Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Julius Sternennatter
OP Nach längerem Zögern und einigen Versuchen, noch etwas zu verbessern: hier ist wieder die Geschichte von Julius.
12. Januar 3063, Toolan, Hoard
„Bravo- und Charlie- Kampf, Statusmeldung." Durch die Statik seiner beiden abgefeuerten PPKs hörte Julius den Statusbericht Sterncommander Mayas und Sterncommander Cassius´. Beide Kampfsterne waren noch voll einsatzbereit. Allerdings hatten fast alle Mechs schon Panzerungsschäden. Die 312. Wächter waren noch unerfahren, verglichen mit den 417. Sie hatten nicht an der Absorption teilgenommen und auch bei der Verteidigung ihrer Gebiete nur wenig vorzuweisen.
Hier konnten sie endlich ihre Kampffähigkeiten schärfen. Und Julius´ Trinärstern konnte zu einer effektiveren Kampfeinheit zusammengeschweißt werden. Das war nötig, denn Julius war ein sehr junger Offizier. In seinem Positionstest hatte er drei Abschüsse erzielt und wurde somit zum Sterncaptain. Als er eine Angriffsoperation auf Hoard mit ausarbeitete, wurden Stimmen im Sternhaufen laut, die die Praxis der Positionstests in Zweifel zogen. Sterncolonel Darren Gena hatte angesichts der Erfolge der Kämpfe gegen die Gletscherteufel, und der jahrhundertealten Tradition der Clans, diese Zweifler zum Verstummen gebracht.
Jetzt kommandierte Julius einen Trinärstern und das erst seit kurzem. Diesen Testkampf würde sein Trinärstern für sich entscheiden. Da war er sich sicher. Diese erste Welle schneller Mechs war nur ein Vorgeschmack.
Plötzlich flammten Warnlichter auf. ‘Raketen im Anflug!’ „Alpha- Sturm, Vorsicht, jemand hat TakRak." Er setzte seinen Höhlenwolf in Bewegung, als einige Raketen in ihn einschlugen. „Ausgemacht, Sterncaptain.", das war Grant, der seinen Kampfdämon in schon Richtung des feindlichen Schützen stürmen ließ. „Angriff! Alpha Sturm, Angriff!". Der überschwere Stern donnerte über die Ebenen Toolans und näherte sich einer kleinen Anhöhe, hinter der die feindliche Sturmkrähe auf sie lauerte. „Sterncaptain, hier Bravo- Kampf, wir haben Ausfälle durch Panzerkräfte. Ein schwerer Stern mit leichter Mechunterstützung." „Verstanden, Ich schicke Charlie- Kampf als Verstärkung. Halte durch." Die Bestätigung ging in den einsetzenden Feuerstößen des Sturm-Sterns unter. Hinter dem Hügel stießen sie auf den Rest des feindlichen Trinärsterns. Die Sturmkrähe war zurückgewichen und schoß wahllos auf seinen Stern ein. Alle anderen feindlichen Mechs bevorzugten den Kampf aus nächster Nähe. „Sterncommander Cassius, begib Dich in Richtung Bravo- Kampf. Ihr müßt den Panzerstern zerschlagen und könnt mit uns die Reste aufräumen." „Verstanden."
Julius sah, wie die Sturmkrähe sich weiter vom Kampfgeschehen entfernte. Er schoß auf sie. Nur eine der beiden PPKs traf und schmolz Panzerung vom linken Bein. Der Rest seines Sterns schien gegen die Übermacht von leichteren Mechs durchzuhalten. „Krieger, denkt an das, was Ihr gelernt habt. Ihr könnt mehrere Gegner auf einmal anvisieren. Tut das." Eine weitere Doppelsalve Raketen schüttelte seinen Mech durch. Plötzlich griff ihn ein Höllenfeuer an. Schwere Schäden auf der rechten Seite waren das Ergebnis. Obwohl noch kein kritischer Schaden entstanden war, würde das nicht lange auf sich warten lassen. Er warf seinen Omnimech herum und feuerte mit seinen Impulswaffen auf den neuen Gegner. Ein schwerer Impulslaser ging daneben, aber dank des Zielcomputers trafen der andere Schwere und die beiden mittelschweren Laser direkt in den Torso der gedrungenen avoiden Maschine. Das reichte aber noch nicht. Der gegnerische Kommandeur sollte nicht ungestraft davonkommen. Eine PPK von Julius traf aber nur einige Steinbrocken und richtete keinen Schaden an. Die Hitze im Cockpit brauchte nur wenige Sekunden, bis sie abgebaut war. Ein kurzer Blick auf den Sekundärmonitor genügte um festzustellen, daß der Trinärstern angeschlagen war. Sterncommander Maya war ausgefallen, Mechkrieger Rand hatte das Kommando über die verbliebenen Mechs von Bravo- Kampf übernommen. Viel war nicht mehr übrig. Charlie- Kampf sah etwas besser aus, auch wenn der Kriegshammer IIC ausgefallen war.
Das war alles, was er im Moment sehen konnte, denn die beiden Mechs schlugen wieder auf seinen Höhlenwolf ein. Diesmal waren die Raketeneinschläge zahlreicher und klangen nach schwereren Sprengköpfen. Die Sturmkrähe war näher gerückt. Der Höllenfeuer setzte diesmal nur seine LSR- Lafetten und 2 seiner neuen Ultra Laser ein. Die Schäden an dem Höhlenwolf waren unglaublich. Jedoch bekam der schwere Mech diesmal alles an Gegenfeuer ab. Wieder verzichtete Julius auf eine PPK, zielte mit den Lasern auf die Torsomitte und schoß. Es trafen die 2 schweren Impulslaser, während die mittelschweren Laser zu kurz lagen. Die PPK traf den linken Arm.
Diese Schäden waren zuviel für den Höllenfeuer- Piloten. Der Mech stürzte schwerfällig. Auch Julius´ Mech war instabil, jedoch halfen 2 Schritte nach hinten, um das Gyroskop zu entlasten. „Es wird Zeit, den Kampf zu beenden. Trinärstern, sammeln um meine Position. Alpha- Sturm, haltet mir den Rücken frei. Ich kümmere mich um die Sturmkrähe."
Der liegende Höllenfeuer wurde jetzt von einer überschweren Autokanone beschossen und stand nicht mehr auf. Die anderen beiden Sterne waren auf dem Weg zu seiner Position. Der Kampf war entschieden, trotz einiger Verluste.
„Sterncaptain Groald, Du bist geschlagen worden. Gib auf." Eine wütende Stimme antwortete ihm: „Noch nicht, Julius. Mein Mech ist noch aktiv." Auf diese unverhohlene Herausforderung folgten 2 Salven Standard- Tak- Rak- Munition, und schüttelten den Sturmmech von Julius schwer durch. Jetzt war die Panzerung an einigen Stellen schon durchschlagen. Die PPK im rechten Arm fiel aus. Das Gegenfeuer des Höhlenwolf war mindestens genauso vernichtend, das schon beschädigte Bein knickte kurz ein, als ein Aktivator getroffen wurde, aber der Mech blieb aufrecht.
Julius wechselte auf die Trinärsternfrequenz. Alle Feindeinheiten waren geschlagen. Mit emotionsloser Stimme befahl er nun: „Trinärstern: Angriff auf die Sturmkrähe." Alle Mechs von Alpha- Sturm, die noch voll belastbar waren, rannten mit Höchstgeschwindigkeit auf die um sich feuernde Sturmkrähe zu, während Julius stehenblieb. PPKs und Laserfeuer trafen auf Panzerung, die nicht lange standhielt. Grants meisterhaft geführter Kampfdämon mußte noch mehrere Treffer einstecken, und die geschwächte Guillotine IIC von Will verlor nach dem linken auch noch ihren rechten Arm, aber die Sturmkrähe fiel nach kurzer Zeit, so daß der Computer den Sieg des 3. Kombinierten Sturm- Kampftrinärsterns bekanntgab. Dann wurden die Simulatokapseln dunkel und öffneten sich.
Das Licht in der Simhalle blendete kurz die dunkelblauen Augen von Julius, aber nichts konnte sein Lächeln vertreiben.
Zugegeben, der Kampf war nicht der schwerste gewesen, aber trotzdem hatten sie sich gut geschlagen. Die Verluste waren ärgerlich und würden noch einige Zeit an Gesprächen und Nachbesprechungen in Anspruch nehmen, aber das gehörte dazu. Das gehörte zum Auftrag und Leben eines Sterncaptains der Sternennattern.
12. Januar 3063, 12.50, Besprechungsraum, Sim- Komplex, Toolan, Hoard.
„Sterncaptain, die Daten sind fertig." Julius nickte dem Tech zu: „Gut. Warte, bis die anderen Krieger da sind, dann kannst du es abspielen.". „Jawohl, Sterncaptain."
Tech Herschel war ein guter Mann. Er war ein Freigeborener, der intelligent genug war, um mit der Kriegerkaste zusammenzuarbeiten. Da er gute Arbeit leistete, war Julius zufrieden. Die letzte Woche hatte sein Trinärstern viele Sim- Gefechte absolviert und der Plan sah vor, noch eine Woche weiterzumachen, aber Julius spürte, daß alle Mechkrieger wieder in echten Mechs trainieren, oder besser noch, kämpfen wollten. Ihm ging es genauso.
Er mußte lächeln, als er an die Reaktionen seiner Krieger dachte, als er diese Trainingsperiode angekündigt hatte. Die meisten hatten eine Miene zwischen Enttäuschung und Hoffnung zur Schau gestellt. Die erfahreneren Krieger hatten sich ihm gegenüber nichts anmerken lassen, wie immer.
Durch seine leichte Kontaktschwäche war das für Julius früher ein Problem gewesen, aber jetzt kannte er sie langsam und konnte in ihren Augen lesen.
Der Trinärstern war sehr gemischt zwischen „älteren", erfahrenen Kriegern, die fast schon Elitestatus hatten, und jüngeren bzw. Freigeborenen Kriegern, die zwar sehr enthusiastisch waren, aber eben noch nicht viele Kämpfe absolviert hatten. Trotz seines unbestreitbaren Talents in Strategie und Taktik zählte sich Julius zu den letzteren. Die bisherigen Kämpfe waren noch ohne besondere Herausforderungen gewesen, denn der Trinärstern Julius´ war von schweren und überschweren Mechs geprägt. Gegen leichtere Einheiten hatten sie kaum Probleme. Es gab mit dem Höllenhund von Mona und dem Teufelsdrache von Tessa auch 2 mittelschwere Mechs, aber sie waren zu langsam, um neben ihren Kampffähigkeiten noch andere Funktionen auszuüben. Die Omnimechs des Trinärsterns abgesehen von Julius´ 100 Tonnen Monstrum, waren fast genauso schnell wie der Höllenhund und dabei noch vielseitiger. Es war bezeichnend, daß alle Omnimechs im Übungsgefecht am Schluß noch einsatzbereit waren.
Der Ausfall von Sterncommander Maya und ihrem Grizzly war ärgerlich, aber Mechkrieger Rand hatte den Rest des Sterns aus seinem Bluthund zusammengehalten. Viel hatte jedoch nicht mehr gefehlt, und Beta wäre von den Panzern vernichtet worden. Glücklicherweise kam Sterncommander Cassius noch rechtzeitig. Er hatte die Panzer von der linken Seite her angegriffen und die 2 verbliebenen gegnerischen Mechs zerstört. Das Gefecht war danach entschieden gewesen, denn der Alpha- Stern war mit den Resten des Mechtrinärsters beschäftigt gewesen und hatte die 9 Mechs schnell unter Kontrolle gehabt.
Auch die Sturmkrähe des gegnerischen Sterncaptains. Julius lächelte kurz.
Groald hatte ihn fast umbringen wollen, als das Gefecht vorbei war. Er fand es gar nicht gut, daß Julius seinen Stern auf ihn gehetzt hatte, anstatt ihn selbst zu verfolgen. Aber auch er würde noch lernen, daß es wichtiger war, als Kommandeur den Überblick zu behalten, statt blindlings in die Schlacht zu stürzen. Sicher war ihm das bekannt. Wäre Julius darauf hereingefallen, hätte er durchaus noch besiegt werden können, denn Groald war sehr gut an den Kontrollen.
Mechkrieger Grant trat herein. Er kam von der Dusche und war gutgelaunt. „Ein guter Kampf, Ju.. Sterncaptain Julius, frapos?" Er bemerkte, daß ein Tech anwesend war und drückte sich respektvoller aus, als wenn sie allein gewesen wären. „Pos, Grant. Du hast wieder einmal gute Arbeit geleistet." Er nickte ihm respektvoll zu. „Danke, mein Sterncaptain. Der Fahrzeugstern war etwas überraschend für Maya." „So ist es. Cassius war zum Glück rechtzeitig zur Stelle, sonst wären die Verluste zu schwer gewesen." Grant stimmte zu. „Er war besonders angetan von Tessa und überraschenderweise auch von Jason. Sein Grizzly war außergewöhnlich gut. So sagte er." Julius hob eine Braue. „Jason, mhm? Er war zum Schluß der am wenigsten beschädigte von uns. Wir werden gleich sehen, warum. Jetzt setze Dich und warte mit mir auf die anderen." Grant setzte sich links neben Julius, gerade als die anderen erschienen. Die drei anderen Krieger von Alpha setzten sich neben Grant, während Maya mit missmutiger Miene rechts neben Julius Platz nahm. Ihre Sternkameraden taten dasselbe und sahen Cassius und dessen Stern zu, wie sie sich setzten. Dann ging das Licht aus und die Besprechung begann endlich.
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12. Januar 3063, 21.00. Unterkünfte.
Die beiden anderen Offiziere des Trinärsterns waren in Julius´ kleinem Raum versammelt. Er wollte noch einige Bemerkungen loswerden, bevor er sie für heute entließ. Cassius tat gelangweilt, Maya sah erwartungsvoll und etwas bedrückt.
„Ich will nicht lange herumreden. Im Ganzen war unser Auftritt wohl in Ordnung. Auch wenn wir Panzer nicht so ernst nehmen, hat uns das heutige Gefecht gezeigt, daß gegen massierte Panzerverbände auch die besten Mechs und Mechpiloten gefährdet sind. Dagegen hilft nur Bewegung. Maya, du weißt selbst was du falsch gemacht hast. Du bist zu schnell herangekommen und sie haben sich auf dich konzentriert. Ohne Rand wäre der Stern dann sehr schnell zerstört worden. Ohne Rand und natürlich ohne Cassius." Der Angesprochene nickte nur. „Ich denke, wir werden öfter gegen Panzer antreten müssen, also sollten wir verstärkt Panzerabwehr üben. Cassius, ich möchte, daß du Jason meine Glückwünsche bestellst. Wenn er den Grizzly auch im echten Gefecht so führen kann, wäre das sehr von Vorteil für uns alle. Von Tessa erwarte ich nichts anderes. Wie ihr wißt, läuft noch eine Woche Sim- Training und danach eine Großübung von mehreren Trinärsternen. Vielleicht ist das auch eine Vorbereitung für eine weitere Angriffsoperation gegen Wölfe oder Gletscherteufel, aber das ist Spekulation meinerseits. Morgen ist Simtraining nur für uns. Übermorgen dann wieder gegen die 312. Vielleicht auch gegen andere Einheiten kombiniert. Wenn sonst keine Fragen mehr sind, wünsche ich eine gute Nacht. Bis früh um 0830." Cassius erhob sich sofort und ging, während Maya noch blieb. Fragend blickte Julius sie an.
Nach kurzem Zögern sprach sie: „Ich wollte nur sagen.. ich.. danke, daß du mein Versagen nicht vor den anderen breitgetreten hast." Julius schüttelte den Kopf. „Das ist doch selbstverständlich. Du hast vielleicht einen Fehler gemacht, aber Panzer sind leicht zu unterschätzen, weil wir sie als Solahma, wenn nicht dezgra ansehen. Das ist vielleicht fahrlässig, aber wir werden daran arbeiten, daß es zu unserem Vorteil arbeitet." Jetzt lächelte er sie leicht an. „Schlafe darüber und du wirst sehen, daß wir alle irgendwann Fehler machen. Solange du diese Fehler nur im Simulator machst, ist es gut." Sie nickte nur. Hoffentlich war sie beruhigt. „Danke. Und wegen Cassius mach´ dir keine Sorgen. Er wird sich bald wieder daran gewöhnt haben. Es ist für keinen Krieger leicht, eine Chance zu verpassen." „Mhm. Ich hoffe, du hast recht." Bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal zu ihm um und legte die Hand auf seine Schulter. „Ich denke, du bist ein guter Offizier. Wenn ich dir helfen kann, sage es." Julius überlegte kurz. Er brauchte dringend Faustkampftraining.
„Ich bräuchte verstärktes Faustkampftraining." Er grinste. „Ich weiß daß du sehr gut darin bist, also nehme ich dein Angebot hiermit an. Wäre morgen nachmittag ein passender Termin, frapos?" Jetzt sah auch Maya lockerer aus. „Positiv. Vielleicht wirst du es noch bereuen, aber ich werde mit dir üben.", meinte sie trocken. „Guten Schlaf." „Dir auch, Maya. Bis morgen." Als sie weg war, sah sich Julius noch einige Taktiksimulationen gegen Panzer auf seinem Trividgerät an, bis er wirklich müde war. Dann legte er sich in seinem eintönigen, kargen Raum schlafen.
13. Januar 3063 Hoard
„Urrgh." Mit hörbaren Schmerzen ließ Julius die Luft aus seinen Lungen. Das geschah nicht ganz freiwillig, denn Maya hatte gerade einen kurzen linken Haken auf sein Brustbein gesetzt. Dann fiel er zu Boden. ‘Das wievielte Mal schon?’ dachte er. Seit 16.00 hatten sie sich, oder vielmehr Maya ihn, durch den Übungsraum geprügelt. Der Raum im Simzentrum war zwar nicht annähernd so groß, oder gut ausgestattet, wie der auf der Basis, aber er erfüllte seinen Zweck. Julius kam immer besser in Form, aber sie mußten das öfter wiederholen, das war beiden klar.
Endlich konnte er wieder aufstehen und in eine halbwegs passable Kampfstellung gehen. Auch Maya schwitzte und atmete hörbar, aber sie wirkte im Vergleich zu ihm sehr viel frischer. „Komm schon, Maya. Es wird Zeit, daß ich Dir auch einmal etwas verpasse." Sie ließ sich keine Regung anmerken, sondern setzte einen Drehtritt an, der mit Wucht an Julius´ Schulter krachte. Kaum, daß sie wieder beide Beine auf dem Boden hatte, setzte sie mit zwei Geraden zum Kopf nach. Julius wehrte sie ab, so gut er konnte, aber angesichts ihrer Schnelligkeit bekam er die zweite direkt auf die Nase. Zum Glück hatte er seinen Kopf zurückgenommen, so daß sie nicht brach, aber dafür trat sie schnell an ihn heran und brach sein Gleichgewicht endgültig. Seine Hände hielt sie fest, und er fiel voll auf den Rücken, wo ihm abermals die Luft wegblieb. Diesmal signalisierte er seine Aufgabe, was Maya ein kurzes Lachen entlockte. „Du wirst noch einiges für deine Kondition tun müssen, mein Sterncaptain.", bemerkte sie spöttisch. Er nickte nur ergeben und versuchte Luft in seine Lungen zu ziehen.
Nachdem sie geduscht hatten, setzten sie sich draußen vor den Komplex. Es war Abend geworden und der schmale Asteroidengürtel leuchtete. So wie immer. Seit der letzten Angriffsplanung durch Julius hatte es auf Hoard keine nennenswerten Kämpfe mehr gegeben. Trotz vieler Konflikte um die Novakatzenenklave hatten die Nattern nicht viel gewonnen. Aber die gewonnenen Erkenntnisse und Fähigkeiten der beteiligten Krieger wog das auf. Die schwersten Gefechte hatte die 417. hier direkt nach dem Großen Widerspruch auf Strana Metschty gegen die Einheiten der Novakatzen geführt. Fast alle Einheiten der verräterischen Katzen waren komplett zerstört worden, aber leider auch ein Kriegsschiff der Sternennattern, die ‘Sternenfeuer’. Danach hatte es nur noch gegen die auf Hoard vertretenen Clans einige Gefechte um besonders wichtige oder wertvolle Anlagen und Gebiete gegeben. Das war im Moment vorbei. Vielleicht war die Großübung tatsächlich eine Vorarbeit für eine neue Offensive. Am besten gegen Wölfe oder Höllenrösser. Julius mußte etwas für seinen Kodax tun. Wenn Grant, der eine Empfehlung für eine Beförderung fast sicher hatte, den Trinärstern verließ, verlor er einen Rückhalt in seiner Mannschaft. Sein Training mit Maya würde ihm helfen, etwaigen Herausforderungen zu begegnen, falls sie denn stattfinden sollten. Außerdem mußte er seine Fähigkeiten im waffenlosen Kampf schärfen, damit er, falls er für einen Blutnamen nominiert werden sollte, überhaupt Chancen hatte, weiterzukommen.
Jetzt sahen sie wieder, wie vom Raumhafen der Gefechtspanzerungsfertigungskomplex ein Landungsschiff abhob und in Richtung der anderen Claneinheiten flog. In ein paar Tagen würde es an ein Sprungschiff andocken und fortspringen. „Wann wird wohl der 3. Trinärstern mit Elementaren ausgerüstet?", fragte Julius. „Mein Sterncaptain, vielleicht solltest du den Sterncolonel fragen. Ich bin nur Sterncommander und habe keine Verbindungen zum ClanKommando oder zum Logistikadjutanten." Julius lächelte matt in ihre Richtung. Er war noch etwas erschöpft vom Training. „Es war eher eine Frage an mich selbst, Maya. Aber was würdest du von einer Nova im Trinärstern halten? Meine Erfahrungen mit solchen Einheiten sind praktisch nicht existent. Und ich gestehe dir mehr Erfahrung zu." Sie schien zu überlegen. „Bisher sind die Sternennattern meistens gut ohne viele Elementare ausgekommen. Aber es wäre mit Sicherheit eine Bereicherung und Herausforderung." Julius nickte nachdenklich. „Pos. So denke ich auch. Mit dem genetischen Material der Felsgräber haben wir mehrere gute Blutlinien bekommen. Wir sollten anfangen, Taktiken gegen Elementare zu üben, frapos?" Als er sie ansah, nickte sie nur. Plötzlich sah sie auf die Uhr an der Gebäudewand. „Julius, ich muß gehen. Rand wollte noch etwas mit mir besprechen. Nach den Simkämpfen morgen sehen wir uns gegen 8, frapos?" Julius sah jetzt in die Sterne und brachte jetzt nur noch ein gedehntes: „20 Uhr." heraus. „Gute Nacht, mein Sterncaptain." Damit verschwand sie. Und Julius blieb nachdenklich zurück.
14. Januar 3063 SimKomplex, Hoard
Wie erwartet, hatten sie heute mit hartem Widerstand zu kämpfen. Groald hatte die Zeit vom letzten Kampf sehr gut genutzt. Zusammen mit den ihm zugeteilten 2 Panzersternen hatte er diesmal bedeutende Vorteile auf seiner Seite. Zum Glück waren die Panzer diesmal leichtere Ausgaben als vor 2 Tagen, was sie weniger schlagkräftig, aber auch schneller machte. Diesmal war sich Julius nicht so sicher über den Ausgang der Schlacht. Momentan befand sich der Trinärstern in einer Hügelkette, Charlie Kampf hatte die Vorhut übernommen. Cassius war ein mehr als fähiger Sterncommander. Während der Absorption hatte er in einem Frontklasse- Sternhaufen Dienst gehabt und in einigen der übelsten Gefechte gegen die Blutgeister mitgekämpft. Als die Blutgeister endlich vernichtet waren, war er schon längst in einem Medozentrum gewesen. Er lag für einige Zeit in verschiedenen Krankenstationen und verlor dabei unglücklicherweise auch seine Stelle in einem Frontsternhaufen.
Eigentlich hätte er schon längst zum Sterncaptain werden können, aber auch das wurde verzögert. Nachdem nun Julius mit so jungen Jahren schon zum Sterncaptain geworden war, war es verständlich, daß Cassius Vorbehalte gegen ihn hatte. Trotzdem hatte Julius keinen Zweifel, daß Cassius jeden Befehl von ihm befolgen würde. Das hatte er schon bewiesen.
Im Moment würde es schwer werden, seinen Trinärstern aus den Hügeln zu vertreiben. Panzer waren hier eindeutig im Nachteil. Das hatte vorhin geholfen, einen der beiden Sterne zu dezimieren. Einige Wracks lagen vor den Hügeln auf der Ebene. Das war aber noch lange nicht genug, denn Julius mußte einen Sieg erringen. Wenn das nicht der Fall war, wäre das vermutlich nicht zu schlimm, aber seine Krieger würden vielleicht an ihm zweifeln. Das durfte nicht passieren.
„Charlie- Kampf, gibt es irgend etwas Neues?" „Negativ, Sterncaptain. Am Rand der Ortungsreichweite gibt es immer ein paar Bewegungen, aber so, daß nichts klares erkennbar ist." Julius war beunruhigt. Das war doch nicht Groalds Art. Er bevorzugte geradlinige Angriffe aber nichts Zögerliches. Das war ein Zeichen von Schwäche für ihn. Er mußte seine Taktik stark geändert haben, oder war flexibel genug, seine Taktik auf die Panzer abzustimmen. Julius dachte nach und überlegte sich seine nächste Aktion...
Nach 2 Stunden war alles vorbei. Offiziell galt das Ergebnis als Sieg für Julius, aber er wußte es besser. Zum Schluß standen nur noch 2 Maschinen auf dem Feld. Der Höhlenwolf und die Sturmkrähe des anderen Sterncaptains. Wäre Julius nicht wieder in das Hügelgebiet geflohen, wäre das sein Tod gewesen. So hatte er dank seiner Sprungdüsen die Sturmkrähe überraschen und abnutzen können. Eine Torsoseite des Höhlenwolf war fast komplett unbrauchbar gewesen. Diesmal hatte Groald kurz vor dem Abschuß seines Mechs aufgegeben. Das nächste Mal würde er wahrscheinlich auf der Ebene auf Julius warten. Dort würde er ihn dank seiner höheren Geschwindigkeit ausmanövrieren und abschießen können.
Der nächste Sim- Test würde nicht leichter werden, denn die Panzer spielten eine herausragende Rolle bei der Dezimierung seines Trinärsterns. Besonders die schnellen Scouts hatten für Verwirrung gesorgt. Dadurch hatten mehrere Mechs von Groald in Reichweite kommen können und zuviel Schäden angerichtet.
So war ein überzeugender Sieg in weite Ferne gerückt. Trotzdem war er stolz auf seine Krieger und ihre Leistungen konnten sich sehen lassen. Auch wenn es natürlich nur Sim- Kampf war. Normalerweise etwas für Kadetten, aber Julius hatte es trotzdem befürwortet. Auf Hoard standen sich immerhin vier Clans gegenüber. Deshalb war es kaum möglich, Gefechtsmanöver abzuhalten, ohne sich verwundbar zu zeigen. Aber wenn es in ein paar Tagen ernst wurde, würden sie mit erstklassigem Material auflaufen und jeden Gegner aus dem Feld schlagen. Julius lächelte aus Vorfreude und Stolz. In ein paar Minuten würde er mit seinen Kriegern sprechen und den Kampf gegen eine Übermacht analysieren. Danach stand wieder Kampftraining mit Maya auf dem Programm.
Julius ging durch den Hangar und roch die typische Luft. Es mußte an den Techs liegen, die den Hangar nie wirklich lüfteten. Solange sie gute Arbeit leisteten, war das Julius egal. Hier und da lagen Panzerplatten, Aktivatoren und vereinzelt sogar Omnimech- Module herum. Zweifellos nur in den Augen der Techs mit einer gewissen Ordnung.
Er war her geflogen, weil Sterncolonel Darren Gena ihn informieren wollte. Die Testgefechte Ende der Woche waren wirklich dazu da, den Sternhaufen vorzubereiten. Es sollten einige Gefechte gegen Wölfe und Höllenrösser geplant sein. Jeweils mit Elementen der 417. Wächter in Zusammenarbeit mit der 103. Natter- Garde. Auch die ebenfalls auf Hoard stationierten 11. Panzergrenadiere würden etwas dazu beitragen. Offenbar blieb nur eine kleine Einheit als Schutz bei dem Komplex. Der Sterncolonel hatte dazu keine echten Informationen geliefert, aber Julius war sich sicher, daß er bei den Angriffen teilnehmen würde. Schließlich wurden auch nicht alle Trinärsterne zum Testkampf freigemacht.
Sicher wußte er es erst wenige Tage vor dem Angriff. Während er nachdenklich durch die Halle ging, kam er zufällig in den Abschnitt seines Trinärsterns. Er würde die Gelegenheit nutzen und nach den Mechs sehen. Sein Tech, ein fast schon obszön alter Mann namens Rijkard, leistete gute Arbeit am Höhlenwolf. Er war auch gleichzeitig der ChefTech des Trinärsterns und wurde von den anderen Techs mit Respekt behandelt.
Die meisten Niederkastler hatten mit alten Personen keine Probleme, aber Julius machte es zu schaffen.
Der Tech war sogar noch älter als Galaxiscommander Jenica Turgidson. Er hatte sie erst einmal gesehen, als er seinen Dienst antrat, und hatte keinen Bedarf nach mehr. Nicht, daß sie eine schlechte Kommandeurin war, aber sie war so alt. Julius verzog das Gesicht, als er an alte Menschen dachte. Währenddessen war er am Fuß seines Höhlenwolf angekommen. Er sah hoch und lächelte stolz. Der Höhlenwolf mit seinen 100 Tonnen war der Stolz eines jeden Mechkriegers im Touman, wenn nicht bei allen Clans. Sicher gab es Piloten, die eher leichtere, schnellere Mechs bevorzugten, aber die Feuerkraft dieses Giganten, mit über 50 Tonnen Modulraum, war zu Recht gefürchtet und respektiert. Julius´ bevorzugte Konfiguration erhöhte sogar die Mobilität, durch den Einbau von schweren Sprungdüsen in den Torso. Das konnte manchmal sehr von Nutzen sein, wenn es in unwegsames Gelände ging. Und es hatte ihn gerettet, wie Groald im Sim- Kampf gesehen hatte.
Jetzt, da er wußte, daß es zu Kämpfen kommen würde, verzog er das Gesicht. Sim- Kampf war zwar gut und schön, aber es wurde Zeit für den Trinärstern, Ehre für den Clan zu erkämpfen. Das ging aber nur durch wirklichen Kampf. Dafür waren sie ausgebildet und zu einem Großteil gezüchtet worden.
Julius war ein Wahrgeborener, aus Guidice und LeFabre- Genen hervorgegangen. Die Geschko war der Stolz der Wissenschaftler gewesen und zu Recht hatten sie und die Kriegerkaste in diese Kinder hohe Erwartungen gesetzt. Julius hatte sich in der Ausbildung nicht besonders hervorgetan. Seine Kontaktfähigkeit war sogar einmal Gegenstand eingehenderer Untersuchungen gewesen. Wenn es ernst gewesen wäre, hätte er vielleicht ausgesiebt werden müssen. Ein schrecklicher Gedanke! Eine Funktion in einer niedrigeren Kaste! Und doch waren so viele seine KoGeschwister ausgesiebt worden. Julius war fähig und intelligent genug gewesen, um bis zum Positionstest ausgebildet zu werden. Der Positionstest war die ultimative Prüfung für einen Kadetten in den Clans. Und Julius hatte die Hoffnung seiner Blutlinien bestätigt. Mit einem gelungenen taktischen Manöver hatte er 3 Gegner abgeschossen und wurde somit zum Sterncaptain befördert. Diese Leistung war recht selten, so daß der Bluthausführer des LeFabre- Bluthauses ihm anschließend seinen Glückwunsch übermittelt hatte. Julius durfte das als Auszeichnung werten, denn so etwas war sonst kaum üblich. Sechs weitere Kadetten aus seiner Geschko waren ebenfalls bis zum Positionstest gelangt. Nur einer hatte versagt. Anya aus seiner Geschko diente jetzt in seinem Sturm- Stern. Sie hatte einen Abschuß geschafft. An den Kontrollen ihres Kriegshammer IIC war sie etwas besser als er selbst. Aber nach dem Test hatte sie noch weniger mit ihm zu tun, als davor. Julius erklärte sich das mit dem Rangunterschied und den verschiedenen Verantwortungen, die sie beide zu tragen hatten.
Er nahm sich vor, wieder etwas Kontakt aufzubauen, wenn sie es wollte. Nachdem er sich noch einmal im Hangar umgesehen hatte, klopfte er noch einmal auf den mächtigen Fuß des Höhlenwolf und ging dann zum Raumhafen. Er würde mit einem Shuttle zurückfliegen. Das sparte ihm einige Stunden.
Anschließend informierte er seine Offiziere und trainierte mit Maya bis in die Nacht.
16. Januar, Hoard
Als sich die Sim- Kapsel öffnete, stieg ein verärgerter, frustrierter Sterncaptain aus. Diesmal hatte Groald gesiegt. Aber wie kam das? Kopfschüttelnd ging Julius an den geöffneten Kapseln seiner Leute vorbei. Bloß schnell in die Dusche! Aber selbst nach einer halben Stunde unter abwechselnd heißem und kalten Wasser konnte er es nicht glauben.
Groalds Trinärstern hatte sie zerlegt. Zwar hatte der schwere Panzerstern sie abgelenkt, aber Bravo und Charlie hätten damit fertig werden müssen. So war Alpha Sturm allein in die 15 Battlemechs der 312. gerannt. Zuerst hatte es Grant erwischt. Nur die schwere Panzerung von Julius´ Höhlenwolf hatte verhindert, daß er als zweiter ausgeschaltet wurde. Dann ging Wills Fallbeil IIC zu Boden, gefolgt vom Kriegshammer IIC von Mike. Als Julius gesehen hatte, daß zwar die Panzer erledigt, aber seine beiden Sterncommander auch ausgeschaltet worden waren, wurde sein Gyroskop beschädigt, und er mußte mit ansehen, wie Anyas Mech gemeinschaftlich zerlegt wurde.. Durch die schiere Masse der Gegner und den Einsatz von Störsendern hatten sie zu viel Zeit bei der versuchten Koordination verloren. Der feindliche Trinärstern hatte nur 4 Mechs Verluste gehabt, bevor er den Rest der beiden Kampfsterne vom Feld fegte. Anschließend flohen die beiden letzten Mechs. Der Frostfalke von Mona und Rands Bluthund. Da hatte Julius seine Aufgabe bestätigt. Er mußte den Erfolg von Groald eingestehen und abhaken. Aber es durfte sich so nicht wiederholen, das war ihm klar. Als er im Besprechungsraum angekam, waren die meisten Mitglieder schon da. Charlie- Kampf kam fast gleichzeitig mit ihm an, geführt von Cassius. Dann konnte es ja jetzt losgehen mit der „Besprechung". Julius würde heute niemanden schonen, auch sich selbst nicht..
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Müde und zerschlagen lag Julius auf seiner Koje. Maya hatte ihm nach dem Training einen Ruhetag empfohlen. Aber erst nachdem sie ihm mehrere harte Kopf- und Körpertreffer verpaßt hatte. Glücklicherweise hatte er einen Kopfschutz getragen und sogar ein, zwei gute Treffer anbringen können. Allerdings hatte Maya höchstens ein blaues Auge zu befürchten. Julius dagegen schmerzte es praktisch überall. Er grinste bei dem Gedanken an das Bild, das er gerade abgab. Das entsprach nicht gerade dem, was seine Ausbilder über die GeschKinder als Krieger gasagt hatten: „Ein Sternennatterkrieger gehört zu den besten Kriegern im bekannten Universum. Er gestattet sich keine Schwächen!" So ähnlich hatte es wohl geheißen. Nachdenklich betastete er seine geschwollene Unterlippe. Das Sprechen würde ihm morgen vermutlich schwerfallen.
Die Besprechung hatte letztlich ergeben, daß Groald eine Variante der Teilungsstrategie angewandt hatte. Dabei hatte das Gelände den schwereren Trinärstern Julius´ sogar bevorzugt. Allerdings waren die Panzer auf kurze Entfernung mehr als nur gefährlich gewesen.
Vermutlich waren sie alle schon an Siege gewöhnt, und hatten die Bedrohung durch die Kommunikatorstörung unterschätzt. Vor allem natürlich Julius. Als Kommandeur mußte er sich mangelnden Überblick vorwerfen lassen. Glücklicherweise hatten sie noch etwas Zeit, bevor die Testgefechte begannen, aber dabei durften sie sich natürlich nicht so etwas erlauben.
Allerdings, er runzelte die Stirn, es war nicht mehr so lange bis zum Gefechtstest; nur noch 2 Tage. Morgen und übermorgen intensives Training, oder besser übermorgen noch Theorieübungen für die unerfahreneren. Vielleicht unter der Anweisung von Cassius. Dann war er abgelenkt und Julius könnte von einigen Hinweisen des älteren Sterncommanders profitieren. Er nickte. Besser gesagt, er versuchte es, denn es schmerzte, und so ließ er es lieber. Nach einigen Minuten sinnlosen Nachdenkens über die heutige Lektion schlief er erschöpft ein.
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Hoard
Der 100 Tonnen schwere Höhlenwolf von Sterncaptain Julius rannte mit Höchstgeschwindigkeit über die vereiste Tundra auf der Nordhalbkugel Hoards. Er hatte im Kampf gestanden und hatte versagt. Jetzt jagten sie ihn. Wie einen räudigen Schakal! Sein Trinärstern war in einem Hinterhalt der Wölfe vernichtet worden. Was mit den anderen Einheiten seines Clans los war, wußte er nicht. Sämtliche Frequenzen waren gestört. Und nun rannte er angeschlagen über Sturm gepeitschtes Gebiet. Vor 3 Minuten hatte er das zuletzt Radarkontakt mit den Wölfen gehabt. Stravag! Sein Kommando erledigt und er selbst auf der Flucht. Das durfte nicht sein! Was tat er hier? Auf der Stelle hielt er seinen Kampfkoloß an und wendete. Er würde wie ein Krieger sterben, und nicht auf der Flucht. Selbst wenn er entkam, würde er bestenfalls Solahma werden. In der Hoffnung, daß ihn jemand hörte, öffnete er nun den Breitbandkanal: „Hier spricht Sterncaptain Julius von den Sternennattern, Kappa Galaxis, 417. Natterwächter. Ich fordere den Kommandeur der Wolf- Einheiten zu einem Kreis der Gleichen." Nach einigen Minuten hörte er die spöttische Stimme von Ygrane Fetladral, Kommandeur der Wolf- Einheit: „Vergiß es, Schlange. Du bist Unblut und eine Schande selbst für Deinen Clan. Ich gewähre Dir die Gnade eines ehrenvollen Todes. Und nun: stirb!" Damit war der Kanal geschlossen. 2 Jäger rasten heran. „Stravag!" Er brachte die Arme des Höhlenwolfs hoch und versuchte, beide Jäger anzuvisieren. Immerhin traf ein schwerer Impulslaser. Der Höhlenwolf wurde schwer durchgeschüttelt, als das kombinierte Feuer der Jäger auf die Panzerung traf. Der rechte Arm wurde komplett zerstört und die Panzerung überall am Mech zerschmolz zu flüssiger Schlacke, während das überlastete Gyroskop den Mech zum Fallen brachte. Mehrere Warnlampen waren aufgeflammt, als Julius den Mech wieder hochbrachte, nur um zu sehen, wie 3 Sturmklasse- Omnimechs auf ihn zustürmten.
Einen erkannte er als Henker. Wild feuerte er auf das Trio, das ebenfalls das Feuer eröffnete. Nach einigen Sekunden aussichtslosen Gefechts sah Julius nur noch, wie der 95 Tonnen schwere Henker auf sein Cockpit zustürzte...
17. Januar, Hoard, frühmorgens
Ein energisches Klopfen an die Tür weckte den jungen Sterncaptain. Er mußte verschlafen haben. Als Julius aufstand, um zur Tür zu gehen, versuchte er die verschiedenen Schmerzen zu unterdrücken, die sein Körper meldete. „Sterncaptain, hier ist Sterncommander Maya. Wir hatten uns doch für Ausdauertraining verabredet. Bist Du wach?" Sie klopfte weiter. Nach einer scheinbaren Ewigkeit war Julius an der Tür angekommen und öffnete. „Ich bin wach, Maya. Wenn Du gestattest, dusche ich schnell. Ich habe gestern abend nichts mehr zustande bekommen." Ohne ein weiteres Wort ging er, sehr langsam, zur Duschkabine. „Dir auch einen guten Morgen," spottete Maya mit einem Kopfschütteln.
Als sie das Wasser hörte, die einzelne Duschkabine war eine der Privilegien des Sterncaptains, kam sie hinein. Sie wußte zwar, daß sie ihn gestern hart angegangen war, aber es war nicht die Erklärung für sein Verschlafen. Vielleicht machte ihm die Simulator- Niederlage zu schaffen. Sie zuckte mit den Schultern und räumte ein wenig am Holovidgerät herum. Eines der wenigen luxuriösen Geräte des Sterncaptains, von denen sie wußte. Mehr gab es im Raum auch nicht, außer einem Schrank für Kleidung und Ausrüstung. Nirgendwo ein Bild oder irgend etwas, das die Atmosphäre auflockerte. Und bei den Holodisks fand sie nur taktische Simulationen, militärische Bücher und - Analysen. Kopfschüttelnd stapelte sie die Discs und setzte sich aufs Bett. Sie selbst hatte wenigstens einige Bilder an der Wand, die von ihr gemalt waren. Vielleicht würde sie ihm einmal eines schenken. Ihre Kunstfertigkeit beschränkte sich zwar auf abstrakte Farbkompositionen und Übungen im Landschaftsmalen, aber das war auf jeden Fall besser, als solche kahlen Wände. Sein Raum in der Basis war nicht unbedingt schöner. Alle Krieger wußten, daß ihre primäre Aufgabe die Vorbereitung auf den Kampf war, aber in nahezu jedem Clan wurde eine Beschäftigung mit grundsätzlich anderen Dingen als nützlich angesehen. Das beste Beispiel waren sicher die Geisterbären, die ihr „großes Werk" in den jeweiligen Lebenslauf eines jeden Kriegers integriert hatten. Julius mußte doch auch einmal abschalten können? Andererseits war er nicht umsonst schon Sterncaptain. In ihre sich zunehmend um Julius kreisenden Gedanken trat derselbe und unterbrach sie. „Maya? Können wir jetzt los?"
Einen Augenblick sah sie ihn an, bevor sie zustimmte. Dann gingen sie nach draußen. Sie würden ausschließlich Ausdauer- und etwas Krafttraining durchführen, denn Julius war momentan nicht in der Verfassung für weiteres Kampftraining. Niemand von beiden wollte, daß er in den nächsten Tagen zu sehr mit seinem Körper beschäftigt war, um sich auf sein Kommando konzentrieren zu können.
18. Januar, Hoard, abends
Der Trinärstern hatte die letzten Stunden des Tages für Selbststudium frei bekommen. Julius und Maya saßen auf ihrem Platz vor den Hallen und sahen in den Abendhimmel. Die Luft war von einem kurzen Platzregen gereinigt worden und roch angenehm. Es war mildes Wetter, und langsam begannen die Sterne und Galaxien zu leuchten. Am Horizont, wo die Sonne des Systems gerade untergegangen war, sah man ein kräftiges rot, das immer dunkler wurde. Das gestrige Training und das der letzten Tage hatte beiden gut getan und Julius spürte, daß er besser in Form kam. Zum Glück hatte er eine erfahrene Kriegerin an seiner Seite, die ihm half, das Trainingspensum durchzuziehen. Nach den Manövern könnte er vielleicht sogar Grant einspannen und einen Trainingskampf mit ihm veranstalten.
Er sah zu Maya hinüber, die mit irgend etwas beschäftigt war. Sie beugte sich im Sitzen über einen weißen Bogen und hatte verschiedenfarbige Kreiden neben sich zu liegen, von denen sie immer wieder einige auswählte. Sie schien zu malen. Julius wußte von ihr, daß sie neben ihrem Kampftraining und dem Kommando ihres Sterns noch etwas anderes tat, aber er hatte bisher nur schwammige Informationen darüber gehabt. In ihren Daten stand nichts darüber. Er vermied es, zu lächeln, denn so etwas tat man doch nicht als Krieger. Das hatte er einmal früher in der GeschKo auch gemacht. Und später, als sie ihre Kampfmaschinen näher kennen lernten, mußten sie technische Zeichnungen anfertigen, aber er hatte das nie gemocht. „Du hast mir nie gesagt, daß du malst, Maya." Sie sah wieder in die Abendsonne und schien etwas zu suchen. Dann antwortete sie, während ihre Kreide schnell über den Bogen schabte. „Ich hielt es nicht für nötig, Julius. Aber ich tue das schon seit meiner GeschKo." „Ich male SEIT meiner GeschKo nicht mehr.", scherzte er. „Macht dir das Spaß?" Er wollte herausfinden, warum sie das tat, was sonst nur Kinder machten.
Sie sah wieder in den Sonnenuntergang: „Sonst würde ich es nicht tun. Es beruhigt mich. Vor allem, wenn ich zu viel im Kopf habe."
Julius antwortete nicht, sondern sah ebenfalls dort hin. Das war doch ein ganz normaler Sonnenuntergang?
Er sah auf ihren Bogen, das mußte entweder Papier sein, oder eine spezielle Folie. Sie hatte verschiedenste Rottöne aufgetragen und mischte leichtes grün, blau und violett hinein. Am unteren Rand, das mußte der Horizont sein, wurde es noch heller und danach braun bis schwarz. Es sah interessant aus. Aber für ihn war das nichts, oder vielleicht doch? Er war ein Krieger, ein Sterncaptain und hatte wichtigeres zu tun, als zu malen. Er zuckte mit den Schultern, es würde ihn jetzt nicht stören.
Nach einer Weile der Stille sprach er wieder:
„Morgen früh verlegen wir zur Basis. Dort werden wir erfahren, wie wir eingesetzt werden, Maya." Sie antwortete mit einem Nicken, sagte aber nichts. Sie war in ihr Schaffen vertieft. Julius verspürte Ungeduld bei sich. Das kannte er schon. Es war vor jedem Kampf so. Seine Ausbilder hatten das Thema kurz angerissen und erklärt, daß es einerseits hilfreich war, andererseits aber auch zu schweren Fehlern führen konnte, wenn man sich zu eifrig in den Kampf stürzte. Aber es würde ihn nicht behindern.
Es wurde Zeit, sich auszuruhen. Morgen war ein harter Tag, gefolgt von noch mehr harten Tagen. Julius verabschiedete sich und ging. Maya saß immer noch da und malte.
19. Januar, Hoard, 9.30
Der Flug dauerte nicht übermäßig lange. Die meiste Zeit hatte, nach Julius´ Empfinden, die Vorbereitung und das Beladen der Fähre in Anspruch genommen. Er hatte es überwacht und mit Wohlwollen gesehen, daß die Krieger ihre, zugegeben, leichte Ausrüstung selbst hinein trugen. Das mochte auch daran liegen, daß es zu wenig Arbeiter im Sim- Komplex gab, die diese Aufgabe übernehmen konnten.
Auf dem Raumhafen war einiges los. Mehrere Landungsschiffe waren angekommen und es wurde anscheinend einige Trinärsterne ausgebootet. Als die Fähre landete, konnte er die Einheitsinsignien erkennen. Es war die 103. Nattergarde. Eine der wenigen neueren Einheiten im Touman. Der Sternhaufen mit dem Beinamen „Spreelanciers" war seit seinen harten Kämpfen auf Diana gegen die Feuermandrille bekannt für seine großartigen Kampffähigkeiten. Jeder seiner Krieger galt als speziell ausgewählt und hervorragend ausgebildet. Das mußte unbedingt mit einem bevorstehenden Kampf zusammenhängen. Julius wußte nicht, ob seine Krieger das auch errieten, aber seine Aufregung über seine Erkenntnis schien ihm offensichtlich. Wenn Maya ihn jetzt ansähe, würde sie sicher Bescheid wissen. Immerhin kannte sie ihn schon etwas besser und hatte auch einen gewissen Überblick über die Lage, ebenso wie Cassius.
Der Planet Diana ließ Julius in Gedanken versinken. Dort befand sich die so genannte „Botschaft" des „Sternenbundes". Auf Diana hatte eine Expeditionsgruppe die Nebelparder angegriffen. Es war kaum zu glauben, daß die Parder sie dort nicht vertrieben hatten. Im Gegenteil: in der Besatzungszone jagten die vereinten Armeen der Nachfolgerfürsten die Nebelparder bis hierher zurück und zerschlugen alles, was vom Clan der Parder noch übrig war. Dann zogen sie nach Strana Metschty, dem Heiligtum aller Clans und forderten einen Widerspruchstest gegen die Invasion! In einem Kampf von je 12 Mechs gegen einen Binärstern jedes Kreuzritterclans siegte die Innere Sphäre! Nur zwei der Clans die dort kämpften, Sternennattern und Jadefalken, waren siegreich. Mit dieser Schande einher ging auch der Verrat der Novakatzen, die kurz darauf abgeschworen wurden und fluchtartig die Heimatwelten verließen. Auch auf Hoard war es zu brutalen Kämpfen gekommen. Anschließend kämpften nahezu alle Clans um die Hinterlassenschaften der Nebelparder. Die Folgen der Kämpfe würden noch lange zwischen den Clans stehen.
Julius sah jetzt auf, die Fähre war leer. Er mußte auch hinaus. Dort warteten noch seine Krieger.
Spätestens jetzt erkannten sie die Bedeutung der Landungsschiffe.
Allerdings konnte Julius jetzt nichts erklären, sondern mußte zum Besprechungsraum des Sternhaufens. Die Sterncommander würden sich jetzt um den Rest kümmern. In 15 Minuten war es soweit. Er beeilte sich.
Als er ankam, saßen bis auf Sterncaptain Karina vom 6. Flugtrinärstern schon alle da. Er nickte kurz in den Raum und setzte sich, da erschien sie auch schon. Sie wirkte auch sonst oft gehetzt und ihre typisch kleine Statur als Pilotin unterstützte diesen Eindruck noch. Als sie erleichtert das Fehlen des Sterncolonels registrierte, beruhigte sie sich etwas und setzte sich neben Julius. Er selbst versuchte ruhig zu wirken und lächelte ihr kurz zu. Dann vergingen 2 Minuten bis Sterncolonel Darren Gena eintrat, gefolgt von einer anderen Offizierin, die Julius noch nie gesehen hatte. Sie war recht groß und schlank, etwas größer als Julius selbst, blond und sah recht freundlich zu den Sterncaptains hinüber, obwohl das auch täuschen konnte. Die beiden waren bis eben wohl in Gespräche vertieft, denn Sterncolonel Darren Gena löste sich von ihr und ging hinter das niedrige Pult, von wo er auch sonst immer zu seinen Offizieren und seiner Einheit sprach.
„Dies ist Sterncolonel Andarkar Keraunas von der 103. Nattergarde, die, wie einige vielleicht schon bemerkt haben, vor kurzem eingetroffen ist. Meine Offiziere, ich habe vor kurzem die Autorisation von Galaxiscommander Jenica Turgidson erhalten, die es den auf Hoard vertretenen Einheiten erlaubt, eine begrenzte Angriffsaktion zu starten. Das Ziel sind die Wölfe. Die 103. Garde hat das Gebot gegen die 11. Panzergrenadiere gewonnen und die 417. Wachen stellen aus diesem Grund mehrere Trinärsterne ab, voraussichtlich zur Unterstützung, oder zur Verstärkung des Angriffs." Waren die einzelnen Sterncaptains anfänglich sehr gespannt, so verflog dieser Eindruck sichtlich bei den letzten Worten des Sterncolonels. Kaum jemand zweifelte daran, daß die Wölfe, bei ihrer momentanen Schwäche durch den Widerspruchskrieg, ihr Gebot niedrig halten würden, was den Einsatz der 417. praktisch ausschloß. Julius blieb aber gespannt, denn auch die kleinste Chance war es wert.
„Die Wache hat uns Daten geliefert, die die 1. Wolf- Lanciers auf dem Nordkontinent vermuten lassen.
Soviel war bekannt. Allerdings haben sie offensichtlich Verstärkungen erhalten, was auf einen bevorstehenden Angriff schließen läßt. Das ist Grund genug für uns, einen Präventivschlag zu führen. Es sind 2 Trinärsterne der 103. Garde vorgesehen, um die Wölfe mit einem Batchall um einen Vorratskomplex zur Anpassung zu zwingen. Sofern sich die Wölfe daran halten, gilt Zellbrigen, natürlich nach Maßgabe des Sterncolonels. Der 11. Sternhaufen wird sich auf das Abfangen eventueller Höllenrösser- Übergriffe vorbereiten, während 2 bis 3 Trinärsterne meiner 417. Wache jeweils absichern, bzw. den Angriff mitgestalten, wenn die Wölfe mehr als das Äquivalent zur 103. Bieten wollen. Der Rest bleibt hier auf Toolan und schützt weiterhin den Komplex. Das mag niemandem gefallen, aber es ist wichtig." Er machte eine kurze Pause, in der er die einzelnen Sterncaptains kurz ansah.
„Ab Morgen beginnt das angekündigte Manöver verschiedener Trinärsterne," „Wir sind auch dabei, Sterncolonel, wenn sie gestatten." Die blonde Kommandeurin der 103. Garde unterbrach den kleineren Kommandeur von Julius. Dieser stockte kurz, das war wohl eine kurzfristige Entscheidung, und nickte dann langsam. „Das wird die teilnehmenden Einheiten gewiß anspornen." Julius war erfreut. Es bot ihm eine willkommene Gelegenheit, gegen einen der härtesten Sternhaufen des Clans anzutreten und eine Kostprobe seines Könnens abzuliefern. Wenn sich seine Krieger anstrengten, bestand auch eine gute Chance, zu den abgestellten Einheiten zu gehören, und vielleicht wieder einen Kampfeinsatz mitzumachen. Als hätte der Sterncolonel seine Gedanken gehört, fügte er hinzu: „Die Einheiten, die am besten abschneiden, werden bevorzugt für den Einsatz in Betracht gezogen. Alle relevanten Daten werden auf die Computer der Führungsmechs übertragen. Vorgesehen für die Übung sind die Trinärsterne 2 bis 5. Voraussichtlich werden wir auf Jägerunterstützung verzichten." Karina neben Julius schnaufte bei der letzten Bemerkung und verschränkte beleidigt die Arme. Er konnte sie ja verstehen, aber der Sterncolonel, wie viele andere Krieger im Touman, folgte der Doktrin, die den Omni-, oder Battlemech an die Spitze des Kampfe stellte. Er selbst führte als etwas größerer Luft/Raumpilot einen der monströsen Hydaspes. Kaum jemand aus dem Sternhaufen konnte ihm gefährlich werden. Er hatte, was das anging, schon oft bewiesen, daß er ebenso gefährlich außerhalb seines Jägers, wie auch innerhalb seines 95 Tonnen Monstrums war.
Darren Gena blickte in die Runde: „Gibt es noch etwas, meine Offiziere? Nein? Dann erwarte ich von allen Beteiligten, daß sie sich ehrenhaft und wie in einem echten Gefecht verhalten. Die Gefechtsroms werden von mir und Sterncolonel Keraunas ausgewertet. Es zählt der Sieg und nicht weniger. Habt ihr alles verstanden, frapos?" Geschlossen antworteten die Sterncaptains „Pos, Sterncolonel."
Die Sterncaptains standen auf, als die beiden Sterncolonels den Raum verließen. Dann löste sich die Versammlung auf.
12. 05 Uhr Besprechungsraum
„Nun wißt ihr Bescheid. Gibt es Fragen?" Julius sah gespannt in die Runde seiner Krieger. Er sah bei fast allen eine gewisse Erwartung. Aber vor allem Cassius wußte sich zu beherrschen. Maya sah ihn mit leichtem Lächeln an, ihr Verhältnis konnte man in der letzten Zeit als freundschaftlich bezeichnen. Niemand sagte etwas. Dann konnte er sich ja wieder setzen. „Sterncaptain?" Das war Cassius. „Kann ich davon ausgehen, daß wir bei den Kämpfen dabei sein werden, frapos?" Julius´ Miene war nichtssagend, jedenfalls hoffte er das, als er kurz nickte. „ Pos, Sterncommander. Wir können der beste Trinärstern der 417. sein, wenn wir alles geben. Ich werde mein bestes tun, um bei dem Angriff dabeizusein. Von allen anderen erwarte ich das selbe. Verstanden?" Seine Stimme war lauter geworden, als er die letzten Worte aussprach. „Pos, Sterncaptain." Das klang nach den meisten Kriegern des Trinärsterns. Die Krieger waren entlassen und entfernten sich, während Julius noch etwas nachdachte.
Cassius´ Frage war überflüssig gewesen. Selbstverständlich wollte Julius am Angriff teilnehmen.
Er hatte sich fast einen Fehler geleistet. ‘Behalte die Kontrolle.’ dachte er. Fast hätte er geschrien und das war nicht gut. Hoffentlich passierte das nicht noch einmal.
Er schnaufte und ging zum Hangar, wo die Mechs standen. Es mußten alle Systeme kontrolliert werden, damit für morgen alles fertig war. Alle anderen Krieger waren auch schon dabei. Das war gut. Er sah Tessa, Jason und auch Grant an seiner Kesselbrut; sie alle hatten viel zu tun. Auch Julius. Rijkaard befand sich am linken Hüftgelenk des Höhlenwolf und führte seine Diagnosen durch. ‘Zuverlässig wie immer.’ dachte Julius; trotzdem überlegte er auch, daß es eine Leistungshöchstgrenze für alte Niederkastler geben müßte, er würde das noch prüfen.
„Rijkaard, mein Cheftech, wie läuft die Arbeit?", sprach er ihn an. Wie so oft, verschwendete dieser keine Zeit an Blickkontakt oder andere Höflichkeitsfloskeln. Julius konnte von oben nur ein leises Grunzen vernehmen. Dann knarzte die kräftige Stimme: „Es verläuft planmäßig, Sterncaptain. Keine Probleme." Mehr kam nicht. Julius wußte, daß er noch mehrere Diagnosen und Testreihen mit ihm fahren mußte, deshalb begann er den langsamen Aufstieg am Höhlenwolf.
19. Januar abends, Trainingshalle
Der Geruch jahrelangen Trainings unzähliger Krieger und die Geräusche der gerade Trainierenden erfüllte die Trainingshalle, worin mehrere Krieger der 417. Natterwache und anderer Einheiten ihr Training abhielten.
Unter ihnen waren Julius und Maya, die sich in einem Ring seit einer halben Stunde bearbeiteten. Diesmal hatte Julius taktisch besser gearbeitet. Maya war schon etwas verschwitzt, aber Julius war, auch dank seines Kopfschutzes, noch recht frisch.
Heute konnte er vielleicht zeigen, daß er etwas gelernt hatte.
Julius war zu sehr mit Maya beschäftigt, deshalb sah er nicht, wie mehrere Krieger des 4. Trinärsterns unter Führung ihres Sterncaptains Deacon, einem kampfgezeichneten 27 - jährigen Krieger, die Trainingshalle betrat. Als er Julius mir Kopfschutz sah, grinste er böse und sprach laut: „Was muß ich sehen? Sterncaptain Julius trainiert mit Kopfschutz. Ist das eines Kriegers würdig?"
Maya brach ihre eben gestartete Attacke auf den Körper ab, damit Julius etwas entgegnen konnte. Sie beobachtete ihn dabei.
Er selbst keuchte und schwitzte leicht, als er antwortete: „Wenn Du auch solche Schläge abbekommen würdest, Deacon, würdest Du alles tun, um Deinen Kopf zu schützen." Bei sich dachte er: ‘Vielleicht aber auch nicht.’ Deacon hatte vermutlich die Fähigkeiten, um auf einen Kopfschutz zu verzichten. Er hatte auch schon zwei Mal am Blutrecht teilgenommen, war aber gescheitert. „Ach ja?" fragte er etwas schärfer. Seine Narbe, die von der linken Schläfe bis zum Mund reichte wurde weiß, als er die Zähne fletschte. Julius blieb ruhig, als er antwortete, seine Lider dabei halb geschlossen. „Positiv. Aber ich will Dich nicht von Deinen Übungen abhalten, Deacon. Und ich muß auch weiter trainieren." Der Angesprochene nickte amüsiert. „Nun gut, Julius, vielleicht kann ich ja einmal Deine Fähigkeiten auf die Probe stellen. Also übe gut." Julius nickte ebenfalls. „Wir werden sehen Deacon.." Die anderen fingen jetzt an zu trainieren und auch Julius ging wieder in Position. Da kam Maya auch schon angesprungen..
Nach dem Training, daß er diesmal recht gut überstanden hatte, sah man von einem üblen Bluterguß auf seinem Brustkorb ab, sah sich Julius die Daten der 103. Garde an. Alle Einheiten besetzt mit Kriegern bester Qualität und Herkunft. Ah, der Trinärstern Gamma wurde von Raimund LeFabre angeführt. Er gehörte zum gleichen Bluthaus wie Julius. Das war einen Besuch wert. Julius beschloß, morgen nach dem Manöver den Sterncaptain aufzusuchen. Das konnte ihn nur voranbringen.
Die anderen Namen sagten ihm nichts, außer, daß mehrere Krieger von den Felsgräber- Blutlinien abstammten.
Und ein Jerome Osis führte die Supernova Alpha. Der mußte Isorla aus dem jetzt vernichteten Nebelparderclan sein, denn sein Blutname war von diesem Clan eifersüchtig gehütet worden. Es war kaum vorstellbar, daß diese Gene an einem Besitztest teilgenommen hatten. Interessant. Julius war gespannt auf den morgigen Tag, deshalb ging er noch einmal einige Standard- Taktiken durch, bis er zu müde war, um noch etwas zu begreifen. Dann ging er schlafen.
20. Januar, Manövergelände
Der komplette Trinärstern unter Julius´ Kommando marschierte auf die Griffberge zu. Diese lagen relativ weit östlich auf dem Kontinent und erhöhten sich stetig zu ihrem Zentrum. Sie erinnerten entfernt an eine gigantische Hand, die sich in den Himmel streckte. Die ersten hundert Meter der Steigung waren für BattleMechs noch begehbar, dann, ab 500 bis 1000 Metern Höhe, war es nur noch Infanterie und Elementaren möglich, sich schadlos fortzubewegen.
Der 2. Trinärstern der 417. Wächter hatte immerhin eine Nova. Damit war er Julius´ Trinärstern zahlenmäßig um 25 Elementare überlegen.
Auch die durchschnittliche Tonnage der Mechs lag etwas höher. Angesichts der Tatsache, daß auch der 2. Trinärstern „unehrenhafte" Kampftaktiken übte und verwenden konnte, würde das mit Sicherheit hohe Verluste mit sich bringen.
Irgendwie mußten sie versuchen, wenigstens einen Teil der BattleMechs herauszulocken, und sie schnellstmöglich auszuschalten.
Der Teufelsdrache von Tessa mit seinen 2 leichten Ultra- Autokanonen war dafür wohl am ehesten geeignet. Er konnte die meisten der gegnerischen Mechs auf weitere Entfernung beschädigen und so vielleicht zum Angriff provozieren.
Der Rest würde in einem gewissen Abstand warten und wenn Tessa Erfolg hatte, würden sie heranstürmen und ihre zahlenmäßige Übermacht zum Tragen bringen.
***
Teilweise hatte es geklappt. Sterncaptain Douglas McMillan war mit zwei Sternen allerdings in Deckung geblieben, während einer seiner schweren Sterne herausgestürmt war. Gleichzeitig hatten Elementare die linke Flanke und somit Mayas Kampfstern überflutet.
Dann war der Rest des Trinärsterns hinaus gestürmt und hatte die Verwirrung gut genutzt.
Alles in allem war es fast ein Lehrstück für Julius gewesen. Aber eben nur fast. Trotzdem alle Umstände gegen Julius gesprochen hatten, hatte sein Trinärstern gewaltige Schäden angerichtet. Von den Elementaren hatten weniger als 5 überlebt und der feindliche Trinärstern bestand auch nur noch aus 6 Mechs. Alle waren beschädigt.
Natürlich war Julius nicht zufrieden damit, daß er verloren hatte, aber gegen Sterncaptain Douglas McMillan, der schon gegen die Blutgeister während der Absorption der Felsgräber, und die Novakatzen hier auf Hoard wichtige Operationen erfolgreich durchgeführt hatte und auch in der besseren Position gewesen war, hätte auch ein besserer Trinärstern ohne weitere Unterstützung nicht viel besser abschneiden können. Sterncolonel Darren Gena hatte das Ende des Manövers des heutigen Tages nach der Niederlage von Julius angeordnet. Jetzt rückten unzählige Techs und Arbeiter mit Bergefahrzeugen aus und einige Mechs, die nicht sofort in den Hangar mußten, halfen ihnen bei den Aufräumarbeiten.
Vom 3. Trinärstern waren nur noch 12 Mechs bewegungsfähig und konnten aus eigenem Antrieb in den Hangar zurückkehren. Julius schüttelte den Kopf, als er aus dem Cockpit seines Höhlenwolf auf das Schlachtfeld sah. Die kombinierte Feuerkraft des 2. war nicht schön, aber effektiv. Überall lagen Panzerungsreste, -splitter und sogar 3 Gliedmaßen von Mechs herum, obwohl alle Waffen gedrosselt waren, oder Phantomgeschosse ausspuckten. Die allen Kampfmaschinen aufgesetzten, untereinander vernetzten Manövercomputer wandelten dann die Daten in Schadenssimulationen um. Trotzdem blieben die Waffen potentiell tödlich, nur so konnte man eine Schlacht einigermaßen realistisch gestalten. Die Clans verwendeten dieses System praktisch seit Beginn ihres Bestehens. Nur so war garantiert, daß die Krieger möglichst kampffähig blieben, ohne zu sehr gefährdet zu werden. Es kam allerdings immer wieder vor, daß Krieger dabei verletzt wurden. Julius war deshalb jedes Mal froh, es ohne Probleme überstanden zu haben. Es konnte kaum etwas traurigeres geben, als im Manöver zu sterben. Wie es schien, gab es bei dem gesamten Manöver keine ernsthaft Verletzten. Das war gut und es blieb zu hoffen, daß es auch so blieb. Er marschierte zu den Hangars aber kam nur langsam voran.
Nachdem er den Höhlenwolf im Hangar abgestellt hatte, neben den Panzerungsreparaturen mußte das Gyroskop , wie auch einige Waffenkupplungen rekalibriert werden, ging er in den Besprechungsraum des Sternhaufens, um sich die Auswertung anzuhören. Heute hatte der Sternhaufen nur intern geübt. Morgen würden dann auch die anderen Trinärsterne von der 103. in das Manöver eingreifen.
Als er zum Besprechungsraum kam, war Sterncaptain Douglas McMillan schon dort. Er sah Julius ernst an. Nach einer Weile nickte er ihm zu und begab sich hinein.
Julius folgte ihm. Er war nicht unzufrieden mit der Leistung seines Trinärsterns. Aber ärgerlich waren Niederlagen immer für ihn.
Alle anderen Sterncaptains saßen schon und warteten auf Sterncolonel Darren Gena und seinen Adjutanten, der die Hauptaufgabe bei der Auswertung der Kämpfe zu übernehmen hatte. Sterncolonel Andarkar Keraunas war diesmal nicht dabei.
Nach der Besprechung wollte Julius schnellstmöglich mit Sterncaptain Raimund LeFabre zusammentreffen und anschließend mit Maya trainieren, aber Sterncaptain Douglas MacMillan fing ihn vorher ab. „Julius, warte kurz. Ich würde gerne noch mit dir sprechen." Der Angesprochene nickte nur und wartete auf die nächsten Worte. Dabei versuchte er, sich seinen Unwillen nicht anmerken zu lassen. Es war ihm gar nicht recht, jetzt noch aufgehalten zu werden, aber ein Blutnamensträger hatte immer Gehör verdient. Der Sterncaptain schien Julius´ Angespanntheit nicht zu bemerken.
„Wie der Sterncolonel in der Besprechung schon erwähnte: Dein Ansatz war gut. In einer echten Schlacht allerdings würde ich dir raten, auf Verstärkungen zu warten, ansonsten hast du keine Chance," dozierte der ältere und größere Sterncaptain. „Verstehe mich nicht falsch, in deiner Lage hätte ich wahrscheinlich auch so gehandelt, auch wenn die Möglichkeit bestand, die Verteidiger etwas auseinanderzuziehen, oder zu umgehen."
Julius nickte nur. Er hatte während der Besprechung auch diese Möglichkeiten erkannt, aber in einer Schlacht abzuwarten entsprach nicht seiner Art, vor allem, wenn er eine Schwäche des Gegners ausgemacht zu haben glaubte. Natürlich würde er das niemals erwähnen, vor allem nicht vor Douglas McMillan.
„Ich danke dir für deinen Rat, Sterncaptain. Jedoch muß ich jetzt gehen. Beim nächsten Mal wird mein Trinärstern siegreich sein." Er nickte dem jetzt lächelnden Sterncaptain steif zu und machte sich auf den Weg zu den Quartieren der 103.Nattergarde. Diese lagen recht weit vom „Zentrum" entfernt, wie das wuchtige Kommunikations- und Kommandogebäude auch genannt wurde, so daß er eine längere Strecke zu Fuß gehen mußte. Der Verkehr durch die niederen Kasten hielt sich in Grenzen. Vor allem Radfahrzeuge transportierten Material in verschiedene Teile der Stadt.
Nach mehreren Minuten schnellen Marsches kam er vor dem Hauptquartier des 103. Sternhaufens an. Hier war noch viel Betrieb, obwohl er wußte, daß nicht der gesamte Sternhaufen im System und damit auf Hoard war. Trotzdem wurde hier an Terminals gearbeitet, Technik herangeschafft und installiert; es schien, als ob eine ganze Galaxis von hier aus geführt werden sollte.
Der 103. Sternhaufen war offenbar bestens auf die Aufgaben, die ihm gestellt wurden, vorbereitet.
Nachdem er sich kurz die Gegebenheiten angesehen hatte, ging er durch den Haupteingang.
Anhand der Symbole konnte er sich orientieren, und sah, daß der Trinärstern des Sterncaptains in den Räumen vor ihm untergebracht war. Er sah hinein, es war nichts zu sehen, außer modularen Wohneinheiten mitsamt Spinden für die Krieger.
Als ihm die Suche zu lange dauerte, fragte er einen der Arbeiter, die wohl für die Einrichtung zuständig waren, wo die Offiziere des 103 im Moment wären. Er erhielt den Tip, in den Hangars vorbeizuschauen, dort wären meistens Krieger des 103. anwesend, solange noch die Mechs rekalibriert wurden.
Julius nickte dem Arbeiter, einem kleinen, aber extrem breiten Mann zu und ging dann zum Hangar.
Das nächste Mal würde er sich vorher anmelden, sonst würde er wieder ewig suchen müssen.
Im Hangar angekommen, suchte er nach den Insignien der 103. Garde. Da waren sie. Er sah einen massiven Henker, der mit 95 Tonnen unwesentlich leichter als Julius´ Höhlenwolf war, aber dafür etwas schneller. Es schüttelte ihn kurz, als er an seinen letzten Traum dachte.
Daneben stand eine Kesselbrut und eine Nova, gefolgt von einem Geierfalk, einem von Clan Jadefalke entwickelten Omnimech von 75 Tonnen. Das war für Julius ein seltener Anblick. Es gab zwar einige von ihnen im Touman, aber Julius hatte hier noch keinen gesehen. Er trat näher, um ihn sich besser ansehen zu können.
Ein schöner Omni. Oben schien ein Tech am Cockpit zu arbeiten. Er würde schon gern im Cockpit sehen, was dort anders wäre als bei dem doch viel älteren Höhlenwolf. Am rechten Bein war ein Aufzug, mit dem käme er nach oben. Als er die Hand ausstreckte hörte er eine tiefe Frauenstimme: „Was soll das? Was suchst du hier?" Er zuckte zurück und drehte sich um.
Wie erwartet, war es eine Kriegerin. Er konnte ihren Namen auf ihrer Uniform erkennen. Mechkriegerin Maria. Ob das ihr Mech war?
In seinem besten Befehlston gab er zurück: „Mäßige deinen Ton, Mechkriegerin Maria. Ich suche Sterncaptain Raimund LeFabre."
Sie schien beruhigt zu sein und antwortete: „Du bist hier bei Kampfstern Beta, Supernova Beta. Der Sterncaptain, den du suchst findest du weiter im Hangar bei Trinärstern Gamma, Kampfstern Gamma. Aber was wolltest du am Mech von Uzio?"
„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig, Maria, aber ich wollte mir den Geierfalk nur aus der Nähe ansehen. Danke für die Auskunft." Julius machte sich auf den Weg, tiefer in den Hangar, als er beinahe mit einem weiteren Krieger zusammenprallte, der zwischen dem Dunkel der Mechs hervortrat. „Aufpassen, Mann," versetzte er verärgert. Der andere war etwas größer als er selbst, und sehr viel breiter. Seine Augen starrten auf Julius, der unwillkürlich erschauerte. Die Augen hatten keine Iris und keine Pupillen. Sie waren völlig blau. Außerdem sah man auf seinem Kopf und Gesicht dunkelblaue Tätowierungen. Julius wußte, was das zu bedeuten hatte. Nur die fanatischsten Kreuzritter ließen sich dieses Verbesserte Schnittstellensystem einpflanzen. Es war berüchtigt dafür, daß es Krieger wahnsinnig werden ließ. Sein Overall hatte keine Abzeichen oder Namensschilder.
Die Kriegerin stand auf ihrem Platz und grinste. Verärgert sah Julius zu ihr, als der Krieger vor ihm ruhig sprach: „Vielleicht solltest du aufpassen, wohin du deine Füße setzt." Irgend etwas an der Stimme war beunruhigend, aber Julius konnte das nicht einordnen.
„Ich bin hier, um Sterncaptain Raimund LeFabre aufzusuchen. Wie ist dein Name, Krieger?"
Bei dieser Frage straffte sich der Mann vor ihm: „Ich bin Sterncaptain Gäiten. Du hast dich aber noch nicht vorgestellt, Sterncaptain Julius vom Bluthaus LeFabre."
Julius brummte verärgert, offenbar hatte dieser Gäiten die ganze Zeit gelauscht. „Dies hast du ja nun für mich erledigt, Sterncaptain. Ich nehme an, daß auch dein Trinärstern am Manöver teilnehmen wird, frapos? Ich freue mich darauf. Aber jetzt muß ich weiter."
Gäiten grinste breit, als er diese unverhohlene Herausforderung hörte. Dann nickte er. „Wir werden sicher aufeinandertreffen Julius. Gesegneter Weg."
Julius stutzte noch einmal, als er diese Redewendung der Novakatzen hörte, aber er mußte Raimund LeFabre treffen, warum sonst war er hier?
***
Am Abend, nach dem Training rekapitulierte Julius seinen Tag. Das Treffen mit Raimund LeFabre war nicht so verlaufen, wie er es sich vorgestellt hatte. Er hatte sich abweisend gezeigt und das Gespräch bald beendet. Julius´ Kodax hatte ihn ziemlich kalt gelassen. Von ihm war wohl momentan nichts weiter zu erwarten.
Das Training mit Maya war auch gut verlaufen, diesmal hatten sie ihr Augenmerk auf schnelle, effektive Angriffe gerichtet. Maya hatte Julius´ Formverbeserung bestätigt. Aber es blieb noch viel zu tun.
Viel interessanter als das tägliche Training des Faustkampfes war allerdings dieser Sterncaptain Gäiten. Er war offensichtlich ein radikaler Kreuzritter mit Wurzeln im Novakatzenclan. Es würde interessant werden, ihm im Manöver zu begegnen. Die 103. Garde kämpfte vor allem nach Zellbrigen. Er könnte sie also mit seinem Trinärstern überraschen und einen Vorteil erlangen.
Aber für alle Fälle sollte er seinen Mech auf Duelle konfigurieren, falls ihn jemand herausfordern wollte, um seiner Niederlage zu entgehen. Ja, so würde er es tun. Das war sicherlich gut gegen alle Trinärsterne der 103. Nattergarde.
Julius lächelte in seinen Holo- Taktikschirm. Es war ein ruhiges Lächeln, aber nichts was zum mitlächeln einlud.
Plötzlich klopfte es an seiner Tür. Es war schon fast eine halbe Stunde vor 1. Wer konnte ihn jetzt noch stören wollen?
„Ja?", fragte Julius barsch. Sterncommander Cassius trat herein. Er machte sich nicht die Mühe zu grüßen, oder anderweitig ihrer beider Zeit zu verschwenden, denn er sprach sofort: „Sterncaptain, heute war ein Sieg fast unmöglich, trotzdem haben wir sehr gut gekämpft. Ich werde unsere Leistungen unter deiner Führung weiter beobachten. Wenn du bis zum Angriff weiterhin gute Leistungen zeigst, werde ich mein Vorhaben, dich herauszufordern, verschieben. Das wäre alles." Er sah Julius ruhig, aber erwartungsvoll an.
Dieser hatte zwar schon diese Entwicklung gesehen, nicht umsonst trainierte er hart den Faustkampf, aber im Moment hatte es ihm doch die Sprache verschlagen, angesichts der Bedrohung, die nun klar vor ihm lag. Er wußte, daß es Cassius niemals persönlich meinte, trotzdem rauschte ihm das Blut in den Ohren.
Bevor er auch nur eine einigermaßen souveräne Antwort geben konnte, war Cassius schon wieder verschwunden.
Julius atmete hörbar aus, das war die erste unverhohlene Bedrohung seiner Kommandogewalt durch einen Untergebenen.
Wenigstens war jetzt alles ausgesprochen. So konnte er sich noch besser vorbereiten.
Auf einmal jedoch, inmitten seiner um Cassius kreisenden Gedanken, wurde ihm klar, daß es nicht zu einem Besitztest kommen würde, wenn er die nächsten Manöver mit seinem Trinärstern gewinnen könnte.
Sein natürlicher Optimismus erlangte wieder die Oberhand in seinen Gedanken.
War er nicht das Beste, was das Bluthaus LeFabre anzubieten hatte? Hatte er nicht drei Mechs im Positionstest abgeschossen?
Er war ein Krieger, der schon an einem Angriff teilgenommen hatte! Und er würde es wieder und wieder tun, solange der Clan ihn brauchte!
Ja, er würde es schaffen. Und niemand würde ihm sein Kommando wegnehmen können. Niemals!
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