Sensei
06.05.2006, 00:42
Von Marlin aka Goldsteen
Magistrat Canopus
Sergeant Major Douglas Rodrigo Goldsteen war am Leben. Und das nach 2 ziemlich üblen Gefechten gegen die vermuteten Taurischen Aggressoren. Und es gab keine Verluste! Das zauberte ein breites Grinsen auf sein dunkles Gesicht. Seine Zähne blitzten in der Abendsonne. Die beiden Crewmitglieder
Brad Schneller und Dolmen Hicks, beide seit dem nicht allzu überraschendenTod ihres früheren Kommandanten etwas mehr aufgetaut, hatten respektable Leistungen erbracht. Douglas´ Tätigkeit hatte sich auf das Abstimmen mit dem Bandit und dem Rest der Einheit beschränkt, und dazu hatte er die beiden anzufeuern versucht.
Das Gefluche der Banditbesatzung war da sicherlich nicht hilfreich gewesen, aber die hatten auch genug mit der Infanterie zu tun und nur wenig Gelegenheit in die Gefahrenzone zu kommen.
Der Kampf davor war schon gefährlicher gewesen, dabei hatte der Bandit nämlich einen üblen Treffer in die Schürze bekommen und einiges an Geschwindigkeit eingebüßt.
Das würde sich hoffentlich irgendwann beheben lassen. Das Bergegut war auch in Ordnung. Der J. Edgar den sie Bewegungsunfähig geschossen hatten, war sicherlich eine Bereicherung für die Scoutlanze.
Das brachte ihn auch wieder zum Thema.
Vivian wollte ihn zum Lieutenant machen! Das konnte nicht sein. Er war Gemeiner bei der Marikmiliz gewesen und es war schon grandios, dass er jetzt Sarge war. Offizier war eindeutig zu hoch für ihn. Nicht, dass er dachte, er wäre unfähig, aber es war nicht richtig.
Wenn er schon Offizier werden musste, dann doch nur, wenn es ganz schlimm stand. Wie war das noch gleich? Die Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der konventionellen Truppen.
Mechjockeys konnten sein, was sie wollten. Er war gut im Umgang mit Menschen, das wusste auch Vivian.
Er hielt kurz inne. Ihm war halbwegs bewusst, dass sie wusste, was er für sie empfand. Aber im Gegensatz zu früheren Zeiten war er nicht mehr so sicher, wie er speziell auf Vivian wirkte. Vor dem Fund war er ein echter Charmebolzen gewesen, aber an Vivian biß er sich bislang die Zähne aus. Bei ihr hatte es ihn auch heftig erwischt. Er wusste allerdings, dass sie nicht gefühlskalt war. Sie war durchaus zu heftigen Emotionen fähig, wie er schon zu verschiedenen Anlässen gemerkt hatte.. aber in diesem Punkt musste er sachlich bleiben..
Er ging weiter. Dort stand sie schon, vor dem Mechhangar. Wo auch sonst? Sie beriet sich wohl gerade mit der ChefTech. Mit ihr verstand sich auch Douglas gut. Selbstverständlich.
Er wollte nicht stören. Lieber noch ein wenig beobachten…
Magistrat Canopus, Dainmar Majoris, Alteii- Vorgebirge, Twengler Pass
28.08.3043
Die 2. Schlacht war kurz und intensiv gewesen: Nachdem die Canopus-Verstärkung die Nachhut der flüchtenden Piraten mit einer einzigen Salve ausradiert hatte, stellte sich der Rest der ehemaligen Kompanie zum Kampf. Sie rechnetten wohl nicht mehr damit, noch entkommen zu können und warfen ihr ganzes Gewicht in eine letzte Verteidigungsaktion. Ernst hatte nicht nur die Plötzlichkeit dieser Reaktion erstaunt, sondern auch die Standhaftigkeit ihrer Gegner. So etwas erwartete man nicht von Piraten. Genauso wenig, wie man von Piraten erwartete, dass sie eine wie neu aussehende, schwere Kompanie mit guten Piloten auffuhren. Und nicht nur für Piraten wäre es nur allzu natürlich gewesen, in einer solchen Situation in kopfloser Flucht davon zu stürmen.
Irgendetwas sagte ihm, dass dies nicht die letzte Überraschung sein sollte, die man bei dieser ersten Mission erwarten sollte.
Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Nach dem Absichern der Gefechtszone und dem Überwachen der Übergabe der aufgegebenen Mechs (die Infanterie war also doch zu etwa nütze ;) ) befahl er Private Monroe und Private Katsutoshi Barati, die beiden Ladeschützen seiner Halblanze, den Schlammstampfern bei der Versorgung der Verletzten und dem Überprüfen der gegnerischen Panzer zur Hand zu gehen.
Aus dem Geschützturm, der 20 Meter neben dem verbrannten Rumpf des Drillsons lag, hing noch etwas, was mal mit viel Phantasie als die Reste eines Menschen Identifizieren konnte. Er vermied es genauer hinzusehen, als einer von der Medgruppe, wohl Dr. Jasmin Flowers, dieses verunstaltete Stück Fleisch vorsichtig aus dem noch rauchenden Turm zog und zu 2 anderen Leichen auf die Ladefläche eines 5 Tonners warf.
Ein paar hundert Meter weiter östlich, inmitten von tief zerfurchter Erde, lagen und standen die Haupttruppen des Gegners. Aber auch diese “Könige des Schlachtfeldes” sahen jetzt nicht mehr all zu königlich aus. Einige lagen am Boden, mit amputierten Gliedmaßen oder von Munitionsexplosionen zerstückelt. Andere standen wie zu Salzsäulen erstarrt da. Aber auch sie hatten tiefe Furchen in der Panzerung, welche verständlich machten, warum ihre Piloten die Kapitulation vorgezogen hatten. Und über allem hatte sich, gespeist aus den brennenden Panzern, den rauchenden Löchern in den Mechpanzerungen und den von Fehlschüssen ausgelösten Bränden, ein stickiges Tuch des Todes gesenkt. Selbst die starke Mittagssonne kam kaum gegen diesen Nebel an und Ernst meinte auch im Patton noch eine Mischung aus Ozon, verbrannten Leichen und geschmolzener Panzerung riechen zu können.
"Nur die Toten haben ein Ende des Krieges gesehen."
Er wusste nicht mehr, wo er das Zitat gelesen hatte oder von wem es war. Aber es passte nur zu gut. Leider! Aber das Leben, und die Arbeit, mussten weiter gehen:
Die ersten LKW's standen zur Abfahrt bereit. Die Zeit drängte. Die Basis war in der Zwischenzeit nur leicht verteidigt. Sie würden wohl mehrere, nach Dringlichkeit aufgeteilte Konvois bilden müssen.
"McFairlay, nehmen sie Monroe wieder auf und bereiten sie sich darauf vor, den abrückenden Konvoi zurück zur Basis zu begleiten. Wir bewachen dann den nächsten." Das würde den zwar den ersten Konvoi etwas bremsen, aber Barlach wollte neben dem Condor und dem Bandit wenigstens etwas ordentliche Kampfkraft dabei haben. Von Coporal kam unterdessen nur ein mattes “Jawohl, Sir” zurück, aus der man deutlich die Müdigkeit und Niedergeschlagenheit klar heraushören konnte. Aber auch wenn es schwer fiel: Dienst war Dienst! Und sie mussten auf alles gefasst sein. „Und Fairlay, sorg dafür, dass der Manticore wieder voll einsatzfähig gemacht und die restliche Ausrüstung zweckmäßig gewartet wird. Danach können sie sich ne Mütze voll Schlaf gönnen.“
Zweieinhalb Stunden später war auch der 2. Konvoi so weit, zurück gebracht zu werden: Die angemieteten Schwerlasttransporter ächzten unter der Last der berge- und transportfähigen Millitärtechnik und ein ebenfalls gemieteter Sicherheitsdienst war zum weiteren Schutz des restlichen Materials eingetroffen. Die Kommandöse kehrte gerade von einem letzten Rundgang zu ihrem Mech zurück und die Wachposten wurden zurückgerufen.
Die Red Reepers verließen ihr erstes Feld der Ehre. 'Schlachtfeld' passte, wie so oft, wohl besser.
Langsam, nach seiner Meinung viel zu langsam, quälte sich der Konvoi vorwärts. Aber wenigstens konnte Ernst nun das von ihm verhasste, Sonnenverhüllende Leichentuch hinter sich lassen. Ihnen stand allerdings auch noch einiges an Arbeit bevor. Aber immer eines nach dem anderen.
Dainmar Majoris, St.Orissa, Red Reapers Versorgungsbasis
29.08.3043; 0320 Ortszeit
Es dauerte dann noch bis zum spähten Abend, bis Ernst zusammen mit Norbert Weber, Sakura und Katsutoshi Barati den Patten wieder Einsatzbereit bekommen hatten. Allein das Austauschen von beschädigten Kettensegmenten hatte 4 Stunden gedauert. Und das, wobei der Patten noch nicht mal Kampfschäden davongetragen hatte.
Inzwischen todmüde und geschafft stattete er nach einem Uniformwechsel dem provisorischen, spärlich besetzten HQ einen Besuch ab. Heike Solari saß wieder einmal an den Funkgeräten und 2 Mann der LS-Besatzung, Derek Lovley und Henry Markram, teilten sich die taktische Überwachung – zumindest Theoretisch. Da eh nicht zu tun war spielten sie Karten und Heike döste vor sich hin.
„Nabend. Ist jemand von euch in der Lage mir einen Lagebericht zu geben?“
„Einen Moment Corporal“, kam von Henry als Antwort. Er drehte sich zu der Konsole um und brachte auf den linken Bildschirm die taktische Karte der Basis. Der rechte Bildschirm zeigte bereits den derzeitigen Status des ganzen Personals an. „Pfeifers Trupp ist seit 1700 für die Fernsicherung zuständig. Seit 1730 wird er dabei von dem auf Streife befindlichen Manticore unterstützt. Greatz Trupp übernimmt dann wieder ab 0500 und befindet sich im Moment in ihren Kojen.“
„Stuben! Bei uns Landratten heißen diese Dinger Stuben. Aber egal. Wie sieht es mit der Nahsicherung aus?“
„Nahsicherung?“
„Irgendjemand muss doch die Einlasskontrolle machen und die Munitionsbunker bewachen?!“
„Nein, so was wird noch nicht durchgeführt“
„Da werd ich wohl mal ein Wort mit unserer Chefin reden müssen. Wie weit sind denn die Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten?“
„Manticore und Condor sind wieder voll einsatzfähig. Und natürlich der Patton. Aber das wissen sie selbst wohl am besten. Der Bandit ist, bis auf einen nicht reparablen Schürzenschaden, auch Einsatzfähig. Der Cosair ist immer noch zur Verteidigung der GinReaper abgestellt. In ihren Bereich gab es aber bisher keine Feindaktivität.
Bei den Mechs dagegen sieht es nicht so gut aus zwar waren es fast nur Panzerungsschäden, aber auch die scheinen ganz schön aufzuhalten. Der Major ist noch beim Hopper im Mechhangar 1B und beaufsichtigt die Reparaturen.“
„Danke Henry. Das war erst einmal alles.“ In der Tür drehte er sich noch mal zu den nun wieder Karten spielenden Soldaten um: „Und wenn sie mal Lust auf eine ordentliche Runde Drax haben, melden sie sich einfach mal bei mir.“
Barlach trat durch die Sicherheitsschleuse ins Freie. Der Himmel war klar und der hiesige Vollmond beleuchtete mit seinem grün-weißlichen Licht den betonierten Kasernenhof und die wuslige Geschäftigkeit auf der anderen Seite des Platzes. Die Temperaturen waren deutlich gefallen und der erste Reif begann schon im Mondlicht zu glitzern. Die Kälte biss Ernst in die bloßen Arme. Aber er hatte gelernt keine Schwäche zu zeigen und den Männern ein möglichst gutes Vorbild zu bieten. Gerade jetzt war dies besonders wichtig. Bevor er die Ärmel runterkrempeln oder müde dreinschauen würde, müsste es noch eine ganze Ecke schlimmer werden.
Gemessenen Schrittes ging er an dem Exerzierplatz und den Parkplatz -von dem immer noch der Geruch verbrannten Fleisches herrüberwehte - vorbei direkt auf die offenen Hangartore zu. Das leicht rötliche Licht kräftiger Plasmadampflampen schien bis weit auf den Vorplatz. Im Halbschatten ganz am Rande des linken Tores stand eine einzelne Person und schaute dem Treiben im Hangar zu. Obwohl sich Barlach nicht sicher war, deutete der eher gedrungen wirkende Körper und die etwas schlaksige Haltung, welche der des 0g Personal ähnelte, auf einen guten Bekannten hin. Er näherte sich der Person leise und blieb eine Zeit lang hinter ihm stehen, bevor er die restlichen zwei Schritte auf ihn zu trat und freundschaftlich die Hand auf seine Schulter legte:
„Eine eine Vorgesetzte, und Frau, wie Sie findet man wirklich nicht oft.“
Jetzt erst wendete Goldsteen den Blick von der Frau ab, die in einer zerknitterten Uniform die Reparaturarbeiten beaufsichtigte und ab und zu Befehle verteilt.
OP:
Zeitliste, alles Richtwerte:
28.08.3042
1000: Feindeinheiten werden überraschend nah nördlich der Basis geortet
1010: Feindeinheiten dringen in Stadt (St. Orissa) ein
1015: leichte Feindeinheiten werden durch Patrolierende Truppen zurückgewiesen; verstärkung rückt aus
1018: leichte Reaperstruppen orten bei Verfolgung der gegnerischen Scouts mehrere Mechs mit Südkurs
1020: 1. Schlacht von St. Orissa
1028: Angreifer flüchten; Reapers und Teile der 22. Canopus Rangers setzen ihnen nach
1028 - 1311: Schnelle Flucht + Verfolgung; keine wesentlichen Kampfhandlungen
1311: Erste Schusswechsel und vernichtung eines Drillson stoppt die Flucht. Angreifer stelle sich
1311-1335: Schlacht am Twengler Talpass (rnd. 150 km NO von der Basis).
1335: restliche Feindtruppen ergeben sich vollständig
1355: erste, schnelle Konvoi verlässt den Twengler Pass; besteht aus 2 5to LKW's, Condor, Bandit und Manticore
1625: zweiter Konvoi verlässt das Schlachtfeld
1650: erster Konvoi erreicht die Basis
2145: zweiter Konvoi erreicht die Basis
29.08.3042
0300: Patton fertig
0320: im HQ
0330: am Hangar
Magistrat Canopus
Sergeant Major Douglas Rodrigo Goldsteen war am Leben. Und das nach 2 ziemlich üblen Gefechten gegen die vermuteten Taurischen Aggressoren. Und es gab keine Verluste! Das zauberte ein breites Grinsen auf sein dunkles Gesicht. Seine Zähne blitzten in der Abendsonne. Die beiden Crewmitglieder
Brad Schneller und Dolmen Hicks, beide seit dem nicht allzu überraschendenTod ihres früheren Kommandanten etwas mehr aufgetaut, hatten respektable Leistungen erbracht. Douglas´ Tätigkeit hatte sich auf das Abstimmen mit dem Bandit und dem Rest der Einheit beschränkt, und dazu hatte er die beiden anzufeuern versucht.
Das Gefluche der Banditbesatzung war da sicherlich nicht hilfreich gewesen, aber die hatten auch genug mit der Infanterie zu tun und nur wenig Gelegenheit in die Gefahrenzone zu kommen.
Der Kampf davor war schon gefährlicher gewesen, dabei hatte der Bandit nämlich einen üblen Treffer in die Schürze bekommen und einiges an Geschwindigkeit eingebüßt.
Das würde sich hoffentlich irgendwann beheben lassen. Das Bergegut war auch in Ordnung. Der J. Edgar den sie Bewegungsunfähig geschossen hatten, war sicherlich eine Bereicherung für die Scoutlanze.
Das brachte ihn auch wieder zum Thema.
Vivian wollte ihn zum Lieutenant machen! Das konnte nicht sein. Er war Gemeiner bei der Marikmiliz gewesen und es war schon grandios, dass er jetzt Sarge war. Offizier war eindeutig zu hoch für ihn. Nicht, dass er dachte, er wäre unfähig, aber es war nicht richtig.
Wenn er schon Offizier werden musste, dann doch nur, wenn es ganz schlimm stand. Wie war das noch gleich? Die Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der konventionellen Truppen.
Mechjockeys konnten sein, was sie wollten. Er war gut im Umgang mit Menschen, das wusste auch Vivian.
Er hielt kurz inne. Ihm war halbwegs bewusst, dass sie wusste, was er für sie empfand. Aber im Gegensatz zu früheren Zeiten war er nicht mehr so sicher, wie er speziell auf Vivian wirkte. Vor dem Fund war er ein echter Charmebolzen gewesen, aber an Vivian biß er sich bislang die Zähne aus. Bei ihr hatte es ihn auch heftig erwischt. Er wusste allerdings, dass sie nicht gefühlskalt war. Sie war durchaus zu heftigen Emotionen fähig, wie er schon zu verschiedenen Anlässen gemerkt hatte.. aber in diesem Punkt musste er sachlich bleiben..
Er ging weiter. Dort stand sie schon, vor dem Mechhangar. Wo auch sonst? Sie beriet sich wohl gerade mit der ChefTech. Mit ihr verstand sich auch Douglas gut. Selbstverständlich.
Er wollte nicht stören. Lieber noch ein wenig beobachten…
Magistrat Canopus, Dainmar Majoris, Alteii- Vorgebirge, Twengler Pass
28.08.3043
Die 2. Schlacht war kurz und intensiv gewesen: Nachdem die Canopus-Verstärkung die Nachhut der flüchtenden Piraten mit einer einzigen Salve ausradiert hatte, stellte sich der Rest der ehemaligen Kompanie zum Kampf. Sie rechnetten wohl nicht mehr damit, noch entkommen zu können und warfen ihr ganzes Gewicht in eine letzte Verteidigungsaktion. Ernst hatte nicht nur die Plötzlichkeit dieser Reaktion erstaunt, sondern auch die Standhaftigkeit ihrer Gegner. So etwas erwartete man nicht von Piraten. Genauso wenig, wie man von Piraten erwartete, dass sie eine wie neu aussehende, schwere Kompanie mit guten Piloten auffuhren. Und nicht nur für Piraten wäre es nur allzu natürlich gewesen, in einer solchen Situation in kopfloser Flucht davon zu stürmen.
Irgendetwas sagte ihm, dass dies nicht die letzte Überraschung sein sollte, die man bei dieser ersten Mission erwarten sollte.
Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Nach dem Absichern der Gefechtszone und dem Überwachen der Übergabe der aufgegebenen Mechs (die Infanterie war also doch zu etwa nütze ;) ) befahl er Private Monroe und Private Katsutoshi Barati, die beiden Ladeschützen seiner Halblanze, den Schlammstampfern bei der Versorgung der Verletzten und dem Überprüfen der gegnerischen Panzer zur Hand zu gehen.
Aus dem Geschützturm, der 20 Meter neben dem verbrannten Rumpf des Drillsons lag, hing noch etwas, was mal mit viel Phantasie als die Reste eines Menschen Identifizieren konnte. Er vermied es genauer hinzusehen, als einer von der Medgruppe, wohl Dr. Jasmin Flowers, dieses verunstaltete Stück Fleisch vorsichtig aus dem noch rauchenden Turm zog und zu 2 anderen Leichen auf die Ladefläche eines 5 Tonners warf.
Ein paar hundert Meter weiter östlich, inmitten von tief zerfurchter Erde, lagen und standen die Haupttruppen des Gegners. Aber auch diese “Könige des Schlachtfeldes” sahen jetzt nicht mehr all zu königlich aus. Einige lagen am Boden, mit amputierten Gliedmaßen oder von Munitionsexplosionen zerstückelt. Andere standen wie zu Salzsäulen erstarrt da. Aber auch sie hatten tiefe Furchen in der Panzerung, welche verständlich machten, warum ihre Piloten die Kapitulation vorgezogen hatten. Und über allem hatte sich, gespeist aus den brennenden Panzern, den rauchenden Löchern in den Mechpanzerungen und den von Fehlschüssen ausgelösten Bränden, ein stickiges Tuch des Todes gesenkt. Selbst die starke Mittagssonne kam kaum gegen diesen Nebel an und Ernst meinte auch im Patton noch eine Mischung aus Ozon, verbrannten Leichen und geschmolzener Panzerung riechen zu können.
"Nur die Toten haben ein Ende des Krieges gesehen."
Er wusste nicht mehr, wo er das Zitat gelesen hatte oder von wem es war. Aber es passte nur zu gut. Leider! Aber das Leben, und die Arbeit, mussten weiter gehen:
Die ersten LKW's standen zur Abfahrt bereit. Die Zeit drängte. Die Basis war in der Zwischenzeit nur leicht verteidigt. Sie würden wohl mehrere, nach Dringlichkeit aufgeteilte Konvois bilden müssen.
"McFairlay, nehmen sie Monroe wieder auf und bereiten sie sich darauf vor, den abrückenden Konvoi zurück zur Basis zu begleiten. Wir bewachen dann den nächsten." Das würde den zwar den ersten Konvoi etwas bremsen, aber Barlach wollte neben dem Condor und dem Bandit wenigstens etwas ordentliche Kampfkraft dabei haben. Von Coporal kam unterdessen nur ein mattes “Jawohl, Sir” zurück, aus der man deutlich die Müdigkeit und Niedergeschlagenheit klar heraushören konnte. Aber auch wenn es schwer fiel: Dienst war Dienst! Und sie mussten auf alles gefasst sein. „Und Fairlay, sorg dafür, dass der Manticore wieder voll einsatzfähig gemacht und die restliche Ausrüstung zweckmäßig gewartet wird. Danach können sie sich ne Mütze voll Schlaf gönnen.“
Zweieinhalb Stunden später war auch der 2. Konvoi so weit, zurück gebracht zu werden: Die angemieteten Schwerlasttransporter ächzten unter der Last der berge- und transportfähigen Millitärtechnik und ein ebenfalls gemieteter Sicherheitsdienst war zum weiteren Schutz des restlichen Materials eingetroffen. Die Kommandöse kehrte gerade von einem letzten Rundgang zu ihrem Mech zurück und die Wachposten wurden zurückgerufen.
Die Red Reepers verließen ihr erstes Feld der Ehre. 'Schlachtfeld' passte, wie so oft, wohl besser.
Langsam, nach seiner Meinung viel zu langsam, quälte sich der Konvoi vorwärts. Aber wenigstens konnte Ernst nun das von ihm verhasste, Sonnenverhüllende Leichentuch hinter sich lassen. Ihnen stand allerdings auch noch einiges an Arbeit bevor. Aber immer eines nach dem anderen.
Dainmar Majoris, St.Orissa, Red Reapers Versorgungsbasis
29.08.3043; 0320 Ortszeit
Es dauerte dann noch bis zum spähten Abend, bis Ernst zusammen mit Norbert Weber, Sakura und Katsutoshi Barati den Patten wieder Einsatzbereit bekommen hatten. Allein das Austauschen von beschädigten Kettensegmenten hatte 4 Stunden gedauert. Und das, wobei der Patten noch nicht mal Kampfschäden davongetragen hatte.
Inzwischen todmüde und geschafft stattete er nach einem Uniformwechsel dem provisorischen, spärlich besetzten HQ einen Besuch ab. Heike Solari saß wieder einmal an den Funkgeräten und 2 Mann der LS-Besatzung, Derek Lovley und Henry Markram, teilten sich die taktische Überwachung – zumindest Theoretisch. Da eh nicht zu tun war spielten sie Karten und Heike döste vor sich hin.
„Nabend. Ist jemand von euch in der Lage mir einen Lagebericht zu geben?“
„Einen Moment Corporal“, kam von Henry als Antwort. Er drehte sich zu der Konsole um und brachte auf den linken Bildschirm die taktische Karte der Basis. Der rechte Bildschirm zeigte bereits den derzeitigen Status des ganzen Personals an. „Pfeifers Trupp ist seit 1700 für die Fernsicherung zuständig. Seit 1730 wird er dabei von dem auf Streife befindlichen Manticore unterstützt. Greatz Trupp übernimmt dann wieder ab 0500 und befindet sich im Moment in ihren Kojen.“
„Stuben! Bei uns Landratten heißen diese Dinger Stuben. Aber egal. Wie sieht es mit der Nahsicherung aus?“
„Nahsicherung?“
„Irgendjemand muss doch die Einlasskontrolle machen und die Munitionsbunker bewachen?!“
„Nein, so was wird noch nicht durchgeführt“
„Da werd ich wohl mal ein Wort mit unserer Chefin reden müssen. Wie weit sind denn die Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten?“
„Manticore und Condor sind wieder voll einsatzfähig. Und natürlich der Patton. Aber das wissen sie selbst wohl am besten. Der Bandit ist, bis auf einen nicht reparablen Schürzenschaden, auch Einsatzfähig. Der Cosair ist immer noch zur Verteidigung der GinReaper abgestellt. In ihren Bereich gab es aber bisher keine Feindaktivität.
Bei den Mechs dagegen sieht es nicht so gut aus zwar waren es fast nur Panzerungsschäden, aber auch die scheinen ganz schön aufzuhalten. Der Major ist noch beim Hopper im Mechhangar 1B und beaufsichtigt die Reparaturen.“
„Danke Henry. Das war erst einmal alles.“ In der Tür drehte er sich noch mal zu den nun wieder Karten spielenden Soldaten um: „Und wenn sie mal Lust auf eine ordentliche Runde Drax haben, melden sie sich einfach mal bei mir.“
Barlach trat durch die Sicherheitsschleuse ins Freie. Der Himmel war klar und der hiesige Vollmond beleuchtete mit seinem grün-weißlichen Licht den betonierten Kasernenhof und die wuslige Geschäftigkeit auf der anderen Seite des Platzes. Die Temperaturen waren deutlich gefallen und der erste Reif begann schon im Mondlicht zu glitzern. Die Kälte biss Ernst in die bloßen Arme. Aber er hatte gelernt keine Schwäche zu zeigen und den Männern ein möglichst gutes Vorbild zu bieten. Gerade jetzt war dies besonders wichtig. Bevor er die Ärmel runterkrempeln oder müde dreinschauen würde, müsste es noch eine ganze Ecke schlimmer werden.
Gemessenen Schrittes ging er an dem Exerzierplatz und den Parkplatz -von dem immer noch der Geruch verbrannten Fleisches herrüberwehte - vorbei direkt auf die offenen Hangartore zu. Das leicht rötliche Licht kräftiger Plasmadampflampen schien bis weit auf den Vorplatz. Im Halbschatten ganz am Rande des linken Tores stand eine einzelne Person und schaute dem Treiben im Hangar zu. Obwohl sich Barlach nicht sicher war, deutete der eher gedrungen wirkende Körper und die etwas schlaksige Haltung, welche der des 0g Personal ähnelte, auf einen guten Bekannten hin. Er näherte sich der Person leise und blieb eine Zeit lang hinter ihm stehen, bevor er die restlichen zwei Schritte auf ihn zu trat und freundschaftlich die Hand auf seine Schulter legte:
„Eine eine Vorgesetzte, und Frau, wie Sie findet man wirklich nicht oft.“
Jetzt erst wendete Goldsteen den Blick von der Frau ab, die in einer zerknitterten Uniform die Reparaturarbeiten beaufsichtigte und ab und zu Befehle verteilt.
OP:
Zeitliste, alles Richtwerte:
28.08.3042
1000: Feindeinheiten werden überraschend nah nördlich der Basis geortet
1010: Feindeinheiten dringen in Stadt (St. Orissa) ein
1015: leichte Feindeinheiten werden durch Patrolierende Truppen zurückgewiesen; verstärkung rückt aus
1018: leichte Reaperstruppen orten bei Verfolgung der gegnerischen Scouts mehrere Mechs mit Südkurs
1020: 1. Schlacht von St. Orissa
1028: Angreifer flüchten; Reapers und Teile der 22. Canopus Rangers setzen ihnen nach
1028 - 1311: Schnelle Flucht + Verfolgung; keine wesentlichen Kampfhandlungen
1311: Erste Schusswechsel und vernichtung eines Drillson stoppt die Flucht. Angreifer stelle sich
1311-1335: Schlacht am Twengler Talpass (rnd. 150 km NO von der Basis).
1335: restliche Feindtruppen ergeben sich vollständig
1355: erste, schnelle Konvoi verlässt den Twengler Pass; besteht aus 2 5to LKW's, Condor, Bandit und Manticore
1625: zweiter Konvoi verlässt das Schlachtfeld
1650: erster Konvoi erreicht die Basis
2145: zweiter Konvoi erreicht die Basis
29.08.3042
0300: Patton fertig
0320: im HQ
0330: am Hangar