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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Abenteuer und Reisen des Virgil Cole


Cunningham
10.05.2004, 23:24
Mein Name ist Cole, Virgil Cole. Ich entstamme einer alten Soldatenfamilie der Federated Suns. Die Coles zeichneten sich niemals mit Helden aus, noch wird unser Stammbaum durch Feiglinge beschmutzt.
Als ich alt genug war trat ich einem der Ausbildungsbataillone bei, die Prinz Hanse Davion ausheben ließ.
Als Vorkenntnisse konnte ich damals schon einige Stunden auf dem Catapult meines Vaters vorzeigen. Ja, spottet nur, alte Reisschüssel und so, aber ich sage euch, der Catapult ist eine durch und durch solide Konstruktion und er sollte mir in vielen Abenteuern gute Dienste leißten.
Mein natürliches Talent zum Steuern eines Mechs veranlasste die Miliz meines Heimatplaneten mir einen Shadow Hawk zur Verfügung zu stellen, so dass ich nicht wie die meißten des Bataillons auf Stinger oder Wasps lernen musste.
Unsere Ausbilder nannten uns die jungen Wilden. Wir alle waren von uns überzeugt und wir waren alle sicher für den Einsatz bereit zu sein.
Und tatsächlich schaften 87 Prozent unseres Bataillons die Ausbildung zufriedenstellend abzuschließen.
Zwei von uns brachten überragende Ergebnisse. Ja und das ist der richtige Einstieg für meine eigentliche Geschichte.


3. Sptember 3037,
Erwin McCool Gedächtniskaserne, Firegrove,
Mark Capella, Vereinigte Sonnen

Die letzten Töne von Rule Sunburst, der Nationalhymne der Vereinigten Sonnen verklangen.
Es war unser großter Tag. Wir würden als vollwertige Mechkrieger unseren Dienst in den AFFS aufnehmen. Einige spekulierten, das man unser Bataillon einfach in die Miliz unseres Heimatplaneten eingliedern würde und wir die ewigen jungen Wilden bleiben würden.
Andere behaupteten wir würden mit Leuten aus anderen Trainingsbataillonen zu einer neuen Einheit zusammengefast werden.
Andere sagten wir würden auseinander gerissen und den bestehenden Linienregimentern zugeteilt werden. Einige träumten von den Davion Guards oder den Syrtis Fusiliers.
Ich wusste damals nicht, welche dieser drei Möglichkeiten die besste oder angenehmste wäre.
Vielleicht weiß ich das heute noch nicht.
Davion Guards, das hätte was gehabt, aber auch der Gedanke auf Firegrove zu bleiben hatte wäre natürlich auch sehr schön gewesen, immerhin war es meien Heimat.
Aber heute war es nebensächlich.
Neben dem Ausbildungsbataillon - wir alle waren in den grün-silbernen Ausgehuniformen der Mark Capella gekleidet - war das komplette Regiment der Firegrove MCM angetreten.
Major Warren stand neben Colonel Fowler auf der Tribüne.
Links und rechts der Tribüne waren Treppenbänke für die angehörigen des Ausbildungsbataillions errichtet worden.
Amanda Warren hat jeden von uns Männern das ein oder andere mal ins Schwärmen gebracht. Doch hätte keiner von uns es gewagt ihr gegenüber auch nur anzudeuten, denn wenn Frau Major wütend wurde hatte wir alle samt die Hosen gestrichen voll.
Am heutigen Tag - so glaube ich - strahlte sie Stolz aus. Sie war Stolz auf uns und zum ersen mal seit drei Jahren ließ sie es uns wissen. Heute waren unsere Leißtungen nicht: außbaufähig, verbesserungsbedürftig, gerade mal durchschnittlich, passabel. An diesem Tag waren wir gut genug. Denn wir wurden Mechkrieger.
Einer nach dem anderen wurde nach forne gerufen, erhielt die Sergeantenstreifen, die Sporen und eine Gratulation von unserem Major.
Jeder einzelne wurde nach vorne gebeten. Dem Alphabet nach. Beinahe. Ich war an sechster Stelle und wurde nicht aufgerufen.
Neben mir gab es diese Diskrepanz nur noch ein weiteres mal. Sir Kevin North. So standen wir beide da und wurden nicht aufgerufen.
Kevin und ich gehörten zu den besten Mechkriegern dieses Bataillion.
Nachdem sich der letzte frischgebackene Sergeant in das Bataillion wieder eingegliedert hatte.
Major Warren trat ans Rednerpult: "Die Ernennung der Sergeanten ist nun beendet."
Unwillkürlich brach mir der Schweiß aus und ich konnte nicht verhindern Kevin North einen Blick zuzuwerfen. Auch dieser machte ein besorgtes Gesicht.
"Würden bitte die Recruiten Sir Kevin North und Virgil Cole auf die Tribüne kommen?"
Warren entfaltete ein Blatt Papier, während wir beide zur Tribüne gingen.
Ich ließ Kevin den Vortritt, was er mit einem kurzen arroganten grinsen im linken Mundwinkel zur Kenntniss nahm.
Auf der Tribüne nahmen wir vor Warren Haltung an.
"Ladies and Gentlemen, zwei - diese Zwei um genau zu sein - haben sich derart hervorgetan und außergewöhnliche Leißtungen erbracht, dass Colonel Fowler und ich Sie zur Offiziersausbildung an einer der renomierten Akademien unserer Nation empfahlen.
Recruit North: Mit sofortiger Wirkung werden Sie in den Rang eines Kadetten befördert und zur Offiziersausbildung an der Warrior Hall aufgenommen. Meinen Glückwunsch Kadett."
Sie überreichte North die Rangabzeichen eines Kadetten, sowie die Sporen eines Mechkriegers. Beide salutierten voreinander.
Ich bestaunte die kurze Zeremonie aus den Augenwinkeln.
Nachdem die beiden sich noch die Hände geschüttelt hatten trat Warren vor mich.
"Kadett Cole:" Ihre Stimme riss mich aus der Trance. "Mit sofortiger Wirkung werden Sie in den Rang eines Kadetten befördert und zur Offiziersausbildung an der Worrior Hall aufgenommen. Meinen Glückwunsch Kadett!"
Wei beteubt nahm auch ich die Rangabzeichen und Sporen entgegen.
Warren schmunzelte als ich ihr lasch die Hand drückte.
An die drauffolgende Party kann ich persönlich mich nicht mehr erinnern. Irgendein Idiot hatte angefangen mich mit Texas Martinis abzufüllen. Jedenfalls erzählte man mir, dass mein Benehmen nicht dem eines zukünftigen Offiziers entsprach.


Die nächsten zwei Wochen hatten Kevin North und ich frei. Um uns von unseren Familien zu verabschieden und die letzten Dinge auf Firegrove zu erledigen, ehe wir nach New Syrtis gebracht wurden.
Ich jedoch hielt mich häufig in der Kaserne auf. In voller Uniform. Es ist einfach unbeschreiblich schön, wenn plötzlich Leute, die sich für was besseres halten vor einem salutieren müssen. Das Problem an der Sache ist, man muss jeden Deppen, der einen Grüßt auch zurückgrüßen.
Ein anderer Grund, warum ich mich von zu Hause vern hielt war meine Mutter. Seit sie wusste, dass ich Firegrove verlassen würde schlawenzelte sie um mich herum und versucht mir alles Perfekt zu machen. Angefangen mit der Wäsche, bis hin zum Essen.
Ich hasste es.
Dann war da noch mein zweites Problem. Ich würde wohl ohne Mech nach New Syrtis gehen. Peinlich, der einzigste Offiziersanwärter ohne eigenen Mech. Den Shadow Hawk würde die Miliz mir nicht überlassen.
Und meinen Vater um das alte Catapult zu bitten. Nein, das brachte ich nicht übers Herz.
Ich hielt mit dem Schlendern vor einer Fensterscheibe inne, in der ich mein Spiegelbild bewunderte. Schnell richtete ich den Scheitel, zu dem ich meinen braunen Haare heut morgen gekämmt hatte und schnipste ein imaginäres Staubkorn von der linken Schulter.
"Sir?"
Eine mir wohl bekannte Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
Ich wirbelte herum. Mein Vater stand neben mir. Auch er trug die Uniform der AFFS. Die olivgrünen Klamotten hatten schon bessere Tage gesehen. Außer durch die Abzeichen der Firegrove MCM und seinen Sergeant-Major-Streifen wurde die Uniform nicht weiter verziert.
Reflexartig vollte ich vor den Rangabzeichen salutieren, doch mein Vater kam mir zuvor und riss die rechte zu einem mustergültigen Salut hoch.
Nicht sein übliches Fliegen verscheuchen, welches er selbst Colonel Fowler entgegenbrachte. Die alten Kriegskammeraden schienen sich regelrecht einen Spass draus zu machen, wer vor dem jeweils anderen schlampiger salutierte.
Nach einem kurzen Moment des Wunderns führte auch ich einen Salut aus, der einem Kadetten von Albion zur Ehre greicht hätte. Ein kurzes Lächeln huschte über die Züge meines alten Herren. Halb stolz, halb amüsiert.
"Sir, würden Sie mich bitte in den Mechhangar begleiten?" Fragte mein Vater mit höflicher Stimme. War das wirklich der selbe man, der mich mit zwölf am Ohr durch den Ort zur Kirche - die ich mit Farbballongs beworfen hatte - gezerrt hatte? Der Mann, der mich windelweichgeprügelt hatte, als er mich dabei erwischt hatte, wie ich meinem Bruder bespannerte, der gerade die Nachbarstochter entjungferte? Himmel, Kleider machen Leute.
Also folgte ich meinem Vater in den Mechhangar.
Das riesige Gebäude war dafür errichtet worden ein verstärktes Mechregiment zu beherrbergen. Es stand also größtenteils leer.
Es befanden sich knapp zwei Bataillione Mechs im innern. Das 1. Mechbataillion der Firegrove MCM und das neuausgehobene 2. Mechbataillion. Man hatte fast das gesammte Trainingsbataillion der Miliz angegliedert. Dazu hatte man ihm eine Kompanie Enforcer und noch einige Beutemaschinen aus dem letzten Nachfolgekrieg zugeteilt.
Er führte mich zu seinem Mech, dem alten Catapult, dass er in der Befehlslanze der Abel-Kompanie pilotierte.
"Hör mal Virgil, ich war vorhin bei Colonel Fowler und habe meinen Dienst quittiert. Lass mich bitte ausreden." Begann er und beugte meinen Einwendungen vor. "es ist Zeit für mich, dass ich mich aufs Altenteil zurückziehe und das Rentnerleben genieße. Angeln, Jagen und Kreuzworträtzel lösen ... okay, ich werde es hassen, aber bei Deinen hervoragenden Leißtungen und dem Stipendium brauchst Du einen Mech, und wir haben nur diesen einen. Er gehört Dir."
Ich starrte erst meinen Vater und dann den Catapult an. Meins! Meins! Meins "Danke Dad." Ich umarmte ihn.


Der Abschied von Firegrove war recht umfangreich. Einige Freunde aus dem jetzt 2. Mechbataillion der MCM, wobei ich vermute das sie Dirk Conway vorm Dienst drückte, waren gekommen, ebenso viele Familienangehörige von mir wie auch die gesammte 40köpfige Familie von Kevin North.
Sowie Major Warren, deren Gesichtsausdruck Conway einen unbeschreiblich höllische Woche versprach.
Mutter hatte Vater gezwungen einen Anzug zu tragen. Er sah aus, als fühle er sich darin sehr, sehr unwohl.
Mutter und einigen anderen weibliche Familienmitglieder brachen in Tränen aus.
Onkel Suart steckte mir noch eine Flasche mit Texas Martini zu. Bestehend aus selbst gebrannten Gin und irgendeinem billigen Bourbon.
Schließlich verabschiedeten Kevin und ich uns als letztes von Major Warren und bestiegen mit anderen Passagieren das zivile Landungsschiff der Mule-Class. Unser beiden Mechs waren im riesigen Frachthangar eingemottet, wohl zwischen einigen Tonnen Gemüse und mehreren Fässern einheimischen Whiskys.
Da North von seinem Vater eine 1. Klasse-Kabine gesponsort bekommen hatte, durfte ich mir mein Zwei-Mann-Quartier mit einem Handlungsreisenden Namens Mike Anderson teilen.
Doch schon nach dem ersten Sprung waren Begeißterung und Interesse für Raumfahrt bei mir abgeklungen. Ebenso wollte ich nichts mehr von Anderson oder irgendwem anderen hören. Denn nachdem ich eine der Freizeiteinrichtungen mit mehreren Kilo halbverdauten Brocken Mittagessen verunstalltet hatte und zusammengebrochen war lautete die Diagnose des Schiffsarzt: TDS.
So sehr ich mich auf meine ersten Raumflug gefreut hatte, so sehr zitterte ich jetzt meinem Bestimmungsort entgegen.

Cunningham
12.05.2004, 22:45
8. November 3037,
Raumhafen New Syrtis, New Syrtis,
Mark Capella, Vereinigte Sonnen

Kaum dass das Landungsschiff aufgesetzt hatte, drängelte ich mich durch die anderen Idioten, die sich wie blöde vor der Ausstiegsluke versammelt hatten, um ja als erster aus dem Schiff zu kommen, oder um mir im Weg zu stehen oder um einfach der Besatzung das Leben schwer zu machen.
Ich trat irgendeiner Frau auf den linken Fuß, ramte einem Kind meine Tasche ins Gesicht und brachte es so zum weinen und die anderen Passagiere gegen mich auf.
Ich wollte aus diesem fliegenden Sarg raus. Während meiner Reise hatte ich angefangen am Verstand der menschlichen Rasse zu zweifeln. Welches intelligente Lebewesen breitet sich ins All aus, wenn es dafür Sprungschiffe verwenden muss?
Zum Schluss drängelte ich mich noch an der älteren Mrs. Potter vorbei, die sich mit ihren Mitleidsbekundungen über mein TDS während der Mahlzeiten auf Platz eins meiner perönlichen Feindesliste gebracht hatte.
"Kommen Sie, ich lasse Sie vor Leftenant Cole." Mit diesen Worten schob sie mich näher zu einem Crewman, der auf das Signal wartete die Schleuse zu öffnen. Der Mann mitleren Alters sah mich genervt an.
Ich hingegen beging in diesem Augenblick meine größte Heldentat: Ich riss mich zusammen und kämpfte den Drang - meine Dienstwaffe aus der Tasche zu kramen und Mrs. Potter über den Haufen zu schießen - nieder.
Stattdessen presste ich ein 'danke' zwischen den Zähnen hindurch.
"Oh, wird Ihnen schon wieder schlecht?" Wollte Mrs. Potter wissen und die Menschenmenge - obwohl sie lauthals lärmte - schien Mrs. Potter verstanden zu haben und rückte von mir ab.
Schließlich schien der Crewman - nach 10 endlosen und viel zu langen Minuten, ich dachte schon meine Uhr würde rückwärts gehen - Mitleid mit mir zu haben und öffnete das Schott.
Ein noch nie dargewesenes Gefühl der Freiheit überkam mich, als ich über die Gangway auf den Raumhafen stürmte.
Frische Luft, firsche, echte und atembare Luft.
Am unteren Ende der Gangway lehnte ich mich gegen sie und legten den Kopf in den Nacken.
An mir strömten die ganzen Zivilisten vorbei, einem Buss der Raumfahrtgesellschaft entgegen. Einige von ihnen warfen mir böse Blicke zu.
"Hey, Virgil ..." Kevin North kam die Gangway hinuntergeschlendert. Der große Adelsspross sah in seiner Uniform aus, wie von einem Recrutierungsplakat heruntergestiegen.
Das Oberhemd war leger in die Hose gesteckt, das Barett hatte er im kecken Winkel aufgesetzt. Und trotzdem blieben seine braunen Haare perfekt gestylt.
"Nun, also ...", North suchte nach den richtigen Worten, "nun, wir waren im Trainingsbataillion keine engen Freunde oder so ... nicht das wir Feinde gewesen wären, oder Rivalen ... naja, es hat sich eigentlich nicht ergeben, dass wir uns näher kennen gelernt haben. Ach, was ich eigentlich sagen will, wir sind wohl die einzigsten von Firegrove innerhalb der nächsten 30 Lichtjahre, wir sollten wohl zusammenhalten oder was meinst Du?"
Er streckte mir die rechte Hand engegen.
Ich war leicht überrascht - gelinde gesagt. War das eben eine Liebeserklärung des verzogenen Adelssöhnchens? Konnte ich da zurückstecken und ihn abblitzen lassen?
"Einer für alle und alle für einen oder was?" Ich ergriff seine Hand.
"Das ändert nichts daran, dass wir nur zwei sind."
"Yeah", bestätigte ich, "sie haben keine Chance."
Wir zogen unsere Jacken zu - es war tierische kalt - und schlenderten zu dem Militärjeep, der offensichtlich auf uns wartete. Der Fahrer war vorher nicht ausgestiegen und machte auch jetzt keine Anstallten auszusteigen.
Der Jeep war ein geschlossenes Fahrzeug. Ich öffnete die rechte hintertür und schmiss meine Tasche auf die linke Seite der Sitzbank. Nachdem Kevin seine beiden Taschen hinterhergeworfen hatte nahm ich auf der Rückbank Platz.
Kevin sieg forne ein.
"Guten Tag Sirs." Der Corporal grüßte schlampig und startete den Wagen. "Willkommen auf New Syrtis. Wie Sie sicher festgestellt haben, ist es heute wieder ein schweinekalter Tag."
"Ach und deshalb haben Sie es nicht für nötig befunden auszusteigen." Bemerkte ich bissig.
"Jepp", antwortete er ohne Anzeichen von Reuhe.
Die Fahrt zur Akademie dauerte über eine Stunde. Der Corporal - der Matthew Rollins hießt - sprudelte wie ein Reiseführer. Ich schnappte dabei eine Menge nützlicher Informationen über meine neue Heimat für die nächsten drei Jahre auf. Eine besonders detaillierte Erzählung hatte er sich für die Nachtclubs und Bars parat gelegt.