Angelique McSolo
29.10.2007, 12:58
Diese Kurzgeschichte spielt im Star Trek Universum, zu Zeiten der Nächsten Generation
und ist ein Ausschnitt aus der Hintergrundgeschichte meines Star Trek LARP Charakters (http://www.starfleet-operations.de/personalakten/zakal.html).
Es ist eine klassische Short Short Story, also ohne Einleitung oder Schlusssatz.
Viel Spaß beim Lesen!
Angelique McSolo
29.10.2007, 13:09
31.10.2370, Card. Kriegsgefangenenlager 057, spinwärtige Badlands
“Bring' endlich den Wein, verfluchtes Spitzohr!“ herrschte der alte Cardassianer mit den ergrauten Haaren,
seine ungepflegten Rangabzeichen schimmerten stumpf im harten Kunstlicht,
wiesen ihn als Gul und somit als Kommandanten dieses Lagers aus.
Er saß mit grimmverzogenem, altersfaltigem Gesicht hinter einem massiven Schreibtisch,
studierte unwillig Unterlagen, blickte ab und an aus den dicken Transparentalufenstern,
die einen Blick über die wüste Felslandschaft außerhalb und die verstreuten primitiven Unterkünfte
der Kriegsgefangenen innerhalb der durchsichtigen Atmosphärenkuppel gewährten.
Hinter der Kuppel tobten nur die unberechenbaren Plasmastürme,
die diesem Sektor den Namen „Bad Lands“ bei den Menschen und die Bezeichnung p'laaka (“unbekannte Gefahr“)
bei den Kartographen der Vulkanier eingebracht hatte.
Steriler Fels beherrschte die Szenerie.
Was immer der Gul an Fehlern begangen hatte, um diesen wenig begehrenswerten Posten zu erlangen,
ließ er nun mit sichtlicher Freude am Quälen an dem jungen vulkanischen Sklaven aus,
der schnellstmöglich, mit einer schweren Amphore in den dürren Armen, auf ihn zugeschwankt kam.
Er stellte die Amphore nun auf den Tisch, wartete schweigend ab.
Einige Sekunden verstrichen, er wagte bereits zu berechnen, ob er nun entlassen würde, als...
“HAST DU MIR IMMER NOCH NICHT EINGESCHENKT?
Bist Du grünblütiges Unding denn zu GAR NICHTS nutze?“
– “Dies nicht war Befehl Ihres, Gul Duget. Ich nur Wein sollte holen. Nicht einschenken gesagt
Sie haben.“ klang die leise Stimme des Jungen in gebrochenem cardassianisch,
er erwiderte den zornigen Blick des alten Mannes kalt und unbeeindruckt.
Der alte Gul war nicht zum ersten Mal laut geworden und gewiss auch nicht das letzte Mal.
Wozu Energie investieren und dieses Verhalten mit Aufmerksamkeit honorieren?
Seelenruhig und ohne den Wein zu verschütten schenkte er ein.
“Du bist heute wohl besonders vorwitzig, was?“, grummelte Duget,
indem er einen tiefen Schluck nahm und plötzlich den fast leeren Kelch auf den Tisch knallte,
dass es spritzte, und dem Jungen seinen Phaser ins Gesicht hielt,
welcher jedoch nicht einmal jetzt merklich darauf reagierte.
Lediglich seine Augen glühten matt vor triefendem Abscheu, straften sein gegenüber mit Verachtung.
“Nicht einmal gezuckt hat er...“ schnarrte Duget kopfschüttelnd und steckte den Phaser wieder ein.
Offensichtlich beeindruckt, zumindest aber ein wenig amüsiert ob der Gefühlskälte des Jungen,
dieses halben Kindes, stieß er ein heiseres Kichern aus und schenkte sich selbst neuen Wein ein.
“Du bist ziemlich mutig. Wie heißt Du eigentlich, Kleiner?“
Von der plötzlichen Freundlichkeit überrascht zog der Vulkanier misstrauisch
die Augenbrauen zusammen und antwortete dann leise und missbilligend:
“Sie nicht einmal wissen, wer gefangen ist in diese Lager, geknechtet und gebunden von die anmaßende Egozentrik cardassianische?
Sie überhaupt haben schon einmal gelesen die Personallisten-des-Ortes,
damit Sie nächsten Wächter, den nicht rechtens tadeln Sie, wenigstens Namen mit erwähnen können in Berichte,
ehe ihn Sie lassen erschießen, weil Strafversetzung nicht mehr ist möglich,
weil keine schrecklichere Orte mehr da in 'glanzvolles' Union Ihres?“
– “Das war schon fast zuviel Mut,“ , grummelte Duget, “übertreib es nur nicht!
Nur, weil Du mir schon seit bald drei Zyklen Abends den Wein reichen darfst,
brauchst Du nicht zu denken, Du wärst 'was besonderes.
Also: Wie heißt Du?“
Der Junge ließ sich einen Moment, um zu genießen, dass er dem Alten einen Stich versetzt hatte,
ordnete die schmuddeligen aber überraschend sauberen Lumpen, die er trug,
ehe er unwillig mit unterdrücktem Stolz auf seine Herkunft antwortete:
“Speren genannt-zu-sein, Sohn von T'Linna, Sohn von Solan.“
Die viel zu primitive Grammatik der cardassianischen Sprache machte ihm noch immer zu schaffen.
“Soso, Speren, und wieso glaubst Du, dass ich Dir Dein großes Mundwerk durchgehen lasse?“
Dugets Stimme hatte plötzlich einen Unterton, der Speren überhaupt nicht gefiel.
Er begegnete dem Problem auf die einzige Art, die ihm einfiel:
“Wer sonst Ihnen soll reichen die Wein Abends, Gul? Wollen dafür anstellen Glinn von die Wache?
Oder wollen einfach kapern weitere unschuldige Schiff-zur-Forschung von meine Volk
und schauen, ob jugendliche T'Khasisular an Bord?“
Ohne Vorwarnung schlug die Hand des alten Cardassianers aus und schleuderte Speren
mit einem Schlag ins Gesicht gegen das nächste Schott.
Mit schmerzendem Rücken, einer anschwellenden Wange
und einem nicht ungewissen Maß an unterdrücktem, abschätzigen Amüsement beobachtete er,
wie Duget mit einem unartikuliertem Wutschrei seiner Unbill Luft machte. Schwerfällig erhob er sich und stellte sich gerade auf,
wenn er dem Gul schon eine solche verbale Schlappe zugefügt hatte,
warum sollte er dann nicht durch seine aufrechte Haltung
zusätzlich verdeutlichen, wer dieses Wortduell gewonnen hatte?
Für einen kurzen Moment schloss er die Augen, um seinem Körper die zur Heilung nötigen Anweisungen zu geben,
sodass er erst im allerletzen Moment die Hand des immer noch tobenden Guls wahrnahm,die sich rasend schnell auf seinen Hals zubewegte.
Die Klinge eines Offiziersdolches funkelte im Kunstlicht
und Speren realisierte die steigende Wahrscheinlichkeit seines unmittelbar bevorstehenden Ablebens,
als ihm die Worte seines Ziehonkels Tarok wieder in den Sinn kamen:
“Gib niemals auf, Speren-kam, niemals, denn auch wenn die Umstände noch so ungünstig sind,
sind Deine Optionen erst erschöpft, wenn Dein Leben endet.“
Vor seinem inneren Auge sah er den würdevollen alten Mann, wie er ihm die Worte erzählte.
Als wolle er sich vor dem seinem Onkel respektvoll verneigen, ließ sich Speren auf die Knie fallen und kippte kontrolliert nach rechts.
Wie in Zeitlupe sah er, dass Duget die Klinge, die seinem Hals gegolten hatte, nach unten zog, um sie dennoch zu ihrem Ziel zu bringen.
Das Metall schimmerte unheilvoll.
Für die Zeit eines Wimpernschlags glaubte Speren dem todbringenden Hieb entkommen zu sein
und begann bereits zu planen, in welche Richtung er als nächstes ausweichen solle,
als der Dolch, der seinen Hals tatsächlich verfehlt hatte,
mit der Gewalt eines Kriegshammers in sein Gesicht eindrang und seine Wange vom Ohr bis zum Mundwinkel regelrecht tranchierte.
Er schaffte noch einen letzten Gedanken, bevor Schmerz und der Verlust des durch den Raum spritzenden Blutes ihm die Sinne raubten:
“Und dennoch war ich der Überlegene.“
Er brach zusammen.
Duget, der nun schwer atmend über dem von grünem Blut überströmten Jungen stand,
warf angewidert den besudelten Dolch auf den Tisch, wischte sich das Blut
aus dem Gesicht
und klatschte laut in die Hände, worauf hin ein Wächter erschien.
“Bringen Sie ihn weg, Glinn, am besten zu seinen Artgenossen, damit sie ihm beim Sterben zusehen können.
Vielleicht helfen sie ihm auch beim Sterben, so wie diesem Menschen letztens...“
***
“He, Ihr da! Kommt da raus! Der Gul hat ein Geschenk für Euch!“ lachte der Wächter,
als er den bewusstlosen Jungen vor einer kleinen Höhle ablegte, aus der sich gemessenen Schritts einige würdevolle Gestalten näherten.
Der Wächter verpasste dem Jungen noch einen kräftigen Tritt, ehe er sich immer noch lachend zum Gehen wendete.
Tarok von Vulkan kniete nieder, fühlte den Herzenschlag des Jungen, erstellte einen flüchtigen Kontakt zu dessen Selbst.
“Er braucht dringend einen Heiler, er hat viel Blut verloren. T'Len! Zu welchen Schritten rätst Du?“
Die Angesprochene kniete ebenfalls nieder, legte den Jungen gerade hin
und begann, die noch immer blutende Wunde zu reinigen.
“Viel ist es nicht, was ich tun kann. Ich bräuchte einen Geweberegenerator um ihm zu helfen, und wir haben nicht einmal Verbände.
Viel ist es nicht, was ich tun kann...“
Mittlerweile hatten sich einige weitere Mitgefangene eingefunden, die neugierig aber auch mitleidig den verblutenden Jungen musterten.
Eine Betazoidin beugte sich vor und wandte sich an T'Len:
“Könnt Ihr ihm helfen? Kann einer von uns vielleicht etwas tun? Ich spüre seinen Schmerz,
aber auch seinen Trotz. Er wird nicht aufgeben, solange noch ein Funke Leben in ihm steckt.“
- “Wie ich schon sagte:“, entgegnete T'Len stoisch, “Viel ist es nicht, was ich tun kann...“
“Vielleicht haben wir etwas, was ihm helfen kann.“, mischte sich nun ein Mensch ein,
dessen fliehende Stirn mit den Geheimratsecken und den ergrauten Schläfen ihm ein intelligentes, gebildetes Erscheinungsbild gaben.
“Ich bin Jefferson. Bevor wir Menschen Geweberegeneratoren hatten, hat man bei uns Wunden mit medizinischen Lasern verschweißt.
Primitiv, aber wirksam. Wir haben den Schuppenköpfen letztens einen defekten Laserschweißer abgeluchst,
der hat zwar kaum noch Saft, aber zum Schließen einer Schnittwunde reicht es vielleicht noch.
Ionathan! Bring den Laser her, aber pass auf, dass die Löffelfressen nichts davon mitbekommen!“
Ein weiterer Mensch eilte davon und steuerte auf eine aus Schuttteilen bestehende Behaussung zu, aus der er nur Augenblicke später zurückkehrte.
Seine Kleidung warf eine Falte, wo er den Laser verbergend an sich drückte.
Tarok musterte die Menschen missbilligend:
“Ich bin mir der niedrigen Überlebenswahrscheinlichkeit meines Ziehneffens bewußt,
dennoch halte ich es für unangemessen übertrieben, seinem Leid mit einem Gnadenschuss ein Ende zu setzen.“
- “Es ist vielleicht die einzige Chance, die ihm bleibt...“, sprach T'Len völlig unerwartet.
“...denn in meiner Macht liegt es nicht mehr, ihm zu helfen, meine Mittel werden ihn nicht retten können.“
Tarok zog in angedeuteter Resignation die Brauen hoch, ehe er mit einem sehr menschlich anmutenden Seufzen nachgab:
“K'adi'ith. Es ist wie es ist. Und nicht an mir ist es, das zu ändern...“
Er gab den beiden Menschen einen auffordernden Wink und deutete auf den sterbenden Jungen.
Jefferson nahm neben ihm Platz und begann den Laser zu justieren, als Speren unvermittelt aber träge zu Bewusstsein kam.
“Verdammt! Das hat uns noch gefehlt...“ zischte Ionathan.
“Tja, Junge, das nenne ich Pech...
Wenn wir hier anfangen, wirst Du Dir wünschen, Du wärest nicht aufgewacht... Hier, nimm das und beiß' drauf!“
Er reichte dem Jungen ein hölzern anmutendes Stück einer Wurzel,
die er aus dem Boden brach und bedeutete ihm mit Gesten, darauf zu beißen,
als er realisierte, dass keines seiner Worte von dem Jungen verstanden worden war.
Dieser erblickte die Wurzel, dann den mittlerweile matt glühenden Laser und schluckte verstehend.
Zögernd nahm er die Wurzel zwischen die Zähne und machte sich auf das Kommende gefasst.
“Nimm's leicht und denk an die Freiheit“ sagte Jefferson mit einem schiefen, mitleidsvollen Lächeln und setzte den Laser an. Und es ward Licht.
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