen jemanden, der nach draußen geht und ihn fest nimmt.“
„Verstanden“, knarrte eine Stimme aus dem Funkgerät.
Plötzlich sprintete die Gestalt los. Blitzschnell zielte David auf den Boden ein Stück hinter dem Jungen. Das Summen seines Lasergewehres durchbrach die Stille der Nacht, als er einen Warnschuss abfeuerte.
„Stehen bleiben oder der nächste Schuss trifft.“

Kurze Zeit später stand David Valley im Büro von Mohamed al-Jafar.
„Ein Junge“, fragte Mohamed erstaunt. „Wie alt?“
„Fünfzehn, nach eigenen Angaben.“
„Was hat er an der Palastmauer gemacht?“
„Er hat etwas an die Wand gesprüht.“
„Und was? Hoffentlich keine Beleidigung des Koordinators, das könnte böse für ihn enden.“
„Nein, äh…“ David zögerte einen Moment. „Er hat ‚Sakura ich liebe dich’ an die Wand gesprüht.“
Mohamed unterdrückte ein Schmunzeln. „Sakura ich liebe dich?“
„Ja, Captain.“
Mohamed hob die Hand und strich sich über den Mund, nur um ein weiteres Lächeln zu verdecken. „Er soll morgen wiederkommen und die Schmierereien saubermachen. Danach bekommt er ein paar Schläge mit dem Bambusstock.“
„Jawohl, Tai-i.“
„Sie können wieder auf Patrouille gehen.“
„Ja, Tai-i.“ David salutierte und trat zurück. Dummerweise war das Büro nicht sehr groß, so dass er dabei an den Kleiderständer stieß. Er hielt den Ständer fest, um zu verhindern, dass er umfiel. Als er zur Tür gehen wollte, blieb er mit dem Schultergurt seines Lasergewehres an einem Haken hängen. Der Kleiderständer fiel um und zog an dem Gewehr.
David wand sich, als wäre er in einem Würgegriff. Mohamed war gespannt, wer das Duell gewinnen würde, Gardist Valley oder das verhakte Gewehr. David zappelte herum und schaffte es schließlich den Schultergurt von dem Haken zu lösen. Dann richtete er den Kleiderständer wieder auf und hängte Mohameds Jacke daran.
„Entschuldigung“, David salutierte noch einmal und wollte die Bürotür öffnen. Doch sie bewegte sich keinen Zentimeter, so sehr er auch drückte.
„Ziehen“, sagte Mohamed.
„Oh, ja natürlich.“ David zog die Tür auf und verließ mit einer Verbeugung des Büro.
Mohamed hoffte inständig, dass der Junge Soldat die Probezeit überstand, ohne sich mit dem Schultergurt seines eigenen Gewehres zu erdrosseln.


Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwealth

14. Oktober 2786

Shinji Genma steuerte seine Wespe sicher zwischen den Bäumen hindurch. Außer ihm waren noch elf weitere Kombinats-Mechs unterwegs, insgesamt drei Lanzen. Ihr Ziel war ein Staudamm in den Bergen hinter dem Königswald. Der Staudamm versorgte durch die integrierten Wasserkraftwerke zwei angrenzende kleine Städte mit Strom. Nachdem die Draconier die Stadt Vallental erobert hatten, hatten die Lyraner ihnen einfach den Strom abgedreht. Doch das würde sich bald ändern.
„Genma, gehen Sie vor und erkunden Sie den Weg“, kam die Stimme von Gabriel Van den Haag über Funk. Er kommandierte die Mechkompanie Onyx.
„Roger.“ Shinji beschleunigte seine Wespe und betrachtete abwechselnd das Radar und die Gegend außerhalb des Cockpits. Seine Wärmesensoren verzeichneten kleinere Wärmequellen, die das Weite suchten - wahrscheinlich Tiere. Auf dem Radar waren keine Reaktorsignaturen von Mechs zu erkennen.
Plötzlich entdeckte Shinji ein paar Wärmequellen, die nicht vor ihm flüchteten. Er hielt seinen Mech an und suchte den Wald vor sich ab. Er entdeckte eine Bewegung zwischen den Bäumen.
„Hier Genma an Onyx-Kompanie. Verzeichne einige Wärmesignaturen, die sich im Wald verbergen. Wahrscheinlich lyranische Infanterie…“
Dann versagten seine Sensoren. Ein Störsender, schoss es Shinji durch den Kopf. Einen Augenblick später schossen Raketen auf ihn zu. Zwei Sprengköpfe trafen den Torso seiner Maschine und sprengten Panzerplatten auf. Shinji legte den Rückwärtsgang ein und feuerte mit seinem mittelschweren Impulslaser ins Unterholz, wobei er ein paar Büsche in Brand setzte. Dann aktivierte er seine Sprungdüsen. Hundertachtzig Meter weiter setzte er in der Nähe seiner Kompanie zwischen den Bäumen auf. Der Sprung hatte ihn aus der Reichweite der feindlichen Raketenwerfer gebracht.
„Wir werden von allen Seiten von Infanterie angegriffen“, sagte Van den Haag über Funk. „Schlagt sie mit leichten Waffen zurück, aber spart Munition für den Fall, dass noch ein paar Maschinen auf uns warten.“
Shinji feuerte mit seinem Impulslaser in den Wald, wo er Bewegungen zwischen den Bäumen ausmachen konnte. Das feindliche Raketenfeuer verebbte rasch. Die Feinde zogen sich zurück.
„Okay, wir haben sie fürs erste verscheucht“, sagte Gabriel Van den Haag. „Aber sie werden uns an anderen Stellen auflauern. Zuschlagen und verpissen, dass wird ihre Taktik sein. Hier im Wald können wir unsere Beweglichkeit nicht voll ausschöpfen, die feindliche Infanterie schon. Wir müssen sie aufspüren. Also werden wir eine Reihe bilden, um einen möglichst großen Bereich vor uns abzudecken.“
Das war eine Standartprozedur für das Aufspüren versteckter Infanterie. Im Prinzip machte man dasselbe, was die Polizei machte, wenn sie ein Gebiet nach etwas absuchten. Man bildete ein Reihe und durchkämmte den Wald. So konnte man einen möglichst großen Bereich abdecken. Suchte man nur in einem kleinen Bereich übersah man schnell Einheiten, die sich an den Flanken versteckten. Diese konnten sich dann schnell in den Rücken der Kompanie bewegen und sie mit weiter vorne versteckter Infanterie in die Zange nehmen.
Die zwölf Mechs der Onyx-Kompanie bildeten eine Reihe und rückten weiter vor. Zweimal trafen sie auf kleinere Gruppen von Infanterie, die sie aber schnell zurückschlagen konnten ohne große Schäden einzustecken. Es wurde schnell klar, dass die Infanteristen den Kürzeren ziehen würden.
Dann brach plötzlich die Hölle los. Schon eine Weile hatten die Lyraner nicht mehr angegriffen, als die Welt um die Draconier herum explodierte. Auf der ganzen Mechreihe, welche die Onyx-Kompanie bildete, explodierte der Boden. Shinji hatte Glück, er war etwas von der Explosion entfernt, so dass er nicht voll erwischt wurde. Doch herumfliegende Steine und Mechteile demolierten die Panzerung seiner Wespe. Erde regnete vom Himmel, Staubwolken nahmen ihm die Sicht.
Er feuerte die Sprungdüsen ab, um sich außerhalb des Gefahrenbereichs zu bringen. Als sein Mech über die Staubwolken getragen wurde, sah er Helikopter, die auf ihn zu flogen.

Hauptfeldwebel Meyer vom lyranischen Militär beobachtete die Explosion. Sie war selbst mit bloßem Auge von seinem Standpunkt aus nicht zu übersehen. Eine Gasleitung verlief durch den Königswald zur Stadt Vallental, die vor kurzem von den Draconiern eingenommen worden war. Doch Hauptmann Stahl hatte befohle das Gas nicht abzudrehen. Das hatte anfangs seine Berater irritiert. Wieso sollte man eine von Feinden Besetzte Stadt weiter mit Gas versorgen?
Dann hatte Stahl befohlen, Löcher bis zur Gasleitung zu bohren und mit Sprengsätzen zu versehen. Er wusste, wie die Draconier auf die Guerilla-Taktik der Infanterie reagieren würden. Sie hatten eine Reihe gebildet, um den Wald nach versteckten Soldaten zu durchkämmen. Und mit dieser Mechreihe waren sie genau über die Gasleitung gelaufen. Das war der Moment gewesen, in dem Meyer die Sprengsätze gezündet hatte. Die Helikopter, die sich auf einer Lichtung versteckt hatten, waren zeitgleich mit der Explosion losgeflogen und beschossen die Mechs, die noch standen, mit Raketen.
Meyer hörte Detonationen in der Ferne und sah Rauch über dem Wald aufsteigen. Dann trat Stille ein.
„Hier Loki-Geschwader an Bodentruppen“, kam eine Stimme über Funk. „Alle Kombinats-Mechs ausgeschaltet.“

Azuko
09.06.2008, 18:21
Ein Com-Tech trat ins Besprechungszelt und salutierte vor Hauptmann Stahl. „Wir haben Nachricht vom Königswald.“
„Sprechen Sie“, sagte Samuel.
„Die feindliche Mechkompanie wurde vollständig zerstört.“
„Gut. Wegtreten.“
„Da ist noch etwas. Ein Jeep hat gerade einen gefangenen Draconier hier abgeliefert, er wurde an der Front aufgegabelt. Anscheinend hat er sich freiwillig in Gefangenschaft begeben.“
Samuel runzelte die Stirn. „Freiwillig? Lassen sie ihn herbringen.“
„Jawohl, Herr Hauptmann.“ Der Com-Tech verließ das Zelt und einen Moment später wurde ein Draconier mit asiatischen Gesichtszügen von zwei bewaffneten Soldaten hereingeführt.
Samuel musterte den feindlichen Soldaten von oben bis unten. „Wer sind Sie?“
„Chu-i Yamamoto Jisaka.“
„Sie haben sich freiwillig gestellt?“
Yamamoto zögerte und senkte den Kopf. „Ja.“
„Wieso?“
„Das geht Sie nichts an.“
Samuel hatte so eine Ahnung wieso, doch er wollte nicht weiter nachhaken. Es spielte eigentlich auch keine Rolle. „Was sollen wir jetzt mit Ihnen machen?“
„Mich als Kriegsgefangenen betrachten.“
„Haben Sie uns irgendetwas zu sagen? Haben Sie wichtige taktische Informationen?“
„Nein.“
„Na schön. Sie werden entsprechend den Gesetzen der Ares-Konvention als Kriegsgefangener betrachtet. Ein Militärgericht wird die Höhe ihrer Freiheitsstrafe festlegen. Nach Ablauf der Strafe können Sie ins Draconis-Kombinat zurückkehren oder Asyl im Lyranischen Commonwealth beantragen. Haben Sie das verstanden?“
Yamamoto nickte mit gesengtem Kopf. „Ja.“
„Führt ihn ab.“


Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwealth

26. Oktober 2786

Ein bewölkter Nachthimmel spannte sich über Aliceburg. Die gepanzerten Züge mit der Artillerie hatten sich auf den Gleisen verteilt, in jeder Himmelsrichtung stand ein Zug, um alle Seiten abzusichern.
Ein Nekakami näherte sich einem der Züge. In der weiten Ebene gab es kaum Deckung, doch der Schleichanzug, den er trug, glich sich wie ein Chamäleon der Nacht an. Vorsichtig schlich er sich zwischen den Wachen hindurch. Sein ganzes Leben hatte er für solche Einsätze trainiert. Seit seiner Kindheit war er in der geheimen Gesellschaft der Geisterkatzen aufgewachsen, hatte waffenlose Kampftechniken erlernt und das lautlose Vorgehen.
So war es ihm ein Leichtes die Soldaten die den Zug bewachten zu umgehen. Im Vergleich zu ihm waren sie schlecht ausgebildet. Er platzierte eine Sprengladung an einem der Artilleriegeschütze, dann am nächsten. Währenddessen tat es ihm ein anderer Nekakami an der gegenüberliegenden Seite von Aliceburg gleich.
Nachdem er die Sprengladungen angebracht hatte, schlich er von dem Zug weg und einem anderen in östlicher Richtung. Er musste zwei Kilometer zurücklegen, bis er die zweite mobile Artilleriestellung erreichte. Auch hier platzierte er eine Sprengladung am ersten Geschütz und schlich zum anderen.
Plötzlich ertönte ein leises Pochen. Der Nekakami erstarrte, er war auf einem Ölfleck ausgerutscht und mit dem Fuß gegen das Geschütz gestoßen. Schritte kamen näher. Sein Herz fing an zu rasen, Adrenalin schoss durch seine Adern.
Ein lyranischer Soldat erschien und leuchtete zwischen die Aufbauten des Zuges. Trotz des Tarnanzuges entdeckte er den Nekakami sofort. Einen Moment starrte er ihn überrascht an, das war ein tödlicher Fehler. Die Geisterkatze trat zielsicher zu und rammte die Nasenwurzel ins Gehirn des Soldaten. Blitzschnell schoss er vor, um den Körper des toten Mannes aufzufangen. Doch der Lyraner fiel mit einem leisen Poltern gegen den Zug.
„Was ist da los?“ rief jemand.
Der Nekakami kletterte am Zug hoch und hockte sich lauernd auf ein Führerhaus. Zwei Soldaten kamen in Sicht. Sie entdeckten ihren Kameraden, der am Zug lehnte und gingen zu ihm hin.
Einer von ihnen rüttelte an seiner Schulter. „Hey, was ist los Kabrinski, bist du weggeklappt?“ Der Soldat drehte seinen Kameraden um und entdeckte erschrocken die eingetretene Nase.
„Scheiße“, entfuhr es ihm. Er griff nach einem Funkgerät.
Der Nekakami zog ein Katana aus einer Rückenscheide und sprang vom Führerhaus. Mit unglaublicher Lautlosigkeit landete er hinter den Soldaten. Sein Katana zuckte nach vorn und trennte den Kopf vom Rumpf des Soldaten. Der andere Lyraner wirbelte zu ihm herum und richtete sein Gewehr auf ihn. Doch bevor er schießen konnte schwang der Nekakami sein Katana. Sauber trennte er die Hand des Lyraners vom Arm. Geschockt starrte dieser seinen Armstumpf an. Dann drang die scharfe Klinge des japanischen Schwertes in sein Herz. Leise röchelnd brach er zusammen und kippte tot zur Seite.
„Alles in Ordnung da hinten?“ ertönte eine Stimme. Der Nekakmi huschte zum zweiten Artilleriegeschütz. Er musste sich beeilen, bevor die Wachen ihre toten Kameraden entdeckten. Er klettere den Zug hoch und brachte die zweite Sprengladung an.
Ein Schrei zerriss die Nacht. „Alarm, jemand hat uns angegriffen.“
Vier Soldaten erschienen an der Stelle, wo der Nekakami die drei Lyraner erledigt hatte. Sie leuchteten wild umher und entdeckten den Draconier am Geschütz. Gewehre richteten sich auf ihn. Er sprang zur Seite, während seine Hand nach vorne zuckte. Ein Wurfstern traf einen der Soldaten am Hals, woraufhin dieser schreiend zu Boden stürzte. Schüsse fielen und Kugeln flogen dem Nekakami um die Ohren. Er turnte zwischen den Aufbauten des Zuges umher und sprang auf der anderen Seite vom Zug. Dann sprintete er los so schnell er konnte.
Im Laufen aktivierte er einen Funkkanal zu seinem Kollegen über sein Headset. „Fertig?“ fragte er atemlos.
„Fertig“, kam die Bestätigung.
Der Nekakami griff den Zünder von seinem Gürtel und drückte den Knopf. In allen vier Himmelsrichtungen um Aliceburg gingen die Artilleriegeschütze in die Luft, gleißende Feuerbälle erhellten die Nacht. Hinter sich hörte der Nekakami die Schreie der lyranischen Soldaten. Er nutzte die Verwirrung durch die Explosionen, um in der Dunkelheit zu verschwinden.


Palast des Drachen
New Samarkand
Militärdistrikt Galedon
Draconis-Kombinat

27. Oktober 2786

Nächtliche Stille herrschte in der im japanischen Stil gehaltenen Pagode, die das Herzstück des Drachenpalastes bildete. Takeshi Watanabe, stolzes Mitglied der Otomo, der Leibwache des Koordinators, patrouillierte einen Gang einlang, das Gewehr schussbereit in den Händen.
Plötzlich erweckte ein Geräusch seine Aufmerksamkeit. Takeshi starrte den Gang hinunter, konnte jedoch trotz seines Nachtsichtgerätes niemanden sehen. Leise schlich er den Korridor entlang und bog mit dem Gewehr im Anschlag um die Ecke. Er bemerkte eine Bewegung am nächsten Quergang, doch einen Sekundenbruchteil später war sie schon verschwunden.
Takeshi beschleunigte seine Schritte und bog um die nächste Ecke. Er hörte das leise trippeln von Füßen. Eine Tür, die vom Korridor in die Küche führte, stand einen Spalt weit offen. Takeshi näherte sich ihr vorsichtig. Die Mündung seiner Waffe auf den Spalt gerichtet, schob er die Tür mit seinem linken Fuß auf. Dann hockte er sich neben den Eingang. Blitzschnell schoss sein Kopf vor und er warf einen Blick in die Küche, genauso schnell zog er sich wieder zurück. Niemand zu sehen.
Takeshi betrat die Küche. Aufmerksam suchten seine Blicke den Raum ab. Plötzlich zerriss ein leises Niesen die Stille. Takeshi zielte mit seinem Gewehr in die Richtung aus der das Geräusch gekommen war. Es hatte seinen Ursprung hinter einem Tresen, in dem mehrere Herdplatten eingelassen waren. Mit ein paar Schritten umrundete er die Küchenzeile und richtete seine Waffe auf den Eindringling.
Eine kleine Gestalt hockte auf dem Boden, den Rücken an einen Backofen gepresst. Mit großen Augen sah sie zu Takeshi hoch. Er erkannte sie, es war Sakura Kurita, die zehnjährige Tochter des Koordinators.
„Was machst du hier, Sakura?“ fragte Takeshi.
„Ich habe Hunger“, sagte die Kleine.
„Wenn du nachts durch den Palast gehst, musst du dich bei einem der Otomo melden, damit dich niemand für einen Eindringling hält.“
„Das konnte ich nicht. Ich darf ja nichts essen, ich bin auf Diät.“ Die kleine Sakura war in der Tat etwas pummelig.
Takeshi seufzte. „Von mir aus mach ein Sandwich, dann bring ich dich wieder in dein Zimmer.“

Die ISA, die Interne Sicherheitsagentur, Geheimdienst des Draconis-Kombinats, überwachte jeden Anwärter der Palastgarde, um seine Loyalität festzustellen. Auch im Haus von David Valley hatten sie Wanzen angebracht. In einem kleinen Raum einer Niederlassung der Sicherheitsagentur hörten zwei Agenten den Gardistenanwärter ab. Nicht gerade die dankbarste Aufgabe für einen Geheimdienstler.
„Jetzt wollen wir mal was gegen deinen Stress tun, mein Süßer“, drang eine Frauenstimme aus einem Lautsprecher. Es war Valleys Freundin, die beiden waren seit zwei Jahren zusammen.
„Oh ja, das wollen wir“, sagte David.
Das Rascheln von Bettlaken war zu hören und das leise Schmatzen von Küssen.
„Du musst das hier benutzen“, sagte die Freundin. „Mir ist die Pille ausgegangen.“
„Wieso hast du dir nicht rechtzeitig neue besorgt?“
„Ich hatte viel zu tun.“
Ein leises Knistern ertönte.
„Oh, er ist weggehüpft“, sagte David.
„Weggehüpft? Das ist doch kein Frosch.“
Schritte ertönten, dann wieder das Rascheln von Bettlaken. Die beiden Agenten vor dem Abhörgerät grinsten sich an.
„Soll ich ein neues nehmen“? fragte David. „Da sind Flusen dran.“
„Das wird schon gehen, von mir aus wasch es ab.“
„Wenn du ordentlicher saugen würdest, wär es noch sauber.“
„Wieso ich? Du kannst auch mal etwas im Haushalt machen.“
„Schon gut, lass uns jetzt nicht streiten. Ich wisch es einfach ab.“
Kurzes schweigen.
„Okay“, schnurrte die Freundin. „Komm her mein Tiger.“
„Wieso Tiger… Du weißt doch das ich Angst vor Tigern habe, seit diesem unglücklichen Besuch im Zirkus…“
„Na gut, wie soll ich dich sonst nennen?“
„Ich heiße übrigens David.“
„Deine Mutter nennt dich David.“
„Na und?“
Bettlakenrascheln und Kussgeräusche.
„Soll ich dich vielleicht ‚Blitz’ nennen?“
„Wieso ‚Blitz’?“ fragte David. Eine kurze Denkpause sorgte für Stille. „Weil ich bei dir so einschlage wie ein Blitz?“
„Äh… Ja… ja genau.“
„Gut.“
Wieder drang das leise Schmatzen von Küssen aus dem Lautsprecher.
„Moment mal“, sagte David plötzlich. „Wieso kam das so zögerlich?“
„Das kam nicht zögerlich.“
„Oh doch.“
„Nein.“
„Doch.“
„Nein.“
„Oh doch.“
Die Freundin stieß einen Seufzer aus. Bettlaken raschelten und die Matratze quietschte.
„Wo willst du hin?“ fragte David.
„Ich hol den Staubsauger.“


Draconisches Kriegsschiff Kamikaze
Über dem Planeten Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwealth

27. Oktober 2786

Im taktischen Besprechungsraum hatten sich alle Offiziere der Kamikaze versammelt. Der Raum war voll, die Luft stickig. Es roch nach Rasierwasser und einem Hauch von Sake.
„Wir müssen etwas unternehmen, Dai-i Shihiro“, sagte einer der Offiziere. „Unsere Bodentruppen erleiden eine Niederlage nach der anderen.“
Dai-i Sasuke Shihiro verzog seinen Mund. „Das mag sein, aber was sollen wir dagegen tun?“
„Ich schlage ein planetares Bombardement vor.“
„Das verstößt gegen die Ares-Konvention.“
„Wir wissen doch alle, dass die Lyraner nicht zögern würden gegen diese Konvention zu verstoßen, wenn es ihren Sieg sichern würde.“
Sasuke schüttelte den Kopf. „Wir sind aber keine Lyraner.“
„Aber…“
„Unsere Ehre gebietet es, uns an das Versprechen, die Ares-Konvention zu achten, zu halten. Außerdem würde ein planetares Bombardement nicht soviel bringen, wie Sie sich erhoffen. Es ist viel zu ungenau, um mobile Bodentruppen zu treffen. Wir könnten damit nur Verteidigungsanlagen ausschalten, doch davon gibt es auf Morningside nicht so viele. Die Diskussion ist damit beendet.“

Azuko
09.06.2008, 18:22
Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwalth

27. Oktober 2786

Drei Kompanien Kombinatsmechs durchquerten die gebirgige Landschaft, welche die Ebenen um Aliceburg umschloss. Samuel Stahl sah die Feindmaschinen als rote Punkte auf seinem Radar im Inneren seines Greifen. Er hatte seine Truppen hinter einem Bergkamm postiert und wartete. Da er nur zweieinhalb Kompanien hatte, war er den Angreifern zahlenmäßig unterlegen. Sechsunddreißig Kombinatsmechs gegen dreißig lyranische. Doch Samuel hatte einen Plan.
Seine eigene Lanze stand im Zentrum der lyranischen Mechs. Sie wurde die Greifenreiter genannt, da sie ausschließlich aus Greifenmechs bestand. Diese Maschine kombinierte Beweglichkeit mit ordentlicher Feuerkraft und akzeptabler Panzerung. Auf seiner linken Flanke stand die Kompanie Rudolfs Raubritter. Der Name rührte daher, dass ein Drittel ihrer Mechs aus Schwarten Rittern bestand, schlagkräftige schwere Maschinen mit Energiewaffen. Ansonsten hatte Samuel unter anderem noch Schützen, Langbögen, einen Exkalibur und einen Highlander um sich versammelt. Die meisten Maschinen waren mit Langstreckenraketen bewaffnet, was für seinen Plan von essenzieller Wichtigkeit war.
In den Hängen, welche die Kombinats-Mechs erklommen versteckten sich ein Zug lyranischer Infanteristen. Als die Feindmechs nah genug waren, markierten sie die Maschinen mit Zielerfassungssystemen, welche die Daten an Samuels Mechkompanien weiterleiteten.
„Okay, sie haben die Ziele markiert“, sagte Samuel über Funk. „Feuer frei.“
Unzählige Langstreckenraketen schossen von den lyranischen Mechs aus in den Himmel, schraubten sich empor und überflogen den Bergkamm. Explosionen ertönten, als die Sprengköpfe an den Kombinats-Mechs detonierten.

Geraldis Quasimodo wurde heftig durchgeschüttelt, als die feindlichen Raketen auf ihn einprügelten. Er rang mit den Kontrollen und schaffte es seinen Mech aufrecht zu halten. Vor ihm verzeichneten die Sensoren kleine Wärmesignaturen. Feindliche Infanterie. Sie haben uns als Ziele für die Feindmechs hinter dem Bergkamm markiert, dachte Geraldi. Indirekter Beschuss.
Geraldi beschleunigte seinem Quasimodo. Sobald er in Reichweite war, würde er die Infanterie mit seinem leichten Impulslaser zu Leibe rücken.

Die lyranischen Mechs feuerten eine Raketensalve nach der anderen ab. Solange, bis die Infanterie, welche die Ziele markierte, von den Kombinats-Mechs angegriffen und zum Rückzug gezwungen wurde. Dann war ein direkter Kampf unausweichlich. Als die Draconier den Bergkamm überquerten, eröffneten sie das Feuer. Doch die Rußflecken und Löcher auf der Panzerung ihrer Maschinen verrieten, dass sie angeschlagen waren.
„An alle Einheiten, Feuer frei.“ Samuel brachte seinen Greifen in Bewegung und brach nach links aus, um einer Raketensalve zu entgehen. Doch eine handvoll Sprengköpfe detonierte auf seinem rechten Torso. Er brachte das Fadenkreuz über einen Feindmech und wartete auf das Piepen der Zielerfassung. Er feuerte. Die Partikelprojektorkanone schmolz mit einem blauweißen Blitz ein Loch ins Bein eines Kriegshammers, seine Langstreckenraketen sprengten Panzerung vom oberen Torso.
„Hier Hauptmann Stahl an Rudolfs Raubritter. Versucht eure Gegner mit euren Schwarzen Rittern im Nahkampf zu binden. Der Rest soll sie dann mit Langstreckenraketen auf Distanz angreifen.“
Samuel nahm den Kriegshammer zusammen mit einem Lanzenkameraden in die Zange. Beide feuerten PPKs und Langstreckenraketen ab und rissen die Panzerung von der Reaktorabschirmung des Feindmechs. Das brachte den Mech zur Überhitzung. Samuels Wärmesensoren zeigten die Maschine als einen weißgelben Fleck. Der draconische Pilot stieg mit dem Schleudersitz aus, bevor der Mech unter ihm von einem Reaktorbrand verzehrt wurde.
Samuel brachte das Fadenkreuz über den nächsten Gegner, einen überschweren Atlas. Als sein Fadenkreuz golden schimmerte feuerte seinen leichten Laser ab und schweißte eine kleine Schramme in den verbeulten rechte Arm des Kombinats-Mechs. Auf die übrigen Waffen versichtete er, da die Temperatur in seinem Cockpit einen kritischen Wert erreicht hatte. Schweiß strömte ihm aus allen Poren.
Der Atlas drehte sich zu ihm um, das Gaussgeschütz in seinem rechten Torso richtete sich auf ihn. Die Magnetspulen der Kanone beschleunigten eine Eisenkugel auf Überschallgeschwindigkeit. Das Geschoss schlug im linken Arm des Greifen ein und hinterließ ein klaffendes Loch. Samuel wurde heftig durchgeschüttelt, die Sicherheitsgurte seiner Pilotenliege schnitten in seinen Brustkorb. Er lenkte seinen Greifen in einem schnellen Lauf nach rechts, während er beobachtete wie der Atlas seine Arme auf ihn richtete.
Plötzlich hielt Samuel seinen Mech an. Nur weniger Meter vor ihm zuckten die rubinroten Strahlen zweier schwerer Laser durch die Luft, die der Atlas aus seinen Armen abgefeuert hatte. Samuel atmete aus, erleichtert dem schweren Laserfeuer entkommen zu sein. Er richtete seine Waffen aus und feuerte mit allem was er hatte. Die Partikelprojektorkanone bohrte ein Loch in den Torso des Feindmechs, die Raketen überzogen ihn mit Feuerblüten. Dann schlug noch etwas in ihm ein. Es war die Gausskugel eines lyranischen Exkalibur. Der Atlas schwankte ein wenig, doch es war mehr nötig, um die hundert Tonnen schwere Maschine umzuhauen.
Ein Schwarm aus zwanzig Langstreckenraketen schoss aus dem linken Torso des Atlas und hetzte auf Samuel zu. Blitzschnell feuerte er die Sprungdüsen seines Greifen ab. Ein Großteil der Raketen verfehlte sein Ziel, ein paar wenige detonierten auf den Beinen von Samuels Maschine. Der Greif ritt auf einem Strahl aus superheißem Plasma über die felsige Landschaft und landete hinter dem Atlas. Der drehte sich um und feuerte, doch seine Salve ging ins leere, als Samuel ein zweites Mal die Sprungdüsen zündete. Noch während er in der Luft war, senkte er sein Fadenkreuz über den Atlas. Als das Piepen für die Zielerfassung ertönte, drückte er den Feuerknopf. Seine Raketen schwärmten aus und überzogen den Feindmech mit Explosionswolken.
Gerade als Samuel landete, schlug eine Gausskugel des Atlas’ in sein linkes Bein. Sein Greif knickte weg und er musste sein ganzen Können aufbieten, um ihn auf den Beinen zu halten. Er wich zurück und verzichtete auf eine Antwort, um seine Maschine abkühlen zu lassen. Die Wärmetauscher summten.
Der Atlas brachte wieder seine Arme nach vorne und feuerte seine schweren Laser ab. Eine der roten Energielanzen schweißte eine Scharte in den rechten Arm des Greifen, dort wo seine PPK montiert war. Der andere war zu tief gezielt und schmolz den Sand auf dem Boden zu Glas. Samuels Mech war genug abgekühlt, um wieder eine volle Salve von Partikelprojektorkanone und Langstreckenraketen abzufeuern. Beiden trafen, nur ein paar Raketen verfehlten und detonierten auf umliegenden Felsen. Wieder beteiligte sich der lyranische Exkalibur an dem Kampf und fetzte mit seinem Gaussgeschütz ein Loch in den Torso des Atlas’.
Plötzlich erstarrte der überschwere Mech. Ein Gyroskoptreffer, erkannte Samuel sofort. Dann schwankte die Maschine und kippte nach vorn. Als er auf den Boden aufschlug wirbelte er eine Staubwolke auf. Kaum war der Titan gefallen, witterten die Lyraner ihre Chance. Raketen prasselten auf ihn nieder und schlugen in die dünne Rückenpanzerung des Kombinats-Mechs ein. Der Atlas flog in einer großen Explosion auseinander.
Samuel brachte seinen Greifen mit einem Sprung an den Rand des Kampfgeschehens. Er brauchte eine Verschnaufpause, um einen Überblick über die Schlacht zu erhalten. Die Draconier hatten etliche Mechs verloren und waren nun deutlich in der Unterzahl. Doch auf Samuels Einheiten waren dezimiert. Aber es zeichnete sich ein Sieg für ihn ab, wenn er auch teuer erkauft war.

Zwei Tage später zogen sich die Kombinatstruppen von Morningside zurück. Es hatte keinen Sinn mehr weiter zu kämpfen. Der Geheimdienst meldete, dass Verstärkung für die Lyraner auf dem Weg war. Die drakonischen Truppen wurden eingeschifft und von dem Schlachtschiff Kamikaze zum Sprungpunkt eskortiert. Sie wurden auf einem anderen Planeten benötigt, wo sie dem Kombinat zum Sieg verhelfen konnten.


Morningside
Pandora-Theater
Lyranisches Commonwalth

29. Oktober 2786

Samuel Stahl stand auf dem Bergkamm und ließ seinen Blick über das verwüstete Schlachtfeld schweifen. Felsen waren in Stücke gesprengt, im Boden prangten Explosionskrater. Immer noch waren Techs damit beschäftigt die Wracks der Battlemechs zu zerlegen und abzutransportieren. Man würde verwenden, was noch zu gebrauchen war.
Samuel griff unter seine Jacke und holte eine Brieftasche hervor. Er klappte sie auf, um das Foto zu betrachten, das er immer bei sich trug. Es zeigte ihn mit seiner besten Freundin Sarah Weintraub. Er kannte sie noch aus seiner Studienzeit an der Nagelring-Militärakademie. Sie waren in derselben Studentenverbindung gewesen. Gerade eben hatte er die Nachricht erhalten, dass sie auf Fatima gefallen war, ein Planet der nicht weit entfernt von Morningside lag.
Müde schüttelte Samuel den Kopf und steckte die Brieftasche wieder weg. Der Sternenbund war nicht mehr zu retten, das wurde mit jedem Tag Krieg umso deutlicher.