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Ares
28.02.2005, 17:13
Die Folgende Geschichte beschreibt die Geschehnisse des in Produktion befindlichen gleichnahmigen Mods. Stellen die scheinbar sehr kurz gefasst wurden, werden in Kombination mit den Filmsequenzen und dem Spiel klar.

Operation Fimbulwinter
Herbst 3061


Die Hangartore quietschten leise in der morgendlichen Dämmerung. Die 15 Meter hohen Rolltore der Mechgarage waren breit genug um eine komplette Lanze in Linienformation ausrücken zu lassen. Dadurch fiel der nicht ganz einen halben Meter breite Spalt aus der Entfernung kaum auf.
Einem Betrachter in kurzer Entfernung hingegen musste die einsame Gestalt auffallen, die allein in Kühlweste und Shorts durch die Reihen der stählernen Giganten lief.
Die Kampfstiefel hallten laut durch die ansonsten vollkommen stille und vor allem kalte Herbstluft, während sich die Person zielstrebig auf Bucht 23a zu bewegte.
Von dem 30 Stunden Tag der auf Imbross III herrschte waren erst 6 vergangen und die meisten Bewohner des Stützpunktes schliefen noch oder versuchten mehr oder weniger erfolgreich, das Ende ihres Wachdienstes auch wachend zu erreichen.
Die Person hatte ihr Ziel erreicht. Im schwachen Licht der Notbeleuchtung ragte ein 50 Tonnen schwerer Mech empor. Der Torso glich in Form und Farbe einem überdimensionalen grinsenden Totenkopf. Er schien durch die nachtschwarzen Extremitäten des Mechs in der Dunkelheit zu schweben.
Die Maschine vom Typ Ursus war die einzige ihrer Art auf der gesamten Basis. Präziser formuliert war sie wohl auch die einzige ihrer Art jenseits des Geisterbärendominions.
Der Mann mit den Kampfstiefeln verharrte fast andächtig vor der Maschine.
Sie beide hatten einiges gemeinsam. Zunächst einmal waren sie beide Clan, und beide waren sie der Inneren Sphäre in die Hände gefallen.
Ein leises Seufzen entrang sich dem Clanner. Der Ursus war eigentlich ein Modell der Garnisonsklasse. Allerdings hatte er sich schon mehrfach an vorderster Front behaupten müssen. Noch eine Gemeinsamkeit.
Die Konstruktion war solide. So solide, dass der Mech, obwohl ihm praktisch jede Gliedmaße amputiert worden war, wieder fast wie neu erschien. Hier endete zum Glück die Analogie.

Fast ein Jahr war es mittlerweile her, dass er mit seinem fast vollkommen zerstörten Mech auf dem Rücken liegend seine Niederlage eingestehen musste. Er hatte sich die Gefechts-ROMs angesehen. Es entbehrte nicht einer gewissen Komik. Allerdings nur aus der Sicht des Zeus, dessen ER-PPK auf den arm- und beinlos daliegenden Totenschädel zielte. Es war einer jener Momente gewesen.
Er hatte gewusst, dass er nun sterben würde. Sterben wie all die anderen tapferen Krieger, die glorreich gekämpft und gestorben waren - mit einer mehr oder weniger langen, nicht ganz so ehrenvollen Leidensphase. Er erinnerte sich an diese absolute Ruhe. Er hatte keine Angst empfunden. Um genau zu sein hatte er überhaupt nichts empfunden außer einer latenten Belustigung über die kleine, auf den Geschützlauf gemahlte Comickatze, die mit einem überdimensionalen Hammer nach einer Maus schlug.
Doch es war nichts geschehen. Die Schlacht war vorbei. Er erinnerte sich noch genau an die Worte, die dann aus seinem Funkgerät drangen:
„Ich bin Kommandanthauptmann Drake Voss. Ergeben Sie sich, Parder Krieger.“
„Ich bin Sterncommander Jack Nebelparder. Ich akzeptiere die Leibeigenschaft.“

Und nun war er hier. Die Arcturus Garde hatte genug Material gesammelt um seinen Mech wieder flott zu machen und Voss hatte ihn zu seinem Leibeigenen gemacht. Allerdings erst nachdem er Jack unmissverständlich zu verstehen gegeben hatte, dass es nur eine andere Alternative gab: Demilitarisierung.
Lieber wäre Jack gestorben, als das Leben eines Zivilisten anzunehmen.
Er hatte noch immer einen hellen Streifen an der Stelle, wo die improvisierte Leibeigenenkordel aus Isolierband befestigt gewesen war.
Aber heute war es so weit: Hunderte von Lichtjahren jenseits allem, was er jemals Heimat genannt hatte, wurde er nun als aktives Mitglied der Arcturusgarde gelistet und hatte die Erlaubnis, wieder als Mechkrieger zu dienen.
Der erhebende Moment hatte etwas gelitten, da Voss es Jack überlassen hatte, die Leibeigenenkordel selbst abzunehmen. Jack hatte den Verdacht, dass Voss sich dessen nicht mal richtig bewusst war, schließlich hatte er es auch Jack überlassen sich die Kordel anzulegen.
Aber jetzt war er kein Leibeigener mehr. Keine Hilfskraft, die mit Techs und Fußsoldaten zusammenarbeiten musste. Er war wieder Krieger und er hatte seinen Mech zurück.
Bedächtig kletterte er an der Gerüstleiter nach oben und öffnete das Cockpit. Bisher hatte er es erfolgreich geschafft, niemanden an die Kontrollen des Mechs zu lassen und Voss hatte es zum Glück auch davon abgesehen, den Mech einfach auszuschlachten.
Er begann die Startprozedur und kam schließlich zu dem Punkt, seine Identität zu bestätigen.
Die Techs hatten zwar dieses System umgangen, um den Mech normal zu nutzen. Es war ihnen aber nicht gelungen, an Jacks persönliche Einstellungen heranzukommen.
Lächelnd rezitierte er seinen persönlichen Codesatz:
„I will take what ever you throw at me and come back for more!“

Der Ursus erwachte zum Leben und die Systemdiagnose teilte Jack die Funktionsfähigkeit aller Systeme mit. Der Drang einfach loszulaufen und ein paar Feuerübungen abzuhalten war fast überwältigend. Aber Voss hatte ihm eine kurze Belehrung über die hiesigen Vorschriften gegeben. Also aktivierte er brav die Funkverbindung und wählte die Frequenz des diensthabenden Mastertechs, um den Ausflug anzumelden.
Dank digitalen Funks kam nicht einmal ein Rauschen als Antwort zurück.
Bedächtig verriegelte Jack die Beine und fuhr den Mech wieder herunter.
Gelassen ging er auf die Baracke zu, in der das technische Personal untergebracht war. Ein Blick auf den ausgehängten Dienstplan zeigte ihm das richtige Quartier.
Laut klopfte er gegen die Tür.
Ohne zu warten öffnete er und trat ein.
Ein verschlafen wirkender Mann mit Halbglatze stand in Shorts gekleidet neben seinem Bett und starrte ihn Ungläubig an:
„Sag mal, hast du sie noch alle? Was soll der Krach mitten in der Nacht? Mach, dass du aus meinem Quartier kommst, du dämlicher Penner.“
Diese Art von Beschimpfungen hatte Jack während seiner Leibeigenenzeit als durchaus angemessen betrachtet und nicht weiter beachtet. Jetzt war er wieder Krieger mit allen Pflichten und Rechten.
Ein boshaftes Grinsen zeichnete sich auf seinem Gesicht ab...

Drake Voss vergrub das Gesicht in seiner rechten Hand, während er in der linken einen starken Kaffee hielt.
„Leutnant Jack, bitte erklären Sie es mir noch mal. Nur noch ein einziges mal, bitte.“
„Wie ich schon sagte: Diese Techfreigeburt zollte der Würde der Kriegerkaste nicht genügend Respekt. Also habe ich disziplinarische...“
„SIE HABEN DEN MANN BEWUSSTLOS GEPRÜGELT UND IHN IN SHORTS AN DEN FÜSSEN ÜBER DEN HALBEN STÜTZPUNKT GEZOGEN!!!
Warum haben Sie das getan?!?“
„Nun Sir, ich musste feststellen, dass schieben ziemlich ineffektiv gewesen wäre...“
„Seien Sie still, ich kriege Kopfschmerzen, wenn ich weiter darüber nachdenken muss.
Ich entlasse Sie aus dem Arrest und Sie werden auch nicht degradiert. Aber so etwas kommt nie wieder vor, verstanden?“
„Pos, Sir.“
„Und hören Sie gefälligst auf so zu grinsen!“
„Pos, Sir.“
„Und jetzt verschwinden Sie, bevor ich meine Meinung ändere!“
„Pos, Sir.“
Als die Tür hinter Jack zuschlug, lehnte sich Voss in seinem Stuhl zurück. Von all den ihm bekannten Leuten, die Leibeigene genommen hatten, hatte er nie von solchen Problemen gehört.
Blöderweise hatte er die ganze Sache auf eigene Verantwortung angeleiert und bisher hatte er auch noch nirgends ein praktisches Handbuch zum Umgang mit Clanleibeigenen gefunden.
Da kam ihm die Idee. Wenn Jack schon ein so aggressives Verhalten an den Tag legte musste man ihm eben eine Beschäftigung geben.
Er würde Jack als seine persönliche Leibwache abstellen. Auf die Art würde er ihn im Auge behalten können. Und außerdem: Wenn sich dieser kleine Wichtigtuer von Davionprinz eine Nebelparderelementarin als Leibwächter halten konnte, dann konnte ER sich doch zumindest einen durchgedrehten Nebelpardermechkrieger halten.

Er stand auf und eilte Jack hinterher. Einen Moment blickte er ratlos die beiden Gänge entlang und entschied sich dann, den zu nehmen, aus dem das erstickte Keuchen eines Wachsoldaten erklang.
„Jack! Lassen Sie den Hals dieses Mannes los! Und auch seine Genitalien!“
„Pos, Sir. Keine Angst, ich hätte ihn nicht über den Hof geschleift“
„Jack, Ruhe! Ich kriege schon wieder Kopfschmerzen! Kommen Sie mit! Ich habe eine neue Beschäftigung für Sie...“

Es gab keinen Zweifel daran: Jacks Situation in seinem neuen Clan hatte sich beträchtlich verbessert. Es hatte sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen, dass der bisher so ruhige und duldsame Hilfstech über Nacht zu einem der gefährlichsten Männer des Stützpunkts geworden war. Techs überlegten es sich seit kurzem dreimal, was Sie von sich gaben und der eine oder andere Wachsoldat war dazu übergegangen, die offizielle Uniform durch ein gewisses Ausrüstungsteil aus dem Icehokeybedarf zu erweitern.

Voss war zu dem Schluss gekommen, dass es im Umgang mit Clannern weniger Probleme gab, wenn man einige grundlegende Regeln beachtete:
Die Kommandos mussten klar und einfach sein, damit ihm gar nicht erst einfallen konnte, eigene Interpretationen zu verwenden.
Es musste ihm genug Auslauf im Simulator und in den anderen Trainingseinrichtungen ermöglicht werden, um die Aggressionen im Zaum zu halten.
Ansonsten war es wichtig viel mit ihm zu reden und ihn in der Nähe behalten, um ihn zu integrieren.
Ganz einfach also.
Als es klopfte legte Voss das Buch über Hundeerziehung beiseite. Nach einem kurzen „Herein.“ trat Jack ein.
Voss’ Büro wurde von dem massiven Eichenschreibtisch dominiert, der so aussah, als könne er dem Beschuss kleinkalibriger Waffen standhalten. Eine riesige Karte von Imbross III an der Wand, sowie ein paar gekreuzter Schwerter darüber stellten den einzigen Schmuck dar, den Voss sich gönnte.
Mit einem Nicken bedeutete Voss Jack sich zu setzen, welches dieser geflissentlich ignorierte.
Den Ex-Nebelparder zierte eine kleine Schramme über dem linken Auge und die Knöchel der rechten Hand wiesen deutliche Abschürfungen auf.
„Guten Morgen, Jack. Wie war Ihr Tag gestern?“ grüßte Voss, der von mehreren Seiten eine ziemlich genaue Aufstellung dessen erhalten hatte was Jack getan hatte. „Ich meine den Teil des Tages den Sie nicht im Arrest zugebracht haben.“
„Guten Morgen Nova Captain Drake, ich muss gestehen es gab einen kleinen Zwischenfall mit Mechkrieger Raimond.“
„Ach, Sie meinen nicht zufällig Raimond van Deeken, der Sohn von Duke Robert van Deeken?“
„Pos, ich glaube das waren die Namen die er gewimmert hat.“
„Jack wieso kam es zu diesem „Zwischenfall“?“
„Nun, Mechkrieger Raimond war der Ansicht der Platz an dem ich mein Essen in der Messe zu mir nahm, würde ihm zustehen. So wie auch der Platz daneben und der daneben und der daneben... Effektiv verlangte er von mir die Offiziersmesse zu verlassen.
Ich nahm die Herausforderung zu diesem Besitztest an und ging mit ihm in den Kreis der Gleichen.“
„Ah ja, mir wurde gesagt dass Sie auch noch den Boden mit Salatöl beschmiert haben“
„Seine Kameraden hatten sich leider geweigert einen Kreis zu bilden. Ich musste improvisieren“.
„Verstehe. Nun es wird Sie sicher freuen zu hören, dass die Rippe nur angebrochen ist und seine Nase wieder hergestellt werden kann.
Jack, ich sage das jetzt zum letzten Mal: Hören Sie auf beständig Mitglieder meines Stabes zu verprügeln! Darin schließe ich ein: Duelle mit scharfen Waffen und vor allem Duelle mit scharfen Mechs.“
Jacks Gesicht war starr bei diesen Worten und er visierte mit den Augen einen Punkt etwa 10 cm neben Voss linkem Ohr an.
„Pos, Nova Captain Drake“
„Wenn Sie Probleme haben, reichen Sie bei mir eine schriftliche Beschwerde ein und ich werde mich darum kümmern“ Bei diesen Worten deutete er auf einen etwa 5 cm dicken Stapel Papiere, der säuberlich gestapelt am Rand lag.
„Ich muss zu einer Besprechung mit Lord Donahugh. Da ich nicht annehme, dass eine Soldkürzung oder ein Ausgangsverbot viel Eindruck auf Sie machen würde, ergreife ich hiermit diese disziplinarische Maßnahme: Sie bearbeiten jede dieser Beschwerden schriftlich, erstellen eine stichpunktartige Zusammenfassung und geben Rückmeldungen heraus.
Noch irgendwelche Fragen?
Nein?
Hier sind die Dienstvorschriften falls irgendwelche Unklarheiten bestehen, wie sie einzelne Fälle zu behandeln haben.
Ich bin in etwa 3 Stunden zurück.“
„Pos, Nova Captain.“

Mit unterdrücktem Erstaunen betrachtete Voss einige Momente lang, wie Jack sich hinter den Schreibtisch setzte und gehorsam anfing die einzelnen Beschwerden zu bearbeiten. Die meisten waren sowieso über ihn, da fand es Voss nur fair, dass Jack sich auch damit herum schlagen musste. Die Unterredung nahm ihm ohnehin schon mehr als genug seiner knappbemessenen Zeit. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, dachte er fröhlich.

Voss kehrte mehr als nur ein wenig zerknirscht von der Unterredung zurück. Als er seine Bürotür öffnete, saß Jack recht entspannt hinter dem vollkommen leeren Schreibtisch und war vollkommen vertieft in die Dienstvorschriften.
„Interessante Lektüre?“
„Pos, mein Nova Captain. Ich stelle fest, dass sich diese Vorschriften in vielen Punkten nicht all zu sehr von denen der Nebelparder unterscheiden, auch wenn ich einige Dinge nicht vollkommen verstehen kann.“
„Gut, gut. Haben sie alle Beschwerden bearbeitet?“
„Pos. Fast alle hatten Formfehler, so dass ich sie, mit Verweisen auf die entsprechenden Vorschriften sowie die korrekten Schritte zur Anforderung von Beschwerdeformularen, welche auf den Seiten 4-7 der Dienstanweisungen beschrieben werden, zurücksenden konnte.“ Ein Grinsen machte sich auf Jacks Gesicht breit.
„Jack?“
„Ja, Nova Captain?“
„Ich hatte vergessen, Ihnen zu verbieten, Bürokratie als Waffe einzusetzen, stimmt’s?“
„Pos, Nova Captain“
„Wie dem auch sei, Lord Donahugh verlangt von mir, dass ich Manöver im Argyletal abhalte, - direkt an der Grenze zu den Schutztruppen des Sternenbundes. Ich möchte mir gar nicht ausmalen zu was für Zwischenfälle es bei dieser angespannten Lage kommen könnte.
Und bevor Sie fragen Jack: Nein, Sie werden nicht teilnehmen, sondern mich begleiten. Sie sind als mein Leibwächter abgestellt. Gewöhnen sie sich dran. Zumindest bis ich sicher sein kann, dass Sie nur noch die Feinde der Arcturusgarde auseinandernehmen und nicht auch ihre Kameraden.“
„Pos, mein Nova Captain“ Für einen Moment verspürte Voss so etwas wie Mitleid für Jack, der zwar Haltung bewahrte, dem aber die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand. Andererseits, dachte er sich, mit ihm hätte auch niemand Mitleid, wenn er die Verantwortung für einen Nebelparderkrieger übernehmen müsste der bei den Schlangen Amok läuft.
„Also los Jack. Wir haben viel zu tun. Sie können doch Autofahren, nicht war?“
Für eine Sekunde entglitten Jacks Züge und er sah aus wie jemand der gerade dabei ertappt wird wie er den letzten Keks aus der Dose stibizt. In Jacks Fall auch wie derjenige, der stattdessen eine Mausefalle darin platziert. Aber er hatte sich fast genauso schnell wieder unter Kontrolle.
„Pos, mein Nova Captain. Ich habe auf Garstedt als Mitglied der friedensichernden Einheiten gearbeitet und dort mit Radfahrzeugen etwas Erfahrung gesammelt.“
„Im Ernst, sie waren bei der Militärpolizei auf einem Kuritaplaneten?“
„Ich war seit meinem 11. Lebensjahr in der Besatzungszone der Nebelparder.“
„Interessant, dann haben sie ja die Hälfte ihres Lebens in der inneren Sphäre verbracht, ich dachte immer sie wären von Diana. Schließlich habe ich Sie dort auch geschnappt.“
„Ursprünglich stamme ich auch von Huntress - wie alle wahren Nebelparder. Aber ich wurde im Zuge der ersten Verstärkungswelle in die Innere Sphäre überstellt.“
„Gut, dann sind Sie hiermit auch als mein Fahrer eingeteilt.“ Und du bist ausreichend beschäftigt, keine weiteren Dummheiten anzustellen, dachte Voss.

Jack zeigte mehr Erfahrung mit dem Geländewagen, als Voss erwartet hätte und sie ließen die Kaserne zügig hinter sich.
„Sir, wohin fahren wir eigentlich?“
„Richtung Argyletal. Wohin sonst.“
„Wenn ich die Karten richtig im Kopf habe sind das fast 200km...“
„Deswegen biegen sie auch hier links ab, ich habe einen Suborbitalflieger geordert, wird also keine 10 Minuten dauern.“
Tatsächlich wartete ein kleiner Hopper mit geöffneter Ladeklappe und laufenden Triebwerken auf dem Flugfeld hinter der Kaserne.
Als Jack Anstalten machte auszusteigen, sagte Voss:
„Nicht notwendig, wir werden samt Fahrzeug angeschnallt“
„Sir, warum verlangt dieser Lord, die Manöver in diesem kritischen Gelände abzuhalten?“
„Tja Jack, offiziell wegen der fordernden Umgebung und der praktischen Lage.“
„Und inoffiziell?“
„Weil er die Kuritaschutztruppen beleidigen und reizen möchte“
„Das klingt für mich nach einem durchaus legitimen Ansinnen.“
„Ja, und genau das sollte für uns alle Grund genug sein, davon Abstand zu nehmen.
Aber ich dachte Sie seien im Draconis Combinat aufgewachsen?“
„Pos Sir, aber das Verhältnis der Eingeborenen zum Clan war ausgesprochen unfreundlich.“
„Unfreundlich im Sinne von Unhöflich?“
„Neg. Unfreundlich im Sinne von Bombenanschlägen auf Mitglieder der niederen Kasten, Überfälle auf Lazarette und nicht zuletzt Mordanschlägen auf die friedenssichernden Ordnungskräfte.“
„Warst du da schon Mitglied der Militärpolizei?“
„Pos. Ich bekleidete den Rang eines Inquisitors“
„Was hat der für Aufgaben?“
„Befriedung von Verbrechen ohne oder mit nur geringer militärischer Bedeutung, Verfolgung von subversiven Elementen, schwerer Waffeneinsatz und Taktik.“
„Sollte das nicht „Spezialwaffen und Taktik“ heißen?“
„Neg. Das örtliche organisierte Verbrechen hatte starken Zugriff auf Ausrüstung und Waffen der Kriegerkaste. Sie zögerten nicht, sie gegen uns oder Zivilisten einzusetzen.“
„Wie wurden diese Probleme gelöst?“
„Die Verantwortlichen wurden gestellt, abgeurteilt und exekutiert...
oder zum Arbeitsdienst überstellt.“
„Ich weiß ja, dass bei euch Clannern alles ein bisschen schneller geht, aber Sie können doch sicher kaum über 18 Jahre alt gewesen sein, als Sie dort angefangen haben?“
„Pos, Ich hatte diese Stelle inklusive meiner Ausbildung für 3 Jahre bekleidet. Solange bis durch den Angriff des Sternenbundes eine Aktivierung aller Krieger nötig wurde, was zu dem Ihnen bekannten Ausgang auf Huntress führte.“
Voss wartete vergeblich auf weitere Ausführungen. Irgendetwas sagte ihm, dass Jack ihm ein kleines Detail verschwieg. So etwa von der Größe eines Mechs der Sturmklasse aufwärts.
Er beließ es jedoch für den Moment dabei, da der Gleiter in den Sinkflug ging und sich nach einigen Momenten Schwerelosigkeit und anschließendem erhöhtem Anpressdruck die Heckklappe öffnete und die Verankerungen lösten.

Die Straßen hier waren schlecht und Jack musste sich sichtlich anstrengen den vielen Schlaglöchern auszuweichen. Östlich erstreckte sich eine weite Fläche von Feldern auf denen vereinzelt Agromechs oder andere Feldmaschinen zu sehen waren. Vornehmlich waren sie damit beschäftigt Pflanzenschutzmittel auszubringen. Östlich begannen die Argylewälder, in denen auch die Minengebiete lagen, die für das Manöver genutzt werden sollten.
Nach etwa 20 Minuten Fahrt brach Jack das Schweigen:
„Das Manöver wird diesen Niederkastlern nicht gefallen, franeg?“
„In der Tat, aber daran ist nichts zu ändern.“
„Die Wälder scheinen nicht allzu dicht zu sein. Für Mechs ist hier ideales Terrain, ab wo beginnt die Kuritazone?“
„Siehst du den Gebäudekomplex dort am Ende der Straße?
Das ist der Funkvorposten der SBVS. Um den müssen unsere Soldaten einen großen Bogen machen, oder wir kriegen Probleme.“
„Gilt das auch für die Niederkastler die vor den Toren des Stützpunkts ein Feuer entzündet haben?“
„Scheiße! Jack geben Sie Gas.“

Der kleine Stützpunkt, der eigentlich nur mit Funkern besetzt war, um anfliegende Landungsschiffe der SBVS auf die richtigen Felder zu lotsen, hatte sich spontan zu einem Ort des Austauschs kultureller Identitäten gewandelt.
Weniger blumig ausgedrückt: Lyraner beschimpften Draconier, Draconier spielten bedrohlich an ihren Waffen herum.
Mit quietschenden Reifen kam der Geländewagen zum stehen und Voss sprang heraus. Aus der Nähe war erkennbar, dass das Feuer in Wirklichkeit eine brennende Mülltonne war, in der allerlei stinkendes Brennmaterial verfeuert wurde.
Einige Leute hielten selbstgemachte krakelig beschriftete Plakate in die Luft, die von ehrlichem Volkszorn zeugten und in einigen Fällen auch von ziemlich mangelhafter Grammatik.
Voss ignorierte den Sprechchor und drängte sich grob durch die Menge zu deren mutmaßlichen Anführer, der mit einem Megaphon immer wieder Texte der Plakate wiederholte:
Kuritas raus, Runter von unserem Land, Erntenvernichter verschwindet...
Die Litanei stoppte abrupt als Voss dem Mann das Megaphon aus der Hand riss.
„Seid ihr des Wahnsinns? Das ist militärisches Sperrgebiet, noch ein paar Meter weiter und diese Truppen hätten jedes Recht euch nieder zu schießen!“
Und einer Eingebung folgend meinte Voss noch:
„Ist keiner bisher auf die Idee gekommen, dass diese Draconier Eure auf deutsch gehaltenen Proteste überhaupt nicht verstehen können?“
Einige Leute schauten bei diesen Worten tatsächlich betreten auf ihre Plakate, die Mehrzahl jedoch ignorierte dieses Argument geflissentlich mit Gemurmel das sich in etwa als: „Ignorante Schlangen, sollen wir uns etwa denen anpassen?“ zusammenfassen ließ.
Voss schüttelte innerlich den Kopf, doch bevor er weiter sprechen konnte meldete sich der just so brutal in seiner Redefreiheit beschnittene Anführer:
„Diese Schlangen trampeln mit ihren Mechs auf unseren Feldern herum und versauen den Leuten hier die Ernte.“
„Das ist doch noch kein Grund hier Feuer zu legen und zu randalieren.
Geht nach Hause Leute bevor es Ärger gibt. Ich bin Kommandant Voss von der Arcturus Garde und ich rate ihnen dringend...“
Zu was Voss ihnen raten wollte, sollte der Mehrzahl der Leute unbekannt bleiben. Ein harter Tritt traf ihn am Rücken, die Welt drehte sich um 90 Grad. Kaum hatte sein Gehirn diese Information verarbeitet, schlug etwas mit einem satten Knall am Boden auf, gefolgt von einem herzhaften Knacken und einem spitzen Schmerzenschrei. Ziemlich irritiert sah Voss den faustgroßen Ziegelbrocken an, der ihn um Haaresbreite verfehlt hatte.
Als er sich aufrappelte sah er Jack, der einen der Zivilisten in einem ziemlich brutalen Armhebel zu Boden drückte.
Der Winkel, in dem dieser dabei abstand, ließ auf eine ausgekugelte Schulter schließen.
Bevor sich jedoch ein Mob auf den jetzt ziemlich einsamen Clanner stürzen konnte, holte das Geräusch von Schüssen alle beteiligten Parteien wieder auf den harten Boden der Realität zurück.
Am Tor des Stützpunktes stand ein draconischer Offizier, der ein Sturmgewehr in die Luft gerichtet hatte.
In lautem, klaren Englisch verkündete er:
„Diese Versammlung ist mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Bei zuwider Handlung werden wir auf Grundlage der Statuten der SBVS Zwangmaßnahmen zur Befriedung und Sicherung der öffentlichen Ordnung einsetzen.“
Wesentlich zum Verständnis dieser komplexen Ansprache trug das halbe Dutzend Wachsoldaten bei, die am Tor mit präsentierten Waffen Stellung bezogen hatten.
Dank dieses Stimulus erinnerten sich viele Demonstranten plötzlich an dringende Termine, denen sie sofort andernorts nachgehen mussten.
Der Mob löste sich auf. Zurück blieb nur ein demoliertes Megaphon, Voss, Jack und ein leise wimmernder Ex-Steineschmeißer.
„Lass ihn los, Jack, der hat genug.“

Voss wandte sich dem Offizier am Tor zu und nickte ihm knapp aber nicht unfreundlich zu. Dieser erwiderte die Geste mit einer angedeuteten Verbeugung.
Voss und Jack begaben sich zurück zum Wagen und machten sich auf den Rückweg.
„Sind Sie unverletzt, Sir?“
„Ja Jack, bin ich. Du hast schnell reagiert. Ich habe gar nicht mitbekommen, was genau passiert ist.“
„Ich sah nur eine Ausholbewegung und gab Ihnen einen Tritt um sie aus der Schussbahn zu bringen.“
„Das heißt, du wusstest gar nicht ob er etwas werfen wollte, oder ob er auf mich zielte?“
„Pos, aber ich hielt abwarten für die schlechtere Alternative.“
„Tja, manchmal hat deine Ungeduld auch ihre guten Seiten. Aber war es wirklich nötig dem Mann die Schulter auszukugeln?“
„Absolut. Der Angriff auf ein Mitglied der Kriegerkaste muss mit äußerstem Nachdruck unterbunden werden.
Außerdem verlagerte sich so die Aufmerksamkeit dieser Freigeburten weg von ihnen und Sie waren aus der Schusslinie.“
„Und stattdessen standest du darin“, dachte Voss. Laut sagte er:
„Du nimmst deine Aufgabe als Leibwächter ernst, nicht wahr?“
„Pos, das Wesen des Kriegers verlangt absolute Aufopferung für den Clan und die Einheit, - unabhängig von eigenen Vorlieben und Wünschen.“
Dem wusste Voss nichts zu entgegnen. Gedankenversunken starrte er auf die vorbeiziehenden Landschaft des Argyletals.

Das Schweigen wurde von Jack erst gebrochen, als sie schon wieder im Hopper waren:
„Diese Niederkastler waren nicht nur um ihre Ernte besorgt, frapos?“
„Wie kommst du darauf?“
„Sie hatten einen Anführer, der kein Landarbeiter war.“
„Und woran hast du das erkannt? Hatte er zu saubere Schuhe, keine Schwielen an den Händen oder eine zu kultivierte Aussprache?“
„Neg, er hatte seinen Zutrittsausweis um den Hals. Der Mann arbeitet in der Hauptstadt bei der Palastwache.“
„Oh, na gut. Idioten wie den gibt es überall. Gott sei Dank ist nichts passiert. Abgesehen davon, dass du mich in den Dreck gestoßen hast. Danke übrigens dafür.“
„Es war mir ein Vergnügen, Nova Captain.“

Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Voss hatte schon einige Manöver organisiert, aber selten welche die praktisch in Feindgebiet stattfanden. Alle waren angespannt und schienen es gar nicht erwarten zu können, Flurschäden im Argyletal anzurichten. Deren Dimensionen würden die Spuren der Kuritas wie einen Teelöffel zu einem See erscheinen lassen würde. Das Wort See brachte ihn dazu sich eine mentale Notiz zu machen kein hiesiges Bier zu kaufen, sollte es wieder zu einem so großen Kühlmittelleck wie beim letzten Mal in der Nähe der Kornfelder geben.
Jack hatte sich erstaunlich ruhig verhalten - für seine Verhältnisse. Wie es schien hatte er im Simulator Pech gehabt, oder er hatte auch nur den Mund zu voll genommen. Immerhin hatte er zwei der vier Mitglieder seiner Lanze besiegt. (Voss hatte ihm die Bitte gewährt und ihn einen Stern aus fünf Mechs bilden lassen). Es hatte zwar einiges an Murren gegeben, aber Jacks Fähigkeiten und Erfahrungen waren mehr als ausreichend, ihm ein Kommando im Rahmen seiner früheren Position anzuvertrauen.
Voss hatte ihm jedoch kategorisch untersagt, das Training mit realen Mechs und Waffen zu wiederholen. Selbst wenn die Techs an seinem Simulator herumgepfuscht hätten. Ansonsten lief innerhalb seines Sternes alles glatt Niemand hatte sich über ihn oder seinen Führungsstil beschwert. Dabei interessierte es Voss nicht sonderlich, ob dafür ein „nicht wollen“ oder ein „nicht trauen“ verantwortlich war.
Die restliche Dienstzeit jedenfalls hatte Jack sich in seiner Nähe aufgehalten und ihm sogar bei der Administration geholfen, was in Voss Augen ausreichte um Jack ein gewisses Maß an Exzentrität zuzugestehen.

So kam es, dass Voss mit recht entspannter Laune das Manöver von seinem fahrbaren HQ aus überwachte. Jack und sein Adjutant Maier waren bei ihm und überwachten den Verlauf des Manövers auf dem Holoprojektor.
Momentan war eine Lanze Scoutmechs dabei, sich von einer Mittelschweren Angriffslanze zu lösen. Da das ganze in unmittelbarer Nähe stattfand, entschied sich Voss den Feldstecher zu nehmen und das ganze Spektakel live anzusehen.

Auf einem Hügel in der Nähe sah er auch schon seine beiden ranghöchsten Offiziere, Kommandant Samantha Raily und Hauptmann Bernhard Hoffman, die ebenfalls mit Feldstechern bewaffnet dem Geschehen folgten.

Erst jetzt fiel ihm das Kamerateam auf, das diese günstige Lage ebenfalls erkannt hatte.
Er erkannte die hübsche Brünette als Christina Shaw, eine Reporterin, die für Comstars Presseagentur arbeitete. Neben ihr stand ein Mann, den Voss nach einigem überlegen als Hagen York, ein hiesiger Journalist, identifizierte.

Voss kam gerade dazu als der Kameramann mit den Fingern von fünf abwärts zählte:
„Drei ... Zwei ... Eins ... Du kannst.“
Die Reporterin fing an:
„Seit dem Ausbruch heftiger Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der Archon-Prinzession Katharina Steiner und ihrem Bruder Victor Steiner-Davion, dem Präzentor Martialum ComStars, unserer Agentur, hat sich die Aufmerksamkeit auch auf diese Region nahe Terra, den sogenannten Daumen um den Planeten Lyons, konzentriert. Wie alle Planeten dieser Region wurde auch Imbross III, auf dem wir uns befinden, bis zur Entspannung der innenpolitischen Lage der Verwaltung des Draconis Kombinats unterstellt. Mr. York, als alteingesessener Beobachter der örtlichen politischen Verhältnisse, können sie uns die Gefühle der Bevölkerung angesichts dieser Maßnahme schildern?“
York brachte sich bei diesen Worten in Positur und antwortete:
„Natürlich, Frau Shaw. Victor Steiner-Davion hat eindeutig gezeigt, dass seine ganze Rhetorik um Selbstbestimmung und Menschenwürde nichts als leere Phrasen sind. Nur um seine Ziele voranzutreiben, wirft er uns dem Drachen des Kombinats zu Fraß vor.“
„Aber warum sollte Victor so etwas machen? Schließlich gehört doch auch Imbross III zu jenem Herrschaftsgebiet, um den der Konflikt mit seiner Schwester sich dreht.“
„Nun, Frau Shaw, wie wir schon während der Clan Invasion gesehen haben, sind wir Lyraner den Davions eigentlich völlig egal und nur als Pufferzone gut genug. Wir sind ja bloß Teil der lyranischen Allianz. Wären wir Teil der Vereinigten Sonne, dann könnten sie sicher sein, dass alle Regimenter der AVS und wahrscheinlich noch ihre ComGuards gegen das Kombinat losschlagen würden, wenn Kurita auch nur eine Davion Welt schief ansieht. Aber uns kann man ja verraten und verkaufen, um sich von einer Invasion des Kombinats freizukaufen.“
„Aber der endgültige Status des Lyons Daumens ist ja noch nicht entschieden. Schließlich wurde dem Sternenbund ein Mitspracherecht bei der Verwaltung eingeräumt.“
„Das ist wohl nur eine Frage der Zeit. Schließlich wissen wir alle wer derzeit der erste Lord ist und mit wem Victor seine Freizeit verbringt. Was glauben sie, wen mag er da lieber...“
In diesem Moment bemerkte Shaw Voss und zeigte ihr hohes Maß an Professionalität als sie sofort auf ihn zu schritt und sagte:
„Hier bei mir steht auch Kommandanthauptmann Drake Voss, der derzeitige Kommandeur der 5. Arcturusgarde, die im Moment hier im Argyletal ein Manöver abhält.
Kommandant Voss, könnten Sie uns bitte einige Fragen beantworten?“
Sie hatte genau das richtige Tempo benutzt um Voss für einen Moment aus dem Konzept zu bringen, so dass er meinte:
„Ja natürlich, Frau äh.. Shaw.“
„Herr Kommandanthauptmann, verschiedene politische Beobachter, sowohl auf Imbross III als auch von Außerhalb, halten ihre Manöver angesichts der derzeitig angespannten Lage im gesamten Lyons-Daumen, sowohl von der Wahl des Zeitpunkts, als auch von der des Ortes her, für eine gezielte Provokation gegenüber den Sternenbund-Friedenstruppen. Welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Zurschaustellung militärischer Macht in der Nähe des 4. Dieron Regiments?“
Voss hatte schon etwas derartiges erwartet und brachte mit einem diplomatischen Lächeln seine einstudierte Antwort hervor:
„Ja, ich habe auch von solchen Spekulationen gehört. Aber das hat natürlich nichts mit der Realität zu tun. Die Kämpfe mit den Clans, obwohl so überaus erfolgreich, haben uns doch einen horrenden Blutzoll abverlangt. Das 2. Bataillon musste in großen Teilen neu aufgestellt werden. Und so sehr ich vollstes Vertrauen in die Fähigkeiten und die Motivation meiner Leute habe, so bildet doch ein umfassendes Training die Grundlage für eine erfolgreiche Truppe.
„Aber warum im Argyle-Tal? Die Lager der Sternenbund Friedenstruppen liegen in einer Entfernung, welche die meisten Mechs in unter einer Stunde zurück legen können. Und warum jetzt? Es haben doch innerhalb der letzten Wochen die Proteste gegen die Kombinatstruppen massiv zugenommen.“
„Unser 2. Bataillon hat eine Tradition während des Herbstes Übungen abzuhalten. Das wurde schon bei Stationierungen auf anderen Planeten praktiziert. Gerade das Argyle Tal bietet zu dieser Jahreszeit eine hervorragende Übungsumgebung. Das widrige Wetter hier im Norden so wie das abwechslungsreiche, bergige Gelände fordern von unseren Leuten ihr ganzes Können und die vollste Aufmerksamkeit. Ein Kommandant kann sich keine besseren Voraussetzungen für ein Manöver wünschen.“
„Jedoch scheint die örtliche Bevölkerung nicht ganz erbaut von ihrer Anwesenheit zu sein. Die Vereinigung der landwirtschaftlichen Produzenten hat gegen die Manöver zu diesem Zeitpunkt protestiert. Die Farmer fürchten, dass die Aussaat der Imbross-Gerste verzögert, ja gar unmöglich gemacht wird.“
„Während der Vorbereitungen auf diese Übungen haben wir uns natürlich mit dieser Frage beschäftigt. Aber nach Konsultationen mit Experten des Landwirtschaftministerium sind wir zu dem Schluss gekommen, dass nach dem Ende der Übungen noch mindestens eine Woche Zeit für die notwendigen Arbeiten bleibt.“
Tatsächlich hatte es mehr als einige kleine Gefallen benötigt um diese Einigung zu erzielen. Die üblichen Reparationszahlungen und eine Mindestabnahme des Getreides zum Festpreis waren nur die Spitze davon.
Shaw wollte noch weiter nachhaken, als Voss von seinem Adjutanten der sich unbemerkt genähert hatte unterbrochen wurde.
„Sir, das müssen Sie sich ansehen. Es ist wichtig... und vertraulich!“

Während des Interviews waren Jack und Maier allein zurückgeblieben und Jack übte sich in der ihm etwas fremden Kunst des Smalltalks:
„Das Manöver läuft wie geplant, frapos.“
Maier, der etwas gelangweilt in einer Novemberausgabe 3060 von Mechs’n Babes blättere, sah nicht hoch als er antwortete:
„Ja, aber wir müssen am Sektor A/6 aufpassen.“
„Weil dort die Dobermannlanze an der Sicherheits-Zone pattrouliert, frapos?“
„Jepp, die Stelle ist tückisch“
„Weil dort der Fluss eine scharfe Biegung macht und Dobermann auf die falsche Seite gezwungen wird wenn sie der Stellung bei A/7 entgehen wollen und sich zwei Pattroulien der SBVS der Stelle nähern, frapos?“
„Ja, woher wissen Sie das? Haben Sie eine taktische Überprüfung des Geländes vorgenommen?“
„Neg, das Erwähnte ist nur gerade eben passiert...“

Voss und sein Adjutant entfernten sich einige Meter von dem Kamerateam und Shaw signalisierte ihrem Kameramann den Abbruch der Aufnahme, indem sie einen Daumen über ihre Kehle zog.
Der Kameramann fing leise an zu singen:
„Jemand will nicht reden, jemand will nicht reden...“
Shaw warf ihm einen genervten Blick zu und sagte:
„Da drüben läuft das Manöver. Mach doch mal ein paar Aufnahmen fürs Archiv.“
Bevor der Kameramann jedoch seine Kamera in Stellung bringen konnte hörten sie Voss rufen:
„Raily, Hoffman .. Stabsbesprechung. Sofort!“
Die Offiziere stürmten praktisch in das HQ und ließen das verdutzte Kamerateam zurück.
In Situationen wie diesen konnte man erkennen warum Voss so schnell Karriere auf dem Schlachtfeld gemacht hatte. Äußerlich war er vollkommen ruhig und nahm alle Informationen auf, überdachte sie kurz und gab seine Befehle. Wer ihm aber in die Augen sah, stellte wohl fest, dass es tausend andere wesentlich wichtigere Punkte zu sehen gab. Die unterdrückte Wut in ihm würde zu gegebenem Zeitpunkt die entsprechenden Personen treffen.
Hatte Voss gedacht, er hätte ein Problem, als er von der abgefangenen Lanze hörte, so war er jetzt eines besseren belehrt worden. Das war kein Problem gewesen, das war nur eine kleine Unannehmlichkeit.
Sie hatten jetzt den Funkverkehr auffangen und in eine verständliche Qualität optimieren können:
„Terrier 1 an Dobermann, ich glaube wir sind ein wenig vom Kurs abgekommen, bestätigen.“
„Hier Terrier 2, äh, ich glaube, wir hätten wieder über den Fluss zurück gemusst. Soll ich das HQ rufen?“
„Terrier 1 an Terrier 2, negativ wir verraten unsere Position wenn wir auf volle Leistung gehen, hier ist der Empfang blockiert.“
„Verstanden Terrier 1.“
„Terrier 3 and Dobermann, ich hab hier was auf dem Schirm, acht Mechsignaturen. Keine Manöver IFF Kennung.“
„Verflucht, was machen diese Schlangen hier?“
„Terrier 4 an Terrier 1, ich glaube wir sind in der Sicherheitszone.“
„Hier spricht Tai-i Natzuhara, sie befinden sich auf dem Gebiet der Sternenbund Sicherheitszone. Identifizieren sie sich.“
„Hier spricht Leutnant McKendrick. Verpisst euch, wir haben hier ein Manöver laufen, sie gefährden unsere Position.“
„Gut, Mr. McKendrick, wenn sie es so wollen: Sie stehen hiermit unter Arrest. Folgen sie uns zu unserer Basis zur erkennungsdienstlichen Behandlung.“
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„Sir, was sollen wir jetzt tun?“
„Terrier 2, wir tun was die sagen. Ich glaube nämlich nicht, dass die auch nur Manövermuni geladen haben. Bestätigen, Dobermann“
„Hier Terrier 2, bestätigt.“
„Hier Terrier 3, bestätigt.“
„Hier Terrier 4, bestätigt. Sir, was werden die mit uns machen?“
„Keine Panik. Die können uns gar nichts. Übrigens: Schaltet alle sofort diese dämliche Drosselung eurer Energiewaffen aus. Der Code lautet BravoFoxtrottGolf42.“
Voss verzog bei diesen Worten das Gesicht. Dieser Code hätte überhaupt nicht an die Lanzenführer ausgegeben werden sollen.
Er ließ die Aufzeichnung schnell vorlaufen.
„Hier Terrier 3, Sir der Dragon an meiner Flanke ist gerade gestürzt, die Lücke wäre groß genug. Wir könnten ausbrechen wenn ich ihm schnell eins verpasse.“
„Hier Terrier 1, Feuer halten. Nicht aufschalten!“
„In Ordnung, feuere manuell ohne Aufschaltung.“
Das charakteristische statische knacken einer PPK durchsetzte kurz die Aufzeichnung.
Voss verzog das Gesicht. „Was für Idioten“, dachte er sich.

„Scheiße, Meinert Sie Idiot! Ich meinte keinesfalls feuern! O.k., jetzt heißt’s die oder wir. Dobermann Feuer auf die Flanke konzentrieren und dann nichts wie weg.“

Der Rest war, wie man so schön sagte, Geschichte. Die Dobermann Lanze hatte den Dragon am Boden erwischt und scheinbar noch einen anderen Mech schwer beschädigt und war dann in die dichten Wälder geflüchtet. Natürlich in die falsche Richtung. Das erklärte warum gerade zwei volle Battalione der Dracs aktiviert wurden.
„Hauptmann Hoffmann, welche einsatzbereiten Lanzen haben wir in der Nähe?“
„Pollux und Barghest sind in der Nähe, Sir.“
„Wer ist der kommandierende Offizier bei Pollux?“
„Pollux wird im Moment provisorisch von Raimond van Deeken geführt...“
„Nicht noch ein Nagelringbaby, geben sie mir Barghest Lanzenführer. Der ist schon wesentlich länger dabei.“

„O.k. Sir, Verbindung steht“

„HQ an Barghestlanzenführer:
Hören Sie mir genau zu. Was ich Ihnen jetzt sage, ist sehr wichtig. Und behandeln Sie es vertraulich.
Dobermann Lanze ist in die S-Zone der SBVS Kräfte eingedrungen. Unsere Aufklärer melden, dass sie von zwei Lanzen abgefangen wurden. Zuerst haben sie sich zum SBVS Lager eskortieren lassen, aber dann scheint Dobermann die Nerven verloren zu haben und hat das Feuer eröffnet.
Dobermann Lanze konnte sich vom Feind trennen, ist aber immer noch zu weit von unserer momentanen Stellung entfernt, um es ohne Unterstützung zurück zu schaffen. Und derzeit werden zwei volle draconische Bataillone mobilisiert.
Sie werden mit Ihrer Barghest Lanze so schnell wie möglich in die S-Zone eindringen, mit Dobermann Lanze aufschließen und sie mit Höchstgeschwindigkeit da rausbringen.
Ich habe Sie für die Aufgabe ausgewählt, weil Sie am New Capetown ausgebildet wurden. Die meisten anderen Lanzenführer bei uns stammen vom Nagelring und dort scheint wohl gerade die „juckender Abzugsfinger“-Epidemie umzugehen.
Koordinaten folgen. Viel Glück.“
„Bestätigt HQ, breche auf.“

Voss lehnte sich zurück. Das war das Schlimmste am Kommandieren. Ab einem gewissen Punkt konnte man nur noch abwarten.
Jack lehnte sich vor:
„Das sind die Probleme, vor denen Sie den Lord gewarnt haben, frapos?“
„Ja Jack, aber im Moment haben wir auch nur Probleme. Ich fürchte aber, dass wir ganz schnell eine ausgewachsene Krise bekommen, wenn wir hier nicht sehr besonnen und diplomatisch vorgehen.“
„Das heißt wohl, dass ich bis auf Weiteres bei ihnen bleibe und nicht zu meinem Stern gehe, frapos.“
„Jack, deine rasche Auffassungsgabe ist bewundernswert. Komm, ich muss einige Dinge vorbereiten...
Und eventuell ein Militärgericht.“

So unangenehm dieser Zwischenfall war und was für komplizierte Verstrickungen er hervorrufen würde, so absurd einfach und reibungslos gelang es Barghest mit Dobermann aufzuschließen und über den Fluss zurück in sicheres Gebiet zu wechseln.
Voss hatte befohlen, alle Lanzenmitglieder Dobermanns vorerst unter Arrest zu stellen, bis alle Fakten geklärt waren.
Jetzt saß er zusammen mit Jack im beheizten Innenraum des HQ und starrte auf den Compblock vor sich.
„Sir, ich verstehe nicht, was sie damit bezwecken?“
„Jack, sicher gab es bei euch Clans auch Fälle, bei denen unglückliche Schüsse gefallen sind die gar nicht in dieser Form beabsichtigt waren und die massive politische Probleme mit sich hätten bringen können.“
„Pos, während eines Widerspruchstest zwischen den Wölfen und den Witwenmachern traf ein schwerer Laser aus Versehen das Cockpit des Gründers und tötete ihn.“
„Na also, da haben sie sicher auch Diplomatie gebraucht.“
„Pos, sie haben es versucht.“
„Und, was ist daraus geworden?“
„Die vollständige Absorption der Witwen.“
„Ah ja, obwohl ich es besser wissen sollte, wie würdest du dann diese Affäre angehen? Diplomatisch.“
„Ich würde zunächst feststellen was will ich, und was wollen die anderen.“
„Das klingt sinnvoll.“
„Die Drakonier wollen weiterhin hier ihre Militärpräsenz zeigen und wenn möglich diesen Planeten unter ihre Kontrolle bringen. Wir hingegen wollen das ihre Militärpräsenz so gering wie möglich ist.“
„Korrekte Analyse, Jack“
„Darauf basierend frage ich mich was dieser Zwischenfall bedeutet:
Unsere Krieger haben aufgrund schlechter Führung ehrlos das Feuer auf ihre Krieger eröffnet. Unsere Verhandlungsposition ist dadurch verschlechtert, wir haben Unehre auf uns geladen.“
„Wiederum Korrekt.“
„Die Lösung ist klar: Wir erklären ein ehrenhaftes Batchall und treffen den Gegner so hart, dass er zu Verhandlungen zu unseren Bedingungen bereit sein muss.
Folglich gäbe es keinen Ehrverlust für uns und unserer Ziele wären vollständig erfüllt.“
„Danke Jack, ich glaube ich werde doch lieber dieses Schreiben des Chu-I bestätigen, dass es eine Fehlfunktion in den IFF Scannern gab und die Soldaten sich noch in einem Übungsszenario wähnten.“
„Aber diese Geschichte widerspricht doch allen Tatsachen.“
„Mag sein. Aber wenn die Alternative ein bewaffneter Konflikt ist, würden die Draks vermutlich auch sagen, dass der Himmel grün ist. Und Jack, bitte erinnere mich daran, dir keine diplomatischen Aufträge zu erteilen...“

Diese Stellungnahme war über die direkte Comfrequenz des Kommandanten des 4. Dieron Regiment versendet worden. Nicht jedoch ohne dabei auch von der Staatlichen Funküberwachung aufgefangen zu werden.
Lord Donahugh verzog keine Miene als er die Nachricht durchlas.
„Netter Versuch, aber damit werden sie nicht davon kommen.“ War alles, was er leise dazu sagte. Mit einem Wink signalisierte er seinem Sekretär ebenfalls eine Botschaft aufzusetzen...

Im HQ des Dieron Regiments erhielt ein gestresster Sho-Sa Sunijory no Jinsai einen weiteren Ausdruck eines Dokuments. Er ließ kurz seinen Blick über die Übersetzung schweifen. Dann las er sie noch einmal gründlich. Resigniert schüttelte er den Kopf.
“Hirotoyo-san, führen Sie die Standardprozedur mit diesen Dokumenten durch. Ich gehe noch einmal ins Lazarett.“

Sho-Sa Jinsai war ein ernster Mann mit wenig Humor, aber er kümmerte sich um seine Leute. Der Umgekehrte Fall hätte ihn auch niemals zu dieser Position aufsteigen lassen. Zumindest kannte er niemand in der Führungsebene, der durch ausgeprägten Sinn für Humor bekannt geworden wäre. Der Funkverkehr war mittlerweile übersetzt worden und er hatte eine ziemlich klare Vorstellung, was vorgefallen war.
Die Erklärung an Kommandant Voss widersprach den Geschehnissen. Aber wie sagte doch ein Sprichwort: Geschichte ist die Lüge auf die man sich geeinigt hat.
Zumindest würde es damit keine weiteren Eskalationen geben, auch wenn das nur ein schwacher Trost für Go-Cho Moline sein würde.
Er hatte das Lazerett erreicht und stand nun vor dem Zimmer der kleinen Intensivstation.
Ein Blick auf den mit einem Leintuch verhüllten Körper und den traurig kopfschüttelnden Medtech genügte ihm, um auf der Stelle kehrt zu machen und zurück ins HQ zu gehen.
Dort traf er wie erwartet seinen Adjutanten bei der Arbeit:
„Chu-I, bereiten Sie eine weitere Zeremonie vor. Go-Cho Moline ist an seinen inneren Verletzungen gestorben. Und wir brauchen kein Standardformular, um die Angehörigen zu benachrichtigen. Ich werde persönlich ein Schreiben verfassen.
Hirotoyo blickte auf:
Sehr wohl, Jinsai-san. Ich werde mich sofort darum kümmern. Tai-I Hosono hat uns die Daten über Kommandanthauptmann Voss überspielt. Er sagt, es wäre alles, was die ISA über ihn hat.“
„Fassen sie es bitte kurz zusammen.“
„Sehr wohl: Alte lyranische Offiziersfamilie. Ausbildung an der Gefechtsschule Tamar. Abschluss im oberen Mittelfeld. Kämpfte mit der Tamar-Miliz gegen die Clans. Recht schneller Aufstieg im Feld. Wird zuerst zu den Lyranischen Garden und danach zu den Arcturus Garden versetzt. Lyranischer Nationalist. Unterstützte als Kompaniechef die Rückkehr seiner Einheit in die Allianz. Meldete sich freiwillig zum Kampf gegen Clan Nebelparder. Schlägt sich sehr gut, nimmt sogar einen Sterncommander der Parder gefangen.“
Jinsai pfiff anerkennend.
„Sein Gefangener dient seit kurzem unter dem Namen Jack Arcturus offiziell als Lanzenführer in der 3. Kompanie. Desweiteren sagen hiesige Agenten, der Clanner würde ihn als persönlicher Leibwächter begleiten. Beide waren an der Auflösung des Tumultes bei unserem Horchposten beteiligt.“
„Das wird ja immer besser. Was sagt Tai-I Hosono über die Haltung des Kommandanthauptmanns in der derzeitigen Krise?“
„Voss hält den Raub dieses Planeten durch das Commonwealth für richtig und ist deshalb von unserer Anwesenheit hier nicht begeistert. Sie haben ja beim ersten Gespräch mit ihm selbst erlebt, wie reserviert er gegenüber den Soldaten des Drachen ist. Gleichzeitig hat er aber seinen Offizieren verboten, bei den hetzerischen Propagandaveranstaltungen des planetaren Lords gegen uns zu sprechen oder in Uniform teilzunehmen.“
Trotz seiner ruhigen Haltung konnte Jinsai die Bitterkeit nicht ganz aus seiner Stimme fernhalten: „Das dürfte ihm jetzt leichter fallen, er hat ja seine Lanze wieder und nur ich habe zwei gute Krieger verloren.
Tai-Sho Villagua persönlich hat mir befohlen es zu keiner weiteren Eskalation kommen zu lassen. Und er hat dabei die Rückendeckung von Tai-Shu Kurita und dem Koordinator selbst. Nachdem Voss die Erklärung verifiziert hat bereiten Sie bitte eine Stellungnahme für die Medien vor.“

Ohne eine Bestätigung abzuwarten verließ Jinsai den Raum. Er würde sich jetzt etwas Meditation in seinem Garten gönnen. Oder auch nicht.
Sein Blick glitt auf die zweite Nachricht, die er gerade von seinem Schreibtisch aufgehoben hatte.
Eine Einladung von Lord Donahugh.

Jack atmete ganz ruhig. Vor fünf Minuten hatte er die Nachrichten gehört. Der Radiosprecher hatte tatsächlich von einem bedauerlichen Unfall und auch von einer IFF Fehlfunktion gesprochen. Dabei hatte er den Brustton eines vollkommen Überzeugten zur Schau gestellt, die stets jenen zu eigen ist, die keine Ahnung haben wie sie sich das vorzustellen haben.
Doch diese Diplomatie war jetzt nebensächlich. Jack hatte das ECM des Ursus auf die höchste Stufe gestellt und den Reaktor auf Minimalleistung gedrosselt. Es bedurfte einiges an Übung die korrekte Einstellung zu erreichen. Das nukleare Brennen musste so niedrig sein, dass die Abschirmung möglichst wenig Emissionen verursachte, aber hoch genug damit der Plasmafaden nicht abriss und der Reaktor „abstürzte“.
Diese Art von Versteckspiel gehörte nicht zur Grundausbildung bei den Clans. Er hatte es auf die harte Tour lernen müssen. Der Grund war einfach: Der Ursus war langsam, sogar langsamer als die meisten Modelle der IS in seiner Gewichtsklasse. Zur Hölle, selbst viele schwere Maschinen waren schneller als sein Mech. In Kombination mit einer nur begrenzten Zahl an Langstreckenwaffen bedurfte es einiges an Geschick um auf einem Schlachtfeld zu überleben, das nicht nur aus Straßen und hohen Gebäuden bestand. Aber Überleben war Jacks zweiter Vorname, auch wenn einige Leute meinten „Verrückter Idiot“ käme noch davor.
Jack grinste. Nicht, dass es besonders lustig gewesen wäre, stumm auf einen Passiv-Radarschirm mit sich nähernden Punkten zu starren. Nein, Jack saß in einem Mech, irgendwann würden sich Feinde zeigen und dann würde er auf sie einschlagen. Das Ergebnis war dabei eher zweitrangig. Es war der Kampf, der ihn reizte. Wer kämpfen konnte, war am Leben. Und wer am Leben war konnte kämpfen. Diese simple Wahrheit reichte ihm vollkommen aus, um ihm gute Laune zu bereiten. Dann war es soweit.
Ein Panther kam auf seinen Sprungdüsen über eine Kuppe geflogen, landete und versuchte herauszufinden, warum er plötzlich keinen Empfang mehr hatte.
Der Pilot vermutete richtig, dass es an der Energieversorgung seines Funkgerätes liegen musste. Schließlich hatte gerade ein überdimensionaler Totenkopf mit fünf mehr oder weniger großen Lasern den Reaktor aus seinem Mech herausgeschnitten. Der Mangel eines funktionsfähigen Gyroskops machte sich kaum eine Sekunde später bemerkbar und der Mech kippte rückwärts in einen Tümpel. Irgendwie fühlte Jack sich schuldig kein Batchall ausgesprochen zu haben. Andererseits: Jetzt dürfte es diesen Piloten auch nicht mehr interessieren.
In diesem Moment landete auch schon der nächste Kandidat auf dem Hügel, ein Black-Hawk KU. In der Primärvariante.
Jeder Arm endete in einem Sechseck, das aus mittelschweren Extremreichweiten-Lasern gebildet wurde. Jack kannte das Modell. Es basierte auf der Nova der Clans, war aber im Gegensatz zum Original schwerer als sein Mech. Und schneller. Und sprungfähig. Und unangenehm gut in Reichweite mit seinen Waffen.
Jack reagierte instinktiv. Statt den Gegner anzuvisieren feuerte er mit seiner Kurzstreckenlaffete auf den Überhang auf dem der Black-Hawk stand.
Die sechs Sprengköpfe explodierten und verwandelten den bis eben noch festen Stand des Mechs in eine Murmelbahn.
Die zwölf Laser feuerten, jedoch nur einer streifte über das rechte Bein des Ursus. Die Infrarotoptik zeigte einen massiven Hitzeanstieg in der Feindmaschine und der MAD zeigte dass sich der Reaktor abgeschaltet hatte. Das gab dem Pilot wenig Möglichkeiten, den nun folgenden Sturz zu verhindern. Keine 10 Meter später kam der Mech vor Jack reglos liegend zum Stillstand.
„Tja,“ dachte Jack, „das blöde an „Alles oder Nichts Schlägen“ ist, dass man mit „Nichts“ ziemlich wenige taktische Möglichkeiten hat.“
Er nahm sich drei Sekunden Zeit seine Laserbewaffnung auszurichten.
Der XL Reaktor des Black Hawk verlor seine Abschirmung als dessen linke Torsoseite vaporisiert wurde.
Zwei ausgeschaltet, zwei noch im Rennen.
In diesem Moment fiel sein Blick auf die drei linear angeordneten Punkte auf seinem Radar.
Der Punkt im Zentrum stellte dabei seinen eigenen Mech dar und der Abstand verminderte sich rapide.
Wieder reagierte Jack ohne sein Handeln durch überflüssige Denkarbeit zu verzögern. Statt sich zurück zu ziehen oder zu fliehen richtete er seinen Mech in Richtung des schneller näherkommenden Gegners aus und ging auf Höchstgeschwindigkeit.
Einige Male wäre er fast gestürzt, aber jedes Mal konnte das Gyroskop mit Hilfe seiner Neuroverbindung das Gleichgewicht wieder finden während er sich den Hügel hoch kämpfte, den er eben noch selbst zu einem Geröllhaufen umgearbeitet hatte.
Er erreichte gerade rechtzeitig die Kuppe, um von einem Schwarm Langstrecken Raketen getroffen zu werden. In einer instinktiven Abwehrreaktion drehte er den Torso und hob den linken Arm in einer fast menschlich anmutenden Geste über sein Cockpit.
Die Sprengköpfe machten kurzen Prozess mit seinem Arm und verteilten die Reste der modellierten Hand, sowie die mittelschwere LSR-Lafette großzügig in der Landschaft.
Dieser Verlust brachte Jack gehörig aus dem Gleichgewicht und mit einem Mal drohte ihm das selbe Schicksal zu widerfahren wie dem Black Hawk Piloten.
Aber Jack war niemand der in einen Abgrund stürzte
Jack war jemand freiwillig sprang.
Die Stützstreben der Mechbeine knackten unwillig als sie mit Belastungen konfrontiert wurden, für die sie nicht ausgelegt worden waren. Panzerplatten zerbröselten, als sie aus unerwarteter Richtung gedehnt und gestaucht wurden. Aber Jack blieb auf den Beinen, wenn auch in kniender Position. Das Ganze hätte einen außenstehenden Betrachter an einen bizarren Balletttanz erinnern können. Aber außenstehende Betrachter hatten meist überhaupt keine Ahnung und taten gut daran, Jack gegenüber den Mund zu halten.
Wie zufällig entlud sich der schwere ER Laser auf das Cockpit des Katapults und verdampfte dort die gesamte Panzerung. Jack hatte nicht gezielt, aber er war auch nicht sonderlich überrascht. Das Cockpit eines Mechs war im Normalfall winzig im Vergleich zu den Ausmaßen der Maschine. Die meisten Mechkrieger zielten daher auf einen Mech als Ganzes, in der Absicht möglichst irgendetwas zu treffen, egal was es war.
Jack machte das auch so, aber er versuchte dabei seinem Gegner in die Augen zu sehen was zur Folge hatte, dass er häufiger den Piloten erwischte, als es die statistische Wahrscheinlichkeit eigentlich zugelassen hätte.
Seine restlichen Laser verteilten sich eher willkürlich über den gesamten Mech seines Gegners und nur 2 seiner 6 Kurzstrecken Raketen trafen ihr Ziel.
Der gegnerische Pilot erholte sich schneller als erwartet von dem Schlag gegen seine Kanzel und versuchte seinerseits Antwortfeuer zu geben.
Glücklicherweise hatte Jack sich mit seinem gewagten Sprung in die Minimumreichweite dessen LSRs gebracht, so dass die meisten Sprengköpfe nicht aufschalteten und nur geringe Schäden auf der breiten Brust des Ursus anrichteten.
Dieses Mal zielte Jack.
Noch immer kniend richtete er seine Waffen auf das linke Bein seines Gegners aus. Der erkannte Jacks Absicht einen Moment zu spät. Verzweifelt zündete der Pilot seine Sprungdüsen um aus der Gefahrenzone heraus zu kommen.
Zu Spät.
Die volle Salve des Ursus traf das Bein des Katapults und riss es just in dem Moment ab, als die Sprungdüsen genug Schub erzeugt hatten um die 60 Tonnen Maschine vom Boden zu heben.
Diese plötzliche Veränderung des Schubvektors veranlassten den Mech zu einer Art geschraubtem Salto mit anschließender Hechtsprunglandung.
Normalerweise hätte die Panzerung den Pilot vor einem solchen Sturz geschützt.
Die entsprechende Cockpitpanzerung befand sich nur im Moment leider im gasförmigen Aggregatzustand, verteilt über etwa 20 Quadratmeter.
Über die Außenmikrophone glaubte Jack unter dem ganzen anderen Lärm ein Geräusch zu hören das entfernt an eine überreife Banane erinnerte, die unter einen Autoreifen gerät.
Jack zwang seine Maschine trotz protestierender Aktivatoren wieder in die Höhe und wandte sich um.
15 Meter über ihm erhob sich die Gestalt eines überschweren Battlemechs vom Typ Spalter.
Bevor Jack reagieren konnte sah er das charakteristische Aufblitzen der Induktionsspulen des massiven Gaußgeschützes.
Wie man sich denken kann stecken in dieser Aussage zweierlei Informationen:
Erstens, die Spulen sind nur dann sichtbar wenn man exakt in Richtung der kurzen ballistischen Flugbahn einer Gaußkugel blickt.
Zweitens, die Spulen leuchten etwa eine halbe Sekunde bevor das Magnetfeld seine Maximalstärke erreicht hat und eine melonengroße etwa 100 kg schwere Nickeleisenkugel auf etwas mehr als Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Interessant dabei ist, dass man im Normalfall tot ist bevor man den Knall hört.
Um Jack herum war es schwarz und vollkommen still.
Mit einem seufzen gab Jack auf.
Er löste die Gurte, nahm den Neurohelm ab und tastete nach dem Öffnungsmechanismus des Simulators.

Automatisch griff Jack nach einem isotonischen Getränk. Eigentlich brauchte er es nicht, da er seinen Mech kein einziges Mal überhitzt hatte. Aber mit alten Gewohnheiten war schwer zu brechen. Etwas überrascht stellte er fest, dass Voss an der Überwachungskonsole stand.
„Na Jack, das war keine üble Leistung. Aber du hast den gefährlichsten Brocken ignoriert.“
„Pos, ich war mir ziemlich sicher, dass ich entweder den leichteren der beiden besiegen konnte oder keinen.“
„Du solltest dich mit dem Gedanken vertraut machen, lieber nur zwei zu töten und heil zurück zu kehren, statt drei und zu sterben. Ich meine es ernst! Zwei Abschüsse und dein Leben sind besser als drei und deine Überreste.“
„Pos Sir. Ich werde versuchen diesen Befehl einzuhalten.
Gestatten sie mir eine Frage: Seit wann gibt es eine Spalter-Variante mit Gaußgeschütz?“
Voss setzte ein schuldbewusstes Grinsen auf: „Tja, man sollte immer auf Überraschungen gefasst sein, nicht wahr?“
„Wie ist denn die Besprechung mit dem Sho-Sa verlaufen?“
Voss’s Mine wurde schlagartig so dunkel wie der Schatten eines Sturmmechs bei einem Todessprung.
„Wenn ich sage nicht besonders gut, wäre das eine maßlose Übertreibung. Katastrophal trifft die Sache schon besser. Donahugh ist ausgerastet und hat die Draconier auf übelste Weise beleidigt. Er ist soweit gegangen Theodore mit Amaris gleich zu setzen.Verständlicherweise sind die Dracs wutschnaubend abgezogen. Und ich habe einen üblen Verdacht was jetzt als nächstes passieren wird.“
„Sie werden Donahugh zum Duell heraus fordern, frapos?“
„Nein Jack, das wäre vermutlich die beste Lösung, viel wahrscheinlicher ist...“
In diesem erzähltechnisch günstigen Moment aktivierte sich Voss’s Kommunikator:
„Sir, über zivile, sowie militärische Frequenzen wird gerade eine Botschaft der Draconier übermittelt, die Sie sich unbedingt anhören sollten.“
„Stellen sie durch.“
Es rauschte kurz, dann war die Stimme Jinsais zu hören:
“Ich bin Sho-Sa Sunijory no Jinsai, Kommandant des 4. Dieron Regiments und Oberbefehlshaber der Sternenbund-Friedenstruppen auf Imbross III. Vor fünf Tagen haben Elemente des 2. Bataillons der 5. Arcturusgarde, trotz ausdrücklicher Verbote unsererseits, die Sicherheitszone um das Stationierungsgebiet der Friedenstruppen verletzt und aggressive Handlungen gegen unsere Patrouillen begangen. Dies stellt einen eklatanten Bruch des Status über Friedenstruppen des Sternenbundes dar. Weder die planetare Regierung noch das Oberkommando des betroffenen Bataillons der Arcturusgarde haben die Verfolgung und Bestrafung der Friedensbrecher bisher übernommen. Aus diesem Grund verlange ich als höchster Repräsentant des Sternenbundes auf diesem Planeten, die Übergabe der Leutnants Roger McKendrick, Hansjörg Meinert, Allison Dijkstra und Wilhelm Price an die Friedenstruppen innerhalb von 36 Stunden nach erstmaliger Ausstrahlung dieser Botschaft. Sollte nach Verstreichen dieser Frist die Kriminellen nicht im Gewahrsam unseres Regiments sein, werden die Sternenbund-Friedenstruppen im Einklang mit ihrem Statut alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, sich der genannten Personen zu bemächtigen.“
Einen Moment waren beide Männer stumm.
„Sie werden die Krieger nicht ausliefern, franeg?“
„Wenn ich das täte wäre meine Karriere und vermutlich auch mein Leben zu Ende. Schlimmer, die Arcturusgarde würde vor lauter Deserteuren auseinander brechen.“

Wie nicht anders zu erwarten führte diese Ausstrahlung zu vielen Unruhen und einem plötzlichen Fall der Grundstückspreise in einigen Gebieten. Voss hatte den halben Tag damit zu tun, verschiedene Offiziere zu beruhigen. Den Rest der Zeit verbrachte er damit Gefechtsbereitschaft herstellen zu lassen.
In einem der wenigen stillen Momenten, in denen sein Adjutant ihm keine Nachrichten brachte oder Befehle abholte, dachte Voss zum ersten Mal bewusst über die herrschende Situation nach.
Auf der Habenseite konnte er verbuchen, dass das Dieron Regiment bisher sehr zurückhaltend war und stets innerhalb seiner Kompetenzen gearbeitet hatte.
Desweiteren schien im Jinsai ein vernünftiger Mensch zu sein, der lieber einmal mehr verhandelte als einen Menschen sinnlos sterben zu sehen, wobei er keinesfalls so naiv war anzunehmen, dass Jinsai sinnvollem Sterben abgeneigt war.
Auf dem Papier waren seine Mechkräfte nur etwa halb so groß wie die Jinsais. Allerdings wusste Voss nur zu gut, dass in den Dieron Regimentern eine Menge Veteranen steckten. All jene, welche die höllischen Gefechte mit den Clans aufgenommen hatten waren entweder verdammt gut, hatten unglaubliches Glück oder waren tot.
Theoretisch galt das Selbe auch für seine Einheit, jedoch lag da das Verhältnis eindeutig auf Seiten der Letztgenannten. Dafür hatte er jede Menge Frischlinge von den Akademien denen ihre Feuerprobe noch bevor stand.
Damit war er auch schon auf der Sollseite angekommen:
Ein Vorgesetzter, der ein Verhalten an den Tag legte wie aus einem schlechten Holovidroman, eine aufgeputschte Bevölkerung, ein Haufen Frischlinge und zu allem Überfluss auch noch einige Offiziere, die eigenmächtige Entscheidungen zu treffen schienen.
Im Moment befand er sich allein in seinem Büro.
Jack hatte er wohlweislich erlaubt, weiter Simulatorübungen abzuhalten, so dass er sich unbesorgt seiner Arbeit widmen konnte. Das Wort „unbesorgt“ musste sofort wieder gestrichen werden, als er die eingehende Nachricht auf seinem Schirm las:
Ansprache des Planetaren Herrschers zur Lage der Nation.
Beginn 20.00 Lokalzeit im Archon-Jeniffer-Steiner Park.
Auch wenn es noch viel anderes zu erledigen gab, diese Veranstaltung würde er sich wohl antun müssen. Kurz ertappte er sich bei dem Gedanken, wie leicht es wäre, dort einen Anschlag auf den Duke zu begehen. Das grimmige Lächeln auf seinem Gesicht konnte er sich dabei nicht erklären.
Er hinterließ Jack eine Nachricht mit dem Wagen auf ihn zu warten und machte sich dann wieder daran die verschiedenen Versorgungsgesuche zu bearbeiten.

Es waren mehr Leute gekommen als er gedacht hatte. Der Steiner Park war so gut wie voll. Mehrere Kamerateams der Lokalpresse hatten ihre Vans an den Außenmauern aufgebaut, um das ganze Life zu übertragen. Voss hatte sich schon einen Weg durch die Menge Richtung Tribüne bahnen wollen, aber Jack hatte ihn mit stählerner Mine und einem nicht gerade subtilen Hinweis auf ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko zurückgehalten. (Nach Voss’s Blick des Unverständnisses hatte er sich beeilen müssen Jack daran zu hindern eine Demonstration an einem Passanten zu vollführen.)
Stattdessen waren sie begleitet von einigen Männern der Palastgarde über einen Nebeneingang vor die Tribüne eskortiert worden, was Voss eigentlich gar nicht recht war. Er wusste: Seine Abneigung gegen die Palastwache war eigentlich vollkommen irrational, „uneigentlich“ konnte er die Kerle trotzdem nicht ausstehen.
Erstaunt musste Voss feststellen, dass viele Männer seines eigenen Stabes bereits da waren und ein, in seinen Augen übermäßiges Maß an Begeisterung zeigten. Voss hatte nichts gegen Enthusiasmus, aber deswegen hätten die Männer nicht gleich auf der Stelle hüpfen müssen.
Mehrere Sprechchöre hatten sich gebildet und schrieen immer wieder kuritafeindliche Parolen, welche die gleiche Einfallslosigkeit besaßen wie fast jede Parole, die auf mangelndem Hintergrundwissen basiert.
Dann sah er den Lord, der in seiner Prunkuniform eher an einen Weihnachtsbaum als an einen Würdenträger erinnerte. Dieser bestieg flankiert von zwei bewaffneten Uniformierten das Podest und begann mit seiner Rede:
„All diejenigen, die vor Jahrhunderten den ursprünglichen Sternenbund in all seiner Pracht kannten, die sahen, welche Perle Imbross III zu jener Zeit war, würden sich in ihren Gräbern umdrehen, wenn sie sehen und hören könnten, wie der Name dieser großartigen Allianz von genau jenen Machtgruppen missbraucht wird, die am aktivsten an ihrer Zerstörung mitgewirkt haben.
Genau jene verlogenen Kurita - Brut, die vor über 300 Jahren hoffte, aus der Schreckensherrschaft des Usurpators Profit zu ziehen, nennt sich heute Friedenstruppe ...“
Er spuckte zu Boden.
„Und an ihrer Spitze steht ein Kerl, der sich nur deshalb Erster Lord schimpfen darf, weil ein verräterischer Bastard seinem Volk den Rücken gekehrt hat und aus reinem Eigennutz sich für politische Spielchen einspannen lässt. Und derselbe kleine Verräter, derselbe Westentaschen-Napoleon will uns in einen Krieg treiben, Lyraner gegen Lyraner hetzten, damit wir eine leichte Beute für die Klauen des Kurita Drachens sind.
Aber dazu sagen wir NEIN!
Wir sagen Nein zum Diebstahl unserer lyranischen Existenz!
Wir sagen Nein zum Ausverkauf unserer lyranischen Freiheiten!
Wir sagen Nein zur Unterdrückung unserer lyranischen Brüder und Schwestern durch fremde Herrscher!
Wir sagen Nein zur Charade dieser Friedenstruppen, hinter denen sich nur die Kurita Tyrannei verbirgt!
Vor allem aber, und an erster Stelle sagen wir NEEEEEEEEIIIIIIIIIINNNNNNNNNN dazu, dass gute, ehrliche, loyale, tapfere lyranische Krieger eingekerkert und Kurita Folterknechten überantwortet werden sollen.
Und wer glaubt, er könne uns erpressen und mit der Macht seiner Unterdrückungsmaschinerie schrecken, der wird sich gewaltig über unsere Entschlossenheit wundern.“

Jack bemerkte, wie Voss das Gesicht zu einer Grimasse verzog. Es schien nicht nur an den Worten des Mannes zu liegen, sondern auch an den sonderbar glasigen Gesichtsausdrücken welche die anderen Umstehenden zeigten.
„Jack, lass uns hier verschwinden. Unauffällig!“
„Pos, mein Novacaptain.“

Knapp eine halbe Stunde später waren beide im Manöver HQ der Garde. Erst jetzt sprach Jack seinen Kommandanten wieder an:
„Sie wollten die Rede des Lords nicht bis zum Ende verfolgen?“
„Der Duke von Harlington war vielleicht mal ein Meister der gut gedrechselten Worte und der politischen Finten, aber das hier war an Plumpheit nicht mehr zu übertreffen.“
„Ich verstehe. Sie denken es wäre Verschwendung von Zeit. Zeit welche sie besser dazu verwenden, zu überlegen, wie man mit drei unterbesetzten Trinärsternen aus Geschkowelpen gegen einen Sternhaufen erfahrene Krieger ankommt.“
Voss lachte bitter: „Ja, in weniger als 28 Stunden steht uns ein höllischer Tanz bevor. Wie dem auch sei, ich habe schon einen Plan. Meine Offiziere haben sich jetzt lange genug diesen Schwachsinn angehört. Zeit für einen Kriegsrat.“

Eine Stunde später war die komplette Führung der 5.Arcturusgarde versammelt.
Voss saß mit ernster Mine am Kopfende des Tisches, Jack stand in starrer Rührt-Euch-Stellung schräg hinter Voss, was ihm von mehr als nur einem der Offiziere einen unsicheren Blick einbrachte.
„Meine Herren, die Lage ist ernst.“ begann Voss.
“Wie Sie unzweifelhaft mitbekommen haben, hat Lord Donahugh die Forderung Jinsais rigoros abgelehnt. Daher steht aller Wahrscheinlichkeit nach ein Angriff auf unseren Stützpunkt bevor. Das heißt, wenn wir uns weigern, den Schutztruppen die Gefangenen auszuliefern werden sie von ihrem Recht der Entwaffnung gebrauch machen. Da wir aber unter gar keinen Umständen die Waffen strecken werden, ist ein Konflikt unvermeidlich.
An Mechtruppen befinden wir uns im Moment in einem ungünstigen 2:1 Verhältnis. Wir haben zwar ein beträchtliches Kontingent an Konventionellen Einheiten, jedoch sind diese bei einer offenen Feldschlacht stark im Nachteil.
Mein Plan sieht deshalb vor, uns auf eine starke Verteidigung zu konzentrieren und uns auf eine Belagerung einzustellen. Wir haben im Gegensatz zu den Kuritas ausgezeichnete Ortskenntnis und Zugang zu Befestigungen und Nachschublagern von denen die Angreifer nichts wissen können. Um erfolgreich einen Sturm auf eine befestigte Stellung durchzuführen braucht ein Angreifer eine vierfache Übermacht. Ich vertraue darauf, dass Jinsai das ebenfalls weiß. Desweiteren vertraue ich darauf, dass der Erste Lord des Sternenbundes keine weiteren Friedenstruppen entsenden wird, solange wir nicht durch eigene Angriffe provozieren.
Parallel dazu werden wir unsere erfahrenen Truppen in den schwer zugänglichen Gebieten stationieren und die Schlangen mit Guerilla Taktiken zermürben.
Da diese überaus nützliche Taktik leider nicht an den Akademien gelehrt wird, werden alle unerfahrenen Einheiten der Verteidigung zugeordnet.
Der Feind hat mehr Männer als wir. Daher muss uns sehr daran gelegen sein, lieber Boden als Männer zu verlieren und das umgekehrte Prinzip bei unserem Gegner zu forcieren.“ Ein Offizier mit tiefschwarzem Haar unterbrach ihn:
„Bei allem Respekt Sir, das ist unser Planet! Wir haben erstklassige Ausrüstung und hochmotivierte Männer. Ich denke mit einer Demonstration der Stärke können wir diesen Kuritabastarden ihre Ambitionen schnell austreiben.“ Voss sah Hauptmann Rainier einen Moment an bevor er antwortete.
„Darf ich sie daran erinnern, dass unsere hochmotivierten Männer gegen ihrerseits hochmotivierte und was noch schlimmer ist, tief gekränkte Krieger antreten, von denen die meisten gegen die Clans gekämpft und, was noch wichtiger ist, überlebt haben?
Moral mag vielleicht ein Verhältnis eins zu zehn aufwiegen, aber das nützt nichts wenn diese zehn Männer mit einem einzigen gut gezielten Treffer für immer aus der Schlacht ausscheiden!“
Rainier schien damit immer noch nicht zufrieden zu sein, aber er kam nicht dazu, zu antworten, da in diesem Moment ein Obergefreiter den Raum betrat und Voss eine Nachricht übergab.
„Meine Damen und Herren, ich denke, ich habe mich klar ausgedrückt. Kümmern sie sich um die Besetzung der Stellungen und die Vorbereitungen auf eine Belagerung. Ich sehe gerade, dass sich die Dracs in Bewegung gesetzt haben.
Also los, Ausführung!“

Während Bewegung in die anwesenden Offiziere kam, blieben nur Voss, Jack und Rainier zurück. Erst jetzt wurde Voss bewusst, dass es sich dabei auch um Jacks direkten Vorgesetzen handelte.
„Leutnant Jack Arcturus, verlassen Sie den Raum. Ich habe privat mit dem Kommandanten zu reden.“
„Jack, ignorieren Sie diesen Befehl. Sprechen Sie, Rainier.“
„Sir, ich hatte heute die Gelegenheit mit Lord Donahugh zu sprechen und ich bin, ebenso wie einige andere Stabsmitglieder, der Ansicht, dass wir sehr wohl in der Lage sind die Battalione einzeln zu erledigen, wenn wir in einer koordinierten Aktion mit der Palastwache zusammen arbeiten. Lord Donahugh legt ihnen diese Option dringend ans Herz.“
„Die Arcturus Garde untersteht meinem Kommando und ich bin vollständig in der Lage, die Situation korrekt einzuschätzen und entsprechend zu handeln. Die Palastwache hat keinerlei Erfahrung für eine solche Operation. Abgesehen davon wären unsere Verluste katastrophal!“
„In diesem Fall sollten Sie sich nicht wundern, wenn Sie nicht mehr lange auf diesem Posten bleiben. Es gibt hier durchaus noch andere Offiziere, die nicht so feige sind entsprechende Entscheidungen zu treffen. Ihnen sollte klar sein, dass wir das nicht hinnehmen werden. Lord Donahugh hat sich entsprechend geäußert, dass...“
Voss unterbrach ihn. Sein Ton war dabei so scharf und leise wie das Knirschen im Schnee, bevor die Lawine losbricht.
„Gut. Ich verstehe. Dann haben Sie ja scheinbar eine Entscheidung getroffen. Sie sind hiermit solange suspendiert, bis Sie ihr Versetzungsgesuch zu den Palastwachen eingereicht haben. Wegtreten.“
Rainier drehte sich um, nicht jedoch ohne Voss noch einmal mit einem herablassenden Blick zu taxieren.
Als die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen war, wandte sich Voss an Jack:
„Wie es scheint habe ich gerade einen Kompanieführer verloren. Die Stelle muss ich schleunigst wieder besetzen. Da ich im Moment zu wenig fähige andere Leute in diesen Lanzen habe und ich gerade jetzt Loyalität ganz besonders brauchen kann, komme ich wohl nicht daran vorbei.
Leutnant Jack Arcturus, hiermit befördere ich ...“
„Sir einen Moment bitte. Bevor sie mich befördern muss ich noch eine wichtige Formalität erledigen.“
Mit diesen Worten machte er auf dem Absatz kehrt und rannte aus dem Büro, ohne die Tür hinter sich zu schließen.
Voss hörte ihn nach Oberleutnant Rainier rufen.
Was Jack als nächstes sagte, konnte Voss nicht verstehen. Die aufgebrachte Entgegnung Rainiers war hingegen klar verständlich:
„Was meinst du mit Positionstest du Clanspinner... Uff.“
Dieser letzte Ton wurde vom Geräusch klatschender Fäusten begleitet, gefolgt von einem lauten Wimmern.
Keine fünf Sekunden später stand Jack wieder in Voss’s Büro.
„Jack, was habe ich dir über das Verprügeln von Mitgliedern meines Stabes gesagt?“
„Sir, es wird sie freuen zu hören, dass Hauptmann Rainier gerade im Begriff war, sein Versetzungsgesuch einzureichen. Außerdem wäre es mir unmöglich ein Kommando anzutreten, ohne darum gekämpft zu haben.“
Voss musste innerlich genauso grinsen wie Jack offensichtlich. Immerhin: Weiteren Unruhestiftern würde das sicher eine Lehre sein und rein rechtlich hatte Jack tatsächlich keinen Vorgesetzten geschlagen.
„Nun gut. Wie ich vorhin schon sagte: Ich befördere dich hiermit zum Oberleutnant. Hohle dir ein paar Klappen, informiere deine Kompanie und beginne mit der Mobilmachung.
Wegtreten.“

Exakt 30 Minuten nach Ablauf der Frist begann der Konflikt.
Fenris Lanze meldete Kontakt mit einer ganzen Kompanie des Dieron und konnte sich zwar hastig, jedoch ohne Verluste absetzen. Im Schutz dreier Bunkerstellungen und einer Lanze Demolisher Panzer gelang es den Angriff zurückzuschlagen. Leutnant Johannes Schneider kam in seinem Herkules ums Leben als ein Lasertreffer die Munition seiner Blitz-KSR Lafette entzündete.
Schwer angeschlagen lösten sich beide Seiten. Das Ergebnis fiel leicht zu Gunsten der Verteidiger aus, da, abgesehen von dem Mech mit der Munitionsexplosion, bei allen Maschinen eine Reparatur möglich war.

Voss blickte düster von diesem Bericht auf. Drei Panzerbesatzungsmitglieder waren gestorben, vier weitere schwerverletzt. Bestätigt waren drei getötete Kuritas, insgesamt war eine komplette Lanze ausgeschaltet worden als diese ins Kreuzfeuer der getarnten Demolisher gestolpert war.
Es war eine gut geplante Rückzugsstelle gewesen und sie hatte perfekt funktioniert. Nur leider war sie jetzt ziemlich nutzlos. Keine Minute nachdem die letzte Maschine geborgen worden war, kam ein Artilleriehagel auf das kleine Wäldchen mit der Stellung herab, der sie praktisch dem Erdboden gleich machte.
Die Bunker überstanden den Beschuss mehr oder weniger intakt aber die Stellung selber war nicht mehr zu gebrauchen. Sie mussten sich zurück ziehen. Boden statt Blut. Das war die Devise die er ausgegeben hatte. Doch jetzt kamen ihm Zweifel ob die Durchführung wirklich funktionieren konnte. Er hatte Schneider gekannt, ein guter Pilot mit viel Erfahrung. Im Laufe seines Soldatenlebens hatte Voss schon viele Kameraden verloren, dennoch schmerzte es jedes Mal wieder und ließ Zweifel an seinen Entscheidungen und seinen Fähigkeiten wachsen.
Doch Voss vereinte in sich drei der wichtigsten Führungsfähigkeiten überhaupt: Sturheit, Entschlussfähigkeit und Intelligenz. Es musste weitergehen. Auch wenn der Weg hart war, ein Umkehren würde mehr Schaden anrichten als ein Fortsetzen der Strategie.

Ähnliche Berichte häuften sich im Laufe des Tages. Die Infanterie setzte die überlegene Geländekenntnis immer wieder mit großem Vorteil ein, musste jedoch Mangels freier Mechkapazitäten zur Rückzugsdeckung schwere Verluste einstecken.
Diese Formulierung war jedoch, wie ihm sehr bewusst war, nichts als ein Euphemismus für: Ein paar arme Teufel hatten sich mit Transportablen Geschützen verstecken müssen und merkten erst nachdem sie das Feuer auf den Gegner eröffnet hatten, dass sie nicht schnell genug weglaufen konnten.
Der erste Tag dieses Konfliktes neigte sich dem Ende zu und schon hatte der Tod reiche Ernte gehalten. 27 Tote auf der eigenen Seite, acht Tote und drei Gefangene von den Gegnern.
Diese Zahlen schockierten Voss, aber er zwang sich dabei sich auf die Materialliste zu konzentrieren.
Vier eigene Mechs waren unrettbar zerstört, zwei weitere waren schwer beschädigt und würden wohl erst nach einer langwierigen Generalüberholung wieder eingesetzt werden können.
Dagegen standen 13 abgeschossene Maschinen von denen fünf Stück vollständig geborgen werden und trotz eines gewissen Ersatzteilmangels wohl wieder eingesetzt werden konnten. Ein Demolisher war so schwer beschädigt worden, dass er nur noch abgeschleppt werden konnte, ein weiterer hatte einen Treffer kassiert, der den Innenraum schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte.

Voss machte sich keine Illusionen. Wenn die Dracs einen konzentrierten Angriff gestartet hätten, wären sie durch die einzelnen Stellungen wie ein Katana durch Seide gefahren und hätten die Kaserne erreicht bevor irgendwelche Gegenmaßnahmen getroffen werden konnten. Genau genommen grenzte es schon fast an ein Wunder dass nicht mehr Soldaten gestorben waren.
Dass dies nicht geschah verdankten sie einerseits den dicht besiedelten fruchtbaren Gebieten, in denen die Sternenbund Schutztruppen schlecht einmarschieren konnten, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Andererseits lag es Jinsai offensichtlich daran, nur die Garde zu vernichten und den Herrscher somit zur Aufgabe zu zwingen und nicht gleich die Hauptstadt zu attackieren. Irgendwie vermochte dieser Gedanke ihn nicht so recht aufzumuntern.
Aber dann war da noch sein Ass im Ärmel. Genaugenommen war es mehr das Springmesser das man zog wenn der Gegner sein fünftes Ass ausgepackt hatte.
Barhestlanze operierte hinter den feindlichen Linien und sorgte mit einer Reihe von Störangriffen für genug Ablenkung um eine Konzentrierung der feindlichen Kräfte zu verhindern. Faszinierenderweise hatte dessen Anführer es bisher geschafft immer mehr Mechs heim zu bringen als er ins Feld mitgenommen hatte.
Die Nacht brachte eine Feuerpause, da die Dracs es scheinbar nicht riskieren wollten im Dunkeln in irgendwelche Hinterhalte zu tappen.

Voss sah von seiner Karte auf. Am anderen Ende des Tisches stand Hauptmann Hoffmann, der immer noch in voller Tarnmontur war und, wenn Voss sich nicht schwer täuschte, eine leicht blutbespritzten Kampfanzug trug.
„Nun Bernhard, was hältst du von der Idee?“
„Drake, wir kennen uns jetzt seit über zehn Jahren und ich hab schon einigen Blödsinn mit gemacht, aber das hier kannst du doch nicht ernst meinen.“
„Ich gebe zu, es ist riskant...“
„Riskant? Du schlägst ernsthaft vor, einen Zug meiner Männer abzuziehen, um damit eine einsame, abgeschnittene Basis von geringer strategischer Bedeutung zu besetzten,
nur damit der Feind sich genötigt sieht sie uns wieder abzunehmen?
Wo liegt der Sinn?“
„Der Sinn? Wenn wir die Kuritas nicht bald ablenken sind sie übermorgen hier.
Verdammt noch mal, sobald unsere Truppen nicht mehr in Bewegung sind werden die Schlangen ihre Kräfte sammeln und einen massiven Schlag mit beiden Battalionen auf unsere einzelnen Gruppen durchführen. Es wird ihnen egal sein, ob sie dabei Verluste in Kauf nehmen, solange sie in einer so großen Überzahl sind. Wir dürfen einfach nicht zulassen, dass sie sich vereinigen.“
„Mag ja sein, aber dein Plan wird daran auch nichts ändern, außer dass wir noch ein paar Stunden länger hier aushalten können und das einige meiner besten Männer einfach so abgeschlachtet werden, während sie eine vollkommen nutzlose Milizbasis in Betrieb nehmen.“
„Bernhard, ich habe nicht vor deine Männer in den Tod zu schicken. Barghest begleitet sie und wird die Gegner ablenken bis sie die Basis präpariert haben.“
„Moment mal. Jetzt willst du auch noch deine Jokertruppe hinterher werfen?! Wenn dein Plan wirklich vorsieht den Anschein zu erwecken, dass du eine ganze Kompanie dorthin verlegt hast, dann werden die Kerle mit nicht weniger als zwei gemischten Kompanien ankommen. Darauf geh ich jede Wette ein. Wie glaubst du sollen deine Mechbubies und meine Männer das überleben?“
„Da hab ich vollstes Vertrauen in meine Leute. Barghest hat mittlerweile Schlimmeres überstanden.
Und da du keinen besseren Vorschlag hast wird es so gemacht.“
„Wie Sie befehlen, Herr Kommandanthauptmann. Wenn Sie so sicher sind, dass meine Männer das lebend überstehen, haben Sie sicher nichts dagegen, dass ich persönlich an der Operation teilnehme.“
Voss starrte ihn eine volle Sekunde nur verblüfft an. Widerstreitende Gefühle von Trotz und Stolz auf der einen Seite und Sorge um einen langjährigen Kameraden ließen ihn zögern.
„Wie du willst. Nimm aber genug Unterstützung mit.“
„Keine Sorge. Ich leih mir von der Miliz ein paar Helis. Damit sind meine Jungs dann so gut wie weg, wenn der Tanz beginnt. Ich fürchte nur, dass wir kein Landungsschiff bekommen werden um deine Zinnsoldaten da raus zu fliegen...“

Mit einem letzten Kopfschütteln verlies Hoffman das Büro. Erschöpft und ein wenig deprimiert lehnte sich Voss in seinem Sessel zurück. Jetzt war es zu spät. Der Befehl war erteilt und wurde ausgeführt. Die Männer würden ihren Zweck erfüllen, egal ob sie zurück kamen oder nicht.

Ares
02.03.2005, 11:41
Der Wind blies kalt über Garnhem, als die zwei Mechlanzen über die frostbedeckten Felder stapften. Kompanieführer Ichitomo verfluchte sich innerlich für seine Nachlässigkeit. Es war nicht etwa so, als ob er zu Hause den Herd angelassen hatte, die Zeitung nicht abbestellt hätte oder vergessen hätte sein Zwergkaninchen Oni zu füttern. Nein, vielmehr hatte er es versäumt in der Besprechung zu erwähnen eine geschlossene Gruppe zu bilden.
Zwar war es vollkommen korrekt die Scoutlanze weit vorrücken zu lassen, dummerweise hatten sich jedoch die Angriffslanzen an den Scouts orientiert, so dass die Schweren Maschinen jetzt weit zurück hingen. Die konventionellen Fahrzeuge hatten dem Straßenverlauf folgen müssen, um das vielfach zerklüftete Gelände so weit wie möglich zu vermeiden.
Zugegeben, die Besprechung war ziemlich kurzfristig und schnell abgelaufen. Um zwei Uhr Ortszeit war er von der Aufklärung geweckt worden, weil begründete Anzeichen aufgetreten waren, dass eine Gruppe von Battalionsstärke eine Basis im Norden der Hauptstadt reaktivieren wollten. Bisher war Garnhem von den Schutztruppen vollkommen ignoriert worden. Laut den zwei Jahre alten Aufklärungsberichten war dort nur ein einfacher Milizvorposten untergebracht, der, zwar mit schwerer stationärer Verteidigung und einigen Reparaturstationen bestückt, weder besonderes Material, noch irgendwelche außergewöhnliche Ausrüstung aufwies.
Doch scheinbar wussten das die Lyraner besser, wie sonst war es zu erklären dass eine ganze Kompanie, begleitet von mehreren Zügen Infanterie in Richtung Norden aufgebrochen war.
Abgefangene Funksprüche waren zwar unklar, jedoch konnte eindeutig der Ort Garnhem entschlüsselt werden.
Wie man es drehte und wendete: Wenn Voss ein Drittel seiner Kampfkraft auf einen so weit abseitsliegenden Ort konzentrierte konnte das nur zweierlei bedeuten:
Entweder er war vollkommen verrückt, oder dort lagerten bisher unentdeckte Recourcen die ein solches Risiko rechtfertigten.
Wie dem auch sei: Seine Einsatzgruppe war in aller Eile zusammengestellt und der Marschbefehl war nur eine Stunde nach der Entdeckung abgegeben worden.
Dennoch, irgendetwas lief hier falsch. Eine Stunde Vorsprung war viel aber zumindest die leichten Scouts hätten mittlerweile eine Spur dieser Kompanie entdecken müssen, vor allem da diese laut Aufklärung vor allem aus Schweren Maschinen bestanden.
Entweder der Kompanieführer ließ die Maschinen auf permanenter Höchstgeschwindigkeit laufen oder...
Ja, was oder... Eine Meldung des Scoutführers erreichte ihn. Feindkontakt.
Start mehrerer feindlicher Helikopter in Richtung Westen.
Eine Lanze schwere Elemente.
Gegen eine Gruppe Scouts.
Ichimoto fluchte innerlich. Er war noch mindestens 20 Kilometer von Garnhem entfernt. Kampflanze 1 und 2 noch mindestens 10. Die Scouts waren in einen Hinterhalt geraten.
Die nächsten drei Minuten wurden zu den Schrecklichsten, die er je erleben musste. Einer nach dem Anderen starb im massiven Feindfeuer. Der Feind setzte starke ECM Ausrüstung ein, daher hatten beide Scoutlanzen zu spät bemerkt, dass sie bereits in der Reichweite der Basis Geschütze waren.
Wütend aktivierte er sein Funkgerät:
„Kranichlanze, Tiegerlanze greift sofort mit Höchstgeschwindigkeit an. Die Scoutlanzen sind in einen Hinterhalt geraten, ich wiederhole: Sofort eingreifen.“
Itchimoto schlug mit der flachen Hand auf die Pilotenliege seines Cyclops. Warum waren seine Leute so weit vorgesprescht?
„Weil du es ihnen nicht verboten hast“, sagte eine unangenehme Stimme in seinem Hinterkopf.
Aber sie hätten sie einhohlen sollen bevor sie die Basis erreichen und in Betrieb nahmen. Wie konnten sie nur so schnell dort sein mit über 12 Maschinen? Die Helikopter. Wo waren die hergekommen? Von denen war kein Wort im Aufklärungsreport gewesen.
Nun war es zu spät. Gerade wurde der letzte Jenner auf der Flucht ausgeschaltet.

Tiger und Kranich meldeten dass sie angekommen waren aber nur eine Lanze auf der Flucht Richtung Westen entdeckt hatten. Die Geschütze der Basis waren aktiv aber keine Mechs innerhalb der Basis.
Itchimoto zögerte. Schnell rief er die taktischen Karten der Gegend auf.
Ja, im Westen lag noch eine Einrichtung, eine Sensorkontrollstation. Er hatte keinen blassen Schimmer was die Gaijin damit bezweckten, er wusste nur eins: Was immer sie damit wollten, er musste verhindern dass sie es bekamen.
„Verfolgung aufnehmen, ich kümmere mich persönlich um die Basis.“ Er wechselte die Frequenz und wandte sich an den Kommandeur der konventionellen Fahrzeuge: „Unterstützen Sie die Angriffslanzen so schnell wie möglich und finden sie heraus wo der Rest dieses Battalions abgeblieben ist.“
Es kam keine Bestätigung.
Noch einmal wiederholte er seine Befehle, aber die Lautsprecher blieben stumm.
Ein furchtbarer Verdacht keimte in ihm auf. Eine Falle. Schon wieder.
Sie hatten sie erwartet. Er erinnerte sich. Auf dieser Welt waren die ArcSiem 112 Sensoren im Einsatz. Diese Stationären Aktivsonden zeichneten sich nicht nur durch eine enorme Reichweite aus, sondern auch über die Eigenheit, das gesamte Mikrowellenspektrum überlagern zu können. Perfekte Störsender. Garnhem hatte damit tatsächlich eine Besonderheit: Das größte Funkloch dieses Planeten.
Nicht einmal Satelliten Kontakt war in dieser verfluchten Gegend möglich. 15 Minuten später gelangten seine beiden Befehlslanzen zur Garnhem Basis. Aus sicherer Distanz ließen die zehn schweren bis überschweren Mechs Raketensalven auf die stationären Geschütze.
Da, die feigen Gaijin ergriffen die Flucht, sie verließen die AK-Türme und rannten. 30 Sekunden später startete ein weiterer Helikopter. Eine Explosion verkündete die Vernichtung des Zentralgebäudes. Was auch immer darin gewesen war, jetzt war es kaputt. Aber noch immer war nur Rauschen über die Radiofrequenzen zu empfangen. Per Comlaser gab er den Befehl die Basis zu erobern.
Dies geschah vergleichsweise leicht. Allerdings war es auch kaum verwunderlich in Anbetracht dessen, dass sie vollkommen verlassen war. Ein Pioniertrupp war ebenfalls mit den restlichen konventionellen Fahrzeugen angekommen und machte sich bereits selbstständig an einem der Generatoren zu schaffen. Itchitomos Sensoren zeigten an, dass der Fusionsreaktor abgeschaltet war, gleichzeitig verschwand auch die Störung.
Seine Kampflanzen blieben verschwunden. Kein Funk, keine MR-Signatur, aber der Satellit übertrug jetzt wieder. Zwei Kilometer entfernt waren Wärmesignaturen erkennbar. Signaturen von Reaktorexplosionen.
Nein, das durfte nicht sein.
Eine eingehende Vidnachricht wurde gemeldet. Als er sie aufrief, empfing ihn das Bild eines ihm unbekannten Mannes in Tarnschminke:
„Guten Morgen Draconier, mein Name ist Hauptmann Bernhard Hoffman. Ich beglückwünsche Sie zu ihrer erfolgreichen Basisübernahme. Leider werden Sie feststellen das bei dieser alten Immobilie einige Renovierungsarbeiten nötig sind. Namentlich die leckenden Erdgaspipelines unter diesem Komplex und die schlecht gesicherten Munitionsbunker. Da Sie dies hier empfangen, haben Sie vermutlich den Reaktor abgeschaltet. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass diese Nachricht hier nur eine Ablenkung von den daran angeschlossenen Primärzündern ist. Einen schönen Tag noch und in ihrem Fall auch noch gute Nacht...“
Synchron zu Hoffmans immer noch lächelndem Gesicht sagte Ichimoto noch: „Heute ist ein guter Tag zum...“. Weiter kam er nicht mehr, da sich seine Umgebung im Bruchteil einer Sekunde in einen gleißenden Feuerball verwandelte.

Die Detonation war noch 20 Kilometer weiter spürbar als die Garnhem Basis sich in einen Krater verwandelte. Hoffman lächelte grimmig. Die Spionagesensoren hatten die gesamte Befehlslanze plus mehrere Unterstützungsfahrzeuge kurz vor der Zündung in der Basis geortet.
Barghest meldete nur leichte Schäden, keine Toten. Von seinen eigenen Leuten hatten es alle geschafft bis auf den Obergefreiten Müller, der seinen Geschützturm nicht mehr rechtzeitig verlassen hatte.
Militärisch gesehen ein voller Erfolg, auch wenn die Zivilisten im Norden Garnhems den Winter wohl irgendwie ohne Gasversorgung würden überleben müssen. Kolateralschaden.

Ares
12.03.2005, 15:09
Voss entspannte sich ein wenig. Es war ein riskantes Spiel gewesen. Glücklicherweise hatten die Dracs nicht bemerkt, das Barghest schon mehrere Stunden vor der, von Jack geführten Gruppe aufgebrochen war. Damit waren sie gerade rechtzeitig zugegen, um die Scouts zu überfallen. Es war knapp gewesen. Die Kampflanzen hatten sich als zäher erwiesen als erwartet. Immerhin es war ein 5:2 Gefecht gewesen wenn man die Schweber mitzählte. Irgendwie war es Barghests Männern gelungen sie zu schlagen, woran mehrere Tonnen Donner-LSR wohl maßgeblich Anteil hatten. Voss überlegte ob er die Gefechtsroms anfordern sollte, entschied sich aber dagegen. Es gab wichtigeres zu tun. Nach der Zerstörung der Basis waren die Bergetransporter gestartet. Es waren etliche Ersatzteilen und sogar drei vollständig bergbare Mechs dabei. Der Feind wird schwächer, du wirst stärker, der Feind muss mehr Gelände verteidigen du immer weniger.
In einem anderen Bericht wurde knapp gemeldet das Jacks Gruppe einen gegnerischen Vorstoß auf die vermeintlich ungeschützte Flanke brutal vereitelt hatte. Der Schreiber hatte das Wort „brutal“ unterstrichen. Jetzt musste Voss wirklich grinsen. Doch er wurde gleich wieder ernst. Wichtig war, dass Kurita jetzt nur noch etwa um die Hälfte überlegen war, insbesondere da einige Reservepiloten mit Mechs versorgt werden konnten.
Die Aufklärer meldeten, dass die Schlangen aufgehört hatten Depots anzugreifen. Stattdessen zogen sie sich zurück, wahrscheinlich um sich neu zu formieren.
Das verschaffte seinen Männern einerseits eine dringend benötigte Ruhepause, schließlich waren viele von ihnen schon mehr als 24 Stunden am Stück im Einsatz. Andererseits erschwerte das aber seinen Plan den Feind auf Trab zu halten.
Voss wandte sich seinem Adjutanten zu:
„Stellen sie mir eine Verbindung zu Raily her“
„Ja Sir.“
Voss wartete bis der Schirm das vertraute Gesicht seines Sicherheitsoffiziers zeigte.
„Raily, der Plan ist aufgegangen, minimale Verluste bei uns, viele Ersatzteile und drei weitere Kriegsgefangene.“
„Gratuliere, aber ich glaube wir haben zu wenig Basen um mit dieser Strategie langfristig weiter zu machen.“
„Ja, aber es hat sich gelohnt.“
„Dafür haben Sie sich mit dieser Aktion bei der Miliz keine Freunde gemacht. Offen gesagt: Mir macht die Moral der Truppe ziemliche Sorgen. Beständig in der Defensive, konstante Bedrohung und dann auch noch Agitation aus dem Palast, da wird auch der beste Soldat irgendwann mürbe. Wir bräuchten einige erfolgreiche Angriffe auf gegnerischem Territorium um die Lästerer zumindest für eine Weile zum Schweigen zu bringen.“
„Schwebt Ihnen da schon etwas bestimmtes vor?“
„Nun, da die Kuritas sich zurückziehen, wäre es möglich zur Abwechslung einmal eines derer Depots leer zu räumen. Scheinbar haben die Dracs bei ihrem Rückzug eine Flanke zum van Gervenpass entblößt. Eine erfahrene und schnelle Truppe könnte dort leicht zuschlagen.“
„Hm, Barghest könnte übermorgen dort eintreffen. Wenn ich Fenris und Wolf dazu benutze ihre Nachschubwege anzugreifen, müsste das für genug Verwirrung sorgen um sie sicher da durch zu bringen.“
„Gut, sobald die Männer erholt und ihre Maschinen überholt sind sollten sie aufsatteln und die Sache in Angriff nehmen.“
Voss beendete die Verbindung. Was hatte Raily gesagt? Den Spieß umdrehen? Na hoffentlich nicht, schließlich hatten seine Taktiken bisher Erfolg gehabt.

Jack hasste den Winter. Zwar wäre er der letzte gewesen, der sich diesbezüglich etwas anmerken lies, aber allein in seinem Cockpit gönnte er sich den Luxus über das Wetter zu fluchen. Seine Kompetenz als Mechpilot war unabhängig vom Terrain und auch die beschleunigte Kühlung seiner Systeme war ihm nur recht, dennoch: Er hasste den Winter, die Kälte, den Schnee, das Eis, die Kälte und ganz besonders den Blizzard der sich jetzt anbahnte.
Voss hatte ihm befohlen ein Auge auf Barghest zu halten und zur Unterstützung vorher noch etwas Verwirrung bei einem Versorgungskonvoi der Schlangen zu stiften.
Jetzt erreichte sein Stern „Fenris“ die geplante Stelle, ein Überhang aus Eis und Fels der eine natürliche Höhle bildete. Warten.
Trotz seiner Ungeduld war Jack gut im Warten. So ziemlich jeder Soldat perfektionierte diese Fähigkeit im Zuge seiner Ausbildung. Das war wohl das erste, was man Kriegern beibrachte. Abgesehen vielleicht von der Lage der Toiletten.
Er betrachtete seine Sternmitglieder. Mechkrieger Ian war ihm erst vor zwei Tagen zugeteilt worden. Er war einer der Reservepiloten und hatte einen geborgenen Dragon bekommen. Ian hatte einige Probleme mit Jacks Kommandostil gehabt. Namentlich machte ihm die gebrochene Nase zu schaffen. Danach jedoch hatte Ian seine alten Clanvorurteile abgelegt - oder zumindest Platz für einige Neue geschaffen.
Aber das System funktionierte. Sein Stern arbeitete perfekt. Sie benutzen sogar die Clanbegriffe, die Jack ihnen beigebracht hatte, ebenso wie sie sich nur noch per Vornahmen ansprachen. Jetzt kam der schwierige Teil. Jack aktivierte sein Mikro:
„Wenn Ihr alle in Position seid, fahrt die Reaktoren auf Minimalleistung herunter, ich aktiviere ECM in Drei, Zwo, Eins...“
Jack legte den Schalter um und drosselte kontrolliert die Wasserstoffzuleitung. Als die Warnlampe für den Plasmaabriss aufleuchtete, deaktivierte er schlagartig alle elektrischen Verbraucher, bis auf die ECM-Phalanx und die Lebenserhaltung.
Sein Ursus brummte ganz leise, wie ein Bär im Winterschlaf. Das Passivradar hatte er deaktiviert. Stattdessen verlies er sich auf die seismischen Sensoren. Die Minuten krochen dahin und ein unaufmerksamer Beobachter hätte meinen können, Jack sei eingeschlafen.
Ein Ausschlag. Der eben noch dösende Jack war hellwach und versuchte das Passivradar zu verstärken, während er gleichzeitig die Leistung des ECMs hochfuhr.
Etwas stimmte nicht. Der Konvoi hätte aus mindestens vier Lastwagen bestehen sollen plus einer Eskorte aus konventionellen Einheiten und Battlemechs. Die Mecheskorte war da, aber von Einheiten auf der Straße war keine Spur zu sehen.
Per Comlaser gab er an seinen Stern den Befehl:
„Höchste Alarmstufe, bereitmachen für schnellen Rückzug.“
Jetzt. Der Schneevorhang teilte sich und gab den Blick frei auf einen leichten Jenner, dicht gefolgt von einem Mech, den Jack als Clan-Uller identifizierte. Damit war die Entscheidung gefallen. Jack rammte die Reaktorkontrolle nach vorn und drückte den ersten Feuerleitkreis. 100 Meter von ihm entfernt wurde der Uller von einem Alphaschlag aus dem Nichts getroffen. Sein linker Torso wurde von der vollen Wucht einer Laserbreitsalve durchgeschmolzen und zerstörte die halbe Reaktorabschirmung. Eine Kurzstreckenraktete landete einen fatalen Treffer in dem Gaussgeschütz am rechten Arm und brachte die Supraleiter in einem blauen Gleißen zur Explosion. Scheinbar hatte der Pilot des Omnimechs vergessen, dass er keine andere explosive Munition mit sich führte. Denn einen Sekundenbruchteil später explodierte das Kanzeldach und der Pilot verlies auf dem Schleudersitz seinen Mech.
Um Jack herum lies Fenris ebenfalls den sorgfältig antrainierten Aggressionen freien Lauf. In ihrem Feuer ging der Jenner unter und ein plötzlich auftauchender Hunchback erlitt einen bösen Treffer an seinem Hüftgelenk. Jack feuerte weiter. Sein ganzer Stern stand von der einen zur anderen Sekunde in einer Dampfwolke, als Gigajoule an Energie freigesetzt wurden. Das Radar enthüllte keine weiteren Gegner, abgesehen von dem Owens der im Schutz seiner Lanzenkameraden geblieben war und gar keine Anstalten machte seine Bewaffnung zum Tragen zu bringen...
„Sofortiger Rückzug, Artillerieschlag...“
Aber Jacks Warnung kam zu spät. Mit einem Feuerschweif der einen Kometen neidisch gemacht hätte, kam eine Arrow IV Rakete über eine Kuppe geschossen und landete zielgenau auf dem Dragon. Jacks Gyroskop heulte auf, als er seinen Ursus gegen die Wucht der Explosion aufrecht zu halten versuchte. Eine Falle. Schnee und Gestein lösten sich aus dem Überhang und prasselte auf die Mechs. Jack rammte den Geschwindigkeitsregler nach vorn und achtete nicht darauf ob seine Kameraden es ihm gleich taten. Erneut feuerte er auf den Owens der sich immer noch ohne einen einzigen Schuß abzugeben stetig zurückzog. Nur seine Pulslaser fanden den Gegner und versengten den Torso des Gegners. Jack hielt weiter auf ihn zu. Erneut tauchte der Feuerschein über ihnen auf und wurde immer größer in Jacks Cockpit.
Jack brach den Kollisionskurs ab und hielt auf den praktisch immobilen Hunchback zu. Dieser suchte gerade etwas das er mit seiner riesigen Autokanone unter Feuer nehmen konnte.
Jack bot sich ihm gerade zu an. Der Ursus taumelte zur Seite als ihn die AK am Bein erwischte. In diesem Moment raste die Artillerieraktete über ihn hinweg und geradewegs auf den Hunchback zu, der sich nun wünschte nicht gerade jetzt ein festgefressenes Hüftgelenk zu haben.
Wieder detonierte eine Rakete, jedoch ohne den Hunchback direkt zu treffen. Stattdessen schuf sie einen Krater in dem der Mech einfach verschwand.
Jack bekam davon schon nichts mehr mit.
Diverse Warnleuchten wiesen ihn auf die Überbelastung seiner Maschine hin, als er mehr als das zugelassene Maximum aus seiner Maschine heraus holte. Es wäre wohl die feigeste Flucht in der Geschichte des organisierten Militärs, wäre da nicht ein kleines Detail gewesen:
Jack rannte in Richtung des gegnerischen Stützpunktes „Van Gerven“.

Mit vollster Konzentration raste Jack über das vereiste Gelände, unterbewusst bekam er mit, dass sein verbliebener Stern versuchte mit ihm Schritt zu halten, während nun das Pfeifen von konventionellen Artilleriegranaten erklang. Jedoch blieben diese ohne konkrete Peilung wirkungslos und Fenris lies nach wenigen Momenten den Bombenhagel hinter sich zurück. Jack drehte das ECM ab um seinem Stern wieder Befehle zu geben, aber sein Funkgerät blieb tot. Er verringerte die Geschwindigkeit wieder um einen Blick auf die Frequenzüberwachung zu werfen. Chaos war noch eine harmlose Beschreibung des Anblicks der sich ihm bot. Gegnerischer Störfunk überlagerten praktisch alle Frequenzen.
Die Aktivatoren in seinem angeschossenen Bein knackten unheilvoll, als er mit nomineller Höchstgeschwindigkeit durch den Schneesturm hastete. Jack brachte einige Sekunden damit zu ein persönliches Programm in seinem Bordcomputer zu suchen. Das Programm hatte er zusammen mit seinem Tech auf Huntress erarbeitet. Dabei ging es um die Nutzung der starken Leistung seiner Funkbarke. Normalerweise erzeugte diese vollkommen zufällige Signale, die mit zig Kilowatt in den Äther gestrahlt wurden um gegnerische Funkwellen zu überlagern. Jetzt schaltete er den Verstärker auf Empfang und wies die Computer seiner Einheit über den verstärkten Sender an, einen Funkkreis zu bilden und so effektiv alle Sensor und Funksignale über seinen Mech als Relais zu leiten.
Verstümmelt empfing er Funksprüche von Barghestlanze. Noch hatte diese nichts bemerkt.
Es gelang ihm jedoch nicht sie zu erreichen. Die Entfernung war zu groß.
„Sterncaptain Jack an Fenrislanze: Statusbericht!“
„Hier Krieger Tim, grün, grün“
„Hier Krieger Simon, gelb, grün“
„Hier Krieger Jade, orange, gelb“
„Keine Verminderung der Beweglichkeit, frapos?
„Pos.“
„Pos.“
„Pos.“
„Gut, Krieger Jade, Sie haben gelb gemeldet, sind Sie verletzt?“
„Neg, aber mein Cockpit ist durchschlagen und meine Feuerleitkontrolle ist zerstört, ich arbeite mit dem Notsystem.“
„In Ordnung, halten Sie sich im Hintergrund und geben sie nur Deckungsfeuer. Ich vermute Barghest ist ebenfalls in eine Mausefalle getappt. Wir sind die Zähne die das Gitter aufnagen müssen.“

Nur noch drei Kilometer trennten sie vom Van Gerven Pass und dem Zugang zu dem gleichnamigen Fjord. Jetzt empfing Jack eine weitere Transmission:
"Ich bin Chu-I Jatona vom 2.Batalion der 4.Dieron-Regulars. Die lyranische Gier macht euch Blind für Finten. Es ist fast schon zu leicht! Macht euch bereit zu sterben. Es wird uns ein Vergnügen sein Euch in eurem Blut ersaufen zu sehn!"
Kurz darauf empfing Jack die Stimme des Lanzenführers:
"Wotan von Barghest, es ist eine Falle! Wir müssen hier raus!!"
Die Übertragung brach wieder ab, Jack glaubte die Echos von mehreren startenden Mechs auf dem Radar zu erkennen. Wieder erklang Barghest, diesmal etwas panischer:
„Wotan empfangen sie mich...“

Jack überlegte nicht länger, er hatte jetzt eine klare Identifikation: Acht Mechs der Sturmklasse näherten sich Barghests Position, vier weitere unidentifizierte starteten gerade und mittlerweile hatte sein Computer die Stellungen der Störsender ermittelt. Sie bewegten sich ellipsenförmig um den Pass. Jack fuhr die Sendeleistung seines ECCMs weiter nach oben und aktivierte das Mikro:
"Draconischer Chu-I! Ich bin Sterncaptain Jack vom Clan Arcturus: Ich nehme deine Herausforderung an. Gut gehandelt und akzeptiert.“
Barhest meldete sich wieder:
"Fenris! Gottseidank! - Sind sie wahnsinnig Oberleutnant?! Wir müssen hier weg! Da kommen drei Lanzen.
Ungerührt sprach Jack weiter: "Nehmen Sie Gefechtsformation ein, ich komme zu Ihnen. Treffpunkt ist südlich der Siedlung"
"Oberleutnant Jack, wir müssen hier weg!"
„Neg, bei einem Rückzug unter diesen Bedingungen erleiden Sie inakzeptable Verluste. Finden und vernichten Sie die Störsender. Ich kümmere mich um die Sturmeinheiten, Sie um den Rest. FRAPOS?
"Ich werde mich morgen dafür hassen, und der Kommandant erst recht, aber bitte! POS!"
Jack hatte gleichzeitig die Koordinaten übermittelt und begann auch sofort damit die Aufmerksamkeit der beiden Sturmlanzen mit einigen ungezielten LSR Salven auf sich zu ziehen. Barghest bestand aus einer überstärkten Lanze und sollte wohl leicht in der Lage sein die Störsender auszuschalten. Dann würde es sicher möglich sein Wolf zu kontaktieren und einen Rückzug zu ermöglichen. Alles was Barghest dazu brauchte war Zeit. Zeit die, wie Jack sehr wohl bewusst war, direkt von seinem und dem Leben seiner Krieger stammen würde.
Ein Atlas hatte sich der Störung gestellt und versuchte mit seinem Gaussgeschütz die Neuankömmlinge auf ihre Unerwünschtheit hinzuweisen. Jack konterte mit seinem schweren ER Laser. Der traf auch, im Gegensatz zu der mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit fliegenden Eisenmelone, die stattdessen die Erosion dieses Gebiets vorantrieb. Die beiden Lanzen schienen kurzzeitig verwirrt: Die größere Gegnergruppe floh, während die kleinere angriff. Der Instinkt, hinter einer solch ungewöhnlichen Aktion, eine Falle zu vermuten, gewann die Überhand. Die sich zurückziehende Barghestlanze wich tiefer ins Tal hinein, während Fenris weiter auf die Doppellanze zuhielt.
Jack aktivierte wieder das Mikro:
„Stern, Ausführung Manöver Quake, in 3,2,1...“
Sicherer Stand war ein Luxus in diesem Gebiet und in Kombination mit dem höllischen Wind geradezu eine Einladung: Fenris konzentrierte sein Feuer auf den Boden und die Beine des Atlas. Die Langstreckenraketen und AK-Granaten durchpflügten den Boden und der Sturmmech stolperte, stürzte und geriet ins Rutschen. Sein vor ihm stampfender Kollege reagierte zu spät. Der Großtitan und der Atlas wurden zu einem gigantischen Schlitten, der in einer Wolke aus Schnee und Gestein ins Tal hinab schlitterte. Die restlichen Gegner jedoch fingen nun auch an Fenris unter Feuer zu nehmen. Jack kassierte mehrere Lasertreffer und nahm leicht beunruhigt zur Kenntnis, dass er mehrere Panzerdurchbrüche an Armen und Beinen zu verzeichnen hatte. Mit kalter Präzision visierte er seinen nächsten Gegner an: Ein Marodeur, dessen Pilot ein Haifischgrinsen um das Cockpit gemalt hatte. Jack feuerte. Seine Raketen verteilten sich über Arme und Beine des Gegners und das Grinsen schien sich zu verstärken. Der kombinierte Beschuss aus den beiden Pulslasern jedoch traf das Haimaul und hatte einen ähnlichen Effekt auf den Piloten wie ein Hai der eine Wassermine für eine Mahlzeit hält. Für Triumph blieb ihm aber keine Zeit, neben ihm stolperte plötzlich Tims Enfield und wurde Momente später von einer strahlenden Blume aus Reaktorplasma verschlungen. Wieder schlug etwas in den Ursus ein, die rechte Torsopartie und der dazugehörige Arm verschwanden einfach. Jack wendete seine Aufmerksamkeit vom Kampfgeschehen ab um den plötzlichen Gleichgewichtsverlust auszugleichen. Das beschädigte Bein protestierte und sackte auf das Knie herab. Ein Mauler stapfte auf ihn zu, doch die Distanz war bereits zu gering um seine Raketenlaffeten einzusetzen, stattdessen beschränkte der Pilot sich auf Laser und Autokanonenbeschuß, während Jack sich wieder auf die Beine quälte. Nur noch wenige Meter trennten Jack noch von seinem fast doppelt so schweren Gegner. Der erkannte zu spät was Jack vorhatte. Jack feuerte auf das linke Bein seines Gegners, als dieser automatisch die Belastung auf das andere Bein verlagerte lies Jack den Ursus mit seinem unverletzten Gliedmaß austreten.
Das mechanische Äquivalent einer Kniescheibe knackte und der Maulerpilot fühlte sich hilflos den Kräften der Schwerkraft ausgesetzt, die ihn dem Boden verflucht schnell näher kommen lies. Der stürzende Mauler gab den Blick auf Mechkrieger Simon frei, der gerade die nachteilige Eigenschaft von unverbrauchter Raketenmunition in freigelegten Munitionskammern zu spüren bekam. Der Centurion wurde praktisch in zwei Teile zerrissen, als Folgeexplosionen die Maschine verheerten. Jack lies sich nicht beirren. Noch einmal ob er den Fuß seines Mechs und trat auf die Stelle, an der er das Cockpit des Maulers vermutete. Seine Leute starben. Aber der Feind zahlte einen hohen Preis. Vielleicht, ja vielleicht mit viel Glück würden sie es schaffen...
Sein Blick fiel auf die Kesselbrut die sich ihm unbemerkt genähert hatte und ihre beiden PPKs hob.
„Dich hol ich mir...“ war alles was Jack noch hervorbrachte, bevor die Rettungsautomatik wegen einer Munitionsexplosion aktiviert wurde und Jack, ohnmächtig von der Rückkopplung in seinem Neurohelm, aus dem Cockpit geschossen wurde...

Ares
15.03.2005, 18:50
Voss schlug mit der Faust auf den schweren Eichenschreibtisch. Es hatte ja irgendwann so kommen müssen. Fenrislanze war vollkommen aufgerieben worden, van Gerven hatte keine Vorräte enthalten und das meiste Bergegut war den Dracs in die Hände gefallen.
Immerhin war Barghest mit leichten Verlusten davon gekommen, als Wolflanze zur Verstärkung eintraf. Nur Mechkrieger Simon Leitner konnte schwerverletzt geborgen werden, alle anderen mussten entweder tot sein oder gefangen.
Voss blätterte zum Ende des Berichts. Die mobilen ECM Anlagen waren vollkommen unbrauchbar gemacht worden und der Gegner hatte mindestens sechs schwer beschädigte Sturmmechs, die er für die nächste Zeit nicht mehr einsetzen konnte. Ein Räuspern lies Voss aufsehen. Hoffman stellte ein vollkommen unbewegtes Pockerface zur Schau.
„Nimm es nicht zu schwer Drake, die Verluste werden uns nicht allzu gefährlich. Die Aktion von Fenrislanzenführer war so bescheuert, die konnte ja nur schief gehen.“
„Ja Bernhard, aber ich fürchte fast, dass er dachte auf Befehl zu handeln.“
„Wie das? Er hatte doch vollständige Funkblockade zum HQ.“
„Ja, aber ich habe ihm gesagt dass Barghest mir lebend mehr nutzt als er tot.“
„Was für ein dämlicher Satz ist das denn? Das ist ja noch nicht mal eine sinnvolle Aussage.“
„Ich glaube, Jack hat bei einem Satz, in dem es um ehrenvollen Tot als Alternative ging, nicht allzu lange interpretiert...“
„Dieser Idiot hat auf jeden Fall das Leben seiner Lanzenmitglieder auf dem Gewissen. Wäre er in meiner Einheit und noch am Leben, würde ich ihn dafür erschießen lassen...
So und jetzt entschuldige mich bitte Drake, ich muss dringend mit einigen meiner Aufklärern reden. Warte nicht mit der Besprechung auf mich, ich bin demnächst wieder zurück...“

„...sollte der Gefangene Widerstand leisten, zögern sie nicht ihn zu erschießen, er ist ein Kriegsverbrecher.“
Rötliche Schlieren zogen durch sein Blickfeld, verschwommen nahm er verschiedene Eindrücke war. Seine Gliedmaßen... alle noch da, gut. Weiches Bett und geschlossener Raum... gut. Handschellen um die Handgelenkte... nicht gut. Drakonischer Soldat mit Sturmgewehr und grimmigem Gesichtsausdruck... ganz und gar nicht gut.

„Folgendes ist unsere derzeitige Situation, meine Damen und Herren:
Trotz des „Van Gerven-Rückschlags“ haben wir ab 1500 Lokalzeit 48 Funktionsfähige Mechs inklusive Besatzung. Diese besteht jedoch größtenteils aus absoluten Neulingen. Funktionsfähig ist dabei nicht gleichbedeutend mit generalüberholt, aber wir arbeiten daran.
Wir haben 20 konventionelle Fahrzeuge, davon die Hälfte schwere Panzer. Gleichzeitig hat sich Jinsais aktive Streitmacht, ohne entsprechende Nachschublieferungen, auf etwa 50-55 Mechs verringert. Seine konventionellen Einheiten sind stark zusammen geschrumpft seit der Garnhemaktion. Effektiv haben damit die Angriffe aufgehört und wir haben einen inoffiziellen Waffenstillstand.“
Lautes Klatschen erscholl von den anwesenden Offizieren und zwang Voss in seiner Rede inne zu halten. Allen Stabsmitgliedern standen die Anstrengungen der letzten Tagen so tief ins Gesicht geschrieben, dass die erleichterten Mienen, die sie jetzt zeigten, wie ein Jungbrunnen wirkten. Allerdings bei einer Jugend die eine ziemlich lange Nacht durchgefeiert hatte. Voss las weiter von seinem Bericht ab:
„Leider wurde gestern bei der erwähnten Aktion die gesamte Fenrislanze aufgerieben, nur ein Mitglied konnte lebend geborgen werden. Unter den Vermissten befindet sich auch Oberleutnant Jack Arcturus. Sein Mech wurde vollkommen zerstört und konnte nicht mehr geborgen werden, so dass vermutlich die Draconier jetzt die Überreste verwerten.“
Bei dieser Nachricht versuchten die meisten der Offiziere zumindest eine betretene Miene zu zeigen, aber irgendwie verblieb dabei doch eine gewisse Erleichterung erkennbar.
„Nun, ich werde mich jetzt mit Jinsai in Verbindung...“
Er wurde von seinem Adjutanten unterbrochen, der von einem Bildschirm des HQ aufblickte:
„Sir, ich glaube Ihr Bericht muss korrigiert werden, entweder ist Jinsai verrückt geworden oder die Clans haben die Invasion wieder aufgenommen...“

Etwa 6 Stunden früher:
„Was wollen sie damit sagen Doktor?“
„Nun Sho-Sa, wir haben genügend Nebelparder, sowohl tot als auch lebend, während Operation Bulldog gefangen, um unser Wissen über ihr Genprogramm zu perfektionieren.
Der Gefangene entstammt definitiv keiner uns bekannten Clanzucht, sein genetischer Fingerabdruck hat keine Ähnlichkeit mit irgendeiner bekannten Blutlinie der Nebelparder.“
„Ist dieser Mann also gar kein Clanner, sondern nur ein Verrückter?“
„Nein, die Geschichte von seiner Gefangennahme auf Huntress ist durch die offiziellen Sternenbund Aufzeichnungen bestätigt. Es könnte sich höchstens um eine Blutlinie eines uns unbekannten Clans handeln. Ich habe vor ihn darüber ausführlich zu befragen. Die entsprechenden Mittel für das Verhör sind bereit...“ Ein schrilles Heulen unterbrach ihn. Jinsai sprang auf:
„Was soll der Alarm? Greift Voss uns an? Hier in unserer eigenen Basis?“

Weitere 30 Minuten früher:
Jack hatte die Augen wieder geschlossen und versuchte möglichst viel von seiner Umgebung in Erfahrung zu bringen. Anscheinend trug er nur ein dünnes Krankenhausnachthemd, seine Hände waren ans Bettgestell mit einer Handschelle über dem Kopf gefesselt. Am Fußende seines Bettes stand eine Wache. Ansonsten war es vollkommen still in diesem Raum. Zu still. Keine Echos. Jack wusste was es mit diesem Raum auf sich hatte. Er hatte selbst in solchen Räumen gearbeitet. Nur dass die Parder in ihren Verhörkammern auf die Schallisolierungen gerne auch einmal verzichteten, um andere Gefangene mit den Schreien ihrer Kameraden gesprächiger zu machen. Jede größere Militärbasis besaß etwas vergleichbares, egal welche Konventionen, Ethik oder Moralvorstellungen in der jeweiligen Gesellschaft existierten. Wenn Informationen über Leben und Tod entschieden, dann war der Schmerz des Einzelnen unbedeutend. Zugegeben, die Clans hatten im Zuge der Invasion die Techniken neu erlernen müssen, aber in dieser Beziehung waren sie von bemerkenswert schneller Auffassungsgabe.

Jack öffnete die Lieder nur ganz leicht und spähte noch einmal durch den Raum. Ja, die Wache war allein und die Tür war geschlossen.
Jack sah jetzt zum ersten Mal die Jackenaufnäher. VSDK Soldat, Teilnehmer der Taskforce Serpent, erkennbar an der Schlange die sich um den Cameronstar wand.
Mitglied der Sternenbund Verteidigungsstreitkräfte.
Das war einfach zu viel für Jack.

Die Wache sah die Monotonie, welche die Bewachung eines Bewusstlosen mit sich brachte, jäh unterbrochen, als der Gefangene rot anlief, anfing zu Hyperventilieren, keuchte und dann die weit aufgerissenen Augen verdrehte.
Go Cho Avaro hatte zwar die Anweisung bekommen den Gefangenen zu erschießen, wenn er nicht kooperierte, aber jetzt vermutete er stark, dass er Probleme bekommen würde, sollte der Gefesselte während seiner Dienstzeit ersticken. Rasch hing er sich das Gewehr über den Rücken und versuchte den Puls zu ertasten, seine andere Hand tastete nach dem Rufknopf für den Doktor.
Es geschah blitzschnell. Jacks Augen rollten zurück, der Unteroffizier erstarrte.
Hier lag ein ganz gewöhnlicher Mensch, und doch hatte er das Gefühl einem Raubtier in die Augen zu starren. Bis zu dem Gedanken, welche Stufe er dann in der Nahrungskette einnahm, kam er nicht mehr.
Jack entblößte seine Zähne und schnappte zu. Menschliche Zähne haben eine Härte, die jene gewöhnlichen Stahls übersteigt und die Kiefermuskeln können Kräfte bis zu 200 Newton aufbringen. Das reicht aus um Haut, Knorpel und Knochen zu durchdringen und zu zerbrechen. Das Geräusch, als der Kehlkopf zerdrückt wurde und die Luftröhre kollabierte, erinnerte an knackende Hähnchenknochen.
Es schmeckte auch ein bisschen so.
Der Soldat wollte schreien, aber er hatte nichts mehr, was eine Stimme hätte erzeugen können. Jack riss seinen Kopf scharf herum und spukte das etwa Golfball-große Stück Fleisch aus. Dann wischte er sich das Blut von den Lippen. Neben dem Bett zeugten leise gurgelnde Geräusche von den letzten Sekunden des Go Cho. Jack ließ sich aus dem Bett gleiten und betrachtete seine Fesseln. Die Handschellen waren um die Stange am Kopfende des Krankenbettes gelegt und der Schlüssel war nirgends zu sehen. Jack riss probeweise an dem verchromten Gestänge, aber es lies sich nicht vom Rest des Bettes lösen. Er sah sich um. Neben ihm stand nur ein Medikamentenständer mit verschiedenen Ampullen und einer aufgezogenen Spritze.
Mit den bloßen Füßen begann er den Toten abzutasten. Dabei hinterließ er breite, blutige Spuren auf der Uniform durch die rasch größer werdende Blutlache am Boden.
Da, in der Hosentasche klimperte etwas. Vorsichtig tastete er mit den Zehen darin herum bis er etwas spitzes metallisches erfassen konnte. Ein Schlüsselbund. Mit angespannten Zehen bewegte er den rechten Fuß zu seinen gefesselten Händen. Ein Balletttänzer wäre bei dieser Szene vor Neid erblasst, oder wäre wahrscheinlicher einfach nur erblasst und hätte sich übergeben. Jack öffnete die Metallfesseln und massierte sich die Handgelenke.
Das war der einfache Teil gewesen.

Die tote Wache war viel kleiner als er, so dass er nur die Hose verwenden konnte. Der Rest war blutbeschmiert und unbrauchbar. Das Gewehr hing jetzt über seiner bloßen Schulter und die beiden Reservemagazine steckten in der Hosentasche.
Der Gang schien leer zu sein und seinem Gefühl nach befand sich dieses Stockwerk unterhalb der Erde. Wenn dies Teil der regulären Krankenstation war, gab es mit Sicherheit ein Netz aus Versorgungstunnel und Schutzräumen, mit denen Verletzte von allen Teilen der Basis schnell zur Krankenstation gebracht werden konnten, ohne dem Feindfeuer ausgesetzt zu werden.
Schritte erklangen. Eine einzelne Person mit Militärstiefeln näherte sich. Vermutlich die Ablösung. Jack glitt zurück in den Verhörraum und postierte sich neben der Tür.
Diese schwang auf und ein Asiat in Uniform sagte fröhlich etwas unverständliches auf Japanisch. Die Fröhlichkeit verschwand schlagartig als Jack den Riemen von dessen Sturmgewehr ergriff und mit einem gewaltigen Ruck von hinten daran riss. Die Waffe, die der Mann bis eben noch lässig in der Armbeuge gehalten hatte, wurde ihm an den Hals geschlagen. Momente später fühlte er einen harten Griff in seinen Haaren, der seinen Kopf ruckartig gegen den Türrahmen schlug. Wieder und wieder und wieder und wieder...
Als der Mann nur noch leise stöhnte, ergriff Jack mit der linken Armbeuge dessen Kinn und riss mit der Rechten Hand den Hinterkopf herum. Es knackte und das Stöhnen verstummte.
Dieser Soldat hatte die richtige Größe. Jack nahm sich die nötige Zeit zumindest oberflächlich den Eindruck eines VSDKler zu erwecken. Dann hob er das Gewehr wieder auf, achtete aber darauf, es nur über eine Schulter zu hängen...

„O.k., Leute unser Lebensmitteltransporter passiert jetzt jede Sekunde das Haupttor. Der Fahrer ist ein Bekannter von mir. Er liefert regelmäßig an die Kaserne, es ist also unwahrscheinlich, dass sie ihn besonders gründlich kontrollieren werden. Wenn wir drinnen sind gehen wir los und befreien die Gefangenen. Noch irgendwelche Fragen?“
Einer der sieben Kommandos meldete sich:
„Hauptmann Hoffman, woher wissen wir wo sich die Gefangenen befinden?“
„Erstens ist das unser Planet, wir haben alle Pläne dieser verdammten Kaserne und zweitens kommen alle Kriegsgefangene zuerst an einen bestimmten Ort: das Verhörzimmer.
Das befindet sich direkt unter dem Lazarett in Kombination mit einigen Zellenverschlägen. Wenn sie noch leben befinden sie sich dort. Und ab jetzt Ruhe.“

Jack ging zielstrebig und aufrecht. Mit dieser Haltung war es am wahrscheinlichsten keine Aufmerksamkeit von Vorgesetzten zu erregen, die einem irgendwelche zusätzlichen Arbeiten aufbürden wollten. Oder von Leuten die geflohene Gefangene erschießen wollten. Manche Prinzipien funktionierten überall.
Er hatte gerade das Schild mit der Aufschrift Versorgungstunnel MechInst. gefunden als er das gleichmäßige Schlurfen zweier Paar Stiefel hörte. Jack zog sich die Mütze tiefer in die Stirn beugte den Kopf ein wenig, aber verminderte in keiner Weise das Tempo oder die Richtung seiner Schritte. Als die Patroullie leise schwatzend um die Ecke kam hob Jack nachlässig die Hand ein wenig und murmelte etwas vor sich hin das ein Gruß sein mochte, oder auch nicht. Es wirkte. Die Beiden nickten ihm kurz zu ohne ihm wirklich Beachtung zu schenken. Sobald Jack die Ecke passiert hatte, beschleunigte er aufatmend seine Schritte, wobei er trotzdem versuchte nicht all zu viel Lärm zu machen. Schon bald hatte er ein, nach allen Seiten abzweigendes Gewirr von Versorgungstunneln vor sich. Jack folgte unbeirrt dem weißen Leuchtband am Boden, bis er eine Treppe erreichte.
Über sich hörte er das unverkennbare Geräusch von schweren Schweißgeräten, sogar der scharfe Ozongeruch drang bis hierher. Leise ging er die Treppe nach oben und öffnete die Sicherheitstür einen Spaltbreit. Er befand sich in einem kleinen Nebengebäude innerhalb des Hangars. Büros, ein Aufenthaltsraum mit Kaffeeautomaten und Umkleideräume zweigten entlang des Gangs ab.
Bei den Umkleideräumen verharrte sein Blick. Jack glitt hinein und sah sich mit einer Reihe verschlossener Spinde konfrontiert. Bei einem willkürlich ausgewählten Spind sorgte ein Schlag auf das Vorhängeschloss für einen gesplitterten Gewehrkolben, aber praktischerweise auch für einem offenen Spind. Dieses Spiel wiederholte Jack noch dreimal bis er endlich einen Spind fand in dem ein Overall war, der ihm passte. Das Gewehr verstaute er in dem, nun leeren Spind. Stattdessen bewaffnete er sich mit einen knapp ellenlangen Chromvanadiumringschlüssel. Dazu setzte Jack sich noch eine Schirmmütze auf den Kopf und schon fühlte er sich bereit für einen weiteren Akt des Terrorismus.
Der Grund, warum keiner der Techs vor dem Kaffeeautomaten lungerte, wurde ihm schnell klar. Es gab viel zu tun. Jack erkannte einige der Maschinen wieder gegen die er gestern noch gekämpft hatte. Die meisten hatten geöffnete Torsi und überall machten sich Techs daran verschiedene Teile ein und auszubauen. Wieder setzte sich Jack zielstrebig in Bewegung. In einem Alkoven stand sie. Die Kesselbrut die seinen Ursus zerlegt hatte. Die geduckte Gestalt des Omnimechs zeigte keine äußerlichen Beschädigungen, was vermutlich der Grund war warum sich keine Wartungsmannschaft mit ihr beschäftigte. Es gab wichtigere Dinge zu reparieren. Jack kletterte wie selbstverständlich das Arbeitsgerüst hinauf. Niemand achtete auf ihn. Seit seinem Ausbruch waren kaum 15 Minuten vergangen. Noch hatte niemand Alarm ausgelöst, aber das würde wohl nicht mehr lange so bleiben. Jack zog an dem kleinen Hebel unter der Deckblende. Ein Klicken verriet ihm dass die Notentriegelung funktionierte.
Er klappte die Luke auf und stieg ein. Jack hatte schnell mitbekommen, das in der Inneren Sphäre die Mechs viel besser gegen unbefugte Benutzung gesichert wurden als bei den Clans.
Aber Jack hatte nicht umsonst so viel Zeit mit den Techs verbracht. Clanmaschinen basierten mehr oder weniger alle auf den selben Basissystemen, da die Fabriken nach einem einheitlichen Standart entstanden waren und der Technologietransfer untereinander damit viel leichter wurde. Eine Tatsache, der sich selbst die meisten Clankrieger nicht bewusst waren.
Er klappte eine kleine Luke unter der Steuerkonsole auf.
Ein kurzer Ruck und er hielt eine Speicherplatte in der Hand. Der große Chip in der Mitte war ein ROM-Baustein, der die gesamten Pilotendaten verschlüsselt gespeichert hatte. Unter anderem auch den Passcode und das Gehirnwellenmuster. Die Verschlüsselung war so gut dass selbst ein sehr schneller Computer einige Wochen gebraucht hätte, um an die Daten zu gelangen.
Jack war aber nicht gerade für seine geduldige Art bekannt. Grob zog er den Chip aus seiner Halterung und entfernte von der darunter hervorkommenden Steckbrücke eine Verbindung. Zufrieden steckte er den, damit frisch gelöschten Chip zurück auf die Karte und diese zurück in ihren Slot. Manchmal zahlte es sich wirklich aus freundlich zu den Techs zu sein, zumindest zu denen aus dem eigenen Clan...
Jack setzte den Neurohelm auf und startete das System zur Schnellhirnwellenkalibrierung. Dank verbesserter Clantechnik geschah das innerhalb von fünf Sekunden, und Jack konnte eine neue Identität eingeben. Er fühlte sich schon heimisch in dieser Maschine. Zeit den Reaktor hochzufahren.
Einige Techs blickten fragend auf als sie den startenden Reaktor hörten, machten aber weiter mit ihrer Arbeit, jemand machte vermutlich nur einen Testlauf. Diese Vermutung erwies sich als richtig. Der Mech machte zwei Schritte aus dem Gerüst heraus. Dann fing der Pilot an noch ein paar weitere Testläufe zu machen. Zielübungen, um genau zu sein. Die Blitze zweier Clan PPKs trafen die Innereien eines Atlas und eines Marodeurs, einschließlich der Techs die gerade mit der Reparatur derselben beschäftigt waren. Impulslaser hinterließen qualmende Löcher auf dem Betonboden und in den Körpern all derjenigen die nicht schnell genug Deckung suchten. Wieder krachten die PPKs und trafen zwei weitere offene Maschinen.
Jack genoss den Moment. Um ihn herum schlugen Flammen in die Höhe, Leute flüchteten in Panik oder fielen tot zu Boden. Chaos und Zerstörung. Jack wusste, wenn er noch hier heraus wollte musste er jetzt gehen. Eine kombinierte Partikelladung schuf in der Stahlbetonstruktur einen neuen Ausgang und Jack beschleunigte seinen neuen besten Freund.

Hoffman fluchte. Nicht besonders laut, aber deutlich. Es war praktisch ein Kinderspiel gewesen. Die Kuritas hatten diese Basis übernommen ohne sich Gedanken über die Versorgungstunnels zu machen. Oh sicher, sie hatten Türen abgeschlossen und Wachen postiert. Jedoch waren diese ganzen Maßnahmen darauf gerichtet den Feind draußen zu halten. Er verglich zum zweitenmal die Karte auf dem Handgelenkscomputer mit der GPS Angabe. Kein Zweifel, hier hätte sich eine Tür befinden sollen und keine verfluchte Wand.
Anderson hielt Daumen und Zeigefinger aneinander. Das Zeichen das sich jemand näherte.
Sofort waren alle still. Die Männer hoben ihre schallgedämpften MPs und zielten auf die Stelle im Gang, wo jeden Moment jemand auftauchen musste.
Es erklang ein Geräusch wie von im Tiefschnee gezündeten Knallfröschen und anschließend lagen zwei Soldaten mit der Uniform der SBVS tot in ihrem Blut. Ein kleiner Teil Hoffmans fühlte sich unangenehm an ein Kapitel der Geschichte erinnert, indem auch auf die offiziellen Repräsentanten des Sternenbundes aus dem Hinterhalt geschossen worden war. Das Ereignis war besser bekannt als die Ursupation Amaris.
Der wesentlich größere und pragmatischere Teil beließ es bei einem: „besser die als wir“.
Es half nichts. Die Pläne waren nicht exakt. Sie würden weiter gehen müssen bis die Tür auftauchte.
Sie tauchte auf. Exakt 25 Meter von der eingezeichneten Stelle entfernt. Die acht Männer sahen sich um. In einem Zellenverschlag befand sich eine einzelne zusammengekauerte Gestalt, die versuchte den unnachgiebigen Eisenstangen etwas Bequemlichkeit abzuringen. Sie blickte auf. Ein ungläubiger Gesichtsausdruck glitt über Feldwebel Jades Gesicht.
„Aber...“
„Ruhe, gibt es noch andere Gefangene?“
„Nein, nur Oberleutnant Jack, sie haben ihn weggebracht...“
„Genug, wir nehmen Sie mit, drehen sie den Kopf weg“
Mit diesen Worten pappte Hoffman eine kleine Packung auf das Zellenschloss und riss an einer Schnur. Mit gleißendem Licht und lautem Zischen fraß sich die Aluminium-Eisenoxid-Mischung durch das Schloss, einen kurzen Ruck später war die Zelle offen.
„Bringt sie raus, ich suche nach dem Oberleutnant.“
Mit diesen Worten hastete er den Gang entlang. Da, VZ stand an der Tür. Mit einem Tritt stieß er die Tür auf, bereit auf alles zu schießen was sich bewegte.
Die beiden Leichen machten nicht den Eindruck eine Bedrohung darzustellen. Es knirschte.
Hoffman blickte nach unten und versuchte dann angewidert den Kehlkopf aus den Rillen seiner Kampfstiefel zu kratzen. Unter diesen Bedingungen arbeitete Hoffmans Gehirn mit gnadenloser Präzision. Er machte auf dem Absatz kehrt und rannte seinen Männern hinterher.
„Schnell raus hier. Oberleutnant Jack hat die Flucht allein geschafft, was bedeutet, dass hier wohl jeden Moment etwas in die Luft fliegen wird.“
Die Worte hatten kaum seinen Mund verlassen als die Alarmsirenen zu heulen begannen.

Zumindest hier stimmten die Pläne in etwa mit der Realität überein. Durch den Spalt der Schutztür konnte Hoffman viele hastende Gestalten erkennen, welche die abgestellten Fahrzeuge zu bemannen gedachten. Er gab ein Zeichen und deutete. Daraufhin rannten die acht Gestalten mit ihrer geretteten Gefangenen los.
Der Funker des 50t Schwebepanzers wollte gerade die Luke schließen, als die Kommunikation der Muskeln zu seinem Gehirn schlagartig durch drei 10mm Geschosse unterbrochen wurde.
Der überraschte Pilot kam nicht mehr dazu mehr als ein „Hai?“ zu äußern.
Der Bordschütze leistete einige Sekunden Widerstand bis der Blutdruck durch die Wunde in seiner aufgeschlitzten Schlagader so weit abgesackt war dass das Gehirn aussetzte.
„Anderson geben sie Gas.“
Hoffman warf den nun schlaffen Körper des Schützen von dessen Stuhl und nahm Platz.
Der Drillson beschleunigte, und sie reihten sich ein in den Strom der Ausrückenden Fahrzeuge ein.
„Sir, ich empfange etwas über den offenen Kanal.“
„Wie lautet die Nachricht?“
„Sterbt, ihr elenden Surats.“
„Können sie den Ursprung orten?“
„Ja, auf der anderen Seite der Basis, wohin jetzt alle Fahrzeuge unterwegs sind. Sir, hier ist eine allgemeine Mobilmachung ausgerufen worden.“
„Na dann verlieren sie keine Zeit. Vollgas.“

Die Gegenwart:
Mit ruhiger Stimme sagte Voss:
„Richten sie die ZES unserer Arrow-Werfer auf ihn, mal sehen wie er darauf reagiert.“
Voss kannte das Geräusch der Erfassungswarnung gut genug um zu wissen dass es der Alptraum eines jeden Mechkriegers darstellte: Artillerie war dort draußen, und jetzt hat sie es auf dich abgesehen.
„Sir, der Mech läuft weiter, hat seinerseits die Zielerfassung aktiviert und richtet all seine Waffen auf uns...“
„Ok, Abbruch, das ist mein Clanner...“

Jinsai blickte von dem Bericht auf. Mit eisiger Mine fragte er seinen Untergebenen:
„Wie erklären sie sich das hier, Hirotoyo-San?“
„Nun wie es scheint, befanden sich zwei separate Angreifer innerhalb der Basis.“
„Das ist doch vollkommen absurd. Weshalb haben sie sich gegenseitig umkreist und vor allem, warum konnten sie entkommen?“
„Herr, da es sich bei den, von den Gaijin eingesetzten Fahrzeugen um unsere eigenen handelte, waren die IFF Transponder nutzlos. Es kam zu mehreren Feuerwechseln unter unseren eigenen Leuten. In dieser Verwirrung gelang es den Angreifern zu entkommen.“
„Haben sie sonst noch etwas herausgefunden?“
„Wir haben mittlerweile den Funkverkehr übersetzt. Der Clanner sagte:
„Sterbt ihr elenden Surats“.
Die Person die wir als Hauptmann Hoffman identifizieren konnten antwortete:
„Verfluchter Idiot, wir sind hier um Sie zu retten, wir treffen uns am rechten Ausgang der Basis.“
Zwei Minuten später entgegnete der Clanner:
„Ach sie meinten Rechts von ihnen aus gesehen.“
Hirotoyo seufzte:
„Im Zuge dieses Manövers beschädigten sie mehrere Fahrzeuge, Geschütztürme und andere Basiseinrichtungen, bis sie schließlich in verschiedene Richtungen ausbrachen.
Die Clanmaschine konnte mit ihren schweren Waffen ihre Verfolger aufhalten und der Hoverpanzer nutzte seine hohe Geschwindigkeit und Ortskenntnis um zu entkommen.“
„Für diese Inkompetenz sollte ich von einigen Leuten ein letztes Haiku verlangen.“
Jinsai schüttelte resignierend den Kopf. Solch eine Unfähigkeit durfte doch gar nicht möglich sein. Er sehnte sich mehr denn je nach dem Frieden und der Ruhe seines Gartens...

Jack stöhnte. Er stand unter der Dusche und ließ das knapp heiße Wasser über seine geschundenen Körper fließen. Seit knapp einer halben Stunde.
Voss hatte ihn vom Dienst suspendiert, solange die Waffenruhe andauerte. Er hatte Voss eine Kurzfassung des Erlebten gegeben, ohne dabei näher auf die ekelhaften Details seiner Flucht einzugehen. Der Kommandanthauptmann hatte ihm nur einen fragenden Blick zugeworfen als Jack um ein starkes Mundwasser bat. Mit starrer Mine hatte er die anschließende Strafpredigt hingenommen. Bis auf weiteres war er dem Posten als Kompanieführer enthoben und, bis Fenris wieder aufgebaut war, auch dem des Lanzenführers.
Schließlich drehte er das Wasser mit einem Ruck ab und griff sich mit zitternden Fingern ein großes Handtuch, begab sich zu seinem Spind und holte eine kleine Tube hervor.
Vorsichtig bestrich er die versengten Hautpartien an seinem Kopf mit Brandsalbe, wo das Neurofeedback einen Stromschlag durch seinen Kopf gejagt hatte.
Eigentlich hätte er sich bei der Krankenstation melden sollen, aber Jack hatte diese Anweisung wiedereinmal ignoriert.
Unbewusst rieb er über die Stelle an der ihm die Kurita Ärzte eine Blutprobe entnommen hatten...

„Hat sich Jinsai schon gemeldet?“
„Nein Herr Kommandanthauptmann, sollen wir Verbindung herstellen?“
„Nein, das Angebot muss von ihm kommen, wir sind nicht die Aggressoren. Wenn er was will, dann muss er zu uns kommen.“
Der Funker wandte sich wieder seiner Konsole zu, während Voss sich wieder der taktischen Karte widmete.
Kommandant Raily lächelte ihn zuversichtlich an:
„Ach kommen Sie, die Lage ist klar. Jeder weitere Angriff in dieser Situation würde auf einen Pyrrhussieg für Jinsai hinauslaufen, wenn überhaupt. Wir sind trotz allem die legitime Militärvertretung der Lyranischen Allianz auf diesem Planeten. Jinsai hat bis jetzt genau wie wir größte Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen, obwohl er sich damit enorme Vorteile hätte verschaffen können. Es war ein harter Schlagabtausch, ja, aber wir haben ihn sauber geführt, zumindest was die Zivilgebiete angeht.“ Dabei warf sie dem kaffeetrinkenden Hoffman einen finsteren Blick zu.
„Er wird die Kröte schlucken müssen oder sich vollends entehren, wenn er die Statuten des Sternenbundes verrät.“
Voss sah auf: „Ich halte es dennoch für verfrüht die Champagnerkorken knallen zu lassen. Nur weil jemand nach den Regeln spielt, heißt das nicht, dass er auch nach den Regeln verlieren muss. Bis zu einem offiziell besiegelten Waffenfrieden behalten wir Alarmstufe 1 bei. Die Vorräte bleiben auch weiterhin alle auf den Fahrzeugen. Mir gefällt es nicht dass Jinsai sich noch nicht gemeldet hat. Er weiß, dass er uns damit Zeit gibt unsere Stellung zu verbessern, je länger er untätig ist.“

Für etwa drei Minuten geschah überhaupt nichts Erwähnenswertes. Ein wenig Smalltalk wurde gehalten, der eine oder andere Kaffee hinuntergespült bis es zu dem „Blip“ kam.
Der Funker unterbrach sein Gespräch mit seinem Kameraden und blickte auf seine Konsole.
„Sir, ich denke das sollten sie sich ansehen.“
Sowohl Voss, Hoffman, Raily als auch Jack kamen dieser Aufforderung nach und drängten sich um die kleine Konsole.
„Diese Aufnahme haben wir gerade vom Observatorium auf Mount Cassandra erhalten. Achten sie auf die Vergrößerung.“
Raily runzelte die Augenbrauen: „Na toll, zwei Sprungschiffe.“
Jack beugte sich weiter vor und kniff die Augen zusammen: „Zwei Davion Sprungschiffe“
„Cassandra meldet, die Landungsschiffe haben sich etwa eine Stunde nach dem Eintreffen am Nadirsprungspunkt von den Sprungschiffen gelöst. Bei der gegenwärtigen Beschleunigung müssten sie in weniger als 32 Stunden auf dem Planeten landen.
Die erste Analyse der verwendeten Schiffstypen und ihres Schubprofils deuten auf eine Regimentskampfgruppe mit mindestens 90% Gefechtsstärke hin. Einer der Bildauswerter will das Wappen der Davion Light Guards erkannt haben, aber das ist noch nicht bestätigt.
Hoffman fluchte, Voss zeigte einen Gesichtsausdruck der eine Mischung aus Verärgerung und einem Ich-habs-euch-doch-gleich-gesagt darstellte:
„Verdammt, gerade wenn wir die Kuritas in den Seilen haben, holt uns die Politik ein. Wieso hab ich nur genau so etwas erwartet? Gibt es bereits Hinweise auf ihre Landezone?“
„Ja Sir, der Anflug Vektor deutet als Ziel auf die Region Argatas.“
Raily platzte erregt hervor:
„Wenn diese Informationen stimmen, wird eine Vereinigung dieser Kräfte mit den Dracs, ihnen genug Schlagkraft geben um unsere Stellungen zu knacken.“
„Ich weiß, Raily, wir dürfen kein Risiko eingehen. Hiermit wird Befehl „Bifröst“ ausgegeben. Die gesamte Kaserne so wie alle Bunkerstellungen werden restlos geräumt. Requirieren sie falls nötig Zivilfahrzeuge. Ich möchte in 24 Stunden hier alles evakuiert und präpariert haben. Volle Bereitschaft der Garde in einer Stunde. Wegtreten.“
Hecktische Aktivität erfasste die Befehlszentrale und breitete sich von dort konzentrisch über die gesamte Basis aus. Systematisch begann man Raum um Raum leer zu räumen, zu inspizieren und dann für Hoffman und seine Truppe zu markieren...

Ares
18.03.2005, 12:03
Etwa 30 Stunden später im Hauptquartier des 4. Dieron Regiments betraten Major Martin Nichell und sein Adjutant Lt. Ally Benson in Begleitung von Chu-I Hirotoyo einen kleinen Garten. Der Garten war in keinster Weiße dem Japanischen Stil auch nur ähnlich. Das konnte man aber im Anblick des in der Mitte im Lotussitz und tief in Meditation versunkenen Jinsai glatt übersehen. Hirotoyo ging auf die Knie und verbeugte sich.
„Jinsai-san. Major Nichell von der 6. Davion Light Guard und sein Adjutant.“
Jinsai nickte nur kurz. Hirotoyo verließ den Garten. Die beiden Davionoffiziere standen nun mit einem gewissen Unbehagen in der Gegend herum. Derartig gestaltete Besprechungen waren eher selten in den Kreisen des Davionmilitärs. Schließlich lies sich Benson, mehr oder weniger elegant, ebenfalls in den Lotussitz nieder. Nichell versuchte es ebenfalls. Vergebens.
Endlich gab er auf und zog einfach nur die Beine an seinen sehnigen Körper.
Jinsai blickte auf ohne im mindesten eine belustigte Miene zu zeigen:
„Major Nichell, willkommen auf Imbross III. Es ist meinem Regiment und mir eine große Ehre, dass eine so verdiente Einheit wie die 6. Light Guard gekommen ist, die rebellische planetare Regierung wieder auf den Pfad des Rechts und der Pflicht gegenüber dem Staat und dem Sternenbund zu führen.“
Nichell zeigte deutliche Verwirrung angesichts dieser blumigen und leicht Akzent behafteten Ausdrucksweise, bis er eine mentale Übersetzung zu Stande gebracht hatte.
„Ja natürlich. Wir müssen auf diesem Planeten die Autorität des Sternenbundes wieder herstellen. Ich bin berechtigt, ihnen jede Unterstützung gegen die lyranischen Aggressoren anzubieten, die in meiner Macht steht.“
„Dies ist eine sehr erfreuliche Mitteilung.“
Jinsai griff hinter sich, holte eine Karte und einen Stift hervor und setzte ein entschuldigendes Lächeln auf.
„Manchmal hilft es mir über aktuelle Probleme zu meditieren, oft bekomme ich dadurch Einblicke die mir sonst entgangen wären.“
Er wurde übergangslos wieder ernst:
„Kommandanthauptmann Voss hatte bis vor Kurzem seine Truppen quer über diesen Quadranten verteilt und hielt sie in konstanter Bewegung. Jedes Mal wenn wir ein Lager oder Depot ausfindig machen konnten, wurde es schon geräumt, bevor wir es angreifen konnten. Oder es handelte sich um einen Hinterhalt.“
Nichell räusperte sich:
„Aha, Interessant. Scheint so, als wäre Voss recht flexibel in seiner Strategie. Hätte ich nicht von ihm erwartet.“
„In der Tat. Vor allem hat diese Strategie bisher verhindert, dass wir gegen die planetare Regierung vorgehen konnten, welche direkt an der Eskalation dieses Konfliktes beteiligt ist.“
Nichell nickte:
„All seine Flexibilität wird ihm nichts nützen wenn wir ihn erst in die Zange nehmen.
Machen sie sich keine Sorgen. Wir sind hier um diesen aufrührerischen Lord Donahugh entgültig aus dem Amt zu jagen. Der Terror wird ein Ende haben, danach werden die Friedenstruppen hier ein wesentlich ruhigeres Leben haben, das verspreche ich Ihnen.“
Jinsai nickte.
„Ich habe bereits Anweisung gegeben, die Tervenbasis für Ihre Ankunft herrichten zu lassen. Von dort aus können wir gemeinsam die Basis der Garde nehmen.“
„Hervorragend. Wenn sie mich nun entschuldigen, ich denke es wird Zeit Kommandanthauptmann Voss ein letztes Angebot zu unterbreiten...“

Voss war zu diesem Zeitpunkt einem guten Angebot durchaus aufgeschlossen. Nämlich dem eines guten Umzugsunternehmens. Obwohl die Vorbereitung zur Auflösung der Kaserne eines der ersten Dinge war, die Voss in seine Pläne integriert hatte, ging es nicht schnell genug voran.
Das mobile HQ war schon seit einiger Zeit im Dauereinsatz, so dass die Räumung der Zentrale keine Störung der Verteidigungsbereitschaft darstellte. Die Verstauung von mehreren 100 Tonnen Munition auf allen möglichen Fahrzeugen sorgte jedoch dafür, dass jegliche andere Unternehmungen nur mit Abstand und Vorsicht unternommen werden konnten.
Aber jetzt war es bald geschafft, die Räume waren leer, bis auf einige unscheinbare Pakete die auf Spinden, unter Stühlen und hinter Türen lauerten.
Wer auch immer auf die Idee kommen mochte diese Stellung gegen die Garde zu nutzen, würde wenig Zeit haben es zu bedauern.
Mit Einbruch der Dunkelheit würden alle Einheiten zusammen gezogen werden und die 5. Arcturus Garde Richtung Argatas aufbrechen.
Die Zeit drängte. Bald würden die Davions und die Kuritas sich auf eine Strategie geeinigt haben und gnadenlos auf die Garde einschlagen.
„Sir, eine Kontaktaufnahme durch die Davis für sie persönlich.“
Voss blickte auf:
„Stellen sie durch.“ Er öffnete den Kanal.
„Hier spricht Drake Voss, Kommandanthauptmann der 5. Arcturusgarde, mit wem habe ich das Vergnügen?“
„Das haben sie mit Major Martin Nichell von den 6. Davion Light Guards., Hallo Drake, lange nicht mehr gesehen.”
„Martin! Das letzte Mal haben unsere Waffen noch in die selbe Richtung gezeigt.“
„Damals gab es auch noch die freien Vereinigten Sonnen und nicht nur einen Vasallenstaat der Lyranischen Allianz.“
„Das hört sich ja ganz so an, als wärst du gar nicht hier um das Anliegen des Sternenbundes zu unterstützen vier Kriegsverbrecher auszuliefern, oder?“
„Hör doch auf Drake. Wir wissen beide das der Konflikt unvermeidlich ist. Hast du gesehen was die Herrscherin anrichtet der du die Treue geschworen hast? Wer sich nicht ihrem Willen beugt wird von ihren Lakaien zum Schweigen gebracht, auf die eine oder andere Weise.“
„Ihre Art und Weise zu herrschen berechtigt Euch noch lange nicht diese Welt zu überfallen und Leid und Schrecken über die Zivilbevölkerung zu bringen.“
„Manchmal müssen Opfer gebracht werden zum Wohl des größeren Ganzen.“
„Seltsam nur, dass diese Opfer immer von anderen verlangt werden. Ich sage es noch einmal: Die Davion Light Guards haben nichts mit diesem Konflikt zu tun. Herrgottnochmal, die Garde ist nicht euer Feind, vor drei Jahren hättet ihr uns noch gegen die Schlangen beigestanden.“
„Drake, ich mache Euch jetzt ein letztes Angebot: Die Garde stellt die Angriffe ein und verlässt diesen Planeten, Lord Donahugh wird abgesetzt und der Planet wird vollständig unter die Verwaltung des Sternenbundes gestellt.“
„Du weißt so gut wie ich, dass die Dracs den Planeten nie wieder hergeben würden.“
„Ja, aber sieh es mal so: Der Bürgerkrieg ist unvermeidlich. Zumindest Imbross III würde davon verschont bleiben. Wie Cicero sagte: Selbst der ungerechteste Frieden ist besser als der gerechteste Krieg.“
„Weißt du Martin, es heißt Bürgerkrieg sei der schlimmste aller Kriege, weil dann Bruder gegen Bruder kämpfe. Aber ich glaube, auf jedem Familienfest hätte ich dir für so einen Vorschlag schon längst mit Freuden die Fresse poliert.“
„Ich vermute mal das heißt „Nein“. Na gut, wir werden ja sehen was du davon hast.“
„Nicht wenn ich Dich zuerst sehe.“

Mit diesen Worten trennte Voss die Verbindung.
Es war also soweit. Die Garde musste sich entscheiden. Voss war nicht blind, natürlich hatte er auch all die Zeichen gesehen. Die Wirtschaft hatte Probleme, die Freiheiten vieler Menschen waren beschnitten worden und einige der unangenehmsten Leute des Adels waren in Machtpositionen aufgestiegen, in der kein vernünftiger Mensch sie sich wünschen konnte.
Aber irgendwie hatte er gehofft dem entgehen zu können. Er hatte gehofft, wenn er stets auf sein Gewissen vertraute, dass er dann verschont bliebe. Aber auf dem Weg zur Hölle sind die ersten Meter bekanntlich mit guten Absichten gepflastert...
Nun, was auch geschah, er würde die Menschen auf Imbross III nicht im Stich lassen, nach dem ihr Herrscher sie in den Schlamassel hineingeritten hatte.
Es wurde Zeit wieder etwas zu unternehmen.

Die Dunkelheit war hereingebrochen und dicke Wolken verdeckten Sterne und Monde. Ein Scharfer Wind blies aus Nordost und lies die Temperaturen rapide fallen. Es war der optimale Zeitpunkt mit der Evakuierung zu beginnen. Knapp 70 schwerbeladene Transporter trugen das Hab und Gut der Garde, weitere würden sich anschließen von anderen geräumten Depotstellen. Jetzt hing wieder alles von den Piloten der Barghestlanze ab. Über Funk gab er ihnen durch:
„Barghest von Wotan. Operation „Verbrannte Erde“ läuft, ich wiederhole „Verbrannte Erde“ läuft.“
Nichell war nicht dumm. Er hatte sofort als erstes nach seiner Ankunft Späher ausgeschickt, welche die Gegend erkunden sollten. Barghest würde jetzt dafür sorgen, dass es ihnen nicht zu langweilig wurde. Wenn alles richtig lief, würde Nichell und Jinsai das als Zeichen für einen Ausbruch deuten und entsprechende Verteidigungsmaßnamen einleiten. Das würde der Garde genug Zeit verschaffen um sich in die Stadt zu flüchten.
Punkt 22.00 Uhr Ortszeit brach der Konvoi auf. Die Scoutlanzen hatten freie Bahn gemeldet und alle verfügbaren Mechs waren zusammengezogen worden um den Rücken der Garde zu decken. Er seufzte. Jetzt würde er auch Jack von der Leine lassen müssen. Der war seit seiner Rückkehr praktisch nur im Simulator oder bei seinem neuen Mech. Vielleicht war das ja seine Art mit der Degradierung fertig zu werden. Jedenfalls hatte er sich damit ein neues Ventil geschaffen seinen Frust abzulassen. Bei mehreren Techs hatte er schon fast Nervenzusammenbrüche ausgelöst, so besessen war er davon die Kesselbrut auf maximale Leistung zu bringen.
„Leutnant Jack Arcturus von Wotan, Freigabe Operation Fuchsjagd.“

...Freigabe Operation Fuchsjagd.“
Jack rammte schon den Beschleunigungshebel nach vorne, ehe er seine Bestätigung abschickte. Die Kesselbrut ließ ihre flache gedrungene Gestalt in Trab verfallen. Das Radar war im Aktivmodus und auf höchste Leistung gestellt. Unauffälligkeit war bei dieser Mission nicht gefragt. Etwa 25 Kilometer weiter lag eine befestigte Beobachtungsstellung, die den Beginn des Kurita besetzten Gebietes anzeigte. Jack überprüfte noch einmal all seine Waffen. Die PPKs waren generalüberholt und neu justiert. Zusätzlich hatte er, mit einigen Bitten und, als das nicht half, Drohungen den Waffenmeister dazu gebracht vier mittelschwere Clanimpulslaser frei zu geben. Der Rest seines Mechs war praktisch mit Kühlkörpern vollgestopft worden. Keine Munition die in die Luft fliegen konnte oder im ungünstigen Zeitpunkt erschöpft sein würde.
Nach 20 Minuten sah er die erste Patroullie. Der Wasp Pilot hingegen sah Sternchen als eine Doppelte PPK-Salve seine Torsopanzerung durchschlug und seinen Reaktor in strahlenden Schrott verwandelte. Bevor die restlichen Mitglieder seiner Lanze auf diesen Angriff reagieren konnten, war Jack schon wieder außer Reichweite gerannt und drang tiefer ins Kurita Gebiet ein. Sein Radar zeigte ihm an, dass sie ihn verfolgten. So weit verlief alles nach Plan.

Die Garde kam gut voran. Noch schien der Feind nichts von den Aufbruch bemerkt zu haben. Voss konnte das gut verstehen. Jack hatte mittlerweile zwei der leichten Mechs ausgeschaltet, vier schwer beschädigt und insgesamt 10 intakte Maschinen mit wütenden Piloten im Schlepptau. Voss grinste zufrieden. Nur Jack konnte soviel Chaos in so kurzer Zeit anrichten, dass er eine komplette Kompanie von ihrer Stellung fortlocken konnte. Wenn er Glück hatte, würde Jack lange genug auf den Beinen bleiben um dieses Ablenkungsmanöver zu überleben. Im Moment standen die Chancen 50:50. Die Kesselbrut wurde ihrem Ruf wirklich gerecht und lief trotz mehrerer Feindtreffer immer noch mit unverminderter Leistung.
Voss wendete sich dem anderen Schirm zu. Barghest war subtiler, aber nicht weniger effektiv. Gerade hatten sie den dritten Horchposten zerlegt. Jetzt wurden in der Gegend Waldbrände gemeldet. Egal, bei dieser Witterung würden sie nicht lange weiterbrennen.
Es wurde Zeit. Voss beschleunigte seinen Zeus.
Es war lange her seit er im Cockpit gesessen hatte, aber die alten Reflexe waren zu tief durch Drill und Training eingegraben, als dass ein Jahr Untätigkeit ihn dabei nennenswert beeinflusst hätten. Jetzt war der Konvoi kurz vor der Ortschaft Solstem, einer kleinen Stadt die vor allem als Umschlagplatz für Lebensmittel wichtig war. Für Voss bedeutete das, dass sie nur noch 20 Kilometer vor Argatas und deren Sicherheit versprechenden Verteidigungs-anlagen waren. Die Scouts meldeten keine besonderen Vorkommnisse. Gut. Barghest meldete Vollzug und war gerade dabei die letzten Einheiten des vierten Horchposten zu verfolgen.
Sein Funkgerät meldete sich:
„Wotan von Wolf, Wotan von Wolf, wir haben Signale bei den Lagerhäusern... Verflucht, das ist ein Hinterhalt. Abbruch, Abbruch.“
Die Verbindung brach ab. Aber Voss hatte die Daten auf seiner Taktischen Konsole. Ein fünfter Horchposten. Sie waren verraten.
„Wotan von Wolf, die feindlichen Elemente haben sich zurückgezogen, aber die Bastarde haben hier alles vermint, Richards Mech hat ein Bein verloren und Berger hat einen schweren Gelenkschaden. Wir müssen sofort abdrehen."
Voss schaltete blitzschnell. Wenn dieses getarnte Spähteam hier Minen verteilt hatte, mussten die Transporter sofort halt machen. Nicht auszudenken wenn einer der Munitionstransporter explodierte.
„Wotan an Alle, Wotan an Alle. Sofortiger Stop aller Transporter. Hovercrafts und Minenräumer nach vorn, Wege räumen. Alle Mech Einheiten die Perimeter von Solstem sichern. Wenn die Davis Zeit hatten Minen zu legen, können wir sicher sein, dass sie bereits auf dem Weg hierher sind.“
Voss wechselte den Kanal:
„Barghest von Wotan, Barghest von Wotan. Verfolgung abbrechen. Wir sind aufgeflogen. Davionstreitmacht zu erwarten aus Richtung, Fünef-Fünef-Zwo, wiederhole, Vektor Fünef-Fünef-Zwo. Sie müssen sie solange beschäftigen bis wir Solstem durchquert haben. Verschaffen sie uns zehn Minuten, dann sind wir im Milizgebiet. Wotan Ende.“
Wieder wechselte er den Kanal:
„Jack von Voss. Wo steckst du?“
„Hier Sterncommander Jack, befinde mich nördlich der Harlandsteinbrüche. Gerade haben sich acht meiner 12 Verfolger gelöst und sind in Ihre Richtung unterwegs. Die Vier übrigen...“ das charakteristische Knacksen einer abgefeuerten PPK ging durch den Kanal „...korrigiere mich, die Drei übrigen versuchen mich in die Zange zu nehmen.“
„Jack brich deine Mission ab und komm zurück. Wir sind aufgeflogen.“

Ares
12.04.2005, 23:51
Nichell nickte bedächtig. Nach all den Tricks die Voss bisher benutzt hatte war das der gewagteste. Jinsai wäre einmal wieder darauf hereingefallen, hätte er ihm nicht eine entsprechende Meldung zukommen lassen. Ein wirklich kluger Schachzug, die von dem entflohenen Gefangenen erbeutete Maschine als Köder einzusetzen. Das Massaker unter den Techs hatte sich in der Basis herumgesprochen. So ziemlich jeder der Dracs hätte gerne Rache an dem Kerl geübt. Er selbst war drauf und dran gewesen, sich im Gelände zu postieren um einen Angriff zu erwarten. Fast.
Wären da nicht seine Späher gewesen. Die Daten des Garnhem Vorfalls hatten ihn sehr beeindruckt. Eine perfekte Falle. So perfekt, dass Nichell sich seine Daten lieber noch einmal bestätigen lies, bevor er irgendwelche Maßnahmen ergriff.
Jetzt zahlte sich diese Vorsicht aus. Der Anzahl der Fahrzeuge nach, musste Voss die gesamte Basis aufgelöst haben. Damit entging er zwar der Zange, aber Nichell wollte dafür sorgen, dass er nun den Hammer zu spüren bekam. Noch war nicht seine gesamte Truppe einsatzbereit, aber vier Kompanien würden genügen müssen um die Garde so lange zu beschäftigen bis er mit Jinsai zusammen Solstem überrennen konnte.
Lt. Ally Benson trat an ihn heran mit einem kleinen Stapel Papier.
„Hier sind die gewünschten Informationen. Ich habe das Dossier um die Informationen von Jinsais Leuten erweitert, zusätzlich zu den Comstarauskünften.“
Nichell nahm die Blätter entgegen und blätterte darin.
„Na so was. Noch ein alter Bekannter. Ich hätte mir gleich denken können, dass Voss wieder mit Hoffmann zusammenarbeitet.“
„Sir, ist das der selbe Hoffmann, der 55’ einen Jadefalken Trinärstern mit einem Zug Infanterie aufgehalten hat?“
„Eben dieser. Die Menge an Sprengstoff, die er damals verwendet hat, könnte man schon als obszön bezeichnen. Hat ein leichtes Autoritätsproblem, 56’ hat er sich angeblich über Befehle hinweggesetzt und eine schwarze Operation in der Sky-Region durchgeführt. Wurde deswegen aber nie offiziell zur Verantwortung gezogen.“
„Wie ist der Mann einzuschätzen?“
„Na wie schon. Er ist eiskalt, nutzt jeden Vorteil den er kriegen kann und geht dafür über Leichen. Auffällig ist, dass er eigentlich immer an vorderster Front dabei ist. Strategie ist nicht sein Ding, aber taktisch ist der Mann brillant. Wohl ein Grund warum er mit Voss so gut zusammenarbeitet.“
„Sollen wir ihn auf die Prioritätsliste setzen?“
„Ja, wenn wir ihn erwischen, sollte die Garde beträchtlich entschärft werden. Vorausgesetzt nach der heutigen Nacht gibt es davon noch nennenswerte Elemente. Die 3. Kompanie ist gerade in Reichweite von Solstem gekommen.“

Voss blickte besorgt auf die taktische Konsole. Seinen Zeus hatte er zwischen einigen Getreidesilos geparkt. Er hatte nie verstehen können wie Kommandeure an vorderster Front sich aufs Kämpfen konzentrieren wollten und gleichzeitig sinnvolle Befehle erteilen konnten. Er hegte den starken Verdacht, dass solchen Leuten meist andere Leute unterstanden die ihr Handwerk wesentlich besser verstanden als ihr Befehlshaber, und sich dementsprechend selbst untereinander koordinierten.
Barghest hatte sich gerade den Davions in den Rücken geworfen und sie so zum stehen gebracht. Noch hatten Wolf und Pinscher die Westseite der Stadtgrenze voll im Griff, aber wenn auch nur ein Gegner bis zu den Munitionstransportern vordringen würde...
Er öffnete wieder den Kanal zu Hoffman:
„Hauptmann, wie weit sind sie mit den Minen?“
„Wir machen so schnell wir können, aber diese verdammten Streuminen liegen hier überall, einige sind auf Dächern, in Abflüssen und sogar Schaufenstern gelandet.“
„Können sie nicht einfach sprengen?“
„Schon, aber ich garantiere nicht für die Nebeneffekte.“
„Definieren sie Nebeneffekte“
„Einstürzende Gebäude, Krater, zusammenbrechende Stromversorgung, weinende Kinder, das übliche eben.“
„Tun sie was immer nötig ist um unsere Ausrüstung hier heil durchzubringen. Voss Ende“

Hoffmann zuckte mit den Schultern. Der letzte Befehl war quasi überflüssig. Hoffmann tat immer was nötig war...
Seine Pioniere waren eifrig dabei die Minen mit speziellen Stahlwannen zu überdecken, diese zu verankern und dann zu detonieren. Sicher aber extrem zeitraubend.
„Gruppe Zwo und Sieben, Abbruch!!“
Die Pioniere unterbrachen sofort ihre Arbeit und zogen sich mit ihrer Ausrüstung zu ihren Transportern zurück.
„Steinhart, Müller und Hagen, kommen sie sofort zu meiner Position, es wird Zeit die große Keule auszupacken.“
Die „große Keule“ bestand aus einem alten Transportschweber der sich nur durch die stark gepanzerte Fahrerkabine, sowie einem Haufen Sandsäcke auf der Ladefläche auszeichnete. Die Art und Weise wie jeder einen Bogen um das Fahrzeug schlug zeigte auch, dass wohl eine nicht zu geringe Menge Sprengstoff an Bord lagerte. Unmissverständlich auch durch die roten Aufkleber verdeutlicht, die mit „Warnung, Explosiv, Lebensgefahr“ für einen raschen Besuch der nächsten Welt warben.
Hoffmann und die drei Genannten ignorierten diese Warnungen und machten sich sofort daran den Transporter in Betrieb zu nehmen. Heulend erwachte die Turbine des Schwebers zum Leben und Steinhart bemühte sich, das Luftkissenfahrzeug um 180 Grad zu drehen. Währenddessen legten Hoffmann und die zwei übrigen Soldaten schwere Schutzkleidung an. Darin sahen sie dem Maskottchen eines bekannten Reifenherstellerst sehr ähnlich – und hatten auch in etwa dessen Beweglichkeit.
Während der Schweber beschleunigte machten sich die drei Männer im Heck daran kleine grauen Päckchen aus einer Kiste zu nehmen, jeweils eine Miniantenne heraus zu ziehen und – sobald der Schweber den entsprechenden Bereich erreicht hatte, diese abzuwerfen.
Währendessen kam hektische Bewegung in die übrigen anwesenden Soldaten. Fahrzeuge wurden umpositioniert und Jeder suchte nach einer möglichst sicheren Deckung.
Hoffman aktivierte noch einmal den direkten Kanal zu Voss:
„Hier Hoffman. Drake, noch kannst du’s dir überlegen. Wie ist die Lage?“
„Hier Voss. Beschissen! Mach weiter. Und beeil dich. Jack ist auf dem Rückweg auf eine weitere Daviontruppe gestoßen, wenn die hier ankommen müssen wir bereits in der Stadt sein, sonst haben wir keine Chance.“
„Verstanden. Wir haben es fast geschafft. Keine Angst, wenn es jetzt kurz ziemlich Laut wird. Hoffman Ende.“
Gerade hatte Müller das letzte Paket abgeworfen und Hoffman zog einen Funkzünder hervor. Die beiden Soldaten legten sich flach auf den Boden des Schwebers und auch Hoffman ging in Deckung.
„Bang Boom Bang“, sagte er noch kalt lächelnd, bevor er den Knopf drückte.

Jack kämpfte derweil mit den Folgen seines Enthusiasmus. Die Kesselbrut wurde ihrem Ruf mehr als gerecht: Trotz zahlreicher Panzerungsdurchbrüche hielt die Maschine ihre Leistung weiter aufrecht. Vielmehr Sorgen machte Jack seine eigene Leistung. Frische Luft pfiff durch das durchschlagene Cockpitfenster, wo ein LBX Glückstreffer sein Ziel gefunden hatte. Der dumpfe brennende Schmerz in seinem linken Oberschenkel wollte nicht aufhören und unangenehme Nässe rann in seine Stiefel. Zusätzlich waren die Kühlsysteme in seinem Cockpit ausgefallen und die Innentemperatur trieb ihm trotz des Luftloches den Schweiß aus allen Poren. Jack hatte es aufgegeben irgendetwas treffen zu wollen, zu oft verschwamm seine Sicht. er konzentrierte sich jetzt nur noch darauf seinen Mech aufrecht zu halten und weiter zu rennen. Es hatte eine kurze Verzögerung bei seinen Verfolgern gegeben als die Kuritas auf die Davions getroffen waren. Jack hatte sie genutzt um seinen Vorsprung auszubauen. Den Blitzen am Horizont nach zu schließen war Solstem jetzt ganz in der Nähe. Die weiten schneebedeckten Felder des Ortes erstreckten sich vor ihm, ohne Deckung oder Hindernisse für knapp 20 Kilometer. Jack beschleunigte seine Maschine auf Sprintgeschwindigkeit. Wenn sie ihn wollten würden sie ihn erst einmal einholen müssen. Den Daten nach würde er in einer Viertelstunde im Rücken der Belagerer auftauchen. Zumindest das empfand er als positiv: Bei einem Kampf gegen eine Überzahl konnte man hinschlagen wo man wollte, man traf immer einen Feind.

Voss hatte genug gesehen. Was gesagt werden musste war gesagt, jetzt war Handeln gefragt. Er steuerte seinen Zeus aus den Silos heraus und rief seine Befehlslanze. Die anderen drei Überschweren Maschinen kamen ebenfalls aus ihren Verstecken.

In diesem Moment geschahen mehrere Dinge gleichzeitig:
Hoffman drückte den Auslöser und das Minenfeld detonierte in einer gewaltigen Kettenreaktion, welche verschiedene Gebäude verheerte. Kaum das die Druckwelle vorüber war stürmten Elemente der leichten Lanzen durch die geschaffene Gasse und bestrichen das Gebiet mit Dauerfeuer ihrer leichten Waffen um eventuell verbliebene Minen noch zu erwischen.
Eine Davion Kampflanze, die gerade zu einem Durchbruch hatte ansetzen wollen, sah sich auf einmal vier Mechs der Sturmklasse gegenüber, was ihrem Plan einen beträchtlichen Dämpfer verpasste. Gleichzeitig startete Barghest und Wolf einen Ausfall und hämmerten auf die anrückenden Elemente der Kuritas ein.
Während der Kampf weiter tobte, setzte die Fahrzeugkolonne ihren Weg durch den neu geschaffenen Korridor fort, begleitet nur, von den leichten Maschinen der Garde. Als der letzte Transporter einen bestimmten Punkt passiert hatte, gab Voss das Rückzugssignal. Nach und nach löste sich die Garde aus ihren Kämpfen und zog sich durch Solstem zurück. Der Verfolgungsversuch der Davions wurde plötzlich behindert als die Piloten feststellen mussten, dass Voss ebenfalls über einige Kontingente Donnermunition verfügte.

Voss entkrampfte sich. Das schlimmste war überstanden, doch die Verluste waren übel, die ersten Meldungen sprachen von knapp 30% Ausfall und noch waren sie nicht in Sicherheit...

Lieutenant Arthur McMillian lächelte. Der Major hatte richtig mit seiner Vorsicht gelegen. Den Steinertruppen war es tatsächlich gelungen den Minengürtel zu durchbrechen, aber die Transporter wurden nur von leichten Maschinen begleitet. Ein gefundenes Fressen für seine mittelschwere Lanze. Ein guter Treffer auf einen Munitionstransporter sollte reichen um den Zug zum stehen zu bringen. Er gab das Zeichen und seine Gruppe verließ ihre Versteck hinter dem Hügel.
Mit jedem bisschen Leistung, das die Reaktoren hergaben, stürmten sie den Transportern hinterher. Arthur startete die Zielerfassung der Langstreckenraketen seines Longbows. Noch eine Sekunde...
Er verpasste den richtigen Augenblick zu feuern, denn plötzlich ragte ein Geschützturm keine 50 Meter vor ihm aus dem Boden. Noch während er versuchte ein Ausweichmanöver auszuführen schlug die erste Gausskugel schon hart in sein linkes Hüftgelenk.
„Was zum Teufel...“
Diese eher rhetorische Frage wurde mit einer Botschaft über die offene Frequenz beantwortet:
“Schöne Grüße von der Argatas Miliz, dreht ab oder sterbt!“
Im gleichen Augenblick begann ein Warnsignal zu piepsen und Flammenzungen am Himmel machten deutlich, dass die Miliz auch über LSR-Unterstützung verfügte.
Arthur versuchte den Longbow noch zum Ausweichen zu bewegen, aber der Hüfttreffer ließ nur noch einige verzweifelte Hüpfer des Mechs zu, bevor der Hagel aus Sprengköpfen die Maschine erreichte. Kurz bevor die Rettungsautomatik ansprang, war schon eine zweite, auf Überschall beschleunigte Nickeleisenkugel in Kopfhöhe des Longbows unterwegs...

Hoffman atmete erleichtert auf. Sie hatten die dicke Schutzkleidung abgenommen und Müller sowie Hagen hatten die Zeit genutzt auf der jetzt leeren Sprengstoffkiste eine Zigarette zu rauchen. Soweit er mitbekommen hatte, war keiner der Transporter beschädigt worden. Nur ein Commando hatte das Pech gehabt auf eine nicht detonierte Mine zu treten. Die Wucht der Explosion hatte dem leichten Mech die gesamte Beinpanzerung und Teile der inneren Struktur seines rechten Beines gekostet.
Hoffman entspannte sich. Was auch immer jetzt geschah, er hatte keinen Einfluss mehr darauf. Jetzt lag es allein an den Zinnsoldaten was aus ihnen wurde.

Nichell schlug mit der Faust auf die Konsole. So sollte es nicht laufen. Was auch immer er von Voss hielt: Er musste zugeben, dass seine Männer Störmanöver zu einer Kunstform erhoben hatten. Wie ein Chirurg hatte diese überstärkte Lanze immer wieder einzelne seiner Männer abgeschnitten und vernichtet. Immer wieder waren sie in den Rücken seiner Angriffe gekommen, bis sein Späher ihm mitteilte das der Zug sich wieder in Bewegung gesetzt hatte. Aber statt jetzt endlich einen Vernichtungsschlag durchzuführen, waren sie auf, bis dahin versteckte Stellungen gestoßen. Er war sich ziemlich sicher, dass es sich dabei um die Argatas Miliz handelte. Diese mochte zwar ohne Mech Unterstützung sein, war aber trotzdem alles andere als harmlos. Jetzt war Voss mit dem Rest seiner Streitmacht so gut wie in Argatas, wo weitere Geschütze und Fallen lauern mochten. Zeit genug hatten sie ja gehabt, dank Jinsais fataler Konzentration auf die Garde. Jetzt musste er Voss aus Zivilgebiet herausprügeln. Nun wenn Voss es so wollte - er würde sicher nicht zögern, zu tun was er musste.
„Brechen sie die Angriffe ab, die Stellungen sind in der Nach praktisch nicht zu erkennen bis es zu spät ist. Morgen früh werden wir sie Eine nach der Anderen ausräuchern.“
Lieutenant Benson nickte:
„Aye Sir. Sir, wir bekommen gerade die Verlustmeldungen. Anscheinend haben wir Voss knapp 20% Totalverlust beschert, vor allem seine Mittelschweren Maschinen dürften empfindlich dezimiert worden sein. Im Gegenzug haben wir fast ein Viertel unserer Leichten Maschinen verloren, insgesamt liegen wir ebenfalls bei etwa 20%, Bergegut noch nicht inbegriffen.“
„Diese Verluste sind im Vergleich zum Ergebnis etwas zu hoch. Ich denke wir werden unsere Strategie ändern müssen.“
„Sir, da ist noch was: Es gab einen Zusammenstoß zwischen einigen unserer Leute und Jinsais Truppen, als sie den Kesselbrutpiloten verfolgten.“
„Haben wir ihn erwischt?“
„Nein, der Mech konnte schwer beschädigt entkommen und zur Garde aufschließen. Sir, im Zuge dieses Zusammenstoßes hat einer unserer Männer das Feuer auf die Kuritas eröffnet, sie sollten vielleicht eine Entschuldigung formulieren.“
„Später, jetzt gibt’s wichtigeres zu tun. Stellen sie mir eine Verbindung zu meinen Kompanieführern her.“
„Aye, Sir.“

Voss sah sich um. Die Miliz hatte nur widerstrebend seine Befehlsvollmacht akzeptiert und der Garde Platz gemacht, aber immerhin hatten sie es getan. Im Gegensatz zur Palastgarde, die weiterhin darauf beharrte autonom zu bleiben.
Idioten. Voss wusste zwar genau wer den entsprechenden Befehl ausgegeben hatte, aber das entschuldigte in seinen Augen das Verhalten der Wache nicht. Diese bornierten Armleuchter, jetzt wusste er wieder warum er die Palastheinis nicht ausstehen konnte.
Apropos. Jack war ziemlich übel zugerichtet aus seinem Mech geholt worden. Abgesehen von dem Blutverlust war er auch ziemlich zerkocht, nachdem sein Lebenserhaltungssystem beschädigt worden und er bei knapp 55 Grad Cockpit-Temperatur unterwegs war. Er war nur kurz aus der Bewusstlosigkeit erwacht und hatte nach seinem Mech gefragt. Typisch.
Die Garde war immer noch im Einsatz und verstärkte die Befestigungen der Stadt. Die Miliz hatte sich alle Mühe gegeben, dabei jedoch die Garde-Mechs nicht ich ihren Plänen berücksichtigt. Noch immer weigerte sich Hauptmann Mac Callow die Bunker vor der Stadt räumen zu lassen. Der Segen eines 360 Grad Schusswinkels der Geschütze konnte sich nur allzu schnell in einen Fluch verwandeln, wenn sie dem Feind in die Hände fielen.
Er aktivierte den Funk:
„Schatten von Wotan, Bernhard wie geht’s voran?“
„Wenn ich sie zitieren darf Wotan: Beschissen! Wir können die Davis praktisch schon sehen, aber dieser dämliche Leutnant will hier ausharren und sich ein letztes Gefecht liefern.“
„Legt die Ladungen und schafft die Leute da raus. Notfalls erschieß ihr diesen Idioten. Aber verhindert um jeden Preis, dass die Davis die Anlagen kriegen, Wotan Ende“
„Verstanden. Sir, die Bunkerbesatzung hat ihnen gerade applaudiert, Schatten Ende.“
Jetzt war es soweit. Die große Belagerung begann und damit der wirkliche Schrecken des Krieges. Bisher hatten sie den Konflikt von den Siedlungen ferngehalten so gut es ging, aber jetzt mochte der Teufel wissen wie viele Zivilisten zu Opfern wurden.

Ares
20.06.2005, 10:38
Voss erhob sich. Es wurde Zeit im Lazarett mal nach dem Rechten zu sehen, vor fünf Minuten war ihm gemeldet worden, dass Jack versuch hatte aufzustehen...

Zur gleichen Zeit näherte sich ein Jeep mit den Emblemen des Sternenbundes einem kleinen Dorf in der Nähe von Grand Rapids im Argyletal. Die Morgensonne kam nur schwach durch den schwer wolkenverhangenen Himmel und ein kalter Wind blies von Norden her. Shaw zog sich die Lippen nach, das Äquivalent eines Soldaten, der sein Gewehr putzt.
Sie war etwas nervös. Seit dem Anfang des Konflikts, hatte sie so viele Exklusivberichte hinter sich gebracht, dass praktisch nur noch Kaffee, Make up und ihre Sturheit sie am laufen hielten. Hinter ihr auf dem Rücksitz brachte ihr Kameramann Jake Evans seine Ausrüstung in Schuss. Neben ihr am Steuer des Geländewagens saß Go-Cho Batista, der ihr zugeteilte Verbindungsoffizier.
Shaw klappte zufrieden ihren kleinen Handspiegel zu. Mit einem schelmischen Lächeln blickte sie den Go-Cho an:
„Nun Go-Cho Batista, hätten Sie gedacht, ein bei dem Dieron Regiment eingebetteten Kamerateam ComStars zu einer Mission der Davion Light Guards zu begleiten?“
Batista sah aus den Augenwinkeln, dass der Kameramann schon wieder seine Holokam auf der Schulter hatte und ihn vom Rücksitz aus filmte. Er setzte ebenfalls sein bestes Presselächeln auf und antwortete:
„Ehrlich gesagt nein. Aber es ist ein Zeichen für die Zeiten in denen wir leben. Das ist sehr positiv. Vor allem natürlich die Bereitschaft der Davions dem Koordinator bei seinem unermüdlichen Einsatz für das Wohl des Sternenbundes die notwendige Mittel nicht vorzuenthalten.“
„Haben sie keine Vorbehalte gegenüber diesen Leuten? Schließlich blicken diese Guards auch auf eine gewisse Tradition des Kampfes gegen Haus Kurita zurück?"
„Nun sicherlich hat jede Militäreinheit der Inneren Sphäre eine Geschichte die gewaltsam mit der einer anderen gekreuzt wurde. Deswegen sind es Soldaten. Ihnen dafür einen Vorwurf zu machen ist genauso unsinnig wie sich auf einen Skorpion zu setzen uns sich zu wundern wenn er sticht.“
Die Comstarreporterin verzog bei dieser kleinen Spitze nicht den Hauch einer Mine, stattdessen fuhr sie fort:
„Nichtsdestotrotz stelle ich es mir als eine Herausforderung vor diese beiden unterschiedlichen kulturellen und militärischen Einheiten zu koordinieren...“
„Sicher, aber das ist kein Hindernis, das nicht durch etwas guten Willen und Kooperationsbereitschaft aus der Welt geschaffen werden könnte.
Übrigens, wenn sie aus dem Fenster sehen, können sie schon Grand Rapis und das Dorf sehen, wir sind da.“
Batista bremste ab als er den Jeep über die breite Dorfstraße steuerte und auf dem Dorfplatz hielt.
Einige Bürger hatten sich dort ebenfalls eingefunden. Erstaunt stellte Shaw fest, dass der Reporter York scheinbar der Anführer der Gruppe war. Ermutigend nickte sie ihm zu und blickte sich nach Jake um, der gerade sich und seine Ausrüstung aus dem Jeep herausschälte. Eine Staubwolke am anderen Ende des Dorfes in Kombination mit einem rasch lauter werdenden Rumpeln zeigte an, dass auch die dritte Partei dieses Treffens im Anmarsch war.
Angeführt von einem schweren Alacorn fuhren die überstärkten Panzerlanzen des 23. Kavalerieregiments der Light Guards in das Dorf ein.
Der Staub hatte sich kaum gelegt, da schwärmten bereits Infanteristen aus einem APC und sicherten nach allen Seiten.
Ein Seargent näherte sich mit weit ausgreifenden Schritten der Zivilistengruppe. Sein Gesicht wirkte hager und ausgezehrt, eine breite Narbe spannte sich über die scharfen Wangenknochen. Das Namensschild auf seiner Tarnmontur wies ihn als Seargent Harris aus. Mit einer lässig am Holster seiner Dienstwaffe liegenden Hand ergriff er das Wort:
„Im Namen des Sternenbundes übernehmen die Light Guards die Kontrolle über dieses Dorf und die angrenzenden Territorien."
York sah das als sein Stichwort. Ohne zu zögern trat er einen Schritt vor und streckte die Hand zum Gruß aus:
„Guten Morgen, mein Name ist Hagen York. Die Bevölkerung von Grand Rapids hat mich beauftragt, über die Bedingungen der Übergabe der Gemeinde zu verhandeln.“
Harris ignorierte die ausgestreckte Rechte. Sein Gesicht verzog sich zu einer verächtlichen Grimasse:
“Verhandeln? Ich wüsste nicht, was ich mit einem Elsie zu verhandeln hätte. Dieses Dorf untersteht ab sofort der Kontrolle des Sternenbundes und ist hiermit eine Legalität der Vereinigten Sonnen. Sagen sie den Leuten sie sollen sich sofort in ihre Häuser begeben. Wer in einer halben Stunde nicht in seiner Unterkunft ist, wird als Terroristensympathisant verhaftet.“
„Das können sie doch nicht ernst meinen. Sie haben kein Recht die Leute wie Gefangene oder Terroristen zu behandeln.“
„Ich werde mich nicht wiederholen, ich werde nicht zulassen, dass meine Leute von irgendwelchen Elsieverrätern aus dem Hinterhalt abgeknallt werden, noch werde ich es zulassen, dass sie diese Gardenverbrecher mit Informationen versorgen.“
York lief rot an wie eine Tomate:
„Sie haben kein Recht so zu reden. Sie haben nicht einmal das Recht hier zu sein. Dieser Planet wird vom Arcturus-Regiment verteidigt, nicht von einer Bande dahergekommener Strauchdiebe, die mit den Schlangen gemeinsame Sache macht.“
Jetzt war es an Harris rot anzulaufen:
„Halt sofort dein dreckiges Maul. Ich werde hier keine Hetzreden dulden.“
„Ach so sieht also die Meinungsfreiheit eures Prinzen aus, was? Mir reicht es, ich gehe.“
„Bleiben sie sofort stehen, oder ich schieße!“
Doch York hatte sich umgedreht und ging in Richtung eines geparkten Geländewagens.
Der scharfe Knall eines einzelnen Schusses durchschnitt die Luft. York verharrte mitten im Schritt und fasste sich an die Brust. Langsam drehte er sich zu dem Davionsoldaten um, der die rauchende Waffe noch erhoben hielt. Blutiger Schaum troff aus den Mundwinkeln des Reporters und ein fassungsloser Ausdruck überzog sein Gesicht. Dann brach York zusammen
Harris Züge entglitten. Er starrte seine Waffe an, dann den leblosen Körper des Reporters und wieder seine Waffe.
Langsam wandte er seinen Blick zu Evans. Als er sprach war es kaum lauter als ein Flüstern, aber in der fassungslosen Stille hallte es laut wie ein Schrei:
„Geben sie mir die Kamera.“
Jetzt endlich kam wieder Leben in den Go Cho:
„Sergeant Harris, sie überschreiten ihre Kompetenzen. Dieses Kamerateam ist beim Dieron Regiment eingebettet und nur dem Sho-Sa steht eine endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit zu. Außerdem verstößt ihr Verhalten hier eklatant gegen die Einsatzrichtlinien der Sternenbund-Friedenstruppen. Sie haben einen Zivilisten erschossen, dafür werden sie sich auf jeden Fall zu verantworten haben. Machen sie es nicht noch schlimmer.“
Harris verzog nur verächtlich das Gesicht:
„Du kannst mich mal, Baby-Samurai.
Und du Kuttenfuzzi, gibst sofort die Kamera raus.“
„Sonst was?!“
Shaw wusste das dies die falsche Antwort gewesen war noch bevor die Waffe zum zweitenmal feuerte. Eine Blutfontäne entkam der klaffenden Halswunde des Kameramanns bevor er zusammensackte und die Kamera zu Boden fiel. Noch bevor Harris seine Waffe ein drittes Mal abfeuern konnte war der Go Cho mit einer katzenartigen Geschmeidigkeit herangetreten, die man dem eher plumpen Offizier gar nicht zugetraut hätte. Seine Handkante kam auf einen Punkt knapp unterhalb der Daumenwurzel des Davis herab. In einer fließenden Bewegung lies er seinen Arm herumfahren und schlug mit Handrücken gegen die Nase des Soldaten. Der Angriff war so schnell, das Harris seinen Arm noch auf halben Wege nach oben hatte um seine gebrochene Nase zu bedecken, als ihn auch schon Batistas armeestiefelbewehrter Fuß mit einem Sprungtritt in die Magengrube traf und rückwärts davon schleuderte. Die Umstehenden Soldaten waren genauso schockiert über dieses Schauspiel wie die Reporterin.
Batista war schon wieder auf den Beinen und zog sie mit sich während er in der anderen Hand die Kamera schnappte.
Grob stieß sie der Go Cho in den Geländewagen. Wie von weit her hörte sie den Sergeant in einem stark nasal klingenden Ton schreien:
“Verdammt noch mal, steht nicht so rum, lasst sie nicht entkommen, schießt.“

Und dann brach die Hölle los. Verwirrte Soldaten hoben ihre Waffen, panikerfüllte Zivilisten stoben auseinander, ein nervöser Soldat betätigte den Abzug.
Eine reihe kleiner Löcher entstand in der Außenwand des Jeeps, durchschlug aber die Panzerung nicht.
Menschen schrieen als militärische Weichmantelgeschosse mit kleinen Löchern in Körper eindrangen und mit wesentlich größeren Löchern wieder aus.
Batista beschleunigte den Jeep so hart, dass der Geruch des malträtierten Getriebes in den Innenraum drang.
Shaw blickte immer noch wie erstarrt auf das Aufzeichnungsgerät und die kleine Lampe, die immer noch über dem Wort „Aufzeichnung“ aufleuchtete, während Jake Evans Herzblut sich mit ihren Tränen vermischte...

Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Davions erschossen Zivilisten. Obwohl eine komplette Nachrichtensperre verhängt worden war, bis der Fall geklärt war, hatten das zivile Telefonnetz sowie CB-Funk schon ganze Arbeit geleistet: Überall in den kleinen Dörfern und Kommunen war es zu spontanen Protestaktionen gekommen. Hatten vereinzelt die Leute noch positiv auf die Davionsoldaten reagiert, die sie als frühere Verbündete sahen, so waren die Guards jetzt, sofern das überhaupt möglich war, noch verhasster als die Kuritas.
Nichell schäumte förmlich vor Wut. Die letzten vier Tage waren gekennzeichnet von kleineren Terroranschlägen von vermutlich zivilen Gruppen, einer fahnenflüchtigen Panzerkompanie und eine empfindliche Rüge von Comstar. Doch das schlimmste war Jinsais eiskalte Miene gewesen mit der er die Auslieferung der Täter gefordert hatte. Eine Kugel hatte während der Verfolgungsjagd die Panzerung des Jeeps an einer Schwachstelle durchschlagen und den Fahrer getroffen. Eine Arterie war wohl verletzt worden, denn obwohl sie es bis zu befreundeten Einheiten schafften, war der Go Cho einige Stunden später im Lazarett verstorben.
Nichell war unangenehm bewusst, dass Jinsai aus einem ganz ähnlichen Grund überhaupt erst diesen Konflikt aufgenommen hatte. Zwar hatte Jinsai ihm kein Ultimatum gestellt, aber er hatte sehr deutlich gemacht, dass solange diese Sache nicht mit einem Militärgerichtsurteil geklärt war, keine Zusammenarbeit mehr stattfinden konnte.
Exakt dieser Teil war es auch, der ihn so in Rage versetzte. Warum konnte diese ehrbesessene Schlange nicht sehen, dass sie dadurch nur Voss in die Hände spielten? Es war zum verrückt werden. Da saß die Garde eingeigelt in der Stadt und trotzte jedem Vorstoß mit ihrer Artillerie und ihren Bunkern, und Jinsai führte sich auf als hätte er persönlich und absichtlich seinen erstgeborenen Sohn überfahren.
Mit etwas zu viel Temperament drückte er den Knopf der Comanlage:
„Benson, gibt es etwas Neues im Rapisdesaster?“
„Tut mir leid Sir, negativ. Die Renegaten haben sich irgendwo in die Berge zurück gezogen nachdem sie vorgestern ein Bergdorf überfallen und sich mit Vorräten eingedeckt haben. Wenn sie mehr Leute abstellen würden, könnten wir sie wohl innerhalb der nächsten drei Tage aufspüren. Eine Panzerkompanie hinterlässt schließlich Spuren.“
„Nein, ich werde sicher keinen meiner Männer abziehen während Voss nach wie vor in seiner verfluchten Festung sitzt.“
„Aber Sir, Jinsai wird nicht mit uns zusammenarbeiten so lange die Sache nicht bereinigt ist.“
„Ich pfeife auf Jinsai und seine unfähige Truppe. Wir regeln das jetzt auf die harte Tour. Geben sie Anweisungen die Sniperartillerie in Stellung zu bringen. Mal sehen wie lange die Garde in der Stadt bleibt, wenn um sie herum die Häuser zusammen fallen.“
„Sir sie sind sich hoffentlich bewusst, dass wir damit kaum eine Chance haben die feindlichen Einheiten zu erwischen, aber verheerende Schäden unter der Zivilbevölkerung anrichten!“
„Genau darauf zähle ich. Entweder Voss steht zu seiner Aufgabe die Zivilisten zu schützen und zieht ab, oder er wird früher oder später ausgebombt. Vertrauen sie mir, Voss wird seine Festung aufgeben sobald er sich seiner Lage klar geworden ist.“
„Wenn sie meinen Sir.“ Bensons Stimme klang müde und resigniert.
Nichell konnte sie verstehen auch ihm machte das keinen Spaß, aber es war Krieg. Und im Krieg gab es Opfer. Alles was man tun konnte, war zu verhindern selbst eins zu werden.
Er stand auf und goss sich eine Fingerbreite Wiskey ein. Nach kurzem Zögern füllte er das Glas komplett.

Voss lächelte. Neben ihm lief Jack, der gerade vorhin seine Bandagen abgenommen bekommen hatte. Der bioregenerative Klebstoff hatte hervorragend gewirkt und Jack würde wohl nur eine kleine Narbe von dem Schrappnell zurückbehalten. Unglücklicherweise sorgte die Schnellheilungspaste mit ihrer dicken Kruste auch für einen schier unerträglichen Juckreiz, so dass Jack sich nun seit etwa fünf Minuten schon ununterbrochen kratzte. Der Anblick war einfach göttlich.
Gerade als sie noch drei Meter von den Aufzügen entfernt waren bemerkte Voss eine seltsame Rauchsäule, die sich in einer Parabelbahn auf die Stadt zu bewegte.
„Was zum T...“
Doch bevor er den Satz zu Ende gesprochen hatte spürte er wie er auf den Boden aufschlug und das Gewicht von Jacks Körper ihm die Luft aus den Lungen presste.
Die Druckwelle lies die Scheiben zerspringen und ein Hagel von Glasscherben erfüllte den Raum, in dem kurz zuvor noch sein Gesicht gewesen war.
Mit einem Grunzen gab er Jack zu verstehen, dass ihm langsam der Sauerstoff ausging. Als er sich wieder bewegen konnte, knisterte auch schon sein Kommunikator:
„Voss bitte kommen. Sir, Nichell muss den Verstand verloren haben, seine Artillerie hat begonnen das Stadtgebiet unter Feuer zu nehmen.
Sir, können sie mich empfangen?“
„Ja Raily, wir sind im Krankenhaus, wir haben die Druckwelle mitbekommen.“
„Im Krankenhaus? Ist ihnen etwas passiert?“
„Nein abgesehen davon, dass mein Clanner wohl im Krankenbett etwas zugenommen hat. Lassen sie sofort die Führung zusammentreten, ich bin in fünf Minuten da, Voss Ende.“

Während der Fahrt hatte Jack sein ganzes Können am Steuer unter Beweis stellen müssen um panischen Autofahrern und aufgescheuchten Miliztruppen auszuweichen. Die Artilleriegranate war in mitten des Steiner-Gedächtnisparks eingeschlagen und hatte für eine Panik gesorgt.
Nichell war zu weit gegangen. Voss war sich sicher: Was auch immer weiter geschehen würde, er würde dafür sorgen, dass der Davionkommandeur diesen Planeten nicht als Sieger verlies. Und sei es deswegen, weil er mit den Füßen als erstes raus getragen wurde...

Bis sie das HQ erreichten schlugen noch zwei weitere Granaten in der Stadt ein. Eine erwischte den Palast, die andere ging in einem Wohngebiet nieder. Sirenen erfüllten die Straßen und Leute fluteten die Eingänge zu den Schutzbunkern.
Die Reifen quietschten und ließen eine dunkle Gummispur auf der Straße zurück als Jack vor dem HQ-Zugang bremste. Der Motor war noch nicht aus, da stürmte Voss bereits aus dem Fahrzeug und auf die Türe des HQ zu. Jack folgte ihm so schnell er konnte.
Erschreckt blickten die Insassen auf als Voss mit sichtlichem Zorn an den Kartentisch trat.
„Meine Damen und Herren, jetzt trifft die Scheiße den Ventilator. Ich möchte sofort eine Analyse der momentanen Situation.“
Raily räusperte sich:
„Sir, wie ich gerade vor ihrer Ankunft sagte: Die Light Guards haben scheinbar Sniperartillerie aufgestellt und nehmen das Stadtzentrum unter Feuer.“
“Können wir sie mit unserer eigenen Artillerie anpeilen?“
„Tut mir leid Sir, unsere Klopfer haben eine zu kurze Reichweite, die Davions haben ihre Ari auf Maximaldistanz gebracht. Das dürfte auch die Erklärung sein, warum sie so ungenau treffen. Ohne vorgeschobenen Beobachter schießen sie praktisch blind.“
„Dieser Wahnsinnige, damit riskiert er das Leben aller Stadtbewohner. Wenn er so weiter macht, wird das hier in einem Blutbad enden.“
Hauptmann Hoffman nickte:
“Ja Drake, und du weißt was das bedeutet. Wir müssen die Stadt räumen, oder wir werden früher oder später von einem Glückstreffer erwischt. Ich schlage vor, wir machen einen Ausbruch durch den Nordwestwall, von da aus können wir uns in die Berge schlagen und einen Guerilla Feldzug starten.“
„Das ist keine Alternative Bernhard, ohne Versorgung und Wartung halten wir es keine drei Tage aus. Außerdem würde sich Nichell dann die Stadt holen und alles wäre umsonst gewesen. Egal wie hart Donahugh sich gibt, keine fünf Minuten nachdem die Davis ihren Fuß in die Stadt gesetzt hätten, würde er ihnen mit einer Kapitulationserklärung entgegen laufen und wir wären gezwungen uns zu ergeben oder zu illegalen Kämpfern zu werden.“
„Aber was willst du stattdessen machen? Einen Frontalangriff? Das ist Wahnsinn, bestimmt hat Nichell dort schon seine ganze Armee in Stellung gebracht um uns zu Empfangen. Wenn wir die Palastwache mit der Miliz vereinen und konzentrieren könnten, dann hätten wir eventuell eine Chance...“
„Nie im Leben, diese Wachenheinis haben grade mal genug Grips um am Daumen zu lutschen, wenn sie ihn nicht grad im Hintern stecken haben.
Nein, ein Frontalangriff wäre tötlich. Wir müssen diese Artillerie ausschalten. Es gibt keine andere Lösung.“

Ares
10.08.2005, 21:19
Voss blickte einen Moment gedankenverloren ins Leere. „Nichell setzt darauf, dass wir aus der Stadt ausbrechen bevor wir ausgeräuchert werden. Wenn wir also einen Ausbruch vortäuschen und genug Leute darauf verwenden, wird er seine Kräfte zusammenziehen und andere Bereiche ungedeckt lassen. Dann könnten wir Barghest ins Rennen schicken um die Artillerie zu vernichten. Der Ausfall müsste allerdings lange genug anhalten um Nichell auch wirklich dazu zu verleiten den Belagerungsring zu schwächen.“
„Meinst du er fällt noch einmal auf diesen Trick herein? Es ist ja nicht so, als ob wir ihn nicht schon mehrfach angewendet hätten.“
„Du hast Recht Bernhard, genau deswegen werden wir auch noch an einem dritten Punkt einen Ausfall starten.“
„Dehnen wir dann unsere Kräfte nicht zu stark auseinander? Unsere Verteidigung ist so schon bis aufs Äußerste gestreckt. Wir können den Truppen der ersten Finte kaum Unterstützung geben ohne uns anderweitig zu entblößen. Ein entschlossener Vorstoß der Davis und sie wären in der Stadt.“
„Ich weiß um dieses Risiko. Aber ich baue darauf, dass Nichell es nicht auf einen Stadtkampf ankommen lassen will und sich darauf konzentriert niemanden lebend herauszulassen anstatt selbst hereinzukommen. Also: Ausführung...“
Hauptmann Hoffmann war nicht glücklich mit der Situation. Stündlich kamen neue Meldungen über zivile Verluste durch die Artillerie. Zumindest starteten die Davis keine eigenen Angriffe, solange deren Artillerie mit der Präzision eines parkinsonkranken Maulwurfs durch die Gegend schoss.
Das bedeutete auch für Hoffmann eine Pause vom Feldeinsatz. Der Ausbruchsversuch war vor einer Stunde misslungen...
Oder um genauer zu sein: Für die Davions hatte es so ausgesehen, als ob sie einen größeren Durchbruch verhindert hätten. Wie erwartet hatten die Davis mit einer Finte gerechnet: Fenrislanze hatte den Feind nicht aus der Reserve locken können, auch wenn sich Jack alle Mühe gegeben hatte. Als Wolf dann mit Dobermann, Pinscher, Pollux und Castor auf der gegenüberliegenden Seite gestartet war, hatte sie ein wahres Feuerwerk empfangen. In dem ganzen Chaos gelang es Barghest auf Fenris’ Spuren die Stadt ungesehen zu verlassen.
Die ganze Aktion hatte vier Piloten das Leben gekostet. Namentlich die gesamte Polluxlanze, die das Rückzugssignal ignoriert hatten und prompt zwischen den gegnerischen Verstärkungen zerquetscht worden waren.
Der Kommandant hatte sich vor einer halben Stunde hingelegt um wenigsten ein paar Stunden Schlaf nachzuholen.
Jetzt saß der Hauptmann als Vertretung im HQ und schaute lustlos auf die Statusanzeigen. Lieber hätte er noch einmal eine Fahrt durch ein Minenfeld unternommen als hier machtlos zuzusehen wie die Stadt in Chaos und Zerstörung versank.
Der Artilleriebeschuss hatte während des Ausbruchversuchs kurzzeitig aufgehört, war aber mit dem Rückzug der Guards sofort wieder aufgenommen worden. Es konnte doch nicht solange dauern diese Müllspucker zu erreichen...
In diesem Moment nahm einer der Funker eine Meldung von Barghest entgegen. Der junge Mann hatte kaum die Worte: „Nein Kommandant Voss ist im Moment nicht verfügbar, aber...“ ausgesprochen, da hatte Hoffmann ihn auch schon grob zur Seite gedrängt und sich selbst die Kopfhörer übergestülpt:
„Hier ist Hauptmann Hoffmann, Barghest, ich hoffe sie haben gute Nachrichten!“
„Hier Barghest Lanzenführer, Sir, wir sind jetzt in Stellung, ich aktiviere die Datenübertragung...“
Im nächsten Augenblick war die Verbindung weg. Dafür konnte Hoffmann nun über die live Gefechtsaufzeichnung mit ansehen, wie Barghest mit seinem Angriff begann. Die überstärkte Kommandolanze ließ einen Hagelsturm an Langstreckenraketen auf die Aristellung und ihre Bewacher hernieder prasseln während sie den Hang hinabfetzte. Barghests Piloten waren gut. Trotz des unsicheren Untergrundes aus Geröll und Felsbrocken bewegten sich die Maschinen als wären sie auf Schienen montiert.
Jetzt kam es zu den ersten Nahkämpfen. Aber Barghest konzentrierte gnadenlos das Feuer auf die jeweils nächststehenden Einheiten, während sie gleichzeitig die massiven Artilleriegeschütze als Sichtschutz gegen die restlichen Feinde verwendeten. Ohne Rücksicht auf Überhitzung der eigenen Maschinen pumpten sie Salve um Salve in die gegnerischen Mechs, bis der letzte noch stehende Longbow in einer gleißenden Wolke aus superheißem Plasma verschwand. Es folgten 20 Sekunden der Ruhe, welche die vollkommen überhitzten Maschinen nutzen um wieder auf Normaltemperatur zu kommen. Aber dann, wie ein einziger Mann, eröffneten sie das Feuer auf die Artillerieplattformen. Hoffmann gönnte sich das Vergnügen diese Szene noch einmal in Zeitlupe über den Bildschirm laufen zu lassen. Diese Ari-Bastarde hatten einen so schnellen Tod eigentlich nicht verdient...
Barghest meldete sich wieder:
„Sir, auf dem Weg hierher haben wir einen bisher unbekannten Davion Nachschubposten entdeckt. Im Prinzip scheint es nicht viel mehr als eine kleine Reparatureinheit und zwei Mechs zu sein.“
„Barghest, handelt es sich dabei zufällig um einen Enfield und einen Nightsky?“
„Korrekt, Sir.“
„Einer unserer Spähtrupps ist kürzlich mit den beiden aneinander geraten. Sie konnten ein paar Minen geschickt platzieren und die Beine der Maschinen beschädigen. Es war für die Davis wohl einfacher die Reparaturanlage zu den Mechs zu bringen, statt die Mechs aus dem Gebiet abzuziehen. Hmm...
Barghest hören sie zu: Ich lasse ihnen ein paar Piloten einfliegen. Sorgen sie dafür, dass die Bewacher des Postens schnell und diskret ausgeschaltet werden, sie werden ohnehin bald Besuch bekommen, es ist nicht nötig die Banditen auch noch auf euch aufmerksam zu machen.“
„Verstanden Herr Hauptmann, Barghest Ende.“
Hoffmann lehnte sich zurück. Zwei Mechs in den Farben des Feindes. Drake würde das sicher sehr interessieren. Aber zunächst einmal musste er irgendwie zwei Reservepiloten aus der Stadt schleusen. Vorzugsweise in Begleitung eines Techs, der die Sicherungssysteme der Mechs knacken konnte.
Die Nacht würde wohl noch wesentlich spannender werden als gedacht.

Voss rieb sich müde die Augen. Zwei Stunden Ruhe waren zu viel für ein Nickerchen aber zu wenig für einen erholsamen Schlaf. Dieses Mal war es nur ein sehr kleiner Kreis: Hoffmann, Raily, er und Jack, sowie zwei Funker füllten das mobile HQ, das in einer Tiefgarage geparkt war.
„Also, Bernhard, was ist los?“
„Zunächst einmal: Die Luft ist jetzt wieder wesentlich weniger Granaten-verseucht, Barghest hat einen Überraschungsangriff wie aus dem Lehrbuch durchgezogen und die Ari unbrauchbar gemacht.“
„Gut, aber das hättest du mir auch morgen noch sagen können, was also ist wirklich los?“
„Deiner Jokertruppe ist noch ein weiterer Fisch ins Netz gegangen. Sie haben ein fast unbewachtes Depot überrannt und zwei Mechs erbeutet, komplett mit den feindlichen Gefechtsfrequenzen und Codes. Die werden uns nur nicht viel nützen, wenn sie morgen schon wieder geändert werden. Ich hab jedenfalls zwei unserer Reservepiloten über unser Spähnetzwerk raus geschleust. Bis jetzt hat den Überfall noch niemand bemerkt und Barghest hat auch keine Zeugen zurück gelassen.“
Raily meldete sich zu Wort:
„Das ist ja ganz nett, aber es wird ziemlich schwierig die Maschinen wieder in die Stadt zu bekommen, ganz davon abgesehen, dass die Davis ihnen jetzt wohl den Rückweg abgeschnitten haben. Wenn sie wieder zurück wollen, müssen sie einen Bogen durch Kuritagebiet schlagen. Und die sind nicht um die Stadt verteilt, sondern konzentriert und in voller Alarmbereitschaft.“
Jack nickte: „Pos, bis vor Kurzem überlappten sich ihre Kontrollgebiete noch, aber jetzt sind sie klar abgegrenzt und werden separat überwacht.“
Hoffmann grunzte zustimmend:
„Ja, wegen dieser an die Grenzen verlagerten Einheiten konnten wir auch im Satori-Tal eine Lücke ihrer Überwachung ausnutzen und in ihr Gebiet eindringen.“
Voss blickte auf:
„Interessanter Punkt. Seit der Sache im Grand Rapis haben sie keinen Finger mehr gerührt. Jinsai muss stinksauer auf Nichell sein und der Arieinsatz dürfte ihm auch keine Sympathie eingebracht haben. Vielleicht ist das der Schlüssel für unsere Probleme. Wenn Jinsai und Nichell sich gegenseitig an die Kehle gehen, haben wir leichtes Spiel.“ Gespannt beobachteten die Anwesenden den Kommandant der seine Stirn in Falten gelegt hatte, bis er schließlich mit einem grimmigen Lächeln sagte:
„In Ordnung, wir machen Folgendes: Da Barghest anscheinend keine ernsthaften Schäden davon getragen hat, werden sie einen Durchbruch auf die Kuritaseite wagen. Barghest deaktiviert seine IFF-Sender und sobald es zum Feindkontakt kommt funken die beiden erbeuteten Mechs einen Hilferuf an die Davions, sobald dann beide Seiten aufeinander einprügeln, soll sich Barghest lösen und die, dann hoffentlich stark geschwächten Perimeter durchbrechen. Mit ein bisschen Glück sind sie schnell genug weg, so dass sie von den Guards nicht bemerkt werden.“
„Das ist extrem riskant Drake, aber so wie du es beschreibst könnte es tatsächlich klappen. Ich kümmere mich derweil um eine Möglichkeit deine Truppe wieder in die Stadt zu bekommen.“
„In Ordnung. Raily, geben sie die entsprechenden Befehle an Barghest weiter. Ich werde mich in der Zwischenzeit ein wenig frisch machen.“
Voss verließ das HQ dicht gefolgt von Jack, jeder Gedanke an Schlaf war vergessen. Oder um der Wahrheit die Ehre zu geben: Jeder Gedanke an Schlaf wurde gewaltsam verdrängt. Tiefe Augenringe und ein Dreitagebart waren nur die offensichtlichsten Anzeichen seiner körperlichen Erschöpfung. Jack hingegen sah geradezu unverschämt frisch aus. Noch immer trug er seine Kühlweste, Kampfstiefel und Shorts, trotz der niedrigen Temperaturen.
Während die Beiden einen Waschraum ansteuerten lies sich Jack vernehmen:
“Sir, wussten sie eigentlich, dass sie im Begriff sind ein Manöver des Clankrieges zu kopieren?“
„Was, hat das jemand schon mal versucht?“
„Pos. 3058 wurde der von den Nebelparder gehaltene Peripherieplanet Wildcat von einem Söldnerregiment angegriffen. Die Söldner waren der dort stationierten neugegründeten Tau-Galaxis weit unterlegen und wären sicher ohne weiteres Besiegt worden, hätten sie nicht durch ein Täuschungsmanöver eine nahe Einheit der Nova Katzen dazu provoziert den Planeten anzugreifen. Im darauf folgenden Gefecht wurden die Parder abgeschlachtet.“
„Oh, na schön, aber was willst du mir damit sagen? Das es falsch ist und unehrenhaft? Lass mich dir eines sagen: Dieses ganze Getue um Ehre und Genugtuung hat uns erst in diesen Schlamassel gebracht. Wenn ich die Wahl habe zwischen dem Überleben meiner Leute und einem ehrenhaften Kampf, werde ich mich sicher nicht gegen das Leben entscheiden. Jinsai ist kein übler Kerl, aber er ist nun mal auf der falschen Seite. Wegen des Lebens zweier seiner Soldaten sind mittlerweile über 200 Menschen gestorben und noch wesentlich mehr schwer verletzt. Das ist die Realität. Ich habe diesen Krieg nicht gewollt, aber wenn ich eine Möglichkeit sehe ihn zu beenden und dabei das Leben meiner Männer zu schonen, so ist es meine gottverdammte Pflicht sie auch zu nutzen.“
Voss hatte sich geradezu in Rage geredet und stand jetzt mit rotem Kopf vor Jack.
Dieser zuckte nur mit den Schultern und hielt dem Kommandanten die Tür zum Waschraum auf.
Voss fühlte sich nach diesem Ausbruch plötzlich unendlich alt. Etwas versöhnlicher setzte er hinzu:
“Aber im Gegensatz zu deinem Beispiel habe ich nicht vor meinen Gegner „abzuschlachten“, zumindest Jinsai nicht. Alles was jetzt kommt, hat Nichell sich selbst zu zuschreiben...“

Als Voss den Waschraum wieder verlies stellte er zu seiner Überraschung fest, das Jack weg war, stattdessen erwartete ihn Raily.
„Wo ist Jack?“
„Ich habe ihm aufgetragen für sie Kaffee zu organisieren.“
„Warum?“
Raily holte tief Luft:
„Herr Kommandanthauptmann, ich wollte nicht vor Jack oder Bernhard reden, aber es braut sich in der Truppe was zusammen.“
„Will sich jemand absetzten?“
„Nein, nein. Eher das genaue Gegenteil. Einige wollen am liebsten wild nach vorne stürmen.
Eine andere Sache macht mir Sorgen. Einige Soldaten meinen, sie seien zu zögerlich ... dass wir damals schon bei der Sache mit der Dobermann Lanze hätten gegen die Kuritas losschlagen sollen. Und in der ganzen Stadt tauchen diese „Voss der Feigling“ Graffitis auf.“
Voss winkte ab:
„Ach, was irgendwelche Salon-Generäle und Schmierenfinken denken, ist mir doch egal.“
Raily senkte ihre Stimme: „Es ist nicht irgendein Salon, das kommt aus dem Palast.
Mehrere der Soldaten und Techs wollen an diesen täglichen Durchhalte-Kundgebungen teilnehmen ... in Uniform, vielleicht sogar dort sprechen. Der Chef-Tech und ich haben mehrere Leute deswegen zusammengefaltet, aber das rumort weiter. Jack soll sogar einen seiner Lanzenführer mit dem Tode gedroht haben, sollte er weiter über sie lästern.
Haben sie von dieser Drachenodem-Medaille gehört?“
„Vor zwei, drei Tagen war das doch in dem Nachrichten. Irgend so ein Möchtegern-Orden, für Leute, die diese Belagerung mitbekommen haben.“
„Lord Donahugh hat ihn gestiftet. Und seit drei Tagen schmeißt er das Ding unter die Leute wie Konfetti. Alle seine Minister und die meisten „Von und Zu’s“ haben eine. Die komplette Palastgarde bis runter zum letzten Latrinenputzer hat eine bekommen
Gestern tauchen seine Frau und seine beiden jüngeren Schwestern bei uns auf, um Essensrationen unter meinen Leuten zu verteilen. So ziemlich jeden Journalisten des Planeten im Schlepptau. Alle Drei in Uniformen der Palastgarde, alle Drei mit dieser Medaille. Lady Donahugh sogar noch mit diesem komischen Imbross-Stern, der seit 400 Jahren nicht mehr vergeben wurde.
„Na ja, wenn der Lord schon nicht das Oberkommando haben kann, will er wenigsten Orden verteilen.“
„Nein, Drake, das geht tiefer. Meine Leute sind ja über die ganze Stadt verteilt und kriegen mit, was die Zivilisten so reden.
Da sind Geschichten unterwegs, in denen einzelne Schweber der Palastgarde ganze Mechlanzen vernichten. Lord Donahugh soll einen ganzen Trupp Dest Kommandos mit bloßen Händen niedergemacht haben ...“
Voss musste sich sichtlich zurückhalten, um nicht laut loszuprusten.
„... einige der Soldaten wurden schon gefragt, wann sie denn ihre neuen Uniformen der Palastgarde kriegen, weil sie doch jetzt Teil davon sind. Drake, wenn wir nicht aufpassen, wird bald der Lord hier die Befehle erteilen und nicht mehr wir.“
Zornesröte erschien auf dem Gesicht des Kommandanten:
„ICH bin der Oberbefehlshaber des 2. und nur der Generalleutnant, die Generalin des Heeres oder die Archon können das ändern. Sollte Donahugh seine Befugnisse überschreiten und versuchen, das außer Kraft zu setzten kriegt er gehörigen Ärger.“
„Die Archon und der Generalstab sind nicht hier und danach zu schließen, das wir keinerlei Verstärkung bekommen haben, halten sie uns entweder für entbehrlich, oder sind viel zu beschäftigt in anderen Regionen des Reichs den Frieden zu wahren.“
Voss winkte ab.
„Ich werde mich darum kümmern, aber erst nachdem ich keinen verdammten Belagerungsring am Hals habe. Mit etwas Glück erledigen sich damit auch die ganzen anderen Probleme von selbst.“
„Ich hoffe, dass sie recht behalten, das hoffe ich wirklich...“


Eine Stunde später führte Lieutenant Niklas Bernstin gerade die Mitglieder der Bravolanze durch einen Hohlweg nahe der neuen Eröffnungslinie als der Hilferuf kam:
„Hier Foxtrott Romeo Zulu, wir werden von Grenzposten der Kuritas beschossen. Ich wiederhole, wir werden von Grenzposten der Kuritas beschossen.“
„Hier Hoghound, wer spricht dort.“
„Verdammt, hier ist Foxtrott Romeo Zulu, 3. Aufklärungskompanie. Captain Carter. Ich fordere sofortige Unterstützung an. Die massakrieren uns wenn sie uns nicht helfen.“
„In Ordnung, wir nähern uns ihrer Positon, halten sie durch, Hoghound Ende.“
Bernstin gab sofort entsprechende Befehle an seine Lanzenkameraden weiter und beschleunigte seinen Thunderbold. Vergeblich überlegte er, wer dieser Captain Carter sein könnte. Aber die Notwendigkeit sich in dem schwierigen Gelände zu orientieren lies ihm keine Gelegenheit länger darüber nachzudenken. Das beständige leuchten der Positionsmarkierung trieb ihn weiter an.
Sein Mech brach gerade durch ein Dickicht als er auch schon einen Treffer aus einer verirrten KSR einstecken musste. Deutlich sah er wie ein Enfield von einem Dragon und einem Hunchback bedrängt wurde. Ohne länger zu überlegen riss er das Fadenkreuz über den Rücken des Hunchback und zog den Abzug durch. Die notorisch dünne Rückenpanzerung des 50 Tonners verflüchtigte sich unter der Gewalt dieses Alphaschlages. Einen Sekundenbruchteil später schüttelte sich die Maschine unter einer Serie von Sekundärexplosionen als die Autokanonen Munition hochging. Die zellulare Munitionslagerung verhinderte ein Übergreifen auf den Reaktor. Allerdings konnte sie nichts gegen das plötzliche Ungleichgewicht ausrichten, den der Verlust von fast 10 Tonnen Panzerung und innerer Struktur verursachte.
Graziös wie ein Sack Kartoffeln stürzte der Hunchback zu Boden.
Bernstin hatte derweil schon wieder ein Neues Ziel. Ein Marodeur in den Farben des Dieronregiments hatte sich unbemerkt von der Seite genähert. Verzweifelt versuchte Bernstin den Torso seines Thunderbolts der neuen Bedrohung zu zuwenden. Für einen Moment verdunkelten sich die polarisierten Scheiben seines Cockpits, als eine Doppelsalve PPKs in den Torso seines Mechs einschlugen. Bernstin kämpfte mit den Kontrollen um seinen Mech aufrecht zu halten. Sein aufheulendes Gyroskop wurde plötzlich von dem Donnern mehrerer Dutzend Langstreckenraketen übertönt, die auf den Marodeur herabstürzten. Die Maschine schüttelte sich als ihre Panzerung mit Pockennarben überzogen wurde. Bernstin hatte gerade noch genug Zeit zu erkennen, dass diese Salve von einem Mech stammte, der nur grau auf seinem Schirm markiert war, bevor der Marodeur ein weiteres Mal seine Waffen auf ihn abfeuerte. Die Rettungsautomatik schlug an und katapultierte Lieutenant Bernstin auf den Treibsätzen seines Schleudersitzes aus dem Wrack seines Mechs, direkt in den ausladenden Stamm eines über hundert Jahre alten Redwoodbaumes. Mit ihm verging damit gleichzeitig der einzige Zeuge auf Seiten der Davions, der etwas von der Beteiligung Barghests an diesem Konflikt mitbekommen hatte...

Jinsai schäumte vor Wut. Nach all den Unverschämtheiten die er von Nichell ertragen hatte müssen, war dieser letzte Angriff der Gipfel. Dieser Gaijin musste komplett den Verstand verloren haben, oder er hatte keine Kontrolle über seine Leute. Egal wie es war, damit war er endgültig untragbar geworden. Vor vier Minuten hatte er eine komplette Mobilisierung ausgerufen und gegen die Lager der Guards geschickt.
Er ignorierte das hektische Blinken der Direktleitung zu Nichell und nahm stattdessen vor der Holokamera platz. Er wartete auf das Zeichen des Kameramannes und begann:
„Ich bin Sho-Sa Sunijory no Jinsai. Kommandant des 4. Dieron Regiments und Oberbefehlshaber der Sternenbund-Friedenstruppen auf Imbross III.
Kraft der mir verliehenen Autorität als Kommandant einer Einheit der Sternenbund Friedenstruppen und auf direkten Befehl des Ersten Lords des Sternenbundes, dem geehrten Kooridnator Lord Kurita, befehle ich allen Einheiten der 6. Davion Light Guards, die sich derzeit auf Imbross III befinden, den Planeten binnen 24 Stunden nach erstmaliger Ausstrahlung dieser Bekanntmachung zu räumen, und das Imbross III Sonnensystem binnen 120 Stunden nach erstmaliger Ausstrahlung dieser Bekanntmachung verlassen zu haben. Jedes Mitglied der 6. Davion Light Guards ist verpflichtet diesem Befehl nachzukommen. Wird eine Angehöriger der Light Guards nach Verstreichen von 24 Stunden aufgegriffen, wird er oder sie nach der Ares Konvention als Spion betrachtet und standrechtlich erschossen. Sollte während der Evakuierung Material der 6. Davion Light Guards zurück gelassen werden, wird dies entsprechend dem Friedenstruppen Statut des Sternenbundes als legitimes Bergegut des 4. Dieron Regiments behandelt. Jeglicher Widerstand gegen diese Anordnung wird härteste Vergeltungsmaßnahmen nach sich ziehen.
Das Ultimatum beginnt ab sofort.“

Jinsai nickte dem Kameramann zu:
„Sorgen sie dafür, dass diese Botschaft sofort ausgestrahlt wird und geben sie jeweils bei der Wiederholung an wie viel Zeit ihnen noch verbleibt.“
Müde lies sich Jinsai zurücksinken, während der Tech sich beeilte dem Befehl nach zu kommen. Der Feind des Feindes, stellte der bedrückt fest, konnte trotz allem ein verräterischer Schweinehund sein. Wieder sehnte er sich nach der Ruhe seines Gartens, der einzige Ort an dem es noch so etwas wie Sinn und Vernunft zu geben schien...

Etwas später am Mittag des nächsten Tages stand Nichell etwas abseits auf einem Hügel und beobachtete die Verladearbeiten an den Landungsschiffen. Lt. Benson näherte sich ihm. Nichells Gesicht war absolut unbewegt, doch schien es als sei er Übernacht um mehrere Jahrzehnte gealtert.
„Sir, der Lademeister der „Mad Angler“ meldet, dass Lanze Apache verstaut ist. Lanze Comache zieht sich entsprechend ihren Befehlen zurück. Die Patrouillen melden keine feindliche Aktivitäten im weiteren Perimeter. Scheint so als würden sowohl Elsies als auch Schlangen uns liebend gern loswerden.“
„Pah, sollen diese Verrückten sich doch gegenseitig den Schädel einschlagen. Waren Sie schon mal auf Caph, Benson?“
„Caph, Sir? Nein, noch nie. Hab nur mal von diesem kontinentalen Naturschutzgebiet gehört, das die haben sollen.“
„Ich gedenke dort meinen „Ruhestand“ zu verbringen. Zuhause auf Addicks kann ich mich bestimmt nicht mehr sehen lassen.“
„Bei allem Respekt, Sir. Ich halte das für übereilt. Der Prinz hat noch nicht mal über ihr Rücktrittsgesuch entschieden. Vielleicht hat er es noch gar nicht erhalten.“
„Glauben sie, nach diesem Desaster lässt er mich auf meinem Posten? Ich habe hoch gepokert und verloren, ich kann mir kaum denken wie ich da weitermachen sollte.“
„Warum nicht, Sir. Schließlich haben sie Jahrelang gute Dienste geleistet. Allein ihre Leistungen während der Clan-Kriege sollten diesen Rückschlag mehr als aufwiegen.“
„Schön wäre es. Aber ich glaube es nicht. Mit einer ehrenhaften Entlassung werde ich noch gut bedient sein wenn man den Artillerieeinsatz mit einbezieht. Wenn ich ihnen einen Tipp geben darf Benson: Distanzieren sie sich nach unserer Rückkehr so schnell wie möglich von mir. Das wird besser für ihre Karriere sein. Kommen sie, wir wollen das Schiff nicht warten lassen...“

Voss sah gut aus. Besser zumindest als die letzten Wochen zusammengenommen. Er hatte sich zehn Stunden Schlaf gegönnt, eine ausgiebige Dusche und eine komplette Nassrasur zelebriert. Nun saß er vor dem Vidschirm und wartete ungeduldig darauf, dass die Verbindung zu Jinsai aufgebaut wurde.
„Guten Morgen Kommandant. Sie sehen erholt aus.“
„Guten Morgen Sho-Sa, danke ja, ich konnte seit langem wieder eine Nacht ruhig schlafen.“
„Nun, da die Davions anscheinend alle den Planeten verlassen haben, ist dies durchaus begründet.“
„Nicht alle. Im Moment ist eine Kompanie meiner Elitepiloten dabei die Renegaten zu finden, die für den Mord an den Zivilisten aus Grand Rapis sowie dem Mord an ihrem Führungsoffizier verantwortlich sind. Ich erwarte jede Minute eine entsprechende Erfolgsmeldung.“
„Nun, das ist überaus erfreulich, das allein wird aber nicht der Grund ihres Anrufes sein, nicht war?“
„In der Tat.
Sho-Sa, ich sage es ganz offen: Dieser Konflikt ist nur noch eine Farce. Wissen sie eigentlich, dass die vier Soldaten, die während des Manövers das Feuer auf sie eröffnet haben bei einem Artillerieschlag ums Leben gekommen sind? Selbst wenn wir wollten, wir könnten ihnen nur mehr ein paar Fetzen ausliefern.“
„Was also schlagen sie vor?“
„Ein Waffenstillstand und eine anschließende Friedenserklärung.“
„Verlockend, aber was hindert ihren Lord Donahugh daran sich aufs neue in einer derart ausfallenden Art und Weise zu benehmen?“
„Ich. Seien sie versichert, dass ich Lord Donahugh mit aller Deutlichkeit darauf hinweisen werde, dass die Arcturus Garde Imbross III unverzüglich verlassen wird, sollte er noch einmal einen Streit vom Zaun brechen. Es hat bereits genug Tote gegeben, es gibt keinen Grund ihre Zahl noch künstlich weiter in die Höhe zu treiben.“
„Ich würde ihrem Vorschlag zustimmen, jedoch nur unter einer Bedingung: Ihr Clan-Leibeigener. Bei seiner Flucht hat er dutzende meiner Techs grundlos getötet und meine Männer werden keinen Frieden akzeptieren können, solange er nicht zur Verantwortung gezogen wurde.“
„Ich werde Jack nicht ausliefern. Das muss ihnen klar sein. Allerdings bin ich sicher, dass er ein ehrenhaftes Duell nicht ausschlagen würde.“
„Ein interessanter Vorschlag, damit sollte ich meine Leute zufrieden stellen können.
So sage ich ihnen Kommandanthauptmann Drake Voss: Es wird ein Waffenstillstand ausgerufen, vorausgesetzt, der Clanleibeigene Jack Arcturus findet sich heute um 12.00 Uhr vor den Südtoren Argatas ein. Einer meiner Krieger wird ihn dort erwarten. Das Duell findet ohne Mechs statt und mit dem Ende des Duells sind alle Ansprüche auf Vergeltung beendet.“
„Gut, ich verlasse mich auf ihr Wort als Ehrenmann, dass sie diese Vereinbarung einhalten, ebenso wie ich mich daran halten werde.“
„Wie sagen die Clans doch so treffend: Gut gehandelt und akzeptiert. Ich erwarte ihren Clanner.
Einen schönen Tag noch...“

Die Verbindung wurde beendet und Voss blieb allein mit sich und seinen Gedanken in der Düsternis seines abgedunkelten Büros zurück.

Jack hatte erwartungsgemäß die Herausforderung freudig akzeptiert. Allein die Tatsache, dass er weder Ort noch Waffenwahl bestimmen durfte hatte ihn etwas verstimmt.
Nun stand er auf der Hauptausfallsstraße von Argatas im hellen Schein der Wintersonne und schauderte etwas von dem kalten Ostwind der durch den dünnen Stoff seines Sporttrikots pfiff. Hinter ihm wartete der Transporter mit den verbliebenen Mitgliedern seines Sternes, sowie ein militärischer Krankentransporter. Letzterer war ihm samt einem Schwarzen Leichensack von Hauptmann Hoffmann mit einem ziemlich anzüglichen Grinsen gestellt worden.
Doch Jack lies sich davon nicht entmutigen. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße war eine ähnliche Ansammlung der Kuritas zusammengekommen, allerdings ohne einen Krankenwagen, dafür mit einem Übertragungswagen Comstars inklusive der Reporterin Shaw.
Zwei Männer kamen auf ihn zu. Der eine war hochgewachsen und muskulös. Seine schwarzen Haare waren zu einem Zopf hochgesteckt und er trug trotz der Kälte nur einen seidenen Kimono. Der andere war ein kleiner alter Mann, der abgesehen von vielen Runzeln zwei Katanas auf seinen ausgestreckten Armen trug.
Jacks Mine verdunkelte sich. Ungerührt bezog der muskulöse Mann Jack gegenüber Position. Der kleine Mann drückte ihm eines der Katanas in die Hand und wandte sich dann Jack zu um ihm ebenfalls ein Schwert in die Hand zu drücken. Dann trat er hastig einige Schritte zurück und nickte dem Regimentskrieger zu.
Dieser Verbeugte sich leicht und sprach:
„Ich bin Chu-I Arthur Nakimura. Ich fordere dich Jack Arcturus zum Duell mit dem Schwert, zur Sühne deiner Verbrechen gegen die Mitglieder des Dieron Regiments. Du bist mit der Schwertkunst vertraut, nicht wahr?“
„Pos.“
Das war wie sich Jack eingestehen musste, eine glatte Lüge. Aber eher wäre er gestorben als solch eine Blöße einzugestehen. Als er genauer darüber nachdachte, wurde ihm bewusst, dass dies wohl exakt das war, was gleich passieren würde.
Doch statt sich irgendwelche letzten Ausflüchte zurecht zulegen, zog er das Schwert aus der Scheide und betrachtete es neugierig. Die Klinge war blank und scharf. Probehalber lies er das gut ausgewogene Katana einmal einen Bogen durch die Luft ziehen, bevor er nickte und sich mit dem Schwert in der Hand in die Grundstellung seines Systema Kampstils begab. Sein Gegner beäugte ihn abschätzig, tat es ihm aber gleich. Jedoch nahm er eine wesentlich elegantere Position ein, die deutlich zum Ausdruck brachte, dass Jack es hier mit einem überaus geübten Schwertkämpfer zu tun hatte.
Beide Kämpfer verbeugten sich und Alle, die zusahen hielten den Atem an.

Ares
10.01.2006, 20:38
Voss stand mit verschränkten Armen vor dem großen Bildschirm. Mit unbewegtem Gesicht verfolgte er das Geschehen vor der Stadt. Während das Duell lief, koordinierte er die Neugruppierung nach dem Waffenstillstand. Er rechnete zwar nicht damit, dass es tatsächlich noch einmal zum Kampf kommen würde, aber die Zeit für uneingeschränktes Vertrauen war noch nicht angebrochen.
„Sie überraschen mich Kommandanthauptmann.“
Voss seufzte innerlich. Langsam drehte er sich zu der, nunmehr offen stehenden Türe des HQs.
„Lord Donahugh, was für eine Überraschung...“
„Nun mein lieber Voss ich muss schon sagen, ein brillanter Schachzug. Sie geben ihren Clanner hin um die Dracs in eine Falle zu locken. Wirklich brillant. Sobald sie uns ihren Rücken zugedreht haben, werden wir sie zerquetschen. Allein das Bergegut der Davions finanziert uns schon die halbe Kampagne, dazu noch die Kuritamaschinen und deren Clantech, und kommenden Siegen steht nichts mehr im Wege.“
Voss Miene verdüstere sich mit jedem Wort mehr.
„Ich fürchte sie unterliegen hier einem gewaltigen Missverständnis my Lord, wir werden keinesfalls irgendwelche Aktionen unternehmen, die diesen Waffenstillstand gefährden könnten. Im Gegenteil. Ich werde alle mir zu Gebote stehenden Mittel einsetzen um den Frieden mit den Sternenbundtruppen wieder herzustellen.
Keinesfalls werde ich es zulassen, das irgendjemand noch einmal einen Streit vom Zaun bricht. Mir obliegt der Befehl über die Arcturus Garde und sollten sie irgendetwas tun um Jinsai noch einmal zu provozieren, werde ich unverzüglich diesen Planeten samt aller meiner Männer und Material verlassen.
Und ich habe Jack nicht geopfert. Er hat jede Chance dieses Duell zu gewinnen...“
Zu Voss großem Ärger nahm Donahugh diesen Ausbruch gelassen hin. Sogar ein kleines Lächeln schien sich über sein Gesicht zu stehlen.
„Mein lieber Voss, ich kann ihnen gar nicht sagen wie leid es mir tut, aber mit dieser Äußerung haben sie soeben Hochverrat begangen. Und im Zuge der Notstandsgesetzte bin ich Befugt sie hiermit verhaften zu lassen...“
„PAH, Sie und welche Armee?“
„Ihre.“
Fast wie auf ein Stichwort traten zwei Personen mit gezogenen Waffen in das Innere des HQ. Voss verschluckte sich fast.
„Rainier, was... Aaronsen, ich dachte sie seien bei der Stadtverteidigung umgekommen.“
„Tja mein lieber Voss, ihre ehemaligen Untergebenen haben sich dazu bereit erklärt aus der Palastgarde wieder auszutreten und die Führung der Garde zu übernehmen, nachdem der bisherige Kommandant sich als Verräter und Kriegsverbrecher erwiesen hat. Sie sind verhaftet.
Ach und übrigens: Werfen sie mal einen Blick auf den Vidschirm, ich glaube ihr Clanner wird gerade hingerichtet...“

Das Schwertduell verlief ziemlich einseitig. Arthur Nakimura machte es überhaupt keine Mühe die ungeübten Hiebe abzuwehren und Jack mit jeder Bewegung seines Schwertes zu immer schnelleren Ausweichbewegungen zu zwingen. Noch verhielt sich der VSDK Soldat vorsichtig. Er spielte mit seinem Gegner um dessen Fähigkeiten einschätzen zu können. Sein Gegner war schnell, aber sein Schwert hielt er wie einen Knüppel. Dennoch: Eine der wichtigsten Kampfregeln hielt ihn davon ab sofort zum Todesstoß anzusetzen: Ein Kampf gegen einen Profi ist dem gegen einen Amateur stets vorzuziehen, denn bei einem Amateur weiß man nie was für einen hirnverbrannten Blödsinn er jeden Moment anstellen könnte...
Nur Knapp gelang es Arthur dem Katana auszuweichen, das Jack nach ihm geworfen hatte.
Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.
Hah, dachte er, der verrückte Gaijin hat sich selbst entwaffnet, damit hat er sein Schicksal besiegelt. Er hob sein Katana um in einem einzigen gewaltigen Hieb Jack den Kopf vom Rumpf zu trennen.
Jacks Gedankengänge waren hingegen in diesem Momente eher in der Richtung von: Hah, endlich bin ich das Ding los, STIRB DU SCHLANGE.
Und jäh musste Arthur zu seinem Entsetzen feststellen, dass ein knapp ein Meter langes Stück geschliffenen Stahl relativ wenig Nutzen besitzt, wenn der Gegner einem plötzlich wie ein Rugby Spieler seine Schulter in die Magengrube rammt. Nur für einen Augenblick verlor er damit seine Körperbeherrschung, aber die wusste Jack zu nutzen. Von irgendwoher strömte Blut über Jacks Gesicht, aber er ignorierte das brennende Gefühl neben dem linken Auge.
Seinen eigenen Impuls nutzend, packte Jack das Handgelenk des Schwertarms, tauchte unter dem Arm hindurch, verdrehte ihn dem Drac auf den Rücken, richtete sich blitzartig wieder auf und setzte, nun hinter seinem Gegner stehend einen Tritt in dessen Kniekehle nach.
Das Krachen des Schultergelenks sowie der auf den Beton aufschlagenden Kniescheiben lies die Zuschauer zusammen zucken. Doch noch immer hielt der Drac das Katana fest in der Hand. Dieser Zustand währte jedoch nur einen Augenblick, denn schon hatte Jack sein gestrecktes linkes Bein wie eine Ballerina nach oben gebracht um es dann wie ein Fallbeil auf den abgewinkelten Ellenbogen seines Gegners herab sausen zu lassen.
Dem Chu-I entrang sich ein markerschütternder Schrei, als sein Armgelenk auf einmal auf eine Weise bewegt wurde, die von der Natur nie beabsichtigt worden war.
Das in ein Wolke reiner Agonie gehüllte Gehirn des VSDK Offiziers spürte noch wie sich ein Arm um seinen Hals legte und eine Hand seine Stirn umfasste. Ein trockenes Knacken später hörte der Schmerz plötzlich auf und der Chu-I schloss glücklich ein letztes Mal die Augen.
Atemlose Stille empfing Jack, als er sich wieder aufrichtete. Er verbeugte sich knapp in Richtung des alten Mannes, machte auf dem Absatz kehrt und sprintete in Richtung seines wartenden Krankenwagens. Kaum hatte er hinten Platz genommen, öffnete er seine Faust und hielt dem verblüfften Sanitäter seine Ohrmuschel hin, die er bei seinem Rammanöver an der scharfen Klinge des Katanas eingebüßt hatte.
„Setze mich wieder zusammen, Tech. Und vielleicht könntest du dem Fahrer sagen, dass er sich beeilen soll, bevor die Schlangen noch ihren Ehrenkodex vergessen, frapos?“

„Was soll das heißen, Verschwunden?!“ Wie zum Teufel kann eine verdammte Armee einfach so aus meiner Stadt verschwinden?“ Donahugh besprühte vor lauter Wut seinen Vidschirm mit kleinen Speicheltröpfchen.
Major Rainier wand sich wie eine Ameise unter einer Sammellinse an einem wolkenlosen Tag.
„My Lord, wir haben die Basis der Arcturus Garde eingenommen aber der Großteil des Regiments ist dem Aufruf in die Basis zurückzukehren nicht gefolgt. Aaronsen ist losgefahren um die Offiziere von Voss ebenfalls festzusetzen. Er kam aber nicht weiter als bis zur Fahrbereitschaft, dort wurde er in seinem Jeep von einer Kesselbrut abgedrängt. Die Ärzte versuchen gerade eine Querschnittslähmung zu verhindern.“
„Das interessiert mich nicht. Sorgen sie dafür, dass die Garde wieder auftaucht und sich mir unterstellt. Donahugh Ende.“

Langsam beruhigte sich Donahughs Puls wieder. Na gut, die Übernahme war nicht optimal gelungen. Was soll’s. Immerhin war die Palastgarde mit genug Davionmaschinen versorgt um die Stadt auch allein zu verteidigen. Zudem waren einige der Gardepiloten vernünftig genug gewesen sich ihm anzuschließen. Um nochmalige moralische Kehrtwenden auszuschließen, hatte er diese Piloten fürs erste in „Sicherheitsverwahrung“ gesteckt. Dennoch fehlte noch ¾ der Garde, selbst das mobile HQ war verschwunden und von den Offizieren hatte sich weder Raily noch Hoffmann gemeldet. Aber das war kein großes Problem. Alle Nachschublager waren schon während des Rückzugs nach Argatas aufgelöst worden und befanden sich jetzt in der Stadt unter seiner Kontrolle. Ohne ihren Kommandanten und ihre Versorgung war es nur eine Frage der Zeit bis sie sich ergeben mussten.
Er richtete sich auf. Es wurde Zeit für seine Siegesansprache an das Volk von Imbross III...

Raily knirschte mit den Zähnen. Jetzt war es passiert. Drake hatte sich zu sehr auf die militärische Seite konzentriert und die Politische ignoriert.
Alles was sie jetzt tun konnte, war die Reste der Garde zusammen zuhalten und irgendwie ihren Anführer zu befreien. Das ein wutschnaubender Jack hinter ihr Kreise in den Boden lief half ihr nicht unbedingt bei ihrer Konzentration. Die Tatsache, dass der Clanner es mit seinem Mech aus der Kaserne heraus geschafft hatte, war nicht so beeindruckend wie, dass er es überhaupt hinein geschafft hatte. Aber obwohl die meisten Fußsoldaten stur die Befehle ihrer Vorgesetzten befolgten, wer auch immer diese im Moment waren, hatten doch die meisten gelernt sich still zu verhalten wenn der Clanner vorbei kam und ihn zu ignorieren.
In dem noch immer nicht beseitigten Chaos der Trümmer und teilweise gestörten Kommunikation der Stadt war es ihr gelungen mit dem HQ selbige zu verlassen. Heute fliehen, morgen kämpfen, war besser als heute kämpfen, morgen tot sein...

Donahugh betrachtete sich noch einmal im Spiegel. Die neue maßgeschneiderte Uniform stand ihm ungemein. Ein hervorragender Kontrast zu Drake Voss’ Erscheinung und der orangen Augenbinde die er tragen würde. Die Reporter warteten bereits. Wenn die Garde diese Bilder sah würde sie endgültig ihren Mut verlieren und aus den Wäldern zurückkehren.

Ein wenig mulmig war es Feldwebel Hartmann schon zu Mute, als er in Begleitung von zwei seiner Soldaten Kommandant Voss aus seiner Zelle holte. Ein Kriegsheld verdiente seiner Meinung nach eine bessere Behandlung. Aber Befehl war Befehl. Der Zug Infanteristen wartete bereits und der Pfahl, an dem der Delinquent schließlich von Kugeln zersiebt werden würde. Der Gang aus dem Untergeschoss des Militärgefängnisses heraus kam ihm heute besonders lang vor. Aber immerhin konnte er sich danach auf zwei Tage Urlaub freuen an denen er endlich seine Familie wieder sehen konnte.
Ein Geräusch, das ein wenig wie „Klonk, Klonk“ klang lies ihn aus seinen Gedanken hoch schrecken.
„Vorsicht, Gra...“ war alles was er noch hervorbrachte, bevor ein gleißender Lichtblitz und ein lauter Knall ihn unterbrach. Taumelnd und mit schmerzenden Trommelfellen versuchte er, wie auch die anderen Soldaten seine Waffe in Anschlag zu bringen.
Ein stechender Schmerz in seinem Oberkörper lies ihn innehalten. Seine Beine wollten ihn plötzlich nicht mehr tragen und irgendetwas riss ihn nach hinten um. Eine seltsame nässende Wärme breitete sich über seine Brust aus. Schemenhaft konnte er eine Gestalt ausmachen die über ihn hinweg trat, dann wurde alles Schwarz..
„Klar“, „Klar“, „Klar“. Die drei Kommandosoldaten hatten sich abgekniet und sicherten den Gang in beide Richtungen. Hauptmann Hoffmann war mit den Schießkünsten seiner Männer mehr als zufrieden: insgesamt 15 Schüsse waren abgegeben worden und jeweils drei hatten einen der Wachsoldaten getroffen. Drake hatte eine bemerkenswerte Geistesgegenwart bewiesen, als er sich bereits beim ersten „Klonk“ der Granate flach zu Boden geworfen hatte und nicht die Schusslinie seiner Leute blockierte. Aber für Lob war später noch Zeit, der Knall der Flashbang-Granate konnte jeden Moment weitere Wachen anlocken. Zwei der Soldaten stützten Voss auf dem Weg zu einer aufgebrochenen Stahltüre, die zu den unterirdischen Versorgungstunneln der Palastanlage führten.
Es zahlte sich wirklich aus alle möglichen Informationen bei einer Stadtverteidigung einzuholen...

„Bernhard, ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich bin dich zu sehen.“ Meinte Voss eine Viertelstunde später auf dem Rücksitz eines Militärschwebers. Hoffmann saß ihm schräg gegenüber, den Blick aus dem Fenster gerichtet.
„Das selbe könnte ich zu dir sagen, Drake.“
„Wie geht es Jack? Hat er überlebt?“
„Er hat ein Ohr eingebüßt, sonst geht es ihm aber gut. War ein glatter Schnitt wie ich gehört habe. Der Idiot hat doch tatsächlich sein Schwert weggeschmissen um seinen Gegner zu verprügeln.“
„Ja, das klingt ganz nach Jack. Was ist mit Barghest, waren sie erfolgreich?“
„Aber sicher, die Panzerkompanie ist nicht mehr. Sie haben nicht mal versucht sich zu ergeben. Raily hat Jinsai gleich diskret darüber informiert. Die Schlangen verhalten sich ruhig wie versprochen. Aber wir haben ein großes Problem:
Donahugh hat fast ein Viertel unserer Leute entwaffnet und das Material an seine Hampelmänner verteilt. Wir sind praktisch ohne Vorräte in die Berge geflohen. Es ist allein unseren Milizkontakten zu verdanken, dass wir dich rechtzeitig herausholen konnten.“
„Das macht nichts.“
„Was? Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt Drake. Was ich meine ist, dass wir keinerlei Vorräte haben, keine Hilfs- und Wartungsausrüstung, einen Gegner der uns Zahlenmäßig sogar leicht überlegen ist und zu allem Überfluß auch noch eine von uns selbst befestigte Stellung übernommen hat.“
„Das ist mir klar Bernhard. Aber mir schwebt auch kein Guerilla Krieg vor. Wir werden uns nicht verstecken.
Die befestigten Stellungen gehören immer noch größtenteils der Miliz, und ich kenne einige Männer, auf die ich mich verlassen kann. Wir kommen in die Stadt hinein wenn wir wollen. Und dann verhaften wir Donahugh. Keine Finten, keine komplexen Pläne. Wir gehen auf das Palastgelände und schlagen zu.“
„Drake, warum klingt das bei dir immer so einfach?“
„Weil es einfach ist. Es behauptet aber niemand, dass es leicht wird...“

Jack war unruhig. Gerade eben war die Patroullie dieses Quadranten vorbei gezogen. Für diese Mission kämpfte er Seite an Seite mit Barghest. Er konnte praktisch spüren wie die ECM Anlagen ihren schützenden Mantel über die 3 Kompanien legten. Der Milizhauptmann, der diesen Sektor überwachte hatte sein OK gegeben sie passieren zu lassen. Da, der Computer meldete ein Signal: Lang, Kurz, Lang.
Einfach genug um als Störung durch zugehen, aber sicher genug um erkannt zu werden.
Die Mechs setzten sich in Bewegung.
Als Jack die Geschützstellung passierte, musste er sich direkt zwingen die Läufe der Gaussgeschütze nicht aus reiner Gewohnheit mit seinen PPKs zu Schlacke zu verarbeiten.
Der Plan war wirklich einfach: Sie sollten so schnell wie möglich die Stadt durchqueren und den Palast besetzen. In vier zivilen Reisebussen saßen 120 Infanteristen, welche die Ein- und Ausgänge des Palastgeländes sprengen würden um Donahugh von eventueller Verstärkung abzuschneiden. Damit mussten sie sich nur seiner persönlichen Leibwache stellen die auf dem Gelände stationiert war.
Es war geradezu unheimlich durch die verlassenen Straßenschluchten Argatas zu laufen, ohne irgendjemandem zu begegnen. Riesige Trümmerhaufen zeugten von der zwar ungezielten aber dennoch gewaltigen Zerstörungskraft der Davionartillerie. Vom anderen Ende der Stadt erklang eine Art Donner und der Himmel wurde wie von Blitzen erleuchtet.
Dort fand ein Frontalangriff auf die Palastgarde statt, welche die Hauptzufahrt Argatas besetzt hatten. Egal was Voss gesagt hatte: Ganz ohne Finten und Ablenkung ging es doch nicht.
Jack lies eine Straßenkehre hinter sich und konnte jetzt die Palastmauer vor sich sehen. Nur 10m hoch, folgte dahinter doch ein 20m breiter und 15m tiefer Graben, der allem was nicht über kletterfähige Arme oder Sprungdüsen verfügte eine wirkungsvolle Barriere entgegenstellte. Die vorherigen Herrscher von Imbross III hatten großen Wert auf ihre persönliche Sicherheit gelegt und die Anlage des Palastes entsprechend militärischer Gesichtspunkte gestaltet.
Doch das der Nebeneingang, geplant für die Lieferung von Konsumgütern und diskreter Ausflüge der Bewohner, von einer Horde Touristen überrannt wurde, die aus einem Reisebus eines Solaris 7 Reiseveranstalters stürmten, hätte sich wohl keiner der adligen Herrschaften jemals träumen lassen. Jack persönlich fand, dass Hoffmann mit der Ausgabe von Hawaiihemden an seine Truppen etwas übertrieben hatte, musste aber doch zugeben, dass es die Torwachen wertvolle Sekunden lang hatte zögern lassen. Jetzt war der Posten überrumpelt und die Brücke wurde für die Mechs herunter gelassen. Dank den Schall gedämpften Waffen und der gnadenlosen Präzision Hoffmanns persönlicher Truppe, war noch kein Alarm ausgelöst worden.
Mit absoluter Funkstille, erreichten die Mechs das Innere der Anlage. Ziersträucher und Gartenplastiken standen in scharfen Kontrast zu den noch recht frischen Kratern, welche dem Begriff „Rasensprengen“ eine völlig neue Bedeutung gegeben hatten.
Jetzt konnte es nur noch eine Frage der Zeit sein bis sie Entdeckt wurden...
Eine Salve Kurssteckenraketen, die aus einer versteckten Lafette unterhalb eines Rosenbeets hervor schoss, beseitigte diesbezüglich jeden Zweifel.
Ein leichter Wolfshund wurde von den Geschossen vollkommen unvorbereitet erwischt und büßte fast eine Tonne Panzerung ein. Wieder stellte Barghest enorme Disziplin zur Schau, als die Truppe wie ein Mann die Geschwindigkeit erhöhte und nur zwei Mann an der Außenseite die Lafette unter Beschuss nahmen. Die reaktivierte Aktivortung enttarnte vier weitere Stellungen, sowie eine Lanze schwerer Mechs, die gerade hochgefahren wurden.
Simultan feuerte die Kompanie ihre LSR-Lafetten ab und ein wahrer Hagel an Raketen ging auf die Stellungen nieder, bevor diese ihre Waffen zum Einsatz bringen konnten.
Immer mehr Reaktorsignaturen wurden jetzt sichtbar. Die Palastwache musste einen Alarmstart aller verfügbaren Männer veranlasst haben.
Jack spürte ein leichtes Ziehen an den Stellen an denen der Medtech sein Ohr praktisch wieder angetackert hatte. Der leichte Neurohelm der Kesselbrut drückte unangenehm auf die frische Wunde. Jack hatte genug. Er gab einen vereinbarten Code an den Kompanieführer ein und löste sich aus dem Verband um sein eigenes Ablenkungsmanöver zu starten.
Statt den anderen zum Hauptgebäude zu folgen, drehte er zum Fuhrpark ab. In der Rückansicht sah er, wie Barghest den ersten Feindkontakt hatte. Ein Victor, eine Banshee, ein Battlemaster und ein Schütze. Dabei bediente sich Barghest einer Taktik, die als „Mechball“ bekannt, berüchtigt und vor allem gegen die Clans sehr effektiv gewesen war:
Statt jeden Mech one on one anzugreifen, eröffneten alle 16 Maschinen gleichzeitig das Feuer auf einen einzigen Gegner. Unter der geballten Feuerkraft der wenigen Schweren, aber vielen leichten und mittleren Maschinen, ging die Banshee nach 3 Sekunden zu Boden, der Victor nach 7, der Battlemaster nach 12 und der Schütze schließlich erst nach 20 Sekunden zu Boden, weil dessen Pilot die Aussichtslosigkeit seiner Lage erkannt hatte und versucht hatte Abstand zu gewinnen.
Aber Jack konnte dem Feuerwerk nicht länger zu sehen, denn auch in den Fuhrpark kam Leben. Drei Jeeps mit aufgesetzten KSR Werfern kamen Jack entgegen. Mit einer geradezu lässigen Bewegung fegte die Kesselbrut diese mit ihren vier mittleren Impulslasern beiseite.
Ein Glück für Jack, denn während sich die Kondensatoren der Waffen wieder aufluden, fuhr eine wesentlich schwerere Bedrohung aus einem Hangar: Ein Demolisher II. Der riesige Panzer war mit zwei der schwersten LBX Autokanonen bestückt, die es in der IS gab.
Hastig gab Jack zwei Schüsse mit seinen ER PPKs ab und legte den Rückwärtsgang ein.
Der Panzer war langsam, aber sobald er erst einmal mit seinen schweren Waffen in Reichweite war, würde es nur eine Frage von Sekunden sein, bis er Jacks Gefährt in einen Haufen rauchenden Schrott verwandelt hatte. Die doppelte Salve der Partikelstrahlen traf die Frontpanzerung des Vehikels, schien aber keinen besonderen Eindruck bei der Besatzung zu hinterlassen. Jack war sich weiterer hochfahrender Reaktoren bewusst. Er musste dieses Monster stoppen und zwar möglichst schnell. Die Bunkerartigen Gebäude des Fuhrparks negierten die größere Beweglichkeit und Reichweite von Jacks Mech.
Zeit für eine List. Jack lies seinen Mech einen Seiten Schritt in eine Lücke zwischen zwei Gebäuden vollführen. Gerade rechtzeitig um einer Doppelsalve an Bündelmunition zu entgehen, die stattdessen die Außenfassade der Fahrbereitschaft demolierte.
Die Lücke war so eng, das Jack sein Gefährt nicht drehen konnte und er sich wie eine Krabbe seitwärts weiter bewegen musste. Ein platter Zaun später befand er sich hinter den Gebäuden. Sein Scanner zeigte mittlerweile vier weitere Panzerfahrzeuge auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes.
Panzer. Krieger ohne Ehrkodex, die aber auch entsprechend behandelt werden durften. Seine Taktikanzeige verriet ihm, das sich je zwei Maschinen anschickten die Gebäude auf der jeweils gegenüberliegenden Seite zu umrunden und ihn so in die Zange zu nehmen.
Sollten sie es versuchen. Jack war immer der Überzeugung gewesen: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg und wo der Wille nicht reichte, musste man sich mit schweren Waffen begnügen.
Dementsprechend richtete er sein Arsenal auf die verstärkte Rückseite des Fahrzeughangars und drückte ab.
Im Beton gebundenes Wasser verdampfte urplötzlich und schleuderte halb geschmolzene Betonbrocken durch die Gegend. Jack trieb die Wärme in seinem Cockpit mit zwei weiteren Salven in die Höhe, bis ein Loch entstanden war, durch das er seinen Mech zwängen konnte.
Sein Blick fiel auf zwei große Behälter, die über massive Panzerstahlwände verfügten. Flüssiggastanks. Der bevorzugte Treibstoff auf jedem Planeten, der so reich an Biomasse war.
Die Tanks waren zwar ähnlich gut gepanzert wie die Außenhülle eines Landungsschiffes, jedoch nicht die Ventile.
Jack verlor keine Zeit. Mit zwei gezielten Tritten verloren die Tanks ihre Dichtungen und schossen Fontainen aus Flüssiggas in die Halle.
Seine Instrumente zeigten an, dass sich die Halle ziemlich schnell mit einer gefährlich hohen Konzentration an Kohlenwasserstoffgasen füllte. Die meisten Tore waren geschlossen.
Jack beschleunigte. Die drohende Silhouette des Demolishers tauchte vor ihm auf. Ein Hagel an Geschossen füllte plötzlich die Luft und scheuerte über die Kesselbrut. Mühsam hielt Jack die Maschine aufrecht. Der Computer sagte ihm dass es noch keine Panzerdurchbrüche gegeben hatte, dass dies aber wohl nicht mehr lange so bleiben würde.
Im letzten Moment bevor er gegen den Panzer geprallt wäre drehte Jack ab und rammte eines der Rolltore aus seiner Verankerung. Der Schuss aus dem zweiten Rohr des Panzers ging fehl.
Das heißt er traf nicht Jack, sondern lies die schrotartigen Geschosse harmlos durch die Luft fliegen und harmlos im hinteren Teil der Halle gegen diverse Objekte aus Panzerstahl prallen. Dabei entstanden nicht ganz so harmlose Funken...
Für einen winzigen Moment herrschte eine seltsame Art der Stille, als wäre nicht genug Luft vorhanden um den Schall zu übertragen.
Die Druckwelle der Explosion lies die restlichen Tore wie Papier durch die Gegend fliegen und brachte die Halle zum Einsturz wobei die wesentlich leichter gepanzerte Abdeckung der Tanks beschädigt wurden. Danach dauerte es fast fünf Sekunden, bis sich die Flammen in das Innere der Tanks gefressen hatten.

Voss war ganz ruhig als der kleine Transporthubschrauber auf dem Palastlandeplatz aufsetzte.
In Begleitung einiger Infanteristen begab er sich zum Audienzzimmer des Palastes. Einige tote Körper und größer werdende Blutlachen zeigten, dass die Speerspitze des Einsatzkommandos nicht allzu lange vor ihm da gewesen waren.
Eine Nachricht in seinem Kommunikator lies ihn eine Antwort murmeln, dann öffnete er flankiert von seinen Soldaten die Türe zum Arbeitszimmer des Lords.

„Lord Donahugh, im Namen der Archon und der Lyranischen Allianz sind sie hiermit unter Arrest gestellt. Erteilen sie ihren Männern sofort den Befehl zur Kapitulation oder sie werden die Konsequenzen tragen.“
„Wie zum Teufel...“ Donahugh blickte ihn überrascht an. „Wie sind sie hier herein gekommen, wo sind meine WACHEN!!!“
„Jeglicher Widerstand innerhalb des Palastes wurde eliminiert. Geben sie auf.“
Ein orangefarbenes Licht drang plötzlich durch die verzierten Bleiglasscheiben.
Voss fuhr herum: „Was...“
Dann erreichte die Druckwelle das Gebäude und lies die Panzerglasscheiben erbeben. Das Licht ging aus. Die Soldaten eröffneten das Feuer.
„Feuer einstellen“ brüllte Voss. Eine Notstromversorgung sprang an. Wo eben noch Donahugh gestanden hatte war nun eine sich schnell schließende Geheimtür sichtbar. Mit einem dumpfen Klack schloss sich das Wandpanel.
„Verflucht. Feldwebel, öffnen sie diese Tür und nehmen sie die Verfolgung auf.“
Ohne auf eine Reaktion zu warten trat Voss an den Schreibtisch und aktivierte das Interkom: „Hier spricht Kommandanthauptmann Drake Voss von der 5. Arcturusgarde. Lord Donahugh ist seines Amtes enthoben. Alle Angehörigen der Palastwache stellen augenblicklich das Feuer ein oder werden sich einem Kriegsgericht gegenüber sehen.“

Donahugh hörte das Hämmern und Rumoren im Gang hinter sich. Voss versuchte wohl ihn zu verfolgen. Sollte er doch. Die Türe war aus Panzerstahl und der Öffnungsmechanismus befand sich in seiner Jackentasche. Bis sie sich den Weg frei gesprengt oder geschnitten hatten war er längst auf dem Weg ins All. Ja, er würde nach Tharkad gehen. Dort hatte er Freunde. Mächtige Freunde. Voss würde den Tag seiner Geburt verfluchen, wenn er dort erst seine Version der Geschichte erzählt hatte und seine Beziehungen spielen lies.
Eine weitere Sicherheitstür schloss sich hinter ihm. Da mussten sie schon früher aufstehen um Lord Donahugh zu übertölpeln. Die schwere Pistole in seiner Hand verlieh ihm zusätzliche Zuversicht. Ein Raumtaxi stand stets bereit, zu jeder Zeit mit einem Piloten besetzt.
Lautlos glitt die Schleuse des kleinen Transporters auf.
„Pilot. Bringen sie mich sofort zu den gespeicherten Koordinaten Alpha/21/Epsilon. Dort wartet ein Sprungschiff auf mich.“
„Ich fürchte das ist nicht möglich.“ Die Stimme lies dem Adligen das Blut in den Adern gefrieren als sie fortfuhr. „Ich fürchte, für sie gibt’s nur eine Richtung: Abwärts. Viel Spaß in der Hölle.“
Hauptmann Hoffman zog den Abzug seiner Dienstpistole durch.

Einige Wochen später saß Voss über einem Bericht. Er würde ihn später am Tag über HPG verschicken und damit hoffentlich auch das Kapitel Imbross III für sich und seine Leute beenden.
Er las sich folgendermaßen:

Sehr geehrte Damen und Herren des Oberkommandos,

wie sie durch meine vorherigen Berichte schon erfahren haben, wurden die Befürchtungen über Lord Donahugh, dass er sich auf die Seite Victor Steiner Davions schlagen könnte, nicht bestätigt.
Jedoch kam es im Verlauf der Auseinandersetzungen mit den Sternenbundschutztruppen zu einigen fragwürdigen und sogar kriminellen Entscheidungen Donahughs. Im Zuge dieser Ereignisse widersetzte er sich seiner Verhaftung und wurde im Zuge der Notwehr von einem meiner Männer tödlich verwundet. Anhängig finden sie eine protokollierte Zusammenstellung der Ereignisse.
Im Zuge dieser Geschehnisse erbitte ich daher die Verlegung der 5. Arcturusgarde. Die planetare Miliz hat sich als loyal und zuverlässig erwiesen und der Kommandant der SBVS Einheit hat nach der Entfernung Lord Donahughs einer vollständigen Einstellung der, von diesem provozierten Kriegshandlungen garantiert.

Hochachtungsvoll

Kommandanthauptmann Drake Voss, 5. Arcturusgarde,

Imbross III, Argatas, den 2.2.3062

Er schloss das Dokument gab seine Versiegelungskennung ein und reichte den Datenchip an seinen Adjutanten.
„Bringen sie das so schnell wie möglich zu Comstar. Eilübermittlung.“

Nachdem der Soldat den Raum verlassen hatte drehte er sich um.
„Das war’s Bernhard. Wir verlassen diesen verfluchten Intrigen-Planeten.“
„Schön. Hast du schon gehört? Jack ist wieder auf den Beinen. Im übertragenen Sinne. Für eine Weile wird er wohl nur im Rollstuhl Angst und Schrecken verbreiten. Ich hab dabei 10 C-Bills verloren.“
„Wieso das denn?“
„Ich habe dagegengehalten, dass jemand der von einer Druckwelle im Schleudersitz erwischt wird und mit über 80 Sachen gegen eine Hauswand prallt das ganze auch noch überlebt.“
„Das war nicht nett von dir, geschieht dir recht. Jack wird genügend Gelegenheit haben sich auszukurieren. Wir werden wohl bald ein paar Monate unterwegs sein.“
„Meinst du das es irgendwo anders besser wird?“
„Wer kann das schon sagen. Wichtig ist nur, dass wir diese Sache überstanden haben, ohne all zu große Verluste.“
„Das ist sehr euphemistisch ausgedrückt. Die Materialschäden haben wir vielleicht ausgeglichen, aber was ist mit den Männern die wir verloren haben, ganz zu schweigen von den Schäden an der Moral? Und alles im Kampf gegen Friedenstruppen und unsere eigenen Verbündeten. Und alles nur wegen einem Machtgeilen Arschloch, das den Hals nicht voll bekommen konnte.“
„Tja Bernhard. Das Leben ist nun mal nicht nur Schwarz oder Weiß, wir müssen uns jeden Tag aufs Neue fragen, was richtig oder falsch ist und dabei hoffen, dass wir die richtigen Entscheidungen treffen .“
„Mir würde schon reichen so einen Scheiß nicht noch einmal miterleben zu müssen.“
„Wenn wir das nur garantieren könnten...“


ENDE

Der „Fimbul-Winter Zwischenfall“ forderte eine Gesamtzahl von ca. 20000 Opfern bei Militär und Zivilbevölkerung und verursachte einen Schaden in Höhe von 3,4 Milliarden C-Bills sowie einen Rückgang des Bruttoplanetenprodukts von über 20%. Die 5. Arcturusgarde verlies am 1.April 3062 den Planeten Imbross III mit nicht näher spezifiziertem Ziel.
Jinsai und seine Leute wurden durch die 32. Galedon Regulars ersetzt und an die Geisterbärenfront verlegt.
Am 3.August wurden die VSDK Friedenstruppen Ziel eines Angriffes zweier Battalione in den Farben der Arcturischen Garden. Es konnte nie geklärt werden wer die Angreifer wirklich waren oder wer sie geschickt hatte. Jedoch sorgte dieser Angriff für die endgültige Annexion des Lyons Daumen.
Drake Voss und seine Garde kämpften im VerComm Bürgerkrieg auf Seiten Katrina Steiners. Ihr aktueller Verbleib ist unbekannt.