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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Auf zu neuen Ufern


Rikal
07.04.2004, 01:34
=/\= Pentagonwelten, Arcadia, 26. August 2802 =/\=

Müde und mit einem bitteren Geschmack im Mund blickte der alternde General über die rauchenden Trümmer, die einmal die Hauptstadt Arcadias waren. Nur mit Mühe hatten sie den Angriff der Liao Loyalisten abwehren können. Was war nur aus ihnen geworden?
Die stolzen Sternenbundverteidigungsstreitkräfte, die nach blutigen, Jahre dauernden, Kräfte zehrenden Kämpfen den Usurpator vom Thron des Sternenbundes und aus der Terranischen Hegemonie vertrieben hatten, die die Innere Sphäre verlassen hatten um den drohenden Zeichen des Krieges zuvorzukommen und nicht in die Kämpfe zwischen den Fürsten der großen Reiche hineingezogen zu werden, die ausbrechen würden, wenn diese versuchen würden die Nachfolge der Camerons anzutreten. Sie hatten den Frieden gesucht, aber der Krieg hatte sie eingeholt. Seit dem Tod des Generals und der Abreise seines Sohnes und Nachfolgers waren alle Strukturen zusammengebrochen, und das was die Streitkräfte immer hatten verhindern können war ausgebrochen: die alten Rivalitäten zwischen den Bewohnern der Inneren Sphäre.
Glücklicherweise lebten auf Arcadia überwiegend ehemaliger Bürger der Terranischen Hegemonie, so dass es zumindest zwischen der Bevölkerung hier nicht zu Kämpfen gekommen war. Aber die anderen Divisionskommandeure versuchten die Vorherrschaft zu erringen, jeder wollte die Herrschaft, genau wie die Fürsten der Inneren Sphäre. Waren sie denn nicht besser als diese Despoten, denen es nur um Macht ging? Scheinbar nicht.
Mühsam riss er sich von dem schrecklichen Anblick los, noch immer schlugen meterhohe Flammen aus den Ruinen, mühten sich die Rettungsmannschaften Leben zu retten und die Feuerwehren Herr des Feuers zu werden, aber es würde noch Stunden, wenn nicht sogar Tage dauern, bis alle Feuer gelöscht, alle Toten geborgen und alle Verletzten versorgt sein würden. Langsam drehte sich der alte General, der auf Terra, in einer kleinen Stadt in Schottland, geboren worden war, um. Hinter ihm wartete sein Adjutant, er trug noch, genau wie auch er selbst, seinen Kühlanzug. Einige Meter entfernt standen ihre beiden BattleMechs, ein Kriegshammer und ein Atlas, während die beiden anderen Mechs der Lanzen sich entfernt hatten und gemeinsam mit den Resten der Divisionskommandokompanie die Umgebung sicherten. Frustriert blickte Conner MacCormwigh an den beiden Mechs hoch und betrachtete die Schäden. Tiefe Krater verunzierten die Panzerung, der linke Arm des Hammers war auf halber Höhe abgerissen worden, die Kopfpanzerung seines Atlas wies einige tiefe Scharten auf. Es war dieses Mal wirklich knapp gewesen. Zu knapp nach seinem Geschmack. Nicht nur für ihn, sondern auch für diesen Planeten, für den er die Verantwortung trug. Nur mit Mühe, sehr viel Mühe, war es ihnen gelungen ihre alten Kameraden zu stoppen und zurückzuwerfen. Es war ihm nicht leicht gefallen auf seine ehemaligen Kameraden zu feuern, aber sie hatten keine Wahl gehabt. Es war seine Aufgabe diesen Planeten zu verteidigen, seine Bewohner zu schützen, aber lange würde er diese Aufgabe nicht mehr erfüllen können, wenn er den Ausdruck in den Augen seines Adjutanten richtig deutete.
Hätte er doch mit Nicolas gehen sollen? Weitere 600.000 Personen, die nach Strana Mechty aufbrachen, um dem Krieg zu entkommen und es erneut zu versuchen. Er hatte mit dem Gedanken gespielt sich Nicoals anzuschließen, aber die Pläne, die der Sohn des Generals für die Zukunft hatte, gefielen ihm nicht. Eine neue Gesellschaft aufbauen, schön und gut, aber so, wie er es vorhatte? Nein. Scheinbar kam hier seine liberale Erziehung wieder durch, und der Glaube an das Gute im Menschen. Er hatte sich ihm nicht anschließen können und wollen. Natürlich hätte er niemanden aufgehalten, der sich Nicolas hätte anschließen wollen, aber wie es schien, waren seine Truppen loyal zu ihm. Er hatte gesagt, dass er bleiben würde, und auch sie waren geblieben, dies traf auch auf große Teile der Zivilbevölkerung zu. Langsam kam ihm aber die Erkenntnis, dass die Entscheidung zu bleiben keine seiner besten Ideen gewesen war. Nur war es nun zu spät. Wo sollten sie denn hin? Nach Strana Mechty, konnten sie nicht gehen. Es blieb nur die Weite des Raumes.
„Sam, wie sieht es aus?“ fragte er, den großen Mann, mit den traurigen grünen Augen. Die Stadt, die hinter ihm brannte, war ihrer beider Heimat gewesen, für mehr als zehn Jahre.
„Schlecht. Wir haben mindestens 20 % Verluste“, bei diesen Worten schlossen sich die Augen des Generals, „und knapp 50 % des Materials sind ausgefallen. 20 % der Mechs und anderen Fahrzeuge sind nicht reparabel. Was wir bergen können, wissen wir noch nicht.“
Verdammt. Das war ein wahrer Pyrrhussieg, noch einen solchen Sieg und wir haben in Wahrheit verloren.
„Sam, halten sie es für möglich, dass wir den Planeten evakuieren können?“
Bei dieser Frage weiteten sich die Augen seines Adjutanten.
„Sir?“
„Sie haben sich nicht verhört. Wenn das so weitergeht, dann werden wir verlieren. Wir müssen hier weg.“
„Wohin, Sir?“
„Keine Ahnung. Hatten wir ein Ziel, als wir mit dem General aufbrachen?“
„Nein, Sir.“
„Also, können wir evakuieren?“
„Nun, Sir. Wir haben noch einen großen Teil der Landungsschiffe eingemottet, mit denen wir auf dem Planeten angekommen sind. Auch gibt es noch an die dreißig Sprungschiffe, die eingemottet um die Sonne von Dagda ihre Bahnen ziehen, und etliche andere in anderen Systemen. Theoretisch sind wir in der Lage weiter zuziehen.“
„Gut. Kontaktieren sie Admiral de Rancourt. Er soll zwei Schiffe ausschicken, die nach einer neuen Heimat für uns suchen. Der Rest der Flotte soll, sobald er wieder einsatzbereit ist die Sprungschiffe hohlen.“
„Sir. Admiral de Rancourt ist tot, die Missouri ist schwer getroffen worden.“
Betroffen und entsetzt blickte MacCormwigh den Mann an. Wieder ein alter Freund, der dem Bürgerkrieg zum Opfer gefallen war. Sie mussten hier weg, und zwar schnell. Blieb noch eine Frage, wie stand es um die Flotte? Auch diese Frage beantwortete ihm der Major, der noch immer geduldig auf seinem Platz verharrte und auf weitere Befehle und Fragen wartete.
„Die Big Mo ist schwer beschädigt, aber die meisten Systeme können repariert werden. Beide Antriebe arbeiten. Wir haben einen Kreuzer, die SBS Lyon, verloren, auch die Norfolk hat das Gefecht nicht überlebt. Die restlichen Schiffe haben leichte bis mittlere Schäden davon getragen. In spätestens zwei Wochen sollten sie wieder einsatzbereit sein, soweit die Schäden ohne Werft reparabel sind.“
„Gut. Admiral Montraville soll das Kommando übernehmen. Richten sie ihm meine besten Wünsche aus, und er soll sich beeilen.“
Ohne ein weiteres Wort begab sich der General zu seinem Mech und kletterte die Leiter hinauf ins Cockpit. Er wollte alleine sein, und seltsamerweise schien das Cockpit dieser Kampfmaschine der einzige Ort zu sein, an dem er seine Ruhe haben würde, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick.

-tbc-

[Anmerkung: Nachdem mir die Entwicklung der BT Zeitlinie nicht mehr so recht gefällt habe ich beschlossen mir selbst eine zu basteln :), dieser Text ist die Einleitung dazu. Bedenkt bitte, dass dies meine ersten Gehversuche beim Schreiben von BT-Texten sind, seid also bitte gnädig mit mir.]

Rikal
10.04.2004, 03:18
=/\= Etwa einen Tag später =/\=

Kein Tag war seit dem Angriff der Liao Loyalisten vergangen, und die Verbände der SBVS auf Arcadia waren nicht untätig gewesen. Während die Feuerwehren die letzten Brände löschten, die Rettungskräfte nach Überlebenden suchten und die Techniker beschädigten Kampfmaschinen reparierten eilten Einheiten zu den auf einer Hochebene abgestellten und eingemotteten Landungsschiffen, mit denen sie diesen Planeten erreicht hatten. Die ausgewählten, vertrauenswürdigen Techniker machten sich daran die Landungsschiffe widereinsatzbereit zu machen, in aller Stille, während die zu ihrem Schutz eingeteilten Bataillone Stellung bezogen. Im Orbit wurden ausgewählte Fabriken zur Demontage vorbereitet, ebenso eine Raumstation. Landungsschiffe hatten sich zu den wenigen eingemotteten Sprungschiffen aufgemacht, die weit außerhalb der Umlaufbahnen der Planeten einsam die Sonne umkreisten. Der Befehl ihrer Besatzungen war einfach, denn ihre Aufgabe war es die Sprungschiffe widereinsatzbereit zumachen und zum nächsten Sprungpunkt zu schleppen.
Im Orbit um Arcadia befanden sich aber auch die Reste der 77. Kampfgruppe, die seit ihrer Aufstellung die 328. Royal BattleMech Division begleitet hatte. Gemeinsam hatten sie in der Peripherie gekämpft, gemeinsam den langen Feldzug gegen den Putsch Stefan Amaris durch gestanden und waren dann zusammen in die Peripherie aufgebrochen, um dem Krieg zu entkommen. Doch der Krieg hatte sie eingeholt, und wieder hatten sie schmerzliche Verluste hinnehmen müssen. Ein Kreuzer und Zerstörer hatten den Angriff nicht überstanden, einige andere Schiffe waren mehr oder weniger schwer beschädigt worden. Aber keines der überlebenden Schiffe hatte die Fähigkeit eingebüßt zu springen oder zu kämpfen. So schwer die Schäden auch sein mochten, sie würden weiterkämpfen, so wie sie es immer getan hatten.
Vor wenigen Stunden war der neue Kommandeur der im Arcadia System versammelten Kampfraumschiffe an Bord des Schlachtkreuzers SBS Renown eingetroffen. Von dort war Admiral Montraville auf die SBS Missouri übergesetzt. Als sich das Shuttle dem mächtigen Schlachtschiff, dem einzigen McKenna II, näherte waren ihm die Schäden aufgefallen, die sein neues Flagschiff in der letzten Schlacht hatte hinnehmen müßen. Tiefe Breschen in der Panzerung sahen seine Augen, einige Schüsse hatten sie sogar durchschlagen, wie es schien. Auch waren einige der Türme beschädigt oder zerstört worden. Unwillkürliche hatte er sich gefragt, ob er wirklich sein neues Flaggschiff oder ein Wrack betrat. Seine Schritte lenkten ihn zur Brücke, reichlich irritiert, da der Kommandant des Schiffes es nicht für nötig gehalten hatte ihn selbst zu empfangen, sondern seinen ersten Offizier geschickt hatte. Die Überraschung und Irritation des Admirals wuchs, als er die Brücke praktisch verweist vorfand. Bis auf vier Techniker, die an der Deckenkonstruktion arbeiteten, oder besser an dem, was von der Deckenkonstruktion übrig war, war nur noch eine andere Person anwesend. Dieser stand mit dem Rücken zum, unbewachten, Eingang, trug die Uniform eines Flottenoffiziers und blickte scheinbar auf den Trümmerhaufen. Der Admiral räusperte sich, und der erste Offizier meldete, dass der Admiral die Brücke betreten hatte. Die vier Techniker drehten sich um und salutierten, auch der Offizier drehte sich um und salutierte. Bei ihm handelte es sich um Comodore Napier, dem Kommandanten der Missouri. Der Admiral erwiderte den Gruß und der Colonel kam auf sie zu.
„Schön sie zu sehen, Comodore. Ich bin es eigentlich gewöhnt, dass der Kommandant meines Flaggschiffes mich empfängt, wenn ich es betrete“, stellte der Admiral mit scharfem Unterton fest.
„Sir, ich hätte sie willkommen geheißen, wenn meine Anwesenheit auf der Brücke nicht erforderlich gewesen wäre“, entgegnete Comodore Napier. „Uns ist es eben erst gelungen diese Deckenkonstruktion,“ bei diesen Worten deutete der Comodore auf die Stelle, an der die Techniker arbeiteten, „soweit zu bewegen, dass wir die Leiche Admiral Rancourt bergen konnten. Ein Treffer hat einen Teil der Decke zum Einstürzen gebracht, genau dort, wo der Admiral stand. Er war sofort tot. Ich dachte mir, dass mein Platz in diesem Augenblick hier sei, Sir.“
Kurz machte sich betroffenes Schweigen breit, während der neue kommandierende Admiral zu dem Ort blickte an dem sein Vorgänger gefallen war.
„Sie haben recht, Comodore“, sagte Montraville nachdem er sich geräuspert hatte. „Wie steht es um mein Flaggschiff?“
„Sir, die Big Mo ist angeschlagen, aber sie ist nicht geschlagen. Wir haben Panzerungsschäden hinnehmen müssen und zwei Hüllendurchbrüche. Glücklicherweise haben die Sicherheitsschotts funktioniert, der Druck im Schiff ist konstant und die Reparaturmannschaften sind zuversichtlich in spätestens fünf Tagen alle ohne Werftaufenthalt reparablen Schäden behoben zu haben.“
„Gut, wie steht es mit den Waffen und Jägern, den Verlusten an Personal?“
„Wir haben achtzehn Tote zu beklagen, den Admiral eingeschlossen, und vierundvierzig Verwundete. Sechzehn Jäger sind nicht zurückgekehrt, aber wie haben sie durch die Jäger der Lyon übernommen und sind daher auf Sollstärke. Einige Waffensysteme sind beschädigt worden, bis zu einem Werftaufenthalt ausgefallen ist Turm 4. Das heißt, dass wir unsere vorderen linken Schiffsautokanonen verloren haben.“
„Die Schäden sind also nicht so schlimm, wie sie aussehen sehr gut.“
„Aye, Sir. Dieses Schiff ist hart ihm nehmen und es hat eine erstklassige Crew.“
„Sieht so aus, Colonel. General MacCormwig hat neue Befehle für uns. Wir sollen einen kleinen Ausflug machen. Kommen sie, damit ich ihnen Einzelheiten erzählen kann.“
Nicht ganz sechs Tage später steuerte die Missouri gemeinsam mit einem Kreuzer, zwei Zerstörern und vier Korvetten einen unplanmäßigen Sprungpunkt an. Gleichzeitig waren zwei andere Korvetten unterwegs zum Nadirsprungpunkt um von dort aus mit ihrer Suche nach einer neuen Heimat zu beginnen.

-tbc-

Rikal
19.04.2004, 01:00
=/\= Dagdan System, 4. September 2802 =/\=

In der Nähe des Nadirsprungpunktes des Dagdan Systems lag ein Teil der Flotte, mit denen die Exilanten vor mehr als einem Jahrzehnt die Pentagonwelten erreicht hatten, eingemottet und warteten auf ihre Reaktivierung, unter ihnen befanden sich auch etwas mehr als dreißig Sprungschiffe. In diesen turbulenten Zeiten hatte der Kommandant des Systems sich dazu entschlossen die Kampfschiffe zu reaktivieren, die hier ebenfalls ihre Bahnen zogen. Noch war keines dieser Schiffe wieder einsatzbereit, aber die Technikerteams wurden von drei Kampfsprungschiffen beschützt. Offenbar hatte der alte Haudegen, sein Name war Hiroyuki Tagawa, wie sein Name zeigte stammte er ursprünglich aus dem Draconis Kombinat, eine ähnliche Idee wie General MacCormwig gehabt. Unter Admiral Tagawa Kommando standen die im Dagdan stationierten Verbände der SBVS, zumindest formell. Wobei Admiral Montraville sich allerdings weigerte diese Einheiten noch als Teil der Sternenbundverteidigungsstreitkräfte zu bezeichnen. Sie hatten sich gegen ihre Kameraden gewand und sich weigert hatten die Befehle ihres Oberbefehlshabers zu befolgen. Auch dem Admiral war bewusst, dass sie, wo Nicolas Kerensky, als Nachfolger Alexanders, die SBVS verlassen hatte, nun keinen Oberbefehlshaber mehr hatten, womit zumindest der letzte Vorwurf an Kraft verloren hatte. Nun kämpften aber die Generäle und Admiräle um seine Nachfolge. Wie ihm zugetragen worden war, war es bereits auf den anderen Planeten auch zu Kämpfen unter den dort stationierten Truppen gekommen. Glücklicherweise war dies auf Arcadia noch nicht geschehen, und der Admiral hoffte inständig, dass dies auch so bleiben würde. Bisher hatte General MacCormwig die Lage aber im Griff, die ihm unterstellten Einheiten waren im loyal. Bisher.
Aber dies waren Eventualitäten, um die man sich in Zukunft Sorgen machen würden können. Im Augenblick waren die Probleme der Gegenwart dringender. Nachdenklich blickte der alte Kämpe auf die Sensorenanzeige. Zwischen all den eingemotteten Schiffen befanden sich nur drei deren Triebwerke arbeiteten. Diese drei waren eine Vincent Korvette, ein Zerstörer der Lola III Klasse und ein Kreuzer der Sowjetski Sojus Klasse. Diesen drei Schiffen waren sie mit ihrer Flotte mehr als deutlich überlegen, aber sie hatten zwei Probleme. Zum einen würde es mindestens zwei Wochen dauern, bis sie die Sprungschiffe aktiviert und aufgeladen haben würden, in dieser Zeit wären sie angreifbar, zum anderen hatte er Hemmungen auf diese Schiffe feuern zu lassen. Früher hatte er mit diesen Männern und Frauen gemeinsam gekämpft, nun sollte er sie bekämpfen? Vielleicht könnten sie diese Situation auch friedlich lösen ohne kämpfen zu müssen.
„Commodore, wann erreichen wir unser Ziel?“
Einige Meter entfernt stand Commodore Napier und sprach mit seinem ersten Offizier, noch immer arbeiteten die Techniker an den letzten Schäden des vorherigen Gefechts, vermutlich ging es um weitere Reparaturen. Bald würden die Schadenskontrollmannschaften erneut Arbeit bekommen, befürchtete der Admiral, sollte es ihm nicht gelingen einen Kampf zu verhindern. Kurz blickte der Comodore auf eine Sensoranzeige.
„In achtundvierzig Minuten, Sir.“
„Gut. Haben die drei Kampfschiffe reagiert?“
„Ja, Sir. Sie haben Fahrt aufgenommen und sammeln sich aus unserer Sicht vor den eingemotteten Schiffen.“
War auch nicht anders zu erwarten gewesen, dachte Montraville.
„Öffnen sie einen Kanal.“
„Kanal offen, Sir“, meldete der Kommunikationsoffizier.
„Hier spricht Admiral Montraville an Bord der SBS Missouri. Ich bin der Kommandeur der Flotte die sich ihrer Position nähert. Unser Auftrag ist es die eingemotteten Sprungschiffe zu reaktivieren. Wir wollen nicht gegen sich kämpfen.“
Es dauerte eine Weile bis die Nachricht die drei Schiffe erreicht und genauso lange dauerte es, bis die Antwort die Missouri erreichte.
„Missouri, hier spricht Commodore Garett, Kommandant der Petersburg. Unser Befehl ist es jeden unbefugten Zugriff auf diese Schiffe zu verhindern. Wenn sie ihr Vorhaben nicht abbrechen, werden wir gezwungen sein auf sie zu feuern.“
Resignierend schüttelte der Admiral den Kopf.
„Napier, haben wir noch etwas anders auf den Sensoren?“
„Nein, Sir. Nur die drei Schiffe, einige aktivierte Landungsschiffe und ihre Patrouillenjäger. Wie es scheint starten sie ihre Jäger, Sir.“
Verdammt.
“Commodore Garett, sie wollen mit ihren drei Schiffen gegen meine acht Schiffe antreten? Sie haben keine Chance, sie werden alle sinnlos sterben.“
Wieder dauerte es einige Zeit bis die Antwort eintraf.
„Ich habe meine Befehle. Drehen sie aber, oder tragen sie die Konsequenzen.“
Tief ausatmend schloss der Admiral die Augen. Er hatte seine Befehle. Vermutlich hätte er auch nicht anders reagiert. Wenn sie keine Disziplin hätten, hätten die SBVS vermutlich schon vor viel längerer Zeit aufgehört zu existieren.
„Commodore, Nachricht an die Flotte. Gefechtsalarm.“
Auf den Schiffen erschallten Sirenen, Energie wurde in die Waffensysteme umgeleitet, Geschütze und Raketenwerfer wurde geladen und die Zielerfassungssysteme, Ladesysteme und andere für das Gefecht wichtige Systeme wurden überprüft. Gleichzeitig zogen die Mannschaftsmitglieder in den gefährdeten Bereichen, also in der Nähe der Hülle, ihre Gefechtsraumanzüge an. Während in den Hangars Luft/Raumjäger startklar gemacht und die Angriffslandungsschiffe abgekoppelt wurden. Der Kampf war unvermeintlich.
„Commodore, wir kümmern uns um die Petersburg. Die Korvetten greifen die Vincent an und der Rest kümmert sich um den Zerstörer. Unsere Jäger und Landungsschiffe sollen die ihren binden.“
„Aye, Sir.“
Neunundzwanzig Minuten später hatten sie Raumschiffe sich auf Gefechtsentfernung angenähert, aber der Admiral weigerte sich den ersten Schuss abzugeben. Die Schiffe folgen in Formation aufeinander zu, die Jäger und Landungsschiffe vorweg.

-tbc-

Rikal
04.09.2005, 03:32
Noch immer flogen die Verbände der ehemaligen Kameraden aufeinander zu. Die Zielerfassungen ihre Schiffe meldeten optisch und akustisch, dass sie ihre ausgewählten Ziele erfasst hatten. Aber bisher hatte niemand gefeuert.
Die Nerven der Besatzungen waren zum Zerreisen gespannt, jeder wusste, dass sie unmittelbar davon war einen Bürgerkrieg zu beginnen. Aber, hatte dieser nicht schon begonnen? War nicht ihre neue Heimat vor wenigen Tagen von ihren ehemaligen Kameraden angegriffen worden? War dies vielleicht bereits auch im Dagdan System geschehen? Dennoch, es fühlte sich seltsam an auf die Kameraden zu zielen. Auf Schiffe, die das Wappen der SBVS trugen. Auf Jäger, die den ID-Code der SBVS ausstrahlten. Der Admiral saß angeschnallt in seinem Kommandosessel und wartete. Noch immer war er nicht bereit den Feuerbefehl zu geben. Stattdessen versucht er erneut das Gefecht abzuwenden.
„Rufen sie Commodore Garett auf der Petersburg.“
„Aye, Sir. Die Verbindung steht“, meldete der Kommunikationsoffizier.
„Commodore, ich will nicht auf sie Feuern. Wir haben gemeinsam mit General Kerensky die Innere Sphäre von Amaris befreit. Wir sind nicht soweit geflogen um jetzt aufeinander zu Feuern. Wir wollen nur die zivilen Sprungschiffe. Lassen sie uns diese aktivieren und wir werden wieder abziehen.“
Der Appell des Admirals blieb nicht unbeantwortet. Wenig später drang die Stimme des Commodores aus den Lautsprechern der Brücke der Missouri.
„Ich habe meine Befehle, und ich werde auf sie Feuern lassen, wenn sie nicht augenblicklich wenden.“
„Das kann ich nicht, Commodore. Wir benötigen diese Sprungschiffe.“
„Dann ist das Gefecht nicht zu vermeiden. Ich habe mein Vorgesetzten informiert, Verstärkung ist unterwegs. Sie werden diese Schiffe nicht bekommen. Niemals.“
„Sir, die Petersburg hat gerade zwei Marschflugkörper auf uns abgefeuert.“
Verdammt. Das wollte ich nicht.
„Fangen sie die Raketen ab. Befehl an alle Schiffe, Feuer frei.“
Auf seinem Sensorschirm verfolgte der Admiral wie die beiden Marschflugkörper unaufhaltsam näher kamen. Weitere Sensorkontakte erschienen auf dem Schirm, der Kreuzer der Sowjetski Sojus Klasse hatte seine Schiffsautokanonen abgefeuert. In wenigen Augenblicken würden die Granaten auf die schwer gepanzerte Hülle des Schlachtschiffes treffen. Etwas, was der Schwertwalmarschflugkörper nicht mehr schaffen würde. Dieser war gerade vom Sensorschirm verschwunden. Die Raketenabwehr hatte ihn erwischt. Wenigstens etwas erfreuliches, dachte der Admiral.
Auf seinem Sensorschirm sah der Admiral wie der Kreuzer wendete und seine Breitseite auf die Missouri ausrichtete. Ein Manöver, dass die Missouri spiegelbildlich unter dem Kommando von Commodore Napier zur selben Zeit ausführte. Der wesentliche Unterschied war nur der, das die Missouri schneller wenden konnte und erheblich schwerer bewaffnet war. Deutlich spürte der Admiral die Erschütterungen, die die Explosionen der einschlagenden Kaliber 20 Granaten der Petersburg durch den Rumpf der Missouri jagten, spüren. Aber kein Alarm erklang, die Hülle hatte die Treffer überstanden.
Ganz in der Nähe des Admirals saß saß der Captain der Missouri, Commodore Napier, in seinem Kommandosessel und befehligte das Schlachtschiff. Es war an der Zeit zurück zuschlagen. Die Batterien in den Breitseiten des Schiffes und an den Seiten hatten den nur halb so schwereren Kreuzer erfasst. 28 schwere Schiffs-PPKs und vier Schiffsautokanonen vom Kaliber 30 warteten auf ihren Feuerbefehl.
„Wir haben gewendet, Sir. Die Petersburg befindet sich direkt vor unserer Breitseite. Distanz 243 km“, meldete der erste Offizier mit ruhiger Stimme.
„Ms. Collin, feuern sie eine volle Breitseite auf die Petersburg.“ Der Captain würde die Gefahr für sein Schiff und seine Besatzung so schnell wie möglich beseitigen. Die schlanken Finger der Waffenoffizierin senkten sich auf den Knopf, mit dem sie an die Batterien den Feuerbefehl weitergab.
Aus den Türmen der schweren PPKs lösten sich lange Energieblitze die in Bruchteilen einer Sekunde die Distanz zur Petersburg überbrückten. Die tödlichen Energien schmolzen die Panzerung vom Rumpf des Kreuzers und stachen tief in das Innere des Schiffes. Flammen schlugen aus dem Schiff, die aber sofort vom Vakuum des Alls gelöscht wurden. Sekundärexplosionen sprengten weitere Teile der Hülle ab. Trümmer und Personen wurden aus den Breschen in der Hülle gerissen. Die Qualität mit der die Sensoren arbeiteten war nicht immer angenehm für die Betrachter. Commodore Napier hätte gerne auf diesen Anblick verzichtet. Schon zu oft hatte er sehen müssen, wie Menschen in die Tiefen des Alls gesogen wurden.
Die Petersburg schien außer Kontrolle zu geraten, langsam brach sie zur Seite aus und begann nach Backbord zu rollen. Sie war schwer beschädigt und es ging zu Ende. Die vier einschlagenden Granaten beschleunigten dies nur. Auf dem Rumpf flammten vier rotgelbe Explosionen auf. Große Teile der Hülle platzten einfach ab und wirbelten in das All. Erneut flammten Sekundärexplosionen auf. Viel kleiner als die von den Granaten, aber sie waren zahlreich. Immer tiefer fraßen die Explosionen sich in den Rumpf. Der Kreuzer war verloren. Ganz offensichtlich hatte dies auch die Besatzung erkannt. Auf dem Sensorschirm erschienen die ersten Rettungskapseln.
Weitere Energielanzen stießen tief in die Petersburg. Eine drang bis zum Treibstofftank vor. In einer gewaltigen Explosion verging die Petersburg. Nur noch durch die Unendlichkeit des Alls wirbelnde Trümmer und einige Rettungskapseln blieben vom stolzen Kreuzer zurück.
Den beiden anderen Schiffen war es nicht viel besser ergangen. Die Korvette trieb leblos durch das All und der Zerstörer hatte sich ergeben, nachdem er sich alleine und schwer beschädigt den acht Kampfschiffen gegenüber gesehen hatte. Auch die Landungsschiffe und Jäger hatten den Widerstand eingestellt und sich entweder ergeben oder Kurs auf den Planeten genommen. Diesen Kampf hatten sie gewonnen. Erleichtert lehnte sich der Captain der Missouri zurück und auch Admiral Montraville atmete erleichtert aus.
„Sämtliche Schadensberichte an die Brücke. Rufen sie unsere Jäger und Landungsschiffe zurück. Eine Staffel bleibt bis auf weiteres als Patrouille draußen.“
„Wie steht es um meine Flotte Commodore?“ fragte der Admiral.
„Sir, einen Augenblick bitte. Die Berichte treffen gerade ein.“ Einen kurzen Moment schwieg der Commodore während er die Berichte lass. „So wie es aussieht sind wir ganz gut davon gekommen. Nur eines unserer Schiffe, die Flandern, wurde erheblich beschädigt. Major Plummer rechnet damit, dass sie die Korvette in drei Tagen wieder einsatzbereit haben werden.“
„Gut. Die Techniker sollen sich sofort daran machen die Sprungschiffe zu reaktivieren. In spätestens sieben Tagen werden die Verstärkungen eintreffen, die Commodore Garett angekündigt hatte. Ich denke Admiral Tagawa wird uns seine gesamte Flotte schicken. Wenn es soweit ist möchte ich nicht mehr hier sein.“
„Aye, Aye, Sir.“ Der Commodore verzichtete darauf hinzuweißen, dass ihnen dies kaum gelingen würde. Selbst wenn es ihnen gelingen würde die Sprungschiffe wie geplant zu aktivieren, würden sie ihre Sprungantriebe noch aufladen müssen. Dies würde mehrere Tage, wohl eher eine Woche dauern. Es würde zu einem weiteren Gefecht kommen. Für den Commodore stand dies bereits fest, und er glaubte nicht, dass es erneut zu einem so leichten Sieg kommen würde.

-tbc-