Striker
18.04.2004, 21:34
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Ich bin Sergeant Tim O´Brian. Soldat des 38. Scout Dog Platoons der 8. Syrtis Fusiliers
Ich wuchs von einem Krieg in den nächsten. Mein Vater war Mechkrieger im Kampf unter Hanse, meine Mutter trug die Uniform der WAVES (Women Accepted für Volunteer Emergency Service), einem freiwilligen Dienst der Frauen. Ich war einer aus dem Baby Boom, eines der Milliarden Babys, die geboren wurden, um die gerade Gefallenen zu ersetzen. Mein Geplärr gehörte zu den ersten kehligen Lauten einer neu ausgebrüteten Armee. Ich wurde schnell aufgezogen, sorglos abgefertigt zu einer Zeit, als die verjüngte und im Triumph glänzende Nation ihrem Glück und Erfolg die Zügel schießen ließ. Man nährte mich aus dem Sieg des 4. Nachfolgekrieges.
Aufgewachsen bin ich auf der Farm meiner Eltern, mein Vater brachte mir das jagen bei. Und übte mich somit früh genug in Gewehre.
Danach ging es ab zu Armee.
Mein Vater, ein Kriegsveteran, konnte sich nicht die Ausbildung zu einem Mechkrieger leisten. Was soll’s dachte man sich und ich kam zur den Grunts.
Schnelle Abfertigung und ab zu unserm verhassten Nachbarn, den Capies.
Noch schnell eine Paramilitärische Ausbildung als kurze Vorbereitung für den Dschungel und Guerillakampf und ab an die Front.
Ich hab mich für 4 Jahre verpflichtet und nun stehe ich kurz vor meiner Entlassung.
Man kann es nicht beschreiben, aber man lebt nur noch für den Tag, für den Tag aus dem man aus der Army kommt und wieder ein normales Leben führen kann.
Ja ihr habt es richtig gelesen, ich freue mich aus der Armee zu kommen.
Dies ist keine Geschichte von überzogenen Helden, die den Krieg lieben. Ich kenne auch keine solchen Leute. Keiner liebt den Krieg, solche Geschichte verfassen Menschen die noch nie in einem Krieg waren oder jene die ihn verdrängten und sich an den dünnen Faden der guten Augenblicke nur erinnern.
Dies ist eine Geschichte von einem Fußsoldaten der die Hölle von Lee kennen gelernt hat.
Keine Helden, keine Ehre, aber vielleicht versteht man die Taten einzelner so besser.
Dies ist meine Geschichte:
Es war einmal mehr ein schwüler Tag. Mit den Flakwesten war es kaum zu ertragen, den Helm hab ich schon lange gegen den alten Tropenhut ausgetauscht. Jacky mein Hund lag im Schatten eines Baumes und hechelte vor sich hin. Private Brown saß neben ihm.
Die Gischt des Schwebers, der über die Reisfelder raste war weit zu sehen. Seine Turbinen surrten leise vor sich hin als er sich näherte, er wirkte fehl am Platz. Es wirkte fast wie ein friedlicher Tag im Busch, wenn dieses Metallungetüm nicht wäre, doch es gibt keine friedlichen Tage im Busch.
Der Schweber hielt keine 15 Meter von mir entfernt, schnell sprangen die Klappen hinten auf und Soldaten der 8. Syrtis Fusiliers.
Ich sah viele junge Kerle, noch keine zwanzig Jahre alt. Ein junger Leutnant sprintete aus dem APC und ging in Deckung, die meisten seiner Leute taten es ihm gleich. Warum auch nicht? Sie waren neu auf Lee, sie wussten es nicht besser, ebenso wie ihr Honcho.
Nachdem der letzte Soldat ausgestiegen war, brauste der Schweber wieder davon.
„O´Brian du alte Sau. Du wagst es deinen Kadaver hier auftauchen zu lassen, nachdem du mich so beim Poker abgezockt hast?“ die letzte Gruppe der Soldaten verließ den APC mit einer seligen Ruhe. Keine Hektik, keine Deckung, ihre Uniformen waren verdreckt, die Flakwesten zerschossen.
Ich erkannte den Korperal, es war Barney. Er war schon so lange auf diesem Drecksball wie ich und beide waren wir ST – Shorttimer. Wir hatten es bald geschafft.
„Barney altes Haus, was machst du da, ich dachte du bist hinter die Front versetzt worden?“
„Is wohl nicht. Die mögen keine schwarzen hinter der Front und du Saftnase hast wieder ein Charlydorf gefunden?“
„Gefunden ist gut gesagt, es ist noch ein paar Kilometer entfernt wir stolperten regelrecht darüber. Ist der Neu?“
Ich deutete zu dem Leutnant.
„Ja.“ Meinte Barney grimmig. „Ein Arsch. Er kriecht den Cap. Immer in den Arsch. Der ist auf Lametta aus. Verdammte Scheiße, warum ich. Warum muss ich den Arsch bekommen?“
Ich lachte und sah wie der Leutnant zu Brown robbte. Brown saß einfach da und sah ihm zu.
Sie unterhielten sich, ich konnte es nicht hören und es interessierte mich auch nicht. Der Leutnant dachte Brown wäre ich und da sah ich auch schon wie Brown zu mir rüber deutete.
Ängstlich blickte der Leutnant zu mir rüber. Er verstand nicht warum ich da stand und mich mit Barney unterhielt während sein Platoon im Dreck robbte.
„Sergeant! Sergeant O´Brian?“
„Jou.“
Wieder kroch er zu mir rüber.
„Sergeant. Sie haben das Dorf gefunden?“
„Jetzt stehen sie erst mal auf.“
Angst spiegelte sich in seinen Augen. Unsicher sah er hin und her.
„Man wenn Charly hier wäre, hätte er schon längst geschossen. Stehen sie auf Mann.“
Der Leutnant stand auf und deutete seinem Platoon an ebenfalls aufzustehen und die Gegend zu sichern.
„Leutnant Parris. 384th Federation MIR. Wo ist das Dorf, wie viele Gegner werden wir treffen.“
Ich deutet einen Pfad entlang, der die Reisfelder verließ und in den Dschungel führte. Barney verdrehte die Augen. „Nein, nicht da rein.“
„Korporal, ruhe!“ schnauzte der Leutnant.
„Gut 8 Klicks in den Busch. Vor 4 Stunden war der Weg noch frei von Minen. Wir wissen nicht ob die Cappies noch im Dorf sind, aber sie waren da, vermutlich haben sie dort ein Tunnelsystem Sir.“
„Gut, dann lasst uns aufbrechen. ABMARSCH! Barney sie gehen voraus.“
„Scheißkerl.“
„Wie bitte?“
„Nichts.“ Brummte Barney.
Ich holte mir Jacky und gesellte mich zu Barney. Brown bildete das Schlusslicht, damit die FNG (Fucking New Guys) auch nicht verloren gehen und wer will schon in der Mitte gehen. Wenn die Capies oder wir nennen sie auch Charly, da sie mit C im Funkalphabet abgekürzt werden und C ist Charly, wenn sie also eine Falle aufbauen, dann erwischt es meist die Leute in der Mitte. Findet man eben raus, wenn man schon ein paar Jahre auf Lee sein Leben verbracht hat.
Barney war sauer. Er war neben Sergeant Mad Mark und ein paar anderen Gruppenführern einer der erfahrenste in der Einheit.
„Es ist doch unglaublich! Stell dir nur vor, du stolperst einen Eselspfad wie diesen hier entlang, springst ständig wie ein Ochsenfrosch aus dem Dreck, um keine Kugel abzukriegen. Verdammt ich hätte nie gedacht, dass ich das den ganzen Tag mitmache, Und du?
Zuhause Strawn würde ich jetzt noch im Bett liegen und schlafen. Vielleicht ein geiles Mädchen im Arm. Keine Delta Delta die nur einen Offizier will. Eine richtige Braut, eine weiße Braut und keine Gelbe.“ Barney lachte.
Ich nickte ihm zu. Nach einigen Minuten schreien die Soldaten hinter uns auf und das zischen der Kugel war zu vernehmen. Wir hörten das helle zischen, was bedeutete, dass die Kugeln ganz nah waren, sozusagen auf uns gezielt.
Barney und ich schmissen uns in den Dreck, auch Jacky legte sich ab. Sogar ein Tier gewöhnt sich an den Krieg und verhält sich wie ein Soldat. Soviel dazu, wie intelligent wir doch alle sind. Wir machten uns nicht einmal die Mühe unser Gewehre zu benutzen, man wusste eh nicht wo der Heckenschütze saß und nach ein paar Minuten wäre alles vorbei.
„Herrje hast du das gesehen?“ fragte Barney
„Gestern.“
„Gestern? Scheiße Gestern war nichts gegen Heute.“
„Gestern Heckenschützen, Heute Heckenschützen. Wo ist da der Unterschied?“ sagte ich.
„Kann sein, die durchlöchern die sowieso den Hintern, klar? Scheiße aber Gestern war nichts dagegen.“
„Gestern Heckenschützen, Heute Heckenschützen.“ Wiederholte ich und steckte den Kopf in den Dreck, als neue Salven kamen.
Barney lachte. „ Du hast wohl was gegen Heckenschützen? Gestern hatten wir Anfänger als Heckenschützen. Aber heute, mein Gott heute können die Schießen. Heute Nacht bau ich meinen Fuchsbau so tief wie einen Keller.
Barney nahm seinen Helm und machte einen Strich darauf.
„Siehst du?“ sagte er und zeigte mir grinsend zehn Striche, „schon zehn für heute. Zähl´sie nur –eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, ZEHN! Ist schon jemals am Tag zehnmal auf dich geschossen worden?“
„Gestern,“ sagte ich. „Und vorgestern und vor- vorgestern.“
Barney sah mich an.
„Scheiß Scout, ich dachte du sollst unentdeckt beleiben?“
Ich zuckte die Schultern. „Sind wir meistens ja auch, aber wenn ich dauernd ein Platoon führen muss.“
Die Schüsse waren nun schon ein paar Minuten vorbei und ich merkte dass der Leutnant ungeduldig wurde. Verletzte gab es keine, die Capellaner waren als schlechte Schützen bekannt, solange sie nicht in der Armee waren.
Ich stieß Barney an und wir erhoben uns.
Barnes hüpfte rum wie ein Hampelmann und begann ein Lied zu pfeifen.
„Du bist wohl Optimist Barney?“
„Man darf sich nicht unterkriegen lassen. So werden Soldaten verheizt. Wie spät ist es?“
„Nach der Sonne wird es ungefähr drei sein.“
„Gut.“
„Was ist daran gut?“ Du wirst wohl müde?“
„Nein, aber dann sind wir bald da.“
Etwas zischte wie das Kreischen einer Frau an unseren Ohren vorbei.
„Allmächtiger,“ rief Barney und lag bereits flach auf dem Bauch und ich kniete neben ihm.
„Allmächtiger,“ sagte ich. „bist du OK?“
„Glaube ja und du?“
„Yeah. Das galt uns, da bin ich sicher und das war verdammt knapp. Die wissen eben wer hinter ihnen her ist.“ Sagte ich. „Du und Ich.“
Er kicherte. „Klar wir würden ihnen ganz schön einheizen.“
Der Pfad verband eine kleine Gruppe Dörfer. Ich war am Vormittag schon hier. Dort sahen wir in einem der Dörfer wie sich Charly mit Lebensmittel versorgte. Vielleicht sind sie noch im Dorf, was ich aber stark anzweifelte. Aber vielleicht gibt es dort Waffenlager oder ähnliches und zumindest musste man auftauchen und alles durchsuchen, damit nicht jeder Charly unterstütz.
Jacky wurde auf einmal ganz ruhig und setzte sich hin. Barny der mit mir schon öfter auf Streife was kannte das Signal, ich gab dem Trupp das Zeichen stehen zu bleiben und in Deckung zu gehen.
„Scheiße Tim, Scheiße, jetzt reißen sie unsern Arsch mit Minen auf?“
Ich streichelte Jacky als Belohnung und gab ihm etwas zu essen. Dann tastete ich mich langsam vor. Ein kleiner Stock in der Hand, so als ob der etwas bringen würde, aber man war ruhiger damit. Ich winkte Barney her, der leise fluchend dem Befehl folgte.
Ich deutete auf eine Nylonschnur die über dem Weg geht.
Sie endete Links und Rechts im Gebüsch. Ich sah links nach. Dort war sie um einen kleinen Ast gebunden, also sah ich Rechts. Ein Pfeifen konnte ich mir nicht unterdrücken.
„Was? Was? Verdammt Tim was ist das?“
„Eine Claymore. Die setzen unsere Minen gegen uns ein. Ohne Jacky und 700 Schrapnellen wären dir in den Leib gefahren.
Langsam machte ich mich daran den Stolperdraht zu durchtrennen, achtete aber ihn immer auf Zug zu halten.
„Schraubenzieher.“
Barney assistierte mir und so entschärften wir das Ding. Es war nicht schlimmes für mich.
Routine!
Wir fanden noch weitere Minen. Unter anderem einige Bouncing Bettys.
SMi35. Diese Minen sind im Boden vergraben und wenn sie ausgelöst werden springen sie in die Luft und überstreuen ein Platoon von oben mit unzähligen Splittern. Keine schöne Sache, man kann sie auch dafür einsetzen um Sprungtruppen oder Kröten zu erwischen.
Barney erlangte schnell wieder seine gute Laune.
Der Leutnant kam nach vorne.
„Wie lange wird es noch dauern bis wir das Dorf erreicht haben Sergeant?“
“Nicht lange 30 Minuten vielleicht.“
„Gut.“
„Vielleicht können wir Charly ja überraschen?“ grinste Barney.
„Willst du mich verarschen Barney?“ meinte ich
„Warum Sergenat? Vielleicht überraschen wir die Capellaner? Vielleicht werden wir heute einen erfolgreichen Schlag machen.“
„Mein Gott. Die schießen schon seit Stunden auf uns. Wie zum Teufel will man die überraschen?“
Ich war sauer, Barney hatte Recht der Leutnant war ein Arsch. Um einen Orden zu bekommen würde er uns alle in den Tod schicken.
„Leise vorrücken.“ Befahl der Leutnant und gab das Zeichen an das Platoon.
Wir gingen weiter.
„Wie heißt der verdammt Ort?“ fragte Barney mich
„Ich weiß nicht, ich habe nicht darüber nachgedacht. Niemand denkt darüber nach.“
„Ist schon komisch, später fragt mich jemand, wo zum Teufel ich hier war, und wo das Gemetzel war. Und Scheiße, was soll ich dann antworten?“
„Sag ihnen St Vith.“
„Was? Heißt der Mistflecken so?“
„Ja. So heißt er. Hier ist er auf der Karte. Willst du sehen?“
„Was ändert das hmh? Su sagst St Vigh, und so ist es halt. Du bist der Scout. Ich werde mich eh nicht daran erinnern.“ Er überlegte kurz. „ Wie lange werde ich wohl brauchen um dienen Namen zu vergessen?“
Wir gingen weiter und nach 45 Minuten kamen wir zu dem Besagten Dorf.
Der Leutnant ließ und ausschwärmen und in einer Linie auf das Dorf vorrücken.
Ich sah wie Schlitzaugen weiter ihren bäuerlichen Arbeiten nachgingen. Frauen, Kinder und alte Männer. Sie bestellten die Reisfelder, klopften den Reis oder machten sonst etwas.
Sie ließen sich von uns nicht beeindrucken. Langsam stapfte ich durch das Wasser, Jacky hasste das. Doch ich war froh ihn dabei zu haben. Er fand Sprengstoff und Charly wenn es sein musste und gleich im Dorf wird er ein unersetzbarer Kamerad sein.
Der Leutnant brüllte Befehle rum. Schrei die Eingeborenen an, so als ob er der König wäre.
Barney stieß ein paar Reistöpfe um und ich ließ Jacky jedes Haus durchsuchen.
Wir fanden nichts. Der Leutnant war sichtlich enttäuscht und gereizt.
„Scheiße!“ meinte Sarge Mad Mike als ich und Barney in seiner Nähe waren. Langsam gingen wir zu ihm rüber.
Mad Mike hatte es geschafft. Irgendwie hat er einen Tunneleingang freigelegt.
Das heißt einer von uns muss da rein.
„Wenn wir sie einfach sprengen bevor der Honcho es sieht?“
Mad Mike schüttelte den Kopf und nickte in die Richtung aus der der Leutnant und einige seiner Speichellecker schon antrabten.
„Ja wunderbar Sergeant Smith. Da heben wir ja was wir suchen. Jetzt müssen wir nur noch einen reinschicken.“
„Ich nicht. Ich bin heute schon zu stark beschossen worden. Ich habe kein Glück mehr übrig.“ Meinte Barney.
Der Leutnant sah zu meinem Hund.
„Vergessen sie es. Die Army hat viel Geld bezahlt um den Hund auszubilden. Den setzen sie nicht auf Spiel.“
„Einer muss rein. Dann gehen halt sie. Zeigen sie mal, dass sie ihre Silverwings verdient haben.“
Der Leutnant spielte auf die Silbernen Flügel an, die ich an der Uniform hatte.
Das 39th Scout Dog Platoon, war eigentlich eine Airborne Einheit. Entwachsen aus der 249th Airborne Regiment der 6th Syrtis Fusiliers. Eine Eliteeinheit, Paras! Ich sah mich nie als Elite, und jetzt mir meinen Arsch wegschießen zu lassen das sah ich gar nicht ein.
„Vergessen sie es Leutnant. Gehen sie doch selber rein.“
„Sergeant. Das war keine Bitte.“
Ich spuckte den Leutnant vor die Füße und legte mit einem gifteigen Blick meine Trageweste ab. Gab Barney meinen Hund, nahm die Pistole und gleitete in das Loch.
Es war eng, eng und stickig. Ich kannte solche Systeme. Sie waren bespickt mit Fallen und wenn irgendwo ein Charly war, dann hatte man kaum Chancen.
Ich hatte Glück, meiner war verlassen. Wohl eher ein alter Bunker für das Dorf. Erleichtert kletterte ich nach gut 30 Minuten wieder nach draußen. Die Fresse vom Leutnant grinste mir schon entgegen.
„Und?“
„Und was? Leer du Wochenendkrieger.“
„Sergeant, das wird Folgen haben. Ich lasse mich von ihnen und vor meinen Leuten nicht beleidigen.“
„Paß blos auf dass du heute Nacht nicht gefragt wirst.“ Murmelte Mad Mike leise.“
„WAS?“ brüllte der Leutnant. „Wer hat das gesagt?“
Man sah richtig wie ihm die Gesichtsfarbe entschwand und er schön weiß wurde. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Mad Mike und Barney ebenso wenige. Die FNGs entfernten sich langsam von uns, sie sicherten lieber das Dorf.
Fragging – Einen Unfähigen Offizier töten.
Sehr gefürchtet bei den jungen Offizieren und es passierte öfter als man annahm.
„Ich behalte euch drei im Auge und wenn wir wieder am Lager sind, stell ich euch vor ein Kriegsgericht.“ Drohte er.
Wir sprengten das Tunnelsystem und gruben uns dann die Nachtlager in die Erde.
Ich weiß nicht wer es war, es spielt auch keine Rolle, aber in der Nacht gab es einen dumpfen Knall. Alle wurden wach, einige schossen wie wild in den Dschungel. Völlig ziellos und ohne zu wissen was los war. Mad Mike brüllte sie sollten aufhören. Langsam kehrte wieder ruhe in die Nacht. Mit Taschenlampe beleuchtete man die Fuchsbauten von uns. Ein Fuchsbau wurde von einer Handgranate gesprengt und die Teile des Leutnants waren über das ganze Lager verstreut.
MAD Mike war Sergeant Major. Er war der erfahrenst von uns. Er war ja auch Berufssoldat.
Er übernahm das Kommando und entschloss sich am nächsten Morgen zurück zum Lager zu gehen.
Die Neuen waren nun ängstlich. Gut die Hälfte der Soldaten im Platoon waren erst ein paar Tage hier. Sie kannten keinen Krieg, keine Toten und erst recht nicht, warum man Offiziere tötete. Aber lieber er als wir. Und wir wollen keine Lyranischen Zustände hier haben.
Eine weitere Granate war zu hören, ungefähr 50 Meter von uns entfernt.
„Verdammte Kerle,“ schrie Mad Mike. „Hört mit den verflixten Granaten auf.
Dann eine Reihe von Explosionen folgte. Hütten wurden dabei zerrissen Leute schrieen auf.
Dann kamen gelbe Blitze und Getöse aus den Hecken um das Dorf. Maschinengewehrfeuer knallte kurz und ganz beunruhigend und ganz unglaublich nah.
„Siehst du,“ sagte Barney, als er neben mir lag, „wir haben sie gefunden.“
„Haben sie überrascht.“ Sagte ich als ich mein Nachtsichtgerät herausfingerte. „Haben sie so getäuscht, dass sie ganz von den Socken sind.“
Barny sah auf das Nachtsichtgerät, er hatte keines. Er war Infanterist kein Scout.
„Angriff!“
„Angriff!“
„Herrje,“ sagte Barney. „Als ob wir das nicht gemerkt haben. Pass auf mich auf, du kannst sehen.“ Sagte er, dann legte er sein Leichtes MG an und fing an in den Wald zu Feuern. Das Maschinengewehr grunzte auf, als es die Salven verschoss. Deswegen nannte man es auch Pig.
Ich sah die Welt in einem grünen Ton. Die Wahrnehmung war beschränkt, vor allem durch das enge Seitensichtfeld und die Tiefenwahrnehmung. Aber man sah etwas. Immer wieder schoss ich mit meinem Federatet Longrifle auf die Hellgrünen Umrisse, die im Wald zu erkennen waren. Ich sah eine Gruppe von zwei vielleicht drei Mann. Das war das MG, welches uns beschoss. Ich robbte zu dem Neuling neben mir, er lag ängstlich in seinem Fuchsbau und traute sich nicht raus.
Ich nahm die Granatenpistole, und zielte in die Richtung wo das MG war. Es machte Plopp und wenig später gab es eine Explosion genau dort wo das MG war.
„Was war da?“ meinte Barney.
„Da MG.“
„Oh, Danke.“
Wir schossen weiter auf den Wald, obwohl ich nichts sehen konnte. Es konnten nicht viele gewesen sein. Ich klopfte Barney auf die Schultern und deutete ihn an, dass alles vorbei ist.
Der Neue in unserm Fuchsbau saß immer noch heulend in der Ecke. Wie lange hatte er noch. Zwei oder Vier Jahre. Das wird noch etwas werden mit dem. Lange macht er es nicht und Charly hat ihn entweder erschossen oder mit seinen billigen Drogen dahingerafft.
Die Jungs schossen immer noch. Man konnte durch all das Getöse Sarge Mad Mike hören.
„FEUER EINSTELLEN!“ schrie er. „Verdammt, was habt ihr Jungs? Hört auf die verdammte Munition zu verheizen. FEUER EINSTELLEN!“
„Feuer einstellen!“ brüllten die Sergeanten.
„Feuer einstellen!“ brüllten die Korporals und Gruppenführer.
„Die gute alte Befehlskette.“ Meinte ich und Barney musste lachen.
In dem ganzen Getümmel kam Brown angekrochen.
„Alles OK Sarge.“ Meinte er und ich bestätigte die Lagemeldung mit einem Nicken.
Da ich nur einen Mann hatte, hatte ich meine Verlustmeldung schon zusammen.
Bates, einer der Sergeanten kam angekrochen. Hat es von euch einen erwischt.
Wir verneinten das und deuteten aber das das Frischfleisch im Loch.
Bates schüttelte den Kopf.
„Es muss ein paar erwischt haben.“
„Schauen wir zu den Hütten rüber, da sind die meisten Granaten runter gegangen.“ Meinte ich. „Es hat bestimmt auch ein paar Zivis erwischt.“
„Granaten?“ Bates sah mich an.
„Das waren Mörserrunden die auf uns herunter kamen. Zweiundachtzig Millimeter Mörserbomben.“
„Biste sicher?“ fragte Barney seine typische Frage.
„Na das will ich wohl meinen. Ich hab mal einen Mörser bedient. Das waren Mörserbomben.“
„Das wird eine gemütliche Nacht werden.“ Meckerte Barney. „Sagte ich nicht, viel schlaf werden wir nicht bekommen.“ Grinste er.
Wir gingen zu den Hütten, dort standen einige des 3. Chalk rum.
„Ist einer von euch verletzt?“ fragte Bates und betrachtete die vier Löcher im Boden.
„Nein, niemand. Wir hatten Glück, wir saßen alle am Boden oder lagen. Wären wir gestanden, als die Dinger runterkamen, wäre jeder tot gewesen, mausetot.“
Der Schock war ihnen noch im Gesicht. Ein Soldat saß auf seinem Tornister und aß eine Dose Pfirsiche.
Einige Häuser waren zerstört und Bäume entwurzelt. Einige Einheimische waren verwundet, zwei Tot. Unser Sanis kümmerten sich um die Verwundetet. Eine alte Frau, 70 Jahre alt, war über und über mit Schrapnellen zerschnitten worden. Sie sah aus wie ein roter Fleischberg und nicht wie ein Mensch. Einer der Sanis tat sein bestes. Ob sie überlebte habe ich nie erfahren.
Mad Mike kam angerannt und sagte mir ich sollte die Bataillonszentrale anrufen.
„Gib ihnen Bescheid, dass wir für die Nacht Position beziehen. Kein Wort von dem kleinen Gefecht gerade eben. Ich habe keine Lust jetzt auch noch mit Kampffliegern zu spielen, und
genau das würden sie von uns verlangen.“
Im Großen und Ganzen war es ein guter Tag. Wir haben niemanden verloren, bis auf unseren Leutnant, doch den Verlust betrauerte keiner. Es machten Gerüchte die Runde, dass Perris ein heimlicher Katherine Anhänger war. Ich hielt nicht viel von Gerüchten, doch wenn es den Leuten half. Der erste Befehl von Mad Mike nach der Schlacht war, dass sich alle wieder wie echte Syrtis Fusiliers zu verhalten hatten.
Bei den Syrtis Fusiliers war so etwas wie ein Helm verpönt. Es galt als feige. Ich verstand es auch nicht so ganz warum und es gab auch keinen der es mir erklären konnte, doch bei der Schwüle und Tagsüber bei den hohen Temperaturen war ein Dschungelhut bei weitem angenehmer zu tragen als ein Helm. Oft hatte ich meinen Helm dabei, falls man wirklich mal unter Granatenbeschuss kam, aber meist hatte man keine Verwendung damit. Die Soldaten der 8. Syrtis Fusiliers benutzten im Moment ihre Helmer als Verstärkung ihrer Fuchsbauten.
Keiner zweifelte daran, dass wir angegriffen werden, doch es war kein so schreckliches Gefühl wie sonst. Die Tatsache dass es tagsüber keinen erwischt hat, gab den Leuten Mut.
„Ein Fusilier mit Helm ist ein Weichei.“ Bemerkte Johansen als er seinen Helm in den Rand des Erdlochs drückte. Ein Private, noch nicht lange hier.
„Och sag das nicht.“ Meinte Barney. „Es gibt eine sehr gute Verwendung für die Helme. Sie bieten einen guten Sitzplatz in einem Helikopter und außerdem schützen sie deine Eier vor Bodenbeschuss. Ich rate euch, nehmt einen Helm mit, wenn ihr in Helis über eine heiße Zone fliegt. Das hat so manchen Mann seine Eier gerettet.“ Barney grinste.
Die Nacht war ruhig, zu ruhig für meinen Geschmack, wir warteten einfach bis Tagesanbruch und wechselten uns gegenseitig mit wachen ab. Zigaretten trauten wir uns nicht anzuzünden. Zu gefährlich.
Als es hell war kochten Barney und ich Feldrationen. C-Rats wie man sie nannte wenn man nichts anderes mehr hatte. Ich gab Jacky sein Futter und zündete mir sofort eine Zigarette an, es war hell und es bestand keine Gefahr, zudem war mein Nikotinspiegel ziemlich im Keller.
„Du sollst dich mal rasieren.“ Raunte Bates zu Barney
„Ich brauch R&R*. Und eine Frau brauch ich. Die kann mich mit oder ohne Bart haben.
„Du hast ja gar keinen Bart.“ Lachte Bates.
Barney strich mit der Hand über sein Kinn.
„Herrgott warum sagts du dann dass ich mich rasieren soll?“
„Rasierst du dich denn überhaupt?“
„Nicht oft.“ Barney rührte in den Rühreiern mit Speck herum.
* R+R = Rest & Recreation / Ruhe und Erholung. Im Slang auch I&I genannt = Intercourse Intoxication – Geschlechtsverkehr und Trunkenheit
Langsam belebte sich das Lager. Die Hitze weckte uns, sie schmorte uns in den Regenumhängen. Dann kamen die Mücken.
Jeder begann nur langsam sich zu bewegen, lang, minutenlang lag man auf dem Rücken. In kleinen Gruppen wurde geredet. Zu dieser Zeit gab es keine Wachen. Ein Blick in das Gebüsch hin und wieder war alles. Es war wie das erwachen auf einer Krebsstation. Niemand hatte es eilig mit den Tag zu beginnen, niemand hatte Verpflichtungen oder Träume.
„Das war wirklich keine schlechte Nacht.“ Meinte Barney.
„Ich habe erwartet, dass die Liaoarmee auf uns herunterrasselt. Nur ein paar elendige Mörsersalven. Die auch noch schlecht gezielt.“
„Vielleicht ist ihnen die Munition ausgegangen?“ meinte Bates.
„Kann sein.“ Barney sah Bates an als ob es ein Scherz war.
„Sicher wir haben ihre kleine Stadt belagert und sie zermürbt. Ein beschissener Zermürbungskrieg ist das.“
Barney starrte ihn an. „Aber vielleicht haben sie doch noch etwas Munition übrig?“
„Vielleicht.“
„Hast du letzte Nacht geschlafen?“ fragte ich Barney
„Sicher, glaub schon. Ich werde nämlich müde wenn ich den ganzen beschissenen Tag lang umherlaufe, da kann mich auch Charly nicht an meinen Nickerchen abhalten. Und du Bates? Du hast ausgehen als ob du geschlafen hättest? Ich habe dich bei der Wache gesehen.“
„Was? Bei der Wache hab ich nicht geschlafen.“
„So hab ich das nicht gemeint.“ Grinste Barney, und freute sich einen Nerv getroffen zu haben. „Ich meinte, als ich wache geschoben hatte. Da hab ich dich schlafen gesehen.“
„Ja, bis vor zwei Stunden. Da hat mich etwas geweckt, das klang, als ob mich jemand umbringen wollte.“
„Da hast du wohl geträumt.“ Meinte ich als ich meinen Hund streichelte.
„Ach das war nichts.“ Meinte Barney. „Wir packen lieber zusammen. Mad Mike sieht aus, als ob er weiter ziehen will.
Einige Tage später, das 3 Platoon der 384th Federation MIR hatte einen neuen Leutnant bekommen. Ein guter Kerl, er war jung und unerfahren, aber er hörte auf seine Sergeanten. Noch! Langsam bekam ich das Gefühl, dass ich selbst ein Mitglied der 384th bin. Zumindest ihr persönlicher Scout. Noch etwas hat sich verändert. Das 3 Platoon der 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers unterstand nun den frisch eingetroffenen 2nd Chiaholm´s Raiders.
Das löste im Lager fast eine Revolte aus. Vor allem der erste Tagesbefehl, Helmpflicht.
Keiner kann mich zwingen meinen Helm aufzusetzen. Nicht bei diesen Temperaturen und warum zum Teufel sollen wir wie Feiglinge rumrennen?
Leutnant Leepson meinte wir sollten die Helme wenigstens mitnehmen, er betonte aber, dass er nichts von aufsetzen sagte. Er scheint mir wirklich in Ordnung. Barney und Bates haben ihren Helm schon mal als verloren gemeldet. Keine 4 Stunden später hatten sie einen neuen.
Wenn das mit unserm anderen Nachschub auch so schnell gehen würde.
Aber kommen wir wieder zu den Tagesgeschehnissen. Ich glaube es war 4 Tage nachdem Leutnant Parris gestorben war. Ich war wieder mit der 384th unterwegs, Jacky musste diesmal zurückbleiben, der glückliche bleib im Lager der 38th DogScouts. Er hatte eine Pause verdient.
Wohin wir gingen und warum wusste ich nicht. Wir liefen schon den ganzen Tag durch den Busch, den ganzen Tag und den halben davor.
Gehen. Zuerst mit dem linken Bein vor, dann den Fuß aufsetzen, das Knie einrasten lassen, den Knöchel dehnen. Steck das Bein ins Reisfeld und mach den Rücken steif. Laß den Krieg auf dem linken Bein lasten: Rucksack, Radio, Handgranaten, Magazine mit goldenen Patronen, Gewehr, dieser verfluchten Stahlhelm, der an der Koppel baumelte, die klirrenden Erkennungsmarken und den eigenen Körper aus Fett, Wasser und Muskeln, das ganze Kontingent aus der Kriegsartikel. Lass alles auf dem linken Bein schaukeln, festgebunden, verankert mit Gurten und Reißverschlüssen, Schnallen und Nylonschnur.
Ein Lastpferd. Das linke Bein macht alles, es ist gut trainiert. Das linke Bein streckt sich mit der wunderbaren Kraft des langen Muskels. Man schleppt sich weiter auf dem starken Bein. Der Drehmoment. Das rechte Bein holt auf, aber nur zur Begleitung. Es streckt sich, schwingt, doch der rechte Fuß berührt den Boden nur für einen Augenblick – nur um mit dem linken Bein schritt zu halten. Die Arme schwingen im Rhythmus.
Die Augen suchen das Reisfeld ab, Hier ist es weich, dort zu gefährlich. Minen. Hierhin treten, dort nicht. Vorsichtig beobachten. Alles grün. Grünes Licht heißt doch weitergehen.
Die Augen rollen in ihren Höhlen. Pass auf die Beine auf. Kein Risiko eingehen. Achte immer auf die verdammten Heckenschützen, auf Hinterhalte und Punji - Fallen. Die Augen suchen nach Minen, Stofffetzen, Bomben und Fäden. All das Zeug. Steck die Streichhölzer in die Augen damit du nicht blinzelst.
Pause.
„Gebt acht, wo ihr euch jetzt hinsetzt,“ sagte der Truppenführer und weckte mich damit aus meiner Trance.
„Fünf Minuten? Mein Gott diese Hitze. Sklaven geht es besser.“ Raunte Bates, der gerade einen Sitzplatz gefunden hatte.
Der Leutnant seufzte. „Wird nicht frech. Ich habe meine Befehle. Je eher wir zur Position für die Nacht kommen, desto früher werden wir versorgt, können schlafen, haben den Tag rumgebracht.“ Der Leutnant rieb sich mit einem Lappen den Schweiß von Gesicht und Hals.
Barney setze sich hin, gut gelaunt wie immer, der Kerl muss doch Drogen nehmen dachte ich mir.
„Warum halten wir an?“
„Gut so.“ meinte der Leutnant. „Wenigstens einer versteht, dass es besser ist weiter zu ziehen.“
Barney grinste zu mir herüber, Bates lachte auf. „Ich weiß nicht was Buddy Barney gemacht hat, aber ich habe doch tatsächlich unterwegs geträumt. Ich war mittendrin mit der Tochter von einem berühmten Politiker. Ich hatte sie ausgezogen am Strand. Ein wunderschöner Strand mit Palmen und einem kühlen Wind vom Meer. Du lieber Himmel.“ Er machte eine Geste um uns die Formen der Frau anzudeuten und grinste dabei.
„Ich hatte sie ausgezogen klar. Sie lag auf dem Strandtuch. Alles was sie anhatte war eine Sonnenbrille.“
Ich schüttelte den Kopf. „Denkst du hier draußen wirklich an Politikertöchter?“
„Oh ja.“ Antwortete Bates und schloss die Augen. Ein zufriedenes Grinsen huschte über sein Gesicht, so als ob er wieder bei seiner Politikertochter wäre.
Ich stocherte in meinen Feldrationen rum. Limabohnen, die meisten Leute hassten die Limabohnen, ich habe mich damit abgefunden. Sie schmeckten nicht wirklich gut, aber beim Tausch mit anderen konnte man meist Schokolade oder etwas für Jacky aushandeln.
„Tim, erzähl uns doch etwas von Tai San.“ Sagte Barney.
Ich versuchte abzuwinken.
„Komm schon Tim.“ Drängte Bates. „Erzähl uns deine Frauengeschichten.“
Jetzt kroch auch noch Chip an. „Man Tim erzählt was von Frauen, mein letzter I&I ist Monate her, man mein Schwanz ist schon ganz vertrocknet.“
„Was? Bei der feuchten Luft.“ Lachte Barney. „Aufgehts Tim erzähl uns was von Mamma Sans Tochter.“
Anm.: Mamma san = Ältere Vietnamesische Frau / Hootchgirl = junges vietnamesisches Dienstmädchen / Hooth = Militärunterkunft oder Bauernhütte
„Was soll ich erzählen? Ich hab mich eine Capellanerin verguckt.“
„Stimmt doch nicht. Ex Capellanerin, aber wir haben sie befreit.“ Grinste Bates.
„Das seh ich wir befreit die hier sind.“ Meinte Chip.
„Naja.“ Fuhr ich fort. „Sie ist unser Hootchgirl in der 38th. Sie ist erst 17 Jahre alt, aber ich zieh sie jeder Barbiepuppe der Bob Hope Show vor. Ich weiß nicht warum. Immer sagte man mir. Die Schlitzaugen sind der Feind. Sie sind Böse. Mein Vater meinte immer ich soll mich vor den Frauen in Acht nehmen, die haben Rasierklingen in der Möse, damit ehrliche Männer der Vereinten Sonnen sich ihren Schwanz aufschlitzen.“
Barney musste lachen. „Das hat mir meiner auch immer erzählt. Deswegen geh ich hier aber trotzdem ins Puff.“
“He Tim, rebellierst du gerade gegen diene Vater?“ meinte Chip.
„Warum?“
„Na weil du dich ihn weidersetzt. Du nagelst die kleine doch nur, weil es das exotische Verbotene ist.“ Er lachte und ich schmiss ihn etwas rote Erde in sein Gesicht. Dann lachten wir alle.
„Meine Herren! Was ist hier so lustig? Erhebt euere verdammten Ärsche wir wollen weiter.“ Murrte Mad Mike.
Wir packten unser Sachen und gingen weiter. Das selbe spiel wie immer. Durch das Reisfeld, mit dem linken Bein vor ….
Bates begann zu singen, er sag um sich aus dem Wahnsinn zu retten.
Ich kenn eine die heißt Jill
Sie will nicht, aber ihre Schwester will,
Oh, Baby Doll
Langsam begannen alle mit in das Lied einzustimmen. Leise sag das halbe Platoon ein Lied, was man ihnen in der Ausbildung beibrachte.
Ich kenn eine in Rot,
Leidet im Bett keine Not.
Oh Baby Doll.
Ich kenn eine in schwarzen Rüschen,
Verdient ihr Geld auf dem Rücken,
Oh Baby Doll
Wenn ich auf dem Schlachtfeld ende,
Packt mich ein
Und schickt mich heim
Ist das auf Thakard doch
Gebt mir eine Hure mit ins Loch
Bis zum Tagesende gingen wir weiter. Am Abend gruben wir unsere Fuchsbauten, legten unser Regenmäntel hinein und fertig war das Nachtlager.
Es war wieder ein ruhiger Tag gewesen. Keine Spur von Charly.
„He O´Brian!“ sagte Barney. „Du hast doch ein Nachtsichtgerät?“
„Ja warum?“ fragte ich unsicher.
„Gib mal, ich hab noch nie ein Nachsichtgerät gehabt. Wie ist das?“
„Echt nicht? Noch nie?“ fragte ich als ich das Gerät von der Koppel nahm. Sofort waren auch wieder Bates und Chip da.
Chip war ein echter Syrtis Fusilier. Hasek war sein Ideal, am liebsten sähe er ihn auf den Thron der Vereinten Sonnen und der Lyranischen Allianz gleich mit. Hasek sollte Katherine heiraten sagte er immer. Dann hat er sicher beide Reiche und eine geile Blonde im Bett.
Manchmal könnte man fast meinen Chip ist Lyraner, so oft wie er davon träumt den Archon zu ficken.
Chip trug nie einen Helm, nicht nur deswegen weil ein echter Sirthis Fusilier keinen Helm trug, nein Chip war der festen Überzeugung, dass er kein Helmtyp war. Ein Helm stand ihm nicht, und wenn Chip das sagt, dann stimmte das auch
„Was habt ihr da?“ fragte Chip neugierig, auch er hatte die 20 Jahre erst überschritten.
Im Grunde waren wir alle noch Kinder.
„Nachtsichtgerät.“ Meinte Bates.
„Damit kann man die Sterne betrachten.“ Meinte Chip. „Gute Idee.“
Und alle setzten sich zu Barney und mir in den Fuchsbau.
„Sternenlicht so Sternenhell.“ Sang Chip.
„Seht euch das Gerät an. Man braucht ein abgeschlossenes Jurastudium und zwei Doktortitel um es bedienen zu können. Wie funktioniert das Ding?“ fragte Barney.
Ich nahm die Schutzkappe ab und stellte das Gerät am Einstellring ein. Barney nahm es mir ab und sah durch das Gerät.
Bates hielt ihm die Hand vor die Linse. „Was siehst du Barney?“
Barney kicherte. Er suchte den Himmel ab.
„Was zum Teufel siehst du da Barney?“
„Wow Mann, eine echte Peep Show,“
„Träum nur, träum.“
„Lass mal sehen.“ Sagte Chip und Barney reichte ihm das Gerät.
Chip spielte mit dem Nachtsichtgerät. „Sternenlicht so Sternenhell.“ sang er wieder.
„Lass mich auch mal.“ Sagte Bates.
„He. Man sieht ja gar nichts.“ Beschwerte er sich.
„Natürlich nicht.“ sagte ich. „ Es ist ja auch noch nicht Dunkel. Man braucht Sterne für so etwas. Sterne oder eine andere Lichtquelle, Reflexionen, Feuer irgend so etwas und es wird Tag. Die Batterie in dem Gerät verstärkt das Licht irgendwie. Wie weiß ich auch nicht.“
Wir warteten noch ein wenig, bis die Sterne aufgegangen waren.
„Märchenland.“ Murmelte Chip, der durch das Gerät sah. „Ich kann bei Nacht sehen.
Einen Zirkus sehe ich mit Farben wie in einem Düsenjäger bei Nacht, wenn vorne im Cockpit die Instrumenten Tafel so grünlich schimmert. Ich wusste nicht, dass nachts die Felsen und Bäume so grün sein können.“
„Man soll nachts nicht sehen können.“ Sagte Bates, der gerade einen Joint drehte.
„Man kann wirklich die Bäume sehen.“ Sagte Barney erstaunt.
„Wirklich,“ sagte Bates, „die Nacht ist nicht für menschliche Augen. Ich traue diesem Ding nicht, es ist unnatürlich.“ Raunte er und verschwand unter seinem Poncho um den Joint anzuzünden.
Barney gab mir das Gerät, auch wenn ich es schon kannte, es war ja meins. Ich blickte in die grüne, tanzende Nacht. Unter dem Einfluss von Marihuana sah man sich wirklich in einer anderen Welt. Eine Welt wie sie von Hippie, Schamanen und Esoterikern beschreiben wird, wenn man in die Welt der Geister eintaucht. Haben diese Bekifften Hippies da durch ein Nachtssichtgerät gesehen?
„Ich wünsche mir den Frieden.“ Murmelte Barney unter dem Poncho und eine Rauchwolke kam heraus.
„Ich auch.“ Meinte Chip
„Was siehst du?“
„Ein grünes Feuer. Heute Nacht brennt die Landschaft.“
„Bewegt sich etwas?“
„Nein.“ Ich richtete das Nachtsichtgerät auf ein Dickicht außerhalb unserer Stellung. Die Büsche glitzerten in seltsamen Leuchtfarben. Ich schaute zu den Sternen.
„Ich kann die Wolken sehen. Sie bewegen sich hell wie am Tag.“
„Um Gottes Willen, du sollst mit dem verdammten Ding doch nicht die Wolken anstarren,“ sagte Bates. „Du sollst nach Charly Ausschau halten.“
Mad Mike kam herüber. „Zum Teufel, haltet die Klappe.“ Er ging weiter.
Bates schob die erste Wache, das Nachtsichtgerät lag neben ihm. Er hatte sein Gewehr in der Hand und spähte in die Nacht.
„Nacht.“ Sagte er und saß einfach nur ganz ruhig da.
Mad Mike war unser Truppenführer, er war Sergeant Major und wie ich von den 6. Syrthis Fusiliers Airbore. Nur Entgegensatz zu mir, war er der Profi und der Elitekämpfer. Er zeigte nie Angst, sein Wahnsinn war auf keinen Fall ein hysterisches Übergeschnapptsein. In Art und Haltung schien er die perfekte Nachbildung eines MI6 Agenten zu sein.
Das soll nicht heißen, dass er sich jemals wie ein Meuchelmörder benahm. Er trug eine Flinte, eine Waffe von der ich anfangs glaubte, sie sei im internationalen Krieg längst überholt.
Man erklärte mich schon für sonderbar, da ich unter dem Lauf meines Automatikgewehrs eine Schrotflinte angebracht hatte, doch Mad Mike hatte nur eine Flinte. Dass er sein Handwerk verstand zeigte diese alte Flinte. Sie richtig zu benutzen, setzte eine exakte Mischung aus Mut, Geschick und Selbstvertrauen aus, denn über 70 Meter Entfernung ist die Waffe weder zielsicher noch tödlich. Sie ist keine Automatische Waffe, man schießt einmal und der erste Schuss muss töten. Er war einer jenen, die sagten, sollte die Vereinten Sonnen jemals aufhören Krieg zu führen, dann würden sie ihr Glück als Söldner versuchen.
Alles verlief ruhig, bis wir eine Nachtpatrouille in das Dorf Tri Binh schickten. Mad Mike war ihr Führer. Er hatte nur 5 Männer dabei und seine Flinte. Sie waren schon eine Stunde weg, dann tat es einen Knall und ein Funkruf meldete, dass sie auf Charly gestoßen sind. Einige Cappie Soldaten die an einem Brunnen rauchten und erzählten. Innerhalb von zehn Minuten waren sie mit dem Trupp wieder aus dem Dorf zurück.
The Kid, einer der sich den Titel FNG gerade erst abgelegt hat. Er war schon ein halbes Jahr hier und ein halbes Jahr Soldat. Er war erst 18, was ihm den Namen the Kid gab.
Er war einer jener gewesen, wo ich dachte er lebt nicht lange. Doch er muß einen guten Schutzengel haben. Ich mochte ihn nicht.
The Kid jedenfalls geriet in Extase. „Gott! Die saßen da auf ihren Ärschen rum, mitten im Dorf. Denen haben wir es gezeigt.“ Sein widerliches Gesicht glühte richtig in der Nacht, die Zähne blinkten, er grinste bis hinter beide Ohren.
„Wir haben den Schlitzaugen auch Geld abgenommen. Einen ganzen Haufen davon.“
Er zog eine Rolle schmieriger Yuan Noten hervor.
Mad Mike rief die Bomber. Bomber, es waren Helikopter. Man wir bekamen hier wirklich nicht viel. Die Wasserköpfe da oben glaubten wirklich die Cappies kämpfen nur mit Bambusstöcken. Keine LRJs keine Mechs, nicht mal richtige Panzer hatten wir hier. Einer der wenigen reinen Infanteriekämpfe und das im 31. Jahrhundert. Und ich Depp war dabei.
Eine Stunde lang belegten die Hubschrauber Tri Binh mit Bomben und Raketen. Der Himmel und die Bäume waren mit Scheinwerfern, Leuchtfeuern und Bränden erhellt. Wir hörten Vieh und Hühner sterben. Um zwei Uhr morgens begannen wir zu schlafen, jeweils nur ein Mann.
Tri Binh war seltsam ruhig und dunkel geworden. Nur die letzten Leuchtfeuer konnte man hören und sehen. Rauch qualmte die ganze Nacht lang zu uns herüber. In einigen Hütten brannten kleine Feuer. Tote Tiere lagen herum, aber keine Menschen. Am nächsten Morgen durchsuchten wir Tri Binh 4, dann brannten wir fast alles nieder.
„Heute Nacht legen wir einen Hinterhalt.“ Sagte Mad Mike ruhig.
Er sah mich dabei an, den Restlichen Tag verbrachten wir mit Wache.
Es war schon Abend. Der Leutnant hatte seinen Plan im Schmutz vor einem Fuchsbau ausgebreitet. Seine Truppführer scharten sich im Kreis um ihn herum. Sie beobachteten was er ankreuzte und machten ihre Notizen. Ich nicht. Ich kannte die Vorgehensweise. Wie oft hab ich schon im Busch gesessen mit dem Auslöser in der Hand. Ich hörte ihm aufmerksam zu.
„An dieser Wegkreuzung legen wir uns auf die Lauer. Im Hauptquartier gibt es ziemlich gute Informationen, dass Charlie sich in der Gegend aufhält. Vielleicht kriegen wir ihn diesmal?“ meinte Mad Mike. Manchmal wusste ich echt nicht wer hier das sagen hatte, Mad Mike oder unser Leutnant. Aber es war mir egal, ich sah zu wie Mad Mike zwei rote Linien auf den Plan malte.
„Die erste Schwadron lässt sich am Deich des Reisfeldes nieder. Paßt auf, dass die Granatenwerfer und MGs nicht so nah beieinander sind. Die zweite Schwadron liegt hinter dieser Hecke. So formen wir ein L. Wir fangen Charlie von jeder Seite. Die Dritte und Vierte Schwadron bleiben heute Nacht hier. Ich übernehme selbst die Führung. Noch fragen.“
„Und wenn Charly nicht mitspielt?“ meinte ich.
„Hast du einen besseren Vorschlag Timmy?“
„Wir sollten herausfinden wo Charly ist.“
„Tolle Idee. Wir suchen ihn schon Tage lang und du meinst wir finden ihn sofort?
Andere Einwände?“
Ich hasste es wenn man mich Timmy nannte und ich hasste es wenn man von oben herab auf mich einredete.
Verdammt noch mal, was glaubt er denn wer er ist. Ok er war der besserer Soldat, aber meine letzten verdammten Jahre in meinen beschissenen Leben war ich Scout. Ich habe die meiste Zeit nichts anderes gemacht als mit dem Drücker in der Hand irgendwo im Busch gesessen.
Egal, dann werde ich eben Heute Nacht wieder im Busch sitzen. Erfolglos, meiner Meinung nach.
Ich packte meine Sachen, ein paar Claymores, die Auslöser, Handgranaten und genug Magazine für meine Waffe. Ich nahm auch Jacky wieder mit. Ich fühlte mich sicherer wenn er dabei war.
Die Nacht war tiefschwarz, ohne Mond und Sterne. Die Soldaten murrten. Schon öfter hatten sie dem Hauptquartier die Koordinaten gegeben und hatten den Hinterhalt, Hinterhalt sein lassen. Doch Mad Mike war es diesmal ernst.
Ich ging von Fuchsbau zu Fuchsbau und sammelte meine Leute ein. Barney, Bates, Chip und einen Neuen. Ich kannte nicht mal seinen Namen. Aber das war auch gut so, die Neuen lebte nie lange, freundest du dich mit ihnen an, sind sie auch schon tot.
Nachdem es Dunkel war und von den Chiaholm´s Raiders keiner zu sehen war, schmissen wir alle die Helme in die Fuchsbauten und zogen die Buschmützen auf. Wir hingen uns die Granaten um die Gürtel und ich gab Bates noch eine Claymore.
„Du kennst das Ding?“
„Ja, aber ich will es nicht.“
Ich drückte ihn die Claymore gegen den Bauch.
„Hey! Verdammt. Das Ding kann losgehen.“
So gingen wir los
Keine Vögel, kein Wind, kein Regen, Kein Rascheln im Gras, keine Grillen. Wir zogen durch die Stille. Metall schepperte, die Feldflaschen rappelten, Aste knackten und verrieten uns.
Ich haßte so etwas und das nennt man in der AFFS anschleichen.
Ich legte meinen Leuten nahe, die Magazine mit Tape zu umkleben damit sie nicht klapperten, das alles am Mann fest gezurrt ist, somit gibt es weniger Geräusch und man kann besser laufen. Doch ich hatte nur vier Mann, die anderen zwölf waren laut.
Mad Mike führte uns durch ein Reisfeld und weiter auf einem schmalen, verschlungenen Pfad voller Dreck.. Der Pfad ging um ein Dorf herum. Ein Hund bellte. Stimmen sprachen eindringlich in den Hütten. Vielleicht waren es die Eltern die ihre Kinder warnten. Vielleicht fühlten sie das gleiche betäubende Gefühl wie wir. Gefahr – Eindringlinge.
Wir umringten das Dorf und ließen es hinter uns, das Hundegebell dauerte noch an. Das Echo folgte uns über die Reisfelder bis wir die Wegkreuzung umschlossen.
Wenn man nachts durch den Dschungel läuft, geht eine besonders hartnäckige Vorstellung einem durch den Kopf, dass man verloren geht. Von den anderen abgeschnitten wird, dass man alleine in der Dunkelheit ist. Genau diese Angst fühlte Chip.
„Ich hasse im Dunkeln zu sein, ich will nicht im Dunkeln sterben.“ Flüsterte er leise, kaum vernehmbar vor sich hin.
Wir liefen im Abstand von 3 Metern im Gänsemarsch. Mad Mike führte. Wir gingen vom Weg ab, durch ein Gewirr von Bambus und Gras, wobei ich achtete soweit wie möglich, dort hin zu treten wo mein Vorgänger hintrat, damit ich nicht irgendwelche Punij – Fallen auslöste. Mein Nachtsichtgerät erleichterte mir die Sache ungemein. Ich fragte mich ob Mad Mike eigentlich auch eines besaß. Ich ging immer davon aus, gewusst hab ich es nie.“
Wir gingen im Zickzack durch Friedhöfe, wo Capellaner unter kegelförmigen Erhebungen aus Dreck und Lehm beerdigt waren. Wir folgten unseren Vordermännern wie die Blinden den Hund, wie Dante Virgil durch das Inferno. Manchmal wenn der Dschungel uns umschloss, spürte ich Bates Hand auf meinen Rücken. Er hatte Angst mich zu verlieren, er starte auf meinen Rücken, bis das es ihm in die Augen weh tat, er wagte nicht zu blinzeln, nicht dass ich auf einmal weg war. Die Tatsache, dass ich ein Nachtsichtgerät hatte, beruhigte ihn und die anderen in meinem Chalk. Zumindest sah ich, was vor mir war und konnte mich somit nicht verlaufen.
Mad Mike verteilte uns auf zwei Pfade, so wie er es in die Karte gemahlen hatte. Er formierte das L.
Er weiß mich und meinen Chalk an nach Osten zu gehen. Chip, Barney und den Neuen winkte ich in die Büsche während Bates und ich die Claymores scharf machten.
Ich setzte die Zündklappe in ein Loch oben auf der Mine. Ich zog die drei kleinen Metallfüße heraus und steckte sie in den Sand. Ihr konkaves Gesicht richtete ich auf die Mitte der Kreuzung. Ich kroch in die Hecke zurück, wo Chip, Barney und der Neue warteten und wickelte dabei vorsichtig den Draht ab. Bates kam auch hinterher. Ich schob den Draht in den Auslöser und stellte diesen auf sicher.
Jetzt musste so ein capellanischer Schlitzauge nur noch den Weg entlang kommen und ich konnte ihm den Kopf wegblasen. Wir wechselten immer ab. Zwei Mann bleiben wach und überwachten die Kreuzung. Den Auslöser in der Hand. Jacky machte es sich schon längst bequem und schlief. Hund müsste man sein. Ich ging in die Hocke um den Weg zu beobachten, das tat in den Oberschenkeln weh, aber das war die beste Position, und so schlief man auf keinen Fall ein.
Wie ich es voraussagte, passierte nichts. Kein Feind. Wir lagen die ganze restliche Nacht in dem feuchten Straßengraben und es passierte nichts. Mad Mike war sauer am nächsten Morgen und brüllte alle an. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Pinkville
Das 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers wurde zusammen mit dem 38 Dog Scout Platoon nach Pinkville verlegt. Eine Maßnahme dieses sinnlosen Krieges, damit man nicht mitbekommt, dass es nirgends vorwärts geht.
Mittlerweile frage ich mich wirklich was wir hier suchen. Diese Leute, die hier wohnen wollen von uns doch gar nicht befreit werden. Sie wollen Capellaner bleiben. Wie kann man eine Bevölkerung umstimmen? Bestimmt nicht mit Waffengewalt. Die Mechs haben hier alle Militärmacht zerstört und zogen weiter. Sie waren keine 2 Monate hier auf dem Planten und wir sind es jetzt schon über zwei Jahre. Es liegt mal wieder an der Infanterie den Planeten zu befrieden. Doch hier will wohl keiner den Frieden den die Vereinten Sonnen bringen wollen.
Dieser Dschungelball ist die Hölle, wahrscheinlich weiß keine Sau, dass wir hier sind. Kein Mensch interessiert sich dafür, doch ich sage euch es ist die Hölle. Keine Schlacht war jemals so schlimm wir es hier ist.
Normalerweise weiß der Soldat wo die Front ist. Hier gibt es keine Front, hier ist überall Krieg. Krieg gegen einen Feind den man nicht sieht. Krieg gegen einen ganzen Planeten.
Und dann stellt sich noch die Frage, was ist an diesem Planeten so wichtig? Ist der Reisbedarf der Vereinten Sonnen so hoch geworden? Wohl kaum?
Verstehe jemand die Menschen mit Sternen an den Schultern. Ich habe in meinen fast vier Jahren Militärzeit gelernt einen von Kindheit verhassten Feind zu verstehen, ja teilweise lieben gelernt, aber die Generäle hab ich nie verstanden. Ein Sergeant der 6. sagte einmal. Wenn du dich über unsere schon beschwerst, was machst du dann wen du Lyraner wärest?
Zum Glück bin ich keiner.
Der 16. April war heiß wie jeder Tag im April. Jeden Morgen um zehn Uhr konnte man Gewehre, Munition und das Blechgeschirr nicht mehr anrühren. Wir ließen das Zeug einfach liegen. Unsere Hunde lagen im Schatten der Blechhütten und hechelten sich die Zunge aus dem Leib. Hunde! Die Cappies waren auch wie Hunde. Stur wie ein Hund der seinem Herrchen gehorcht, dienten sie ihrer Verrückten Regierung. Ich fragte mich immer wieder, warum? Warum hat ein Herrscherhaus, welches offensichtlich dem Wahnsinn zugeneigt ist und bis heute noch keinen vernünftigen Menschen hervorgebracht hat, warum haben sie so eine Loyalität ihres Volkes verdient.
Zurück nach Pinkvile.
Manchmal, bevor die lauwarme Sumpfluft tödlich wurde, bewegte uns Cpt. Johansen von LZ Minuteman weg. Wir durchsuchten oberflächlich ein kleines Dorf in aller Eile, um wieder in den Schatten zu kommen und zogen uns dann, ohne etwas gefunden zu haben auf unseren Hügel zurück.
Wir ignorierten die Capellanische Armee. Wir hackten Pfähle aus Holz, rammten Sie in den Boden und hängten unsere Ponchos darüber um im Schatten liegen zu können.
Der Nachmittag gehörte der Sonne. Sie briet uns alle auf einem staubigen, roten Hügel wie in einer Pfanne.
Wir akzeptierten irgendwann die Sonne als unseren ständigen und heimtückischen Feind. All das Training und die Disziplin verdorrten an diesen Aprilnachmittagen. Wir schliefen am Nachmittag ohne Wache und keinen störte es. Ab und zu ging eine Patrouille um Wasser zu suchen den Hügel hinunter. Ich saß am Radiosender und bat die da hinten eindringlich sich zu beeilen. Die 384th war eine wohlgenährte Kompanie, wir rechneten fest mit unseren Orangen und dem eisgekühltem Cola, ohne das war ein Krieg unvorstellbar.
Während dieser Aprilnachmittage spielten Captain Johansen und der Artillerieoffizier Schach, wir anderen vertreiben uns manchmal die Zeit mit Zusehen.
Wir schrieben Briefe und schliefen
Ich versuchte Captain Johansen in ein Gespräch zu verwickeln, doch er war ein Offizier und sachlich. Er sprach nur von Strategie und Geschichte. Wenn man ihn auf Politik oder Moral ansprach, hatte er nur einen Witz parat, oder er begab sich auf sicheren Boden.
Er war eben einer der Besten hier, es war nur traurig dass er seine Streifen nie ablegte.
Mad Mike begann mit einem blöden Spiel, er schmiss Traininggasgranaten in die Zelte, anfangs nur in die der Artillerieoffiziere aber Captain Johansen und Captain Broyles von der Artillerie fanden die Idee lustig und perfektionierten sie. Sie flogen sowieso nachmittags mit einem Helikopter über die LZ und ab und zu schmissen sie Gasgranaten auf uns runter.
Das nannten sie dann eine Übung, um zu schauen ob unsere Gasmasken funktionierten und unsere Reaktionszeit testen.
Hauptsächlich war es Zeitvertreib.
Der Bataillonschef Colonel Daud gab die Befehle nachts Hinterhalte zu legen. Manchmal machten wir es meistens nicht. Wir legten einfach irgendwelche Koordinaten auf der Gitternetzkarte fest und gaben sie an das Hauptquartier durch. Das war dann eine falsche Meldung. Der Artillerist funkte dann eine den hohen Tieren im Hintergrund falsche Informationen zu. Die 105er und 155er schossen dann etwas überflüssige Markierungsmunition in den Dschungel und der Leutnant reif wieder zurück um die Koordinaten zu verbessern. Mad Mike machte sich auch oft den Spaß sich über die schlechte Treffsicherheit über Funk zu beschweren.
Während der Nachtwache am Funkgerät riefen wir unsere eigenen Hinterhalte an, warteten ein paar Minuten, verstellten die Stimmen und gaben uns selbst die Antwort.
Das wiederholten wir stündlich, falls die Honchos hinter der Front das Funknetz prüften, schöpften sie so keinen Verdacht. Es war eben Idiotensicher.
Die ganze Mannschaft war den Offizieren der 384th dankbar, Capt. Johnson sagte immer, Colonel Daud sei ein Grünschnabel und wäre zu draufgängerisch. Der Schwindel war gut für die Moral, eines der besten Spiele auf LZ Minuteman.
Vier Tage vor Monatsende wurden dann die 384th und die 38th DogScout wieder verlegt. Wir hatten drei Tage Ruheaufenthalt in Chu Lai, einem weitläufigen und sichern Stützpunkt am Meer.
Ich freute mich darauf, gut, jeder freute sich darauf, Alkohol, Drogen und Nutten, darauf freuten sich alle. Ich aber freute mich darauf Tai San wieder zu sehen
Tai San arbeitete seit ich Chu Lai verlassen haben nicht mehr im Militärlager, sie verkaufte in den Puffs Zigaretten und Drogen um durchzukommen.
Ihre älteren Schwestern sind zu Huren geworden und wollten von der Familie nichts mehr wissen, sie träumten von einem Leben in den Vereinten Sonnen. Ihre Brüder haben sich freiwillig zur Armee gemeldet. Nein, nicht unsere, deren Armee. Ihr Vater hat ein Bein durch eine Mine verloren und ihre Mutter wurde zu einem alten giftigen Drachen und verschwand eines Nachts. Tai San musste sich um ihren Vater und ihren jüngeren Bruder kümmern. Ihr jüngerer Bruder Dith San war ein Mischlingskind. Ihre Mutter stieg mit einen von unseren Offizieren ins Bett. Er versprach ihr wohl ein besseres Leben. Es war nicht leicht für Tai San einen verkrüppelten Vater und ein Bastart zu umsorgen, verspottet von den anderen.
So verkaufte sie an unsere Soldaten Drogen und Zigaretten. Es brachte nicht viel ein aber man konnte dadurch überleben.
Ich war froh sie zu sehen, ich weiß nicht warum, aber irgendwie liebte ich sie. Ich war froh dass sie noch lebte und ich war froh, dass sie nicht am Strich landete. Noch nicht!
Sie saß jung aus, sie war 17 Jahre alt, aber die Capellaner sahen auch noch mit 30 aus wie Kinder. Sie hatte kohlrabenschwarzes Haar, ihre Haut war sanft und glatt. Ihre mandelförmigen Augen sprühten vor Glück als sie mich sah.
„Tim, du bist zurückgekommen.“ Hauchte sie und brach in Tränen aus. Ich nahm sie in den Arm und ließ sie weinen. Wie sollte ich ihr sagen dass ich in drei Tagen wieder in den Krieg ziehen musste. Ich ließ es, ich wollte einfach nur mit ihr zusammen sein. In diesem Moment gab es nur sie und mich. Sie erzählte mir von ihrer Familie, von ihrem Vater, dass er immer noch Schmerzen von den Splittern hatte. Und, dass sie alleine für sie sorgte.
Wir holten bei der Bank meine letzen Monatsgehälter und kauften Lebensmittel. Lebensmittel mit denen sie die nächsten Monate gut zu Recht kamen. Dann zahlte ich noch das Krankenhaus für ihren Vater, dann war ich so gut wie pleite. Ich wusste auch nicht warum ich das machte? Ich weiß nicht ob ich es wieder machen würde, es überkam mich einfach.
Zuerst dachte ihr Vater sie sei genau wie ihre Schwestern auf den Strich gegangen um mit den Davies ins Bett zu steigen. Er konnte es nicht glauben, dass ich es aus freien Stücken gab, weil ich seine Tochter liebte. Aber kann ich es ihm übel nehmen, da ich es ja selbst kaum begreifen kann.
Was war mit mir geschehen. Früher machte ich Witze über die Capellaner, ich hasste sie. Sie waren eine mindere Rassen in meinen Augen. Doch der Krieg verändert den Menschen, ich habe meinen Feind lieben gelernt, und mit dem Geld wo ich sie tötete half ich ihnen wieder. Es war paradox. Jeder Krieg ist ein Paradox.
Es war eine schöne Zeit mit Tai San. Doch die Zeit ging schnell zu Ende, viel zu schnell.
Wir lagen am Strand und schauten den Sonnenuntergang an.
„Du gehen musst Tim?“
„Ja.“
„Wo du gehen?“
„Ich weiß es noch nicht. Colonel Daud sagt es uns erst heute Nacht, dann dürfen wir die Kasernen nicht mehr verlassen.“
„Daud? Daud der Wasserbüffel?“
Ich musste lachen.
„Ja genau der.“ Tai San lachte auch.
„Du wissen nicht wann du kommen wieder?“
„Nein.“ Wir wurden wieder still und hielten uns in den Armen.
„Reicht euch das Geld?“
„Ja.“
„Ich komme wieder Tai San. Ich verspreche es dir.“
Sie sah zu mir auf und verzauberte mich mit einem Lächeln wie es nur eine Frau kann.
„Und dann. Dann du nehmen mich mit. Nehmen mich mit in die bessere Welt. In Welt wo alles gut ist. Und wenn ich bin in Davionwelt, ich soll mit dir Felder bestellen, wie hier?“ sie lachte wieder.
Sie hatte Recht, was kann ich ihr bieten was sie hier nicht hat? Außer ein paar Sachen die einem das Leben erleichtern, aber nicht wirklich wichtig waren.
Ich bin weder reich, noch kann ich ihr den Frieden bieten. Die Vereinten Sonnen liegen mit mehreren Gegner im Krieg, nicht nur mit den Capellanern.
Wir hielten uns lange im Arm, genossen die Nähe des anderen, den Geruch, das Gefühl.
„Tim O´Brian. Komm schon. Der Krieg ruft uns.“ Brüllte Bates von dem Jeep.
Ich habe sie gar nicht kommen hören, und das ist ein großes Wundern, Bates, Barney und Chip grölten besoffen auf dem Jeep rum, selbst Wood, der fuhr, konnte kaum nüchtern sein.
Ich gab Tai San einen Kuss und stieg auf den Jeep. Jacky sprang erst nach meiner Aufforderung auf. Etwas was er sonst nicht brauchte. Er schien Tai San zu mögen. Wir winken uns zu als Wood den Jeep in Richtung des Lagers fuhr. Meine Freunde zogen mich die ganze Zeit auf, dass ich ein Schlitzaugenfreund sein. Aber ich hörte sie nicht, mit den Gedanken war ich bei Tai San.
Es war unerträglich jetzt wieder zurück zu gehen. Zurück in den Krieg, zurück in die Hölle, der Gedanke trieb mich fast in den Wahnsinn.
Was treibt uns immer wieder zurück? Warum bleiben wir nicht in Chu Lai?
Ich konnte es mir nicht erklären, warum ich wieder freiwillig zurück in den Wahnsinn gehe.
Colonel Daud versammelte die ganze Kompanie in einem Halbkreis und sprach zu allen sie sollen locker sein.
„Ihr seid das 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers und das 38 Dog Scout Platoon. Und ihr könnt stolz auf euch sein. Euere Verdienste sind bis hoch zu Viktor gedrungen und er will, dass ihr die Ehre bekommt in diesen Krieg, einen der wichtigsten Operationen zu führen.
Es wird Orden geben Jungs.“
On nein dachte ich. Wenn ein Kommandant so etwas sagt, dann wird es ein Himmelfahrtskommando.
Bis jetzt war ich immer ganz glücklich darüber, kaum Orden zu bekommen. Man die Blechstreifen wachsen nicht auf Bäumen und ich kann darauf verzichten meinen Arsch auf das Spiel zu setzen um einen zu bekommen. He ich hab noch nicht einmal ein Purpel Heart. Und ich bin froh darüber.
„Ihr seid auf das 48. Bataillon der Capellaner angesetzt.“ Sagte er. Er lächelte nicht, aber dafür sollten wir ihn mögen.
„Das 48. Bataillon ist eine höllische Kampfeinheit. Sie sind zäh. Einige von euch haben schon mit ihnen zu tun gehabt.
Sie sind gerissen. Das macht sie so schwierig. Sie greifen euch an, während ihr schlaft, oder euch nur die Schuhe zubindet. Wenn ihr bei der Wache einnickt, massakrieren sie euch.“
Colonel Daud schien uns für einen Haufen Idioten zu halten. Er bildet sich ein, er bringe uns Lebenshilfe bei.
„Also haltet euch daran, Ihr müsst gerissener sein. Ihr seid Soldaten der Vereinigten Sonnen. Soldaten der Mark Capella. Ihr seid stärker als die Cappies. Wir haben sie schon im 4. Nachfolgekrieg geschlagen und wir werden sie wieder schlagen.
Ihr seid größer. Ihr seid schneller. Ihr seid gebildeter. Ihr seid besser ausgerüstet, besser trainiert, besser versorgt. Alles was ihr braucht ist gesunder Menschenverstand, Grips. Wenn ihr bei der Wache schläfrig seid, weckt einen Kameraden auf und lasst euch ablösen. Seid unterwegs auf der Hut. Beobachtet das Gebüsch. Achtet auf frisch umgegrabene Erde. Wenn etwas nicht in Ordnung scheint, dann bleibt davon weg und sagt eueren Kameraden bescheid. Klar? Ich weiß Cu Chi ist furchtbar. Aber wenn man sich dumm anstellt, stirbt man auch New Avalon.“
Daud flog gleich nach der Rede mit seinem Hubschrauber weg.
„Herrje! Was für ein aufgeblasenes Arschloch. Schickt uns nach Ch Chi und meint, wir könnten es schaffen, wenn wir schlau sind.“ Meinte einer der Leutnants.
Ich konnte es nicht fassen. He ich hatte nicht mehr lange, komme gerade aus den Armen meiner Freundin und der Arsch schickt uns in die Höhle des Löwen. Mir wurde schlecht und schwarz vor Augen.
Am Morgen des 29. April waren wir noch vor Tagesanbruch am Hubschrauberlandeplatz. Der Hinweg war eine Tortur. 60 Pfund schwere Rücksäcke, das Gewehr halten, zwei LAWs am Rücken und irgendein Arsch hat mir einen Helm aufgesetzt. Ich hatte die Nacht vorher soviel gesoffen dass ich nicht wusste ob ich einfach nur verkatert war oder immer noch besoffen. Der Helm erschien schwer und unförmig, ich versuchte wirklich ihn auf dem Kopf zu Ballanzieren.
Wir lagen in Gruppen auf der Landefläche. Die schwarzen Soldaten machten Witz und waren schon am frühen Morgen zu laut. Sie hatten ihr eigenes Stück vom Platz.
Draußen über dem Meer ging die Sonne auf. Capt. Johansen sprach mit seinen Offizieren. Dann legte er sich auf den Rücken. Wir rauchten und ich dachte an Tai San. Barney erzählte lauthals von der Stripteasetänzerin und das er zu Hause auch mal in so ein Puff gehen werde.
Bates machte eine Funkkontrolle mit dem Hauptquartier, Chip ölte sein Federatet Longrifle und ich streichelte Jacky und dachte immer noch an Tai San.
Wir tauschten C-Rats aus. Dosen mit Truthahn gegen Schwein, Apfelmus gegen Annanas.
Mit dem ersten Sonnenschein kam Colonel Daud herübergeflogen. Er funkte herunter. Der erste Hubschrauberverband hatte seine erste Ankunftszeit um 06.05. Also in vier Minuten. Die Landezone in Ch Chi schien ruhig, sagte er.
Die Hubschrauber kamen und brachten das Sonnenlicht mit. Es war früh am Morgen aber schon heiß. Die Befehlseinheiten watschelten zu den Helikoptern und saßen auf. Wir knieten uns in die Helikopter oder ließen die Beine aus dem Hubschrauber baumeln.
Wir flogen über Chu Lai mit seinen Einkaufszentren, Clubs, Bibliotheken, Bars, der ganze Dienstleistungsbetriebe und die freundlichen Strände. Alles lag da unten so friedlich. Dann kamen die Wachtürme, die Raketentürme und Zäune, dann die Landschaft mit Anhäufungen von kleinen Dörfern, auch über Tai Sans Dorf flogen wir hinweg, Reisfelder, Hecken, Tunneleingängen. Wir flogen weiter, weg von dem befriedeten Gebiet.
Leutnant Johnson stieß mich in die Seite.
„O´Brian, sie hab ich noch nie als Weichei gesehen.“
Verdutzt schaute ich ihn an. Er deutete nur auf dem Helm den ich auf dem Kopf trug.
Noch völlig benommen nahm ich den Helm von meinen Kopf und sah ihn an, drehte und wendete ihn und dann warf ich ihn aus dem Helikopter.
Er flog, und überschlug sich des Öfteren. Die Kinnriemen flatterten im Wind. Er wurde immer kleiner und kleiner. Alle sahen den Helm nach wie er ungebremst auf die grüne – rot/braune Erde zu flog. Dann sah man ihn nicht mehr, er wurde zu klein.
„Sie schulden der Armee jetzt 200 Pfund, Sergeant O´Brian.“ Meinte Johnson trocken.
Ich zuckte mit den Schultern. „Kann man den auch in Raten abzahlen? Ich bin gerade pleite.“ Meinte ich.
Wir sahen beide auf den Boden und sagten kurz nichts, dann mussten wir lachen.
Wir achteten auf Bewegungen am Boden. Es war früh am Morgen, doch man fing an zu schwitzen. Man fing einfach an zu schwitzen obwohl der Rotor des Helikopters wie eine Klimaanlage genug kalte Luft durch die offenen Türen peitschte.
Man schwitzt. Du zündest dir eine Zigarette an und überlegst was du sagen könntest. Ein guter Witz würde helfen. Lachen zeigt dass du dich damit abgefunden hast, dass du tapfer bist. Du starrst in die Gesichter.
Leutnant Johansen, Barney, Bates, Chip, Wood, Mad Mike, die Hunde von Wood und mir.
Wie eine Familie. Wir waren eine Familie. Wir kannten uns und wir hassten uns.
Johansen zeigte hinunter. Da war ein ausgedehntes Reisfeld mit einem Waldstreifen auf der einen Seite, auf der anderen lag ein Dorf – My Khe.
„Da ist es.“ Sagte er. „Halt meinen Schulterschutzfest fest wenn wir runtergehen. Ich will nicht aus dem Hubschrauber fallen wenn ich getroffen werde.“
Dann verloren wir rasch an Höhe. Das schlimmste an einem Angriffsgefecht ist, dass man völlig ohne Deckung ist. Das sind die Gedanken während des Abstiegs. Nirgends kann man den Kopf verstecken. Du befindest dich in einer zerbrechlichen Maschine. Da sind keine Fuchsbauten, keine Felsen, keine Gräben. Trotzdem gehörte das Angriffsgefecht zu den effektivsten Offensivattacken eines Krieges. Die Worte lauten mobil, agil und aggressiv.
Man sitzt im Hubschrauber und sieht, wie die Erde immer näher kommt, einem entgegensaust. Man knallt sein Magazin in das Gewehr. Die Crew Chiefs nehmen die MGs in Anschlag, alles spannt sich an und wartet darauf beschossen zu werden.
Auf Baumhöhe war es soweit, wir griffen an. Die Maschinengewehre eröffneten das Deckungsfeuer. Ich hielt Johansens Schulterschutz fest. Wir erwarteten das Knattern der feindlichen Vergeltung.
Der Hubschrauber ließ sich nieder, schoss zwischen die Bäume durch. Der Rotor köpfte einen Baum. Ein Neuer zuckte zusammen in der Erwartung der Rotor berste jetzt. Zum Glück hielten die doch ein wenig aus.
Der Heli stand zitternd über dem Reisfeld und wir sprangen ab. Wir purzelten heraus wie aufgescheuchte Ratten. Wir krabbelten hinter Erdwälle, Steine und Vertiefungen.
Bates lag neben mir. „Gott.“ Flüsterte er. „Ich hab solche Angst. Ich hasse das.“
„Ich auch“ gab ich zurück, dann nahm ich Jacky und sprintete weiter. Es war mein Job die Vorhut zu übernehmen. Ausschau zu halten, Minen und Fallen zu finden. Das war mein Job im Krieg.
Leute Töten, wie Mad Mike, war Nebensache. Ich war dafür zuständig meinen Arsch und die Ärsche der Kompanie zu retten.
Die LZ war kalt. Keine Cappies, keine Minen, keine Fallen. Wir wurden nicht beschossen. Ich gab Johansen das Zeichen.
Johansen wartete bis die Helikopter wieder in der Luft waren. Er rannte und winkte, brachte seine Jungs auf die Beine.
Wir rasten zur Durchsuchung des Dorfes. Jemand sah wie Cappies wegrannten. Wir jagten sie. Wir fühlten uns sicher und tapfer, waren froh am Leben zu sein. Wir fegten wie ein Sturm durch My Khe.
Es endete mit zwei toten Capellanern und einen Toten Davionsoldaten. Ich kannte ihn nicht, doch Bates meinte er habe mit ihm noch in Chu Lai Ping Pong gespielt.
Die nächsten Tage brachten noch mehr Angriffsgefechte, wir begannen Colonel Daub und sein Helikoptergeschwader zu hassen.
Er wurde bei einem nächtlichen Überfall von Sappeuren getötet. Wir hörten die Nachricht über Funk.
Ein Leutnant ließ uns zu Gedenken an ihn ein Trauerlied singen. Ein Lied aus Merlin und Mim.
„Ding Dong, die böse Hex ist tot,“ sangen wir harmonisch im Chor.
Cu Chi war ein sandiger, roter Lehmstreifen der sich an der nördlichen Küste entlang zieht.
Eine schwerst verminte Kriegszone, der Teufelsfleck für den Infanteristen. Hektar um Hektar Matsch, ein Irrgarten aus Tunneln, Bombenunterständen und Gräber.
Cu Chi war einst ein blühender Teil der Quang Nhai Provinz, jetzt gleicht es eher der Oberfläche eine Meteoriten.
Cu Chi war so etwas wie unser R&R Programm für die Capellaner. Hier gab es Reis und nette Einheimische. Unsere Armee machte diesen Fleck des Planeten den Erdboden gleich. Artillerie, Minen alles. Nun kehren wir zurück nach Cu Chi. Die Leute von My Khe sahen uns mit bösen Blicken an.
Wir durchsuchten das Dorf, fragten die Bewohner wo die Capellaner seien. Der Tag war ruhig und heiß. Ich dachte an Cola und Ausruhen, ich wusste in diesem Moment nicht, dass die Bewohner von My Keh uns direkt in die Fänge der Rebellen gehen ließen.
Eine Handgranate flog aus dem Gebüsch, sie streifte meinen Kopf. Ich erblickte das Ding wie es neben mir lag, sofort warf ich mich nach links auf den Boden, rollte meinen Kopf ein, und hielt meine Waffe vor mich. Ich erwartete meinen eigenen Tot, den lautesten Knall meines Lebens.
Ich hörte eine gewaltige Explosion, die Druckwelle war wie ein Schlag in den Unterleib, ich hatte das Gefühl in Flammen zu stehen und ich bekam keine Luft mehr. Ich hatte ein Klingeln in den Ohren und Nase und Mund füllten sich mit einem bitteren – metallischen Geschmack.
Als die Feuerwand über mich hinweggezogen war, spürte ich immer noch ein heftiges brennen an den Beinen und auf dem Rücken.
Clauson, einer der Korporals hat es erwischt. Ich lag da und sah, wie er einige Schritte lief, stolperte und schrie, doch ich konnte nichts hören. Ich sah wie unsere Leute das Feuer eröffneten doch ich hörte nichts. Die Welt lief wie in Zeitlupe an mir vorbei. Barney rannte zu mir, er schrie mich an, doch verstand ich nicht was er sagte. Er ging neben mir in Deckung und er grinste. Ich sah ungläubig an mir herunter. Die Flakweste hatte viel abgefangen, einige Schnittwunden an den Beinen und Armen, es war nicht schlimm.
Ich lag genau hinter einem kleinen Hügel, zur Granate, die Druckwelle ging über mich weg.
Nach einigen Minuten kam ein Sanitäter zu mir gerannt, ich konnte auch wieder etwas hören, doch sehr leise und gedämpft. Er versorgte meine Schnittwunden, Blut lief mir aus der Nase und rann in den Mund.
Captain Johansen kniete neben mir, er hatte das Funkgerät und brüllte aufgeregt etwas hinein.
Ein paar Sanitäter schleppten Soldaten zu mir. Es roch nach Schießpulver und Blut. Dieser typische Geruch eines Schlachtfeldes. Mad Mike kam aus dem Dschungel gerannt, er hatte Arnold auf den Schultern. Aufgeregt und voller Schweiß und Blut ließ er Arnold auf den Boden sinken. Er sah schrecklich aus. Ein Bein fehlte ihm komplett, es war am Stumpf abgerissen. Der weiße Knochen stand heraus und Muskel und Sehnen hingen in Fetzen weg. Das andere war schwarz und qualmte. Sein ganzer Körper war blutig, er brüllte wie am Spieß.
Es ist komisch, um einen herum versinkt alles in Chaos und Hektik, doch wenn man kaum etwas hört, kann man sich gar nicht davon anstecken lassen. Ich sah nach Jacky, er war wohlauf neben mir, ich weiß nicht wo er war, als die Handgranate losging, aber anscheinend weit genug weg. Ich nahm mein Automatikgewehr und rannte nach vorne, dort wo der Dschungel begann. Schüsse peitschten neben mir, neben mir sank Perino zu Boden, eine Kogel traf ihn voll am Kopf. Sein halber Kopf wurde dabei zerrissen, Blut, Gehirn spritzen aus dem Loch. Perino sank tot zu Boden Eine Gestallt rannte durch die Bäume, ich warf mich in Deckung und ließ eine Salve ab. Die Kugeln gingen mitten durch den Körper, ließen ihn aufzucken, dann sackte er in sich zusammen. Wieder und wieder schoss ich meine Runden in den Wald. Mad Mike war neben mir, er schoss dann repetierte er. Schießen – repetieren.
Es gab mir ein sicheres Gefühl, Mad Mike neben mir zu haben. Mit neuem Mut schoss ich weiter. Gerade als ich dabei war das Magazin zu wechseln, trat keine drei Meter vor mir ein Capellaner mit seinem Gewehr aus dem Busch, das Bajonett schaute in meine Richtung und er schrei.
Schnell legte ich die rechte Hand auf den Abzug der Schrotflinte, welche unter dem Lauf des Automatikgewehrs war und drückte ab. Eine geballte Ladung Schrot erwischte den Soldaten im Unterlaib. Er wurde gut einen Meter durch die Wucht zurückgeworfen und fiel taumeld um. Sein Bauch war eine blutige, rote, schwabbelnde Masse geworden.
Mad Mike klopfte mir auf die Schulter.
„Gut gemacht Junge.“ Sagte er, oder etwas was in die Richtung ging. Ich repetierte die Schrotflinte und steckte ein neues Magazin in mein Gewehr.
Wenn man vor dem Dschungel steht und der Feind im Dschungel ist, ist es schwer ihn auszumachen. Es ist als wie wenn man vor einer grünen Mauer steht. Wir konnten keine vier Meter in den Dschungel einsehen, immer wieder pfiffen Kugeln an uns vorbei. Immer wieder wurden Granaten in den Dschungel geschossen. Explosionen, Feuer und Gewehrsalven.
Chip ließ sich neben mir niederfallen. Er fluchte die ganze Zeit als er neben mir lag.
Er hatte das Maschinengewehr, legte es auf die Böschung auf und gab immer wieder Feuerstöße in den Dschungel. Immer wieder grunzte sein Gewehr auf.
Wir wussten nicht wie viele wir töteten, es war unmöglich zu sehen ob man einen Getroffen hat oder nicht. Oft gingen die Kugeln durch die ungeschützten Laiber der Capellaner durch und traten auf der anderen Seite wieder heraus. Sie liefen einfach weiter. In so einem Moment beneidete ich Mad Mikes Flinte. Wenn sie traf ging das Opfer zu Boden, doch die neue Munition, entwickelt um Flackwesten zu durchdringen ging einfach durch. Man konnte zwei, drei Kugeln in einen Menschen jagen und er ging noch weiter.
Nach einigen Minuten brüllte Captain Johansen: „FEUER EINSTELLEN!“
Langsam verstummten die letzten Waffen. Das Gefecht war vorbei.
Die ersten Dustoff Helikopter funken rein, wir sollten eine LZ sichern und unser Position markieren.
Rote Rachgranaten gingen über dem Reisfeld los und die Helikopter gingen nach unten, sie schwebten über den Boden, so dass ihre Kufen gerade die Wasseroberfläche berührten. Verwundete und Tote wurden in die Helikopter geworfen, dann zogen sie wieder nach oben und flogen sie in das nächste MASH.
Sechs Tote und acht Verwundete wurden ausgeflogen. Einer der Verwundeten war Wood. Eine Kugel traf ihm am Oberschenkel und kam unter dem Knie wieder heraus, sie zerfetzte den Muskel und zertrümmerte sein Knie. Für Wood war der Krieg vorbei. Sein Hund Boxer wurde nie wieder gefunden. Ihn muss es erwischt haben.
Wir zogen weiter nach Norden, zu den Dörfer My Lais.
Auf dem Weg kamen wir an ein weiteres Dorf. Die Bürger nahmen an dem Krieg nicht teil. Es waren Kinder unter zehn, Frauen und alte Leute, die Augen auf den Schmutz gerichtet.
Captain Johansen brüllte die Menschen an. Jeder von uns war sauer und schlecht gelaunt.
„Wo sind die Soldaten?“ brüllte er rum.
„Wo sind euere Männer?“
Wir waren erschöpft und verärgert, doch aus den Verhören kam ein großes Nichts heraus.
Unter ständigen Beschuss zog die Kompanie weiter, weiter Richtung Norden, um den Diem Diem Fluss zu überqueren.
Immer wieder Heckenschützen. Wir suchten immer wieder Deckung. Neben mir stöhnte Chip auf, er sackte in sich zusammen, aus seinem Kopf quoll Blut und sammelte sich in einer Pfütze am Boden. Der Schuss war tödlich. Ich ging in Deckung, ich schrie meinen Schmerz heraus und feuerte in die Richtung wo ich den Schützen vermutete. Nicht Chip! Dachte ich mir. Nicht Chip, er hatte nur noch ein paar Monate von seinen vier Jahren. Er war einer der Besten. Maschinengewehre, Handgranaten, Grananten und Gewehrschüsse peitschten in das Unterholz. Ein Sanitäter kam angekrochen, er wollte Chip untersuchen. Er schrie auf und kippte über Chip zusammen. Er zuckte und krampfte durch den ganzen Körper.
Ich zog ihn von Chip runter, zog ihn in Deckung. Er war kreidenbleich. Ich riss ihm die Weste ab und sah, wie das Projektil vorne in der Weste steckte. Es hatte die Kraft die Weste hinten zu durchschlagen, durch den Körper zu gehen und blieb vorne stecken. Die Weste war tropfnass von Blut und aus seinem Brustkorb spritzte hellrotes Blut.
Ein weiterer Sani kam angelaufen, während ich versuchte den Brustkorb mit Verbandsgaze aus zu stopfen. Doch es war zu spät. Es war selbst mir klar, das Projektil hat eine Arterie erwischt.
Captain Johansen forderte Kampfhubschrauber an. Wir zogen uns zurück und warteten auf die Cavalry Hubschrauber.
Private Fillmore schrie vor Schmerzen, auch ihn hat es erwischt. Die Kugel traf ihn am Oberarm und ging glatt durch seinen Bizeps. Die Wunde blutete stark, doch Doc Richard, einer der Sanis, untersuchte die Wunde in Seelenruhe.
„Verdammt Sergeant, das reicht hoffentlich für einen Heimaturlaub?“ jammerte Fillmore
„Tut´s weh?“ meinte Richard.
„Klar, und wie! Aber das wird schon. Ich glaube an Gott wissen Sie.“
„Ihr Glück“, sagte Richard. „Anscheinend glaubt er auch an Sie.
Die Cavalry Kampfhubschrauber kamen und beschossen die Umgebung mit ihren Raketen.
Tiefrote Flammen züngelten zum Himmel als die Infernos einschlugen. Wir wissen nicht ob die Helikopter etwas getroffen haben, doch es half der Moral der Truppe.
Fillmore, Chip und Errico der tote Sani wurden mit einem MEDEVAC ausgeflogen und wir marschierten weiter. Es dauerte nicht lange und der Beschuss der Heckenschützen ging wieder los.
Als wir den Fluss und die Brücke erreichten, steigerte sich der Beschuss zu einem ohrenbetäubenden Gedonner. Die Brücke war gut siebzig Meter lang und gab keine Deckung.
Sie war der einzige Weg hinüber. Die Einheit überquerte den Diem Diem. Einer nach dem anderen wetzte, so schnell er mit Rucksack, Funkgerät und Gewehr konnte. Der Rest der Truppe gab Deckungsfeuer. Wir hatten Angst. Es war ein Rennen, ein Leutnent gab den Start. Er kauerte an der Rennstrecke aus Lehm und brüllte „Los!“ für jeden von uns und deckte ihn dann. Der Captain – der Erste, der sein Rennen gewonnen hatte – war an der Ziellinie. Er machte für jeden drüben ein V-Zeichen. Es hätte Sieg oder Tapferkeit bedeuten können aber keinen Frieden. Alle schafften es rüber ohne getroffen zu werden. Bis auf den letzten Leutnant, jener der das Start Signal gab. Er erhob sich und rannte über die Brücke, dann traf ihn ein Schuss. Er zuckte zusammen und kippte von der Brücke. Sein Leichnam wurde in den Diem Diem davongetragen.
Die Männer wurden ärgerlich. Es gab keine feindlichen Soldaten, auf die man hätte zurückschießen können, nur Hecken, Gebüsch und Bäume. Es war zum Verrückt werden. Andauernd erwischte es einen. Menschen die dir nahe standen, die mit dir durch dick und dünn gegangen sind. Chip – Wood.
Ich weiß noch vor gut 2 Jahren als Wood zum erstenmal in die Einheit kam. Er war wie ein Kind. Seine schmale Statur und seine Größe von gerade Mal 1.65 unterstrichen dieses Aussehen.
Nach dem Krieg wollte er Agromechpilot werden. Wie ich stammte er aus einer Farm. Wir verstanden uns gut, auch wenn er sehr zurückhaltend war.
Cip. Ja Chip, er kannte jedes Puff in Chu Lai. Er war ein echter Haudegen. Hatte nur Frauen und schnelle Schweber im Kopf.
Einmal verbrachte ich einen ganzen Tag mit ihm, eingesperrt in einem Puff.
Ich weiß es noch wie als wenn es erst geschehen wäre.
Wir waren in Can Tho. Wir gingen die Hauptstraße entlang und es war damals seltsam wenig los.
„Wo sind die anderen alle?“ fragte ich. „Ich dachte, hier würde es von dienstfreien Soldaten wimmeln?“
„Tja.“ Meinte Chip „für die Leute die hier stationiert sind, ist diese Gegend verboten. Vor ein paar Tagen hatten die örtlichen Truppen anscheinend genug davon, dass die Davies immer alle Nutten für sich beanspruchten. Zuerst gab es nur eine Schlägerei, aus der dann aber fast ein richtiger Aufstand wurde. Zum Glück kam das MP-Batalion und treib die Leute auseinander, ehe die Maschinengewehre und die Artillerie aufgefahren wurden. Jedenfalls ist die Stimmung ziemlich schlecht und den Gis hier wurde gesagt sie sollten den Ort meiden, bis sich alles wieder beruhigt hat. Niemand soll hier her kommen, außer wenn sie etwas Offizielles zu erledigen hatten.“
„Was haben wir dann hier verloren Chip? Wir kommen denen doch dann gerade Recht wenn sie Streit mit Davies anfangen wollen.“ fragte ich.
„Ach was.“ Erwiderte er. „ Wir gehen zu einem gewissen Haus. Ich kenne die Puffmutter und die meisten Mädchen dort. Die sind immer unheimlich nett, wenn ich komme. Wenn wir dort hingehen gibt es keine Probleme, die kümmern sich um uns.“ Grinste er und wir gingen zu dem besagten Haus. Es war erst 3 Uhr Nachmittags.
Zwei Schlitzaugen standen an der Bar und unterhielten ich mit einem Mädchen. Sie waren nicht gerade erfreut als sie uns sahen. Aber die ältere Frau hinter der Theke kam auf uns zu und begrüßte Chip freundlich, ja herzlich. Ein paar Mädchen riefen ihm etwas zu und lachten auf die Bemerkungen. Chip grinste zu ihnen herüber und winkte allen zu. Er benahm sich wie ein Bürgermeister einer Kleinstadt während einer Parade.
Nach einer weile verschwanden die Frauen und Chip und ich tranken unseren Bourbon und unterhielten uns. Über den Krieg, das Leben im Allgemeinen, die Bourbon Flasche war schon halb leer, alle Gäste waren gegangen und ein paar Mädchen hatten sich zu uns an den Tisch gesetzt. Ich hörte wie die ältere Frau aufgeregt sich mit zwei Mädchen unterhielt. Sie zeigte auf die Eisengitter, die neben der Einganstüre befestig waren. Die Mädchen rannten los und schlossen die Eisgitter zusammen. Die Frau befestigte ein großes Vorhängeschloss daran.
„Was ist hier los?“ fragte ich.
„Chip streckte den Hals aus um etwas zu sehen. „He was gibt’s?“ rief er der alten Frau zu.
Sie versicherte uns, dass alles in Ordnung sei. Anscheinend pöbelte eine Gruppe betrunkener Sarna Ranger auf der Straße herum. Sie hätten gerne ein paar Davion Soldaten getroffen, um ihnen zu zeigen, was Sache ist. Die Frau meinte, es sei besser, alles zu verriegeln, bis wieder Ruhe herrschte.
Die Mädchen hatten nichts zu tun, also kamen sie an unsern Tisch und unterhielten sich mit uns. Schließlich hatte wir alle sechs oder acht um uns herum. Die Flasche wurde immer leerer. So verbrachten wir saufend einen ganzen Nachmittag in einem Puff.
In der Nacht wurden wir mit Granaten beschossen. Wir krabbelten in Gräben herum, an Erdwällen entlang, um zu entkommen. Wir sahen rote Blitze aus den Granatenwerfermündungen kommen, doch keine traute sich zurückzuschießen. Es hätte nur unsere Position verraten.
Der Captain ließ mich das Hauptquartier anrufen, um ein weiteres Mal Helikopter zu bekommen. In der Mitte der Kommunikation schlugen die Salven noch näher ein. Johansen murmelte, dass sie uns jetzt einschnüren, in dem sie ihre Salven aus zwei Richtungen annähern. Auf Händen und Knien krabbelten wir rückwärts zu einem Dorf von My Lai und verbrachten dort die Nacht. Andere Abteilungen verbrachten die Nacht draußen im Wasser des Reisfeldes. Sie hatten Angst sich zu bewegen.
In den Nächsten Tagen genügte wenig Provokation für einen Zippo Raid. Strohdächer brennen leicht und jeder Soldat hatte meist ein Zippo Feuerzeug dabei. An Regentagen half man sich mit Spiritus aus. An schlechten Tagen nahmen wir an den Dörfern von Cu Chi brennende Rache. Es tat gut Flammen hinter der 384th zu sehen, so gut wie der pure Hass.
Wir gingen zu anderen Dörfern, und das 48. Bataillon der Capellaner zogen wie ein Phantom hinter uns her. Als eine Minenfalle in einem Dorf zwei beliebte Soldaten in die Luft jagte, zeigten die Männer den nächsten Capellanern die Fäuste. Es waren zwei verängstigte Frauen aus dem schuldigen Dorf. Als die Truppe mit ihnen fertig war, hackten sie Stücke aus dem dichten, schwarzen Haar. Die Männer weinten, als sie das taten. Ein Offizier hämmerte mit der Pistole gegen den Schädel eines alten Mannes.
Jagdbomber wurden bestellt, diesmal kamen sie. Keine Hubschrauber. Flugzeuge. Sie schmissen Splitter und Napalmbomben über dem Dorf ab. Ich hörte Schreie aus dem brennenden Dorf. Es gab auch Capellanische Soldaten des 48. Bataillons in dem Dorf, aber auch Babys und Frauen. Kinder und Leute die nichts damit zu tun hatten. Doch Chip, Wood und andere Kameraden waren auf dem Weg zur Leichenregistratur nach Chu Lai, und sie waren tot. Es fiel schwer Mitleid zu haben. Man mag es nicht verstehen, doch wieder einmal wurde der Feind zu einer Bestie stilisiert und keiner konnte uns aufhalten.
Wir marschierten weiter. Die Tage brannten uns den roten Lehm in die Haut, es war unerträglich. Doch das 48. Bataillon der Cappies ließ von uns ab. Waren es nicht die Heckenschützen, waren es die Hitze, die Mücken und Blutegel die einen fertig machten. Es kam uns so vor als ob und der ganze Planet hasste.
Eines Nachmittags, es war schon Mitte Mai errichteten wir eine Verteidigungsposition auf einem hohen und steilen Berg. Wir ruhten uns aus und bekamen Nachschub, eine warme Mahlzeit die sogar einigermaßen genießbar war, Post, Cola und Bier.
Unten arbeiteten Bauern auf ihren Reisfeldern.
Mad Mike ließ sich auf einen Felsen nieder. Er schob seine Brille auf der Nase nach hinten und spähte durch das Zielfernrohr eines neuen Gewehrs. Dann schoss er auf einen Bauern.
Mad Mike war hocherfreut: „Adlerblick auf 500 Meter. Er nahm einen Trupp mit hinunter, um das Ergebnis zu untersuchen und funkte mir dann zu: „Er ist am Bein verletzt. Hat einen Beutel voll Reis und Papieren. Ruf umgehend zum Hauptquartier. Haben einen Cappie, männlich, im wehrfähigen Alter. Versuchte mit Handfeuerwaffe zu entkommen!“
Ich schluckte und bestätigte den Empfang. „Noch etwas?“
Er machte eine Pause. „Na gut, sag ihnen, das der Cap sein Bein gebrochen hat. Wir machen uns besser aus dem Staub. Habt uns was von dem Fraß auf.“
Das war der Anfang vom Ende.
Am nächsten Tag trat ein junger Mann auf eine Mine, der Kerl hieß Slocum, er zerfetzte ihn sein ganzes Bein. Die Moral der Einheit war wieder im Keller. Es tat richtig gut, dass mir Barney mal wieder über den Weg lief.
„O´Brian, altes Arsch. Wie geht es dir?“
„Beschissen.“
„Auch ja, ich weiß. Du magst keine Heckenschützen oder?“
„Jep. Chip, Wood. Beide Tot.“
„Man. Ich weiß, aber he, das Leben geht weiter. Wäre es dir lieber, dass du an ihrer Stelle gestorben wärest?“
„Ich weiß nicht.“
„Ach quatsch. Irgendwo da draußen gibt es einen Allmächtigen. Und der hat sie zu sich genommen. Wer weiß, vielleicht braucht er gute Infanteristen da im Jenseits.“
„Du spinnst!“
„Siehst du, alles wieder beim alten. Sag mal bist du jetzt der letzte Moikaner?“
Ich schaute ihn verdutzt an.
„Na weil du der letzte hier, deiner Einheit bist.“ Sprach er weiter. „ Du bist der letzte DogScout der 38th.“ Er grinste.
Mir war aber nicht so nach grinsen zumute. „Wood und ich gehörten doch eh schon mehr zur 384th als irgendwo anders hin. Wir waren so etwas wie euere Privatscouts.“
„Was heißt waren Tim.“ Sprach er auf mich beruhigend ein. „Du bist es, Tim. Du bist noch unser Scout. Wenn das alles vorbei ist, dann gehen wir zusammen jagen Tim. Du gibst bestimmt einen Guten Jäger ab.“
Einige Minuten saßen wir im roten Staub.
„Wenn das alles vorbei ist.“ Wiederholte ich ihn. „Das ganze geht in eine Richtung die mir nicht gefällt. Früher waren wir eine gute Einheit. Und Jetzt?“
„Und jetzt? Sag es mir?“
„Jetzt morden wir durch die Gegend. Und ich habe nicht mal etwas dagegen. Es geht mir völlig am Arsch vorbei.“
Barney zündete sich eine Zigarette und gab mir auch eine. Lange starrten wir in die Flamme von Barneys Zippo.
„Wie jeden von uns.“ Sagte er leise. „Wie jeden von uns. Die Caps schießen jeden Tag ein bis zwei Leute von uns raus, ohne das wir es ändern können. Verdammt! Wir können sie nicht einmal sehen. Diese verdammten Minen. Da brauchen sie sich nicht wundern, wenn man durchdreht.“
Ich holte zwei Bierdosen hinter mir hervor und gab eine davon Barney. Wir machten sie auf und das Bier schäumte sofort raus.
„Krieg ist die Hölle.“ Raunte ich.
„Krieg ist die Hölle.“ Erwiderte Barney und der Schaum spritze als wir anstießen.
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Ich bin Sergeant Tim O´Brian. Soldat des 38. Scout Dog Platoons der 8. Syrtis Fusiliers
Ich wuchs von einem Krieg in den nächsten. Mein Vater war Mechkrieger im Kampf unter Hanse, meine Mutter trug die Uniform der WAVES (Women Accepted für Volunteer Emergency Service), einem freiwilligen Dienst der Frauen. Ich war einer aus dem Baby Boom, eines der Milliarden Babys, die geboren wurden, um die gerade Gefallenen zu ersetzen. Mein Geplärr gehörte zu den ersten kehligen Lauten einer neu ausgebrüteten Armee. Ich wurde schnell aufgezogen, sorglos abgefertigt zu einer Zeit, als die verjüngte und im Triumph glänzende Nation ihrem Glück und Erfolg die Zügel schießen ließ. Man nährte mich aus dem Sieg des 4. Nachfolgekrieges.
Aufgewachsen bin ich auf der Farm meiner Eltern, mein Vater brachte mir das jagen bei. Und übte mich somit früh genug in Gewehre.
Danach ging es ab zu Armee.
Mein Vater, ein Kriegsveteran, konnte sich nicht die Ausbildung zu einem Mechkrieger leisten. Was soll’s dachte man sich und ich kam zur den Grunts.
Schnelle Abfertigung und ab zu unserm verhassten Nachbarn, den Capies.
Noch schnell eine Paramilitärische Ausbildung als kurze Vorbereitung für den Dschungel und Guerillakampf und ab an die Front.
Ich hab mich für 4 Jahre verpflichtet und nun stehe ich kurz vor meiner Entlassung.
Man kann es nicht beschreiben, aber man lebt nur noch für den Tag, für den Tag aus dem man aus der Army kommt und wieder ein normales Leben führen kann.
Ja ihr habt es richtig gelesen, ich freue mich aus der Armee zu kommen.
Dies ist keine Geschichte von überzogenen Helden, die den Krieg lieben. Ich kenne auch keine solchen Leute. Keiner liebt den Krieg, solche Geschichte verfassen Menschen die noch nie in einem Krieg waren oder jene die ihn verdrängten und sich an den dünnen Faden der guten Augenblicke nur erinnern.
Dies ist eine Geschichte von einem Fußsoldaten der die Hölle von Lee kennen gelernt hat.
Keine Helden, keine Ehre, aber vielleicht versteht man die Taten einzelner so besser.
Dies ist meine Geschichte:
Es war einmal mehr ein schwüler Tag. Mit den Flakwesten war es kaum zu ertragen, den Helm hab ich schon lange gegen den alten Tropenhut ausgetauscht. Jacky mein Hund lag im Schatten eines Baumes und hechelte vor sich hin. Private Brown saß neben ihm.
Die Gischt des Schwebers, der über die Reisfelder raste war weit zu sehen. Seine Turbinen surrten leise vor sich hin als er sich näherte, er wirkte fehl am Platz. Es wirkte fast wie ein friedlicher Tag im Busch, wenn dieses Metallungetüm nicht wäre, doch es gibt keine friedlichen Tage im Busch.
Der Schweber hielt keine 15 Meter von mir entfernt, schnell sprangen die Klappen hinten auf und Soldaten der 8. Syrtis Fusiliers.
Ich sah viele junge Kerle, noch keine zwanzig Jahre alt. Ein junger Leutnant sprintete aus dem APC und ging in Deckung, die meisten seiner Leute taten es ihm gleich. Warum auch nicht? Sie waren neu auf Lee, sie wussten es nicht besser, ebenso wie ihr Honcho.
Nachdem der letzte Soldat ausgestiegen war, brauste der Schweber wieder davon.
„O´Brian du alte Sau. Du wagst es deinen Kadaver hier auftauchen zu lassen, nachdem du mich so beim Poker abgezockt hast?“ die letzte Gruppe der Soldaten verließ den APC mit einer seligen Ruhe. Keine Hektik, keine Deckung, ihre Uniformen waren verdreckt, die Flakwesten zerschossen.
Ich erkannte den Korperal, es war Barney. Er war schon so lange auf diesem Drecksball wie ich und beide waren wir ST – Shorttimer. Wir hatten es bald geschafft.
„Barney altes Haus, was machst du da, ich dachte du bist hinter die Front versetzt worden?“
„Is wohl nicht. Die mögen keine schwarzen hinter der Front und du Saftnase hast wieder ein Charlydorf gefunden?“
„Gefunden ist gut gesagt, es ist noch ein paar Kilometer entfernt wir stolperten regelrecht darüber. Ist der Neu?“
Ich deutete zu dem Leutnant.
„Ja.“ Meinte Barney grimmig. „Ein Arsch. Er kriecht den Cap. Immer in den Arsch. Der ist auf Lametta aus. Verdammte Scheiße, warum ich. Warum muss ich den Arsch bekommen?“
Ich lachte und sah wie der Leutnant zu Brown robbte. Brown saß einfach da und sah ihm zu.
Sie unterhielten sich, ich konnte es nicht hören und es interessierte mich auch nicht. Der Leutnant dachte Brown wäre ich und da sah ich auch schon wie Brown zu mir rüber deutete.
Ängstlich blickte der Leutnant zu mir rüber. Er verstand nicht warum ich da stand und mich mit Barney unterhielt während sein Platoon im Dreck robbte.
„Sergeant! Sergeant O´Brian?“
„Jou.“
Wieder kroch er zu mir rüber.
„Sergeant. Sie haben das Dorf gefunden?“
„Jetzt stehen sie erst mal auf.“
Angst spiegelte sich in seinen Augen. Unsicher sah er hin und her.
„Man wenn Charly hier wäre, hätte er schon längst geschossen. Stehen sie auf Mann.“
Der Leutnant stand auf und deutete seinem Platoon an ebenfalls aufzustehen und die Gegend zu sichern.
„Leutnant Parris. 384th Federation MIR. Wo ist das Dorf, wie viele Gegner werden wir treffen.“
Ich deutet einen Pfad entlang, der die Reisfelder verließ und in den Dschungel führte. Barney verdrehte die Augen. „Nein, nicht da rein.“
„Korporal, ruhe!“ schnauzte der Leutnant.
„Gut 8 Klicks in den Busch. Vor 4 Stunden war der Weg noch frei von Minen. Wir wissen nicht ob die Cappies noch im Dorf sind, aber sie waren da, vermutlich haben sie dort ein Tunnelsystem Sir.“
„Gut, dann lasst uns aufbrechen. ABMARSCH! Barney sie gehen voraus.“
„Scheißkerl.“
„Wie bitte?“
„Nichts.“ Brummte Barney.
Ich holte mir Jacky und gesellte mich zu Barney. Brown bildete das Schlusslicht, damit die FNG (Fucking New Guys) auch nicht verloren gehen und wer will schon in der Mitte gehen. Wenn die Capies oder wir nennen sie auch Charly, da sie mit C im Funkalphabet abgekürzt werden und C ist Charly, wenn sie also eine Falle aufbauen, dann erwischt es meist die Leute in der Mitte. Findet man eben raus, wenn man schon ein paar Jahre auf Lee sein Leben verbracht hat.
Barney war sauer. Er war neben Sergeant Mad Mark und ein paar anderen Gruppenführern einer der erfahrenste in der Einheit.
„Es ist doch unglaublich! Stell dir nur vor, du stolperst einen Eselspfad wie diesen hier entlang, springst ständig wie ein Ochsenfrosch aus dem Dreck, um keine Kugel abzukriegen. Verdammt ich hätte nie gedacht, dass ich das den ganzen Tag mitmache, Und du?
Zuhause Strawn würde ich jetzt noch im Bett liegen und schlafen. Vielleicht ein geiles Mädchen im Arm. Keine Delta Delta die nur einen Offizier will. Eine richtige Braut, eine weiße Braut und keine Gelbe.“ Barney lachte.
Ich nickte ihm zu. Nach einigen Minuten schreien die Soldaten hinter uns auf und das zischen der Kugel war zu vernehmen. Wir hörten das helle zischen, was bedeutete, dass die Kugeln ganz nah waren, sozusagen auf uns gezielt.
Barney und ich schmissen uns in den Dreck, auch Jacky legte sich ab. Sogar ein Tier gewöhnt sich an den Krieg und verhält sich wie ein Soldat. Soviel dazu, wie intelligent wir doch alle sind. Wir machten uns nicht einmal die Mühe unser Gewehre zu benutzen, man wusste eh nicht wo der Heckenschütze saß und nach ein paar Minuten wäre alles vorbei.
„Herrje hast du das gesehen?“ fragte Barney
„Gestern.“
„Gestern? Scheiße Gestern war nichts gegen Heute.“
„Gestern Heckenschützen, Heute Heckenschützen. Wo ist da der Unterschied?“ sagte ich.
„Kann sein, die durchlöchern die sowieso den Hintern, klar? Scheiße aber Gestern war nichts dagegen.“
„Gestern Heckenschützen, Heute Heckenschützen.“ Wiederholte ich und steckte den Kopf in den Dreck, als neue Salven kamen.
Barney lachte. „ Du hast wohl was gegen Heckenschützen? Gestern hatten wir Anfänger als Heckenschützen. Aber heute, mein Gott heute können die Schießen. Heute Nacht bau ich meinen Fuchsbau so tief wie einen Keller.
Barney nahm seinen Helm und machte einen Strich darauf.
„Siehst du?“ sagte er und zeigte mir grinsend zehn Striche, „schon zehn für heute. Zähl´sie nur –eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht, neun, ZEHN! Ist schon jemals am Tag zehnmal auf dich geschossen worden?“
„Gestern,“ sagte ich. „Und vorgestern und vor- vorgestern.“
Barney sah mich an.
„Scheiß Scout, ich dachte du sollst unentdeckt beleiben?“
Ich zuckte die Schultern. „Sind wir meistens ja auch, aber wenn ich dauernd ein Platoon führen muss.“
Die Schüsse waren nun schon ein paar Minuten vorbei und ich merkte dass der Leutnant ungeduldig wurde. Verletzte gab es keine, die Capellaner waren als schlechte Schützen bekannt, solange sie nicht in der Armee waren.
Ich stieß Barney an und wir erhoben uns.
Barnes hüpfte rum wie ein Hampelmann und begann ein Lied zu pfeifen.
„Du bist wohl Optimist Barney?“
„Man darf sich nicht unterkriegen lassen. So werden Soldaten verheizt. Wie spät ist es?“
„Nach der Sonne wird es ungefähr drei sein.“
„Gut.“
„Was ist daran gut?“ Du wirst wohl müde?“
„Nein, aber dann sind wir bald da.“
Etwas zischte wie das Kreischen einer Frau an unseren Ohren vorbei.
„Allmächtiger,“ rief Barney und lag bereits flach auf dem Bauch und ich kniete neben ihm.
„Allmächtiger,“ sagte ich. „bist du OK?“
„Glaube ja und du?“
„Yeah. Das galt uns, da bin ich sicher und das war verdammt knapp. Die wissen eben wer hinter ihnen her ist.“ Sagte ich. „Du und Ich.“
Er kicherte. „Klar wir würden ihnen ganz schön einheizen.“
Der Pfad verband eine kleine Gruppe Dörfer. Ich war am Vormittag schon hier. Dort sahen wir in einem der Dörfer wie sich Charly mit Lebensmittel versorgte. Vielleicht sind sie noch im Dorf, was ich aber stark anzweifelte. Aber vielleicht gibt es dort Waffenlager oder ähnliches und zumindest musste man auftauchen und alles durchsuchen, damit nicht jeder Charly unterstütz.
Jacky wurde auf einmal ganz ruhig und setzte sich hin. Barny der mit mir schon öfter auf Streife was kannte das Signal, ich gab dem Trupp das Zeichen stehen zu bleiben und in Deckung zu gehen.
„Scheiße Tim, Scheiße, jetzt reißen sie unsern Arsch mit Minen auf?“
Ich streichelte Jacky als Belohnung und gab ihm etwas zu essen. Dann tastete ich mich langsam vor. Ein kleiner Stock in der Hand, so als ob der etwas bringen würde, aber man war ruhiger damit. Ich winkte Barney her, der leise fluchend dem Befehl folgte.
Ich deutete auf eine Nylonschnur die über dem Weg geht.
Sie endete Links und Rechts im Gebüsch. Ich sah links nach. Dort war sie um einen kleinen Ast gebunden, also sah ich Rechts. Ein Pfeifen konnte ich mir nicht unterdrücken.
„Was? Was? Verdammt Tim was ist das?“
„Eine Claymore. Die setzen unsere Minen gegen uns ein. Ohne Jacky und 700 Schrapnellen wären dir in den Leib gefahren.
Langsam machte ich mich daran den Stolperdraht zu durchtrennen, achtete aber ihn immer auf Zug zu halten.
„Schraubenzieher.“
Barney assistierte mir und so entschärften wir das Ding. Es war nicht schlimmes für mich.
Routine!
Wir fanden noch weitere Minen. Unter anderem einige Bouncing Bettys.
SMi35. Diese Minen sind im Boden vergraben und wenn sie ausgelöst werden springen sie in die Luft und überstreuen ein Platoon von oben mit unzähligen Splittern. Keine schöne Sache, man kann sie auch dafür einsetzen um Sprungtruppen oder Kröten zu erwischen.
Barney erlangte schnell wieder seine gute Laune.
Der Leutnant kam nach vorne.
„Wie lange wird es noch dauern bis wir das Dorf erreicht haben Sergeant?“
“Nicht lange 30 Minuten vielleicht.“
„Gut.“
„Vielleicht können wir Charly ja überraschen?“ grinste Barney.
„Willst du mich verarschen Barney?“ meinte ich
„Warum Sergenat? Vielleicht überraschen wir die Capellaner? Vielleicht werden wir heute einen erfolgreichen Schlag machen.“
„Mein Gott. Die schießen schon seit Stunden auf uns. Wie zum Teufel will man die überraschen?“
Ich war sauer, Barney hatte Recht der Leutnant war ein Arsch. Um einen Orden zu bekommen würde er uns alle in den Tod schicken.
„Leise vorrücken.“ Befahl der Leutnant und gab das Zeichen an das Platoon.
Wir gingen weiter.
„Wie heißt der verdammt Ort?“ fragte Barney mich
„Ich weiß nicht, ich habe nicht darüber nachgedacht. Niemand denkt darüber nach.“
„Ist schon komisch, später fragt mich jemand, wo zum Teufel ich hier war, und wo das Gemetzel war. Und Scheiße, was soll ich dann antworten?“
„Sag ihnen St Vith.“
„Was? Heißt der Mistflecken so?“
„Ja. So heißt er. Hier ist er auf der Karte. Willst du sehen?“
„Was ändert das hmh? Su sagst St Vigh, und so ist es halt. Du bist der Scout. Ich werde mich eh nicht daran erinnern.“ Er überlegte kurz. „ Wie lange werde ich wohl brauchen um dienen Namen zu vergessen?“
Wir gingen weiter und nach 45 Minuten kamen wir zu dem Besagten Dorf.
Der Leutnant ließ und ausschwärmen und in einer Linie auf das Dorf vorrücken.
Ich sah wie Schlitzaugen weiter ihren bäuerlichen Arbeiten nachgingen. Frauen, Kinder und alte Männer. Sie bestellten die Reisfelder, klopften den Reis oder machten sonst etwas.
Sie ließen sich von uns nicht beeindrucken. Langsam stapfte ich durch das Wasser, Jacky hasste das. Doch ich war froh ihn dabei zu haben. Er fand Sprengstoff und Charly wenn es sein musste und gleich im Dorf wird er ein unersetzbarer Kamerad sein.
Der Leutnant brüllte Befehle rum. Schrei die Eingeborenen an, so als ob er der König wäre.
Barney stieß ein paar Reistöpfe um und ich ließ Jacky jedes Haus durchsuchen.
Wir fanden nichts. Der Leutnant war sichtlich enttäuscht und gereizt.
„Scheiße!“ meinte Sarge Mad Mike als ich und Barney in seiner Nähe waren. Langsam gingen wir zu ihm rüber.
Mad Mike hatte es geschafft. Irgendwie hat er einen Tunneleingang freigelegt.
Das heißt einer von uns muss da rein.
„Wenn wir sie einfach sprengen bevor der Honcho es sieht?“
Mad Mike schüttelte den Kopf und nickte in die Richtung aus der der Leutnant und einige seiner Speichellecker schon antrabten.
„Ja wunderbar Sergeant Smith. Da heben wir ja was wir suchen. Jetzt müssen wir nur noch einen reinschicken.“
„Ich nicht. Ich bin heute schon zu stark beschossen worden. Ich habe kein Glück mehr übrig.“ Meinte Barney.
Der Leutnant sah zu meinem Hund.
„Vergessen sie es. Die Army hat viel Geld bezahlt um den Hund auszubilden. Den setzen sie nicht auf Spiel.“
„Einer muss rein. Dann gehen halt sie. Zeigen sie mal, dass sie ihre Silverwings verdient haben.“
Der Leutnant spielte auf die Silbernen Flügel an, die ich an der Uniform hatte.
Das 39th Scout Dog Platoon, war eigentlich eine Airborne Einheit. Entwachsen aus der 249th Airborne Regiment der 6th Syrtis Fusiliers. Eine Eliteeinheit, Paras! Ich sah mich nie als Elite, und jetzt mir meinen Arsch wegschießen zu lassen das sah ich gar nicht ein.
„Vergessen sie es Leutnant. Gehen sie doch selber rein.“
„Sergeant. Das war keine Bitte.“
Ich spuckte den Leutnant vor die Füße und legte mit einem gifteigen Blick meine Trageweste ab. Gab Barney meinen Hund, nahm die Pistole und gleitete in das Loch.
Es war eng, eng und stickig. Ich kannte solche Systeme. Sie waren bespickt mit Fallen und wenn irgendwo ein Charly war, dann hatte man kaum Chancen.
Ich hatte Glück, meiner war verlassen. Wohl eher ein alter Bunker für das Dorf. Erleichtert kletterte ich nach gut 30 Minuten wieder nach draußen. Die Fresse vom Leutnant grinste mir schon entgegen.
„Und?“
„Und was? Leer du Wochenendkrieger.“
„Sergeant, das wird Folgen haben. Ich lasse mich von ihnen und vor meinen Leuten nicht beleidigen.“
„Paß blos auf dass du heute Nacht nicht gefragt wirst.“ Murmelte Mad Mike leise.“
„WAS?“ brüllte der Leutnant. „Wer hat das gesagt?“
Man sah richtig wie ihm die Gesichtsfarbe entschwand und er schön weiß wurde. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Mad Mike und Barney ebenso wenige. Die FNGs entfernten sich langsam von uns, sie sicherten lieber das Dorf.
Fragging – Einen Unfähigen Offizier töten.
Sehr gefürchtet bei den jungen Offizieren und es passierte öfter als man annahm.
„Ich behalte euch drei im Auge und wenn wir wieder am Lager sind, stell ich euch vor ein Kriegsgericht.“ Drohte er.
Wir sprengten das Tunnelsystem und gruben uns dann die Nachtlager in die Erde.
Ich weiß nicht wer es war, es spielt auch keine Rolle, aber in der Nacht gab es einen dumpfen Knall. Alle wurden wach, einige schossen wie wild in den Dschungel. Völlig ziellos und ohne zu wissen was los war. Mad Mike brüllte sie sollten aufhören. Langsam kehrte wieder ruhe in die Nacht. Mit Taschenlampe beleuchtete man die Fuchsbauten von uns. Ein Fuchsbau wurde von einer Handgranate gesprengt und die Teile des Leutnants waren über das ganze Lager verstreut.
MAD Mike war Sergeant Major. Er war der erfahrenst von uns. Er war ja auch Berufssoldat.
Er übernahm das Kommando und entschloss sich am nächsten Morgen zurück zum Lager zu gehen.
Die Neuen waren nun ängstlich. Gut die Hälfte der Soldaten im Platoon waren erst ein paar Tage hier. Sie kannten keinen Krieg, keine Toten und erst recht nicht, warum man Offiziere tötete. Aber lieber er als wir. Und wir wollen keine Lyranischen Zustände hier haben.
Eine weitere Granate war zu hören, ungefähr 50 Meter von uns entfernt.
„Verdammte Kerle,“ schrie Mad Mike. „Hört mit den verflixten Granaten auf.
Dann eine Reihe von Explosionen folgte. Hütten wurden dabei zerrissen Leute schrieen auf.
Dann kamen gelbe Blitze und Getöse aus den Hecken um das Dorf. Maschinengewehrfeuer knallte kurz und ganz beunruhigend und ganz unglaublich nah.
„Siehst du,“ sagte Barney, als er neben mir lag, „wir haben sie gefunden.“
„Haben sie überrascht.“ Sagte ich als ich mein Nachtsichtgerät herausfingerte. „Haben sie so getäuscht, dass sie ganz von den Socken sind.“
Barny sah auf das Nachtsichtgerät, er hatte keines. Er war Infanterist kein Scout.
„Angriff!“
„Angriff!“
„Herrje,“ sagte Barney. „Als ob wir das nicht gemerkt haben. Pass auf mich auf, du kannst sehen.“ Sagte er, dann legte er sein Leichtes MG an und fing an in den Wald zu Feuern. Das Maschinengewehr grunzte auf, als es die Salven verschoss. Deswegen nannte man es auch Pig.
Ich sah die Welt in einem grünen Ton. Die Wahrnehmung war beschränkt, vor allem durch das enge Seitensichtfeld und die Tiefenwahrnehmung. Aber man sah etwas. Immer wieder schoss ich mit meinem Federatet Longrifle auf die Hellgrünen Umrisse, die im Wald zu erkennen waren. Ich sah eine Gruppe von zwei vielleicht drei Mann. Das war das MG, welches uns beschoss. Ich robbte zu dem Neuling neben mir, er lag ängstlich in seinem Fuchsbau und traute sich nicht raus.
Ich nahm die Granatenpistole, und zielte in die Richtung wo das MG war. Es machte Plopp und wenig später gab es eine Explosion genau dort wo das MG war.
„Was war da?“ meinte Barney.
„Da MG.“
„Oh, Danke.“
Wir schossen weiter auf den Wald, obwohl ich nichts sehen konnte. Es konnten nicht viele gewesen sein. Ich klopfte Barney auf die Schultern und deutete ihn an, dass alles vorbei ist.
Der Neue in unserm Fuchsbau saß immer noch heulend in der Ecke. Wie lange hatte er noch. Zwei oder Vier Jahre. Das wird noch etwas werden mit dem. Lange macht er es nicht und Charly hat ihn entweder erschossen oder mit seinen billigen Drogen dahingerafft.
Die Jungs schossen immer noch. Man konnte durch all das Getöse Sarge Mad Mike hören.
„FEUER EINSTELLEN!“ schrie er. „Verdammt, was habt ihr Jungs? Hört auf die verdammte Munition zu verheizen. FEUER EINSTELLEN!“
„Feuer einstellen!“ brüllten die Sergeanten.
„Feuer einstellen!“ brüllten die Korporals und Gruppenführer.
„Die gute alte Befehlskette.“ Meinte ich und Barney musste lachen.
In dem ganzen Getümmel kam Brown angekrochen.
„Alles OK Sarge.“ Meinte er und ich bestätigte die Lagemeldung mit einem Nicken.
Da ich nur einen Mann hatte, hatte ich meine Verlustmeldung schon zusammen.
Bates, einer der Sergeanten kam angekrochen. Hat es von euch einen erwischt.
Wir verneinten das und deuteten aber das das Frischfleisch im Loch.
Bates schüttelte den Kopf.
„Es muss ein paar erwischt haben.“
„Schauen wir zu den Hütten rüber, da sind die meisten Granaten runter gegangen.“ Meinte ich. „Es hat bestimmt auch ein paar Zivis erwischt.“
„Granaten?“ Bates sah mich an.
„Das waren Mörserrunden die auf uns herunter kamen. Zweiundachtzig Millimeter Mörserbomben.“
„Biste sicher?“ fragte Barney seine typische Frage.
„Na das will ich wohl meinen. Ich hab mal einen Mörser bedient. Das waren Mörserbomben.“
„Das wird eine gemütliche Nacht werden.“ Meckerte Barney. „Sagte ich nicht, viel schlaf werden wir nicht bekommen.“ Grinste er.
Wir gingen zu den Hütten, dort standen einige des 3. Chalk rum.
„Ist einer von euch verletzt?“ fragte Bates und betrachtete die vier Löcher im Boden.
„Nein, niemand. Wir hatten Glück, wir saßen alle am Boden oder lagen. Wären wir gestanden, als die Dinger runterkamen, wäre jeder tot gewesen, mausetot.“
Der Schock war ihnen noch im Gesicht. Ein Soldat saß auf seinem Tornister und aß eine Dose Pfirsiche.
Einige Häuser waren zerstört und Bäume entwurzelt. Einige Einheimische waren verwundet, zwei Tot. Unser Sanis kümmerten sich um die Verwundetet. Eine alte Frau, 70 Jahre alt, war über und über mit Schrapnellen zerschnitten worden. Sie sah aus wie ein roter Fleischberg und nicht wie ein Mensch. Einer der Sanis tat sein bestes. Ob sie überlebte habe ich nie erfahren.
Mad Mike kam angerannt und sagte mir ich sollte die Bataillonszentrale anrufen.
„Gib ihnen Bescheid, dass wir für die Nacht Position beziehen. Kein Wort von dem kleinen Gefecht gerade eben. Ich habe keine Lust jetzt auch noch mit Kampffliegern zu spielen, und
genau das würden sie von uns verlangen.“
Im Großen und Ganzen war es ein guter Tag. Wir haben niemanden verloren, bis auf unseren Leutnant, doch den Verlust betrauerte keiner. Es machten Gerüchte die Runde, dass Perris ein heimlicher Katherine Anhänger war. Ich hielt nicht viel von Gerüchten, doch wenn es den Leuten half. Der erste Befehl von Mad Mike nach der Schlacht war, dass sich alle wieder wie echte Syrtis Fusiliers zu verhalten hatten.
Bei den Syrtis Fusiliers war so etwas wie ein Helm verpönt. Es galt als feige. Ich verstand es auch nicht so ganz warum und es gab auch keinen der es mir erklären konnte, doch bei der Schwüle und Tagsüber bei den hohen Temperaturen war ein Dschungelhut bei weitem angenehmer zu tragen als ein Helm. Oft hatte ich meinen Helm dabei, falls man wirklich mal unter Granatenbeschuss kam, aber meist hatte man keine Verwendung damit. Die Soldaten der 8. Syrtis Fusiliers benutzten im Moment ihre Helmer als Verstärkung ihrer Fuchsbauten.
Keiner zweifelte daran, dass wir angegriffen werden, doch es war kein so schreckliches Gefühl wie sonst. Die Tatsache dass es tagsüber keinen erwischt hat, gab den Leuten Mut.
„Ein Fusilier mit Helm ist ein Weichei.“ Bemerkte Johansen als er seinen Helm in den Rand des Erdlochs drückte. Ein Private, noch nicht lange hier.
„Och sag das nicht.“ Meinte Barney. „Es gibt eine sehr gute Verwendung für die Helme. Sie bieten einen guten Sitzplatz in einem Helikopter und außerdem schützen sie deine Eier vor Bodenbeschuss. Ich rate euch, nehmt einen Helm mit, wenn ihr in Helis über eine heiße Zone fliegt. Das hat so manchen Mann seine Eier gerettet.“ Barney grinste.
Die Nacht war ruhig, zu ruhig für meinen Geschmack, wir warteten einfach bis Tagesanbruch und wechselten uns gegenseitig mit wachen ab. Zigaretten trauten wir uns nicht anzuzünden. Zu gefährlich.
Als es hell war kochten Barney und ich Feldrationen. C-Rats wie man sie nannte wenn man nichts anderes mehr hatte. Ich gab Jacky sein Futter und zündete mir sofort eine Zigarette an, es war hell und es bestand keine Gefahr, zudem war mein Nikotinspiegel ziemlich im Keller.
„Du sollst dich mal rasieren.“ Raunte Bates zu Barney
„Ich brauch R&R*. Und eine Frau brauch ich. Die kann mich mit oder ohne Bart haben.
„Du hast ja gar keinen Bart.“ Lachte Bates.
Barney strich mit der Hand über sein Kinn.
„Herrgott warum sagts du dann dass ich mich rasieren soll?“
„Rasierst du dich denn überhaupt?“
„Nicht oft.“ Barney rührte in den Rühreiern mit Speck herum.
* R+R = Rest & Recreation / Ruhe und Erholung. Im Slang auch I&I genannt = Intercourse Intoxication – Geschlechtsverkehr und Trunkenheit
Langsam belebte sich das Lager. Die Hitze weckte uns, sie schmorte uns in den Regenumhängen. Dann kamen die Mücken.
Jeder begann nur langsam sich zu bewegen, lang, minutenlang lag man auf dem Rücken. In kleinen Gruppen wurde geredet. Zu dieser Zeit gab es keine Wachen. Ein Blick in das Gebüsch hin und wieder war alles. Es war wie das erwachen auf einer Krebsstation. Niemand hatte es eilig mit den Tag zu beginnen, niemand hatte Verpflichtungen oder Träume.
„Das war wirklich keine schlechte Nacht.“ Meinte Barney.
„Ich habe erwartet, dass die Liaoarmee auf uns herunterrasselt. Nur ein paar elendige Mörsersalven. Die auch noch schlecht gezielt.“
„Vielleicht ist ihnen die Munition ausgegangen?“ meinte Bates.
„Kann sein.“ Barney sah Bates an als ob es ein Scherz war.
„Sicher wir haben ihre kleine Stadt belagert und sie zermürbt. Ein beschissener Zermürbungskrieg ist das.“
Barney starrte ihn an. „Aber vielleicht haben sie doch noch etwas Munition übrig?“
„Vielleicht.“
„Hast du letzte Nacht geschlafen?“ fragte ich Barney
„Sicher, glaub schon. Ich werde nämlich müde wenn ich den ganzen beschissenen Tag lang umherlaufe, da kann mich auch Charly nicht an meinen Nickerchen abhalten. Und du Bates? Du hast ausgehen als ob du geschlafen hättest? Ich habe dich bei der Wache gesehen.“
„Was? Bei der Wache hab ich nicht geschlafen.“
„So hab ich das nicht gemeint.“ Grinste Barney, und freute sich einen Nerv getroffen zu haben. „Ich meinte, als ich wache geschoben hatte. Da hab ich dich schlafen gesehen.“
„Ja, bis vor zwei Stunden. Da hat mich etwas geweckt, das klang, als ob mich jemand umbringen wollte.“
„Da hast du wohl geträumt.“ Meinte ich als ich meinen Hund streichelte.
„Ach das war nichts.“ Meinte Barney. „Wir packen lieber zusammen. Mad Mike sieht aus, als ob er weiter ziehen will.
Einige Tage später, das 3 Platoon der 384th Federation MIR hatte einen neuen Leutnant bekommen. Ein guter Kerl, er war jung und unerfahren, aber er hörte auf seine Sergeanten. Noch! Langsam bekam ich das Gefühl, dass ich selbst ein Mitglied der 384th bin. Zumindest ihr persönlicher Scout. Noch etwas hat sich verändert. Das 3 Platoon der 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers unterstand nun den frisch eingetroffenen 2nd Chiaholm´s Raiders.
Das löste im Lager fast eine Revolte aus. Vor allem der erste Tagesbefehl, Helmpflicht.
Keiner kann mich zwingen meinen Helm aufzusetzen. Nicht bei diesen Temperaturen und warum zum Teufel sollen wir wie Feiglinge rumrennen?
Leutnant Leepson meinte wir sollten die Helme wenigstens mitnehmen, er betonte aber, dass er nichts von aufsetzen sagte. Er scheint mir wirklich in Ordnung. Barney und Bates haben ihren Helm schon mal als verloren gemeldet. Keine 4 Stunden später hatten sie einen neuen.
Wenn das mit unserm anderen Nachschub auch so schnell gehen würde.
Aber kommen wir wieder zu den Tagesgeschehnissen. Ich glaube es war 4 Tage nachdem Leutnant Parris gestorben war. Ich war wieder mit der 384th unterwegs, Jacky musste diesmal zurückbleiben, der glückliche bleib im Lager der 38th DogScouts. Er hatte eine Pause verdient.
Wohin wir gingen und warum wusste ich nicht. Wir liefen schon den ganzen Tag durch den Busch, den ganzen Tag und den halben davor.
Gehen. Zuerst mit dem linken Bein vor, dann den Fuß aufsetzen, das Knie einrasten lassen, den Knöchel dehnen. Steck das Bein ins Reisfeld und mach den Rücken steif. Laß den Krieg auf dem linken Bein lasten: Rucksack, Radio, Handgranaten, Magazine mit goldenen Patronen, Gewehr, dieser verfluchten Stahlhelm, der an der Koppel baumelte, die klirrenden Erkennungsmarken und den eigenen Körper aus Fett, Wasser und Muskeln, das ganze Kontingent aus der Kriegsartikel. Lass alles auf dem linken Bein schaukeln, festgebunden, verankert mit Gurten und Reißverschlüssen, Schnallen und Nylonschnur.
Ein Lastpferd. Das linke Bein macht alles, es ist gut trainiert. Das linke Bein streckt sich mit der wunderbaren Kraft des langen Muskels. Man schleppt sich weiter auf dem starken Bein. Der Drehmoment. Das rechte Bein holt auf, aber nur zur Begleitung. Es streckt sich, schwingt, doch der rechte Fuß berührt den Boden nur für einen Augenblick – nur um mit dem linken Bein schritt zu halten. Die Arme schwingen im Rhythmus.
Die Augen suchen das Reisfeld ab, Hier ist es weich, dort zu gefährlich. Minen. Hierhin treten, dort nicht. Vorsichtig beobachten. Alles grün. Grünes Licht heißt doch weitergehen.
Die Augen rollen in ihren Höhlen. Pass auf die Beine auf. Kein Risiko eingehen. Achte immer auf die verdammten Heckenschützen, auf Hinterhalte und Punji - Fallen. Die Augen suchen nach Minen, Stofffetzen, Bomben und Fäden. All das Zeug. Steck die Streichhölzer in die Augen damit du nicht blinzelst.
Pause.
„Gebt acht, wo ihr euch jetzt hinsetzt,“ sagte der Truppenführer und weckte mich damit aus meiner Trance.
„Fünf Minuten? Mein Gott diese Hitze. Sklaven geht es besser.“ Raunte Bates, der gerade einen Sitzplatz gefunden hatte.
Der Leutnant seufzte. „Wird nicht frech. Ich habe meine Befehle. Je eher wir zur Position für die Nacht kommen, desto früher werden wir versorgt, können schlafen, haben den Tag rumgebracht.“ Der Leutnant rieb sich mit einem Lappen den Schweiß von Gesicht und Hals.
Barney setze sich hin, gut gelaunt wie immer, der Kerl muss doch Drogen nehmen dachte ich mir.
„Warum halten wir an?“
„Gut so.“ meinte der Leutnant. „Wenigstens einer versteht, dass es besser ist weiter zu ziehen.“
Barney grinste zu mir herüber, Bates lachte auf. „Ich weiß nicht was Buddy Barney gemacht hat, aber ich habe doch tatsächlich unterwegs geträumt. Ich war mittendrin mit der Tochter von einem berühmten Politiker. Ich hatte sie ausgezogen am Strand. Ein wunderschöner Strand mit Palmen und einem kühlen Wind vom Meer. Du lieber Himmel.“ Er machte eine Geste um uns die Formen der Frau anzudeuten und grinste dabei.
„Ich hatte sie ausgezogen klar. Sie lag auf dem Strandtuch. Alles was sie anhatte war eine Sonnenbrille.“
Ich schüttelte den Kopf. „Denkst du hier draußen wirklich an Politikertöchter?“
„Oh ja.“ Antwortete Bates und schloss die Augen. Ein zufriedenes Grinsen huschte über sein Gesicht, so als ob er wieder bei seiner Politikertochter wäre.
Ich stocherte in meinen Feldrationen rum. Limabohnen, die meisten Leute hassten die Limabohnen, ich habe mich damit abgefunden. Sie schmeckten nicht wirklich gut, aber beim Tausch mit anderen konnte man meist Schokolade oder etwas für Jacky aushandeln.
„Tim, erzähl uns doch etwas von Tai San.“ Sagte Barney.
Ich versuchte abzuwinken.
„Komm schon Tim.“ Drängte Bates. „Erzähl uns deine Frauengeschichten.“
Jetzt kroch auch noch Chip an. „Man Tim erzählt was von Frauen, mein letzter I&I ist Monate her, man mein Schwanz ist schon ganz vertrocknet.“
„Was? Bei der feuchten Luft.“ Lachte Barney. „Aufgehts Tim erzähl uns was von Mamma Sans Tochter.“
Anm.: Mamma san = Ältere Vietnamesische Frau / Hootchgirl = junges vietnamesisches Dienstmädchen / Hooth = Militärunterkunft oder Bauernhütte
„Was soll ich erzählen? Ich hab mich eine Capellanerin verguckt.“
„Stimmt doch nicht. Ex Capellanerin, aber wir haben sie befreit.“ Grinste Bates.
„Das seh ich wir befreit die hier sind.“ Meinte Chip.
„Naja.“ Fuhr ich fort. „Sie ist unser Hootchgirl in der 38th. Sie ist erst 17 Jahre alt, aber ich zieh sie jeder Barbiepuppe der Bob Hope Show vor. Ich weiß nicht warum. Immer sagte man mir. Die Schlitzaugen sind der Feind. Sie sind Böse. Mein Vater meinte immer ich soll mich vor den Frauen in Acht nehmen, die haben Rasierklingen in der Möse, damit ehrliche Männer der Vereinten Sonnen sich ihren Schwanz aufschlitzen.“
Barney musste lachen. „Das hat mir meiner auch immer erzählt. Deswegen geh ich hier aber trotzdem ins Puff.“
“He Tim, rebellierst du gerade gegen diene Vater?“ meinte Chip.
„Warum?“
„Na weil du dich ihn weidersetzt. Du nagelst die kleine doch nur, weil es das exotische Verbotene ist.“ Er lachte und ich schmiss ihn etwas rote Erde in sein Gesicht. Dann lachten wir alle.
„Meine Herren! Was ist hier so lustig? Erhebt euere verdammten Ärsche wir wollen weiter.“ Murrte Mad Mike.
Wir packten unser Sachen und gingen weiter. Das selbe spiel wie immer. Durch das Reisfeld, mit dem linken Bein vor ….
Bates begann zu singen, er sag um sich aus dem Wahnsinn zu retten.
Ich kenn eine die heißt Jill
Sie will nicht, aber ihre Schwester will,
Oh, Baby Doll
Langsam begannen alle mit in das Lied einzustimmen. Leise sag das halbe Platoon ein Lied, was man ihnen in der Ausbildung beibrachte.
Ich kenn eine in Rot,
Leidet im Bett keine Not.
Oh Baby Doll.
Ich kenn eine in schwarzen Rüschen,
Verdient ihr Geld auf dem Rücken,
Oh Baby Doll
Wenn ich auf dem Schlachtfeld ende,
Packt mich ein
Und schickt mich heim
Ist das auf Thakard doch
Gebt mir eine Hure mit ins Loch
Bis zum Tagesende gingen wir weiter. Am Abend gruben wir unsere Fuchsbauten, legten unser Regenmäntel hinein und fertig war das Nachtlager.
Es war wieder ein ruhiger Tag gewesen. Keine Spur von Charly.
„He O´Brian!“ sagte Barney. „Du hast doch ein Nachtsichtgerät?“
„Ja warum?“ fragte ich unsicher.
„Gib mal, ich hab noch nie ein Nachsichtgerät gehabt. Wie ist das?“
„Echt nicht? Noch nie?“ fragte ich als ich das Gerät von der Koppel nahm. Sofort waren auch wieder Bates und Chip da.
Chip war ein echter Syrtis Fusilier. Hasek war sein Ideal, am liebsten sähe er ihn auf den Thron der Vereinten Sonnen und der Lyranischen Allianz gleich mit. Hasek sollte Katherine heiraten sagte er immer. Dann hat er sicher beide Reiche und eine geile Blonde im Bett.
Manchmal könnte man fast meinen Chip ist Lyraner, so oft wie er davon träumt den Archon zu ficken.
Chip trug nie einen Helm, nicht nur deswegen weil ein echter Sirthis Fusilier keinen Helm trug, nein Chip war der festen Überzeugung, dass er kein Helmtyp war. Ein Helm stand ihm nicht, und wenn Chip das sagt, dann stimmte das auch
„Was habt ihr da?“ fragte Chip neugierig, auch er hatte die 20 Jahre erst überschritten.
Im Grunde waren wir alle noch Kinder.
„Nachtsichtgerät.“ Meinte Bates.
„Damit kann man die Sterne betrachten.“ Meinte Chip. „Gute Idee.“
Und alle setzten sich zu Barney und mir in den Fuchsbau.
„Sternenlicht so Sternenhell.“ Sang Chip.
„Seht euch das Gerät an. Man braucht ein abgeschlossenes Jurastudium und zwei Doktortitel um es bedienen zu können. Wie funktioniert das Ding?“ fragte Barney.
Ich nahm die Schutzkappe ab und stellte das Gerät am Einstellring ein. Barney nahm es mir ab und sah durch das Gerät.
Bates hielt ihm die Hand vor die Linse. „Was siehst du Barney?“
Barney kicherte. Er suchte den Himmel ab.
„Was zum Teufel siehst du da Barney?“
„Wow Mann, eine echte Peep Show,“
„Träum nur, träum.“
„Lass mal sehen.“ Sagte Chip und Barney reichte ihm das Gerät.
Chip spielte mit dem Nachtsichtgerät. „Sternenlicht so Sternenhell.“ sang er wieder.
„Lass mich auch mal.“ Sagte Bates.
„He. Man sieht ja gar nichts.“ Beschwerte er sich.
„Natürlich nicht.“ sagte ich. „ Es ist ja auch noch nicht Dunkel. Man braucht Sterne für so etwas. Sterne oder eine andere Lichtquelle, Reflexionen, Feuer irgend so etwas und es wird Tag. Die Batterie in dem Gerät verstärkt das Licht irgendwie. Wie weiß ich auch nicht.“
Wir warteten noch ein wenig, bis die Sterne aufgegangen waren.
„Märchenland.“ Murmelte Chip, der durch das Gerät sah. „Ich kann bei Nacht sehen.
Einen Zirkus sehe ich mit Farben wie in einem Düsenjäger bei Nacht, wenn vorne im Cockpit die Instrumenten Tafel so grünlich schimmert. Ich wusste nicht, dass nachts die Felsen und Bäume so grün sein können.“
„Man soll nachts nicht sehen können.“ Sagte Bates, der gerade einen Joint drehte.
„Man kann wirklich die Bäume sehen.“ Sagte Barney erstaunt.
„Wirklich,“ sagte Bates, „die Nacht ist nicht für menschliche Augen. Ich traue diesem Ding nicht, es ist unnatürlich.“ Raunte er und verschwand unter seinem Poncho um den Joint anzuzünden.
Barney gab mir das Gerät, auch wenn ich es schon kannte, es war ja meins. Ich blickte in die grüne, tanzende Nacht. Unter dem Einfluss von Marihuana sah man sich wirklich in einer anderen Welt. Eine Welt wie sie von Hippie, Schamanen und Esoterikern beschreiben wird, wenn man in die Welt der Geister eintaucht. Haben diese Bekifften Hippies da durch ein Nachtssichtgerät gesehen?
„Ich wünsche mir den Frieden.“ Murmelte Barney unter dem Poncho und eine Rauchwolke kam heraus.
„Ich auch.“ Meinte Chip
„Was siehst du?“
„Ein grünes Feuer. Heute Nacht brennt die Landschaft.“
„Bewegt sich etwas?“
„Nein.“ Ich richtete das Nachtsichtgerät auf ein Dickicht außerhalb unserer Stellung. Die Büsche glitzerten in seltsamen Leuchtfarben. Ich schaute zu den Sternen.
„Ich kann die Wolken sehen. Sie bewegen sich hell wie am Tag.“
„Um Gottes Willen, du sollst mit dem verdammten Ding doch nicht die Wolken anstarren,“ sagte Bates. „Du sollst nach Charly Ausschau halten.“
Mad Mike kam herüber. „Zum Teufel, haltet die Klappe.“ Er ging weiter.
Bates schob die erste Wache, das Nachtsichtgerät lag neben ihm. Er hatte sein Gewehr in der Hand und spähte in die Nacht.
„Nacht.“ Sagte er und saß einfach nur ganz ruhig da.
Mad Mike war unser Truppenführer, er war Sergeant Major und wie ich von den 6. Syrthis Fusiliers Airbore. Nur Entgegensatz zu mir, war er der Profi und der Elitekämpfer. Er zeigte nie Angst, sein Wahnsinn war auf keinen Fall ein hysterisches Übergeschnapptsein. In Art und Haltung schien er die perfekte Nachbildung eines MI6 Agenten zu sein.
Das soll nicht heißen, dass er sich jemals wie ein Meuchelmörder benahm. Er trug eine Flinte, eine Waffe von der ich anfangs glaubte, sie sei im internationalen Krieg längst überholt.
Man erklärte mich schon für sonderbar, da ich unter dem Lauf meines Automatikgewehrs eine Schrotflinte angebracht hatte, doch Mad Mike hatte nur eine Flinte. Dass er sein Handwerk verstand zeigte diese alte Flinte. Sie richtig zu benutzen, setzte eine exakte Mischung aus Mut, Geschick und Selbstvertrauen aus, denn über 70 Meter Entfernung ist die Waffe weder zielsicher noch tödlich. Sie ist keine Automatische Waffe, man schießt einmal und der erste Schuss muss töten. Er war einer jenen, die sagten, sollte die Vereinten Sonnen jemals aufhören Krieg zu führen, dann würden sie ihr Glück als Söldner versuchen.
Alles verlief ruhig, bis wir eine Nachtpatrouille in das Dorf Tri Binh schickten. Mad Mike war ihr Führer. Er hatte nur 5 Männer dabei und seine Flinte. Sie waren schon eine Stunde weg, dann tat es einen Knall und ein Funkruf meldete, dass sie auf Charly gestoßen sind. Einige Cappie Soldaten die an einem Brunnen rauchten und erzählten. Innerhalb von zehn Minuten waren sie mit dem Trupp wieder aus dem Dorf zurück.
The Kid, einer der sich den Titel FNG gerade erst abgelegt hat. Er war schon ein halbes Jahr hier und ein halbes Jahr Soldat. Er war erst 18, was ihm den Namen the Kid gab.
Er war einer jener gewesen, wo ich dachte er lebt nicht lange. Doch er muß einen guten Schutzengel haben. Ich mochte ihn nicht.
The Kid jedenfalls geriet in Extase. „Gott! Die saßen da auf ihren Ärschen rum, mitten im Dorf. Denen haben wir es gezeigt.“ Sein widerliches Gesicht glühte richtig in der Nacht, die Zähne blinkten, er grinste bis hinter beide Ohren.
„Wir haben den Schlitzaugen auch Geld abgenommen. Einen ganzen Haufen davon.“
Er zog eine Rolle schmieriger Yuan Noten hervor.
Mad Mike rief die Bomber. Bomber, es waren Helikopter. Man wir bekamen hier wirklich nicht viel. Die Wasserköpfe da oben glaubten wirklich die Cappies kämpfen nur mit Bambusstöcken. Keine LRJs keine Mechs, nicht mal richtige Panzer hatten wir hier. Einer der wenigen reinen Infanteriekämpfe und das im 31. Jahrhundert. Und ich Depp war dabei.
Eine Stunde lang belegten die Hubschrauber Tri Binh mit Bomben und Raketen. Der Himmel und die Bäume waren mit Scheinwerfern, Leuchtfeuern und Bränden erhellt. Wir hörten Vieh und Hühner sterben. Um zwei Uhr morgens begannen wir zu schlafen, jeweils nur ein Mann.
Tri Binh war seltsam ruhig und dunkel geworden. Nur die letzten Leuchtfeuer konnte man hören und sehen. Rauch qualmte die ganze Nacht lang zu uns herüber. In einigen Hütten brannten kleine Feuer. Tote Tiere lagen herum, aber keine Menschen. Am nächsten Morgen durchsuchten wir Tri Binh 4, dann brannten wir fast alles nieder.
„Heute Nacht legen wir einen Hinterhalt.“ Sagte Mad Mike ruhig.
Er sah mich dabei an, den Restlichen Tag verbrachten wir mit Wache.
Es war schon Abend. Der Leutnant hatte seinen Plan im Schmutz vor einem Fuchsbau ausgebreitet. Seine Truppführer scharten sich im Kreis um ihn herum. Sie beobachteten was er ankreuzte und machten ihre Notizen. Ich nicht. Ich kannte die Vorgehensweise. Wie oft hab ich schon im Busch gesessen mit dem Auslöser in der Hand. Ich hörte ihm aufmerksam zu.
„An dieser Wegkreuzung legen wir uns auf die Lauer. Im Hauptquartier gibt es ziemlich gute Informationen, dass Charlie sich in der Gegend aufhält. Vielleicht kriegen wir ihn diesmal?“ meinte Mad Mike. Manchmal wusste ich echt nicht wer hier das sagen hatte, Mad Mike oder unser Leutnant. Aber es war mir egal, ich sah zu wie Mad Mike zwei rote Linien auf den Plan malte.
„Die erste Schwadron lässt sich am Deich des Reisfeldes nieder. Paßt auf, dass die Granatenwerfer und MGs nicht so nah beieinander sind. Die zweite Schwadron liegt hinter dieser Hecke. So formen wir ein L. Wir fangen Charlie von jeder Seite. Die Dritte und Vierte Schwadron bleiben heute Nacht hier. Ich übernehme selbst die Führung. Noch fragen.“
„Und wenn Charly nicht mitspielt?“ meinte ich.
„Hast du einen besseren Vorschlag Timmy?“
„Wir sollten herausfinden wo Charly ist.“
„Tolle Idee. Wir suchen ihn schon Tage lang und du meinst wir finden ihn sofort?
Andere Einwände?“
Ich hasste es wenn man mich Timmy nannte und ich hasste es wenn man von oben herab auf mich einredete.
Verdammt noch mal, was glaubt er denn wer er ist. Ok er war der besserer Soldat, aber meine letzten verdammten Jahre in meinen beschissenen Leben war ich Scout. Ich habe die meiste Zeit nichts anderes gemacht als mit dem Drücker in der Hand irgendwo im Busch gesessen.
Egal, dann werde ich eben Heute Nacht wieder im Busch sitzen. Erfolglos, meiner Meinung nach.
Ich packte meine Sachen, ein paar Claymores, die Auslöser, Handgranaten und genug Magazine für meine Waffe. Ich nahm auch Jacky wieder mit. Ich fühlte mich sicherer wenn er dabei war.
Die Nacht war tiefschwarz, ohne Mond und Sterne. Die Soldaten murrten. Schon öfter hatten sie dem Hauptquartier die Koordinaten gegeben und hatten den Hinterhalt, Hinterhalt sein lassen. Doch Mad Mike war es diesmal ernst.
Ich ging von Fuchsbau zu Fuchsbau und sammelte meine Leute ein. Barney, Bates, Chip und einen Neuen. Ich kannte nicht mal seinen Namen. Aber das war auch gut so, die Neuen lebte nie lange, freundest du dich mit ihnen an, sind sie auch schon tot.
Nachdem es Dunkel war und von den Chiaholm´s Raiders keiner zu sehen war, schmissen wir alle die Helme in die Fuchsbauten und zogen die Buschmützen auf. Wir hingen uns die Granaten um die Gürtel und ich gab Bates noch eine Claymore.
„Du kennst das Ding?“
„Ja, aber ich will es nicht.“
Ich drückte ihn die Claymore gegen den Bauch.
„Hey! Verdammt. Das Ding kann losgehen.“
So gingen wir los
Keine Vögel, kein Wind, kein Regen, Kein Rascheln im Gras, keine Grillen. Wir zogen durch die Stille. Metall schepperte, die Feldflaschen rappelten, Aste knackten und verrieten uns.
Ich haßte so etwas und das nennt man in der AFFS anschleichen.
Ich legte meinen Leuten nahe, die Magazine mit Tape zu umkleben damit sie nicht klapperten, das alles am Mann fest gezurrt ist, somit gibt es weniger Geräusch und man kann besser laufen. Doch ich hatte nur vier Mann, die anderen zwölf waren laut.
Mad Mike führte uns durch ein Reisfeld und weiter auf einem schmalen, verschlungenen Pfad voller Dreck.. Der Pfad ging um ein Dorf herum. Ein Hund bellte. Stimmen sprachen eindringlich in den Hütten. Vielleicht waren es die Eltern die ihre Kinder warnten. Vielleicht fühlten sie das gleiche betäubende Gefühl wie wir. Gefahr – Eindringlinge.
Wir umringten das Dorf und ließen es hinter uns, das Hundegebell dauerte noch an. Das Echo folgte uns über die Reisfelder bis wir die Wegkreuzung umschlossen.
Wenn man nachts durch den Dschungel läuft, geht eine besonders hartnäckige Vorstellung einem durch den Kopf, dass man verloren geht. Von den anderen abgeschnitten wird, dass man alleine in der Dunkelheit ist. Genau diese Angst fühlte Chip.
„Ich hasse im Dunkeln zu sein, ich will nicht im Dunkeln sterben.“ Flüsterte er leise, kaum vernehmbar vor sich hin.
Wir liefen im Abstand von 3 Metern im Gänsemarsch. Mad Mike führte. Wir gingen vom Weg ab, durch ein Gewirr von Bambus und Gras, wobei ich achtete soweit wie möglich, dort hin zu treten wo mein Vorgänger hintrat, damit ich nicht irgendwelche Punij – Fallen auslöste. Mein Nachtsichtgerät erleichterte mir die Sache ungemein. Ich fragte mich ob Mad Mike eigentlich auch eines besaß. Ich ging immer davon aus, gewusst hab ich es nie.“
Wir gingen im Zickzack durch Friedhöfe, wo Capellaner unter kegelförmigen Erhebungen aus Dreck und Lehm beerdigt waren. Wir folgten unseren Vordermännern wie die Blinden den Hund, wie Dante Virgil durch das Inferno. Manchmal wenn der Dschungel uns umschloss, spürte ich Bates Hand auf meinen Rücken. Er hatte Angst mich zu verlieren, er starte auf meinen Rücken, bis das es ihm in die Augen weh tat, er wagte nicht zu blinzeln, nicht dass ich auf einmal weg war. Die Tatsache, dass ich ein Nachtsichtgerät hatte, beruhigte ihn und die anderen in meinem Chalk. Zumindest sah ich, was vor mir war und konnte mich somit nicht verlaufen.
Mad Mike verteilte uns auf zwei Pfade, so wie er es in die Karte gemahlen hatte. Er formierte das L.
Er weiß mich und meinen Chalk an nach Osten zu gehen. Chip, Barney und den Neuen winkte ich in die Büsche während Bates und ich die Claymores scharf machten.
Ich setzte die Zündklappe in ein Loch oben auf der Mine. Ich zog die drei kleinen Metallfüße heraus und steckte sie in den Sand. Ihr konkaves Gesicht richtete ich auf die Mitte der Kreuzung. Ich kroch in die Hecke zurück, wo Chip, Barney und der Neue warteten und wickelte dabei vorsichtig den Draht ab. Bates kam auch hinterher. Ich schob den Draht in den Auslöser und stellte diesen auf sicher.
Jetzt musste so ein capellanischer Schlitzauge nur noch den Weg entlang kommen und ich konnte ihm den Kopf wegblasen. Wir wechselten immer ab. Zwei Mann bleiben wach und überwachten die Kreuzung. Den Auslöser in der Hand. Jacky machte es sich schon längst bequem und schlief. Hund müsste man sein. Ich ging in die Hocke um den Weg zu beobachten, das tat in den Oberschenkeln weh, aber das war die beste Position, und so schlief man auf keinen Fall ein.
Wie ich es voraussagte, passierte nichts. Kein Feind. Wir lagen die ganze restliche Nacht in dem feuchten Straßengraben und es passierte nichts. Mad Mike war sauer am nächsten Morgen und brüllte alle an. Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Pinkville
Das 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers wurde zusammen mit dem 38 Dog Scout Platoon nach Pinkville verlegt. Eine Maßnahme dieses sinnlosen Krieges, damit man nicht mitbekommt, dass es nirgends vorwärts geht.
Mittlerweile frage ich mich wirklich was wir hier suchen. Diese Leute, die hier wohnen wollen von uns doch gar nicht befreit werden. Sie wollen Capellaner bleiben. Wie kann man eine Bevölkerung umstimmen? Bestimmt nicht mit Waffengewalt. Die Mechs haben hier alle Militärmacht zerstört und zogen weiter. Sie waren keine 2 Monate hier auf dem Planten und wir sind es jetzt schon über zwei Jahre. Es liegt mal wieder an der Infanterie den Planeten zu befrieden. Doch hier will wohl keiner den Frieden den die Vereinten Sonnen bringen wollen.
Dieser Dschungelball ist die Hölle, wahrscheinlich weiß keine Sau, dass wir hier sind. Kein Mensch interessiert sich dafür, doch ich sage euch es ist die Hölle. Keine Schlacht war jemals so schlimm wir es hier ist.
Normalerweise weiß der Soldat wo die Front ist. Hier gibt es keine Front, hier ist überall Krieg. Krieg gegen einen Feind den man nicht sieht. Krieg gegen einen ganzen Planeten.
Und dann stellt sich noch die Frage, was ist an diesem Planeten so wichtig? Ist der Reisbedarf der Vereinten Sonnen so hoch geworden? Wohl kaum?
Verstehe jemand die Menschen mit Sternen an den Schultern. Ich habe in meinen fast vier Jahren Militärzeit gelernt einen von Kindheit verhassten Feind zu verstehen, ja teilweise lieben gelernt, aber die Generäle hab ich nie verstanden. Ein Sergeant der 6. sagte einmal. Wenn du dich über unsere schon beschwerst, was machst du dann wen du Lyraner wärest?
Zum Glück bin ich keiner.
Der 16. April war heiß wie jeder Tag im April. Jeden Morgen um zehn Uhr konnte man Gewehre, Munition und das Blechgeschirr nicht mehr anrühren. Wir ließen das Zeug einfach liegen. Unsere Hunde lagen im Schatten der Blechhütten und hechelten sich die Zunge aus dem Leib. Hunde! Die Cappies waren auch wie Hunde. Stur wie ein Hund der seinem Herrchen gehorcht, dienten sie ihrer Verrückten Regierung. Ich fragte mich immer wieder, warum? Warum hat ein Herrscherhaus, welches offensichtlich dem Wahnsinn zugeneigt ist und bis heute noch keinen vernünftigen Menschen hervorgebracht hat, warum haben sie so eine Loyalität ihres Volkes verdient.
Zurück nach Pinkvile.
Manchmal, bevor die lauwarme Sumpfluft tödlich wurde, bewegte uns Cpt. Johansen von LZ Minuteman weg. Wir durchsuchten oberflächlich ein kleines Dorf in aller Eile, um wieder in den Schatten zu kommen und zogen uns dann, ohne etwas gefunden zu haben auf unseren Hügel zurück.
Wir ignorierten die Capellanische Armee. Wir hackten Pfähle aus Holz, rammten Sie in den Boden und hängten unsere Ponchos darüber um im Schatten liegen zu können.
Der Nachmittag gehörte der Sonne. Sie briet uns alle auf einem staubigen, roten Hügel wie in einer Pfanne.
Wir akzeptierten irgendwann die Sonne als unseren ständigen und heimtückischen Feind. All das Training und die Disziplin verdorrten an diesen Aprilnachmittagen. Wir schliefen am Nachmittag ohne Wache und keinen störte es. Ab und zu ging eine Patrouille um Wasser zu suchen den Hügel hinunter. Ich saß am Radiosender und bat die da hinten eindringlich sich zu beeilen. Die 384th war eine wohlgenährte Kompanie, wir rechneten fest mit unseren Orangen und dem eisgekühltem Cola, ohne das war ein Krieg unvorstellbar.
Während dieser Aprilnachmittage spielten Captain Johansen und der Artillerieoffizier Schach, wir anderen vertreiben uns manchmal die Zeit mit Zusehen.
Wir schrieben Briefe und schliefen
Ich versuchte Captain Johansen in ein Gespräch zu verwickeln, doch er war ein Offizier und sachlich. Er sprach nur von Strategie und Geschichte. Wenn man ihn auf Politik oder Moral ansprach, hatte er nur einen Witz parat, oder er begab sich auf sicheren Boden.
Er war eben einer der Besten hier, es war nur traurig dass er seine Streifen nie ablegte.
Mad Mike begann mit einem blöden Spiel, er schmiss Traininggasgranaten in die Zelte, anfangs nur in die der Artillerieoffiziere aber Captain Johansen und Captain Broyles von der Artillerie fanden die Idee lustig und perfektionierten sie. Sie flogen sowieso nachmittags mit einem Helikopter über die LZ und ab und zu schmissen sie Gasgranaten auf uns runter.
Das nannten sie dann eine Übung, um zu schauen ob unsere Gasmasken funktionierten und unsere Reaktionszeit testen.
Hauptsächlich war es Zeitvertreib.
Der Bataillonschef Colonel Daud gab die Befehle nachts Hinterhalte zu legen. Manchmal machten wir es meistens nicht. Wir legten einfach irgendwelche Koordinaten auf der Gitternetzkarte fest und gaben sie an das Hauptquartier durch. Das war dann eine falsche Meldung. Der Artillerist funkte dann eine den hohen Tieren im Hintergrund falsche Informationen zu. Die 105er und 155er schossen dann etwas überflüssige Markierungsmunition in den Dschungel und der Leutnant reif wieder zurück um die Koordinaten zu verbessern. Mad Mike machte sich auch oft den Spaß sich über die schlechte Treffsicherheit über Funk zu beschweren.
Während der Nachtwache am Funkgerät riefen wir unsere eigenen Hinterhalte an, warteten ein paar Minuten, verstellten die Stimmen und gaben uns selbst die Antwort.
Das wiederholten wir stündlich, falls die Honchos hinter der Front das Funknetz prüften, schöpften sie so keinen Verdacht. Es war eben Idiotensicher.
Die ganze Mannschaft war den Offizieren der 384th dankbar, Capt. Johnson sagte immer, Colonel Daud sei ein Grünschnabel und wäre zu draufgängerisch. Der Schwindel war gut für die Moral, eines der besten Spiele auf LZ Minuteman.
Vier Tage vor Monatsende wurden dann die 384th und die 38th DogScout wieder verlegt. Wir hatten drei Tage Ruheaufenthalt in Chu Lai, einem weitläufigen und sichern Stützpunkt am Meer.
Ich freute mich darauf, gut, jeder freute sich darauf, Alkohol, Drogen und Nutten, darauf freuten sich alle. Ich aber freute mich darauf Tai San wieder zu sehen
Tai San arbeitete seit ich Chu Lai verlassen haben nicht mehr im Militärlager, sie verkaufte in den Puffs Zigaretten und Drogen um durchzukommen.
Ihre älteren Schwestern sind zu Huren geworden und wollten von der Familie nichts mehr wissen, sie träumten von einem Leben in den Vereinten Sonnen. Ihre Brüder haben sich freiwillig zur Armee gemeldet. Nein, nicht unsere, deren Armee. Ihr Vater hat ein Bein durch eine Mine verloren und ihre Mutter wurde zu einem alten giftigen Drachen und verschwand eines Nachts. Tai San musste sich um ihren Vater und ihren jüngeren Bruder kümmern. Ihr jüngerer Bruder Dith San war ein Mischlingskind. Ihre Mutter stieg mit einen von unseren Offizieren ins Bett. Er versprach ihr wohl ein besseres Leben. Es war nicht leicht für Tai San einen verkrüppelten Vater und ein Bastart zu umsorgen, verspottet von den anderen.
So verkaufte sie an unsere Soldaten Drogen und Zigaretten. Es brachte nicht viel ein aber man konnte dadurch überleben.
Ich war froh sie zu sehen, ich weiß nicht warum, aber irgendwie liebte ich sie. Ich war froh dass sie noch lebte und ich war froh, dass sie nicht am Strich landete. Noch nicht!
Sie saß jung aus, sie war 17 Jahre alt, aber die Capellaner sahen auch noch mit 30 aus wie Kinder. Sie hatte kohlrabenschwarzes Haar, ihre Haut war sanft und glatt. Ihre mandelförmigen Augen sprühten vor Glück als sie mich sah.
„Tim, du bist zurückgekommen.“ Hauchte sie und brach in Tränen aus. Ich nahm sie in den Arm und ließ sie weinen. Wie sollte ich ihr sagen dass ich in drei Tagen wieder in den Krieg ziehen musste. Ich ließ es, ich wollte einfach nur mit ihr zusammen sein. In diesem Moment gab es nur sie und mich. Sie erzählte mir von ihrer Familie, von ihrem Vater, dass er immer noch Schmerzen von den Splittern hatte. Und, dass sie alleine für sie sorgte.
Wir holten bei der Bank meine letzen Monatsgehälter und kauften Lebensmittel. Lebensmittel mit denen sie die nächsten Monate gut zu Recht kamen. Dann zahlte ich noch das Krankenhaus für ihren Vater, dann war ich so gut wie pleite. Ich wusste auch nicht warum ich das machte? Ich weiß nicht ob ich es wieder machen würde, es überkam mich einfach.
Zuerst dachte ihr Vater sie sei genau wie ihre Schwestern auf den Strich gegangen um mit den Davies ins Bett zu steigen. Er konnte es nicht glauben, dass ich es aus freien Stücken gab, weil ich seine Tochter liebte. Aber kann ich es ihm übel nehmen, da ich es ja selbst kaum begreifen kann.
Was war mit mir geschehen. Früher machte ich Witze über die Capellaner, ich hasste sie. Sie waren eine mindere Rassen in meinen Augen. Doch der Krieg verändert den Menschen, ich habe meinen Feind lieben gelernt, und mit dem Geld wo ich sie tötete half ich ihnen wieder. Es war paradox. Jeder Krieg ist ein Paradox.
Es war eine schöne Zeit mit Tai San. Doch die Zeit ging schnell zu Ende, viel zu schnell.
Wir lagen am Strand und schauten den Sonnenuntergang an.
„Du gehen musst Tim?“
„Ja.“
„Wo du gehen?“
„Ich weiß es noch nicht. Colonel Daud sagt es uns erst heute Nacht, dann dürfen wir die Kasernen nicht mehr verlassen.“
„Daud? Daud der Wasserbüffel?“
Ich musste lachen.
„Ja genau der.“ Tai San lachte auch.
„Du wissen nicht wann du kommen wieder?“
„Nein.“ Wir wurden wieder still und hielten uns in den Armen.
„Reicht euch das Geld?“
„Ja.“
„Ich komme wieder Tai San. Ich verspreche es dir.“
Sie sah zu mir auf und verzauberte mich mit einem Lächeln wie es nur eine Frau kann.
„Und dann. Dann du nehmen mich mit. Nehmen mich mit in die bessere Welt. In Welt wo alles gut ist. Und wenn ich bin in Davionwelt, ich soll mit dir Felder bestellen, wie hier?“ sie lachte wieder.
Sie hatte Recht, was kann ich ihr bieten was sie hier nicht hat? Außer ein paar Sachen die einem das Leben erleichtern, aber nicht wirklich wichtig waren.
Ich bin weder reich, noch kann ich ihr den Frieden bieten. Die Vereinten Sonnen liegen mit mehreren Gegner im Krieg, nicht nur mit den Capellanern.
Wir hielten uns lange im Arm, genossen die Nähe des anderen, den Geruch, das Gefühl.
„Tim O´Brian. Komm schon. Der Krieg ruft uns.“ Brüllte Bates von dem Jeep.
Ich habe sie gar nicht kommen hören, und das ist ein großes Wundern, Bates, Barney und Chip grölten besoffen auf dem Jeep rum, selbst Wood, der fuhr, konnte kaum nüchtern sein.
Ich gab Tai San einen Kuss und stieg auf den Jeep. Jacky sprang erst nach meiner Aufforderung auf. Etwas was er sonst nicht brauchte. Er schien Tai San zu mögen. Wir winken uns zu als Wood den Jeep in Richtung des Lagers fuhr. Meine Freunde zogen mich die ganze Zeit auf, dass ich ein Schlitzaugenfreund sein. Aber ich hörte sie nicht, mit den Gedanken war ich bei Tai San.
Es war unerträglich jetzt wieder zurück zu gehen. Zurück in den Krieg, zurück in die Hölle, der Gedanke trieb mich fast in den Wahnsinn.
Was treibt uns immer wieder zurück? Warum bleiben wir nicht in Chu Lai?
Ich konnte es mir nicht erklären, warum ich wieder freiwillig zurück in den Wahnsinn gehe.
Colonel Daud versammelte die ganze Kompanie in einem Halbkreis und sprach zu allen sie sollen locker sein.
„Ihr seid das 384th Federation MIR der 8. Syrthis Fusiliers und das 38 Dog Scout Platoon. Und ihr könnt stolz auf euch sein. Euere Verdienste sind bis hoch zu Viktor gedrungen und er will, dass ihr die Ehre bekommt in diesen Krieg, einen der wichtigsten Operationen zu führen.
Es wird Orden geben Jungs.“
On nein dachte ich. Wenn ein Kommandant so etwas sagt, dann wird es ein Himmelfahrtskommando.
Bis jetzt war ich immer ganz glücklich darüber, kaum Orden zu bekommen. Man die Blechstreifen wachsen nicht auf Bäumen und ich kann darauf verzichten meinen Arsch auf das Spiel zu setzen um einen zu bekommen. He ich hab noch nicht einmal ein Purpel Heart. Und ich bin froh darüber.
„Ihr seid auf das 48. Bataillon der Capellaner angesetzt.“ Sagte er. Er lächelte nicht, aber dafür sollten wir ihn mögen.
„Das 48. Bataillon ist eine höllische Kampfeinheit. Sie sind zäh. Einige von euch haben schon mit ihnen zu tun gehabt.
Sie sind gerissen. Das macht sie so schwierig. Sie greifen euch an, während ihr schlaft, oder euch nur die Schuhe zubindet. Wenn ihr bei der Wache einnickt, massakrieren sie euch.“
Colonel Daud schien uns für einen Haufen Idioten zu halten. Er bildet sich ein, er bringe uns Lebenshilfe bei.
„Also haltet euch daran, Ihr müsst gerissener sein. Ihr seid Soldaten der Vereinigten Sonnen. Soldaten der Mark Capella. Ihr seid stärker als die Cappies. Wir haben sie schon im 4. Nachfolgekrieg geschlagen und wir werden sie wieder schlagen.
Ihr seid größer. Ihr seid schneller. Ihr seid gebildeter. Ihr seid besser ausgerüstet, besser trainiert, besser versorgt. Alles was ihr braucht ist gesunder Menschenverstand, Grips. Wenn ihr bei der Wache schläfrig seid, weckt einen Kameraden auf und lasst euch ablösen. Seid unterwegs auf der Hut. Beobachtet das Gebüsch. Achtet auf frisch umgegrabene Erde. Wenn etwas nicht in Ordnung scheint, dann bleibt davon weg und sagt eueren Kameraden bescheid. Klar? Ich weiß Cu Chi ist furchtbar. Aber wenn man sich dumm anstellt, stirbt man auch New Avalon.“
Daud flog gleich nach der Rede mit seinem Hubschrauber weg.
„Herrje! Was für ein aufgeblasenes Arschloch. Schickt uns nach Ch Chi und meint, wir könnten es schaffen, wenn wir schlau sind.“ Meinte einer der Leutnants.
Ich konnte es nicht fassen. He ich hatte nicht mehr lange, komme gerade aus den Armen meiner Freundin und der Arsch schickt uns in die Höhle des Löwen. Mir wurde schlecht und schwarz vor Augen.
Am Morgen des 29. April waren wir noch vor Tagesanbruch am Hubschrauberlandeplatz. Der Hinweg war eine Tortur. 60 Pfund schwere Rücksäcke, das Gewehr halten, zwei LAWs am Rücken und irgendein Arsch hat mir einen Helm aufgesetzt. Ich hatte die Nacht vorher soviel gesoffen dass ich nicht wusste ob ich einfach nur verkatert war oder immer noch besoffen. Der Helm erschien schwer und unförmig, ich versuchte wirklich ihn auf dem Kopf zu Ballanzieren.
Wir lagen in Gruppen auf der Landefläche. Die schwarzen Soldaten machten Witz und waren schon am frühen Morgen zu laut. Sie hatten ihr eigenes Stück vom Platz.
Draußen über dem Meer ging die Sonne auf. Capt. Johansen sprach mit seinen Offizieren. Dann legte er sich auf den Rücken. Wir rauchten und ich dachte an Tai San. Barney erzählte lauthals von der Stripteasetänzerin und das er zu Hause auch mal in so ein Puff gehen werde.
Bates machte eine Funkkontrolle mit dem Hauptquartier, Chip ölte sein Federatet Longrifle und ich streichelte Jacky und dachte immer noch an Tai San.
Wir tauschten C-Rats aus. Dosen mit Truthahn gegen Schwein, Apfelmus gegen Annanas.
Mit dem ersten Sonnenschein kam Colonel Daud herübergeflogen. Er funkte herunter. Der erste Hubschrauberverband hatte seine erste Ankunftszeit um 06.05. Also in vier Minuten. Die Landezone in Ch Chi schien ruhig, sagte er.
Die Hubschrauber kamen und brachten das Sonnenlicht mit. Es war früh am Morgen aber schon heiß. Die Befehlseinheiten watschelten zu den Helikoptern und saßen auf. Wir knieten uns in die Helikopter oder ließen die Beine aus dem Hubschrauber baumeln.
Wir flogen über Chu Lai mit seinen Einkaufszentren, Clubs, Bibliotheken, Bars, der ganze Dienstleistungsbetriebe und die freundlichen Strände. Alles lag da unten so friedlich. Dann kamen die Wachtürme, die Raketentürme und Zäune, dann die Landschaft mit Anhäufungen von kleinen Dörfern, auch über Tai Sans Dorf flogen wir hinweg, Reisfelder, Hecken, Tunneleingängen. Wir flogen weiter, weg von dem befriedeten Gebiet.
Leutnant Johnson stieß mich in die Seite.
„O´Brian, sie hab ich noch nie als Weichei gesehen.“
Verdutzt schaute ich ihn an. Er deutete nur auf dem Helm den ich auf dem Kopf trug.
Noch völlig benommen nahm ich den Helm von meinen Kopf und sah ihn an, drehte und wendete ihn und dann warf ich ihn aus dem Helikopter.
Er flog, und überschlug sich des Öfteren. Die Kinnriemen flatterten im Wind. Er wurde immer kleiner und kleiner. Alle sahen den Helm nach wie er ungebremst auf die grüne – rot/braune Erde zu flog. Dann sah man ihn nicht mehr, er wurde zu klein.
„Sie schulden der Armee jetzt 200 Pfund, Sergeant O´Brian.“ Meinte Johnson trocken.
Ich zuckte mit den Schultern. „Kann man den auch in Raten abzahlen? Ich bin gerade pleite.“ Meinte ich.
Wir sahen beide auf den Boden und sagten kurz nichts, dann mussten wir lachen.
Wir achteten auf Bewegungen am Boden. Es war früh am Morgen, doch man fing an zu schwitzen. Man fing einfach an zu schwitzen obwohl der Rotor des Helikopters wie eine Klimaanlage genug kalte Luft durch die offenen Türen peitschte.
Man schwitzt. Du zündest dir eine Zigarette an und überlegst was du sagen könntest. Ein guter Witz würde helfen. Lachen zeigt dass du dich damit abgefunden hast, dass du tapfer bist. Du starrst in die Gesichter.
Leutnant Johansen, Barney, Bates, Chip, Wood, Mad Mike, die Hunde von Wood und mir.
Wie eine Familie. Wir waren eine Familie. Wir kannten uns und wir hassten uns.
Johansen zeigte hinunter. Da war ein ausgedehntes Reisfeld mit einem Waldstreifen auf der einen Seite, auf der anderen lag ein Dorf – My Khe.
„Da ist es.“ Sagte er. „Halt meinen Schulterschutzfest fest wenn wir runtergehen. Ich will nicht aus dem Hubschrauber fallen wenn ich getroffen werde.“
Dann verloren wir rasch an Höhe. Das schlimmste an einem Angriffsgefecht ist, dass man völlig ohne Deckung ist. Das sind die Gedanken während des Abstiegs. Nirgends kann man den Kopf verstecken. Du befindest dich in einer zerbrechlichen Maschine. Da sind keine Fuchsbauten, keine Felsen, keine Gräben. Trotzdem gehörte das Angriffsgefecht zu den effektivsten Offensivattacken eines Krieges. Die Worte lauten mobil, agil und aggressiv.
Man sitzt im Hubschrauber und sieht, wie die Erde immer näher kommt, einem entgegensaust. Man knallt sein Magazin in das Gewehr. Die Crew Chiefs nehmen die MGs in Anschlag, alles spannt sich an und wartet darauf beschossen zu werden.
Auf Baumhöhe war es soweit, wir griffen an. Die Maschinengewehre eröffneten das Deckungsfeuer. Ich hielt Johansens Schulterschutz fest. Wir erwarteten das Knattern der feindlichen Vergeltung.
Der Hubschrauber ließ sich nieder, schoss zwischen die Bäume durch. Der Rotor köpfte einen Baum. Ein Neuer zuckte zusammen in der Erwartung der Rotor berste jetzt. Zum Glück hielten die doch ein wenig aus.
Der Heli stand zitternd über dem Reisfeld und wir sprangen ab. Wir purzelten heraus wie aufgescheuchte Ratten. Wir krabbelten hinter Erdwälle, Steine und Vertiefungen.
Bates lag neben mir. „Gott.“ Flüsterte er. „Ich hab solche Angst. Ich hasse das.“
„Ich auch“ gab ich zurück, dann nahm ich Jacky und sprintete weiter. Es war mein Job die Vorhut zu übernehmen. Ausschau zu halten, Minen und Fallen zu finden. Das war mein Job im Krieg.
Leute Töten, wie Mad Mike, war Nebensache. Ich war dafür zuständig meinen Arsch und die Ärsche der Kompanie zu retten.
Die LZ war kalt. Keine Cappies, keine Minen, keine Fallen. Wir wurden nicht beschossen. Ich gab Johansen das Zeichen.
Johansen wartete bis die Helikopter wieder in der Luft waren. Er rannte und winkte, brachte seine Jungs auf die Beine.
Wir rasten zur Durchsuchung des Dorfes. Jemand sah wie Cappies wegrannten. Wir jagten sie. Wir fühlten uns sicher und tapfer, waren froh am Leben zu sein. Wir fegten wie ein Sturm durch My Khe.
Es endete mit zwei toten Capellanern und einen Toten Davionsoldaten. Ich kannte ihn nicht, doch Bates meinte er habe mit ihm noch in Chu Lai Ping Pong gespielt.
Die nächsten Tage brachten noch mehr Angriffsgefechte, wir begannen Colonel Daub und sein Helikoptergeschwader zu hassen.
Er wurde bei einem nächtlichen Überfall von Sappeuren getötet. Wir hörten die Nachricht über Funk.
Ein Leutnant ließ uns zu Gedenken an ihn ein Trauerlied singen. Ein Lied aus Merlin und Mim.
„Ding Dong, die böse Hex ist tot,“ sangen wir harmonisch im Chor.
Cu Chi war ein sandiger, roter Lehmstreifen der sich an der nördlichen Küste entlang zieht.
Eine schwerst verminte Kriegszone, der Teufelsfleck für den Infanteristen. Hektar um Hektar Matsch, ein Irrgarten aus Tunneln, Bombenunterständen und Gräber.
Cu Chi war einst ein blühender Teil der Quang Nhai Provinz, jetzt gleicht es eher der Oberfläche eine Meteoriten.
Cu Chi war so etwas wie unser R&R Programm für die Capellaner. Hier gab es Reis und nette Einheimische. Unsere Armee machte diesen Fleck des Planeten den Erdboden gleich. Artillerie, Minen alles. Nun kehren wir zurück nach Cu Chi. Die Leute von My Khe sahen uns mit bösen Blicken an.
Wir durchsuchten das Dorf, fragten die Bewohner wo die Capellaner seien. Der Tag war ruhig und heiß. Ich dachte an Cola und Ausruhen, ich wusste in diesem Moment nicht, dass die Bewohner von My Keh uns direkt in die Fänge der Rebellen gehen ließen.
Eine Handgranate flog aus dem Gebüsch, sie streifte meinen Kopf. Ich erblickte das Ding wie es neben mir lag, sofort warf ich mich nach links auf den Boden, rollte meinen Kopf ein, und hielt meine Waffe vor mich. Ich erwartete meinen eigenen Tot, den lautesten Knall meines Lebens.
Ich hörte eine gewaltige Explosion, die Druckwelle war wie ein Schlag in den Unterleib, ich hatte das Gefühl in Flammen zu stehen und ich bekam keine Luft mehr. Ich hatte ein Klingeln in den Ohren und Nase und Mund füllten sich mit einem bitteren – metallischen Geschmack.
Als die Feuerwand über mich hinweggezogen war, spürte ich immer noch ein heftiges brennen an den Beinen und auf dem Rücken.
Clauson, einer der Korporals hat es erwischt. Ich lag da und sah, wie er einige Schritte lief, stolperte und schrie, doch ich konnte nichts hören. Ich sah wie unsere Leute das Feuer eröffneten doch ich hörte nichts. Die Welt lief wie in Zeitlupe an mir vorbei. Barney rannte zu mir, er schrie mich an, doch verstand ich nicht was er sagte. Er ging neben mir in Deckung und er grinste. Ich sah ungläubig an mir herunter. Die Flakweste hatte viel abgefangen, einige Schnittwunden an den Beinen und Armen, es war nicht schlimm.
Ich lag genau hinter einem kleinen Hügel, zur Granate, die Druckwelle ging über mich weg.
Nach einigen Minuten kam ein Sanitäter zu mir gerannt, ich konnte auch wieder etwas hören, doch sehr leise und gedämpft. Er versorgte meine Schnittwunden, Blut lief mir aus der Nase und rann in den Mund.
Captain Johansen kniete neben mir, er hatte das Funkgerät und brüllte aufgeregt etwas hinein.
Ein paar Sanitäter schleppten Soldaten zu mir. Es roch nach Schießpulver und Blut. Dieser typische Geruch eines Schlachtfeldes. Mad Mike kam aus dem Dschungel gerannt, er hatte Arnold auf den Schultern. Aufgeregt und voller Schweiß und Blut ließ er Arnold auf den Boden sinken. Er sah schrecklich aus. Ein Bein fehlte ihm komplett, es war am Stumpf abgerissen. Der weiße Knochen stand heraus und Muskel und Sehnen hingen in Fetzen weg. Das andere war schwarz und qualmte. Sein ganzer Körper war blutig, er brüllte wie am Spieß.
Es ist komisch, um einen herum versinkt alles in Chaos und Hektik, doch wenn man kaum etwas hört, kann man sich gar nicht davon anstecken lassen. Ich sah nach Jacky, er war wohlauf neben mir, ich weiß nicht wo er war, als die Handgranate losging, aber anscheinend weit genug weg. Ich nahm mein Automatikgewehr und rannte nach vorne, dort wo der Dschungel begann. Schüsse peitschten neben mir, neben mir sank Perino zu Boden, eine Kogel traf ihn voll am Kopf. Sein halber Kopf wurde dabei zerrissen, Blut, Gehirn spritzen aus dem Loch. Perino sank tot zu Boden Eine Gestallt rannte durch die Bäume, ich warf mich in Deckung und ließ eine Salve ab. Die Kugeln gingen mitten durch den Körper, ließen ihn aufzucken, dann sackte er in sich zusammen. Wieder und wieder schoss ich meine Runden in den Wald. Mad Mike war neben mir, er schoss dann repetierte er. Schießen – repetieren.
Es gab mir ein sicheres Gefühl, Mad Mike neben mir zu haben. Mit neuem Mut schoss ich weiter. Gerade als ich dabei war das Magazin zu wechseln, trat keine drei Meter vor mir ein Capellaner mit seinem Gewehr aus dem Busch, das Bajonett schaute in meine Richtung und er schrei.
Schnell legte ich die rechte Hand auf den Abzug der Schrotflinte, welche unter dem Lauf des Automatikgewehrs war und drückte ab. Eine geballte Ladung Schrot erwischte den Soldaten im Unterlaib. Er wurde gut einen Meter durch die Wucht zurückgeworfen und fiel taumeld um. Sein Bauch war eine blutige, rote, schwabbelnde Masse geworden.
Mad Mike klopfte mir auf die Schulter.
„Gut gemacht Junge.“ Sagte er, oder etwas was in die Richtung ging. Ich repetierte die Schrotflinte und steckte ein neues Magazin in mein Gewehr.
Wenn man vor dem Dschungel steht und der Feind im Dschungel ist, ist es schwer ihn auszumachen. Es ist als wie wenn man vor einer grünen Mauer steht. Wir konnten keine vier Meter in den Dschungel einsehen, immer wieder pfiffen Kugeln an uns vorbei. Immer wieder wurden Granaten in den Dschungel geschossen. Explosionen, Feuer und Gewehrsalven.
Chip ließ sich neben mir niederfallen. Er fluchte die ganze Zeit als er neben mir lag.
Er hatte das Maschinengewehr, legte es auf die Böschung auf und gab immer wieder Feuerstöße in den Dschungel. Immer wieder grunzte sein Gewehr auf.
Wir wussten nicht wie viele wir töteten, es war unmöglich zu sehen ob man einen Getroffen hat oder nicht. Oft gingen die Kugeln durch die ungeschützten Laiber der Capellaner durch und traten auf der anderen Seite wieder heraus. Sie liefen einfach weiter. In so einem Moment beneidete ich Mad Mikes Flinte. Wenn sie traf ging das Opfer zu Boden, doch die neue Munition, entwickelt um Flackwesten zu durchdringen ging einfach durch. Man konnte zwei, drei Kugeln in einen Menschen jagen und er ging noch weiter.
Nach einigen Minuten brüllte Captain Johansen: „FEUER EINSTELLEN!“
Langsam verstummten die letzten Waffen. Das Gefecht war vorbei.
Die ersten Dustoff Helikopter funken rein, wir sollten eine LZ sichern und unser Position markieren.
Rote Rachgranaten gingen über dem Reisfeld los und die Helikopter gingen nach unten, sie schwebten über den Boden, so dass ihre Kufen gerade die Wasseroberfläche berührten. Verwundete und Tote wurden in die Helikopter geworfen, dann zogen sie wieder nach oben und flogen sie in das nächste MASH.
Sechs Tote und acht Verwundete wurden ausgeflogen. Einer der Verwundeten war Wood. Eine Kugel traf ihm am Oberschenkel und kam unter dem Knie wieder heraus, sie zerfetzte den Muskel und zertrümmerte sein Knie. Für Wood war der Krieg vorbei. Sein Hund Boxer wurde nie wieder gefunden. Ihn muss es erwischt haben.
Wir zogen weiter nach Norden, zu den Dörfer My Lais.
Auf dem Weg kamen wir an ein weiteres Dorf. Die Bürger nahmen an dem Krieg nicht teil. Es waren Kinder unter zehn, Frauen und alte Leute, die Augen auf den Schmutz gerichtet.
Captain Johansen brüllte die Menschen an. Jeder von uns war sauer und schlecht gelaunt.
„Wo sind die Soldaten?“ brüllte er rum.
„Wo sind euere Männer?“
Wir waren erschöpft und verärgert, doch aus den Verhören kam ein großes Nichts heraus.
Unter ständigen Beschuss zog die Kompanie weiter, weiter Richtung Norden, um den Diem Diem Fluss zu überqueren.
Immer wieder Heckenschützen. Wir suchten immer wieder Deckung. Neben mir stöhnte Chip auf, er sackte in sich zusammen, aus seinem Kopf quoll Blut und sammelte sich in einer Pfütze am Boden. Der Schuss war tödlich. Ich ging in Deckung, ich schrie meinen Schmerz heraus und feuerte in die Richtung wo ich den Schützen vermutete. Nicht Chip! Dachte ich mir. Nicht Chip, er hatte nur noch ein paar Monate von seinen vier Jahren. Er war einer der Besten. Maschinengewehre, Handgranaten, Grananten und Gewehrschüsse peitschten in das Unterholz. Ein Sanitäter kam angekrochen, er wollte Chip untersuchen. Er schrie auf und kippte über Chip zusammen. Er zuckte und krampfte durch den ganzen Körper.
Ich zog ihn von Chip runter, zog ihn in Deckung. Er war kreidenbleich. Ich riss ihm die Weste ab und sah, wie das Projektil vorne in der Weste steckte. Es hatte die Kraft die Weste hinten zu durchschlagen, durch den Körper zu gehen und blieb vorne stecken. Die Weste war tropfnass von Blut und aus seinem Brustkorb spritzte hellrotes Blut.
Ein weiterer Sani kam angelaufen, während ich versuchte den Brustkorb mit Verbandsgaze aus zu stopfen. Doch es war zu spät. Es war selbst mir klar, das Projektil hat eine Arterie erwischt.
Captain Johansen forderte Kampfhubschrauber an. Wir zogen uns zurück und warteten auf die Cavalry Hubschrauber.
Private Fillmore schrie vor Schmerzen, auch ihn hat es erwischt. Die Kugel traf ihn am Oberarm und ging glatt durch seinen Bizeps. Die Wunde blutete stark, doch Doc Richard, einer der Sanis, untersuchte die Wunde in Seelenruhe.
„Verdammt Sergeant, das reicht hoffentlich für einen Heimaturlaub?“ jammerte Fillmore
„Tut´s weh?“ meinte Richard.
„Klar, und wie! Aber das wird schon. Ich glaube an Gott wissen Sie.“
„Ihr Glück“, sagte Richard. „Anscheinend glaubt er auch an Sie.
Die Cavalry Kampfhubschrauber kamen und beschossen die Umgebung mit ihren Raketen.
Tiefrote Flammen züngelten zum Himmel als die Infernos einschlugen. Wir wissen nicht ob die Helikopter etwas getroffen haben, doch es half der Moral der Truppe.
Fillmore, Chip und Errico der tote Sani wurden mit einem MEDEVAC ausgeflogen und wir marschierten weiter. Es dauerte nicht lange und der Beschuss der Heckenschützen ging wieder los.
Als wir den Fluss und die Brücke erreichten, steigerte sich der Beschuss zu einem ohrenbetäubenden Gedonner. Die Brücke war gut siebzig Meter lang und gab keine Deckung.
Sie war der einzige Weg hinüber. Die Einheit überquerte den Diem Diem. Einer nach dem anderen wetzte, so schnell er mit Rucksack, Funkgerät und Gewehr konnte. Der Rest der Truppe gab Deckungsfeuer. Wir hatten Angst. Es war ein Rennen, ein Leutnent gab den Start. Er kauerte an der Rennstrecke aus Lehm und brüllte „Los!“ für jeden von uns und deckte ihn dann. Der Captain – der Erste, der sein Rennen gewonnen hatte – war an der Ziellinie. Er machte für jeden drüben ein V-Zeichen. Es hätte Sieg oder Tapferkeit bedeuten können aber keinen Frieden. Alle schafften es rüber ohne getroffen zu werden. Bis auf den letzten Leutnant, jener der das Start Signal gab. Er erhob sich und rannte über die Brücke, dann traf ihn ein Schuss. Er zuckte zusammen und kippte von der Brücke. Sein Leichnam wurde in den Diem Diem davongetragen.
Die Männer wurden ärgerlich. Es gab keine feindlichen Soldaten, auf die man hätte zurückschießen können, nur Hecken, Gebüsch und Bäume. Es war zum Verrückt werden. Andauernd erwischte es einen. Menschen die dir nahe standen, die mit dir durch dick und dünn gegangen sind. Chip – Wood.
Ich weiß noch vor gut 2 Jahren als Wood zum erstenmal in die Einheit kam. Er war wie ein Kind. Seine schmale Statur und seine Größe von gerade Mal 1.65 unterstrichen dieses Aussehen.
Nach dem Krieg wollte er Agromechpilot werden. Wie ich stammte er aus einer Farm. Wir verstanden uns gut, auch wenn er sehr zurückhaltend war.
Cip. Ja Chip, er kannte jedes Puff in Chu Lai. Er war ein echter Haudegen. Hatte nur Frauen und schnelle Schweber im Kopf.
Einmal verbrachte ich einen ganzen Tag mit ihm, eingesperrt in einem Puff.
Ich weiß es noch wie als wenn es erst geschehen wäre.
Wir waren in Can Tho. Wir gingen die Hauptstraße entlang und es war damals seltsam wenig los.
„Wo sind die anderen alle?“ fragte ich. „Ich dachte, hier würde es von dienstfreien Soldaten wimmeln?“
„Tja.“ Meinte Chip „für die Leute die hier stationiert sind, ist diese Gegend verboten. Vor ein paar Tagen hatten die örtlichen Truppen anscheinend genug davon, dass die Davies immer alle Nutten für sich beanspruchten. Zuerst gab es nur eine Schlägerei, aus der dann aber fast ein richtiger Aufstand wurde. Zum Glück kam das MP-Batalion und treib die Leute auseinander, ehe die Maschinengewehre und die Artillerie aufgefahren wurden. Jedenfalls ist die Stimmung ziemlich schlecht und den Gis hier wurde gesagt sie sollten den Ort meiden, bis sich alles wieder beruhigt hat. Niemand soll hier her kommen, außer wenn sie etwas Offizielles zu erledigen hatten.“
„Was haben wir dann hier verloren Chip? Wir kommen denen doch dann gerade Recht wenn sie Streit mit Davies anfangen wollen.“ fragte ich.
„Ach was.“ Erwiderte er. „ Wir gehen zu einem gewissen Haus. Ich kenne die Puffmutter und die meisten Mädchen dort. Die sind immer unheimlich nett, wenn ich komme. Wenn wir dort hingehen gibt es keine Probleme, die kümmern sich um uns.“ Grinste er und wir gingen zu dem besagten Haus. Es war erst 3 Uhr Nachmittags.
Zwei Schlitzaugen standen an der Bar und unterhielten ich mit einem Mädchen. Sie waren nicht gerade erfreut als sie uns sahen. Aber die ältere Frau hinter der Theke kam auf uns zu und begrüßte Chip freundlich, ja herzlich. Ein paar Mädchen riefen ihm etwas zu und lachten auf die Bemerkungen. Chip grinste zu ihnen herüber und winkte allen zu. Er benahm sich wie ein Bürgermeister einer Kleinstadt während einer Parade.
Nach einer weile verschwanden die Frauen und Chip und ich tranken unseren Bourbon und unterhielten uns. Über den Krieg, das Leben im Allgemeinen, die Bourbon Flasche war schon halb leer, alle Gäste waren gegangen und ein paar Mädchen hatten sich zu uns an den Tisch gesetzt. Ich hörte wie die ältere Frau aufgeregt sich mit zwei Mädchen unterhielt. Sie zeigte auf die Eisengitter, die neben der Einganstüre befestig waren. Die Mädchen rannten los und schlossen die Eisgitter zusammen. Die Frau befestigte ein großes Vorhängeschloss daran.
„Was ist hier los?“ fragte ich.
„Chip streckte den Hals aus um etwas zu sehen. „He was gibt’s?“ rief er der alten Frau zu.
Sie versicherte uns, dass alles in Ordnung sei. Anscheinend pöbelte eine Gruppe betrunkener Sarna Ranger auf der Straße herum. Sie hätten gerne ein paar Davion Soldaten getroffen, um ihnen zu zeigen, was Sache ist. Die Frau meinte, es sei besser, alles zu verriegeln, bis wieder Ruhe herrschte.
Die Mädchen hatten nichts zu tun, also kamen sie an unsern Tisch und unterhielten sich mit uns. Schließlich hatte wir alle sechs oder acht um uns herum. Die Flasche wurde immer leerer. So verbrachten wir saufend einen ganzen Nachmittag in einem Puff.
In der Nacht wurden wir mit Granaten beschossen. Wir krabbelten in Gräben herum, an Erdwällen entlang, um zu entkommen. Wir sahen rote Blitze aus den Granatenwerfermündungen kommen, doch keine traute sich zurückzuschießen. Es hätte nur unsere Position verraten.
Der Captain ließ mich das Hauptquartier anrufen, um ein weiteres Mal Helikopter zu bekommen. In der Mitte der Kommunikation schlugen die Salven noch näher ein. Johansen murmelte, dass sie uns jetzt einschnüren, in dem sie ihre Salven aus zwei Richtungen annähern. Auf Händen und Knien krabbelten wir rückwärts zu einem Dorf von My Lai und verbrachten dort die Nacht. Andere Abteilungen verbrachten die Nacht draußen im Wasser des Reisfeldes. Sie hatten Angst sich zu bewegen.
In den Nächsten Tagen genügte wenig Provokation für einen Zippo Raid. Strohdächer brennen leicht und jeder Soldat hatte meist ein Zippo Feuerzeug dabei. An Regentagen half man sich mit Spiritus aus. An schlechten Tagen nahmen wir an den Dörfern von Cu Chi brennende Rache. Es tat gut Flammen hinter der 384th zu sehen, so gut wie der pure Hass.
Wir gingen zu anderen Dörfern, und das 48. Bataillon der Capellaner zogen wie ein Phantom hinter uns her. Als eine Minenfalle in einem Dorf zwei beliebte Soldaten in die Luft jagte, zeigten die Männer den nächsten Capellanern die Fäuste. Es waren zwei verängstigte Frauen aus dem schuldigen Dorf. Als die Truppe mit ihnen fertig war, hackten sie Stücke aus dem dichten, schwarzen Haar. Die Männer weinten, als sie das taten. Ein Offizier hämmerte mit der Pistole gegen den Schädel eines alten Mannes.
Jagdbomber wurden bestellt, diesmal kamen sie. Keine Hubschrauber. Flugzeuge. Sie schmissen Splitter und Napalmbomben über dem Dorf ab. Ich hörte Schreie aus dem brennenden Dorf. Es gab auch Capellanische Soldaten des 48. Bataillons in dem Dorf, aber auch Babys und Frauen. Kinder und Leute die nichts damit zu tun hatten. Doch Chip, Wood und andere Kameraden waren auf dem Weg zur Leichenregistratur nach Chu Lai, und sie waren tot. Es fiel schwer Mitleid zu haben. Man mag es nicht verstehen, doch wieder einmal wurde der Feind zu einer Bestie stilisiert und keiner konnte uns aufhalten.
Wir marschierten weiter. Die Tage brannten uns den roten Lehm in die Haut, es war unerträglich. Doch das 48. Bataillon der Cappies ließ von uns ab. Waren es nicht die Heckenschützen, waren es die Hitze, die Mücken und Blutegel die einen fertig machten. Es kam uns so vor als ob und der ganze Planet hasste.
Eines Nachmittags, es war schon Mitte Mai errichteten wir eine Verteidigungsposition auf einem hohen und steilen Berg. Wir ruhten uns aus und bekamen Nachschub, eine warme Mahlzeit die sogar einigermaßen genießbar war, Post, Cola und Bier.
Unten arbeiteten Bauern auf ihren Reisfeldern.
Mad Mike ließ sich auf einen Felsen nieder. Er schob seine Brille auf der Nase nach hinten und spähte durch das Zielfernrohr eines neuen Gewehrs. Dann schoss er auf einen Bauern.
Mad Mike war hocherfreut: „Adlerblick auf 500 Meter. Er nahm einen Trupp mit hinunter, um das Ergebnis zu untersuchen und funkte mir dann zu: „Er ist am Bein verletzt. Hat einen Beutel voll Reis und Papieren. Ruf umgehend zum Hauptquartier. Haben einen Cappie, männlich, im wehrfähigen Alter. Versuchte mit Handfeuerwaffe zu entkommen!“
Ich schluckte und bestätigte den Empfang. „Noch etwas?“
Er machte eine Pause. „Na gut, sag ihnen, das der Cap sein Bein gebrochen hat. Wir machen uns besser aus dem Staub. Habt uns was von dem Fraß auf.“
Das war der Anfang vom Ende.
Am nächsten Tag trat ein junger Mann auf eine Mine, der Kerl hieß Slocum, er zerfetzte ihn sein ganzes Bein. Die Moral der Einheit war wieder im Keller. Es tat richtig gut, dass mir Barney mal wieder über den Weg lief.
„O´Brian, altes Arsch. Wie geht es dir?“
„Beschissen.“
„Auch ja, ich weiß. Du magst keine Heckenschützen oder?“
„Jep. Chip, Wood. Beide Tot.“
„Man. Ich weiß, aber he, das Leben geht weiter. Wäre es dir lieber, dass du an ihrer Stelle gestorben wärest?“
„Ich weiß nicht.“
„Ach quatsch. Irgendwo da draußen gibt es einen Allmächtigen. Und der hat sie zu sich genommen. Wer weiß, vielleicht braucht er gute Infanteristen da im Jenseits.“
„Du spinnst!“
„Siehst du, alles wieder beim alten. Sag mal bist du jetzt der letzte Moikaner?“
Ich schaute ihn verdutzt an.
„Na weil du der letzte hier, deiner Einheit bist.“ Sprach er weiter. „ Du bist der letzte DogScout der 38th.“ Er grinste.
Mir war aber nicht so nach grinsen zumute. „Wood und ich gehörten doch eh schon mehr zur 384th als irgendwo anders hin. Wir waren so etwas wie euere Privatscouts.“
„Was heißt waren Tim.“ Sprach er auf mich beruhigend ein. „Du bist es, Tim. Du bist noch unser Scout. Wenn das alles vorbei ist, dann gehen wir zusammen jagen Tim. Du gibst bestimmt einen Guten Jäger ab.“
Einige Minuten saßen wir im roten Staub.
„Wenn das alles vorbei ist.“ Wiederholte ich ihn. „Das ganze geht in eine Richtung die mir nicht gefällt. Früher waren wir eine gute Einheit. Und Jetzt?“
„Und jetzt? Sag es mir?“
„Jetzt morden wir durch die Gegend. Und ich habe nicht mal etwas dagegen. Es geht mir völlig am Arsch vorbei.“
Barney zündete sich eine Zigarette und gab mir auch eine. Lange starrten wir in die Flamme von Barneys Zippo.
„Wie jeden von uns.“ Sagte er leise. „Wie jeden von uns. Die Caps schießen jeden Tag ein bis zwei Leute von uns raus, ohne das wir es ändern können. Verdammt! Wir können sie nicht einmal sehen. Diese verdammten Minen. Da brauchen sie sich nicht wundern, wenn man durchdreht.“
Ich holte zwei Bierdosen hinter mir hervor und gab eine davon Barney. Wir machten sie auf und das Bier schäumte sofort raus.
„Krieg ist die Hölle.“ Raunte ich.
„Krieg ist die Hölle.“ Erwiderte Barney und der Schaum spritze als wir anstießen.
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