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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Blakes Dschihad: Die Engel des Todes


Gäiten
29.04.2004, 21:39
Im alten Forum haben Striker, Ace Kaiser und meiner einer im letzten Jahr eine KG in Autorenkooperation zum Thema WOB-Angriff auf OUTREACH geschrieben.
Das wollen wir nun fortsetzen.

Dies ist die Geschichte aus der Perspektive der Wobbies.

Sie beginnt eine Woche vor der Story von ACE.

Viel Spaß beim Lesen.

Gäiten
29.04.2004, 21:40
Planet Outreach
Chaosmarken
3067
*Eine Woche vor dem Eagle-Day*

Der Demi Präzentor stand vor seinem Vorgesetzten in steifer Habacht-Haltung.
Bis jetzt hatte dieser ihn ignoriert, aber er wusste, dass diesem Mann nichts entging.
Präzentor Goerg Bush war ein skrupelloser und rücksichtsloser Mann, der Menschen nur als Werkzeuge seines Willens betrachtete. Außerdem war er ein enger Vertrauter von Präzentor Martial Cameron St. Jamais, des Oberbefehlshabers aller WOB Streitkräfte und wie dieser ein Mitglied der Toyama Sekte, der radikalsten Gruppe in WOB. Das machte ihn sehr einflussreich und sehr gefährlich.

Jetzt war er der Oberkommandierende der Operation "Jüngstes Gericht", deren Aufgabe es war, die Dragoner als militärische Bedrohung und als Volk zu eliminieren.
Außerdem sollte es der Beginn eines Kreuzzuges werden, mit dem endlich die Vision von Jerome Blake sich erfüllen würde.

Goerg Bush befehligte die 13. Division der WOB-Miliz, die sogenannten "Engel des Todes". Sie waren im geheimen und unbemerkt von den Geheimdiensten der Inneren Sphäre in der Peripherie aufgestellt worden.
Fanatisierte Freiwillige, die eifrig die Lehren und die Wahrheit der Worte Blake`s in sich aufnahmen, bildeten das Gros seiner Krieger. Zusätzlich waren ihm mehrere Söldnereinheiten und zwei Kriegsschiffe unterstellt worden.
Gegen die Dragoner wäre diese Streitmacht trotz ihrer guten Qualität nicht angekommen, hätte es nicht weitere Faktoren gegeben, welche die Söldnerbrut völlig überrascht hatten.
Zuerst einmal waren nicht alle Regimenter des Wolfsrudels auf Outreach. Das war etwas bedauerlich, aber nicht zu ändern. Man würde sie schon noch erwischen. Zum zweiten waren die WOB-Truppen völlig überraschend an einem Piratensprungpunkt im System erschienen. Er war so nahe an Outreach, dass es keine Vorwarnzeit gab und die Heiligen Krieger den Gegner völlig überraschten. Und noch ein weiterer Faktor erwies als durchschlagender Erfolg, Goerg Bush und seine Truppen hatten Atomwaffen eingesetzt. Die starke Raumverteidigung der Dragoner wurde dadurch völlig vernichtet und jetzt beherrschten die Raumstreitkräfte des Ordens den Welt- und Luftraum über Outreach.

Jetzt saß der Präzentor auf seinem Stuhl und las in Seelenruhe einen Bericht. Nichts schien ihn zu beeindrucken. Schon gar nicht die Tatsache, daß die Truppen unter seinem Kommando dabei waren, ein ganzes Volk und eine ganze Kultur auszulöschen.

Unvermutet sah er auf und sah den Demi-Präzentor an. Seine grünen Augen schienen mit einem heißen Feuer zu brennen. Der Demi-Präzentor spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, als dieser Blick ihn traf.

"Nun, Demi Präzentor. Wie läuft unsere Operation?"

"Sir. Wir haben endlich Wolf erwischt. Diese Nachricht kam gerade von Adept Mischkas. Aber sehen sie selbst."

Mit diesen Worten aktivierte er den Holobildschirm, auf dem kämpfende Mechs zu sehen waren ...


Eine kleine Gruppe von Dragoner - Mechs stand Rücken an Rücken und feuerte verzweifelt nach allen Seiten. Rauch verdeckte viele Einzelheiten, aber selbst ein unerfahrener Beobachter konnte erkennen, daß die Gruppe kurz vor ihrer Vernichtung stand. Energiestrahlen und Raketen schlugen um und in die Mechs ein. Ein großer LOKI Omnimech feuerte seine schweren Laser auf nicht sichtbare Gegner ab, wurde dann aber von Dutzenden schweren Treffern regelrecht in Stücke gerissen. Der Pilot schaffte es auszusteigen und sein Schleudersitz verschwand in dicken Rauchschwaden.
Der Widerstand schien sich um einen blaugoldenen SCHÜTZEN (ARC-2W) zu konzentrieren. Dieser kämpfte wie ein Berserker. Seine Panzerung hing in Fetzen, eine LSR-Lafette war zerstört und der linke Arm hing funkensprühend herab, aber er kämpfte weiter.
Vor ihm stürzte ein WOB MARODEUR qualmend zu Boden. Trotz seiner überlegenen Feuerkraft war dieser Mech seinem Gegner nicht gewachsen gewesen. Nur ein Mann konnte so kämpfen und beherrschte einen Mech derart perfekt. Es konnte nur Jaime Wolf, der legendäre Kommandeur von Wolfs Dragonern sein. Jahrzehntelang hatte dieser Mann und seine Söldner das Kampfgeschehen der Inneren Sphäre bestimmt. Immer waren sie ein Stachel im Fleisch der Interessen zuerst von Comstar und dann von Blake`s Wort gewesen.

Jetzt endlich würde sich sein Schicksal und das seiner Brut erfüllen.

Ein riesiger SCHLÄGER (THG-12E) trat aus den Rauch in den Vordergrund. Der Mech hatte noch keinen Kratzer und mit seiner strahlend weißen Lackierung sah er wahrhaftig wie ein Engel des Todes aus. Er feuerte eine volle Breitseite aus PPK`s und Kurzstreckenraketen auf den letzen Mech ab, der neben Wolf stand. Gegen diese entfesselten Kräfte der Zerstörung hatte der schon kritisch beschädigte GALLOWGLAS (GAL-WD) keine Chance und flog in einer gewaltigen Detonation auseinander.

Der SCHÜTZE wurde von der Druckwelle zur Seite geworfen. konnte aber einen Sturz vermeiden.
Er feuerte auf den SCHLÄGER mit dem mittelschweren Laser des rechten Arms, der anscheinend einzigen Waffen, die ihm verblieben war. Treffer um Treffer erzielte er, aber sie verpufften an der enormen Panzerung des überschweren Mechs fast wirkungslos. Dieser feuerte abwechselnd PPK und KSR ab. Stück für Stück wurde der Schütze auseinander genommen. Es war schon fast ein Wunder, dass der Mech einen solchen gewaltigen Schaden einstecken konnte. Dann verstummte sein Gegenfeuer, als ein PPK-Treffer den rechten Arm abtrennte. Wolf gab aber nicht auf und versuchte auf den SCHLÄGER loszustürmen. Schleppend und schwankend wankte der Schütze vorwärts, der SCHLÄGER wich etwas zurück. Ein gezielter Schuß mit einer PPK und der Treffer trennte ein Bein ab. Langsam wie in Zeitlupe fiel der SCHÜTZE nach vorne und krachte in einer Staubwolke zu Boden. Von dem Sturz abgeschlagene Teile kullerten über den Boden. Der Mech war am Ende, trotzdem versuchte Wolf ihn wieder aufzurichten. Aber es war vergeblich.

Der SCHLÄGER ging gemächlich auf den gefallenen Mech zu, blieb vor ihm kurz stehen und trat dann zu. Er traf ihn an der rechten Schulter und warf das Wrack des SCHÜTZEN mehrere Meter nach hinten. Dann hob es seinen rechten Fuß, ließ diesen über dem Cockpit hängen und trat zu.

Unter dieser Dampframme wurde das Cockpit und seine menschlicher Inhalt wie eine Eierschale zerquetscht.

Die Aufnahme endete.

"Sir, das war der Tod des Ketzers Jaime Wolf und seiner persönlichen Kompanie."

Der Präzentor blickte vom der eingefrorenen Momentaufnahme des Todes von Jaime Wolf auf. Um seine blutleeren Lippen lag ein freudiges Lächeln.

"Endlich. Du kannst dir nicht vorstellen, wie es mich erfreut dass Wolf endlich tot ist. Der eine Pilot, der aus seinem LOKI aussteigen konnte, habt ihr ihn erwischt?“

„Das weiß ich nicht, Präzentor. Wir können bislang nur die Identität von Wolf`s Kadaver verifizieren.“

„Nun gut,das ist ja auch relativ unwichtig.“ Er pausierte einen Augenblick. „Ist der Widerstand der anderen Ketzer gebrochen?", fragte er dann.

"Nicht ganz, Sir. Es existieren noch einige Widerstandsnester, die wir bald ausgemerzt haben. Allerdings sind viele Dragoner in die Wildnis von Remus entkommen. Sie werden versuchen, einen Guerilla-Widerstand aufzubauen. Es dürfte für uns sehr kostspielig werden, sie zu erwischen. Mit unseren jetzigen Kräften sind wir dazu nicht in der Lage. Wir brauchen Verstärkung."

Goerg Bush sah seinen Untergebenen unwillig an.

"Wir werden sie nicht jagen. Dazu ist in unserem großen Plan kein Platz. Wenn sie sich irgendwo auf Remus befinden, ist ganz Remus zu vernichten. Diese ungläubigen Ketzer sind völlig zu vernichten.
Gib Befehl an unsere Jäger und an den Zerstörer "Karnov". Remus ist durch ein planetares Bombardement von Atomwaffen vom Antlitz des Planeten zu tilgen."

Der Demi-Präzentor sah überrascht aus.

"Aber Sir!
Auf Remus befinden sich die ganzen Produktionsstätten der Dragoner. Sie könnten sich als sehr wichtig für unseren Kreuzzug erweisen."

Der Präzentor erhob sich und beugte sich drohend über seinen Schreibtisch. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt und er sprach mit kaum beherrschter Stimme:

"Es interessiert mich nicht, was dieser Abschaum hat. Remus ist unrein. Es ist von ungläubigen Ketzern besudelt worden. Alles, das sie dort haben, ist kontaminiert und muß mit Feuer gereinigt werden.
Wenn ich könnte würde ich ganz Outreach aus dem All sprengen."

Seine Stimme war immer lauter geworden und jetzt schrie er den Demi-Präzentor an:

"UND WENN ICH VON DIR NOCH EIN WEITERES WORT DES ZWEIFELS AN UNSERER SACHE ODER AN MEINEN BEFEHLEN HÖRE, DANN WERDE ICH DICH TÖTEN LASSEN!
JETZT FÜHRE MEINE BEFEHLE AUS!!!"

Mit aschfahlem Gesicht salutierte der Demi und rannte fast aus dem Zimmer, um die Befehle zur Auslöschung eines ganzen planetaren Kontinents zu geben.

Goerg Bush setzte sich wieder und sah dem Demipräzentor hinterher. Sein Gesicht war wie versteinert und er massierte langsam seine Schläfen.

Die Operation lief bis jetzt sehr gut. Wolfs Dragoner waren in den letzten Jahren für viele Schwierigkeiten verantwortlich, die Blake`s Wort in den Chaosmarken erfuhr. Ihre Allianz mit anderen Söldnern hatte mehrere Operationen seines Ordens verhindert und andere viel kostspieliger und verlustreicher gemacht, als sie geplant waren. Deshalb waren sie jetzt zum Ziel des Großangriffes geworden.

Auf einmal führte er sich sehr schwach und traurig. Seine Schultern sackten herab. Er öffnete eine Schublade an seinem Schraubstock und nahm ein Bild heraus. Es zeigte eine lächelnde junge Frau mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm. Langsam und zärtlich strichen seine Finger über die Holographie.
Oben in der Ecke stand ein alter, fast schon verblaßter Schriftzug.

"Alles Gute zum Geburtstag von deiner dich liebenden Tochter und deiner Ehefrau. Komm bald wieder heim. Wir vermissen dich. 15.05.3014, New Delos"

Das Bild seiner Familie. Seine geliebte Frau und seine Tochter waren von den Dragonern während der Anton Marik Revolte getötet worden, als die Schwarze Witwen Kompanie die planetare Hauptstadt dem Erdboden gleichgemacht hatte. Sie waren unschuldige Zivilisten, aber das hatte keinen interessiert. Ihn hatte dieser Tag völlig verändert. Er wurde nur noch vom Hass am Leben gehalten, lebte alkoholsüchtig in der Gosse. Bis ihn Jünger von Comstar fanden und retteten. Im Orden fand er wieder Frieden. Er meditierte viel und lernte die Weisheiten des Seligen Blake. Aber nach einigen Jahren spürte er wieder diese innere Leere. Dann hörte er der Comstar Miliz. Er meldete sich freiwillig und wurde aufgenommen. Er trainierte hart und wurde zum Mechkrieger. Er vergaß nie seinen Hass auf die Dragoner und wurde zu einem Experten über sie. Er wartete seine Zeit ab. Jetzt endlich hatte er sich gerächt.
Mit einer plötzlichen Bewegung warf er das Bild zurück in die Schublade, knallte sie zu und erhob sich. Dann ging er mit schnellen Schritten aus dem Zimmer heraus.
Er hatte viel zu tun, denn Outreach war erst der Anfang.

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Gäiten
29.04.2004, 21:40
Im Einsatzraum war die hektische Aktivität fast körperlich zu spüren und die in der Luft liegende Spannung war fast greifbar. In mehreren Reihen hintereinander saßen die Akoluthen an ihren Computern und steuerten die Aktionen ihrer kämpfenden Brüder und Schwestern. Das schummrige Licht der Holobildschirme verlieh ihnen ein blasses geisterhaftes Aussehen.

Dank der hochentwickelten Kommunikationstechnik von Blake` Wort war es ihnen möglich, die Aktionen ihrer Streitkräfte sehr gut aufeinander abzustimmen, sich anbahnende Probleme schnell zu erkennen und Widerstandsnester zu identifizieren.
Den "Blackout" der Kommuniktation durch die EMP-Impulse der Atomwaffenexplosionen waren die WOB Kämpfer durch speziell abgeschirmte Systeme und ein schnell etabliertes Satelliten- / Laserrelais Commsystem entgangen. Neben ihrem enthusiastischen Einsatz von ABC-Waffen war es dieser Vorteil, der es ihnen ermöglichte, den Widerstand der Ketzer schnell und rücksichtslos zu brechen.

Der Demi-Präzentor ging zu einer Kommstation.

"Adept Schroeder."

"Ich stehe zu deinen Diensten, Demipräzentor Maddas.", antwortete der Mann.

Maddas stand einen Augenblick still da, seine Hände waren verschränkt und er überlegte sich seine Aktionen, kalkulierte und wog das Pro und Contra ab.
Dann gab er seine Anweisungen:

"Informiere unsere Bodentruppen, daß sie sofort Remus verlassen sollen. Laß die Ketzer denken, daß sie vor uns vorerst Ruhe haben."

Er holte tief Luft.

"Wir haben den Befehl erhalten, den gesamten Kontinent Remus zu "nuken". Berechne ein optimales Abwurfmuster mit sich überlappenden Wirkungsfeldern der Explosionen. Es sollen maximale Zerstörungen erreicht werden. Überspiele die Ergebnisse in den Holotank und sei für weitere Anpassungen bereit"

Die Finger des Mannes huschten über die Tastatur und seine Augen erfassten schnell die Informationen, die auf dem Bildschirm erschienen.

Der Demi ging in den Holotank. Er sah wie die Statussymbole der Einheiten auf Remus langsam und nacheinander von "Rot", welches Kampfbereitschaft symbolisierte, zu "Grün" wechselte, das die Bestätigung des Rückzugsbefehls anzeigte.

Mit einer Handbewegung aktivierte er die Simulation des atomaren Vernichtungsschlags. Die Geländedaten, die WOB gesammelt hatten, waren leider nur rudimentär. Den Dragonern war es sehr erfolgreich gelungen, alle Versuche von ROM, dem Spionageapparat von Comstar und später auch von WOB, ihre Geheimnisse auszukundschaften zu vereiteln.
Dank der Befragung von einigen Gefangenen, mit teilweisen extrem drastischen Mitteln, man hatte ja schließlich wenig Zeit, wußte WOB inzwischen doch eine Menge von dem, was das Wolfrudel auf Remus erschaffen hatte.

Mit den Standard-Atomwaffen war die Verschlackung von Remus keine große Sache. Die Anzahl der dazu notwendigen Waffen war relativ gering.
Die Ungläubigen besitzen aber auf Remus auch ausgedehnte unterirdische Anlagen, die durch einen oberflächlichen Atomangriff nicht vollständig zerstört werden können. Um dieses zu erreichen, brauchte man noch drastischere Mittel.

Maddas rief die Datenbank der Spezialwaffen. Er ging die Liste durch bis er das fand, was er suchte. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Er hatte genau das gefunden, was er brauchte.

Sogenannte DIGGER waren Atomwaffen, die tief unter die Oberfläche vordrangen, bevor sie explodierten. Sie waren eine alte Erfindung des 21. Jahrhunderts, aber immer noch sehr wirkungsvoll. Zuletzt wurden sie im ersten Nachfolgekrieg eingesetzt.

STEINBRENNER waren eine Verfeinerung der DIGGER-Idee. Diese Waffen erzeugen einen hochenergetischen Plasmastrahl, der sich bis in das Planeteninnere brennen konnte. Eines der kleineren Ergebnisse waren ausgedehnte vulkanische Eruptionen.

Er fügte diese Waffen in seine Simulation ein. Die Vernichtungskraft würde sich dank dieser Waffen noch einmal potenzieren. Allerdings benötigte er für den Einsatz dieser Waffen, die Freigabecodes seines Vorgesetzten. Aber dessen Zustimmung sollte das geringste Problem sein. Er aktivierte seinen Kommunikator.

"Demipräzentor Maddas hier. Präzentor, ich brauche Ihre Zustimmung für den Einsatz gegen Remus."

Die Antwort erklang blechern aus seinem Empfänger:

"Ich werde es mir ansehen, Maddas. Bin gleich bei dir."

Kurz darauf erschien Präzentor Bush in der Zentrale. Er kam langsam von der Balustrade herunter.
Maddas hörte eine Akoluthin neben sich flüstern:

" Er sieht aus wie Gevatter Tod".

Und in der Tat. In dieser Beleuchtung sah er in seinem weiten weißen Kapuzenumhang, seinen knochigen Händen und den eingefallenen Augenhöhlen wie der personifizierte Tod aus.
Trotzdem warf der jungen Frau einen missbilligen Blick zu. Ihr Blick richtete sich sofort auf ihren Bildschirm und sie gab vor, ungeheuer beschäftigt zu sein.

Dann erreichte er den Holotank.

"Ist alles vorbereitet?", fragte er Maddas.

"Ja, Präzentor. Aber ich brauche von euch noch eure Freigabecodes für den Einsatz von Spezialwaffen."

"Spezialwaffen? Erkläre mir, was du damit meinst."

Der Demipräzentor zeigte die Simulation und erläuterte seine Überlegungen. Bush hörte aufmerksam zu. Dann trat er vor und ließ die Sim noch einmal durchlaufen.

Maddas beobachtete ihn dabei.
Der Präzentor war fast 80 Jahre alt, aber hatte die Agilität und den Geist eines viel jüngeren Mannes. Selbst als Mechkrieger war er ihm überlegen, wie er es zu seiner Schande in mehreren Trainingsrunden zu spüren bekommen hatte.

Seine Laufbahn war von den schweren Ereignissen der letzten Jahrzehnte geprägt worden. Sein Lebenslauf umfaßte die Kämpfe des Marik-Bürgerkrieg über den 4. Nachfolgekrieg bis zur Schlacht um Tukkayyid gegen die Antimenschen der Klans.
Auf Tukkayyid war er einer der Helden im Kampf gegen Klan Geisterbär. Seinen Anstrengungen und seiner Organisation des entscheidenden Gegenangriffs auf ein wichtiges Nachschublager der Bären war es zu verdanken, dass diesem Klan ein vollständiger Sieg verwehrt blieb.
Nach der Ermordung der großen Prima Myndo Waterly und dem anschließenden Schisma blieb er dem wahren Glauben treu. Seine Truppen begleiteten Demona Aziz in das Exil in die Liga der Freien Welten nach Gibson und schützten sie vor feindlichen Angriffen.
Irgendwann schloß er sich dort der Toyama Gruppierung an, die zu den radikalsten Umstürzlern innerhalb WOB zählen.
Auf Terra wurde er ein wichtiger Berater des neuen Präzentor Martialum und von diesem wurde er mit der wichtigen Mission vertraut, in den Peripheriestaaten das Wort Blake`s zu verbreiten und neue Rekruten zu werben. Er war sehr erfolgreich. Nicht nur seine neue 13. Division bestand aus konvertierten Peripheriebewohnern, sondern noch mehrere andere.

"Maddas!"

Der Ruf schreckte ihn aus seinen Überlegungen über seinen Vorgesetzten auf. Er trat an ihn heran.

"Ihr alle habt gute Arbeit geleistet. Der Einsatz dieser Spezialwaffen ist genehmigt."

Auf einem holographischen Zahlenfeld gab er schnell eine Zahlenfolge ein.

"Die Planung ist erledigt. Sind unsere Truppen bereits auf den Rückweg?
Gut, sobald alle außerhalb von Remus sind, kann der Angriff beginnen."

Er lächelte kalt.

"Lass` sie brennen, Maddas."

Der Demi erwiderte das Lächeln.

"Die Befehle werden sofort an unsere Landungsschiffe und Jäger gehen.
Dein Wille und der Wille Blake`s geschehe. Das Licht der Explosionen wird der Galaxis den Beginn einen neuen und besseren Zeitalters ankündigen."

"So wird es geschehen, Maddas. So wird es geschehen.“
Nach einer kleinen Pause fügte er noch leise hinzu.
„Und möge Gott unseren armen Seelen gnädig sein."

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Gäiten
30.04.2004, 20:36
Landungsschiff "Erfüllung" im Orbit über Outreach.


"PASS DOCH AUF, DU IDIOTISCHES ARSCHLOCH! DU WIRST UNS NOCH ALLE UMBRINGEN!
DU BIST SO ETWAS VON UNFÄHIG, WIE ICH KEINEN ANDEREN KENNE ..."
Der Waffenmeister tobte.

Unglücklich nahm der Waffentech in einem schweren industriellen Exoskelett die Rakete wieder auf.
Seine Wangen brannten vor Scham und er war wütend über seinen Chef, der ihn vor versammelter Mannschaft zusammenstauchte.
Das Schlimmste aber war, dass er recht hatte. Die Typ XXVIII Rakete, war mit einem MIRV - Atomsprengkopf ausgerüstet worden. Nun sollte sie zu dem Abschußrohr transportiert werden. Ihm war sie entglitten und mit einem lauten Knallen auf den Stahlboden heruntergefallen. In diesem Augenblick schien die Welt stillzustehen.
Alle Augen hatten ihn weit aufgerissen angesehen.
Aber das Glück war ihm hold gewesen, es war nichts passiert.
Allerdings würde er seine Strafe noch bekommen.

Der Kapitän beobachtete das Geschehen. Langsam bekam sein Gesicht eine gesunde Farbe wieder.
Seine verkrampften Hände lösten sich von dem Geländer. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wie sehr sie schmerzten.

"Dieser Trottel hätte uns beinahe alle umgebracht", zischte er zwischen zusammengepreßten Zähnen heraus.

"Das stimmt nicht ganz, Kapitän Keriota. Die Sprengköpfe sind noch nicht scharf. Es wäre also nichts passiert. Es ist Blake`s Wille, daß wir unsere Mission beenden."

Der Kapitän drehte sich langsam zu dem Sprecher um. Die mittelgroße Frau war in eine dunkelblaue Robe eingehüllt, eine Kapuze bedeckte ihren Kopf. Auf seinem Umhang, der mit Formeln und geometrischen Zeichnungen bedeckt war, prangte ein großes silbernes "O", der griechische Buchstabe Omikron.
Es gab niemanden an Bord, der nicht die Bedeutung kannte.
Diese Frau war Teil von ROM, dem berühmt - berüchtigten Geheimdienst von Blakes Wort. Sie war auch für die Gesinnungsprüfung der Männer und Frauen zuständig. Gnadenlos siebte sie all diejenigen aus, die in ihrer Überzeugeng schwankend waren. Ein junger Bootsmann war vor zwei Tagen nackt aus einer Luftschleuse in das Weltall gestoßen worden, weil er Skrupel bekommen hatte und diese Operation als "unmenschlich" bezeichnet hatte. Mit glühenden Augen hatte sie ihr Urteil gesprochen. Niemand durfte schwach sein in diesem Heiligen Kampf für die Zukunft der Menschheit, die jetzt endlich nach dem Willen des Seligen Blake umgestaltet werden sollte.

Seitdem gab es keine Fragen mehr. Die meisten waren sowieso von der Richtigkeit überzeugt und machten keine Probleme.

Seit dem Eingang des Befehls von Präzentor Bush wurde unter Hochdruck gearbeitet. Ein so weiträumiges Bombardement war nicht mit konventionellen Mitteln, wie der Abwurf von Bomben durch Luft-/Raumjägern möglich.

Es erforderte andere Mittel.

Und Blake`s Wort hatte sie.

Das umgebaute Landungsschiff der Overlord Klasse war eines von mehreren, daß für den Abschuß von ballistischen Raketen umgerüstet worden war.

In uralten Dokumenten fanden die Wobbies Hinweise auf längst vergessene Lagerstätten atomarer Waffen. In der russische Tundra Sibiriens, im Eis der Arktis und den Urwäldern Idahos in Nordamerika wurden sie fündig.
In einem längst vergangenen Zeitalter, als es noch keine Battlemechs gab, erschufen die alten, inzwischen im Dunkel der Geschichte verschwundenen Staaten der Erde ein Waffenpotential, das ausgereicht hätte, den Planeten tausendmal aus dem Weltall zu sprengen.

Ihnen fehlte zwar die Raffinesse moderner Waffen, wie die aus den Zeiten des Sternenbundes, deren prominentester Vertreter die STEINBRENNER waren, aber sie erfüllten die ihnen zugedachte Aufgabe mit simpler Brutalität.

"Es wird Zeit, Keriota."

Er sah die Agentin an. Ihre Augen waren ernst und leuchteten vor Fanatismus.

"Es ist hart. Ich weiß es und ich sehe auch die Zweifel und die Angst in deinen Augen. Aber wir müssen uns stählen, um unser Ziel zu erreichen. Denn wenn wir schwach sind, werden unsere Feinde es merken und uns vernichten.
Denke an deine Familie, die auf Gibson von einem aufgehetzten Mob umgebracht wurde. Damals waren wir schwach und das war das Ergebnis."

Ihre Stimme war leise und fast freundlich.
Er sah sie an, blickte in ihre Augen. Hinter ihren verständnisvoll erscheinenden Worten sah er den Stahl, eine gnadenlose Rücksichtslosigkeit, die nie nachgeben würde.

Er nickte.

"Du hast recht." Er lächelte freudlos.
"Mit beidem."

Dann beugte er sich über das Gelände und brüllte mit beeindruckender Lautstärke:

"Seid ihr faulen Säcke endlich fertig mit eurer Arbeit? Da sind ja ein paar Rentner schneller als ihr."

"Wir sind fertig, Sir. Alle Waffen sind verstaut und abschußbereit", schallte es zurück.

"Gut, dann wollen wir mal." Er winkte der Agentin zu, ihm in den Aufzug zur Brücke zu folgen.
"Es wird Zeit."

"Nein, Kapitän.
Es IST Zeit."

Gäiten
09.05.2004, 19:42
Kontinent Remus, unbekannter Ort


"Er kommt wieder zu sich."

Die Stimmen wurden lauter. Major Brian Cameron blinzelte, konnte aber außer einem hellen Licht nichts sehen.

"Ganz ruhig. Sie haben eine leichte Gehirnerschütterung, Sir. Bewegen sie sich ganz vorsichtig."

"W ... w wo, wo bin ich"?

"Sie sind in unserem Feldlager. Eine Patrouille fand sie zirka einen Kilometer von unserer jetzigen Position."

Abrupt setzte er sich auf und sank aber sofort mit einen schmerzerstickten Keuchen zurück. Trotzdem musterte er seine Umgebung. Inzwischen konnte er auch etwas erkennen.
Vor ihm stand ein Medtech.
Freund oder Feind war nur die Frage. An seiner blutbeschmierten Kleidung war kein Abzeichen zu erkennen.

Der Medtech bemerkte seinen Blick und es gelang ihm, sich ein Lächeln abzuringen.

"Keine Angst, Sir. Sie sind in Freundes Hand. Wir sind alles überlebende Dragoner ...."

"Und noch ein paar weitere Freunde", ertönte eine weitere Stimme.

Ein großer Mann betrat geduckt das Zelt.

"Mensch, Brian! Was machst du nur für Sachen. Wir dachten schon, du hättest diesmal wirklich die Hufe hochgeschmissen."

Brian konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

"Hesekiel Jones. Ich dachte, daß du und deine RITTER DER GROSSARTIGEN GESTALT schon lange abgeflogen seid?"

Sein Gegenüber wurde plötzlich todernst.

"Wir waren auf dem Weg zum Sprungpunkt als kurz vor unserem Overlord ein Kriegsschiff materialisierte. Wir wurden sofort beschossen. Die alte "Prophet" wurde schwer beschädigt, aber dem Skipper gelang eine Landung. Seitdem versuchen wir zu erfahren, was hier vor sich geht. Wir haben sehr helle Blitze im All und in der Nacht gesehen.
Weißt du, was hier passiert, Brian?"

Wieder setzte er sich auf. diesmal aber langsam und sehr vorsichtig. Ein Schwindelgefühl kam, aber es ging schnell vorbei.
Er versuchte sich zu erinnern.

"Was ist mit Commander Wolf? Du weichst doch sonst nicht von seiner Seite? Ich habe Gerüchte gehört, daß Blake`s Wort dahinterstecken soll?
Waren es die Kuttenfurzer? Oder wer war es?
Was steckt dahinter?"

Der Wolf!
Er sah es wieder vor sich. Sein blaugoldener SCHÜTZE, wie er kämpfte und Feind um Feind zurückschlug. Wie sein Mech, sein LOKI, vernichtet wurde und es ihm gelang, gerade noch rechtzeitig den Schleudersitz zu betätigen. Noch in der Luft schwebend sah er wie ein SCHLÄGER den SCHÜTZEN, der inzwischen nur noch ein Wrack war, zu Fall brachte und dem liegenden Weg das Cockpit eintrat.

Ihm gelang es in dem Chaos der Schlacht sicher zu landen und sich zu verstecken. Später, nach der Schlacht, rannte er zum SCHÜTZEN des Commanders.

Aber die blutige Masse, die sich inmitten zermalmter Cockpitreste befand, hatte keine Ähnlichkeit mehr mit dem Anführer, der die Dragoner erschuf und sich ruhmvoll durch Jahrzehnte des Krieges und durch viele Krisen führte.

Von da an konnte er sich an nichts mehr erinnern, wie er zum Beispiel dieses Lager erreichte.

"Es sind Wobbies. Sie haben uns überraschend angegriffen."

"Wie sind sie durch die Raumverteidigung gekommen? Sie können gegen unsere Raumflotte doch wenig ausrichten?"

"Soweit wir es in dem Chaos mitbekamen haben sie Nuklearwaffen gegen unsere Schiffe und gegen die Raumstation eingesetzt."

Entsetztes Keuchen erklang.

"Das glaube ich nicht. Niemand würde es wagen, heutzutage noch Atomwaffen einzusetzen. Sie würden zu Renegaten werden, die von der gesamten Menschheit verfolgt würden."

Zustimmendes Gemurmel erklang.

Brian wollte ihnen zustimmen, denn es klang wirklich unlogisch.
Aber er hatte die Rauchpilze über Harlech gesehen.
"Es ist wahr, Leute. Sie haben danach sogar Harlech mit Atombomben angegriffen. Ich habe die Rauchpilze gesehen.
Aber das ist nicht alles."

Wie konnte er es ihnen nur beibringen?
Das Wolfsrudel verehrte seinen Anführer. Er war ihr Idol, die Vatergestalt. Der Mann, auf den sich alle verlassen konnten und der niemanden jemals im Stich gelassen hatte.

Er schluckte schwer.

"Der Kommander ist gefallen."

Schweigen breitete sich aus.
In vielen Gesichtern, die vorher hoffnungsvoll Brian angesehen hatten, stand jetzt das blanke Entsetzen.
Er sah einen jungen Mann, dem Tränen die Wangen herunterliefen.

"Wie ist es passiert?"

"Wir waren auf dem Weg zum Testsuhara Übungsgelände. Der Wolf und seine Befehlskompanie.
Unterwegs wurden wir schon ein paar Mal von Jägern angegriffen, aber unseren Jockeys gelang es, sie abzudrängen. Ungefähr einen Kilometer vom Übungsgelände entfernt, erfaßten unsere Sensoren ein Landungsschiff und Mechsignaturen, die sich uns sehr schnell näherten. Es waren ungefähr 24. Alle Gewichtsklassen waren vertreten.
Sie schnitten uns den Weg ab. Der Wolf entschied sich, sie anzugreifen. Wir waren die Dragoner. Seine Leibgarde, die Besten der Besten."

"Ihre leichten Mechs stürmten in Zickzack auf uns zu, während sich die schweren Bocken eigenartigerweise zurückhielten. Trotzdem eröffneten sie auf weite Entfernung das Feuer und es lag tödlich genau im Ziel. Wir wehrten uns so gut wie wir konnten, aber unsere Reihen lichteten sich immer weiter."

"Der Kommander erkannte es als erster.
`Ein C3-Netzwerk!`, brüllte er. `Wir müssen näher an sie heran!`"

Diese Bastarde waren mit einem C3-System ausgerüstet. Ihre leichten Springer kamen nahe genug heran, um die Zieldaten für ihre schwereren Kollegen zu erfassen. Sie waren zu beweglich, um sie zu erwischen. Ein OSTSCOUT sprang wie vom wilden Affen gebissen zwischen uns herum und markierte unsere Mechs für ihre Artillerie. Die anderen schossen sich gemütlich auf uns ein. Da es ihnen gleich am Anfang des Gefechts gelang, unseren einzigen Mech auszuschalten, der mit einem ECM-Störsender ausgerüstet war, blieb uns nur noch die Möglichkeit anzugreifen.
Mein Loki wurde dann von einer NARC-Boje getroffen. Sie mußte mit einem Störsystem bestückt worden sein, denn meine Systeme spielten verrückt.
Aber wir verkauften uns teuer. Als wir nahe genug heran waren, begann ein erbitterter Nahkampf. Ich wurde von einem LEGACY abgeschossen, der allerdings kurz darauf vom Kommander erledigt wurde. Der Wolf schoß noch weitere Gegner ab, aber sie waren zu stark.

Er war der letzte von uns der noch stand. Alle anderen waren bereits außer Gefecht. Aber Jaime Wolf kämpfte weiter. Wie ein Berserker.

Sie zogen sich von ihm zurück und deckten in mit ihren Langstreckenwaffen ein. Seine Raketen waren bereits alle, seine Beine schwer beschädigt und er konnte sich nicht dagegen wehren. Ein unvorsichtiger MARODEUR bekam allerdings seine Treffsicherheit voll zu spüren. Er schlitzte mit seinen Lasern dessen beschädigte Flanke aus und zerstörte den Reaktor. Dann allerdings ..."

Brian schluckte schwer.

" ... dann kam ein SCHLÄGER. Dieses überschwere Monster hat ihn umgebracht. Als er am Boden lag, trat er auf sein Cockpit. Er war sofort tot."

Flüche, Wutschreie ertönten, aber auch Rufe der Verzweiflung waren zu hören.

Brian saß still da und blickte nach unten.

"Was sollen wir jetzt tun???"
`Ja. Was sollten sie jetzt machen. Jetzt wo ihr berühmter Anführer weg war. Was würde aus ihnen werden?`

Er sah wieder das Gesicht von Jaime Wolf vor sich. Er lächelte ihn an und nickte ihm aufmunternd zu.

Wilde Entschlossenheit durchströmte seinen Körper.

"Wir werden kämpfen!"

Er erhob sich, hielt sich an Hesekiel Jones fest, der ihn hilfsbereit abstützte.

"Wir werden diese Bastarde dafür bezahlen lassen. Sie werden zu spüren bekommen, was es heißt, sich mit dem Wolfsrudel angelegt haben. Der Kommander hätte nie aufgegeben. Und er hat nie aufgegeben.
Werden wir ihn und all die anderen rächen? Lasst uns den Wobbies das Leben zur Hölle machen!"

Zustimmende Rufe antworteten ihm, es wuchs zu einen Rachegeschrei an.

Die Hoffnungslosigkeit war auf einmal wie weggeblasen.
Überall waren entschlossene Gesichter zu sehen.

Rache war schon immer eine wirkungsvolle Motivation gewesen.

Das Rudel war nicht tot. Sie würden weiterleben und sich wieder erholen.

Jetzt war aber Zeit für die Jagd.
Die Wölfe waren bereit!

Gäiten
09.05.2004, 19:43
Planetare Oberfläche Outreach


Mechs wurden einsatzbereit gemacht.
Techs arbeiten eifrig an den Stahlgiganten, wie Ameisen schwärmten sie über die Gliedmaßen, verstauten Munition in den dafür vorgesehenen Bereichen.

"Wir haben einen kritischen Mangel an Munition für unsere ballistischen Waffen und Raketenwaffen. Wir müssen unbedingt zu einem der versteckten Depots."

"Wir haben einen kritischen Mangel an Treibstoff, Schmieröl und überhaupt an Ersatzteilen."

Die Anfragen prasselten auf Brian Cameron ein. Er sah sie durch und gab seine Befehle. Er war darin hochtrainiert und erfahren. Immerhin hatte er fast 15 Jahre lang als Jaime Wolf`s Kommunikationsexperte treu gedient. In der bisher schwersten Stunde der Dragoner, vor dieser jetzt noch schlimmeren, als die Dragoner sich untereinander in einem erbitterten Bürgerkrieg über die Nachfolge Jaime Wolfs befanden, stand Brian unerschütterlich an der Seite seines verehrten Kommandeurs.

Er war wie ein Schatten an seiner Seite. Mittels eines hochmodernen mobilen Kommdecks hatte er Zugang zu allen eingehenden Informationen und filterte sie nach ihrer Priorität.

Sein Können war jetzt überlebenswichtig für diese kleine Schar Dragoner, die den blitzkriegsartigen Angriff der Wobbies lebend überstanden hatten.
Aber, trotz all seiner offen zur Schau gestellten Stärke und Jovialität führte er sich leer. Völlig ausgebrannt. Er arbeitete mechanisch, gab zwar die richtigen Befehle, lächelte den Männern und Frauen ermutigend zu, aber vor seinem inneren Auge sah er nur wie der Blakisten-SCHLÄGER das Cockpit von Jaime Wolfs zerstörten Mech eintrat.
Er hatte ihn nicht retten können. Sein Vorvater, William Cameron,, starb bei den blutigen Kämpfen gegen das Draconis Kombinat im Vierten Nachfolgekrieg als die Dragoner ganz allein in ihrer Blutfehde gegen Haus Kurita die Davion-Grenze gegen alle Angriffe erfolgreich verteidigten.

ER gab sein Leben, um Wolf zu retten. ER war erfolgreich, wo er, Brian Cameron versagte. Sein Leben lang hatte er versucht, dem Urvater der Cameron Ehrenlinie gerecht zu werden.

Die Cameron-Ehrenline. Die Dragoner hatten, vergleichbar mit Klans, ein eugenisches Zuchtprogramm aufgebaut. Das Generbe bewährter Krieger diente als Grundlage für die Zucht neuer Kriegergenerationen. Nach dem erfolgreichen Test einer jeden neuen Kriegergeneration bekam der beste Absolvent einen sogenannten Ehrennamen. Mit seinen Taten konnte er sich beweisen und dem Namen Ruhm und Ehre zufügen.

Bei den Klans war es anders. Dort kämpften 32 Kombatanten in fünf K.O. Runden um einen Blutnamen.
Es war ein Vorteil des Ehrennamens, daß es keine Toten gab. So wurden die Dragoner nicht geschwächt. Bei den Klans starben viel zu viele ausgezeichnete Krieger bei diesen gnadenlosen Tests.

Jaime Wolf war ein Rebell gegen das harte Kastensystem der Klans. Einst war er von ihnen ausgesandt worden, um mit seinen Krieger, die Nachfolgestaaten auszukundschaften. Er tat es viele Jahre und berichtete seinen Herren bei den Klans, aber das Leben in der Inneren Sphäre veränderte ihn. Er verriet seine Herren und wählte seinen eigenen Weg, weil in seinen Augen die Freiheit der Inneren Sphäre diesen Preis wert war. Zuerst hatte er versucht, alles abzulegen, was an die Klans erinnerte.
Nach den enormen Verlusten im Vierten Nachfolgekrieg, als die Dragoner nicht einmal mehr ein Regiment von einst fünf aufbieten konnten, gab er sehr widerwillig seine Zustimmung, ein Zuchtprogramm aufzubauen. Es war sehr erfolgreich.
Das genetische Erbe der Dragoner war eine unschätzbar wertvolle Kostbarkeit. Es war ihre wichtigste Aufgabe, es zu schützen und es in Sicherheit zu bringen.

Brian war sich sicher, daß die Wobbies genau wußten, wo sich das primäre Gendepot befand. Zu präzise waren ihre Angriffe gewesen. Sie wußten ganz genau, wo sich welche Einheit befand. Sie wußten so viel, daß es wahrscheinlich war, daß sie jahrelang ausgespäht worden waren.
Sicher waren die Wobbies schon auf dem Weg dorthin.

Das primäre Gendepot befand sich versteckt in der zerklüfteten Gebirgsgegend im südlichen Teil von Remus.
In einem Gewaltmarsch konnten sie es innerhalb von 4 Stunden erreichen.

Sie würden es so lange verteidigen, bis das alte Landungsschiff "PROPHET", die Behälter in Sicherheit bringen würde.

Eine drängende Stimme riß Brian aus seinen Gedanken.

"Was ist los, Brian? Alles in Ordnung? Du siehst so abwesend aus."

Er sah den Sprecher an. Hesekiel Jones war ein Söldner, kein Dragoner, aber sie waren seit Jahren befreundet. Seine Truppen waren auf Outreach gestrandet und nun waren sie bereit, den Dragonern zu helfen.
"Nein, Hesekiel. Ich habe nur unsere Optionen durchdacht. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit."

Jones nickte:

"Dann sollten wir uns beeilen. Du kannst in meinem ZYKLOP mitreisen. Er ist mit einem Kommando-Modul ausgerüstet", fügte er mit einem Augenzwinkern zu.

Die gute Laune und die Energie seines Freundes waren irgendwie ansteckend.
Er quälte sich ein Lächeln ab. Zeit zu trauern, hatte er nicht. Er musste sich unbedingt zusammenreißen. Er durfte nicht noch einmal versagen.

Beide rannten zu dem ZYKLOP. Zuerst kletterte Jones die hin und her schwankende Strickleiter geübt empor.

Brian folgte ihm langsamer und unter mehr Problemen. Außer Atem gelangte er oben an. Diese archaische Methode, einen Mech zu erklimmen, hatte er schon als Kadett gehasst. Er vermisste das moderne Feld-Howdah-System der Dragoner, eine Art Aufzug.

Dann war im Cockpit. Jones saß auf dem Pilotensessel, den Neurohelm auf dem Kopf. Er aktivierte bereits den Mech.

Brian setzte sich. Als er die vertraute Umgebung in sich aufnahm, wurde er ruhiger. Der Drill zeigte Wirkung. Schnell machte er sich fertig und mit dem Kommsystem vertraut.
Es war ein altes TACTICON 2000.
Er lächelte.
Mit diesem System hatte auch Gründer William den Dragonern gedient.
Was für ihn gut gewesen war, würde ihm, seinen Nachfahren, auch reichen.

"Bist du bereit, Brian?"

"Ja. So bereit, wie noch nie."

"Dann geht es los."

Mit diesen Worten setzte Jones den Mech in Bewegung.

Brian aktivierte die Kommverbindungen.

"Hier spricht Alphawolf. An das Wolfsrudel. Wir rücken aus. Marschformation Gamma Tau.
Achtet auf euren Flanken und passtauf euren Rücken auf."

Ein knappes Bataillon, ungefähr 39 Mech aller Gewichtsklassen, setzte sich in Bewegung.

Gäiten
09.05.2004, 19:44
Im Orbit von Outreach


Landungsschiffe flogen auf präsize vorberechneten Flugbahnen über Remus. Sie waren beladen mit der Technik des Todes, voll gestopft mit den furchtbarsten Waffen, welche die Menschheit bis dato erfunden hatte.

Der Overlord "ERFÜLLUNG" flog auf seinen Zielpunkt zu.
Alle Berechnungen waren erledigt, die Daten waren in die Feuerleitsysteme der ICBM`s eingegeben. Ein Druck auf den einen Knopf, ironischerweise einen roten, und die Apokalypse würde beginnen.

Kapitän Keriota stand bewegungslos auf der Brücke. Neben ihm, ein stummer Schatten, war die ROM-Agentin.

E wandte sich ihr zu.

"Uns ist eine große Ehre zuteil geworden, dass wir das Gendepot der verfluchten Dragoner zerstören sollen.
Reichen diese Waffen wirklich dafür aus? Nach den Berichten befindet sich das Lager tief in dem Alpenwolf-Gebirgsmassiv. Auch Atombomben werden es wahrscheinlich nicht zerstören können."

Ein spöttischer Zug erschien in ihren Mundwinkeln.

"Nun, der Dragonerdreck denkt wahrscheinlich genauso wie du. Sie werden sich dort sehr sicher fühlen.
Aber du hast recht. Eine gewöhnliche Atombombe würde wenig oder nichts erreichen.
Aber wir haben da eine Überraschung für sie."

Als sie den fragenden, etwas dümmlichen Gesichtsausdruck des Kapitäns sah, lachte sie kurz auf.

"Komm mit, Keriota. Wir haben noch Zeit, bis wir unsere Zielkoordinaten erreichen. Ich werde dich aufklären."

Durch die Beschleunigung des Landungsschiffes war eine Gravitation vorhanden. Beide gingen zu zwei Sesseln und setzten sich.

Dann sprach der Kapitän.

"Nun, was für ein geheimnisvollen Ding werden wir einsetzen?"

"Die Weisheit Blakes ist unendlich und dank seiner Vision von der Zukunft können wir jetzt auf diese Waffen zugreifen.
Aber ich greife vor. Lass uns mit dem Anfang beginnen."

Sie verschränkte ihre Arme und in ihren Augen trat ein konzentrierter Ausdruck. Dann schloss sie die Augen.
Mit monotoner Stimme, als wenn sie ein Mantra zitieren würde, erzählte sie ihm die Geschichte.

"Während des Feldzuges des Großen Alexander Kerensky`s zur Befreiung Terras stand dieser geniale Feldherr vor einem gigantischen Problem. Der einstige Erste Lord Brian Cameron hatte in seinem Wahn gewaltige über- und unterirdische Festungsanlagen bauen lassen. Sie waren von einem solchem Ausmaß, wie man es sich heute nicht vorstellen kann. Ich habe in unseren Archiven Filmaufnahmen gesehen.
Unfassbar, dass es von Menschen erschaffen wurde.
Kilometerlange Gänge mit Transportanlagen, die in kürzester Zeit Tausende Infanteristen, oder ein ganzes Mechregiment zu entfernten Punkten der Anlage transportieren konnte.
Ein Energiesystem, welches auf unbegrenzte Zeit Strom liefern konnte, Lagerräume, die genügend Platz boten, um eine ganze Sternenbunddivision mehrere Jahre zu versorgen.
Sie waren mit ausfahrbaren Geschütz- und Raketenbatterien nur so gespickt und auch planetare Raumabwehrsysteme waren in einigen von ihnen installiert.

Bei den Aufständen in der Peripherie vor dem Amarisputsch gelang es den Rebellen einige dieser sogenannten Brian-Festungen mit Atomwaffen auszulöschen. Andere, besonders die wichtigeren waren zu stark und hielten durch bis die Entsatztruppen Kerensky`s erschienen. Bei der Eroberung des Planeten Granera im Magistrat Canopus entdeckten Sternenbundtruppen einen neuen Atomwaffentyp, den die dortigen Rebellen gerade gegen ihre verschanzten Kameraden einsetzen wollten. Die Atomsprengköpfe waren in der Lage, auch tief im massivsten Gestein gelegene Anlagen zu erreichen und zu zerstören.
Die Zerstörungskraft dieser Waffen war ungeheuerlich. Es war ein Glück für die SBVS, dass die Rebellen sie nicht gegen sie einsetzen konnten.
Kerensky befahl, sie sicher zu verwahren. Er wollte sie nicht einsetzen, allerdings ließ er sie auch nicht vernichten. Im geheimen befahl er sogar, sie weiter zu erforschen und zu verbessern.
Nach dem Amarisputsch, wo es den Truppen des Ursupators gelang, alle Anlagen in der Terranischen Hegemonie, fast ohne jede Widerstand zu besetzen, begann Kerensky seinen Feldzug zur Befreiung der Menschheit von der Amarispest und eine der schwierigsten Aufgaben war es, diese Kastelle auszuschalten.
Diese Brian Kastelle waren bedeutend größer und viel widerderstandsfähiger als die in der Peripherie.

Kerensky`s Truppen bekamen das sehr bald zu spüren. Die Verluste seiner Truppen stiegen fast exponentiell an. Es versprach, ein sehr blutiger Feldzug zu werden, dessen Erfolgsaussichten trotz der enormen quantitativen und qualitativen Überlegenheit der SBVS nicht besonders gut waren. Die eingegrabenen Amaris-Söldner vertrauten nicht zu unrecht auf die Sicherheit und den Schutz ihrer Befestigungen. Kerensky`s Truppen würden langsam verbluten.

In dieser düsteren Stunde erinnerte sich der General an die Atomwaffen. Amaris` Soldaten setzten sie bereits enthusiastisch ein, aber er wollte darauf verzichten. Wir wissen heute nicht mehr, warum er es sich anders überlegte. Vielleicht erkannte er, dass nur ein "totaler Krieg" ihm den Sieg bringen und das Gemetzel beenden konnte.

Seine Wissenschaftler hatten diese Bunkerknacker inzwischen weit verbessert. Sie nannten diese Waffe STEINBRENNER.

Sie erzeugte durch eine Kernreaktion einen enormen Plasmaball, der sich durch das Gestein schmolz und alles in seiner Umgebung zerstörte. Je mehr spaltbares Material sich darin befand, desto tiefer konnte es in die Erdkruste eindringen. Sehr wirkungsvoll, aber leider werden dabei riesige Mengen radioaktiver Staub freigesetzt, der weite Gebiete verseucht.

Mit diesen Waffen gelang es der SBVS die stärksten Kastelle auszuschalten. Aber sie richteten auch katastrophale Schäden an. Auf dem Planeten Epsilon Indi schmolzen sich Steinbrenner durch die planetare Kruste in den flüssigen Kern.
Es kam zu gewaltigen Vulkanausbrüchen, die planetare Plattentektonik geriet durcheinander.
Der Kontinent ist heutzutage unbewohnbar und Epsilon Indi nur ein überwiegend ein lebensfeindlicher Drecksball im Vergleich zu der sehr erdnahen Welt vor dieser Katastrophe.

Das war Kerensky zuviel und er mottete diese Waffen ein. Seine Truppen hatten inzwischen andere Taktiken gefunden, um die Kastelle zu besiegen. Obwohl in einigen Fällen schon die Drohung ausreichte, diese Waffen einzusetzen, um die Besatzungen zur Aufgabe zu bewegen.

Sie öffnete ihre Augen und sah ihn an.

“Wenn man genügend von ihnen einsetzen würde, wäre es sogar möglich einen ganzen Planeten aus dem All zu sprengen. Diese Waffen sind wahre Planetenkiller, Kapitän.

Und wir werden sie jetzt benutzen."

Er saß schweigsam da. Während ihrer Erzählung war er blass geworden. Ein einzelner Schweißtropen lief seine Stirn hinunter, bahnte sich langsam seine Weg durch die Augenbrauen über dem linken Auges und tropfte von dort auf seine Uniform, wo er im Stoff versickerte.

Sie fand es faszinierend. Auch der Ausdruck der Angst und des Abscheus in seinen Augen erregte sie. Ein warmes Gefühl der Macht durchströmte sie.

Endlich antwortete er.

"Ich hätte nie gedacht, dass der Sternenbund solche Waffen hatte ... oder dass Kerensky sie eingesetzt hätte.
Es ist unglaublich."

Sie lachte wieder.

"Glaube mir nur. Der Sternenbund hatte viele Waffen, deren Grausamkeit wir uns heute schwer vorstellen können. Auch Kerensky war ein Krieger seiner Zeit, für den der Einsatz solcher Waffen immer eine Option gewesen war."

"Wie sind wir an diese Waffen gekommen?"

"Wir fanden sie unter anderem in einem sehr gut versteckten Depot in den Bergen des nordamerikanischen Montana. Nun helfen sie uns bei unserem Heiligen Krieg."

Er zögerte.

"Du sagtest `unter anderem`. Was meinst du damit?"

Wieder lächelte sie. Diesmal war keine Spur von Freundlichkeit vorhanden.

"Warte nur ab. Wir stecken voller Überraschungen. Du erfährst es bald noch weiteres."

Er sah sie an. Dann erhob er sich.

"Wir erreichen in wenigen Augenblicken unsere Abschußposition. Wir sollten auf unsere Posten gehen."

Das Landungsschiff flog weiter seiner Bestimmung entgegen.

Gäiten
06.06.2004, 21:05
Planetare Oberfläche Outreach


Brian`s Abteilung hatte das Depot ohne Schwierigkeiten erreicht. Es war fast unheimlich. Nirgends war eine Spur von den Wobbies zu sehen.

Allerdings lasen sie weitere Überlebende und Versprengte auf. Am Depot war ihre Gruppe auf fast zweitausend Menschen und 57 Mechs angewachsen. Sie kamen nur langsam voran, weil die meisten Flüchtlinge nur zu Fuß gingen. Das Fehlen von Fahrzeugen machte sich jetzt schmerzlich bemerkbar. Die wenigen, die sie hatten, wurden für den Transport von Verwundeten und von Kindern benutzt. Es brach Brian das Herz, wie er mit ansehen musste, wie sich die Menschen vorwärts quälten. Sein militärischer Verstand sorgte sich, dass sie durch die Flüchtlinge sehr verwundbar gegenüber Angriffen waren. Aber bisher waren zum Glück keine feindlichen Jäger aufgetaucht.

Die nervösen Wachen des Depots wollten sie zuerst nicht einlassen. Auch Brians Überredungskünste konnten sie nicht überzeugen. Schließlich schlug er vor, eine Blutprobe von ihm zu nehmen und sie mit seinem aufbewahrten Generbe zu vergleichen. Damit waren sie einverstanden. Mehrere Wachen in Schutzanzügen kamen durch eine Schleuse heraus und ein einer entnahm ihm die Probe.

Bis sie verifiziert war, blieb den Menschen nichts anderes übrig als zu warten. Den Krieger machte es wenig aus, aber für die Zivilisten, unter denen auch viele Frauen und Kinder waren, wurde die nervliche Belastung für viele zu groß. So kurz vor einer sicheren Unterkunft abgewiesen zu werden, ging über ihr Verständnis hinaus. Es gab Unruhe unter den ihnen, Männer schrien, Frauen weinten und Kinder wimmerten vor Angst.
Einige Soldaten und andere, wahrscheinlicher abgehärtetere Zivilisten versuchten sie zu beruhigen so gut wie es ging, aber lange würde es nicht gut gehen.

Brian hatte seine Kämpfer sich verteilen lassen. In vorgeschobenen Posten deckten sie das Tal, wo sich der Zugang zum Depot befand. Wenn es allerdings in diesem Moment zu einem Angriff kommen würde,, wäre es für die Zivilisten eine Katastrophe.
Die Minuten vergingen. Ihm erschien es, als wären sie ewig lang. Er hatte ein Gefühl, als würden er im Fadenkreuz von Dutzenden feindlichen Mechs sein. Die Untätigkeit war entsetzlich.
Mit einem lauten Krachen, bei dem er zusammenzuckte, aktivierte sich das Kommsystem.

"MAJOR CAMERON", brüllte eine Stimme in seinen Kopfhörer.

Hastig regulierte er die Lautstärke.

"Ja, hier Major Cameron."

"Wir haben eine positive Bestätigung ihrer Blutprobe.
Verzeihen sie uns, Sir, aber wir befürchteten eine Täuschung durch die Blakisten.
Eine Festung sollen sie so eingenommen haben und ..."

Brian unterbrach den Redefluß des Mannes.

"Das ist alles schön und gut, aber lassen sie uns endlich herein. Unsere Leute sitzen hier auf dem Präsentierteller.
LASSEN SIE UNS ENDLICH REIN!"

"Ja .. Jawohl, Sir."

Kurze Zeit später öffneten sich die massiven Stahltore.
Jubelnd strömten die Flüchtlinge hinein.

Die Krieger ließen ihnen den Vortritt. Brian gab Anweisungen, sich um sie zu kümmern und sie zu versorgen.

Dann gingen vorsichtig die ersten Mechs hinein.
In weiser Voraussicht hatten die Planer dafür gesorgt, daß diese Anlage auch Platz für ein ganzes Mechregiment bot. Es würde ein guter Stützpunkt werden, von dem aus sie die Blakies bekämpfen konnten.

Bevor Brian selber das Depot betrat, sah in den Himmel.
Er war düster und blutig leuchtete die Sonne hinter dunklen Wolken. Er sah einen großen Vogelschwarm, der eilig gen Westen flog. Er erschauderte. Etwas stimmte absolut nicht.

Er hatte ein ganz mulmiges Gefühl.
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Das riesige Landungsschiff der OVERLORD-Klasse schien bewegungslos im Raum zu hängen. Ab und zu wurden kurz die Vektorschubdüsen aktiviert, um die Position anzupassen, aber ansonsten gab es nichts, um an Bord eine Schwerkraft aufzubauen. Auf der weiß lackierten Oberfläche prangte stolz das Symbol von Blakes Wort, ein aufrecht stehendes Breitschwert mit einem Kometenschweif unterhalb des Handschutzes.
Es ging etwas bedrohliches, etwas ungeheuer dunkles von dem Schiff aus. Die Waffen waren aktiviert, die Sensoren scannten nach Gefahren, nach Bedrohungen für das Schiff. Aber kein feindliches Schiff war in der Nähe.

An Bord wurden die letzten Vorbereitungen zum Abschuß der großen Raketen abgeschlossen. Sie waren betankt und die Zielkoordinaten waren in die Computerschaltkreise der Raketen eingegeben worden. Alle Checks waren erfolgreich absolviert worden.

Der Kapitän und sein Schatten, die ROM-Adeptin befanden sich beide auf der Brücke. Der Countdown zum Abschuß näherte sich immer schneller dem Ende. Schiff und Mannschaft waren bereit.

Die Lautsprecher wurden aktiviert:

"ACHTUNG! ACHTUNG!
Der Kapitän an die Besatzung. Wir erhalten soeben eine Botschaft des befehlshabenden Präzentors Goerg Bush.
Sie ist für uns alle bestimmt."

Alle Besatzungsmitgleider versammelten sich vor den Bildschirmen. So gut wie es in der Schwerelosigkeit ging. Es erschien das ernste Gesicht des Präzentors. Seine Augen schienen sich in jeden zu bohren und unwillkürlich nahmen einige Haltung an.

Dann begann er seine Ansprache:

"Jünger der Heiligen Worte von Jerome Blake.
Wir sind weit gekommen und haben die Ungläubigen auf Outreach besiegt. Nun müssen wir den Planeten reinigen, wir müssen ihn von dem Gestank und den anderen Ausdünstungen dieses Klandrecks, dieses Abschaums der Menschheit befreien."

“Ich weiß, dass viele von euch uns während des Steiner-Davion-Bürgerkrieges anschlossen, der so viele Leben kostete und so viel zerstörte. Ihre alten Wege, die nichts als Elend und Tod brachten, sind zu Ende. Das Feuer und das Licht der Explosionen werden der Inneren Sphäre und auch den verfluchten Klans den Beginn eines neuen Zeitalters ankündigen.
Wir sind die Wegbereiter der neuen Zeit. Möge euch alle der Segen Blakes erreichen."

Das Bild verschwand von den Schirmen. Es war eine kurze, überaus knappe Ansprache gewesen. Viele waren davon überrascht und wenn man sich ihre Gesichter ansah, auch etwas irritiert. Vielleicht hatten sie erhabenere Worte erwartet, etwas, was ihnen den unerhörten Einsatz der Atomwaffen erleichtern sollte.

Aber der Präzentor war kein Mann solcher Ansprachen. Knapp und immer sofort auf das wesentliche kommend, das war sein Stil.

Plötzlich ertönte eine Alarmsirene.

"ALARM! ALARM!
Ein feindliches Schiff nähert sich uns. Es kommt von der Planetenoberfläche schnell auf uns zu."

der Schiffskapitän Keriota schwebte zu dem Sensoroperator.

"Was ist das für ein Schiff? Welcher Typ? Wie konnte es vor unseren Sensoren so lange verborgen bleiben?"

"Die elektrischen Entladungen in der Atmosphäre müssen es verhindert haben, Kapitän. Es nähert sich uns schnell. Die Sensorendaten werden ausgewertet. Es ist ein ... es ist ein BREITSCHWERT, SIR!
Außerdem wird er von Jägern begleitet. Wir haben acht dieser Hurensöhne erfasst."

Erschrecktes Keuchen war auf der Brücke zu hören.
Ein Landungsschiff der BREITSCHWERT-Klasse war Clantech. Es wog ungefähr 2000 Tonnen und war schneller als ihr umgebaute OVERLORD. Wahrscheinlich ein Erbstück der Dragoner von ihren Klan-Meistern. Oder sie hatten es irgendwann während eines ihrer vielen Einsätze gegen einen Klan erbeutet.
Aber das war egal. Was jetzt zählte, war das es sich schnell näherte. Die Situation war gefährlich, denn es war auch schwerer bewaffnet, denn durch den Einbau der Abschußrampen für die Atom - Raketen war die Panzerung verringert und diverse Waffensysteme waren ausgebaut worden. Bis die Raketen abgeschossen waren, konnte sich der OVERLORD auch nicht bewegen.

Nach einem kurzen Überlegen löste Kapitän Keriota roten Alarm aus.

"Alarmstufe Rot! Alle Mann auf ihre Gefechtspositionen. Das ist keine Übung. Ich wiederhole, das ist keine Übung!"

Hektische Aktivität begann das Schiff auszufüllen. Die Besatzung eilte auf ihre Posten. Schotts und Luken wurden geschlossen, Notfallteams gingen in Stellung. Der Drill funktionierte ausgezeichnet.

Kapitän Keriota ließ sich seine Besorgnis nicht anmerken. Seine Jägerbegleitung war bereits auf dem Weg. Zwei RPR-100 RAPIER und zwei F-92 STINGRAY schossen auf den BREITSCHWERT zu. Auch die Dragoner-Jäger beschleunigten. Die Pfeilsymbole, welche die feindlichen Jäger darstellten kamen schnell näher. Es waren wirklich acht.

Die Adeptin trat an ihn heran.

"Kapitän. Das BREITSCHWERT benötigt noch ungefähr 6 Minuten bis es in Waffenreichweite ist. Unsere Jäger können die ihren etwas aufhalten, aber sie werden schnell durchbrechen.
Wir müssen unsere primäre Aufgabe erfüllen und die Raketen abfeuern.
DAS IST UNSERE HEILIGE PFLICHT!"

Keriota nickte der Adeptin zu. Sie hatte recht. Beide gingen zu einem Computertisch. Jeder von ihnen nahm eine Schlüsselkarte, die an einer Metallkette um den Hals hing. Sie traten an den Tisch.

Der Kapitän sprach zuerst:

"Autorisierungscode Prio Alpha 6547 Kapo Lotusblüte"

Mit einer femininem Stimme akzeptierte der Computer den Code.
Dann sprach die ROM-Agentin.

"Autorisierungscode Prio Omega 25685 Ade Schneefeuer"

"Code akzeptiert. Wollen sie fortfahren?"

"Bestätigt, Computer!"

"Sie haben 2 Minuten Zeit, um die Startsequenz abzuschließen. Beginnen Sie die Schlüsselsequenz!"

Die Adeptin sah ihn an:

"Zusammen. Auf "Drei" ... "zwei" ... "eins" ... Schlüsselkarte einstecken!"

Gleichzeitig wurden beide Karten eingesteckt.

"Jetzt drehen wir beide gleichzeitig nach links. Einmal!
Fertig? Gut.
Drei ... zwei .. eins ... DREHEN!"

Eine Anzeige sprang auf "GRÜN".

"Jetzt zweimal nach rechts drehen. Bereit?
Drei ... zwei ... eins ... Los!"

Die zweite Anzeige wurde "Grün".

Ein verzweifelter Ruf erklang:
"Die Bastarde sind durch unsere Jäger durchgestoßen! Fünf von ihnen sind übrig geblieben und sie kommen schnell näher! Sie erreichen uns in circa 25 Sekunden!"

Instinktiv blickte Keriota zu den Gefechtsschirmen

"KAPITÄN!", schrie ihn die Adeptin an. "Konzentriere dich!
Und jetzt je einmal nach links und dann sofort wieder nach rechts. Hast du verstanden? Bist du bereit?
Gut, dann ... drei ... zwei ... eins ... los!"

Die dritte Anzeige wurde "GRÜN".

Mit einem leisen Zischen fuhren zwei Säulen aus, auf denen je ein Klapphebel befestigt war.

Der Computer meldete sich wieder.

"Zum Abschuss bitte beide Hebel gleichzeitig betätigen."

"Du hast es gehört, Kapitän. Mit einem kleinen Hebelzug werden wir "das neue Zeitalter" beginnen.", sagte sie lächelnd.
Das Gesicht von ihm blieb ausdruckslos. Seine Augen waren hart.

"Für Philosophie haben wir keine Zeit. Lasse es uns beenden. Die Jäger müssen ...."

Bevor er den Satz beenden konnte, wurde das Schiff von gewaltigen Schlägen erschüttert. Beide wurden von den Beinen gerissen, als die Kräfte sich zu groß für ihre Magnetschuhe erwiesen. Instinktiv griffen sie nach den Haltegriffen am Tisch und verhinderten so, dass sie davonschweben würden.
Mit einer effektheischenden Bewegung warf sie ihre Kapuze zurück. Ihr Haar war kohlenschwarz und war zu einem langen Pferdeschwanz geflochten. In der Schwerelosigkeit bewegte es sich wie eine schwarze Natter um ihren Kopf.

`Seltsam`, dachte der Kapitän. `So etwas eigentliches belangloses fällt mir nun auf.`

Ihre Augen waren zusammengekniffen als sie nach dem Hebel griff. Ihr Gesicht war entschlossen.
Die Dragonerjäger, ein SABUTAI Omnijäger und ein CSR-V12 CORSAIR, schossen an der Brücke vorbei.
Das Wummern der Granateneinschläge von schweren Autokanonen dröhnte durch das Schiff, unsichtbare Laserstrahlen kochten die Panzerung von dem CORSAIR. Das Schiff geriet ins Trudeln und eine Gausskugel ließ es in einer lautlosen Explosion vergehen.

Beide griffen nach dem Hebel und nachdem die Adeptin den Countdown heruntergezählt hatte, zogen beide die Hebel.

Als die Raketen abgeschossen wurden, gingen die Erschütterungen durch das gesamte Schiff.
Genau in diesem Augenblick eröffnete das BREITSCHWERT das Feuer.
Die "ERFÜLLUNG" wurde durch die Treffer hin- und hergeworfen, aber jetzt konnte sie so schnell wie sie konnte beschleunigten.

Keriota dachte an die Worte des Präzentors, dass der Widerstand der Dragoner gebrochen worden war.
Nun, man konnte sagen, dass er voll daneben gelegen hatte. Was für Überraschungen würden sie ihnen noch bereiten? Aber erstmals mußte sein Schiff mit dieser Bedrohung fertig werden. Der Drill seiner Besatzung machte sich bezahlt. Kurz und knapp hallten Befehle durch die Brücke. Feuerlösungen wurden blitzschnell berechnet und die Geschütze des Landungsschiffes erwiderten das Feuer.

Auf einem Sekundärschirm sah er den Kurs der ICBM`s. Sie waren auf Kurs und nichts würde sie aufhalten können. Er hoffte. dass die Schäden an seinem Schiff nicht so schlimm waren und sie ihren Kampf durchstehen würden.