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CrimsonGhost
09.05.2007, 18:08
Keine Gefangenen!

Eine einzelne, verirrte LSR schlug mit einem lauten Krachen, gefolgt von einer mindestens ebenso lauten Explosion, in eine Gruppe Tannen etwa 50 Meter hinter ihrer Stellung ein. Obwohl etliche Holzsplitter über den Schützengraben geschleudert wurden, gab es in seiner Gruppe keine Verletzten. Ihre Stellung war sorgfältig befestigt und getarnt worden. Der gesamte Hinterhalt war von langer Hand geplant worden und würde mit Sicherheit die Vernichtung der Rebellengruppe bedeuten.

Über zwei Stunden dauerte das Gefecht in dem unübersichtlichen Gebiet, von Baumgruppen und großen Felsbrocken immer wieder unterbrochenen, schon an. Hatten sie zunächst nur fernen Gefechtslärm gehört, waren jetzt Raketenexplosionen, das Zischen einzelner Laserbahnen und das Stampfen der gewaltigen Kampfmaschinen zu hören, die sich immer weiter auf ihre Stellung zubewegten.

Der BattleMech-Kompanie der Lyranischen Streitkräfte, die erst vor kurzem in diesen Abschnitt verlegt worden war und so die Vorbereitung und Ausführung des Plans erst möglich gemacht hatte, war es offensichtlich gelungen die Rebellengruppe immer näher in die sorgsam vorbereitete Falle und damit in ihr sicheres Ende zu treiben. Ein scheinbar schlecht bewachtes Munitionsdepot hatte als Köder und Ausgangspunkt der Schlacht gedient. Flankierende Panzerelemente, wie die hier eingegrabenen Infanteriekompanien loyale Teile der planetaren Miliz, konnten, wie im Plan vorgesehen, ein Ausbrechen der RebellenMechs immer wieder verhindern.
Sicher eine besondere Genugtuung für die Jungs in ihren Panzern, hatten die schnellen Mechs ihrer ehemalige Kameraden ihnen doch über die letzten Wochen immer wieder Nadelstichartig zugesetzt um sich gleich darauf wieder von den schwerfälligen Panzern abzusetzen und in den Bergen zu verschwinden.

Enden sollte das ganze hier. Die Infanteriekompanien, ausgestattet mit KSR-Werfern, Lasern und MGs, sollten, gewissermaßen als Amboss dienend, die flüchtenden Rebellen stoppen und sie, zusammen mit den nachrückenden Mechs und den flankierenden Panzern, in dem so entstehenden Kessel endgültig vernichten.

Von den anfänglich zehn identifizierten Rebellenmaschinen waren anscheinend nur noch sechs Stück in gefechtsbereiten Zustand. Und eben diese bewegten sich jetzt, weiter gegen loyale lyranische Panzer und Mechs kämpfend, in Reichweite der Infanteriestellungen. Nur noch wenige Augenblicke, dann würde die Falle endgültig zuschnappen. McLain überprüfte zum hundertsten Mal seinen Raketenwerfer. Alles war bereit… wie bereits die hundert Mal zuvor. Zwei KSR warteten in ihren Rohren darauf gegen den Feind geschleudert zu werden. Ein schneller Blick zu Seite zeigte ihm, dass auch der Rest seiner Gruppe bereit war. Naher Gefechtslärm zeigte an, dass an der rechten Flanke der Infanterielinie das Feuer bereits eröffnet worden war. Ein Hermes ging, von mehreren Raketen im Bereich des Cockpits getroffen, zu Boden. Auf der ganzen Linie schlug den Rebellen jetzt das geballte Feuer der Bodentruppen entgegen.

Auch in ihrem Gefechtsabschnitt ging alles blitzschnell. Ein Heuschreck sprintete aus der nahen Deckung eines Felsblocks in ihre Richtung, offensichtlich einer LSR Salve eines weiter entfernt stehenden Longbows ausweichend. Die Panzerung des Mechs war bereits durch einige Treffer gezeichnet, auch wenn er ansonsten noch intakt wirkte. Dieser Zustand würde nicht mehr lange anhalten.

Noch bevor McLain es richtig realisierte überschritt der Heuschreck die unsichtbare Linie die die Feuerzone seiner Gruppe markierte. Dem leichten BattleMech schlugen Raketen, Laser und MGs entgegen. Ein größerer, stärker gepanzerter Mech hätte die Geschosse vielleicht einfach abgeschüttelt. Für den Heuschreck allerdings, mit seiner fast schon papierdünnen Panzerung, war der Effekt wesentlich gravierender. Während MGs und Laser den Mittelschweren Laser des Heuschreck in ein wertloses Stück Schrott verwandelten, schlugen die ersten KSR sowohl in die Antennen als auch, ein ganzes Stück tiefer, in den Bereich um die Beine des Heuschreck ein.
Erst jetzt schien der Pilot, wachgerüttelt von den Einschlägen, die Infanteristen zu bemerken. Beide Maschinengewehre an den Seiten des ScoutMechs richteten sich bedrohlich auf ihre Stellung. Endlich erwachte auch McLain aus seiner Starre. Wie er es in den unzähligen Stunden in seiner Grundausbildung belernt hatte richtete er den Werfer aus. Er zielte ebenfalls auf den Bereich um die Beine. War ein Mech erst einmal zu Fall gebracht wurde er vom Jäger zum Opfer. Eine letzte Korrektur mit Hilfe des optisch-elektronische Visiers. Völlig auf den Moment konzentriert nahm er den Gefechtslärm um sich herum für einige Augenblicke gar nicht mehr wahr.

Er drückte ab.

Treffer! Die Rakete traf genau in die bereits durch frühere Einschläge geschwächte Verbindung zwischen Bein und Torso des ScoutMechs. Die Detonation des Sprengkopfes riss diese Verbindung nun endgültig auseinander. Da mit war das Ende des Heuschrecks besiegelt. Der zerschlagene Mech schlug keine 15 Meter vor seiner Stellung zu Boden.

Ein befreiendes Gefühl machte sich in seiner Brustgegend breit. Der Heuschreck war der letzte Mech der Rebellen gewesen, der sich noch in ihrem Kessel zu Wehr gesetzt hatte. Alle anderen waren durch das konzentrierte Feuer von Infanterie, Panzern und Mechs bereits in den ersten Augenblicken des Hinterhalts gefällt worden.

Er hatte das blutige Gefecht tatsächlich überlebt. Er hatte eine der riesigen Kampfmaschinen zu Fall gebracht. Er hatte überlebt und einen Mech abgeschossen.

Dann sah er sie. Eingeklemmt in die verbogenen und verdrehten Überreste ihres Cockpits. Der Neurohelm musste ihr beim Sturz vom Kopf gerutscht sein und an ihrer Schläfe konnte er eine Platzwunde entdecken aus der langsam Blut auf die gesplitterte Frontscheibe lief. Eben noch bereit seinen Feind auf das Erbitterte und bis zum Äußersten zu bekämpfen verschwand sein Zorn und seine Kampfwut jetzt genauso schnell wie zuvor seine Anspannung und seine Angst verschwunden waren als der Mech Zufall gekommen war. Die Pilotin sah nicht viel älter als 19 oder 20 Jahre aus. Wie verzweifelt mussten die Rebellen sein wenn sie noch halbe Kinder als Mechjockeys auf das Schlachtfeld schickten.

Er hatte schon einige Tote gesehen. Die ganzen Aufstände, und damit auch sein Einsatz auf dem Schlachtfeld, dauerten immerhin schon beinahe drei Monate an. Trotzdem, die Freude über den Sieg, seinen Sieg über einen der verdammten, riesigen BattleMechs, wich und machte Mitleid mit der verletzten Pilotin Platz.

Sein Blick blieb wie gefangen auf dem zerstörten Heuschreck und der verletzten Pilotin hängen.

Erst ein leichtes Beben riss ihn wieder aus seiner Erstarrung. Ein Zeus, einer von ihren Mechs wie ihm die stolze Steinerfaust auf der Brust des Mechs verriet, näherte sich in langsamen Tempo ihrer Stellung.

McLains Kameraden jubelten dem Kampfkoloss zu. Sogar die Infanteristen, von den Mechjockeys nur verächtlich Schlammstampfer genannt, bewunderten die wahren Könige des Schlachtfeldes. Neben dem gefallenen RebellenMech kam der Zeus zum Stehen.

Er warf einen Blick zur Pilotin. Sie schien aus der Ohnmacht in die sie der abrupte Sturz ihrer Maschine geworfen hatte langsam wieder zu erwachen. Er konnte sehen wie sie den Kopf hob und wie sie offensichtlich versuchte sich aus ihrer Liege loszuschnallen.

Der Pilot des Zeus hatte andere Pläne mit der ihr. Langsam und mit einer kalten Präzision senkte sich der Fuß des Zeus auf und in die Pilotenkanzel des neben ihm liegenden Mechs.

Ihr Colonel hatte in der Einsatzbesprechung vor dem Gefecht klare Anweisungen ausgegeben. Die Rebellen mussten vernichtend geschlagen werden. Es sollte ein klares Exempel statuiert werden. Wer sich gegen Tharkad und gegen Archon Katarina stellt hat keine Gnade zu erwarten.

Keine Gefangenen!