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Lucy Ang Lee
10.05.2005, 13:11
If He´s Out There, We Will Find Him!
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Unsere Geschichte spielt sich im 30. Jahrhundert ab. Die Menschheit hat die Erde verlassen und den Weltraum besiedelt. Neue Technologien wurden hervorgebracht, neue ethnische Bünde entstanden. Die Raumfahrt ist weit vorrangetrieben worden und man kann etliche Lichtjahre in kürzester Zeit reisen.
Doch mit all ihren Wünschen und Ideen, hat sich eines nicht geändert. Sie nahmen ihre alten Konflikte mit und schufen Neue. Die Menschheit entwickelte sich durch die zahlreichen Kriege zurück. Demokratie, Selbstbestimmung, Meinungsfreiheit, all das ging verloren.
Wenige herrschen absolutistisch über viele. Das All wurde im Großen und Ganzen in fünf Bezirke eingeteilt. In jedem waltet ein Monarch.
Und alle bekämpfen sich über die Herrschaft der Generationen.
In dieser Zeit werden Kriege durch riesige Kampfmaschinen geführt - Battlemechs. Kriegsmaschinen auf zwei oder vier Beinen, meist humanoid, bis zu 12 Meter hoch. Waffenstarrend mit Tonnen von Panzerung. Mit einem Gewicht von bis zu hundert Tonnen. Es wurden Kampfpanzer entwickelt mit mehreren todbringenden Waffensystemen, ebenfalls mit bis zu hundert Tonnen Kampfgewicht.
Soldaten in Vollrüstungen, die ihnen erlauben schwere Waffen mit einer Hand abzufeuern und ebensolche zu überleben. Raumjäger welche im All aber auch in Atmosphäre sich bewegen und balgen können. Riesige Raumschiffe mit einer Feuerkraft die eine ganze Stadt in Schutt und Asche verwandeln können. Der Krieg hat sich wie immer weiterentwickelt, modernisiert, mechanisiert.
Divisionen von Infanteristen werden gegen Stahlgiganten verheizt. Bewaffnet mit minderwertigen Raketenwerfern und Sturmgewehren.
Doch in dieser Welt, in der man meint die Kriegstaktiken sind wieder jene epischen geworden, wie in Napoleonischen Zeiten, gibt es noch einige wenige Einheiten, die all dem wiedersprechen. Ohne Panzerung, bewaffnet mit Faustwaffen und Sprengstoffen operieren sie unabhängig auf den heutigen Schlachtfeldern. Nur wenige werden aufgenommen und nur wenige haben die Tauglichkeiten.
Trotz ihrer anscheinenden Unbedeutendheit, sind diese Einheiten Augen und Ohren der Kampfmaschinen. Sie springen aus Flugzeugen und Landungsschiffen, operieren geheimnisvoll hinter den feindlichen Linien. Sie liefern wichtige Informationen über den Kontrahenten und markieren wichtige, strategische Ziele.
Und es gibt die CSAR Einheiten - Combat Search and Rescue. Sie dienen der Kampfmoral und suchen Vermisste Soldaten. Hauptsächlich Piloten von Mechs und Jägern.
Ja viele von uns Mechkriegern schulden diesen Menschen ihr Leben. Diese Einheiten sind unsere Lebensversicherung in Momenten, an denen wir nie daran denken würden.
So wie es mir einst passiert ist. Ich werde den Moment nie vergessen und ich werde diesen Infanteristen ewig dankbar sein. Sie riskierten ihre Gesundheit und ihr Leben um meines zu schützen.
Doch beginnen wir von Vorne.
Ich bin Hauptmann Lukas Padberg von Mindelfingen. Ich kommandiere eine Mechlanze für die 8th Donegal Guards der Lyranischen Allianz. Und meine Geschichte spielt in der Zeit, als sich die beiden Reiche der Vereinten Sonnen und der Lyranischen Allianz in einem Bruder-Schwester-Krieg befanden.
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Lucy Ang Lee
10.05.2005, 13:22
Kathil, Anfang 3063
Wir waren als Spähtrupp in feindlichem Gebiet unterwegs. Wir fanden keine feindliche Stellungen oder Einheiten, die Mission war ein Misserfolg. Doch zu alledem kam noch, dass wir entdeckt wurden. Wir waren gerade auf dem Rückweg über die Grenze, wir hatten es fast geschafft, als eine Mittelschwere Mechlanze der Fusiliers uns aufspürte.
Noch bevor der Kampf begann, war er schon entschieden. Nach nicht mal drei Minuten war mein Bushwaker nur noch den Schrott wert, aus dem er gebaut wurde. Das Gyroskop war defekt, die Reaktorabschirmung auf ein Minimum reduziert und nachdem mich der Schleudersitz nach oben katapultierte explodierte die LSR-Munition.
Meinen Soldaten ging es nicht besser. Nur Leutnant Arvil Menghin gelang die Flucht, soweit ich es aus meiner Situation beurteilen konnte. Oberleutnant Engelhard und Sergeant Major Probst starben in ihren Maschinen, noch bevor sie sich hätten retten können.
All das ging zu schnell, die Fusiliers mussten uns aufgelauert haben. Eine ihrer Taktiken, für die sie so berühmt geworden sind.
Ich löste mich von den Gurten der Pilotenliege und benommen stand ich auf, Blut schmeckte ich in meinem Mund und langsam fühlte ich einen stechenden Schmerz. Der plötzliche, starke Druck der Rettungsautomatik, presste meine Kiefer so stark zusammen, dass ich mir beinahe die Zunge abgebissen habe.
Ich wünsche keinen Mechkrieger, diese Erfahrung machen zu müssen. Es ist grausam und zerrt mehr an den eigenen Körper als man für möglich hält.
All die Übungen sind kein Vergleich zu dem wie es in einem Schlachtfeld abläuft und all das was ich bis her erlebt hatte, ist nichts im Vergleich zu dem was noch kommen mag.
Ich zog den schweren Neurohelm vom Kopf, auch wenn dieser einen guten Schutz abgibt und man immer gesagt bekommt, man sollte seinen Neurohelm aufhaben, so ist es doch ein großes Gewicht und er ist bei weitem ungemütlicher als ein normaler Gefechtshelm. Also legte ich ihn ab, ich wollte auf der Flucht ein freies Blickfeld haben. Vor allem da ich noch gut 12 km hinter den feindlichen Linen war.
Nun stand ich da, alleine mitten im Feindgebiet. Der Gegner hatte gesehen, dass ich mich gerettet habe, schon bald würden Suchtrupps hier sein. Ich war verängstig und verärgert.
Wieso ich? Mein ganzes Leben lang bin ich ein Glückspilz gewesen. Ich habe brenzlige Situationen erlebt, für dich ich nichts konnte, und ich bin in Schwierigkeiten gesteckt die auf mein Konto gingen. Aber jedes Mal bin ich einigermaßen heil davon gekommen.
Ich holte die kleine Pistole aus dem kleinen Fach unter der Pilotenliege, sowie das Notfalsett.
Eine Pistole. Ich musste fast lachen. Was soll mir dieses kleine Ding groß bringen. Ich hatte genau acht Schuss, dann war Sense. Drei chemische Fackeln, sogenannte Cyalumes, mit der ich meinen Standort markieren konnte, falls Rettung eintraf. Durch knicken aktivierten sie sich. Ich aktivierte mein RESCBE (Rescue Beacon). Ein Peilsender, der den lyranischen Einheiten meine Position übermittelte und betete, dass die Geheimdienste Recht hatten, dass der Feind dieses Signal nicht entschlüsseln kann.
Weiter zog ich aus dem Fach eine Feldhose. Mechs entwickeln eine enorme Abhitze in einem Kampf. Diese Hitze bekommt man auch als Pilot zu spüren. Fast alle Mechkrieger tragen nur Shorts und die Kühlweste. Außerhalb des Cockpits ist dies etwas kalt. Vor allem da ich sehr verschwitzt war und wir gerade nicht die angenehmsten Temperaturen hatte.
Ich zog mir also eine Feldhose und eine Feldbluse über. Danach legte ich die Kühlweste wieder an. Immerhin bot sie einen Minimalen Schutz gegen Splitter. Bei weitem nicht das, was Infanterie Westen bringen, aber besser als nichts ist es allemal.
Langsam öffnete ich die kleine Tasche der Überlebensausrüstung. Sie war unbenutzt. Warum auch, das ist mein erster Ausstieg. Drinnen war Trockennahrung, ein Kompass, das lyranische Armeemesser, welches ein Multifunktionstool ist. Eine Signalpistole mit 2 Schuss. Verbände und Pflaster und eine handvoll Wasserentkeimungstabletten. Witzbolde dachte ich. Ich hatte nicht mal eine Trinkflasche dabei. Warum zum Teufel war hier keine Trinkflasche dabei? Herr im Himmel, ich sah schon Infanteristen mit zwei oder drei solcher Flaschen an der Koppel. Zusammen mit Becher und den Tabletten. Und mir gönnte man nicht mal eine.
In diesem Moment schwor ich mir, sollte ich hier jemals heil rauskommen, ich werde auf die Pistole verzichten und mir eine Trinkflasche einpacken.
Ich überlegte mir zurück zu meinen Mech zu gehen, dort wäre eine Thermoskanne. Doch das Risiko entdeckt zu werden war zu hoch. Ich sollte mich eh beeilen. Und die Düsen des Schleudersitzes, haben bestimmt einiges im Cockpit verbrannt. Warum also mein Leben riskieren, wenn ich nicht sicher war, ob die Flasche überhaupt noch existiert.
Ich hörte die Schritte der nahenden Mechs. Sie haben ihr Schlachtfest beendet und suchten nun nach mir. Schnell packte ich meine Ausrüstung zusammen und suchte das Weite. Ich rannte so schnell ich konnte und versuchte Deckung auf einem nahen Hügel zu finden. Die Landschaft hier war karg, kaum Vegetation, aber durchzogen von Felsbrocken. Was mir gute Deckung bot. Ich verkroch mich zwischen zwei Felsbrocken, sie boten mir Sichtschutz von Oben und von Unten. Ich entschloss mich nachts weiter zu gehen und in meinem Versteck liegen zu bleiben. Ich fror. Ich war verschwitzt von dem Mechkampf und von meinem Sprint. Hier oben pfiff ein kalter Wind zwischen die Felsen, welche mich schnell auskühlte.
Ich hörte wie ein Mech die Gegend durchsuchte. Er fand wohl die Pilotenliegen, mich aber nicht. Mechsensoren sind nicht dafür gebaut, einzelne Personen zu finden. Warum auch?
Das war mein Glück. Hoverfahrzeuge surrten einigen Stunden später an. Oder waren es nur Minuten. Ich weiß es nicht, ich hatte kein Zeitgefühl, Minuten dehnten sich für mich zu Stunden aus. Ich hörte die Stimmen von Soldaten. Langsam wurde die Kälte unerträglich und ich fing unweigerlich an zu zittern. Ich betete zu Gott, dass sie mich nicht finden sollten.
Eine Gefangenschaft bei den Fusiliers bedeutet nichts Gutes. Wenn man nur der Hälfte der Gerüchte über diese Einheit Glauben schenken darf, ist das schon genug um den Tod zu bevorzugen.
Ich hatte Angst, ich hatte in meinem ganzen Leben noch nicht soviel Angst. Ganz in meiner nähe hörte ich zwei Soldaten. Sie schienen die Sache zu meinem Glück nicht sonderlich ernst zu nehmen. Sie unterhielten sich über einen neuen Rennschweber und rauchten Zigaretten. Der Tabakduft strömte mir in die Nase. Ich spannte all meine Muskeln an, damit ich keinen Ton von mir gab.
Als sie weg waren, konnte ich das zittern nicht mehr zurückhalten. Mein ganzer Körper zitterte, ich schlotterte richtig. Ich machte mir Sorgen darüber, wie lange ich das durchhalten könnte. Ab wann unterkühlt der Körper so stark, dass man stirbt. Und ich hatte nichts zu trinken dabei. Die restliche Zeit, versank ich in Tagträumen. Wenn ich daran zurückdenke würde ich heute darüber lachen, aber ich träumte wirklich von Feldflaschen und Drinks, die ich an einer Bar zu mir nehmen würde.
Die Dämmerung setzte ein, und immer noch war kein Rettungsteam zu sehen.
Ich zog eine kleine Faltkarte aus meiner Oberschenkeltasche und nahm den kleinen Kompass aus der Überlebensausrüstung.
Ich verfluchte mich, dass ich in der Grundausbildung nicht besser aufgepasst habe, bei den Navigationsläufen. Ich werde doch Mechkrieger, äffte ich mich selber nach. Ich brauch das nicht, mein Mech hat ein Navigationssystem.
Also zitterte ich den kleinen Kompass hervor und versuchte mich krampfhaft daran zu erinnern, was meine letzte Position war.
Ich versuchte meine Position zu bestimmen, war mir aber nicht ganz sicher. Alles was ich wusste, ich war ca. 12km von der Grenze entfernt und musste nach Westen.
Lucy Ang Lee
11.05.2005, 22:43
Ich war die ganze Nacht durch die steinige Gegend gelaufen, immer Richtung Westen. Normalerweise sollte man 12 km in einer Nacht schaffen können. Aber anscheinend war ich ganz wo anders. Ich hatte mich verlaufen. Mehrmals versuchte ich fluchend die Position zu bestimmen. Zur Morgendämmerung war es schon ein Problem Karte und Kompass aus der Tasche zu holen. Meine Hände waren starr und so taub, dass ich die Finger kaum bewegen konnte. Es war höllisch kalt und mein Atem wurde in weißen Wolken sichtbar.
Vor einigen Stunden noch war ich ein Mechkrieger und steuerte eine der gefährlichsten Kampfmaschinen im besiedelten All. Ich war Offizier der Lyranischen Armee. Und jetzt? Jetzt bin ich ein armseliger Trottel, der nicht in der Lage war eine Karte zu lesen. Ich trank vor wenigen Minuten Wasser aus einer Pfütze, wie ein Hund. Das einzige was mich aufbaute, die Grenze musste im Westen liegen. Das war das einzige was sicher war.
Das Wetter verschlechterte sich immer mehr und es begann zu regnen. Langsam verlor ich meinen Glauben. Wenn es einen Gott gab, was habe ich dann verbrochen, dass er mir nur Steine in den Weg räumt? Und warum machte es ihm Spaß mich zu quälen?
Es war Zeit, dass ich mir ein Versteckt suchte. Die Landschaft war eben und sah aus wie eine Mondlandschaft. Der einzige windgeschützte Platz, war ein ausgetrocknetes Flussbett neben einer verlassenen Straße. Ich ging die ganze Nacht hindurch und war mit meinen Kräften ziemlich am ende. Ich fand eine geschützte Stelle im Flussbett und rollte mich eng zusammen um so wenig wie möglich an Körperwärme zu verlieren.
Zum Morgen hin schlug das Wetter um und die Sonne kam zwischen den Wolken durch. Es wurde nicht wirklich warm, aber die Sonnenstrahlen waren eine Wohltat, psychisch gesehen. Der eisige Wind pfiff unverändert weiter und ich war bis auf die Haut durchnässt. Das Flussbett gab mir nur bedingt Schutz vor dem Wind. Ich schaute aus dem Flussbett und sah zwei Kilometer im Westen Strommasten. Sie verliefen parallel zu einer anderen Straße. Auf dieser Straße scheint Verkehr zu sein. Ich konnte nicht erkennen was darauf fuhr, aber es waren vorwiegend Lastwagen. Ich glaubte mich daran zu erinnern, dass es die Straße war, die die beiden Grenzbezirke verband. Die 6. Syrtis Fusiliers sowie die Miliz schienen hier Truppen und Material zu den Stellungen an der Front zu transportieren. Ich war zumindest auf dem richtigen Weg. Doch die Geschäftigkeit, die weiter hin zur Grenze zunahm, gefiel mir gar nicht.
Ich rollte mich wieder zusammen, ich hatte zwar Angst zu schlafen, aber etwas Ruhe wollte ich mir dennoch gönnen bevor ich weiter ging.
Ich verfiel wieder in Tagträume. Ich dachte an zu Hause. An Jane. Ich habe sie bestimmt seit sieben Monaten nicht mehr gesehen. Wie mag es ihr gehen? Die letzte Holovidbotschaft ist schon einige Tage her, unser gemeinsamer Sohn feierte seinen dritten Geburtstag. Glücklich und lächelnd strahlte er im Holovid. Er freute sich riesig über den Spielzeugmech den er von mir bekam. Auch ihn habe ich seit sieben Monaten nicht mehr in den Armen gehabt. Ich kannte ihn kaum, durch diesen Bürgerkrieg war ich nur noch unterwegs, von einem Krieg in den nächsten. Ich habe erst einmal mit meinen Sohn Weihnachten verbracht. Er war nur wenige Monate alt. In dieser Zeit hatte er Probleme mit dem Einschlafen, was ich nicht so schlimm fand. Ich steckte ihn in lauter Decken und ging mit ihm im Kinderwagen drei Stunden in der Nacht spazieren. Ich genoss es mit ihm alleine zu sein. Schon in den ersten Minuten schlief er ein und ich betrachtete sein schönes Gesicht, die friedliche Stimmung wie r schlief. Als wir wieder heimkamen und ich ihn aus den Wagen hob, wachte er wieder auf, danach fuhr ich noch 2 Stunden mit ihm im Auto spazieren. Jedes Mal sah ich in den Rückspiegel und beobachtete ihn wie er schlief.
Ich bin so stolz auf ihn und nun sitze ich in einem Graben, weit weg von zu Hause und weiß nicht ob ich ihm das jemals sagen kann. Manchmal beneide ich Söldner, sie reisen mit der ganzen Familie von einem Schlachtfeld zum nächsten.
Lucy Ang Lee
14.05.2005, 12:59
Das Gemeckere von Ziegen riss mich aus meinen Tagträumen ich war verärgert darüber, versuchte mir eine bequemere Position einzunehmen, als ich erst spät erkannte was das bedeutete. Erschrocken fuhr ich hoch und spähte über den Rand.
Ich erschrak sehr, doch der Hirte der über mir stand genauso. Ich wusste nicht was ich machen sollte. Unsicher suchte ich nach meiner Pistole, doch meine Finger waren zu steif und ich bekam den Holster nicht auf.
Der Hirte, ein Mann im Alter von vielleicht sechzig Jahren, langen, dünnen Bart sah mich ängstlich und erschrocken an. Er gehörte zur Einheimischenbevölkerung. Die Bevölkerung auf Kathil bestand vorwiegend aus Asiaten.
Der alte Mann schrie mich an, doch ich verstand kein Kanton. Ich versuchte immer noch die Pistole zu ziehen und der alte Mann rannte davon. Ich habe noch nie soviel Angst in den Augen eines Menschen gesehen, wie in diesem Augenblick.
„Verdammt.“ Ich rieb meine Finger und machte mich auf den Weg. Schon bald würde es hier von Soldaten wimmeln.
Ich rannte das Flussbett entlang, kletterte heraus und rannte über die Straße, über den Straßengraben und weiter in Richtung Westen.
Meine Beine taten mir weh, doch das Adrenalin dämpfte den Schmerz.
Nach einigen Minuten stach die Lunge und mein Herz raste. Ich schwitzte. Wenigstens war mein Körper nun warm, aber er war auch am Rande seiner Leitungsfähigkeit. Ich sprang in einen kleinen Bach. Der Graben gab mir wenigstens etwas Deckung. Dort kroch ich entlang, bis ich Fahrzeuge auf der Straße hörte. Es waren Lastwagen mit Truppen an Bord. Zumindest hörte es sich so an. Denn ein Lastwagen blieb stehen und mit lauten Befehlen sprangen Soldaten raus. Sie sprachen alle Kanton, es waren nicht die Fusiliers.
Nach 300 oder 400 Metern sah ich eine kleine Brücke. Eine Stahlplatte war als provisorische Brücke über den Graben gelegt worden, so wie man es bei uns bei Straßenarbeiten macht. Ein Weg führte darüber, der zu der Hauptstraße führte, und damit zur Grenze.
Ich war sehr vorsichtig und stand vor der Entscheidung, weiterzugehen oder unter der Platte Schutz zu suchen.
Ich entschied mich abzuwarten, bis die Dunkelheit einbricht, und dann die Straße als Orientierung zu nehmen, um über die Grenze zu kommen.
Auf den Bau kroch unter die Platte, denn an dieser Stelle war der Graben nicht all zu tief. Ich kroch am Rand unter die Platte, auch wenn das nicht gerade bequem war, doch die andere Alternative war, mich in den kalten Schlamm zu legen. Ich dachte an Essen. Vielleicht würde ich den Proviant noch brauchen, aber dann war ich vielleicht schon in Gefangenschaft. Es war besser ich stopfte jetzt alles in mich rein, bevor man mir alles wegnahm. Ich holte den Alubeutel heraus, es war Steak. Ich riss den Beutel auf und aß es kalt mit den Fingern, danach schleckte ich mir den letzten Rest von dem schleimigen Zeug aus der Packung und von den Fingern. Zum Nachtisch ging ich mit den Lippen auf die Wasseroberfläche und sog ein paar Mal etwas Wasser ein. Ich studierte noch einmal die Karte um mit dem Anhaltspunkt der Straße meine Position zu bestimmen. Wenn ich mich nicht wieder täuschte, war ich lediglich 4 km vom Grenzstreifen entfernt, dann 2 km über Niemandsland und dann nur noch eine Patrouille finden. Aber schon ab dem Niemandsland sinkt die Gefahr einer Entdeckung enorm.
Als es hell wurde, hörte ich in der Entfernung Lastwagen und vereinzeltes Brüllen und Rufen, aber es war so weit weg, dass es mich nicht beunruhigte. Es war beinahe friedlich. Ich fing an zu zittern, und das Schütteln wurde so stark, dass ich es nicht mehr kontrollieren konnte. Meine Zähne schlugen aufeinander. Ich atmete tief und versuchte alle Muskeln so fest wie möglich anzuspannen. Aber es brachte nicht viel. Meine Situation war nicht die beste und so lag ich einige Stunden da.
Ich malte mir die verschiedensten Szenarien aus, wie ich bei Sonnenuntergang über die Grenze kam, reine Phantasien.
Es war schon abends, als ich hörte wie jemand über die Brücke ging. Ich hielt fast den Atem an. Ich reckte den Hals und sah zwei Sandalen, mit dreckigen gestreckten Zehen. Ich zog mich zurück, dann platschte ein Fuß in den Schlamm. Was sollt eich tun? Davonlaufen, ihn erschießen? Er bückte sich, um eine Pappschachtel aufzuheben, die mir im Graben nicht aufgefallen war. Es war eine weggeworfene Munitionsschachtel für 7.62er – Patronen. Das Kaliber der Capelaner. Also war hier die Miliz unterwegs, was mich nicht gerade erfreute.
Er verschwand aus meinem Gesichtsfeld. Die Schachtel landet wieder im Wasser. Offenbar war sie für ihn wertlos.
Ich lag da und lauschte auf die Geräusche. Ich lugte unter der Brücke hervor und sah nichts. Es war keine Wolke am Himmel und niemand in der Nähe, ich zitterte immer noch und überlegte, weiter zu gehen. Ich überlegte mir ob ich noch auf den Schutz der Dunkelheit warten sollte, oder gleich losgehe, wenn ich mich bewege, wird es wenigstens wieder warm.
Auf einmal donnerten mehrere Fahrzeuge mit einem ohrenbetäubenden Scheppern über die Brücke. Sie hielten an.
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